21. Oktober 2017

Letzer Eintrag?

Nachdem ich nun mehrfach darauf angesprochen oder besser angeschrieben worden bin, wann denn hier wieder mit Gartenbuchvorstellungen gerechnet werden dürfe, nehme ich mir nun zum ersten Mal seit ungefähr einem halben Jahr wieder einmal die Zeit, ein paar Zeilen für diesen Blog zu verfassen. 

Da ich während einer beruflichen Weiterbildung in der Wahl meiner Lektüre rund zwei Jahre deutlich eingeschränkt war, hatte ich nach Schulabschluss vor ziemlich genau einem Jahr richtig Lust, nach dem Weglegen von Manuals und Gesetzestexten endlich wieder zu sofagärtnern und hier darüber zu berichten. Schnell hatte ich Beiträge bis zum Sommerende 2017 vorgebloggt. Nicht nur das Buchgärtnern kam wegen der Schule zu kurz, wegen Zeitmangel habe ich mich natürlich auch nicht um technischen Neuerungen oder um eine längst fällige Layoutanpassung kümmern können und auch Besuche bei anderen Blogs lagen nicht drin. 

Nun hatte ich nach den absolvierten Fachprüfungen zwar wieder Zeit, aber nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich mich entschlossen, dass ich diese und meine Energie nicht dafür aufwenden mag, die zuletzt doch deutlich zurückgegangenen Besuchfrequenzen im Blog wieder zum Ansteigen zu bringen. Statt einer in Erwägung gezogenen Ausbildung in Richtung Webdesign habe ich mich deshalb für einen Fernkurs Gartengestaltung angemeldet. 

Ich habe meinen Blog immer als Nische gesehen, den man oder meistens frau halt suchen soll, wenn sie ihn finden will. Ich muss damit kein Geld verdienen und wie hier schon mehrfach erwähnt, schreibe ich bevorzugt über Bücher, die ich mir selber ausgewählt und angeschafft habe. Seit Anfang Jahr habe ich mehr als zwei Dutzend Gartenbücher im engeren oder weiteren Sinn gelesen und bei etlichen gedacht, dass sie ausgezeichnet in den Sofagarten passen würden, dem Gedanken aber keine Taten bzw. keine Buchvorstellung folgen lassen und auch konsequent alle Rezensionsanfragen abgelehnt. Zumindest bis auf weiteres wird im Sofagarten also nicht mehr durchgeblüht. Ob diese Blühpause nun temporär oder definitiv ist, mag ich aktuell noch nicht abschliessend entscheiden. 

Ich habe mich in den letzten Monaten nicht nur mit Gartenstudienheften herumgeschlagen und Gartenbücher gelesen, sondern Anfang Oktober zum ersten Mal an einer geführten Gartenreise teilgenommen. Dabei habe ich mich tatsächlich so gefühlt, als sei ich direkt in einem opulent bebilderten und gestalteten Gartenbuch gelandet. Mit rund 1’300 Fotos, noch viel mehr Eindrücken und schönen neuen Bekanntschaften mit hoffentlich dem einen oder anderen bleibenden Kontakt zurückgekehrt. Auf der Hinreise zum Busabfahrtsort hatte ich zufällig einen besonders passenden Mitreisenden im Zugabteil: einen 86jährigen Fotografen, der für ein Buch über geheime Gärten in Venedig die Fotos beigesteuert hat. 

Einzelne der in Südostengland besuchten der Gärten und/oder deren Gestalter oder Gestalterinnen habe ich hier im Blog auch schon vorgestellt. Einige dieser Posts sind aktuell in der Desktop-Ansicht auf der linken Seite unterhalb dieses Textes in der Rubrik "Beliebte Posts" zu finden (Christopher Lloyd, Beth Chatto und Alan Bloom). Impressionen in Form von Texten und einer richtigen Bilderflut durch Mitreisende lassen sich hier finden, Reiseinformationen von Iris Ney (Iris Ney Gartenreisen) hier. Jetzt, wo dieser 653. Post vielleicht der letzte im Sofagarten ist, muss ich ja nicht noch meine Grundsätze von wegen «keine Fotos» hinterfragen und über Bord werfen… 

Nach der Rückkehr aus England musste ich mich erst wieder ein wenig mit meinem kleinen Garten anfreunden. Durch die kürzliche Rodung von zwei buchsgesäumten Rabatten steht mir ein (natürlich relativ!) grosses Stück leeres Land zur Neubepflanzung zur Verfügung, auf dem ich nun einige Ideen umsetzen will, wenn diese ausgereift sind. Und wer weiss, vielleicht packt mich plötzlich der Ehrgeiz, die einst vor einigen Jahren wegen einem mühsamen Stalker reservierte Internet-Domain doch noch zu nutzen. 

Nun liste ich ganz wertfrei noch ein paar der Bücher auf, die ich zuletzt gelesen habe:
- Christian Kress: Meine Welt der Stauden 
- Jörg Pfenningschmidt und Jonas Reif: Hier wächst nichts - Notizen aus 
  unseren Gärten 
- Ambra Edward: Head Gardeners 
- Roy Lancaster: My Life with Plants 
- Allan Jenkins: Plot 29 – A Memoir
- Kildare Bourke-Borrowes: Lady Mayo's Garden - The Diary of a Lost 19th
  Century Irish Garden 
- Meir Shalev: Mein Wildgarten 
- Nicole C. Vosseler: Der englische Botaniker 
- Siri Mitchell: Charlotte und die Sprache der Blumen 
- Sissi Flegel: Vier Frauen und ein Garten 
- Bruno Vincent: Five Lose Dad in the Garden Center
- Peggy Langhans: Der gefundene Garten 
- Sandra Knauf: Zera and the Green Man 
- Julie Leuze: Ein Garten voller Sommerkräuter 
- Sarah Morgan: Ein Sommergarten in Manhattan 
- Martina Sahler und Hendrik Gruner: Die Tulpenkönigin 
- Martina Sahler und Hendrik Gruner: Der Zorn der Tulpenkönigin 
- Frankie Bow: The Black Thumb 
- Cristina Caboni: Die Oleanderschwestern 
- Saskia Louis: Band 1, Band 2 und Band 3 der Louisa Manu-Reihe
- Jane Corry: Der Garten über dem Meer
- Nelly Cornelius: Orchideenpoker

8. September 2017

Kate Kerrigan: The Lost Garden

Im Sommer 1942 darf die sechzehnjährige Irin Aileen Doherty zum ersten Mal mit ihrem Vater und den beiden Brüdern nach Schottland fahren, um dort während drei Monaten beim Kartoffelanbau Geld zu verdienen. Bis anhin hat sie ihre kleine, enge Welt nur in ihrer Phantasie beim Lesen der immer gleichen Bücher verlassen. Vor der Abreise stellt sie pflichtbewusst sicher, dass ihre geliebten Pflanzen und die Töpfe mit den frisch gesetzten Samen, die sie am Strand gefunden hat, soweit möglich gut versorgt sind. Ob das Grünzeug ihre lange Abwesenheit ohne Verluste überstehen wird?

Schon auf der Überfahrt lernt sie den neunzehnjährigen Jimmy Walsh kennen, der sich sofort in die rothaarige Aileen verliebt, obwohl Rothaarige Unglück bringen sollen. Er hängt sich sofort ziemlich aufdringlich an die junge Frau. Sie fühlt sich zunächst auch bedrängt. Da sie sich aber den Umgang mit Frauen nicht gewohnt ist und keinen rechten Draht zu den anderen weiblichen Mitreisenden findet, ist sie binnem kurzem um Jimmys Aufmerksamkeit froh und sie beginnt schon bald, seine Gefühle zu erwidern.

