13. Februar 2021

Ruby Loren: Diana Flowers Floriculture Mysteries: Prequel und Books 1 – 5

Während den letzten Jahren hat die 27jährige Chemikerin Diana Flowers in London gelebt. Ihre Prioritäten nach dem Studium galten einem regelmässigen und guten Einkommen und so hat sie ihre langen Arbeitstage ganz selbstverständlich in einem grossen Labor bei einer anspruchsvollen Tätigkeit verbracht. Kürzlich ist sie wieder nach Merryfield gezogen, wo sie ihre Kindheit verbracht hat. Sie will Distanz zu einer gescheiterten Beziehung schaffen und in Zukunft ihre persönliche Zufriedenheit über die Höhe des Kontostandes stellen. In einem kleinen Labor analysiert sie nun Bodenproben und ist mit Düngemittelkontrollen beschäftigt, was die Fachfrau weder als besonders spannend, herausfordernd oder gar befriedigend empfindet. 

Vor ihrer Rückkehr ins ländliche Südostengland hat die junge Frau mit dem blumigen Nachnamen keinerlei Interesse an der Hortikultur an den Tag gelegt und noch nie ausprobiert, ob sie einen grünen Daumen hat. Zum Mietvertrag ihres Appartements gehört die Option, eine kleine Gartenparzelle zu bewirtschaften und so findet Diana Flowers sehr schnell heraus, dass sie gerne Blumen aus Samen sät und ein gutes Händchen dafür hat, diese mit ihrem Wissen um die chemischen Vorgänge im Boden und dem korrekten Mass an Düngern zu grosser Blütenpracht zu bringen. Mit dem Verkaufen ihrer bald beliebten bunten Sträusse und Kränze aus einheimischen Pflanzen auf dem samstäglichen Farmermarkt hat sie sich eine willkommene Nebeneinkommensquelle erschlossen. Eine völlig unerwartete Erbschaft und ein Bericht darüber, dass in England die Blumenimporte nach dem Brexit voraussichtlich deutlich teurer sein werden, bringen sie schliesslich auf die Idee, sich mit der Vermehrung von Blumen in Kombination mit dem Handel und der Verarbeitung derselben selbständig zu machen. 

Wissen, Können und das Mitspielen der Natur reichen leider nicht immer aus, um Stauden und einjährige Pflanzen zum Blühen und zur Ernte zu bringen. In den fünf Bänden dieser Krimiserie wird Dianas Start in eine erfolgreiche berufliche Selbständigkeit immer wieder durch mehr oder weniger absichtliche Schikanen von Zweibeinern behindert oder sogar verhindert. Die junge Frau wird nämlich im beschaulichen Städtchen wiederholt in Kriminalfälle verwickelt. Und so werden ihre Blumenfelder mal von Beamten der Spurensicherung zertrampelt, von einer (wie diese selber findet) zu Unrecht übergegangen Erbberichtigten oder einer plötzlich in der Nachbarschaft auftauchenden konkurrierenden Floristin mutwillig zerstört. 

In Merryfield gelten selbst Einwohner, die vor Jahrzehnten zugezogen sind, immer noch als Nicht-Einheimische. Dieses Stigma haftet dem für die diversen Fälle zuständigen Detective zuständige auch nach dreissig Jahren Wohnsitz im Städtchen an. Er ist Diana gegenüber wegen einer (so sollte man meinen) längst verjährten (Nicht-)Geschichte mit deren Mutter sehr feindselig eingestellt. Und eben wegen dieser Animosität traut er der jungen Floristin jedes Verbrechen zu und nutzt jegliche Gelegenheit, ihr zu schaden. 

Als Chemikerin ist die intelligente Diana gewohnt, streng wissenschaftlich zu denken und Fakten zu analysieren. Am Anfang der Buchreihe taucht der Verschwörungstheoretiker und erfolgreiche Autor Fergus in ihrem Leben auf, als er sich unerlaubt auf ihren Blumenfeldern herumtreibt. Er ist ständig auf der Suche nach einer guten Geschichte für ein neues Buch und sehr empfänglich für nicht belegte, oft Jahrzehnte alte Gerüchte, vermeintliche Spuren und fantasievolle Interpretationen. Erstaunlicherweise verstehen sich nicht nur die Hunde von Diana und Fergus ausgezeichnet, sondern die komplett verschiedenen Denkansätze der beiden führen das Duo in diesen Cozy Mysteries immer wieder gemeinsam auf die richtige Spur von verzwickten Fällen, in welchen bis zur Lösung um mehrere Ecken gedacht werden muss und nicht nach ein paar Seiten klar ist, wer hinter den Taten und Inszenierungen steckt. 

Nachdem ich diese Buchreihe ausgelesen hatte und feststellen musste, dass sie wohl abgeschlossen ist und keine Fortsetzung findet, habe ich herausgefunden, dass es noch ein Prequel gibt. In dieser Vorgeschichte erfährt man die Details zur Erbschaft und wie Diana auf den oder besser zum Hund Diggory gekommen ist. 

Von Ruby Loren gibt es verschiedene weitere Buchreihen. Eine mit sechs Ausgaben trägt den Titel «Blooming» und scheint einen für Sofagärtnerinnen interessanten hortikulturellen Hintergrund zu haben. Die ausgezeichnet formulierten und überaus authentischen Charaktere der Diana Flowers-Krimis machen mich jedenfalls sehr neugierig auf deren Inhalt. 

 

Ruby Loren:
Diana Flowers Floriculture Mysteries
Eigenverlag, diverse Jahre 
 
The Florist and the Funeral (Prequel) 
Gardenias and a Grave Mistake (Book 1) 
Delphiniums and Deception (Book 2)
Poinsettias and the Perfect Crime (Book 3) 
Peonies and Poison (Book 4) 
The Lord Beneath the Lupins (Book 5)
 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

 

23. Januar 2021

Der Garten im Winter – Vor dem Fenster und im Gartenbuch

Der Kalender zeigt jetzt schon wieder seit fast einem Monat 2021 an. Durch den Jahreswechsel zum Besseren geändert hat sich seit meinem letzten Post (falls überhaupt) nur wenig und so versuche ich, mich - mal mehr oder weniger erfolgreich - über Abwechslung im Alltag und an Kleinigkeiten zu erfreuen. Vor drei Wochen habe ich erstmals in der direkten Nachbarschaft einen Eisvogel entdeckt und seither mehrfach beobachten können. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann einmal, ein aussagekräftiges Bild von dem wunderschönen, aber scheuen blau-orangefarbenen Tier zu machen, bevor er sich wieder im grünen Kleid der Laubbäume verstecken kann. 

Dank der grossen Schneemengen, mit denen uns Frau Holle am letzten Wochenende auch hier auf rund 440 Metern über Meer beglückt hat, konnte ich direkt vor der Haustüre zu meiner allerersten Schneeschuhwanderung starten. Gleichzeitig ist der der Garten unter einer sehr dicken weissen Decke verschwunden und damit wurden auch viele der in den letzten Jahren umgesetzten Bemühungen hinsichtlich Optimierung der winterlichen Aspekte zumindest temporär torpediert. Weiss dominiert im Moment immer noch über grün, rot und braun, dafür kann ich nach wie vor hoffen, dass ausser einem grossen abgebrochenen Ast am Mispelbaum keine weiteren empfindlichen Schäden entstanden sind. 

Alles in allem eine gute Gelegenheit, die heimische Gartenbibliothek nach Büchern zum Thema «Garten im Winter» zu durchforsten. Bevor ich kürzlich meine private Gartenbücher-Liste nach entsprechenden Stichworten durchsucht habe, war mir gar nicht (mehr) bewusst, dass sich da in den letzten Jahren doch etliche Nicht-Romane zu diesem Thema angesammelt hatten. Mein Sammeldrang und wahrscheinlich auch ein wenig der Wunsch nach Kompensation für entgangene Wintergartenreisefreuden (ja, natürlich weiss ich, dass es grössere Probleme gibt und von der Sonne umschmeichelte gelbe Kopfweiden im Tiefschnee haben tatsächlich auch ihren Reiz!) haben trotzdem zu einem weiteren «ersten Mal» geführt. 

