13. Februar 2012

Cristina Lopez Barrio: Der Garten des ewigen Frühlings

In einem entlegenen Winkel von Kastilien zwischen Bergen und harten Böden, wo die Hirsche vor Liebe röhen und der Geruch von Schwarzpulver aus Jagdgewehren die Luft erfüllt, leben die Laguna-Frauen, auf denen schon seit langer Zeit ein Fluch lastet. Alle werden sie von ihrer grossen Liebe verlassen, bleiben unverheiratet zurück und müssen ihre ausnahmslos weiblichen Nachkommen alleine grossziehen, die dann wieder das gleiche Schicksal erleiden. Sie sind zur Schande verurteilt und werden von den übrigen Dorfbewohnern verspottet und weitgehend gemieden.

Auch Clara kann diesem Verhängnis nicht entgehen, als sie sich in einen reichen Andalusier verliebt, der in einem Herbst in ihrem Dorf auftaucht, um zu jagen. Auch sie bleibt schwanger zurück. Immerhin hat ihr der Mann aus dem Süden ein Grundstück samt Haus, der roten Villa, überschrieben. Sie soll sich ihren Lebensunterhalt als Bäuerin verdienen. Und er hat versprochen, zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes zurückzukehren.

Als Clara schliesslich realisiert, dass auch sie vom Fluch der Laguna-Frauen nicht verschont wird, beschliesst sie, ihr Leben der Rache zu widmen und richtet in ihrer Villa ein Bordell ein. Während rundherum der Herbst Einzug hält, geschieht in der Stille des Villengartens ein Frühlingswunder: in Claras Garten blühen Margariten, die sich zwischen den Steinplatten ausbreiten und mitten im vertrockneten Herbstlaub an den Ästen der Bäume spriessen Knospen.

Als Claras Tochter Manuela geboren wird, überlässt sie die Betreuung derselben ihrer Köchin Bernarda, die ihre Herrin vergöttert, mit himmlischen Kochkünsten gesegnet ist, aber nicht richtig sprechen kann. Claras Garten blüht weiterhin unermüdlich und ohne Rücksicht auf den Wechsel der Jahreszeiten. Er weist eine unglaubliche Fruchtbarkeit auf und Claras Etablissement ist gut besucht. Aber der Andalusier kehrt nicht zurück und ihre Rache bleibt unerfüllt. Als sie schliesslich stirbt, hinterlässt sie eine Tochter, die über den Tod hinaus ihren Geist fürchtet, der das Grab verlassen und den Garten durchstreifen könnte.

Neben Frauen spielen auch zwei Priester wichtige Rollen im Roman. Einer hält lebendige, fiebrige Predigten, der andere hat ein sanftmütiges Wesen, aber sein elefantenartiges Gepolter erschüttert die ganze Umgebung und lässt an Erdbeben denken. „Der Garten des ewigen Frühlings“ ist eine phantasievolle Familiensaga über mehrere Generationen von Laguna-Frauen – gespickt mit tragischen Todesfällen, leidenschaftlichen und unerfüllten Lieben, voller geheimnisvoller Düfte sowie inspirierenden und ekligen Kochkünsten, mal mitreissend, aber zuweilen auch abstossend.



Cristina Lopez Barrio:
Der Garten des ewigen Frühling
Droemer Verlag, 2011



Das Geheimnis der roten Villa (TB-Ausgabe)
Knaur Taschenbuch Verlag, 2014

9. Februar 2012

Georg Thiem und Edgar Sommer: Private Gartenparadiese in Niedersachsen

Beim Umräumen der Bücherregale auf der Suche nach einem Plätzchen für die neuesten Zugänge habe ich das Buch „Private Gartenparadiese in Niedersachsen“ wiederentdeckt, das ich nach dem Erwerb vor ziemlich genau vier Jahren auf einem Gestell eingeordnet und dann vergessen habe. Ein „Bücherschicksal“, das es mit etlichen anderen Titeln zu tragen hat, da meine verfügbare Lesezeit leider nicht ganz kompatibel ist mit der Gier oder Sucht nach potentiellem interessantem Lesefutter. Mein Interesse auf die Lektüre dieses Buches wurde definitiv geweckt, als ich beim Durchblättern entdeckt habe, dass Marita Eichler, deren Buch „Über Zäune schauen“ ich hier einmal kurz erwähnt habe, zu den portraitierten Gärtnerinnen und Gärtnern gehört.

Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.

Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.

Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).



Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007

5. Februar 2012

K.L. Going: The Garden of Eve / Evies Garten

Die zehnjährige Eve zieht mit ihrem Vater knapp ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter nach Beaumont. Ihr Vater hat dort ein grosses Stück Land vollbepflanzt mit Obstbäumen günstig erwerben können. Deshalb günstig, weil die Bäume schon seit langer Zeit keine Früchte mehr tragen. Die Dorfbewohner glauben, dass auf der Plantage ein Fluch liegt, was Evies Vater aber als Aberglauben abtut. Er ist überzeugt, dass die Obstbäume mangels Pflege krank sind und durch richtige Behandlung und viel Arbeit bald wieder Früchte tragen und ihm und seiner Tochter ein Auskommen bieten werden.

Evie vermisste ihre Mutter schmerzlich. Diese hat ihr täglich aus Büchern vorgelesen und Geschichten von schönen Gärten und magischen Ländern mit Einhörnern und Schlössern erzählt. Warum nur schaut die Wirklichkeit so ganz anders aus? Als Evie dann auch noch feststellen muss, dass ihr neues Zuhause direkt an einen Friedhof grenzt, beschliesst sie, keinen Schritt mehr nach draussen zu unternehmen.

Dieser Vorsatz kommt heftig ins Wanken, als das Mädchen vom Fenster aus immer wieder einen seltsam bleichen Jungen sieht, der sich trotz grosser Kälte den ganzen Tag zwischen den Grabsteinen aufhält. Als sie den Jungen namens Alex schliesslich kennenlernt, entdeckt sie, dass er ganz genau so aussieht wie der Junge auf der Prayer-Card, die sie am Tage ihrer Ankunft in Beaumont erhalten hat, als eben dieser Junge zu Grabe getragen worden ist. So zweifelt Evie nicht gross an den Erklärungen des sich zwischen den Gräbern bewegenden Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein.

Kurz darauf erhält Evie an ihrem elften Geburtstag von Maggie, der Schwester des verstorbenen Vorbesitzers der Obstplantage, eine Schachtel, die einen einzelnen Samen enthält. Dieser soll aus dem Garten Eden stammen und vor vielen Jahren von Maggies Vater, einem Botaniker und Schatzsucher, nach Beaumont gebracht worden sein.

Als Evie zusammen mit Alex den Samen im Obstgarten einpflanzt, kann sie nicht ahnen, was sie damit auslöst. Die beiden Kinder finden sich unvermittelt in einer magischen Welt wieder. Aber gibt es auch einen Weg zurück? Und was für eine Verbindung besteht zwischen Evie und der gleichnamigen vor Jahren spurlos verschwundenen Schwester von Maggie und ihrem Bruder Rodney?



K.L. Going:
The Garden of Eve
Houghton Mifflin Harcourt, 2007

Evies Garten
Bastei Lübbe, 2012 (erscheint im Mai)

1. Februar 2012

Carol Olwell: Gardening from the Heart – Why Gardeners garden

Beim Zusammenfassen meiner Gedanken nach der Lektüre von gelesenen Büchern, die ich hier im Blog vorstelle, merke ich immer häufiger, dass mich die Gärtner und ihre Beweggründe zu gärtnern oft beinahe mehr interessieren als das Resultat – sprich der Garten – selber. Genau in dieses Bücher-Beuteschema passt auch die aus dem Jahr 1990 stammende Publikation „Gardening from the Heart“ von Carol Olwell. Unter den Begriffen „The Garden as Paradise“, „The Garden as Provider“, „ The Garden as Teacher“ und „The Garden as Healer“ stellt sie die unterschiedlichsten Persönlichkeiten vor.

Mary Kenady ist auf der Suche nach der absoluten Schönheit und unermüdlich bestrebt, diese Vision zu erreichen. Loie Benedict begann zwar erst im Alter von 68 Jahren, ihre gesamte Zeit dem Garten zu widmen, verbringt nun aber regelmässig sechs bis zehn Stunden pro Tag in und mit ihm und denkt selber gelegentlich, sie sei wohl etwas verrückt, sich in ihrem Alter und trotz heftiger Rückenschmerzen noch dermassen abzuplagen. Da dem Garten und Gärtnern jedoch ihr Hauptinteresse gilt, schiebt sie solche Überlegungen gleich wieder von sich. Schliesslich ist sie schlicht und einfach süchtig.

Bob Shepard gärtnert in der Wüste. Mit Ideenreichtum und viel Mühe hat er der unwirtlichen Landschaft ein Stück abgetrotzt und in eine Oase verwandelt. Und wenn ein Strauch angesichts der schwierigen Bedingungen kapituliert und abstirbt, ist das nicht weiter tragisch, sondern schafft im Gegenteil willkommenen Platz für neues.

Sarah Nichols fand die minimale Grösse ihres Gartens problematisch. Das brachte sie auf die Idee, mit ihrer 110jährigen (!) Nachbarin einen Deal abzuschliessen. Nachdem die trennenden Zäune entfernt worden sind, pflegt Sarah nun ohne Entgelt deren Garten nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Und schon bald nach der Vergrösserung ihres Arbeitsfeldes konnte sie das gleiche Abkommen mit der Nachbarin auf der anderen Seite des Gartens abschliessen und verfügt nun über ausreichend Fläche, um sich im grünen Bereich nach Herzenslust auszutoben.

Weitere interessante Stichworte aus dem Buch sind „Plantaholics“, „Meine Verbindung zum Garten ist eine Liebesbeziehung“, „meine Nachbarn bezeichnen mich als hortikulturellen Imperialisten“, „Ich habe meine Nachbarin erschreckt, weil ich sie mich dabei erwischt hat, wie ich mich bei einer Rose für den nötigen Rückschnitt entschuldigt habe“, „… meine Bäume gehören für mich zur Familie und sind eine Art Ersatz für die weit entfernt wohnenden Familienmitglieder“. Die portraitierten Menschen gärtnern unter den unterschiedlichsten klimatischen und sozialen Bedingungen und wir erfahren von Problemen, die sich in der Wüste stellen oder in Alaska, welche Hindernisse in einer Gefängnisgärtnerei zu überwinden sind und von teilweise recht eigenwilligen und ungewöhnlichen Lösungsansätzen.

Das Buch „Gardening from the Heart“ ist vor über zwanzig Jahren erschienen, hat aber nichts an Aktualität eingebüsst. Wie die vorgestellten Gärtner wohl heute gärtnern und ihre Gärten aussehen? Bei der Lektüre dieser Publikation kommt man nicht darum herum, sich zu überlegen, ob und was in Sachen damals erträumter Ökologie realisiert worden ist. Im Anhang des Buches wird auf rund dreissig Seiten ausführlich über Pestizide und ihre Auswirkungen informiert. Eine ursprünglich aus Schweden stammende Frau erzählt an einer anderen Stelle im Buch von aufrüttelnden Telefonaten mit ihrer Familie in Nordeuropa, wo Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobil noch immer mit gemischten Gefühlen Gemüse angepflanzt und gegessen wird. Und wie sieht es heute aus, nicht einmal ein Jahr nach Fukushima? Die Katastrophe ist in den meisten Köpfen wieder in den Hintergrund gerückt und längst dominieren andere Nachrichten die Schlagzeilen…



Carol Olwell:
Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Antelope Island Press, 1990

29. Januar 2012

Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Zu den Büchern, deren Lektüre letztes Jahr einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht haben, zählt ganz bestimmt der Titel „The Sound of a Wild Snail Eating“, den ich am 13. Juli 2011 vorgestellt habe. Die ans Bett gefesselte Journalistin Elisabeth Tova Bailey erzählt darin ihre Geschichte über die Freundschaft zu einer Schnecke. Das Buch erscheint nun Anfang Februar unter dem Titel „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ auch auf Deutsch. Unbedingt lesenswert!

Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:

Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?

Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.

Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.

Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.

Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.

Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
  



Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012

25. Januar 2012

Sarah Harvey: Das Rosenhaus

Nach vierzehn gemeinsam in London verbrachten Jahren ziehen Lily und Liam nach Cornwall. Der 38jährige Liam tritt dort eine Traumstelle an, während Lily diesem Umzug nur widerwillig zugestimmt hat und mit Ausnahme ihres Mannes und ihrer Habseligkeiten alles war ihr lieb und teuer war in der Grossstadt zurücklassen musste. Das abgeschieden gelegene Traumhaus „Rose Cottage“ an der Küste ist ihr kein Trost. Während Liam von seiner neuen Tätigkeit völlig vereinnahmt wird, fühlt Lily sich im winterlichen und verlassenen Cornwall wie lebendig begraben. Die Kälte und der Nebel widerspiegeln deutlich ihr Stimmungslage und noch Wochen nach dem Domizilwechsel stehen die meisten Umzugkartons noch vollgegepackt herum.

