10. November 2016

Wie weiter im Sofagarten?

Seit fast einem Jahr sind hier im Sofagarten ausschliesslich vorgebloggte Artikel über längst gelesene Gartenromane und Gartenkrimis, deren Vorstellung ich aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe und an deren Inhalt ich mich oft kaum noch erinnern kann, regelmässig alle zehn Tage veröffentlicht worden. Ende Oktober habe ich nun meine zweijährige berufliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen und gleichzeitig sind sämtliche vorgebloggten Artikel inzwischen online. 

In den ersten Novembertagen habe ich mit „Nora und die Novemberrosen“ von Tania Krätschmar den perfekten Wiedereinstieg ins Sofagärtnern genossen. Und zwar ganz ohne Dekorieren des Romans mit Post-it-Zetteln, was gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass es hier keine ausführliche Buchvorstellung geben wird. Nur so viel zum Inhalt: der Roman ist die annähernd vollkommene Lektüre für gärtnernde Leserinnen und lesende Gärtnerinnen. Selten lässt sich Buch finden, dessen hortikultureller Hintergrund dermassen ausgeprägt ist, und gleichzeitig einen anregenden Lesegenuss bietet, inklusive einem Hauch von „The Lost Gardens of Heligan“. Letzteres übrigens gleichzeitig eine weitere Erscheinung dieses Bücherherbstes über die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, die nun endlich auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich ist (Tim Smit, Lost Gardens of Heligan - Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, Ulmer). 

"Das Licht des Sommers" von Elin Hildebrand hat mir trotz Parallelen zu meinem eigenen Leben deutlich weniger gut gefallen. Dabei heisst es auf der Rückseite des Buchumschlags vielversprechend: "Graces Stauden fingen an zu spriessen, ihre Zwiebelgewächse - Narzissen, Hyazinthen, Tulpen - blühten, und ihre japanischen Kirschen hatten Tausende von Knospen. Zwei Wochen noch, und die Bäume würden ..."(Zitat Ende). Ebenfalls abrupt beendet wurde meine Vorfreude auf den neuen Harry Potter. Zwar war mir durchaus bewusst, dass es sich um ein Theaterstück handelt, dass aber das Buch auch in dieser Form geschrieben ist, hatte ich mir leider beim Kauf nicht überlegt. Ich war also ziemlich enttäuscht, als ich nach der letzten Prüfung mit der Lektüre dieses ersten Nicht-Schul-Buchs seit gefühlt ewigen Zeiten anfing und habe es ungelesen aus meiner Sichtweite verbannt. Im Moment lese ich gerade "Auch mogen werden Rosen blühen" von Clara Sternberg. 

Nach mehr als dreissig Jahren intensivem Gartenbuchlesen weiss ich meistens spätestens nach dem Lesen der ersten paar Buchseiten, ob mir die Lektüre zusagen wird oder nicht. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich mit den Jahren eine gewisse Ermüdung und Ernüchterung breit gemacht hat. Denn die Inhalte und Themen der einschlägigen Gartenbücher wiederholen sich doch immer wieder und wer mag schon immer wieder das Gleiche lesen? Auch während der letzten Monate habe ich trotz deutlichem Hinweis im Blog immer wieder Anfragen und Angebote für Buchvorstellungen erhalten und mir wurden auch direkt ungefragt Rezensionsexemplare von Büchern und Kalendern zugestellt. Während ich mir früher immer die Zeit genommen habe, solche Emails ausführlich und persönlich zu beantworten, habe ich inzwischen davon absehen müssen – mein Tag hat auch nicht mehr als vierundzwanzig Stunden, und wer im Blog herumstöbert, stellt ja recht schnell fest, welche Bücher hineinpassen (zumindest, wer etwas weiter als die letzten paar Monate zurückgeht) und welche nicht. 

In letzter Zeit erscheinen immer mehr – häufig doch recht oberflächliche Gartenbuchvorstellungen (sorry, aber meine persönliche Meinung) - im Netz, oft verbunden mit einer gleichzeitigen Buchverlosung, welche die Besucherfrequenz auf den entsprechenden Blogs erhöhen soll. Je mehr über ein (Garten-)Buch bereits im Internet geschrieben worden ist, desto weniger Lust habe ich, mir die notwendigen Gedanken über Formulierungen zu machen, bis eine Vorstellung meinen eigenen Ansprüchen genügt. Meine Zeit fürs Sofagärtnern investiere ich lieber in die Lektüre und Bekanntmachung von Titeln, die man nicht in jeder Buchhandlung unter den wenigen aufgelegten Gartenbüchern findet. Schliesslich ist ein Buch gewöhnlich nicht in einer Stunde genau durchgelesen, dazu kommt dann noch die Zeit für das in Worte Kleiden der Gedanken und Notieren der Beiträge. Ausserdem habe ich vor Jahresfrist mein Arbeitspensum deutlich erhöht. 

Ich werde die Bloggerei zwar (zumindest vorerst) nicht ganz aufgeben, aber aus den oben erwähnten Gründen doch deutlich reduzieren, sowohl umfangmässig als auch inhaltlich. Und ich werde voraussichtlich von meinem langjährigen Vorsatz abweichen, keine Buchcovers zu verlinken. Bis anhin habe ich im Blog konsequent auf Bilder verzichtet. In Zukunft werde ich also gelegentlich Bilder statt Worte sprechen lassen. Auf jeden Fall mache hier im Sofagarten aber bis mindestens Ende Jahr Pause und widme meine durch die weggefallene Lernzeit wiedergewonnene Freizeit einem anderen Projekt.

1. November 2016

Joan Hessayon: Season of Mists

Mit grossen Hoffnungen und Träumen ist die einundzwanzigjährige Edwina Fairfax nach Bishop Council gekommen und mit dem hehren Ziel, die Bäume von Essex für künftige Generationen zu erhalten. Gleichzeitig wollte sie möglichst viele Kilometer zwischen sich und ihre Familie legen und dieser zeigen, dass sie auch ohne deren Hilfe zurechtkommt. Verschiedene berufliche Fehlentscheide lassen sie jedoch schnell inkompetent erscheinen und sie muss erfahren, dass ihre auf ein Jahr befristete Stelle nicht wie erhofft in ein definitives Arbeitsverhältnis umgewandelt wird. Einzig die Stunden, in denen die Baumpflegespezialistin ihr Wissen an Schüler weitergeben darf, stossen auf Interesse und verschaffen ihr selber Befriedigung. Ob das daran liegt, dass sie aus einer Lehrerfamilie stammt?