Nämlich zum Bestellen von antiquarischen Büchern, was ich bisher tunlichst vermieden habe; einerseits aus Platzmangel und anderseits mag ich tatsächlich lieber ungebrauchte Bücher. An bereits gelesenen Büchern, die komisch riechen oder Stockflecken aufweisen, ist wohl noch niemand gestorben und Hygieneregeln waren wohl selten so präsent wie in diesen Pandemiezeiten. Und so schwelge ich aktuell also abends häufig in teilweise jahrzehntealten Büchern über Gärten im Winter, in denen schon von Textur bei Pflanzen geschrieben worden ist, als ich noch keinen einzigen Gedanken daran verschwendet habe. 

Vielleicht berichte ich hier im Sofagarten zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher über den Inhalt des einen oder anderen Titels, vorerst hier einfach mal ohne Wertung, in alphabetischer Reihenfolge einige Hinweise zu Büchern, die sich mit Gärten und ihrer Wirkung im Winter beschäftigen. 

 

Adrian Bloom:
Winter Garden Glory - How to get the Best from your Garden from Autrumn trough to Spring
Harper Collins, 1993 
 
Bourne, Val: 
The Winter Garden – Create a Garden that shines trough the forgotten Season 
Cassell, 2006 
 
Bross-Burkhardt, Brunhilde:
Mein Garten im Winter – Artenvielfalt fördern, Wintergemüse ernten, Gestaltungsideen umsetzen 
Haupt Verlag, 2020 
 
Buffin, Michael W.:
Winter flowering Shrubs
Timber Press, 2005 
 
De Belder, Jelena und Wouters, Bie und Slootmaekers (Fotos):
Winterblüher – Düfte und Farben im winterlichen Garten
Landwirtschaftsverlag, 2003 
 
Keil Gisela und Becker Jürgen (Fotos) :
Gärten im Winter – Inspirationen für die vierte Jahreszeit 
Deutsche Verlagsanstalt DVA, 2003 
 
Ney, Iris:
Lebendige Gärten im Winter 
Ulmer Verlag, 2019 
 
Pollet, Cédric:
Gärten im Winter – Faszinierende Farbenpracht und Formenvielfalt 
Ulmer Verlag, 2017 
 
Price, Eluned und Nichols, Clive (Fotos):
Der Garten im Winter 
Christian Verlag, 1997 
 
Schulz, Claus und Becker, Jürgen (Fotos):
Der Garten im Winter – Eine Spurenlese in faszinierender Vielfalt 
Deutsche Verlagsanstalt DVA, 2014 
 
Sterndale-Bennett, Jane:
The Winter Garden 
David and Charles, 2006 
 
Rosemary Verey: 
Der Garten im Winter 
Ravensburger Verlag, 1989 
 
 
 
Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher/Filme habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern/Filmen.

 

19. Dezember 2020

Lea Thannbach: Weihnachtsstern-Saga

Dieses Jahr kommt bei mir keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Wenn ich nicht jeden zweiten Tag ein Adventskalenderpäckchen öffnen dürfte, würde ich mich wohl noch weniger im Weihnachtsmodus befinden. Falls es Ihnen ähnlich geht, macht ihnen vielleicht die Lektüre der Saga über die Züchtung der Weihnachtssterne ein wenig Laune. 

Die beiden Romane der jungen Autorin Lea Thannbach basieren auf der wahren Geschichte der Entwicklung des Weihnachtssterns von der in der USA ausgewilderten Zierpflanze, über die Anfangskultur als Schnittblume bis zur heutigen Topfpflanzenproduktion. 

Ursprünglich stammen die Poinsettien aus tropischen Laubwäldern in Südamerika. Einem deutschen Auswanderer fiel Anfang des 20. Jahrhunderts auf, wie sich an diesen Pflanzen zur Weihnachtszeit die Hochblätter rot färbten und er kam so auf die Idee, diese anzubauen und zu vermarkten. 

In zwei Erzählsträngen verfolgt die Leserin die schwierigen Anfänge der Züchterarbeit, liest von ersten Erfolgen, Rückschlägen und der heutigen Bedeutung der Kurztagpflanze als Weihnachtssymbol - längst nicht mehr nur in den Farben rot und grün. 

Rund um diesen hortikulturellen Hintergrund wird die Familiengeschichte der Münchner Gartenbaustudentin Stella erzählt, die nach dem Unfalltod ihrer Mutter erfährt, dass sie im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika eine grosse Verwandtschaft hat, von der sie bisher keine Ahnung hatte. 

Aktuell lese ich Band 2 und da gibt es noch etliche Familiengeheimnisse zu lüften. Ob das Geheimnis um die erfolgreiche Kultivierung der Weihnachtssterne vor der Konkurrenz bewahrt werden kann? 

 

Lea Thannbach:
Im Land der Weihnachtssterne
Ullstein Verlag, 2020
 
Wiedersehen im Land der Weihnachtssterne
Ullstein Verlag, 2020 

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

12. Dezember 2020

Edward mit den Scherenhänden (DVD)

Da sich das Tageslicht aktuell wieder früh verabschiedet, mag ich nach Feierabend keine Walkringrunden mehr absolvieren und erfülle die sportlichen Pflichten indoor. Das Programm bringe ich einfacher hinter mich, wenn ich dabei Filme oder Serien anschaue. Nicht nur gelesene Buchinhalte gehen im Verlauf der Zeit vergessen, auch visuelle Wahrnehmungen verblassen und so trainiere ich in diesen Wochen zu schon einmal angeschauten Filmen wie "Greencard""Adaption"  und "Greenfingers". 

Heute habe ich zwischen den DVDs der 80 Weltgärten von Monty Don und der Krimi-Serie "Rosemary and Thyme", welche gerade regelmässig ins Laptop-Laufwerk eingeschoben werden, wieder einmal den Film «Edward mit den Scherenhänden» angeguckt. Beim Suchen nach Stichworten im Blog habe ich festgestellt, dass ich dieses Fanstasiemärchen über einen ganz speziellen Aussenseiter noch gar nie im Sofagarten erwähnt habe. Warum es schneit, will eine Enkelin von ihrer Grossmutter Kim wissen. Die Antwort auf die Frage bildet den Rahmen für diese Winterwundergeschichte und beeindruckende Topiarykünste sorgen für den hortikulturellen Hintergrund. 

Über pastellfarbenen Häusern, in denen gelangweilte Hausfrauen auf ihre Männer warten, die am Morgen in pastellfarbenen Autos das Haus verlassen und erst abends wieder von der Arbeit in ihr Vorstadtheim zurückkehren, thront ein altes Schloss. Das Geschäft der pastellfarben angezogenen Avon-Beauty-Beraterin Peg läuft nur harzig, so dass sie spontan den Einfall in die Tat umsetzt, auf den Hügel hinauf zu fahren und ihre Produkte dort oben anzubieten. Vielleicht lässt sich ja ein neuer Kunde gewinnen? Als niemand auf ihr Klopfen reagiert, tritt sie ein und trifft auf den sanftmütigen Kunstmenschen Edward mit etlichen Narben im Gesicht, auf denen sie gleich ihre Produkte anwendet. 

Der Erfinder von Edward ist gestorben, bevor er sein Meisterwerk vollenden konnte, so dass der junge Mann neben seinem sonderbaren Aussehen mit struwwelpeterähnlicher Frisur Scherenhände aufweist. Die feinfühlige Peg nimmt Edward unter ihre Fittiche und gibt ihm ein neues Daheim in ihrer Familie, zu welcher der Ehemann, die Tochter Kim und der Sohn Kevin gehören. 