Lily und Liam werden sich immer fremder. Doch gerade als die junge Frau nach einem heftigen Streit ernsthaft in Erwägung zieht, ihren Mann zu verlassen, verunfallt dieser auf einer Baustelle schwer. Die lange, schwere Rekonvaleszenz führt entgegen Lilys Erwartungen nicht zu einer Annäherung zwischen den Eheleuten, sondern entwickelt sich im Gegenteil zu einer zermürbenden Zerreisprobe. Wann waren die beiden letztmals selbstvergessen und sorglos beisammen? Werden sie nochmals zueinander finden?

Der Garten ist im Roman praktisch unbedeutend und wird nur ab und an kurz erwähnt, wenn etwa von steinernen Hochbeeten und vertrockneten Überresten ehemals üppiger Pflanzen die Rede ist. Eine Ausnahme bildet die Stelle, an welcher Lily im Garten radikal „aufräumt“ und sämtliche Rosen auf eine Höhe von ungefähr dreissig Zentimeter herunterschneidet oder eher massakriert. Zwar in hortikultureller Hinsicht kein Highlight, aber ein sehr einfühlsam und authentisch geschriebener Roman.



Sarah Harvey:
Das Rosenhaus
Piper Verlag, 2011

21. Januar 2012

Silvio Waser: Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann

In einer hiesigen wöchentlich erscheinenden Gratis-Zeitung findet sich regelmässig eine Kolumne mit dem Titel „kurz und püntig“. „Püntig“ ist eine Wortspielerei aus den Begriffen "bündig" und "Pünt", dem lokalen Dialektausdruck für Schrebergarten. In der Gartenspalte wird Lesern die Gelegenheit gegeben, ihren grünen Fleck vorzustellen und hortikulturelle Tipps zu veröffentlichen. Letzthin lautete der Titel „Gute Gartengeister“ und zu diesem Thema berichtete ein spiritueller Gärtner über seine diesbezüglichen Erfahrungen, die er zusätzlich im Eigenverlag in einer eigenen Publikation veröffentlicht hat.

Nun bin ich nicht unbedingt für Esoterik empfänglich und das Gebiet interessiert mich nicht gerade brennend. Da aber der Autor in derselben Stadt gärtnert wie ich, war ich doch neugierig auf das Buch. Dieses gibt einen detaillierten Einblick in die sogenannte feinstoffliche Welt der Natur, sprich das Reich der Elfen und Gnome. Man erfährt, mit welchen energetischen Hilfsmitteln die Erdheilung angekurbelt werden kann und liest über die Anreicherung von Giesswasser mit Informationen und über die Wirkung von Heilsteinen im Garten. Der Autor gibt des weiteren Anregungen, wie das Herz eines Gartens und ein passender Namen für denselben gefunden werden kann und er zeigt das Anlegen von Gartenmandalas und Hügelbeeten. Weitere Stichworte sind Meditation, Heilsymbole, Naturaltar, das Vermitteln von hautnahen Informationen an den Garten und Silvio Waser rät dem Gärtner, mit Hilfe eines Pendels mit dem Garten zu kommunizieren und diesen direkt nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu fragen.

Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet und die Publikation ist farbig illustriert, wobei die Fotos teilweise recht unscharf sind. Wie oft in Eigenpublikationen finden sich leider recht viele orthographische Fehler im Text. Während der durchaus interessanten Lektüre habe ich festgestellt, dass ich zu fest geerdet bin (oder vielleicht zu wenig?), um mit Spiritualität im Garten etwas anfangen zu können. Und gleicher Wohnort und gleiches grünes Hobby bedeutet ja noch lange nicht, dass man die gleichen Ansichten vertreten muss und die Vorlieben identisch sind.



Silvio Waser:
Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann
One Spirit Verlag, 2011

17. Januar 2012

Mary A. Agria: Garden of Eve – Life in the Garden Series 2

Die Fortsetzung des letzthin hier vorgestellten Buches “Time in a Garden” beginnt ungefähr fünfzehn Monate nach dem plötzlichen Tod von Adam Groft kurz vor der geplanten Hochzeit mit Eve Brennermann. Der trauernden Eve erscheint seither alles farblos und dunkel und ihr Herz ist eingeschlossen in einer gefrorenen Welt. Erinnerungen und die Bürde der Verantwortung für das von Adam geerbte Gartencenter sind alles war ihr von der grossen Liebe ihres Lebens geblieben sind, die so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden ist, wie sie aufgetaucht ist. Auch ihre Gartenkolumne für die lokale Wochenzeitung mag Eve nur mit grosser Mühe verfassen.

Da tritt unvermittelt die schwangere, mittellose Anise in ihr Leben. Eve bietet der jungen Frau ein Zimmer in ihrem Haus an. Und ganz langsam findet Eve wieder Freude am Leben. Sie geniesst die Anwesenheit der hilfsbereiten Anise, wohnen ihre Töchter und deren Familien doch einen halben Kontinent entfernt. Und nicht nur das Formulieren der wöchentlichen Kolumne läuft bald wieder wie von selbst, auch das Schreiben ihrer persönlichen Novelle kommt zügig vorwärts und die Publikation derselben erweist sich als richtiger Verkaufsschlager. Daneben ist Eve mit der Gründung einer Stiftung in Erinnerung an Adam beschäftigt.

Im Laufe der Lektüre erfährt man plötzlich von einer bis anhin unbekannten verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Adam und der als Adoptionskind aufgewachsenen Anise, die mir etwas arg konstruiert erschien. Die „Life in the Garden Serie“ soll aber weitergehen und ich freue mich trotzdem bereits auf Band 3 mit dem Titel „From the Tender Stem“. Wann diese erscheint, habe ich allerdings nicht herausfinden können.



Mary A. Agria:
Garden of Eve – Life in the Garden Series 2
Eigenverlag, 2011

13. Januar 2012

Hans-Jürgen Hennecke: Lindentod

Lindemann, ein gewissenhafter nicht mehr ganz junger Beamter und ausgeprägter Knoblauchliebhaber mit einer sozialen Ader, ist unter die Schrebergärtner gegangen. Seit kurzem hat er einen Kleingarten am Lindener Berg in Hannover gepachtet und träumt bereits von seiner Ernte. Insbesondere freut er sich auf schmackhafte Kirschen und Erdbeeren. Noch grösser ist im Moment nur die Vorfreude auf seinen wohlverdienten Urlaub, den er geruhsam in seinem 380 m2 grossen Garten zwischen Blumen und Sträuchern zu verbringen gedenkt.

So gemütlich wie Lindemann sich seine Ferien erträumt, werden sie dann aber nicht. Auf dem Parkplatz der Kleingartenanlage liegt eine Leiche. Mysteriöserweise verschwindet diese aber und ist nicht mehr aufzufinden. Dann taucht der angebliche Tote auf dem Laubenfest auf, löst sich aber auch hier wieder in Luft auf.

Auch sonst ist allerhand los in Hannover. Der Chefredaktor des „Lindenkuriers“ wird vermisst und im Teich der Schrebergartenanlage sollen illegal Giftmüllabfälle deponiert worden sein. Ausserdem kommt die Tante von Lindemanns Partnerin auf tragische Weise ums Leben, als sich an einem Lastwagen die ungenügend gesicherte Ladung löst und auf sie fällt. Einen weiteren Schrecken löst die Meldung aus, dass auf Satellitenfotos Bomben aus dem letzten Krieg entdeckt worden sind, die sich irgendwo unter den Parzellen der Kleingartenanlage am Lindener Berg befinden soll. Da wundert es den Leser kaum noch, dass sich in einem Hochbeet nicht nur Erde und Kompost finden lassen.

Aufgrund der Sondermüllabfall-Meldung wird allen Gärtnern der betroffenen Anlage davon abgeraten, Gemüse und Blumen aus ihrem Garten zu verwenden. Und wenn einem während des Urlaubes sogar das Ernten im eigenen Garten untersagt wird, muss man halt seine Zeit wohl oder übel mit anderen Tätigkeiten ausfüllen. Was liegt da für Lindemann näher, als selber etwas herumzuschnüffeln? In dieser Tätigkeit wird er von Pastor Sauerbier unterstützt und die beiden müssen sich bald die Frage stellen, ob die verschiedenen Vorkommnisse in jüngster Zeit einen Zusammenhang haben könnten.



Hans-Jürgen Hennecke:
Lindentod
Zu Klampen Verlag, 2010

9. Januar 2012

Josefa Amerstorfer: Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi

Im Garten der Blumenfreundin Grete ist eine hübsche Pflanzengesellschaft mit verschiedenen Charakteren versammelt. Dazu gehören eine stolze, eingebildete Zaubernuss, ein naiver Krokus, ein sturer, reisefreudiger Löwenzahn, eine liebenswerte, kratzbürstige Brennnessel und viele andere mehr.

Als nach dem Winter die ersten Frühblüher erwachen, bemerken diese sofort, dass die Gärtnerin Grete sich währende der kalten Jahreszeit verändert hat. Sie trägt nicht nur eine neue Frisur, auch ihr neuer Kleidungsstil hat nichts mehr mit den gewohnten einfachen und praktischen Klamotten gemeinsam, die sie bis anhin bevorzugt hat. Da sämtliche Pflanzen in diesem Zaubergarten mit der Schöpferin dieses blühenden Paradieses sprechen können, bleibt der Grund für die äusserliche Verwandlung nicht lange im Verborgenen. Nach einer gescheiterten Ehe und einem längeren Single-Dasein hat Grete endlich ihren Traummann gefunden und ist frisch verliebt.

Die verschiedenen Blumen, die oft den lieben langen Tag mit streiten verbringen, sind sich für einmal aussergewöhnlich einig, nachdem sie den Grund für Gretes Veränderung persönlich erlebt haben. Sie können Gretes Begeisterung für ihren Walter nicht teilen, er ist ihnen äusserst unsympathisch.

Kurze Zeit später wird nachts bei Grete eingebrochen. Die Gartenbewohner haben den Täter erkannt und wehren sich auf ihre Weise gegen den Eindringling. Die Igelfamilie quickt und der Rosenstrauch umgarnt ihn mit seinen stacheligen Ästen, so dass er sich darin verheddert. Damit stecken Salbei, Melisse, Pfefferminze und Co. mitten im Blumenkrimi. Und als sich tags darauf Walter von Grete trennt, sind nicht nur detektivische Fähigkeiten gefragt sondern auch Mitgefühl und Trost.

In dieser Lektüre kommt das umfangreiche Blumen- und Gartenwissen der Autorin auf jeder Seite stark ausgeprägt zum Ausdruck. Allerdings empfand ich die Dialoge zwischen den Blumen oft als langatmig und wiederholend.



Josefa Amerstorfer:
Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Agenda Verlag, 2009

5. Januar 2012

Antonia Michaelis: Wolfsgarten

Achim und Karl haben vor Jahresfrist das Kinderheim, das ihr bisheriges Zuhause war, verlassen können und in separaten Familien ein neues Leben angefangen. Der Kontakt zwischen den beiden ehemals eng befreundeten Jungs ist etwas eingeschlafen. Doch nun werden sie ans Krankenbett ihrer früheren Bezugsperson Maria gerufen, die plötzlich an einer seltsamen Krankheit leidet. Die Mittdreissigerin, die an den Heimzöglingen die Mutterstelle vertreten hat und selber kein eigenes Daheim hat, hat zuletzt von Achim und Karl gesprochen, bevor sie einen merkwürdigen Schlaf gefallen ist.

In einem von Maria verfassten, aber nicht abgeschickten Brief erfahren Achim und Karl von dunkelroten Hagenbutten mit weissen Tupfen und einem Märchen. Wenn man die Fliegenpilz-Hagenbutte in die Erde legt, soll man einen Wunsch frei haben und sobald daraus eine blühende Rose gewachsen ist und man deren Duft einatmet, soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Weiter ist die Rede von einem grünen Tor, das in einen wilden Garten führt, in dem ein altes Herrenhaus steht und von Wölfen, die dort herumstreunen.

In der verschlossenen Faust der tief schlafenden Maria entdecken die beiden Knaben eben eine solche weiss getupfte Hagenbutte und sie beschliessen, diese im Garten hinter der Mauer des Kinderheims einzupflanzen und für Maria einen Wunsch zu äussern. Mit einem Teelöffel graben sie abwechselnd ein Loch in den Kiesvorplatz, legen die Hagenbutte hinein und giessen diese mit etwas Apfelsaft an. Und wie im Märchen beschrieben, beginnt sofort ein Pflänzlein zu wachsen, das sich in kürzester Zeit in einen grossen Busch in Form eines Tores verwandelt und mit Rosenblüten übersät ist. Als die beiden Jungen den Rosenduft einatmen und durch das Tor gehen, scheint die Erde zu beben und sie finden sich in einem grossen ummauerten Garten wieder. Recht rasch bemerken sie bei Tagesanbruch, dass zwar das Kinderheim an seinem gewohnten Platz steht, aber sowohl Zugangsstrassen, Bushaltestelle und andere Gebäude fehlen. Wo sind sie da nur hingeraten? Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Warum kommen täglich Kinder in den Garten um zu rennen? Gibt es auf dem Gelände tatsächlich Wölfe, die nachts umherstreifen? Und was hat es mit der weissen und der schwarzen Gestalt und den verschiedenen im Garten gefundenen Spielsachen auf sich?

Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Zeitgeschichte, Abenteuer und Fantasie und wird in zwei Strängen erzählt. In die fiktive Geschichte werden das Ende der DDR, der Mauerfall sowie Hoffnung und Furcht eingewoben. Ein spannendes Jugendbuch, in dem die Fliegenpilz-Hagenbutte und der Rosenstrauch eine wichtige Rolle spielen. Auf dem Basler Jugendbücherschiff lassen sich doch immer wieder lohnenswerte Bücher entdecken!



