23. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 4/5)

In «Blaues Gift» lässt Eva Almstädt nicht nur einen Hobbygärtner an der Ostsee den Blauen Eisenhut in seinem Gartenbeet umsetzen, damit er zur Blütezeit perfekt mit dem Geissbart kontrastiert, schon wenige Seiten später hat das Hahnenfussgewächs seinen nächsten Auftritt und das titelgebende Toxikum aus dem Gift der Wurzelstöcke wird für hinterhältige, tödliche Zwecke missbraucht. 

Auch Peter Oberdorfers Mörder in seinem Wien-Krimi «Schweres Gift» setzt auf die letale Wirkung von Aconitin. Inspiriert dazu hat ihn, wie ich aus der Lektüre schliesse, wohl James Joyce, der es ihm schon vor fast hundert Jahren in Ulysses vorgemacht hat. 

Edwin Haberfellner seinerseits lässt den deutschen Honorarkonsul in China am Hallstätter Beinhaus tot zusammenbrechen. Der pathologische Bericht belegt, dass das Opfer gleich mit zwei Substanzen vergiftet worden ist – einerseits mit Aconitin, anderseits mit Polonium 210. Letzteres hat zwar seine zerstörerische Wirkung über mehrere Wochen entfaltet, die Strahlenerkrankung war aber im Gegensatz zum Pflanzengift (noch) nicht tödlich. Hatte es der Mörder plötzlich eilig oder wollte er die Leidenszeit seines Opfers verkürzen? Der Kriminalroman «Tod im Salzkammergut» ist in Oberösterreich angesiedelt, wo sich der Blaue Eisenhut auf Wiesen und am Waldrand finden lässt. Der junge Leibwächter, der für den Personenschutz des ermordeten Honorarkonsuls verantwortlich war, erinnert sich denn auch gut daran, dass die im Volksmund auch Blauer Sturmhut oder Mönchskappe genannte Zierpflanze im grossmütterlichen Garten geblüht hat, doch sein Grübeln darüber, wie sein Schützling trotz pausenloser Überwachung vor seinen Augen vergiftet werden konnte, führt zunächst zu keinem Ergebnis. 

Pastorin Viveka (Annette Haaland - Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen) macht gerade eine Sinnkrise durch. Sie hat genug von ermüdenden Diskussionen über undichte Kirchendächer und davon, immer nett sein zu müssen. Ihre Aufmüpfigkeit zeigt sie nicht nach aussen, sondern diese erschöpft sich bisher im Tragen von T-Shirts mit speziellen Aufdrucken, wie etwa «Sterbehilfe legalisieren». Diese werden wohlverstanden unter der Pastorinnenbluse getragen. 

Da verstirbt ein Mitglied aus dem Kreis ihrer Freikirche aufgrund einer unnatürlichen Todesursache. Eine 83jährige Frau ist mit Aconitin vergiftet worden. Nach einem zweiten mysteriösen Todesfall kaum vierzehn Tage später, bekundet selbst Viveka Mühe, Gottvertrauen aufzubringen. Und plötzlich leuchtet ihr das Blau des Eisenhuts aus immer mehr Gärten in der Umgebung entgegen. Und weshalb stehen auf dem Lyrikregal des lokalen Buchhändlers verdächtig viele Bücher über Eisenhut? Nicht erst als der Papagei der Schrebergartennachbarn plötzlich über einen Eisenhut-Club plaudert, ist sie richtig froh, dass sie ihre Familie in die Ferien geschickt hat. Die Beweggründe für die seinerzeitige Club-Gründung erweisen sich schliesslich als recht profan und es zeigt sich, dass nicht immer ein Mord vorliegt, wenn Eisenhut im Spiel ist. Falls der adstringierende Effekt des Aconitins zur äusserlichen Schmerzlinderung falsch angewendet wird, können auch diese Folgen tödlich sein. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Der fünfte und letzte Teil des Artikels folgt in einer Woche.

16. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 3/5)

Kate Collins hat mittlerweile achtzehn (Stand 2017, aktuell sind es deren 21) Flowershop-Mysteries verfasst und Band Nummer neun trägt den Titel «Sleeping with Anemone». In diesem stellt die Blumenladen-Besitzerin Abby Knight drei Wochen nach einer bezahlten Anemonen-Bestellung beim Grosshändler fest, dass diese Lieferung nie eingetroffen ist. Und damit steckt sie, als sie darüber Nachforschungen anzustellen beginnt, bereits mitten in einem neuen Fall mit (Beinahe-)Entführungen und dem zu lösenden Rätsel, wie im kalten Februar Anemonenblüten an Schuhen hängen bleiben können. Rezensenten sagen Abby Knight Parallelen zu Agatha Christies Miss Marple nach. Mir selber fehlen diese Qualitäten. Deshalb habe ich auch nicht abschliessend herausgefunden, welche Blumen genau mit den Anemonen gemeint sind. 

Die Stichwortsuche mit «Krimi», «Aconitum» und «Gift» im Internet als verhältnismässig erfolgreich entpuppt, gibt es doch verschiedene Bücher, in denen Eisenhut (Aconitum napellus) eine Rolle spielt. 

Ricarda Schünadel hat im Eigenverlag gleich achtzehn Kurzgeschichten rund um Aconitum napellus unter dem Titel «Eisenhut» veröffentlicht. Stellvertretend für diese Erzählungen mit Überschriften wie «Moorleichen», «Giftgeil» und «Hastig essen ist ungesund» soll hier «Tödliche Blumenliebe» erwähnt werden, ein Beispiel für missglücktes Multitasking. Beim gleichzeitigen Kaffeetrinken und Zusammenstellen eines Strausses mit Cosmeen, Malven, Phlox und Eisenhut vergiftet sich nämlich eine Frau versehentlich selber, weil von ihr unbemerkt Samen in die das heisse Getränk fallen. Die Konsequenzen sind nicht nur für sie fatal, sondern auch für ihren in dieser Sache für einmal unschuldigen Mann. 

