30. Dezember 2011

Christine Becker: Helleborus in unseren Gärten und Helleborus – Eine Monografie

Eine eher achtlos gepflanzte Helleborus erweckte Jahre nach ihrer Pflanzung wegen ihrer schönen Blüten und nicht zuletzt wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit plötzlich die Aufmerksamkeit der Fotografin Christine Becker und entfachte damit eine bis heute andauernde Leidenschaft und gleichzeitig die Möglichkeit, die kalte Jahreszeit durch erste Blühhöhepunkte zu überbrücken. Längst gibt sich die Autorin nicht mehr mit dem Pflanzenmaterial zufrieden, das sie auf Märkten und im Internet findet, sondern sie betätigt sich selber als Züchterin.

Deutschsprachige Literatur über Christ- oder Lenzrosen ist eher Mangelware. Diese Lücke füllt Christine Becker nun gleich mit zwei Büchern, die 2010 und 2011 erschienen sind: „Helleborus in unseren Gärten“ und „Helleborus – Eine Monografie“. In diesen Publikationen gibt sie ihr Wissen, ihre Erfahrung und nicht zuletzt ihren Enthusiasmus an interessierte Leserinnen und Leser weiter.

Im schmalen Büchlein „Helleborus in unseren Gärten“ gibt die Autorin auf knapp 80 Seiten einen kurzen Überblick in Legenden, Geschichte und Zucht rund um die Vorfrühlingsblüher. Themen wie Pflege und Krankheiten sowie Bezugsquellen runden die Publikation ab, die mit eigenen Fotos der studierten Fotografin illustriert ist. Dieses Büchlein ist übrigens ein schönes Beispiel, das auch unter dem Label „Books on Demand“ optisch ansprechende Bücher produziert werden können.

Für den anspruchsvolleren lesenden Gärtner, der vielleicht schon längst weiss, dass Christrosen kein Dasein im Schatten fristen möchten und müssen, sondern auch an einem sonnigen Plätzchen gut gedeihen, und der sein Wissen über Helleborus vertiefen möchte, ist die deutlich aufwendigere Produktion „Helleborus – Eine Monografie“ zu empfehlen. Diese ist in folgende Kapitel gegliedert:

- Spurensuche
- Synonyme
- Heilkunde und Experimente
- Legenden, Fabeln, Dichtung und Mythen
- Beschreibung der Arten
- Pflege
- Gartenhybriden
- Blüten à la Trompe-l’oeil – Schönheit der Vergänglichkeit
- Das Buch, Literatur und Anmerkungen, Bild- und Bezugsquellen

Im Kapitel „Spurensuche“ gibt die Autorin einen ausführlichen Überblick über Philosophen, Theologen, Mediziner, Dichter, Künstler, Botaniker und Enthusiasten, die sich in den vergangenen Jahrhunderten mit Helleborus beschäftigt haben. Über die Herkunft des Namens Helleborus gibt es verschiedene Auslegungen, doch kann keine schlüssig belegt werden. Ebenso vielfältig und nicht über jeden Zweifel erhaben war die Verwendung der giftigen Pflanze als Heilmittel. So wurden zu Zeiten des berühmten römischen Dichters Horaz Helleborusrezepturen zusammengemischt, die den Geist erweitern und erfrischen sollten. Vor Nachahmungen wird deutlich abgeraten! Daneben spielte die Pflanze in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in Komödien und Dramen eine Rolle. Und erst viel später nahm die kostbare Pflanze auch ihrer Schönheit wegen Einzug in die europäischen Gärten - ein Trend, der bis heute ungebrochen ist.

Im geschichtlichen Überblick dürfen natürlich auch Züchternamen wie Helen Ballard, Elizabeth Strangman, Graham Rice und Eric Smith nicht fehlen. Daneben erwähnt die Autorin auch Briefmarkenserien, auf welchen Helleborus abgebildet sind, führt fast unzählige volkstümliche Namen für die beliebte Giftpflanze auf (z.B. Hemmer, Schneekannerl, Lauskraut, Gärbala) und erklärt, dass der Niesen, ein Berg bei Spiez am Thunersee, nach der Nieswurz benannt worden sein soll.

Das Kapitel „Beschreibung der Arten“ enthält eine kurze botanische Systematisierung, die schematische Darstellung einer Blüte, Beschreibungen der stammlosen und stammbildenden Arten sowie Abbildungen von Blattformen von Wildpflanzen, Gartenformen, Züchtungen und Hybriden, die einen Eindruck über deren Vielfältigkeit vermitteln. Rund sechzig Seiten der informativen und inspirierenden Publikation sind mit ganzseitigen Fotos der Autorin und Fotografin bedruckt, die das Liebhaberherz höher schlagen lassen und Begehrlichkeiten wecken. Gemeinsam mit den abgebildeten Drucken und Stichen ist das Buch eine wahre Augenweide und auch für Kunstfreunde interessant. Abgeschlossen wird die teilweise zweisprachige Publikation (deutsch und englisch) durch ausführliche Hinweise zu weiterführender Literatur und Anmerkungen zur Spurensuche sowie Bild- und Bezugsquellen. Als etwas störend, weil den Lesefluss hemmend, empfand ich einzig die spezielle Schrift, welche die Konsonantenkombinationen „st“ und „sb“ miteinander verbindet.

Auch in meinem Garten wachsen ein paar Orientalis-Hybriden, deren Blüten ich nicht missen möchte. Zwar ärgere ich mich beinahe jährlich über mich selber und meine Unfähigkeit, die welken Blütenstände rechtzeitig zu entfernen, welche mir regelmässig beinahe unzählige Sämlinge beschert, deren Entfernen mit Sicherheit mehr Zeit beansprucht, als das Abknipsen der Samenanlagen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die bereits in den „Startlöchern“ stehende nächste Blütenpracht und verbringe die Zeit im warmen Sofagarten unter anderem mit Schmökern im gerade wiederentdeckten Buch „Zeitlos flattern Blütenträume …“, ebenfalls von Christine Becker. Darin plaudert sie (vor ihrer Helleborus-Infizierung) über ihren Garten und zeigt eigene Aufnahmen aus demselben.


Christine Becker:
Helleborus – Eine Monografie
Edition Viridit Art, 2011

Helleborus in unseren Gärten
Books on Demand, 2010


Webseite von Christine Becker: www.helleborus-hellebores.com (das Buch ist nur direkt bei der Autorin oder via Amazon erhältlich)

27. Dezember 2011

Ulla Lachauer: Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin

In ihrem aktuellen Buch „Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin“ gibt Ulla Lachauer der 1933 mit „schlechten Äugle“ geborenen Enkelin eines Freiburger Malermeisters eine Stimme. Der kleine Wildfang Magdalena konnte trotz schwerer Sehbehinderung bereits im Alter von vier Jahren viele verschiedenen Farben Blau unterscheiden. Die starke Trübung der Augenlinsen liess bei Magdalena andere Sinne viel ausgeprägter entwickeln. Ihr guter Hörsinn war ihr beispielsweise in den Kriegsjahren eine Hilfe, da sie die anfliegenden Bomber jeweils als erste vernahm und auch mit der Verdunkelung hatte das ans Dunkle gewohnte Mädchen weniger Mühe als Sehende. Trotz ihrer starken Sehbehinderung konnte Magdalena mit dem linken Auge zunächst lesen, wenn sie das Gedruckte direkt ans Auge hielt. Später erblindete sie vollständig.

Schon als Kleinkind half Magdalena gerne im Garten und spielte auch häufig dort. Sie roch an Blüten, streichelte über Blätter und entwickelte eine Vorliebe für den Genuss von sauren Begonienblüten. Zu ihren ersten gärtnerischen Tätigkeiten gehörte das Einpflanzen ihrer Lieblingspuppe in einen Hortensientopf. Diese sollte nämlich durch ordentliches Giessen auch so gross werden wie die Puppe ihrer Cousine. Das Vorhaben war leider nicht von Erfolg gekrönt. Pflanzenkunde wurde ihr vom Grossvater beigebracht und mit einer Klassenkameradin streifte sie auf dem Schulweg durch eine stillgelegte Baustelle, um dort Blumen zu sammeln und zu essen. Viele Jahre später hat sie einen eigenen Garten – häufig eine Quelle der Freude, aber oft auch von Enttäuschung und Wut, etwa wenn sie beim Jäten den Salat nicht vom Unkraut unterscheiden kann.

Die Biografie gibt einen detaillierten Einblick ins Leben der blinden Gärtnerin. Der Leser erfährt von Magdalenas vom Krieg überschatteter Kindheit, ihren Jahren in einem Marburger Internat, ihrer beruflichen Tätigkeit im Büro bei der Post und von der Heirat und Ehe mit ihrem Mann, einem Dorfschullehrer. Neben Anekdoten aus Schulzimmern lesen wir vom schwierigen, zeitintensiven Führen eines Haushalts mit Sehbehinderung, von Magdalenas ausgeprägtem Kinderwunsch und der Angst davor, die Krankheit zu vererben, vom Hadern mit der katholischen Kirche, von Fernweh und nicht zuletzt von einer russischen Adligen namens Galina, die Magdalena eine unschätzbar wertvolle Lehrerin in Sachen Garten war.

In die Erzählung eingebettet sind zumeist doppelseitige Beiträge aus dem aktuellen Leben der blinden Gärtnerin; einem ausgesprochen schwierigen Gartenjahr. Denn die Frau muss sich wegen einer bevorstehenden Herzoperation schonen und die bewährte Arbeitsteilung zwischen ihr und ihrem Mann – sie fürs Feine, er fürs Grobe – muss entfallen. Kein Pikieren von Tomatenpflänzlein. Was bleibt sind das Zurückschneiden der Clematis und nächtliche Aufenthalte im Garten. Auf dem Liegestuhl die Ohren gross machen und lauschen was nachts im Garten abgeht: Kämpfe zwischen rivalisierenden Katzen, knistern, rascheln, krabbeln…

Noch mehr interessanten Lesestoff mit hortikulturellem Hintergrund gibt’s in Ulla Lachauers Buch „Der Akazienkavalier – Von Menschen und Gärten (2008).



Ulla Lachauer:
Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin
Rowohlt Verlag, 2011



Die blinde Gärtnerin - Das Leben der Magdalena Eglin (TB-Ausgabe)
rororo, 2013

13. Dezember 2011

Dies und das

Falls Sie noch ein Last-Minute-Geschenk für lesende Gartenfreunde suchen, lohnt sich vielleicht ein Besuch auf der Homepage des Restsellers Jokers. Seit das Angebot um nicht preisreduzierte Artikel erweitert worden ist, macht mir persönlich das Stöbern auf diesen Seiten zwar nicht mehr halb so viel Spass. Das Navigieren, sprich Finden von Schnäppchen ist nämlich viel mühsamer geworden - oder vielleicht hab ich einfach noch nicht herausgefunden, wie ich die Normalpreisigen-Bücher bei der Suche komplett ausschalten kann. Trotzdem habe ich mir gerade zwei schöne Bücher gegönnt: „Der chinesische Garten“ von Maggie Keswick und „Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse. Beide Titel kosten nur noch einen Bruchteil vom ursprünglichen Verkaufspreis.

Gleichzeitig bin ich wieder einmal am Überlegen, ob ich mir doch gelegentlich einen E-Book-Reader anschaffen soll. Denn gerade bin ich über einen Download von Noel Kingsbury gestolpert mit dem Titel „Meetings with Remarkable Gardeners – Beth Chatto“. Dieses Buch würde mich zwar sehr interessieren, aber leider gehört es zu den immer häufigeren Publikationen, die nicht mehr in Papierform gekauft, sondern nur noch heruntergeladen werden können. Vielleicht wäre die Anschaffung eines E-Book-Readers ja eine elegante Möglichkeit, der drohenden Platzknappheit auf dem Büchergestell entgegenzuwirken?

Aus aktuellem Anlass lese ich gerade wieder einmal in „Nuancen aus Grün“ der kürzlich verstorbenen Christa Wolf. Unter diesem Titel sind Geschichten und Szenen aus ihren Erzählungen herausgelöst und mit grossartigen Fotos zusammengestellt worden. Inspierend sind auch die vielen Fotos in der Monografie „Helleborus“ von Christine Becker, die ich gerade lese und demnächst hier vorstellen werde.

Nach diesem Blog-Beitrag mache ich bis zu den Weihnachtstagen Pause und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine friedliche und besinnliche Adventszeit und genügend Zeit und Musse, um zwischen dem Einpacken von Geschenken und dem Guetsli-Backen ein wenig in einem spannenden Buch lesen zu können. Vor dem Jahresende werde ich nach Lust und Laune noch den einen oder anderen Titel aus der Liste mit den gelesenen Bücher rechts im Blog auswählen und meine Vorstellung online stellen. Und in der blogfreien Zeit werde ich es vielleicht einmal schaffen, dem zwar erst in der Entstehung begriffenen Schlossgarten in nächster Umgebung einen Besuch abzustatten. Dieser wird nämlich vom hier schon mehrfach erwähnten Landschaftsarchitekten, der kürzlich mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist, umgestaltet und nächstes Jahr mit Pro Specie Rara-Pflanzen bestückt.