Für Edwina kam ein Indoor-Beruf nie in Frage. Sie möchte unbedingt draussen und mit Bäumen arbeiten. Warum ordnet sie trotz ihrer guten Ausbildung immer wieder falsche Massnahmen an, lässt Bäume unnötigerweise fällen und definiert dafür gefährliche Exemplare als unbedenklich? Sie möchte jeden weiteren Fehler vermeiden und betritt unbefugt das vernachlässigte Arboretum des Landsitzes Gorham House, um sich in Ruhe auf ihre nächste Tätigkeit vorzubereiten. Dabei beobachtet sie den Abtransport von Gartenskulpturen, während sie sich erfolgreich darauf konzentriert zu verhindern, dass sie entdeckt wird.

Als sie später erfährt, dass es sich bei dieser Aktion um Diebstahl gehandelt hat, behält sie ihre Beobachtungen für sich, um sich nicht noch mehr beruflichen Ärger einzuhandeln. Nachdem ihr Freund Felix Trant, ein lokaler Polizist, von ihren Beobachtungen erfährt, wirft er ihr Illoyalität vor und Edwina steht auch privat vor einem Scherbenhaufen. Zusätzlich fühlt sie sich von den unheimlichen Bewohnern von Gorham House bedroht. Der Hausherr Leo Midnight schüchtert sie mit seiner Ähnlichkeit zu ihrem Vater ein und seine schöne junge Frau Cassandra entpuppt sich als ehemalige Freundin von Felix.  



Joan Hessayon: 
Season of Mists 
Corgi Books, 2001

20. Oktober 2016

Rachael Lucas: Coming up Roses

Daisy hütet seit kurzem das Haus ihrer Eltern, die auf einer mehrmonatigen Asienreise sind. Die frischgebackene Gärtnerin auf zweitem Bildungsweg bringt den grossen vernachlässigten Garten von „Orchard Villa“, der grossen viktorianischen Villa ihrer hortikulturell völlig uninteressierten Eltern, auf Vordermann. Gleichzeitig verkriecht sie sich dabei, um den Trennungsschmerz und Betrug von Freund und bester Freundin zu verarbeiten, die ihr Vertrauen missbraucht haben.

Auf einem Spaziergang mit Polly, dem Golden Retriever ihrer Eltern, macht die junge Frau Bekanntschaft mit dem vierundachtzigjährigen Thomas Broughton. Damit kommt nicht nur Abwechslung, sondern auch tatkräftige Hilfe in ihr Leben. Der Witwer hat nämlich während drei Jahrzehnten den Garten von „Orchard Villa“ für die verschiedenen Vorbesitzer gepflegt und gestaltet. Er händigt Daisy seine Pläne und alten eigenhändig geschriebenen und illustrierten Tagebücher aus. Die beiden in ihrer Einsamkeit gefangenen Menschen tun sich gegenseitig gut und das gemeinsame Interesse am Grünzeug verbindet die beiden rasch zu einem eingespielten Team und nicht nur der Garten blüht auf.

Als Daisy Elaine und Jo kennenlernt und via Thomas Broughton in einem Verein verschiedene Aufgaben übernimmt, ist sie als geborene Städterin plötzlich im Dorfleben integriert. Elaine, eine (scheinbar) perfekte Hausfrau, die ihr (angeblich) perfektes Leben laufend online im Internet zur Schau stellt und aktualisiert, lädt Daisy ein, für ihre Tausenden von Lesern übers Gärtnern zu schreiben. Ausserdem darf die rothaarige Gärtnerin für den bevorstehenden „Tag der offenen Gärten“ Elaines Garten auf Vordermann bringen und träumt nicht nur deswegen immer öfter von einem eigenem kleinen Gartenbetrieb. Bis zum Schreiben eines eigenen Blogs über die Fortschritte rund um „Orchard Villa“ ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Mitten in diese Idylle erreicht Daisy die überraschende Nachricht, dass ihre Eltern „Orchard Villa“ verkaufen wollen, da sie nicht mehr zurückzukehren beabsichtigen. War die ganze Gartenrestaurierung umsonst? Wieder wird Daisy belogen und sie muss feststellen, dass der potentielle Käufer beabsichtigt, den Garten zu Gunsten einer Überbauung niederzuwalzen, während sie auf eine kinderreiche Familie als neue Haus- und Gartenbesitzer gehofft hat.

"Coming up Roses" ist eine leichte Urlaubslektüre ohne grosse Überraschungen und weitgehend voraussehbarer Handlung. Im Anschluss an die Lektüre verrät die Autorin ein paar Details zu ihren persönlichen Lieblingsgärten, zu denen Mount Stuart House und Hidcote Manor Garden gehören. Bevor Rachael Lucas zur Vollzeit-Autorin mutiert ist, hat sie selber einen Gartenblog geführt und im eigenen Garten gewirkt. Nun, als Städterin mit sechs Kindern, schaut sie sich anderer Leute Gärten an und hat ihre hortikulturellen Interessen und Erfahrungen in diesen Roman einfliessen lassen. So liest man nebenbei über Gartenbesucher, die ungefragt Stecklinge von Rittersporn abknipsen und wie diese bewurzelt werden können. Überhaupt sind gärtnern und Gärten in diesem Romandorf omnipräsent und natürlich geht es auch um zwischenmenschliche Beziehungen - solche, die enden und solche, die beginnen.



Rachael Lucas: 
Coming up Roses 
Pan Books, 2015

10. Oktober 2016

Zuletzt ausgelesen: Beate Sauer – Die Rache der Heilerin

Dieser historische Roman ist eine Mischung von Fakten und Fiktion und spielt gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Zum Inhalt gehören brutale Kriege und Misshandlungen, schwere körperliche Arbeit und natürlich das Schicksal von Adela, welche die Gabe der Heilkunst von ihrer Mutter Aline geerbt hat.

Die schwangere Adela ist seit kurzer Zeit Witwe und flüchtet mit ihrem Sohn Luce zu ihrer Schwester in ein Kloster. Ihr Mann Francis wurde im Krieg von Wilhelm de Thorigny getötet. Der gleiche Mann hat sie selber misshandelt und vergewaltigt. Und nun befürchtet Adela, ihr Vergewaltiger könnte der Vater ihres ungeborenen Kindes sein.