Edwards Schöpfer hat ihm zwar gute Manieren beigebracht und wann er lächeln soll, doch das Leben ist überaus kompliziert, wenn man mit Scherenhänden zurechtkommen muss und keine oder nur wenig Ahnung von zwischenmenschlichen Beziehungen, Recht und Unrecht und Gesetzen hat. Ein Wasserbett, das nach dem Kontakt mit den scharf geschliffenen Werkzeugfingern ausläuft, ist da als banales Problem einzuordnen. 

Fast wie Hyänen auf ihre Opfer stürzen sich die die Nachbarinnen auf die willkommene Abwechslung in Gestalt dieses exotischen Menschen und zunächst verläuft die Integration auch ganz gut. Edward schafft nämlich mit seinen Scherenhänden grüne Kunstwerke in den Gärten. Aus langweiligen Sträuchern werden - schnipp schnapp, schnipp schnapp - Dinosaurier, Menschen und andere Objekte. Bald setzt er sein Talent auch als Coiffeur für Hunde ein und wagt sich an die Haare der Vorstädterinnen. Und wenn er beeindruckende Eisskulpturen schafft, schneit es sogar über den Vorstadtdächern, auf die der Schnee sonst in Form von weissen Kunststoff-Matten getackert wird. 

Der Scherenkünstler, der von Jonny Depp gespielt wird und im ganzen Film nur 169 Worte spricht (ich habe nicht nachgezählt), verliebt sich in Kim und seine (scheinbare) Naivität wird ausgenutzt. Wiederholt kommt es zu unschönen, immer heftiger werdenden Konfrontationen mit Kims eifersüchtigem Freund. Die Stimmung in der Umgebung kippt, plötzlich zerreissen sich die Nachbarinnen die Mäuler und die Scheren sorgen nicht mehr nur für oberflächliche Schnitte.

 

Edward mit den Scherenhänden (DVD)
20th Century Fox, 1990

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher/Filme habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern/Filmen.


6. November 2020

Posy Lovell: The Kew Garden Girls

Während draussen das von mir inszenierte farbenfrohe Herbstblätterfinale in alle Winde verweht wird oder eben auch nur auf unseren wenigen Quadratmetern aufs Zusammenharken wartet, stecken wir also mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Es ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass in den vor uns liegenden Wintermonaten nicht nur wegen den deutlich weniger Stunden, die draussen gegärtnert wird, mehr Zeit fürs Sofagärtnern bleibt. 

Kürzlich habe ich nach der Trilogie um die englische Gärtnerin in Kew von Martina Sahler einen weiteren Roman gelesen, der zu einem grossen Teil in diesem königlichen Botanischen Garten in London spielt. Beinahe hätten sich die verschiedenen Protagonisten begegnen können. Gesprächsstoff hätten sie sicher genug gehabt. Aber Scherz beiseite und zurück zur fiktiven Geschichte «The Kew Garden Girls» mit historischen Elementen, inspiriert durch wahre Begebenheiten. 

England steckt 1915 mitten im 2. Weltkrieg und die Männer an der Front haben daheim überall Lücken hinterlassen, so dass die Frauenerwerbsarbeit gezwungenermassen einen massiven Aufschub erhält. In Kew Garden werden Hilfsgärtnerinnen und Hilfsgärtner eingestellt. Jede und jeder bringt einen mehr oder weniger schwer gefüllten Rucksack an positiven und negativen Erfahrungen mit. Louisa ist vor ihrem gewalttätigen Mann in die Stadt geflüchtet und untergetaucht. Ivy, noch nicht einmal volljährig, trägt mit ihrem Einkommen massgeblich zum Unterhalt ihrer Familie bei, da der Vater seine Pflichten immer wieder vernachlässigt. Der leidenschaftliche Lehrer und Pazifist Bernie hat nach einem für ihn beschämenden Erlebnis eine sichere Stelle quittiert und ist mit seinen zwei linken Händen ohne erkennbaren grünen Daumen zunächst eher eine Belastung als eine Hilfe. Später kommt dann noch ein drittes Garden Girl dazu, womit sich weitere Überlegungen zum Buchcover mit drei Frauen erübrigen. 

Zwischen dem Jäten und Abschneiden von welken Blüten in den Blumenrabatten und dem Anpflanzen von Gemüse und Salat geht es ausführlich um Themen wie Kriegsdienstverweigerung, Analphabetismus, Lohndiskriminierung von Frauen und den Kampf der Suffragetten. Die angewendeten Methoden der Frauenrechtlerinnen dünken die Leserin nicht immer vollkommen angebracht, aber im Gegenzug werden auch Fehler reflektiert, eingestanden und die Folgen gelindert. 

Auch wenn sie wohl eher im Märchenreich anzusiedeln ist, fand ich die spezielle Briefkorrespondenz, in welcher die Sprache der Blumen effektiv ausgelebt wird, eine hübsche Idee. Ivy, die des Lesens und Schreibens nur eingeschränkt kundig ist, erhält nämlich von ihrem Liebsten Jim an der Front, statt Briefe, die sie nicht lesen kann, Samen von verschiedenen Blumen. Die französische Saat wird in England zum Keimen gebracht, gehegt und gepflegt und in Form von gepressten Blumensträusschen wieder über den Kanal nach Frankreich geschickt, wo der kundige Berufsgärtner die Botschaften entschlüsselt. 

Der Roman weist vielleicht etwas gar viele individuelle Happy Ends für eine einzelne Geschichte auf, aber zurzeit mag frau das gut verkraften. Trotzdem bin ich erleichtert, dass die Autorin sich/uns wenigstens eines erspart hat. Die Scheidung von Louisa wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. 

 

Posy Lovell:
The Kew Garden Girls
Trapeze, 2020

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

29. August 2020

David Wheeler (Hrsg.): Gartenlektüre – Neue Geschichten englischer Gartenenthusiasten

Bereits wiederholt habe ich hier im Sofagarten über Hortus geschrieben. Seit über einem Vierteljahrhundert erscheint dieses Journal in s/w-Optik, immer vollgespickt mit anspruchsvoller Gartenlektüre, im Jahreszeitenabstand und bereits mehrfach sind Hortus-Anthologien auf Englisch erschienen, die auf meinem Bücherregal prominente Plätze besetzen. Grössten Respekt verdient der Umstand, dass Hortus nota bene auf privater Basis publiziert wird. 

Vor fünf Jahren ist mit "Gartenlektüre - Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten" erstmals eine Auswahl aus früheren Hortus-Publikationen in einer deutschen Übersetzung erschienen, letztes Jahr kam eine Fortsetzung dazu. Beide Bücher verfügen über einen ausserordentlich schönen Umschlag, der in seiner Gestaltung an gefällige alte Tagebücher oder Poesiealben erinnert. (Noch) wichtiger ist aber natürlich der Inhalt. 

Im Journal Hortus werden jeweils auf etwas mehr als 100 Seiten Gärtner und Gärten aus den verschiedensten Blickwinkeln vorgestellt. Nach Impressum und Inhaltsverzeichnis gehören die ersten Seiten immer der Kolumne «»From the Editor’s Desk» und den Abschluss bilden Buchkritiken und die Vorstellung der Textverfasserinnen und -verfasser. Zu meinen bevorzugten Hortus-Beiträgen gehören in der Regel jene über Gärten in der Literatur oder im Film. 

Im zweiten Band der Gartenlektüre-Reihe hat mir gerade die Geschichte «Flora goes Hollywood – hortophiler Filmführer» von Marta McDowell in Erinnerung gebracht, wem (nämlich eben Hortus) ich vor rund zehn Jahren etliche vergnügliche Gartenfilmstunden zu verdanken hatte, von welchen ich vereinzelt in diesem Blog berichtet habe. Zu erwähnen wären da etwa «Willkommen Mr Chance» oder «Eduard mit den Scherenhänden». 

