4. Juni 2010

Zwiegespräche mit Zimmerpflanze

Die 34jährige Sophie, eine gelernte Fotografin mit einem Flair für handwerkliche Berufe, ist arbeitslos und schlägt sich seit Jahren mit Gelegenheitsjobs durch. Zusammen mit den beiden sympathischen, aufgeschlossenen und zu bereits etwas älteren Semestern zählenden Frauen Hedi und Lotti bildet sie eine WG. An der Hochzeit ihres Bruders Markus lernt Sophie den ebenfalls stellenlosen Tom kennen und glaubt schon sehr bald, ihren Traummann gefunden zu haben.

Sophie, die in ihrer Familie den Übernamen „Fräulein Münchhausen“ trägt, nimmt es schon beim ersten Treffen mit Tom mit der Wahrheit wieder einmal nicht so genau. Ihr neuer Bekannter hingegen scheint nahezu perfekt zu sein und kann Lügen nicht ausstehen. So sind die Probleme schon vor dem ersten Kuss vorprogrammiert.

Die Begegnung mit Tom veranlasst Sophie, endlich ihr Leben zu ordnen. Ihre beiden Wohnpartnerinnen unterstützen sie nach Kräften dabei, ihre Träume zu verwirklichen und Sophie entscheidet sich, ihr handwerkliches Geschick beruflich nutzen zu wollen. Ganz einfach ist der Weg in die Selbständigkeit dann nicht und weitere Schwierigkeiten wie Liebeskummer, die zunehmende Vergesslichkeit von Lotti, Eheprobleme des Bruders und Missverständnisse mit der besten Freundin sind weitere Hürden, die es zu meistern gilt.

Hilfe und Unterstützung findet Sophie in Zwiegesprächen mit ihrer Zimmerpflanze, genannt Miss Hepburn. Sie hat den Topf ein paar Monate zuvor vor der Müllverbrennung gerettet. Der Leser erfährt nie, um was für eine Pflanze es sich genau handelt (oder ich habe nicht genau gelesen!). Jedenfalls bewohnt Miss Hepburn einen bauchigen Topf, neigt ihre fleischigen Blätter Richtung Boden und wird im Laufe des Romans immer praller.

Der Schluss der Geschichte ist etwas abrupt und lässt etliche Fragen offen. Die Leserin hätte es interessiert, wie die (Fern-)Beziehung mit Tom klappt und wie die Heimwerkerschule „Sophies Werkzeugkasten“ anläuft. Vielleicht deuten diese Zeichen auf eine geplante Fortsetzung? Falls eine solche in Vorbereitung ist oder eine Nachauflage dieses Buches – der erwähnte italienische Fussballclub heisst übrigens Juventus Turin!



Silke Schütze:
Als Tom mir den Mond vom Himmel holte
Knaur Verlag, 2008

31. Mai 2010

Giftiger Garten

Im Garten der 44jährigen Dorelia Jones wachsen Giftpflanzen um die Wette. Und die Blumen blühen nicht nur ihrer Schönheit wegen, sondern die Gärtnerin braut daraus die verschiedenste Tränke. Auch der Verstand der Frau ist gewissermassen vergiftet und durchdringende Bosheit spiegelt sich in den meisten ihrer Handlungen wieder.

Dorelia ist eine Albino-Hexe und wohnt im Haus ihrer schwer kranken Mutter, die im Spital liegt und deren Übersiedlung in eine Pflegeresidenz geplant ist. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist seit Dorelias Kindertagen tief gestört und verkorkst. Die Mutter beschuldigt ihre Tochter offen, sie vergiften zu wollen und hat sie deshalb enterbt. Um die Pflegekosten zu bezahlen, will die Mutter ihr Haus rasch möglichst verkaufen und Dorelia benötigt darum dringend ein neues daheim. Sie kann kurzfristig bei ihrem Nachbarn Gilbert unterkommen.

Kurz darauf stirbt die Mutter tatsächlich. Doch der Hausverkauf wurde nur Stunden vorher definitiv besiegelt. Dorelia hat nun ihre Mutter verloren und der Grossteil der Erbmasse geht an den Pfarrer, so dass die Giftpflanzenmischerin praktisch leer ausgeht. Daraufhin blutet Dorelia wie ein Parasit den gutmütigen Gilbert aus, der viel zu spät erkennt, was für ein Spiel mit ihm getrieben wird.

Um an diesem Buch – gemäss Umschlag „A Gothic Fantasy“ – Gefallen zu finden, sollten Sie über ein gesundes Nervengerüst verfügen und ein Flair für Übersinnliches aufweisen.



Valentine Williams:
The Poison Garden of Dorelia Jones
BeWrite Books, 2009

28. Mai 2010

Gärtner unter Verdacht

Ob Sie etwas zu verbergen haben oder auch nicht - falls Sie jemals den Spellmans begegnen sollten, seien Sie auf der Hut! Wichtiges und weniger wichtiges wird lückenlos aufgezeichnet. Die Familie betreibt nämlich eine Privatdetektei und beim Schnüffeln und Beschatten sind die Mitglieder nahezu unübertrefflich.

Als ins Nachbarhaus ein überaus attraktiver Mann einzieht, weckt dessen Gartenleidenschaft und insbesondere sein ständiges Graben im Garten das Misstrauen von Isabel Spellman, genannt Izzy. Je länger diese den Nachbarn beobachtet, desto stärker ist sie der Ansicht, dass der Landschaftsgestalter etwas zu verbergen hat, und sie häuft Beweise und Indizien an, um endlich feststellen zu können, was er auf dem Kerbholz hat.

Vier Verhaftungen später (von Izzy beschönigend als „Betriebsunfälle“ bezeichnet), ist sie mit ihren Ermittlungen in diesem „Fall“ keinen Schritt weitergekommen. Aber auch die anderen Familienmitglieder überschreiten regelmässig die Grenzen der Legalität und ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich auch gegenseitig ausspionieren.

Der verdächtige Gärtner wird auf Schritt und Tritt verfolgt, und Izzy überwindet sich sogar einmal, selber im Nachbarsgarten tätig zu werden. Dabei gedeihen aber ihre Ungeduld und ihr Argwohn besser als die Tomatensträucher. Diese Gartenaktivitäten bedeuten auch nicht, dass gärtnern und Gärten eine grosse Rolle im Roman spielen. Der ziemlich verschrobene Charakter bzw. die Charaktermängel machen den Charme von Izzy aus und die frechen, schrägen Dialoge das Buch für Anhänger von Bridget Jones zu einem Lesevergnügen (mit einem überraschenden Ende).



Lisa Lutz:
Die Spy-Girls – Familie Spellman ermittelt
Gutstav Kiepenheuer (Aufbau Verlag), 2009


PS: Ich habe es natürlich nicht bleiben lassen können ...

24. Mai 2010

Gesucht wird …

Auf Umwegen habe ich erfahren, dass mein Blog letzthin in einer deutschen Gartenzeitschrift erwähnt worden ist. Leider habe ich diesen Hinweis verpasst. Wenn einer sich in so viele Bücher vergräbt wie die Sofagärtnerin, kann er ja unmöglich auch noch sämtliche anderen monatlichen und vierteljährlich erscheinenden Medien genauestens studieren! Letzthin habe ich in der Beilage der Sonntags Zeitung zur Giardina Zürich zwar den Artikel über geplante Gartensendungen im Schweizer Fernsehen gelesen, die Spalte direkt nebenan mit einer kleiner Information zum Sofagarten habe ich aber übersehen.

Aber zurück zu meinem „Hilferuf“. Leider kann sich die Leserin, die mir über die „vermisste“ Meldung geschrieben hat, nicht mehr genau erinnern, in welchem Printmedium sie über „Die Sofagärtnerin“ gestolpert ist - in Frage kommen sollen „Gartenträume“, „Landlust“ oder „Kraut und Rüben“. Vielleicht haben gerade SIE Ihren Weg hierhin aufgrund dieser Meldung gefunden? Falls Sie sich noch erinnern können, wo und wann diese erschienen ist, würde ich mich über eine E-Mail an nebenstehende Adresse oder einen Kommentar sehr freuen. Ich lege zwar nicht gerade ein Album mit den Schnipseln an, interessiere mich aber doch sehr für diese Blogwerbung.

22. Mai 2010

Junggärtner

Robert Höck ist erst Anfang zwanzig, sammelt aber schon seit Jahren Pflanzen und verfügt deshalb über ein enormes gärtnerisches Wissen. Dieses hat er sich neben seinen Ausbildungen als Landschaftsgärtner und Florist via Internet-Foren und natürlich durch „Learning by Doing“ seit Kindstagen erworben.

Im Vorwort zum Buch beschreibt der Autor, wie ihn das Gärtnern und die persönlichen und virtuellen Kontakte zu Gleichgesinnten in der Entwicklung von einem zurückgezogenen Jungen in einen weltoffenen kontaktfreudigen jungen Mann geprägt haben. Wenn ich ehrlich bin, hat mich der Titel dieses Buches Anfang Jahr beim Durchsehen der Frühlingsneuheiten zunächst überhaupt nicht angesprochen. Erst als ich letzthin beim Googeln mit dem Stichwort „grüner Daumen“ nochmals auf ihn gestossen bin und mir den Inhalt näher angeschaut habe, wurde meine Neugier geweckt.

Robert Höck stellt in Kurzbeiträgen wie „Der Mörder ist nicht immer der Gärtner – Tiere im Garten“, „Der Stein trügt – von Mauern und Steinen“, „Passionsblume – meine Favoritin" oder „Bartiris – Liebe auf den zweiten Blick“ seinen bunten Sammlergarten vor und lässt den Leser an seinem Wissensschatz teilhaben.

Ungezwungen schreibt der Autor über Blumen und vergleicht diese mit Topmodels. Die Fuchsia magellanica erinnert ihn an die mageren Lauftstegschönheiten. Und während die – Zitat - „halbverhungerten Catwalkqueens oft aussehen, als würden sie den nächsten Winter nicht überleben“, überstehen die grazilen Gartenschönheiten zumeist zuverlässig auch die hiesigen Winter. Sogar mit aktuellen Schminktechniken scheint Höck sich auszukennen und weiss, dass die schwarzäugige Susanne schon seit jeher mit „Smokey Eyes“ die Blicke auf sich zieht.

Übrigens sind nicht nur die Texte sondern auch die Fotos vom Autor und Gärtner. Welche Talente wohl sonst noch so in ihm schlummern? Während wir also lauschen, was unser Garten erzählt, können wir gespannt sein, was in Zukunft aus dem Tirol zu hören und lesen sein wird.



Robert Höck:
Hören, was der Garten sagt – So bekommen Sie den grünen Daumen
AV Buch, 2010

19. Mai 2010

Efeuschlinge

Um die Leiche des ermordeten Holger Krause ist sorgfältig ein leicht verwelkter Kranz aus Efeu, Blutweiderich, Hahnenfuss und Margeriten drapiert. Neben seinem Studium schrieb das Opfer zu Lebzeiten für das Schwäbische Tagblatt. Die Ermittlungen der Tübinger Kommissarinnen und Freundinnen Birgit Wahl und Carolynn Baumann lassen bald vermuten, dass Krause entweder selber in die Abschlachtung und Schändung von Schafen verwickelt war oder durch Recherchen auf die Spur des oder der Täter gekommen sein muss. Auch Krauses Schwester, die den elterlichen Buchverlag führt, ist in undurchsichtige Geschäfte verwickelt und Mitstudenten weisen ebenfalls Motive auf.

Kommissarin Birgit Wahl ist gelernte Gärtnerin und hat ihre Lehre in einer Heilpflanzengärtnerei absolviert. Auf Umwegen ist sie wie ihre Wohnpartnerin bei der Kriminalpolizei gelandet. Birgits botanisches Wissen ist in diesem Tübingen-Krimi bei der Lösung des Falls überaus nützlich. Nicht nur der Fall direkt hat mit Blumen zu tun, die Kommissarin gärtnert auch privat und der Leser erfährt nebenbei einiges über die Wahl-Baumannsche Parzelle mit Knoten- und Rosengarten.

Nach dieser angenehmen Lektüre hoffe ich auf eine Fortsetzung mit ähnlich ausgeprägtem hortikulturellem Hintergrund. Schliesslich gibt es auf Deutsch nicht gerade viele Krimis, die (fast) uneingeschränkt das Etikett „Gartenkrimi“ verdienen. Büchertipps aus dieser Kategorie sind natürlich immer willkommen und diesen Aufruf möchte ich gleichzeitig verbinden mit einem Dankeschön für den Hinweis auf „Efeuschlinge“ an die Tippgeberin aus der Leserschaft!



Ulrike Mundorff:
Efeuschlinge – Ein Tübingen-Krimi
Silberburg-Verlag, 2009

16. Mai 2010

Tomorrow’s Garden

Die Familien Fontenay und Sinclair sind schon sein Jahrhunderten miteinander verbunden. Sie haben sich bekämpft, aber es gab auch immer wieder Liebespaare, die sich nicht um die Konflikte geschert haben. Diese kriegsähnlichen Zustände gehören aber schon länger der Vergangenheit an, als Anna Fontenay nach dem Tod ihres Mannes David auf das Schloss zurückkehrt und dessen letzten Wunsch erfüllen will. Und zwar soll sie die Gärten rund um die Ruinen des alten Schlosses restaurieren lassen und insbesondere dem familiären Rosengarten, der zur Erinnerung an verstorbene Fontenays angepflanzt worden ist, zu neuer Blüte verhelfen.

Anna engagiert Joss Foxley für die Wiederherstellung der Gartenanlagen. Rosen gehören nun überhaupt nicht zu ihren Lieblingspflanzen. Ihre Pläne für den Garten werden nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen und sie muss einige Überzeugungsarbeit aufwenden, um Joss für ihre Umgestaltungspläne halbwegs zu begeistern. Kaum haben die Gartenarbeiten begonnen, kommt beim Umgraben der Erde ein Skelett zum Vorschein. Gleichzeitig meldet auch Hugo Brooks, der Mieter von Fontenay, laufend deutlichere Ansprüche an das Schloss und die jetzige Besitzerin an.

Anna gerät immer mehr in die schwelende Rivalität zwischen Hugo Brooks und Joss Foxley und muss feststellen, dass die Fehde zwischen den Fontenays und Sinclairs aktueller ist, als sie angenommen hat.