Antonia Michaelis:
Wolfsgarten
KeRLE in der Herder Verlag GmbH, 2011

2. Januar 2012

Coleen Plimpton: Mentors in the Garden of Life

“Mentors in the Garden” ist wieder einmal ein Buch, bei dessen Lektüre ich bedauert habe, dass diese nach knapp dreihundet Seiten zu Ende war. Liebend gerne hätte ich noch mehr Gartengeschichten aus der Feder von Colleen Plimpton gelesen, die in ihrer Publikation Menschen vorstellt, die für ihr persönliches (Gärtner-)Leben wichtig sind oder waren. Die 31 Kapitel bestehen jeweils aus einem erzählenden Teil, einem s/w-Foto der zum Mentor passenden Pflanze und einer Beschreibung derselben samt Pflegehinweisen.

Ein starkes Interesse für Botanik zeigte Colleen Plimpton schon in ihrer Kindheit. Ihr kleines Gärtnerinnenherz schlug besonders heftig, als sie als zehnjähriges Mädchen auf dem Dachboden ein altes Gartenbuch aus dem Jahr 1924 entdeckte. Zur gleichen Zeit erhielt sie von ihrer Mutter für jeweils 100 gepflückte Löwenzahnblüten einen kleinen Batzen. Während für die gärtnerisch unbedarfte Mutter mit dem Verschwinden der Blüten der Rasen wieder perfekt zu sein schien, wusste ihre Tochter bereits genau, dass Löwenzahn nur dauerhaft entfernt werden kann, wenn man das Übel vor dem Versamen an der Wurzel packt, sprich samt Wurzel entfernt. Ein Wissen, das Coleen aber wohlweisslich für sich behalten hat.

Anfang der 1970er-Jahre wollte Coleen Plimpton als junge Frau ihr Buchwissen über das Anlegen von Kompost praktisch umsetzen. Dabei ging irgendwie vergessen, dass grüne und braune Grundstoffe nötig sind. Als sie für ein paar Tage abwesend war, entdeckte ihre Mitbewohnerin nach Reklamtionen von Nachbarn über Geruchsimmssionen, dass der ganze Haufen in Bewegung, sprich voller Maden war, worauf sie das gesamte sich im Zersetzungsprozess befindende Material im Wald entsorgte, um keinen Rauswurf aus der Wohnung zu riskieren. Spätere Kompostierungsversuche waren einiges erfolgreicher und einmal wurde im Umzugswagen sogar reifer Naturdünger von New Jersey nach Connecticut gekarrt (einschliesslich unzähliger Samen von Johny jump-up-Veilchen).

Die Autorin hat sich ihre gärtnerische Erfahrung zunächst hauptsächlich durch Ausprobieren und Lesen angeeignet. Verschiedene durch Beförderungen ihres Mannes bedingte Umzüge mit ihrer Familie stellten sie immer wieder vor neue hortikulturelle, teilweise auch klimatisch bedingte Herausforderungen. Inzwischen hat sie sogar ihrem angestammten sozialen Beruf den Rücken gekehrt und betätigt sich hauptberuflich als Autorin, Gärtnerin und sie hält Lesungen und gibt Kurse zum Thema Garten.

In diesem sehr persönlichen Buch lernen wir nicht nur die wichtigsten Personen aus Colleens Umfeld kennen, wir erfahren von ihrem persönlichen Hirsch-Krieg, der dazu geführt, dass sie ein äusserst probates Mittel entwickelt hat, das diese Tiere vom Garten fernhält. Und heutzutage teilt sie ihr Wissen auch gerne mit anderen und wir lesen wie sie sich jeweils nach ihren Umzügen ein neues grünes Umfeld aufbaut, Freunden und Bekannten in gärtnerischen Belangen hilft, Gartenkolumnen verfasst, eine Ausbildung im Botanischen Garten von New York absolviert und schliesslich ihr Unternehmen „Morning Glory Gardens“ auf die Beine stellt. Und zwischen all diesen Tätigkeiten hunderte von Seiten Tagebücher schreibt.

Hier der Link zu einer Lesung der Autorin.



Colleen Plimpton:
Mentors in the Garden of Life
Park East Press, 2010

30. Dezember 2011

Christine Becker: Helleborus in unseren Gärten und Helleborus – Eine Monografie

Eine eher achtlos gepflanzte Helleborus erweckte Jahre nach ihrer Pflanzung wegen ihrer schönen Blüten und nicht zuletzt wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit plötzlich die Aufmerksamkeit der Fotografin Christine Becker und entfachte damit eine bis heute andauernde Leidenschaft und gleichzeitig die Möglichkeit, die kalte Jahreszeit durch erste Blühhöhepunkte zu überbrücken. Längst gibt sich die Autorin nicht mehr mit dem Pflanzenmaterial zufrieden, das sie auf Märkten und im Internet findet, sondern sie betätigt sich selber als Züchterin.

Deutschsprachige Literatur über Christ- oder Lenzrosen ist eher Mangelware. Diese Lücke füllt Christine Becker nun gleich mit zwei Büchern, die 2010 und 2011 erschienen sind: „Helleborus in unseren Gärten“ und „Helleborus – Eine Monografie“. In diesen Publikationen gibt sie ihr Wissen, ihre Erfahrung und nicht zuletzt ihren Enthusiasmus an interessierte Leserinnen und Leser weiter.

Im schmalen Büchlein „Helleborus in unseren Gärten“ gibt die Autorin auf knapp 80 Seiten einen kurzen Überblick in Legenden, Geschichte und Zucht rund um die Vorfrühlingsblüher. Themen wie Pflege und Krankheiten sowie Bezugsquellen runden die Publikation ab, die mit eigenen Fotos der studierten Fotografin illustriert ist. Dieses Büchlein ist übrigens ein schönes Beispiel, das auch unter dem Label „Books on Demand“ optisch ansprechende Bücher produziert werden können.

Für den anspruchsvolleren lesenden Gärtner, der vielleicht schon längst weiss, dass Christrosen kein Dasein im Schatten fristen möchten und müssen, sondern auch an einem sonnigen Plätzchen gut gedeihen, und der sein Wissen über Helleborus vertiefen möchte, ist die deutlich aufwendigere Produktion „Helleborus – Eine Monografie“ zu empfehlen. Diese ist in folgende Kapitel gegliedert:

- Spurensuche
- Synonyme
- Heilkunde und Experimente
- Legenden, Fabeln, Dichtung und Mythen
- Beschreibung der Arten
- Pflege
- Gartenhybriden
- Blüten à la Trompe-l’oeil – Schönheit der Vergänglichkeit
- Das Buch, Literatur und Anmerkungen, Bild- und Bezugsquellen

Im Kapitel „Spurensuche“ gibt die Autorin einen ausführlichen Überblick über Philosophen, Theologen, Mediziner, Dichter, Künstler, Botaniker und Enthusiasten, die sich in den vergangenen Jahrhunderten mit Helleborus beschäftigt haben. Über die Herkunft des Namens Helleborus gibt es verschiedene Auslegungen, doch kann keine schlüssig belegt werden. Ebenso vielfältig und nicht über jeden Zweifel erhaben war die Verwendung der giftigen Pflanze als Heilmittel. So wurden zu Zeiten des berühmten römischen Dichters Horaz Helleborusrezepturen zusammengemischt, die den Geist erweitern und erfrischen sollten. Vor Nachahmungen wird deutlich abgeraten! Daneben spielte die Pflanze in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in Komödien und Dramen eine Rolle. Und erst viel später nahm die kostbare Pflanze auch ihrer Schönheit wegen Einzug in die europäischen Gärten - ein Trend, der bis heute ungebrochen ist.

Im geschichtlichen Überblick dürfen natürlich auch Züchternamen wie Helen Ballard, Elizabeth Strangman, Graham Rice und Eric Smith nicht fehlen. Daneben erwähnt die Autorin auch Briefmarkenserien, auf welchen Helleborus abgebildet sind, führt fast unzählige volkstümliche Namen für die beliebte Giftpflanze auf (z.B. Hemmer, Schneekannerl, Lauskraut, Gärbala) und erklärt, dass der Niesen, ein Berg bei Spiez am Thunersee, nach der Nieswurz benannt worden sein soll.

Das Kapitel „Beschreibung der Arten“ enthält eine kurze botanische Systematisierung, die schematische Darstellung einer Blüte, Beschreibungen der stammlosen und stammbildenden Arten sowie Abbildungen von Blattformen von Wildpflanzen, Gartenformen, Züchtungen und Hybriden, die einen Eindruck über deren Vielfältigkeit vermitteln. Rund sechzig Seiten der informativen und inspirierenden Publikation sind mit ganzseitigen Fotos der Autorin und Fotografin bedruckt, die das Liebhaberherz höher schlagen lassen und Begehrlichkeiten wecken. Gemeinsam mit den abgebildeten Drucken und Stichen ist das Buch eine wahre Augenweide und auch für Kunstfreunde interessant. Abgeschlossen wird die teilweise zweisprachige Publikation (deutsch und englisch) durch ausführliche Hinweise zu weiterführender Literatur und Anmerkungen zur Spurensuche sowie Bild- und Bezugsquellen. Als etwas störend, weil den Lesefluss hemmend, empfand ich einzig die spezielle Schrift, welche die Konsonantenkombinationen „st“ und „sb“ miteinander verbindet.

Auch in meinem Garten wachsen ein paar Orientalis-Hybriden, deren Blüten ich nicht missen möchte. Zwar ärgere ich mich beinahe jährlich über mich selber und meine Unfähigkeit, die welken Blütenstände rechtzeitig zu entfernen, welche mir regelmässig beinahe unzählige Sämlinge beschert, deren Entfernen mit Sicherheit mehr Zeit beansprucht, als das Abknipsen der Samenanlagen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die bereits in den „Startlöchern“ stehende nächste Blütenpracht und verbringe die Zeit im warmen Sofagarten unter anderem mit Schmökern im gerade wiederentdeckten Buch „Zeitlos flattern Blütenträume …“, ebenfalls von Christine Becker. Darin plaudert sie (vor ihrer Helleborus-Infizierung) über ihren Garten und zeigt eigene Aufnahmen aus demselben.


Christine Becker:
Helleborus – Eine Monografie
Edition Viridit Art, 2011

Helleborus in unseren Gärten
Books on Demand, 2010


Webseite von Christine Becker: www.helleborus-hellebores.com (das Buch ist nur direkt bei der Autorin oder via Amazon erhältlich)

27. Dezember 2011

Ulla Lachauer: Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin

In ihrem aktuellen Buch „Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin“ gibt Ulla Lachauer der 1933 mit „schlechten Äugle“ geborenen Enkelin eines Freiburger Malermeisters eine Stimme. Der kleine Wildfang Magdalena konnte trotz schwerer Sehbehinderung bereits im Alter von vier Jahren viele verschiedenen Farben Blau unterscheiden. Die starke Trübung der Augenlinsen liess bei Magdalena andere Sinne viel ausgeprägter entwickeln. Ihr guter Hörsinn war ihr beispielsweise in den Kriegsjahren eine Hilfe, da sie die anfliegenden Bomber jeweils als erste vernahm und auch mit der Verdunkelung hatte das ans Dunkle gewohnte Mädchen weniger Mühe als Sehende. Trotz ihrer starken Sehbehinderung konnte Magdalena mit dem linken Auge zunächst lesen, wenn sie das Gedruckte direkt ans Auge hielt. Später erblindete sie vollständig.

Schon als Kleinkind half Magdalena gerne im Garten und spielte auch häufig dort. Sie roch an Blüten, streichelte über Blätter und entwickelte eine Vorliebe für den Genuss von sauren Begonienblüten. Zu ihren ersten gärtnerischen Tätigkeiten gehörte das Einpflanzen ihrer Lieblingspuppe in einen Hortensientopf. Diese sollte nämlich durch ordentliches Giessen auch so gross werden wie die Puppe ihrer Cousine. Das Vorhaben war leider nicht von Erfolg gekrönt. Pflanzenkunde wurde ihr vom Grossvater beigebracht und mit einer Klassenkameradin streifte sie auf dem Schulweg durch eine stillgelegte Baustelle, um dort Blumen zu sammeln und zu essen. Viele Jahre später hat sie einen eigenen Garten – häufig eine Quelle der Freude, aber oft auch von Enttäuschung und Wut, etwa wenn sie beim Jäten den Salat nicht vom Unkraut unterscheiden kann.

Die Biografie gibt einen detaillierten Einblick ins Leben der blinden Gärtnerin. Der Leser erfährt von Magdalenas vom Krieg überschatteter Kindheit, ihren Jahren in einem Marburger Internat, ihrer beruflichen Tätigkeit im Büro bei der Post und von der Heirat und Ehe mit ihrem Mann, einem Dorfschullehrer. Neben Anekdoten aus Schulzimmern lesen wir vom schwierigen, zeitintensiven Führen eines Haushalts mit Sehbehinderung, von Magdalenas ausgeprägtem Kinderwunsch und der Angst davor, die Krankheit zu vererben, vom Hadern mit der katholischen Kirche, von Fernweh und nicht zuletzt von einer russischen Adligen namens Galina, die Magdalena eine unschätzbar wertvolle Lehrerin in Sachen Garten war.

