Für den gärtnernden Krimileser besteht kein Zwang, sich literarisch auf eine Pflanzenfamilie zu beschränken. Rund 45 Kurzkrimis hat Andreas M. Sturm in den drei Anthologien «Giftmorde I, II und III» herausgegeben. Von harmlos über hinterhältig bis bösartig sind diese spannenden Kurzkrimis, von denen nur die wenigsten einen Bezug zur Pflanzenfamilie Ranunculaceae haben. So möchte eine sterbenskranke Frau von ihrer Schwester mit dem Gift aus den schwarzen Wurzeln von Helleborus niger von ihrem unerträglichen Leiden erlöst werden («Lebensort» von Romy Fölck), derweil in «Das gelbe Gericht» von Helmuth Scheel Ingwer durch die toxischen Knollen des gemeinen Buschwindröschens ersetzt werden. Liebe, Rache, Wut und Betrug in Kombination mit Wetten und Eisenhut ergeben in «Das Prickeln» von Martina Arnold eine tödliche Mischung.
Neben den von Autoren erdachten Kriminalfällen gibt es auch solche, die das Leben geschrieben hat. Amy Stewart berichtet in «Gemeine Gewächse» von der fatalen Verwechslung anlässlich eines Festmahls, das 1856 in einem schottischen Dorf stattgefunden hat. Ein Diener hat im Garten statt der verlangten Meerrettichwurzeln solche des Eisenhuts ausgegraben und die Köchin hat diese ahnungslos verarbeitet. Die giftige Zutat verursachte zwei Todesfälle und etliche schwere Erkrankungen. Dass giftige und ungiftige Pflanzen miteinander verwechselt werden, kommt auch heutzutage immer wieder vor. Da bei einigen Gewächsen schon allein die Berührung unerwünschte Folgen wie Taubheit oder Herzprobleme nach sich ziehen kann, hantiert man im Zweifelsfall lieber einmal zu viel mit Handschuhen als einmal zu wenig. Der vorstehend erwähnte Diener jedenfalls muss seine Hände geschützt haben, sonst wäre ja er das Opfer jenes Eisenhuts gewesen und die Anreicherung der Speisen mit Eisenhut-Wurzeln hätte nicht stattgefunden.
Helmut Eisendle beschreibt in «Tod und Flora» 33 Giftpflanzen von der Alraune (Mandragora vernalis) bis zur Zaunrübe (Bryonia alba). Die Portraits enthalten Benennung, Beschreibung, Blütezeit und Fundort, Eigenschaften und Wirkungen, Dosis minimalis/letalis sowie einen Kasus. Die Hahnenfussgewächse sind mit der Buschanemone (Anemone nemorosa) und dem Eisenhut (Aconitum napellus) vertreten. Bevor der Leser sich vom Untertitel «Ein Glossar über die Verwendung von Giftpflanzen für den asthenischen Täter» zu sehr verwirren lässt, sollte er die einleitenden Betrachtungen des Autors und Psychologen Eisendle lesen, in denen es um Verantwortung und Notwendigkeit, Macht und Strafe, Sthenie und Asthenie, Möglichkeit und Erfordernis, Betrachtungen über den Konflikt, Destruktion und Sicherheit, Konflikt und Psyche sowie vier strategische Grundsätze geht. Im Fall «Buschanemone» erzwingt die Assistentin eines Urologen mit Hilfe einer Essenz aus eben dieser Pflanze die ihr längst zustehende Gehaltserhöhung, während sich im Fall «Eisenhut» ein übergewichtiges Mädchen mit Aconitinsaft an ihren nächsten Familienangehörigen für die ständigen Hänseleien rächt.
Auch im englischen Northumberland könnte jemand, der sich eines unliebsamen Zeitgenossen entledigen möchte, auf unschickliche Gedanken kommen. Hier befindet sich der zweitgrösste englische Adelssitz: Alnwick Castle. Dieser hat nicht nur schon wiederholt als Kulisse Harry Potter-Verfilmungen und die Weihnachts-Specials von Downton Abbey gedient, 2001 wurden die neuen Gärten eröffnet. Ein Teil befindet sich hinter schwarzen Gittern und einem hohen Zaun: ein Giftgarten mit über 100 gefährlichen Pflanzen. Aus Sicherheitsgründen darf der Besucher nur in Begleitung eines kundigen Führers eintreten, der viel über die Pflanzen und ihre Wirkung zu erzählen weiss. Der Giftgarten fungierte übrigens ebenfalls schon als Grundlage, und zwar für die Buchreihe "Poison Diaries".
Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Liste der in der fünfteiligen Serie aufgeführten Bücher:
Eva Almstädt:
Blaues Gift
Bastei Lübbe, 2007
Agatha Christie:
16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple
Diverse Ausgaben
Kate Collins:
Sleeping with Anemone
Diverse Ausgaben
Alfred Döblin:
Die Ermordung einer Butterblume
Diverse Ausgaben
Maria Dries:
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel
Aufbau Taschenbuch, 2015
Helmut Eisendle:
Tod und Flora
Jung und Jung, 2009
Annette Haaland:
Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen
Ullstein Buchverlag, 2016
Edwin Haberfellner:
Tod im Salzkammergut
Emons Verlag, 2016
Helena Kleiker:
Tatort San Diego – Späte Rache
Pro Business GmbH, 2016
Ernest Nyborg:
Essenz des Todes
Eigenverlag, 2014
Peter Oberdorfer:
Schweres Gift – Ein Wien-Krimi
Aufbau Verlag, 2015
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
Ricarda Schünadel:
Eisenhut
Books on Demand, 2010
Amy Stewart:
Gemeine Gewächse – Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern
Berlin Verlag, 2011
Andreas M. Sturm (Hrsg.):
Giftmorde I, Giftmorde II, Giftmorde III
fhl Verlag, 2015 bzw. 2016
Angela Temming:
Ranunkeln ganz in weiss – Kurzkrimi
E-Book oder Podcast/Audio-Datei
23. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 4/5)
In «Blaues Gift» lässt Eva Almstädt nicht nur einen Hobbygärtner an der Ostsee den Blauen Eisenhut in seinem Gartenbeet umsetzen, damit er zur Blütezeit perfekt mit dem Geissbart kontrastiert, schon wenige Seiten später hat das Hahnenfussgewächs seinen nächsten Auftritt und das titelgebende Toxikum aus dem Gift der Wurzelstöcke wird für hinterhältige, tödliche Zwecke missbraucht.
Auch Peter Oberdorfers Mörder in seinem Wien-Krimi «Schweres Gift» setzt auf die letale Wirkung von Aconitin. Inspiriert dazu hat ihn, wie ich aus der Lektüre schliesse, wohl James Joyce, der es ihm schon vor fast hundert Jahren in Ulysses vorgemacht hat.
Edwin Haberfellner seinerseits lässt den deutschen Honorarkonsul in China am Hallstätter Beinhaus tot zusammenbrechen. Der pathologische Bericht belegt, dass das Opfer gleich mit zwei Substanzen vergiftet worden ist – einerseits mit Aconitin, anderseits mit Polonium 210. Letzteres hat zwar seine zerstörerische Wirkung über mehrere Wochen entfaltet, die Strahlenerkrankung war aber im Gegensatz zum Pflanzengift (noch) nicht tödlich. Hatte es der Mörder plötzlich eilig oder wollte er die Leidenszeit seines Opfers verkürzen? Der Kriminalroman «Tod im Salzkammergut» ist in Oberösterreich angesiedelt, wo sich der Blaue Eisenhut auf Wiesen und am Waldrand finden lässt. Der junge Leibwächter, der für den Personenschutz des ermordeten Honorarkonsuls verantwortlich war, erinnert sich denn auch gut daran, dass die im Volksmund auch Blauer Sturmhut oder Mönchskappe genannte Zierpflanze im grossmütterlichen Garten geblüht hat, doch sein Grübeln darüber, wie sein Schützling trotz pausenloser Überwachung vor seinen Augen vergiftet werden konnte, führt zunächst zu keinem Ergebnis.
