Kates Eltern planen mit ihren drei Kindern von London weg aufs Land zu ziehen. Hauptgrund für diesen Umzug sind die Schulprobleme von Kate. Das Mädchen ist seit Schuleintritt eine schlechte Schülerin, hat grosse Lernschwierigkeiten und reagiert häufig unbeherrscht und aufbrausend. Wie so oft in letzter Zeit streiten sich Kates Eltern auch während der Besichtigung ihres künftigen Daheims fast ununterbrochen. Das baufällige Objekt ist von einem grossen, völlig verwilderten Garten umgeben. Der Hauskauf ist schnell beschlossene Sache und mit Ausnahme von Kate scheinen alle Familienmitglieder Gefallen an der geplanten Luftveränderung zu finden. Ganz speziell freut sich die Mutter auf einen eigenen Garten.
Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.
Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.
Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002
4. September 2011
1. September 2011
Franziska Steinhauer: Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Die kürzlich im Spreewald erworbenen frisch gepflanzten riesigen Bäume haben erst wenig Zeit gehabt, ihre Wurzeln im Boden des Branitzer Schlossparks von Fürst Pückler-Muskau auszubreiten, als ein schweres Unwetter durch die Gegend fegt. Ob die Halteseile und Metallanker den Flachwurzlern wohl genügend Halt zu geben vermögen? Beunruhigt schickt der Fürst Tags darauf seine Gärtner aus, um allfällige Sturmschäden festzustellen.
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
29. August 2011
Karlheinz Glaser: Gelbe Rosen tauscht man nicht
Diese Liebesgeschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, der kurz zurückblendet auf ein Ereignis, welches das Leben von Kleopatra völlig auf den Kopf gestellt hat.
Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.
Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.
Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.
Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002
Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.
Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.
Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.
Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002
27. August 2011
Ein Blog-Award und ein paar Gedanken
Während den Schulferien hat mir Chagall einen Blog-Award überreicht und ich habe mich natürlich sehr über diese Anerkennung gefreut. Gleichwohl habe ich hin und her überlegt, ob ich diesen überhaupt annehmen soll, da ich wohl aufgrund der jahrzehntelangen Lektüre des "Beobachters" eine tiefe Abneigung gegen Systeme habe, die nach dem Schneeballprinzip funktionieren und wir bereits als Kinder immer dazu angehalten worden sind, sämtliche Kettenbriefe (egal welches Unglück einem damit angedroht worden ist) im Papierkorb zu entsorgen.
Neben Familie, Job und anderen Verpflichtungen versuche ich tagtäglich möglichst viel Zeit mit Lesen ausfüllen zu können und berichte auch gerne im Sofagarten über die Lektüre. Daneben bin inzwischen recht gewieft, im Internet Bücher zu suchen und zu finden, die in mein Blog passen könnten, verbringe aber bereits damit und mit meiner recht umfangreichen E-Mail-Korrespondenz meistens mein Pensum an Computerzeit, das ich mir mit gutem Gewissen zugestehen mag.
Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, regelmässig in anderen Blogs herumzustöbern, geschweige denn an allen Ecken und Enden Kommentare zu hinterlassen. Ausserdem verzichte ich im Sofagarten bewusst darauf, ellenlange Gartenblog-Listen aufzuführen und beschränke mich auf ein paar wenige Web-Tagebücher. Nicht weil mich andere Blogs nicht interessieren, sondern weil ich mich gerne im Gartenblog-Mischmasch informiere, wo unzählige informative Gartenblogs mit ihren aktuellsten Beiträgen zu finden sind. Mir ist durchaus bewusst, dass mein eher anonymes und zurückgezogenes Bloggen nicht nach jedermanns Gusto und teilweise sogar kontraproduktiv ist (das Schneeball-System lässt grüssen …). Aber es ist ja nicht unbedingt schlecht, als Geheimtipp zu gelten, oder? Die steigenden Besucherzahlen und E-Mail-Rückmeldungen sprechen ausserdem eine deutliche Sprache.
Auch aus oben erwähnten Gründen tat ich mich schwer damit zu entscheiden, welchem dritten eher unbekannten Blog ich den Preis weitergeben soll, weshalb ich hiermit – obwohl ich damit gegen die Regeln verstosse – nur zwei Blogs aufführe. Nun, langer Rede kurzer Sinn – ich gebe den Kreativ-Blog-Award hiermit weiter.
Den ersten Award überreiche ich Clara Bauhinia. In ihrem Blog “Cannas und Jakarandas oder ein Garten in Pretoria” berichtet sie nicht nur über ihren südafrikanischen Garten, sondern auch über ihre Erlebnisse mit Nachbarskindern, Automitfahrern und sie veröffentlicht immer wieder feine Rezepte.
Den zweiten Award übergebe ich Klasse im Garten. Hier geht es mit österreichischem Charme und viel Kompetenz ums Garteln und Wiederverwertung. Es lohnt sich übrigens auch regelmässig auf der Facebook-Seite der Bloggerin hereinzuschauen.
Hier sind noch die Regeln:
Das Ziel dieser Aktion ist, dass wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3'000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger und Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.
Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung hereinkopierst (=dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, dass du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen.
Danach überlegst du dir 3 - 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst und die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, dass sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Wir hoffen, ihr nehmt diesen Award an, gebt ihn weiter und freut euch genauso wie ich eben gerade.
24. August 2011
Annette Diekmann-Müller: Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
In diesem Buch erfährt der Leser, was Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, George Sand, Emily Dickinson, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Frances Hodgson Burnett, Selma Lagerlöf, Edith Wharton und Virginia Woolf miteinander verbindet. Alle diese verstorbenen Frauen sind nämlich nicht nur wichtige Puzzleteile der Literaturgeschichte, sondern alle neun hatten eine mehr oder weniger intensive Beziehung zu ihrem Garten und zum Gärtnern.
Die Kapitel des Buches „Blicke ins Grüne“ sind allesamt nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nach einem Bild oder Foto folgt ein fiktiver Dialog. In diesem Interview wird aus dem literarischen Vermächtnis der entsprechenden Schriftstellerin oder Dichterin die Antwort gegeben auf Fragen zu Lieblingsblumen im Garten und im Haus, Lieblingsplatz im Garten und im Haus und was vollkommenes irdisches Glück bedeutet. Eine Kurzbiografie („Retrospektive“) stellt die Schreiberin und ihr Umfeld vor und im „Herbarium“ werden ausgewählte Texte aus deren Werk passend zum gärtnerischen Hintergrund und zum Blick ins Grüne zitiert. In „Was bleibt?“ wird schliesslich der Frage nachgegangen, was aus dem Garten der schreibenden und gärtnernden Frauen geworden ist.
Von Emily Dickinsons selbstgewählter 35 Jahre andauernder Einsamkeit mögen Sie schon gehört haben. Dass sie für ihre beinahe unzähligen Topfpflanzen sogar ein Bewässerungssystem konstruiert hat, dürfte weniger bekannt sein. Und falls Ihnen bei der Erwähnung von Kaiserin Elisabeth von Österreich unweigerlich Romy Schneider und die Sissi-Filme einfallen, können Sie mit dieser Lektüre ihr Wissen über diese bemerkenswerte Frau vertiefen. Die Liebe zur Natur der Monarchin stammte aus Jugendtagen und kommt in ihren Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Haben Sie gewusst, dass die Figur Colin aus dem Buch „Der geheime Garten“ dem früh verstorbenen Sohn der Autorin Frances Hodgson Burnett gewidmet ist? Diese erfolgreiche Schriftstellerin entwickelte sich in den letzten fünfzehn Jahren ihres Lebens zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit erheblichem Knowhow. Diese und viele weitere Begebenheiten lassen sich in diesem informativen Buch von Annette Diekmann-Müller nachlesen.
Annette Diekmann-Müller:
Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag, 2010
Die Kapitel des Buches „Blicke ins Grüne“ sind allesamt nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nach einem Bild oder Foto folgt ein fiktiver Dialog. In diesem Interview wird aus dem literarischen Vermächtnis der entsprechenden Schriftstellerin oder Dichterin die Antwort gegeben auf Fragen zu Lieblingsblumen im Garten und im Haus, Lieblingsplatz im Garten und im Haus und was vollkommenes irdisches Glück bedeutet. Eine Kurzbiografie („Retrospektive“) stellt die Schreiberin und ihr Umfeld vor und im „Herbarium“ werden ausgewählte Texte aus deren Werk passend zum gärtnerischen Hintergrund und zum Blick ins Grüne zitiert. In „Was bleibt?“ wird schliesslich der Frage nachgegangen, was aus dem Garten der schreibenden und gärtnernden Frauen geworden ist.
Von Emily Dickinsons selbstgewählter 35 Jahre andauernder Einsamkeit mögen Sie schon gehört haben. Dass sie für ihre beinahe unzähligen Topfpflanzen sogar ein Bewässerungssystem konstruiert hat, dürfte weniger bekannt sein. Und falls Ihnen bei der Erwähnung von Kaiserin Elisabeth von Österreich unweigerlich Romy Schneider und die Sissi-Filme einfallen, können Sie mit dieser Lektüre ihr Wissen über diese bemerkenswerte Frau vertiefen. Die Liebe zur Natur der Monarchin stammte aus Jugendtagen und kommt in ihren Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Haben Sie gewusst, dass die Figur Colin aus dem Buch „Der geheime Garten“ dem früh verstorbenen Sohn der Autorin Frances Hodgson Burnett gewidmet ist? Diese erfolgreiche Schriftstellerin entwickelte sich in den letzten fünfzehn Jahren ihres Lebens zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit erheblichem Knowhow. Diese und viele weitere Begebenheiten lassen sich in diesem informativen Buch von Annette Diekmann-Müller nachlesen.
Annette Diekmann-Müller:
Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag, 2010
21. August 2011
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Unter dem Titel „Der Mörder ist (n)immer der Gärtner sind kürzlich zehn Gartenkrimis erschienen. Zwei Frauen und acht Männer lassen hinter Gartenmauern und –hecken blicken, wo nicht nur Blumen um die Wetter blühen, sondern auch das Böse lauern kann. Die Geschichten tragen beispielsweise Titel wie „Der Kontrakt des Gärtners“, „Gartenidylle“, „Tatort Zitronenhügel“ und „Der Brennnesselzüchter“.
Echinacea purpurea ist zwar leicht giftig, dennoch ist der Todesfall einer Teilnehmerin einer Reisegruppe, die bekannte englische Gärten besucht, mitten im Heilpflanzenbeet eher ungewöhnlich. In einem anderen Beitrag lernt man durch die Blume, auf der Hut zu sein, falls man beabsichtigt in eine „Rosenstrasse“ zu ziehen. Dies gilt umso mehr, wenn sämtliche Gärten einheitlich gestaltet und bepflanzt sind. Gerät man nämlich in ein Quartier, das jährlich um den ersten Preis der örtlichen Blumenschmuckaktion kämpft, kann dies mitunter gefährliche Dimensionen annehmen. In eine solche durchgestylte Idylle passen natürlich keine störenden Katzen – ein zermürbender Kleinkrieg ist fast zwangsläufig die logische Folge. Etwas kompliziert und zuweilen mühsam wird es, wenn der Gärtner „Reich“ heisst, aber arm ist und sein Arbeitgeber zwar reich ist, aber „Gärtner“ heisst. Und gibt es tatsächlich so etwas wie Löwenzahnanschläge oder Nachbarn, die einem Wühlmäuse in den Garten aussetzen, in der Hoffnung, diese mögen möglichst grossen Schaden anrichten? Lesen Sie selber – es lohnt sich!
Erich Groeschl/Edwin Haberfellner/Joseph Lemark/Beate Maxian/Harald Mini/Karl Ploberger/Volker Raus/Ernst Schmid/Erich Weidinger/Helga Weinzierl:
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Verlag Worxboox, 2011
Echinacea purpurea ist zwar leicht giftig, dennoch ist der Todesfall einer Teilnehmerin einer Reisegruppe, die bekannte englische Gärten besucht, mitten im Heilpflanzenbeet eher ungewöhnlich. In einem anderen Beitrag lernt man durch die Blume, auf der Hut zu sein, falls man beabsichtigt in eine „Rosenstrasse“ zu ziehen. Dies gilt umso mehr, wenn sämtliche Gärten einheitlich gestaltet und bepflanzt sind. Gerät man nämlich in ein Quartier, das jährlich um den ersten Preis der örtlichen Blumenschmuckaktion kämpft, kann dies mitunter gefährliche Dimensionen annehmen. In eine solche durchgestylte Idylle passen natürlich keine störenden Katzen – ein zermürbender Kleinkrieg ist fast zwangsläufig die logische Folge. Etwas kompliziert und zuweilen mühsam wird es, wenn der Gärtner „Reich“ heisst, aber arm ist und sein Arbeitgeber zwar reich ist, aber „Gärtner“ heisst. Und gibt es tatsächlich so etwas wie Löwenzahnanschläge oder Nachbarn, die einem Wühlmäuse in den Garten aussetzen, in der Hoffnung, diese mögen möglichst grossen Schaden anrichten? Lesen Sie selber – es lohnt sich!
Erich Groeschl/Edwin Haberfellner/Joseph Lemark/Beate Maxian/Harald Mini/Karl Ploberger/Volker Raus/Ernst Schmid/Erich Weidinger/Helga Weinzierl:
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Verlag Worxboox, 2011
18. August 2011
Antony Woodward: The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Antony Woodward kann eine ziemlich ausgeprägte Sturheit nicht verleugnen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, scheut er keine Mittel, sein Ziel zu erreichen. Absicht und Zweck des Kaufes eines abgelegenen vernachlässigten Stück Landes mit dem Namen Tair-Ffynnon mit ebenso verkommenem Gebäude im Brecon Beacons National Park war die Gestaltung eines Gartens und – ganz unbescheiden – die Aufnahme in das prestigeträchtige „Yellow Book“. Das Gelbe Buch ist bekanntlich die Bibel bzw. der Führer zu den öffentlichen englischen Gärten, die für gemeinnützige Institutionen Gelder sammeln (National Gardens Scheme Guide). Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich die Familie Woodward eine Parzelle in der Höhe von 1200 ft (etwa 370 Meter ü.M.) angelacht hat, was für englische Verhältnisse wohl schon recht nahe am Himmel sein mag. Für den Eintrag im Führer wurde die Höhe übrigens grosszügig (oder schamlos?) auf 1600 ft aufgerundet.
Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.
Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.
Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?
Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010
Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …
Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.
Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.
Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?
Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010
Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …
15. August 2011
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam
Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
- Historische Gärten
- Gärten am Wasser
- Gesellige Gärten
- Designer-Gärten
- Ungewöhnliche Gärten und
- Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
12. August 2011
Es geht weiter mit Sofagärtnern
Die Holland-Ferien gehören schon wieder der Vergangenheit an. Zurück bleiben viele erfreuliche, teilweise auch weniger erfreuliche Erlebnisse. So stellte sich gerade die Rückreise als mühsam heraus, da der von uns gewählte ICE statt wie gemäss Fahrplan nach Frankfurt Hauptbahnhof nur bis zum Flughafen fuhr. Nach noch mehr Umsteigen samt Urlaubsgepäck und Kindern hatten wir zwar in Mannheim Anschluss auf den ursprünglich geplanten ICE Richtung Basel, aber natürlich waren die gebuchten und bezahlten Sitzplätze bereits besetzt … Nun ja, es gibt schlimmeres – aber als speziell kundenfreundlich würde ich es ja nicht bezeichnen, einen Zug vorzeitig zu wenden.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
26. Juli 2011
Lesepause...? Schreibpause...? Blogpause...!
Wie üblich mache ich Ende Juli/Anfang August (Vor-)Blogpause. Ungefähr Mitte August erscheint die nächste Buchvorstellung. Näheres zu den nächsten Rezensionen findet ihr unter der Blog-Rubrik „Zuletzt gelesen, angehört und angesehen“. Und falls ihr für die Urlaubslektüre noch den einen oder anderen hortikulturellen Lesetipp braucht, wisst ihr ja, wo es eine grosse Auswahl an Empfehlungen gibt.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
22. Juli 2011
Dorothy St. James: Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Cassandra Calhoun, genannt Casey, hat einen wichtigen Auftritt vor sich: die junge ambitionierte Gärtnerin soll ihr neues Kultivierungsprogramm für die Anlagen rund ums Weisse Haus vor einem Ausschuss und vor der Präsidentengattin Mrs Bradley präsentieren. Das Konzept basiert auf biologischen Grundsätzen. Caseys hortikulturelles Interesse haben ihre Grossmutter und Tanten, die sie in Charleston grossgezogen haben, geweckt. Ausserdem betrachtet sie sich – qualifiziert durch die Lektüre von unzähligen Krimis – als junge Ausgabe von Miss Marple. Bevor die Gärtnerin ihre Pläne vorstellen kann, wird sie im Garten von einem Unbekannten attackiert, der unbehelligt fliehen kann. Als Casey gleichentags auf dem Gelände ihres Arbeitsplatzes eine tote junge Frau entdeckt, findet sich die junge Gärtnerin unvermittelt selber in einem Kriminalfall wieder.
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
19. Juli 2011
Unser Garten Eden (DVD)
„Unser Garten Eden“ lautet der Titel der von Mano Khalil verfilmten Schrebergartengeschichten (CH-Dialekt mit Untertiteln) aus Bümpliz im Kanton Bern. Ob in diesen kleinen abgegrenzten vermeintlichen Paradiesen alles im grünen Bereich ist? Lassen sich Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung beim Eingang zu den Pünten abstreifen? Nicht völlig. Auf relativ engem Raum treffen in Kleingartenanlagen unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander, womit genügend Zündstoff für Reibereien und grössere Streitigkeiten gegeben ist. Der Film handelt denn auch weniger von den Tätigkeiten rund ums Gärtnern sondern von den Menschen aus rund 20 Nationen, welche den Boden der 148 Parzellen bearbeiten.
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
16. Juli 2011
Liv Winterberg: Vom anderen Ende der Welt
Wer sich schon eingehend mit einschlägiger Literatur über Pflanzenjäger beschäftigt hat, ist mit einiger Sicherheit auch schon auf den Namen der französischen Botanikerin Jeanne Baret gestossen, die 1768 an Bord eines von Kapitän Bougainville (Bougainvillea/Drillingsblume) befehligten Schiffes als Mann verkleidet Richtung Südpazifik in See stach. Nur in dieser Verkleidung konnte sie als Frau wissenschaftlich tätig sein. Eben diese Täuschung bildet den Rahmen für den Roman „Vom anderen Ende der Welt“ von Liv Winterberg.
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
13. Juli 2011
Elisabeth Tova Bailey: The Sound of a Wild Snail Eating
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
10. Juli 2011
Auerbach & Keller: Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergartenkrimi
Beim Googeln mit den Stichwörtern „Schrebergarten“ und „Krimi“ bin ich auf das Buch „Unter allen Beeten ist Ruh“ des Autorenduos Auerbach & Keller gestossen. Das hätte ich auch einfacher haben können – mittlerweile habe ich es nämlich in verschiedenen Buchhandlungen ebenfalls entdeckt.
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
7. Juli 2011
Nadine Olonetzky: Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Gelegentlich findet ein Buch nachdem es jahrelang auf der Wunschliste gestanden hat, plötzlich doch noch den Weg in den Sofagarten. Zuletzt geschehen mit der literarischen Reise durch die Gartengeschichte von Nadine Olonetzky – einer überaus intelligent geschriebenen Lektüre in einem schön gestalteten Stoffumschlag.
Die auf Hortikultur fokussierte Reise durch sechs Jahrtausende startet um 4000 v. Chr. in den Steppen und Wüsten Mesopotamiens, der Wiege der Gartenkultur und endet mit einem Absatz über die Verleihung des Schulthess-Gartenpreises 2006 an die Ermitage in Arlesheim, dem bedeutendsten englischen Landschaftspark in der Schweiz.
Bis zum ersten Kapitel in der Zeitreise, das mit einem Datum „n. Chr.“ datiert ist, hat die Leserin über verschiedene Etappenziele die Gartenkultur am Nil kennengelernt, vom wahrscheinlich ersten gestalteten Landschaftspark in Chorsabad im heutigen Nordirak und den hängenden Gärten von Babylon gelesen und erfahren, dass Theophrast die Basis zur heutigen botanischen Lehre gelegt hat.
Haben Sie gewusst, dass der Brauch am Valentinstag Blumen zu verschenken auf einen Bischof Valentin zurückgeht, der am 14.2.269 hingerichtet worden ist? Der später heiliggesprochene Märtyrer soll frisch vermählten Paaren jeweils Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Nächste Reisestation ist ein Beitrag über die heilige Dorothea von Cäsarea, der Schutzpatronin der Gärtner. Neben Texten zu diesen christlichen Märtyrern gibt es auch Beiträge über islamische Gärten, Volksparks und Landschaftsgärten, aber auch Klostergärten und ein Monstergarten werden thematisiert.
William Curtis‘ „Botanical Magazine“, das erste Alpinum in England und die Gründung der Royal Horticultural Society (damals noch London Horticultural Society) markieren die Schwelle zum 19. Jahrhundert. Gartenzwerge, Schrebergärten, Rasenmäher, Gartengeräte und –möbel, Gartenschauen und Beton sind wichtige Stichworte in der rasanten Weiterentwicklung der Industrialisierung, die auch vor Gartenmauern und Hecken nicht Halt machte. Im 20. Jahrhundert geht es weiter mit Aspekten wie "Gartenräume nach Farben und nach Themen", Ökologie und Instant-Gärten.
Nicht nur die Buchhülle ist eine Augenweide. Prächtige Illustrationen und Fotos komplettieren die gelungene Publikation. Falls Sie Gelegenheit haben, noch ein Exemplar zu ergattern oder irgendwo reinzuschauen, sollten Sie sich diese nicht entgehen lassen! Dank dem ausführlichen Index eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.
Nadine Olonetzky:
Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Birkhäuser Verlag, 2007
Die auf Hortikultur fokussierte Reise durch sechs Jahrtausende startet um 4000 v. Chr. in den Steppen und Wüsten Mesopotamiens, der Wiege der Gartenkultur und endet mit einem Absatz über die Verleihung des Schulthess-Gartenpreises 2006 an die Ermitage in Arlesheim, dem bedeutendsten englischen Landschaftspark in der Schweiz.
Bis zum ersten Kapitel in der Zeitreise, das mit einem Datum „n. Chr.“ datiert ist, hat die Leserin über verschiedene Etappenziele die Gartenkultur am Nil kennengelernt, vom wahrscheinlich ersten gestalteten Landschaftspark in Chorsabad im heutigen Nordirak und den hängenden Gärten von Babylon gelesen und erfahren, dass Theophrast die Basis zur heutigen botanischen Lehre gelegt hat.
Haben Sie gewusst, dass der Brauch am Valentinstag Blumen zu verschenken auf einen Bischof Valentin zurückgeht, der am 14.2.269 hingerichtet worden ist? Der später heiliggesprochene Märtyrer soll frisch vermählten Paaren jeweils Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Nächste Reisestation ist ein Beitrag über die heilige Dorothea von Cäsarea, der Schutzpatronin der Gärtner. Neben Texten zu diesen christlichen Märtyrern gibt es auch Beiträge über islamische Gärten, Volksparks und Landschaftsgärten, aber auch Klostergärten und ein Monstergarten werden thematisiert.
William Curtis‘ „Botanical Magazine“, das erste Alpinum in England und die Gründung der Royal Horticultural Society (damals noch London Horticultural Society) markieren die Schwelle zum 19. Jahrhundert. Gartenzwerge, Schrebergärten, Rasenmäher, Gartengeräte und –möbel, Gartenschauen und Beton sind wichtige Stichworte in der rasanten Weiterentwicklung der Industrialisierung, die auch vor Gartenmauern und Hecken nicht Halt machte. Im 20. Jahrhundert geht es weiter mit Aspekten wie "Gartenräume nach Farben und nach Themen", Ökologie und Instant-Gärten.
Nicht nur die Buchhülle ist eine Augenweide. Prächtige Illustrationen und Fotos komplettieren die gelungene Publikation. Falls Sie Gelegenheit haben, noch ein Exemplar zu ergattern oder irgendwo reinzuschauen, sollten Sie sich diese nicht entgehen lassen! Dank dem ausführlichen Index eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.
Nadine Olonetzky:
Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Birkhäuser Verlag, 2007
4. Juli 2011
Nancy Atherton: Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Wie der englische Originaltitel „Aunt Dimity and the Duke“ lässt auch die deutsche Ausgabe keinen Roman mit hortikulturellem Hintergrund vermuten. Die Informatikerin Emma Porter kommt denn auch auf ziemlich spezielle Weise und völlig unbeabsichtigt zu einem Job als Gärtnerin – aber schön der Reihe nach.
Nach einer unkonventionellen rund fünfzehn Jahre dauernden Beziehung ist die knapp vierzigjährige Emma seit kurzem wieder Single. Die mollige Hobbygärtnerin wurde von ihrem Ex-Partner wegen einer schlanken 22jährigen Blondine verlassen. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld nimmt Emma die Trennung ziemlich gelassen auf. Der Idealistin waren Karriere und Unabhängigkeit schliesslich immer wichtiger als ihr Privatleben. Und da sie keinesfalls beabsichtigt, sich tief verletzt in Boston zu verkriechen, tritt sie die eigentlich für zwei Personen geplante mehrwöchige Gartentour nach Cornwall alleine an. Zu den im voraus festgelegten Reisezielen gehören unter anderen Glendurgan, Cotehele und Killerton Park. Emma freut sich auf Teekuchen mit Erdbeerkonfitüre und Sahne sowie ganz besonders auf Azaleen in voller Blüte.
Bereits die erste Station ihrer Reiseroute hält eine Überraschung für die Amerikanerin bereit. Im Zentrum des Irrgartens von Bransley Manor trifft sie auf zwei alte Engländerinnen, die Schwestern Ruth und Louise Pym. Die beiden führen mit Emma eine Art Bewerbungsgespräch und schicken sie mit einer Empfehlung nach Penford Hall, um dort einen jungen Freund zu besuchen. Als Emma dort eintrifft, wird sie denn auch schon erwartet. Doch während Emma von einem Kurzbesuch ausgeht, wird sie auf Penford Hall mit offenen Armen als künftige Gärtnerin begrüsst. Spontan beschliesst die Amerikanerin, das verlockende Angebot anzunehmen - nicht im Geringsten ahnend und darauf vorbereitet, welche Geheimnisse in dem alten Schloss verborgen sind.
Nancy Atherton:
Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Blanvalet, 2008
Nach einer unkonventionellen rund fünfzehn Jahre dauernden Beziehung ist die knapp vierzigjährige Emma seit kurzem wieder Single. Die mollige Hobbygärtnerin wurde von ihrem Ex-Partner wegen einer schlanken 22jährigen Blondine verlassen. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld nimmt Emma die Trennung ziemlich gelassen auf. Der Idealistin waren Karriere und Unabhängigkeit schliesslich immer wichtiger als ihr Privatleben. Und da sie keinesfalls beabsichtigt, sich tief verletzt in Boston zu verkriechen, tritt sie die eigentlich für zwei Personen geplante mehrwöchige Gartentour nach Cornwall alleine an. Zu den im voraus festgelegten Reisezielen gehören unter anderen Glendurgan, Cotehele und Killerton Park. Emma freut sich auf Teekuchen mit Erdbeerkonfitüre und Sahne sowie ganz besonders auf Azaleen in voller Blüte.