Eine fesselnd aufgebaute Geschichte in drei Erzählsträngen, die das Prädikat „Gartenroman“ ohne Einschränkung verdient. Rosen sind durch das ganze Buch hinweg Synonym für den roten Faden.



Harriet Hudson:
Tomorrow’s Garden
Severn House, 2002

12. Mai 2010

Der Fluch des Gartens

Was soll man als Leserin davon halten, wenn auf dem Umschlagrücken eines Büchleins steht „Das wahrscheinlich beste Buch der Welt (Niemand)“ und „Ich habe es noch nicht gelesen, und werde es auch niemals lesen (Mutter)“? Vielleicht auf das Bauchgefühl hören, es wie die Mutter halten und ein anderes Buch zur Hand nehmen?

Wenn Sie gerne mehr über die Ortschaft St. Baumeln erfahren möchten, müssen Sie wohl der Empfehlung des anonymen „Niemand“ folgen. St. Baumeln ist ein etwas spezielles Dorf. So rückt hier die Feuerwehr nicht aus, wenn es brennt, sondern schaut tagtäglich zur selben Zeit kurz vorbei. Blöd, wenn dann gleich kurz nach dem obligaten Besuch der Feuerwehr tatsächlich ein Brand ausbricht… In der recht kurzen Geschichte wird über die Arbeit von Magensäften und übergenaue Details zur Rechnerkapazitäten ebenso berichtet wie über Polizisten, die auf Kühen reitend ihren Dienst versehen und ihre Fälle lösen, indem sie sich mittels genauem Studium von C.S.I.-Videos weiterbilden.

Sie fragen sich, wo denn das Gärtnerische bleibt? Nun ein Gartenzwerg spielt eine nicht unwichtige Rolle. Auch ohne auf den orthographischen Schwächen herumzureiten – ich hätte mich besser dem (Vor-)Urteil der Mutter angeschlossen. Und falls Sie sich wundern, warum ich immer wieder Bücher von Hobbyautoren lese und mich über die Fehler in den Texten ärgere – schon häufig bin ich dadurch auf nette oder gar tolle Lektüre gestossen. Und auch mir ist klar, dass in jedem Buch (und auch in diesem Blog!) Fehler zu finden sind. Das Lesevergnügen wird aber schon geschmälert, wenn einem ständig welche ins Auge springen. Da ich im Moment keine weitere Lesependenz aus der Kategorie „gärtnernde Hobbyschriftsteller“ habe, werden Sie hier in nächster Zeit von Kritik in dieser Richtung verschont.



Christoph Schmied:
Der Fluch des Gartens
Edition Nove , 2008

8. Mai 2010

Passing Strange

Die Hobbygärtner aus dem Dorf Almstone messen sich und ihre Gartenprodukte jährlich in einem friedlichen Wettstreit anlässlich der Almstone Flower Show. Während den Aufräumarbeiten im Anschluss an die diesjährige Blumenschau wird die ländliche Idylle jäh gestört, als die Leiche der lokalen Hebamme Joyce Cooper entdeckt wird. Joyce wirkte neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch als Wahrsagerin und hat ihre Kunden in einem eigenen Zelt neben der Blumenausstellung empfangen. Nun liegt sie mit einem Blumendraht erdrosselt unter einer Zeltplane.

Schon die Tatsache, dass Ken Wall’s prächtige Tomaten bei der Preisverleihung übergangen wurden, sorgte am Konkurrenzkampf für einigen Aufruhr. Nun steht Inspector Sloan vor der Aufgabe herauszufinden, wer die allseits beliebte Joyce Cooper ermordet hat. Welche Rolle spielt eine (angebliche) Erbin, die aus einem Landverkauf Profit schlagen könnte oder ein (nicht) vorhandenes Muttermal?

Das Cover meiner Taschenausgabe mit einer Wahrsagerin samt Kristallkugel ist etwas gewöhnungsbedürftig, wiederspiegelt aber wohl den Geschmack bei Erscheinen des Buches vor bald dreissig Jahren. Aber diese Tatsache schmälert das Lesevergnügen des britischen Gartenkrimis ja in keiner Weise.



Catherine Aird:
Passing Strange
Bantam Books, 1982

5. Mai 2010

Heckenschüsse und Heckengeflüster

Im Büchlein „Heckengeflüster“ erwartet Sie Bösartiges aus dem geplagten Leben einer Londoner Gärtnerin in einer hübschen Verpackung in witziger Form zu Papier gebracht. Übles gibt’s da einiges, wie beispielsweise Kinder, die Rosen zerhacken oder Bauarbeiter, die Abfall durch die Äste der Linden schmeissen. Auch Nachbarn, Hunde, Passanten und Touristen zählen zu den Plagen einer Gärtnerin in der englischen Hauptstadt und kriegen ihr Fett ab. Doch nicht nur daheim, auch in fremden Gärten stösst die Autorin auf unliebsame Überraschungen wie fette Efeuarme, die sich in einer Gartenwirtschaft um die Hälse der Kundschaft winden.

Sind Londoner Kinder, Nachbarn, Bauarbeiter und Touristen wirklich so schlimm? Jedenfalls ist das Büchlein trotz den manchmal arg negativen Anspielungen eine sehr amüsante Lektüre, in welcher die Liebe der Autorin für ihren Garten und ihre Fachkenntnisse nicht nur zwischen den Zeilen durchschimmern. Bleibt zu hoffen, dass Ihre Nachbarn nicht zu den im Büchlein erwähnten Sorte gehören. Falls doch das eine oder andere beschriebene Ärgernis auf Ihre Verhältnisse zutreffen sollte, sind Sie ja vielleicht nach dem Lesen der teilweise bitterbösen Zeilen mit Ihrer Umgebung (wieder) etwas versöhnt, weil Sie sich zumindest in guter Gesellschaft befinden.

Die englische Version „The Revolting Garden“ ist übrigens schon länger nur noch relativ schwierig antiquarisch zu ergattern. Diese deutsche Ausgabe habe ich im Sofagarten bereits vor ein paar Wochen einmal kurz erwähnt, weil ich beim Auspacken derselben in Anbetracht des Kaufpreises vom Miniformat negativ überrascht war. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Preis an der oberen Schmerzgrenze liegt, das Geschriebene war aber jeden Franken wert. Nach der Lektüre mag der Leser ahnen, warum die Gartengeschichten der Autorin unter einem Pseudonym veröffentlicht worden sind …



Rose Blight / Germaine Greer:
Heckengeflüster
Schöffling & Co., 2010

2. Mai 2010

Frauenfreundschaften

„Hope Springs“ ist das zweite Buch der Trilogie über die Freundschaft von Jessie, Margaret, Louise, Beatrice und Charlotte. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und kann auch als Einzelband gelesen werden.

Jede dieser Frauen trägt mehr oder schwer an Bürden aus der Vergangenheit. Die junge Seelsorgerin Charlotte zweifelt an ihrer Berufung, während Jessie plant, mit Ihrem Mann alle Brücken hinter sich abzubrechen und in Kalifornien ihren Lebensabend zu verbringen. Sie hat ihren rastlosen Ehemann, nachdem er vor vielen Jahren sie und ihre Kinder einfach im Stich gelassen hat, kürzlich wieder ohne Wenn und Aber aufgenommen. Ihre Freundinnen verstehen gerade aus diesem Grund noch weniger, wie sie langjährige Gefährtinnen, die mit ihr durch dick und dünn gegangen sind, so einfach zurücklassen kann. Diese Umzugs-Neuigkeiten werden aber überschattet von Margarets Mitteilung, dass sie an Brustkrebs leidet und sich einer Operation unterziehen muss.

Die Charaktere sind sehr echt gezeichnet und man wünschte sich fast, die Frauen kennenlernen zu können. Der Roman erzählt unter anderem, wie Margaret von ihren Freundinnen unterstützt wird. Sehr eindrücklich ist die Passage, in welcher sich diese eine Glatze schneiden, damit die Krebspatientin nicht die einzige ist, die ohne Haare herumlaufen muss. Zu dieser Situation kommt es dann aber gar nicht, da keine Chemotherapie nötig ist.

Das Buch ist übrigens auch unter dem Titel „Garden of Faith“ erschienen. Zwischen die Kapitel eingestreut sind die „Hope Springs Community Garden Club Newsletters“ von Beatrice. Auf jeweils einer Seite werden zur Saison passende Tipps vermittelt und Parallelen zwischen Garten und Freundschaften bzw. Partnerschaften gezogen - die Tiefpunkte im Leben sind gewissermassen die Metapher für „Unkräuter“.



Lynne Hinton:
Hope Springs
Harper San Francisco, 2002

28. April 2010

Auf dem Gut Nassenheide

Kennen Sie das Gut Nassenheide? Wer sich für unterhaltsame Gartenbücher interessiert, wird früher oder später auf das reizende Büchlein „Elizabeth und ihr Garten“ von Elizabeth von Arnim (1866 – 1941) stossen, das von dem Leben der von Arnims auf Nassenheide berichtet. Aufgrund dieser Lektüre habe ich vor rund zwanzig Jahren mehrere Titel dieser Autorin verschlungen, darunter beispielsweise „Verzauberter April“. Heute stehen nur noch das erstgenannte Buch sowie „Garten der Kindheit“ in Griffnähe auf dem Regal. Letzthin habe ich in einer Buchhandlung auf einem Tisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren das Buch „Sommer ohne Gäste“ dieser Autorin entdeckt und lese es nun auf meinem Arbeitsweg. Nach dem erfolgreichen Erstling „Elizabeth und ihr Garten“ war „Sommer ohne Gäste“ (englisch: „The Solitary Summer“) das zweite Buch der Autorin und auch dieses wurde begeistert aufgenommen.

Mit meiner Vermutung, dass sich Elizabeth von Arnim, wenn sie einen Sommer lang nicht von Gästen in Beschlag genommen wurde, wohl ihren Lieblingsbeschäftigungen lesen und gärtnern gewidmet hat, lag ich goldrichtig. Obwohl gärtnern in ihrem Fall ja nicht ganz stimmt, da sie aus Standesgründen nicht selber in der Erde wühlen durfte. Das Gärtnern beschränkte sich auf die zumeist mühsamen Instruktionen an (Hilfs-)Gärtner, die den Anleitungen leider meist nicht Folge leisteten und Elizabeth von Arnims gestalterische Ideen boykottierten. Die eigensinnige Frau hat zunächst bewusst unerfahrene Gärtner eingestellt, musste aber bald feststellen, dass diese je weniger sie von der Sache verstanden, um so hartnäckiger darauf beharrten, recht zu haben.

Neben dem Garten und den vielen darin blühenden Blumen sind auch die Leseerlebnisse der Autorin ein wiederkehrendes Thema im Buch. Goethe wird am Nachmittag im Garten gelesen und auch in Thoreaus Gedanken hätte sie sich nie im Wohnzimmer vergraben.

Wenn Sie wie Elizabeth von Arnim der Meinung sind, dass es ausser Büchern und Gärten (fast) keine Objekte der Liebe gibt, die einen reichlich und treu belohnen, ist „Sommer ohne Gäste“ sicher die richtige Lektüre für Sie! Vielleicht habe ich „Sommer ohne Gäste“ vor Jahren auch schon einmal gelesen und erinnere mich nicht mehr daran. Jedenfalls würde es mich nicht wirklich überraschen, wenn ich in unserem Estrich auf dieses Buch stossen würde, wenn ich irgendwann wieder einmal die alten Bücherkisten durchwühle.



Elizabeth von Arnim:
Sommer ohne Gäste
List Taschenbuch, 2006

25. April 2010

Natürlich der Gärtner!

Aus einem Niederrhein-Krimiprojekt sind elf spannende und völlig verschiedene Kurzkrimis herausgegangen und begleitend zu den Lesungen, die zwischen April und Anfang Juni 2010 stattfinden, haben Ina Coelen und Rebecca Gablé diese Geschichten im Leporello Verlag herausgegeben. Diesen Krimis gemeinsam ist, dass sich sämtliche Tatorte entlang der „Strasse der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ befinden.

Auch für Leser, die sich in dieser Region nicht auskennen und denen Namen wie Schloss Krickenbeck, Schloss Zons und die Terassengärten von Kloster Kamp nichts sagen, ist diese Anthologie eine überzeugende Lektüre. Falls Sie sogar die Möglichkeit haben, an einer Lesung am jeweiligen Tatort teilzunehmen, sollten Sie sich sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen!

Ansonsten machen Sie es doch wie die Sofagärtnerin und finden Sie bequem in Ihrem Sessel sitzend und lesend heraus, ob sich hunderte von gezückten Taschentüchern an einer Davidia dazu eignen, Tränen zu trocknen, warum ausgerechnet in einem Klostergarten ein Mord passiert ist und was ein Jaguar im bunten Garten zu suchen hat. Und vielleicht fiebern Sie sogar mit einer Profikillerin mit, ob diese es wohl zum wiederholten Mal schafft, einen annähernd perfekten Mord zu begehen oder ob sie die Einladung zu einem Klassentreffen doch besser ausgeschlagen hätte.



Ina Coelen & Rebecca Gablé (Hrsg.):
Natürlich der Gärtner!
Leporello Verlag, 2010

22. April 2010

Vom Kultivieren der Erde

Landschaftsarchitekten, Kunsthistoriker, ein Botaniker, ein Bodenkundler, ein Philosoph und andere mehr haben für das von Brita Reimers herausgegebene Buch „Gärten und Politik“ unterschiedliche Beiträge verfasst oder nochmals überarbeitet.

Im Fokus stehen traditionelle Parks und Anlagen, Mieter- und Kleingärten, Migrantengärten, aber auch die Gefängnisgärten von Nelson Mandela und Rosa Luxemburg. „Tomaten in menschlicher Gesellschaft“ gibt einen Überblick über die Karriere der auch Liebesäpfel genannten Frucht in Europa und die Beziehung von Mensch und dieser Pflanze.

Der Text „Vom Gartenkind zum Weltbürger – Natur als éducation politique“ von der Herausgeberin selber beschäftigt sich mit Alma de l’Aigle und beginnt mit der politischen Geschichte des Gartens über den Kauf des Grundstücks. Weiter erfährt der interessierte Leser, wie die Ende des 20. Jahrhunderts mittlerweile in einem teuren Hamburger Stadtteil liegende Parzelle kurz vor Bewilligung einer Eigentumswohnungsüberbauung wenigstens zu einem Viertel der Bodenspekulation entzogen werden konnte. Dank einem Kompromiss gelang es, den schützenswerte Garten und seltene Kulturpflanzen zu retten. Zusätzlich gibt dieser Artikel einen Einblick in die von Alma de l’Aigle verfassten Bücher, zu denen neben Gartentiteln auch sanfte Lehrbücher für Kinder und Erwachsene zählten.

