2. Juni 2011

Gartenpark am Goetheanum

Nach einem längeren Reifeprozess ist vor zwei Jahren ein bemerkenswertes Buchprojekt über das Gelände rund um das Goetheanum in Dornach abgeschlossen worden und die hier vorgestellte Publikation erschienen. Der Leser erhält mit dem Ablauf der Jahreszeiten einen interessanten Einblick in die verschiedenen Gärten und Begegnungszonen. Und er kann sich mit der konsequente Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes in diesem Park vertraut machen, der diesen Betrieb somit wohl von den meisten anderen öffentlichen Grünanlagen unterscheidet. Als Beispiel sei hier die Verwendung von selber hergestellten Farben aus Färber-Pflanzen der betriebseigenen Gärtnerei für die Verwendung der Deckenmalerei im Grossen Saal erwähnt.

1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.

Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.

Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.



Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009

30. Mai 2011

Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern

Im August 2009 wurde anlässlich der 13. Poesienacht im Botanischen Garten Bern das zweisprachige Gartenprogramm „Verbarium“ aufgezeichnet. In Mundart und teilweise in Französisch wird quer durch die Gartenwelt gereimt. Begleitet werden die teilweise recht schrägen Texte von Akkordeon, Bass und Perkussion. Stücke mit Titeln wie „Der grüen Duume“, „Böim“, „Pflanzennamen“, „Bauernregeln“ (nicht ganz ernst zu nehmen) und „Kultur-Natur“ versprechen und halten rund 60 Minuten Hörgenuss.

Auch ein Text kann ein Garten sein – hier wuchern Wörter und es kann mit ihnen jongliert werden. Schlummert in jedem Schlafmohn eine Revolution? Wer bricht den Aronstab über wen? Wer spricht mit doppelter Hirschzunge? Wer vergibt den Ehrenpreis? Wer jagt wen in den Bockshornklee? Wer ist wem übers Leberblümchen gekrochen? Wer hebt mit der Ballonblume ab?

An anderer Stelle wird von Leuten berichtet, die den Botanischen Garten als Selbstbedienungsladen, ähnlich einem Erdbeerland, betrachten und beim Ausgang erfreut feststellen, dass Waage und Kasse fehlen. Schlafmohn, indischer Hanf und Viola odorata stehen auf der Besorgungsliste in Sachen Beliebtheit ganz oben. Wer mag es dem Obergärtner verdenken, dass er neben den Veilchen Schilder aufgestellt hat mit dem Hinweis „verursacht bleibende Impotenz“? Die Information ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck.

Pedro Lenz sinniert über den Zusammenhang zwischen einem schönen Rasen und dem grünen Daumen. Sieht ihr Rasen aus wie ein Kaninchenfell, schmeckt er wie Ruccola und ist er belastbar wie ein Sonderschullehrer oder ist er allenfalls nur eine Lehmgrube mit etwas grün oben drauf? Ihn (den grünen Daumen) haben oder nicht haben, macht hier den Unterschied aus.



Audio-CD: Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Spoken Word: Antoine Jaccoud, Guy Kmeta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Daniel de Roulet, Michael Stauffer und Beat Sterchi
Musik: Adi Blum (Akkordeon), Michael Pfeuti (Bass), Margrit Rieben (Perkussion)
Verlag Der gesunde Menschenverstand, 2010

27. Mai 2011

Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt

Können Sie sich vorstellen, dass ihre Nachbarn plötzlich Schweine im Garten halten? Da würden Sie vermutlich nicht nur die Nase rümpfen. Novella Carpenter mutet ihren Nachbarn mit ihrer Cityfarm - die zugegebenermassen nicht gerade in einer feinen Gegend liegt - einiges zu, verteilt aber gleichzeitig auch ihre Ernte grosszügig („Hey, mein Garten ist auch dein Garten“) unter Nachbarn und Passanten bzw. diese bedienen sich bei Bedarf auch ungefragt und ungestraft selbst. Und schliesslich ist das Aufziehen von zwei Schweinen der (vorläufige?) Höhepunkt in Sachen Landlust zwischen Beton und Asphalt, begonnen hat das Projekt im Jahr 2005 in kleineren Dimensionen.

Direkt neben der neuen Mietwohnung im Ghetto von Oakland annektiert Carpenter eine Brache und beginnt mit der Urbarmachung von rund 4000m2 Land, das von Gestrüpp zugewuchert ist. Henry David Thoreau schrieb in „Walden“, dass er den Wert des von ihm besetzten Land steigerte, indem er es besetzte. Diese Aussage ist identisch mit Novella Carpenters Motto. Den Startschuss zur Aufwertung markiert die Aussaat von Tomaten, Basilikum, Kopfsalat, Gurken und Mais. Ein Jahr später lernt die junge Frau zufällig den Grundstückeigentümer kennen und erhält von diesem das O.k., auf dem Land einen Garten anzulegen und legt richtig los. Als Angestellte in einer Gärtnerei kann sie Pflanzen mit Rabatt kaufen und so stehen bald ein Apfel-, ein Feigen- und ein Zitronenbaum sowie eine Agave neben den schon uralten Pflaumenbäumen. Damit letztere bestäubt werden, sind Bienen samt Imkerausrüstung die nächste Anschaffung.

Da ein Grossteil des Grundstücks auf einer Betondecke liegt, werden aus Holzabfall Hochbeete konstruiert. Ein paar Hochbeete und Bienen machen aber noch keine Farm und so zieht als nächstes allerlei Gefiedertes in Ghost Town ein. Und da Kaninchenmist Manna für den Garten bedeutet, ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Beginn einer entsprechenden Kleintierzucht.

Die nicht mit viel Bargeld gesegnete Hobbyfarmerin berichtet in ihrem interessanten Buch des weiteren von Werkzeugneid, ihren Lektionen in Sachen Salamiproduktion und von einem (langen) Monat, in welchem sie sich nur von Produkten aus eigener Herstellung ernährte. Immer wieder thematisiert werden die nächtlichen Touren zu den Mülltonnen in der Umgebung, um die ständig hungrigen Schweine satt zu kriegen. Letzteres eine Tätigkeit, die vom Aufwand her bald einem Teilzeitjob entsprach. Dazwischen erzählt sie auch von Tragödien und tödlichen Zwischenfällen bei Zusammenstössen zwischen Geflügel und Beutelratten oder Hunden.

Noch in Erinnerungen an einen kürzlichen Ausflug in die Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen schwelgend, lautet mein Fazit: es geht weniger um Kraut, aber mehr um Krempel - es gibt praktisch keinen (von anderen weggeworfenen) Gegenstand, der von der Autorin und ihrem Lebenspartner nicht einer neuen Verwendung zugeführt werden kann. Und natürlich sehr viel über Tiere. Beeindruckend zu verfolgen, welches Wissen sich die Cityfarmerin anhand von einschlägiger Literatur (umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches) aneignet und wie sie soweit immer möglich auch vor dem eigenhändigen Schlachten der von ihr aufgezogenen Tiere nicht zurückschreckt.



Novella Carpenter
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Bastei Lübbe, 2010

24. Mai 2011

Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete

„Willkommen in der Welt der Stauden“ so heisst das erste Kapitel in dieser Frühjahrserscheinung der Landschaftsarchitektin und Gartenjournalistin Bettina Rehm-Wolters und von Markus Zeiler, dem Parkleiter der Insel Mainau. Herausgeberin des prächtig illustrierten Buches ist die „Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.“. Diese Kombination weckt hohe Erwartungen in die Publikation und die vielfältigen vorgestellten Staudenkombinationsmöglichkeiten.

Die ersten vierzig Seiten vermitteln eine Einführung in die Staudenklassen und zeigen die unterschiedlichen Lebensbereiche auf: welche Pflanze lebt gerne im Schatten von Gehölzen? Welche Staude zieht humosen Boden vor und welche gibt sich auch mit kargen Verhältnissen zufrieden? Anschliessend geht es ums Komponieren von abwechslungsreichen Staudenbeeten. Die Fülle an unterschiedlichen Blattformen macht die Wahl nicht unbedingt einfacher. Eine konkrete und wichtige Planungshilfe für das effektvolle Spiel mit Farben ist der Farbkreis. Mögliche Wege zu einer harmonischen Gestaltung erfährt der interessierte Leser im Kapitel „Grundlagen der Beetgestaltung“. Zwischen den informellen Absätzen werden regelmässig Stauden detaillierter vorgestellt: Päonien, Lilien, Hemerocallis, Iris, Hostas und andere mehr.

Üppige, gemischte Staudenpflanzen mitsamt passenden Begleitern, die naturnah in ihren Lebensbereichen präsentiert werden, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig den Pflegeaufwand in Grenzen halten, sind Merkmale des „New German Style“. Schön und gut - aber lässt sich dafür tatsächlich kein deutscher Ausdruck finden?

Meine Lieblingsseiten in diesem Buch sind jene, die verschiedene Staudengärtner und –züchter portraitieren und diese auch selber zu Wort kommen lassen. Der Bericht über die gleichzeitige Verwandlung eines Krankenhausgartens in eine (fast) alle Kundenwünsche erfüllende Staudengärtnerei und die eines Drogisten in einen Botschafter in Sachen Gartenkultur war für mich eine schöne Ergänzung zum kürzlichen Besuch in Illertissen und der durch die Staudenfreunde organisierten Gärtnereiführung durch Dieter Gaissmayer persönlich. Daneben erfährt man Interessantes über Anja Maubach, Christian Kress, Cassian Schmidt (dieser wird übrigens in der Juni-Ausgabe der „Gardens Illustrated“ im „horticultural who is who“ portraitiert) und natürlich nicht zuletzt über Karl Foerster und die Insel Mainau. Des weiteren wird kurz auf Krankheiten und Schädlinge eingegangen und im Anhang finden sich nützliche Adressen, Bezugsquellen und ein Register.



Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler/Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrsg.):
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Callwey Verlag, 2011

21. Mai 2011

Common Ground – Ein Briefwechsel mit hortikulturellem Hintergrund

Zwei Frauen, zwei verschiedene Gärten – an einer Klassenzusammenkunft erneuern die Schriftstellerin Janice Marriott und die Bäuerin Virginia Pawsey ihre seit Jahren brachliegende Freundschaft aus Teenagertagen. Per Email bleiben sie in Kontakt und haben die hortikulturelle Korrespondenz unter dem Titel „Common Ground“ veröffentlicht.

Janice hegt und pflegt einen Stadtgarten in Wellington. Virginia und ihr Mann betreiben eine Schaffarm und der Hauptzweck ihres Gartens ist die Versorgung der Familie, der Schafscherer und anderer Angestellten mit Früchten und Gemüse.

Während Janice sich in der City mit Erntedieben, solchen auf zwei Beinen wie auch schleimigen, kriechenden, herumärgert, plagt sich Virginia mit Opossums, Wildschweinen oder Ratten und fährt des Öfteren mit gröberem Geschütz auf. Die Städterin träumt von einem Garten in der Grösse von Monets Giverny mit ordentlichen Beeten und Gartenwegen, die vor lauter pflanzlicher Fülle kaum mehr auszumachen sind. Der erste Teil dieser Träume entspricht auch den Vorstellungen von Virginias Angetrautem auf dem Land: er ist nämlich der Ansicht, dass sämtliche Teile des Gartens auf dem Traktor sitzend passierbar sein sollten.

Im Lauf der Jahreszeit – die europäische Leserin muss sich an die „verkehrten“ Jahreszeiten gewöhnen – lernt man die beiden unterschiedlichen Frauen und ihre Gärten recht genau kennen und erfährt über die Vorlieben und Abneigungen, staunt vielleicht auch mal über den zuweilen recht offensiven Gebrauch von Gift und darüber, dass auch auf der anderen Seite der Erdkugel der „Butterblumentest“ ein Thema ist. Rosen bereiten nicht nur Freude – das muss auch Janice erfahren, als sie sich durch einen Stachel in der Wade eine schwere Entzündung einfängt. Immer wieder ein Thema im Buch ist auch die Verarbeitung von schweren Schicksalsschlägen der beiden Frauen. Virginias Sohn kam mit einer Gruppe von Studenten Mitte der neunziger Jahre beim Absturz einer Aussichtsplattform ums Leben.

