Nach einer Lehre im Landschaftsbau besucht die Bayerin Erika Mayr (Jahrgang 1973) im Sommer 1997 ihre in Berlin lebende Schwester. Ihre Vorurteile von wegen Hektik, Lärm und Anonymität wirft die junge Frau rasch über den Haufen. Die Grossstadt übt eine solch grosse Faszination und Anziehungskraft auf sie aus, dass sie sich entschliesst, ihren Wohnsitz in die Hauptstadt zu verlegen – sofern sie dort eine Arbeitsstelle findet. Bei ihrem nächsten Besuch in Berlin schafft sie dieses Hindernis mir nichts, dir nichts aus der Welt und da sie vorläufig bei ihrer Schwester wohnen kann, steht der Organisation ihres baldigen Umzuges nichts mehr im Weg.
Erika Mayr lebt sich rasch in Berlin ein. Sie absolviert zusätzlich ein Gartenbaustudium und ergattert einen Nebenjob in einer Bar. Nach ihrem Studium beabsichtigt sie, nach Kanada umzusiedeln, wo sie bereits ein paar Monate gelebt und gearbeitet hat. Als sich ihr überraschend die Gelegenheit bietet, Miteigentümerin der Bar zu werden, legt sie die Ausreisepläne ad acta. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich nun als selbständig Erwerbende mit der Pflege von Privatgärten und ihrer Nachtschicht in der Bar. Dieses Leben ist zwar durchstrukturiert, doch irgendetwas fehlt.
Ein Stammgast motiviert sie, mit ihm zusammen am Wettbewerb „Shrinking Cities“ mitzumachen. Ihr gemeinsames Projekt befasst sich mit riesigen Bienenhäusern – mit „Urban Beekeeping“ in Detroit. Das Interesse an Bienen ist geweckt. In der Folge beginnt Erika Mayr, sich intensiv über Bienen zu informieren und besucht regelmässig die Versammlung eines Imkervereins. Sie erhält schliesslich einen Imkerpaten, der sie detailliert in die Geheimnisse rund ums Imkern einweiht, und schon bald ist sie Besitzerin von 20‘000 Tieren. Ihr erstes Bienenvolk stellt sie auf das Dach eines Altbaus am Heckmannufer.
Spontan verbinde ich Bienen mit den immer wieder zu lesenden Schreckensmeldungen über die vielen toten Völker, die auf mysteriöse Weise verenden und im Rückblick auf Kinderjahre natürlich mit der Biene Maja sowie einem imkernden Onkel, bei dem bei einem Besuch mitten im Wohnzimmer eine Transportpalette voll Zucker in Kilosäcken stand. Meine Ordnungsliebe war zu dieser Zeit sicher noch nicht dermassen ausgeprägt wie heutzutage, aber ich fand diesen Aufbewahrungsort schon dannzumal etwas seltsam. Jedenfalls habe ich mir durch die Erzählungen von Erika Mayr ein umfangreicheres Wissen rund um die Bienenhaltung angelesen.
Die Autorin berichtet ausführlich vom Schritt von der Theorie zur Praxis, erläutert die Wichtigkeit von Gegenpolen zur Globalisierung, berichtet über ihre eigene Marke „Stadtbienenhonig“, die sie oft zum Tauschen gegen andere Ware anbietet. Sie geht auch auf den Bienenfeind, die Varroa-Milbe, ein und erklärt die Folgen der von Pflanzenschutzmitteln abhängigen Monokultur in der Landwirtschaft sowie die industrielle Bienenhaltung zur Bestäubung von riesigen Monokultur-Flächen. Weiter schwärmt sie von den unterschiedlichen Geschmacksrichtungen ihres Honig, die von der Blütezeit und den Bienenweiden abhängt. Haben Sie gewusst, dass die Erntemenge in der Stadt deutlich höher ist als auf dem Land? In urbanen Gebieten ist nämlich im Gegensatz zum Land vom Frühling bis zum Herbst, quasi vom Krokus bis zur Goldrute (hat die doch was gutes!), Bienennahrung vorhanden...
Für den lesenden Gärtner interessant ist die Anmerkung, dass der berühmte Staudengärtner Karl Foerster seinerzeit für die Baumauswahl in der Berliner Innenstadt verantwortlich war. Seine Zusammenstellung an Trachtbäumen (Kastanie, Ahorn, Robinie, Linde) bietet noch heute eine solide Grundlage für die Berliner Stadtbienen und deren Halter.
Durch die Bienen ist Erika Mayr stark mit Berlin verwurzelt. Sie engagiert sich nicht nur als Vorsitzende ihres Imkervereins, sondern schickt auch monatlich Bilder von aktuell blühenden Bienenweiden an ihre Freunde, um diese an ihrer Leidenschaft teilhaben zu lassen und vielleicht sogar deren Interesse daran zu wecken. So führt ein Projekt zum nächsten. Und da sie auf keine Erträge angewiesen ist, betrachtet die naturverbundene Imkerin das Beschäftigen mit der Landwirtschaft im urbanen Raum als Luxus.
Ein passioniertes Plädoyer, die direkte Umgebung genauer wahrzunehmen. Nach der Lektüre werden Sie Ihr Umfeld bestimmt auch genauer anschauen und Blumendüfte mit der Nase verfolgen.
Erika Mayr:
Die Stadtbienen – Eine Grossstadt-Imkerin erzählt
Knaur Taschenbuch-Verlag, 2012
20. April 2012
17. April 2012
Gabriella Pape: Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten
Diese Publikation ist eine Sammlung von Kolumnen, die bereits in der „Welt am Sonntag“ und in der „Berliner Morgenpost“ erschienen sind. Passend zum Ablauf der Jahreszeiten verbergen sich in den Texten unzählige Tipps rund ums Gärtnern - vom Kribbeln im Januar hin bis zum Jahresende mit Rosen für den Schnee und fürs Christkind.