Weitere Beiträge widmen sich beispielsweise Themen wie „Gärten in moderenen Zeiten“, „Gärten und Kulturen auf Wanderschaft“ und „Barock als Banalität: Linden in der Kulturlandschaft“.



Brita Reimers (Hrsg.):
Gärten und Politik – Vom Kultivieren der Erde
Ökom Verlag, 2010

19. April 2010

Neue "alte" Entdeckung

Da habe ich eigentlich geglaubt, im deutschsprachigen Raum die auf Gartenbücher spezialisierten Verlage zu kennen. Nun bin ich aber auf ein Verlagshaus aufmerksam geworden, von dem bis anhin kein einziger Titel in meiner doch recht umfangreichen Bibliothek vertreten war, nämlich auf den bereits 1843 gegründeten Bassermann Verlag aus München. Grund genug, drei Bücher aus dessen Programm hier vorstellen.

Liebäugeln Sie mit einer Gartenreise nach Grossbritannien? Oder Sie spielen mit dem Gedanken, Ihren Garten mit englischen Elementen umzugestalten? Der reich illustrierte Band „Die schönsten englischen Gärten“ von Jon und Diane Sutherland eignet sich gleichermassen dafür sich vor einem Urlaub über lohnenswerte Gartenziele einen ersten Eindruck zu verschaffen, wie auch als Inspirationsquelle für Ideen, die im heimischen Garten umgesetzt werden können. Die Kapitel des grossformatigen Buches entsprechen den englischen Regionen und beginnen jeweils mit einer anderthalbseitigen Zusammenstellung von farbenprächtigen kleinformatigen Ausschnitten aus den portraitierten Gärten. Da eine grosse Anzahl Gärten vorgestellt werden, sind die einzelnen Präsentationen sehr kurz und knapp gehalten, wobei den Fotos mehr Platz eingeräumt wird als den Texten. Der Band erlaubt einen Einblick in die unterschiedlichsten Anlagen, darunter sind The Eden Project, Hidcote Manor, Hadspen aber auch Sissinghurst und weniger bekannte Gärten.

Immer mehr Menschen möchten selber gezogenes, giftfreies Gemüse auf dem Tische und so trifft man auch immer öfter auf Gärten, in welchen der Nutzgarten eine wichtige Rolle spielt und auf solche, in welchen die strikte Trennung von Nutzgarten und Blumenpracht verwischt wird. Falls Sie solche Ideen im Hinterkopf haben, bietet das Buch „Prachtvolle Nutz- und Bauerngärten – Kräuter, Gemüse und Schnittblumen in zauberhaften Beeten“ eine Fülle von Anregungen. Das Buch fällt ebenfalls durch opulente Farbbilder auf, ein Grossteil der Seiten ist aber mit nützlichen Informationen gefüllt. Es gibt unter anderem Kapitel über die Anlage von Wegen und Einrahmungen, besondere Beetformen, Kletterhilfen und auch ein interessanter Rückblick in die Geschichte von Cottagegärten fehlt nicht.

Sie haben zwar einen grünen Daumen, aber (vorerst) nur einen Balkon, um ihre gärtnerischen Bedürfnisse zu befriedigen? Dann gibt das günstige Praxisbuch „Die schönsten Pflanzen für Kübel & Kästen“ von Jörn Pinske einen lehrreichen Überblick über die Möglichkeiten zur Balkongestaltung. In den Pflanzenportraits werden sowohl bewährte als auch neue Kandidaten für die Bepflanzung vorgestellt und gleich Pläne für unterschiedlich grosse Kästen für verschiedene Balkonstandorte mitgeliefert. Für einen erfolgreichen Start in den Balkonsommer ist auch gleich das nötige Kleinwerkzeug dabei.



Dr. Wolfgang Hensel und Jürgen Becker (Fotos):
Prachtvolle Nutz- und Bauerngärten – Kräuter, Gemüse und Schnittblumen in zauberhaften Beeten
Bassermann Verlag, 2009

Jörg Pinske:
Die schönsten Pflanzen für Kübel und Kästen
Bassermann Verlag, 2008

Jon & Diane Sutherland:
Die schönsten englischen Gärten
Bassermann Verlag, 2007


16. April 2010

Die Orangenbäume von Versailles

Antoine ist Gärtner am Hof von Ludwig XIV. Nach dem frühen Tod seiner Frau ist er alleine für die Erziehung der inzwischen vierzehnjährigen Tochter Marion verantwortlich. Dass diese angezogen wie ein Junge im Park herumstreunt und mithilft, die Blumenbeete zu jäten, passt in der Umgebung der Familie nicht allen, obwohl Antoine das Jäten als „botanisieren“ bezeichnet. Als die Marquise von Montespan, die Favoritin des Königs von Frankreich, Dienerinnen sucht, lässt Antoine sich überreden, dass die kluge Marion, die sogar lesen und schreiben kann, sich vorstellt. Seit dem Tod der Mutter schläft Marion nur noch sehr wenig, ist sehr fleissig und nie müde. Ausserdem hat sie eine spezielle Vorliebe für Blumen und liebt es, kleine Duftsäckchen anzufertigen. Jeden Geruch, der ihr einmal unter die Nase gekommen ist, erkennt sie wieder. Dank diesen Eigenschaften darf Marion in die Dienste der Marquise treten.

Weil Marion sich wegen ihrem geringen Schlafbedürfnis während den Nachtwachen ausgezeichnet bewährt und gleichzeitig wunderbare Parfums herstellt, macht sie sich schnell unentbehrlich. Doch hinter dem hübschen Gesicht der Marquise von Montespan verbirgt sich eine hartherzige und skrupellos intrigierende Frau. Zufällig erfährt Marion von einem geplanten Anschlag auf die Frau des Königs und ihr spezieller Geruchssinn erweist sich für die Vereitelung der Tat als sehr hilfreich.

Diesen Kinderkrimi gibt es übrigens gerade als Restexemplar portofrei bei Jokers.



Annie Pietri:
Die Orangenbäume von Versailles
Bloomsbury (Berlin Verlag), 2005

12. April 2010

Zum Trost ein wenig Schokolade

Es gibt immer wieder triftige Gründe sich etwas leichtere Lektüre zu Gemüte zu führen, bei welcher wenn nicht alle Handlungen doch das Ende ziemlich präzise vorhersehbar ist. Zur Entspannung und Ablenkung beispielsweise oder wenn frau sich geärgert hat. Statt Schokolade zu essen, empfehle ich an dieser Stelle das neueste Buch „Chocolate Wishes“ von Trisha Ashley über eine liebenswerte Schokoladeproduzentin und ihre Duftpelargonien. Die letzten Schokoladeeier aus dem Osternest können Sie ja während dem Lesen trotzdem nebenbei geniessen.

Mein Ärger gilt den nicht zu einer Zwergrasse gehörenden Kaninchen der Nachbarn, die letzthin nicht zum ersten Mal ausgebüxt sind und sich während unserer Abwesenheit unbemerkt über längere Zeit in der luftigen Erweiterung des Sofagartens amüsiert haben. Ich dagegen war weniger „amused“, als ich um sieben Ecken herum davon erfahren und zur gleichen Zeit festgestellt habe, dass die grösste meiner Buchskugeln ziemlich eingedrückt ist. Seit mehreren Jahren hege und pflege ich eine Gruppe von ein paar unterschiedlich grossen Buchskugeln, die inzwischen schön ineinander gewachsen sind.

Nach dem vorösterlichen Ausflug der Tiere liegt die Vermutung nahe, dass eines der Viecher den Buxus mit einem Osternest verwechselt hat. Jedenfalls sind anlässlich des Trips leider verschiedene Äste abgebrochen, und der Aufbau der grünen Kugel hat sich deutlich gelichtet. Die Pflanze habe ich nun wieder einigermassen „gebüschelt“ und hoffe, dass sich die Lücken möglichst rasch wieder schliessen, während ich mir überlege, ob es nun von Vorteil ist, dass das Buchsbeet direkt neben dem Sitzplatz angelegt ist und ich die Fortschritte täglich im Auge habe (den Schaden aber leider auch) oder eher nicht. Wenn das Resultat des Kaninchen-Ausfluges nicht ziemlich ärgerlich wäre, müsste man eigentlich fast schmunzeln: hätte sicher ein tolles Foto ergeben – (Oster-)Kaninchen auf Buchskugelnest. Aber nun noch ein paar Worte mehr zum Roman …

Chloes Mutter hat ihre Familie vor Jahren im Stich gelassen, so dass Chloe ihrem deutlich jüngeren Bruder mehr eine Mutter als eine Schwester war. Mit Männern hat die Mitdreissigerin nichts mehr am Hut und konzentriert sich auf die immer besser florierende Produktion von Schokolade. Jede ihrer Süssigkeiten enthält eine Vorhersage für die Zukunft. Doch mitten in ihr geordnetes Leben tauchen plötzlich gleich zwei Männer aus ihrer Vergangenheit auf …

Leserinnen, die regelmässig in diesen Blog reinschauen, erinnern sich vielleicht an eine frühere Trisha Ashley-Buchbesprechung, wo ich bereits erwähnt hatte, dass die Autorin gerne „grüne Elemente“ in ihre Romane einbaut. Aufgrund eines Newsletters und einem Bericht auf der Webseite einer Pelargonien-Gärtnerei, welche die Autorin mit Tipps bezüglich die Kultur dieser Duftpflanzen unterstützt hat, hatte ich in diesem neuen Roman eigentlich einen grösseren gärtnerischen Hintergrund erwartet. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei „Chocolate Wishes“ um eine humorvolle Lektüre. Und wenn Ihnen der Stil von Trisha Ashley zusagt, finden Sie sicher auch Gefallen an den Büchern von Katie Fforde. Für Gartenfreunde speziell erwähnenswert ist „Im Garten meiner Liebe“ (englisch „Wild Designs“), in welchem die frisch geschiedene Althea die Gelegenheit bekommt, für die Chelsea Flower Show einen Garten zu entwerfen und zu gestalten.

Zum Abschluss dieses Beitrages noch eine positive Mitteilung in eigener Sache: Gerade habe ich erfahren, dass meine Buchvorstellungen sogar in Südafrika gelesen werden. Das macht mich doch ein bisschen stolz …



Trisha Ashley:
Chocolate Wishes
Avon Books, 2010

9. April 2010

Engelstrompeten

Das Autorenpaar Birgit Lautenbach und Johann Ebend fährt bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Ostseeinsel Hiddensee und hat auch seinen neuesten Regionalkrimi dort angesiedelt.

Die alte Wanda Sieveking wird von den einen verteufelt und als Hexe betitelt während andere die Heilerin verehren. Als ihre furchtbar entstellte Leiche an der Steilküste von Hiddensee aufgefunden wird, geht die Polizei zunächst von einem fatalen Unfall aus. Polizeiobermeister Daniel Pieplow bezweifelt allerdings dieses Ergebnis und sucht Zeugen, die in der fraglichen Nacht Beobachtungen gemacht haben. Doch noch bevor seine Ermittlungen richtig beginnen, wird auf der Insel eine weitere Leiche entdeckt.

In der Erzählung kommen immer wieder nebenbei Gärten vor und die ursprüngliche Landschaft der Insel wird detailliert beschrieben. Ausserdem spielen die für den Buchtitel zeichnenden Engelstrompeten im Mordfall eine wesentliche Rolle und es werden Rosen mit einer Sichel geköpft, dennoch würde ich das Buch trotz anders lautenden erhaltenen Informationen nicht als Gartenkrimi zu bezeichnen.

Für Liebhaber von deutschsprachigen Gartenkrimis: Genau den gleichen Buchtitel „Engelstrompeten“ trägt der dritte von bisher vier Büchern der botanischen Krimis von Elke Loewe um Valerie Bloom, die ich vor einiger Zeit bereits einmal im Sofagarten erwähnt habe. Leider hoffe und warte ich bisher vergebens auf eine Fortsetzung, sprich eine fünfte Folge der Geschichten in Augustenfleth.



Birgit Lautenbach/Johann Ebend:
Engelstrompeten – Ein Hiddensee-Krimi
Goldmann Verlag, 2010

6. April 2010

101 Traumgärten – Aktuelle Gärten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Nach den erfolgreichen Bänden „100 Traumgärten in Deutschland“ und „100 neue Traumgärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ erlaubt das dritte Buch in der Reihe wiederum einen Blick hinter die verschiedensten Gartenzäune. Die durchwegs anspruchsvollen Privatgärten sind ausschliesslich von professionellen Betrieben entworfen und gestaltet worden, die sich unter der 2002 gegründeten Dachmarke „Gärtner von Eden“ zusammengeschlossen haben und die mittlerweile rund 70 Mitglieder umfasst.

Nach einer Einführung folgen die jeweils doppelseitigen Gartenportraits, die in die vier Gruppen „Für Designfreunde“, „Für Geniesser“, „Für Ästheten“ und „Für Naturmenschen“ unterteilt sind. Ein halbseitiger aufschlussreicher Text über Anforderungen und Wünsche der Gartenbesitzer und ein gezeichneter Gartenplan füllen die eine Seite des Portraits und werden ergänzt durch Farbfotos. Ab und an hätte ich mir zusätzlich zu den schriftlichen Angaben ein Foto mit dem Zustand der Gärten vor der Umgestaltung gewünscht.

Unter den vorgestellten Traumgärten sind solche mit einer Grösse von weniger als 100 m2 ebenso vertreten wie parkähnliche Anlagen. Und so verschieden wie die Besitzer und ihre Erwartungen ans grüne Wohnzimmer sind, so verschieden sind auch die Gärten. Da gibt es mit Mauern oder hohen Hecken eingefriedete Parzellen, aber auch offene Gartenbereiche mit Traumausblick auf weite Landschaften, kleine Innenhofgärten, etliche Beispiele für Wasser im Garten und vieles anderes mehr.