Und hier möchte ich gleich nochmals auf Agatha Christie zurückkommen, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte, die ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke während dem 1. Weltkrieg in ihrem umfangreichen Werk schriftstellerisch verarbeitet hat. Dieses hat auch Jahrzehnte, nachdem es verfasst worden ist, nichts von seinem Reiz eingebüsst. In «16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple» wird immer wieder etwas gegärtnert und die Pflanzenwelt erwähnt, aufgrund ihres Alters hat der Arzt Miss Marple aber sämtliche Gartenarbeit strikt verboten. Das hält sie aber natürlich in keiner Weise davon ab, ihre Nase in die Aufklärung vermeintlicher oder tatsächlicher Morde zu stecken. Schliesslich stellt sich heraus, dass eines der Verbrechen mit Aconitin begangen worden ist. Doch soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – der Giftmord wird nur mit wenigen Worten überhaupt erwähnt. Es gibt weder eine Beschreibung der Symptome und der Wirkung, noch wird dieses Mordopfer gross vermisst, geschweige denn betrauert.

Grundverschieden lesen sich im Krimi «Tatort San Diego – Späte Rache» von Helena Kleiker die Zeilen, in denen die typischen Charakteristiken einer Eisenhutvergiftung beschrieben werden. Diese sind ausserordentlich detailliert und beruhen genau wie die Tatausführung auf dem Fachwissen der Autorin, einer praktizierenden Ärztin, welche die von ihr verfassten Bücher selber als ruhige Krimis beschreibt, die eher subtil als blutig oder brutal sind. Ebenso eingehend werden Vorsichtsmassnahmen und die verschiedenen Stadien der Erkrankung im Umfeld einer Kosmetikfirma geschildert. Die Vorbereitungen zum 50-Jahr-Jubiläum dieses von zwei Schwestern geleiteten Unternehmens werden von gleich mehreren Verbrechen überschattet. Am Anfang stehen anonyme Drohungen, dann folgen zwei Entführungen und ein heimtückischer Giftmordanschlag. 

Während einer morgendlichen Joggingrunde mit zwei Freundinnen fühlt sich eine der Chefinnen ganz plötzlich unwohl. Bei angenehmen Temperaturen friert sie und klappert mit den Zähnen, derweilen ihr gleichzeitig der Schweiss in Strömen übers Gesicht läuft. Hinzu kommen Übelkeit, Ohrensausen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Mund, Fingern und Zehen und damit einhergehend eine stark eingeschränkte Motorik. Das Opfer hat insofern Glück im Unglück, als sie in Begleitung der «richtigen» Personen Sport treibt, als sich diese starken Krankheitsmerkmale abzeichnen. Bei ihren Kolleginnen handelt es sich nämlich um eine Ärztin und eine Toxikologin. Letztere vermutet aufgrund der jäh aufgetretenen Symptome eine Vergiftung, die mit der von einer unbekannten, vermummten Person provozierten Rempelei auf der eben zurückgelegten Rennstrecke zusammenhängen muss. Dieser Fakt erhärtet denn auch den Verdacht, dass nicht Digitalis oder Atropin, sondern Aconitin die Ursache für die vorliegenden Symptome sein muss. Denn nur das Gift des Eisenhuts wirkt bereits durch blossen Hautkontakt mit den Blättern, Blüten oder Knollen der Pflanze. 

Neben Aconitin sind auch andere Giftpflanzen Thema in diesem Krimi. So wird etwa in Südamerika nach Gewächsen mit bestimmten Inhaltsstoffen geforscht. Und auch hier gibt es bei einem weiteren Mordanschlag eine Verbindung zu Kaffee. Diesmal zwar nicht direkt zum koffeinhaltigen Getränk selber, aber eine Kaffeemaschine wird für die Verkleinerung von giftigen Samen zweckentfremdet. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Teil 4 des Artikels folgt in einer Woche.

9. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 2/5)

Ein bekannter Vertreter der weltweit verbreiteten Hahnenfussgewächse ist die Christrose Helleborus niger. Die krautige immergrüne Pflanze mit schwarzem Rhizom spielt im englischen Gartenkrimi «Dying for the Christmas Rose» von Carole Ottesen eine omnipräsente Rolle:

Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.

Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.

Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.

Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.

Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.

Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.

Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.

2. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 1/5)

Anfang 2017 habe ich für einen Beitrag in Band 2 des Jahrbuchs «Ranunculaceae» der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde mein Interesse auf Gartenkrimis fokussiert, in denen Hahnenfussgewächse als „Tatwaffe“ eingesetzt werden. Keine leichte Suche. 

Den damaligen Artikel habe ich nun in fünf Posts aufgeteilt, von denen der erste nachstehend eingefügt ist. Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Seit rund acht Jahren (2017 geschrieben!) führe ich in meinem privaten Gartenbuchblog «Die Sofagärtnerin» unter dem Motto «über Gartenbücher und über Gärten und Gärtner in Büchern» eine Art Lesetagebuch. Die nicht repräsentative, persönliche Auswahl ist in Kategorien wie «Biografien», «Kolumnen und Essays», «Gärten im Film», «Periodika», «Pflanzenjäger» oder «Gartenkrimis» gegliedert. 

Schon vor meiner Bloggerzeit habe ich mich in einschlägigen Internetforen mit Gleichgesinnten über grünes Lesefutter ausgetauscht und dort „Gardening Mysteries“ vorgestellt, auf die ich meistens via Leseempfehlungen auf Webseiten von amerikanischen Bibliotheken gestossen bin. Dannzumal hat sich unter den Mit-Schreiberlingen aus der freien deutschen Übersetzung der Begriff „Gartenkrimi“ etabliert, der Ausdruck kann aber natürlich auch schon früher verwendet worden sein. 

Was ist denn ein Gartenkrimi? In den letzten Jahren sind vermehrt Verlage dazu übergegangen, Titel unter dieser Phrase zu vermarkten. Die Inhalte sind dabei gänzlich verschieden. Spielt sich in einem Fall der Mord im Schrebergartenmillieu ab oder ist mit dem Garten als Tatort das botanische Element bereits abgehakt, so wird in anderen Gartenkrimis tatsächlich gepflanzt, gejätet, gegossen oder eben auch mal mit Gartenwerkzeug oder mit Giftpflanzen gemordet. 

Üblicherweise bin ich nicht sehr wählerisch betreffend diese Kriterien, doch in diesem Artikel soll es ausschliesslich um Pflanzen der Hahnenfussgewächse gehen. Eine gar nicht so einfache Vorgabe, wie ich recht schnell herausgefunden habe. Einerseits habe ich Bücher bisher nicht fokussiert auf Ranunculaceae gelesen und im Blog vorgestellt, anderseits legen Krimiautoren und/oder deren Verlage meist nicht oberste Priorität Wert auf korrekte botanische Bezeichnungen. Unterschiedliche volkstümliche Bezeichnungen sind diesbezüglich ebenso wenig eine Erleichterung, wie der Vorrang der dichterischen Freiheit zugunsten einer stimmigen Handlung. Wenn also von Butterblume, englisch buttercups, oder Schwarzem Hahnenfuss die Rede ist, weiss der gemeine Leser, die Leserin nicht mit Bestimmtheit, in welche Pflanzenfamilie das Gewächs gehört und meistens wird es ihn wohl auch gar nicht interessieren. 