Garten-Frühjahrsputz ist für Gabriella Pape ein Synonym für die perfekte Ausrede, ungeliebte Pflanzen herauszureissen, die den Winter (angeblich) nicht überstanden haben. Zu diesen Geschöpfen, die nicht mehr länger geduldet werden sollen, gehören insbesondere solche, die sie nie richtig mochte, aber aus Respekt vor der Person, die sie ihr zudachten, doch gehätschelt und gepflegt hat. Der Frühjahrsputz eignet sich für solche definitiven Trennungen von unliebsamen Geschenken besonders gut, weil das Entsorgen derselben in noch winterlichem Zustand ohne Blätter und Knospen unbestritten leichter fällt.
Zwischen die sachlich fundierten Kolumnen eingefügt sind Fragen von Lesern zu Gartenproblemen und die Antworten von Gabriella Pape. Dabei gibt die Gartenexpertin auch freimütig zu, nicht allwissend zu sein und verspricht, sich bei Gelegenheit bei der Royal Horticultural Society zu erkundigen. Immer wieder lässt sie auch ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen durchschimmern. So empfindet sie beispielsweise knallige Pelargonien-Blüten als Beleidigung für ihre Augen - etwas, das sie schlimmer dünkt als eine Lärmbelästigung.
Die Texte sind sehr direkt formuliert und zuweilen auch mal etwas salopp. Da ist beispielsweise die Rede von enttäuschten englischen Schnecken, weil in Cotswolds Rittersporn nicht gedeiht, eine Pfingstrose erhält das Prädikat „Wahnsinn“ und man liest von Gartengeschenkplagen oder von Spinnenblumen, die sich wie Zicken gebärden. Und wenn Sie nächstes Mal an ihrer Kornelkirsche herumschnipseln, denken Sie einfach an einen Coiffeurbesuch – Stufenschnitt heisst das Zauberwort. Kennen Sie den Ausdruck „Fingerfäule“ (finger blight)? Es handelt sich dabei um das unerlaubte Stibitzen von Samen, Samenständen und Stecklingen. Dies ist kein Kavaliersdelikt. Die Autorin appelliert an die Vernunft der Gartenliebhaber, denn es lässt sich unschwer ausmalen, was für Folgen eintreten, wenn sich jeder Gartenbesucher ein auch nur kleines Souvenir gönnt.
An einer Stelle empfiehlt Gabrielle Pape, die verblühten Sterndolden (Astrantien) im Herbst abzuschneiden. Bei der Lektüre dieses Hinweises wunderte ich mich ein wenig darüber und fand ihn offen gestanden sogar ziemlich überflüssig. Nun - nach einer Runde Jäten – habe ich meine Meinung aufgrund eigener Erfahrung angepasst. Meine Astrantien, bis anhin eher kümmerlich und in keiner Weise auch nur annähernd so beeindruckend in ihrer Erscheinung wie jene Pflanzengruppen am Naturstandort am Klöntalersee auf einer Wanderung im letzten Jahr, haben sich tatsächlich dazu entschlossen, sich auszubreiten. Sie erscheinen nun nicht nur in der Wiese sondern auch in den Plattenfugen des Sitzplatzes. Und da mein Versuch mit Lupinen vorletztes Jahr ein totaler Reinfall war, werde ich es nun wohl mal mit den von Pape empfohlenen Westmoreland-Lupinen versuchen. Sehr gefreut hätte ich mich vor ein paar Jahren, wenn die blaue Glyzinie, die ich eigentlich als weisses Exemplar gekauft hatte, plötzlich weiss geblüht hätte; ein Phänomen das gemäss einer Antwort auf eine Leseranfrage ab und zu vorkommt.
Ein überaus intelligentes und liebevoll illustriertes Lesebuch, das auf dem Fachwissen und den langjährigen persönlichen Erfahrungen der Autorin basiert. Die Liebe zum Gärtnern zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch und überträgt sich auf den Leser.
Hier noch ein letzter Tipp von Gabriella Pape: Kopieren sie ihre Kolumne und verblüffen Sie bei ihrem nächsten Besuch im Gartencenter den Gärtner mit ihrem Wissen und terrorisieren sie ihn damit. Der Schreibstil von Pape erinnert mich übrigens an die legendären Kolumnen von Vita Sackville-West, deren Texte ich mir immer wieder gerne als Pendlerlektüre zu Gemüte führe.
Gabriella Pape:
Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten
Callwey Verlag, 2012
Garten-Frühjahrsputz ist für Gabriella Pape ein Synonym für die perfekte Ausrede, ungeliebte Pflanzen herauszureissen, die den Winter (angeblich) nicht überstanden haben. Zu diesen Geschöpfen, die nicht mehr länger geduldet werden sollen, gehören insbesondere solche, die sie nie richtig mochte, aber aus Respekt vor der Person, die sie ihr zudachten, doch gehätschelt und gepflegt hat. Der Frühjahrsputz eignet sich für solche definitiven Trennungen von unliebsamen Geschenken besonders gut, weil das Entsorgen derselben in noch winterlichem Zustand ohne Blätter und Knospen unbestritten leichter fällt.
Zwischen die sachlich fundierten Kolumnen eingefügt sind Fragen von Lesern zu Gartenproblemen und die Antworten von Gabriella Pape. Dabei gibt die Gartenexpertin auch freimütig zu, nicht allwissend zu sein und verspricht, sich bei Gelegenheit bei der Royal Horticultural Society zu erkundigen. Immer wieder lässt sie auch ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen durchschimmern. So empfindet sie beispielsweise knallige Pelargonien-Blüten als Beleidigung für ihre Augen - etwas, das sie schlimmer dünkt als eine Lärmbelästigung.