Die beiden Flüchtlinge, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, können nicht zusammen im Kloster bleiben, so dass Adela plant, zu ihrem Bruder weiter zu ziehen. Weil Luce krank ist, bricht sie ohne ihren Sohn auf, will diesen aber rasch möglichst zu sich holen – nicht ahnend, dass sie ihn viele Jahre nicht mehr sehen wird. Wie sie feststellen muss, ist auch ihr Bruder tot. Ebenfalls ermordet von Wilhelm de Thorigny. Ein Lichtblick ist allein die Feststellung, dass ihre Tochter Robin sicher das Kind von Francis ist, da sie an der gleichen Körperstelle ein ausgeprägtes Muttermal aufweist.

Was gibt es aus hortikultureller Sicht zu vermelden? Der Kräutergarten im Kloster wird wiederholt erwähnt und es ist die Rede von niedrig geschnittener Buchseinfassung von Beeten und von Wasserbrunnen. Aber neben regelmässigen Naturbeschreibungen gibt es weniger Gärtnerisches und Planzenheilkundliches zu lesen, als man aufgrund des Buchtitels optimistisch vermuten könnte.



Beate Sauer: 
Die Rache der Heilerin 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014

1. Oktober 2016

Julie Carobini: Truffles by the Sea

Die dreiunddreissigjährige Gaby Flores wartet immer noch auf den richtigen Lebenspartner. Doch im Moment hat sie ganz andere Sorgen, denn ihr Leben bricht gerade an allen Ecken und Enden auseinander. Ihre Wohnung ist samt Hab und Gut ausgebrannt und ihr engster Mitarbeiter hat ihr Blumengeschäft „Florally Yours“ ausgeraubt. Und als hätte sie noch nicht genügend Sorgen, fürchtet sie um die Gesundheit ihrer Mutter und sie muss sich mit einer Anklage auseinandersetzen. Angeblich hat sie einer Braut mit falsch ausgewählten Blumen den schönsten Tag verdorben. Von der Klägerin ausgesuchte Blumen, welche Gaby entgegen ihren Empfehlungen unbedingt verwenden musste und die wie von ihr befürchtet und vorhergesehen ein farbliches und duftiges Desaster ausgelöst haben.

Eine Freundin eröffnet im Internet einen Blog für Gaby. In diesem Webtagebuch soll sie regelmässig rund um Blumen und florale Kunstwerke schreiben, um potentielle Kundinnen und Kunden in den Laden zu locken. Mit welchen einfachen Hilfsmitteln können Schnittblumen länger haltbar gemacht werden? Wie gestalte ich ein spektakuläres Blumenarrangement? Die Floristin steht dieser Idee skeptisch gegenüber und die wenigen Kunden, die noch den Weg in ihr Geschäft finden, scheinen ihr Recht zu geben.

Gabys Mutter bestreitet ihren Lebensunterhalt ohne männliche Unterstützung seit jeher erfolgreich durch den Verkauf von frischen Schnittblumen an einem Stand am Highway. Und schon als kleines Mädchen war für Gaby klar, dass auch sie mit Blumen arbeiten will und sie hat dieses Ziel konsequent verfolgt. Doch machen ihr Blumenladen und die Floristik wirklich ihren Traumjob aus oder kann sie ihre Kreativität auch anders ausleben?

Ausgerechnet jetzt, wo das Geld sowieso schon knapp ist, steht eine grössere Autoreparatur ins Haus. Dafür löst sich ihr Wohnproblem wie von selbst. Sie kommt als Untermieterin in einem Loft unter, dessen Vermieter selten anwesend ist. Als dieser auftaucht, entpuppt er sich als überaus attraktiver Mann. Gleichzeitig wird Gaby von einer Nachbarin mit bösartigem Klatsch und Tratsch bedacht und vor dem angeblichen Frauenheld gewarnt. Doch das Herz der Blumenkünstlerin schlägt im Augenblick für den Automechaniker und dieser scheint ihre Sympathie zu erwidern.

Gute Freunde unterstützen die junge Frau – ganz offen und auch im Geheimen. Zum Trostprogramm gehören auch regelmässig Schokoladetrüffel. Und trotz verschiedenen Rückschlägen verliert Gaby nie (ganz) die Hoffnung und glaubt an einen von Gott vorgezeichneten Weg. Das ziemlich abrupte Romanende ist wenig überraschend, auch wenn die Autorin für die Leserin etliche Umwege eingebaut hat.  



Julie Carobini: 
Truffles by the Sea 
Bethany House, 2008

20. September 2016

Madeleine Hunter: Lady Daphnes Verehrer

Die (angeblich) verwitwete Daphne Joyes führt mit Unterstützung von anderen Frauen die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Als mittellose Tochter eines Edelmannes ist sie auf sich selber gestellt und auf die Einkünfte angewiesen, die sie aus dem Verkauf ihrer Blumen und Grünpflanzen für Gartenpartys, Hochzeiten und Wintergärten erzielt, welche mit dem Fuhrwerk in die Stadt geliefert werden.

Als der Besitzer ihres für einen bescheidenen Preis gepachteten Grundstückes und Hauses stirbt, wird sie entgegen ihrer Hoffnungen und Erwartungen nicht begünstigt, sondern muss im Gegenteil befürchten, ihre geschäftlichen Grundlagen zu verlieren. Als Erbe eingesetzt worden ist Tristan von Castleford, ein Herzog mit zweifelhaftem Ruf. Der Frauenheld ist meist betrunken und pflegt nur am Dienstag solange auf Alkohol zu verzichten, bis er seine dringendsten Geschäfte erledigt hat.

Geheimnisse ziehen den Herzog mindestens so fest an wie schöne Frauen. Deshalb will er auch rasch möglichst herausfinden, warum ausgerechnet er diesen Landstrich sowie einige andere geerbt hat. Ohne seinen Besuch anzukündigen, taucht er deshalb in der Gärtnerei auf. Während Daphne um ihre Lebensgrundlagen fürchtet, fühlt sich der Herzog von der kühlen, beherrschten Frau angezogen und gibt ihr dies auch unmissverständlich zu verstehen.

Die junge Frau weist ihn aber ebenso klar wiederholt zurück. Ihr Verhalten spornt den Herzog jedoch nur umso mehr an, sein angepeiltes Ziel zu erreichen. Tristen beordert Daphne in die Stadt, wo er sie weiter umwirbt und unter Druck setzt. Gleichzeitig verändert er sich zusehends zu seinen Gunsten und Daphne kommt nicht umhin, diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen und ebenso die Tatsache, dass ihr Verstand und ihr Herz völlig unterschiedlich auf die geballte herzogliche Männlichkeit reagieren. Eine weitere Verbindung zwischen den beiden ergibt sich in der Tatsache, dass beide einen gemeinsamen Feind haben, ohne die jeweiligen Gründe des anderen zu kennen. Denn nicht nur des Herzogs Vergangenheit wirft Schatten in die Gegenwart, auch Daphnes Lebenslauf verbirgt etliche Geheimnisse.