9. Dezember 2011

Mary A. Agria: Time in a Garden

Eve Brennermann ist Anfang sechzig und seit einiger Zeit verwitwet. Nach einer rund dreissigjährigen, mehrheitlich unglücklichen Ehe, hält sich ihre Trauer über den Verlust ihres untreuen Mannes eher in Grenzen. Um ihre Vergangenheit abzustreifen, ist sie in das Haus ihrer Grossmutter im ländlichen Michigan gezogen. Die Töchter der deutschstämmigen Frau wohnen weit weg und ihre einzigen Freundinnen sind die wenigen Frauen, die sich mit ihr zusammen ehrenamtlich in einer Gartengruppe engagieren, die ein vernachlässigtes Stück Land in den „Aurelius Community Garden“ verwandeln will.

Beruflich ist Eve für die ums Überleben kämpfende Lokalzeitung „Xenaphon Weekly Gazette“ tätig. Als ihr Vorgesetzter von ihrem Engagement für die Gartengruppe erfährt, erteilt er ihr den Auftrag, eine wöchentliche Gartenkolumne mit dem Titel „Time in a Garden“ zu schreiben.

Die hauptsächlich aus noch einigermassen rüstigen Seniorinnen und Senioren bestehende Gartengruppe erhält mit Adam Groft ein neues kompetentes Mitglied mit hortikulturellem Hintergrund. Der Mittsechziger hat sein Leben lang vermieden, enge Beziehungen einzugehen und ist erst nach dem noch nicht lange zurückliegenden Tod seines Vaters zurück in die Heimat gekehrt, um die grosse väterliche Gärtnerei zu übernehmen.

Eve und Adam sind sich ähnlicher als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Beide sind „beziehungsgeschädigt“. Diese Tatsache und das gemeinsame gärtnerische Interesse bildet bald das Fundament für ein zartes Band zwischen den beiden. Sie harmonieren dermassen gut, dass schon bald ein Hochzeitsdatum festgelegt wird. Doch was meinen Eve’s Töchter zum neuen Mann in ihrem Leben? Die eine gibt ihr immer noch unterschwellig die Schuld an der Untreue des verstorbenen Mannes, während die andere nicht versteht, warum Eve nicht schon lange vor dem tödlichen Unfall Konsequenzen gezogen und sich getrennt hat. Mitten in Eve’s diesbezüglichen Überlegungen platzt die Nachricht, dass das Gelände des Gemeinschaftsgartens der Verbreitung der örtlichen Autobahnzufahrt weichen soll.

Adam und Eva im Garten Eden? Das Ende des Romans ist leider nicht paradiesisch, weckt aber gerade deshalb noch stärker die Neugier auf die Fortsetzung mit dem Titel „Garden of Eve“. „Time in a Garden“ ist eine sehr einfühlsame, lebensnahe Lektüre mit spannenden Charakteren, deren Schicksal einem auch nach der letzten gelesenen Seite noch beschäftigt. Die tiefgreifenden Veränderungen in Eve’s Privatleben finden auch Ausdruck in ihren wöchentlichen Kolumnen. Diese werden im Laufe des Buches immer persönlicher und sind nicht zuletzt wegen den vielfältigen Gartentipps eine willkommene Auflockerung des Romans für die lesende Gärtnerin.



Mary A. Agria:
Time in a Garden
Naturals Editions, 2006

5. Dezember 2011

Sandra Rutschi: Im Schrebergarten

Der eher enttäuschende Ausflug an die Buch Basel 2011 (trotz Vergrösserung doch immer noch sehr klein …) fand durch die Entdeckung des Buches „Im Schrebergarten“ von Sandra Rutschi in einer gut sortierten Buchhandlung doch noch einen versöhnlichen, ja perfekten Abschluss. Es ist doch immer wieder schön, wenn sich in Buchläden gleich zwischen den grossformatigen Bildbänden und Titeln für Gartenanfänger auch Romane finden lassen, die thematisch ausgezeichnet in den Sofagarten passen! Dies gilt umso mehr, wenn es sich um einen dermassen spannend geschriebenes Erstlingswerk handelt wie dieses, das die jüngere Geschichte der Schweiz um die Unabhängigkeit des Juras vom Kanton Bern in ein hortikulturelles Umfeld bettet oder beetet. Zum Inhalt:

Die 44jährige Anna Gerber ist Mutter von drei erwachsenen Kinden und passionierte Schrebergärtnerin. In ihrer langjährigen Ehe ist die Leidenschaft längst einer Gleichgültigkeit gewichen und sie und ihr Mann Paul bilden inzwischen hauptsächlich eine Zweckgemeinschaft. Anna stellt sich immer wieder die Frage, was sie beide überhaupt noch verbindet. Im Garten hingegen ist ihre Welt in Ordnung, meistens jedenfalls. Da gibt es nur sie und die Natur. So bemerkt sie denn im Frühling 1964 auch sofort, dass im lange vernachlässigten Häuschen auf der Nachbarsparzelle jemand eingezogen ist, der anscheinend nicht gesehen werden will.

Beim Neuzuzüger handelt es sich um den jungen jurassichen Unabhängigkeitskämpfer Pierre Bergier, der sich unter dem Namen Jean-Luc Montavon im Schrebergarten vor der Polizei versteckt. Nach einer ersten eher peinlichen Begegnung stellen sich der untergetauchte Medizinstudent und die Mittvierzigerin vor, wobei Jean-Luc die wahren Beweggründe für seinen Aufenthalt im Schrebergartenareal verschweigt. In der Folge treffen sich die beiden an den Werktagen auf einer Bank an der Aare und reden stundenlang miteinander. Sie spricht über ihre Familie, den Garten und übers Stricken, er über sein Studium und sein Heimweh nach Familie und Freunden. Annas Leben wird plötzlich kompliziert, als sie erfährt, wer Jean-Luc wirklich ist, zu welchen Taten er bereit ist, um seine Gesinnung zu verteidigen und als sich zwischen den beiden eine intime Beziehung entwickelt.

„Der Franzose hat sie umgebracht“. Dieser Satz ist alles, was die Journalistin Katja Schild über den rätselhaften Tod ihrer Grossmutter Anna Gerber weiss, die sie nie kennengelernt hat. Sie arbeitet für eine Berner Tageszeitung und fast ein halbes Jahrhundert nach dem Ableben von Anna Gerber gehört das Jura-Dossier seit kurzem eher unfreiwillig zu Katjas Zuständigkeitsgebiet. Ihr Interesse gilt aber je länger je mehr der Aufklärung der Umstände, die zum Tod ihrer Grossmutter geführt haben. Ist diese tatsächlich von einem unbekannten Franzosen ermordet worden?

Zeitgleich kehrt der seit zwei Jahren verwitwete Pierre Bergier nach einer zufälligen Begegnung, die alte längst verdrängte Erinnerungen in ihm geweckt hat, in den Schrebergarten zurück. Jahrzehntelang hat er nicht mehr an Anna gedacht, wusste schon fast nicht mehr, ob er sich die Liebschaft mit der älteren Frau nur eingebildet hat. Doch die intensiven Gespräche an der Aare mit der Bernerin Anna haben den Jurassier nachhaltig geprägt. Anna wie auch seine spätere Ehefrau Claudia aus Bern haben ihn nicht nur in Erklärungsnotstand in der Wahl seiner Mittel zum Zweck der Erreichung der jurassischen Unabhängigkeit gebracht, sondern auch dazu, seine Überzeugungen grundsätzlich zu hinterfragen. So sehr, dass Bern schliesslich für den im Jura hernach als Verräter geltenden Freiheitskämpfer schon lange zu seiner zweiten Heimat geworden ist.

Während Katja sich ins Jura-Dossier einarbeitet und gleichzeitig versucht, das Familiengeheimnis zu lüften, möchte man ihr immer wieder „dranebliebe“ zurufen und „bleib hartnäckig“. Denn immer wieder verpasst sie den Franzosen nur ganz knapp. Der Roman wird in zwei Erzählsträngen geschildert und die Autorin versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und zu halten. Gleichzeitig habe ich den Einblick in die Journalistentätigkeit und in die jüngere Schweizer Geschichte geschätzt. Ich weiss jetzt (wieder) etwas mehr über den jüngsten Kanton als die nunmehr schemenhafte Erinnerung, dass ich mir seinerzeit in der Schule plötzlich einen neuen Kanton einprägen musste. Der Buchpreis liegt für mein Empfinden an der oberen Schmerzgrenze – aber ein
Klein(st)verlag muss nun mal anders kalkulieren als ein Grosskonzern. Unbedingt lesen!


Sandra Rutschi:
Im Schrebergarten
Nydegg Verlag, 2011

1. Dezember 2011

Karine von Rumohr: Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten

Nach "Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten" versucht Karine von Rumohr in ihrem zweiten Bildband innert Jahresfrist nun herauszufinden, ob Männer anders gärtnern als Frauen. Bereits im Vorwort verrät sie ihre Erkenntnis aus intensiven Gesprächen mit den achtzehn im Buch portraitierten Gärtnern. Sie konnte weder bekannte Klischees zementieren noch widerlegen. Bei den portraitierten Männern kommen nämlich weder technische Hilfsmittel besonders häufig zum Einsatz noch wird weniger als bei Gärtnerinnen auf detailgetreue Bepflanzung geachtet und selbstverständlich erschöpft sich ihr Tätigkeitsgebiet nicht auf das Anfeuern des Grills und das Schieben des Rasenmähers.

Philipp Huthmann beispielsweise kann nichts mit Gartendekoration anfangen, aber er mag Symbole, wie den Steinpfeil, den er vor seinem Teich platziert hat. Das Objekt soll den Blick vom Boden weg in die Bäume hinauf locken. Das 13‘000 Quadratmeter grosse Grundstück des passionierten Pflanzensammlers, der auch offen zugibt, Pflanzen zu stibitzen, ist aber nicht nur Richtung Himmel, sondern auch in tieferen Ebenen und in Erdnähe eine genaue Betrachtung wert. In rund vierzig Jahren hat Huthmann im kühlen Allgäuer Klima ein umfangreiches Gehölz- und Staudensortiment zusammengetragen und er hat seine Gartenwelt in Bereiche wie „Alpen“, „Südfrankreich“ oder japanisch und chinesisch inspirierte Räume aufgeteilt. In seinem Garten stehen sogar Spezialitäten wie die Franklinia alatamaha und die Stewartia pseudocamellia sowie verschiedene Orchideen-Raritäten.

Von Berufs wegen gärtnert Klaus Jentsch. Der Staudengärtner hat schon als Kind Pflanzen gesammelt. Ins Buch hat er Aufnahme gefunden, weil er als Schneeglöckchenliebhaber annähernd 200 verschiedene Sorten zusammengetragen hat. Im Portrait erfahren wir, dass er keineswegs zu den Romantikern untern den Galanthophilen gehört. Das wirtschaftliche Interesse steht im Vordergrund, lässt sich aber erfreulicherweise hervorragend mit der enormen Schneeglöckchen-Vielfalt kombinieren.

Der Garten von Hans-Jörg Gensch gleicht einer Spezialitätengärtnerei. Wo man hinschaut, fällt der Blick auf Semperviven. Versammelt sind diese in 6‘000 Töpfen, alle ordentlich etikettiert und auf Hochtischen stehend oder in Schalen und Trögen, die den Weg säumen. Gensch ist ausserdem Moderator einer eigenen Internet-Plattform, wo er sich virtuell mit rund 250 Gleichgesinnten austauscht, die sich beispielsweise gegenseitig im Identifizieren der häufig nur schwer zu unterscheidenden Hauswurz-Schönheiten unterstützten.

Die vorgestellten Gärten sind ebenso verschieden wie ihre Gärtner. Der eine hat um die 9‘000 Duftrosen des englischen Züchters David Austin in seinem parkähnlichen Garten, während sich ein anderer über das Romantisieren rund um Rosen nervt und von Mörderrosen spricht, die in seinem Garten die Wurfanker nach oben auswerfen. Ein Dritter empfindet die Dynamik der Entwicklung von Stauden und die Selbstaussaat als eine Art von Kunst, ein weiterer Gärtner präsentiert ein aufgeräumtes grünes Reich und wieder andere träumen davon, ihre Visionen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Neben den bereits im Text namentlich erwähnten Männern werden folgende Gärtner portraitiert: Stephan Aeschlimann Yelin, Roland Doschka, Horst Forytta (Der Garten von Marihn), Justus Franz, Landgraf Moritz von Hessen, Godehard Graf von und zu Hoensbroech, Sepp Holzer (Permakultuer im Tauerngebirge), Mathias Hoyer (Aceretum), Thomas Kimmich, Fernando José de Mascarenhas Marquês de Fronteira, Georg Möller und Achim Weitershagen (Link zu meiner Buchvorstellung über den Oehndorf-Garten), Jörg Pfenningschmidt, Jörg Stellmacher, Dr. Tomas Tamberg (Iris- und Hemerocallis-Zürchter) und Hans-Dieter Warda. Natürlich wird man als Leserin und Leser kaum restlos mit der Auswahl der aussergewöhnlichen Gärten und ihrer Schöpfer einverstanden sein und vermisst vielleicht den einen oder anderen Gärtner. Nichtsdestotrotz ein sehr schönes und überaus informatives (Weihnachts-)Geschenk für den Buchgärtner, das verschwenderisch mit Fotos von Alex Killian illustriert ist. Und falls Sie nach der Lektüre von "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" Lust auf mehr Lesefutter über gärtnernde Männer haben: im Februar 2012 erscheint das nächste Buch zum Thema ("Sein Garten" von Stefan Leppert).