Die Texte sind sehr direkt formuliert und zuweilen auch mal etwas salopp. Da ist beispielsweise die Rede von enttäuschten englischen Schnecken, weil in Cotswolds Rittersporn nicht gedeiht, eine Pfingstrose erhält das Prädikat „Wahnsinn“ und man liest von Gartengeschenkplagen oder von Spinnenblumen, die sich wie Zicken gebärden. Und wenn Sie nächstes Mal an ihrer Kornelkirsche herumschnipseln, denken Sie einfach an einen Coiffeurbesuch – Stufenschnitt heisst das Zauberwort. Kennen Sie den Ausdruck „Fingerfäule“ (finger blight)? Es handelt sich dabei um das unerlaubte Stibitzen von Samen, Samenständen und Stecklingen. Dies ist kein Kavaliersdelikt. Die Autorin appelliert an die Vernunft der Gartenliebhaber, denn es lässt sich unschwer ausmalen, was für Folgen eintreten, wenn sich jeder Gartenbesucher ein auch nur kleines Souvenir gönnt.
An einer Stelle empfiehlt Gabrielle Pape, die verblühten Sterndolden (Astrantien) im Herbst abzuschneiden. Bei der Lektüre dieses Hinweises wunderte ich mich ein wenig darüber und fand ihn offen gestanden sogar ziemlich überflüssig. Nun - nach einer Runde Jäten – habe ich meine Meinung aufgrund eigener Erfahrung angepasst. Meine Astrantien, bis anhin eher kümmerlich und in keiner Weise auch nur annähernd so beeindruckend in ihrer Erscheinung wie jene Pflanzengruppen am Naturstandort am Klöntalersee auf einer Wanderung im letzten Jahr, haben sich tatsächlich dazu entschlossen, sich auszubreiten. Sie erscheinen nun nicht nur in der Wiese sondern auch in den Plattenfugen des Sitzplatzes. Und da mein Versuch mit Lupinen vorletztes Jahr ein totaler Reinfall war, werde ich es nun wohl mal mit den von Pape empfohlenen Westmoreland-Lupinen versuchen. Sehr gefreut hätte ich mich vor ein paar Jahren, wenn die blaue Glyzinie, die ich eigentlich als weisses Exemplar gekauft hatte, plötzlich weiss geblüht hätte; ein Phänomen das gemäss einer Antwort auf eine Leseranfrage ab und zu vorkommt.
Ein überaus intelligentes und liebevoll illustriertes Lesebuch, das auf dem Fachwissen und den langjährigen persönlichen Erfahrungen der Autorin basiert. Die Liebe zum Gärtnern zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch und überträgt sich auf den Leser.
Hier noch ein letzter Tipp von Gabriella Pape: Kopieren sie ihre Kolumne und verblüffen Sie bei ihrem nächsten Besuch im Gartencenter den Gärtner mit ihrem Wissen und terrorisieren sie ihn damit. Der Schreibstil von Pape erinnert mich übrigens an die legendären Kolumnen von Vita Sackville-West, deren Texte ich mir immer wieder gerne als Pendlerlektüre zu Gemüte führe.
Gabriella Pape:
Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten
Callwey Verlag, 2012
14. April 2012
Erica James: Gardens of Delight
Der Gartenclub von Swanmere bietet seinen Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm. Neben Lesungen zu verschiedenen botanischen Themen wird aktuell eine Gartenreise an den Comersee angeboten, wo die Besichtigung von verschiedenen Gärten geplant ist.
Unter die reiselustigen Mitglieder mischt sich auch der 49jährige Witwer Conrad. Er hat zwar selber nichts mit Gärten am Hut, fühlt sich aber für seinen ebenfalls an der Reise teilnehmenden Onkel Mac verwantwortlich, der nach einem Schlaganfall mit gesundheitlichen Problemen kämpft.
Die Mitvierzigerin Helen ist seit kurzem in erster Ehe mit dem charismatischen Geschäftsmann Hunter verheiratet. Bis anhin hat sich ihr geordnetes Leben zwischen Arbeit und ihrer Sorge und das Kümmern um ihre Grossmutter Emma abgespielt. Nun sitzt sie meistens alleine in ihrem grossen, wunderschönen Haus mit einem Traumgarten, der von der Vorbesitzerin gestaltet worden ist, und fühlt sich vernachlässigt. Denn ihre junge Ehe läuft nicht so, wie sich das erträumt und erhofft hat. Ausserdem hat sie das zweifelhafte Vergnügen, sich mit ihrer verwöhnten Stieftochter Savannah herumzuschlagen, die sich bei ihrem Vater und der Stiefmutter in Swanmere eingenistet hat. Zu den wenigen aktuellen Freuden in ihrem Leben zählen deshalb die Begegnungen mit ihren neuen Bekannten aus dem Gartenclub. Die Reise an den Comersee erscheint Helen daher als willkommene Abwechslung in ihrem langweiligen Alltag.
Der Gärtner Orlando und die Gärtnerin Lucy sind seit Jahren die besten Freunde und verbringen fast ihre gesamte Freizeit zusammen. Bisher haben sie sich ihre Differenzen fast ausnahmslos auf unterschiedliche gärtnerische Ansichten beschränkt. Während Lucy den Kunden geschmacklose Accessoires in ihren Gärten gönnt, macht Orlando, der seine Zukunft im Gartendesign sieht, Alan Titchmarsh persönlich dafür verantwortlich, dass unzählige englische Gärten geschmacklos und kitschig sind. Das grenzenlose Vertrauensverhältnis zwischen Lucy und Orlando hat Risse bekommen, seit Savannah ein Auge auf Orlando geworfen hat, ihn heftig umgarnt und sich sogar für die Reise an den Comersee angemeldet hat.