Ein schweres Unglück erstickt die aufkeimende Liebe, welche die harte Arbeit auf den Feldern viel besser hat ertragen lassen. Zehn irische Männer kommen ums Leben, darunter Aileens Vater und ihre beiden Brüder. Jimmy wird beim Versuch, die Männer aus dem brennenden Gebäude zu retten, schwer verletzt. Die Wege der beiden jungen Leute trennen sich – Aileen kehrt in ihr Heimatdorf zurück und Jimmy liegt lange in einem Spital und kämpft ums Überleben.

Aileen versinkt in Schmerz und Trauer. Sie weiss nicht, ob Jimmy überhaupt noch lebt und sie will es auch gar nicht wissen, um nicht auch noch dieser Hoffnung, dieses Traums beraubt zu werden. Auf den nächsten Schicksalsschlag muss sie auch so nicht lange warten. Ihre Mutter scheint den Verlust ihres Mannes und der beiden Söhne recht schnell weggesteckt zu haben. Sie verlässt die Insel, lässt ihre Tochter zurück, heiratet schon kurz darauf und wird erneut Mutter. Nicht einmal die Samen vom Strand, die inzwischen gekeimt sind, mögen das Interesse von Aileen wecken. Wieso leben die Pflanzen und ihr Vater und ihre beiden Brüder sind tot? Die junge Frau hat die Freude am Gärtnern verloren.

Das Leben geht weiter und Aileen lebt inzwischen bei einem benachbarten Farmer, der die kleinen Kinder seines verwitweten Bruders aufzieht und sie übernimmt Aufgaben im Haushalt. Jimmy seinerseits zieht es nach London, wo er sein schwer verunstaltetes Gesicht wieder herstellen lassen will. Dazu muss er viel Geld verdienen und eine Gesichtsoperation durchführen lassen. Um Aileen seinen momentanen Anblick und sich ihre Reaktion darauf zu ersparen, will er erst anschliessend mit ihr Kontakt aufnehmen.

Jimmy findet rasch einen gut bezahlten Job, verschliesst aber die Augen vor den Tatsachen, worum es sich bei seiner Tätigkeit genau handelt. Als er sich den Gegebenheiten endlich stellt, ist es schon fast zu spät. Aileen entdeckt derweilen einen verlassenen, völlig vernachlässigten Garten, in dem schon längst die Natur das Zepter übernommen hat. Die ganze Anlage samt Statuen ist von Unkraut überwuchert, doch die junge Frau ist überwältigt vom Anblick, der sich ihr bietet. In der Folge geht sie immer öfter in diesen längst aufgegebenen Garten und vollbringt wahre Wunder. Bald wird sie unterstützt von Frauen aus dem Dorf, die ebenfalls ihre Väter, Männer und Brüder verloren haben.

Die vielen Lücken, die sich nach dem Jäten auftun, füllt Aileen mit riesigen Mengen von in der Umgebung ausgegrabenen und mit Stecklingen vermehrten einheimischen Gewächsen. Das wenige ihr zur Verfügung stehende Geld, investiert sie in exotische Sämereien, die sie im Treibhaus, zum Keimen bringt. Ihre praktischen Erfahrungen ergänzt sie mit der intensiven Lektüre von «The Ladies Companion» und «The Obeserver’s Book of British Wild Flowers».

Bald kennt Aileen sich ausgezeichnet mit Pflanzen und deren Bedürfnissen aus. Ein Rätsel bleibt, um welche Pflanzen es sich handelt, die aus den am Strand gefundenen Samen gewachsen sind. Deren Gedeihen scheint mit dem Befinden der Hinterbliebenen zusammenzuhängen, was der zu Rate gezogene Botaniker französischer Herkunft aus dem Botanischen Garten in Dublin kategorisch ausschliesst. Der Franzose und Aileen verstehen sich ausgezeichnet und ergänzen sich in hortikultureller Sicht ausgezeichnet. Trotzdem kann Aileen ganz im innersten nicht verleugnen, dass ihre wirklichen Sehnsüchte nur durch einen anderen Mann erfüllt werden können.



Kate Kerrigan: 
The Lost Garden 
Pan Books, 2014

1. September 2017

Liz Fenwick: Ein Garten in Cornwall

Die Gärten von Boscawen wurden einst von Mitgliedern der Familie Tregan angelegt. Pflanzen aus dem Nahen Osten, Australien und Afrika haben hier eine neue Heimat gefunden. Weit herum als Wahrzeichen von Boscacwen galten die einst als Samen aus Down Under mitgebrachten in einem aussergewöhnlichen Blau leuchtenden Schmucklilien. Doch nachdem das Anwesen den Besitzer gewechselt hat, wurde die Umgebung vernachlässigt. Viele botanische Schätze sind inzwischen verwildert oder definitiv verschwunden und der versunkene Garten im italienischen Still ist völlig überwuchert. 

Die letzte Tregan ist die auf Boscawen aufgewachsene heute sechzigjährige Victoria, die sich  zu einem grossen Teil über ihren makellosen, attraktiven Körper definiert. Seit vier Jahrzehnten ist sie mit Charles verheiratet, den sie respektiert, aber nicht liebt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit meist deutlich jüngeren Männern betrügt. Ihre Leidenschaft und ihr Hauptinteresse gilt aber den Gärten rund um Boscawen, die sie unbedingt wieder in genau der Pracht blühen sehen will, wie es in ihrer Kindheit der Fall war. Als Frau durfte sie nicht als Schwimmerin an der Olympiade teilnehmen, nicht in Oxford studieren und Kinder waren ihr auch nicht vergönnt. Und natürlich durfte sie auch das seit vielen Jahren in Familienbesitz befindliche Boscawen nicht erben, so dass es nach dem frühen Tod ihres Bruders von deren Frau verkauft werden konnte. Charles hat ihr während der langen Ehe nicht nur einen angenehmen Lebensstandard geboten, sondern auch ihrem Wunsch entsprechend das Anwesen wieder zurückgekauft. 

Nun ist sie nach dem tödlichen Autounfall ihres Mannes plötzlich Witwe. Zwar bedrücken sie Schuldgefühle und sie vermisst Charles mehr als sie erwartet hat, doch sie beginnt sofort enthusiastisch Gartenpläne zu schmieden und freut sich, mit der Planung und Restaurierung endlich richtig loslegen zu können. Gemäss Ihren Vorstellungen muss der Garten wieder genau wie früher werden, weshalb sie schon einmal Hunderte Apfelbäume bestellt. Doch diese Aktion erscheint bereits genau so sinnlos, als die Pflanzen geliefert werden, wie sich ihre Zeichnungen schon während der Testamentseröffnung als potentielle Makulatur entpuppen. 