Genau diese Vielfalt erlaubt es dem Leser, sich Ideen für den eigenen Garten herauszupicken und herauszufinden, welcher Gartenstil zum eigenen Haus und Grundstück passt und einem persönlich am besten gefällt. Eine Checkliste im Anschluss an die Portraits bietet Unterstützung, um die Vorstellungen vom eigenen Traumgarten zu präzisieren. Und falls der Leser mit der Umsetzung persönlich überfordert ist, weiss er ja spätestens nach der Lektüre, wo er fachkundig beraten und unterstützt wird (Adressen und Kontaktmöglichkeiten sind im Anhang aufgeführt).



Gärtner von Eden:
101 Traumgärten – Aktuelle Gärten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Callwey Verlag, 2010

3. April 2010

Gartenzwerge

Gartenzwerge sind für die einen untrennbar mit dem Garten verbunden, während andere wiederum ihren Anblick als Beleidigung für die Augen empfinden. Die Gesellen mit der meist roten Zipfelmütze sind aber nicht nur in Gärten anzutreffen, sondern auch Thema in verschiedenen Büchern. Kinderbücher sind dabei ebenso vertreten wie Krimis, Satiren oder Fotobände. Hier geht es mir aber nicht um Bücher, in welchen Gartenzwerge in unterschiedlichen Posen und Tätigkeiten abgebildet sind, sondern um Geschichten, die von den Zipfelmützenträgern handeln.

Gleich zwei Bücher von unterschiedlichen Autoren auf meinem Regal tragen den Titel „Die Befreiung der Gartenzwerge“. Ein Buch gehört zur Gartenzwerg-Trilogie von Manfred Fock. In jeweils zwölf teilweise bitterbösen Geschichten taucht der Leser ein in Verbrechen, die in der vermeintlich grünen Idylle zwischen Gartenzäunen stattfinden. Trotz makabrem Titel und Umschlagbild eine witzige Lektüre für Gartenfreunde. Einzelne Geschichten aus der Trilogie sind auch im Buch „Freibier für Schnecken“ nachzulesen - einem Buch, dem ausserdem eine CD mit einem Ausschnitt aus einer Autorenlesung beigelegt ist.

Das zweite Buch mit dem Titel „Die Befreiung der Gartenzwerge“ hat Lene Mayer-Skumanz verfasst und gehört in die Kategorie Kinderbücher. In dieser Geschichte verbringt der elfjährige Paul die Ferien bei seiner Oma, als aus den Nachbarsgärten vermehrt Gartenzwerge verschwinden. Schliesslich wird auch Hugo entführt, der Gartenzwerg von Pauls Oma. Die Katze Mimose weiss ganz genau, wer hinter den Entführungen steckt, doch leider nehmen die Zweibeiner ihre Hinweise nicht ernst bzw. diese scheitern an Verständigungsproblemen.

Etwas Gänsehaut inklusive erhält der Leser bei der Lektüre von „Die Rache der Gartenzwerge“ von R.L. Stine. Der Vater des zwölfjährigen Joe zählt zu den erfolgreichsten Hobbygärtnern in der Stadt und wetteifert an der jährlichen Gartenschau jeweils mit seinem Nachbar um das blaue Band für die grössten und schönsten Tomaten. Das Interesse von Joes Vater gilt aber nicht nur Gemüse und dem richtigen Dünger, sondern auch kitschigen Gartenfiguren. Seine neueste Errungenschaft sind zwei Gartenzwerge mit bösartigen roten Augen. Und seit diese beiden Gestalten im Garten sind, passieren immer wieder merkwürdige Dinge. Joe möchte dieser Angelegenheit auf den Grund gehen und legt sich eines Nachts auf die Lauer. Dabei macht er eine schaurige Entdeckung.



Manfred Fock:
Die Befreiung der Gartenzwerge oder Was selbst der Mond nicht wissen konnte
Fangorn FMV edition, 2006

Die Hinrichtung der Gartenzwerge oder Was selbst der Mond nicht wissen konnte
Fangorn FMV edition, 2004

Die Entführung der Gartenzwerge oder Was selbst der Mond nicht wissen konnte
Fangorn FMV edition, 2003

Freibier für Schnecken
Fangorn FMV edition, 2008


Lene Mayer-Skumanz:
Die Befreiung der Gartenzwerge
Residenz Verlag, 2007


R.L. Stine:
Die Rache der Gartenzwerge
Omnibus Taschenbuchverlag für Kinder, 1998


31. März 2010

Tee & Rosen – Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England

Die bekannte Gartenjournalistin und Landschaftsarchitektin Heidi Howcroft hat vor rund zehn Jahren Deutschland Richtung England verlassen und ist mit ihrer Familie in ein altes Cottage samt verwildertem Garten in einem kleinen Dorf im südlichen Somerset gezogen. In ihrem neuesten Buch „Tee & Rosen“ nimmt sie ihre Leser in dreissig Kurzgeschichten unter anderem mit auf einen Gartenausflug mit Border Lines (eine Firma, die Gartenreisen organisiert), zum Tee bei der Queen, zu einem Besuch in den „Highgrov’schen“ Bio-Gärten von Prinz Charles sowie zu winterlichen Fortbildungen im Gartenclub und zur jährlichen Leistungsschau um das grösste Gemüse.

Das Buch erlaubt interessante Einblicke ins englische (Garten-)Leben. Haben Sie beispielsweise gewusst, woher die Sandwiches ihren Namen haben? In einem Kapitel wird erklärt, wie es dazu kam, dass in Englands Gärten jährlich beeindruckende Summen für wohltätige Zwecke gespendet und gesammelt werden, während in der Geschichte „Der Garten als Bühne – Fête champêtre bei Stourhead“ von einem imposanten Freiluftanlass die Rede ist. Hilfreich sind auch die Fussnoten mit Angaben von Internet-Seiten oder Buchtipps.

Nach der Lektüre des Buches bin ich doch ein klein wenig neidisch – die Autorin wohnt in einer für Gartenliebhaber nahezu optimalen Gegend und Gartenparadiese in Form von Pflanzenmärkten, Gärtnereien oder Gärten sind in fast unmittelbarer Nähe in Hülle und Fülle vorhanden. Wie aus den Geschichten zu erfahren ist, können aber auch in ländlichen englischen Idyllen Eichhörnchen oder Dachse zur Plage werden.

Und wer weiss, vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal die Gelegenheit, an einer Gartenkreuzfahrt auf der MS Deutschland oder der Sea Cloud II teilzunehmen, auf welcher die Autorin als Reisebegleiterin dabei ist …



Heidi Howcroft:
Tee & Rosen – Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010



PS: Die Schnellmahlzeit Sandwich verdankt ihre Bezeichnung J. Montagu, dem 4. Earl von Sandwich, der 1762 ein Stück Fleisch zwischen zwei Scheiben Brot hat legen lassen.

28. März 2010

Die siebte Stufe oder The Savage Garden

Erst kürzlich habe ich festgestellt, dass Mark Mills Buch „The Savage Garden“ bereits im letzten April auch als deutsche Ausgabe erschienen ist, und zwar unter dem Titel „Die siebte Stufe“.

1958 - Der zweiundzwanzigjährige Kunsthistoriker Adam Strickland reist auf Vermittlung von Professor Leonard in die Toskana, um den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Renaissancegarten der Familie Docci zu untersuchen. Die Besitzerin Francesca Docci ist eine alte Freundin von Leonard und Strickland beabsichtigt, den Garten als Thema für seine Doktorarbeit zu verwenden.

Den Gedenkgarten mit Kapellen, Brunnen, Statuen und Grotten hatte Fürst Federico seinerzeit in Erinnerung an seine jung verstorbene Frau Flora anlegen lassen. Die schwer kranke Francesca Docci möchte endlich erfahren, was für ein Geheimnis die wehmütige Schönheit der Anlage verbirgt. Tatsächlich kommt Adam Strickland mit Hilfe von wichtigen italienischen Literaturwerken recht schnell auf die richtige Spur und kann nachweisen, dass Flora ermordet worden ist. Für seine Entdeckung kann Strickland viel Lob einheimsen. Doch die Familie Docci hat nicht nur ein dunkles Geheimnis, das Jahrhunderte zurückliegt – 1944, gegen Ende des 2. Weltkrieges, wurde Francescas älterer Sohn Emilio unter nie vollständig geklärten Umständen kaltblütig ermordet. Adam Strickland versucht nun, auch dieses Rätsel aufzulösen. Er kommt der schrecklichen Wahrheit immer näher, was dem frei herumlaufenden Mörder natürlich gar nicht passt.

Sehr spannender Roman mit gartenhistorischem Hintergrund, der ganz nebenbei einen Einblick in Dantes „Göttliche Komödie“ und Machiavellis Werk gibt. Die Geschichte ist ausserordentlich gut durchdacht, führt den Leser immer wieder auf falsche Fährten und lässt ihn bis zum Schluss im Unklaren, wer eigentlich die Fäden zieht und wer als Marionette daran baumelt.



Mark Mills:
Die siebte Stufe
Karl Blessing Verlag, 2009

The Savage Garden
Harper Collins Publishers, 2007

26. März 2010

Bei Iris-Liebhabern

Die 26jährige Tess Darcy aus Victoria Springs hat von Ihrer verstorbenen Tante das „Iris-House“ geerbt und hat darin ein Bed-and-Breakfast eingerichtet. Ihre allerersten Gäste sind die Mitglieder des lokalen Iris-Züchter-Vereins. Während Tess damit beschäftigt ist, ihre Gäste zufrieden zu stellen, wird am Rande einer der für den Eröffnungsnachmittag geplanten geführten Gartenbesichtigungen ein weiblicher Gast ermordet zwischen den Iris-Beeten aufgefunden.

Der für den Fall zuständige Kommissar verdächtigt nicht nur fast sämtliche Mitglieder des Gartenclubs, er traut auch Tess die Tat zu. Die Jungunternehmerin fürchtet um die Reputation ihres „Iris-House Bed-and-Breakfast“ und beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Tess findet rasch heraus, dass das Mordopfer sehr unbeliebt war, weil es mehrere Iris-Züchter erpresst hat. Doch welcher Gast hat das stärkste Motiv und schreckt auch vor einem Anschlag auf Tess nicht zurück?

Dies ist der erste Krimi einer Reihe unter dem Titel „Iris House Mystery“ mit der sympathischen Tess Darcy. Der Iris-Züchter-Verein und der Iris-Garten sorgen für den gärtnerischen Hintergrund.



Jean Hager:
Blooming Murder – An Iris House Mystery
Avon Books, 1994

22. März 2010

Das Labyrinth der Rosen

Neben dem Titel hat mich an diesem Taschenbuch auch das Buchcover mit einer roten und einer weissen Rose und dem Labyrinth aus der Kathedrale von Chartres angesprochen. Die Lektüre hinterlässt bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck, was aber wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass ich das Buch aus zeitlichen Gründen immer wieder weglegen musste. Wäre es allerdings fesselnder gewesen, hätte ich mir sicher mehr Zeit genommen, um schneller vorwärtszukommen …

Die Geschichte spielt Anfang dieses Jahrhunderts, dazwischen werden aber immer wieder Szenen aus dem 17. Jahrhundert eingeblendet. Titelthema ist die Entschlüsselung einer dreihundert Jahre alten kryptischen Handschrift aus dem Nachlass von John Dee, einem seinerzeit anerkannten Mathematiker und Astrologen. Um die richtigen Schlüsse aus den Rätselkarten und Texten zu ziehen und das passende Schloss zu einem seit 17 Generationen immer an weibliche Nachkommen vererbten silbernen Schlüssel zu finden, haben die junge Engländerin Lucy und ihr Arzt Alex etliche Abenteuer zu überstehen.

Die Autorin hat in diesem Roman ihr immenses Wissen über Esoterik, Numerologie und Astrologie verarbeitet, thematisiert christlichen Fundamentalismus und natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte.

Ein Knotengarten spielt eine wichtige Rolle beim Rätseln, aber als „Gartenroman“ würde ich das Buch nun nicht gerade bezeichnen. Empfehlenswert ist es vor allem für Liebhaber von esoterischen Titeln. Der Leser kann übrigens anhand der Rätselkarten im Anhang an den Roman selber mit knobeln.

Nun freue ich mich jedenfalls auf meine nächste Lektüre, den ersten Roman, der vom Gartenarchitekten Fürst Pückler-Muskau handelt – „Der Gartenkünstler“ von Ralf Günther. Die bisher vorliegenden Rezensionen sind allerdings teilweise auch nicht gerade berauschend.



Titania Hardie:
Das Labyrinth der Rosen
Diana Verlag, 2010

18. März 2010

Schlechte Saat

Daphne, die Tochter der Gartenkolumnistin Agatha, ist vor fünf Jahren spurlos verschwunden. Und nun hat sich Agathas Ehemann auf die Suche nach Daphne gemacht und wird ebenfalls vermisst.

So ist Agathas Leben völlig ist aus dem Ruder geraten. Ihre vielgelesenen Kolumnen in „Womanly you“ basieren auf Erfahrungen aus ihrer Lieblingslektüre, dem Schmökern in Gartenbüchern über Sissinghurst oder Hidcote. Ihr eigenes Heim aber ist umgeben von Kakteen und Steinen. Die Idee der Chefredakteurin, ein Preisausschreiben zu lancieren, dessen Hauptgewinn eine Tour durch Agathas Garten sein soll, veranlasst die Kolumnistin, ihre Wohnsituation zu überdenken und zu ändern. Sie macht sich auf die Suche nach einem kleinen günstigen Häuschen mit etwas Land rundherum, wo sie ihren bisher imaginären Garten in die Tat umsetzen kann. In einem abgelegenen Dorf erwirbt sie schliesslich das baufällige Heim einer verstorbenen berühmten Hexe (!).

Im Garten gedeihen auf geheimnisvolle Weise nur Giftpflanzen. Ein mysteriöser Liebhaber taucht auf und schliesslich auch die verloren geglaubte Tochter. Das Zusammenleben erweist sich als sehr schwierig und wird noch komplizierter als auch Agathas Ehemann wieder aufkreuzt.

Spezielle übersinnliche Lektüre, die mir ganz gut gefallen hat. Giftpflanzen und gefährlicher Honig spielen eine wichtige Rolle. Die Erzählung nimmt immer wieder Bezug auf Märchen, wenn etwa bei Daphnes Taufe für den Zeitraum zwischen ihrer Kindheit und Erwachsensein ein schlimmes Ereignis prophezeit wird oder die Erwähnung von kaum zu durchdringenden Ranken, die das Hexenhäuschen umwinden, als Agatha es erwirbt.



