Die 64jährige Annemie Hummel führt als Witwe ein bescheidenes und
recht zurückgezogenes Leben. Sie pflegt ihre Marotten und ihre grösste
Freude gehört dem Kuchenbacken. Mit dieser Leidenschaft bessert sie
gleichzeitig als Hochzeitstortenbäckerin ihre Rente auf. Aus jedem Teig
holt sie das Beste heraus und ihre süssen Dekorationen sind legendär.
Doch was hat sie mit ihrem Leben angefangen? Nie hat sie gelernt, ihre
eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und ganz einfach mal
„nein“ zu sagen. Als ihre rund drei Jahrzehnte jüngere Nachbarin Liz
schwer verunfallt, lässt sich Annemie deshalb auch recht rasch
breitschlagen, deren Geschäft „Hochzeitsfieber“ mit Unterstützung vom
Krankenbett aus temporär zu führen.
Während die
temperamentvolle Liz also im Krankenhaus operiert wird und sich in
Geduld üben muss, versucht Annemie, Anflüge von Panikattacken zu
unterdrücken und die Agentur für Hochzeitsplanung einigermassen in den
Griff zu bekommen. Eine ganz besondere Aufgabe stellt die bevorstehende
Vermählung der jungen Juwelierstochter Nina dar. So wird Annemies bis
anhin unaufgeregtes Leben plötzlich spannend und abwechslungsreich. Und
mit ihrer reichen Lebenserfahrung meistert sie (fast) alle beruflichen
und privaten Herausforderungen.
Ein unterhaltsamer
Roman rund um Brautsträusse, drei Frauen und deren wechselnden Ansichten
zum Heiraten und einen Gärtner, der sich völlig vom Rest der Welt
zurückgezogen hat und eher erfolglos versucht, in indigoblauen,
tiefblauen und lapislazuliblauen Hortensien Ersatz für unvergessliche
blaue Augen wiederzufinden, die ihn vor vielen Jahren für immer
verlassen haben. Setzlinge, die er wie kleine Kinder auf das Leben
ausserhalb der Gärtnerei vorbereitet, sind gewissermassen die einzige
Gesellschaft des Einzelgängers. Daneben gibt’s eine Menge
Missverständnisse und einen traumhaft schönen Rosengarten.
Passend
zum zwar bereits wieder etwas länger zurückliegenden Jahresanfang und zu den für Viele
dazu gehörenden Vorsätzen ist dieser Roman ein Aufruf, seine Träume
nicht einzupacken und aufzuschieben, sondern zu versuchen, diese in den
Alltag zu integrieren und Stück für Stück zu verwirklichen.
Astrid Ruppert:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ullstein Verlag, 2012