22. März 2012

Margit Schönberger: Eine Blattlaus kommt selten allein

Was hat jemand wohl auf dem gartenrelevanten Kerbholz, der jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er bzw. sie das Lied „Mein Freund, der Baum ist tot“ von Alexandra hört? Margit Schönberger erzählt in den ersten fünf Kapiteln genau darüber und von ihrem zwar kräfteraubenden, aber doch erfreulich blühfreudigen Start ins Gärtnerinnenleben. Dann entdecken plötzlich kriechende Schleimer den bereits reichlich gedeckten Tisch und bedienen sich gütlich an Basilikum und anderem Grünzeug. In der Folge mutiert die Autorin durch diese Gartenplage zur Schneckenforscherin.

In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.

Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.

Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!

Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.



Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012

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