Victoria ist nämlich nicht wie von ihr erwartet als Alleinerbin eingesetzt. Sie muss sich mit Charles' unehelichen Tochter Demi auseinandersetzten, von der sie bis zu diesem Tag nichts gewusst hat und sie muss mit dieser Frau teilen, was in letzter Zeit nicht verspekuliert worden oder grosszügig an wohltätige Organisationen gegangen ist. Da die ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht für die Alleinherrschaft geschweigen denn eine Auszahlung der Miterbin ausreichen, muss sich Victoria mit der unbekannten Miterbin einigen oder das Anwesen verkaufen. Schon einmal hat Victoria Boscawen verloren. Soll ihr dieses Schicksal nochmals widerfahren? In ihr sträubt sich alles gegen diese Möglichkeit. Doch wer ist überhaupt diese junge Frau, die Victorias Ziel im Weg steht, die von ihren Vorfahren angelegten Gärten wieder zum Blühen zu bringen? 

Demi ist recht klein, weshalb die ausgebildete Architektin oft unterschätzt oder schlichtweg übergangen wird. Ihre Körpergrösse ist aber im Moment ihr kleinstes Problem. Vor ein paar Wochen ist völlig unerwartet ihre Mutter gestorben und nun hat die Mitzwanzigerin auch noch den dringend benötigten Job im Anschluss an ihr Praktikum nicht ergattern können. Und nachdem ihr Freund Matt ihr Vertrauen wiederholt missbraucht hat, hat sie sich von diesem getrennt und hat nun kein Dach mehr über dem Kopf. In ihrer Not fährt sie nach Cornwall und sucht bei ihrem Grossvater Unterschlupf. 

Hier findet sie heraus, dass ihr Vater nicht, wie von ihrer Mutter gesagt, schon lange tot ist, sondern ganz in der Nähe lebt und sogar an der Beerdigung ihrer Mutter teilgenommen hat. Doch bevor sie sich an diesen Gedanken gewöhnen kann und bereit für ein Treffen ist, muss sie erfahren, dass er tödlich verunglückt ist. Mit dem Erbe ihres Vaters scheinen wenigstens ihre finanziellen Probleme gelöst. Doch gleichzeitig hat sie von ihrem Vater eine riesige Verantwortung aufgebürdet bekommen. 

Demi zieht nach Boscawen und findet rasch heraus, dass Charles’ Witwe eine sehr schwierige Frau ist. Dazu kommen immer wieder Flahsbacks, welche die junge Frau verunsichern. Wiederholt stösst sie auf Orte in der Umgebung, bei denen sie glaubt, diese zu kennen. Ihre Erinnerungen an die früheste Kindheit sind aber seit einer schweren Erkankung als kleines Mädchen wie ausgelöscht. Unterstützung in ihrer Entscheidungsfindung erhält sie vom australischen Gärtner Sam, der seinerseits ein Geheimnis um seine Herkunft zu machen scheint. 

Können sich die beiden unterschiedlichen Frauen zusammenraufen? Haben die vorgesehenen Umbaupläne eine Chance? Sams Apfelbaumkonzept findet Victorias Zustimmung. Doch mit dem Gedanken, die Hauptverantwortung für den geplanten Innenumbau der jungen Architektin Demi anzuvertrauen, will sie sich nicht anfreunden. 

Die Handlung des Romans ist weitgehend vorhersehbar. Als ärgerlich und dem Lesefluss abträglich empfand ich die durchgehend fehlenden, visuellen Abgrenzungen zwischen den einzelnen Erzählebenen, wenn zwischen der Sicht von Victoria und Demi gewechselt wird. 



Liz Fenwick: 
Ein Garten in Cornwall 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2016

22. August 2017

Marty Wingate: Potting Shed Mysteries

Die Amerikanerin Marty Wingate leitet Gartenreisen nach England und verfasst einerseits „normale“ Gartenbücher wie „The Big Book of Northwest Perennials: Choosing - Growing – Tending“. Das Mitglied von „Sisters in Crime“ schreibt aber auch Gartenkrimis, die unter der Reihe „Potting Shed Mysteries“ erscheinen. Bis dato sind deren fünf erhältlich.

The Garden Plot
The Red Book of Primerose House
Between a Rock an an Hard Place
The Skeleton Garden
The Bluebonnet Betrayal



15. August 2017

LaRee Bryant: Poppy Green Mysteries

Und hier gleich nochmals eine englische Gartenkrimi-Reihe von LaRee Bryant mit bisher zwei Titeln: 

Buttercup Blues
Poppy Fever



8. August 2017

Bailey Cattrel: Enchanted Garden Mysteries

Eine weitere Gartenkrimi-Reihe hat Bailey Cattrel gestartet. Bis dato gibt es zwei Bücher in der Reihe «Enchanted Garden Mysteries» (Text aus der Webseite der Autorin): 

Nr. 1: Daisies For Innocence


Nr. 2:  Nightshade for Warning






1. August 2017

Nike Mangold: Die Orangerie

Die zwanzigjährige Alma verdient sich ihnen Lebensunterhalt mit Miniaturzeichnungen auf der Rückseite von Strassenbahntickets, Papierschnitzeln und Zeitungsrändern. Meistens reicht es nicht für eine anständige Mahlzeit und das Ergattern eines Schlafplatzes im Hamburger Elendsquartier ist eine weitere Herausforderung, die es täglich zu meistern gilt. Ihre Eltern sind 1892 an Cholera gestorben, als sie sieben Jahre alt war, weshalb sie schon früh für sich selber sorgen lernen musste. Ihr grösster Schatz ist ein botanisches Magazin, das sie vor ein paar Wochen am Strassenrand gefunden hat. 

Als die junge Künstlerin auf dem Markt versucht, potentielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen, wird sie von einer Dame angesprochen, die sich als Agathe Brook und Züchterin von exotischen Pflanzen vorstellt. Diese ist beeindruckt von Almas Pflanzenabbildungen aufgrund der Vorlage aus der Zeitschrift. Frau Brook verkauft Orchideen und möchte, dass Alma ihre Gewächse für Werbezwecke abzeichnet. Sie lädt Alma deshalb ein, sie zu begleiten und die junge Frau nimmt das Angebot an. Was hat sie schon zu verlieren?

Die Mietkutsche bringt die beiden Frauen nach Harvestehude in eine Orangerie voller Pflanzen, einen richtigen Tempel der Botanik. Alma glaubt, endlich einen Zipfel vom Glück zu erhaschen. Doch die vermeintliche Glückssträhne wird unterbrochen, kaum dass sie begonnen hat, denn am nächsten Tag liegt ihre Arbeitgeberin tot in ihrem Zimmer. Alma bleibt trotzdem im Gewächshaus und versucht, sich um die exotischen Pflanzen und deren Verkauf zu kümmern, hat aber weder eine keine Ahnung von deren Bedürfnissen noch von deren Wert. Die junge Frau ist nicht alleine in der Orangerie. Sie muss sie mit dem jungen Nudisten Per teilen, der zwischen den Palmen lebt. Der Anhänger der Freikörperkultur kennt sich im Gegensatz zu Alma mit den Pflanzen aus und unterrichtet sie im Gärtnern und der Pflege. Auf Anweisung von Alma muss er sich unsichtbar machen, sobald Kunden auftauchen. Während Per sich ohne Kleider frei fühlt, braucht Alma den ständigen Schutz ihres kratzigen Schultertuchs. 