Dieses Buch (übrigens das letzte aus einer vierteiligen Serie) habe ich in der Schulmittagspause auf einem Ramsch-Tisch entdeckt. Der Titel und die Beschreibung hätten mich üblicherweise nicht zum Kauf verleitet. Die in einen historischen Hintergrund eingebundene Handlung ist wie erwartet weitgehend vorhersehbar und die wiederholt in wortreichen Details beschriebenen Bettszenen sind einiges umfangreicher als der hortikulturelle Hintergrund rund um die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Nichtsdestotrotz als eher anspruchslose Ablenkung zwischen Formel-Pauken eine durchaus nette Lektüre zum Abschalten.  



Madeleine Hunter: 
Lady Daphnes Verehrer
Lyx/Egmont, 2013

10. September 2016

Joyce and Jim Lavene: Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery

Peggy Lee ist nach wie vor ein aktives Mitglied mehrerer botanischer Gruppen und forscht über Tomaten, Farne, Mini-Lilien und Sojabohnen. Ein weiteres aktuelles Projekt ist ein besonders nahrhafter Spinat mit dicken grünen Blättern, die exzellent schmecken, reich an Vitaminen und Eisen sind, derweilen die Pflanze sehr genügsam ist und keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt. Doch neben dieser Forschungstätigkeit warten natürlich andere neue und giftige Herausforderungen auf die umtriebige Blumenladenbesitzerin und forensische Botanikerin. Inzwischen ist sie Grossmutter einer Enkelin geworden, doch dies ist kein grosses Thema. Denn neben dem grossen ungelösten Rätsel rund um den gewaltsamen Tod ihres ersten Ehemannes, dessen (Nicht-)Auflösung sich wie ein roter Faden durch sämtliche Gartenkrimis dieser Buchreihe zieht, stehen Peggy, ihr Sohn Paul und ihr Angestellter Sam direkt im Fokus eines oder einen unzimperlichen Täters oder Täterin.

Zunächst wird in Peggys Blumenshop „Potting Shed“ randaliert und die gesamte Einrichtung samt Möbeln und Inventar kurz und klein geschlagen. Hernach stellt sich heraus, dass eine angebliche Kundin für eine Gartenumgestaltung Pflanzen im Wert von mehreren Tausend Dollars geordert hat, ohne dass die tatsächlichen Garten- und Landbesitzer etwas davon gewusst, geschweige denn einen entsprechenden Auftrag erteilt haben. Und schliesslich gerät auch noch Peggys Sohn Paul im Rahmen seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Privatdetektiv unter Mordverdacht.

Eine junge Frau wird nämlich tot aufgefunden, vergiftet durch einen präparierten Mantel. Während Peggy im Auftrag der lokalen Polizeibehörden die verwendeten Gifte analysiert, ermittelt die Polizei, dass Paul das todbringende Kleidungsstück ausgeliefert hat. Er wird daraufhin verhaftet und Peggy von den polizeilichen Ermittlungen ausgeschlossen. Die Botanikerin hat aber bereits herausgefunden, welches tödliche Unkraut, das titelgebende „Killing Weed“ ist, und durch Hautkontakt die heftigen zum Tod führenden Reaktionen verursacht hat. Doch stehend die verschiedenen Vorfälle überhaupt in einem Zusammenhang oder handelt es sich um eine zufällige Anhäufung? Falls es sich um eine strategisch durchorganisierte Kampagne handelt, wer hat ein Interesse, Peggy, ihre Familie und ihr Geschäft zu ruinieren? Die einzige Person, die in Frage zu kommen scheint, ist tot.

Neben der Suche nach Antworten auf diese beunruhigenden Fragen ist Peggy mit der Wiedereröffnung ihres Ladens beschäftigt. Das Chaos wird dank tatkräftiger Mithilfe lieber Kunden und Nachbarn schnell beseitigt, doch es gibt Probleme mit der Versicherung und der Alarmanlage, die ganz offenbar manipuliert worden ist. Neue Möbel und Ware müssen beschafft werden und ausserdem müssen die teuren Pflanzen, die ja gar nicht für eine Gartenumgestaltung benötigt werden, möglichst rasch anderweitig verkauft werden können.

Vor allen Kapiteln wird eine Pflanze kurz vorgestellt; etwa mit Informationen über nützliche Eigenschaften, den Namenspatron oder die erste Erwähnung und Entdeckung. Den Abschluss bilden wie üblich ein Einblick in Peggys Gartenjournal und ein paar Rezepte. Die letzten Romanzeilen lassen eine Fortsetzung erwarten, in der die häusliche Situation zum Thema wird. Denn auch mehrere Jahre nach dem Tod ihres ersten Ehemannes wohnt Peggy immer noch – zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Steve - in einem riesigen Haus mit Dutzenden von Räumen, das der Familie Lee gehört und wegen einer besonderen Erbschaftsregelung nie auf ihren Sohn Paul Lee übergehen kann und wird.



Joyce and Jim Lavene: 
Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2015

1. September 2016

Nicole C. Vosseler: Zeit der wilden Orchideen

Singapur in der Mitte des 19. Jahrhunderts – eine exotische Umgebung bietet die Kulisse für diesen Roman. Rund um den Umschlagplatz für asiatische Schätze lässt sich viel Geld verdienen. Georginas Vater hat ein gutes Händchen dafür. Mit Arbeit versucht er, den Tod seiner Frau zu verdrängen, und die Bedürfnisse seiner kleinen Tochter ignoriert er und überlässt sie den Dienstboten und sich selber.

Während der chinesische Gärtner seiner Arbeit nachgeht und verblühte Blumen zusammenharkt, widmet sie sich das knapp zehnjährige Mädchen mit Vorliebe seinen Tagträumen und streift durch den weitläufigen, betörend duftenden Garten, zu dem auch ein verwildertes Wäldchen mit einem Pavillon gehört. Hier findet Georgina eines Tages einen schwer verletzten Jungen. Ohne dass jemand aus dem Haushalt etwas ahnt, pflegt sie Raharjo, der von einem Volk abstammt, das als eigentliche Urbevölkerung der malaiischen Welt gilt, und das seit Tausenden von Jahren im Meer fischt und nach Schätzen taucht. Doch genau so plötzlich wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Junge, der mehr Fisch als Mensch ist, wieder aus ihrem Leben.