Da ich damals die englische Originalgeschichte gut «abgegrast» habe, war die Ernte aus der deutschen Übersetzung diesmal dürftig bzw. die noch fehlenden potentiell interessanten Filme sind nicht mehr oder nunmehr sehr schwierig erhältlich. «Jean de Florelle» und «Manons Rache» sind wohl nicht mehr zu erwerben, für die Doku «First, Cheap and Out of Control» über einen ehemaligen Gartendirektor mit Verantwortung für eine Menagerie von «Green Animals» muss ich mir gelegentlich familienintern einen alten Laptop mit Regionencode 1 ausleihen. 

Kate Kerrin berichtet über die Risiken in einem Dachgarten im 35. Stock, während an anderer Stelle Gelegenheiten geschaffen werden, damit die Natur sich Flächen zurückerobern kann, so wie ein Rasen, der nicht mehr gepflegt wird und sich in eine Wiese verwandelt. Andere Beiträge tragen Titel wie «David Austin und seine Rosenromanze», «Auf Wildtulpenjagd in Zentralasien» und «Lang lebe die Saat». 

Dekadentes gibt es über neureiche Olivenhainbesitzer an der amerikanischen Westküste zu lesen, welche die Befruchtung der Olivenbäume mit entsprechenden Sprays verhindern. Mit dem Obst derselben können und wollen sie nichts anfangen, und sich schon gar nicht mit dem Schmutz herumschlagen, den die nicht verwendeten, heruntergefallenen Oliven verursachen. 

Im Vorwort schreibt der Herausgeber David Wheeler, dass Hortus an Abonnenten in diversen Ländern, verteilt über den ganzen Globus, verschickt wird. Falls Sie (noch) nicht zu den Empfängern zählen, ist die vielfältige Zusammenstellung der beiden Anthologien «Gartenlektüre» vielleicht eine Gelegenheit, sich eine mentale oder schriftliche Notiz auf dem Weihnachtswunschzettel zu machen. Oder so ähnlich. 

 

David Wheeler (Hrsg):
Gartenlektüre - neue Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Prestel Verlag, 2019



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

 

 


8. August 2020

Mary Ann Fox: Cornwall-Gartenkrimis

Inzwischen umfasst die in Cornwall angesiedelte Gartenkrimi-Serie rund um die Gärtnerin Mags Blake bereits fünf Bände. Neben einem grosszügigen hortikulturellen Hintergrund werden auch immer wieder kurze Sequenzen aus ornithologischer Perspektive eingefügt. Etwa aus Sicht einer Dohle, einer Elster oder einem Rotkehlchen, die oft nur einen Flügelschlag vom Geschehen an den Tatorten entfernt als sprachlose Zeugen eine Nebenrolle einnehmen.

Die sympathische Protagonistin Mags kehrt nach dem Tod ihres Ehemannes mit einem Schuldenberg in ihren Heimatort Rosehaven zurück. Diesen versucht sie loszuwerden, indem sie ihr Elternhaus verkauft und sehr bescheiden lebt. Gleichzeitig macht sie sich mit ihrem fundierten Gärtnerwissen selbständig und verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Anlegen von neuen Gärten und dem Unterhalt und der Pflege von solchen.

Anlässlich eines Tags der offenen Gartenpforten in Shelter Garden führt die junge Frau Besucher durch den Landschaftsgarten. Ihr berufliches Interesse wird geweckt, als sie mitten unter rosa blühenden Hortensien, ein blaublütiges Exemplar entdeckt. Mit dem kurz entschlossen in die Tat umgesetzten Vorhaben, den Grund für den dafür verantwortlichen sauren Boden aufzudecken, katapultiert sie sich direkt in ihren ersten Mordfall.

Jeder Band beinhaltet in sich abgeschlossen die Aufklärung eines Verbrechens. Während sich ihr Berufs- und ihr Privatleben in eine positive Richtung entwickeln, kommt die Amateurermittlerin Mags immer wieder in ausgesprochen lebensbedrohliche Situationen. Durch alle Bücher hindurch zieht sich parallel wie ein roter Faden das Rätsel um das spurlose Verschwinden von Mags Mutter, als sie selbst noch ein Kleinkind war, und den (angeblichen) Unfalltod ihres Vaters, von dem Mags nicht nur ihre grünen Daumen, sondern auch ihr gärtnerisches Handwerk gelernt hat. Solange hier noch wichtige Puzzleteile für einen Gesamtüberblick der viele Jahre zurückliegenden Geschehnisse und Hintergründe fehlen, darf wohl ungeniert eine Fortsetzung der Reihe erwartet werden.

Die Krimis zeichnen sich zwar nicht durch sehr hohe Spannungsbögen ("cozy mysteries") aus, aber sie sind eine überaus angenehme und lesenswerte Lektüre und die detaillierten Landschafts- und Gartenbeschreibungen werden überzeugte Sofagärtnerinnen mit einem Faible für England allgemein und Cornwall im speziellen gut gefallen.



Mary Ann Fox:
Je tiefer man gräbt (Band 1)
Aufbau Taschenbuch, 2018

Je dunkler das Grab (Band 2)
Aufbau Taschenbuch, 2019

Je kälter die Asche (Band 3)
Aufbau Taschenbuch, 2019

Je länger die Nacht (Band 4)
Aufbau Taschenbuch, 2020

Je höher die Flut (Band 5)
Aufbau Taschenbuch, 2020



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

18. Juli 2020

Tierische und andere Herausforderungen

Mein recht kleiner Garten gefällt mir jedes Jahr besser. In den letzten Jahren sind sehr viele rotblättrige Pflanzen und Grünzeug mit roten Stielen oder Blattadern und/oder farbigem Herbst- und Winteraspekt dazu gekommen und in diesem Frühling wurde die rot-grüne Mischung vermehrt mit orangen Blüten ergänzt. Eine Farbe, die mir noch vor ein paar Jahren unter keinen Umständen in den Garten gekommen wäre. Ich muss gestehen, früher sogar gelegentlich die orangen Blüten der Ligularien vor dem Verwelken abgeschnitten zu haben. Nun, die Geschmäcker und das Verständnis für Ökologie und Insekten ändern sich, aber nach wie vor interessieren mich an Pflanzen die Struktur und Blattform oft mehr als die Blütenfarbe.

Inzwischen sind viele der in den letzten Jahren gepflanzten Stauden, Berberitzen und andere Kleingehölze wunderbar miteinander verwoben und schön ineinander gewachsen, so dass es nicht nur von Nachteil ist, dass dieses Jahr die Gelegenheiten, eher hemmungslos neue Pflanzen nach Hause zu bringen, deutlich eingeschränkt sind. Obwohl ich keine Zeit habe, an den Pflanzen zu ziehen, wächst vieles wie verrückt. Leider ist es nämlich immer wieder so, dass mir die Vorstellung fehlt oder ich ganz einfach das entsprechende Wissen erfolgreich ausblende, dass mir ein kleines unschuldiges Gewächs in einem 7cm-Topf über den Kopf wachsen kann.

Unwillkommene, aber leider auch inkomplette Mithilfe dabei, gewisse Pflanzen in ihre Schranken zu weisen (vereinzelt zwar sogar an der richtigen Stelle), schafft da neuerdings ein nächtlicher Gartengast. Während die Nacktschnecken kürzlich auf meinen zahlreichen verschiedenen Berberitzen anscheinend die hiesigen Klettermeisterschaften durchgeführt haben, sind einem eigentlich hübsch anzuschauenden Raubtier nicht nur der Rauling (Trachystemon) zum Opfer gefallen, sondern - vermutlich als Kollateralschäden - unter anderem auch eine Dahlie, Mukdenien, eine niedrig wachsende Berberitze (!), eine Abelie und einiges anderes mehr. Nachbarn haben einen Marder beobachtet und die Schadbilder im Garten scheinen mit den gegoogelten Informationen übereinzustimmen. Der Rauling hat sich in den letzten Jahren für meinen Geschmack zwar etwas zu breit gemacht, aber in flacher und zerdrückter Form sieht er auch nicht gerade attraktiv aus. Vielleicht befolge ich wirklich den mehrfach erhaltenen Tipp und schreibe eine Anleitung an den Marder, er solle die Pflanze doch bitte gleich ausgraben. Ob das sich Parfümieren wenigstens zu einer erfolgreichen Brautschau geführt hat?