Oberflächliches Googeln mit den Stichworten «Hahnenfussgewächse» und «Literatur» führt zu Alfred Döblins Kurzgeschichte «Die Ermordung einer Butterblume». Gedankenlos köpft hier ein schwarz gekleideter Herr mit seinem Spazierstock eine Butterblume, worauf nicht rotes Blut, sondern weisser Schleim fliesst. Die unbesonnene Handlung löst ein merkwürdiges Schuldverhältnis aus. So bekommt das Blumenopfer posthum einen Namen und Butterblumen werden zum Lieblingsessen erklärt. Des Weiteren wird eine Ersatz-Butterblume in einen goldprunkenen Porzellantopf gepflanzt und im Schlafzimmer platziert.
Die Neurose gipfelt schliesslich in der Eröffnung eines Kontos für die gemeuchelte gelb blühende Kleinstaude. 

Der Begriff «Butterblume» wird für zwei unterschiedliche Pflanzen verwendet, nämlich für den Löwenzahn und den Scharfen Hahnenfuss. Der erwähnte weisse Schleim spricht hier wohl eher für den Löwenzahn. Sieht man sich aber die Buchcovers der verschiedenen Ausgaben dieser 1910 erstmals publizierten Kurzgeschichte an, sind sich die Verlage und Illustratoren nicht einig – es lassen sich sowohl Zeichnungen von Löwenzahn als auch von Scharfem Hahnenfuss finden.

Teil 2 des Artikels folgt in einer Woche.

25. April 2020

Arthur Escroyne

Im Juli 2013 habe ich an dieser Stelle ausführlich über die Sorgen des 36. Earl von Sutherly mit seinen Lorbeerpflanzen berichtet. Erst Anfang 2020 habe ich zufällig festgestellt, dass ich völlig verpasst habe, dass dieses Buch inzwischen Teil einer (derzeit) sechs Bände umfassenden Reihe ist. Und was soll ich sagen – fast so schnell wie ich diese Titel auf meinen E-Reader heruntergeladen habe, waren sie auch ausgelesen.

Im letzten Absatz der damaligen Buchvorstellung "Der Killer im Lorbeer" habe ich darüber gerätselt, ob das Buch wohl autobiografisch sei und ob es überhaupt aus dem Englischen übersetzt ist, wie angegeben wird. Nun, diesbezüglich bin ich nicht schlauer als vor sieben Jahren. Die Krimis sind aber weiterhin in einen recht grosszügigen hortikulturellen Hintergrund eingebettet und lassen neben der Aufklärung von Verbrechen viel Spielraum für die persönliche Entwicklung der Hauptpersonen.

Die Leserin freut sich mit über eine lang ersehnte Schwangerschaft, schüttelt oft den Kopf über die unbelehrbare werdende Mutter und nimmt Anteil an den Freuden und den Sorgen, die mit der Geburt des kleinen Lords auf dem Falkenhorst Einzug halten. Und sie muss leider mitleiden, als es in der Ehe von Arthur und Rosy zu kriseln beginnt.

Fehlen also noch einige Angaben zum kriminellen Inhalt der Bücher. Während in Band 2 in Ascot kurz vor einem Pferderennen ein Sportreporter erstochen wird, eilt Rosy in Band 3 einer jungen Kollegin zur Hilfe, um die Täterschaft eines scheinbar unwillkürlich in einem Hotel angerichteten Blutbades dingfest zu machen. In Band 4 müsste sich Rosy schonen, weil sie als Spätgebärende eine Frühgeburt um jeden Preis verhindern muss. Doch da sie ihrem Arzt den ihm angelasteten Mord nicht zutrauen will und kann, fällt ihr die verordnete Schonzeit nicht ganz leicht.

In Band 5 wird ein reicher Mann mit einem Messer im Rücken aufgefunden. Die Aufklärung der Tat führt zu einem überraschenden Ergebnis. Der Titel «Die Kirschen in Nachbars Garten» bezieht sich aber auf die Beziehung von Arthur und Rosy und aussereheliche Versuchungen und Affären. Anlässlich der Aufklärung eines grausamen Ritualmords in Band 6 kommen sich die beiden inzwischen getrennt Lebenden wieder näher. Irgendwie authentisch, dass Arthur und Rosy mit banalen Alltags- und Eheproblemen kämpfen. Das macht die beiden noch sympathischer als sie sowieso schon sind.

Eigentlich ist es ganz gut, habe ich jahrelang nicht mitbekommen, dass da fünf weitere spannende und ausgezeichnet durchdachte Bücher auf mich warteten. Denn ich ziehe es tatsächlich vor, mehrteilige Serien durchgehend am Stück zu schauen oder zu lesen, statt ein Jahr oder länger auf eine Fortsetzung zu warten und dann nicht mehr recht zu wissen, wovon die vorherige Folge überhaupt gehandelt hat.



Arthur Escroyne: 
Band 1: Der Killer im Lorbeer 
Band 2: Aufschrei in Ascot 
Band 3: Schüsse im Shortbread 
Band 4: Mit Schirm, Charme und Kanone 
Band 5: Die Kirschen in Nachbars Garten 
Band 6: Keine Rosy ohne Dornen 
Verschiedene Verlage, 2013 bis 2018 



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

18. April 2020

Martina Sahler: Die englische Gärtnerin (Trilogie)

Martina Sahler hat bereits vor einigen Jahren eine Trilogie mit hortikulturellem Hintergrund verfasst, die zur Zeit der Tulpenmanie spielt («Die Tulpenkönigin», «Der Zorn der Tulpenkönigin» und «Die Macht der Tulpenkönigin»). Aber Achtung: Der erste damalige Band ist unter zwei verschiedenen Autorennamen erschienen, nämlich zuerst unter dem Pseudonym Enie van Aanthuis und später eben unter Martina Sahler. Ich bin natürlich hereingefallen und habe das Buch doppelt gekauft. Aber hier soll es nicht um Tulpen und Holland gehen, sondern um Astern, Dahlien, Jasmin und England. 