Pastorin Viveka (Annette Haaland - Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen) macht gerade eine Sinnkrise durch. Sie hat genug von ermüdenden Diskussionen über undichte Kirchendächer und davon, immer nett sein zu müssen. Ihre Aufmüpfigkeit zeigt sie nicht nach aussen, sondern diese erschöpft sich bisher im Tragen von T-Shirts mit speziellen Aufdrucken, wie etwa «Sterbehilfe legalisieren». Diese werden wohlverstanden unter der Pastorinnenbluse getragen.
Da verstirbt ein Mitglied aus dem Kreis ihrer Freikirche aufgrund einer unnatürlichen Todesursache. Eine 83jährige Frau ist mit Aconitin vergiftet worden. Nach einem zweiten mysteriösen Todesfall kaum vierzehn Tage später, bekundet selbst Viveka Mühe, Gottvertrauen aufzubringen. Und plötzlich leuchtet ihr das Blau des Eisenhuts aus immer mehr Gärten in der Umgebung entgegen. Und weshalb stehen auf dem Lyrikregal des lokalen Buchhändlers verdächtig viele Bücher über Eisenhut? Nicht erst als der Papagei der Schrebergartennachbarn plötzlich über einen Eisenhut-Club plaudert, ist sie richtig froh, dass sie ihre Familie in die Ferien geschickt hat. Die Beweggründe für die seinerzeitige Club-Gründung erweisen sich schliesslich als recht profan und es zeigt sich, dass nicht immer ein Mord vorliegt, wenn Eisenhut im Spiel ist. Falls der adstringierende Effekt des Aconitins zur äusserlichen Schmerzlinderung falsch angewendet wird, können auch diese Folgen tödlich sein.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Der fünfte und letzte Teil des Artikels folgt in einer Woche.
Auch Peter Oberdorfers Mörder in seinem Wien-Krimi «Schweres Gift» setzt auf die letale Wirkung von Aconitin. Inspiriert dazu hat ihn, wie ich aus der Lektüre schliesse, wohl James Joyce, der es ihm schon vor fast hundert Jahren in Ulysses vorgemacht hat.
Edwin Haberfellner seinerseits lässt den deutschen Honorarkonsul in China am Hallstätter Beinhaus tot zusammenbrechen. Der pathologische Bericht belegt, dass das Opfer gleich mit zwei Substanzen vergiftet worden ist – einerseits mit Aconitin, anderseits mit Polonium 210. Letzteres hat zwar seine zerstörerische Wirkung über mehrere Wochen entfaltet, die Strahlenerkrankung war aber im Gegensatz zum Pflanzengift (noch) nicht tödlich. Hatte es der Mörder plötzlich eilig oder wollte er die Leidenszeit seines Opfers verkürzen? Der Kriminalroman «Tod im Salzkammergut» ist in Oberösterreich angesiedelt, wo sich der Blaue Eisenhut auf Wiesen und am Waldrand finden lässt. Der junge Leibwächter, der für den Personenschutz des ermordeten Honorarkonsuls verantwortlich war, erinnert sich denn auch gut daran, dass die im Volksmund auch Blauer Sturmhut oder Mönchskappe genannte Zierpflanze im grossmütterlichen Garten geblüht hat, doch sein Grübeln darüber, wie sein Schützling trotz pausenloser Überwachung vor seinen Augen vergiftet werden konnte, führt zunächst zu keinem Ergebnis.
Pastorin Viveka (Annette Haaland - Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen) macht gerade eine Sinnkrise durch. Sie hat genug von ermüdenden Diskussionen über undichte Kirchendächer und davon, immer nett sein zu müssen. Ihre Aufmüpfigkeit zeigt sie nicht nach aussen, sondern diese erschöpft sich bisher im Tragen von T-Shirts mit speziellen Aufdrucken, wie etwa «Sterbehilfe legalisieren». Diese werden wohlverstanden unter der Pastorinnenbluse getragen.