Apropos Düfte - bei der Auswahl meiner Lieblingslektüre hatte ich in den letzten Wochen wiederholt einen ganz guten Riecher. Meine Büchergestelle quellen über und ich bin nicht sehr entscheidungsfreudig, wenn es darum geht, Sätze auf Papier zwischen Buchdeckeln zu entsorgen. Da meine Büchertauschpartnerin lieber liest als sofagärtnert, habe ich zuletzt immer öfter den E-Reader verwendet. Das Vorstellen von E-Book-Lektüre ist sehr aufwendig, deshalb nachstehend ohne detaillierte Inhaltangaben Hinweise auf die letzten Positionen meiner Leseliste.

Insekten, ein spezielles Möbel, Rügen, fundierter Journalismus, die Verwirklichung von Lebensträumen und natürlich ein Garten sind wichtige Stichworte zum Inhalt des Romans «Die Zeit der Glühwürmchen». «Mit das Lächeln der Libellen» und «Die Träume der Bienen» findet der in sich abgeschlossene erste Band der Serie "Inselgärten" von Patricia Koelle eine Fortsetzung im kommenden Herbst.

Im dritten Teil von Martina Sahlers «Die englische Gärtnerin, Weisser Jasmin» geht es um viele Abschiede, aber auch um einen schwierigen Neuanfang, Durchsetzungsvermögen und das Erreichen von Zielen - manchmal halt auf einigen Umwegen.

Der Roman «Der Garten unter dem Eiffelturm» hat sich nicht nur als Sofagärtnern und Kopfkino in vollendeter Form entpuppt, er dient gleichzeitig auch als Inspirationsquelle für Gartenreisen nach Paris und in die Normandie. Im Anhang der Lektüre finden sich die im Buch besuchten Gärten mitsamt ausführlichen Hintergrundinformationen. Lesend schlendert man da beispielsweise durch den Jardin Anne Frank, die Jardins flottants Niki de Saint-Phalle und den ehemaligen Pariser Bahngürtel, die Promenade plantée. Über den Romaninhalt will ich jetzt nicht viele Worte verlieren und auf die Webseite der Autorin Elena Eden verweisen. Die Investition in das im Eigenverlag publizierte Buch wird mit einer romantischen Erzählung rund um Schuldgefühle, ein altes Familiengeheimniss eingebettet in ein hortikulturelles Umfeld inklusive viel Wissenswertem über Claude Monet belohnt. Ich freue mich jedenfalls auch hier auf eine hoffentlich baldige Fortsetzung. Vielleicht lässt sich bis dann auch das Rätsel klären, weshalb auf eben dieser erwähnten Webseite von einer Mehrzahl von Gartenromanen der Autorin die Rede ist, obwohl sich (bisher?) leider nur einer finden lässt.

Diese Romane verhelfen alle zu ein wenig Ablenkung von den Herausforderungen rund um das Coronavirus. Dass auf Tiefschläge auch wieder bessere Zeiten folgen, zeigen nicht nur die Schicksalsschläge und Abschiede in den in diesem Post erwähnten erfundenen Lebensläufen, sondern auch die Geschichten, die das Leben von Rita Pottharst (Jahrgang 1943) schrieb. Sie berichtet in «Alles mit Links» über Ihre Kinder- und Jugendjahre in einer Gärtnerei in Paderborn. Auch hier soll eine Fortsetzung folgen.

Bei der Bewältigung der mit dem tierischen Gartenärger verbundenen Herausforderungen, setze ich meine Hoffnung einerseits auf Ultraschall und Hundehaare und anderseits auf Miscanthus. Dem schleimigen Problem wollte ich nämlich mit Chinaschilf-Abdeckmaterial rund um die Berberitzen begegnen, da dieser Mulch von Nacktschnecken gemieden werden soll. Aber vielleicht riecht das ja für Mardernasen verführerisch? Vorerst habe ich deshalb auf das Ausbringen verzichtet.



Elena Eden:
Der Garten unter dem Eiffelturm
Eigenverlag, 2020

Patricia Koelle:
Die Zeit der Glühwürmchen (Inselgärten, 1. Teil)
Fischer Verlag, 2020

Rita Potthast:
Alles mit Links – Eine Hommage an meinen Vater
Tredition, 2019

Martina Sahler:
Die englische Gärtnerin – Weisser Jasmin (3. Teil)
Ullstein Verlag, 2020



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

4. Juli 2020

Loretta Nyhan: Wenn das Leben dir Tomaten schenkt

Die 43jährige Witwe Paige Moresco tut sich zwei Jahre nach dem Unfalltod Ihres Mannes Jesse immer noch sehr schwer damit, diesen Schicksalsschlag zu akzeptieren. Über zwanzig Jahre waren die beiden ein Paar und gut eingespieltes Team. Bis vor kurzem hat sie sich darauf verlassen, wenigstens einen sicheren Job zu haben. Seit vielen Jahren arbeitet sie nämlich in der gleichen Marketingagentur, wo sie als zuverlässige Ideenlieferantin eine wichtige Teamstütze war. Doch ihre tiefe und andauernde Trauer hat natürlich auch einen Einfluss auf ihre Arbeitsqualität.

Nach dem ebenfalls völlig überraschenden Tod ihres Vorgesetzten und Mentors, der sie auch um der guten alten Zeiten willen in der letzten schwierigen Zeit immer unterstützte, hat dessen Sohn die die Firma übernommen und krempelt sowohl die Organisation als auch das Team um. Neue Arbeitsabläufe werden eingeführt, Kosten sollen gespart, die Anzahl Mitarbeiter reduziert und insbesondere neue Kunden gewonnen werden. Damit keine Kündigungen ausgesprochen werden müssen, haben sich die Angestellten einem internen Wettbewerb zu stellen und schliesslich müssen die zwei, welche den Anforderungen am wenigsten genügen, gehen.

Neben der Trauer, dem Leistungsdruck und den Reibereien mit ihrem pubertierenden Sohn Trey muss sie sich auch immer wieder mit ihrem lästigen Nachbarn auseinandersetzen, dessen einziger Lebensinhalt darin zu bestehen scheint, auf das Einhalten von mehr oder weniger sinnvollen Regeln in der Nachbarschaft zu pochen. Dazu gehört unbedingt auch ein gepflegter grüner Rasen vor jedem Vorstadthaus. Rund um Paige Moresco türmen sich also die Probleme zu immer höheren Bergen. Und was macht sie? Sie beginnt ein Loch in ihren sowieso zu wenig grünen Rasen zu graben, und gräbt immer weiter und tiefer.

Abwechslung in der Lektüre ist mir sehr wichtig. So folgen auf Krimi und Romane nach Lust und Laune Biografien und Gartenportraits oder Botanikwanderführer. Weniger gerne lese ich Ratgeber, die mit erhobenem Zeigefinger geschrieben sind und vorgaukeln, alle Probleme liessen sich mit positiven Gedanken lösen oder so ähnlich. «Wenn das Leben dir Tomaten schenkt, mach Salsa draus», heisst es einmal ganz lapidar in diesem Roman. Doch statt Tomaten geerntet, werden sehr viel häufiger (für meinen Geschmack eindeutig zu viele) Tipps zu Teambildung, kreativem Arbeiten und zur Leistungssteigerung aus dem Lieblingsratgeber des Juniorchefs in die Handlung eingeflochten.

Irgendwie wurde ich nicht so richtig warm mit diesem Roman. Zwischendurch ist er durchaus berührend, dann wieder fand ich ihn einfach langweilig. Aufgrund des sehr persönlichen Nachwortes vermute ich zahlreiche autobiographische Elemente. Aber lesen Sie selber und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!