Karine von Rumohr:
Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2011

28. November 2011

Carey Wallace: Die blinde Contessa und ihre Maschine

Carolina Fantoni verfügt über eine übersprudelnde Fantasie. Schon seit längerer Zeit spürt sie, dass ihr Augenlicht schwindet und hat begriffen, dass sie in Kürze vollständig erblinden wird. Weder ihre Eltern noch ihr Verlobter Pietro schenken ihrer diesbezüglichen Eröffnung Glauben sondern glauben an eine Ausgeburt von Carolinas Fantasie. Nur ihr Jugendfreund Turri nimmt sie ernst. Und zwar nicht nur in dem Augenblick, wo er auf einer Wiese liegend Regen in seine Augen prasseln lässt, bis er selber für ganz kurze Zeit nichts mehr sehen kann.

An Carolinas siebtem Geburtstag hat sie seinerzeit von ihrem Vater einen See geschenkt bekommen und ihre Liebe zur Abgeschiedenheit entdeckt. Täglich ist sie am Ufer anzutreffen und an der Verkleinerung der Seegrösse kann die junge Contessa das Fortschreiten ihrer Augenkrankheit abmessen und abschätzen.

Kurz nach der Hochzeit verliert Carolina den letzten Sehrest und auch ihr Mann Pietro kann diese Tatsache nicht mehr ignorieren. Die Contessa findet es sehr rasch ermüdend, ihren an ständige Bewunderung gewöhnten Ehemann alleine bei Laune zu halten und seinen Kummer über ihren Verlust des Augenlichts zu mindern. Die junge Frau flüchtet sich in ihre Träume. Doch plötzlich eröffnet ihr der Tüftler Turri mit einem Geschenk völlig unerwartet neue Welten: er hat ihr eine Schreibmaschine gebaut, auf welcher sie selbständig korrespondieren kann. Noch ohne Farbband, aber mit zwei Blättern, von welchen das eine mit Russ beschichtet ist und durch den Anschlag der zierlichen Hämmer eine Spur auf dem unteren Blatt hinterlässt.

Neben ihren Träumen findet Carolina hauptsächlich Trost in ihren nächtlichen Treffen mit Turri an ihrem See. Kann er sie überzeugen, ihr jetziges Leben wie eine Hülle abzustreifen und mit ihm zusammen, der sich als Schreibmaschinenbauer verdingen will, neu anzufangen?

Hortikulturell gibt es nicht übermässig viel zu berichten. Immer mal wieder werden Zitronen erwähnt und es ist auch mal die Rede von Äpfeln, Pflaumen und Rosen, die auf Zitronenbäume gepfropft worden sind. Es wird aber nicht weiter darüber berichtet, wie das Experiment ausgegangen ist. Carolinas Vater gärtnert gerne und der Familiengärtner beklagt sich über die unmögliche Forderung, im Schatten von Zitronenbäumen ein Blumenparadies heranziehen zu können. Hingegen erlaubt das Buch einen Einblick in die Geschichte der Erfindung der Schreibmaschine. Gemäss meinen Nachforschungen im Internet kann diese Erfindung aber keiner bestimmten Person zugeschrieben werden, da an unterschiedlichen Orten verschiedene Tüftler erste Schreibmaschinen hergestellt haben.



Carey Wallace:
Die blinde Contessa und ihre Maschine
Bloomsbury Verlag Berlin, 2011

25. November 2011

Christian Pfarr: Zaubernuss

Ein Stadtschreiber auf der verzweifelten Suche nach einem Konzept für ein elektronisches Tagebuch, ein spurlos verschwundener Kunststudent, der zuletzt in einem Gewächshaus des botanischen Gartens gesehen wurde, Marco Polos „Blauer Stern“, eine Zaubernuss (Hamamelis virginiana), umgestürzte Totempfähle – das sind die Zutaten, die Christian Pfarr zu einem Krimi mit Mainzer Lokalkolorit mixt.

Der Autor bezeichnet sein Buch als Mainz-Krimi, Wissenschaftssatire, Liebesgeschichte, Komödie und als Hommage an Sherlock Holmes und Co. Die Aufzählung könnte um die Stichworte „für lesende Gärtner oder gärtnernde Leser geeignet“ ergänzt werden.

Bis der Stadtschreiber Martin Eicher zusammen mit Pater Stephan Braun herausfindet, welcher Patient mit der abgeschabten Zaubernuss-Rinde medizinisch versorgt wird und welche neue Spezies einem Orchideenzüchter gelungen ist, muss sorgfältig abgeklärt werden, was drei Professoren mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten für Partikularinteressen verfolgen. Was verbindet ein Rechengenie, ein Kenner der mittelalterlichen Naturwissenschaft und ein ausgewiefter Kenner der Kunst des Goldmachens?



Christian Pfarr:
Zaubernuss
Leinpfad Verlag, 2008

21. November 2011

Simon Bonsai: Surviving Polly

Simon Bonsai (nomen est omen oder wohl doch eher Pseudonym?) reist kreuz und quer durch Grossbritannien, um auf Märkten, an den verschiedensten Veranstaltungen und in Einkaufszentren seine zurechtgestutzten Bäumchen zu verkaufen. Diese sind seiner Meinung nach die schönsten, die es im ganzen Land zu kaufen gibt.

„Surviving Polly“ erzählt ein Jahr aus dem Leben von Simon Bonsai und seiner exzentrischen Freundin Polly. Dabei begegnen wir Konkurrenten in Sachen Bonsai-Verkauf, die dem Autor und Händler schon mal grundsätzlich nicht das Wasser reichen können, lernen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Einkaufszentren und Pubs kennen und erfahren einiges über die unterschiedlichen angepeilten Campingplätze. Zwischen den Fahrten an die Verkaufsorte geht es auch immer mal wieder nach Holland zum Bonsai-Grosseinkauf.

Simon entdeckte seine Liebe zu Bonsais eher zufällig, als er vor Jahren längere Zeit in Afrika gelebt hat. Die interessantesten Stellen im Buch sind denn auch jene, die von diesem Land und seinen Leuten handeln oder wenn der Autor Details zu Hege und Pflege von Bonsais einflechtet. Er berichtet vom Umtopfen, vom Giessen und davon wie er an den Bäumchen herumschnipselt und diese mit Schere und Draht in Form bringt und wie er entlang von stark befahrenen Strassen Moos für seine Bäumchen sammelt. Simons Affinität zum Gärtnern ist mit seiner beruflichen Beschäftigung mit Bonsais erschöpft. Auf die Frage, was er in seinem Garten anbaut, antwortet er nämlich (Zitat):“I grow tired in my garden“.

Das Leben des Erzählers ist wie das Buch selber nicht besonders spannend. Verschiedene Episoden werden gar mehrfach erwähnt. Vielleicht hätte ich länger und begeisterter gelesen, wenn die Publikation nicht fast 400 eng beschriebene Seiten aufgewiesen hätte. Doch irgendwann um die Mitte des Buches herum, hat die Sofagärtnerin genug über die Anfahrten zu Märkten und Einkaufszentren - mit oder ohne Stau, mit oder ohne Verspätungen wegen Polly, mit oder ohne Ärger mit oder wegen Polly - gelesen, und die Seiten mehrheitlich nur noch überflogen.



Simon Bonsai:
Surviving Polly
Athena Press, 2005

17. November 2011

Johanna Verweerd: Späte Ernte

Nach langen Jahren, die er im Ausland verbracht hat, kehrt Chris im Jahr 2003 zu seinen Wurzeln zurück. Seine Mutter ist krank, und er möchte nicht wie ein Jahrzehnt früher als sein Vater gestorben ist, zu spät kommen. Grund genug, aus seiner neuen Heimat Neuseeland, wo er die Apfelplantage „Gold Apple Garden“ mit einer Grösse von rund 550 Hektaren führt, nach Holland zu fliegen. Doch wie soll er seiner Schwägerin Catharina begegnen, die einmal der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen ist?

Ein erster Rundgang durch den Apfelgarten seiner Jugend zeigt ihm schonungslos, dass es nicht gut um das ehemals ehrwürdige Herrenhaus Mejlanden und die Obstkulturen steht. Die Gärten machen einen vernachlässigten, ja verwilderten Eindruck und die Bäume scheinen seit Jahren nicht geschnitten worden zu sein. Zwar sind viele der Hochstammbäume voll reifer Äpfel, aber Pflücker sind keine auszumachen.

Seit Chris vor Jahrzehnten seiner Heimat den Rücken gekehrt hat, ist die Zeit in Holland nicht stehen geblieben. Er muss lernen, dass das Land, wie er es in seiner Erinnerung aussah, längst nicht mehr existiert. Für das auf Mejlanden angebaute Obst gibt es keine Nachfrage. Eine Umstellung auf Bio-Produktion wäre eine Möglichkeit, die Verkäufe zu steigern. Auf Drängen von Chris Nichte Willemijn wurde bereits ein Teil des Geländes für Schrebergärten in Parzellen aufgeteilt und interessierten Gärtnern zur Verfügung gestellt.

Wenigstens steht es um die Gesundheit der Mutter nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Sie ist zwar dement, doch ihr Gesundheitszustand hat sich wieder stabilisiert. Sein Bruder hingegen, der Mejlanden mit seiner Frau Catharina führt, ist an MS erkrankt. Und eine im Raum stehende Gebietsreform sieht vor, dass das Obstanbaugebiet einer Industriezone weichen soll. Konfrontiert mit all diesen und noch weiteren Problemen wie Immigration und Zersiedelung stellt Chris fest, dass er Effi vermisst. Effi, die ihm seit Jahren den Haushalt führt, sich auf seiner Apfelplantage unentbehrlich gemacht hat und deren Anwesenheit ihm immer wie selbstverständlich erschienen ist. Erst tausende Kilometer von daheim entfernt, entdeckt Chris endlich, was er an seiner polynesischen Partnerin hat.



Johanna Verweerd:
Späte Ernte
Brunnen Verlag, 2006

13. November 2011

Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth: Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis

Sind Sie mit gewissen Ecken in Ihrem Garten nicht ganz glücklich oder stehen Sie gar vor der Herausforderung eine noch „leere“ Fläche nach eigenem Gutdünken zu gestalten? Dann finden Sie im Buch „Gartengestaltung“ von Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth ein wahres Füllhorn an praxisnahen Ideen und Tipps, die bei der Entwicklung vom vagen Traum eines auf die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittenen Gartenentwurfs und der Umsetzung desselben in den persönlichen Traumgarten ausgesprochen hilfreich sind.

Das erste Kapitel „Inspiration – Vielfalt der Gartenstile“ gibt in groben Zügen Einblick in die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, dem Garten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Soll es ein Naturgarten mit Blumenwiesen werden, oder stehen eher ein romantisch-verträumter Garten, ein formaler und eleganter Entwurf oder vielleicht eine asiatisch angehauchte Bepflanzung zur Debatte? Das Buch stellt aus der Vielfalt der Gartenstile unter anderem den Cottagegarten, den Kiesgarten und den mediterranen Garten vor. Die Autoren betonen immer wieder, wie wichtig es ist, sich mit der Gartengestaltung genügend Zeit zu lassen, um Ideen zu sammeln und auch wieder zu verwerfen. Natürlich ist ein Buch und sei es noch so vollgepackt mit Informationen wie das vorliegende nur einer der verschiedenen Wege die Richtung Wunschgarten zu gehen sind und ersetzt nicht den Besuch von Schaugärten, öffentlichen Anlagen und Privatgärten. Der Schwerpunkt bei solchen Gartenbesichtigungen sollte laut Thinschmidt und Böswirth dabei auf regionale Gärten gelegt werden, weil hier Klima und Bodenbeschaffenheit mit den heimischen Begebenheiten weitgehend übereinstimmen und gleichzeitig von Erfahrungen aus Erfolg und Misserfolg der dort wirkenden Gärtner profitiert werden kann. Was im Nachbarsgarten gut gedeiht, wächst mutmasslich auch im eigenen Garten.

Nun ist es höchste Zeit für eine Bestandesaufnahme, die als Grundlage für die Entwürfe und Skizzen dienen kann. Notiert und aufgezeichnet werden neben Grundriss, Haus und Nebengebäuden auch der vorhandene Bestand an Pflanzen und Gehölzen, die Bodenverhältnisse, Angaben zu Licht- und Schattenverhältnissen mit dem Sonnenverlauf. Bevor in einem weiteren Schritt Wunschliste und Bestandesaufnahme im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und allenfalls der eigenen handwerklichen Fähigkeiten in Einklang gebracht werden können, sollte man sich ein wenig mit den Grundlagen der Gartengestaltung auseinandersetzen. Im gleichnamigen Kapitel erfährt der interessierte Leser Wichtiges zu Flächen und Formen, Perspektive und Strukturen, der Wirkung von Farben und Formen und dem Gestalten mit unterschiedlichen Werkstoffen und über die gezielte Verwendung von optischen Tricks. Eine grosse Menge an Fotos unterstützt den Leser bei der Entscheidungsfindung von Gartenstil, Elementen, Materialien und Bepflanzung.