In der aktuellen Romanreihe begleitet die Leserin in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine junge Frau, die unbedingt in Kew Garden ihren Weg gehen und damit in die Fussstapfen ihres Grossvaters treten will. Von der Mutter ist Charlotte Windley zu Selbständigkeit erzogen worden. Tatsächlich ergattert sie als erste Frau eine Stelle als Botanikerin im botanischen Garten und sie erhält die Chance, gemeinsam mit ihrer geheimen Liebe an einer Pflanzenexpedition teilzunehmen.

Doch ein furchtbares Unglück wirft alle Zukunftspläne über den Haufen und die junge Frau muss sich entscheiden, ob sie ihre eigenen Interessen vor eine gesicherte Zukunft ihrer nächsten Familienangehörigen stellen will. 

Die Vernunft hat gesiegt, aber nichtsdestotrotz versucht Charlotte, ihre Selbständigkeit zu bewahren und arbeitet als gut situierte Frau und Hausherrin des Anwesens Summerlight House trotzdem weiter als Botanikerin. Als sie schliesslich ihre Stelle in Kew Garden verliert, macht sie sich zusammen mit dem Gärtner Quinn an die Gestaltung des Gartens rund um ihr neues Heim. 

Und im zweiten Band geht es dann doch noch auf Reisen. Zunächst durch England und später nach Persien. Auf der Garteninsel werden im Kopfkino Gärten und Gärtnereien besucht, und zwar auch solche, die teilweise heute noch einen Besuch wert sind wie etwa Great Dixter, Wisley Garden und Alnwick Garden. Sogar Vita Sackville-West begegnet einem immer wieder im Lauf der Lektüre. Die Persienreise, welche Charlotte von ihrem Mann Victor geschenkt wird, basiert übrigens auf der literarischen Aufarbeitung einer ähnlichen Expedition der Sissinghurst-Gestalterin über die Bakhtiari-Berge im heutigen Iran. 

Während die Verbindung zum Gärtner nicht nur wegen gemeinsamen hortikulturellen Gestaltungsinteressen immer enger wird, wächst die Entfremdung zwischen Charlotte und ihrem Mann Victor. Auf das Erscheinen des dritten Bandes muss ich mich leider noch gedulden. Gemäss Vorankündigung spielt er zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. 



Martina Sahler: 
Blaue Astern (Band 1) 
Rote Dahlien (Band 2) 
Weisser Jasmin (Band 3) 
Ullstein Verlag, 2019/2020 


Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

13. April 2020

Ella Kordes: Die Gartenschwestern

Über die Osterfeiertage habe ich vermutlich DEN Gartenroman des Bücherfrühlings 2020 gelesen. Auf zwei gut durchdachten und verbundenen Zeitebenen lässt frau sich von Gedanken an COVID-19 ablenken. Und zwar einerseits durch existenzielle Sorgen gegen und nach Ende des zweiten Weltkriegs und anderseits von demgegenüber jedenfalls vergleichsweise banalen Problemen rund um den Verlust eines jahrelang gepflegten Gartens wegen Trennung von Haus(inhaber) und Bett beziehungsweise Beet(gestalterin) in der Gegenwart. 

Drei Frauen haben sich vor ein paar Jahren während einer Gartenreise kennengelernt. Quasi als Hilfsgärtnerinnen haben die "Gartenlosen" Marit und Constanze Eintritt in das durchgestylte grün-weisse Villengartenparadies von Gitta erhalten. Da die rechtlichen Tatsachen eindeutig und der Verlust des Gartens damit gegeben sind, muss oder kann nicht nicht einmal ein Rosenkrieg mit ihrem Noch-Ehemann geführt werden.

Kann eine Schrebergartenparzelle Ersatz für die erzwungene Trennung vom geliebten Garten sein? Können die drei Gartenschwestern ihre Freundschaft auf einem anderen, gleichberechtigten Fundament auf eine neue Ebene stellen und auch die Gartenwünsche und -ansprüche von Marit und Constanze erfüllen? Diese beiden träumen nämlich weniger von durchgestalteter Ästhetik; also von bunten Blumen und nicht-formalen, ja eher wilden Gartenelementen. Und natürlich gibt es da noch die Vereinsvorschriften von wegen Gemüse- und Obstgartenanteil. 

Die grösste Parzelle in der Schrebergartenkolonie auf Probe zu mieten ist eine nicht zu unterschätzende Verpflichtung. Aber schliesslich wird sogar das Rätsel um drei ganz besondere Inneneinrichtungselemente in der Laube und einen unterirdischen frostsicheren Raum elegant gelöst. 

Nachtrag: Bei der Autorin Ella Kordes soll es sich laut gegoogelten Quellen um ein Pseudonym von Tania Krätschmar handeln. Ein Name, der Sofagärtnerinnen nicht unbekannt ist. Das Suchen im Sofagarten führt zu mehreren Treffern.



Ella Kordes: 
Die Gartenschwestern 
Blanvalet Verlag, 2020 


Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

3. April 2020

Sofa überall

Aus aktuellem Anlass stolpert man in Zeiten von Homeoffice und der (Möglichst-)Drin-Bleiben-Pflicht allenthalben über Begriffe, die neu mit «Sofa» verbunden werden. Jedenfalls passiert mir das. Natürlich insbesondere darum, weil ich für mich in Anspruch nehme, die Worte «sofagärtnern» und «Sofagärtnerin» im Internet zwar nicht gerade exponentiell verbreitet zu haben, aber doch so, dass zumindest in einschlägigen Kreisen verstanden wird, was "sofagärtnern" bedeutet.

Als ich Anfang 2009 einen Namen für meinen Gartenbuch-Blog gesucht habe, ist mir ganz spontan «Sofagärtnerin» als freie Übersetzung von Armchair Gardening eingefallen. Googeln ergab keinen Anlass, von der Idee abzurücken. Seinerzeit wurde nämlich gerade mal ein einziges Resultat angezeigt (von einem Karnelvalswagen mit Sofagärtnern, wenn ich mich richtig erinnere). 

Unser aller Leben wird in diesen Wochen und Monaten ziemlich auf den Kopf gestellt. Glücklich kann sich schätzen, wer einen Garten oder Balkon hat. Und natürlich ausreichend Lektüre in Form von Gartenbüchern.