Da verstirbt ein Mitglied aus dem Kreis ihrer Freikirche aufgrund einer unnatürlichen Todesursache. Eine 83jährige Frau ist mit Aconitin vergiftet worden. Nach einem zweiten mysteriösen Todesfall kaum vierzehn Tage später, bekundet selbst Viveka Mühe, Gottvertrauen aufzubringen. Und plötzlich leuchtet ihr das Blau des Eisenhuts aus immer mehr Gärten in der Umgebung entgegen. Und weshalb stehen auf dem Lyrikregal des lokalen Buchhändlers verdächtig viele Bücher über Eisenhut? Nicht erst als der Papagei der Schrebergartennachbarn plötzlich über einen Eisenhut-Club plaudert, ist sie richtig froh, dass sie ihre Familie in die Ferien geschickt hat. Die Beweggründe für die seinerzeitige Club-Gründung erweisen sich schliesslich als recht profan und es zeigt sich, dass nicht immer ein Mord vorliegt, wenn Eisenhut im Spiel ist. Falls der adstringierende Effekt des Aconitins zur äusserlichen Schmerzlinderung falsch angewendet wird, können auch diese Folgen tödlich sein.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Der fünfte und letzte Teil des Artikels folgt in einer Woche.
16. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 3/5)
Kate Collins hat mittlerweile achtzehn (Stand 2017, aktuell sind es deren 21) Flowershop-Mysteries verfasst und Band Nummer neun trägt den Titel «Sleeping with Anemone». In diesem stellt die Blumenladen-Besitzerin Abby Knight drei Wochen nach einer bezahlten Anemonen-Bestellung beim Grosshändler fest, dass diese Lieferung nie eingetroffen ist. Und damit steckt sie, als sie darüber Nachforschungen anzustellen beginnt, bereits mitten in einem neuen Fall mit (Beinahe-)Entführungen und dem zu lösenden Rätsel, wie im kalten Februar Anemonenblüten an Schuhen hängen bleiben können. Rezensenten sagen Abby Knight Parallelen zu Agatha Christies Miss Marple nach. Mir selber fehlen diese Qualitäten. Deshalb habe ich auch nicht abschliessend herausgefunden, welche Blumen genau mit den Anemonen gemeint sind.
Die Stichwortsuche mit «Krimi», «Aconitum» und «Gift» im Internet als verhältnismässig erfolgreich entpuppt, gibt es doch verschiedene Bücher, in denen Eisenhut (Aconitum napellus) eine Rolle spielt.
Ricarda Schünadel hat im Eigenverlag gleich achtzehn Kurzgeschichten rund um Aconitum napellus unter dem Titel «Eisenhut» veröffentlicht. Stellvertretend für diese Erzählungen mit Überschriften wie «Moorleichen», «Giftgeil» und «Hastig essen ist ungesund» soll hier «Tödliche Blumenliebe» erwähnt werden, ein Beispiel für missglücktes Multitasking. Beim gleichzeitigen Kaffeetrinken und Zusammenstellen eines Strausses mit Cosmeen, Malven, Phlox und Eisenhut vergiftet sich nämlich eine Frau versehentlich selber, weil von ihr unbemerkt Samen in die das heisse Getränk fallen. Die Konsequenzen sind nicht nur für sie fatal, sondern auch für ihren in dieser Sache für einmal unschuldigen Mann.
Und hier möchte ich gleich nochmals auf Agatha Christie zurückkommen, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte, die ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke während dem 1. Weltkrieg in ihrem umfangreichen Werk schriftstellerisch verarbeitet hat. Dieses hat auch Jahrzehnte, nachdem es verfasst worden ist, nichts von seinem Reiz eingebüsst. In «16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple» wird immer wieder etwas gegärtnert und die Pflanzenwelt erwähnt, aufgrund ihres Alters hat der Arzt Miss Marple aber sämtliche Gartenarbeit strikt verboten. Das hält sie aber natürlich in keiner Weise davon ab, ihre Nase in die Aufklärung vermeintlicher oder tatsächlicher Morde zu stecken. Schliesslich stellt sich heraus, dass eines der Verbrechen mit Aconitin begangen worden ist. Doch soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – der Giftmord wird nur mit wenigen Worten überhaupt erwähnt. Es gibt weder eine Beschreibung der Symptome und der Wirkung, noch wird dieses Mordopfer gross vermisst, geschweige denn betrauert.
