25. November 2013

Magnus Florin: Der Garten

„Der Garten“ erzählt gemäss Angaben auf der Umschlagsrückseite (Zitat) „die fiktive Geschichte von Carl von Linneus, der sich in seinem berühmten Garten mit dem Gärtner auseinandersetzt, mit Pflanzen und ihrer Bestimmung, mit Zauberei, einem Uhrmacher, seinen Schülern und einem Verbrechen in der Nachbarschaft“. Dabei korrespondiert der Text immer wieder mit dem Lebenslauf des Botanikers, ist aber keine Biografie sondern (Zitat) „ein Flechtwerk lustvoller Phantasien, die auf kunstvolle Weise den Forscher neu erfinden“.

Diese knapp hundert Seiten umfassende Erzählung ist keine einfache Lektüre, in die man schnell und tief eintauchen kann, sondern sie besteht aus vielen Fragmenten, kurzen Absätzen, deren Zusammenhänge sich dem Leser nicht immer gleich auftun. Ich empfehle, zunächst das Nachwort des Übersetzers Bendedikt Grabinski im Anschluss an die Lektüre zu lesen.

Das Buch zeigt die verschiedenen Facetten des Botanikers, dessen Interesse an Pflanzen bereits in der Kindheit geweckt wurde. Linné sah sich als Auserwählter Gottes, in dessen Auftrag er die Schöpfung zu ordnen und zu benennen hat und er hat dies mit der Einführung der Nomenklatur umgesetzt. Der Charakterkopf möchte seinen Geschwistern den Lebensweg vorschreiben, was aber nicht gut an- und herauskommt. Man lernt den berühmten Mann aber auch kennen, wie er sich mit seinem Freund austauscht, lacht, singt und trinkt.

Laufend tauscht er sich mit seinem Gärtner aus und es ist immer wieder die Rede von Todesfällen unter seinen Jüngern; jungen Männern, die in seinem Auftrag die Welt bereisen, um Pflanzen zu sammeln. Eher kurios ist das Missverständnis rund um den Vorfall der Cochenilleschildläuse, die extra auf Feigenkakteen aus Surinam importiert worden sind. Der Gärtner hat die Sendung in Empfang genommen, die Verunreinigungen entdeckt und in pflichtbewusstem Eifer vernichtet…

Immer wieder werden Linnés Kompetenzen auf die Probe gestellt. Etwa wenn er Pakete mit seltsamen Gewächsen erhält, die er bestimmen soll. Oft handelt es sich dabei um Fälschungen wie die mit Kartoffelkleister zusammengeschusterte Kreation aus Rose, Lilie und Hanf. Doch auch Linné selber bewegt sich in Grauzonen. Er soll selber unter falschem Namen eine positive Rezension für eines seiner Werke in einer Hamburger Zeitschrift veröffentlicht haben und er erzählt seinen Studenten von gefährlichen Exkursionen, die gar nie stattgefunden haben.

Variationen sind unwesentliche Abweichungen und Linnés Studenten ist es verboten, sich mit Abweichungen zu beschäftigen. Schliesslich muss irgendwo eine Grenze gezogen werden zwischen einem festen System und launenhaften Veränderungen. Dichtung oder Wahrheit? Wie oben bereits erwähnt, ist es auch in der Lektüre nicht einfach, die Grenzen nachzuvollziehen.

Dieses Büchlein ist bereits 1995 in der schwedischen Originalsprache erschienen und mit dem höchsten Literaturpreis Schwedens ausgezeichnet worden.  



Magnus Florin: 
Der Garten 
Edition Rugerup

1 Kommentar:

  1. Habe vorher schon einmal von dem Buch gehört,wollte es aber nicht lesen, weil es nicht so interessant klang. Ich werde es mir aber bald kaufen,da es in dieser Beschreibung hier sehr interessant klingt:)

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