Bereits die erste Station ihrer Reiseroute hält eine Überraschung für die Amerikanerin bereit. Im Zentrum des Irrgartens von Bransley Manor trifft sie auf zwei alte Engländerinnen, die Schwestern Ruth und Louise Pym. Die beiden führen mit Emma eine Art Bewerbungsgespräch und schicken sie mit einer Empfehlung nach Penford Hall, um dort einen jungen Freund zu besuchen. Als Emma dort eintrifft, wird sie denn auch schon erwartet. Doch während Emma von einem Kurzbesuch ausgeht, wird sie auf Penford Hall mit offenen Armen als künftige Gärtnerin begrüsst. Spontan beschliesst die Amerikanerin, das verlockende Angebot anzunehmen - nicht im Geringsten ahnend und darauf vorbereitet, welche Geheimnisse in dem alten Schloss verborgen sind.
Nancy Atherton:
Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Blanvalet, 2008
1. Juli 2011
Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk (Topiaria Helvetica 2010)
Das Jahrbuch 2010 der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) ist in die Schwerpunkte „Gärtnerische Kulturtechniken“, „SGGK-Vitrine“ und „Bücher“ gegliedert. Nach einer Einführung zum Thema folgen die nachstehend aufgeführten Artikel:
In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.
Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010
- Kulturgut Kulturpflanze von Sandra Hilgert
- Topiaria - Architektur und Skulptur aus Pflanzen in italienischen Gärten zwischen Trecento und Settecento von Margherita Azzi-Visentini
- Wegbautechnik und Bauforschung in historischen Gartenanlagen anhand ausgewählter Beispiele von Anita Drexel
- Im Verborgenen - Technik in der Wasserkunst von Dunja Richter
- Zur Geschichte der Hippe von Clemens Alexander Wimmer
- Stütze für rankende Pflanzen von Eeva Ruoff
- Guerilla-Gärtnerei - Zwischen Protestkunst und Stadtlandschaft von Annemarie Bucher
In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.
Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010
29. Juni 2011
Sag’s durch die Blume
Ein Auftrag führt die 24jährige Fotografin Mary in die Gärtnerei Palmer. Der Chefgärtner Rob zieht die junge Frau sofort wie magisch an. Während die schüchterne und zurückhaltende Mary bis anhin wenig Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hat, lässt Rob nichts anbrennen.
Die beiden sind sich sehr sympathisch und kommen sich rasch näher. Gelingt es Mary, ihre Unschuld für den richtigen Mann zu bewahren und schafft es Rob gleichzeitig, einer Frau treu zu sein?
Die Lektüre ist gelegentlich recht derb und meist eher umgangssprachlich abgefasst. Erotik spielt zweifelsfrei eine grössere Rolle als das Gärtnerische oder Blumen, wie der Titel vielleicht mutmassen lässt.
Melissa Karn:
Sag’s durch die Blume
Novum Publishing, 2010
Die beiden sind sich sehr sympathisch und kommen sich rasch näher. Gelingt es Mary, ihre Unschuld für den richtigen Mann zu bewahren und schafft es Rob gleichzeitig, einer Frau treu zu sein?
Die Lektüre ist gelegentlich recht derb und meist eher umgangssprachlich abgefasst. Erotik spielt zweifelsfrei eine grössere Rolle als das Gärtnerische oder Blumen, wie der Titel vielleicht mutmassen lässt.
Melissa Karn:
Sag’s durch die Blume
Novum Publishing, 2010
26. Juni 2011
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Verschiedene Gartenjournalisten, die Herausgeberin von “Garden Soirée”, ein Gärtnereibesitzer und ein Botaniker werden von der Allencamp Seed Company zu einem Seminar nach Raleigh eingeladen. Die „Schreiberlinge“ haben jeweils verschiedene Interessen und Spezialgebiete – die einen berichten ausschliesslich über Topfpflanzen, „Hanging Baskets“ oder über exotische Gewächse während Cassandra Nottingham sich auf Artikel zum Thema amerikanische Cottage Gärten fokussiert.
Die eingeladenen Kolumnisten und anderen Gäste werden wie VIPs behandelt und sollen Teil einer ausgeklügelten Marketingkampagne werden. Doch die Veranstaltung scheint unter keinem guten Stern stattzufinden. Der Besitzer der Allencamp Seed Company muss in besorgniserregendem Zustand ins Spital gebracht werden. Die Grippesymptome entpuppen sich als Vergiftungserscheinungen. Und Tags darauf wird eine Seminarteilnehmerin, die unscheinbare Millicent Stevens, ermordet in ihrem Zimmer aufgefunden.
Detective Inspector Fairweather vermutet den Täter in den Reihen der Teilnehmer der Veranstaltung und schränkt deren Bewegungsraum drastisch ein. Zur Untätigkeit verdammt, beginnt Cassandra Nottingham eigene Nachforschungen anzustellen und gerät unvermittelt selber in grösste Gefahr, als sie die richtigen Schlüsse aus ihren Entdeckungen zieht.
Maggie McLaughlin:
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Eigenverlag, 2010
Die eingeladenen Kolumnisten und anderen Gäste werden wie VIPs behandelt und sollen Teil einer ausgeklügelten Marketingkampagne werden. Doch die Veranstaltung scheint unter keinem guten Stern stattzufinden. Der Besitzer der Allencamp Seed Company muss in besorgniserregendem Zustand ins Spital gebracht werden. Die Grippesymptome entpuppen sich als Vergiftungserscheinungen. Und Tags darauf wird eine Seminarteilnehmerin, die unscheinbare Millicent Stevens, ermordet in ihrem Zimmer aufgefunden.
Detective Inspector Fairweather vermutet den Täter in den Reihen der Teilnehmer der Veranstaltung und schränkt deren Bewegungsraum drastisch ein. Zur Untätigkeit verdammt, beginnt Cassandra Nottingham eigene Nachforschungen anzustellen und gerät unvermittelt selber in grösste Gefahr, als sie die richtigen Schlüsse aus ihren Entdeckungen zieht.
Maggie McLaughlin:
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Eigenverlag, 2010
23. Juni 2011
Bertina Henrichs: Ein Garten am Meer
Die Bewohner von Plouerbec, einem eher verschlafenen Dorf in der Bretagne an der atlantischen Küste Frankreichs gelegen, werden durch eine für etliche von ihnen unerfreuliche Mitteilung aufgeschreckt. Direkt an ihre Grundstücke auf dem Hügel über dem Atlantik grenzend soll ein Freizeitpark entstehen. Auf mysteriöse Weise ist die Baubewilligung bereits erteilt worden, ohne dass die direkt Betroffenen von einem Baugesuch erfahren, geschweige denn Gelegenheit gehabt haben, die Pläne einzusehen und allenfalls Rekurs einzulegen. Die Investoren und der Bürgermeister preisen und loben das Vorhaben an einer eigens einberufenen Veranstaltung und heben die positiven Seiten für die Gemeinde hervor: neue Arbeitsplätze, mehr Touristen und mehr Übernachtungen.
Die betroffenen Anwohner sind da natürlich anderer Meinung und wollen sich dieses in ihren Augen unlautere Vorgehen nicht bieten lassen: sie gründen einen Verein, um die verschiedenen geplanten Protestaktionen zu koordinieren. Ihren Widerstand zeigen sie auf mannigfaltige Art und Weise. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Sitzstreik organisiert, rote Pullover gestrickt, eine Demonstration durchgeführt, die Baumaschinen sabotiert und anderes mehr. Die Gegenpartei ihrerseits bleibt auch nicht untätig und erhöht ihre Entschädigungsangebote für jene, die in den Verkauf ihrer Immobilien samt Umland einwilligen. Es kapitulieren denn auch immer mehr Anwohner und nehmen das grosszügige Angebot an, während Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck unbeirrt weiterkämpfen. Die beiden nicht mehr ganz jungen Widerstandskämpfer kommen sich im Lauf des Sommers trotz gegensätzlicher Ansichten näher.
Zwischen den verschiedenen legalen und illegalen Aktionen, welche der Verein durchführt, wird – eher am Rande – über die gärtnerischen Bemühungen von Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck berichtet. Da ist mal die Rede davon, dass eine Magnolie gut angegangen ist, der blaue Phlox wuchert und der erste Salat bald erntereif ist. Diese Beschreibungen aus den Gärten ändern sich parallel mit der Entwicklung der Bauarbeiten und den Jahreszeiten: Die ersten Rosen blühen auf, später wird in einer stürmischen Nacht Marthes Lieblingsrose „Black Baccara“ zerstört und sie sammelt täglich Baumnüsse auf der Wiese auf. Wer aufgrund des Buchtitels einen wichtigen gärtnerischen Hintergrund erwartet hat, wird enttäuscht, da dieser als unbedeutend bezeichnet werden muss.
Bertina Henrichs:
Ein Garten am Meer
Hoffmann und Campe Verlag, 2011
Die betroffenen Anwohner sind da natürlich anderer Meinung und wollen sich dieses in ihren Augen unlautere Vorgehen nicht bieten lassen: sie gründen einen Verein, um die verschiedenen geplanten Protestaktionen zu koordinieren. Ihren Widerstand zeigen sie auf mannigfaltige Art und Weise. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Sitzstreik organisiert, rote Pullover gestrickt, eine Demonstration durchgeführt, die Baumaschinen sabotiert und anderes mehr. Die Gegenpartei ihrerseits bleibt auch nicht untätig und erhöht ihre Entschädigungsangebote für jene, die in den Verkauf ihrer Immobilien samt Umland einwilligen. Es kapitulieren denn auch immer mehr Anwohner und nehmen das grosszügige Angebot an, während Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck unbeirrt weiterkämpfen. Die beiden nicht mehr ganz jungen Widerstandskämpfer kommen sich im Lauf des Sommers trotz gegensätzlicher Ansichten näher.
Zwischen den verschiedenen legalen und illegalen Aktionen, welche der Verein durchführt, wird – eher am Rande – über die gärtnerischen Bemühungen von Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck berichtet. Da ist mal die Rede davon, dass eine Magnolie gut angegangen ist, der blaue Phlox wuchert und der erste Salat bald erntereif ist. Diese Beschreibungen aus den Gärten ändern sich parallel mit der Entwicklung der Bauarbeiten und den Jahreszeiten: Die ersten Rosen blühen auf, später wird in einer stürmischen Nacht Marthes Lieblingsrose „Black Baccara“ zerstört und sie sammelt täglich Baumnüsse auf der Wiese auf. Wer aufgrund des Buchtitels einen wichtigen gärtnerischen Hintergrund erwartet hat, wird enttäuscht, da dieser als unbedeutend bezeichnet werden muss.
Bertina Henrichs:
Ein Garten am Meer
Hoffmann und Campe Verlag, 2011
20. Juni 2011
Mordsgärtner – Kurzkrimis aus dem Grünen (Hörbuch)
Während das unlängst hier vorgestellte Audiobuch "Gartenglück" von den schönen Seiten im Grünen handelt, erzählen die drei Kurzkrimis des Hörbuchs „Mordsgärtner“ von den dunklen Abgründen, die sich rund ums Gärtnern auftun können.
Sobald im Frühling in den Wäldern der Bärlauch zu spriessen beginnt, kommt es beim (vermeintlichen) Pflücken derselben immer wieder zu tragischen, oft tödlichen Verwechslungen mit den Blättern von Maiglöckchen oder Herbszeitlosen. Im Kurzkrimi „Herzschlag auf Maiglöckchensosse“ wird ein solches botanisches Versehen absichtlich herbeigeführt und die Zutaten einer Bärlauchsauce heimtückisch durch Maiglöckchenblätter ersetzt.
Doch auch eine Kürbiscremesuppe kann es in sich haben. Und es kommt immer auf die richtige Dosis an: bei der Verwendung von Medikamenten ebenso wie im Umgang mit den Parzellennachbarn im Schrebergarten. Rache ist hier nämlich nicht süss, sondern tödlich. Ist der Mörder immer Gärtner, wenn jemand mit pflanzlicher Hilfe zu früh ins Gras beissen muss?
Audiobuch „Mordsgärtner – Kurzkrimis aus dem Grünen“ gelesen von:
Barbara Nüsse und Jürgen Uter
Goya Nice/Jumbo Neue Medien & Verlag, 2011
Sobald im Frühling in den Wäldern der Bärlauch zu spriessen beginnt, kommt es beim (vermeintlichen) Pflücken derselben immer wieder zu tragischen, oft tödlichen Verwechslungen mit den Blättern von Maiglöckchen oder Herbszeitlosen. Im Kurzkrimi „Herzschlag auf Maiglöckchensosse“ wird ein solches botanisches Versehen absichtlich herbeigeführt und die Zutaten einer Bärlauchsauce heimtückisch durch Maiglöckchenblätter ersetzt.
Doch auch eine Kürbiscremesuppe kann es in sich haben. Und es kommt immer auf die richtige Dosis an: bei der Verwendung von Medikamenten ebenso wie im Umgang mit den Parzellennachbarn im Schrebergarten. Rache ist hier nämlich nicht süss, sondern tödlich. Ist der Mörder immer Gärtner, wenn jemand mit pflanzlicher Hilfe zu früh ins Gras beissen muss?
Audiobuch „Mordsgärtner – Kurzkrimis aus dem Grünen“ gelesen von:
Barbara Nüsse und Jürgen Uter
Goya Nice/Jumbo Neue Medien & Verlag, 2011
17. Juni 2011
Phox – Phloxe für den Garten
„Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum – nein, ein Wahnsinn“: so lautete eine Aussage des grossen Staudenzüchters Karl Foerster. Da mutet es ja beinahe peinlich an, wenn ich gestehen muss, dass auf unserem kleinen Grundstück kein einziger Phlox wächst. Dafür konnte ich kürzlich in der Staudengärtnerei Gaissmayer dem Buch über diese Pflanzen nicht widerstehen und habe mich in den letzten Wochen mit diesen zumindest auf dem Papier beschäftigt. Und vielleicht findet ja gelegentlich doch einmal ein Phlox den Weg in unseren Garten.