In „Zeit der wilden Orchideen“ begleitet die Leserin Georgina und Raharjo und ihre Familien über mehrere Jahrzehnte. Immer wieder kreuzen und trennen sich ihre Wege. Derweilen sich die Welt im Umbruch befindet und uralte Traditionen, Werte sowie Rituale an Bedeutung verlieren, spielen sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen Dramen ab – Liebe, Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, Hass, Rache. Und jede Generation hat ihre eigenen Geheimnisse.

Die Autorin erzählt sehr detailreich, und die Charaktere wirken äusserst authentisch. Der Garten spielt zwar nur eine Nebenrolle, aber eine nicht unbedeutende. Und durch die wortreichen Beschreibungen der Botanik hat die Leserin die farbenprächtige Blumenwelt in rot, gelb, weiss und rosa während der Lektüre immer wieder vor den Augen. Die ganze Handlung erscheint wohl durchdacht und die verschiedenen Enden passen, auch wenn ich nicht alle gutheissen mag.  



Nicole C. Vosseler: 
Zeit der wilden Orchideen 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014

20. August 2016

Ava Miles: The Chocolate Garden

Nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Mann versucht Tammy Hollins, für sich und ihre beiden Kinder Rory und Annabelle den Weg in eine unbeschwerte Zukunft zu ebnen. Oberstes Ziel ist dabei, ihr Leben allein und unabhängig von der Männerwelt zu meistern. Die drei leben derzeit bei Tammys berühmten Bruder und seiner Frau, die alles tun, damit sich erstere wohl fühlen. Nichtsdestotrotz möchte die frisch Geschiedene möglichst rasch auf eigenen Füssen stehen und allein für sich und ihre Kinder sorgen.

Schritt um Schritt geht es vorwärts. Eine neue Frisur und neue Kleider unterstreichen den Wandel und die Wiedererlangung ihres Selbstwertgefühls erhält Aufschub, als die eben erfolgte Gründung eines eigenen kleinen Gartengestaltungsunternehmens überraschend erfolgreich anläuft. Auf dem riesigen Gelände, welches das Anwesen ihres Bruders umgibt, hat Tammy in den letzten Monaten verschiedene Beete angelegt, die anlässlich der Hochzeit ihres Bruders bei den Gästen auf grossen Gefallen stossen. Die junge Unternehmerin ergattert für „Visionary Gardening“ gleich ein paar viel versprechende Aufträge, einen davon von John Parker, einem der besten Freunde ihres Bruders.

Da wird eines Nachts ins Haus ihres Bruders eingebrochen, während dieser zusammen mit seiner Frau auf Tournee unterwegs und Tammy mit ihren Kindern alleine im Haus ist. Der siebenjährige Rory und seine jüngere Schwester Annabelle werden durch dieses nächtlichen Erlebnis schwer traumatisiert und können auch nicht begreifen, weshalb Rorys Hund schwer misshandelt worden ist. Annabelle beginnt wieder ins Bett zu nässen und beide Kinder leiden unter einem grossen Vertrauensverlust.

John Parker bietet den Dreien an, in sein Haus zu ziehen und hat schliesslich die Idee, die Anlage des im Rahmen der aktuellen von Tammy durchgeführten Gartenumgestaltung geplanten „Schokoladenblumen-Beets“ mit Pflanzen, die besonders nachts betörend stark nach Schokolade duften, mit einem magischen Märchen rund um Schokolade-Elfen zu verbinden. Die angestrebte Magie wirkt im Roman nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen.

Leider ist der Zauber aber nicht richtig auf die Sofagärtnerin übergesprungen. Rund um Bäume, Farne, Magnolien und farbenfrohen Beete waren mir die Charaktere ein bisschen zu vorbildlich. Die von ihnen zu meisternden Herausforderungen meistern sie mehrheitlich überaus vorbildlich und die Autorin berichtet sehr detailgetreu. Trotzdem wurde ich mit Tammy und ihren Lieben nicht richtig warm. Sie erscheinen mir zu überzeichnet, oft einfach zu perfekt. Vielleicht auch ganz einfach zu Amerikanisch? Sogar die eigentlich Mitleid verdienenden Kinder haben bei mir mit ihren altklugen Reaktionen immer wieder für Stirnrunzeln gesorgt. Die letzten Seiten, die schliesslich im erwarteten Ende einen Abschluss finden, haben mich dann noch ein wenig mit den vorherigen rund 350 Seiten versöhnt.



Ava Miles: 
The Chocolate Garden 
Eigenverlag, 2014

10. August 2016

Jim Crace: In Arkadien

Victors ganzes Leben hat sich rund um den Seifenmarkt abgespielt. Hat er als kleiner Junge die gekochten Eier seiner Tante auf dem Markt verkauft, kann er heute an seinem 80. Geburtstag auf ein ungewöhnliches und erfolgreiches Leben zurück- und vom 27. Stock seines Büros herab auf den städtischen Marktplatz blicken, der Teil seines Imperiums ist.

Zu den Eiern kamen schon bald einmal Früchte, Brot und Käse dazu. So hat sich Victor von ganz unten nach oben gearbeitet und verdient inzwischen in einer Viertelstunde den Wert eines Mittelklassewagens. Zu seinem Imperium gehören landwirtschaftliche Güter, Märkte, Firmenbeteiligungen und Büros. Trotz seinem immensen Reichtum ist er relativ bescheiden geblieben und seine Finanzberater versuchen schon lange vergeblich, seine Mittel gewinnbringender anzulegen. An seinem runden Geburtstag beschliesst er spontan, sein neues Lebensjahrzehnt mit einer neuen Aufgabe zu starten. Der alte offene Markt soll weichen und eine riesige Markthalle an seine Stelle treten. Damit erhält die Stadt ein modernes Zentrum und Victor kann dem "langen Victor" (so wird sein Hochhaus genannt) einen "kurzen Victor" zur Seite stellen.

Der hortikulturelle Anteil im Roman ist relativ bescheiden, wenn man von den Szenen absieht, die rund um das Gewächshaus auf dem Dach des 28stöckigen Gebäudes spielen, wo der alte Herr Blattläuse beobachtet und nicht ganz sicher ist, ob er die Pflanzen lieber mag oder die Insekten. Sogar einen Teich gibt es in luftiger Höhe, dessen Uferbepflanzung mit Sumpfdotterblumen und Schwertlilien gestaltet ist. Einen hölzernen Laubengang umschlingen Kletterhortensien, Geissblatt und wilder Wein. Victor will und braucht keine Familie und Freunde. Alle seine Probleme lassen sich - zumindest vermeintlich - mit Geld lösen und die zurückgezogene Lebensweise verhindert zwischenmenschliche Konflikte.