Maurilia Meehan:
The Bad Seed
BeWrite Books, 2005

14. März 2010

Faszinierende Frauen und ihre Gärten

Kaum ist die Schneedecke wenigstens teilweise weggeschmolzen, erneuert sie sich zu meinem Leidwesen gleich wieder und die Aussichten für die nächsten Tage versprechen auch keine wesentliche positive Veränderung. Auch meine Zimmerpflanzen haben schon bessere Tage gesehen und machen mir im Moment keine grosse Freude. Um von diesen trüben Tatsachen abzulenken, kommt ein opulenter Bildband mit Portraits von faszinierenden Frauen und ihren zumeist zur Blütezeit fotografieren Gärten gerade zur rechten Zeit.

Im neuen Buch von Eva Kohlrusch und Gary Rogers werden vierundzwanzig Frauen portraitiert. Vertreten sind Autodidaktinnen, Schriftstellerinnen und Unternehmerinnen, aber auch Frauen, die beruflich als Floristin oder Rosenzüchterin in der grünen Branche tätig sind.

Vielleicht haben Sie kürzlich Eva Demskis Buch „Gartengeschichten“ gelesen, das ich an dieser Stelle zu einem früheren Zeitpunkt vorgestellt habe, und sind neugierig auf deren privates grünes Reich oder es interessiert Sie, einen Blick hinter den Gartenzaun einer Chefredakteurin von mehreren Gartenzeitschriften zu werfen? Oder Sie stöbern im Internet gelegentlich in einschlägigen Gartenforen herum und interessieren sich speziell für die Gärten von Autodidaktinnen? Es beschäftigt Sie die Frage, ob im Garten einer Krimi-Autorin wohl besonders viele Giftpflanzen anzutreffen sind?

Der vorliegende Bildband gibt Antwort auf diese Frage und befriedigt die Neugierde, indem er in sonst abgeschirmte Bereiche blicken lässt. Die vorgestellten Frauen, die selber gärtnern oder teilweise wohl eher gärtnern lassen, sind ebenso verschieden wie ihre Gärten. Ob der Garten nun klein oder gross ist, ein Blütenmeer bevorzugt wird oder der Fokus eher auf grüne Strukturpflanzen gelegt wird – die Frauen teilen die Leidenschaft, im Garten Pflanzenbilder zu komponieren. So ist eines der Portraits einem Garten mit 450 Rosen gewidmet und lässt den Leser oder die Leserin an Dornröschen denken. Die Herrin über diese Pracht geniesst den Rosenrausch, freut sich aber auch, wenn nach der überwältigenden Blütenfülle Pflanzenraritäten wieder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, während in einem anderen Garten der Gemüse- und Kräutergarten eine wichtige Rolle spielt.

Die Texte werden ergänzt durch hervorragende Fotos und Angaben der Gärtnerinnen zu Lieblingspflanzen und Gartenerfahrungen. Falls Sie persönlich bereits zum Verkaufserfolg des Vorgängerbandes „Besondere Frauen und ihre Gärten“ beigetragen und an diesem Freude gehabt haben, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit auch von diesem Buch begeistert sein. Und nach der Lektüre vielleicht auch hoffen, dass Eva Kohlrusch noch genügend weitere Gärten auftreibt, die eine Vorstellung wert sind.



Eva Kohlrusch (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Faszinierende Frauen und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2010

11. März 2010

Die Gärten von Landrake Hall

Um es gleich vorweg zu nehmen – dieses Buch gehört leider zu denen, in welchen der Garten ausser im Titel fast nirgendwo im Text vorkommt. Trotz dem mangelnden gärtnerischen Hintergrund, den frau aufgrund des Titels erwartet hat, lohnt sich die Lektüre dieses Romans, der in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts spielt, durchaus.

Rosina, die Mutter der jungen Modistin Cleo ist durch Heirat Herrin über den grosszügigen alten Landsitz Landrake geworden. Über den alten Gemäuern und der angeheirateten Familie liegen dunkle Schatten. Cleos Stiefvater wird erpresst und ihre Mutter Rosina überredet sie, diesbezüglich diskrete Nachforschungen anzustellen.

Der Roman umfasst knapp 500 Seiten, die sich mehrheitlich mit Ereignissen aus wenigen Tagen füllen. Gleichzeitig fügen sich die Rückblicke in Szenen in das für die Familie Landrake schicksalhafte Jahr 1919 zu einem Ganzen und die Leserin kommt gemeinsam mit Cleo auf die Spur der düsteren Familiengeheimnisse.

Ein tragisches Ereignis ereignete sich seinerzeit im Garten und dieser wird an selbiger Stelle ungefähr in der Mitte des Buches etwas ausführlicher beschrieben, so dass man sich andeutungsweise die exotische Pracht aus Palmen, Schlingpflanzen und Büschen vorstellen kann.



Elizabeth Edmondson:
Die Gärten von Landrake Hall
Wunderlich (Rowohlt Verlag), 2010

7. März 2010

Philosophie lebendiger Gärten

Der Bücherfrühling hat kaum begonnen und schon habe ich bei den bis jetzt gelesenen Titeln ein Buch gefunden, das ich unter „Lieblingsbüchern“ einordnen kann. Meine Begeisterung gilt Gabriella Papes neuester Publikation „Meine Philosophie lebendiger Gärten“, einem Lesebuch das ohne Illustrationen und Fotos auskommt. Auf rund 250 Seiten werden verschiedenste Themen rund um Gartengestaltung und Gartenkultur beleuchtet und im autobiographischen Teil wird auch die leise Neugierde der Leserin und des Lesers nach etwas Klatsch und Tratsch aus der Gartenwelt befriedigt.

Die erfolgreiche Gartendesignerin Pape hat es sich zum Ziel gesetzt, dass der Gartenkultur im deutschen Raum ein ähnlicher Stellenwert zukommt wie in England und in Berlin die Gartenakademie gegründet. Im vorliegenden Buch erzählt sie nun aus ihrer Kinder- und Jugendzeit, in welcher ein älterer Nachbar sie in die Geheimnisse des Gärtnerns eingeweiht hat, von ihrer Ausbildung als Baumschulerin und der Weiterbildung in Kew Garden.

Die Autorin wird nicht müde, immer wieder die Unterschiede zwischen englischen und deutschen Gärtnern zu betonen, wird aber nicht missionarisch. Neben Rückblicken auf ihre bisherigen beruflichen Erfolge, zu welchen die Gestaltung eines Showgartens an der Chelsea Flower Show zählt, gibt es Kapitel zur Vermessung der Gärten, Gedanken zu Farbenspielen und der Schönheit des Zufalls und das Gärtnern wird mit dem Theater verglichen, wo die Darsteller ebenso unterschiedlich sind wie im Garten und es auch Diven wie Pfingstrosen oder Mohn mit pompösen Auftritten gibt, aber eben auch nicht weniger wichtige Nebendarsteller und Statisten.

Falls Sie Gelegenheit dazu haben, blättern Sie während der philosophischen Lektüre doch parallel im farbenprächtigen Band „Gartenverführung“ (siehe meine Buchbesprechung hier) von der gleichen Autorin. Im Kapitel „Der eigene Garten“ können Sie dann gleichzeitig in deren ehemaligem Garten spazieren, einen Blick auf die Gin-Tonic-Terrasse werfen und auch das Huhn Brunhilde antreffen.

Es ist sicher spannend, in zehn, zwanzig oder mehr Jahren zurückzublicken, und versuchen festzustellen, welchen Einfluss in der Veränderung der deutschen Gartenkultur auf Gabriella Pape und die Gartenakademie zurückzuführen ist. Ich persönlich habe jedenfalls grosse Lust, mal wieder nach Berlin zu fahren und in die Gartenakademie reinzuschauen.

Dieses Buch ist ein empfehlenswertes Geschenk für Gartenliebhaber. Und wenn man den Umschlag mit dem sympathischen Foto der Autorin entfernt, kommt ein spezieller, geschmackvoller Bucheinband zum Vorschein.



Gabriella Pape:
Meine Philosophie lebendiger Gärten
Irisiana Verlag, 2010

5. März 2010

A Gardener’s Journal

Flora kehrt Seattle den Rücken zu und zieht zurück nach Ashville, North Carolina, in das Haus ihrer Kindheit. Ihre Mutter ist vor zwei Jahren gestorben und die 45jährige Flora vermisst sie immer noch sehr stark. Nachdem Flora ihr Elternhaus wieder bewohnbar gemacht hat, widmet sie sich dem verwilderten und heruntergekommenen Garten. Sie liest die Garten-Journale ihrer Mutter und bringt den Garten wieder zu neuer Blüte.

Flora hat bis anhin ein zurückgezogenes Leben geführt. Nun tritt sobald sie eine neue Blume in den Garten gepflanzt hat, eine Person mit dem gleichen Namen in ihr Leben. Ihre neuen Freundinnen heissen DeCynthia „Bleeding Heart“ Hart, Lily „Lily of the Valley“ White sowie Gloria „Morning Glory“ Moran und Lavenia “Lavender” Labelle.

Im Verlag iUniverse kann jeder seine eigenen Bücher veröffentlichen. Und wie im deutschsprachigen Pendant entspricht die Qualität der Publikationen nicht immer den Druckerzeugnissen aus Verlagen mit Lektorat. Als mühsam empfand ich in diesem Buch vor allem die eingeschobenen Seiten aus dem Gartenjournal von Floras Mutter, da die kleine Schrift nur schwer lesbar ist.



Rhoda R. Williams:
A Gardener’s Journals
iUniverse, 2008

1. März 2010

Sommerhaus

Die dreissigjährige Charlotte Wheelwright hat in ihrem Leben schon verschiedenes ausprobiert. Mit einem eigenen Biogarten-Betrieb auf dem Land angrenzend an das Sommerhaus ihrer Grossmutter Nona scheint sie endlich das richtige für sich gefunden zu haben. Die Arbeit ist streng, aber befriedigend. Der sich abzeichnende Erfolg weckt aber Neid und Missgunst unter ihren Angehörigen. Diese befürchten, dass Charlotte von der neunzigjährigen Grossmutter im Testament bevorzugt behandelt werden könnte, war sie doch im geheimen schon immer deren Lieblingsenkelin.

Der Roman erzählt hauptsächlich davon, wie die Familien von Nonas Sohn und Tochter samt Enkeln und Urenkeln den Sommer auf der Insel Nantucket verbringen – aus der Sicht von Nona, der Schwiegertochter Helen und der Enkelin Charlotte. Auch in einer Bankierfamilie läuft nicht immer alles rund. Der Schwierigkeiten sind da beispielsweise ein alkoholkranker Sohn mit einer schwangeren Frau, von der bis anhin niemand etwas gewusst hat, ein Geheimnis aus dem 2. Weltkrieg, das Schatten bis in die Gegenwart wirft und die Ehe von Nonas Sohn scheint am Ende zu sein.

Das Gärtnerische ist in der Geschichte eher „Beigemüse“. Von Nancy Thayer gibt es einen schon älteren Roman mit dem Titel „Everlasting“, der in den 60er-/70er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt. Darin wird Catherine von ihren reichen Eltern nicht mehr unterstützt, weil sie nicht aufs College gehen will. Sie findet schliesslich Arbeit in einem Blumenladen, den sie später dank ihren Ideen und einer Erpressung (!) übernehmen kann. Dieses Buch ist auf Deutsch unter dem Titel „Orchideenträume“ erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich.



Nancy Thayer:
Summer House
Ballantine Books, 2009

26. Februar 2010

Beschränkt empfehlenswert

Als Viel-Leserin passiert es mir natürlich immer mal wieder, dass ich mich in Bücher vertiefe, mit denen ich wenig bis gar nichts anfangen kann. Während der wenig erfreulichen Lektüre überlege ich dann jeweils, was wohl anderen gerade an diesem Buch so gefallen hat, so dass ich aufgrund einer Buchvorstellung oder Empfehlung den Eindruck bekam, genau diesen Titel unbedingt lesen zu müssen.

In diese Kategorie gehört beispielsweise „Die Beschiessung des Botanischen Gartens“ von Donald Antrim. Bürgermeister Kunkel hat eine Rakete in den Botanischen Garten gefeuert und wird daraufhin einem mittelalterlichen Strafritual unterzogen. Damit ist das Gärtnerische bis auf eine kurze Erwähnung eines japanischen Gartens abgehandelt. Die Erzählung handelt von einem psychopathischen Lehrer und den Folgen eines Nachbarschaftskrieges nach dem Amoklauf des Bürgermeisters.

Gemäss der „Washington Post“ braucht man die richtige Einstellung und Ronald Firbanks Geschichten sind die amüsantesten Romane der Welt. Diese Voraussetzung scheint mir zu fehlen, denn auch mit dessen Buch „Die Blume unter dem Fusse“ konnte ich nicht viel anfangen. Zitat aus der Verlagsinfo: Firbank (1886 - 1926) schildert eine von Damen reiferen Alters dominierte Welt, in der den Männern nur eine untergeordnete Rolle zukommt, soweit sie nicht den amphorenhaften Reiz der Blumenjungen Bachir oder Effendi-Schatz zu entfalten in der Lage sind.

Für ein abschliessendes Urteil zum Krimi „Die Schattenrose“ von Michael Molsner muss ich noch die letzten fünfzig Seiten lesen – falls ich die noch schaffe. Während der Lektüre hatte ich mehr als eine Durststrecke zu überwinden und dadurch den roten Faden verloren. Zum Inhalt: Zwischen einer indischen Sekte mit dem Namen „Lotos-Propheten“ und dem ermordeten Finanzberater Max Baucker besteht eine Verbindung. Und Hauptkommissar Karl Borowiks neue Freundin stammt ausgerechnet auch aus diesem Umfeld.

Heute wurden meine Erwartungen in anderer Hinsicht enttäuscht. Die beiden hübsch illustrierten Büchlein „Gartenglück“ von Elsemarie Maletzke und „Heckengeflüster“ von Rose Blight/Germaine Greer aus dem Schöffling Verlag habe ich mir nun nicht ganz so winzig vorgestellt. Die Grösse entspricht in etwa den Titeln aus dem Manesse oder jenen aus dem Reclam Verlag. Vielleicht sollte ich mir vor einer Buchbestellung jeweils die Masse anschauen... Nun hoffe ich, dass wenigstens der Inhalt hält was ich mir verspreche. Die Mini-Grösse hat immerhin den Vorteil, dass die Bücher weniger Platz auf dem Büchergestell beanspruchen.