Fast gezwungenermassen entscheidet sich auch Lucy kurzfristig, die Reise mitzumachen. Sie, die sich geschworen hat, nie an den Comersee zu fahren, seit ihr Vater vor vierzehn Jahren sie und ihre Mutter verlassen hat, und sich mit seiner zweiten Frau dort niedergelassen hat. Ein paar Urlaubstage in Norditalien verändern das Leben von verschiedenen Gartenclubmitgliedern nachhaltig…
„Gardens of Delight“ ist ein unterhaltsamer Roman und für Gartenfreunde speziell interessant, weil er sich im Gärtnermillieu und auf einer Gartenreise abspielt. Die Charaktere sind glaubwürdig gezeichnet, die Handlung ist aber weitgehend absehbar nach dem Motto „die Guten bleiben die Guten und die Bösen bleiben die Bösen“ und so gibt es denn auch für fast alle während der Lektüre liebgewonnenen Personen ein Happyend.
Erica James:
Gardens of Delight
Orion Books, 2005
Unter die reiselustigen Mitglieder mischt sich auch der 49jährige Witwer Conrad. Er hat zwar selber nichts mit Gärten am Hut, fühlt sich aber für seinen ebenfalls an der Reise teilnehmenden Onkel Mac verwantwortlich, der nach einem Schlaganfall mit gesundheitlichen Problemen kämpft.
Die Mitvierzigerin Helen ist seit kurzem in erster Ehe mit dem charismatischen Geschäftsmann Hunter verheiratet. Bis anhin hat sich ihr geordnetes Leben zwischen Arbeit und ihrer Sorge und das Kümmern um ihre Grossmutter Emma abgespielt. Nun sitzt sie meistens alleine in ihrem grossen, wunderschönen Haus mit einem Traumgarten, der von der Vorbesitzerin gestaltet worden ist, und fühlt sich vernachlässigt. Denn ihre junge Ehe läuft nicht so, wie sich das erträumt und erhofft hat. Ausserdem hat sie das zweifelhafte Vergnügen, sich mit ihrer verwöhnten Stieftochter Savannah herumzuschlagen, die sich bei ihrem Vater und der Stiefmutter in Swanmere eingenistet hat. Zu den wenigen aktuellen Freuden in ihrem Leben zählen deshalb die Begegnungen mit ihren neuen Bekannten aus dem Gartenclub. Die Reise an den Comersee erscheint Helen daher als willkommene Abwechslung in ihrem langweiligen Alltag.
Der Gärtner Orlando und die Gärtnerin Lucy sind seit Jahren die besten Freunde und verbringen fast ihre gesamte Freizeit zusammen. Bisher haben sie sich ihre Differenzen fast ausnahmslos auf unterschiedliche gärtnerische Ansichten beschränkt. Während Lucy den Kunden geschmacklose Accessoires in ihren Gärten gönnt, macht Orlando, der seine Zukunft im Gartendesign sieht, Alan Titchmarsh persönlich dafür verantwortlich, dass unzählige englische Gärten geschmacklos und kitschig sind. Das grenzenlose Vertrauensverhältnis zwischen Lucy und Orlando hat Risse bekommen, seit Savannah ein Auge auf Orlando geworfen hat, ihn heftig umgarnt und sich sogar für die Reise an den Comersee angemeldet hat.
Fast gezwungenermassen entscheidet sich auch Lucy kurzfristig, die Reise mitzumachen. Sie, die sich geschworen hat, nie an den Comersee zu fahren, seit ihr Vater vor vierzehn Jahren sie und ihre Mutter verlassen hat, und sich mit seiner zweiten Frau dort niedergelassen hat. Ein paar Urlaubstage in Norditalien verändern das Leben von verschiedenen Gartenclubmitgliedern nachhaltig…
„Gardens of Delight“ ist ein unterhaltsamer Roman und für Gartenfreunde speziell interessant, weil er sich im Gärtnermillieu und auf einer Gartenreise abspielt. Die Charaktere sind glaubwürdig gezeichnet, die Handlung ist aber weitgehend absehbar nach dem Motto „die Guten bleiben die Guten und die Bösen bleiben die Bösen“ und so gibt es denn auch für fast alle während der Lektüre liebgewonnenen Personen ein Happyend.
Erica James:
Gardens of Delight
Orion Books, 2005
11. April 2012
Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos): Die schönsten Gärten Österreichs entdecken
Für diese Publikation haben sechsundzwanzig österreichische Gärtnerinnen und Gärtner die Fotografin Ursel Borstell ihr blühendes Refugium durch die Linse entdecken lassen. Zusammen mit den Texten von Elke Papouschek und Veronika Schubert ist ein prächtiger Bildband entstanden. Dieser gibt dem Leser Einblick in verschiedene kreative Umsetzungen von Wunschvorstellungen in den eigenen Traumgarten.
Wörtlich zu verstehen ist der Portrait-Titel „Gartenzimmer im Grünen“. Verschiedene Gartenzimmer, abgetrennt durch Hecken oder Mauern sind nichts Ungewöhnliches. Spezieller hingegen ist die Ausstattung dieser hier präsentierten Grünräume. Die Gärtnerin hat unter Obstbäumen ein komplettes Schlafzimmer mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Bett wird dann aber doch als Beet für Hornveilchen zweckentfremdet. Auch ein Bügelzimmer gibt es. Und für die Authentizität wird Urgrossmutters Kleidung an der Wäscheleine aufgehängt. Auf Details zu Pflege und Probleme wegen Umwelteinflüssen und Verwitterung wird hingegen nicht eingegangen.
Nichts Museales gibt es auf den Bildern von Brigitte Hiti zu entdecken. Die ehemalige Lehrerin bezeichnet ihre grüne Passion als „Extremgärtnern“. Ein Rundgang durch die 4000 Quadratmeter kann schon mal gut und gerne ein paar Stunden dauern. Kein Wunder bei all den hier versammelten botanischen Schätzen, die es hier zu entdecken gibt. Zu diesen zählen auch ein Hängejudasblattbaum, eine Scheinkamelie und ein Taschentuchbaum. Dank einer Zwangspause kann bzw. konnte dieser Garten übrigens auch in Buchform durchwandert werden („Gartenrunden“ erschienen 2008).