Grundverschieden lesen sich im Krimi «Tatort San Diego – Späte Rache» von Helena Kleiker die Zeilen, in denen die typischen Charakteristiken einer Eisenhutvergiftung beschrieben werden. Diese sind ausserordentlich detailliert und beruhen genau wie die Tatausführung auf dem Fachwissen der Autorin, einer praktizierenden Ärztin, welche die von ihr verfassten Bücher selber als ruhige Krimis beschreibt, die eher subtil als blutig oder brutal sind. Ebenso eingehend werden Vorsichtsmassnahmen und die verschiedenen Stadien der Erkrankung im Umfeld einer Kosmetikfirma geschildert. Die Vorbereitungen zum 50-Jahr-Jubiläum dieses von zwei Schwestern geleiteten Unternehmens werden von gleich mehreren Verbrechen überschattet. Am Anfang stehen anonyme Drohungen, dann folgen zwei Entführungen und ein heimtückischer Giftmordanschlag.
Während einer morgendlichen Joggingrunde mit zwei Freundinnen fühlt sich eine der Chefinnen ganz plötzlich unwohl. Bei angenehmen Temperaturen friert sie und klappert mit den Zähnen, derweilen ihr gleichzeitig der Schweiss in Strömen übers Gesicht läuft. Hinzu kommen Übelkeit, Ohrensausen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Mund, Fingern und Zehen und damit einhergehend eine stark eingeschränkte Motorik. Das Opfer hat insofern Glück im Unglück, als sie in Begleitung der «richtigen» Personen Sport treibt, als sich diese starken Krankheitsmerkmale abzeichnen. Bei ihren Kolleginnen handelt es sich nämlich um eine Ärztin und eine Toxikologin. Letztere vermutet aufgrund der jäh aufgetretenen Symptome eine Vergiftung, die mit der von einer unbekannten, vermummten Person provozierten Rempelei auf der eben zurückgelegten Rennstrecke zusammenhängen muss. Dieser Fakt erhärtet denn auch den Verdacht, dass nicht Digitalis oder Atropin, sondern Aconitin die Ursache für die vorliegenden Symptome sein muss. Denn nur das Gift des Eisenhuts wirkt bereits durch blossen Hautkontakt mit den Blättern, Blüten oder Knollen der Pflanze.
Neben Aconitin sind auch andere Giftpflanzen Thema in diesem Krimi. So wird etwa in Südamerika nach Gewächsen mit bestimmten Inhaltsstoffen geforscht. Und auch hier gibt es bei einem weiteren Mordanschlag eine Verbindung zu Kaffee. Diesmal zwar nicht direkt zum koffeinhaltigen Getränk selber, aber eine Kaffeemaschine wird für die Verkleinerung von giftigen Samen zweckentfremdet.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 4 des Artikels folgt in einer Woche.
Die Stichwortsuche mit «Krimi», «Aconitum» und «Gift» im Internet als verhältnismässig erfolgreich entpuppt, gibt es doch verschiedene Bücher, in denen Eisenhut (Aconitum napellus) eine Rolle spielt.
Ricarda Schünadel hat im Eigenverlag gleich achtzehn Kurzgeschichten rund um Aconitum napellus unter dem Titel «Eisenhut» veröffentlicht. Stellvertretend für diese Erzählungen mit Überschriften wie «Moorleichen», «Giftgeil» und «Hastig essen ist ungesund» soll hier «Tödliche Blumenliebe» erwähnt werden, ein Beispiel für missglücktes Multitasking. Beim gleichzeitigen Kaffeetrinken und Zusammenstellen eines Strausses mit Cosmeen, Malven, Phlox und Eisenhut vergiftet sich nämlich eine Frau versehentlich selber, weil von ihr unbemerkt Samen in die das heisse Getränk fallen. Die Konsequenzen sind nicht nur für sie fatal, sondern auch für ihren in dieser Sache für einmal unschuldigen Mann.
Und hier möchte ich gleich nochmals auf Agatha Christie zurückkommen, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte, die ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke während dem 1. Weltkrieg in ihrem umfangreichen Werk schriftstellerisch verarbeitet hat. Dieses hat auch Jahrzehnte, nachdem es verfasst worden ist, nichts von seinem Reiz eingebüsst. In «16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple» wird immer wieder etwas gegärtnert und die Pflanzenwelt erwähnt, aufgrund ihres Alters hat der Arzt Miss Marple aber sämtliche Gartenarbeit strikt verboten. Das hält sie aber natürlich in keiner Weise davon ab, ihre Nase in die Aufklärung vermeintlicher oder tatsächlicher Morde zu stecken. Schliesslich stellt sich heraus, dass eines der Verbrechen mit Aconitin begangen worden ist. Doch soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – der Giftmord wird nur mit wenigen Worten überhaupt erwähnt. Es gibt weder eine Beschreibung der Symptome und der Wirkung, noch wird dieses Mordopfer gross vermisst, geschweige denn betrauert.