Die Erbschaftsfrage ist noch nicht geklärt. Der wahrscheinliche Erbe ist ein Verwandter der direkten Nachbarn der verstorbenen Orangerie-Besitzerin, den diese im Militärdienst glauben. Die Anwohner wittern deshalb die Chance, sich Hab und Gut und insbesondere das wertvolle Land unter den Nagel reissen zu können und wollen deshalb Alma loswerden. Die weiss nämlich zu viel, nachdem ihr Zeichentalent von eben diesen Anrainern genutzt worden ist, um Teile des Hamburger Stadtplans zu kopieren und die junge Zeichenkünstlerin sich die damit zusammen hängenden unlauteren Geschäfte zusammenreimen könnte. Und so muss die junge Frau, kaum dass sie sich immer mehr wie eine richtige Gärtnerin fühlt, das Treibhaus in Begleitung von zwei Polizeibeamten verlassen. 

Dieses Buch mit einem aussergewöhnlich schönen Buchumschlag basiert auf historischen Begebenheiten, welche die Autorin geschickt in den Roman integriert hat. Es geht um soziale Missstände, die krassen Unterschiede zwischen den Lebensumständen der Reichen und der Armen, Spekulationen, aber auch die Zurschaustellung von Menschen aus anderen Kulturen im Zoo, Guanodünger und einem anderen Dungmittel, aufgrund dessen Menschen angeblich Wurzeln wachsen sollen. 



Nike Mangold: 
Die Orangerie 
Eigenverlag, 2015

23. Juli 2017

Kathrin Hanke und Claudia Kröger: Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius

Der Ich-Erzähler Victor Bucerius lebt seit einigen Jahren mit seiner Schwester Julia zusammen im Elternhaus, einem ehemaligen Kloster, zu dem ein Kräutergarten gehört, der ursprünglich von Mönchen angelegt worden ist. Er ist geschieden, sie ist verwitwet - so hat sich diese Zweckgemeinschaft fast aufgedrängt. Denn obwohl die Geschwister so nahe beieinander wohnen und einzelne Räume wie die Küche gemeinsam nutzen, ist der gegenseitige Kontakt minimal. Einerseits sind sie charakterlich verschieden, anderseits pflegen sie unterschiedliche Interessen. Der zurückgezogen lebende Apotheker widmet sich ausserhalb seines Geschäfts hauptsächlich seinen Forschungen nach einem neuen Medikament und verbringt dementsprechend viel Zeit in seinem Labor, während die offene Menschenfreundin Julia eine leidenschaftliche Köchin und Kräutergärtnerin ist. 

Der zum Haus gehörende Garten ist eigentlich eher ein Park und wird von Julia gehegt und gepflegt. In ihrem Reich zieht sie eine grosse Auswahl von Kräutern an, die sie nach der Ernte trocknet und anschliessend zu weit über die Dorfgrenze hinaus beliebten Teemischungen abfüllt, die der Apotheke ihres Bruders ansehnliche Umsätze bescheren. Und eben in diesem grünen Revier findet Victor eines Morgens seine Schwester tot im Teich. Suizid kann als Todesursache rasch ausgeschlossen werden. Doch wer hat Julia vergiftet? Da Victor als Alleinerbe und Apotheker eben nicht nur über ein starkes Motiv, sondern auch über das notwendige Hintergrundwissen über Gifte verfügt, setzt ihn die ermittelnde Kommissarin Stine Jessen gleich einmal auf die Liste der Verdächtigen. 

Victor ist natürlich gar nicht begeistert darüber und sowieso stört es ihn, dass eine Frau die Ermittlungen führt. Nach seinen Erfahrungen sind Frauen nämlich kompliziert und denken um mehrere Ecken herum. Um die Verdachtsmomente auszuräumen und gleichzeitig seiner Schwester einen letzten Dienst zu erweisen, beginnt er deshalb, selber Nachforschungen anzustellen. Und als hätte der zurückgezogen lebende Mann derzeit nicht schon genug Unruhe in seinem sonst so geordneten Alltag, taucht auch noch eine Frau auf, die behauptet, von Julia als Aushilfe für seine Ein-Mann-Apotheke eingestellt worden zu sein und vorläufig im Gästezimmer wohnen zu dürfen. 

Wieso weiss Victor nichts von diesen Plänen? Weil er sich im Moment seinen privaten Ermittlungen widmen will, beschliesst er, der Frau eine Chance zu geben. Sie erweist sich in der Apotheke als sehr geschickt, doch überschreitet sie privat immer wieder Grenzen und muss von Victor in ihre Schranken gewiesen werden. Parallel dazu findet er mittels Tagebuch seiner verstorbenen Schwester heraus, wie wenig er über diese gewusst hat und welche Themen sie in den letzten Wochen bewegt haben. Sie hat beispielsweise Kochbuchpläne geschmiedet und sich sehr intensiv um einen von Victors Medikamentenauslieferern gekümmert, der aus einer Problemfamilie stammt. Und zwar genau um den jungen Mann, der ihm selber irgendwie suspekt ist. 

Nach einem Einbruch in sein Wohnhaus scheint die Kommissarin immerhin von Victors Unschuld überzeugt zu sein und sie zieht ihn – natürlich ganz inoffiziell - sogar mit in ihre Ermittlungen ein. Verschiedene Tatmotive werden in Betracht gezogen und potentielle Täter überprüft, doch eine heisse Spur ist nicht aufzutun. 

Zwischen den Kapiteln finden sich jeweils passende Rezepte wie etwa «Julias römisches Katerfrühstück», «Kräuter-Tarte à la Julia», «Julias Fruchtfliegenfalle» oder «Stines dunkelroter Energiekick».Sowohl Untertitel als auch der letzte Satz des Gartenkrimis lassen auf eine Fortsetzung des Gartenkrimis hoffen. 



Kathrin Hanke und Claudia Kröger: 
Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius 
Gmeiner Verlag, 2016

15. Juli 2017

Lorenza Zambon: Gartenphilosophie

Lorenza Zambons Leidenschaft gilt Pflanzen, Gärten und Landschaften. Die Schauspielerin und Regisseurin verknüpft diese schon seit langem mit Festivals, Theaterworkshops und Guerilla-Kunstaktionen. Nun ist noch ein zum Nachdenken anregendes Büchlein hinzugekommen. Nämlich die deutsche Übersetzung von «Lezioni di giardinaggio planetario». Auf rund 120 Seiten philosophiert sie darin in drei Lektionen über «Gärtnern für anonyme Revolutionäre», «Gärtnern für planetarische Gärtner» und «Die Samen der Zukunft». Die Essays selber tragen Titel wie «Blütenteppiche auf Trümmern», «Befreite Samen» und «Ein schlafender Schatz». 

Die Liebe zum Grünen hat die Autorin wohl von ihrer Mutter geerbt. Und dies obwohl sie sich als Kind oft fremdgeschämt hat, wenn sich la Mama unterwegs mit der Tochter dank Hilfe ihrer perfekt manikürten Nägel als Pflanzendiebin betätigt hat oder sich – wenn die höfliche Bitte nach einem Steckling ganz selbstverständlich bejaht worden ist – ziemlich aufdringlich gleich selber im fremden Garten am grünen Buffet bedient hat. Da der Nachwuchs sich seinerzeit aber mehr geschämt hat, als dass er darauf geachtetet hat, was die Mutter mit den Stecklingen angestellt hat, blüht es bei Lorenza Zambon nun leider nicht annähernd so üppig wie seinerzeit rund ums Elternhaus. 