In die Erzählung eingebettet sind zumeist doppelseitige Beiträge aus dem aktuellen Leben der blinden Gärtnerin; einem ausgesprochen schwierigen Gartenjahr. Denn die Frau muss sich wegen einer bevorstehenden Herzoperation schonen und die bewährte Arbeitsteilung zwischen ihr und ihrem Mann – sie fürs Feine, er fürs Grobe – muss entfallen. Kein Pikieren von Tomatenpflänzlein. Was bleibt sind das Zurückschneiden der Clematis und nächtliche Aufenthalte im Garten. Auf dem Liegestuhl die Ohren gross machen und lauschen was nachts im Garten abgeht: Kämpfe zwischen rivalisierenden Katzen, knistern, rascheln, krabbeln…

Noch mehr interessanten Lesestoff mit hortikulturellem Hintergrund gibt’s in Ulla Lachauers Buch „Der Akazienkavalier – Von Menschen und Gärten (2008).



Ulla Lachauer:
Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin
Rowohlt Verlag, 2011



Die blinde Gärtnerin - Das Leben der Magdalena Eglin (TB-Ausgabe)
rororo, 2013

13. Dezember 2011

Dies und das

Falls Sie noch ein Last-Minute-Geschenk für lesende Gartenfreunde suchen, lohnt sich vielleicht ein Besuch auf der Homepage des Restsellers Jokers. Seit das Angebot um nicht preisreduzierte Artikel erweitert worden ist, macht mir persönlich das Stöbern auf diesen Seiten zwar nicht mehr halb so viel Spass. Das Navigieren, sprich Finden von Schnäppchen ist nämlich viel mühsamer geworden - oder vielleicht hab ich einfach noch nicht herausgefunden, wie ich die Normalpreisigen-Bücher bei der Suche komplett ausschalten kann. Trotzdem habe ich mir gerade zwei schöne Bücher gegönnt: „Der chinesische Garten“ von Maggie Keswick und „Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse. Beide Titel kosten nur noch einen Bruchteil vom ursprünglichen Verkaufspreis.

Gleichzeitig bin ich wieder einmal am Überlegen, ob ich mir doch gelegentlich einen E-Book-Reader anschaffen soll. Denn gerade bin ich über einen Download von Noel Kingsbury gestolpert mit dem Titel „Meetings with Remarkable Gardeners – Beth Chatto“. Dieses Buch würde mich zwar sehr interessieren, aber leider gehört es zu den immer häufigeren Publikationen, die nicht mehr in Papierform gekauft, sondern nur noch heruntergeladen werden können. Vielleicht wäre die Anschaffung eines E-Book-Readers ja eine elegante Möglichkeit, der drohenden Platzknappheit auf dem Büchergestell entgegenzuwirken?

Aus aktuellem Anlass lese ich gerade wieder einmal in „Nuancen aus Grün“ der kürzlich verstorbenen Christa Wolf. Unter diesem Titel sind Geschichten und Szenen aus ihren Erzählungen herausgelöst und mit grossartigen Fotos zusammengestellt worden. Inspierend sind auch die vielen Fotos in der Monografie „Helleborus“ von Christine Becker, die ich gerade lese und demnächst hier vorstellen werde.

Nach diesem Blog-Beitrag mache ich bis zu den Weihnachtstagen Pause und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine friedliche und besinnliche Adventszeit und genügend Zeit und Musse, um zwischen dem Einpacken von Geschenken und dem Guetsli-Backen ein wenig in einem spannenden Buch lesen zu können. Vor dem Jahresende werde ich nach Lust und Laune noch den einen oder anderen Titel aus der Liste mit den gelesenen Bücher rechts im Blog auswählen und meine Vorstellung online stellen. Und in der blogfreien Zeit werde ich es vielleicht einmal schaffen, dem zwar erst in der Entstehung begriffenen Schlossgarten in nächster Umgebung einen Besuch abzustatten. Dieser wird nämlich vom hier schon mehrfach erwähnten Landschaftsarchitekten, der kürzlich mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist, umgestaltet und nächstes Jahr mit Pro Specie Rara-Pflanzen bestückt.

9. Dezember 2011

Mary A. Agria: Time in a Garden

Eve Brennermann ist Anfang sechzig und seit einiger Zeit verwitwet. Nach einer rund dreissigjährigen, mehrheitlich unglücklichen Ehe, hält sich ihre Trauer über den Verlust ihres untreuen Mannes eher in Grenzen. Um ihre Vergangenheit abzustreifen, ist sie in das Haus ihrer Grossmutter im ländlichen Michigan gezogen. Die Töchter der deutschstämmigen Frau wohnen weit weg und ihre einzigen Freundinnen sind die wenigen Frauen, die sich mit ihr zusammen ehrenamtlich in einer Gartengruppe engagieren, die ein vernachlässigtes Stück Land in den „Aurelius Community Garden“ verwandeln will.

Beruflich ist Eve für die ums Überleben kämpfende Lokalzeitung „Xenaphon Weekly Gazette“ tätig. Als ihr Vorgesetzter von ihrem Engagement für die Gartengruppe erfährt, erteilt er ihr den Auftrag, eine wöchentliche Gartenkolumne mit dem Titel „Time in a Garden“ zu schreiben.

Die hauptsächlich aus noch einigermassen rüstigen Seniorinnen und Senioren bestehende Gartengruppe erhält mit Adam Groft ein neues kompetentes Mitglied mit hortikulturellem Hintergrund. Der Mittsechziger hat sein Leben lang vermieden, enge Beziehungen einzugehen und ist erst nach dem noch nicht lange zurückliegenden Tod seines Vaters zurück in die Heimat gekehrt, um die grosse väterliche Gärtnerei zu übernehmen.

Eve und Adam sind sich ähnlicher als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Beide sind „beziehungsgeschädigt“. Diese Tatsache und das gemeinsame gärtnerische Interesse bildet bald das Fundament für ein zartes Band zwischen den beiden. Sie harmonieren dermassen gut, dass schon bald ein Hochzeitsdatum festgelegt wird. Doch was meinen Eve’s Töchter zum neuen Mann in ihrem Leben? Die eine gibt ihr immer noch unterschwellig die Schuld an der Untreue des verstorbenen Mannes, während die andere nicht versteht, warum Eve nicht schon lange vor dem tödlichen Unfall Konsequenzen gezogen und sich getrennt hat. Mitten in Eve’s diesbezüglichen Überlegungen platzt die Nachricht, dass das Gelände des Gemeinschaftsgartens der Verbreitung der örtlichen Autobahnzufahrt weichen soll.

Adam und Eva im Garten Eden? Das Ende des Romans ist leider nicht paradiesisch, weckt aber gerade deshalb noch stärker die Neugier auf die Fortsetzung mit dem Titel „Garden of Eve“. „Time in a Garden“ ist eine sehr einfühlsame, lebensnahe Lektüre mit spannenden Charakteren, deren Schicksal einem auch nach der letzten gelesenen Seite noch beschäftigt. Die tiefgreifenden Veränderungen in Eve’s Privatleben finden auch Ausdruck in ihren wöchentlichen Kolumnen. Diese werden im Laufe des Buches immer persönlicher und sind nicht zuletzt wegen den vielfältigen Gartentipps eine willkommene Auflockerung des Romans für die lesende Gärtnerin.



Mary A. Agria:
Time in a Garden
Naturals Editions, 2006

5. Dezember 2011

Sandra Rutschi: Im Schrebergarten

Der eher enttäuschende Ausflug an die Buch Basel 2011 (trotz Vergrösserung doch immer noch sehr klein …) fand durch die Entdeckung des Buches „Im Schrebergarten“ von Sandra Rutschi in einer gut sortierten Buchhandlung doch noch einen versöhnlichen, ja perfekten Abschluss. Es ist doch immer wieder schön, wenn sich in Buchläden gleich zwischen den grossformatigen Bildbänden und Titeln für Gartenanfänger auch Romane finden lassen, die thematisch ausgezeichnet in den Sofagarten passen! Dies gilt umso mehr, wenn es sich um einen dermassen spannend geschriebenes Erstlingswerk handelt wie dieses, das die jüngere Geschichte der Schweiz um die Unabhängigkeit des Juras vom Kanton Bern in ein hortikulturelles Umfeld bettet oder beetet. Zum Inhalt:

Die 44jährige Anna Gerber ist Mutter von drei erwachsenen Kinden und passionierte Schrebergärtnerin. In ihrer langjährigen Ehe ist die Leidenschaft längst einer Gleichgültigkeit gewichen und sie und ihr Mann Paul bilden inzwischen hauptsächlich eine Zweckgemeinschaft. Anna stellt sich immer wieder die Frage, was sie beide überhaupt noch verbindet. Im Garten hingegen ist ihre Welt in Ordnung, meistens jedenfalls. Da gibt es nur sie und die Natur. So bemerkt sie denn im Frühling 1964 auch sofort, dass im lange vernachlässigten Häuschen auf der Nachbarsparzelle jemand eingezogen ist, der anscheinend nicht gesehen werden will.

Beim Neuzuzüger handelt es sich um den jungen jurassichen Unabhängigkeitskämpfer Pierre Bergier, der sich unter dem Namen Jean-Luc Montavon im Schrebergarten vor der Polizei versteckt. Nach einer ersten eher peinlichen Begegnung stellen sich der untergetauchte Medizinstudent und die Mittvierzigerin vor, wobei Jean-Luc die wahren Beweggründe für seinen Aufenthalt im Schrebergartenareal verschweigt. In der Folge treffen sich die beiden an den Werktagen auf einer Bank an der Aare und reden stundenlang miteinander. Sie spricht über ihre Familie, den Garten und übers Stricken, er über sein Studium und sein Heimweh nach Familie und Freunden. Annas Leben wird plötzlich kompliziert, als sie erfährt, wer Jean-Luc wirklich ist, zu welchen Taten er bereit ist, um seine Gesinnung zu verteidigen und als sich zwischen den beiden eine intime Beziehung entwickelt.

„Der Franzose hat sie umgebracht“. Dieser Satz ist alles, was die Journalistin Katja Schild über den rätselhaften Tod ihrer Grossmutter Anna Gerber weiss, die sie nie kennengelernt hat. Sie arbeitet für eine Berner Tageszeitung und fast ein halbes Jahrhundert nach dem Ableben von Anna Gerber gehört das Jura-Dossier seit kurzem eher unfreiwillig zu Katjas Zuständigkeitsgebiet. Ihr Interesse gilt aber je länger je mehr der Aufklärung der Umstände, die zum Tod ihrer Grossmutter geführt haben. Ist diese tatsächlich von einem unbekannten Franzosen ermordet worden?

Zeitgleich kehrt der seit zwei Jahren verwitwete Pierre Bergier nach einer zufälligen Begegnung, die alte längst verdrängte Erinnerungen in ihm geweckt hat, in den Schrebergarten zurück. Jahrzehntelang hat er nicht mehr an Anna gedacht, wusste schon fast nicht mehr, ob er sich die Liebschaft mit der älteren Frau nur eingebildet hat. Doch die intensiven Gespräche an der Aare mit der Bernerin Anna haben den Jurassier nachhaltig geprägt. Anna wie auch seine spätere Ehefrau Claudia aus Bern haben ihn nicht nur in Erklärungsnotstand in der Wahl seiner Mittel zum Zweck der Erreichung der jurassischen Unabhängigkeit gebracht, sondern auch dazu, seine Überzeugungen grundsätzlich zu hinterfragen. So sehr, dass Bern schliesslich für den im Jura hernach als Verräter geltenden Freiheitskämpfer schon lange zu seiner zweiten Heimat geworden ist.

Während Katja sich ins Jura-Dossier einarbeitet und gleichzeitig versucht, das Familiengeheimnis zu lüften, möchte man ihr immer wieder „dranebliebe“ zurufen und „bleib hartnäckig“. Denn immer wieder verpasst sie den Franzosen nur ganz knapp. Der Roman wird in zwei Erzählsträngen geschildert und die Autorin versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und zu halten. Gleichzeitig habe ich den Einblick in die Journalistentätigkeit und in die jüngere Schweizer Geschichte geschätzt. Ich weiss jetzt (wieder) etwas mehr über den jüngsten Kanton als die nunmehr schemenhafte Erinnerung, dass ich mir seinerzeit in der Schule plötzlich einen neuen Kanton einprägen musste. Der Buchpreis liegt für mein Empfinden an der oberen Schmerzgrenze – aber ein
Klein(st)verlag muss nun mal anders kalkulieren als ein Grosskonzern. Unbedingt lesen!


Sandra Rutschi:
Im Schrebergarten
Nydegg Verlag, 2011

1. Dezember 2011

Karine von Rumohr: Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten

Nach "Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten" versucht Karine von Rumohr in ihrem zweiten Bildband innert Jahresfrist nun herauszufinden, ob Männer anders gärtnern als Frauen. Bereits im Vorwort verrät sie ihre Erkenntnis aus intensiven Gesprächen mit den achtzehn im Buch portraitierten Gärtnern. Sie konnte weder bekannte Klischees zementieren noch widerlegen. Bei den portraitierten Männern kommen nämlich weder technische Hilfsmittel besonders häufig zum Einsatz noch wird weniger als bei Gärtnerinnen auf detailgetreue Bepflanzung geachtet und selbstverständlich erschöpft sich ihr Tätigkeitsgebiet nicht auf das Anfeuern des Grills und das Schieben des Rasenmähers.