Grundverschieden lesen sich im Krimi «Tatort San Diego – Späte Rache» von Helena Kleiker die Zeilen, in denen die typischen Charakteristiken einer Eisenhutvergiftung beschrieben werden. Diese sind ausserordentlich detailliert und beruhen genau wie die Tatausführung auf dem Fachwissen der Autorin, einer praktizierenden Ärztin, welche die von ihr verfassten Bücher selber als ruhige Krimis beschreibt, die eher subtil als blutig oder brutal sind. Ebenso eingehend werden Vorsichtsmassnahmen und die verschiedenen Stadien der Erkrankung im Umfeld einer Kosmetikfirma geschildert. Die Vorbereitungen zum 50-Jahr-Jubiläum dieses von zwei Schwestern geleiteten Unternehmens werden von gleich mehreren Verbrechen überschattet. Am Anfang stehen anonyme Drohungen, dann folgen zwei Entführungen und ein heimtückischer Giftmordanschlag.
Während einer morgendlichen Joggingrunde mit zwei Freundinnen fühlt sich eine der Chefinnen ganz plötzlich unwohl. Bei angenehmen Temperaturen friert sie und klappert mit den Zähnen, derweilen ihr gleichzeitig der Schweiss in Strömen übers Gesicht läuft. Hinzu kommen Übelkeit, Ohrensausen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Mund, Fingern und Zehen und damit einhergehend eine stark eingeschränkte Motorik. Das Opfer hat insofern Glück im Unglück, als sie in Begleitung der «richtigen» Personen Sport treibt, als sich diese starken Krankheitsmerkmale abzeichnen. Bei ihren Kolleginnen handelt es sich nämlich um eine Ärztin und eine Toxikologin. Letztere vermutet aufgrund der jäh aufgetretenen Symptome eine Vergiftung, die mit der von einer unbekannten, vermummten Person provozierten Rempelei auf der eben zurückgelegten Rennstrecke zusammenhängen muss. Dieser Fakt erhärtet denn auch den Verdacht, dass nicht Digitalis oder Atropin, sondern Aconitin die Ursache für die vorliegenden Symptome sein muss. Denn nur das Gift des Eisenhuts wirkt bereits durch blossen Hautkontakt mit den Blättern, Blüten oder Knollen der Pflanze.
Neben Aconitin sind auch andere Giftpflanzen Thema in diesem Krimi. So wird etwa in Südamerika nach Gewächsen mit bestimmten Inhaltsstoffen geforscht. Und auch hier gibt es bei einem weiteren Mordanschlag eine Verbindung zu Kaffee. Diesmal zwar nicht direkt zum koffeinhaltigen Getränk selber, aber eine Kaffeemaschine wird für die Verkleinerung von giftigen Samen zweckentfremdet.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 4 des Artikels folgt in einer Woche.
9. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 2/5)
Ein bekannter Vertreter der weltweit verbreiteten Hahnenfussgewächse ist die Christrose Helleborus niger. Die krautige immergrüne Pflanze mit schwarzem Rhizom spielt im englischen Gartenkrimi «Dying for the Christmas Rose» von Carole Ottesen eine omnipräsente Rolle:
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.
Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.
Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.
Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.
Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.
Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.
Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.
Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.
Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.
Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.
Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.
2. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 1/5)
Anfang 2017 habe ich für einen Beitrag in Band 2 des Jahrbuchs «Ranunculaceae» der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde mein Interesse auf Gartenkrimis fokussiert, in denen Hahnenfussgewächse als „Tatwaffe“ eingesetzt werden. Keine leichte Suche.