Die Korrespondenz wird immer mal wieder mit Rezepten angereichert. Es gibt denn auch noch ein zweites Buch der beiden Neuseeländerinnen in Briefform. Bei der Fortsetzung geht es um die Verwertung der Produkte aus Hof und Garten, nämlich ums Kochen („Common Table“).



Janice Marriott/Virginia Pawsey:
Common Ground – The true story of two friends and two very different gardens …
Harper Collins Publishers, 2008


19. Mai 2011

Das Wunder kam beim Rasenmähen

Gleich vorweg: der Bezug zum Gärtnern beschränkt sich auf die Ausübung eines Hilfsjobs in einer Gärtnerei mit Schwerpunkt Unterhaltsarbeiten, das Umschlagsbild und eine spontane Gartenlektion einer Obdachlosen beim Gramercy Park in Manhattan. Dies ist absolut kein Grund auf die Lektüre dieser warmherzigen Erzählung voll witziger Dialoge zu verzichten. Schliesslich passiert es auch mir nicht wöchentlich, dass ich abends kurz vor elf Uhr mit der Lektüre eines neuen Buches beginne und dann gleich mal rasch hundert Seiten lese, bevor ich es widerstrebend weglege und endlich schlafen gehe.

Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?

Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?

Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …



Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010

17. Mai 2011

… und gleich nochmals andere zu Wort kommen lassen

Renate Hücking ("Die Beute der Pflanzenjäger") von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur hat mir folgenden Text zukommen lassen, den sie für die Zeitschrift „Blätterrauschen“ verfasst hat. Ich habe mich sehr über diese netten Zeilen gefreut und möchte euch diese nicht vorenthalten:



Die Sofagärtnerin


Durch Zufall habe ich die „Sofagärtnerin“ getroffen und mich sofort am PC fest gelesen. Was ich dort las, hat mir so gut gefallen, dass ich den Blog sofagaertnerin.blgospot.com (oder einfach „Die Sofagärtnerin“ googeln) allen Garten-Buchwürmern empfehlen möchte: Gegliedert nach etwa 20 Stichworten (Romane, Gartengestaltung, Kinder- und Jugendbücher, Pflanzenportraits etc.) entfaltet die Bloggerin ein breites Panorama an deutsch- und englischsprachiger Gartenliteratur. 

Hier werden nicht nur Klappentexte und Pressemitteilungen abgeschrieben; die persönlich gehaltenen, gleichwohl informativen Texte vermitteln den Eindruck, als habe die Sofagärtnerin aus der Schweiz die Bücher tatsächlich gelesen. Nach der Lektüre dieser Buchbesprechungen war ich jeweils in der Lage zu entscheiden, was mich interessieren würde und was nicht. 

Die Mitteilung, dass die Sofagärtnerin auch eine Garten-Gärtnerin ist, hat für mich die Frage aufgeworfen, wie schafft sie das bloss. Wenn ich nur halb so viel lesen würde wie sie, wäre mein Garten eine Wildnis.



(Copyright by Renate Hücking/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Renate Hücking)

15. Mai 2011

Death in the Winter Garden

Dieser von Karen Lowe getextete Gartenkrimi ist bereits der zweite, in welchem die Gartendesignerin Fern Green ihre Nase immer wieder in Angelegenheiten steckt, die sie eigentlich nichts angehen. Das erste Buch habe ich hier vorgestellt.

Die Erzählung spielt im Jahr 2001 - es ist kurz vor Weihnachten. Keine gute Zeit, um mit Gartenentwürfen Geld zu verdienen. So ist Fern erleichtert, als sie von Owen Stanyard den Auftrag erhält, den jahrzehntelang vernachlässigten Garten von Plas Graig aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Eigentlich war geplant, dass Owens Sohn Tristan, ein Botaniker, diese Aufgabe übernimmt. Doch der junge Mann ist vor zwei Monaten auf einer Pflanzenexpedition in Kolumbien ertrunken. Wegen diesem tragischen Todesfall soll in der Gartenrestauration auch ein Projekt „Gedenkstätte“ realisiert werden.

Die erste Gartenbesichtigung vor Ort wird durch den Gärtner Morgan unterbrochen, der in Spatentiefe die sterblichen Überreste eines Neugeborenen entdeckt hat. Noch mehr Unruhe löst die Ankunft einer unbekannten jungen Frau aus, die behauptet, Tristans Witwe zu sein und sein Kind zu erwarten.

Für die Planung der Gartenrestauration vertieft sich Fern in alte Tagebücher. 1939 hatte Vita Sackville-West in Kent ihre vielkopierte Idee vom Weissen Garten entwickelt. Der Garten von Plas Graig ist genau seit diesem Jahr vernachlässigt worden. Das bringt Fern auf die Idee, den Gedenkgarten ausschliesslich mit weissen und silbernen Pflanzen zu bestücken. Als in nächster Nähe ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird, fokussiert sich ihr Interesse wieder mehr auf ihre detektivischen Fähigkeiten…



Karen Lowe:
Death in the Winter Garden
Beanpole Books, 2011

13. Mai 2011

... für einmal andere zu Wort kommen lassen

Nach fast 250 von mir verfassten und im Sofagarten veröffentlichten Posts zur Abwechslung mal ein Beitrag aus fremder Feder: Hier der Link zu einem Portrait über die Sofagärtnerin, das in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes SBVV erschienen ist.


(Copyright by Martin Walker/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Martin Walker, SBVV)

9. Mai 2011

Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters verhindert, dass Louisa ihrem Freund Andi von ihrer ungeplanten Schwangerschaft berichten kann. Sie verlässt überstürzt Freund und Schwangerschaftstest, den sie in eine auf dem Teller übrig gebliebene Bulette gesteckt hat.

Eigentlich hatte Louisa bald nach der Beerdigung wieder in ihre WG in Berlin zurückkehren wollen. Doch durch den völlig unerwarteten Verlust ihres geliebten Ehemannes hat sich ihre Mutter Amélie von einer selbständigen, resoluten Frau in eine ziemlich hilflose Witwe verwandelt, deren Aufmerksamkeit es entgeht, dass auch die Tochter trauert und wegen ihrer Schwangerschaft auf mütterliche Unterstützung angewiesen wäre. Während sich Amélie also an den neuen unverschämt gutaussehenden Pfarrer klammert, vertieft Louisa ihre Bekanntschaft mit dem Gärtner Gilbert Kalinke, der sich ungefragt in Opas altem Schuppen am Rand des Gartens wohnlich eingerichtet hat.

Die etwas skurrile Geschichte rund um einen Pfarrer mit besonderem Hang zu hilflosen weiblichen Schäfchen in seiner Gemeinde wird abwechslungsweise aus der Sicht von vier Frauen erzählt. Neben Louisa und Amélie kommen die beiden Nachbarinnen Irmi und Carola zu Wort. Witzige Dialoge sorgen für unterhaltsame Lektüre, vor allem Louisa behält meistens das letzte Wort. Erschüttert wird die junge schwangere Frau zuweilen durch Gilberts freizügigen Ansichten betreffend „mein“ und „dein“ und möchte diesbezüglich gar keine genauen Details erfahren, wenn er "stehlen" schönfärberisch als "organisieren" bezeichnet.

Ganz nebenbei wird während der Handlung der jahrelang vernachlässigte Garten in ein asiatisch angehauchtes Paradies verwandelt, vor welchem Fotografen von angesehenen Gartenzeitschriften Schlange stehen, um einen Termin fürs Ablichten der Idylle zu erhalten.

Nach "Ein unmoralisches Sonderangebot" ist „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ mein zweites Buch von Kerstin Gier, das ich gelesen habe. Hinweise darüber, ob sich auch die anderen Bücher der Autorin einen gewissen gärtnerischen Hintergrund haben, sind herzlich willkommen!



Kerstin Gier:
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Bastei Lübbe, 2000 (8. Auflage 2010)

5. Mai 2011

Frauen im Garten

Die Beziehung zwischen Frauen und ihren Gärten war in jüngster Zeit wiederholt Thema von verschiedenen interessanten Publikationen. Das hier vorgestellte Buch widmet sich für einmal Gemälden und stellt Gartenbilder von berühmten und auch weniger bekannten Malern vor.

Nach einem Vorwort von Eva Demski (siehe auch meine Vorstellung ihres Buches "Gartengeschichten") und einer Einleitung von Tania Schlie werden die Gemälde und Künstler in Kapitel gegliedert. Die Überschriften lauten beispielsweise „Der Garten der Frauen“, „Der Garten der Kindheit“, „Der Garten den Freundinnen“, „Der Garten der Gärtnerin“ oder „Der Garten der Lüste“. Im Kapitel „Ein Ort schwer von Rosenduft“ ist übrigens das Bild „The Soul of the Rose“ von John William Waterhouse abgebildet, welches das Umschlagbild des Romans „Lilys Rosengarten“ ziert, den ich letzthin hier im Sofagarten vorgestellt habe.

Ist der Garten, das Gärtnern Ausdruck der unermüdlichen Suche des Menschen nach dem verlorenen Paradies? Maler aus allen Epochen und Stilrichtungen haben ihn als Motiv gewählt, etliche wie Claude Monet oder Max Liebermann haben sich ihre grünen und/oder bunten Kulissen gleich selber erschaffen. Wie schon der Titel verrät, erlaubt das Buch einen Streifzug mit Frauen durch die Gärten der Kunstgeschichte und erzählt von den Stimmungen, die das Beschäftigen mit Pflanzen in denselben auslöst.

Lesen, träumen, nachdenken, irgendwelchen Gedanken nachhängen oder sich über etwas freuen – diese Beschäftigungen verbinden die meisten der portraitierten Frauen. Gelegentlich scheint etwas Melancholie oder Trauer auf den Gesichtszügen auszumachen zu sein. Auf einem Gemälde schneidet eine Frau die Rosen zurück, die meisten anderen Werke zeigen nichts von der Mühsal, die hinter der dargestellten Blütenpracht steckt. Die anstrengendste Tätigkeit vor der Haustüre scheint im Schneiden von frischen Blumen zu bestehen. Idyllische Szenen von Blumenpflückerinnen, Teestunden und Picknicks im Garten laden den Leser und die Leserin ein, es den gemalten Frauen gleichzutun – sich in einem Stuhl zurückzulehnen und die Seele baumeln lassen.

Ein Buch für Geniesser und ein Erlebnis für verschiedene Sinne – nicht nur die Bilder fürs Auge, auch die Texte auf hochwertigem Papier machen das Buch zu einem Werk, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt und darin schmökert. Ob gelegentlich wohl auch einmal ein Buch mit dem ausschliesslichen Thema „Männer und ihre Gärten“ erscheint?



Tania Schlie:
Frauen im Garten
Thiele Verlag, 2011

1. Mai 2011

And I shall have some Peace there

Nachdem sie schon längere Zeit Zweifel über ihren Lebensstil gehegt hat, trifft Margaret Roach im Jahr 2008 eine Entscheidung, die ihre Zukunft in eine völlig neue Richtung lenkt. Wie für viele andere auch waren die Ereignisse vom 11. September 2001 der Auslöser für diese Entwicklung. Die Führungskraft kündigt ihre Stelle im Imperium von Martha Stewart, weil sie nicht mehr länger beruflichen Erfolgen nachjagen und ihr Glück von jährlich höheren Bonuszahlungen abhängig machen will. Ihr neues Ziel ist ein Leben im Einklang mit der Natur und ihrer allerersten Leidenschaft – dem Garten. Margaret Roach zieht sich in ihr Haus auf dem Land zurück. Es liegt tief in den Wäldern und sie hat im Laufe von zwei Jahrzehnten viele Wochenenden dort verbracht hat, kennt aber trotzdem keinen Nachbarn.

Freunde und Kollegen warnen die Frau vor einer Depression in der selbstgewählten Isolation. Die kinderlose Singlefrau mit einem Hang zur Einzelgängerin lässt sich aber nicht beirren. Doch womit identifiziert sich frau, wenn sie nicht mehr unter der Email-Adresse „margaretroach@marthastewart dot com“ erreichbar ist? Das Nichtstun, das Umgehen mit dem fehlenden Termindruck und der Mangel an einer konkreten Zukunftsperspektive sorgen für einen harzigen Start ins Abenteuer. Frustrationen können nicht mehr mit dem Ausgeben von mehreren tausend Dollars innert einer Viertelstunde kompensiert werden. Designerklamotten haben ihre Anziehungskraft verloren und die Autorin verbringt oft Tag und Nacht in den gleichen Kleidern.