Philipp Huthmann beispielsweise kann nichts mit Gartendekoration anfangen, aber er mag Symbole, wie den Steinpfeil, den er vor seinem Teich platziert hat. Das Objekt soll den Blick vom Boden weg in die Bäume hinauf locken. Das 13‘000 Quadratmeter grosse Grundstück des passionierten Pflanzensammlers, der auch offen zugibt, Pflanzen zu stibitzen, ist aber nicht nur Richtung Himmel, sondern auch in tieferen Ebenen und in Erdnähe eine genaue Betrachtung wert. In rund vierzig Jahren hat Huthmann im kühlen Allgäuer Klima ein umfangreiches Gehölz- und Staudensortiment zusammengetragen und er hat seine Gartenwelt in Bereiche wie „Alpen“, „Südfrankreich“ oder japanisch und chinesisch inspirierte Räume aufgeteilt. In seinem Garten stehen sogar Spezialitäten wie die Franklinia alatamaha und die Stewartia pseudocamellia sowie verschiedene Orchideen-Raritäten.

Von Berufs wegen gärtnert Klaus Jentsch. Der Staudengärtner hat schon als Kind Pflanzen gesammelt. Ins Buch hat er Aufnahme gefunden, weil er als Schneeglöckchenliebhaber annähernd 200 verschiedene Sorten zusammengetragen hat. Im Portrait erfahren wir, dass er keineswegs zu den Romantikern untern den Galanthophilen gehört. Das wirtschaftliche Interesse steht im Vordergrund, lässt sich aber erfreulicherweise hervorragend mit der enormen Schneeglöckchen-Vielfalt kombinieren.

Der Garten von Hans-Jörg Gensch gleicht einer Spezialitätengärtnerei. Wo man hinschaut, fällt der Blick auf Semperviven. Versammelt sind diese in 6‘000 Töpfen, alle ordentlich etikettiert und auf Hochtischen stehend oder in Schalen und Trögen, die den Weg säumen. Gensch ist ausserdem Moderator einer eigenen Internet-Plattform, wo er sich virtuell mit rund 250 Gleichgesinnten austauscht, die sich beispielsweise gegenseitig im Identifizieren der häufig nur schwer zu unterscheidenden Hauswurz-Schönheiten unterstützten.

Die vorgestellten Gärten sind ebenso verschieden wie ihre Gärtner. Der eine hat um die 9‘000 Duftrosen des englischen Züchters David Austin in seinem parkähnlichen Garten, während sich ein anderer über das Romantisieren rund um Rosen nervt und von Mörderrosen spricht, die in seinem Garten die Wurfanker nach oben auswerfen. Ein Dritter empfindet die Dynamik der Entwicklung von Stauden und die Selbstaussaat als eine Art von Kunst, ein weiterer Gärtner präsentiert ein aufgeräumtes grünes Reich und wieder andere träumen davon, ihre Visionen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Neben den bereits im Text namentlich erwähnten Männern werden folgende Gärtner portraitiert: Stephan Aeschlimann Yelin, Roland Doschka, Horst Forytta (Der Garten von Marihn), Justus Franz, Landgraf Moritz von Hessen, Godehard Graf von und zu Hoensbroech, Sepp Holzer (Permakultuer im Tauerngebirge), Mathias Hoyer (Aceretum), Thomas Kimmich, Fernando José de Mascarenhas Marquês de Fronteira, Georg Möller und Achim Weitershagen (Link zu meiner Buchvorstellung über den Oehndorf-Garten), Jörg Pfenningschmidt, Jörg Stellmacher, Dr. Tomas Tamberg (Iris- und Hemerocallis-Zürchter) und Hans-Dieter Warda. Natürlich wird man als Leserin und Leser kaum restlos mit der Auswahl der aussergewöhnlichen Gärten und ihrer Schöpfer einverstanden sein und vermisst vielleicht den einen oder anderen Gärtner. Nichtsdestotrotz ein sehr schönes und überaus informatives (Weihnachts-)Geschenk für den Buchgärtner, das verschwenderisch mit Fotos von Alex Killian illustriert ist. Und falls Sie nach der Lektüre von "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" Lust auf mehr Lesefutter über gärtnernde Männer haben: im Februar 2012 erscheint das nächste Buch zum Thema ("Sein Garten" von Stefan Leppert).



Karine von Rumohr:
Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2011

28. November 2011

Carey Wallace: Die blinde Contessa und ihre Maschine

Carolina Fantoni verfügt über eine übersprudelnde Fantasie. Schon seit längerer Zeit spürt sie, dass ihr Augenlicht schwindet und hat begriffen, dass sie in Kürze vollständig erblinden wird. Weder ihre Eltern noch ihr Verlobter Pietro schenken ihrer diesbezüglichen Eröffnung Glauben sondern glauben an eine Ausgeburt von Carolinas Fantasie. Nur ihr Jugendfreund Turri nimmt sie ernst. Und zwar nicht nur in dem Augenblick, wo er auf einer Wiese liegend Regen in seine Augen prasseln lässt, bis er selber für ganz kurze Zeit nichts mehr sehen kann.

An Carolinas siebtem Geburtstag hat sie seinerzeit von ihrem Vater einen See geschenkt bekommen und ihre Liebe zur Abgeschiedenheit entdeckt. Täglich ist sie am Ufer anzutreffen und an der Verkleinerung der Seegrösse kann die junge Contessa das Fortschreiten ihrer Augenkrankheit abmessen und abschätzen.

Kurz nach der Hochzeit verliert Carolina den letzten Sehrest und auch ihr Mann Pietro kann diese Tatsache nicht mehr ignorieren. Die Contessa findet es sehr rasch ermüdend, ihren an ständige Bewunderung gewöhnten Ehemann alleine bei Laune zu halten und seinen Kummer über ihren Verlust des Augenlichts zu mindern. Die junge Frau flüchtet sich in ihre Träume. Doch plötzlich eröffnet ihr der Tüftler Turri mit einem Geschenk völlig unerwartet neue Welten: er hat ihr eine Schreibmaschine gebaut, auf welcher sie selbständig korrespondieren kann. Noch ohne Farbband, aber mit zwei Blättern, von welchen das eine mit Russ beschichtet ist und durch den Anschlag der zierlichen Hämmer eine Spur auf dem unteren Blatt hinterlässt.

Neben ihren Träumen findet Carolina hauptsächlich Trost in ihren nächtlichen Treffen mit Turri an ihrem See. Kann er sie überzeugen, ihr jetziges Leben wie eine Hülle abzustreifen und mit ihm zusammen, der sich als Schreibmaschinenbauer verdingen will, neu anzufangen?

Hortikulturell gibt es nicht übermässig viel zu berichten. Immer mal wieder werden Zitronen erwähnt und es ist auch mal die Rede von Äpfeln, Pflaumen und Rosen, die auf Zitronenbäume gepfropft worden sind. Es wird aber nicht weiter darüber berichtet, wie das Experiment ausgegangen ist. Carolinas Vater gärtnert gerne und der Familiengärtner beklagt sich über die unmögliche Forderung, im Schatten von Zitronenbäumen ein Blumenparadies heranziehen zu können. Hingegen erlaubt das Buch einen Einblick in die Geschichte der Erfindung der Schreibmaschine. Gemäss meinen Nachforschungen im Internet kann diese Erfindung aber keiner bestimmten Person zugeschrieben werden, da an unterschiedlichen Orten verschiedene Tüftler erste Schreibmaschinen hergestellt haben.



Carey Wallace:
Die blinde Contessa und ihre Maschine
Bloomsbury Verlag Berlin, 2011

25. November 2011

Christian Pfarr: Zaubernuss

Ein Stadtschreiber auf der verzweifelten Suche nach einem Konzept für ein elektronisches Tagebuch, ein spurlos verschwundener Kunststudent, der zuletzt in einem Gewächshaus des botanischen Gartens gesehen wurde, Marco Polos „Blauer Stern“, eine Zaubernuss (Hamamelis virginiana), umgestürzte Totempfähle – das sind die Zutaten, die Christian Pfarr zu einem Krimi mit Mainzer Lokalkolorit mixt.

Der Autor bezeichnet sein Buch als Mainz-Krimi, Wissenschaftssatire, Liebesgeschichte, Komödie und als Hommage an Sherlock Holmes und Co. Die Aufzählung könnte um die Stichworte „für lesende Gärtner oder gärtnernde Leser geeignet“ ergänzt werden.

Bis der Stadtschreiber Martin Eicher zusammen mit Pater Stephan Braun herausfindet, welcher Patient mit der abgeschabten Zaubernuss-Rinde medizinisch versorgt wird und welche neue Spezies einem Orchideenzüchter gelungen ist, muss sorgfältig abgeklärt werden, was drei Professoren mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten für Partikularinteressen verfolgen. Was verbindet ein Rechengenie, ein Kenner der mittelalterlichen Naturwissenschaft und ein ausgewiefter Kenner der Kunst des Goldmachens?



Christian Pfarr:
Zaubernuss
Leinpfad Verlag, 2008

21. November 2011

Simon Bonsai: Surviving Polly

Simon Bonsai (nomen est omen oder wohl doch eher Pseudonym?) reist kreuz und quer durch Grossbritannien, um auf Märkten, an den verschiedensten Veranstaltungen und in Einkaufszentren seine zurechtgestutzten Bäumchen zu verkaufen. Diese sind seiner Meinung nach die schönsten, die es im ganzen Land zu kaufen gibt.

„Surviving Polly“ erzählt ein Jahr aus dem Leben von Simon Bonsai und seiner exzentrischen Freundin Polly. Dabei begegnen wir Konkurrenten in Sachen Bonsai-Verkauf, die dem Autor und Händler schon mal grundsätzlich nicht das Wasser reichen können, lernen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Einkaufszentren und Pubs kennen und erfahren einiges über die unterschiedlichen angepeilten Campingplätze. Zwischen den Fahrten an die Verkaufsorte geht es auch immer mal wieder nach Holland zum Bonsai-Grosseinkauf.

Simon entdeckte seine Liebe zu Bonsais eher zufällig, als er vor Jahren längere Zeit in Afrika gelebt hat. Die interessantesten Stellen im Buch sind denn auch jene, die von diesem Land und seinen Leuten handeln oder wenn der Autor Details zu Hege und Pflege von Bonsais einflechtet. Er berichtet vom Umtopfen, vom Giessen und davon wie er an den Bäumchen herumschnipselt und diese mit Schere und Draht in Form bringt und wie er entlang von stark befahrenen Strassen Moos für seine Bäumchen sammelt. Simons Affinität zum Gärtnern ist mit seiner beruflichen Beschäftigung mit Bonsais erschöpft. Auf die Frage, was er in seinem Garten anbaut, antwortet er nämlich (Zitat):“I grow tired in my garden“.

Das Leben des Erzählers ist wie das Buch selber nicht besonders spannend. Verschiedene Episoden werden gar mehrfach erwähnt. Vielleicht hätte ich länger und begeisterter gelesen, wenn die Publikation nicht fast 400 eng beschriebene Seiten aufgewiesen hätte. Doch irgendwann um die Mitte des Buches herum, hat die Sofagärtnerin genug über die Anfahrten zu Märkten und Einkaufszentren - mit oder ohne Stau, mit oder ohne Verspätungen wegen Polly, mit oder ohne Ärger mit oder wegen Polly - gelesen, und die Seiten mehrheitlich nur noch überflogen.



Simon Bonsai:
Surviving Polly
Athena Press, 2005

17. November 2011

Johanna Verweerd: Späte Ernte

Nach langen Jahren, die er im Ausland verbracht hat, kehrt Chris im Jahr 2003 zu seinen Wurzeln zurück. Seine Mutter ist krank, und er möchte nicht wie ein Jahrzehnt früher als sein Vater gestorben ist, zu spät kommen. Grund genug, aus seiner neuen Heimat Neuseeland, wo er die Apfelplantage „Gold Apple Garden“ mit einer Grösse von rund 550 Hektaren führt, nach Holland zu fliegen. Doch wie soll er seiner Schwägerin Catharina begegnen, die einmal der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen ist?

Ein erster Rundgang durch den Apfelgarten seiner Jugend zeigt ihm schonungslos, dass es nicht gut um das ehemals ehrwürdige Herrenhaus Mejlanden und die Obstkulturen steht. Die Gärten machen einen vernachlässigten, ja verwilderten Eindruck und die Bäume scheinen seit Jahren nicht geschnitten worden zu sein. Zwar sind viele der Hochstammbäume voll reifer Äpfel, aber Pflücker sind keine auszumachen.

Seit Chris vor Jahrzehnten seiner Heimat den Rücken gekehrt hat, ist die Zeit in Holland nicht stehen geblieben. Er muss lernen, dass das Land, wie er es in seiner Erinnerung aussah, längst nicht mehr existiert. Für das auf Mejlanden angebaute Obst gibt es keine Nachfrage. Eine Umstellung auf Bio-Produktion wäre eine Möglichkeit, die Verkäufe zu steigern. Auf Drängen von Chris Nichte Willemijn wurde bereits ein Teil des Geländes für Schrebergärten in Parzellen aufgeteilt und interessierten Gärtnern zur Verfügung gestellt.