Im österreichischen Vulkanland hat Susanne Pammer ein facettenreiches Gartenreich geschaffen. Das Gärtnern zieht sich wie ein Leitfaden durch ihr Leben und ist inzwischen auch zum beruflichen Standbein geworden. Die Gartenplanerin hat sogar ein Netzwerk für Gartenmenschen initiiert. Auf den Fotos dieses Gartens macht man beispielsweise eine beeindruckende Mauer aus Dachpfannen aus und einen kreativen Weidensitzplatz, der grosszügig um einen Kirschbaumstamm geflochten worden ist.
Englisches Flair versprüht der Schaugarten Köhler, in welchem eine Autodidaktin ihre Gartenträume aus Büchern und Magazinen hat wahr werden lassen. Durch die Tore in Ziegelmauer und Hecke möchte man liebend gerne gleich selber durchschreiten und persönlich feststellen, was es dahinter zu erkunden gibt.
Eine Gärtnerin führt über ihre Rosen sogar Buch. 200 verschiedene Exemplare sind darin verzeichnet. Die Grundlage für diese Leidenschaft zur Königin der Blumen bildeten ursprünglich Stecklinge, welche die Krankenschwester aus weggeworfenen Sträussen ihrer Patienten geschnitten hat.
Der eine plant alles bis ins Detail und überlässt nichts dem Zufall, der andere pflanzt mehr aus dem Bauch heraus. Eine dritte hat durch das Gärtnern Grosszügigkeit gelernt und den Hang zur Perfektion abgelegt und eine weitere hat Leinwand und Pinsel durch den Garten ausgetauscht und empfindet diesen als dreidimensionales Bild, wo mit Pflanzen gemalt werden kann. Allen Gärtnern und Gärtnerinnen gemeinsam ist, dass der Garten sie erdet und so passt die Aussage einer Portraitierten „Der Boden zieht die Sorgen, der Wind trägt sie davon“ zu fast allen.
Komplettiert werden die Portraits durch Angaben von Adresse und Besuchsmöglichkeiten. Eine Landkarte Österreichs auf der sämtliche Ortschaften eingezeichnet sind, in der sich die im Buch vorgestellten Gärten befinden, erlaubt es auch dem ortsunkundigen Leser, sich ein Bild über die Lage derselben zu machen und den Besuch des einen oder anderen Gartens vielleicht mit einer Urlaubsreise zu kombinieren.
Ein schönes Buch, das Einblick in die österreichische Gartenvielfalt gibt und sich ausgezeichnet eignet, um eigenen Gartenträumen nachzuhängen und Anregungen für den eigenen Garten zu finden.
Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos):
Die schönsten Gärten Öesterreichs entdecken
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
Wörtlich zu verstehen ist der Portrait-Titel „Gartenzimmer im Grünen“. Verschiedene Gartenzimmer, abgetrennt durch Hecken oder Mauern sind nichts Ungewöhnliches. Spezieller hingegen ist die Ausstattung dieser hier präsentierten Grünräume. Die Gärtnerin hat unter Obstbäumen ein komplettes Schlafzimmer mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Bett wird dann aber doch als Beet für Hornveilchen zweckentfremdet. Auch ein Bügelzimmer gibt es. Und für die Authentizität wird Urgrossmutters Kleidung an der Wäscheleine aufgehängt. Auf Details zu Pflege und Probleme wegen Umwelteinflüssen und Verwitterung wird hingegen nicht eingegangen.
Nichts Museales gibt es auf den Bildern von Brigitte Hiti zu entdecken. Die ehemalige Lehrerin bezeichnet ihre grüne Passion als „Extremgärtnern“. Ein Rundgang durch die 4000 Quadratmeter kann schon mal gut und gerne ein paar Stunden dauern. Kein Wunder bei all den hier versammelten botanischen Schätzen, die es hier zu entdecken gibt. Zu diesen zählen auch ein Hängejudasblattbaum, eine Scheinkamelie und ein Taschentuchbaum. Dank einer Zwangspause kann bzw. konnte dieser Garten übrigens auch in Buchform durchwandert werden („Gartenrunden“ erschienen 2008).
Im österreichischen Vulkanland hat Susanne Pammer ein facettenreiches Gartenreich geschaffen. Das Gärtnern zieht sich wie ein Leitfaden durch ihr Leben und ist inzwischen auch zum beruflichen Standbein geworden. Die Gartenplanerin hat sogar ein Netzwerk für Gartenmenschen initiiert. Auf den Fotos dieses Gartens macht man beispielsweise eine beeindruckende Mauer aus Dachpfannen aus und einen kreativen Weidensitzplatz, der grosszügig um einen Kirschbaumstamm geflochten worden ist.
Englisches Flair versprüht der Schaugarten Köhler, in welchem eine Autodidaktin ihre Gartenträume aus Büchern und Magazinen hat wahr werden lassen. Durch die Tore in Ziegelmauer und Hecke möchte man liebend gerne gleich selber durchschreiten und persönlich feststellen, was es dahinter zu erkunden gibt.
Eine Gärtnerin führt über ihre Rosen sogar Buch. 200 verschiedene Exemplare sind darin verzeichnet. Die Grundlage für diese Leidenschaft zur Königin der Blumen bildeten ursprünglich Stecklinge, welche die Krankenschwester aus weggeworfenen Sträussen ihrer Patienten geschnitten hat.
Der eine plant alles bis ins Detail und überlässt nichts dem Zufall, der andere pflanzt mehr aus dem Bauch heraus. Eine dritte hat durch das Gärtnern Grosszügigkeit gelernt und den Hang zur Perfektion abgelegt und eine weitere hat Leinwand und Pinsel durch den Garten ausgetauscht und empfindet diesen als dreidimensionales Bild, wo mit Pflanzen gemalt werden kann. Allen Gärtnern und Gärtnerinnen gemeinsam ist, dass der Garten sie erdet und so passt die Aussage einer Portraitierten „Der Boden zieht die Sorgen, der Wind trägt sie davon“ zu fast allen.