In ihrem sehr persönlichen Buch „and I shall have some peace there“ erzählt Margaret Roach von der Überwindung dieser Anfangsschwierigkeiten und wie sie schliesslich neue Projekte anpackt, darunter die Gestaltung ihres Gartens, ihr Gartenblog (awaytogarden.com) oder ihr soziales Engagement. Sie schildert auch, wie sie schliesslich Zufriedenheit findet im „genügend“ und nicht ständig nach „noch mehr“ strebt. Und wie sie endlich definitiv im Landleben angekommen ist – nämlich zu dem Zeitpunkt, als sie erstmals die Haare nicht mehr beim Coiffeur in der Grosstadt schneiden lässt…



Margaret Roach:
And I shall have some Peace there
Grand Central Publishing, 2011

28. April 2011

Dialog mit meinem Gärtner - Das Buch

Die französische Originalausgabe dieses Büchleins habe ich vor ein paar Jahren im Schaufenster einer Buchhandlung in Strassburg entdeckt. Bei der Lektüre und auch später beim Betrachten der Verfilmung der Geschichte unter dem gleichen Titel „Dialog mit meinem Gärtner“ mit Daniel Auteuil habe ich mich mehr als einmal gewundert, warum es diese Gespräche zwischen zwei älteren Männern nicht auch auf Deutsch zu lesen gibt. Einen passenden Verlag hatte ich auch im Hinterkopf. Dieser Verlag hat letztes Jahr seinen Betrieb eingestellt, aber dank dem Schöffling Verlag wird diese Freundschaft in Form von niedergeschriebenen Dialogen dem deutschsprachigen Publikum nun nicht weiter vorenthalten.

Ein bekannter Pariser Maler zieht sich in das Haus seiner Kindheit aufs Land zurück. Per Inserat sucht er jemanden für die Pflege seines grossen vernachlässigten Gartens und es kommt zu einem Wiedersehen mit seinem früheren Mitschüler, dem inzwischen frühpensionierten Schienenleger Léo. Die beiden völlig unterschiedlichen Männer kommen sich durch ihre Tätigkeiten im Garten näher. Einer malt, der andere gärtnert. Gemeinsam unterhalten sie sich oder sie schweigen zusammen. Beide sind in ihren Gebieten Künstler. Einer ist unermüdlich auf der Suche nach dem perfekten Pinselstrich - Ziel und Werke des anderen sind schöne Salatköpfe und anderes Gemüse.

Die beiden palavern über vertrockneten Lauch, Ferienreisen, Frauen, Farben sowie Gott und die Welt. Und auch darüber, ob ein echter, essbarer Salatkopf schöner ist oder einer, der auf Leinwand verewigt worden ist. Beide Männer gehören zwar unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten an, doch interessiert hört einer dem anderen zu. Sie erschliessen sich so gegenseitig neue Wissensgebiete und der nachdenkliche, einfache Léo, der in einer Wohnung des Sozialbaus daheim ist, zeigt dem Künstler aus Paris seine simple Sicht auf die Dinge und bringt ihm die Natur näher. Eine schöne und einfühlsame Lektüre rund um Gemüseanbau und wichtigeres im Leben.



Henri Cueco:
Dialog mit meinem Gärtner
Schöffling & Co., 2011

24. April 2011

Die geheimen Gärten von Zürich

Nach einem Blick in die geheimen Gärten von Berlin, Amsterdam und London erlaubt der neueste Bildband aus dieser Reihe hinter zumeist abgeschirmte grüne und blühende Idyllen in und um Zürich zu spähen. Der Leser spaziert mit Hilfe von Autor und Fotograf vermeintlich hinter die Hecken von durchgestalteten Anlagen, in die Gärten von botanischen Sammlern, durch klassische Villengärten und Parks mit Seeanstoss und in die luftigen Höhen von Dachgärten.

Allen Portraits gemeinsam ist die private Nutzung und die Mehrheit der Besitzer und Bewohner bleibt im Buch namenlos und so geheim wie die Gärten, wenn sie nicht gerade in diesem Buch vorgestellt werden. Genau aus diesem Grund war es ein Vergnügen, an der Präsentation dieses Buches in einer Züricher Buchhandlung zu rätseln, welcher Gast wohl in welchen Garten passen würde. Eine Lösung zu diesen Überlegungen gab es natürlich nicht, dafür erfuhr man an diesem Anlass, wie sich der Autor bei Freunden und Bekannten leicht unbeliebt machte, weil er sich bei passenden und eher unpassenden Gelegenheiten (zu) häufig nach interessanten Gärten erkundigt hat. Ersatzweise erhält er auf seine Texte über Gärten mehr Resonanz als auf seine früheren Artikel über politische Themen oder Gastrokritiken. Aber zurück zu den geheimen Züricher Gärten.

Mehr als dreissig Refugien werden in Wort und exzellenten Bildern vorgestellt. Eines meiner Lieblingsportraits ist ein Sammlergarten um ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1920, der zu jeder Jahreszeit mit Höhepunkten aus dem Pflanzenreich prunken kann. Das Hanggrundstück wurde in rund fünfzehn Jahren in einen abwechslungsreichen Garten verwandelt. Neben interessanten Gehölzen buhlen alte Rosen und bezaubernde Stauden um Aufmerksamkeit. Nicht minder reizvoll erscheint eine andere grüne Oase zwischen Altstadthäusern, wo die Vegetation nur zurückhaltend in Zaum gehalten wird. Der abgebildete Efeubogen macht neugierig, was es ein paar Schritte weiter wohl ausser den Eichblatt- und Bauernhortensien sonst noch für Pflanzenschätze zu entdecken gibt.

Demgegenüber erscheinen die gärtnerischen Möglichkeiten auf Dächern eher eingeschränkt. Der portraitierte Gemeinschaftsdachgarten trumpft dafür mit einem herrlichen Ausblick auf die nahen städtischen Grünanlagen auf. Die Terrassen selber beherbergen ein Sammelsurium an Töpfen und Pflanzen, die bunt zusammengewürfelt sind. Obwohl mir persönlich die klassischen Villengärten und Parkanlagen weniger gefallen, sind die „Narzissen-Wellen“ in einem gepflegten Rasen zur Blütezeit überaus beeindruckend. Was passiert wohl mit den welken Blumen nach der Blüte? Stimmig dünkt mich auch das Buchsbaum-Paradies, welches das Titelbild ziert. Der Boden rund um das ehemalige Haus des Schulmeisters ist mit rund 700 gepflegt geschnittenen Buchskugeln bestückt. Bleibt zu hoffen, dass Buchsbaumzünsler und –pilz einen weiten Bogen um dieses grüne Reich machen.

Ein wunderschönes Buch! Für die Befriedigung meiner privaten hortikulturellen Vorlieben und Interessen hätte ich mir mehr Einblicke in mit Herzblut gestaltete und gepflegte (Schreber-)Gärten von passionierten Gärtnern aus Zürich und Umgebung gewünscht.

Dennoch würde es mich gar nicht wundern, auf einer Schifffahrt über den Zürichsee Personen mit Fernglas und diesem Buch bewaffnet anzutreffen. Ich für meinen Teil werde beim nächsten Ausflug auf Wasser bestimmt versuchen, noch gezielter als üblich in die Gärten zu schielen und auf diese Weise vielleicht einen Blick in die eine oder andere Anlage aus dem hier vorgestellten Buch zu erhaschen.



Andreas Honegger / Gaston Wicky (Fotos):
Die geheimen Gärten von Zürich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

20. April 2011

Das Orchideenhaus - Hothouse Flower

„The moment ist all we have“ – Bis Julia Forrester diese Lehre aus ihren Erfahrungen und Schicksalsschlägen gezogen hat und der Roman „Hothouse Flower“ (auf Deutsch „Das Orchideenhaus) mit dieser Erkenntnis endet, liegen über 570 gelesene Seiten hinter der Leserin. Diese sind vollgepackt mit der eng miteinander verknüpften Familiengeschichte der Crawfords von Wharton Park Estate und der Gärtnersfamilie Stafford und sie erzählen von tragischen Liebesgeschichten.

Nach dem Unfalltod ihres Ehemannes und ihres dreijährigen Sohnes zieht sich die berühmte Pianistin Julia Forrester in ihr abgelegenes Cottage zurück und vergräbt sich in ihrem Schmerz. Ihre Schwester nimmt sie mit auf eine Auktion auf Wharton Park, das wegen fehlender finanzieller Mittel des Erben Kit Crawford verkauft werden soll. Die beiden Frauen wollen ein Geschenk für ihren Vater kaufen. Dieser Ausflug weckt in Julia Erinnerungen an ihre Kindheit, an Besuche bei ihren Grosseltern und an die Gewächshäuser voller exotischer Blumen, insbesondere Orchideen. Sie erinnert sich auch an ihren 11. Geburtstag – an diesem Tag hatte ihr Grossvater ihr ihre ganz eigene Orchidee präsentiert, eine Aerides odoratum.

Neben Bildern für ihren Vater kauft Julia auf Wharton Park zwei alte Kinderbücher. Eben diese Bücher waren gar nicht für den Verkauf bestimmt. Kit Crawford bietet Julia zum Tausch ein altes Tagebuch aus den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts zum Tausch an, das bei Restaurationsarbeiten unter Bodenplatten entdeckt worden ist und das von ihrem Grossvater zu sein scheint. Das Tagebuch weckt Julias Interesse für die Vergangenheit ihrer Familie und sie besucht erstmals nach vielen Jahren ihre Grossmutter Elsie.

Die Autorin versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und zu halten, in dem die Geschichte aus zwei Blickwinkeln erzählt wird und gleichzeitig in England und Thailand spielt.



Lucinda Riley:
Hothouse Flower
Penguin Books, 2011

Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011 (erscheint im Mai 2011)

17. April 2011

Der Gartenkünstler

Manchmal dauert es länger, bis ich eine begonnene Lektüre abschliesse. Mehr als ein Jahr nach der kurzen Erwähnung des Buches „Der Gartenkünstler“ ist es endlich zu Ende gelesen!

Das Anlegen eines Gartens kann ganz schön ins Geld gehen. Das gilt umso mehr, wenn es um die Gestaltung ganzer Landschaften geht. Diese Erfahrung muss auch der Gartenarchitekt Hermann Fürst Pückler machen, der 1826 genau aus diesen Gründen vor dem Bankrott steht. Im Einvernehmen mit seiner geliebten Frau Lucie beschliesst er, sich scheiden zu lassen und in England eine junge Frau mit grosser Mitgift zu ehelichen. Das scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Pläne Muskau in einen Garten Eden zu verwandeln, doch noch verwirklichen zu können.

Was gehört neben dem Wühlen in der Erde zu den bevorzugten Beschäftigungen der Engländer? Richtig - das Abschliessen von Wetten. Baron Rothschild verspricht Pückler, sobald er wieder geheiratet hat, das englische Vermögen zu verwalten und zu vermehren und er schenkt ihm das für die Finanzierung des Aufenthalts auf der Insel nötige Kapital. So scheinen die Pläne, eine vermögende Engländerin zu finden, die (Zitat aus dem Roman) „sich ins ferne Schlesien verschleppen lässt, um ihr Vermögen als Humus auf Stecklinge und Beete zu werfen“ in greifbare Nähe zu rücken. Doch auf mysteriöse Weise sterben verschiedene junge Bekanntschaften aus dem Umfeld des Fürsten einen gewaltsamen Tod und dieser gerät plötzlich unter Mordverdacht.

Der Roman ist mehrheitlich in Briefform geschrieben und diese Korrespondenz besteht grösstenteils aus Briefen von Pückler an seine geschiedene Frau Lucie. Dazwischen eingefügt sind Kapitel, die den Leser und die Leserin über die Geschehnisse auf Muskau auf dem Laufenden halten, wo ein Junggärtner sich nicht nur um das Blühen der Ländereien kümmert.



Ralf Günther:
Der Gartenkünstler
List Verlag, 2010

14. April 2011

Der weiße Garten – Ein Gartenkrimi (Pushing up daisies)

Mit dem Buch „Der weisse Garten“ erscheint endlich wieder einmal eine englische Gartenkrimi-Reihe auf Deutsch – jedenfalls hoffe ich mal, dass es nicht bei der Übersetzung des einen Bandes aus dieser Serie bleibt.