Verschiedene Gartenelemente stehen im Fokus des nächsten Kapitels mit dem Titel „Von Sitzplätzen und Wegen – Gartenelemente“. Stichworte dazu sind vertikale Abgrenzungen und das Schaffen von Räumen, aber auch Technik und kleine Bauwerke wie Pergolen oder Gartenhaus, Beläge, Spielgeräte, Wege, Treppen, Sitzplätze, Möblierung, Dekorationsobjekte, Accessoires, Wasser und Beleuchtung.

Was wäre ein Garten ohne Bepflanzung? Auf über hundert Seiten geht es schliesslich ausführlich um die Pflanzenauswahl und ums Gestalten mit Pflanzen. Im Serviceteil werden weiterführende Literatur und Adressen von Vereinen, Bodenuntersuchungsinstituten, Bezugsquellen usw. aufgelistet. Ein Register rundet die gelungene praxisorientierte Publikation ab, die viele Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit einer Neu- oder Umgestaltung eines Gartens auftreten. Das Buch ist nicht nur für den Gartenneuling empfehlenswert, auch bereits erfahrenere Hobbygärtner werden ihr Wissen dank der wohldurchdachten und erprobten Ratschläge erweitern können. Hilfreich sind besonders auch die einzelnen Kapitelzusammenfassungen, wo auf Vor- und Nachteile von beispielsweise Materialien hingewiesen wird und dabei auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden.



Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth:
Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis
Kosmos Verlag, 2011

9. November 2011

Andrea Haumer: Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr

Andrea Haumer gibt ein eigenes Online-Magazin heraus (Lifeart) und schreibt regelmässig eine Gartenkolumne mit dem Titel „Gartenlust“ für den österreichischen Kurier Freizeit. In ihrem gleichnamigen Buch führt sie den Leser in monatlichen Kapiteln durchs Gartenjahr und durch ihr grünes Reich. Jeweils rund zehn Seiten sind vollgepackt mit Informationen und Inspirationen zum Monatsthema, gegliedert in Essays, Gartentipps, Expertenwissen und den neuesten grünen Trends.

So steht beispielsweise der Monat Februar unter dem Motto Bodenbearbeitung, Bodenkunde und dem Züchten von Erde. Ein Mikrobiologe erklärt, warum das früher fleissig propagierte Umgraben der obersten Erdschicht katastrophale Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Mikroorganismen hat. Der Monat März wiederum ist dem Thema Gemüse gewidmet und im Mai sorgen kaiserliche Blütenträume für Höhepunkte: es geht um Pfingstrosen und japanischen Ahorn, während im Juni die Seiten mit Wissenswertem über die Rose gespickt sind und im Juli die Marille (Aprikose) dominiert. Wasserschönheiten, Kugellauch, Stauden und Gartengeräte stehen in den Folgemonaten im Mittelpunkt.

„Gartenlust“ ist zweifellos ein wunderschön illustriertes Buch mit tollen Fotos, die sich auch ausgezeichnet in einem Kalender machen würden. In dieser Mischung aus Ratgeber und Bildband werden wie beispielsweise in der Rubrik "Im grünen Trend" zwar etliche Themen angerissen, aber - wohl nicht zuletzt aus Platzgründen - meist nur oberflächlich besprochen und die (Pflanzen-)Auswahl dünkt mich eher zufällig.

Und wer mag zum Zielpublikum dieser Publikation gehören? Eher weniger der ambitionierte Hobbygärtner, der sich mit praktischem Gärtnern und durch intensives Lesen entsprechender Literatur bereits ein umfangreiches Wissen angeeignet hat als der Gärtner oder die Gärtnerin, die sich noch nicht sehr lange mit Garten und dem Drumherum beschäftigen. Bildband, Ratgeber oder Praxisbuch? Von allem etwas - vielleicht einfach ein schön gestaltetes grossformatiges Lesebuch, das man gerne mal durchblättert und sich an einem Winterabend an den schönen Bildern erfreut und gleichzeitig vom nächsten Frühling träumt.

Und jetzt muss ich doch mal noch genauer nachforschen, ob die Zaubernuss (Hamamelis) tatsächlich eine Staude ist oder - wie ich bisher immer geglaubt habe - ein Gehölz…



Andrea Haumer:
Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr
Callwey Verlag, 2011

5. November 2011

Ann Krentz as Amanda Quick: The Perfect Poison

Lucinda Bromley, einer jungen Botanikerin im England gegen Ende der viktorianischen Ära, haftet der schlimme Verdacht an, ihren Verlobten heimtückisch vergiftet zu haben. Beweise für diese angebliche Tat sind keine beizubringen. Dennoch beherrschte dieser Skandal wochenlang die Schlagzeilen und Lucinda wird seither weitgehend geächtet. Da sie aber über die spezielle Gabe verfügt, Gifte – speziell solche aus dem Pflanzenreich – riechen zu können, greift die Polizei immer wieder auf ihre Hilfe zurück, wenn es darum geht, mysteriöse Todesfälle aufzuklären, bei denen davon ausgegangen wird, dass eine Vergiftung zum Ableben geführt hat.

Als Lucinda von Inspector Speller zur Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn gerufen wird, stellt sie sofort fest, dass dieser eindeutig vergiftet worden ist und dem Giftcocktail Bestandteile eines Farns, Ameliopteris amazonensis, beigemischt worden sind. Diese Erkenntnis schockiert die junge Botanikerin. Denn in ganz England gibt es nur ein Exemplar dieser seltenen Spezies, das sie selber von ihrer letzten Expedition mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater mit nach Hause gebracht hat. Und bis vor einem Monat stand diese eine Pflanze in ihrem Wintergarten, wo sie gestohlen worden ist. Lucinda befürchtet, sofort wieder unter Tatverdacht zu geraten, und behält deshalb die Feststellungen aus ihrer Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn für sich. Gleichzeitig engagiert sie aber Caleb Jones, den Inhaber einer „psychical investigation agency.“, der über übersinnliche Fähigkeiten und als Mitglied der Arcane Society über ausgezeichnete Beziehungen verfügt. Er soll für sie herausfinden, wer hinter dem Farndiebstahl steckt und folglich auch in den Mord an Lord Fairburn involviert sein muss.
Schon bei der ersten Begegnung zwischen den beiden psychisch empfindsamen Menschen fliesst eine spezielle Energie.

Empfehlenswert für alle, die sich vom paranormalen Hintergrund des Romans nicht abschrecken lassen. Unter diesem Link lässt sich nachlesen, wie und warum die Autorin dazugekommen ist, einen Farn in die Geschichte einzubauen:



Ann Krentz as Amanda Quick:
The Perfect Poison
Jove Books, 2010

1. November 2011

Anke Kuhbier: Kluge Menschen und ihre schönen Gärten

"Besondere Frauen und ihre Gärten", "Künstler und ihre Gärten", "Modeschöpfer und ihre Gärten", "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" und nun also "Kluge Menschen und ihre schönen Gärten" – in den letzten Jahren sind immer wieder Bücher über besondere Menschen und ihre Gärten erschienen. Anke Kuhbier führt uns nun in ihrem neuen Buch als Gast in die Gärten von Denkern, Künstlern, Dichtern und Staatsmännern und zeigt uns diese Persönlichkeiten mit Schwerpunkt auf deren gärtnerischen Interessen und damit von einer oft unbekannten Seite. Einige dieser klugen Menschen sind samt ihren botanischen Interessen schon oft zwischen zwei Buchdeckeln vorgestellt worden oder haben wie beispielsweise William Robinson und Gertrude Jekyll selber Bücher über die Resultate veröffentlicht, die sie dank ihrer grünen Daumen erziehlt haben. Die hortikulturellen Vorlieben von anderen hingegen sind eher unbekannt.

Die jeweils achtseitigen Portraits sind gegliedert in einen erzählenden Teil, Fotos, eine kurzen Zusammenfassung über die Besonderheiten des jeweiligen Gartens und werden ergänzt durch Gartenpläne und Bilder von Werken der portraitierten Person. Haben Sie gewusst, dass sich auch Staatsoberhäupter wie George Washington, Winston Churchill und Konrad Adenauer in ihrer spärlich bemessenen Freizeit gerne mit Gärtnern beschäftigten und nichts gegen Erde unter den Fingernägeln einzuwenden hatten? Gleich drei gärtnernde Maler sind mit ihrer Inspirationsquelle vertreten: Claude Monet und sein Giverny, Max Liebermann und sein Wannsee-Garten sowie Emil Nolde und sein Garten im norddeutschen Seebüll. Stellvertretend für die schreibende Gilde stehen die Aufzeichnungen über Johann Wolfgang von Goethe, George Sand, Hermann Hesse, Bert Brecht oder Vita Sackville-West. Weiter vertreten sind Johann Gottfried Herder, Rudyard Kipling, Loki Schmidt, Moritz Landgraf von Hessen und Christoph Graf Douglas.

Speziell interessiert hat mich das Portrait über Hugh Johnson, dessen regelmässigen Beiträge im englischen Journal Hortus unter dem Titel „ Tradescant Diary“ ich schon lange genauso schätze wie sein Buch „In the Garden“ mit gesammelten Artikeln aus der Publikation „The Garden“ der Royal Horticultural Society. Letztere sind ebenfalls unter dem Pseudonym "Tradescant" verfasst worden. In der britischen Gartenszene war übrigens jahrelang darüber spekuliert worden, wer sich hinter dem Namen "Tradescant" verbirgt. Hugh Johnson ist nicht nur ein fulminanter Weinkenner und –kritiker sondern auch ein anerkannter Dendrologe, der auf seinem Grundstück über 1000 verschiedene Gehölze stehen hat und er zeichnet ausserdem als Verfasser des Gartenstandardwerkes „The Principles of Gardening“. Im vorliegenden Buch habe ich nun erstmals Bilder aus Johnsons grossem Garten gesehen. Seiner Gartenphilosophie entsprechend führt er einen eher  zurückhaltender Kampf gegen Unkraut, dabei hat er genaue Vorstellung darüber, welche Bilder und Stimmungen er mit seiner Bepflanzung hervorrufen möchte. Anke Kuhbier schreibt in diesem Zusammenhang von einer (Zitat) "gekonnten Mischung aus naturnahem Wildwuchs und gezielten gestalterischen Massnahmen". Das Portait macht neugierig, die gärtnerischen Geheimnisse des Feinschmeckers Hugh Johnson zu erkunden!

Das Buch „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“ ist überaus verschwenderisch bebildert, die Qualität einzelner Fotos fand ich allerdings teilweise etwas enttäuschend. Besonders beeindruckend hingegen sind die mit Blumen bedruckten Pergamentseiten, die jedes Kapitel eröffnen. Abgerundet wird die gelungene Produktion durch Kurzbiografien, die analog zu den Portraits nach Geburtsjahr der vorgestellten Persönlichkeiten geordnet sind. Ein schönes Geschenk für Gartenfreunde und Leser und Leserinnen, die gleichzeitig historisch interessiert sind!



Anke Kuhbier:
Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
Callwey Verlag, 2011

29. Oktober 2011

J. M. Coetzee: Leben und Zeit des Michael K.

Michael K. kommt mit einer Hasenscharte zur Welt. Diese äusserliche Entstellung ist gepaart mit einem einfachen Intellekt und kein sehr erfolgsversprechender Start ins Leben. Die Mutter lehnt ihr Kind ab und so verbringt Michael K. den Grossteil seiner Jugendzeit in einem Heim. Als junger Erwachsener findet er Arbeit beim Gartenbauamt der Stadt, bleibt aber weiterhin ein Einzelgänger. Als er 31 Jahre alt ist, wird der Wunsch der kranken und bestimmenden Mutter immer fordernder, Kapstadt zu verlassen und auf Land zu ziehen, wo diese aufgewachsen ist. Doch die erforderliche Ausreisegenehmigung lässt auf sich warten. Schliesslich flüchten die beiden mit einer Art Handkarren, in welchen die Mutter eingepfercht ist und der vom Sohn gezogen wird, vor den kriegsähnlichen Zuständen.

Die Strapazen dieser fast unendlichen Reise übersteigen die Kräfte der kränkelnden Mutter. Sie stirbt noch auf dem Weg nach Prince Albert. Mit seinen wenigen verbliebenen Habseligkeiten, etwas Geld und einem Paket, das die Asche seiner Mutter enthält, zieht Michael K. alleine weiter. Er betrachtet es als seine Aufgabe, die sterblichen Überreste der Mutter an ihren Geburtsort zu tragen.

Nach verschiedenen Zwischenfällen, wie der Ausbeutung durch Soldaten, die ihm fast sein ganzes Barvermögen abknöpfen und der temporären Zwangseinteilung in eine Arbeiterkolonne, glaubt der Flüchtling die gesuchte Farm aus Mutters Kindertagen gefunden zu haben. Die Gebäude sind längst verlassen und genau wie das Umland völlig vernachlässigt. Michael K. richtet sich in einer Erdhöhle ein und baut Kürbis und Melonen an.