Den damaligen Artikel habe ich nun in fünf Posts aufgeteilt, von denen der erste nachstehend eingefügt ist. Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Seit rund acht Jahren (2017 geschrieben!) führe ich in meinem privaten Gartenbuchblog «Die Sofagärtnerin» unter dem Motto «über Gartenbücher und über Gärten und Gärtner in Büchern» eine Art Lesetagebuch. Die nicht repräsentative, persönliche Auswahl ist in Kategorien wie «Biografien», «Kolumnen und Essays», «Gärten im Film», «Periodika», «Pflanzenjäger» oder «Gartenkrimis» gegliedert.
Schon vor meiner Bloggerzeit habe ich mich in einschlägigen Internetforen mit Gleichgesinnten über grünes Lesefutter ausgetauscht und dort „Gardening Mysteries“ vorgestellt, auf die ich meistens via Leseempfehlungen auf Webseiten von amerikanischen Bibliotheken gestossen bin. Dannzumal hat sich unter den Mit-Schreiberlingen aus der freien deutschen Übersetzung der Begriff „Gartenkrimi“ etabliert, der Ausdruck kann aber natürlich auch schon früher verwendet worden sein.
Was ist denn ein Gartenkrimi? In den letzten Jahren sind vermehrt Verlage dazu übergegangen, Titel unter dieser Phrase zu vermarkten. Die Inhalte sind dabei gänzlich verschieden. Spielt sich in einem Fall der Mord im Schrebergartenmillieu ab oder ist mit dem Garten als Tatort das botanische Element bereits abgehakt, so wird in anderen Gartenkrimis tatsächlich gepflanzt, gejätet, gegossen oder eben auch mal mit Gartenwerkzeug oder mit Giftpflanzen gemordet.
Üblicherweise bin ich nicht sehr wählerisch betreffend diese Kriterien, doch in diesem Artikel soll es ausschliesslich um Pflanzen der Hahnenfussgewächse gehen. Eine gar nicht so einfache Vorgabe, wie ich recht schnell herausgefunden habe. Einerseits habe ich Bücher bisher nicht fokussiert auf Ranunculaceae gelesen und im Blog vorgestellt, anderseits legen Krimiautoren und/oder deren Verlage meist nicht oberste Priorität Wert auf korrekte botanische Bezeichnungen. Unterschiedliche volkstümliche Bezeichnungen sind diesbezüglich ebenso wenig eine Erleichterung, wie der Vorrang der dichterischen Freiheit zugunsten einer stimmigen Handlung. Wenn also von Butterblume, englisch buttercups, oder Schwarzem Hahnenfuss die Rede ist, weiss der gemeine Leser, die Leserin nicht mit Bestimmtheit, in welche Pflanzenfamilie das Gewächs gehört und meistens wird es ihn wohl auch gar nicht interessieren.
Oberflächliches Googeln mit den Stichworten «Hahnenfussgewächse» und «Literatur» führt zu Alfred Döblins Kurzgeschichte «Die Ermordung einer Butterblume». Gedankenlos köpft hier ein schwarz gekleideter Herr mit seinem Spazierstock eine Butterblume, worauf nicht rotes Blut, sondern weisser Schleim fliesst. Die unbesonnene Handlung löst ein merkwürdiges Schuldverhältnis aus. So bekommt das Blumenopfer posthum einen Namen und Butterblumen werden zum Lieblingsessen erklärt. Des Weiteren wird eine Ersatz-Butterblume in einen goldprunkenen Porzellantopf gepflanzt und im Schlafzimmer platziert.
Die Neurose gipfelt schliesslich in der Eröffnung eines Kontos für die gemeuchelte gelb blühende Kleinstaude.
Der Begriff «Butterblume» wird für zwei unterschiedliche Pflanzen verwendet, nämlich für den Löwenzahn und den Scharfen Hahnenfuss. Der erwähnte weisse Schleim spricht hier wohl eher für den Löwenzahn. Sieht man sich aber die Buchcovers der verschiedenen Ausgaben dieser 1910 erstmals publizierten Kurzgeschichte an, sind sich die Verlage und Illustratoren nicht einig – es lassen sich sowohl Zeichnungen von Löwenzahn als auch von Scharfem Hahnenfuss finden.
Teil 2 des Artikels folgt in einer Woche.
