17. Juli 2013

Elizabeth Loupas: Die Blumenleserin

Edinburgh im Jahr 1560: Die siebzehnjährige Rinette von Granmuir lebt seit drei Jahren gegen ihren Willen am königlichen Hof. Sie vermisst das Landleben, das Meer und ganz besonders die Blumen aus ihrer Heimat. Nun liegt ihre Ziehmutter, die Königin Marie de Guise, im Sterben und vertraut ausgerechnet ihr eine Silberschatulle mit Briefen und Prophezeiungen an. Rinette soll diese deren Tochter Maria Stuart übergeben, und zwar genau an dem Tag, an dem diese wieder schottischen Boden betritt. In der Zwischenzeit soll die junge Frau die Schatulle samt Inhalt an einem geheimen von der Königin bestimmten Ort verstecken. Doch bevor Rinette ihr widerwillig gegebenes Versprechen einlösen kann, muss sie Hals über Kopf vom Hof fliehen, da nach dem Tod der Königin ein Streit zwischen verfeindeten Adeligen um Rinette und Granmuir entbrennt.

Erst ein Jahr später kehrt Rinette hochschwanger zusammen mit ihrem Mann Alexander Gordon an den Hof zurück, um die Dose endlich am von der Königin gewünschten Ort zu verstecken und schliesslich der achtzehnjährigen Regentin Marian Stuart zu übergeben. Doch noch am gleichen Tag, gerade als das Ehepaar eben die Schatulle versteckt hat, wird Rinettes Mann und Jugendliebe Alexander ermordet und sie selber stirbt beinahe bei der Geburt ihrer Tochter.

Jedermann scheint hinter der silbernen Dose her zu sein – die Protestanten, die Katholiken und die Hugenotten. Während sich Rinette nur ganz langsam erholt, versuchen verschiedene verfeindete Lager an die Schatulle heranzukommen und die junge Frau muss erfahren, dass ihr eigener Mann die Dose hinter ihrem Rücken zum Verkauf angeboten hat. Schliesslich schliesst Rinette mit der neuen Königin einen Pakt: sobald Maria Stuart ihr Alexanders Mörder präsentiert, übergibt sie im Gegenzug die silberne Schatulle. Ausserdem wird Rinette zu keiner von ihr ungewünschten Hochzeit gezwungen.

Mördersuche ist keine leichte Aufgabe für eine Hofdame, die ständig unter Beobachtung steht. Und wenn als einziger Anhaltspunkt ein Rubin aus der Mordwaffe dient, vereinfacht dies die Sache auch nicht. Wem gehört der Dolch mit dem fehlenden Rubin? Wer hatte einen Nutzen an Alexanders Tod? Und welche Rolle spielt Nicolas de Clerac, der ihr fast wie ein Schatten folgt?

In diesem fiktiven in Ich-Form erzählten Roman um die junge Maria Stuart sucht Rinette immer wieder Rat bei den Blumen und hält grosse Stücke auf ihre geliebten Anemonen. Während von Pflaumenbäumen Zuneigung, Treue und Loyalität ausgeht, erfährt sie von den Menschen Zurückweisung und gerät immer wieder in die Mühlen von geheimnisvollen und heimtückischen Intrigen. Und ausgerechnet in ihrer schwersten und bittersten Zeit versagt ihre Gabe der Blumenkommunikation.  



Elizabeth Loupas: 
Die Blumenleserin 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012

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