Völlig auf sich allein gestellt, weiss er nicht recht, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Bis anhin hatte sich immer irgendwer bemüssigt gefühlt, ihm Aufträge und Befehle zu erteilen. Es scheint ihm zu genügen, den Rest seines noch jungen Lebens in dieser Abgeschiedenheit zu verbringen. Er möchte den Boden bestellen und sich von seiner Hände Arbeit ernähren. Diese relative Freiheit ist aber ständig von der Angst überschattet, entdeckt zu werden und sie ist auch nur von kurzer Dauer.

Das Buch ist in drei Teile von unterschiedlicher Länge gegliedert. Nach dem umfangreichen ersten Teil, den ich oben kurz zusammengefasst habe, wird der mittlere Teil aus der Perspektive eines Apothekers erzählt, der als Sanitätsoffizier für die Pflege des in ein Wiedereingliederungslager gesteckten Michael K. verantwortlich ist. Dieser Pfleger ist der einzige, der sich intensiv für Michael K., den er durchgehend falsch Michaels nennt, interessiert. Er versucht, an ihn heranzukommen und ihn samt seinen Handlungen und Bewegründen zu verstehen. Im kurzen dritten Teil wird Michael K.‘s Leben nach der Flucht aus dem Lager thematisiert.

Allfällige Berührungsängste gegenüber dem Autor und Nobelpreisträger J.M. Coetzee können Sie getrost ignorieren - lassen Sie sich doch auf eine lohnende (Wieder-)Entdeckung ein!



J. M. Coetzee:
Leben und Tod des Michael K.
Fischer Verlag, 1997/2003

25. Oktober 2011

Geschichten übern Gartenzaun und Neues übern Gartenzaun - DVDs aus dem DDR-TV-Archiv

Dank einer kleinen Notiz mit einer DVD-Empfehlung habe ich in den letzten Monaten bei garstigem Wetter meine heimsportlichen Verpflichtungen immer mal wieder mit Schrebergartengeschichten aus dem DDR-TV-Archiv verbunden. „Geschichten übern Gartenzaun“ ist eine vergnügliche Familienserie aus den frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit nostalgischem Charme. Die drei DVDs enthalten sieben Episoden mit rund 60 Minuten Spielzeit und handeln von den Beziehungen zwischen den Parzellennachbarn sowie inner- und ausserfamiliären Konflikten. Die Geschichten heissen:
  • Ein warmer Regen
  • Die Bäume schlagen aus
  • Maikühle
  • Wochenendbesuche
  • Vertrauen ist gut
  • Hundstage und
  • Die Leistungsschau

Im Mittelpunkt der Folgen steht Claudia, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen Garten in der fiktiven Dresdner Kleingartensparte „Ulenhorst“ übernehmen kann. Die älteste Tochter, eine angehende Gärtnerin, hat hier ein tolles Experimentierfeld und die drei jüngeren Geschwister genügend Platz für Kleintierhaltung und zum Spielen. Claudias Freund Manfred ist vom Projekt Schrebergarten zunächst weniger begeistert. Trotzdem packt er immer wieder mit an, denn nicht nur im Garten, sondern auch im stark heruntergekommenen Häuschen gibt es viel zu tun. Mit einer Pinselrenovation ist es nämlich nicht getan.

Nicht alle Parzellennachbarn heissen die Neuankömmlinge herzlich willkommen. Im Ablauf der Jahreszeiten lernt man die Schrebergärtner mit ihren Macken und Vorlieben gut kennen und meint bald, diese persönlich zu kennen und leidet auch mal mit, wenn jemand zu Unrecht des Kaninchendiebstahls verdächtigt wird oder die zwei plötzlich aufgetauchten Enkel sich als grosse Enttäuschung entpuppen.

Für den kommenden Indoor-Sport-Winter bin ich nun ebenfalls gerüstet. Ich habe nämlich entdeckt, dass eine weitere DVD-Box mit dem Titel „Neues übern Gartenzaun“ erschienen ist, so dass ich mich zwar nicht gerade auf Schnee und Eis freue, aber vielleicht mit etwas mehr Begeisterung auf den Stepper stehe als auch schon. Obwohl wegen Todesfall und Ausreise von Hauptdarstellern in die BRD anscheinend gewöhnungsbedürftige Umbesetzungen von Rollen vorgenommen worden sind, freue ich mich also bereits auf das Angucken der nächsten Folgen aus „Ulenhorst“. Falls Sie sich diese DVDs zulegen wollen, bitte daran denken, dass die Qualität nicht mit heutigen Produktionen mithalten kann (was dem Sehvergnügen aber keineswegs abträglich ist).



Geschichten übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2010

Neues übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2011

21. Oktober 2011

Noel Kingsbury: Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese

Die Arbeiten, sprich Gärten, von Penelope Hobhouse, Arabella Lennox-Boyd, John Brookes, Christine Orel oder Piet Oudolf sind dem interessierten Publikum hinlänglich bekannt oder ausführliche Informationen lassen sich zumeist relativ einfach beschaffen. Doch wie sieht wohl der nichtöffentliche Garten eines professionellen Gartengestalters aus? Wird hier zum Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit frischfröhlich nach Lust und Laune gebuddelt und eingepflanzt oder wird zuerst ein durchdachtes Konzept erstellt? Antworten auf diese Fragen finden sich in Noel Kingsburys Buch „Gärten!“, das hinter die privaten Hecken von fünfundzwanzig Gartengestaltern aus aller Welt blicken lässt.

Die illustrierten Portraits sind aufgeteilt in einen erzählenden Teil, eine Kurzbiografie, eine Auflistung öffentlich zugänglicher Gärten des entsprechenden Designers und eine Doppelseite mit dessen ausgewählten Lieblingspflanzen. Diese hier vorgestellten privaten Gärten, die teilweise auch als Schaugärten dienen, sind nicht minder verschieden als die kreativen Köpfe dahinter und dies liegt nicht nur daran, dass diesen in verschiedenen Klimazonen liegen. So finden sich im Garten der ehemaligen Malariaforscherin Christine Facer ein „Garten der kosmischen Evolution“ und ein Eingang ins Chaos-Tor (Chaos-Theorie). Dieser Garten ist nämlich ein Synonym für die wissenschaftlichen Interessen seiner Gestalterin, in welchem sich wie in einem Buch lesen lässt.

Katie Lukas aus Grossbritannien hat sich ihr Wissen durch learning by doing und einem Fünftagekurs in Planung der English Gardening School angeeignet. Sie gibt denn auch an, nur ungern vor einem weissen Blatt Papier zu sitzen, das mit kreativen Ideen gefüllt werden soll. Glücklich ist, wer wie die Gartengestalterin Jacqueline van der Kloit von sich behaupten kann, nicht zu arbeiten, sondern sein Geld mit einem bezahlten Hobby verdienen zu können und sich auch nicht vorstellen kann und will, in Rente zu gehen und sogar das Urlaubsende herbeisehnt!

Cleve West besitzt in der Stadt einen Mini-Garten, der nur beschränkt Raum für Experimente zulässt, weshalb er und seine Partnerin zusätzlich einen Kleingarten gepachtet haben, wo die beiden viel Gemüse anbauen. Mindestens so wichtig wie das Gärtnern ist den beiden das Treffen mit Freunden und Gartennachbarn. Und nicht zuletzt ist der Schrebergarten ein guter Ideenlieferant, auf den West schon beim Verfassen einer Fernsehkomödie oder beim Schreiben seines aktuellen Buches „Our Plot“ zurückgegriffen hat.

Neben den bereits weiter oben im Text erwähnten Namen werden die folgenden Gartengestalter in Wort und Bild vorgestellt: James Alexander Sinclair, Julian und Isabel Bannermann, Sue Berger, Roberto Burle Marx, Tracy DiSabato, Nancy Goslee Power, Naila Green, Isabelle Greene, Raymond Jungles, Jantiene T. Klein Roseboom, Ulf Nordfjell, Mien Ruys, Lauren Springer Ogden und Scott Ogden, Tom Stuart-Smith, Joe Swift und James van Sweden.

Über verschiedene der hier vorgestellten Gartengestalter und ihre Gärten habe ich schon öfters in einschlägigen englischen Publikationen gelesen und fand es nun sehr interessant, für einmal über deren privaten Paradiese zu lesen und Fotos aus denselben zu betrachten. Weitergehende Informationen über die Gartengestalter und Gartengestalterinnen finden sich im Serviceteil des Buches, wo neben einem Register und einer Liste mit Veröffentlichungen der portraitierten Gartendesigner auch deren Internet-Adressen aufgeführt sind.



Noel Kingsbury:
Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

17. Oktober 2011

Susanne Mittag: Sternenkraut

Die dreizehnjährige Stella hat einen besonders ausgeprägten grünen Daumen. Statt mit anderen Mädchen in ihrem Alter zu spielen, spricht sie lieber mit Pflanzen und hängt im väterlichen Blumenladen herum. In der Schule wird sie denn auch Kräuterhexe genannt. Stellas Mutter Flora ist gestorben als sie zwei Jahre alt war. Eben hat das Mädchen zufällig herausgefunden, dass es sich bei der Zweitsprache, die sie von klein auf beherrscht und die sonst niemand aus ihrem Umfeld spricht und versteht, nicht um Walisisch handelt, wie sie immer geglaubt hat, und ist über diese Entdeckung ziemlich verwirrt. Während sie sich immer noch über ihre speziellen Sprachkenntnisse wundert, steht plötzlich ein seltsam gekleideter Mann mit Gehrock und Zylinder samt einer seltsamen Pflanze vor ihrer Haustüre. Der Fremde spricht ihre unbekannte Sprache und sucht nach einem Schlüssel, den Stella später bei den Sachen ihrer Mutter findet.

Tags darauf wird sie von einem seltsamen Jungen namens Kian angerempelt und in eine Falle gelockt. Unvermittelt findet sie sich dank Hilfe des Schlüssels in einer fremden Welt wieder, in welcher die Zeit ums Jahr 1900 stehen geblieben ist. Stella soll mit Kian und dem Mann, der bei ihr zuhause vor der Türe gestanden hat, eine Mission erfüllen. Ziel ist, möglichst viele Pflanzen aus einer Höhlenwelt zu besorgen, damit Kians schwer kranker Vater und viele andere Patienten mit einem Extrakt aus dem Gewächs geheilt werden können.

Da Stella der magische Schlüssel weggenommen worden ist, kann sie nicht mehr zurück zu ihrem Vater und muss wohl oder übel mit in die Höhlenwelt. Dort dienen Pilze als Lichtquelle und erlauben sogar das Wachsen von Kopfsalat, Broccoli, Rotkohl, Bohnen und Kräutern. Hier wird Stella auch erstmals als Pflanzenflüsterin bezeichnet und sie erfährt von einer anderen Pflanzenflüsterin den Namen der gesuchten Pflanze: Sternenkraut. Das Gewächs soll einen festen Stängel aufweisen und grasähnliche fingerlange Blätter und rote Blüten haben.

Die Suche nach der Heilpflanze führt durch dunkle Höhlen und Gänge und sie entpuppt sich als lebensgefährliches Abenteuer. Gleichzeitig kommt Stella dem Ursprung ihrer Begabung als Pflanzenflüsterin auf die Spur und sie findet heraus, weshalb sie die Sprache des Höhlenvolks spricht und warum sie überhaupt einen Schlüssel besitzt, der die Magie des Reisens in andere Welten und die Magie der Sprache in sich trägt.

Spannendes Jugendbuch auch für Erwachsene! Ein lohnender Spontankauf, zurückzuführen auf eine zufällige Entdeckung in einer Buchhandlung. Ausschlaggebend für die Auswahl waren das ansprechende Titelbild und die Entdeckung, dass eine wichtige Figur im Buch den nicht sehr geläufigen Namen einer mir nahestehenden Person trägt.



Susanne Mittag:
Sternenkraut
Verlag Carl Ueberreuter, 2011

13. Oktober 2011

William Graffam: Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde

Schon der Titel dieses humorigen Buches lässt vermuten, dass da einer nicht ganz freiwillig in der Erde herumwühlt. Es ist denn auch die Frau des erzählenden Pastors, die lange von einem Garten geträumt hat und diesen Wunsch nach einem Umzug aufs Land endlich Wirklichkeit werden lassen will. Schliesslich steht nun rund um die Pfarrei ein grosses Stück Land zur Verfügung, dass nur darauf wartet in einen prächtigen Garten Eden verwandelt zu werden.

Die treibende Kraft im Projekt Garten, sprich die Pfarrersfrau, versucht also, ihren Mann mit ihrer Begeisterung anzustecken. Sie probiert es mit aufmunternden Worten wie „du brauchst unbedingt sportliche Betätigung und frische Luft!“. Oder „Gartenarbeit ist gesund und du nimmst Anteil an der Schöpfung“, worauf der Pastor kontert, er betrachte gärtnern nicht als Schöpfung sondern Erschöpfung.