Donald Antrim:
Die Beschiessung des Botanischen Gartens
Edition Epoca, 1999

Ronald Firbank:
Die Blume unter dem Fusse
Männerschwarm Verlag, 2008

Michael Molsner:
Die Schattenrose
Verlag der Criminale, 2000

22. Februar 2010

Dreimal „H“

Mein kritischer, negativer Beitrag über gärtnernde Hobbyautoren hat zu interessanten Rückmeldungen geführt, auch zu solchen, die sich vehement für Sandra Sternberg eingesetzt haben. Das machte mich natürlich noch neugieriger auf deren im gleichen Artikel nur kurz erwähnte Publikation „Haus, Hof, Hühner - Heiteres aus dem Leben einer frisch gebackenen Haus- und Gartenbesitzerin“. Mit diesem Büchlein reiht sich Sandra Sternberg in eine immer grösser werdende Reihe von schreibenden Hobbygärtnern ein, die im Eigenverlag oder bei BOD ihre Erlebnisse veröffentlichen. Diese Erzählung hebt sich aber wohltuend ab, da sie tatsächlich amüsant geschrieben und die Leserin während der Lektüre immer wieder mal laut lachen lässt. Zu den orthographischen Schwachstellen möchte ich mich hier nicht weiter äussern, da sich die Autorin sowieso schon selber darüber ärgert. Ausserdem lässt einem der lockere Schreibstil grosszügig darüber hinwegsehen. Schade, dass das Büchlein so rasch gelesen ist, aber vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung?

Die Thermokomposter-Geschichte ist an anderen Stellen im Internet detailliert nachzulesen. In verschiedenen anderen Episoden erkenne ich mich wieder und einiges haben wir ähnlich erlebt.

Im Kapitel „Die Hecke wird geliefert – oder was fang ich jetzt damit an?“ erhält die Autorin per Post die erste Teilsendung (meint sie) der bestellten Pflanzen für die geplante gemischte grüne Wand. Während dem Öffnen des Pakets rätselt sie, welches Grünzeug wohl drin ist und wie sich das für den Lieferanten rechnet, wenn er alle Pflanzen einzeln verschickt, aber das Porto nur einmal dem Kunden weiterbelastet. Nun, Sie werden es schon erraten haben – alle georderten Pflänzchen waren kunstgerecht im Karton von 160 cm mal 30 cm untergebracht.

Wir hatten vor bald fünfzehn Jahren ein ähnliches Erlebnis. Unsere geplante Hainbuchenhecke hatten wir etwas spät im Frühjahr beim Gärtner bestellt und einpflanzen lassen. Als ich am Abend der geplanten Pflanzaktion von der Arbeit nach Hause kam (es war noch hell), dachte ich noch „Hatte der Gärtner doch keine Zeit, die Hecke wie versprochen einzugraben“. Etwas später stand ich im oberen Stockwerk am Fenster und schaute auf unsere Parzelle herunter. Da erblickte ich entlang der Grundstückgrenze eine Reihe kleiner Stecken. Beim Betrachten der Angelegenheit aus nächster Nähe entpuppten sich die mickrigen Stöckchen als das, was einmal eine dichte Hainbuchenhecke werden sollte. Wie wir nach dem Wochenende erfuhren, hatte der Gärtner die bestellte Pflanzengrösse nicht mehr auftreiben können und ohne uns zu informieren kleinere Exemplare verwendet. Zunächst wollten wir das Ganze aus Wut und Enttäuschung wieder rausreissen lassen, haben uns dann aber mit einer Preisreduktion begnügt. Wir konnten uns ja nicht vorstellen, wie schnell es gehen sollte bis die Hecke blickdicht war und heute wären wir nicht unglücklich, wenn sich das ungebremste Wachstum etwas eindämmen liesse …

Den Abschluss des Büchleins bildet ein Kapitel aus der Sicht des leidgeplagten Ehemannes – nicht weniger humorvoll als die Texte der Gattin.



Sandra Sternberg:
Haus, Hof, Hühner – Heiteres aus dem Leben einer frisch gebackenen Haus- und Gartenbesitzerin
Hinstorff Verlag, 2009

19. Februar 2010

Lesend einen Blick hinter die Kulissen werfen

Hier im Sofagarten habe ich vor ein paar Wochen über die schreibenden britischen Fernsehgärtner Alan Titchmarsh und Monty Don berichtet. Bereits im letzten Frühling hat der Moderator Hellmuth Henneberg, der im rbb-Fernsehen seit über zehn Jahren durch die Fernsehsendung „Gartenzeit“ führt, ein Buch veröffentlicht. Dieser reich bebilderte Band erlaubt ebenfalls einen Blick hinter die Kulissen einer Gartensendung und lässt einen an den nicht immer spannenden Dreharbeiten teilnehmen.

Der Leser und die Leserin erfährt (etwas erstaunt), dass dem Moderator, der keine gärtnerische Ausbildung mitbringt, etliche Handgriffe und Tätigkeiten, die er vor der Kamera erklärt, jeweils vor der Aufnahme erst von einem Fachmann erklärt und gezeigt werden müssen. Die Buchkapitel sind denn auch so gegliedert, dass nachdem der Fernsehgärtner aus dem Nähkästchen geplaudert hat, jeweils ein ausführlicher zum Thema passender Tipp von Britta Wulf folgt.

Die Hintergrundgeschichten sind sehr amüsant zu lesen und entbehren auch nicht einer gewissen Ironie. Das Standard-Tenue des Gartenzeit-Moderators besteht aus kariertem Hemd und Weste. So erkundigte sich eine Zuschauerin nach einem Spendenkonto, auf welches sie zweckgebunden einen Beitrag zur Anschaffung einer neuen Hose und eines neuen Hemdes überweisen wollte, da ihr die Kleidung ziemlich langweilig erschien. Im Kapitel „Mit Hemd und Weste“ werden sie und alle anderen Zuschauerinnen und Zuschauer dahingehend beruhigt, dass das Fernsehbudget durchaus die Anschaffung von Ersatzkleidern erlaubt und auch die Westen variieren.

Weitere Kapitel heissen da „Gärtnern und Gärtnern fürs Fernsehen sind nicht das Gleiche“, „Auf einem literarischen Trampelpfad zu Tagore und Ringelnatz“ oder „Warum Pflanzen nicht tun, was sie sollen“ und „Haben Sie eigentlich selbst einen Garten?“ und andere mehr.

Falls Sie die vom Autor moderierte Gartensendung (auch) nicht kennen – „Schöne grüne Grüsse“ ist der obligate Schlussatz der Fernsehproduktion.



Hellmuth Henneberg und Britta Wulf:
Schöne grüne Grüsse – Ein Gartenzeit-Buch
Hinstorff Verlag, 2009

15. Februar 2010

Tangled Roots

Adam Chandler wird angeklagt, seinen Freund Shane Pettigrew ermordet zu haben und wird in Untersuchungshaft gesteckt. Seine Schwägerin und Rechtsanwältin Nan Robinson eilt sofort nach Floritas in Kalifornien, um ihrer schwangeren Schwester Julie beizustehen.

Nan findet heraus, dass Adam vor Wochenfrist durch einen anonymen Brief erfahren hat, dass ihn seine Frau mit Shane betrogen hat und die Ehe ihrer Schwester nicht so perfekt ist, wie sie immer geglaubt hat. Ist Nans Schwager wirklich ein Mörder?

Adam und Julie sind im Blumengeschäft tätig. In Floritas soll ein riesiger Freizeitpark entstehen, der grosse Landreserven benötigt. Wer profitiert am meisten von Shanes Tod? Es bleibt nicht bei einem Mord und bevor der Täter überführt werden kann, kommt auch Nan in höchste Gefahr.

Meines Wissens ist dies das einzige Buch von Taffy Cannon, das den Garden Mysteries zugeordnet werden kann. Die Autorin hat aber Ende der 90er Jahre nach dem plötzlichen Tod der Gartenkrimi-Schriftstellerin und Freundin Rebecca Rothenberg (1948 – 1998) deren Manuskript “The Tumbleweed Murders“ fertiggestellt und veröffentlicht.



Taffy Cannon:
Tangled Roots
Fawcett Crest, 1995

12. Februar 2010

Der schwarze Karfunkel - Tulpenfieber

In Amsterdam, im Jahr 1625, also mitten im Tulpenfieber, spielt das Jugendbuch von Wieland Freund. Die Hauptrolle spielen der zwölfjährige Bäckerssohn Luuk und der Musketier Armand Philippe d’Ennery. In einem Zeitraum von rund zwei Tagen spielt sich eine atemraubende Suche nach einer Tulpenzwiebel mit dem Namen „Semper Idem“ ab.

Auf einer Brücke erweckt ein schlanker Mann mit breiten Schultern, Stulpenstiefeln, Federhut und einem kostbar verzierten Degen die Aufmerksamkeit von Luuk. Der im Degenknauf eingelassene schwarze Stein hat die gleiche Form wie eine Narbe am Unterarm des Jungen. Doch der Musketier interessiert sich nicht für diese Ähnlichkeit. Er schreitet rasch weiter und Luuk verfolgt den eleganten Mann und beobachtet ihn heimlich. Bei einer Schlägerei in einer Kneipe ist Luuk dem Musketier behilflich und erfährt schliesslich von diesem den Grund für seinen Aufenthalt in Amsterdam. D’Ennery zeigt dem Jungen ein Papier, auf dem eine Blume mit dreifarbigem Blütenkelch abgebildet ist, eine Semper Idem. Diese Tulpe muss er unbedingt auftreiben, um sie raschmöglichst an den französischen Königshof zu bringen. Da Luuk den Maler der Zeichnung kennt, kann er den Musketier zu ihm führen und schon steckt er gemeinsam mit dem Musketier in einer abenteuerlichen Suche nach der Tulpe …

Spannende Geschichte, in welcher der Leser nebenbei einiges über Holland im 17. Jahrhundert allgemein und das Tulpenfieber speziell erfährt.



Wieland Frieder:
Der schwarze Garfunkel - Tulpenfieber
Beltz & Gelberg, 2009

10. Februar 2010

Komödie zum Valentinstag

Gemäss Kinoprogramm startet pünktlich zum Valentinstag eine Episodenkomödie mit dem Titel „Valentinstag“ des Regisseurs Garry Marshall.

Die Hauptrolle soll gemäss Filmbeschrieb ein Florist spielen, der seiner Freundin am Tag der Liebenden einen Heiratsantrag macht und ein wichtiger Schauplatz ist der Blumenmarkt von Los Angeles. Böse Zungen behaupten, der Film sei von der kalifornischen Floristenvereinigung gesponsert worden. Etliche bekannte Schauspieler treten auf, darunter Julia Roberts und Shirley MacLaine. Der Regisseur Marshall verschaffte Kinogängern schon mit „Pretty Woman“ und „Plötzlich Prinzessin“ vergnügte Stunden. Da werden mit „Valentinstag“ hoffentlich auch etwas höher geschraubte Erwartungen nicht enttäuscht …

Shirley MacLaine spielte übrigens in einem anderen für Gartenfreunde interessanten Film aus den 70er Jahren zusammen mit Peter Sellers als Gärtner ebenfalls eine Hauptrolle. Der Film heisst „Mr. Chance“ und das gleichnamige deutsche Buch von Jerzy Kosinski ist antiquarisch noch erhältlich. Die englische Ausgabe mit dem Titel „Being There“ ist immer wieder neu aufgelegt worden.

8. Februar 2010

Augenschmaus

Ob einem ein Buch auf den ersten Blick gefällt oder nicht, hängt im Buchladen nicht unwesentlich von der Gestaltung des Buchumschlags ab. Das Auge wird unweigerlich zu Bildern und Illustrationen gelenkt, die einen als Betrachter anziehen. Als potentielle Buchkäuferin betrachte ich ein solches Buch dann gewöhnlich auch genauer als eines, dessen Cover mich weniger anspricht oder gar abstösst. Im Moment lese ich gerade ein Buch über Mohnblumen (Blue Heaven – Encounters with the Blue Poppy von Bill Terry, Touch Wood Edition) mit einem traumhaft schönen Titelbild in blau und grün, was mich auf die Idee gebracht hat, für einmal einen Beitrag über die Hüllen statt die Inhalte von Büchern zu schreiben.

Die meisten mir speziell zusagenden Buchcover, die mir spontan zu diesem Thema einfallen, sind eher bunt oder es handelt sich um Leinenausgaben mit aufgeklebten Farbillustrationen. Zu den Buchumschlägen, die in einer Hitliste meiner Bibliothek vordere Plätze belegen würden gehören die Bücher „Bunte Beete in voller Blüte vom Frühlig bis zum Herbst“ von Veronika Walz (AV Buch) und „Marie mit dem Kopf voller Blumen“ von Sigrid Laube (Jungbrunnen). Beide Cover zeigen eine Menge Blüten und die Farbgebung in hauptsächlich weiss, rosa und gelb ist ähnlich.

„Gärten in der Wüste“ von Leslie Marmon Silko (Rogner & Bernhard) überzeugt mit fast unzähligen detailgetreu gezeichneten Pflanzen und Früchten während „Monets Garten“ (Buch zu einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich 2004/2005) mit einem Titelbild in verschwommenen Farben genau das präsentiert, was man an Monet mag oder eben nicht.

Das Cover des Buches „Liontooth – the story of a Garden“ von Sara Sharpe (Beautiful Books) erfüllt alle meine Erwartungen, die durch den Namen des Verlags geweckt werden. Der gemalte Garten mit Farn, Fackellilien, Löwenzahn und anderen Blumen mehr ist fast zu schade, um ihn einfach auf dem Büchergestell verschwinden zu lassen. Für das Buch „Im Garten hinterm Haus“ von Sandra Pepek (fantasieReichverlag) war ursprünglich ein anderes Cover geplant. Ich hatte das Buch seinerzeit hauptsächlich wegen dem Titelbild und ohne besondere Kenntnisse betreffend Inhalt bestellt. Nach einem Verlagswechsel noch vor Publikation der Erstausgabe bekam es einen ganz anderen Umschlag. Auch wenn mir der erste Entwurf besser gefallen hat – das Kinderbuch ist unbedingt lesenswert!