Wenigstens steht es um die Gesundheit der Mutter nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Sie ist zwar dement, doch ihr Gesundheitszustand hat sich wieder stabilisiert. Sein Bruder hingegen, der Mejlanden mit seiner Frau Catharina führt, ist an MS erkrankt. Und eine im Raum stehende Gebietsreform sieht vor, dass das Obstanbaugebiet einer Industriezone weichen soll. Konfrontiert mit all diesen und noch weiteren Problemen wie Immigration und Zersiedelung stellt Chris fest, dass er Effi vermisst. Effi, die ihm seit Jahren den Haushalt führt, sich auf seiner Apfelplantage unentbehrlich gemacht hat und deren Anwesenheit ihm immer wie selbstverständlich erschienen ist. Erst tausende Kilometer von daheim entfernt, entdeckt Chris endlich, was er an seiner polynesischen Partnerin hat.



Johanna Verweerd:
Späte Ernte
Brunnen Verlag, 2006

13. November 2011

Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth: Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis

Sind Sie mit gewissen Ecken in Ihrem Garten nicht ganz glücklich oder stehen Sie gar vor der Herausforderung eine noch „leere“ Fläche nach eigenem Gutdünken zu gestalten? Dann finden Sie im Buch „Gartengestaltung“ von Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth ein wahres Füllhorn an praxisnahen Ideen und Tipps, die bei der Entwicklung vom vagen Traum eines auf die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittenen Gartenentwurfs und der Umsetzung desselben in den persönlichen Traumgarten ausgesprochen hilfreich sind.

Das erste Kapitel „Inspiration – Vielfalt der Gartenstile“ gibt in groben Zügen Einblick in die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, dem Garten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Soll es ein Naturgarten mit Blumenwiesen werden, oder stehen eher ein romantisch-verträumter Garten, ein formaler und eleganter Entwurf oder vielleicht eine asiatisch angehauchte Bepflanzung zur Debatte? Das Buch stellt aus der Vielfalt der Gartenstile unter anderem den Cottagegarten, den Kiesgarten und den mediterranen Garten vor. Die Autoren betonen immer wieder, wie wichtig es ist, sich mit der Gartengestaltung genügend Zeit zu lassen, um Ideen zu sammeln und auch wieder zu verwerfen. Natürlich ist ein Buch und sei es noch so vollgepackt mit Informationen wie das vorliegende nur einer der verschiedenen Wege die Richtung Wunschgarten zu gehen sind und ersetzt nicht den Besuch von Schaugärten, öffentlichen Anlagen und Privatgärten. Der Schwerpunkt bei solchen Gartenbesichtigungen sollte laut Thinschmidt und Böswirth dabei auf regionale Gärten gelegt werden, weil hier Klima und Bodenbeschaffenheit mit den heimischen Begebenheiten weitgehend übereinstimmen und gleichzeitig von Erfahrungen aus Erfolg und Misserfolg der dort wirkenden Gärtner profitiert werden kann. Was im Nachbarsgarten gut gedeiht, wächst mutmasslich auch im eigenen Garten.

Nun ist es höchste Zeit für eine Bestandesaufnahme, die als Grundlage für die Entwürfe und Skizzen dienen kann. Notiert und aufgezeichnet werden neben Grundriss, Haus und Nebengebäuden auch der vorhandene Bestand an Pflanzen und Gehölzen, die Bodenverhältnisse, Angaben zu Licht- und Schattenverhältnissen mit dem Sonnenverlauf. Bevor in einem weiteren Schritt Wunschliste und Bestandesaufnahme im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und allenfalls der eigenen handwerklichen Fähigkeiten in Einklang gebracht werden können, sollte man sich ein wenig mit den Grundlagen der Gartengestaltung auseinandersetzen. Im gleichnamigen Kapitel erfährt der interessierte Leser Wichtiges zu Flächen und Formen, Perspektive und Strukturen, der Wirkung von Farben und Formen und dem Gestalten mit unterschiedlichen Werkstoffen und über die gezielte Verwendung von optischen Tricks. Eine grosse Menge an Fotos unterstützt den Leser bei der Entscheidungsfindung von Gartenstil, Elementen, Materialien und Bepflanzung.

Verschiedene Gartenelemente stehen im Fokus des nächsten Kapitels mit dem Titel „Von Sitzplätzen und Wegen – Gartenelemente“. Stichworte dazu sind vertikale Abgrenzungen und das Schaffen von Räumen, aber auch Technik und kleine Bauwerke wie Pergolen oder Gartenhaus, Beläge, Spielgeräte, Wege, Treppen, Sitzplätze, Möblierung, Dekorationsobjekte, Accessoires, Wasser und Beleuchtung.

Was wäre ein Garten ohne Bepflanzung? Auf über hundert Seiten geht es schliesslich ausführlich um die Pflanzenauswahl und ums Gestalten mit Pflanzen. Im Serviceteil werden weiterführende Literatur und Adressen von Vereinen, Bodenuntersuchungsinstituten, Bezugsquellen usw. aufgelistet. Ein Register rundet die gelungene praxisorientierte Publikation ab, die viele Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit einer Neu- oder Umgestaltung eines Gartens auftreten. Das Buch ist nicht nur für den Gartenneuling empfehlenswert, auch bereits erfahrenere Hobbygärtner werden ihr Wissen dank der wohldurchdachten und erprobten Ratschläge erweitern können. Hilfreich sind besonders auch die einzelnen Kapitelzusammenfassungen, wo auf Vor- und Nachteile von beispielsweise Materialien hingewiesen wird und dabei auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden.



Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth:
Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis
Kosmos Verlag, 2011

9. November 2011

Andrea Haumer: Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr

Andrea Haumer gibt ein eigenes Online-Magazin heraus (Lifeart) und schreibt regelmässig eine Gartenkolumne mit dem Titel „Gartenlust“ für den österreichischen Kurier Freizeit. In ihrem gleichnamigen Buch führt sie den Leser in monatlichen Kapiteln durchs Gartenjahr und durch ihr grünes Reich. Jeweils rund zehn Seiten sind vollgepackt mit Informationen und Inspirationen zum Monatsthema, gegliedert in Essays, Gartentipps, Expertenwissen und den neuesten grünen Trends.

So steht beispielsweise der Monat Februar unter dem Motto Bodenbearbeitung, Bodenkunde und dem Züchten von Erde. Ein Mikrobiologe erklärt, warum das früher fleissig propagierte Umgraben der obersten Erdschicht katastrophale Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Mikroorganismen hat. Der Monat März wiederum ist dem Thema Gemüse gewidmet und im Mai sorgen kaiserliche Blütenträume für Höhepunkte: es geht um Pfingstrosen und japanischen Ahorn, während im Juni die Seiten mit Wissenswertem über die Rose gespickt sind und im Juli die Marille (Aprikose) dominiert. Wasserschönheiten, Kugellauch, Stauden und Gartengeräte stehen in den Folgemonaten im Mittelpunkt.

„Gartenlust“ ist zweifellos ein wunderschön illustriertes Buch mit tollen Fotos, die sich auch ausgezeichnet in einem Kalender machen würden. In dieser Mischung aus Ratgeber und Bildband werden wie beispielsweise in der Rubrik "Im grünen Trend" zwar etliche Themen angerissen, aber - wohl nicht zuletzt aus Platzgründen - meist nur oberflächlich besprochen und die (Pflanzen-)Auswahl dünkt mich eher zufällig.

Und wer mag zum Zielpublikum dieser Publikation gehören? Eher weniger der ambitionierte Hobbygärtner, der sich mit praktischem Gärtnern und durch intensives Lesen entsprechender Literatur bereits ein umfangreiches Wissen angeeignet hat als der Gärtner oder die Gärtnerin, die sich noch nicht sehr lange mit Garten und dem Drumherum beschäftigen. Bildband, Ratgeber oder Praxisbuch? Von allem etwas - vielleicht einfach ein schön gestaltetes grossformatiges Lesebuch, das man gerne mal durchblättert und sich an einem Winterabend an den schönen Bildern erfreut und gleichzeitig vom nächsten Frühling träumt.

Und jetzt muss ich doch mal noch genauer nachforschen, ob die Zaubernuss (Hamamelis) tatsächlich eine Staude ist oder - wie ich bisher immer geglaubt habe - ein Gehölz…



Andrea Haumer:
Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr
Callwey Verlag, 2011

5. November 2011

Ann Krentz as Amanda Quick: The Perfect Poison

Lucinda Bromley, einer jungen Botanikerin im England gegen Ende der viktorianischen Ära, haftet der schlimme Verdacht an, ihren Verlobten heimtückisch vergiftet zu haben. Beweise für diese angebliche Tat sind keine beizubringen. Dennoch beherrschte dieser Skandal wochenlang die Schlagzeilen und Lucinda wird seither weitgehend geächtet. Da sie aber über die spezielle Gabe verfügt, Gifte – speziell solche aus dem Pflanzenreich – riechen zu können, greift die Polizei immer wieder auf ihre Hilfe zurück, wenn es darum geht, mysteriöse Todesfälle aufzuklären, bei denen davon ausgegangen wird, dass eine Vergiftung zum Ableben geführt hat.

Als Lucinda von Inspector Speller zur Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn gerufen wird, stellt sie sofort fest, dass dieser eindeutig vergiftet worden ist und dem Giftcocktail Bestandteile eines Farns, Ameliopteris amazonensis, beigemischt worden sind. Diese Erkenntnis schockiert die junge Botanikerin. Denn in ganz England gibt es nur ein Exemplar dieser seltenen Spezies, das sie selber von ihrer letzten Expedition mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater mit nach Hause gebracht hat. Und bis vor einem Monat stand diese eine Pflanze in ihrem Wintergarten, wo sie gestohlen worden ist. Lucinda befürchtet, sofort wieder unter Tatverdacht zu geraten, und behält deshalb die Feststellungen aus ihrer Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn für sich. Gleichzeitig engagiert sie aber Caleb Jones, den Inhaber einer „psychical investigation agency.“, der über übersinnliche Fähigkeiten und als Mitglied der Arcane Society über ausgezeichnete Beziehungen verfügt. Er soll für sie herausfinden, wer hinter dem Farndiebstahl steckt und folglich auch in den Mord an Lord Fairburn involviert sein muss.
Schon bei der ersten Begegnung zwischen den beiden psychisch empfindsamen Menschen fliesst eine spezielle Energie.

Empfehlenswert für alle, die sich vom paranormalen Hintergrund des Romans nicht abschrecken lassen. Unter diesem Link lässt sich nachlesen, wie und warum die Autorin dazugekommen ist, einen Farn in die Geschichte einzubauen:



Ann Krentz as Amanda Quick:
The Perfect Poison
Jove Books, 2010

1. November 2011

Anke Kuhbier: Kluge Menschen und ihre schönen Gärten

"Besondere Frauen und ihre Gärten", "Künstler und ihre Gärten", "Modeschöpfer und ihre Gärten", "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" und nun also "Kluge Menschen und ihre schönen Gärten" – in den letzten Jahren sind immer wieder Bücher über besondere Menschen und ihre Gärten erschienen. Anke Kuhbier führt uns nun in ihrem neuen Buch als Gast in die Gärten von Denkern, Künstlern, Dichtern und Staatsmännern und zeigt uns diese Persönlichkeiten mit Schwerpunkt auf deren gärtnerischen Interessen und damit von einer oft unbekannten Seite. Einige dieser klugen Menschen sind samt ihren botanischen Interessen schon oft zwischen zwei Buchdeckeln vorgestellt worden oder haben wie beispielsweise William Robinson und Gertrude Jekyll selber Bücher über die Resultate veröffentlicht, die sie dank ihrer grünen Daumen erziehlt haben. Die hortikulturellen Vorlieben von anderen hingegen sind eher unbekannt.

Die jeweils achtseitigen Portraits sind gegliedert in einen erzählenden Teil, Fotos, eine kurzen Zusammenfassung über die Besonderheiten des jeweiligen Gartens und werden ergänzt durch Gartenpläne und Bilder von Werken der portraitierten Person. Haben Sie gewusst, dass sich auch Staatsoberhäupter wie George Washington, Winston Churchill und Konrad Adenauer in ihrer spärlich bemessenen Freizeit gerne mit Gärtnern beschäftigten und nichts gegen Erde unter den Fingernägeln einzuwenden hatten? Gleich drei gärtnernde Maler sind mit ihrer Inspirationsquelle vertreten: Claude Monet und sein Giverny, Max Liebermann und sein Wannsee-Garten sowie Emil Nolde und sein Garten im norddeutschen Seebüll. Stellvertretend für die schreibende Gilde stehen die Aufzeichnungen über Johann Wolfgang von Goethe, George Sand, Hermann Hesse, Bert Brecht oder Vita Sackville-West. Weiter vertreten sind Johann Gottfried Herder, Rudyard Kipling, Loki Schmidt, Moritz Landgraf von Hessen und Christoph Graf Douglas.