Der Roman ist in die vier Teile „Der Seifenmarkt“, „Milch und Honig“, „Victors Stadt“ und „Arkadien“ gegliedert und spielt in einer nicht genannten Stadt (oder ich habe den Namen überlesen). Die Geschichte erzählt die Entwicklung zur Grossstadt und wie Joseph mit dem Entscheid, sein Arkadien bauen zu lassen, in das Schicksal zweier Männer eingreift und deren Leben grundlegend verändert. Nämlich das seines Assistenten Rabe, der neben seinem eigentlichen Job den Händlern auf dem Markt regelmässig Honorare abknöpft, die in seinen eigenen Taschen fliessen, und das von Joseph, einem jungen Mann der sein Glück in der Stadt zu hoffen findet.



Jim Crace: 
In Arkadien 
Btb, 2000

1. August 2016

Zuletzt ausgelesen: Gisela Walitzek und Stephan Poost – Morderstedt

Die beiden Autoren Gisela Walitzek und Stephan Poost haben 2008 den Auftrag erhalten, die Bürger mit Newslettern auf die bevorstehende (inzwischen längst wieder geschlossene) Landesgartenschau nördlich von Hamburg einzustimmen. Daraus entwickelte sich ein Krimi-Blog und schliesslich das Buch "Morderstedt" mit dem Untertitel „Eine gartenschaurige Krimi-Groteske“.

Eigentlich dreht sich in diesem Buch alles rund um die seit Monaten verschwundene Ida Kasch und einen Campingstuhl. Ist die nicht besonders beliebte Frau tot oder ist sie einfach auf Reisen? Immerhin trudeln in unregelmässigen Abständen wiederholt Ansichtskarten mit ihrem Absender ein, auf welchen sie Grüsse als Landesgartenschaubotschafterin in die Heimat schickt.

Was passierte am 3. September 2010 am Ufer des Stadtparksees? Bekannt ist ein Streit um einen Campingstuhl - besetzt von der angeblich simulierenden Ida Kasch, die offensichtlich unter keinen Umständen bereit war, ihren Platz einem erkennbar gesundheitlich stark angeschlagenen älteren Herrn abzutreten. Monate später steht der gleiche Campingstuhl oder zumindest das gleiche Modell der Marke „Malträtö“ wieder am Stadtparksee und weckt in gewissen Personen Erinnerungen. Ein lokaler Journalist wittert die Chance, sich beruflich zu profilieren. Doch gibt es in Norderstedt überhaupt etwas aufzudecken und zu enthüllen?

Der Text ist geprägt von ständigem direktem Dialog mit dem Leser. Allerdings fand ich die vielen, sich oft wiederholenden Belehrungen mit der Zeit immer mühsamer. Hier ein paar Beispiele bzw. Zitate  aus der Lektüre:

  • „Wir möchten ja nicht unhöflich erscheinen, aber ..“
  • „Manche Fragen sind einfach zu gut, um sie mit einer dummen Antwort zu verderben.“
  • „Wir wissen ja nicht, wie Sie das sehen, aber wir halten das für eine …“
  • „Wir sagen es ja nur ungern, …“

Ebenfalls erwähnenswert ist der Wortwitz. Auch dafür zwei Zitate aus dem Buch:

  • "... Putzspur zieht sich durch Ämter und Polizeireviere" 
  • "... ich habe mich vielleicht etwas zu intensiv inspirieren lassen" (die nette Umschreibung für Plagiat, sprich das Klauen eine Artikels)
Mehr Informationen über die Projekte rund um „Morderstedt“ und eine Leseprobe finden sich hier.



Gisela Walitzek und Stephan Poost: 
Morderstedt – Das Beste vom Morden Kadera Verlag, 
2012/13

20. Juli 2016

Ali Mc Namara: The Little Flower Shop by the Sea

In der kleinen Stadt St. Felix an der Kornischen Küste hat Poppy Carmichael zusammen mit ihrem älteren Bruder als Kind immer wieder glückliche Ferien bei der Grossmutter verbracht, die jahrzehntelang den Blumenladen „The Daisy Chain“ geführt hat. Nach einem traumatischen Ereignis leidet die inzwischen dreissigjährige Poppy seit vielen Jahren an einer Blumenphobie und ist nie mehr nach Cornwall zurückgekehrt. Nun ist ihre geliebte Grossmutter gestorben und ausgerechnet Poppy mit ihrem Hass auf Blumen hat deren Laden geerbt.

Die junge Frau, die immer noch ihren Platz auf der Welt sucht, stammt aus einer Blumendynastie, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht, als ihre Urururgrossmutter auf dem Covent Garden Market Blumen verkauft hat. Verschiedene Carmichaels führen selber ein Blumengeschäft oder arbeiten für einen Floristen und alle Kinder tragen genau wie Poppy blumeninspirierte Namen. Sie selber hat sich nie fürs Familienbusiness interessiert. Doch nun muss ausgerechnet sie die Verantwortung für den ältesten familiären Blumenshop übernehmen. Einem Laden, der mit viel mehr Tradion behaftetet ist, als jene, welche von ihren Verwandten in New York, Amsterdam und Paris betrieben werden.

So findet sich die kratzbürstige und fast ausnahmslos schwarz gekleidete Poppy in St. Felix wieder und beabsichtigt, das Geschäft rasch möglichst zu verkaufen und wieder zu verschwinden. Wider Erwarten fühlt sie sich in St. Felix ganz wohl und wird auch von den meisten Bewohnern sehr wohlwollend aufgenommen. Insbesondere mit dem seit fünf Jahren verwitweten Blumenlieferanten Jack verbindet sie bald eine enge Freundschaft.

Poppies Mutter hat ihr die talentierte Floristin Amber aus New York zur Seite gestellt und mit Hilfe von etlichen Nachbarn renovieren die beiden Frauen den Blumenladen und planen die Wiedereröffnung. Eine Blumenphobie weckt keine Sympathien, wie es etwa eine Spinnenangst tut. Das weiss auch Poppy, und ist deshalb ständig darauf bedacht, die Floristik von sich fernzuhalten und sich um die anderen geschäftlichen Belange zu kümmern.

Poppies Grossmutter war für die magische Wirkung ihrer Blumensträusse weit herum bekannt. Als Poppy und Amber alte Notizbücher finden, experimentiert auch die junge Floristin mit der Magie der viktorianischen Blumensprache und bringt damit den Shop zum Florieren. Denn Amber verfügt über ein grosses florales Talent und kennt sich aus mit Blumen und deren Namen, Düften und Bedürfnissen.