Bis vor einem Jahrzehnt konnte auch Birgitte Husted Bendtsen nicht allzu viel mit diesen Stauden anfangen; ihr Herz gehörte den Storchschnäbeln. Den Phlox-Virus hat sie sich an einem Pflanzenmarkt in Westjütland eingefangen und sie hat sich zwischen diesem Ereignis und dem Erscheinen dieses Buches ein enormes Wissen angeeignet, dass sie nun in sympathischer Form weitergibt. Teils basiert ihr Wissen auf Theorie aus antiquarischer Literatur, teils aus ihren praktischen Erfahrungen, denn sie lässt sich Pflanzen aus aller Welt nach Dänemark schicken oder bringt sie von Besuchen in Gärtnereien von weit her nach Hause. Dabei hält sie sich an das Motto von Tony Avent, der jede Pflanze als widerstandsfähig betrachtet, solange er sie nicht selber mindestens dreimal umgebracht hat.
Das Interesse der Autorin gilt aber etwa nicht nur speziellen Blütenfarben oder besonders duftenden Sorten, sie scheut auch keine Mühen, möglichst viele Informationen zu erhalten über Herkunft, Züchter und Namenspatrone. Eben diese Details machen die Lektüre, die kein wissenschaftliches Werk ist, lesenswert und lassen den Leser grosszügig über andere Unzulänglichkeiten (teilweise recht merkwürdige Sätze, vielleicht Übersetzungsfehler?) hinwegsehen. Wir erfahren beispielsweise, dass Alan Bloom in Bressingham Hall wegen Überschwemmungen seine 48‘000 Phloxe gleich mehrmals umpflanzen musste. Oder dass P. paniculata „Marisa“ nach einer Kundin von Dieter Gaissmayer benannt worden ist, nachdem diese vom Züchter unbedingt den Namen des noch „ungetauften“ Sämlings wissen wollte, während Ilse Köcher (P. paniculata „Ilse Köcher“) sich diese Anerkennung durch ihr Engagement mit dem Organisieren des Pflanzenmarktes im Freilichtmusem Kiekeberg verdient hat. An anderer Stelle im Buch ist die Rede von „verhaltensgestörtem“ Phlox, von unkooperativen Samen, die fortspringen, wenn man sich nach ihnen ausstreckt oder von Kaninchen, die sich in einem Feld voll blauer Blumen ausgerechnet die einzige weisse Blüte schnappen.
Die Kapitel sind wie folgt gegliedert: Familie und Gattung, Weiteres über Namen, Verwendung, Anpflanzen, Phloxe für das Steinbeet, Phloxe und Schmetterlinge, Vermehrung von Phloxen, Eine Phloxreise nach England, Phloxe in Deutschland, Bei holländischen Züchtern, Alphabetische Liste über Phloxe (über 120 Seiten) mit Adressliste und Stichwortregister.
Birgitte Husted Bendtsen:
Phlox – Phloxe für den Garten
Forlaget Geranium, 2009
Bis vor einem Jahrzehnt konnte auch Birgitte Husted Bendtsen nicht allzu viel mit diesen Stauden anfangen; ihr Herz gehörte den Storchschnäbeln. Den Phlox-Virus hat sie sich an einem Pflanzenmarkt in Westjütland eingefangen und sie hat sich zwischen diesem Ereignis und dem Erscheinen dieses Buches ein enormes Wissen angeeignet, dass sie nun in sympathischer Form weitergibt. Teils basiert ihr Wissen auf Theorie aus antiquarischer Literatur, teils aus ihren praktischen Erfahrungen, denn sie lässt sich Pflanzen aus aller Welt nach Dänemark schicken oder bringt sie von Besuchen in Gärtnereien von weit her nach Hause. Dabei hält sie sich an das Motto von Tony Avent, der jede Pflanze als widerstandsfähig betrachtet, solange er sie nicht selber mindestens dreimal umgebracht hat.
Das Interesse der Autorin gilt aber etwa nicht nur speziellen Blütenfarben oder besonders duftenden Sorten, sie scheut auch keine Mühen, möglichst viele Informationen zu erhalten über Herkunft, Züchter und Namenspatrone. Eben diese Details machen die Lektüre, die kein wissenschaftliches Werk ist, lesenswert und lassen den Leser grosszügig über andere Unzulänglichkeiten (teilweise recht merkwürdige Sätze, vielleicht Übersetzungsfehler?) hinwegsehen. Wir erfahren beispielsweise, dass Alan Bloom in Bressingham Hall wegen Überschwemmungen seine 48‘000 Phloxe gleich mehrmals umpflanzen musste. Oder dass P. paniculata „Marisa“ nach einer Kundin von Dieter Gaissmayer benannt worden ist, nachdem diese vom Züchter unbedingt den Namen des noch „ungetauften“ Sämlings wissen wollte, während Ilse Köcher (P. paniculata „Ilse Köcher“) sich diese Anerkennung durch ihr Engagement mit dem Organisieren des Pflanzenmarktes im Freilichtmusem Kiekeberg verdient hat. An anderer Stelle im Buch ist die Rede von „verhaltensgestörtem“ Phlox, von unkooperativen Samen, die fortspringen, wenn man sich nach ihnen ausstreckt oder von Kaninchen, die sich in einem Feld voll blauer Blumen ausgerechnet die einzige weisse Blüte schnappen.
Die Kapitel sind wie folgt gegliedert: Familie und Gattung, Weiteres über Namen, Verwendung, Anpflanzen, Phloxe für das Steinbeet, Phloxe und Schmetterlinge, Vermehrung von Phloxen, Eine Phloxreise nach England, Phloxe in Deutschland, Bei holländischen Züchtern, Alphabetische Liste über Phloxe (über 120 Seiten) mit Adressliste und Stichwortregister.
Birgitte Husted Bendtsen:
Phlox – Phloxe für den Garten
Forlaget Geranium, 2009
14. Juni 2011
A man named Pearl
„A man named Pearl“ ist ein Dokumentarfilm über den heute 73jährigen Paul Fryar und seinen magischen Topiary-Garten. Als der dunkelhäutige Pearl und seine Frau vor über drei Jahrezehnten in Bishopsville ein Haus in einer Gegend mit weissen Nachbarn kaufen wollten, schlug ihnen offene Abneigung entgegen und sie bekamen zu hören, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe ihre Gärten nicht (richtig) pflegen. Dieses Vorurteil wollte Pearl nicht auf sich sitzen lassen und es spornte ihn an, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen und als langfristiges Ziel setzte er sich die Erreichung der Auszeichnung „Yard of the month“. Wie gründlich er diese Vorurteile widerlegt hat, zeigt die interessante DVD . Und wie sich auf seiner Homepage nachlesen lässt, werden ihm Preise und Auszeichnungen inzwischen fast nachgeworfen.
Pearls Garten ist kein Blütenparadies. Im Film sind nun sehr wenige Blumen zu entdecken. Am häufigsten sieht man Begonien, die in den Wiesen so angepflanzt worden sind, dass in grossen Lettern „Love, Peace and Goodwill“ steht. Hauptdarsteller in diesem parkähnlichen Garten sind Bäume und Büsche, die der Scherenkünstler in geometrische Skulpturen verwandelt. Ob einem die zurechtgestutzten Pflanzen nun gefallen oder nicht - sie ziehen die Blicke auf sich und das Resultat ist auf jeden Fall sehr beeindruckend. Der Pensionär ist fast ständig mit Schere und Säge unterwegs und bewegt sich auf Leitern scheinbar so sicher wie auf festem Boden. Seine Frau gesteht, oft Angst um ihn zu haben – was man sofort nachvollziehen kann, wenn man die wohl nicht immer bfu-konformen Schnitt-Aktionen betrachtet.
Pearl kitzelt aus Thuja, Stechplamen, Zypressen und Eiben die unterschiedlichsten Formen und Linien heraus. Da gibt es Elefanten und anderes Getier, Pyramiden, Kugeln und unzählige weitere Objekte. Besonders attraktiv ist die Anlage in den Wintermonaten, wenn die grünen Skulpturen einen spannenden Kontrast mit der eher tristen Umgebung bilden.
Die ersten Übungsstücke holte Pearl sich nach Absprache mit dem Besitzer aus dem Komposthaufen einer Gärtnerei. Sein immenses autodidaktisch erworbenes Wissen in der Topiary-Kunst gibt Pearl auch weiter, beispielsweise in Schulen und Kindergärten. Vor seinem Garten stehen an allen Öffnungstagen Busse, die interessierte Besucher – meist weiblichen Geschlechts - in Massen herankarren. Pearls Gattin muss ihren Mann seit Jahren mit vielen Frauen teilen. Sie nimmt es locker, kennt keine Eifersucht und meint: „he’s happy, I’m happy!“.
Auf der Homepage lässt sich verfolgen, wie sich der mittlerweile über dreissig Jahre alte Garten in den fünf Jahren seit der DVD-Produktion von 2006 verändert hat. Die DVD gibt’s nur mit dem Region-Code 1.
Film von Scott Galloway und Brent Pierson:
A man named Pearl
Docurafilms, 2006
Pearls Garten ist kein Blütenparadies. Im Film sind nun sehr wenige Blumen zu entdecken. Am häufigsten sieht man Begonien, die in den Wiesen so angepflanzt worden sind, dass in grossen Lettern „Love, Peace and Goodwill“ steht. Hauptdarsteller in diesem parkähnlichen Garten sind Bäume und Büsche, die der Scherenkünstler in geometrische Skulpturen verwandelt. Ob einem die zurechtgestutzten Pflanzen nun gefallen oder nicht - sie ziehen die Blicke auf sich und das Resultat ist auf jeden Fall sehr beeindruckend. Der Pensionär ist fast ständig mit Schere und Säge unterwegs und bewegt sich auf Leitern scheinbar so sicher wie auf festem Boden. Seine Frau gesteht, oft Angst um ihn zu haben – was man sofort nachvollziehen kann, wenn man die wohl nicht immer bfu-konformen Schnitt-Aktionen betrachtet.
Pearl kitzelt aus Thuja, Stechplamen, Zypressen und Eiben die unterschiedlichsten Formen und Linien heraus. Da gibt es Elefanten und anderes Getier, Pyramiden, Kugeln und unzählige weitere Objekte. Besonders attraktiv ist die Anlage in den Wintermonaten, wenn die grünen Skulpturen einen spannenden Kontrast mit der eher tristen Umgebung bilden.
Die ersten Übungsstücke holte Pearl sich nach Absprache mit dem Besitzer aus dem Komposthaufen einer Gärtnerei. Sein immenses autodidaktisch erworbenes Wissen in der Topiary-Kunst gibt Pearl auch weiter, beispielsweise in Schulen und Kindergärten. Vor seinem Garten stehen an allen Öffnungstagen Busse, die interessierte Besucher – meist weiblichen Geschlechts - in Massen herankarren. Pearls Gattin muss ihren Mann seit Jahren mit vielen Frauen teilen. Sie nimmt es locker, kennt keine Eifersucht und meint: „he’s happy, I’m happy!“.
Auf der Homepage lässt sich verfolgen, wie sich der mittlerweile über dreissig Jahre alte Garten in den fünf Jahren seit der DVD-Produktion von 2006 verändert hat. Die DVD gibt’s nur mit dem Region-Code 1.
Film von Scott Galloway und Brent Pierson:
A man named Pearl
Docurafilms, 2006
11. Juni 2011
Farbe im Garten – Von Pflanzenfarben und Färberpflanzen (Topiaria Helvetica 2011)
Unter dem Titel „Topiaria Helvetica“ erscheinen die Jahrbücher der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur SGGK und seit der Ausgabe 2010 werden diese auch über den Buchhandel vertrieben. Im Internet bin ich zwar schon gelegentlich über diese Publikationen gestolpert, richtig neugierig darauf bin ich aber erst geworden, als ich aufgrund des Sofagärtnerin-Portraits in der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" vom Verlag kontaktiert worden bin. So stelle ich nun hier das aktuelle Jahrbuch vor und in Kürze folgt ein Bericht über den Vorgängerband „Kulturtechniken – Gartenkunst und Gartenhandwerk“.
Die einen lieben ihre Gärten in allen grünen Schattierungen, andere komponieren mit verschiedenen Blütenfarben und versuchen vielleicht sogar, Vorbildern wie der Malerin und Gärtnerin Gertrude Jekyll oder Christopher Lloyd nachzueifern. Doch welche Rolle spielen Farben und ihre Wirkungen in der Gartengestaltung? Im Artikel „Farbe im Garten zwischen Colour and Paint“ wird näher auf das Phänomen Farbe eingegangen. Thematisiert werden die Farbenlehren der Moderne, aber auch die Farbtheorie von Isaac Newton aus dem Jahr 1672. Weitere Artikel handeln von Farbe und Nichtfarbe in der Gartenkunst, dem experimentellen Farbengarten an der ZÜGA 1933 und last but not least von Pflanzen für die Schön- und Schlechtfärberei.