Nicht nur optisch sondern auch zum Fühlen was bietet der Roman „Eine Villa zum Verlieben“ von Gabriella Engelmann (Knaur). Die Efeuranken und die Katze auf dem Cover sind aus grünem Samt. Nicht aus Samt aber ebenfalls „fühlbar“ sind die Umschläge der beiden Tobi Lolness-Bücher, die ich im Sofagarten bereits früher einmal vorgestellt habe.

Wenn das Buch dann gelesen ist, treten Überlegungen betreffend Attraktivität der Buchumschlagsgestaltung gewöhnlich in den Hintergrund. Die meisten Bücher fristen ihr Dasein ja wohl Umschlag an Umschlag in einem Regal. Würde man die Druckwerke mit sichtbarem Titelcover aufstellen, benötigten sie ja noch mehr Regalfläche. Und schliesslich gibt es auch etliche Buchumschläge, die besser zwischen anderen Büchern versteckt werden, damit man sie nicht im Blickfeld hat... Vielleicht ein Thema für einen späteren Beitrag. Noch ein anderes Thema ist die Schwierigkeit oder Unzulänglichkeit, dass die Buchrücken nicht einheitlich in eine Richtung beschriftet sind, so dass man/frau sich bei der Suche nach einem Buch vor dem Gestell immer wieder fast verrenken muss.

Um meinem Prinzip „keine oder möglichst wenige Bilder“ treu zu bleiben, habe ich auch in diesem Beitrag bewusst auf Bilder verzichtet. Mit Googeln sind die Bücher aber ja rasch aus den Weiten des Internets auf Ihren Computer geholt.

5. Februar 2010

Asiatische Lektüre

1937, der Chinese Stephen Chan wird von seiner Familie in das Ferienhaus im japanischen Tarumi geschickt, um sich von seiner schweren Lungenkrankheit zu erholen. Der wortkarge japanische Hausverwalter Matsu soll sich um ihn kümmern. Die beiden unterschiedlichen Männer freunden sich an und Matsu nimmt den jungen Chinesen schliesslich mit in die Berge in ein abgelegenes Dorf, wo verbannte Lepra-Kranke leben. Matsu stellt Stephen Sachi vor, die ihr von Narben entstelltes Gesicht hinter einem Tuch verbirgt und die ihn von Beginn weg fasziniert. Nach und nach erfährt der junge Chinese wie das Schicksal Matsu und Sachi seit Jahrzehnten miteinander verbindet und trennt.

Der Genesungsurlaub wird von verschiedenen schlechten Nachrichten überschattet und in einem Tsunami wird der in jahrelanger Arbeit erschaffene Garten innert kürzester Zeit stark verwüstet.

Ein traurig-schöner Roman in Form eines Tagebuches verfasst. Ob es wirklich so einfach war, auch nur vorübergehend als Chinese in einem japanischen Dorf zu wohnen während die beiden Länder miteinander im Krieg standen?

Im Roman wird eine Geschichte über eine Perlentaucherin erzählt. Der neueste „Seitenumdreher“ von Barbara Wood mit dem Titel „Das Perlenmädchen“ handelt von der Perlentaucherin Tonina. Zwar spielt dieser Roman nicht in Japan, aber er erzählt die Suche nach einer Heilpflanze, um das Leben von Toninas Grossvater zu retten.

Wer sich näher mit japanischen Gärten beschäftigen mag, dem sei das kleine Büchlein „In einem japanischen Garten“ von Lafcadio Hearn aus dem Manesse Verlag empfohlen. Es vermittelt Einblicke in die Mythologie und Philosophie und die fernöstliche Gartenkunst.




Lafcadio Hearn:
In einem japanischen Garten
Manesse Verlag, 2006

Gail Tsukiyama:
Der Garten des Samurai
BLT, 2000

Barbara Wood:
Das Perlenmädchen
Fischer Taschenbuchverlag, 2009

1. Februar 2010

The Real Garden Road Trip

Die tief verschneite Landschaft hat durchaus auch im Flachland ihren Reiz. Aber Sie haben allmählich nun doch genügend Schnee gesehen und wären bereit für den Frühling? Nun, mittlerweile ist es zwar schon Februar, aber es dauert doch noch eine Weile, bis es draussen in der Natur wieder richtig losgeht. Vielleicht nutzen Sie die Zeit, eine Gartenreise zu planen? Einfach ins Auto sitzen, los fahren, nach Lust und Laune anhalten, sobald ein schöner Garten hinter einem Gartenzaun lockt und versuchen, ob man spontan hereingebeten wird. Verrückt? Zu viele Verpflichtungen wie Familie, Arbeit, Haushalt und Garten, die rufen? Falls Sie sich selber keine solchen Wünsche erfüllen können oder wollen, mögen Sie vielleicht über zwei Frauen lesen, die genau diesen Traum verwirklicht und ihre Erlebnisse niedergeschrieben haben.

Der dreimonatige Trip begann mit einer Postkarte, die Elspeth Bradbury von Freunden aus Irland erhielt. Diese bereisten die grüne Insel und hielten mehr oder weniger ungeplant an interessanten Orten, um Schlössern, Kirchen oder was immer sonst ihre Aufmerksamkeit fesselte einen Besuch abzustatten. Und plötzlich wusste Elspeth genau, was sie tun wollte – eine Tour durch kanadische Gärten unternehmen. Unangemeldet Gärten besuchen und möglichst viele verschiedene Gärtner kennenlernen. In Gärten, in welchen rostige Werkzeuge herumliegen und Funkien von Schnecken angefressen sind, mit Gärtnern über das Wetter, Unkräuter und Gott und die Welt plaudern. Das Ziel sollten also keine herausgeputzten Gärten aus Hochglanzzeitschriften sein, sondern versteckt blühende Paradiese von ganz „normalen“ Leuten, die mit Vorliebe in der Erde herumwühlen. Elspeth Bradbury und Judy Maddocks hatten zwei Jahre vor dieser neuen Idee gemeinsam ein Buch verfasst und es gelang Elspeth rasch, ihre Freundin für ihre Pläne zu begeistern.

Drei Monate fuhren die beiden Freundinnen Mitte der 90er Jahre mit einem Mietauto durch Kanada und besuchten die verschiedensten Gärten, sprachen mit Gärtnerinnen und Gärtnern und übernachteten in günstigen Motels. Ständige Begleiter waren ein Fotoapparat und ein Aufnahmegerät. Im illustrierten Buch „The Real Garden Road Trip“ erzählen die Frauen abwechselnd von ihren Begegnungen. In dem Vierteljahr wurden die beiden von über 80 leidenschaftlichen Gärtnerinnen und Gärtnern in deren grünen Idyllen empfangen und entdeckten dabei beispielsweise einen Gemüsegarten auf einem Boot, einen Rosenspezialisten in der Prärie und einen Steingarten in den Bergen.

PS: Ein kanadisches Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.



Elspeth Bradbury and Judy Maddocks:
The Real Garden Road Trip
Polestar Book Publishers, 1997



29. Januar 2010

Michelle Curry Wright: Miranda Blue Calling

Nach verschiedenen unglücklichen Beziehungen möchte sich Miranda Blue in einem baufälligen einsam gelegenen Haus in Colorado verkriechen. An ihrem neuen Wohnort sucht und pflegt sie überhaupt keine Kontakte und konzentriert sich auf ihren Begleit-Telefon-Service „Respect for Elders“ für kranke und ältere Menschen.

Mirandas einziger Nachbar weit und breit ist der junge Witwer und Gewächshaus-Gärtner William Wordsworth „Billy“ Steadman. Während Miranda eigentlich nichts lieber tut als reden, ist Billy gewöhnlich ein kein Freund vieler Worte. Immer wieder versucht er erfolglos, Miranda besser kennenzulernen und eine gute Nachbarschaft aufzubauen. Doch seine Nachbarin vermeidet Begegnungen und lässt keine Annäherung zu.

Die Geschichte hat mich nicht wirklich gefesselt. Das Hin und Her fand ich eher mühsam als spannend zu lesen, insbesondere auch weil das Ende des Romans ja voraussehbar ist und auch keine Überraschung bietet. Das Gewächshaus-Gärtnern beschränkte sich im Wesentlichen auf die wiederholte Erwähnung von Tomaten, deren unschlagbarer Geschmack auf Hydrokultur und spezielle Musik-Berieselung zurückzuführen ist.



Michelle Curry Wright:
Miranda Blue Calling
Avon Trade, 2004

27. Januar 2010

Gelegenheit für günstige Bücher

Noch bis Ende Monat werden alle Bestellungen in der Schweiz beim hier schon oft erwähnten Restseller portofrei verschickt.

Keine Lust das vor einiger Zeit erwähnte Buch "Die Tulpe des Bösen" von Jörg Kastner zu lesen? Vielleicht besorgen Sie sich das günstige Hörbuch?

Regelmässige Leserinnen erinnern sich vielleicht an den kürzlichen Artikel über einen Farn-Roman. Schon etwas älter ist das Buch "Die feine New Yorker Farngesellschaft" von Oliver Sacks über eine Reise von Hobby-Botanikern nach Mexiko. Der Titel ist für weniger als einen Fünfliber erhältlich.

Und unter Stichwörtern wie "Garten" und "Pflanzen" erscheinen auch neuere Titel wie "EM im Garten", "Die Pflanzenmalerin" und "Der Akazienkavalier".

So, genug gesurft für heute. Interessante Tipps für - möglichst vor Ende Monat - sind immer willkommen!

25. Januar 2010

Gärtnernde Hobby-Schriftsteller

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle schon einmal über Hobbygärtner geschrieben, die ihre Gartenerlebnisse in Buchform veröffentlichen. Und dass die Begeisterung, ein Buch zu verfassen und im Eigenverlag oder bei BOD zu veröffentlichen das fehlende Lektorat meist wieder wett macht. Leider ist dem nicht immer so. In den letzten Tagen bestand meine Lektüre aus zwei Titeln, die ich diesen Ausnahmen zuordnen würde. Sie werden als herzerfrischend und witzig angepriesen, was mich üblicherweise bereits etwas stutzig macht. Leider habe ich mich nicht auf mein Gespür verlassen und die Bücher trotzdem gekauft.

Die Gartenromane sind in der Ich-Form geschrieben und die Geschichten lassen mich vermuten, dass sie wohl mehrheitlich autobiographisch sind. Die Texte sind oft ziemlich ungehobelt und wohl so verfasst „wie der Schnabel gewachsen ist“ . Die recht häufig vorkommenden Fehler (beispielsweise fehlende Wörter in Sätzen) tragen auch nicht zur Steigerung des Lesevergnügens bei.

Beim Lesen hatte ich oft Mitleid mit den Nachbarn, dem Gatten und der Freundin der Erzählerin. Und ob in einem Roman die monatlichen Beschwerden im Zusammenhang mit der Regelblutung wirklich thematisiert werden müssen? Ab und zu gibt es auch Kapital, in denen in mir so etwas wie Sympathie mit der Gärtnerin durchschimmerte. Beispielsweise wenn sie ihre Gefühle niederschreibt, als der ältere Nachbar, über den zuvor immer wieder gelästert wurde, schwer erkrankt und schliesslich stirbt. Ich hatte zuvor im Stillen gehofft, dieser kriege die Zeilen über ihn nie zu sehen – diese Bedenken haben sich somit erübrigt und vielleicht ist ja in diesem Roman doch mehr erfunden als ich vermute.

Ich möchte der Autorin nicht zu nahe treten und habe mich deshalb entschieden, darauf zu verzichten im Sofagarten Details wie Buchtitel, Verfasserin und Verlag zu erwähnen. Falls jemand trotz meiner nicht sehr schmeichelnden Worte Lust auf die Lektüre bekommen haben sollte, darf er/sie mir gerne eine E-Mail schicken.

Übrigens bin ich gerade dieses Wochenende auf einen weiteren Erfahrungsbericht einer Gärtnerin in Buchform gestossen: „Haus, Hof, Hühner: Heiteres aus dem Leben einer frisch gebackenen Haus- und Gartenbesitzerin“ von Sandra Sternberg. Nun bin ich gespannt, ob die kurze Erzählung so heiter ist wie im Titel angekündigt.

22. Januar 2010

Rosemary and Thyme – Teil 2

Von den beiden hier kürzlich erwähnten gärtnernden Detektivinnen gibt es nicht nur Geschichten in Form von DVD’s. Drei der verfilmten Episoden sind auch als Taschenbücher erschienen.

Im ersten Buch „And no birds sing“ ist Laura Thyme eben von ihrem Ehemann verlassen worden und fährt zu ihren Freunden Sam und Vickie Trent, um sich trösten zu lassen. Gleichzeitig ist Rosemary Boxler von ihrem ehemaligen Studenten Daniel Kellaway in dessen Landhaus eingeladen worden. Daniel ist wegen einem merkwürdigen Hautauschlag stark geschwächt und in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Er muss deshalb die Leitung des Gartencenters, das er mit seinem Freund Sam Trent gemeinsam führt, diesem überlassen.

Ein Autounfall und verschiedene andere merkwürdige Vorfälle wecken den Argwohn von Laura Thyme und Rosemary Boxler, die sich gerade kennen gelernt haben. Für die Lösung ihres ersten gemeinsamen „Falles“ stützen sich die beiden Frauen auf ihr Hintergrundwissen – Rosemarys gärtnerischen Kenntnisse und Lauras Erfahrung aus ihrer früheren beruflichen Tätigkeit als Polizistin.

Die beiden Frauen sind sich sehr sympathisch und möchten ihre neue Freundschaft vertiefen. Sie beabsichtigen, gemeinsam im Garten-Geschäft tätig werden. Im Buch „The Tree of Death“ helfen Laura und Rosemary bei der Organisation eines mittelalterlichen Anlasses mit, während sie im Titel „Memory of Water“ angeheuert werden, um einen Garten in Abootslea zu restaurieren. Doch es bleibt natürlich nicht beim Buddeln von Pflanzlöchern und anderen gärtnerischen Tätigkeiten, sondern die beiden stecken ihre Nasen wie auch schon in der Serie wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen...