Komplettiert werden die Portraits durch Angaben von Adresse und Besuchsmöglichkeiten. Eine Landkarte Österreichs auf der sämtliche Ortschaften eingezeichnet sind, in der sich die im Buch vorgestellten Gärten befinden, erlaubt es auch dem ortsunkundigen Leser, sich ein Bild über die Lage derselben zu machen und den Besuch des einen oder anderen Gartens vielleicht mit einer Urlaubsreise zu kombinieren.
Ein schönes Buch, das Einblick in die österreichische Gartenvielfalt gibt und sich ausgezeichnet eignet, um eigenen Gartenträumen nachzuhängen und Anregungen für den eigenen Garten zu finden.
Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos):
Die schönsten Gärten Öesterreichs entdecken
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
8. April 2012
Ruth Wegerer: Verborgene Gärten in Wien
Sind Sie auch schon durch Grossstädte spaziert und hätten gerne etwas genauer erkundet, was es in dem so vielversprechend blühenden Hinterhof in der noblen Seitenstrasse wohl gärtnerisch sonst Interessantes zu sehen gäbe oder hätten gerne aus der Vogelperspektive einmal einen Blick in die Dachgärten erhascht? Schon seit vielen Jahren spürt die Gartenjournalistin Ruth Wegerer (siehe auch meine Buchvorstellung zu ihrem Buch „Gärtnerin aus Liebe“) solchen verborgenen Oasen in der österreichischen Hauptstadt nach und teilt ihre Fundstücke nun mit der Leserschaft. Sie beweist auf charmante Weise, dass sich das Thema Kultur und Wien nicht mit Musik, Theater, Kunst und Architektur erschöpft und die Gartenkultur sich keineswegs auf die meist ewiggleichen prächtigen öffentlichen Anlagen beschränkt, die in einschlägigen Reiseführern erwähnt werden. Gemäss Angaben der Autorin findet man sogar drei Viertel der österreichischen Flora und Fauna in Wien.
Vogelgezwitscher statt Grossstadtlärm? Blütenduft statt Abgase? Tatsächlich ahnt man als Aussenstehender kaum, welche Lebensqualität und Gartenvielfalt sich hinter den mehrstöckigen Häuserzeilen verbirgt oder verbergen kann. Die Wände werden da kurzerhand in den Garten integriert und genau diese grüne Vertikale trägt massgeblich zur speziellen Atmosphäre in diesen Hofgärten bei.
Ein alter Eisenzaun an einen Hag gelehnt, abgestellt und vergessen. Er ist inzwischen längst von Rose und Wein als Klettergerüst erobert worden – eine zufällige und doch so harmonische Symbiose. Bis ein grauer Hinterhof in einen fröhlich-bunten Garten verwandelt durfte, hatte die Gärtnerin deutliche Überzeugungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten, da diese Feuchtigkeitsschäden an ihrer Immobilie befürchteten.
Das Ergebnis einer Vision von einem „wilden Garten“ ist ein städtischer Dschungel im 3. Stock. Die Auswahl an Gehölzen lässt angesichts der Lage staunen. Der zweigeschossige Garten beherbergt neben Fliederbüschen und Eibe auch Ahorn-, Aprikosen- und Birnbäume und einen hängenden Maulbeerbaum. Diese teilen sich den flachen Wurzelraum. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, auch Tiere kommen gerne vorbei. Anzutreffen sind Kauz, Specht, Turmfalke und Mäuse.
Auch etwas erhöht, aber mitten in einem steilen Weinberg liegt der als „Zaubergarten“ bezeichnete romantische Landhausgarten. Die idyllische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Reben birgt aber auch ausgeprägte Nachteile, sind doch etliche der Einfriedung entlang wachsende Rosen mit dem Unkrautvertilger von der anderen Zaunseite in Berührung gekommen und haben diese Prozedur nicht überlebt. Möge die grandiose Aussicht auf Wien ein wenig über diesen Verlust hinwegtrösten und wie bemerkt Ruth Wegerer doch diesbezüglich überaus treffend (Zitat): “Geduld bringt Rosen“.
In einem anderen Portrait gibt es ein schönes Synonym für das Wort Gärtnern zu entdecken: Gartenschach. Die Definition: Pflanze kaufen, irgendwo einsetzen, anwachsen lassen und beobachten, wieder ausbuddeln und an einer anderen Stelle einpflanzen – eben Schachspielen.
Die wunderbaren Fotos von Harald Eisenberger ergänzen die eher knappen Texte und recht ausführlichen Bildlegenden ausgezeichnet. Mit etlichen Gärtnerinnen und Gärtnern kann via aufgeführter Email-Adresse ein Besuch ausgemacht werden, so dass man auf eigene Faust Wiener Gartengeheimnisse lüften kann. Eine Doppelseite gibt Anregungen und Tipps zur Wiener Gartenszene (Gärtnereien, Floristik, Kulinarisches, Veranstaltungen usw.). Grünes Grossstadttreiben ohne Grossstadtimmissionen – sofagärtnern vom feinsten!
Ruth Wegerer und Harald Eisenberger (Fotos):
Verborgene Gärten in Wien – Einblicke in die geheime Gartenwelt einer Grossstadt
Christian Brandstätter Verlag, 2012
Vogelgezwitscher statt Grossstadtlärm? Blütenduft statt Abgase? Tatsächlich ahnt man als Aussenstehender kaum, welche Lebensqualität und Gartenvielfalt sich hinter den mehrstöckigen Häuserzeilen verbirgt oder verbergen kann. Die Wände werden da kurzerhand in den Garten integriert und genau diese grüne Vertikale trägt massgeblich zur speziellen Atmosphäre in diesen Hofgärten bei.