Speziell interessiert hat mich das Portrait über Hugh Johnson, dessen regelmässigen Beiträge im englischen Journal Hortus unter dem Titel „ Tradescant Diary“ ich schon lange genauso schätze wie sein Buch „In the Garden“ mit gesammelten Artikeln aus der Publikation „The Garden“ der Royal Horticultural Society. Letztere sind ebenfalls unter dem Pseudonym "Tradescant" verfasst worden. In der britischen Gartenszene war übrigens jahrelang darüber spekuliert worden, wer sich hinter dem Namen "Tradescant" verbirgt. Hugh Johnson ist nicht nur ein fulminanter Weinkenner und –kritiker sondern auch ein anerkannter Dendrologe, der auf seinem Grundstück über 1000 verschiedene Gehölze stehen hat und er zeichnet ausserdem als Verfasser des Gartenstandardwerkes „The Principles of Gardening“. Im vorliegenden Buch habe ich nun erstmals Bilder aus Johnsons grossem Garten gesehen. Seiner Gartenphilosophie entsprechend führt er einen eher  zurückhaltender Kampf gegen Unkraut, dabei hat er genaue Vorstellung darüber, welche Bilder und Stimmungen er mit seiner Bepflanzung hervorrufen möchte. Anke Kuhbier schreibt in diesem Zusammenhang von einer (Zitat) "gekonnten Mischung aus naturnahem Wildwuchs und gezielten gestalterischen Massnahmen". Das Portait macht neugierig, die gärtnerischen Geheimnisse des Feinschmeckers Hugh Johnson zu erkunden!

Das Buch „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“ ist überaus verschwenderisch bebildert, die Qualität einzelner Fotos fand ich allerdings teilweise etwas enttäuschend. Besonders beeindruckend hingegen sind die mit Blumen bedruckten Pergamentseiten, die jedes Kapitel eröffnen. Abgerundet wird die gelungene Produktion durch Kurzbiografien, die analog zu den Portraits nach Geburtsjahr der vorgestellten Persönlichkeiten geordnet sind. Ein schönes Geschenk für Gartenfreunde und Leser und Leserinnen, die gleichzeitig historisch interessiert sind!



Anke Kuhbier:
Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
Callwey Verlag, 2011

29. Oktober 2011

J. M. Coetzee: Leben und Zeit des Michael K.

Michael K. kommt mit einer Hasenscharte zur Welt. Diese äusserliche Entstellung ist gepaart mit einem einfachen Intellekt und kein sehr erfolgsversprechender Start ins Leben. Die Mutter lehnt ihr Kind ab und so verbringt Michael K. den Grossteil seiner Jugendzeit in einem Heim. Als junger Erwachsener findet er Arbeit beim Gartenbauamt der Stadt, bleibt aber weiterhin ein Einzelgänger. Als er 31 Jahre alt ist, wird der Wunsch der kranken und bestimmenden Mutter immer fordernder, Kapstadt zu verlassen und auf Land zu ziehen, wo diese aufgewachsen ist. Doch die erforderliche Ausreisegenehmigung lässt auf sich warten. Schliesslich flüchten die beiden mit einer Art Handkarren, in welchen die Mutter eingepfercht ist und der vom Sohn gezogen wird, vor den kriegsähnlichen Zuständen.

Die Strapazen dieser fast unendlichen Reise übersteigen die Kräfte der kränkelnden Mutter. Sie stirbt noch auf dem Weg nach Prince Albert. Mit seinen wenigen verbliebenen Habseligkeiten, etwas Geld und einem Paket, das die Asche seiner Mutter enthält, zieht Michael K. alleine weiter. Er betrachtet es als seine Aufgabe, die sterblichen Überreste der Mutter an ihren Geburtsort zu tragen.

Nach verschiedenen Zwischenfällen, wie der Ausbeutung durch Soldaten, die ihm fast sein ganzes Barvermögen abknöpfen und der temporären Zwangseinteilung in eine Arbeiterkolonne, glaubt der Flüchtling die gesuchte Farm aus Mutters Kindertagen gefunden zu haben. Die Gebäude sind längst verlassen und genau wie das Umland völlig vernachlässigt. Michael K. richtet sich in einer Erdhöhle ein und baut Kürbis und Melonen an.

Völlig auf sich allein gestellt, weiss er nicht recht, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Bis anhin hatte sich immer irgendwer bemüssigt gefühlt, ihm Aufträge und Befehle zu erteilen. Es scheint ihm zu genügen, den Rest seines noch jungen Lebens in dieser Abgeschiedenheit zu verbringen. Er möchte den Boden bestellen und sich von seiner Hände Arbeit ernähren. Diese relative Freiheit ist aber ständig von der Angst überschattet, entdeckt zu werden und sie ist auch nur von kurzer Dauer.

Das Buch ist in drei Teile von unterschiedlicher Länge gegliedert. Nach dem umfangreichen ersten Teil, den ich oben kurz zusammengefasst habe, wird der mittlere Teil aus der Perspektive eines Apothekers erzählt, der als Sanitätsoffizier für die Pflege des in ein Wiedereingliederungslager gesteckten Michael K. verantwortlich ist. Dieser Pfleger ist der einzige, der sich intensiv für Michael K., den er durchgehend falsch Michaels nennt, interessiert. Er versucht, an ihn heranzukommen und ihn samt seinen Handlungen und Bewegründen zu verstehen. Im kurzen dritten Teil wird Michael K.‘s Leben nach der Flucht aus dem Lager thematisiert.

Allfällige Berührungsängste gegenüber dem Autor und Nobelpreisträger J.M. Coetzee können Sie getrost ignorieren - lassen Sie sich doch auf eine lohnende (Wieder-)Entdeckung ein!



J. M. Coetzee:
Leben und Tod des Michael K.
Fischer Verlag, 1997/2003

25. Oktober 2011

Geschichten übern Gartenzaun und Neues übern Gartenzaun - DVDs aus dem DDR-TV-Archiv

Dank einer kleinen Notiz mit einer DVD-Empfehlung habe ich in den letzten Monaten bei garstigem Wetter meine heimsportlichen Verpflichtungen immer mal wieder mit Schrebergartengeschichten aus dem DDR-TV-Archiv verbunden. „Geschichten übern Gartenzaun“ ist eine vergnügliche Familienserie aus den frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit nostalgischem Charme. Die drei DVDs enthalten sieben Episoden mit rund 60 Minuten Spielzeit und handeln von den Beziehungen zwischen den Parzellennachbarn sowie inner- und ausserfamiliären Konflikten. Die Geschichten heissen:
  • Ein warmer Regen
  • Die Bäume schlagen aus
  • Maikühle
  • Wochenendbesuche
  • Vertrauen ist gut
  • Hundstage und
  • Die Leistungsschau

Im Mittelpunkt der Folgen steht Claudia, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen Garten in der fiktiven Dresdner Kleingartensparte „Ulenhorst“ übernehmen kann. Die älteste Tochter, eine angehende Gärtnerin, hat hier ein tolles Experimentierfeld und die drei jüngeren Geschwister genügend Platz für Kleintierhaltung und zum Spielen. Claudias Freund Manfred ist vom Projekt Schrebergarten zunächst weniger begeistert. Trotzdem packt er immer wieder mit an, denn nicht nur im Garten, sondern auch im stark heruntergekommenen Häuschen gibt es viel zu tun. Mit einer Pinselrenovation ist es nämlich nicht getan.

Nicht alle Parzellennachbarn heissen die Neuankömmlinge herzlich willkommen. Im Ablauf der Jahreszeiten lernt man die Schrebergärtner mit ihren Macken und Vorlieben gut kennen und meint bald, diese persönlich zu kennen und leidet auch mal mit, wenn jemand zu Unrecht des Kaninchendiebstahls verdächtigt wird oder die zwei plötzlich aufgetauchten Enkel sich als grosse Enttäuschung entpuppen.

Für den kommenden Indoor-Sport-Winter bin ich nun ebenfalls gerüstet. Ich habe nämlich entdeckt, dass eine weitere DVD-Box mit dem Titel „Neues übern Gartenzaun“ erschienen ist, so dass ich mich zwar nicht gerade auf Schnee und Eis freue, aber vielleicht mit etwas mehr Begeisterung auf den Stepper stehe als auch schon. Obwohl wegen Todesfall und Ausreise von Hauptdarstellern in die BRD anscheinend gewöhnungsbedürftige Umbesetzungen von Rollen vorgenommen worden sind, freue ich mich also bereits auf das Angucken der nächsten Folgen aus „Ulenhorst“. Falls Sie sich diese DVDs zulegen wollen, bitte daran denken, dass die Qualität nicht mit heutigen Produktionen mithalten kann (was dem Sehvergnügen aber keineswegs abträglich ist).



Geschichten übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2010

Neues übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2011

21. Oktober 2011

Noel Kingsbury: Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese

Die Arbeiten, sprich Gärten, von Penelope Hobhouse, Arabella Lennox-Boyd, John Brookes, Christine Orel oder Piet Oudolf sind dem interessierten Publikum hinlänglich bekannt oder ausführliche Informationen lassen sich zumeist relativ einfach beschaffen. Doch wie sieht wohl der nichtöffentliche Garten eines professionellen Gartengestalters aus? Wird hier zum Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit frischfröhlich nach Lust und Laune gebuddelt und eingepflanzt oder wird zuerst ein durchdachtes Konzept erstellt? Antworten auf diese Fragen finden sich in Noel Kingsburys Buch „Gärten!“, das hinter die privaten Hecken von fünfundzwanzig Gartengestaltern aus aller Welt blicken lässt.

Die illustrierten Portraits sind aufgeteilt in einen erzählenden Teil, eine Kurzbiografie, eine Auflistung öffentlich zugänglicher Gärten des entsprechenden Designers und eine Doppelseite mit dessen ausgewählten Lieblingspflanzen. Diese hier vorgestellten privaten Gärten, die teilweise auch als Schaugärten dienen, sind nicht minder verschieden als die kreativen Köpfe dahinter und dies liegt nicht nur daran, dass diesen in verschiedenen Klimazonen liegen. So finden sich im Garten der ehemaligen Malariaforscherin Christine Facer ein „Garten der kosmischen Evolution“ und ein Eingang ins Chaos-Tor (Chaos-Theorie). Dieser Garten ist nämlich ein Synonym für die wissenschaftlichen Interessen seiner Gestalterin, in welchem sich wie in einem Buch lesen lässt.

Katie Lukas aus Grossbritannien hat sich ihr Wissen durch learning by doing und einem Fünftagekurs in Planung der English Gardening School angeeignet. Sie gibt denn auch an, nur ungern vor einem weissen Blatt Papier zu sitzen, das mit kreativen Ideen gefüllt werden soll. Glücklich ist, wer wie die Gartengestalterin Jacqueline van der Kloit von sich behaupten kann, nicht zu arbeiten, sondern sein Geld mit einem bezahlten Hobby verdienen zu können und sich auch nicht vorstellen kann und will, in Rente zu gehen und sogar das Urlaubsende herbeisehnt!

Cleve West besitzt in der Stadt einen Mini-Garten, der nur beschränkt Raum für Experimente zulässt, weshalb er und seine Partnerin zusätzlich einen Kleingarten gepachtet haben, wo die beiden viel Gemüse anbauen. Mindestens so wichtig wie das Gärtnern ist den beiden das Treffen mit Freunden und Gartennachbarn. Und nicht zuletzt ist der Schrebergarten ein guter Ideenlieferant, auf den West schon beim Verfassen einer Fernsehkomödie oder beim Schreiben seines aktuellen Buches „Our Plot“ zurückgegriffen hat.

Neben den bereits weiter oben im Text erwähnten Namen werden die folgenden Gartengestalter in Wort und Bild vorgestellt: James Alexander Sinclair, Julian und Isabel Bannermann, Sue Berger, Roberto Burle Marx, Tracy DiSabato, Nancy Goslee Power, Naila Green, Isabelle Greene, Raymond Jungles, Jantiene T. Klein Roseboom, Ulf Nordfjell, Mien Ruys, Lauren Springer Ogden und Scott Ogden, Tom Stuart-Smith, Joe Swift und James van Sweden.

Über verschiedene der hier vorgestellten Gartengestalter und ihre Gärten habe ich schon öfters in einschlägigen englischen Publikationen gelesen und fand es nun sehr interessant, für einmal über deren privaten Paradiese zu lesen und Fotos aus denselben zu betrachten. Weitergehende Informationen über die Gartengestalter und Gartengestalterinnen finden sich im Serviceteil des Buches, wo neben einem Register und einer Liste mit Veröffentlichungen der portraitierten Gartendesigner auch deren Internet-Adressen aufgeführt sind.



Noel Kingsbury:
Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

17. Oktober 2011

Susanne Mittag: Sternenkraut

Die dreizehnjährige Stella hat einen besonders ausgeprägten grünen Daumen. Statt mit anderen Mädchen in ihrem Alter zu spielen, spricht sie lieber mit Pflanzen und hängt im väterlichen Blumenladen herum. In der Schule wird sie denn auch Kräuterhexe genannt. Stellas Mutter Flora ist gestorben als sie zwei Jahre alt war. Eben hat das Mädchen zufällig herausgefunden, dass es sich bei der Zweitsprache, die sie von klein auf beherrscht und die sonst niemand aus ihrem Umfeld spricht und versteht, nicht um Walisisch handelt, wie sie immer geglaubt hat, und ist über diese Entdeckung ziemlich verwirrt. Während sie sich immer noch über ihre speziellen Sprachkenntnisse wundert, steht plötzlich ein seltsam gekleideter Mann mit Gehrock und Zylinder samt einer seltsamen Pflanze vor ihrer Haustüre. Der Fremde spricht ihre unbekannte Sprache und sucht nach einem Schlüssel, den Stella später bei den Sachen ihrer Mutter findet.