Die ehemalige Fernsehprogramm-Verantwortliche Paula Holliday hat ihre Leidenschaft fürs Gärtnern zum Beruf gemacht und sich eine kleine Gartenbaufirma aufgebaut. Ihre Liebe fürs Grünzeug hat sich schon in der Grundschule entwickelt, als sie Avocado-Kerne in aufgeschnittene Milchpackungen pflanzte. Obwohl die Halbitalienerin noch nicht mit Aufträgen überschwemmt wird, hat sie es noch keine Sekunde bereut, ihre High Heels gegen bequeme und zweckmässige Gartenschuhe eingetauscht zu haben. Mit dem eben ergatterten Auftrag die seit Jahren vernachlässigten Gärten von Halcyon der Peacocks-Familie zu restaurieren, hofft die Jungunternehmerin, sich in der Branche etablieren zu können.

Nach einem Hurrican im Jahr 1938, der die Peacock-Gärten zerstörte, war der Garten mit Elementen aus der italienischen Gartenkunst neu gestaltet und ein gut bestückter Kräutergarten angelegt worden. Lange zählte er zu den prächtigsten Anlagen von Connecticut. Verschiedene Gründe hatten aber dazu geführt, dass die letzten beiden Peacocks die Gärten nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt hatten pflegen können und nun, nach dem Tod dieser letzten Familienangehörigen, sind diese in den Besitz der Historischen Gesellschaft in Springfield übergegangen.

Eine seriöse Gartenumgestaltung beginnt mit der Ermittlung des ph-Wertes aufgrund von an verschiedenen Stellen genommenen Bodenproben und so macht sich Paula im weissen Garten daran, mit ihrer Lieblingsschaufel das erste Häufchen Erde auszugraben. Schon der erste Einstich trifft auf etwas Hartes, Metallisches und kurz darauf hat die schockierte Gärtnerin eine Kiste freigelegt, in welcher sich die mumifizierte Leiche eines Kleinkindes befindet.

Der Schaffensdrang der jungen Unternehmerin wird jäh unterbrochen, da die Polizei den Garten für die notwendigen Untersuchungen für mehrere Tage absperrt. Diese unfreiwillige Pause nutzt die Junggärtnerin, um in alten Büchern über die Peacock-Gärten zu recherchieren. Als sie erfährt, dass die Babyleiche schon seit Jahrzehnten in der Kiste gelegen haben soll und die Polizei nicht weiter ermittelt, beginnt sie selber Nachforschungen anzustellen. Kurz darauf wird ein Mordanschlag auf einen Gärtner verübt. Paula vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen und sie sucht nach einer Verbindung zu dem mysteriösen, nie geklärten Verschwinden einer jungen Frau Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. War diese vielleicht die Mutter des aufgefundenen Babys?

„Der weisse Garten“ ist ein humorvoll verfasster, nicht zu brutaler Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin. Sympathisch nicht zuletzt, weil sie ständig Gartenbücher kauft, obwohl sie die Hälfte derer, die sie bereits besitzt noch nicht gelesen hat … Nach der Lektüre dieses Gartenkrimis erscheinen mir Paula Holliday und andere Bewohner von Springfield wieder wie gute alte Bekannte, so dass ich mir fest vorgenommen habe, endlich Band 3 der Reihe zu lesen – schliesslich erscheint in Kürze bereits Band 4 in der englischen Originalausgabe. Meine Buchvorstellung von Band 2 finden Sie hier.



Rosemary Harris:
Der weisse Garten – Ein Gartenkrimi
Thiele Verlag, 2011


Landliebe und Mordlust (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2013

11. April 2011

Mein Traum vom Landgarten – Gärtnern und Geniessen auf dem Lande

Was in einem langen Menschenleben Jahrzehnte dauert, erlebt man im Gartenjahr in zwölf Monaten: wachsen, blühen und vergehen. Eigene Kartoffeln und Tomaten ernten und feines gesundes Essen daraus zubereiten – immer mehr Menschen wünschen sich einen direkten Bezug zu ihrer Nahrung und leben nach dem Motto „zurück zu den Wurzeln“. Das Buch „Mein Traum vom Landgarten“ von Ilga Eger mit Fotos von Gary Rogers stellt in Wort und Bild Leute vor, die nach diesem Leitgedanken ihr eigenes Gemüse anbauen und ist aufgeteilt in einen Teil Portraits und einen Teil Landhaus-Praxis.

Die Bandbreite der vorgestellten Gärten reicht vom seit Generationen von derselben Familie bewirtschafteten Fläche, über einen schmalen gepachteten Steifen Land, der jeden Frühling umgepflügt, völlig neu bepflanzt und nur übers Wochenende gepflegt wird bis zu einer dschungelähnlichen Pflanzensammlung. In eben diesem Paradiesgarten sollen Rosen an Palmen emporranken (leider ist das auf den Fotos nicht zu erkennen) und Pflanzen in ungewohnter Hülle und Fülle nebeneinander wachsen dürfen. Die Nachbarn können dieser speziellen Idylle nicht viel abgewinnen. Von kritischen Kommentaren, dass das alles doch nichts bringt, lässt sich die Gärtnerin nicht beeindrucken und bemerkt (Zitat): „dann bräuchte man eigentlich überhaupt nichts machen im Leben“. Mehr Mühe bereitet ihr zu akzeptieren, dass ihr aussergewöhnlicher Garten nicht nach jedermanns Geschmack ist.

Über solche Belanglosigkeiten ist die älteste vorgestellte Landgärtnerin längst hinweg. In ihrem 86jährigen Leben hat sie von der Natur gelernt, dass alles seine Ordnung hat und dass dies auch gut so ist. Die ehemalige Bäuerin benötigt zwar seit einiger Zeit einen Gehwagen als Stütze, wird ihren Garten aber nicht aufgeben, solange sie noch auf den Knien rutschen kann. In weiteren Kapiteln stellt sich die Autorin samt persönlichem Garten selber vor oder man liest über 60‘000 Narzissen im nordfriesischen Marschland und über Schloss Marihn in Mecklenburg-Vorpommern mit einen riesigen David-Austin-Rosengarten und Nutzgärten à la Prinz Charles und Highgrove.

Im Praxis-Teil werden verschiedene Gemüse vorgestellt, darunter auch welche, die selten geworden oder längst vergessen sind. Die Informationen sind gegliedert in „Wirkung auf die Gesundheit“, „Anbau“, und „Pflege“. Abgerundet werden die Portraits durch einen kurzen geschichtlichen Überblick, einen besonderen Tipp und es werden bemerkenswerte alte Sorten empfohlen.



Ilga Eger und Gary Rogers:
Mein Traum vom Landgarten – Gärtnern und Geniessen auf dem Lande
Callwey Verlag, 2011

8. April 2011

Adrian, der Tulpendieb

Schon lange stand dieser Roman rund um die Tulpenspekulationen in Holland Mitte des 17. Jahrhunderts auf meinem Wunschzettel. Nun ist das ansonsten nur noch antiquarisch erhältliche Buch im Muschel Verlag in der Reihe „Kleine Weltbibliothek der grossen Erzähler“ neu aufgelegt worden. Die Erstausgabe kam 1936 auf den Markt, angesichts der aktuellen Wirtschaftslage hat die Erzählung aber nichts an Aktualität eingebüsst und es können durchaus Parallelen zwischen dem Platzen der Tulpen-Spekulationsblase in Holland und der Finanzkrise gezogen werden. Vielleicht sollte die Geschichte vom traumhaften Aufstieg des Torfknechts Adrian zum Tulpenkönig für alle Wertpapierhändler zur Pflichtlektüre erklärt werden?

Für den Kaufmann und Schiffsbesitzer Hendrik van der Maasen fährt Adrian einen Torfkahn. Seit Wochen wartet sein Meister auf die Rückkehr der „Zuiderland“, doch das Schiff scheint verloren und mit ihm Vermögen und Wohlstand. Das hat zur Folge, dass Adrian um seinen Arbeitsplatz bangen muss, während rundherum Tulpenspekulanten ihre Säckel und Mägen füllen. Schliesslich reift in dem jungen Mann der Entschluss, wie viele andere auch sein Glück als Tulpist zu versuchen. Doch woher bekommt er ein Grundkapital, um Tulpen zu kaufen oder gar wertvolle Tulpenzwiebeln?

Adrians Aufstieg beginnt mit einem simplen Diebstahl und einem schlechten Gewissen, denn er tauscht im Garten seines Arbeitgebers drei Tulpenzwiebeln gegen Speisezwiebeln aus. Mit erstunken und erlogenen Geschichten über Herzogstulpen und Tulpenwürmer häuft der Knecht geschickt ein Vermögen an. Doch der erschlichene Reichtum macht den jungen Mann nicht glücklich und nicht zuletzt plagt ihn sein schlechtes Gewissen. Mit einem Auftritt als Scharlatan und Komödiant schafft er es aber schliesslich sogar, ein Exemplar der heissbegehrten „Semper Augustus“ in seinen Besitz zu bringen. Doch auch die Gegner der Tulpenspekulanten sind nicht untätig. Kann dieses Abenteuer zu einem glücklichen Ende führen oder heisst es schliesslich „wie gewonnen, so zerronnen“?

Dieser nicht nur zur Tulpenblüte lesenswerte historische Roman ist übrigens auch als Serie für das deutsche Fernsehen (ARD) verfilmt worden. 1966 war Premiere und es war seinerzeit die erste Fernsehserie, die komplett in Farbe ausgestrahlt wurde.



Otto Rombach:
Adrian, der Tulpendieb
Muschel Verlag, 2010

5. April 2011

Auf Pflanzenjagd

Das verbindende Interesse durch Hybridisation neue farbenfrohe Bromelien zu züchten, führt zwei ungleiche Männer auf eine gemeinsame Pflanzenjagd nach Panama und Costa Rica. Namen erfahren Leserin und Leser keine, der Ich-Erzähler des Romans, der auf wahren Geschehnissen basiert, spricht während der ganzen Lektüre von seinem Reisepartner immer nur als „The Man from Florida“.

Probleme sind vorprogrammiert, weil der Ich-Erzähler sich und den Mann aus Florida als gleichberechtigte Partner betrachtet, während jener keinen Zweifel aufkommen lässt, wer auf dem Trip das Kommando führt. Doch nachdem er an einer Auktion für eine kleine Pflanze Tausende von Dollars ausgegeben hat und diesen grünen Schatz mit bunten Blüten unbedingt in der Natur aufspüren will, ist er auf die Zweckgemeinschaft mit dem Ich-Erzähler angewiesen. Dass sich Pflanzenjäger und –züchter grundsätzlich misstrauen, macht die gemeinsame Pflanzensuche in der Wildnis auch nicht einfacher.

Ein fliegendes Toupet und ein tropischer Ski-Stuhl sind noch fast die „normalsten“ Vorkommnisse in dieser ziemlich skurilen Erzählung über eine nicht vom Erfolg gekrönte Suche nach Miss Fortuna. Das „Misfortune“ zieht sich durch die ganze Geschichte. Schliesslich stellt sich heraus, dass der Ich-Erzähler recht hatte mit seiner Vermutung, dass die gesuchte Pflanze wahrscheinlich eine Art Unkraut ist. Als er sie nämlich später doch noch entdeckt, blühen am Fundort Abertausende dieser Bromelien.

Nach dem Formulieren dieser Sätze habe ich entdeckt, dass für dieses Buch etliche Rezensionen veröffentlicht worden sind, die fast einhellig von begeistertem Lesevergnügen handeln. Dem kann ich mich gar nicht anschliessen. Ich empfand die knapp 400 Seiten als sehr zäh und kaute wochenlang daran herum – immer in der Hoffnung, dass mir ein Roman über Pflanzenjäger doch einfach gefallen muss…



Chester Skotak:
Searching for Miss Fortuna – The Hunt for a Bromeliad
Reliance Media, 2007

2. April 2011

Audiobuch “Gartenglück”

Für einmal geht es nicht um Gartengeschichten, die zwischen zwei Buchdeckeln darauf warten, gelesen zu werden, sondern um Gesprochenes rund ums Gärtnern - um ein Hörbuch.