Nach ungefähr hundert gelesenen Seiten erwartete ich eigentlich nicht mehr viel Überraschendes oder gar Tiefschürfendes in diesem Roman. Das Ende schien genau vorhersehbar. Letzteres ist auch wie erwartet eingetroffen, aber dazwischen hat sich dann doch noch allerlei Lesenswertes ereignet, so dass sich die Lektüre dann im Grossen und Ganzen doch noch gelohnt hat. So schleppt nicht nur Poppy eine schwere  Last mit sich herum, auch Amber hat eine schmerzliche Vergangenheit. Doch die beiden Frauen - die eine zum Pessimismus neigend, die andere ständig optimistisch - harmonieren gerade wegen ihren Unterschieden erstaunlich gut und auch der zum Erbe der Grossmutter gehörende Hund Basil mit seinen Bedürfnissen ist bald nicht mehr aus Poppies Alltag wegzudenken.

Die Kapitel sind nummeriert und jeweils einer Blume gewidmet:
- Daffodil – New Beginnings
- Camellia – My Destiny in Your Hands
- Columbinde – Desertion
- Heliotrope – Devoted Affection



Ali Mc Namara: 
The Little Flower Shop by the Sea 
Sphere / Little, Brown Book Group, 2015

10. Juli 2016

Ellen Jacobi: Frau Schick macht blau

Die fast 78jährige Frau Schick hat vieles erlebt im Laufe der Jahre. Aktuell muss sich die vife Witwe gegen ihre Entmündigung in der eigenen Firma wehren, von wo hartnäckig Gerüchte betreffend ihrem Geisteszustand gestreut werden. Klar ist sie zuweilen recht vergesslich, aber mit „Eselsbrücken“ kommt sie sehr gut zurecht, denn dement ist sie ganz sicher nicht.

Die vermögende Ostpreussin entstammt dem alten Adelsgeschlecht der von Toddens und ist mit dem britischen Königshaus verwandt. Ihren exzentrischen Vorfahren, die als Geister ihr Unwesen treiben und nachts im Keller herumtrippeln und seufzen, steht sie punkto leichter Überspanntheit wahrscheinlich in nichts nach. Sie liebt viele Menschen um sich und führt solche zusammen, die keine Ahnung zu haben scheinen, wie gut sie zusammenpassen. Ein wenig vermisst sie die täglichen Abenteuer, die sie kürzlich auf dem Jakobsweg erlebt hat, aber sie ahnt ja auch nicht, welche Aufregungen ihr bevorstehen…

Zunächst beginnt sie aber mal mit der Planung der Hochzeit von Nelly und Herberger, obwohl erstere noch gar nicht ja gesagt hat. Und dann erfährt sie, dass ihr die Kleingartenkolonie „Waldfrieden“ im Stadtwald gehört, in die eine Schneise gefräst werden soll. Seit fünf Jahren ist sie anscheinend die Besitzerin dieses unberührten Waldgeländes, ohne dass sie es realisiert hätte. Den Pächtern droht der Verlust ihrer geliebten Gärten und seltenen Pflanzen, Bienen und andere Tieren der ihres Lebensraumes.

Rasch stellt Frau Schick fest, dass die Welt gut bedient wäre, wenn alle Menschen Gärtner wären. Diese können zwar mürrisch und seltsam sein, aber sie sind nicht schlecht. Zwischen Rosenbögen und Tomatenpflanzen entlarvt die rüstige Dame Herzensdiebstähle, die als Verstösse gegen die Schrebergartenregeln getarnt sind, und es kann schon mal vorkommen, dass für eine gute Sache ein Schwindelanfall vorgetäuscht werden muss.

Kann der Exodus noch aufgehalten werden oder haben die prächtigen Rosen dieses Jahr zum letzten Mal geblüht, werden die Johannisbeeren nie reifen und die Apfelbäume umgesägt, bevor sie abgeerntet werden können? Dem Leser werden beiläufig Düngetipps auf den Weg mitgegeben und er liest vom Kampf für echte Bienen und Nistplätze. Die Autorin entschuldigt sich am Ende des Buches beim eigenen Garten für die Vernachlässigung während der Entstehung des Romans, womit auch geklärt ist, dass der hortikulturelle Hintergrund auf eigenen Erfahrungen beruht.

Weder die Handlung selber noch die Charaktere des Buches haben mir speziell gut gefallen. Beide erscheinen mir arg konstruiert und leider empfand ich die Lektüre auch nicht als besonders vergnüglich. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich den Vorgängertitel, auf den immer wieder hingewiesen wird, nicht gelesen habe („Frau Schick räumt auf“).



Ellen Jacobi: 
Frau Schick macht blau 
Bastei Lübbe, 2013

1. Juli 2016

Susan Senator: Dirt – A Story about Gardening, Mothering and Other Messy Business

Die Erzählung „Dirt“ gibt einen mehrmonatigen Einblick in das Leben einer vom Vater getrennt lebenden Familie. Die vierzigjährige Vorstadtmutter Emmy fühlt sich mit der Erziehung ihrer drei Jungs je länger je mehr überfordert und vermisst einen Partner, der sie zuverlässig unterstützt. Insbesondere ihr ältester Sohn Nick und sein Autismus beherrschen ihr Denken und Handeln praktisch ununterbrochen.

Nick mag scharfe Saucen, Chili, Bänder, Seifenblasen und Rasenmähen mit dem Handmäher. Mehr lässt sich über seine Vorlieben nicht sagen. Ein neuer Therapeut hat rasch einen guten Draht zu ihm und entdeckt Nicks grosses Interesse für orange Farben. Gleichzeitig reagiert Dan mit illegalem Drogenkonsum auf den Auszug des Vaters.

Immerhin hat die Familie auch Dank Emmys Teilzeitjob keine grösseren finanziellen Probleme. Anlässlich ihrer Tätigkeit als Maklerin lernt sie dann auch Will kennen. Der potentielle Hauskäufer flirtet mit ihr und Emmy fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren wieder begehrt. Die Reaktion ihres Noch-Ehemannes Eric auf diese (noch) harmlose Bekanntschaft fällt unerwartet heftig aus und zeigt, dass auf seiner Seite immer noch grosse Gefühle im Spiel sind.