Dafür hat sie um so mehr Ideen, die sie oft mit Unterstützung von anderen verrückten Frauen umsetzt. Als verrückt bezeichnet die Autorin ihre Mitstreiterinnen selber. Initiativ würde aber gemäss meinem Eindruck mindestens so gut passen. Auf ihrer privaten Facebook-Seite lässt sich jedenfalls ausgezeichnet ein erster Eindruck über ihr vielfältiges Engagement verschaffen. Die Italienerin berichtet davon, wie sie unterwegs immer wieder Müll zusammensammelt. Zu diesem Zweck hat sie immer Müllsäcke und Handschuhe im Auto. Die vollen Säcke werden dann beschriftet mit «Erntedatum» und «Ernteort» aufgehoben. Wie lange habe ich nicht mitbekommen oder überlesen. 

Dann schreibt Lorenza Zambon von Männern, die Bäume pflanzen. Und zwar nicht einen oder zwei. Nein, gleich Tausende. Und es gibt ein Wiederlesen mit Novella Carpenter, der Cityfarmerin aus Detroit, deren Buch «Meine kleine Cityfarm» ich hier ausführlich vorgestellt habe. Die Autorin glaubt, dass jenseits des Atlantiks wahrhaftig der Keim für fantastische neue Welten gelegt wird. Das mag zutreffen. Wohl aber nur, wenn man die jüngsten politischen Geschehnisse ausblendet. Mit Genugtuung stellt sie jedenfalls fest, dass jüngst auch hierzulande (oder eben in Italien) immer öfter grössere und auch kleine leere Flächen durch Urban Farmer und/oder Guerilla Gardener in Beschlag genommen werden und verrät ihre eigene Idee von tragbaren Gemüsegärten. 

Gerne würde die Sofagärtnerin noch mehr Geschichten übers Verschönern von Städten lesen, mangels weiterer solchen Seiten erfreut sie sich an den kreativen und teilweise inspirierenden Namen verschiedener Gartenbewegungen, die erwähnt werden: Badili Badola, Piante Volanti, Ammazza che piazza, Effetto Terra, Zena Zapata, Le Ortike oder Friarelli Ribelli. Die philosphischen Betrachtungen enden mit der Einladung, sich genau umzusehen und für sich selber die richtigen Samen zu finden. Und das richtige mit diesen anzustellen. Für eine erfolgreiche Keimung braucht es nur ein wenig Erde und etwas Wasser. 



Lorenza Zambon: 
Gartenphilosophie 
Mosaik Verlag, 2017

8. Juli 2017

Susanne N. Bahro: Abschied am Alpsee

Carina bekommt von ihrem Mann schon lange keine roten Rosen mehr geschenkt. Was aber weniger daran liegt, dass sie eine Floristikausbildung abgeschlossen hat, sondern darauf zurückzuführen ist, dass ihre vierköpfige Familie, zu der neben Carina und ihrem Mann Frank der 16jährige David und die 12jährige Anika gehören, fest im Alltagstrott gefangen ist. Jetzt hat Carina ihren Nächsten einen Urlaub in ihrer Heimat, dem Allgäu, abgetrotzt, ja fast abgenötigt, und Mann und Kinder sind wenig begeistert, auf Meer und Ostseestrand verzichten zu müssen. 

Der erste Ferientag beginnt dann auch wenig vielversprechend und Carina macht sich nach einem Streit alleine auf, um den alten Residenzort Immenstadt zu erkundigen. Nachdem sie sich aus Frust ein wunderschönes, aber eigentlich viel zu teures Kleid gegönnt hat, läuft sie weiter durch die Gassen und die Auslage des Blumenladens «Monis Blumenkiste» erweckt ihre Aufmerksamkeit. Obwohl die Aufmachung bei näherer Betrachtung ihrem kritischen Auge nicht genügt, möchte sie sich das Geschäft gerne anschauen. Doch leider ist die Ladentüre abgeschlossen. Sie bleibt nicht die einzige, die vor der verschlossenen Türe stehen bleiben muss. 

Als Carina während einem Gespräch mit der Bäckersfrau von nebenan erfährt, dass die Inhaberin wegen einem Unfall für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben muss, bietet sie ganz spontan ihre professionelle Hilfe an. Die hinzugezogene Tochter der Blumenladenbesitzerin hat keine Einwände und so ergibt sich für die Mutter und Hausfrau ganz plötzlich die Möglichkeit, ihren langjährigen Traum vom eigenen Blumengeschäft wenigstens für ganz kurz auszuleben und nach vielen Jahren wieder als Floristin tätig zu sein. Ihre schlechte Laune ist wie weggeblasen, während sich die Begeisterung ihrer Familie über die Abwesenheit der Mutter in Grenzen hält. 

Wieviel kostet eine einzelne Rose? Welchen Preis kann sie für einen bunten Sommerblumenstrauss verlangen? Um an notwendige Informationen zu gelangen, verschafft sich Carina Einblick in die Bestelllisten. Sie bringt es fertig, einen wichtigen Kunden mit ihrer originellen Tischdekoration, die aus einer Verlegenheit oder genauer mangels vorhandener frischer Blumen entstanden ist, zu begeistern. Aber gleichzeitig überschreitet sie eindeutig ihre Stellvertreterinnen-Kompetenzen, als sie einen eingeschriebenen Brief nicht nur entgegennimmt, sondern auch öffnet, liest und den wichtigen Inhalt nicht einmal weitergibt. Dieser Fauxpas und die Nicht-Information der Inhaberin über ihre Aushilfetätigkeit ziehen Konsequenzen nach sich. 

Als sich nämlich die Blumenladenbesitzerin Moni selber vorzeitig aus dem Krankenhaus entlässt und nichts ahnend von den Abmachungen zwischen ihrer Tochter und Carina im eigenen Geschäft auftaucht und eine fremde Person darin vorfindet, ist sie natürlich gar nicht begeistert. So scheint der Traum vom temporär zu führenden Blumenladen noch schneller zu enden, als durch die kurze Feriendauer sowieso schon absehbar war. 

Immerhin bleibt so wieder etwas Zeit für richtige Familienferien. Doch sie findet heraus, dass ihr Ehemann heimlich in beruflicher Mission unterwegs sein muss. Da die beiden mitten in einer heftigen Ehekrise stecken und sich gegenseitig nicht mehr offen informieren, hat sie keine Ahnung davon, dass das vor dreieinhalb Jahren gegründete Architekturbüro ihres Mannes sehr schlecht läuft und er dringend auf neue Aufträge angewiesen ist. 

Immerhin hat sich Davids Laune etwas gebessert und Anika ist durch die Abwesenheit von Mutter und Vater gezwungenermassen etwas selbständiger geworden. Der Sohnemann hat Anschluss an gleichaltrige einheimische Jugendliche gefunden, so dass seine Enttäuschung darüber, die Klasse wiederholen zu müssen, etwas in den Hintergrund gerückt ist und die Tochter verbringt ihre Tage auf einem Ponyhof. Hat Frank vielleicht mit seinen Vorwürfen doch recht, dass Carina ihre Kinder zu fest bemuttert? Damit sind noch nicht einmal alle aktuellen Probleme aufgezählt. Denn da gibt es noch einen ehemaligen Schulkameraden von Carina, der ziemlich aufdringlich um sie wirbt. Steht die Ehe von Carina und Frank nach siebzehn Jahren tatsächlich vor dem Aus und David muss, wie von ihm befürchtet, als Scheidungskind nach Hause kehren? 