Als Graffam dieses Buch verfasst hat, konnte er auf einige Jahre praktischer Erfahrung im grünen Bereich zurückblicken und berichtet nun unter dem Titel „Ach, du liebes Grün!“ über seine Erlebnisse beim Aneignen diverser zweckdienlicher Fertigkeiten rund ums Haus. Dabei hat er nicht vergessen anzumerken, der tiefere Grund für das Schreiben dieser Zeilen diene dazu, auf ihn und andere Leidensgenossen aufmerksam zu machen und ihnen die zustehende Portion Mitleid zukommen zu lassen.

Beim Lesen der Kapitelüberschriften wird Neugierde geweckt und die Vorfreude auf hortikulturelle Anekdoten wächst bei Titeln wie „Rasen(d) mähen“, „Feindesland“, „Garten-Moden“, „Leichtbauweise“ oder „Von wegen gesund“. Beim Weiterlesen wird der gärtnernde Leser nicht enttäuscht. Da berichtet Pastor Graffam, warum er es lieber gesehen hätte, wenn im Fernseh-Krimi ein Hersteller von Fertig-Gartenhäusern ermordet worden wäre statt des Erbonkels. Hat Graffam beim Aufstellen eines solchen das 2. Gebot doch etwas überstrapaziert. Etwas mehr Begeisterung zeigt der Autor, ein gebürtiger Amerikaner, für die Idee seiner Liebsten, einen englischen Garten anzulegen. Schliesslich gelten die Engländer ja nicht als so fleissig wie die Deutschen, woraus er schlussfolgert, dass ein englischer Garten ein Synonym für einen pflegeleichten Wald- und Wiesengarten ist.

Herrlich erfrischende Lektüre!



William Graffam:
Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde
Kosmos Verlag, 2011

9. Oktober 2011

Christine Trüb: Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten

In einer Buchhandlung wird eine Frau gleich beim ersten Satz einer Neuerscheinung mit dem Titel „Une vie discrète“ vom Geschriebenen gefesselt. Sie fühlt sich um ein paar Jahre zurückkatapultiert, als sie sich genau wie die Romanfigur mit einem weissen Zettel in der Hand aufmachte, einem ihr bis anhin unbekannten Menschen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Während der Suche der richtigen Adresse nochmals zögerlich überlegend, ob es tatsächlich angebracht ist, eine lange verborgene Liebe ans Licht zu zerren und einen Menschen kennenzulernen, der im Parallelleben ihres Vaters ohne ihr (der Tochter) Wissen über Jahrzehnte einen wichtigen Platz innehatte. Möchte sie tatsächlich ihr bis anhin unbekannte Seiten am Vater entdecken? Einem Mann, den sie so gut zu kennen geglaubt hatte? Und feststellen müssen, dass ihre Wahrnehmungen und Gefühle nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten? In ihr Zögern mischten sich Erinnerungen daran, wie immer wieder das Telefon dreimal kurz läutete und abrupt verstummte und der Vater entgegen seinen üblichen Gewohnheiten jede Gelegenheit nutzte, lange Telefongespräche zu führen – sobald die Mutter ausser Haus war.

Die Tochter hat damals mit dem Zettel in der Hand den kleinen Schritt mit grossen Folgen gewagt und die Geliebte ihres Vaters in ihr Leben gelassen. Sie hat erfahren, wie sich die beiden kennengelernt haben, hörte von einer nicht lange dauernden Trennung und der Wiederaufnahme der Fernbeziehung und wie nahe sich ihr Vater und diese Frau trotzdem waren, von den Träumen der beiden und der unerfüllten Sehnsucht, nach England zu ziehen und ein gemeinsames Leben zu beginnen. Warum hat den beiden der Mut dazu gefehlt? Die Mutter und Frau des Vaters hat irgendwann von der Geliebten ihres Mannes erfahren. Während ihre Welt auseinanderbricht, sie nach Gründen und Erklärungen sucht, weigert sich der Mann zu reden und verharmlost die angeblich längst beendete Beziehung.

Die Dreiecksgeschichte wird abwechslungsweise erzählt aus der Sicht der Tochter, der seit Jahrzehnten verheirateten Frau und – kursiv gedruckt – aus der Sicht der Geliebten, die sich mit gestohlenen Stunden, abverdient durch stundenlange Hin- und Rückreise per Bahn und ab und zu einem Wochenende an einer Tagung begnügen musste. Im Übrigen blieben ihr nur Briefe und Telefonate, nämlich Rückrufe auf ihre Klingeltonsignale. Während die Geliebte sich ein Leben an der Seite des starken Charakterkopfes mit Reisen, interessanten Begegnungen und Bekanntschaften gewünscht hat, erfährt man von der Frau von den schwierigeren Seiten des unbeugsamen Gatten, der in der Familie sehr autoritär auftritt.

Die beiden Frauen teilen aber nicht nur über mehrere Jahrzehnte ihre Liebe zum gleichen und doch anderen Mann. Beide haben eine wichtige Beziehung zu ihrem Garten. Die Schönheit des Gartens, der um das Haus herumführt, wo die leidigen Klingelzeichen ertönten, und ihre Zwiegespräche mit Pflanzen trösteten die Ehefrau über ihre Enttäuschung, Wut und das Unausgesprochene, das aus der andauernden ausserehelichen Beziehung ihres Ehemannes resultierte, hinweg. Die Geliebte hingegen träumte jahrelang davon, ihre grosse Liebe in ihrem Garten begrüssen zu können. Erst als der Vater 91jährig ein Pflegefall wird und die Ehefrau im selben Heim keinen Platz findet, können er und die Geliebte die letzten ihm noch verbleibenden Monate zusammen als Paar verbringen und das Doppelleben wird erst durch seinen Tod beendet.

Eine sehr stimmig geschriebene Dreiecksgeschichte. Schade habe ich erst im Nachhinein von der Lesung aus diesem Buch Ende September in Zürich erfahren.


Christine Trüb:
Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten
Limbus Verlag, 2011

5. Oktober 2011

Cordula Hamann: Die schönsten Gärtnereien – Entdecken, stöbern, geniessen

Cordula Hamann nimmt den Leser in ihrem aktuellen Buch mit in 23 Erlebnisgärtnereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den vorgestellten Betrieben lässt sich nicht nur nach teilweise sehr speziellen Gartenschätzen suchen, in Schaugärten lassen sich gleichzeitig Ideen für Farb- und Strukturkombinationen im heimischen Garten finden, fachkundige Beratung inklusive.

Jede Gärtnerei wird in einem sechsseitigen Portrait in Wort und Bild vorgestellt. Da gibt es beispielsweise eine Gutsgärtnerei, die von alten schützenden Backsteinmauern umfriedet ist. Zwei initiative Frauen haben das lange unbenutzte Gärtnereigelände mit einem durchdachten Konzept aus dem Dornröschen- oder besser Distel-Schlaf geweckt.

Die Auszeichnung spezielle Pflanze muss nicht gleichbedeutend mit einer exotischen Herkunft sein. Besonders eindrücklich kommt diese Tatsache in den Portraits über den Allgäuer Kräutergarten und die Wildstaudengärtnerei von Patricia Willi in der Nähe von Luzern zum Ausdruck. Schliesslich ist es kein Geheimnis, dass einheimische, der Witterung angepasste Sorten nicht nur einen Standortvorteil für sich verbuchen können. Und bei Patricia Willi wird getreu dem Motto „die Natur ist nicht Rahmen, sondern Inhalt“ streng nach biologischen Richtlinien und Demeter-Grundsätzen gegärtnert. Das Sortiment umfasst über 500 verschiedene Wildstauden, was ungefähr einem Sechstel der Wildpflanzen in der Schweiz entspricht. Zu den weiteren vorgestellten Betrieben gehören die Duft- und Wandelgärtnerei Schobel, die Stadtgärtnerei Zürich, die Rosenschule Ruf und die Staudengärtnereien Gaissmayer, Ewald Hügin und Sarastro.

Im Serviceteil sind alle Betriebe mit Anschrift und Webadressen aufgelistet. Das Buch enthält leider kein Register. Vermisst habe ich eine Länderkarte, aus der mühelos die Lage der mir (noch) unbekannten Gärtnereien ersichtlich ist. Die Auswahl der Gärtnereien dünkt mich etwas willkürlich. Die Schweiz ist zwar klein, aber so klein wie das Gebiet, in welchem sich die vorgestellten Betriebe befinden ist sie denn doch nicht und auch in anderen Regionen gibt es interessanten Gärtnereien zu entdecken. Für einen allfälligen Folgeband wüsste ich jedenfalls ein paar Betriebe, die eine detaillierte Erwähnung wert wären.

Nichtsdestotrotz ein schön gestalteter und informativer Gärtnereiführer – zum Mitnehmen auf eine Reise allerdings eher zu schade. Interessant und inspirierend ist das Buch wohl weniger für diejenigen, die die portraitierten Betriebe bereits kennen, als für Gartenbegeisterte, die noch am Anfang des „Spezialisierens“ stehen. Also für jene, die vielleicht nicht mehr zufrieden sind mit dem allenthalben erhältlichen Standardsortiment an Pflanzen und sich eine grössere Auswahl wünschen. Bei der Lektüre habe ich bedauert, nicht schon früher von den interessanten Gärtnereien in Kehl und mitten in Frankfurt gewusst zu haben. Besonders dem Betrieb mitten in der Grossstadt hätte ich liebend gerne einen Besuch abgestattet. Immerhin bleibt mir als schwacher Trost, dass der Oktober sowieso nicht die optimalste Jahreszeit dafür gewesen wäre. Dank des Buches habe auch ich von einigen mir bis dato unbekannten Betrieben erfahren und hoffe nun, dass sich bald einmal die Gelegenheit ergibt, meine Liste der bereits besuchten Gärtnereien, auf der bereits Namen wie Ewald Hügin, Sarastro, Gaissmayer, Landhaus Ettenbühl und Seleger Moor stehen, zu erweitern.



Cordula Hamann:
Die schönsten Gärtnereien
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

1. Oktober 2011

Ursula Steen: Mein grosses grünes Dingsda – Hobbygärtner in Aktion

Auf der Suche nach Büchern mit gärtnerischem Hintergrund bin ich in letzter Zeit immer wieder auf den mittlerweile dritten Titel von Ursula Steen gestossen. Obwohl mich die ersten beiden Vorgängertitel nicht wirklich begeistert haben, habe ich meine Vorurteile bei Seite geschoben und das neueste Büchlein mit dem etwas seltsamen Titel trotzdem gelesen. Nach der Lektüre bin ich nicht ernüchtert, aber eben auch nicht begeistert. In etwa entsprach diese nämlich genau meinen nicht sehr hohen Erwartungen.

Der Roman wird wiederum von Viola in Ich-Form und in Alltagssprache erzählt und er führt durchs Gartenjahr. Nun gibt es Romanhelden und –heldinnen, die einem sofort oder mit jeder gelesenen Seite mehr ans Herz wachsen. Die Erzählerin Viola ist mir nicht besonders sympathisch. Zwar hat sie durchaus positive und bewundernswerte Attribute, aber ich glaube, wenn wir uns begegnen würden, wären wir uns nicht ganz grün. Achtung zolle ich Viola beispielsweise für die aufopfernde Pflege und Betreuung ihrer dementen Schwiegermutter und ihrer Offenheit betreffend immer wieder aufkommenden negativen Gefühlen, die diese Herausforderung in ihr auslösen. Sehr gut nachvollziehen kann ich auch ihren Ärger, wenn sie vom Nachbarn berichtet, der skrupellos öffentlichen Raum als privat besetzt und ungeniert als sein Eigentum betrachtet. Interessant ist auch die Idee von Violas Freundin, eine Pflanzenklappe aufzustellen, in welcher kränkelnde Topfpflanzen oder anderes Grünzeug abgegeben werden können, die dann liebevoll aufgepäppelt werden.

Zuweilen lässt es sich während der Lektüre über Stellen schmunzeln, die sicher nicht als witzig angedacht waren – da liest man beispielsweise von einem Kiefernorthopäden und überlegt, wie wohl eine Zahn(wurzel?)behandlung an diesem Nadelholzgewächs abläuft … Und wenn in Gartenbüchern immer wieder von „Züchten“ die Rede ist, wo es eigentlich um Hege und Pflege von Pflänzlein geht, ändert dies nichts daran, dass der Ausdruck halt doch nicht stimmt. Die drei Hobbygärtner-Bücher von Ursula Steen werden als Romane bezeichnet – ich hatte jedoch bei allen das Gefühl, dass sie stark autobiographisch sind. Vielleicht könnte die Autorin in einer allfälligen weiteren Fortsetzung diese Vermutung ja mal bestätigen oder entkräften.

So, genug genörgelt. Jetzt bleibt mir nur noch zu überlegen, ob ich den im Büchlein recht detailliert beschriebene Roman „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ von Susanne Tamaro doch endlich man lesen soll.