Speziell interessant dünkte mich der Artikel über die Verwandlung vom farbigen Staudengarten zum grünen Altersgarten von Nicole Newmark. Dieser Garten ist ja aus dritter Sicht eben im neuen Buch "Die geheimen Gärten von Zürich" portraitiert worden. In „Farbe im Garten“ erfährt der interessierte Leser nun ausführlich wie dieser Garten in einer Grösse von 4000 m2 ab 1978 angelegt worden ist und im Laufe von verschiedenen durchgemachten Phasen die Anpflanzung fast unzählige Male verändert worden ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Lesen fast den Eindruck bekommen, dass Umgestalten beinahe so einfach ist wie des Zusammensetzen und Auseinanderklauben von Lego-Steinen. Spannend zu verfolgen ist auch die persönliche Entwicklung der Artikelverfasserin, die sich zunächst als einzige Amateurin ohne umfangreiches theoretisches Wissen zusammen mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Kunsthistorikern im Vorstand der SGGK (Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur) wiederfand. Dieser Umstand spornte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin an, diese Lücken zu schliessen und nach dem frühen Tod ihres Mannes machte sie ihre Lieblingsbeschäftigung gar zum Beruf. Sie bildete sich in Rapperswil zur Landschaftsarchitektin aus, und zwar unter der Ägide von Dieter Kienast, den sie bereits aus ihrer Vorstandstätigkeit bei der SGGK kannte.
Nicht minder spannend ist der Beitrag über ein Künstler-Garten-Buch des Zürcher Malers Robert Honegger mit dem Titel „Im Beet mit Robert, Flower Shower“. Das Bühnenbilderbuch besteht aus zwölf poetischen Bildern. Die Herstellung und ein paar Bilder des Pop-Up-Buches findet man hier. Leider habe ich beim Googeln nicht herausfinden können, ob das Buch gegebenenfalls noch käuflich ist und was es überhaupt kostet.
Ein sehr informatives Jahrbuch. Die Texte sind teilweise eher theoretisch, aber für den interessierten Laien unbedingt lesenswert.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2011 – Farbe im Garten: von Pflanzenfarben und Färberpflanzen
Vdf Hochschulverlag, 2011
Die einen lieben ihre Gärten in allen grünen Schattierungen, andere komponieren mit verschiedenen Blütenfarben und versuchen vielleicht sogar, Vorbildern wie der Malerin und Gärtnerin Gertrude Jekyll oder Christopher Lloyd nachzueifern. Doch welche Rolle spielen Farben und ihre Wirkungen in der Gartengestaltung? Im Artikel „Farbe im Garten zwischen Colour and Paint“ wird näher auf das Phänomen Farbe eingegangen. Thematisiert werden die Farbenlehren der Moderne, aber auch die Farbtheorie von Isaac Newton aus dem Jahr 1672. Weitere Artikel handeln von Farbe und Nichtfarbe in der Gartenkunst, dem experimentellen Farbengarten an der ZÜGA 1933 und last but not least von Pflanzen für die Schön- und Schlechtfärberei.
Speziell interessant dünkte mich der Artikel über die Verwandlung vom farbigen Staudengarten zum grünen Altersgarten von Nicole Newmark. Dieser Garten ist ja aus dritter Sicht eben im neuen Buch "Die geheimen Gärten von Zürich" portraitiert worden. In „Farbe im Garten“ erfährt der interessierte Leser nun ausführlich wie dieser Garten in einer Grösse von 4000 m2 ab 1978 angelegt worden ist und im Laufe von verschiedenen durchgemachten Phasen die Anpflanzung fast unzählige Male verändert worden ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Lesen fast den Eindruck bekommen, dass Umgestalten beinahe so einfach ist wie des Zusammensetzen und Auseinanderklauben von Lego-Steinen. Spannend zu verfolgen ist auch die persönliche Entwicklung der Artikelverfasserin, die sich zunächst als einzige Amateurin ohne umfangreiches theoretisches Wissen zusammen mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Kunsthistorikern im Vorstand der SGGK (Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur) wiederfand. Dieser Umstand spornte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin an, diese Lücken zu schliessen und nach dem frühen Tod ihres Mannes machte sie ihre Lieblingsbeschäftigung gar zum Beruf. Sie bildete sich in Rapperswil zur Landschaftsarchitektin aus, und zwar unter der Ägide von Dieter Kienast, den sie bereits aus ihrer Vorstandstätigkeit bei der SGGK kannte.
Nicht minder spannend ist der Beitrag über ein Künstler-Garten-Buch des Zürcher Malers Robert Honegger mit dem Titel „Im Beet mit Robert, Flower Shower“. Das Bühnenbilderbuch besteht aus zwölf poetischen Bildern. Die Herstellung und ein paar Bilder des Pop-Up-Buches findet man hier. Leider habe ich beim Googeln nicht herausfinden können, ob das Buch gegebenenfalls noch käuflich ist und was es überhaupt kostet.
Ein sehr informatives Jahrbuch. Die Texte sind teilweise eher theoretisch, aber für den interessierten Laien unbedingt lesenswert.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2011 – Farbe im Garten: von Pflanzenfarben und Färberpflanzen
Vdf Hochschulverlag, 2011
8. Juni 2011
Maryrose Wood: Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar
Jessamine führt Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrem Vater Thomas Luxton nach dem frühen Tod ihrer Mutter ein sehr zurückgezogenes Leben in einem kleinen Steinhäuschen, Hulne Abbey genannt. Dieses war ursprünglich die Kapelle eines längst zerstörten und verfallenen Klosters. Rund um diese Überreste kümmern sich Vater und Tochter um verschiedene Gärten. Thomas Luxton ist Botaniker, sein spezielles Interesse gilt Heil- und Giftpflanzen, die er in einem verschlossenen Garten hegt und pflegt und in welchen nur er selber Zutritt hat.
Neben seiner botanischen Arbeit ist Thomas Luxton viel unterwegs. Er ist unermüdlich auf der Suche nach verschollenen geheimnisvollen Büchern aus dem ehemaligen Kloster, in welchen die über Jahrhunderte erworbene Heilkunst der Mönche für die Nachwelt niedergeschrieben worden ist. Das Allgemeinwissen und die speziellen Rezepturen in den alten Folianten sind von unschätzbarem Wert.
Eines Tages wird die Zweisamkeit von Vater und Tochter gestört. Wie die Jungfrau zum Kind kommen die beiden zu einem Mitbewohner, einem Waisenjungen namens Weed. Jessamine fühlt sich vom ersten Augenblick an von dem ungefähr Gleichaltrigen mit smaragdgrünen Augen wie Zwillingsjuwelen angezogen. Für das einsame Mädchen beginnt eine neue Zeitrechnung, endlich kann sie sich mit jemandem unterhalten.
Und zunächst ist denn auch gar nicht besonders wichtig, dass die Kommunikation recht einseitig ist. Weeds Interesse weckt sie schliesslich, als sie ihn durch den Gemüsegarten, den Obstgarten, den Bienengarten und den Färbergarten führt. Jessamine und Weed kommen sich näher, doch als das Mädchen einen gelbköpfigen Löwenzahn pflückt, provoziert sie den Zorn des Jungen, ohne zu ahnen warum und wieso. Woher stammt Weeds immenses Wissen über die Wirkung von Heilpflanzen? Woher kennt er die Formel für den Dämmerschlaf aus Belladonna, Schierling und schwarzem Bilsenkraut?
Weed scheint mit den Pflanzen zu sprechen und sein Wissen direkt aus der Natur zu erhalten. Ist der Junge verrückt? Kaum erfährt Jessamine von der besonderen Gabe ihres neuen Freundes wird sie schwer krank. Ist dieser geheimnisvolle Junge die Ursache? Bringt er ihr Unglück oder gar den Tod? Der offene Schluss des Buches lässt viel Raum für eigene Schlussfolgerungen. Ob diese zutreffen, lässt sich erst nach der Lektüre von Band zwei und drei der Trilogie beurteilen. Die Zeit bis zum Erscheinen der Folgebände kann mit Besuchen im virtuellen Giftgarten auf der Homepage der Autorin überbrückt werden: maryrosewood.com (unter "fun extras").
Das Buch entstand übrigens nach einer Idee der Herzogin Jane von Northumberland von Alnwick Castle, wo ein Giftgarten und andere Themengärten jährlich über 800‘000 Touristen anziehen.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar
S. Fischer Verlag, 2011
Neben seiner botanischen Arbeit ist Thomas Luxton viel unterwegs. Er ist unermüdlich auf der Suche nach verschollenen geheimnisvollen Büchern aus dem ehemaligen Kloster, in welchen die über Jahrhunderte erworbene Heilkunst der Mönche für die Nachwelt niedergeschrieben worden ist. Das Allgemeinwissen und die speziellen Rezepturen in den alten Folianten sind von unschätzbarem Wert.
Eines Tages wird die Zweisamkeit von Vater und Tochter gestört. Wie die Jungfrau zum Kind kommen die beiden zu einem Mitbewohner, einem Waisenjungen namens Weed. Jessamine fühlt sich vom ersten Augenblick an von dem ungefähr Gleichaltrigen mit smaragdgrünen Augen wie Zwillingsjuwelen angezogen. Für das einsame Mädchen beginnt eine neue Zeitrechnung, endlich kann sie sich mit jemandem unterhalten.
Und zunächst ist denn auch gar nicht besonders wichtig, dass die Kommunikation recht einseitig ist. Weeds Interesse weckt sie schliesslich, als sie ihn durch den Gemüsegarten, den Obstgarten, den Bienengarten und den Färbergarten führt. Jessamine und Weed kommen sich näher, doch als das Mädchen einen gelbköpfigen Löwenzahn pflückt, provoziert sie den Zorn des Jungen, ohne zu ahnen warum und wieso. Woher stammt Weeds immenses Wissen über die Wirkung von Heilpflanzen? Woher kennt er die Formel für den Dämmerschlaf aus Belladonna, Schierling und schwarzem Bilsenkraut?
Weed scheint mit den Pflanzen zu sprechen und sein Wissen direkt aus der Natur zu erhalten. Ist der Junge verrückt? Kaum erfährt Jessamine von der besonderen Gabe ihres neuen Freundes wird sie schwer krank. Ist dieser geheimnisvolle Junge die Ursache? Bringt er ihr Unglück oder gar den Tod? Der offene Schluss des Buches lässt viel Raum für eigene Schlussfolgerungen. Ob diese zutreffen, lässt sich erst nach der Lektüre von Band zwei und drei der Trilogie beurteilen. Die Zeit bis zum Erscheinen der Folgebände kann mit Besuchen im virtuellen Giftgarten auf der Homepage der Autorin überbrückt werden: maryrosewood.com (unter "fun extras").
Das Buch entstand übrigens nach einer Idee der Herzogin Jane von Northumberland von Alnwick Castle, wo ein Giftgarten und andere Themengärten jährlich über 800‘000 Touristen anziehen.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar
S. Fischer Verlag, 2011
5. Juni 2011
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Diese Neuerscheinung ist ja nun beileibe nicht das erste und ziemlich sicher auch nicht das letzte Buch, das sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Garten seit der Vertreibung aus dem Paradies auseinandersetzt. Während andere Publikationen zu diesem Thema oft recht trocken formuliert und nur in kleinen Dosen geniessbar sprich lesbar sind (mir geht es jedenfalls zuweilen so), ist „Eden auf Erden“ nicht nur fundiert verfasst, sondern gleichzeitig auch in einem überaus klugen und anregenden Stil geschrieben.
Die Zeitreise durch die verschiedenen Moden und Zwecke in der Gartengeschichte beginnt mit dem Kapitel „Ein Eden für jeden“ und zwar mit einer Beschreibung des schweren Gärtneralltags aus der „Lebenslehre des Cheti“, verfasst um 2000 vor Christus. Als (vorläufiges) Ziel der Gartenreise sind für Anfang des 21. Jahrhunderts die allerorts spriessenden Gartenfestivals zu nennen, unzählige Gartenbuchneuerscheinungen, Guerilla-Gardening sowie die trendige Rückbesinnung darauf, direkt vor der Haustüre das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, will heissen sein eigenes Gemüse aufzuziehen und die Ernte wenn immer möglich entsprechend zu zelebrieren.
Während den Etappen dieser illustrierten Reise auf hochwertigem Papier erfahren wir von grünen Revolutionären, Gartenkünstlern, Exzentrikern, Galantophilen und Samenräubern. Wir treffen aber auch auf gute alte Bekannte wie die (Zitat aus dem Buch:) „Altmeisterin“ Beth Chatto, den (Zitat aus dem Buch:) „Komödianten“ mit Hexenküche Christopher Lloyd oder die aktuelle First-Lady der USA, die auf dem Rasen des Weissen Hauses medienwirksam inszeniert einen Gemüsegarten angelegt hat. Kurzer Querverweis passend zum Thema „Garten und Weisses Haus“: ich lese gerade das Buch „Flowerbed of State“ von Dorothy St. James – ein Gartenkrimi, dessen Kulisse die Anlagen rund ums Weisse Haus bilden.
Den passenden Abschluss des gleichzeitig lehrreichen und amüsanten Lesebuches "Eden auf Erden" bildet eine Beschreibung von grünen Kleptomanen. Welcher vom grünen Virus infizierte möchte es nicht gelegentlich jener vornehmen Dame gleichtun, die ihre Begehrlichkeiten nach Stecklingen mit der Nagelschere gleich selber befriedigt – selbstverständlich ohne vorher zu fragen?
Christa Hasselhorst:
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Corso/Groothuis, Lohfert Verlagsgesellschaft, 2011
Die Zeitreise durch die verschiedenen Moden und Zwecke in der Gartengeschichte beginnt mit dem Kapitel „Ein Eden für jeden“ und zwar mit einer Beschreibung des schweren Gärtneralltags aus der „Lebenslehre des Cheti“, verfasst um 2000 vor Christus. Als (vorläufiges) Ziel der Gartenreise sind für Anfang des 21. Jahrhunderts die allerorts spriessenden Gartenfestivals zu nennen, unzählige Gartenbuchneuerscheinungen, Guerilla-Gardening sowie die trendige Rückbesinnung darauf, direkt vor der Haustüre das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, will heissen sein eigenes Gemüse aufzuziehen und die Ernte wenn immer möglich entsprechend zu zelebrieren.