Im Garten kann Emmy abschalten und die Dinge aus der Distanz reflektieren. Während sie Gemüse aussät, jätet, Phlox und Rittersporn aufbindet oder pflanzt, träumt sie aber auch immer wieder von ihrem eigenen kleinen Gartenbetrieb, für den sie im übrigen schon längst einen Namen hat: „Garden of Eden“. Zwar hat sie einen Studienabschluss in Botanik, aber nach ihrer Heirat mit Eric und der Geburt ihrer drei mittlerweile fünfzehn, vierzehn und acht Jahre alten Söhne Nick, Henry und Dan, hat sie diese Idee nie weiterverfolgt. Ob der richtige Zeitpunkt nun gekommen oder zumindest in die Nähe gerückt ist?

Eine Baustelle nach der anderen muss angegangen werden, analog des Ablaufs der Jahreszeiten im Garten und der Kapitelüberschriften: „Late February – Frozen Ground“, „April – Preparing the Ground“, „June – Blooming“. Hortikulturell mit Unterstützung von Gartenbüchern mit Titeln wie „How to have an English Garden“ und „A Year of Perennials“; im Alltag helfen intensive Gespräche mit Eric, dessen Unterstützung immer wichtiger wird.



Susan Senator: 
Dirt – A Story about Gardening, Mothering and Other Messy Business 
Stellated Books, 2011

20. Juni 2016

Brigitte Janson: Winterapfelgarten

Nach über dreissig Jahren im gleichen Betrieb darf die einundfünfzigjährige Parfümerieverkäuferin Claudia von einem Tag auf den anderen keine Kundinnen mehr bedienen, obwohl sie die umsatzstärkste Mitarbeiterin ist. Der interne Stellenwechsel ist neben der Altersdiskiminierung mit einer empfindlichen Lohnkürzung verbunden. Claudia beendet spontan ihr Arbeitsverhältnis zwischen edlen Düften und Wunder versprechenden Crèmetiegeln, indem sie selber fristlos kündigt. Als sie sich noch etwas benommen von den Ereignissen mitten in Hamburg auf eine Bank setzt, liegt dort ein  gelbgrüner Apfel. Die gepflegte Frau veranschlagt den Kalorienwert und beisst hinein. Schon der erste Biss weckt Erinnerungen an ihre Kindheit, an Omas Obstgarten mit Äpfel-, Birnen – und Pflaumenbäumen und sie möchte unbedingt herausfinden, um welche Sorte es sich handelt. Aber auch als sie nur noch das Gehäuse in der Hand hält, fällt ihr nicht ein, woher sie diese Apfelsorte kennt.

Doch eigentlich hat Claudia genügend andere Probleme als über Apfelsorten nachzugrübeln. Sie ist auf Abruf mit einem italienischen Geschäftsmann liiert – führt also eine nicht ganz einfache Fernbeziehung. Ausserdem plagt sie permanent ein schlechtes Gewissen ihrer vierundzwanzigjährigen Tochter Jule gegenüber, die seit einem schweren Reitunfall ein verkürztes Bein und ständige Schmerzen hat. Claudia, die als alleinerziehende Mutter ihre Leben immer im Griff zu haben glaubte, schafft es einfach nicht, ihrer Tochter neuen Lebensmut zu geben.

Um auf andere Gedanken zu kommen, überredet Claudia ihre Freundin Sara zu einem Ausflug ins Alte Land und entdeckt einen völlig heruntergekommenen Bauernhof mit zugehörigem alten Apfelgarten, der zu verkaufen ist. Ungeschnittene Bäume, Schlaglöcher, ein eingebrochenes Dach, blinde Fenster und Risse im Mauerwerk können sie nicht abschrecken. In einer weiteren spontanen Bauchentscheidung entscheidet sie sich, eine kleine Erbschaft für den Kauf des solide gebauten Hauses samt Apfelgarten einzusetzen.

Sie weiss inzwischen auch, dass es sich beim Kindheitserinnerungen weckenden Apfel um den Winterglockenapfel handelt, eine alte grüngelbe, säuerlich-erfrischend schmeckende Sorte, die nicht mehr angebaut wird, nach dem Pflücken im Oktober erst gelagert werden muss und erst ab Dezember geniessbar ist. Lassen sich hier ihre geheimen Träume von selber produzierter Naturkosmetik mit Äpfeln und Kräutern verwirklichen und wäre hier vielleicht sogar ein Neuanfang für Jule möglich? Der ehemalige angehende Star im deutschen Dressurreiten sieht nämlich keine lohnenswerte Zukunft mehr, hat die Physiotherapie abgebrochen und wird immer verbitterter. Was Jule beschäftigt, ist die Rettung des unfallverursachenden Pferdes Carina vor dem Schlachthof. Aber sie kriegt ja schon ihr verändertes Leben nicht auf die Reihe. Wie soll sie da einem Pferd helfen, das seine Leistung nicht mehr bringt?

Zusammen mit der frisch geschiedenen Sara macht sich Claudia voll Enthusiasmus an die Renovierung des alten Bauernhauses. Nicht alles läuft rund. Da gibt es etwa einen ruppigen Nachbarn, dem Claudia den Apfelgarten vor der Nase weggeschnappt hat und der nicht Müde wird, sie zum Weiterverkauf desselben zu überreden. Sara macht sich im Dorf bei den Frauen unbeliebt, weil sie hemmungslos mit allen einigermassen gut aussehenden Männern flirtet. Sie verdrängt damit ihre Unzufriedenheit, weil sie immer deutlicher merkt, dass sie nicht unschuldig an ihrer gescheiterten Ehe ist.

Mit der seit kurzem nach über vier Jahrzehnten Ehe verwitweten Elisabeth strandet eine gute Seele auf dem Apfelhof. Eigentlich möchte sie die Welt entdecken, doch ihr Auto bleibt schon bald nach dem Start in Hamburg vor Claudias Hof stehen und mit ihren Kochkünsten und ihrem Gespür für zwischenmenschliche Probleme ist sie schon bald unentbehrlich.

Ein einfühlsam geschriebener Frauenroman über vier völlig unterschiedliche Charaktere aus drei Generationen, die auf dem Apfelhof eine unkonventionelle Lebensgemeinschaft bilden, zu der bald auch etliche behinderte Tiere gehören. Natürlich sind Männergeschichten ebenfalls ein Thema, aber man erfährt auch ein wenig über Pomologie und Apfelsorten wie Vierländer Blutapfel, Finkenwerder Herbstprinz und den Altländer Pfannkuchenapfel.




Brigitte Janson: 
Winterapfelgarten 
List Taschenbuch/Ullstein Buchverlage, 2014