Ursula Steen:
Mein grosses grünes Dingsda – Hobbygärtner in Aktion
Books on Demand, 2011

28. September 2011

Wieder einmal … ein paar Worte über die (Garten-)Büchersuche

Ein umfangreicher Teil meiner englischen Bücher, die der Kategorie „Garden Fiction“ zugeordnet werden können, habe ich auf verschiedenen amerikanischen und englischen Listen mit Literaturempfehlungen entdeckt, die von Bibliotheken ins Netz gestellt worden sind. Im hiesigen Kantonsspital hing vor Jahren ebenfalls eine Liste mit grünen Lesetipps auf. Ich erinnere mich, dass das Buch „Nachts, wenn der Garten blüht“ von E.L. Swann aufgeführt war, das mir aber wie sämtliche anderen gelisteten Titel bereits bekannt war.

Auch die Internet-Listen erweisen sich für meine Zwecke heutzutage selten als ergiebig. Die meisten sind schon länger online und werden nicht aktualisiert und sehr häufig funktionieren die Verlinkungen nicht mehr. Eine löbliche Ausnahme ist die kürzlich entdeckte Liste der Johnson County Library. Auf dem knapp vierseitigen Dokument gab es auch für mich ein paar wenige Entdeckungen zu verzeichnen. Einige dieser Titel befanden sich schon länger auf dem Wunschzettel und haben jetzt den Weg in meine Bibliothek gefunden, nachdem ich durch die Liste den hortikulturellen Hintergrund quasi schwarz auf weiss bestätigt bekommen habe. Zu diesen alten Neuentdeckungen gehören beispielsweise „Leben und Zeit von Michael K.“ von J.M. Coetzee, „Späte Ernte“ von Johanna Verweerd und „Good Women“ von Jane Stevenson. An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne den direkten Link zu den Bücher-Versuchungen eingefügt, von denen etliche auch auf Deutsch erhältlich sind oder waren, aber dieser führt leider nur noch ins Internet-Nirwana... Hier als Ersatz der Link zu einer Zusammenstellung von Bibliothekslisten und Büchertipps aus einem Gartenforum.

Gelegentlich zieht sich ein Thema, mit dem man sich beschäftigt, gleich durch mehrere Bereiche. Kürzlich habe ich in Zürich den Garten eines Blinden- und Sehbehindertenheims besucht und an einer Führung teilgenommen. Trotz Dauerregen war diese sehr aufschlussreich. Die Führerin hatte nur noch ein Sehvermögen von knapp 10 %, aber was sie alles zu erzählen wusste, war sehr spannend und informativ. Ich habe von (vermeintlichen) Details erfahren, auf die ich beim Spazieren durch den Garten wohl gar nicht achten würde. Schade nur, dass das Wetter nicht mitspielte - an riechen und schmecken war natürlich nicht zu denken. Als ich nach dem Besuch nach Gartenbüchern mit dem Stichwort „blind“ googelte, bin ich auf die Titel „Magdalenas Blau: Das Leben einer blinden Gärtnerin“ von Ulla Lachauer und „Die blinde Contessa und ihre Maschine“ von Carey Wallace gestossen, die ich beide demnächst hier im Blog vorstellen werde.

Auch am diesjährigen Tag des Denkmals habe ich die Gelegenheit benutzt, an einer Gartenführung durch einen hiesigen sich im Umbruch befindenden Stadtteil teilzunehmen. Gleichzeitig konnte ich ein festgefahrenes Bild in meinem Kopf anpassen. Durchs Quartier führte nämlich der im Sofagarten schon einmal anonymisiert erwähnte „Rotkraut-Rezept-Einsender“, der für seine Arbeit gerade kürzlich einen Preis erhalten hat.

Und noch zwei letzte Link-Tipps für heute: Vor längerer Zeit habe ich hier im Blog die englische Floristin Sally Page mit ihren Flower Shop-Büchern vorgestellt. Die Blumenkünstlerin ist nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln eine Entdeckung wert, sondern auch im Internet anzutreffen. Ihre Flowershop-Stories sind hier nachzulesen und im Blog Pythouse Walled Garden erzählt sie über ihre regelmässigen Besuche in diesem Garten.

25. September 2011

Museen der Stadt Linz (Hrsg.): Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment

Parallel zur aktuellen Oberösterreichischen Landesgartenschau in Ansfelden beschäftigen sich die unterschiedlichsten Institutionen mit dem Thema Garten. Noch bis am 16. Oktober 2011 ist die Ausstellung „Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment“ im Nordico Stadtmuseum Linz offen. Begleitend zur Veranstaltung ist im Anton Pustet Verlag das gleichnamige Buch erschienen, auf das mich eine Journalistin aufmerksam gemacht hat.

Auf rund 150 Seiten wird darüber reflektiert, wem Garten was bedeutet. Es werden Antworten auf die Fragen gesucht, wo Garten anfängt und wo Garten aufhört. Was ist überhaupt ein Garten? Woher kommt die scheinbar und offensichtlich steigende Sehnsucht nach Garten?

Speziell interessiert haben mich die Gartengespräche mit dem Präsidenten des Landesverbandes der Kleingärtner, einem Mitbetreiber einer Demeter-Gärtnerei, einem Medienkünstler, einem Koch und anderen mehr sowie die Interviews mit dem Leiter des Botanischen Gartens von Linz. Kampolerta ist ein Netzwerk von fünfzehn Landschaftsarchitektinnen, die sich auf eher ungewöhnliche Art und Weise mit urbanen Freiräumen auseinandersetzen. Als beispielsweise nach der Einführung des Rauchverbots die Aschenbecher in U-Bahnstationen überflüssig geworden waren, wurden diese umgenutzt. Leuchtend gelbe Blumen traten anstelle von Zigarettenstummel – Phönix gleich aus der Asche steigend. Ken Dunn schliesslich erzählt, wie sich aus dem Sammeln von leeren Dosen und Flaschen in Chicago ein erfolgreiches City Farm Projekt entwickelt hat.

Das Buch ist grosszügig illustriert. Die Bilder – darunter sind Gemälde und Fotos von Installationen ebenso vertreten wie botanische Zeichnungen - berühren auf vielfältige Weise. Sie lassen den Betrachter mal staunen, zuweilen schmunzeln oder lassen ihn nachdenklich zurück.

Schade finde ich nur, dass die Ausstellung nicht ein Jahr vorher fürs Publikum zugänglich war. Im Sommer 2010 waren wir nämlich an einem extrem heissen Sommertag in Linz – gerne hätte ich etwas Abkühlung bei einem interessanten Museumsbesuch genossen!



Museen der Stadt Linz (Hrsg.):
Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment
Verlag Anton Pustet, 2011

22. September 2011

Susan Wittig Albert: The Darling Dahlias and the Cucumber Tree

Susan Wittig Albert hat mit schöner Regelmässigkeit jahrelang ihre China Bayles Mysteries veröffentlicht. Nach knapp zwanzig erfolgreichen Titeln rund um diese ermittelnde Kräutergärtnerin, von denen übrigens vier davon in den 1990er Jahren auch auf Deutsch erschienen sind, beginnt die Autorin mit „The Darling Dahlias“ eine neue Serie. Angesiedelt ist diese Reihe im für meine Ohren etwas seltsam klingenden fiktiven Ort "Darling" in den amerikanischen Südstaaten und dreht sich um den ansässigen Gartenclub mit dem Namen „The Darling Dahlias“. Der Roman spielt in den 1930er Jahren nach dem grossen Börsencrash, inmitten einer schweren Rezession, in welcher die meisten Leute jeden Cent zweimal umdrehen müssen.

Zum Inhalt: Der Darling Gartenclub wurde 1925 durch Mrs. Blackstone gegründet, welche die beiden letzten Jahre auch als dessen Präsidentin amtete. Vor ein paar Monaten starb Mrs. Blackstone 82jährig und vermachte ihr Haus samt grossem Garten und zwei prächtigen Cucumber Bäumen (Magnolia Acuminata) dem Gartenclub, der durch diese Erbschaft völlig unerwartet zu einem Clubhaus kommt. Und gleichzeitig auch zu verschiedenen Problemen, wie jenes, eine kostspielige Dachsanierung zu finanzieren.

Die Mitgliederinnen des Clubs sind zwischen dreissig und knapp achtzig Jahre alt und gehen, wie man im Laufe der Lektüre erfährt, zusammen durch dick und dünn. Das Gartenclub-Jahr besteht aus regelmässigen Anlässen wie Pflanzenverkauf, Blumenshow, Tomatenfest, Gartentour und Erntedankfest. Die Clubpräsidentin Elizabeth Lazy schreibt ausserdem jede Woche eine Gartenkolumne für die Freitagsausgabe der lokalen Zeitung "Darling Dispatch" und jeden Montag ist Gesellschaftspielabend.

Während die umtriebigen Mitgliederinnen an ihrer aktuellen Sitzung über die richtige Höhe des Jahresbeitrages beratschlagen, können sie nicht ahnen, in welchen Strudel von Ereignissen sie in Kürze hineingezogen werden. Stichworte wären da ein vergrabener Familienschatz, ein entflohener Sträfling, Unterschlagung von Geldern in der örtlichen Bank, ein grabender Geist und ein mysteriöser Autounfall mit einem Todesopfer. Bis sich das Fadenknäuel gegen Ende der Lektüre entwirrt, ergibt sich immer wieder Gelegenheit, die Frauen beim Gärtnern zu beobachten.

Susan Wittig Alberts gibt mit diesem ersten Buch ihrer neuen Serie einen detailgetreuen Einblick in den Alltag einer amerikanischen Kleinstadt zur beschriebenen Zeit. Ergänzt wird die Erzählung durch Rezepte und Haushalttipps nach dem Motto „Ways to stretch whatever we have“. Ich freue mich jedenfalls schon heute auf die Fortsetzung mit dem Titel „The Darling Dahlias and the Naked Ladies“, die bereits als Hardcover-Titel erhältlich ist, werde mich aber bis zur Taschenbuchausgabe gedulden.

Webseite der Darling Dahlias: The Darling Dahlias



Susan Wittig Albert:
The Darling Dahlias and the Cucumber Tree
Berkley Prime Crime, 2010/2011

19. September 2011

Charlotte Thomas: Das Mädchen aus Mantua

Die eigensinnige junge Arztwitwe Celestina wird 1601 von ihrer Mutter zu Verwandten, der Familie Bertolucci, nach Padua geschickt. Begleitet wird sie von ihrer Stiefschwester Arcangela. Die an diversen Krankheiten leidende Tante Marta Bertolucci hofft, mit Hilfe ihrer Nichte Celestina endlich gesund zu werden. Gleich bei Ankunft der Schwestern in der mittelalterlichen Universitätsstadt werden die beiden Frauen Zeuginnen einer Prügelei und erfahren bei dieser Begegnung vom tiefen Hass zwischen den Familien Bertolucci und Caliari.

Celestina möchte zwar die Hintergründe dieser Feindschaft erfahren, ihr Hauptinteresse gilt aber ihrem Ziel, an der Universität Medizin zu studieren. Anfang des 17. Jahrhunderts ist Frauen der Zugang zu akademischer Bildung verwehrt. Aus diesen Gründen befinden sich unter den Gepäckstücken von Celestina nicht nur dicke medizinische Folianten ihres verstorbenen Mannes, sondern auch Männerkleider. Die junge Frau erfindet einen Bruder und benützt dessen Identität, um zum Studium zugelassen zu werden.

Doch dieses Versteckspiel bleibt nicht lange unentdeckt und Celestina sieht sich gezwungen, gewisse Bedingungen zu erfüllen, damit sie ihr Geheimnis vorerst wahren kann. So soll sie ausspionieren, wie es dazu kommt, dass die Anatomie der Universität Padua plötzlich fast ständig über genügend Leichen verfügen kann. Gleichzeitig passieren im Hause von Celestinas Verwandten merkwürdige Dinge. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen diesen Vorkommnissen? Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz in diesem historischen Roman und die Erzählung erlaubt einen detaillierten Einblick in die medizinische Ausbildung vor rund fünfhundert Jahren.

Heilkräuter und Giftpflanzen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Vor allem Onkel Ludovico Bertolucci widmet sich täglich mit grosser Leidenschaft dem Gärtnern. Er versorgt das Spital mit Heilpflanzen und träumt davon, exotische Gewächse an ihrem Naturstandort betrachten zu können. Gelegentlich finden Vorlesungen direkt im ältesten botanischen Garten der Welt statt.



Charlotte Thomas:
Das Mädchen aus Mantua
Lübbe Ehrenwirth, 2011

16. September 2011

Mirabel Osler: The Rain Tree – A Memoir

Ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Gatten hat Mirabel Osler 1989 ihr erstes Buch „A Gentle Plea for Chaos“ über ihre Erfahrungen aus dem gemeinsam mit ihrem Mann angelegten und gehegten Garten veröffentlicht. In der Folge schrieb sie weitere Titel wie „A Breath from Elsewhere“, „A Spoon for every Course“ und andere mehr. In „The Rain Tree“ bietet die mittlerweile über Achtzigjährige Einblick in verschiedene Abschnitte ihres erfüllten Lebens, in Erlebnisse mit Familie und Freunden, berichtet über ihre Jugendjahre und erzählt vom Älterwerden und den damit verbundenen Beschwerden und endgültigen Abschiede.