Loretta Nyhan:
Wenn das Leben dir Tomaten schenkt
Goldmann Verlag, 2020



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

20. Juni 2020

Blumen- Blüten- und Botanikwanderungen

Wenn jemand das notwendige Kleingeld für Gartenbücher, Gartenreisen, Pflanzen und natürlich auch für (noch) Wichtigeres wie Brötchen und Steuern als Bürolistin verdient, sitzt er oder eben in diesem Fall sie trotz intensiv genutztem Stehpult (zu) viel. Da sollte frau doch meinen, die regelmässigen Spaziergänge und Wanderungen an der frischen Lust seien nicht nur ein guter Ausgleich zum Büroklima, sondern auch gesund.

In den letzten Wochen habe ich aber für mich herausgefunden, dass dies nur bedingt zutrifft. Meine Nackenmuskeln werden nämlich nicht mehr nur durch das (zu) viele aufs-Handy-Gucken, das Sticken von Gartenbildern und das Lesen auf dem E-Reader oder in Büchern ge- und gelegentlich auch überfordert, auch beim Gehen ist eine ähnliche Haltung angesagt und die Augen sind meisten nur in eine Richtung gerichtet – nach unten. Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen, die ja bevorzugt in der näheren Umgebung und mit möglichst zwischenmenschlichen Kontakten und Begegnungen verbracht werden sollten, hiesige Wälder und Wiesen (wieder-) entdeckt.

Selten habe ich so viele Türkenbundlilien fast direkt vor der Haustüre lokalisiert wie in diesem Jahr. Der fast schon obligate Ausflug zu dem tollen Frauenschuh-Orchideen-Bestand in Bargen an der deutschen Grenze war in diesem Frühling nicht möglich. Die kleineren Vorkommen nicht weit von hier haben wir wie auch die Küchenschellen leider nicht entdeckt. Als Kompensation verbuche ich dagegen die Sichtung von verschiedenen Knabenorchideen und weissen Waldvögelein sowie die Ragwurze direkt an einer Autobahnbrücke. Es lohnt sich also durchaus, beim Wandern nicht nur geradeaus zu Schauen!

Mit der für diesen Sommer geplante Erkundung der schottischen Gartenkultur klappt es ja leider nicht und diese Reise wird wohl durch UHU-Ferien ersetzt werden («ums Huus ume», ums Haus herum). Literarische Inspiration für Blumen-, Blüten- und Botanikwanderungen in der ganzen Schweiz habe ich jedenfalls inzwischen verschiedene im Regal stehen, so dass ich hier vielleicht demnächst von Schwanenblumen oder Drachenwurz berichten kann.


Andreas Grau:
Botanikwandern – Wege zur Blütenpracht im Frühling
Ott Verlag, 2019

Botanikwandern – Wege zur Blütenpracht im Sommer
Ott Verlag, 2020

Sabine Joss:
Blütenwanderungen in der Schweiz
AT Verlag, 2008

Beat A. und Claudia Wartmann
Orchideenwanderungen
Haupt Verlag, 2018

Blütenwandern – 20 Ausflüge zu Blüten, Bäumen und Urpflanzen
Coop Presse, 2012



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

6. Juni 2020

Viola Shipman: Im Garten deiner Sehnsucht

Am Michigansee muss es wunderschön sein und die Wälder mit blühenden Trillium eine Reise wert. Jedenfalls könnten einzelne Passagen in diesem Roman in einer Tourismuswerbung stehen. Beim Gärtnern und Sofagärtnern gelten aber andere Wesentlichkeiten und da muss festgestellt werden, die Winter in dieser Gegend sind sehr lang. Iris Maynard hat mit den dankbaren Blütenstauden Taglilien für ihren Garten schon vor Jahrzehnten eine gute Lösung für relativ kurze Sommer gefunden. Jede Blüte bleibt nur für einen Tag, aber eine Pflanze erfreut wegen der Unmengen an Knospen während Wochen. 

Gelb, gelborange, rotorange, rot, rotviolett und lila – in allen Regenbogenfarben blühen Hemerocallis und genau in dieser Reihenfolge angepflanzt hat Iris ihre Lieblinge. Sie gibt sich aber nicht mit irgendwelchen Supermarktpflanzen zufrieden. Nein, viele hat sie in den letzten Jahrzehnten selber gekreuzt und gezüchtet und Nylonstrumpfhosen spielen auch heutzutage dabei noch eine wichtige Rolle. Verschwendung ist ihr aus Kriegszeiten immer noch ein Gräuel. 

Nicht nur Sparsamkeit ist ein Überbleibsel aus den vierziger Jahren. Ihr Mann Jonathan ist in Europa gefallen und sie musste ihre schliesslich bereits im Kindesalter verstorbene Tochter Mary weitgehend alleine erziehen und durchbringen und hat gelernt, sich durchzusetzen. Die Schicksalsschläge haben dazu geführt, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr zurückgezogen hat und ein sehr hoher Gartenzaun hält alle Menschen von ihr fern. Ihre Familie sind die Pflanzen in ihrem Garten. Diese wachsen hier seit vielen Jahren und sind Erbstücke, die Geschichten erzählen. 

Als im Nachbarhaus neue Mieter einziehen, stört sich Iris denn Anfangs auch sehr, dass diese, allen voran die Tochter Lily, in ihre Privatsphäre eindringen, obwohl Abstand zur Vermieterin neben der Einnahmequelle aus den monatlichen Zahlungen der wichtigste Bestandteil des Mietvertrages zwischen den beiden Parteien ist. 

In zwei Erzählebenen erfährt die Leserin von erstaunlichen Parallelen zwischen den Leben der Vermieterin und ihrer neuen Mieter, die sich nicht auf Frauen beschränken, die Blumennamen tragen. Während Iris ihren Mann nie in heimatlicher Erde beerdigen konnte, ist der Mann der neuen Nachbarin Abby Peterson ein traumatisierter Kriegsrückkehrer aus dem Irak. Farben spielen auch im Leben der Chemieingenieurin Abby eine grosse Rolle und beide Frauen arbeiten im Labor. Während die junge Frau Farben und Lacke entwickelt, beschäftigt sich die ältere mit diploiden und tetraploiden Taglilien und versucht, in ihren Neuzüchtungen die guten Eigenschaften beider Elternteile zu vereinen. 

Der Buchtitel «Im Garten deiner Sehnsucht» lässt auf einen eher oberflächlichen Inhalt schliessen, was aber ganz und gar nicht zutrifft. Ist ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende besser? Jedenfalls haben jene, die von Kriegsschauplätzen zurückgekehrt sind, auch wenn sie nicht mehr die sind, als die sie fortgezogen sind, noch eine Chance, ihr Leben trotz vielen schlechten Erlebnissen weiterzuleben und diesem mit dem Zurechtfinden in einem neuen Alltag gute Erlebnisse hinzuzufügen.

Die Leserin verfolgt die Entwicklung der Beziehung der Neuzugezogenen untereinander und wie sich die neuen Nachbarn alle zusammen zu einer Art Patchworkfamilie mit Grossmutter, Eltern und Kind zusammenfinden. Ausgezeichnet zum Sofagärtnern und den breiten hortikulturellen Hintergrund passt auch die Rolle der Wiederauferstehung eines Victory Gardens.



Viola Shipman: 
Im Garten deiner Sehnsucht 
Fischer Krüger, 2020 



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

30. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 5/5)

Für den gärtnernden Krimileser besteht kein Zwang, sich literarisch auf eine Pflanzenfamilie zu beschränken. Rund 45 Kurzkrimis hat Andreas M. Sturm in den drei Anthologien «Giftmorde I, II und III» herausgegeben. Von harmlos über hinterhältig bis bösartig sind diese spannenden Kurzkrimis, von denen nur die wenigsten einen Bezug zur Pflanzenfamilie Ranunculaceae haben. So möchte eine sterbenskranke Frau von ihrer Schwester mit dem Gift aus den schwarzen Wurzeln von Helleborus niger von ihrem unerträglichen Leiden erlöst werden («Lebensort» von Romy Fölck), derweil in «Das gelbe Gericht» von Helmuth Scheel Ingwer durch die toxischen Knollen des gemeinen Buschwindröschens ersetzt werden. Liebe, Rache, Wut und Betrug in Kombination mit Wetten und Eisenhut ergeben in «Das Prickeln» von Martina Arnold eine tödliche Mischung.