Eröffnet und abgeschlossen wird der bunte Reigen von Karel Capeks amüsanten Geschichten „Wie ein Garten angelegt wird“ und „Vom Gartenleben“ aus dem immer wieder neu aufgelegten Büchlein „Das Jahr des Gärtners“, das in keiner grünen Bibliothek fehlen darf. Dazwischen hören wir von Schneeglöckchen, Schnecken, vom Kohl, von der blauen Blume und vom selbstsüchtigen Riesen. Was die Autoren wie Elizabeth von Arnim, Oscar Wilde und Johann Wolfgang Goethe über ihren grünen Daumen zu erzählen haben wird gelesen von Andrea Sawatzki und Stefan Kaminski. Mit dem Kopfhörer im Ohr Gartengeschichten lauschend jätet es sich doch gleich viel leichter! 69 Minuten Hörvergnügen rund um den Garten in sehr schön illustrierter Hülle.



Audiobuch „Gartenglück“ gelesen von:
Andrea Sawatzki und Stefan Kaminski
Audiobuch Verlag, 2011

30. März 2011

Beth Chatto: Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen

Beth Chattos Gärten und die Gärtnerei werden von Gartenenthusiasten aus aller Welt besucht und ihre Bücher haben längst den Status von Standardwerken erreicht, auf die jeder echt vom grünen Virus Infizierte früher oder später stösst. Nach „Der Kiesgarten“ ist mit „Schattengarten“ nun endlich ein zweites Buch der Pflanzenkennerin auf Deutsch erschienen. Beth Chatto berichtet darin über die Entstehung ihres Waldgartens und lässt die Leser im Buchgarten die Veränderungen im Lauf der Jahreszeiten miterleben.

Die Kapitel sind wie folgt gegliedert
(die Aufzählung der Untertitel ist nur eine Auswahl):

- Die Anlage eines Waldgartens
- Zeit des Erwachens (von frühen Düften, Februarsonne, Narzissen)
- Zauber des Frühlings (The Long Shady Walk, robuste Bodendecker)
- Frühsommerliche Fülle (The Little Grassy Wood, elegante Farne)
- Bildteppiche des Hochsommers (aufregendes Blattwerk)
- Besonnte Flecken im Herbst (wandernde Anemonen)
- Im tiefen Winter (Schönheit der Blätter)
- Schattenverträgliche Pflanzen (riesige Auswahl geeigneter Pflanzen mit
  Angabe von Härtezonen)

Ein gewaltiger Orkan fällt im Oktober 1987 unzählige Bäume auf dem Land der Chattos und hinterlässt ein Bild der Zerstörung, bietet aber gleichzeitig auch die Chance auf einen Neuanfang. Erhaltenswerte Eichen sollen die Kulisse für einen von Frühling bis in den Winter hinein durchgehend attraktiven Waldgarten abgeben, wo Pflanzen getreu dem Motto von Beth Chatto an einem dem Naturstandort entsprechenden Ort eingesetzt werden und wachsen können.

Die Autorin berichtet von der notwendigen Ausdauer, um Pflanzenschätzen wie Trillium ein geeignetes Mikroklima bieten zu können. Dabei hat sie im Hinterkopf ein Bild eines Gartens in Melbourne, wo die Waldlilien bei ihrem Besuch in einer Menge blühten wie in England die Blaukissen. Aber auch beim Leser kann beim Betrachten mancher Fotos leicht etwas Neid aufkommen. Oder vielleicht wird ja auch der gärtnerische Ehrgeiz etwas angestachelt? Jedenfalls lässt sich leicht nachfühlen, was die berühmte Gärtnerin empfindet, wenn sie nach jahrelanger Pflege an einem Pflanzenschatz die erste Blüte entdeckt – sie vergleicht das Erlebnis mit dem ersten Schultag eines eigenen Kindes.

Neben den vielen praktischen Tipps sind auch die Geschichten rund um die Herkunft von verschiedenen von Chattos Lieblingspflanzen sehr anregend. Solche stammen etwa aus dem Garten von Graham Thomas Stuart, von Christopher Lloyd oder auch von Isbert Preussler, ehemals Lehrling bei Karl Foerster und Chef der Züchtungsabteilung in der Staudengärtnerei Zeppelin. Immer wieder gibt die Autorin neben ihrem Fachwissen auch persönliche Einblicke. Sie erzählt beispielsweise, wie ihr das Altern zu schaffen macht – nicht nur am eigenen Körper, sondern auch am Reifeprozess des Gartens, der ihr immer wieder schwierige und schmerzhafte Entscheidungen abverlangt. Es gilt den Garten mit behutsamen oder auch drastischen Interventionen zu erhalten und zu stärken, während in den natürlichen Vorgang des Alterns beim Menschen nur beschränkt eingegriffen werden kann.



Beth Chatto und Steven Wooster (Fotografien):
Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

27. März 2011

Grünes Glück – Geschichte eines Gartens

In der festen Absicht keinen neuen Garten anzulegen, zieht der Engländer Beverley Nichols während Mussolinis Versuch Abessinien zu erobern, in ein Stadthaus mit einem angrenzenden dreieckigen Flecken Land. Der Vorsatz wird ein erstes Mal strapaziert und durchlöchert, als der bereits als erfahrener und leidenschaftlicher Gärtner geltende Autor Platten für eine kleine Terrasse verlegen lässt. Eine ordentliche Terrasse hat nun aber gewöhnlich Anstoss an einen gepflegten Rasen, womit auch das nächste Projekt schnell beschlossene Sache ist. Das Anlegen der Grünfläche entpuppt sich als äusserst kostspielig, da vorgängig der Untergrund von allerhand Abfall befreit und vorbereitet werden muss und natürlich verlangt die alsbald daliegende Rasendecke nach weiteren gartengestalterischen Eingriffen - denn durch den Rasen wird die leidige Dreieckigkeit des Grundstücks noch deutlicher hervorgehoben.

Wochenlang werden in der Folge unzählige Skizzen entworfen, Gartenzeitschriften studiert und es wird mit Denkerstirn im Garten herumgetigert ohne eine befriedigende Lösung des zunehmend nervenden Problems zu finden. Ist tatsächlich ein weiterer Umzug nötig, um sich dieser lästigen Sorgen zu entledigen? Vor der endgültigen Kapitulation entdeckt Beverley Nichols den ersten Schritt zur für ihn stimmigen Gartengestaltung.

Bis es heisst „Das letzte Kapitel“ werden noch etliche Ideen und Rückschläge geschildert. Etwas seltsam mutet die Frage an die Leser an, ob sie ihre Pflanzen im Stadtgarten zu waschen pflegen, und zwar Blatt für Blatt mit Seifenwasser. Der schreibende Gärtner ist der Meinung, dass Grünzeug diese Prozedur viel nötiger hat als ein Baby, da ersteres ja unbestrittenermassen viel öfter an der sogenannten frischen Luft ist. Der Junggeselle fügt aber gleichzeitig an, in diesem Punkt wohl etwas voreingenommen zu sein.

Beverley Nichols ist und bleibt einer meiner bevorzugten Autoren von Gartenbüchern, die sich wie Romane lesen. Bleibt zu wünschen, dass dies nicht der letzte seiner Titel ist, der auf Deutsch erscheint (oder wieder erscheint). Seit der deutschsprachigen Publikation von Nichols' Gartenbüchern (*) sind ja schon etliche Jahre vergangen und bestimmt finden sich auch heute interessierte Leser und Gärtner für die vergnügliche Lektüre mit britischem Humor. Mehr über Beverley Nichols auch hier.




Beverley Nichols:
Grünes Glück – Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co., 2011




*)
Down the Garden Path - Grosse Liebe zu kleinen Gärten
A Village in a Valley - Das Dorf im Tal
Merry Hall - In ein Haus verliebt

Link zu Timber Press mit Leseproben hier.

24. März 2011

Die Geschichte vom grossen Baum – Film “The Tree”

Beim Lesen der Filmvorstellung „The Tree“ kam mir die Handlung gleich irgendwie bekannt vor. Gab es da nicht einmal ein Buch mit ähnlichem Inhalt? Tatsächlich basiert das Drehbuch auf der literarischen Vorlage von Judy Pascoe. Die Buchoriginalausgabe heisst „Our Father who art in the Tree“, die deutsche Übersetzung „Die Geschichte vom grossen Baum“.

Simon, die zehnjährige Ich-Erzählerin aus dem Roman voller Wunder ist im Film erst acht Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters und Ehemannes müssen sich die Zurückgebliebenen neu zurechtfinden. Simone findet Trost in ihrer Überzeugung, dass der Vater in dem mächtigen Baum vor dem Haus über seine Familie wacht und zieht sich immer wieder für Zwiegespräche in die Krone zurück. Die Lektüre der einfühlsamen Geschichte liegt schon eine Weile zurück, so dass ich mich nicht mehr an Details erinnern kann, ich weiss aber noch genau, dass mich der Roman sehr berührt hat.

Trotz (oder wegen?) der nicht überwältigenden Filmkritiken bin ich neugierig, wie die Geschichte im Film umgesetzt worden ist. Vielleicht schaffe ich es ja gelegentlich mal wieder ins Kino.



Judy Pascoe:
Die Geschichte vom grossen Baum
Knaur Taschenbuch, 2006

21. März 2011

Mitteilungen aus meinem Garten

Diese Gartenkolumnen-Sammlung aus der Zeitschrift „Brigitte Woman“ ist genau nach meinem Geschmack: mit spitzer Feder geschrieben, fachkundig und treffend formuliert und doch humorvoll. Da ist die Rede von wurzelechten Freundschaften, täglichen Krankenbesuchen bei grünen Patienten mit Schere, Läusespray und Düngerbeutelchen, von Buchs mit Parodontose (Umschreibung für nacktes Holz, ähnlich freiliegenden Zahnhälsen).

„Garten-Kitsch“, „Gärtnern, schwarz auf weiss“, „SG’s und NG’s“, „Heikle Nachbarschaft“ oder „Sauwetter“ – welches ist Ihre Lieblingskolumne? Mehr als einmal habe ich mich nicht nur zwischen den Zeilen wiedererkannt. Und dies nicht nur im Kapitel „Oralgärtner“, wo sich die Autorin ziemlich despektierlich über Gartengestalter auslässt, die lieber in Bildbänden blättern als sich den Rücken krumm zu machen.

Eine Wohnung samt kleinem Garten weckte in Paula Almqvist bis anhin ungeahnte Gelüste nach einem eigenen Flecken Land, um in der Erde zu wühlen - Gelüste ähnlich denen, die bisher dem Anblick prächtiger Prada-Pumps vorbehalten gewesen waren. In ihrer Familie waren zwar etliche Mitglieder mit dem Gartenbazillus angesteckt, doch nach Almqvist’s herkömmlicher Meinung widmeten sich nur arme Irre dieser Freizeitbeschäftigung. Nun war aber plötzlich der Funke (oder ein Bazillus?) übergesprungen und sie liess sich auf Partys statt wie früher die Adresse eines angesagten Modefriseurs den Link eines Regenwurm-Versandhändlers geben. So leicht lässt sich die Vererbungslehre dann eben doch nicht austricksen!

Unbedingt lesen!



Paula Almqvist:
Mitteilungen aus meinem Garten
Schöffling & Co., 2011





PS: Auch wenn ich eindeutig mehr Zeit mit Lesen als mit Jäten & Co. verbringe, kenne ich Rückenschmerzen nicht nur vom Hörensagen (ich fühle mich auch gar nicht betroffen…)

18. März 2011

Bin im Garten!

Wenn ich ab und an meine Kinder in die Stadtbibliothek begleite, nehme ich mir immer ein paar Minuten Zeit, um in den aufliegenden Gartenzeitschriften zu blättern und speziell in „Kraut und Rüben“ die Kolumne von Susanne Wiborg zu lesen. Nun sind erneut vierundzwanzig dieser Glossen in Buchform erschienen, bebildert mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner.

Wie lange hält das Erfolgserlebnis über die erste mühsam erarbeitete gierschfreie Fläche an? Ist ein Blick über wunderbar einladende mit frischem Kompost versorgte Beete Entschädigung genug für die dafür eingehandelten ernsthaften Befürchtungen, das Bett nie mehr ohne ärztliche Hilfe verlassen zu können? Kann man ein Cyclamen-Trauma, zurückzuführen auf viele Jahre zurück erhaltene Geschenke mit lappigen Blättern und überdimensionalen dichten Blüten in knalligen Farben heilen? Die Antworten auf diese Fragen finden sich im Garten oder eben in Susanne Wiborgs Büchlein „Bin im Garten“.