Ein alter Eisenzaun an einen Hag gelehnt, abgestellt und vergessen. Er ist inzwischen längst von Rose und Wein als Klettergerüst erobert worden – eine zufällige und doch so harmonische Symbiose. Bis ein grauer Hinterhof in einen fröhlich-bunten Garten verwandelt durfte, hatte die Gärtnerin deutliche Überzeugungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten, da diese Feuchtigkeitsschäden an ihrer Immobilie befürchteten.
Das Ergebnis einer Vision von einem „wilden Garten“ ist ein städtischer Dschungel im 3. Stock. Die Auswahl an Gehölzen lässt angesichts der Lage staunen. Der zweigeschossige Garten beherbergt neben Fliederbüschen und Eibe auch Ahorn-, Aprikosen- und Birnbäume und einen hängenden Maulbeerbaum. Diese teilen sich den flachen Wurzelraum. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, auch Tiere kommen gerne vorbei. Anzutreffen sind Kauz, Specht, Turmfalke und Mäuse.
Auch etwas erhöht, aber mitten in einem steilen Weinberg liegt der als „Zaubergarten“ bezeichnete romantische Landhausgarten. Die idyllische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Reben birgt aber auch ausgeprägte Nachteile, sind doch etliche der Einfriedung entlang wachsende Rosen mit dem Unkrautvertilger von der anderen Zaunseite in Berührung gekommen und haben diese Prozedur nicht überlebt. Möge die grandiose Aussicht auf Wien ein wenig über diesen Verlust hinwegtrösten und wie bemerkt Ruth Wegerer doch diesbezüglich überaus treffend (Zitat): “Geduld bringt Rosen“.
In einem anderen Portrait gibt es ein schönes Synonym für das Wort Gärtnern zu entdecken: Gartenschach. Die Definition: Pflanze kaufen, irgendwo einsetzen, anwachsen lassen und beobachten, wieder ausbuddeln und an einer anderen Stelle einpflanzen – eben Schachspielen.
Die wunderbaren Fotos von Harald Eisenberger ergänzen die eher knappen Texte und recht ausführlichen Bildlegenden ausgezeichnet. Mit etlichen Gärtnerinnen und Gärtnern kann via aufgeführter Email-Adresse ein Besuch ausgemacht werden, so dass man auf eigene Faust Wiener Gartengeheimnisse lüften kann. Eine Doppelseite gibt Anregungen und Tipps zur Wiener Gartenszene (Gärtnereien, Floristik, Kulinarisches, Veranstaltungen usw.). Grünes Grossstadttreiben ohne Grossstadtimmissionen – sofagärtnern vom feinsten!
Ruth Wegerer und Harald Eisenberger (Fotos):
Verborgene Gärten in Wien – Einblicke in die geheime Gartenwelt einer Grossstadt
Christian Brandstätter Verlag, 2012
5. April 2012
Thomas Kastura (Hrsg.): Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten
Hinter Hecken und Gartenzäunen blühen zuweilen nicht nur Blumen, sondern es spielen sich dort Verbrechen ab. „Tatort Garten“ führt den Leser zu vierzehn solcher Schauplätze, wo Spaten und Gartenschere zweckentfremdet verwendet werden oder Pflanzen nicht unbedingt wegen ihrer Schönheit sondern mit böswilligen Hintergedanken und allein aufgrund ihrer Nebenwirkungen gehegt und gepflegt werden.
Zum Nachdenken regt der Kurzkrimi „Unter dem Apfelbaum“ an. Hier geht es nämlich ums Leben oder besser Überleben im Europa nach dem Finanzkollaps. Wie lange kann sich eine Familie von einer Tonne Lebensmittel im Keller ernähren? Und ist man verpflichtet, andere Menschen, die keine entsprechende Vorsorge getroffen haben, zu unterstützen? Menschen, die ihr Vermögen nicht rechtzeitig in Silbermünzen, Gold, Grundbesitz und Lebensmittelvorräte angelegt haben.
Vorsicht ist angebracht, wenn man von drei reizenden Damen bewirtet wird, die Namen tragen wie Brunfelsia, Belladonna und Barbiturata. Behördenvertreter wiederum werden sich nach der Lektüre des Kurzkrimis "Von Rasenbetretern und Gummizwergen - eine Farce in neun Szenen" sicher zweimal überlegen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, den lokalen Volkspark mit „Rasen betreten verboten“-Schildern zu dekorieren, das Einhalten der Vorschriften bedingungslos zu kontrollieren und das Nichtbeachten konsequent zu bestrafen.
Was kommt heraus, wenn sich eine Floristin wegen mangelnder Laufkundschaft und daraus resultierenden schlechten Umsatzzahlen gezwungen sieht, sich auf ruchlose Ranken zu spezialisieren? Können Schrebergartennachbarn in Frieden nebeneinander leben und gärtnern, wenn eine Partie jedes Unkraut als persönlichen Feind und Niederlage betrachtet während die Gärtnerin auf der anderen Seite des Zauns auf Natur pur schwört? Was findet sich im kleinen Paradies, einem alten verwilderten Garten, der von einer Obergärtnerin zu neuer Blüte gebracht worden ist , wenn man das ihr zur Seite stehende Gartenteam und dessen Umfeld genauer unter die Lupe nimmt? Wozu sind bunte Stauden und Büsche und viel Grün dazwischen da, wenn nicht als idealer Ort, um zu beobachten und zu hören, was ausserhalb des eigenen grünen Reichs läuft ohne selber entdeckt zu werden? Muss bei einem Prestigeprojekt wie einer Landesgartenschau tatsächlich jede Wurzelstockgrösse exakt den Vorschriften entsprechen, genau wie die Blütenhöhe von Rosensträuchern?