Die Schneeglöckchenzeit ist gerade vorbei. Vielleicht möchten Sie die Zeit bis zur nächsten Blüte frühestens im nächsten Herbst sinnvoll überbrücken? Während den vergangenen Herbst- und Wintermonaten habe ich mich durch die fünfzehn (!) Snowdrop-Mysteries von Susan Alexander gelesen und hoffe auf eine Fortsetzung. Nicht alle Folgen sind gleich spannend und glaubwürdig, aber die Amerikanerin Maggie und ihr frisch angetrauter, ziemlich verbohrter englischer Ehemann Thomas sind schon fast gute Bekannte von mir.

In den nächsten Tagen ist es gerade neun Jahre her, dass ich der Neuauflage von "Adrian, der Tulpendieb" eine Buchvorstellung gewidmet habe (erstmals 1936 erschienen). Die damals erwähnte gleichnamige Fernsehserie aus den 60er Jahren gibt es inzwischen als DVD. Tulpen gibt es ja, so einfach wie gewohnt, keine mehr zu kaufen. So habe ich mir in den letzten Tagen die Frühlingsblüher während der Erfüllung der sportlichen Indoorpflichten als Hauptdarsteller in dieser sechsteiligen Serie angeschaut. Nicht ganz so farbig wie ein bunter Tulpenstrauss, denn nur etwa 20 Minuten von einer Folge sind in Farbe erhalten, obwohl die Serie seinerzeit die erste Farbserie des Deutschen Fernsehens war. 

Jetzt schulde ich noch ein paar Sofa-Begriffe. Da wären etwa Sofaturner, Sofatutor, Sofalesungen, Sofakonzerte… 

Und mir bleibt zu überlegen - soll ich jetzt wieder mit regelmässigem Bloggen anfangen? Den Blog endlich bei Wordpress fertig einrichten und ihm ein neues Outfit verpassen? Mal schauen, ob hier überhaupt noch jemand vorbeikommt. Da die für die nächsten Wochen und Monate geplanten Besuche von hortikulturellen Veranstaltungen wie Schoppenwihr und Chantilly und spontane Gärtnereibesuche gestrichen sind und frau sich nicht die ganze Zeit nur an die Irlandreise von Anfang Jahr und den Besuch der Schneeglöckchentage in Mannheim mit vielen netten Begegnungen im Februar erinnern kann und will, die Stickgärten aus York bald fertig gestickt sind, müsste sich eigentlich Zeit fürs Geschreibsel finden lassen. 

Ach ja, und wie immer habe ich alle in diesem Beitrag erwähnten Titel und Filme selber gekauft und bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet. Bleiben Sie gesund!

21. Oktober 2017

Letzer Eintrag?

Nachdem ich nun mehrfach darauf angesprochen oder besser angeschrieben worden bin, wann denn hier wieder mit Gartenbuchvorstellungen gerechnet werden dürfe, nehme ich mir nun zum ersten Mal seit ungefähr einem halben Jahr wieder einmal die Zeit, ein paar Zeilen für diesen Blog zu verfassen. 

Da ich während einer beruflichen Weiterbildung in der Wahl meiner Lektüre rund zwei Jahre deutlich eingeschränkt war, hatte ich nach Schulabschluss vor ziemlich genau einem Jahr richtig Lust, nach dem Weglegen von Manuals und Gesetzestexten endlich wieder zu sofagärtnern und hier darüber zu berichten. Schnell hatte ich Beiträge bis zum Sommerende 2017 vorgebloggt. Nicht nur das Buchgärtnern kam wegen der Schule zu kurz, wegen Zeitmangel habe ich mich natürlich auch nicht um technischen Neuerungen oder um eine längst fällige Layoutanpassung kümmern können und auch Besuche bei anderen Blogs lagen nicht drin. 

Nun hatte ich nach den absolvierten Fachprüfungen zwar wieder Zeit, aber nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich mich entschlossen, dass ich diese und meine Energie nicht dafür aufwenden mag, die zuletzt doch deutlich zurückgegangenen Besuchfrequenzen im Blog wieder zum Ansteigen zu bringen. Statt einer in Erwägung gezogenen Ausbildung in Richtung Webdesign habe ich mich deshalb für einen Fernkurs Gartengestaltung angemeldet. 

Ich habe meinen Blog immer als Nische gesehen, den man oder meistens frau halt suchen soll, wenn sie ihn finden will. Ich muss damit kein Geld verdienen und wie hier schon mehrfach erwähnt, schreibe ich bevorzugt über Bücher, die ich mir selber ausgewählt und angeschafft habe. Seit Anfang Jahr habe ich mehr als zwei Dutzend Gartenbücher im engeren oder weiteren Sinn gelesen und bei etlichen gedacht, dass sie ausgezeichnet in den Sofagarten passen würden, dem Gedanken aber keine Taten bzw. keine Buchvorstellung folgen lassen und auch konsequent alle Rezensionsanfragen abgelehnt. Zumindest bis auf weiteres wird im Sofagarten also nicht mehr durchgeblüht. Ob diese Blühpause nun temporär oder definitiv ist, mag ich aktuell noch nicht abschliessend entscheiden. 

Ich habe mich in den letzten Monaten nicht nur mit Gartenstudienheften herumgeschlagen und Gartenbücher gelesen, sondern Anfang Oktober zum ersten Mal an einer geführten Gartenreise teilgenommen. Dabei habe ich mich tatsächlich so gefühlt, als sei ich direkt in einem opulent bebilderten und gestalteten Gartenbuch gelandet. Mit rund 1’300 Fotos, noch viel mehr Eindrücken und schönen neuen Bekanntschaften mit hoffentlich dem einen oder anderen bleibenden Kontakt zurückgekehrt. Auf der Hinreise zum Busabfahrtsort hatte ich zufällig einen besonders passenden Mitreisenden im Zugabteil: einen 86jährigen Fotografen, der für ein Buch über geheime Gärten in Venedig die Fotos beigesteuert hat. 