„Bevölkerungskontrolle“, „wüchsig = Drohung“ und „botanisches Jenseits“ sind nur wenige von unzähligen Stichworten, um die herum die Autorin launige Geschichten verfasst hat, die Titel tragen wie „Remake im Hinterhof: Die Vögel“, „Allein mit dem Killer“, „Invasion der Riesenmaden“ oder „Besser spät als nie: Cyclamen“. Eine köstliche Leküre! Susanne Wiborg ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Gartenjournalistinnen. Ihre ausgefeilten Texte über Flora und Fauna sind lehrreich und gleichzeitig unterhaltend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Kolumnensammlung in Buchform.



Susanne Wiborg:
Bin im Garten!
Verlag Antje Kunstmann, 2011

14. März 2011

Die verborgene Sprache der Blumen

An ihrem (angenommenen) 18. Geburtstag kommt Victoria Jones in ein Übergangsheim. Statt sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, legt sie in einem Park in San Francisco aus in Vorgärten, Spielplätzen und Schrebergärten ausgegrabenen Pflanzen einen Garten an und wird kurz darauf obdachlos, da sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Die Jahre davor ist die junge Frau zwischen Pflegefamilien und Waisenhäusern herum geschubst worden. Die bisher beste Zeit ihres Lebens hat sie als zehnjähriges Mädchen verbracht. Verschiedene Umstände haben aber die geplante Adoption durch Elisabeth verhindert. Die Sprache der Blumen aus dem viktorianischen Zeitalter ist neben einem Blumenbuch alles, was Victoria aus diesen Monaten geblieben ist – Erinnerungen an den einzigen Menschen, der sie bedingungslos geliebt hat.

Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben Victoria in eine zurückhaltende und schweigsame Frau verwandelt. In der Sprache der Blumen hat sie eine Kommunikationsform gefunden, die ihr entspricht. Jedoch eine ziemlich einseitige – wer kennt heutzutage schon noch die genaue Bedeutung von Erika (Einsamkeit), Geissblatt (Hingabe) oder Akazie (heimliche Liebe)? Doch eben diese Einseitigkeit vermittelt Veronica Sicherheit. Wenn nämlich niemand antwortet, sind weder Zurückweisungen noch Vertrautheit möglich.

Victorias florale Kenntnisse verschaffen ihr schliesslich eine Anstellung in einem Blumenladen und sie kann ihre Bleibe im Park unter Büschen durch eine Art Wohnschrank ersetzen, wo auch ihre wenigen Habseligkeiten, hauptsächlich botanische Bücher und viktorianische Gedichtbände, Schutz finden. Die blumigen Kunstwerke der jungen Frau entwickeln sich rasch vom Geheimtipp zum „must-have“. Und auf dem Blumengrossmarkt lernt Victoria einen Händler kennen, der ihre Sprache spricht. Mit Blumen werden Botschaften ausgetauscht. Gibt es für die junge Frau vielleicht doch eine Zukunft ohne Bindungsängste und mit viel Liebe?

Der Roman wird in parallel verlaufenden Erzählsträngen aus der Sicht des Mädchens Viktoria und der erwachsenen Victoria erzählt. Vanessa Diffenbaugh ist eine einfühlsame Geschichte über Mütter-Tochter-Verbindungen gelungen. Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter und Pflegemutter stehen für die Authentizität. Am Schluss des Buches ist „Victorias Wörterbuch der Blumen“ abgedruckt (nicht jede Blume hat in den verschiedenen existierenden Büchern über die Sprache der Blume dieselbe Bedeutung). Sehr lesenswert!



Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen
Droemer Verlag, 2011

10. März 2011

Greenprints per E-Letter

In den nächsten Tagen wird pünktlich zum Frühlingsbeginn die erste Ausgabe 2011 von „Greenprints“ im Briefkasten liegen. Die Seiten der quartalsweise erscheinenden Publikation von jenseits des Atlantiks sind mit gärtnerischen und blumigen Geschichten und dazu passenden Illustrationen bedruckt. Es geht nicht wie in den meisten anderen grünen Blättern um das How-To-Do, sondern um die menschlichen Aspekte beim Gärtnern. Hier habe ich „Greenprints“ schon einmal vorgestellt.

Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.

Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.

6. März 2011

Rosenduft und Liebeszauber

Was regelmässig im Radio angehörte Gartensendungen für Folgen haben können, lässt sich im Roman „Rosenduft und Liebeszauber“ von Julia Williams nachlesen. Wie die Autorin selber hört auch die junge Witwe Amy Nicholson regelmässig die Programme ihres Lieblingssenders.

Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.

Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.



Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011

2. März 2011

Thoughtful Gardening

Bis zur Kündigung des Zeitungs-Abos habe ich an einer früheren Arbeitsstelle jeweils die Samstagsausgabe der Financial Times erhalten, aus welcher ich regelmässig die Gartenkolumne herausgerissen habe. Die meisten der fein säuberlich abgelegten Artikel stammen von Robin Lane Fox und ich blättere auch heutzutage noch gelegentlich im Ordner und lese mich meistens schnell in den interessanten Glossen fest.

Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).

Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.



Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010

26. Februar 2011

Und noch ein BUGA-Krimi: Engelskraut

Anlässlich der diesjährigen BUGA in Koblenz ist nun wie kürzlich erwähnt bereits ein zweiter Krimi erschienen. Schon vor der Eröffnung der „Olympiade der Gärtner“ sind wiederholt Giftanschläge auf Blumenbeete in der Stadt verübt worden. Und nun liegt im mit biblischen Gewächsen wie Frauenmantel, Madonnenlilien und Kaukasusvergissmeinnicht bepflanzten Paradiesgarten ein Toter. Von der üppigen Bepflanzung ist auch hier nichts mehr auszumachen. Durch Unkrautvernichtungsmittel ist der Tatort in eine Kahlstelle verwandelt worden. Das verheiratete Mordopfer Jürgen Klaussner führte eine Apotheke, war Mitte vierzig und Vater eines kleinen Jungen.

Kommissarin Franca Mazzari führt mit ihrem Team die Ermittlungen. In Klaussners Computer finden sich beinahe unzählige Chat-Protokolle und eine rege Email-Korrespondenz, die belegen, dass er sich zu Lebzeiten häufig auf einschlägigen Plattformen herumgetrieben hat und ständig auf der Suche nach Bekanntschaften für Blind-Dates war. Liegt das Mordmotiv in den ausserehelichen Affären des Opfers?

Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen frischt Franca Mazzari die Bekanntschaft zu ihrer früheren Schulkameradin Milla auf, die sich von einem Mauerblümchen in eine attraktive Frau verwandelt hat. Während Milla von lustigen Episoden aus der gemeinsamen Jungmädchenzeit erzählt, erinnert sich Franca mit zwiespältigen Gefühlen daran. Ihr selber ist im Gedächtnis geblieben, wie die Aussenseiterin Milla immer wieder Gemeinheiten anderer Kinder ausgesetzt war, während sie selber sehr beliebt war und sich in einem grossen eingeschworenen Freundeskreis bewegt hat. Auf ihre eigene Rolle bei diesem Mobbing ist die Kommissarin denn auch alles andere als stolz.

In diesem Gartenkrimi ist nicht nur der Tatort hortikulturell. Der Nachbar des Mordopfers ist ein pensionierter Gärtner und auch Milla übt den Beruf einer Gärtnerin aus. Und es kommen an diversen Stellen der Geschichte ein „Buchgärtner“, Engelskraut, Pflanzengifte, ein Schrebergarten und anderes Grünzeug vor. Ausserdem wird auch einmal kurz „gepottert“, als Francas Tochter der Mutter über Harry Potter und die magische Pflanze Alraune, auch Menschenwurzel genannt, berichtet. Die Lektüre habe ich genossen, obwohl ich das Ende recht früh erahnt und damit auch recht behalten habe.



Gabriele Keiser:
Engelskraut – Ein BUGA-Krimi
Gmeiner-Verlag, 2011

22. Februar 2011

Schöner Mist - Über die Verwandlung in ein Teilzeit-Landei

Nicht nur beim Zeitschriftenhändler, wo immer mehr Zeitschriften rund ums Landleben um Käufer buhlen, wird klar, dass Gemüsegarten und Co. im Trend liegen. Zuletzt habe ich gleich zwei Bücher gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. In ihrem Taschenbuch "Schöner Mist" berichtet Irmgard Hochreither, wie es der Mann an ihrer Seite geschafft hat, sie – eine überzeugte Grossstadtpflanze – in ein Wochenend-Landei zu verwandeln.

Die reiselustige Hamburgerin ist zunächst gar nicht Feuer und Flamme, als ihr Mann von einem günstigen Mietangebot berichtet, das im ehemaligen Zonenrandgebiet liegt. Das uralte Bauernhaus mit viel Umschwung soll in Zukunft als Wochenendbehausung dienen. Schliesslich lässt sich die Autorin zu einem Besichtigungstermin breitschlagen und bereits am darauffolgenden Samstag wird die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Wohnung und dem vielleicht künftigen Wochenenddomizil zurückgelegt. Dieser erste Aufenthalt im ländlichen Refugium weckt in der Autorin Kindheitserinnerungen an Ferien im Grünen. Weitere Überredungskünste sind überflüssig - das Ehepaar ist sich einig, den Mietvertrag zu unterschreiben.

Die folgenden Kapitel erzählen von allerhand Getier, Nachbarn, Nachbarschaftshilfe, Klatsch und Tratsch und wieso es plötzlich schwierig ist, sich am Sonntagabend wieder für eine Arbeitswoche vom Teilzeitlandleben zu verabschieden.

Beiläufig erfährt die garteninteressierte Leserin, dass John Seymour’s „Selbstversorgung aus dem Garten“ schon seit Jahrzehnten auf das Bücheregal jedes Stadtflüchtlings gehört Während sich Irmgard Hochreither darüber wundert, dass ihr Gatte ein solches Buch besitzt, ist er schon mit der Planung von Hochbeeten beschäftigt und träumt von Jumbo-Radieschen. An anderer Stelle ist die Rede von einer sanftmütigen Frau (es handelt sich nicht um die Autorin!), die des Nachts im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Massnahmen ergreift, um der Nacktschneckenplage Herr (oder Frau) zu werden. Ansonsten ist wenig Gärtnerisches zu lesen, was aber kein Grund ist, auf die Lektüre zu verzichten!

Das zweite erwähnte Landlust-Buch ist übrigens von Novella Carpenter und heisst „Meine kleine Cityfarm“ – näheres dazu demnächst hier in diesem Blog.



Irmgard Hochreither:
Schöner Mist
Ullstein Buchverlage, 2011

18. Februar 2011

Pflanzenschätze

Aus vielen unterschiedlichen Quellen wie Originaltagebüchern, Reiseaufzeichnungen und auch aus bisher unveröffentlichtem Material aus den Royal Botanic Gardens in Kew hat die bekannte Gartenjournalistin Carolyn Fry eine bibliophile Kostbarkeit zusammengestellt, deren Charme einem liebevoll selbst gestalteten Album gleicht. Das Bilderbuch für Erwachsene ist verschwenderisch illustriert mit Fotografien und botanischen Zeichnungen und enthält Faksimiles von Originaldokumenten wie beispielsweise der ältesten bekannten Landkarte von Kew Gardens. In meiner doch recht umfangreichen Gartenbüchersammlung ist es zweifelsfrei eines der schönsten Bücher und wenn ich eine Stimme bei der Vergabe des Gartenbuch-Preises hätte, müsste ich nicht lange überlegen, welcher Neuerscheinung ich diese geben würde.

Auf etwas mehr als sechzig Seiten bietet das Buch einen umfangreichen Einstieg in die Themen Pflanzenschätze und Pflanzensammler und beginnt nach einem Vorwort mit der ersten verbürgten Pflanzenexpedition ins Goldland Punt und dem Gewürzimport aus Fernost. Weitere der jeweils doppelseitigen Kapitel behandeln die Einführung der Tulpen in die europäischen Gärten und stellen Pflanzensammler wie die Tradescants, Francis Masson, David Douglas und E.H. Wilson vor. In einer geschichtlichen Zusammenfassung über grünes Gold dürfen natürlich auch Namen wie Carl von Linné, Sir Joseph Banks und Joseph Hooker nicht fehlen. Doch nicht nur über die Vergangenheit wird berichtet. Die heutigen Aufgaben der botanischen Gärten und der Millenium-Samenbank sowie die Folgen des Klimawandels werden ebenfalls erläutert und ein Kapitel handelt von den negativen Begleiterscheinungen durch die Verbreitung von invasiven Arten.