Neben den von Autoren erdachten Kriminalfällen gibt es auch solche, die das Leben geschrieben hat. Amy Stewart berichtet in «Gemeine Gewächse» von der fatalen Verwechslung anlässlich eines Festmahls, das 1856 in einem schottischen Dorf stattgefunden hat. Ein Diener hat im Garten statt der verlangten Meerrettichwurzeln solche des Eisenhuts ausgegraben und die Köchin hat diese ahnungslos verarbeitet. Die giftige Zutat verursachte zwei Todesfälle und etliche schwere Erkrankungen. Dass giftige und ungiftige Pflanzen miteinander verwechselt werden, kommt auch heutzutage immer wieder vor. Da bei einigen Gewächsen schon allein die Berührung unerwünschte Folgen wie Taubheit oder Herzprobleme nach sich ziehen kann, hantiert man im Zweifelsfall lieber einmal zu viel mit Handschuhen als einmal zu wenig. Der vorstehend erwähnte Diener jedenfalls muss seine Hände geschützt haben, sonst wäre ja er das Opfer jenes Eisenhuts gewesen und die Anreicherung der Speisen mit Eisenhut-Wurzeln hätte nicht stattgefunden. 

Helmut Eisendle beschreibt in «Tod und Flora» 33 Giftpflanzen von der Alraune (Mandragora vernalis) bis zur Zaunrübe (Bryonia alba). Die Portraits enthalten Benennung, Beschreibung, Blütezeit und Fundort, Eigenschaften und Wirkungen, Dosis minimalis/letalis sowie einen Kasus. Die Hahnenfussgewächse sind mit der Buschanemone (Anemone nemorosa) und dem Eisenhut (Aconitum napellus) vertreten. Bevor der Leser sich vom Untertitel «Ein Glossar über die Verwendung von Giftpflanzen für den asthenischen Täter» zu sehr verwirren lässt, sollte er die einleitenden Betrachtungen des Autors und Psychologen Eisendle lesen, in denen es um Verantwortung und Notwendigkeit, Macht und Strafe, Sthenie und Asthenie, Möglichkeit und Erfordernis, Betrachtungen über den Konflikt, Destruktion und Sicherheit, Konflikt und Psyche sowie vier strategische Grundsätze geht. Im Fall «Buschanemone» erzwingt die Assistentin eines Urologen mit Hilfe einer Essenz aus eben dieser Pflanze die ihr längst zustehende Gehaltserhöhung, während sich im Fall «Eisenhut» ein übergewichtiges Mädchen mit Aconitinsaft an ihren nächsten Familienangehörigen für die ständigen Hänseleien rächt.

Auch im englischen Northumberland könnte jemand, der sich eines unliebsamen Zeitgenossen entledigen möchte, auf unschickliche Gedanken kommen. Hier befindet sich der zweitgrösste englische Adelssitz: Alnwick Castle. Dieser hat nicht nur schon wiederholt als Kulisse Harry Potter-Verfilmungen und die Weihnachts-Specials von Downton Abbey gedient, 2001 wurden die neuen Gärten eröffnet. Ein Teil befindet sich hinter schwarzen Gittern und einem hohen Zaun: ein Giftgarten mit über 100 gefährlichen Pflanzen. Aus Sicherheitsgründen darf der Besucher nur in Begleitung eines kundigen Führers eintreten, der viel über die Pflanzen und ihre Wirkung zu erzählen weiss. Der Giftgarten fungierte übrigens ebenfalls schon als Grundlage, und zwar für die Buchreihe "Poison Diaries".

Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.

Liste der in der fünfteiligen Serie aufgeführten Bücher:

Eva Almstädt: 
Blaues Gift
Bastei Lübbe, 2007

Agatha Christie: 
16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple 
Diverse Ausgaben 

Kate Collins: 
Sleeping with Anemone 
Diverse Ausgaben

Alfred Döblin: 
Die Ermordung einer Butterblume 
Diverse Ausgaben 

Maria Dries: 
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel 
Aufbau Taschenbuch, 2015 

Helmut Eisendle: 
Tod und Flora 
Jung und Jung, 2009 

Annette Haaland: 
Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen 
Ullstein Buchverlag, 2016 

Edwin Haberfellner: 
Tod im Salzkammergut 
Emons Verlag, 2016 

Helena Kleiker: 
Tatort San Diego – Späte Rache 
Pro Business GmbH, 2016

Ernest Nyborg: 
Essenz des Todes 
Eigenverlag, 2014 

Peter Oberdorfer: 
Schweres Gift – Ein Wien-Krimi 
Aufbau Verlag, 2015 

Carole Ottesen: 
Dying for the Christmas Rose 
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012 

Ricarda Schünadel: 
Eisenhut 
Books on Demand, 2010 

Amy Stewart: 
Gemeine Gewächse – Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern 
Berlin Verlag, 2011 

Andreas M. Sturm (Hrsg.): 
Giftmorde I, Giftmorde II, Giftmorde III 
fhl Verlag, 2015 bzw. 2016 

Angela Temming: 
Ranunkeln ganz in weiss – Kurzkrimi 
E-Book oder Podcast/Audio-Datei

23. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 4/5)

In «Blaues Gift» lässt Eva Almstädt nicht nur einen Hobbygärtner an der Ostsee den Blauen Eisenhut in seinem Gartenbeet umsetzen, damit er zur Blütezeit perfekt mit dem Geissbart kontrastiert, schon wenige Seiten später hat das Hahnenfussgewächs seinen nächsten Auftritt und das titelgebende Toxikum aus dem Gift der Wurzelstöcke wird für hinterhältige, tödliche Zwecke missbraucht. 

Auch Peter Oberdorfers Mörder in seinem Wien-Krimi «Schweres Gift» setzt auf die letale Wirkung von Aconitin. Inspiriert dazu hat ihn, wie ich aus der Lektüre schliesse, wohl James Joyce, der es ihm schon vor fast hundert Jahren in Ulysses vorgemacht hat. 

Edwin Haberfellner seinerseits lässt den deutschen Honorarkonsul in China am Hallstätter Beinhaus tot zusammenbrechen. Der pathologische Bericht belegt, dass das Opfer gleich mit zwei Substanzen vergiftet worden ist – einerseits mit Aconitin, anderseits mit Polonium 210. Letzteres hat zwar seine zerstörerische Wirkung über mehrere Wochen entfaltet, die Strahlenerkrankung war aber im Gegensatz zum Pflanzengift (noch) nicht tödlich. Hatte es der Mörder plötzlich eilig oder wollte er die Leidenszeit seines Opfers verkürzen? Der Kriminalroman «Tod im Salzkammergut» ist in Oberösterreich angesiedelt, wo sich der Blaue Eisenhut auf Wiesen und am Waldrand finden lässt. Der junge Leibwächter, der für den Personenschutz des ermordeten Honorarkonsuls verantwortlich war, erinnert sich denn auch gut daran, dass die im Volksmund auch Blauer Sturmhut oder Mönchskappe genannte Zierpflanze im grossmütterlichen Garten geblüht hat, doch sein Grübeln darüber, wie sein Schützling trotz pausenloser Überwachung vor seinen Augen vergiftet werden konnte, führt zunächst zu keinem Ergebnis. 