Einzelne der in Südostengland besuchten der Gärten und/oder deren Gestalter oder Gestalterinnen habe ich hier im Blog auch schon vorgestellt. Einige dieser Posts sind aktuell in der Desktop-Ansicht auf der linken Seite unterhalb dieses Textes in der Rubrik "Beliebte Posts" zu finden (Christopher Lloyd, Beth Chatto und Alan Bloom). Impressionen in Form von Texten und einer richtigen Bilderflut durch Mitreisende lassen sich hier finden, Reiseinformationen von Iris Ney (Iris Ney Gartenreisen) hier. Jetzt, wo dieser 653. Post vielleicht der letzte im Sofagarten ist, muss ich ja nicht noch meine Grundsätze von wegen «keine Fotos» hinterfragen und über Bord werfen… 

Nach der Rückkehr aus England musste ich mich erst wieder ein wenig mit meinem kleinen Garten anfreunden. Durch die kürzliche Rodung von zwei buchsgesäumten Rabatten steht mir ein (natürlich relativ!) grosses Stück leeres Land zur Neubepflanzung zur Verfügung, auf dem ich nun einige Ideen umsetzen will, wenn diese ausgereift sind. Und wer weiss, vielleicht packt mich plötzlich der Ehrgeiz, die einst vor einigen Jahren wegen einem mühsamen Stalker reservierte Internet-Domain doch noch zu nutzen. 

Nun liste ich ganz wertfrei noch ein paar der Bücher auf, die ich zuletzt gelesen habe:
- Christian Kress: Meine Welt der Stauden 
- Jörg Pfenningschmidt und Jonas Reif: Hier wächst nichts - Notizen aus 
  unseren Gärten 
- Ambra Edward: Head Gardeners 
- Roy Lancaster: My Life with Plants 
- Allan Jenkins: Plot 29 – A Memoir
- Kildare Bourke-Borrowes: Lady Mayo's Garden - The Diary of a Lost 19th
  Century Irish Garden 
- Meir Shalev: Mein Wildgarten 
- Nicole C. Vosseler: Der englische Botaniker 
- Siri Mitchell: Charlotte und die Sprache der Blumen 
- Sissi Flegel: Vier Frauen und ein Garten 
- Bruno Vincent: Five Lose Dad in the Garden Center
- Peggy Langhans: Der gefundene Garten 
- Sandra Knauf: Zera and the Green Man 
- Julie Leuze: Ein Garten voller Sommerkräuter 
- Sarah Morgan: Ein Sommergarten in Manhattan 
- Martina Sahler und Hendrik Gruner: Die Tulpenkönigin 
- Martina Sahler und Hendrik Gruner: Der Zorn der Tulpenkönigin 
- Frankie Bow: The Black Thumb 
- Cristina Caboni: Die Oleanderschwestern 
- Saskia Louis: Band 1, Band 2 und Band 3 der Louisa Manu-Reihe
- Jane Corry: Der Garten über dem Meer
- Nelly Cornelius: Orchideenpoker

8. September 2017

Kate Kerrigan: The Lost Garden

Im Sommer 1942 darf die sechzehnjährige Irin Aileen Doherty zum ersten Mal mit ihrem Vater und den beiden Brüdern nach Schottland fahren, um dort während drei Monaten beim Kartoffelanbau Geld zu verdienen. Bis anhin hat sie ihre kleine, enge Welt nur in ihrer Phantasie beim Lesen der immer gleichen Bücher verlassen. Vor der Abreise stellt sie pflichtbewusst sicher, dass ihre geliebten Pflanzen und die Töpfe mit den frisch gesetzten Samen, die sie am Strand gefunden hat, soweit möglich gut versorgt sind. Ob das Grünzeug ihre lange Abwesenheit ohne Verluste überstehen wird?

Schon auf der Überfahrt lernt sie den neunzehnjährigen Jimmy Walsh kennen, der sich sofort in die rothaarige Aileen verliebt, obwohl Rothaarige Unglück bringen sollen. Er hängt sich sofort ziemlich aufdringlich an die junge Frau. Sie fühlt sich zunächst auch bedrängt. Da sie sich aber den Umgang mit Frauen nicht gewohnt ist und keinen rechten Draht zu den anderen weiblichen Mitreisenden findet, ist sie binnem kurzem um Jimmys Aufmerksamkeit froh und sie beginnt schon bald, seine Gefühle zu erwidern.

Ein schweres Unglück erstickt die aufkeimende Liebe, welche die harte Arbeit auf den Feldern viel besser hat ertragen lassen. Zehn irische Männer kommen ums Leben, darunter Aileens Vater und ihre beiden Brüder. Jimmy wird beim Versuch, die Männer aus dem brennenden Gebäude zu retten, schwer verletzt. Die Wege der beiden jungen Leute trennen sich – Aileen kehrt in ihr Heimatdorf zurück und Jimmy liegt lange in einem Spital und kämpft ums Überleben.

Aileen versinkt in Schmerz und Trauer. Sie weiss nicht, ob Jimmy überhaupt noch lebt und sie will es auch gar nicht wissen, um nicht auch noch dieser Hoffnung, dieses Traums beraubt zu werden. Auf den nächsten Schicksalsschlag muss sie auch so nicht lange warten. Ihre Mutter scheint den Verlust ihres Mannes und der beiden Söhne recht schnell weggesteckt zu haben. Sie verlässt die Insel, lässt ihre Tochter zurück, heiratet schon kurz darauf und wird erneut Mutter. Nicht einmal die Samen vom Strand, die inzwischen gekeimt sind, mögen das Interesse von Aileen wecken. Wieso leben die Pflanzen und ihr Vater und ihre beiden Brüder sind tot? Die junge Frau hat die Freude am Gärtnern verloren.

Das Leben geht weiter und Aileen lebt inzwischen bei einem benachbarten Farmer, der die kleinen Kinder seines verwitweten Bruders aufzieht und sie übernimmt Aufgaben im Haushalt. Jimmy seinerseits zieht es nach London, wo er sein schwer verunstaltetes Gesicht wieder herstellen lassen will. Dazu muss er viel Geld verdienen und eine Gesichtsoperation durchführen lassen. Um Aileen seinen momentanen Anblick und sich ihre Reaktion darauf zu ersparen, will er erst anschliessend mit ihr Kontakt aufnehmen.

Jimmy findet rasch einen gut bezahlten Job, verschliesst aber die Augen vor den Tatsachen, worum es sich bei seiner Tätigkeit genau handelt. Als er sich den Gegebenheiten endlich stellt, ist es schon fast zu spät. Aileen entdeckt derweilen einen verlassenen, völlig vernachlässigten Garten, in dem schon längst die Natur das Zepter übernommen hat. Die ganze Anlage samt Statuen ist von Unkraut überwuchert, doch die junge Frau ist überwältigt vom Anblick, der sich ihr bietet. In der Folge geht sie immer öfter in diesen längst aufgegebenen Garten und vollbringt wahre Wunder. Bald wird sie unterstützt von Frauen aus dem Dorf, die ebenfalls ihre Väter, Männer und Brüder verloren haben.