Die gemeinsame Liebe zum Gärtnern entwickelte sich zu einem wichtigen Bindeglied in der Beziehung zwischen Mirabel und Michael Osler, als die beiden nach langen Jahren im Ausland nach England zurückkehrten. Je prächtiger und üppiger ihr Garten wurde, desto leichter fiel ihnen das Verreisen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es bei der Rückkehr viele Veränderungen zu entdecken gab. Häufiges Wegfahren ist also ein guter Grund, dieses Vergnügen möglichst oft auskosten zu können. Übrigens sollte Michael Osler als junger Mann in die Familienfirma F. + C. Osler eintreten. Diese Firma hat 1851 den „Crystal Fountain“ für die „Great Expedition“ im Crystal Palace gebaut.

Gärtnerisches spielt in diesen Erinnerungen eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Platz in den nicht chronologisch geordneten Erzählungen nehmen beispielsweise Berichte über die mehrjährigen Aufenthalte in Thailand und Griechenland sowie Reisen und Erlebnisse aus der frühesten Kindheit der Autorin ein. Eine Zeit, die Mirabel Osler nur aus Erzählungen von anderen kennt – sie war nämlich erst zwei Jahre alt, als ihre Mutter sie, ihre etwas ältere Schwester und den todkranken Vater wegen einem anderen Mann verliess. Im Schlusskapital berichtet sie von ihrem Bedauern, nie mehr auf einem Pferd reiten zu können und sinniert darüber, dass ihre Hände wohl demnächst dermassen viele Altersflecken aufweisen werden, dass man glauben könnte, sie käme direkt aus dem Garten, obwohl sie diese Tätigkeit schon lange aufgegeben hat.

Die offene und kontaktfreudige Frau freut sich auch im hohen Alter darüber, neue Menschen kennenzulernen und es entwickeln sich immer noch neue Freundschaften. So verbindet sie zum Beispiel seit einiger Zeit eine schöne Kameradschaft mit Katherine Swift. Letztere ist Autorin der Bücher „The Moreville Hours“ und „The Moreville Year“ und schreibt regelmässig für das englische Journal Hortus. An anderer Stelle gesteht Mirabel Osler, es nicht wie Prinz Charles zu halten. Der spricht ja wie allgemein gemunkelt wird mit seinen Blumen, während sie mit ihren Organen spricht. Wenn ein Körperteil Probleme macht, fordert sie diesen unmissverständlich auf, sich zusammenzureissen.



Mirabel Osler:
The Rain Tree – A Memoir
Bloomsbury Publishing, 2011

13. September 2011

Karl Piepenbrock: Die Frau des Friedhofgärtners

Der Ich-Erzähler hat sehr lange gebraucht, um über den plötzlichen Tod seiner Frau Gisela, seiner Schwester und seines Schwagers beim Zugunglück in Eschede hinwegzukommen und den Alltag neu zu ordnen. Inzwischen frühpensioniert hat er zu einer gewissen Normalität zurückgefunden. Regelmässig besucht er das Grab von Gisela, schmückt es mit frischen Blumen und hält Zwiesprache mit ihr oder plaudert gerne mit den Nachbarn.

Auf diesem strukturierten Tagesablauf liegen seit ein paar Wochen dunkle Schatten – immer wieder wird der Erzähler von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Nach verschiedenen Untersuchungen lautet die unumstössliche Diagnose: inoperabler Hirntumor, verbleibende Restlebenszeit eher weniger als ein Jahr. Fragen über Fragen – Angst mischt sich mit der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Gisela. Was soll er mit diesen letzten geschenkten Monaten anfangen? Vielleicht etwas Besonderes unternehmen? Gibt es tatsächlich keine Chance auf Heilung? Wie werden die letzten Tage sein? Wie soll er seiner Tochter Sylvia von seiner Krankheit erzählen? Was ist wirklich wichtig, was völlig unwichtig?

Während die (Nicht-)Reaktion der Tochter sehr enttäuschend ausfällt, findet der kranke Mann in Ute, der Frau des Friedhofgärtners, unerwartet eine zuverlässige Freundin. Er entdeckt, dass Herzenswärme wichtiger ist als Intellekt. Auf einer mehrtägigen Reise nach Budapest, bei der er von Ute begleitet wird, kann er seine Krankheit fast vergessen. Die Wirklichkeit holt ihn daheim aber umso heftiger ein und es heisst an einer Stelle im Buch treffend (Zitat): „ja, irgendwann ist einfach mal Ende, so ist das“.

Die Text kann nicht verbergen, dass kein Verlag mit professionellem Lektorat daran herumgefeilt hat. Die Geschichte ist aber sehr einfühlsam geschrieben. Die Leserin hat sich bei der Lektüre oft gefragt, woher das Detailwissen stammen und was an dem „Melodram“ (auto)biographisch sein mag.



Karl Piepenbrock:
Die Frau des Friedhofgärtners
Books on Demand, 2011

10. September 2011

Günter Waldorf: Schneeglöckchen – Zauber in Weiss

In diesen Wochen ist bereits wieder die Jahreszeit gekommen, in der es heisst, ans nächste Frühjahr und die Frühlingsboten aus Zwiebeln zu denken und diese rechtzeitig in die Erde zu stecken. Bei den Gartenschätzen, von denen hier die Rede ist, sollten Sie sich beim Kauf von Blumenzwiebeln aber in Zurückhaltung üben. Denn mangels äusserer Zwiebelhäute vertrocknen Schneeglöckchenzwiebeln sehr schnell und so sollte den Pflanzen besser erst direkt nach der Blüte ein Standortwechsel zugemutet werden. Diesen Hinweis und viele weitere Pflegetipps erfährt der interessierte Leser im Buch „Schneeglöckchen – Zauber in Weiss“ von Günter Waldorf, einem langjährigen passionierten Galanthus-Sammler und –kenner. Die druckfrische Publikation ist denn auch keine trockene wissenschaftliche Monografie, sondern insbesondere wegen des umfangreichen Bildmaterials für Laien und Fortgeschrittene gleichermassen geeignet.

Das erste Drittel des Buches ist dem Pflanzenaufbau, den verschiedenen Galanthus-Sorten sowie Hinweisen zu Pflege und Vermehrung gewidmet. Im Kapitel „Das Sammeln“ gibt es neben Tipps zum Aufbau einer interessanten Schneeglöckchensammlung, Erläuterungen zum Tausch von Schneeglöckchen und es geht ums Geld, das einen Neuling nämlich nicht immer ans Ziel bringt. In Insiderkreisen - und fast nur dort kommt man mit etwas Glück an die spezielleren Pflanzen - kann man sich schon mal unbeliebt machen, wenn man glaubt, sich mit genügend Geld sämtliche Begehrlichkeiten erfüllen zu können. Denn gewisse spezielle Sorten sind in dieser Szene eben besonderen Menschen vorbehalten und manch einer muss erst einmal beweisen, dass er deren Besitz auch verdient. Des Weiteren erfährt man in der informativen Lektüre, dass der mittlerweile von England auf den Kontinent übergeschwappte Schneeglöckchen-Virus, auch Galantophilie genannt (befällt nur menschliche Wesen), seinen Ursprung im Krimkrieg von 1853 – 1856 hat. Englische Kriegsheimkehrer brachten seinerzeit auch Schneeglöckchen nach Hause und diese stellten alle bis anhin bekannten Galanthus in den Schatten. Die rund 300 Kurzportraits in Wort und Bild schliesslich geben einen Einblick in die schier unglaubliche Sortenvielfalt. Abgerundet wird das Buch durch ein Register und ebenfalls auf den letzten Seiten sind Informationen zu Bezugsquellen und sehenswerten Schneeglöckchen-Sammlungen zu finden.

Wie soll denn Ihr Lieblingsschneeglöckchen aussehen? Bevorzugen Sie blassgrüne Markierungen oder hellgrüne Spitzen? Oder finden Sie verwaschene Blütenfarben und seltsam gedrehtes Laub schön? Vielleicht gefallen Ihnen Blütenblätter mit gehämmerter Struktur oder birnenförmige Blüten besonders gut? Gewisse Schneeglöckchen sind im Buch mit dem Prädikat „nicht aussergewöhnlich“ bezeichnet, finden aber sicher auch ihre Liebhaber. Zuweilen wäre es auch ganz interessant zu erfahren, wie die Schneeglöckchen zu ihren Namen gekommen sind. Nach welcher „Dicken Tante“ und welchem „Dickerchen“ kamen die so benannten Galanthus wohl zu ihren Namen?

Ein Must-Have-Book für alle Schneeglöckchenliebhaber, das sich auch ausgezeichnet als Mitbringsel eignet - für alle, die bereits verzaubert sind oder es noch werden wollen. Zur nächsten Galanthus-Blüte werde ich jedenfalls mal in die Knie gehen und testen, ob meine 0-8-15-Schneeglöckchen tatsächlich nach Honig duften.



Günter Waldorf:
Schneeglöckchen – Zauber in Weiss
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

7. September 2011

Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume

In letzter Zeit bin dermassen häufig auf Berichte über den Bruno-Weber-Skulpturenpark gestossen, dass wir es endlich geschafft haben, während den Schulferien nicht nur an den schon lange geplanten Ausflug zu denken, sondern ihn auch durchzuführen. Vielleicht gerade ein paar Wochen zu früh, da im September 2011 weitere Teile dem Publikum neu zugänglich sein werden…

Oberhalb von Dietikon (in der Nähe von Zürich) lassen sich bei einem Spaziergang einzigartige Fabelwesen und die verschiedensten Sitzgelegenheiten entdecken. Im Laufe von bald fünfzig Jahren hat der mittlerweile 80jährige Künstler seine Werke geschaffen und präsentiert diese auf einem Familiengrundstück mit einer Fläche von rund 20‘000m2. Keine Angst, man kann sich nicht verlaufen. Und falls doch, führen einem einzelne aus der Erde ragende Finger wieder auf den richtigen Weg. Mutige Besucher wagen sich über den Schlangensteg, andere nehmen vielleicht auf dem Monsterstuhl Platz.

Der Skulpturenpark, in dem farbenprächtige Figuren mit Betonskulpturen um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern, ist schon mit dem italienischen Parco dei Mostri di Bomarzo verglichen worden. Der Autodidakt Bruno Weber hat aus Beton, Eisen, Blech und unzähligen farbigen Mosaikstücken mit Unterstützung von Familie, Freunden und Angestellten eine Zauberwelt geschaffen, zu welcher der Ausblick vom Hanggrundstück in einem Weinrebental auf Wohnblöcke, Shoppingcenter und Autobahn einen starken Gegensatz bildet. Der eigenwillige und visionäre Künstler arbeitet nach wie vor an seinem grandiosen Lebenswerk und erfährt nach schwierigen Anfangsjahren inzwischen von verschiedenen Stellen Unterstützung und Anerkennung.

Das Buch „Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume“ gibt einen interessanten Einblick in den Park und dessen Geschichte. Die zahlreichen Fotos sind in verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen worden. Aus Anlass des 80. Geburtstages, den Bruno Weber im April feiern konnte, erscheint in diesen Tagen im Hirmer Verlag die Retrospektive „Bruno Weber – Das künstlerische Lebenswerk“.

Hier der Link zum Skulpturenpark: Bruno-Weber-Skulpturenpark (nicht auf der Startseite stehen bleiben, die Kunstwerke müssen etwas gesucht werden!).



Peter K. Wehrli und Robert Elter:
Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume
Benteli Verlag, 2007

4. September 2011

Paul May: Greenfingers

Kates Eltern planen mit ihren drei Kindern von London weg aufs Land zu ziehen. Hauptgrund für diesen Umzug sind die Schulprobleme von Kate. Das Mädchen ist seit Schuleintritt eine schlechte Schülerin, hat grosse Lernschwierigkeiten und reagiert häufig unbeherrscht und aufbrausend. Wie so oft in letzter Zeit streiten sich Kates Eltern auch während der Besichtigung ihres künftigen Daheims fast ununterbrochen. Das baufällige Objekt ist von einem grossen, völlig verwilderten Garten umgeben. Der Hauskauf ist schnell beschlossene Sache und mit Ausnahme von Kate scheinen alle Familienmitglieder Gefallen an der geplanten Luftveränderung zu finden. Ganz speziell freut sich die Mutter auf einen eigenen Garten.

Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.

Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.



Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002

1. September 2011

Franziska Steinhauer: Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman

Die kürzlich im Spreewald erworbenen frisch gepflanzten riesigen Bäume haben erst wenig Zeit gehabt, ihre Wurzeln im Boden des Branitzer Schlossparks von Fürst Pückler-Muskau auszubreiten, als ein schweres Unwetter durch die Gegend fegt. Ob die Halteseile und Metallanker den Flachwurzlern wohl genügend Halt zu geben vermögen? Beunruhigt schickt der Fürst Tags darauf seine Gärtner aus, um allfällige Sturmschäden festzustellen.

Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.

Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.

Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?

Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.



Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011

29. August 2011

Karlheinz Glaser: Gelbe Rosen tauscht man nicht

Diese Liebesgeschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, der kurz zurückblendet auf ein Ereignis, welches das Leben von Kleopatra völlig auf den Kopf gestellt hat.

Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.

Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.

Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.



Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002