Brian Eastman:
Memory of Water
Allison and Busby, 2006

The Tree of Death
Allison and Busby, 2006

And no birds sing
Allison and Busby, 2004


18. Januar 2010

Das alte Land

Seit zehn Jahren lebt die leidenschaftliche Gärtnerin Alyson mit ihrem Freund Walker, einem Töpfer und Keramikkünstler, in der kanadische Wildnis im Norden von Ontario. Schon beim gemeinsamen Renovieren des alten Hauses Hütte läuft zwischen den beiden nicht alles rund. Die Beziehung wird durch finanzielle Probleme und Alysons Schwangerschaft zusätzlich belastet. Walker sieht sich gezwungen, auswärts einen Job anzunehmen und Alyson bleibt über den Winter allein im abgelegenen Haus zurück. Zunächst geniesst sie das Alleinsein und ihre fortgeschrittene Schwangerschaft und kann auch auf die Unterstützung von Freunden zählen. Doch die kalte Jahreszeit bringt nicht nur riesige Mengen Schnee, sondern auch eine schlimme Tragödie in Alysons Leben.

Vor über hundert Jahren hat auf dem gleichen Flecken Land eine schottische Auswanderfamilie ihr Glück gesucht. Der Vater der jungen Margaret hat in der Heimat sein Schiff verkauft und ist mit seiner Familie nach Kanada aufgebrochen. Kaum angekommen, wird der Vater vom Rest der Angehörigen getrennt, weil er Symptome einer ansteckenden Krankheit aufweist. Das Leben in den weiten Wäldern Kanadas ist für die Neuankömmlinge aus Schottland alles andere als einfach und wird von Margaret zu Papier gebracht. Als Alyson ein Jahrhundert später nach dem Verlust ihres Babys verstört durch die Wildnis irrt, stösst sie auf diese Notizen.

Das Buch ist kürzlich im Taschenbuchformat erschienen. Ich habe die gebundene Ausgabe vor längerer Zeit in einer Buchhandlung durchgeblättert, auf meine Wunschliste gesetzt und kürzlich als Restexemplar im Internet wiederentdeckt. Dieser kanadische Roman schaffte es leider ähnlich wenig mich zu fesseln, wie jenes andere kanadische Buch, über das ich hier Ende September 2009 berichtet habe. Ich wünschte mir für eine künftige kanadische Lektüre mit gärtnerischem Hintergrund eine etwas weniger düstere Kulisse. Denn trotz dem vielen Schnee im Buch, hatte ich beim Lesen fast ständig eine dunkle Wildnis vor den Augen.



Merilyn Simonds:
Das alte Land
btb Verlag, 2007

15. Januar 2010

Ninfa – The most romantic garden in the world

Rund 60 Kilometer entfernt von Rom befindet sich umgeben von Ruinen das mittelalterliche Städtchen Ninfa mit einem der der bekanntesten und schönsten Gärten Italiens. Über Ninfa sind schon verschiedene Bücher geschrieben worden, das neueste grossformatige Portrait hat Charles Quest-Ritson verfasst.

Der Buchumschlag, auf dem eine alte von Glyzinien überwucherte Brücke abgebildet ist, steigert die Erwartungen. Eine illustrierte Karte erlaubt dem Leser einen ersten Überblick über den Garten und nach einem kurzen Vorwort folgt eine detaillierte Einleitung in die Geschichte von Ninfa und seiner verschiedenen Eigentümer.

Der Text wird durch eingeflochtene Anekdoten aufgelockert. So erfährt man im Kapitel über Duke Roffredo und Herzogin Marguerite, dass diese sogar 1940, während dem zweiten Weltkrieg, Bestellungen über 1000 Lupinen und 500 Dianthus aufgaben. Marguerites Liebe galt aber nicht nur Pflanzen allgemein und Rosen im speziellen. Sie lancierte auch literarischen Magazine (Botteghe Oscure, Commerce), wo sie verschiedenen damals noch unbekannten Schriftstellern wie beispielsweise Truman Capote und Muriel Spark eine Plattform bot. Herausgeber von Botteghe Oscure war übrigens Giorgio Bassani, der Autor von „Die Gärten der Finzi-Contini“. Bassani verfasste das Buch auf Ninfa und der Einfluss der Umgebung auf die Geschichte lässt sich nicht verleugnen.

Wunderschöne Fotos und ein Register runden den positiven Eindruck über dieses Buch ab und wecken die Lust, dem Garten selber mal einen Besuch abzustatten. Falls Sie also mal in Rom oder Umgebung sind, ist ein Abstecher nach Ninfa sicher eine Überlegung wert. Aber Achtung, die Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt – unbedingt vorher abklären (und keine Einzelführung erwarten …)!



Charles Quest-Ritson:
Ninfa – The most romantic Garden in the world
Frances Lincoln, 2009

11. Januar 2010

Irische Lektüre

Das kürzlich erwähnte Buch über irische Gärten, Gärtner, Pflanzen und Pflanzenjäger ist inzwischen (natürlich) bestellt worden und auch bereits eingetroffen. Ich habe es zwar noch nicht gelesen, aber bereits ein Kapitel entdeckt, das allein die Anschaffung des Titels schon rechtfertigt. Und zwar sind die letzten Seiten der irischen Gärtnerin und Autorin Sheila Pim (1909 – 1995) gewidmet. Deren „Garden Mysteries“ stehen auf den meisten englischen Gartenkrimi-Listen und die Nachdrucke aus dem Verlag Rue Morgue Press auch auf meinem Büchergestell. Im Artikel wird auch ein interessanter (Garten-)Roman mit dem Titel „ A sheltered garden“ erwähnt, der aber leider nur noch antiquarisch und sehr teuer zu kaufen ist.

Sheila Pim, deren Bekanntheit heutzutage hauptsächlich auf ihre Biografie über den irischen Pflanzenjäger Augustine Henry zurückzuführen ist, wurde häufig angefragt, zu dessen Ehren junge Taschentuchbäume (Davidia involucrata) zu pflanzen, da Henry als erster Samen dieses Gehölzes nach Europa geschickt hatte. Im Buch ist denn auch ein Foto abgebildet, das Sheila Pim bei einer solchen Aktion zeigt.

Auf einem ehemaligen Industriegelände ein paar hundert Meter von unserem zuhause entfernt entsteht im Moment die zweite Bauetappe eines neuen Parks. Auf den Bautafeln ist zu erfahren, dass ein Teil der Bepflanzung aus einem Hain aus Tauben- oder Taschentuchbäumen bestehen soll. Einen solchen Baum hätte ich schon lange gerne in meinem Garten, was aber schon aus Platzgründen unmöglich ist. Dafür versuche ich jedes Jahr mit mässigem Erfolg die Blüte eines dieser Bäume in einem anderen Stadtteil nicht zu verpassen. Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf die Blüten von Taschentuchbäumen in fast unmittelbarer Nähe. Falls die Bäume beim Pflanzen so klein sind wie jener auf dem Foto mit Sheila Pim und die im letzten Jahr gepflanzten Gehölze aus der ersten Bauetappe im selben Park, muss ich mich wohl noch eine Weile gedulden …

8. Januar 2010

Wieder einmal - Schnäppchen

Englische Gärten, Bauerngärten, Staudengärten und Rosengärten – was diese vier Buchtitel gemeinsam haben? Sie handeln logischerweise von Gärten und Pflanzen und alle vier sind aus der Serie „Gartenträume“ aus dem Verlag Naumann & Göbel. Und bis Ende Januar sind diese Titel, die pro Exemplar gerade mal CHF 6 kosten, sogar portofrei beim hier schon mehrmals erwähnten Restseller zu kaufen. Somit hinterlässt einer dieser Bildbände eine kleinere Lücke im Portemonnaie als die meisten Einzelnummern von Gartenzeitschriften.

Die Titel verraten ja bereits, was inhaltlich zu erwarten ist. Die Qualität der Informationen ist ähnlich wie bei Zeitschriften, man kriegt mit dem Kauf der Bücher einfach etwas „Handfesteres“ als bei einer Illustrierten – ob das ein Vorteil ist oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Die vier Bände mit je 160 Seiten sind jedenfalls mit schönen Fotos reich bebildert, alle mit einem ausführlichen Register ausgestattet und eignen sich ausgezeichnet dazu, die momentanen winterlichen Verhältnisse zu vergessen und von kommendem Grün und farbigen Blüten zu träumen. Und die Schreiberin überlegt sich, warum wohl diese Bücher – kaum erschienen – schon zu Discountpreisen erhältlich sind…(obwohl der Originalpreis ja auch schon sehr günstig war).



Brunhilde Bross-Burkhardt:
Bauerngärten

Reinhard Lintelmann:
Englische Gärten

Rita Mielke:
Rosengärten

Monika Judä:
Staudengärten

alle vier Titel erschienen in der Serie „Gartenträume“ bei Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft, 2009

4. Januar 2010

Sowing the seeds of love

Nach dem tragischen Unfall, bei dem ihr Mann und ihre kleine Tochter ums Leben kamen, versucht Aoife in Irland zusammen mit ihrem dreijährigen Sohn Liam wieder Boden unter die Füsse zu kriegen. Als die junge Frau in Dublin einen verwilderten Garten entdeckt, gelingt es ihr, die eher unfreundliche und unsympathische Inhaberin Mrs Pendergast davon zu überzeugen, ihr das Grundstück zwecks Wiederherstellung des Gartens zur Nutzung zu überlassen. Aoife, die selber keine Erfahrung im Gärtnern hat, sucht mittels einer kleinen Anzeige Helferinnen und Helfer. Es melden sich zwei Freiwillige – Emily und Uri, die sich gemeinsam mit Aoife an die Arbeit machen. Später stossen noch Seth, Uris Sohn und gelernter Gärtner, sowie die Grundstückbesitzerin Mrs Pendergast, zur Truppe.

Diese Menschen, die sich hier zusammengefunden haben, tragen schwer an Lasten und Verlusten aus der Vergangenheit und fühlen sich teilweise (mit-)schuldig am Tod von geliebten Menschen. Emily hat kürzlich völlig auf sich allein gestellt eine Tochter zur Welt gebracht und steht vor der schwierigen Entscheidung, das Baby nun definitiv zu Adoption freizugeben. Uri, ein deutscher Jude, ist verwitwet und hat fast seine ganze Familie in einem Konzentrationslager verloren. Das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis seines Sohnes Seth sind schwer angeschlagen, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, und zwar nicht für einen anderen Mann, sondern für eine Frau. Einziger Lichtblick in Seths Leben ist momentan seine kleine Tochter. Und über Mrs Pendergast ist ein Gerücht im Umlauf, nach welchem sie vor vielen Jahren ihren Ehemann umgebracht haben soll.

Dank Aeoifes Initative beginnt der Garten wieder zu blühen und die freiwillige Arbeit im Garten schweisst das Grüppchen zusammen. Doch wie ein Damokles-Schwert hängt der geplante Verkauf des Grundstücks über dieser spriessenden Idylle.

Endlich wieder einmal ein Buch, für das sich lohnt, bis weit in die Nacht hinein zu lesen! Für alle, die keine englischen Bücher lesen wollen oder können: der Roman erscheint diesen Sommer unter dem Titel „Ein Garten voller Liebe“ auch in deutscher Sprache. Und vielleicht darf die Leserin auf eine Fortsetzung hoffen?



Tara Heavey:
Sowing the seeds of love
Penguin Ireland, 2009

1. Januar 2010

Das Liebesleben der Farne

Die 26jährige Farngärtnerin Caroline Nadler erhält aus Frankreich eine Postkarte von ihrer Mutter. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn sie nicht ihr ganzes bisheriges Leben geglaubt hätte, ihre Mutter sei tot. Die Nachricht bringt sie aus dem Gleichgewicht und sie verliert das Vertrauen in ihren Vater, in welchem sie nur noch einen Lügner sieht.

Doch eigentlich hat Caroline schon immer gewusst, dass man sich auf Menschen nicht verlassen kann und geht deshalb voll und ganz in ihrer Liebe zu Farnen auf. Mondraute, Engelsüss, Adlerfarn, Hahnenkamm und wie sie alle heissen lassen sie nicht im Stich. Ihre Grossmutter hat ihr vor Jahren ein Farnlehrbuch geschenkt und sicher nicht geahnt, dass sie damit Carolines beruflichen Weg vorgeben wird. Die Junggärtnerin hat sich nämlich selbständig gemacht, die Erbschaft ihrer inzwischen verstorbenen Grossmutter in ein Hightech-Gewächshaus investiert und zusätzlich eine Hypothek aufgenommen. Eine Werbeagentur mietet für eine Präsentation einen Grossteil ihrer Farne. Da der Kunde Gregor Beer ihre Pflegehinweise gänzlich ignoriert, überstehen viele von Carolines Lieblingen diesen Grossauftrag nicht. Als Gregor nun glaubt, den angerichteten Schaden mit einem Check aus der Welt schaffen zu können, bricht ihm die Jungunternehmerin in ihrer grenzenlosen Wut die Nase. Das Pech scheint an Caroline zu kleben, denn in einem starken Gewitter mit Hagelschauern wird auch noch ihr Gewächshaus samt allen Farnen total zerstört. Daraufhin beschliesst sie, ihre Mutter zu suchen und macht sich auf die Reise in die Bretagne.

Auch der Werbetexter Gregor Beer hat kürzlich unerwartete Post erhalten – ein Paket mit der Urne und der Asche seines verstorbenen Patenonkels zusammen mit einem Brief. Gregor soll seinem Paten eine Seebestattung ermöglichen und sich auf eine Reise nach Frankreich begeben und auf einer Insel im Atlantik weitere Instruktionen erhalten.

Die Wege von Caroline und Gregor kreuzen sich erwartungsgemäss wieder. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Caroline und Gregor erzählt und der Leser erhält einen umfangreichen Einblick in das bisherige Leben der beiden und in ihre Gefühlswelt. Aus gärtnerischer Sicht ist hauptsächlich der erste Teil der Erzählung interessant, aber die Geschichte ist auch nachdem die Farne nicht mehr omnipräsent sind – trotz teilweise etwas überspannten Zufällen – bemerkenswert. Gerne hätte ich am Ende noch ein paar Zeilen über Carolines (Nicht-Mehr-)Freundin erfahren.

Ob mich der Roman dazu verleitet, dieses Jahr endlich die schon länger geplante Farn-Ecke zu verwirklichen? Jedenfalls sind wir auf meiner heutigen Walking-Route schon einige Farne ins Auge gestochen, die mir bisher noch nie aufgefallen sind.



Beate Rygiert:
Das Liebesleben der Farne
Droemer Verlag, 2009