Die vielen Lücken, die sich nach dem Jäten auftun, füllt Aileen mit riesigen Mengen von in der Umgebung ausgegrabenen und mit Stecklingen vermehrten einheimischen Gewächsen. Das wenige ihr zur Verfügung stehende Geld, investiert sie in exotische Sämereien, die sie im Treibhaus, zum Keimen bringt. Ihre praktischen Erfahrungen ergänzt sie mit der intensiven Lektüre von «The Ladies Companion» und «The Obeserver’s Book of British Wild Flowers».

Bald kennt Aileen sich ausgezeichnet mit Pflanzen und deren Bedürfnissen aus. Ein Rätsel bleibt, um welche Pflanzen es sich handelt, die aus den am Strand gefundenen Samen gewachsen sind. Deren Gedeihen scheint mit dem Befinden der Hinterbliebenen zusammenzuhängen, was der zu Rate gezogene Botaniker französischer Herkunft aus dem Botanischen Garten in Dublin kategorisch ausschliesst. Der Franzose und Aileen verstehen sich ausgezeichnet und ergänzen sich in hortikultureller Sicht ausgezeichnet. Trotzdem kann Aileen ganz im innersten nicht verleugnen, dass ihre wirklichen Sehnsüchte nur durch einen anderen Mann erfüllt werden können.



Kate Kerrigan: 
The Lost Garden 
Pan Books, 2014

1. September 2017

Liz Fenwick: Ein Garten in Cornwall

Die Gärten von Boscawen wurden einst von Mitgliedern der Familie Tregan angelegt. Pflanzen aus dem Nahen Osten, Australien und Afrika haben hier eine neue Heimat gefunden. Weit herum als Wahrzeichen von Boscacwen galten die einst als Samen aus Down Under mitgebrachten in einem aussergewöhnlichen Blau leuchtenden Schmucklilien. Doch nachdem das Anwesen den Besitzer gewechselt hat, wurde die Umgebung vernachlässigt. Viele botanische Schätze sind inzwischen verwildert oder definitiv verschwunden und der versunkene Garten im italienischen Still ist völlig überwuchert. 

Die letzte Tregan ist die auf Boscawen aufgewachsene heute sechzigjährige Victoria, die sich  zu einem grossen Teil über ihren makellosen, attraktiven Körper definiert. Seit vier Jahrzehnten ist sie mit Charles verheiratet, den sie respektiert, aber nicht liebt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit meist deutlich jüngeren Männern betrügt. Ihre Leidenschaft und ihr Hauptinteresse gilt aber den Gärten rund um Boscawen, die sie unbedingt wieder in genau der Pracht blühen sehen will, wie es in ihrer Kindheit der Fall war. Als Frau durfte sie nicht als Schwimmerin an der Olympiade teilnehmen, nicht in Oxford studieren und Kinder waren ihr auch nicht vergönnt. Und natürlich durfte sie auch das seit vielen Jahren in Familienbesitz befindliche Boscawen nicht erben, so dass es nach dem frühen Tod ihres Bruders von deren Frau verkauft werden konnte. Charles hat ihr während der langen Ehe nicht nur einen angenehmen Lebensstandard geboten, sondern auch ihrem Wunsch entsprechend das Anwesen wieder zurückgekauft. 

Nun ist sie nach dem tödlichen Autounfall ihres Mannes plötzlich Witwe. Zwar bedrücken sie Schuldgefühle und sie vermisst Charles mehr als sie erwartet hat, doch sie beginnt sofort enthusiastisch Gartenpläne zu schmieden und freut sich, mit der Planung und Restaurierung endlich richtig loslegen zu können. Gemäss Ihren Vorstellungen muss der Garten wieder genau wie früher werden, weshalb sie schon einmal Hunderte Apfelbäume bestellt. Doch diese Aktion erscheint bereits genau so sinnlos, als die Pflanzen geliefert werden, wie sich ihre Zeichnungen schon während der Testamentseröffnung als potentielle Makulatur entpuppen. 

Victoria ist nämlich nicht wie von ihr erwartet als Alleinerbin eingesetzt. Sie muss sich mit Charles' unehelichen Tochter Demi auseinandersetzten, von der sie bis zu diesem Tag nichts gewusst hat und sie muss mit dieser Frau teilen, was in letzter Zeit nicht verspekuliert worden oder grosszügig an wohltätige Organisationen gegangen ist. Da die ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht für die Alleinherrschaft geschweigen denn eine Auszahlung der Miterbin ausreichen, muss sich Victoria mit der unbekannten Miterbin einigen oder das Anwesen verkaufen. Schon einmal hat Victoria Boscawen verloren. Soll ihr dieses Schicksal nochmals widerfahren? In ihr sträubt sich alles gegen diese Möglichkeit. Doch wer ist überhaupt diese junge Frau, die Victorias Ziel im Weg steht, die von ihren Vorfahren angelegten Gärten wieder zum Blühen zu bringen? 

Demi ist recht klein, weshalb die ausgebildete Architektin oft unterschätzt oder schlichtweg übergangen wird. Ihre Körpergrösse ist aber im Moment ihr kleinstes Problem. Vor ein paar Wochen ist völlig unerwartet ihre Mutter gestorben und nun hat die Mitzwanzigerin auch noch den dringend benötigten Job im Anschluss an ihr Praktikum nicht ergattern können. Und nachdem ihr Freund Matt ihr Vertrauen wiederholt missbraucht hat, hat sie sich von diesem getrennt und hat nun kein Dach mehr über dem Kopf. In ihrer Not fährt sie nach Cornwall und sucht bei ihrem Grossvater Unterschlupf. 

Hier findet sie heraus, dass ihr Vater nicht, wie von ihrer Mutter gesagt, schon lange tot ist, sondern ganz in der Nähe lebt und sogar an der Beerdigung ihrer Mutter teilgenommen hat. Doch bevor sie sich an diesen Gedanken gewöhnen kann und bereit für ein Treffen ist, muss sie erfahren, dass er tödlich verunglückt ist. Mit dem Erbe ihres Vaters scheinen wenigstens ihre finanziellen Probleme gelöst. Doch gleichzeitig hat sie von ihrem Vater eine riesige Verantwortung aufgebürdet bekommen. 