Entlang des fliessenden Gewässers in unserer unmittelbaren Umgebung breitet sich das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) jedes Jahr stärker aus. Obwohl die Problematik von Neophyten auch der hiesigen Lokalzeitung immer wieder mal einen Artikel wert ist, gibt es Hobbygärtner, die rund um eben dieses Unkraut an der an ihr Grundstück grenzenden Bachböschung den Boden jäten und die Pflanzen wahrscheinlich sogar noch regelmässig mit Wasser versorgen. Als Entschuldigung mag vielleicht angefügt werden, dass es aber auch ziemlich vergnüglich zu betrachten ist, wie die reifen Samenkapseln bei der kleinsten Berührung in alle Richtungen fliegen!



Carolyn Fry:
Pflanzenschätze
Callwey Verlag, 2010

16. Februar 2011

Martin Edwards: The Cipher Garden oder Die ohne Schuld sind

Zufällig habe ich entdeckt, dass die deutsche Übersetzung des Buches „The Cipher Garden“, das schon länger auf meiner Wunschliste steht, an mir vorbeigegangen ist. Der deutsche Titel lässt im Gegensatz zum Original auch keinen gärtnerischen Inhalt vermuten.

Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.

Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.

Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.



Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008

12. Februar 2011

Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente

Auf einen Aufruf auf der Webseite des Blumenbüros Holland haben sich verschiedene Menschen entschlossen, ihre schönsten Blumenmomente auf Papier festzuhalten. Fünfzig dieser Einsendungen haben es schliesslich in die Publikation „Glück blüht“ geschafft, die mit einem Vorwort der Schauspielerin Christine Neubauer anfängt. Die einzelnen Erlebnisse sind ebenso verschieden wie das Niveau der Beiträge. So wird schon mal aus einer Paeonia rockii-Hybride kurzerhand eine Rose.

Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.



Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011

9. Februar 2011

Blogparade – Mein Lieblingsgartenbuch

Garten2null ruft Blogger dazu auf, ihre Lieblingsgartenbücher in einer Gartenblogparade vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach – wie soll frau sich entscheiden, wenn Gartenliteratur gemeinhin oder im weitesten Sinn sämtliche Regale füllt?

Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.



Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011

8. Februar 2011

Noch eine Fortsetzung: Herbal Choices

Den Zugriffen von jenseits des Atlantiks auf mein Blog ist es zu verdanken, dass die Buchvorstellung über den Aufbau von Callie Gardeners Kräutergärtnerei unter den beliebtesten Posts figuriert (siehe Rubrik „Beliebte Post“ und hier).

Nach dem erfolgreichen Start in die Selbständigkeit muss die junge umtriebige Unternehmerin im zweiten Jahr Rückschläge in Kunden- und Umsatzfrequenz verbuchen. Doch mit immer neuen Ideen für Workshops und Events versucht Callie unermüdlich, das Geschäft anzukurbeln.

Inzwischen hat sie ihrem früheren Partner Daniel, der sie kurz vor der Hochzeit wegen einer anderen Frau hat sitzenlassen, verziehen und die beiden sind wieder ein Paar und bereits mit Vermählungsplänen beschäftigt. Doch wie soll Callie reagieren, wenn Daniel von ihr erwartet, zurück in ihre Heimat zu ziehen? Könnte sie ihre „Joyful Heart Herb Farm“ schliessen, wo sie doch dermassen viel Herzblut hineingesteckt hat?

Trotz der prekären finanziellen Lage ist Callie auf Mitarbeiterinnen angewiesen. Nachdem ihre Angestellte Lucy inzwischen aufs College geht, hat die Chefgärtnerin zwei junge Frauen aus einer Amish-Gemeinde eingestellt. Neben dem detaillierten Einblick in eine Kräutergärtnerei erfährt die interessierte Leserin nebenbei auch einiges über Amish-Gärten und wie bereits in „Herbal Beginnings“ runden Kräuterportraits und Rezepte die Lektüre ab.

Ebenfalls analog zum ersten Band passieren in Callies Umfeld immer wieder schreckliche Dinge. Da wären eine bewaffnete Geiselnahme zu erwähnen, Unfälle oder auch ein Anschlag mit Unkrautvernichtungsmittel auf die Gärtnerei, der grossen Schaden anrichtet. Für meinen Geschmack sind etwas gar viele Widrigkeiten in die Geschichte verpackt, aber zumindest finde ich die Entwicklung von Callies Liebesleben nachvollziehbar. Und zum Schluss noch folgender Tipp: es ist empfehlenswert, das Buch nicht mit leerem Magen zu lesen!



Carolee Snyder:
Herbal Choices: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2010

4. Februar 2011

Hot House Flower und Hothouse Flower

Im Gartenbücherfrühling 2011 erscheinen unter der Kategorie „Belletristik“ gleich zwei verschiedene Romane auf Deutsch, die in der englischen Originalausgabe den gleichen Titel tragen, nämlich „Hothouse Flower“.

Margot Berwins „Hot House Flower“, das ich im Sofagarten bereits im August 2009 vorgestellt habe, erhält in der deutschen Übersetzung keinen neuen Titel. Ich bin schon jetzt gespannt, ob mich die Magie und die Schamanen auch in der deutschen Ausgabe fesseln werden und werde das Buch spätestens als Urlaubslektüre nochmals geniessen!

Der Goldmann Verlag hat für Lucinda Rileys Roman „Hothouse Flower“ den deutschen Titel „Das Orchideenhaus“ gewählt. Ein Gewächshaus, ein Orchideenzüchter, Orchideen und ein bei Renovierungsarbeiten entdecktes altes Tagebuch sind zentrales Thema in der Erzählung. Mehr zum Inhalt berichte ich gelegentlich, sobald ich das Buch fertiggelesen habe. Die Lektüre ist jedenfalls sehr spannend und ich wünschte mir beim Lesen der englischen Ausgabe im Moment Tage mit mehr als 24 Stunden, um schneller zu erfahren wie der Roman endet!



Margot Berwin:
Hot House Flower
Fischer Verlag, 2011

Lucinda Riley:
Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011

31. Januar 2011

Herr Adamson

Der Ich-Erzähler sitzt am Freitag, 22. Mai 2032, einen Tag nach seinem 94. Geburtstag, in einem in Hochblüte stehenden Garten. Er spricht seine schon länger zurückliegenden Erlebnisse mit Herrn Adamson für die Nachwelt auf Band. Freitage haben eine besondere Bedeutung für den Erzähler. Ist heute der richtige Freitag, um zu sterben?

Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.

Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.

Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.



Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010

27. Januar 2011

Erinnerungen an Christopher Lloyd

Als ich gerade mit der Lektüre dieser Erinnerungen an Christopher Lloyd (1921 – 2006) begonnen hatte, bin ich in der Zeitschrift "Gardens Illustrated" auf eine Auflistung gestossen, in welcher dieses Buch unter den zehn bemerkenswertesten Gartenbuch-Neuerscheinungen 2010 aufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt erschien mir diese Bewertung ziemlich übertrieben. Jetzt, wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, kann ich der Auszeichnung beistimmen und finde sie gerechtfertigt.

Christopher Lloyd wird nachgesagt, Leute „gesammelt“ zu haben. Etliche Personen, die dieser speziellen „Kollektion“ angehörten, haben im Buch „Dear Christo“ ihre Erlebnisse und Anekdoten niedergeschrieben. Das Ergebnis ist wohltuender Weise keine Lobhudelei auf einen der einflussreichsten englischen Gärtner der letzten Jahrzehnte, sondern vielmehr eine Lektüre, die aus verschiedenen Blickwinkeln, die vielen verschiedenen Facetten von Christopher Lloyd beleuchtet. Zu dessen riesigem Freundeskreis gehörten Journalisten, Musiker, Komponisten ebenso wie Gärtner, die teilweise gerade durch die Lektüre von Lloyds immer wieder aufgelegtem Standardwerk „The Well-Tempered Garden“ auf diesen Beruf, diese Berufung gestossen sind.

Beiträge für das Buch abgeliefert haben unter vielen anderen Anna Pavord, Alan Titchmarsh, Dan Pearson, Helen Dillon und das Vorwort hat Beth Chatto verfasst. Christopher Lloyd wird als vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten beschrieben. Wer seine Gunst einmal verspielt hatte, konnte diese nicht mehr zurückerobern. Legendär sind seine grosszügigen Wochenendeinladungen nach Great Dixter ebenso wie seine ungeschminkte Kritik und seine Kochkünste. Mehr als ein Gast nahm von Lloyds geliebten Hunden ein bissiges Andenken mit nach Hause.



Rosemary Alexander und Fergus Garrett (Hrsg.):
Dear Christo – Memories of Christopher Lloyd at Great Dixter
Timber Press, 2010

23. Januar 2011

Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid

Céleste Pruvost hat ihre frühe Kindheit auf einem Hof in der Provence verbracht, den ihre Mutter Béatrice und ihr Vater Jean zusammen mit einer Kooperative von Individualisten geführt haben. Von ihren Eltern hat sie nicht nur einen Hang zur Melancholie vererbt bekommen, auch ihre Leidenschaft für Gartengestaltung ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden.

Grossväter und Urgrossväter väterlicherseits sind allesamt grosse „Horticulteurs“ gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass Céleste bereits als kleines Mädchen ein ausgeprägtes Interesse für die Arbeit ihres Vaters entwickelte und das Pikieren von zarten Pflänzchen ebenso lernte wie das Veredeln von Kirschbäumen. Ihr Vater war kein Mann grosser Worte und sprach wohl mehr mit seinen Pflanzen als mit seiner Tochter. Doch auch er genoss die Nähe beim gemeinsamen Gärtnern, die ihn von seinen Eheproblemen ablenkte. Béatrice lebte nämlich zwar auf dem gleich Hof, aber räumlich getrennt von ihrer Familie. Die exzessive Drogenkonsumentin wechselte häufig ihre Liebhaber, während sie für Céleste und deren älteren Bruder François kein Interesse zeigte. Als Béatrice sich nach einer Entziehungskur schliesslich definitiv von Jean trennt, verschwindet dieser spurlos. Mit seinem Weggang spaltet sich die Restgruppe auf dem Hof. Der tüchtige Gärtner Jean hatte durch seine beruflichen Fähigkeiten und sein unermüdliches Arbeiten einen wesentlichen Anteil am guten Geschäftsgang des Betriebes und sein Fortgehen hinterlässt eine grosse Lücke. In der Folge werden Céleste und François in ein kleines katholisches Pensionat gesteckt und erleben die Hölle auf Erden.

Im Laufe ihres Lebens findet Céleste immer wieder Freude und Ablenkung in der Beschäftigung mit Pflanzen – als sie im Pfarrhaus aufgenommen wird oder viel später nach einer unglücklichen Ehe, als ihr in Istrien ein Rentner etliche Gärtnertricks und –kniffe beibringt, die ihren Wunsch verstärken, als Gartengestalterin berufliche Befriedigung zu finden. Der Krieg auf dem Balkan durchkreuzt diese Pläne. Kann sie zurück in Frankreich ihre Passion ausleben?

Auf knapp 220 Seiten verpackt die passionierte Gartendesignerin und frischgebackene Autorin Alexandra Jansen eine kurzweilige Lektüre, die in der Lüftung des Geheimnisses von St. Walfrid gipfelt. Ihr ureigenes Geheimnis bleibt, welche Teile des Romans autobiografische Züge aufweisen. Charmant sind die immer wieder auftauchenden französischen Worteinschiebungen. Gelegentlich driftet die Erzählung ins Umgangssprachliche ab und der Zufallsfund auf einem Flohmarkt erscheint mir etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Erstling und vielleicht hat die Autorin je genügend Ideen für eine Fortsetzung?

Ein Teil des Romans spielt in Saaregmünd und Umgebung. Vor einiger Zeit sind wir nach einer Woche Hausbootferien in dieser Gegend umhergereist. Schade ergab sich keine Gelegenheit eine Prieuré mit einem dermassen tollen Garten oder den Garten der Autorin zu besuchen! Immerhin bleibt zum Trost der Link zur Webseite der Autorin.