Während den Etappen dieser illustrierten Reise auf hochwertigem Papier erfahren wir von grünen Revolutionären, Gartenkünstlern, Exzentrikern, Galantophilen und Samenräubern. Wir treffen aber auch auf gute alte Bekannte wie die (Zitat aus dem Buch:) „Altmeisterin“ Beth Chatto, den (Zitat aus dem Buch:) „Komödianten“ mit Hexenküche Christopher Lloyd oder die aktuelle First-Lady der USA, die auf dem Rasen des Weissen Hauses medienwirksam inszeniert einen Gemüsegarten angelegt hat. Kurzer Querverweis passend zum Thema „Garten und Weisses Haus“: ich lese gerade das Buch „Flowerbed of State“ von Dorothy St. James – ein Gartenkrimi, dessen Kulisse die Anlagen rund ums Weisse Haus bilden.
Den passenden Abschluss des gleichzeitig lehrreichen und amüsanten Lesebuches "Eden auf Erden" bildet eine Beschreibung von grünen Kleptomanen. Welcher vom grünen Virus infizierte möchte es nicht gelegentlich jener vornehmen Dame gleichtun, die ihre Begehrlichkeiten nach Stecklingen mit der Nagelschere gleich selber befriedigt – selbstverständlich ohne vorher zu fragen?
Christa Hasselhorst:
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Corso/Groothuis, Lohfert Verlagsgesellschaft, 2011
2. Juni 2011
Gartenpark am Goetheanum
Nach einem längeren Reifeprozess ist vor zwei Jahren ein bemerkenswertes Buchprojekt über das Gelände rund um das Goetheanum in Dornach abgeschlossen worden und die hier vorgestellte Publikation erschienen. Der Leser erhält mit dem Ablauf der Jahreszeiten einen interessanten Einblick in die verschiedenen Gärten und Begegnungszonen. Und er kann sich mit der konsequente Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes in diesem Park vertraut machen, der diesen Betrieb somit wohl von den meisten anderen öffentlichen Grünanlagen unterscheidet. Als Beispiel sei hier die Verwendung von selber hergestellten Farben aus Färber-Pflanzen der betriebseigenen Gärtnerei für die Verwendung der Deckenmalerei im Grossen Saal erwähnt.
1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.
Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.
Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.
Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009
1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.
Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.
Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.
Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009
30. Mai 2011
Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Im August 2009 wurde anlässlich der 13. Poesienacht im Botanischen Garten Bern das zweisprachige Gartenprogramm „Verbarium“ aufgezeichnet. In Mundart und teilweise in Französisch wird quer durch die Gartenwelt gereimt. Begleitet werden die teilweise recht schrägen Texte von Akkordeon, Bass und Perkussion. Stücke mit Titeln wie „Der grüen Duume“, „Böim“, „Pflanzennamen“, „Bauernregeln“ (nicht ganz ernst zu nehmen) und „Kultur-Natur“ versprechen und halten rund 60 Minuten Hörgenuss.
Auch ein Text kann ein Garten sein – hier wuchern Wörter und es kann mit ihnen jongliert werden. Schlummert in jedem Schlafmohn eine Revolution? Wer bricht den Aronstab über wen? Wer spricht mit doppelter Hirschzunge? Wer vergibt den Ehrenpreis? Wer jagt wen in den Bockshornklee? Wer ist wem übers Leberblümchen gekrochen? Wer hebt mit der Ballonblume ab?
An anderer Stelle wird von Leuten berichtet, die den Botanischen Garten als Selbstbedienungsladen, ähnlich einem Erdbeerland, betrachten und beim Ausgang erfreut feststellen, dass Waage und Kasse fehlen. Schlafmohn, indischer Hanf und Viola odorata stehen auf der Besorgungsliste in Sachen Beliebtheit ganz oben. Wer mag es dem Obergärtner verdenken, dass er neben den Veilchen Schilder aufgestellt hat mit dem Hinweis „verursacht bleibende Impotenz“? Die Information ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck.
Pedro Lenz sinniert über den Zusammenhang zwischen einem schönen Rasen und dem grünen Daumen. Sieht ihr Rasen aus wie ein Kaninchenfell, schmeckt er wie Ruccola und ist er belastbar wie ein Sonderschullehrer oder ist er allenfalls nur eine Lehmgrube mit etwas grün oben drauf? Ihn (den grünen Daumen) haben oder nicht haben, macht hier den Unterschied aus.
Audio-CD: Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Spoken Word: Antoine Jaccoud, Guy Kmeta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Daniel de Roulet, Michael Stauffer und Beat Sterchi
Musik: Adi Blum (Akkordeon), Michael Pfeuti (Bass), Margrit Rieben (Perkussion)
Verlag Der gesunde Menschenverstand, 2010
Auch ein Text kann ein Garten sein – hier wuchern Wörter und es kann mit ihnen jongliert werden. Schlummert in jedem Schlafmohn eine Revolution? Wer bricht den Aronstab über wen? Wer spricht mit doppelter Hirschzunge? Wer vergibt den Ehrenpreis? Wer jagt wen in den Bockshornklee? Wer ist wem übers Leberblümchen gekrochen? Wer hebt mit der Ballonblume ab?
An anderer Stelle wird von Leuten berichtet, die den Botanischen Garten als Selbstbedienungsladen, ähnlich einem Erdbeerland, betrachten und beim Ausgang erfreut feststellen, dass Waage und Kasse fehlen. Schlafmohn, indischer Hanf und Viola odorata stehen auf der Besorgungsliste in Sachen Beliebtheit ganz oben. Wer mag es dem Obergärtner verdenken, dass er neben den Veilchen Schilder aufgestellt hat mit dem Hinweis „verursacht bleibende Impotenz“? Die Information ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck.
Pedro Lenz sinniert über den Zusammenhang zwischen einem schönen Rasen und dem grünen Daumen. Sieht ihr Rasen aus wie ein Kaninchenfell, schmeckt er wie Ruccola und ist er belastbar wie ein Sonderschullehrer oder ist er allenfalls nur eine Lehmgrube mit etwas grün oben drauf? Ihn (den grünen Daumen) haben oder nicht haben, macht hier den Unterschied aus.
Audio-CD: Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Spoken Word: Antoine Jaccoud, Guy Kmeta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Daniel de Roulet, Michael Stauffer und Beat Sterchi
Musik: Adi Blum (Akkordeon), Michael Pfeuti (Bass), Margrit Rieben (Perkussion)
Verlag Der gesunde Menschenverstand, 2010
27. Mai 2011
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Können Sie sich vorstellen, dass ihre Nachbarn plötzlich Schweine im Garten halten? Da würden Sie vermutlich nicht nur die Nase rümpfen. Novella Carpenter mutet ihren Nachbarn mit ihrer Cityfarm - die zugegebenermassen nicht gerade in einer feinen Gegend liegt - einiges zu, verteilt aber gleichzeitig auch ihre Ernte grosszügig („Hey, mein Garten ist auch dein Garten“) unter Nachbarn und Passanten bzw. diese bedienen sich bei Bedarf auch ungefragt und ungestraft selbst. Und schliesslich ist das Aufziehen von zwei Schweinen der (vorläufige?) Höhepunkt in Sachen Landlust zwischen Beton und Asphalt, begonnen hat das Projekt im Jahr 2005 in kleineren Dimensionen.
Direkt neben der neuen Mietwohnung im Ghetto von Oakland annektiert Carpenter eine Brache und beginnt mit der Urbarmachung von rund 4000m2 Land, das von Gestrüpp zugewuchert ist. Henry David Thoreau schrieb in „Walden“, dass er den Wert des von ihm besetzten Land steigerte, indem er es besetzte. Diese Aussage ist identisch mit Novella Carpenters Motto. Den Startschuss zur Aufwertung markiert die Aussaat von Tomaten, Basilikum, Kopfsalat, Gurken und Mais. Ein Jahr später lernt die junge Frau zufällig den Grundstückeigentümer kennen und erhält von diesem das O.k., auf dem Land einen Garten anzulegen und legt richtig los. Als Angestellte in einer Gärtnerei kann sie Pflanzen mit Rabatt kaufen und so stehen bald ein Apfel-, ein Feigen- und ein Zitronenbaum sowie eine Agave neben den schon uralten Pflaumenbäumen. Damit letztere bestäubt werden, sind Bienen samt Imkerausrüstung die nächste Anschaffung.
Da ein Grossteil des Grundstücks auf einer Betondecke liegt, werden aus Holzabfall Hochbeete konstruiert. Ein paar Hochbeete und Bienen machen aber noch keine Farm und so zieht als nächstes allerlei Gefiedertes in Ghost Town ein. Und da Kaninchenmist Manna für den Garten bedeutet, ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Beginn einer entsprechenden Kleintierzucht.
Die nicht mit viel Bargeld gesegnete Hobbyfarmerin berichtet in ihrem interessanten Buch des weiteren von Werkzeugneid, ihren Lektionen in Sachen Salamiproduktion und von einem (langen) Monat, in welchem sie sich nur von Produkten aus eigener Herstellung ernährte. Immer wieder thematisiert werden die nächtlichen Touren zu den Mülltonnen in der Umgebung, um die ständig hungrigen Schweine satt zu kriegen. Letzteres eine Tätigkeit, die vom Aufwand her bald einem Teilzeitjob entsprach. Dazwischen erzählt sie auch von Tragödien und tödlichen Zwischenfällen bei Zusammenstössen zwischen Geflügel und Beutelratten oder Hunden.
Noch in Erinnerungen an einen kürzlichen Ausflug in die Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen schwelgend, lautet mein Fazit: es geht weniger um Kraut, aber mehr um Krempel - es gibt praktisch keinen (von anderen weggeworfenen) Gegenstand, der von der Autorin und ihrem Lebenspartner nicht einer neuen Verwendung zugeführt werden kann. Und natürlich sehr viel über Tiere. Beeindruckend zu verfolgen, welches Wissen sich die Cityfarmerin anhand von einschlägiger Literatur (umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches) aneignet und wie sie soweit immer möglich auch vor dem eigenhändigen Schlachten der von ihr aufgezogenen Tiere nicht zurückschreckt.
Novella Carpenter
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Bastei Lübbe, 2010
Direkt neben der neuen Mietwohnung im Ghetto von Oakland annektiert Carpenter eine Brache und beginnt mit der Urbarmachung von rund 4000m2 Land, das von Gestrüpp zugewuchert ist. Henry David Thoreau schrieb in „Walden“, dass er den Wert des von ihm besetzten Land steigerte, indem er es besetzte. Diese Aussage ist identisch mit Novella Carpenters Motto. Den Startschuss zur Aufwertung markiert die Aussaat von Tomaten, Basilikum, Kopfsalat, Gurken und Mais. Ein Jahr später lernt die junge Frau zufällig den Grundstückeigentümer kennen und erhält von diesem das O.k., auf dem Land einen Garten anzulegen und legt richtig los. Als Angestellte in einer Gärtnerei kann sie Pflanzen mit Rabatt kaufen und so stehen bald ein Apfel-, ein Feigen- und ein Zitronenbaum sowie eine Agave neben den schon uralten Pflaumenbäumen. Damit letztere bestäubt werden, sind Bienen samt Imkerausrüstung die nächste Anschaffung.
Da ein Grossteil des Grundstücks auf einer Betondecke liegt, werden aus Holzabfall Hochbeete konstruiert. Ein paar Hochbeete und Bienen machen aber noch keine Farm und so zieht als nächstes allerlei Gefiedertes in Ghost Town ein. Und da Kaninchenmist Manna für den Garten bedeutet, ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Beginn einer entsprechenden Kleintierzucht.
Die nicht mit viel Bargeld gesegnete Hobbyfarmerin berichtet in ihrem interessanten Buch des weiteren von Werkzeugneid, ihren Lektionen in Sachen Salamiproduktion und von einem (langen) Monat, in welchem sie sich nur von Produkten aus eigener Herstellung ernährte. Immer wieder thematisiert werden die nächtlichen Touren zu den Mülltonnen in der Umgebung, um die ständig hungrigen Schweine satt zu kriegen. Letzteres eine Tätigkeit, die vom Aufwand her bald einem Teilzeitjob entsprach. Dazwischen erzählt sie auch von Tragödien und tödlichen Zwischenfällen bei Zusammenstössen zwischen Geflügel und Beutelratten oder Hunden.
Noch in Erinnerungen an einen kürzlichen Ausflug in die Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen schwelgend, lautet mein Fazit: es geht weniger um Kraut, aber mehr um Krempel - es gibt praktisch keinen (von anderen weggeworfenen) Gegenstand, der von der Autorin und ihrem Lebenspartner nicht einer neuen Verwendung zugeführt werden kann. Und natürlich sehr viel über Tiere. Beeindruckend zu verfolgen, welches Wissen sich die Cityfarmerin anhand von einschlägiger Literatur (umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches) aneignet und wie sie soweit immer möglich auch vor dem eigenhändigen Schlachten der von ihr aufgezogenen Tiere nicht zurückschreckt.
Novella Carpenter
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Bastei Lübbe, 2010
24. Mai 2011
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
„Willkommen in der Welt der Stauden“ so heisst das erste Kapitel in dieser Frühjahrserscheinung der Landschaftsarchitektin und Gartenjournalistin Bettina Rehm-Wolters und von Markus Zeiler, dem Parkleiter der Insel Mainau. Herausgeberin des prächtig illustrierten Buches ist die „Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.“. Diese Kombination weckt hohe Erwartungen in die Publikation und die vielfältigen vorgestellten Staudenkombinationsmöglichkeiten.