Demi zieht nach Boscawen und findet rasch heraus, dass Charles’ Witwe eine sehr schwierige Frau ist. Dazu kommen immer wieder Flahsbacks, welche die junge Frau verunsichern. Wiederholt stösst sie auf Orte in der Umgebung, bei denen sie glaubt, diese zu kennen. Ihre Erinnerungen an die früheste Kindheit sind aber seit einer schweren Erkankung als kleines Mädchen wie ausgelöscht. Unterstützung in ihrer Entscheidungsfindung erhält sie vom australischen Gärtner Sam, der seinerseits ein Geheimnis um seine Herkunft zu machen scheint. 

Können sich die beiden unterschiedlichen Frauen zusammenraufen? Haben die vorgesehenen Umbaupläne eine Chance? Sams Apfelbaumkonzept findet Victorias Zustimmung. Doch mit dem Gedanken, die Hauptverantwortung für den geplanten Innenumbau der jungen Architektin Demi anzuvertrauen, will sie sich nicht anfreunden. 

Die Handlung des Romans ist weitgehend vorhersehbar. Als ärgerlich und dem Lesefluss abträglich empfand ich die durchgehend fehlenden, visuellen Abgrenzungen zwischen den einzelnen Erzählebenen, wenn zwischen der Sicht von Victoria und Demi gewechselt wird. 



Liz Fenwick: 
Ein Garten in Cornwall 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2016

22. August 2017

Marty Wingate: Potting Shed Mysteries

Die Amerikanerin Marty Wingate leitet Gartenreisen nach England und verfasst einerseits „normale“ Gartenbücher wie „The Big Book of Northwest Perennials: Choosing - Growing – Tending“. Das Mitglied von „Sisters in Crime“ schreibt aber auch Gartenkrimis, die unter der Reihe „Potting Shed Mysteries“ erscheinen. Bis dato sind deren fünf erhältlich.

The Garden Plot
The Red Book of Primerose House
Between a Rock an an Hard Place
The Skeleton Garden
The Bluebonnet Betrayal



15. August 2017

LaRee Bryant: Poppy Green Mysteries

Und hier gleich nochmals eine englische Gartenkrimi-Reihe von LaRee Bryant mit bisher zwei Titeln: 

Buttercup Blues
Poppy Fever



8. August 2017

Bailey Cattrel: Enchanted Garden Mysteries

Eine weitere Gartenkrimi-Reihe hat Bailey Cattrel gestartet. Bis dato gibt es zwei Bücher in der Reihe «Enchanted Garden Mysteries» (Text aus der Webseite der Autorin): 

Nr. 1: Daisies For Innocence


Nr. 2:  Nightshade for Warning






1. August 2017

Nike Mangold: Die Orangerie

Die zwanzigjährige Alma verdient sich ihnen Lebensunterhalt mit Miniaturzeichnungen auf der Rückseite von Strassenbahntickets, Papierschnitzeln und Zeitungsrändern. Meistens reicht es nicht für eine anständige Mahlzeit und das Ergattern eines Schlafplatzes im Hamburger Elendsquartier ist eine weitere Herausforderung, die es täglich zu meistern gilt. Ihre Eltern sind 1892 an Cholera gestorben, als sie sieben Jahre alt war, weshalb sie schon früh für sich selber sorgen lernen musste. Ihr grösster Schatz ist ein botanisches Magazin, das sie vor ein paar Wochen am Strassenrand gefunden hat. 

Als die junge Künstlerin auf dem Markt versucht, potentielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen, wird sie von einer Dame angesprochen, die sich als Agathe Brook und Züchterin von exotischen Pflanzen vorstellt. Diese ist beeindruckt von Almas Pflanzenabbildungen aufgrund der Vorlage aus der Zeitschrift. Frau Brook verkauft Orchideen und möchte, dass Alma ihre Gewächse für Werbezwecke abzeichnet. Sie lädt Alma deshalb ein, sie zu begleiten und die junge Frau nimmt das Angebot an. Was hat sie schon zu verlieren?

Die Mietkutsche bringt die beiden Frauen nach Harvestehude in eine Orangerie voller Pflanzen, einen richtigen Tempel der Botanik. Alma glaubt, endlich einen Zipfel vom Glück zu erhaschen. Doch die vermeintliche Glückssträhne wird unterbrochen, kaum dass sie begonnen hat, denn am nächsten Tag liegt ihre Arbeitgeberin tot in ihrem Zimmer. Alma bleibt trotzdem im Gewächshaus und versucht, sich um die exotischen Pflanzen und deren Verkauf zu kümmern, hat aber weder eine Ahnung von deren Bedürfnissen noch von deren Wert. Die junge Frau ist nicht alleine in der Orangerie. Sie muss sie mit dem jungen Nudisten Per teilen, der zwischen den Palmen lebt. Der Anhänger der Freikörperkultur kennt sich im Gegensatz zu Alma mit den Pflanzen aus und unterrichtet sie im Gärtnern und der Pflege. Auf Anweisung von Alma muss er sich unsichtbar machen, sobald Kunden auftauchen. Während Per sich ohne Kleider frei fühlt, braucht Alma den ständigen Schutz ihres kratzigen Schultertuchs. 

Die Erbschaftsfrage ist noch nicht geklärt. Der wahrscheinliche Erbe ist ein Verwandter der direkten Nachbarn der verstorbenen Orangerie-Besitzerin, den diese im Militärdienst glauben. Die Anwohner wittern deshalb die Chance, sich Hab und Gut und insbesondere das wertvolle Land unter den Nagel reissen zu können und wollen deshalb Alma loswerden. Die weiss nämlich zu viel, nachdem ihr Zeichentalent von eben diesen Anrainern genutzt worden ist, um Teile des Hamburger Stadtplans zu kopieren und die junge Zeichenkünstlerin sich die damit zusammen hängenden unlauteren Geschäfte zusammenreimen könnte. Und so muss die junge Frau, kaum dass sie sich immer mehr wie eine richtige Gärtnerin fühlt, das Treibhaus in Begleitung von zwei Polizeibeamten verlassen. 

Dieses Buch mit einem aussergewöhnlich schönen Buchumschlag basiert auf historischen Begebenheiten, welche die Autorin geschickt in den Roman integriert hat. Es geht um soziale Missstände, die krassen Unterschiede zwischen den Lebensumständen der Reichen und der Armen, Spekulationen, aber auch die Zurschaustellung von Menschen aus anderen Kulturen im Zoo, Guanodünger und einem anderen Dungmittel, aufgrund dessen Menschen angeblich Wurzeln wachsen sollen. 



Nike Mangold: 
Die Orangerie 
Eigenverlag, 2015