Susanne N. Bahro: 
Abschied am Alpsee 
Eigenverlag, 2016

1. Juli 2017

Gina Mayer: Der magische Blumenladen

Teil 1 (von Ende 2016)

Mitten während meiner beruflichen Weiterbildung bin ich auf eine neue Kinderbuchreihe über einen Blumenladen gestossen, in dem mit Blumen gezaubert wird. „Der magische Blumenladen“ ist im letzten Jahr gestartet und umfasst bereits mehrere Bände. Da tut es mir fast ein bisschen leid, dass meine Tochter diesem Alter entwachsen ist und ich eigentlich (fast) keinen Grund habe, mir diese verlockende Reihe anzuschaffen.


Teil 2 (von Mitte 2017)

Nachdem ich kürzlich in einem Supermarkt (!) erneut über diese Buchreihe gestolpert bin, habe ich sie mir doch zugelegt. Bis anhin habe ich fünf Bände der mit ausserordentlich schön gestalteten Buchcovers ausgestatteten Serie gelesen. Alle enthalten ein in sich abgeschlossenes Abenteuer der Nachwuchs-Blumenzauberin Violet, für die es keinen schöneren Ort gibt, als den Blumenladen ihrer Tante Abigail. Mal benötigt jemand eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, mal müssen zwei perfekt zueinander passende Menschen zusammengeführt werden, mal muss jemandem die Zunge gelockert werden und ein anderes Mal sind verschwunde Personen aufzuspüren. Mit magischer Unterstützung durch die richtigen Pflanze aus dem Blumenbuch, die meistens im Hexengarten hinter dem Blumenladen wächst, wäre die Lösung jeweils schnell herbeigezaubert. Aber Violet hat ihrer Tante versprechen müssen, das gelbe Buch nicht mehr anzurühren, bis ihre Blumenzauberin-Ausbildung abgeschlossen ist und ihre eigentlich durchaus gut gemeinten magischen Bemühungen zu keinen unbeabsichtigten, völlig verqueren Resultaten mehr führen können...

























23. Juni 2017

Ilke S. Prick: Vergissmeinnicht war gestern

«Eine glückliche Beziehung, ein fester Job, ein gemütliches Sofa… - Alles scheint perfekt in Mariekes Leben – bis sie sich plötzlich allein mit siebzehn Umzugskisten in einer fremden Hinterhauswohnung findet. Zurück auf Start?» Mit diesen Zeilen wird der Roman «Vergissmeinnicht war gestern» auf der Umschlagrückseite beworben. Für gärtnernde Leserinnen lege ich den Fokus dieser Buchvorstellung aber wie üblich auf die hortikulturellen Passagen, die ungefähr ab Seite 100 richtig beginnen. Jedenfalls, wenn die durchweg blumigen oder botanischen Kapitelüberschriften wie «Fette Henne», «Frühblüher», "Asphaltblüten", "Moos-Graffiti" und «Zuchhini-Schwemme» ausser Acht gelassen werden. 

Grund für Mariekes plötzlichen Auszug ist die Untreue von Jochen, ihrem Partner und Arbeitgeber. Die 46Jährige versucht, diesen Schock zu verdauen und wird dabei mehr oder weniger nützlich von Freundin und Schwester unterstützt, deren Ratschläge kaum unterschiedlicher sein könnten. Letztere ist Paartherapeutin mit einem Vorzeigeleben und empfiehlt, die Beziehung zu retten. Doch erst einmal kündigt Marieke ihre Stelle beim Zahnarzt und Ex-Partner und fängt wieder an, Taxi zu fahren und die ehemalige Kunststudentin beginnt auch wieder zu malen. 

Mariekes Übergangswohnung befindet sich in einem Gebäude, wo eine ausgezeichnete Nachbarschaft gepflegt wird und die Neuzuzügerin findet rasch einen guten Draht zu den Mitbewohnern. Im Gegenzug für ihre Unterstützung einer Abiturientin im Fach Kunst erhält sie Zuwachs für ihren Balkon, wo bis jetzt einzig und allein eine Fette Henne die Welt der Botanik vertritt. Schon bald ist Marieke, die den hortikulturellen Eifer ihrer Nachbarinnen zunächst etwas erstaunt belächelt hat, vom grünen Virus infiziert und unterstützt ihre kreative Nachbarschaft tatkräftig beim intensiven Hinterhofgärtnern. Und auf ihren Taxitouren ins Umland macht sie neu schon mal einen Abstecher in eine Gärtnerei, wo sie beispielsweise Malven und Kornblumen kauft. Erst jetzt fällt der Mitvierzigerin auf, dass ihre Stadt überall grüner und bunter wird. Stahl- und Betonkonzepte werden durch Frühblüher in Konservendosen und Gewächse in Milchtüten sowie Bienenkörbe und Ameisenbauten aufgelockert, was die Planer auf dem Reissbrett so nicht vorgesehen haben.

Im Hinterhof selber werden durch die engagierten Bewohner direkt neben dem Biomüll Kartoffeln in alten Reissäcken gezogen, Kräuter und Waldbeeren wachsen in Kästen, die an der Überdachung der Mülltonnen hängen, und das Herzstück des Gemüsegartens sind Hügelbeete. Im Sommer ist der Hinterhof ein Traum in grün und bunt, in dem farbige Blumen um die Wette blühen. Auch die Gemüsevielfalt ist riesig und es können Rote Beete, Mangold, verschiedene Salate, Tomaten, Bohnen, Kürbisse, Zucchetti und anderes mehr geerntet werden. Letztere wie vielerorts üblich in rauen Mengen, so dass trotz entsprechender Versuche niemand mehr für Zucchinipasta, Zucchini-Pizza, Zucchini-Reispfanne, Zucchini-Chutney, gegrillte, gedünstete oder pürierte Zucchini begeistert werden kann.

Zum hortikulturellen Hintergrund gehören ausserdem eine Terrasse mit immergrünen Büschen, Gräsern, Farnen, Ginkgo und Bambus sowie ein interkultureller Gemeinschaftsgarten namens «Flotte Schalotte- Garten für alle» auf einem ehemaligen Industriegebiet und eine wichtige Rolle spielt Guerilla Gardening. 

Um den Roman nicht ganz aufs Gärtnerische zu reduzieren noch ein paar Stichworte zum weiteren Inhalt: es gibt einen interessanten Nachbarn, der scheinbar ein Geheimnis verbirgt und plötzlich hat Marieke einen Mitbewohner, nämlich einen Hund. Ausserdem wirbt ihr Ex wieder um sie. Doch was will eigentlich Marieke? Revanche oder zurück in ihr altes, vertrautes Leben inklusive gepflegter Langeweile? Auch innerfamiliär gibt es einiges zu klären. Etwa die distanzierte Beziehung zu ihrem Vater, die zurückgeht auf die nebulösen Umstände und das aus frühester Kindheit und durch den Tod von Mariekes Mutter ausgelöste Trauma sowie die Feststellung, dass auch im vordergründig perfekten Leben ihrer Schwester nicht alles beneidenswert ist. Für Entspannung im Kopfkino der Leserin sorgt auch die wiederholte Erwähnung eines ganz besonderen Blautons. Ob ich zuviel verrate, wenn ich noch hinzufüge, dass die Übergangslösung bald durch ein anderes Stadium am neuen Wohnort abgelöst wird