Pastorin Viveka (Annette Haaland - Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen) macht gerade eine Sinnkrise durch. Sie hat genug von ermüdenden Diskussionen über undichte Kirchendächer und davon, immer nett sein zu müssen. Ihre Aufmüpfigkeit zeigt sie nicht nach aussen, sondern diese erschöpft sich bisher im Tragen von T-Shirts mit speziellen Aufdrucken, wie etwa «Sterbehilfe legalisieren». Diese werden wohlverstanden unter der Pastorinnenbluse getragen. 

Da verstirbt ein Mitglied aus dem Kreis ihrer Freikirche aufgrund einer unnatürlichen Todesursache. Eine 83jährige Frau ist mit Aconitin vergiftet worden. Nach einem zweiten mysteriösen Todesfall kaum vierzehn Tage später, bekundet selbst Viveka Mühe, Gottvertrauen aufzubringen. Und plötzlich leuchtet ihr das Blau des Eisenhuts aus immer mehr Gärten in der Umgebung entgegen. Und weshalb stehen auf dem Lyrikregal des lokalen Buchhändlers verdächtig viele Bücher über Eisenhut? Nicht erst als der Papagei der Schrebergartennachbarn plötzlich über einen Eisenhut-Club plaudert, ist sie richtig froh, dass sie ihre Familie in die Ferien geschickt hat. Die Beweggründe für die seinerzeitige Club-Gründung erweisen sich schliesslich als recht profan und es zeigt sich, dass nicht immer ein Mord vorliegt, wenn Eisenhut im Spiel ist. Falls der adstringierende Effekt des Aconitins zur äusserlichen Schmerzlinderung falsch angewendet wird, können auch diese Folgen tödlich sein. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Der fünfte und letzte Teil des Artikels folgt in einer Woche.

16. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 3/5)

Kate Collins hat mittlerweile achtzehn (Stand 2017, aktuell sind es deren 21) Flowershop-Mysteries verfasst und Band Nummer neun trägt den Titel «Sleeping with Anemone». In diesem stellt die Blumenladen-Besitzerin Abby Knight drei Wochen nach einer bezahlten Anemonen-Bestellung beim Grosshändler fest, dass diese Lieferung nie eingetroffen ist. Und damit steckt sie, als sie darüber Nachforschungen anzustellen beginnt, bereits mitten in einem neuen Fall mit (Beinahe-)Entführungen und dem zu lösenden Rätsel, wie im kalten Februar Anemonenblüten an Schuhen hängen bleiben können. Rezensenten sagen Abby Knight Parallelen zu Agatha Christies Miss Marple nach. Mir selber fehlen diese Qualitäten. Deshalb habe ich auch nicht abschliessend herausgefunden, welche Blumen genau mit den Anemonen gemeint sind. 

Die Stichwortsuche mit «Krimi», «Aconitum» und «Gift» im Internet als verhältnismässig erfolgreich entpuppt, gibt es doch verschiedene Bücher, in denen Eisenhut (Aconitum napellus) eine Rolle spielt. 

Ricarda Schünadel hat im Eigenverlag gleich achtzehn Kurzgeschichten rund um Aconitum napellus unter dem Titel «Eisenhut» veröffentlicht. Stellvertretend für diese Erzählungen mit Überschriften wie «Moorleichen», «Giftgeil» und «Hastig essen ist ungesund» soll hier «Tödliche Blumenliebe» erwähnt werden, ein Beispiel für missglücktes Multitasking. Beim gleichzeitigen Kaffeetrinken und Zusammenstellen eines Strausses mit Cosmeen, Malven, Phlox und Eisenhut vergiftet sich nämlich eine Frau versehentlich selber, weil von ihr unbemerkt Samen in die das heisse Getränk fallen. Die Konsequenzen sind nicht nur für sie fatal, sondern auch für ihren in dieser Sache für einmal unschuldigen Mann. 

Und hier möchte ich gleich nochmals auf Agatha Christie zurückkommen, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte, die ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke während dem 1. Weltkrieg in ihrem umfangreichen Werk schriftstellerisch verarbeitet hat. Dieses hat auch Jahrzehnte, nachdem es verfasst worden ist, nichts von seinem Reiz eingebüsst. In «16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple» wird immer wieder etwas gegärtnert und die Pflanzenwelt erwähnt, aufgrund ihres Alters hat der Arzt Miss Marple aber sämtliche Gartenarbeit strikt verboten. Das hält sie aber natürlich in keiner Weise davon ab, ihre Nase in die Aufklärung vermeintlicher oder tatsächlicher Morde zu stecken. Schliesslich stellt sich heraus, dass eines der Verbrechen mit Aconitin begangen worden ist. Doch soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – der Giftmord wird nur mit wenigen Worten überhaupt erwähnt. Es gibt weder eine Beschreibung der Symptome und der Wirkung, noch wird dieses Mordopfer gross vermisst, geschweige denn betrauert.

Grundverschieden lesen sich im Krimi «Tatort San Diego – Späte Rache» von Helena Kleiker die Zeilen, in denen die typischen Charakteristiken einer Eisenhutvergiftung beschrieben werden. Diese sind ausserordentlich detailliert und beruhen genau wie die Tatausführung auf dem Fachwissen der Autorin, einer praktizierenden Ärztin, welche die von ihr verfassten Bücher selber als ruhige Krimis beschreibt, die eher subtil als blutig oder brutal sind. Ebenso eingehend werden Vorsichtsmassnahmen und die verschiedenen Stadien der Erkrankung im Umfeld einer Kosmetikfirma geschildert. Die Vorbereitungen zum 50-Jahr-Jubiläum dieses von zwei Schwestern geleiteten Unternehmens werden von gleich mehreren Verbrechen überschattet. Am Anfang stehen anonyme Drohungen, dann folgen zwei Entführungen und ein heimtückischer Giftmordanschlag. 

Während einer morgendlichen Joggingrunde mit zwei Freundinnen fühlt sich eine der Chefinnen ganz plötzlich unwohl. Bei angenehmen Temperaturen friert sie und klappert mit den Zähnen, derweilen ihr gleichzeitig der Schweiss in Strömen übers Gesicht läuft. Hinzu kommen Übelkeit, Ohrensausen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Mund, Fingern und Zehen und damit einhergehend eine stark eingeschränkte Motorik. Das Opfer hat insofern Glück im Unglück, als sie in Begleitung der «richtigen» Personen Sport treibt, als sich diese starken Krankheitsmerkmale abzeichnen. Bei ihren Kolleginnen handelt es sich nämlich um eine Ärztin und eine Toxikologin. Letztere vermutet aufgrund der jäh aufgetretenen Symptome eine Vergiftung, die mit der von einer unbekannten, vermummten Person provozierten Rempelei auf der eben zurückgelegten Rennstrecke zusammenhängen muss. Dieser Fakt erhärtet denn auch den Verdacht, dass nicht Digitalis oder Atropin, sondern Aconitin die Ursache für die vorliegenden Symptome sein muss. Denn nur das Gift des Eisenhuts wirkt bereits durch blossen Hautkontakt mit den Blättern, Blüten oder Knollen der Pflanze. 

Neben Aconitin sind auch andere Giftpflanzen Thema in diesem Krimi. So wird etwa in Südamerika nach Gewächsen mit bestimmten Inhaltsstoffen geforscht. Und auch hier gibt es bei einem weiteren Mordanschlag eine Verbindung zu Kaffee. Diesmal zwar nicht direkt zum koffeinhaltigen Getränk selber, aber eine Kaffeemaschine wird für die Verkleinerung von giftigen Samen zweckentfremdet. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Teil 4 des Artikels folgt in einer Woche.

9. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 2/5)

Ein bekannter Vertreter der weltweit verbreiteten Hahnenfussgewächse ist die Christrose Helleborus niger. Die krautige immergrüne Pflanze mit schwarzem Rhizom spielt im englischen Gartenkrimi «Dying for the Christmas Rose» von Carole Ottesen eine omnipräsente Rolle:

Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.

Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.

Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.

Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.

Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.

Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.

Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.