Die ersten vierzig Seiten vermitteln eine Einführung in die Staudenklassen und zeigen die unterschiedlichen Lebensbereiche auf: welche Pflanze lebt gerne im Schatten von Gehölzen? Welche Staude zieht humosen Boden vor und welche gibt sich auch mit kargen Verhältnissen zufrieden? Anschliessend geht es ums Komponieren von abwechslungsreichen Staudenbeeten. Die Fülle an unterschiedlichen Blattformen macht die Wahl nicht unbedingt einfacher. Eine konkrete und wichtige Planungshilfe für das effektvolle Spiel mit Farben ist der Farbkreis. Mögliche Wege zu einer harmonischen Gestaltung erfährt der interessierte Leser im Kapitel „Grundlagen der Beetgestaltung“. Zwischen den informellen Absätzen werden regelmässig Stauden detaillierter vorgestellt: Päonien, Lilien, Hemerocallis, Iris, Hostas und andere mehr.
Üppige, gemischte Staudenpflanzen mitsamt passenden Begleitern, die naturnah in ihren Lebensbereichen präsentiert werden, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig den Pflegeaufwand in Grenzen halten, sind Merkmale des „New German Style“. Schön und gut - aber lässt sich dafür tatsächlich kein deutscher Ausdruck finden?
Meine Lieblingsseiten in diesem Buch sind jene, die verschiedene Staudengärtner und –züchter portraitieren und diese auch selber zu Wort kommen lassen. Der Bericht über die gleichzeitige Verwandlung eines Krankenhausgartens in eine (fast) alle Kundenwünsche erfüllende Staudengärtnerei und die eines Drogisten in einen Botschafter in Sachen Gartenkultur war für mich eine schöne Ergänzung zum kürzlichen Besuch in Illertissen und der durch die Staudenfreunde organisierten Gärtnereiführung durch Dieter Gaissmayer persönlich. Daneben erfährt man Interessantes über Anja Maubach, Christian Kress, Cassian Schmidt (dieser wird übrigens in der Juni-Ausgabe der „Gardens Illustrated“ im „horticultural who is who“ portraitiert) und natürlich nicht zuletzt über Karl Foerster und die Insel Mainau. Des weiteren wird kurz auf Krankheiten und Schädlinge eingegangen und im Anhang finden sich nützliche Adressen, Bezugsquellen und ein Register.
Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler/Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrsg.):
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Callwey Verlag, 2011
Die ersten vierzig Seiten vermitteln eine Einführung in die Staudenklassen und zeigen die unterschiedlichen Lebensbereiche auf: welche Pflanze lebt gerne im Schatten von Gehölzen? Welche Staude zieht humosen Boden vor und welche gibt sich auch mit kargen Verhältnissen zufrieden? Anschliessend geht es ums Komponieren von abwechslungsreichen Staudenbeeten. Die Fülle an unterschiedlichen Blattformen macht die Wahl nicht unbedingt einfacher. Eine konkrete und wichtige Planungshilfe für das effektvolle Spiel mit Farben ist der Farbkreis. Mögliche Wege zu einer harmonischen Gestaltung erfährt der interessierte Leser im Kapitel „Grundlagen der Beetgestaltung“. Zwischen den informellen Absätzen werden regelmässig Stauden detaillierter vorgestellt: Päonien, Lilien, Hemerocallis, Iris, Hostas und andere mehr.
Üppige, gemischte Staudenpflanzen mitsamt passenden Begleitern, die naturnah in ihren Lebensbereichen präsentiert werden, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig den Pflegeaufwand in Grenzen halten, sind Merkmale des „New German Style“. Schön und gut - aber lässt sich dafür tatsächlich kein deutscher Ausdruck finden?
Meine Lieblingsseiten in diesem Buch sind jene, die verschiedene Staudengärtner und –züchter portraitieren und diese auch selber zu Wort kommen lassen. Der Bericht über die gleichzeitige Verwandlung eines Krankenhausgartens in eine (fast) alle Kundenwünsche erfüllende Staudengärtnerei und die eines Drogisten in einen Botschafter in Sachen Gartenkultur war für mich eine schöne Ergänzung zum kürzlichen Besuch in Illertissen und der durch die Staudenfreunde organisierten Gärtnereiführung durch Dieter Gaissmayer persönlich. Daneben erfährt man Interessantes über Anja Maubach, Christian Kress, Cassian Schmidt (dieser wird übrigens in der Juni-Ausgabe der „Gardens Illustrated“ im „horticultural who is who“ portraitiert) und natürlich nicht zuletzt über Karl Foerster und die Insel Mainau. Des weiteren wird kurz auf Krankheiten und Schädlinge eingegangen und im Anhang finden sich nützliche Adressen, Bezugsquellen und ein Register.
Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler/Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrsg.):
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Callwey Verlag, 2011
21. Mai 2011
Common Ground – Ein Briefwechsel mit hortikulturellem Hintergrund
Zwei Frauen, zwei verschiedene Gärten – an einer Klassenzusammenkunft erneuern die Schriftstellerin Janice Marriott und die Bäuerin Virginia Pawsey ihre seit Jahren brachliegende Freundschaft aus Teenagertagen. Per Email bleiben sie in Kontakt und haben die hortikulturelle Korrespondenz unter dem Titel „Common Ground“ veröffentlicht.
Janice hegt und pflegt einen Stadtgarten in Wellington. Virginia und ihr Mann betreiben eine Schaffarm und der Hauptzweck ihres Gartens ist die Versorgung der Familie, der Schafscherer und anderer Angestellten mit Früchten und Gemüse.
Während Janice sich in der City mit Erntedieben, solchen auf zwei Beinen wie auch schleimigen, kriechenden, herumärgert, plagt sich Virginia mit Opossums, Wildschweinen oder Ratten und fährt des Öfteren mit gröberem Geschütz auf. Die Städterin träumt von einem Garten in der Grösse von Monets Giverny mit ordentlichen Beeten und Gartenwegen, die vor lauter pflanzlicher Fülle kaum mehr auszumachen sind. Der erste Teil dieser Träume entspricht auch den Vorstellungen von Virginias Angetrautem auf dem Land: er ist nämlich der Ansicht, dass sämtliche Teile des Gartens auf dem Traktor sitzend passierbar sein sollten.
Im Lauf der Jahreszeit – die europäische Leserin muss sich an die „verkehrten“ Jahreszeiten gewöhnen – lernt man die beiden unterschiedlichen Frauen und ihre Gärten recht genau kennen und erfährt über die Vorlieben und Abneigungen, staunt vielleicht auch mal über den zuweilen recht offensiven Gebrauch von Gift und darüber, dass auch auf der anderen Seite der Erdkugel der „Butterblumentest“ ein Thema ist. Rosen bereiten nicht nur Freude – das muss auch Janice erfahren, als sie sich durch einen Stachel in der Wade eine schwere Entzündung einfängt. Immer wieder ein Thema im Buch ist auch die Verarbeitung von schweren Schicksalsschlägen der beiden Frauen. Virginias Sohn kam mit einer Gruppe von Studenten Mitte der neunziger Jahre beim Absturz einer Aussichtsplattform ums Leben.
Die Korrespondenz wird immer mal wieder mit Rezepten angereichert. Es gibt denn auch noch ein zweites Buch der beiden Neuseeländerinnen in Briefform. Bei der Fortsetzung geht es um die Verwertung der Produkte aus Hof und Garten, nämlich ums Kochen („Common Table“).
Janice Marriott/Virginia Pawsey:
Common Ground – The true story of two friends and two very different gardens …
Harper Collins Publishers, 2008
Janice hegt und pflegt einen Stadtgarten in Wellington. Virginia und ihr Mann betreiben eine Schaffarm und der Hauptzweck ihres Gartens ist die Versorgung der Familie, der Schafscherer und anderer Angestellten mit Früchten und Gemüse.
Während Janice sich in der City mit Erntedieben, solchen auf zwei Beinen wie auch schleimigen, kriechenden, herumärgert, plagt sich Virginia mit Opossums, Wildschweinen oder Ratten und fährt des Öfteren mit gröberem Geschütz auf. Die Städterin träumt von einem Garten in der Grösse von Monets Giverny mit ordentlichen Beeten und Gartenwegen, die vor lauter pflanzlicher Fülle kaum mehr auszumachen sind. Der erste Teil dieser Träume entspricht auch den Vorstellungen von Virginias Angetrautem auf dem Land: er ist nämlich der Ansicht, dass sämtliche Teile des Gartens auf dem Traktor sitzend passierbar sein sollten.
Im Lauf der Jahreszeit – die europäische Leserin muss sich an die „verkehrten“ Jahreszeiten gewöhnen – lernt man die beiden unterschiedlichen Frauen und ihre Gärten recht genau kennen und erfährt über die Vorlieben und Abneigungen, staunt vielleicht auch mal über den zuweilen recht offensiven Gebrauch von Gift und darüber, dass auch auf der anderen Seite der Erdkugel der „Butterblumentest“ ein Thema ist. Rosen bereiten nicht nur Freude – das muss auch Janice erfahren, als sie sich durch einen Stachel in der Wade eine schwere Entzündung einfängt. Immer wieder ein Thema im Buch ist auch die Verarbeitung von schweren Schicksalsschlägen der beiden Frauen. Virginias Sohn kam mit einer Gruppe von Studenten Mitte der neunziger Jahre beim Absturz einer Aussichtsplattform ums Leben.
Die Korrespondenz wird immer mal wieder mit Rezepten angereichert. Es gibt denn auch noch ein zweites Buch der beiden Neuseeländerinnen in Briefform. Bei der Fortsetzung geht es um die Verwertung der Produkte aus Hof und Garten, nämlich ums Kochen („Common Table“).
Janice Marriott/Virginia Pawsey:
Common Ground – The true story of two friends and two very different gardens …
Harper Collins Publishers, 2008
19. Mai 2011
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Gleich vorweg: der Bezug zum Gärtnern beschränkt sich auf die Ausübung eines Hilfsjobs in einer Gärtnerei mit Schwerpunkt Unterhaltsarbeiten, das Umschlagsbild und eine spontane Gartenlektion einer Obdachlosen beim Gramercy Park in Manhattan. Dies ist absolut kein Grund auf die Lektüre dieser warmherzigen Erzählung voll witziger Dialoge zu verzichten. Schliesslich passiert es auch mir nicht wöchentlich, dass ich abends kurz vor elf Uhr mit der Lektüre eines neuen Buches beginne und dann gleich mal rasch hundert Seiten lese, bevor ich es widerstrebend weglege und endlich schlafen gehe.
Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?
Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?
Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …
Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010
Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?
Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?
Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …
Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010
17. Mai 2011
… und gleich nochmals andere zu Wort kommen lassen
Renate Hücking ("Die Beute der Pflanzenjäger") von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur hat mir folgenden Text zukommen lassen, den sie für die Zeitschrift „Blätterrauschen“ verfasst hat. Ich habe mich sehr über diese netten Zeilen gefreut und möchte euch diese nicht vorenthalten:
Die Sofagärtnerin
Durch Zufall habe ich die „Sofagärtnerin“ getroffen und mich sofort am PC fest gelesen. Was ich dort las, hat mir so gut gefallen, dass ich den Blog sofagaertnerin.blgospot.com (oder einfach „Die Sofagärtnerin“ googeln) allen Garten-Buchwürmern empfehlen möchte: Gegliedert nach etwa 20 Stichworten (Romane, Gartengestaltung, Kinder- und Jugendbücher, Pflanzenportraits etc.) entfaltet die Bloggerin ein breites Panorama an deutsch- und englischsprachiger Gartenliteratur.
Hier werden nicht nur Klappentexte und Pressemitteilungen abgeschrieben; die persönlich gehaltenen, gleichwohl informativen Texte vermitteln den Eindruck, als habe die Sofagärtnerin aus der Schweiz die Bücher tatsächlich gelesen. Nach der Lektüre dieser Buchbesprechungen war ich jeweils in der Lage zu entscheiden, was mich interessieren würde und was nicht.
Die Mitteilung, dass die Sofagärtnerin auch eine Garten-Gärtnerin ist, hat für mich die Frage aufgeworfen, wie schafft sie das bloss. Wenn ich nur halb so viel lesen würde wie sie, wäre mein Garten eine Wildnis.
(Copyright by Renate Hücking/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Renate Hücking)
Die Sofagärtnerin
Durch Zufall habe ich die „Sofagärtnerin“ getroffen und mich sofort am PC fest gelesen. Was ich dort las, hat mir so gut gefallen, dass ich den Blog sofagaertnerin.blgospot.com (oder einfach „Die Sofagärtnerin“ googeln) allen Garten-Buchwürmern empfehlen möchte: Gegliedert nach etwa 20 Stichworten (Romane, Gartengestaltung, Kinder- und Jugendbücher, Pflanzenportraits etc.) entfaltet die Bloggerin ein breites Panorama an deutsch- und englischsprachiger Gartenliteratur.
Hier werden nicht nur Klappentexte und Pressemitteilungen abgeschrieben; die persönlich gehaltenen, gleichwohl informativen Texte vermitteln den Eindruck, als habe die Sofagärtnerin aus der Schweiz die Bücher tatsächlich gelesen. Nach der Lektüre dieser Buchbesprechungen war ich jeweils in der Lage zu entscheiden, was mich interessieren würde und was nicht.
Die Mitteilung, dass die Sofagärtnerin auch eine Garten-Gärtnerin ist, hat für mich die Frage aufgeworfen, wie schafft sie das bloss. Wenn ich nur halb so viel lesen würde wie sie, wäre mein Garten eine Wildnis.
(Copyright by Renate Hücking/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Renate Hücking)
15. Mai 2011
Death in the Winter Garden
Dieser von Karen Lowe getextete Gartenkrimi ist bereits der zweite, in welchem die Gartendesignerin Fern Green ihre Nase immer wieder in Angelegenheiten steckt, die sie eigentlich nichts angehen. Das erste Buch habe ich hier vorgestellt.