Ilke S. Prick: 
Vergissmeinnicht war gestern 
Insel Verlag, 2016

15. Juni 2017

Holly Webb: Return to the Secret Garden

Der zeitlose Jugendbuchklassiker «Der geheime Garten» von Frances Hodgson Burnett ist seit seinem Erscheinen im Jahr 1911 in fast unzählige Sprachen übersetzt und auch mehrfach verfilmt worden. Ich besitze selber eine kleine Sammlung von verschiedensprachigen Buchausgaben (die ich längst nicht alle verstehe), ein Bühnenbilderbuch sowie einige DVDs und Hörbücher. In ausländischen Buchhandlungen versuche ich wenn immer möglich, lokale Ausgaben des Buches zu ergattern. Manchmal klappt es. Letztes Jahr in Slowenien war die Nachfrage leider erfolglos, da die aktuellste Ausgabe vergriffen war. Die Autorin Holly Webb hat sich der Aufgabe gestellt, eine Fortsetzung dieses berühmten Kinderbuchs zu schreiben, die rund dreissig Jahre nach dem Original spielt. Ihre Gründe warum und weshalb sie dies getan hat, lassen sich in einem Interview im Anschluss an das Buch «Return to the Secret Garden» lesen. Zum Inhalt:

Wegen der erwarteten Bombenangriffe müssen sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner das Waisenhaus «Craven Home for Orphaned Children» verlassen. Ein paar Kleider, abgenutztes Spielzeug und eine Gasmaske sind alles, was die Waisen auf sich tragen, als sie 1939 aus London evakuiert werden. Ihr Ziel ist Misselthwaite Manor in Yorkshire. Unter dieser Gruppe von Kindern ist auch Emmie, eine einsame Einzelgängerin. Ihre beste Freundin ist eine abgemagerte Katze, die regelmässig auftaucht, um sich von ihr füttern zu lassen, und hernach wieder verschwindet. Doch davon darf niemand im Heim etwas wissen. Mädchen und Katze sind ähnlich kratzbürstig und passen so recht gut zusammen. Emmies Versuch, die Katze Lucy heimlich aus dem Haus zu schmuggeln und mit auf die Reise zu nehmen misslingt und das Mädchen ist untröstlich. 

In Misselthwaite gibt es ausser zwei gemeinen Jungen keine Kinder in Emmies Alter und an dem riesigen staubigen Gebäude mag sie keinen Gefallen finden. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, sich in dieser verlassenen ländlichen Gegend jemals wohl zu fühlen. Der Sohn der Besitzerin seinerseits scheint auch gar nicht begeistert über die vielen Neuankömmlinge aus der Grossstadt zu sein. Aber immerhin sind die Besitzerin des Herrenhauses und das Personal sehr freundlich und besonders zum Gärtner hat Emmie von Beginn weg einen recht guten Draht. 

Rascher als erwartet, gewöhnt sich Emmie an den neuen Tagesablauf, der so ganz anders ist als es der in London war. Nach den Schullektionen findet sie immer wieder Zeit, alleine die verschiedenen riesigen Gärten rund ums Herrenhaus zu erkundigen und sie schliesst eine Art Freundschaft mit einem Rotkehlchen. Schliesslich findet sie in ihrem Zimmer in einem Schrank zufällig die Tagebücher einer Mary Lennox mit Einträgen aus dem Jahr 1910 und erfährt dadurch von der Existenz eines geheimen Gartens, zu welchem sie sogar den Schlüssel und damit den Zugang findet. Als sie herausfindet, dass der Garten gar kein geheimer Garten (mehr) ist, ist sie zunächst jedoch sehr enttäuscht. Es gibt noch ein weiteres Rätsel zu lösen. So nimmt sie eines nachts all ihren Mut zusammen und geht dem verzweifelten Schluchzen auf den Grund, das sie immer wieder durch die dunklen Yorkshirer Nächte hört.

Die vor meiner Lektüre dieser Fortsetzung flüchtig gelesenen englischen Buchkritiken waren fast durchwegs positiv, wenn nicht sogar überschwänglich. Mich selber hat diese Fortsetzung etwas zwiespältig zurückgelassen. Das Vorgängerbuch habe ich schon länger nicht mehr gelesen, aber die Fortsetzung erscheint mir sehr ähnlich. Anderes Jahrzehnt, andere Kinder, aber neben dem identischen Handlungsort sind auch die Handlung samt Entdeckung des geheimen Gartens, der Freundschaft zu einem Rotkehlchen sowie die Charaktere der wichtigen Personen teilweise fast identisch. Ich hätte mir neben dem Auftreten von Mary und Dickon als Erwachsene eindeutig mehr neue Ideen und/oder Überraschungen gewünscht. 



Holly Webb: 
Return to the Secret Garden 
Scholastic Children Books, 2015

8. Juni 2017

Abbie Waxman: Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen

Seit rund drei Jahren ist die vierunddreissigjährige Lili verwitwet, nachdem ihr Mann Dan bei einem schweren Autounfall direkt vor dem gemeinsamen Haus ums Leben gekommen ist. Sein Tod hat sie völlig aus der Bahn geworfen. Monatelang war sie in einer Klinik, unfähig sich im Alltag zurechtzufinden und sie hat es nur ihrer Schwester Rahel zu verdanken, dass ihre Kinder nicht fremdplatziert wurden. Noch heute trauert Lili tief um Dan und er ist durch ihre ständigen Zwiegespräche mit ihm nach wie vor omnipräsent. Die alleinerziehnde Frau würde den Alltag mit ihren beiden sieben- und fünfjährigen Mädchen Annabell und Clare niemals ohne ihre immer noch jederzeitig tatkräftig unterstützenden Schwester sowie die Babysitterin Leah meistern können. Immer wieder fühlt sich Lili völlig überfordert und obwohl sie ihre Kinder über alles liebt, würde sie ab und an liebend gerne einfach alles stehen und liegen lassen und verschwinden. Doch für die Töchter will und muss sie stark sein - sie sollen nicht durch ihre Trauer (über)belastet werden. 

Wenigstens hat sie keine finanziellen Sorgen. Das kleine Häuschen, in dem die Familie lebt, ist abbezahlt und sie hat einen (vermeintlich) sicheren Job als Illustratorin in einem Schulbuchverlag. Doch nun erfährt sie von ihrer Vorgesetzten, dass es gar nicht rosig um die Finanzen ihres Arbeitgebers steht. Alle Hoffnungen, Entlassungen vermeiden zu können, ruhen auf einem potentiellen Grossauftrag.  Die Bloem Company, ein riesiges Saatgutunternehmen aus Holland, das auch auch Blumen- und Pflanzenratgeber herausgibt, möchte nämlich eine neue Gemüsebuchreihe handgezeichnet illustrieren lassen. Die Bilder sollen künsterisch wertvoll sein, so dass die Bücher das Zeug zu einem Klassiker haben. Ausserdem verlangt der Auftraggeber, dass die Illustratorin vorab an einem Gärtnerkurs teilnimmt. Da Lili diese Verantwortung aufgebürdet wird, sind die nächsten Samstagmorgen verplant. 