Tags darauf wird sie von einem seltsamen Jungen namens Kian angerempelt und in eine Falle gelockt. Unvermittelt findet sie sich dank Hilfe des Schlüssels in einer fremden Welt wieder, in welcher die Zeit ums Jahr 1900 stehen geblieben ist. Stella soll mit Kian und dem Mann, der bei ihr zuhause vor der Türe gestanden hat, eine Mission erfüllen. Ziel ist, möglichst viele Pflanzen aus einer Höhlenwelt zu besorgen, damit Kians schwer kranker Vater und viele andere Patienten mit einem Extrakt aus dem Gewächs geheilt werden können.

Da Stella der magische Schlüssel weggenommen worden ist, kann sie nicht mehr zurück zu ihrem Vater und muss wohl oder übel mit in die Höhlenwelt. Dort dienen Pilze als Lichtquelle und erlauben sogar das Wachsen von Kopfsalat, Broccoli, Rotkohl, Bohnen und Kräutern. Hier wird Stella auch erstmals als Pflanzenflüsterin bezeichnet und sie erfährt von einer anderen Pflanzenflüsterin den Namen der gesuchten Pflanze: Sternenkraut. Das Gewächs soll einen festen Stängel aufweisen und grasähnliche fingerlange Blätter und rote Blüten haben.

Die Suche nach der Heilpflanze führt durch dunkle Höhlen und Gänge und sie entpuppt sich als lebensgefährliches Abenteuer. Gleichzeitig kommt Stella dem Ursprung ihrer Begabung als Pflanzenflüsterin auf die Spur und sie findet heraus, weshalb sie die Sprache des Höhlenvolks spricht und warum sie überhaupt einen Schlüssel besitzt, der die Magie des Reisens in andere Welten und die Magie der Sprache in sich trägt.

Spannendes Jugendbuch auch für Erwachsene! Ein lohnender Spontankauf, zurückzuführen auf eine zufällige Entdeckung in einer Buchhandlung. Ausschlaggebend für die Auswahl waren das ansprechende Titelbild und die Entdeckung, dass eine wichtige Figur im Buch den nicht sehr geläufigen Namen einer mir nahestehenden Person trägt.



Susanne Mittag:
Sternenkraut
Verlag Carl Ueberreuter, 2011

13. Oktober 2011

William Graffam: Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde

Schon der Titel dieses humorigen Buches lässt vermuten, dass da einer nicht ganz freiwillig in der Erde herumwühlt. Es ist denn auch die Frau des erzählenden Pastors, die lange von einem Garten geträumt hat und diesen Wunsch nach einem Umzug aufs Land endlich Wirklichkeit werden lassen will. Schliesslich steht nun rund um die Pfarrei ein grosses Stück Land zur Verfügung, dass nur darauf wartet in einen prächtigen Garten Eden verwandelt zu werden.

Die treibende Kraft im Projekt Garten, sprich die Pfarrersfrau, versucht also, ihren Mann mit ihrer Begeisterung anzustecken. Sie probiert es mit aufmunternden Worten wie „du brauchst unbedingt sportliche Betätigung und frische Luft!“. Oder „Gartenarbeit ist gesund und du nimmst Anteil an der Schöpfung“, worauf der Pastor kontert, er betrachte gärtnern nicht als Schöpfung sondern Erschöpfung.

Als Graffam dieses Buch verfasst hat, konnte er auf einige Jahre praktischer Erfahrung im grünen Bereich zurückblicken und berichtet nun unter dem Titel „Ach, du liebes Grün!“ über seine Erlebnisse beim Aneignen diverser zweckdienlicher Fertigkeiten rund ums Haus. Dabei hat er nicht vergessen anzumerken, der tiefere Grund für das Schreiben dieser Zeilen diene dazu, auf ihn und andere Leidensgenossen aufmerksam zu machen und ihnen die zustehende Portion Mitleid zukommen zu lassen.

Beim Lesen der Kapitelüberschriften wird Neugierde geweckt und die Vorfreude auf hortikulturelle Anekdoten wächst bei Titeln wie „Rasen(d) mähen“, „Feindesland“, „Garten-Moden“, „Leichtbauweise“ oder „Von wegen gesund“. Beim Weiterlesen wird der gärtnernde Leser nicht enttäuscht. Da berichtet Pastor Graffam, warum er es lieber gesehen hätte, wenn im Fernseh-Krimi ein Hersteller von Fertig-Gartenhäusern ermordet worden wäre statt des Erbonkels. Hat Graffam beim Aufstellen eines solchen das 2. Gebot doch etwas überstrapaziert. Etwas mehr Begeisterung zeigt der Autor, ein gebürtiger Amerikaner, für die Idee seiner Liebsten, einen englischen Garten anzulegen. Schliesslich gelten die Engländer ja nicht als so fleissig wie die Deutschen, woraus er schlussfolgert, dass ein englischer Garten ein Synonym für einen pflegeleichten Wald- und Wiesengarten ist.

Herrlich erfrischende Lektüre!



William Graffam:
Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde
Kosmos Verlag, 2011

9. Oktober 2011

Christine Trüb: Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten

In einer Buchhandlung wird eine Frau gleich beim ersten Satz einer Neuerscheinung mit dem Titel „Une vie discrète“ vom Geschriebenen gefesselt. Sie fühlt sich um ein paar Jahre zurückkatapultiert, als sie sich genau wie die Romanfigur mit einem weissen Zettel in der Hand aufmachte, einem ihr bis anhin unbekannten Menschen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Während der Suche der richtigen Adresse nochmals zögerlich überlegend, ob es tatsächlich angebracht ist, eine lange verborgene Liebe ans Licht zu zerren und einen Menschen kennenzulernen, der im Parallelleben ihres Vaters ohne ihr (der Tochter) Wissen über Jahrzehnte einen wichtigen Platz innehatte. Möchte sie tatsächlich ihr bis anhin unbekannte Seiten am Vater entdecken? Einem Mann, den sie so gut zu kennen geglaubt hatte? Und feststellen müssen, dass ihre Wahrnehmungen und Gefühle nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten? In ihr Zögern mischten sich Erinnerungen daran, wie immer wieder das Telefon dreimal kurz läutete und abrupt verstummte und der Vater entgegen seinen üblichen Gewohnheiten jede Gelegenheit nutzte, lange Telefongespräche zu führen – sobald die Mutter ausser Haus war.

Die Tochter hat damals mit dem Zettel in der Hand den kleinen Schritt mit grossen Folgen gewagt und die Geliebte ihres Vaters in ihr Leben gelassen. Sie hat erfahren, wie sich die beiden kennengelernt haben, hörte von einer nicht lange dauernden Trennung und der Wiederaufnahme der Fernbeziehung und wie nahe sich ihr Vater und diese Frau trotzdem waren, von den Träumen der beiden und der unerfüllten Sehnsucht, nach England zu ziehen und ein gemeinsames Leben zu beginnen. Warum hat den beiden der Mut dazu gefehlt? Die Mutter und Frau des Vaters hat irgendwann von der Geliebten ihres Mannes erfahren. Während ihre Welt auseinanderbricht, sie nach Gründen und Erklärungen sucht, weigert sich der Mann zu reden und verharmlost die angeblich längst beendete Beziehung.

Die Dreiecksgeschichte wird abwechslungsweise erzählt aus der Sicht der Tochter, der seit Jahrzehnten verheirateten Frau und – kursiv gedruckt – aus der Sicht der Geliebten, die sich mit gestohlenen Stunden, abverdient durch stundenlange Hin- und Rückreise per Bahn und ab und zu einem Wochenende an einer Tagung begnügen musste. Im Übrigen blieben ihr nur Briefe und Telefonate, nämlich Rückrufe auf ihre Klingeltonsignale. Während die Geliebte sich ein Leben an der Seite des starken Charakterkopfes mit Reisen, interessanten Begegnungen und Bekanntschaften gewünscht hat, erfährt man von der Frau von den schwierigeren Seiten des unbeugsamen Gatten, der in der Familie sehr autoritär auftritt.

Die beiden Frauen teilen aber nicht nur über mehrere Jahrzehnte ihre Liebe zum gleichen und doch anderen Mann. Beide haben eine wichtige Beziehung zu ihrem Garten. Die Schönheit des Gartens, der um das Haus herumführt, wo die leidigen Klingelzeichen ertönten, und ihre Zwiegespräche mit Pflanzen trösteten die Ehefrau über ihre Enttäuschung, Wut und das Unausgesprochene, das aus der andauernden ausserehelichen Beziehung ihres Ehemannes resultierte, hinweg. Die Geliebte hingegen träumte jahrelang davon, ihre grosse Liebe in ihrem Garten begrüssen zu können. Erst als der Vater 91jährig ein Pflegefall wird und die Ehefrau im selben Heim keinen Platz findet, können er und die Geliebte die letzten ihm noch verbleibenden Monate zusammen als Paar verbringen und das Doppelleben wird erst durch seinen Tod beendet.

Eine sehr stimmig geschriebene Dreiecksgeschichte. Schade habe ich erst im Nachhinein von der Lesung aus diesem Buch Ende September in Zürich erfahren.


Christine Trüb:
Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten
Limbus Verlag, 2011

5. Oktober 2011

Cordula Hamann: Die schönsten Gärtnereien – Entdecken, stöbern, geniessen

Cordula Hamann nimmt den Leser in ihrem aktuellen Buch mit in 23 Erlebnisgärtnereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den vorgestellten Betrieben lässt sich nicht nur nach teilweise sehr speziellen Gartenschätzen suchen, in Schaugärten lassen sich gleichzeitig Ideen für Farb- und Strukturkombinationen im heimischen Garten finden, fachkundige Beratung inklusive.

Jede Gärtnerei wird in einem sechsseitigen Portrait in Wort und Bild vorgestellt. Da gibt es beispielsweise eine Gutsgärtnerei, die von alten schützenden Backsteinmauern umfriedet ist. Zwei initiative Frauen haben das lange unbenutzte Gärtnereigelände mit einem durchdachten Konzept aus dem Dornröschen- oder besser Distel-Schlaf geweckt.

Die Auszeichnung spezielle Pflanze muss nicht gleichbedeutend mit einer exotischen Herkunft sein. Besonders eindrücklich kommt diese Tatsache in den Portraits über den Allgäuer Kräutergarten und die Wildstaudengärtnerei von Patricia Willi in der Nähe von Luzern zum Ausdruck. Schliesslich ist es kein Geheimnis, dass einheimische, der Witterung angepasste Sorten nicht nur einen Standortvorteil für sich verbuchen können. Und bei Patricia Willi wird getreu dem Motto „die Natur ist nicht Rahmen, sondern Inhalt“ streng nach biologischen Richtlinien und Demeter-Grundsätzen gegärtnert. Das Sortiment umfasst über 500 verschiedene Wildstauden, was ungefähr einem Sechstel der Wildpflanzen in der Schweiz entspricht. Zu den weiteren vorgestellten Betrieben gehören die Duft- und Wandelgärtnerei Schobel, die Stadtgärtnerei Zürich, die Rosenschule Ruf und die Staudengärtnereien Gaissmayer, Ewald Hügin und Sarastro.

Im Serviceteil sind alle Betriebe mit Anschrift und Webadressen aufgelistet. Das Buch enthält leider kein Register. Vermisst habe ich eine Länderkarte, aus der mühelos die Lage der mir (noch) unbekannten Gärtnereien ersichtlich ist. Die Auswahl der Gärtnereien dünkt mich etwas willkürlich. Die Schweiz ist zwar klein, aber so klein wie das Gebiet, in welchem sich die vorgestellten Betriebe befinden ist sie denn doch nicht und auch in anderen Regionen gibt es interessanten Gärtnereien zu entdecken. Für einen allfälligen Folgeband wüsste ich jedenfalls ein paar Betriebe, die eine detaillierte Erwähnung wert wären.

Nichtsdestotrotz ein schön gestalteter und informativer Gärtnereiführer – zum Mitnehmen auf eine Reise allerdings eher zu schade. Interessant und inspirierend ist das Buch wohl weniger für diejenigen, die die portraitierten Betriebe bereits kennen, als für Gartenbegeisterte, die noch am Anfang des „Spezialisierens“ stehen. Also für jene, die vielleicht nicht mehr zufrieden sind mit dem allenthalben erhältlichen Standardsortiment an Pflanzen und sich eine grössere Auswahl wünschen. Bei der Lektüre habe ich bedauert, nicht schon früher von den interessanten Gärtnereien in Kehl und mitten in Frankfurt gewusst zu haben. Besonders dem Betrieb mitten in der Grossstadt hätte ich liebend gerne einen Besuch abgestattet. Immerhin bleibt mir als schwacher Trost, dass der Oktober sowieso nicht die optimalste Jahreszeit dafür gewesen wäre. Dank des Buches habe auch ich von einigen mir bis dato unbekannten Betrieben erfahren und hoffe nun, dass sich bald einmal die Gelegenheit ergibt, meine Liste der bereits besuchten Gärtnereien, auf der bereits Namen wie Ewald Hügin, Sarastro, Gaissmayer, Landhaus Ettenbühl und Seleger Moor stehen, zu erweitern.



Cordula Hamann:
Die schönsten Gärtnereien
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011