Die Erzählung spielt im Jahr 2001 - es ist kurz vor Weihnachten. Keine gute Zeit, um mit Gartenentwürfen Geld zu verdienen. So ist Fern erleichtert, als sie von Owen Stanyard den Auftrag erhält, den jahrzehntelang vernachlässigten Garten von Plas Graig aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Eigentlich war geplant, dass Owens Sohn Tristan, ein Botaniker, diese Aufgabe übernimmt. Doch der junge Mann ist vor zwei Monaten auf einer Pflanzenexpedition in Kolumbien ertrunken. Wegen diesem tragischen Todesfall soll in der Gartenrestauration auch ein Projekt „Gedenkstätte“ realisiert werden.
Die erste Gartenbesichtigung vor Ort wird durch den Gärtner Morgan unterbrochen, der in Spatentiefe die sterblichen Überreste eines Neugeborenen entdeckt hat. Noch mehr Unruhe löst die Ankunft einer unbekannten jungen Frau aus, die behauptet, Tristans Witwe zu sein und sein Kind zu erwarten.
Für die Planung der Gartenrestauration vertieft sich Fern in alte Tagebücher. 1939 hatte Vita Sackville-West in Kent ihre vielkopierte Idee vom Weissen Garten entwickelt. Der Garten von Plas Graig ist genau seit diesem Jahr vernachlässigt worden. Das bringt Fern auf die Idee, den Gedenkgarten ausschliesslich mit weissen und silbernen Pflanzen zu bestücken. Als in nächster Nähe ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird, fokussiert sich ihr Interesse wieder mehr auf ihre detektivischen Fähigkeiten…
Karen Lowe:
Death in the Winter Garden
Beanpole Books, 2011
Die Erzählung spielt im Jahr 2001 - es ist kurz vor Weihnachten. Keine gute Zeit, um mit Gartenentwürfen Geld zu verdienen. So ist Fern erleichtert, als sie von Owen Stanyard den Auftrag erhält, den jahrzehntelang vernachlässigten Garten von Plas Graig aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Eigentlich war geplant, dass Owens Sohn Tristan, ein Botaniker, diese Aufgabe übernimmt. Doch der junge Mann ist vor zwei Monaten auf einer Pflanzenexpedition in Kolumbien ertrunken. Wegen diesem tragischen Todesfall soll in der Gartenrestauration auch ein Projekt „Gedenkstätte“ realisiert werden.
Die erste Gartenbesichtigung vor Ort wird durch den Gärtner Morgan unterbrochen, der in Spatentiefe die sterblichen Überreste eines Neugeborenen entdeckt hat. Noch mehr Unruhe löst die Ankunft einer unbekannten jungen Frau aus, die behauptet, Tristans Witwe zu sein und sein Kind zu erwarten.
Für die Planung der Gartenrestauration vertieft sich Fern in alte Tagebücher. 1939 hatte Vita Sackville-West in Kent ihre vielkopierte Idee vom Weissen Garten entwickelt. Der Garten von Plas Graig ist genau seit diesem Jahr vernachlässigt worden. Das bringt Fern auf die Idee, den Gedenkgarten ausschliesslich mit weissen und silbernen Pflanzen zu bestücken. Als in nächster Nähe ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird, fokussiert sich ihr Interesse wieder mehr auf ihre detektivischen Fähigkeiten…
Karen Lowe:
Death in the Winter Garden
Beanpole Books, 2011
13. Mai 2011
... für einmal andere zu Wort kommen lassen
Nach fast 250 von mir verfassten und im Sofagarten veröffentlichten Posts zur Abwechslung mal ein Beitrag aus fremder Feder: Hier der Link zu einem Portrait über die Sofagärtnerin, das in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes SBVV erschienen ist.
(Copyright by Martin Walker/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Martin Walker, SBVV)
(Copyright by Martin Walker/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Martin Walker, SBVV)
9. Mai 2011
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters verhindert, dass Louisa ihrem Freund Andi von ihrer ungeplanten Schwangerschaft berichten kann. Sie verlässt überstürzt Freund und Schwangerschaftstest, den sie in eine auf dem Teller übrig gebliebene Bulette gesteckt hat.
Eigentlich hatte Louisa bald nach der Beerdigung wieder in ihre WG in Berlin zurückkehren wollen. Doch durch den völlig unerwarteten Verlust ihres geliebten Ehemannes hat sich ihre Mutter Amélie von einer selbständigen, resoluten Frau in eine ziemlich hilflose Witwe verwandelt, deren Aufmerksamkeit es entgeht, dass auch die Tochter trauert und wegen ihrer Schwangerschaft auf mütterliche Unterstützung angewiesen wäre. Während sich Amélie also an den neuen unverschämt gutaussehenden Pfarrer klammert, vertieft Louisa ihre Bekanntschaft mit dem Gärtner Gilbert Kalinke, der sich ungefragt in Opas altem Schuppen am Rand des Gartens wohnlich eingerichtet hat.
Die etwas skurrile Geschichte rund um einen Pfarrer mit besonderem Hang zu hilflosen weiblichen Schäfchen in seiner Gemeinde wird abwechslungsweise aus der Sicht von vier Frauen erzählt. Neben Louisa und Amélie kommen die beiden Nachbarinnen Irmi und Carola zu Wort. Witzige Dialoge sorgen für unterhaltsame Lektüre, vor allem Louisa behält meistens das letzte Wort. Erschüttert wird die junge schwangere Frau zuweilen durch Gilberts freizügigen Ansichten betreffend „mein“ und „dein“ und möchte diesbezüglich gar keine genauen Details erfahren, wenn er "stehlen" schönfärberisch als "organisieren" bezeichnet.
Ganz nebenbei wird während der Handlung der jahrelang vernachlässigte Garten in ein asiatisch angehauchtes Paradies verwandelt, vor welchem Fotografen von angesehenen Gartenzeitschriften Schlange stehen, um einen Termin fürs Ablichten der Idylle zu erhalten.
Nach "Ein unmoralisches Sonderangebot" ist „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ mein zweites Buch von Kerstin Gier, das ich gelesen habe. Hinweise darüber, ob sich auch die anderen Bücher der Autorin einen gewissen gärtnerischen Hintergrund haben, sind herzlich willkommen!
Kerstin Gier:
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Bastei Lübbe, 2000 (8. Auflage 2010)
Eigentlich hatte Louisa bald nach der Beerdigung wieder in ihre WG in Berlin zurückkehren wollen. Doch durch den völlig unerwarteten Verlust ihres geliebten Ehemannes hat sich ihre Mutter Amélie von einer selbständigen, resoluten Frau in eine ziemlich hilflose Witwe verwandelt, deren Aufmerksamkeit es entgeht, dass auch die Tochter trauert und wegen ihrer Schwangerschaft auf mütterliche Unterstützung angewiesen wäre. Während sich Amélie also an den neuen unverschämt gutaussehenden Pfarrer klammert, vertieft Louisa ihre Bekanntschaft mit dem Gärtner Gilbert Kalinke, der sich ungefragt in Opas altem Schuppen am Rand des Gartens wohnlich eingerichtet hat.
Die etwas skurrile Geschichte rund um einen Pfarrer mit besonderem Hang zu hilflosen weiblichen Schäfchen in seiner Gemeinde wird abwechslungsweise aus der Sicht von vier Frauen erzählt. Neben Louisa und Amélie kommen die beiden Nachbarinnen Irmi und Carola zu Wort. Witzige Dialoge sorgen für unterhaltsame Lektüre, vor allem Louisa behält meistens das letzte Wort. Erschüttert wird die junge schwangere Frau zuweilen durch Gilberts freizügigen Ansichten betreffend „mein“ und „dein“ und möchte diesbezüglich gar keine genauen Details erfahren, wenn er "stehlen" schönfärberisch als "organisieren" bezeichnet.
Ganz nebenbei wird während der Handlung der jahrelang vernachlässigte Garten in ein asiatisch angehauchtes Paradies verwandelt, vor welchem Fotografen von angesehenen Gartenzeitschriften Schlange stehen, um einen Termin fürs Ablichten der Idylle zu erhalten.
Nach "Ein unmoralisches Sonderangebot" ist „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ mein zweites Buch von Kerstin Gier, das ich gelesen habe. Hinweise darüber, ob sich auch die anderen Bücher der Autorin einen gewissen gärtnerischen Hintergrund haben, sind herzlich willkommen!
Kerstin Gier:
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Bastei Lübbe, 2000 (8. Auflage 2010)
5. Mai 2011
Frauen im Garten
Die Beziehung zwischen Frauen und ihren Gärten war in jüngster Zeit wiederholt Thema von verschiedenen interessanten Publikationen. Das hier vorgestellte Buch widmet sich für einmal Gemälden und stellt Gartenbilder von berühmten und auch weniger bekannten Malern vor.
Nach einem Vorwort von Eva Demski (siehe auch meine Vorstellung ihres Buches "Gartengeschichten") und einer Einleitung von Tania Schlie werden die Gemälde und Künstler in Kapitel gegliedert. Die Überschriften lauten beispielsweise „Der Garten der Frauen“, „Der Garten der Kindheit“, „Der Garten den Freundinnen“, „Der Garten der Gärtnerin“ oder „Der Garten der Lüste“. Im Kapitel „Ein Ort schwer von Rosenduft“ ist übrigens das Bild „The Soul of the Rose“ von John William Waterhouse abgebildet, welches das Umschlagbild des Romans „Lilys Rosengarten“ ziert, den ich letzthin hier im Sofagarten vorgestellt habe.
Ist der Garten, das Gärtnern Ausdruck der unermüdlichen Suche des Menschen nach dem verlorenen Paradies? Maler aus allen Epochen und Stilrichtungen haben ihn als Motiv gewählt, etliche wie Claude Monet oder Max Liebermann haben sich ihre grünen und/oder bunten Kulissen gleich selber erschaffen. Wie schon der Titel verrät, erlaubt das Buch einen Streifzug mit Frauen durch die Gärten der Kunstgeschichte und erzählt von den Stimmungen, die das Beschäftigen mit Pflanzen in denselben auslöst.
Lesen, träumen, nachdenken, irgendwelchen Gedanken nachhängen oder sich über etwas freuen – diese Beschäftigungen verbinden die meisten der portraitierten Frauen. Gelegentlich scheint etwas Melancholie oder Trauer auf den Gesichtszügen auszumachen zu sein. Auf einem Gemälde schneidet eine Frau die Rosen zurück, die meisten anderen Werke zeigen nichts von der Mühsal, die hinter der dargestellten Blütenpracht steckt. Die anstrengendste Tätigkeit vor der Haustüre scheint im Schneiden von frischen Blumen zu bestehen. Idyllische Szenen von Blumenpflückerinnen, Teestunden und Picknicks im Garten laden den Leser und die Leserin ein, es den gemalten Frauen gleichzutun – sich in einem Stuhl zurückzulehnen und die Seele baumeln lassen.
Ein Buch für Geniesser und ein Erlebnis für verschiedene Sinne – nicht nur die Bilder fürs Auge, auch die Texte auf hochwertigem Papier machen das Buch zu einem Werk, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt und darin schmökert. Ob gelegentlich wohl auch einmal ein Buch mit dem ausschliesslichen Thema „Männer und ihre Gärten“ erscheint?
Tania Schlie:
Frauen im Garten
Thiele Verlag, 2011
Nach einem Vorwort von Eva Demski (siehe auch meine Vorstellung ihres Buches "Gartengeschichten") und einer Einleitung von Tania Schlie werden die Gemälde und Künstler in Kapitel gegliedert. Die Überschriften lauten beispielsweise „Der Garten der Frauen“, „Der Garten der Kindheit“, „Der Garten den Freundinnen“, „Der Garten der Gärtnerin“ oder „Der Garten der Lüste“. Im Kapitel „Ein Ort schwer von Rosenduft“ ist übrigens das Bild „The Soul of the Rose“ von John William Waterhouse abgebildet, welches das Umschlagbild des Romans „Lilys Rosengarten“ ziert, den ich letzthin hier im Sofagarten vorgestellt habe.
Ist der Garten, das Gärtnern Ausdruck der unermüdlichen Suche des Menschen nach dem verlorenen Paradies? Maler aus allen Epochen und Stilrichtungen haben ihn als Motiv gewählt, etliche wie Claude Monet oder Max Liebermann haben sich ihre grünen und/oder bunten Kulissen gleich selber erschaffen. Wie schon der Titel verrät, erlaubt das Buch einen Streifzug mit Frauen durch die Gärten der Kunstgeschichte und erzählt von den Stimmungen, die das Beschäftigen mit Pflanzen in denselben auslöst.
Lesen, träumen, nachdenken, irgendwelchen Gedanken nachhängen oder sich über etwas freuen – diese Beschäftigungen verbinden die meisten der portraitierten Frauen. Gelegentlich scheint etwas Melancholie oder Trauer auf den Gesichtszügen auszumachen zu sein. Auf einem Gemälde schneidet eine Frau die Rosen zurück, die meisten anderen Werke zeigen nichts von der Mühsal, die hinter der dargestellten Blütenpracht steckt. Die anstrengendste Tätigkeit vor der Haustüre scheint im Schneiden von frischen Blumen zu bestehen. Idyllische Szenen von Blumenpflückerinnen, Teestunden und Picknicks im Garten laden den Leser und die Leserin ein, es den gemalten Frauen gleichzutun – sich in einem Stuhl zurückzulehnen und die Seele baumeln lassen.
Ein Buch für Geniesser und ein Erlebnis für verschiedene Sinne – nicht nur die Bilder fürs Auge, auch die Texte auf hochwertigem Papier machen das Buch zu einem Werk, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt und darin schmökert. Ob gelegentlich wohl auch einmal ein Buch mit dem ausschliesslichen Thema „Männer und ihre Gärten“ erscheint?
Tania Schlie:
Frauen im Garten
Thiele Verlag, 2011
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