Mit Kindern und Schwester nimmt sie an diesem Gärtnerkurs im Botanischen Garten von Los Angeles teil, der von Edward, einem der Bloem-Söhne, geleitet wird. Die verschiedenen Kursteilnehmer samt dem Leiter bilden eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Es sind völlig unterschiedliche Leute mit verschiedenen Interessen und Charakteren, die sich aber im Laufe des Sommers parallel zum Wachstum der Pflanzen in den neu angelegten Beeten trotzdem gut anfreunden. Man unterstützt sich gegenseitig in privaten Gartenbelangen und zwei der jüngeren Kursteilnehme finden zueinander. Auch zwischen Lili und dem Kursleiter Edward knistert es heftig. Die beiden treffen sich auch privat - mit und ohne die anderen Kursteilnehmer - und Edward erobert das Herz der Kinder mit einem Feengarten mitsamt allem Drum und Dran. Doch so einfach geht es dann doch nicht, sich in in der Kleinfamilie einen festen Platz zu ergattern. Lili ist noch nicht bereit, sich auf eine neue Beziehung einzulassen, obwohl ihr Herz und ihr Verstand unterschiedlich auf Edwards "Sprache durch die Blumen" oder besser "Sprache durchs Gemüse" reagieren. 

Während dem Sommer wird der Schulvorlag umstrukturiert und Lili gehört zu denen, die die ihre Stelle verlieren. Nach reiflicher Überlegung beschliesst sie, den Schritt in die berufliche Selbständigkeit zu wagen. So bekommt neben dem kleinen Hinterhof, der seinen bisherigen einzigen Daseinszweck als Abstellplatz verliert und in eine grüne Oase umgewandelt wird, auch die Garage eine neue Funktion. Was bleibt am Kursende übrig ausser der Ernte von Maiskolben, Kürbissen, Gartenbohnen, Salaten und Edwards Plan, ein Buch über den Lehrgang zu schreiben? 

Ein traurig-schöner Roman voller Selbstkritik, Sarkasmus und Selbstironie. Das Ende bleibt teilweise offen, lässt die Leserin aber postitiv hoffend zurück. Nicht nur die Pflanzen wachsen, auch die einzelnen Kursteilnehmer verändern sich. Wie etwa Lili, die versucht Vorurteile abzustreifen oder erst gar nicht mehr aufkommen zu lassen und die sich daran macht, die schwierige Beziehung zu ihrer nur auf ihre eigene Schönheit bedachten, ich-bezogenen und unangenehm direkten Mutter nicht mehr ständig zu hinterfragen. 

Alle Kapitel werden mit einseitigen Gartentipps eingeleitet, die beispielsweise betitelt sind mit «Die Zusammensetzung von Pflanzenerde», «Wie man Tomaten zieht», «Wie man Brokkoli anbaut», «Wie man Erbsen zieht» und «Partnerpflanzen». 



Abbie Waxman: 
Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen 
Rowohlt Verlag, 2017

1. Juni 2017

Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore

Lily Marlène, genannt Marlène, ist nicht nur mit ihrem Namen unzufrieden. Die 39jährige Frau hat seinerzeit ihr geliebtes Studium an der Sorbonne in Paris aus familiären Gründen abgebrochen und bald darauf Jean-Louis geheiratet. Die ungewollte Kinderlosigkeit ist nur eine von etlichen Belastungen, unter denen die Beziehung der beiden leidet. Marlènes Leben dümpelt zwischen Arbeit und Verpflichtungen und immer öfter stellt sie sich die Frage, ob sie tatsächlich so weitermachen soll und will. Der zehnjährige Hochzeitstag steht bevor und Jean-Louis lädt seine Frau als Überraschung in ihre Lieblingsstadt ein. Ist in Paris ein Neuanfang für die beiden möglich? 

Paris mit Jean-Louis fühlt sich jedoch vom ersten Moment an falsch an. Die unterschiedlichen Interessen der beiden prallen hier mit voller Wucht aufeinander. Als Marlène feststellt, dass der eigentliche Grund für das Wochenende in der französischen Hauptstadt der Besuch einer Automesse ist, bricht ein weiterer heftiger Streit aus und die beiden verbringen den Hochzeitstag getrennt; er mit einer anderen Frau an der Messe, sie im Museum. 

Im Raum mit Malerei aus der Vorkriegszeit des Musée d’Orsay glaubt Marlène unvermittelt, vor einem Spiegel zu stehen. Auf einem Gemälde ist eine Frau zu sehen, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Sogar der Leberfleck ist am gleichen Ort. Die zufällige Entdeckung wühlt sie auf. Während sie überlegt, wer die Frau sein könnte und dass sie eine Vorfahrin väterlicherseits sein muss, wird Marlène von einem anderen Museumsbesucher angesprochen, dem die frappante Ähnlichkeit zwischen ihr und dem Bild ebenfalls aufgefallen ist. Er stellt sich als Auktionator Etienne Viardet vor und lädt sie ein, in seinem Büro nach Informationen über den Maler und das Modell zu suchen. Und Marlène geht ganz spontan mit. 

Ende der 20er Jahre im letzten Jahrhundert ist eine andere Frau mit ihrem Leben unzufrieden. Die siebzehnjährige Vianne träumt davon Botanikerin zu werden. Ihre Leidenschaft gehört Blüten, Knospen, Blättern und Wurzeln. Auf unzähligen Streifzügen durch die Umgebung ihres Heimatdorfes hat sie sich ein beeindruckendes Wissen angeeignet. Sie fertigt botanische Zeichnungen an und hat ein eigenes Herbarium angelegt. Doch für eine junge Frau schickt es sich nicht, mit der Botanisiertrommel Wald und Wiesen zu erkunden. Vianne mag sich aber nicht weiter einengen lassen und ständig rechtfertigen müssen. Sie verlässt heimlich ihre Familie, um in Paris ihr Glück zu suchen. 

Ihr erster von vielen weiteren Besuchen im botanischen Garten ist ein prägendes Erlebnis. Sie ist tief beeindruckt von den zu Alleen geschnittene Hecken und den Wintergärten mit verschiedenen Klimazonen, aber ins Innere des Instituts schafft sie es nicht. Vorläufig. Sie arbeitet seit rund zwei Jahren hart als Wäscherin, als sich durch einen Zufall ihr Traum, in einem botanischen Garten zu arbeiten, tatsächlich erfüllt - sie ergattert eine Stelle als Assistentin im Jardin des Plantes. Ihr Tätigkeitsgebiet umfasst alles, was sonst keiner macht, wozu Katalogisieren, Pflanzen vorbereiten, Briefe schreiben und das Labor reinigen gehören. 

Privat verliebt sie sich in den englischen Maler David, dem sie häufig Model steht, und sie verkehrt in den Pariser Künstlerkreisen. Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs und die Besatzung Frankreichs durch die Deutschen stellt Viannes Leben auf den Kopf. David hat in seine Heimat zurückkehren müssen und die geborene Kämpferin schliesst sich der Résistence an. 

Die Erzählung wechselt zwischen zwei Ebenen und verknüpft historische Elemente mit Fiktion. Die Entdeckung ihrer unbekannten Vorfahrin holt in Marlène die längst vergessene Freude am Recherchieren wieder an die Oberfläche. Von ihrem Vater erhält sie einige wenige Hinweise und beginnt ihre Suche in Kirchenarchiven. Doch nicht nur das Rätsel um die Herkunft der geheimnisvollen Frau auf dem Bild beschäftigt Marlène. Die Begegnung mit dem kultivierten, verwitweten Etienne, der ganz offensichtlich um sie wirbt, veranlasst sie, endlich ganz konkret darüber nachzudenken, auf ihrem Lebensweg eine andere Richtung einzuschlagen. 



Caroline Bernard: 
Rendezvous im Café de Flore 
Aufbau Verlag, 2016