27. März 2011

Grünes Glück – Geschichte eines Gartens

In der festen Absicht keinen neuen Garten anzulegen, zieht der Engländer Beverley Nichols während Mussolinis Versuch Abessinien zu erobern, in ein Stadthaus mit einem angrenzenden dreieckigen Flecken Land. Der Vorsatz wird ein erstes Mal strapaziert und durchlöchert, als der bereits als erfahrener und leidenschaftlicher Gärtner geltende Autor Platten für eine kleine Terrasse verlegen lässt. Eine ordentliche Terrasse hat nun aber gewöhnlich Anstoss an einen gepflegten Rasen, womit auch das nächste Projekt schnell beschlossene Sache ist. Das Anlegen der Grünfläche entpuppt sich als äusserst kostspielig, da vorgängig der Untergrund von allerhand Abfall befreit und vorbereitet werden muss und natürlich verlangt die alsbald daliegende Rasendecke nach weiteren gartengestalterischen Eingriffen - denn durch den Rasen wird die leidige Dreieckigkeit des Grundstücks noch deutlicher hervorgehoben.

Wochenlang werden in der Folge unzählige Skizzen entworfen, Gartenzeitschriften studiert und es wird mit Denkerstirn im Garten herumgetigert ohne eine befriedigende Lösung des zunehmend nervenden Problems zu finden. Ist tatsächlich ein weiterer Umzug nötig, um sich dieser lästigen Sorgen zu entledigen? Vor der endgültigen Kapitulation entdeckt Beverley Nichols den ersten Schritt zur für ihn stimmigen Gartengestaltung.

Bis es heisst „Das letzte Kapitel“ werden noch etliche Ideen und Rückschläge geschildert. Etwas seltsam mutet die Frage an die Leser an, ob sie ihre Pflanzen im Stadtgarten zu waschen pflegen, und zwar Blatt für Blatt mit Seifenwasser. Der schreibende Gärtner ist der Meinung, dass Grünzeug diese Prozedur viel nötiger hat als ein Baby, da ersteres ja unbestrittenermassen viel öfter an der sogenannten frischen Luft ist. Der Junggeselle fügt aber gleichzeitig an, in diesem Punkt wohl etwas voreingenommen zu sein.

Beverley Nichols ist und bleibt einer meiner bevorzugten Autoren von Gartenbüchern, die sich wie Romane lesen. Bleibt zu wünschen, dass dies nicht der letzte seiner Titel ist, der auf Deutsch erscheint (oder wieder erscheint). Seit der deutschsprachigen Publikation von Nichols' Gartenbüchern (*) sind ja schon etliche Jahre vergangen und bestimmt finden sich auch heute interessierte Leser und Gärtner für die vergnügliche Lektüre mit britischem Humor. Mehr über Beverley Nichols auch hier.




Beverley Nichols:
Grünes Glück – Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co., 2011




*)
Down the Garden Path - Grosse Liebe zu kleinen Gärten
A Village in a Valley - Das Dorf im Tal
Merry Hall - In ein Haus verliebt

Link zu Timber Press mit Leseproben hier.

1 Kommentar:

  1. Sehe gerade, wieviele Posts ich von dir verpasst habe....werde nun langsam "rückwärts" in diese noch ungelesene Beiträge eintauchen ;-) ! Beverley Nichols in deutscher Sprache...da bin ich gespannt (ich vergleiche gerne Original und Uebersetzung). Danke für den Tipp, er ist notiert!
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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