Alexandra Jansen:
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Geistkirch-Verlag, 2010

19. Januar 2011

Mord im Gurkenbeet

Frühmorgens um kurz vor vier Uhr stolpert die elfjährige Flavia de Luce im Garten von Buckshaw und fällt auf ihre Knie und Hände. Eben noch hätte sie sich nicht gewundert, wenn im silbrigen Licht der Morgendämmerung hinter dem taubesetzten Rosenstrauch ein Einhorn hervorgetreten wäre - nun flucht sie lehmverschmiert vor sich hin. Als sie sich umdreht, entdeckt sie etwas weisses aus dem dem Gurkenbeet ragen. Das weisse Etwas erweist sich bei näherer Betrachtung als männliche Leiche.

Am Abend zuvor hatte Flavias Vater Colonel de Luce einen heftigen Streit mit eben diesem Verstorbenen und wird von der Polizei unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Flavia, die jüngste von drei Schwestern, ist überaus klug und beginnt nach Beweisen für die Unschuld ihres Vaters zu suchen, um die Anschuldigungen zu entkräften. Dabei sind ihre Chemie-Kenntnisse von grossem Nutzen. Während sie immer tiefer in der Vergangenheit herumgräbt, stösst sie allerdings auf Geheimnisse und Ungereimtheiten, die ihren Vater mehr belasten als entlasten.

Mit Ausnahme der Erwähnung von Eukalyptus-Bäumen, die im Gewächshaus gehegt und gepflegt werden und deren Blätter auf ganz Buckshaw als Schutz gegen Erkältung und Grippe versteckt werden und dem Tatort Gurkenbeet spielt das gärtnerische Element im Buch keine Rolle. Voll auf ihre Kosten kommen hingegen Chemie-Interessierte und Philatelisten.

Zur Lektüre passt die DVD mit der BBC-Serie „The Victorian Kitchen Garden“. Die Sendung zum Monat Februar enthält eine Sequenz, die auf einem alten englischen Landsitz aufgenommen wurde. Das gezeigte Labor aus früheren Jahrhunderten dürfte demjenigen von Flavia sehr ähnlich sein.



Alan Bradley:
Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet
Blanvalet, 2010


15. Januar 2011

The Marigold Mafia

Ein Kochrezept-Wettbewerb, in welchem in drei verschiedenen Kategorien die besten vegetarischen Gerichte gesucht werden, bildet den Hintergrund in diesem Krimi. Das erste Kapitel beginnt aber nicht in der Versuchsküche, sondern mit der Besichtigung eines englischen Gartens, wo Lucille Anderson, die sich abseits der Gartenführung bewegt, eine Leiche entdeckt. Statt die Polizei zu informieren, schleicht sich die 45 jährige Amerikanerin weg und überlässt dem Rest der Gruppe das „offizielle“ Entdecken des Tatorts.

Während ein Schrei das Auffinden des Toten bestätigt, überlegt sich Lucille, wie es möglich ist, dass sie, die als Werbebeauftragte einer Firma für biologische Tiefkühlprodukte eine Gartentour mitmacht, um mehr über gesundes englisches Gemüse und ebensolche Früchte zu lernen, schon wieder in einen ausserordentlichen Todesfall verstrickt ist („The Marigold Mafia“ ist das zweite Buch in einer Reihe mit der Hobby-Detektivin Lucille). Ihr Freund und Vorgesetzter Braxton Clark ist denn auch gar nicht erfreut, als er davon erfährt. Und als auch noch seine Schwester Caroline, die mit dem Mordopfer befreundet war, mit Lucille Nachforschungen über den Mord anzustellen beginnt, gerät die Beziehung zwischen Lucille und ihrem Freund erst recht in Schieflage.

Doch wer steckt hinter dem Mord? Ist das Mordmotiv im Zusammenhang mit den geheimnisvollen verschwundenen Samen zu sehen? Samen, für welche Pharmaunternehmen Millionen von Pfund bezahlen würden?



Elisabeth Bastion:
The Marigold Mafia
Gale Cengage Learning, 2009



11. Januar 2011

Im Garten des Lebens und die Farben der Herzen

Vor rund zwei Jahren, kurz bevor ich zu bloggen angefangen habe, habe ich das Buch „Im Garten des Lebens“ (englisch: Suzannah’s Garden) gelesen – eine Geschichte über Frauenfreundschaften vor gärtnerischem Hintergrund. Am Ende der Erzählung eröffnet Susannah in der Blossom Street einen Blumenladen. Gleich neben ihrem Geschäft befindet sich ein kleiner Strickladen, dessen Besitzerin Lydia in Ich-Form durch einen der drei Erzählstränge dieses Folgebandes mit dem Titel „Die Farben der Herzen“ führt.

Lydia verkauft nicht nur Wolle, sie führt auch regelmässig Strickkurse durch. Im Kurs „Gebets-Schalstricken“ lernen sich die junge Witwe Colette und Alix kennen. Colette erwartet ein Baby und arbeitet in Susannahs Blumenladen. Im Laufe der Lektionen kommen sich die beiden Frauen näher und die Leserin fiebert mit Colette mit, die überzeugt ist, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes in Menschenhandel verwickelt ist und kann Alix nachfühlen, die sich für ihre geplante Hochzeit eine kleine Feier wünscht, während ihre künftige Schwiegermütter und eine gute Freundin DAS Fest des Jahres zu organisieren scheinen und ihre Wünsche und Vorstellungen geflissentlich überhören.

Schöne Taschenbücher mit geschmackvollem Cover über sympathische Frauen und ihre Freundschaften! Die Charaktere und Schicksale sind sehr echt beschrieben. Die Bücher haben es problemlos geschafft, dass ich den Computer ausgeschaltet liess und jeweils bis gegen Mitternacht gelesen habe.



Debbie Macomber:
Die Farben der Herzen
Mira Taschenbücher, 2009

Der Garten des Lebens
Mira Taschenbücher, 2009

7. Januar 2011

Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten

Wieder ein Buch über Frauen und ihre Gärten? Soll ich das lesen? Lohnt sich die Anschaffung, obwohl verschiedenene der portraitierten Gärtnerinnen bereits anderweitig zwischen Buchdeckeln ausführlich vorgestellt worden sind (Stichwort Kristin Lammerting, Gabrielle Pape oder Viktoria Freifrau von dem Bussche)? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich wiederholt über diese Neuerscheinung gestolpert bin. Nun, die Skepsis unterlag schliesslich der Neugierde und nach der Lektüre bin ich positiv überrascht.

Die Autorin Karine von Rumohr ist als Enkelin der Iris-Gräfin mit Gärtnerinnen und Gärtnereien wohlvertraut und kennt verschiedene der portraitierten Frauen privat schon seit Kindstagen, so dass sie wie etwa im Kapitel über ihren Besuch bei Beth Chatto auch einiges aus dem Nähkästchen ausplaudern kann.

Eine der 18 vorgestellten Frauen gärtnert in einem echten Hortus coclusus, während eine andere auf dem Gelände eines ehemaligen Zisterzienserkloster einen Kräutergarten hegt und pflegt. Interessant ist auch der Einblick in die Züchtungsarbeit eines Jungpflanzenbetriebes, der sich auf Pelargonien, Anthurien und Chrysanthemen konzentriert. „Der Garten der acht Kostbarkeiten“ liegt in der Nähe des Ortes Rumohr. Da fragt sich die Sofagärtnerin neugierig, ob der Ort mit diesem Namen eine Verbindung mit dem Nachnamen der Autorin hat?

Etwas befremdet oder irritiert hat mich an einer anderen Stelle das Eingeständnis, hemmungslos zur chemischen Keule zu greifen. Oder ist es mutig, diese Einstellung und Handlungsweise in einem Buch schwarz auf weiss zu veröffentlichen?

Karine von Rumohr bereitet sich auf die Übernahme der Staudengärtnerei „Gräfin von Zeppelin“ vor. Die Buchhandlung der Mutter und ein neues Café sollen in einem neuen Gebäude Platz finden. Wenn das mal kein guter Grund ist, wieder einmal Richtung Sulzburg Laufen zu fahren …



Karine von Rumohr:
Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2010

3. Januar 2011

Endlich geht’s weiter – Teil 2 des Wunscherbes ist da!

Haben Sie auch ungeduldig darauf gewartet, zu erfahren wie die Begegnung zwischen Lieselotte und Deboo verlief? Da diese Buchvorstellung aus dem Sofagarten stammt, dünkt es mich passend, die Fortsetzung mit dem schönen Absatz aus einem der letzten Briefe von Hans an seine reisende Ehefrau Lieselotte zu beginnen. Deboo hatte einmal erklärt, mit Lieselotte die schönste Rose der ganzen Welt erhalten zu haben. Ihr Ehemann Hans sieht sich als Gärtner, der dem Inder diese Kostbarkeit zur Freude an Duft und Anblick überlassen hat. Hans selber ist sich bewusst, dass ihn nach der Rückkehr seiner Frau von dieser mehrmonatigen Reise durch Indien Dornen stechen werden, er hofft aber gleichzeitig, dass seine Rose im norddeutschen Klima nicht zu welken beginnt. Diese Befürchtungen haben durchaus ihre Berechtigung - aber nun zurück an den Anfang von Teil 2 des Wunscherbes.

Das Buch beginnt mit einem Auszug aus Lieselottes Tagebuch vom September 1956. Die 37jährige Mutter von vier Kindern ist mit ausdrücklicher Unterstützung ihres Ehemannes Hans inzwischen im Zug unterwegs von Bombay nach Kalkutta, um endlich ihre grosse Liebe Deboo wiederzutreffen.

Zunächst scheinen die Rollen zwischen Hans und Deboo vertauscht. Während der indische Botaniker seine Lieselotte nun in physischer Nähe hat, muss Hans sich mit der Aufgabe als Korrespondent begnügen. Der rege und sehr offene Briefwechsel zwischen den Eheleuten erscheint mir als Aussenstehenden mit einer speziellen Form einer Ehetherapie vergleichbar. Auf Papier werden Dinge ausgesprochen, für die im Alltagstrott Zeit und Worte fehlen. Und immer wieder wunderte ich mich als Leserin über die Stärke von Hans, seine Frau ziehen zu lassen. In seinen Briefen kommt allerdings auch die weiche Seite dieses Strategen ausdrücklich zum Vorschein.

Trifft Deboos Aussage zu, dass Lieselotte die glücklichste Frau der Welt sein muss? Sie, die von zwei Männern derart heftig geliebt wird, ohne dass die beiden eifersüchtig aufeinander sind? Und wie ist in diesem Zusammenhang Hans‘ Wortkonstruktion „Neben-De-booler“ zu werten? Lesen Sie selber diese deutsch-indische Liebesgeschichte und erfahren Sie, welche Tragödie dazu führte, dass aus Deboos Familie niemand mehr einen Fuss in den Botanischen Garten von Kalkutta setzen wollte.

Teil 2 ist in Sachen Spannung dem ersten Band ebenbürtig und hat mir mindestens gleich gut gefallen. Die biografische Dokumentation lässt einem auch nach der Lektüre nicht ganz los, und ich habe mir schon ein paarmal überlegt, in welchen Bahnen das Leben von Dietlinde Hachmann und ihrer Familie wohl verlaufen wäre, wenn die im Frühling 1957 geschmiedeten Pläne umgesetzt worden wären. Und wieviele solche oder ähnliche erzählenswerte Geschichten gehen tagtäglich ungeschrieben verloren?

Den gärtnerisch interessierten Leserinnen und Lesern möchte ich nicht vorenthalten, dass Lieselotte in einem Brief einen Besichtigungsgang durch Garten und Pflanzungen von D.S. Pradhan erwähnt und anmerkt, dass aus dessen Winteraster- und Chrysanthemen-Züchtungen zwei Sorten ausgewählt wurden, die ihren Namen tragen sollen. Ob es diese wohl noch gibt?



Dietlinde Hachmann:
Mein Wunscherbe – Teil 2: Im Land meiner Träume
Acabus Verlag, 2010


PS: Falls Sie sich nochmals in die Rezension zum Teil 1 vertiefen wollen, klicken Sie hier.

Homepage "Mein Wunscherbe"