Den damaligen Artikel habe ich nun in fünf Posts aufgeteilt, von denen der erste nachstehend eingefügt ist. Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Seit rund acht Jahren (2017 geschrieben!) führe ich in meinem privaten Gartenbuchblog «Die Sofagärtnerin» unter dem Motto «über Gartenbücher und über Gärten und Gärtner in Büchern» eine Art Lesetagebuch. Die nicht repräsentative, persönliche Auswahl ist in Kategorien wie «Biografien», «Kolumnen und Essays», «Gärten im Film», «Periodika», «Pflanzenjäger» oder «Gartenkrimis» gegliedert.
Schon vor meiner Bloggerzeit habe ich mich in einschlägigen Internetforen mit Gleichgesinnten über grünes Lesefutter ausgetauscht und dort „Gardening Mysteries“ vorgestellt, auf die ich meistens via Leseempfehlungen auf Webseiten von amerikanischen Bibliotheken gestossen bin. Dannzumal hat sich unter den Mit-Schreiberlingen aus der freien deutschen Übersetzung der Begriff „Gartenkrimi“ etabliert, der Ausdruck kann aber natürlich auch schon früher verwendet worden sein.
Was ist denn ein Gartenkrimi? In den letzten Jahren sind vermehrt Verlage dazu übergegangen, Titel unter dieser Phrase zu vermarkten. Die Inhalte sind dabei gänzlich verschieden. Spielt sich in einem Fall der Mord im Schrebergartenmillieu ab oder ist mit dem Garten als Tatort das botanische Element bereits abgehakt, so wird in anderen Gartenkrimis tatsächlich gepflanzt, gejätet, gegossen oder eben auch mal mit Gartenwerkzeug oder mit Giftpflanzen gemordet.
Üblicherweise bin ich nicht sehr wählerisch betreffend diese Kriterien, doch in diesem Artikel soll es ausschliesslich um Pflanzen der Hahnenfussgewächse gehen. Eine gar nicht so einfache Vorgabe, wie ich recht schnell herausgefunden habe. Einerseits habe ich Bücher bisher nicht fokussiert auf Ranunculaceae gelesen und im Blog vorgestellt, anderseits legen Krimiautoren und/oder deren Verlage meist nicht oberste Priorität Wert auf korrekte botanische Bezeichnungen. Unterschiedliche volkstümliche Bezeichnungen sind diesbezüglich ebenso wenig eine Erleichterung, wie der Vorrang der dichterischen Freiheit zugunsten einer stimmigen Handlung. Wenn also von Butterblume, englisch buttercups, oder Schwarzem Hahnenfuss die Rede ist, weiss der gemeine Leser, die Leserin nicht mit Bestimmtheit, in welche Pflanzenfamilie das Gewächs gehört und meistens wird es ihn wohl auch gar nicht interessieren.
Oberflächliches Googeln mit den Stichworten «Hahnenfussgewächse» und «Literatur» führt zu Alfred Döblins Kurzgeschichte «Die Ermordung einer Butterblume». Gedankenlos köpft hier ein schwarz gekleideter Herr mit seinem Spazierstock eine Butterblume, worauf nicht rotes Blut, sondern weisser Schleim fliesst. Die unbesonnene Handlung löst ein merkwürdiges Schuldverhältnis aus. So bekommt das Blumenopfer posthum einen Namen und Butterblumen werden zum Lieblingsessen erklärt. Des Weiteren wird eine Ersatz-Butterblume in einen goldprunkenen Porzellantopf gepflanzt und im Schlafzimmer platziert.
Die Neurose gipfelt schliesslich in der Eröffnung eines Kontos für die gemeuchelte gelb blühende Kleinstaude.
Der Begriff «Butterblume» wird für zwei unterschiedliche Pflanzen verwendet, nämlich für den Löwenzahn und den Scharfen Hahnenfuss. Der erwähnte weisse Schleim spricht hier wohl eher für den Löwenzahn. Sieht man sich aber die Buchcovers der verschiedenen Ausgaben dieser 1910 erstmals publizierten Kurzgeschichte an, sind sich die Verlage und Illustratoren nicht einig – es lassen sich sowohl Zeichnungen von Löwenzahn als auch von Scharfem Hahnenfuss finden.
Teil 2 des Artikels folgt in einer Woche.