Beim Lesen dieser Gartenkrimis ging es mir, der Sofagärtnerin, wie der Erzählerin aus „Der Apfelbaum in Nachbars Garten“: Die Geschichten fesseln und ich konnte mich ihnen kaum mehr entziehen. Zwar hatten nicht alle Erzählungen die gleiche Wirkung , aber genaueres soll hier nicht verraten werden!
Thomas Kastura (Hrsg.):
Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten
Ars Vivendi Verlag, 2012
Zum Nachdenken regt der Kurzkrimi „Unter dem Apfelbaum“ an. Hier geht es nämlich ums Leben oder besser Überleben im Europa nach dem Finanzkollaps. Wie lange kann sich eine Familie von einer Tonne Lebensmittel im Keller ernähren? Und ist man verpflichtet, andere Menschen, die keine entsprechende Vorsorge getroffen haben, zu unterstützen? Menschen, die ihr Vermögen nicht rechtzeitig in Silbermünzen, Gold, Grundbesitz und Lebensmittelvorräte angelegt haben.
Vorsicht ist angebracht, wenn man von drei reizenden Damen bewirtet wird, die Namen tragen wie Brunfelsia, Belladonna und Barbiturata. Behördenvertreter wiederum werden sich nach der Lektüre des Kurzkrimis "Von Rasenbetretern und Gummizwergen - eine Farce in neun Szenen" sicher zweimal überlegen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, den lokalen Volkspark mit „Rasen betreten verboten“-Schildern zu dekorieren, das Einhalten der Vorschriften bedingungslos zu kontrollieren und das Nichtbeachten konsequent zu bestrafen.
Was kommt heraus, wenn sich eine Floristin wegen mangelnder Laufkundschaft und daraus resultierenden schlechten Umsatzzahlen gezwungen sieht, sich auf ruchlose Ranken zu spezialisieren? Können Schrebergartennachbarn in Frieden nebeneinander leben und gärtnern, wenn eine Partie jedes Unkraut als persönlichen Feind und Niederlage betrachtet während die Gärtnerin auf der anderen Seite des Zauns auf Natur pur schwört? Was findet sich im kleinen Paradies, einem alten verwilderten Garten, der von einer Obergärtnerin zu neuer Blüte gebracht worden ist , wenn man das ihr zur Seite stehende Gartenteam und dessen Umfeld genauer unter die Lupe nimmt? Wozu sind bunte Stauden und Büsche und viel Grün dazwischen da, wenn nicht als idealer Ort, um zu beobachten und zu hören, was ausserhalb des eigenen grünen Reichs läuft ohne selber entdeckt zu werden? Muss bei einem Prestigeprojekt wie einer Landesgartenschau tatsächlich jede Wurzelstockgrösse exakt den Vorschriften entsprechen, genau wie die Blütenhöhe von Rosensträuchern?
Beim Lesen dieser Gartenkrimis ging es mir, der Sofagärtnerin, wie der Erzählerin aus „Der Apfelbaum in Nachbars Garten“: Die Geschichten fesseln und ich konnte mich ihnen kaum mehr entziehen. Zwar hatten nicht alle Erzählungen die gleiche Wirkung , aber genaueres soll hier nicht verraten werden!
Thomas Kastura (Hrsg.):
Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten
Ars Vivendi Verlag, 2012
2. April 2012
Karen Meyer-Rebentisch: Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps
Karen Meyer-Rebentisch betreibt die informative Webseite "Gemüse-Info", die nicht zuletzt durch tolle Farbfotos besticht. Nun hat die leidenschaftliche Gemüsegärtnerin und Gemüse-Esserin ihre Passion und ihr profundes Wissen zu Gemüsesorten, Anbau und Küchentipps in Buchform herausgegeben. Von der Artischocke über Chili, Guter Heinrich, Mangold und Schwarzwurzel bis zur Zwiebel stellt sie 50 schmackhafte Gemüsesorten, die sich für den Anbau im Hausgarten eignen, ausführlich in Wort und Bild vor.
Im Kapitel „Einführung“ berichtet die Autorin von ihrem ersten überaus erfreulichen Gemüse-Sommer, dem prompt ein weniger erfolgreiches Erntejahr folgte. Immerhin trösteten Tomaten und Spitzkohl über die von Nacktschnecken, Mehltau, Wühlmäusen und Möhrenfliegen mit verursachten Ernteausfällen hin. Rat suchte sie daraufhin auch in einschlägigen Internetforen und stiess dabei auf eine ihr bis anhin unbekannte Auswahl an farbigen Gemüsesorten und solchen in ungewohnten Formen – roter Mais, gelbe Radieschen, blaue Bohnen, weisse Möhren und braune Tomaten in Form von Eiern. Diese Vielfalt musste ausprobiert und erlebt werden! Ihren inzwischen reichen Erfahrungsschatz teilt sie nun in diesem für Anfänger wie für Fortgeschrittene Gemüsegärtner geeigneten Buch mit dem interessierten Leser.
Neben den mundwässernden Fotos der Autorin sind die einzelnen Portraits wie folgt aufgebaut:
- Kulturgeschichte
- Anbau im Garten
- Sorten
- Schädlinge und Krankheiten
- Ernte, Lagerung, Konservierung
- Auf einen Blick
- Gemüse… in der Küche
- Gesundes Gemüse …
So erfährt man in „Gesunder Chili“ davon, dass dieser in Form von Wärmepflastern bei Rheumaerkrankungen eingesetzt wird und Kopfschmerzen und Migräne durch den Verzehr von Chili verschwinden sollen. Im Absatz „Kulturgeschichte“ findet sich die Information, dass der Neuseeländer Spinat von Joseph Banks nach Europa gebracht worden ist. Und haben Sie gewusst, dass die Blätter von Pastinaken im Zusammenspiel mit der Sonne bei empfindlichen Personen schmerzliche Ausschläge auslösen können? Welches Gemüse hat eine positive Wirkung auf den Blutfettspiegel? Welches Gemüse kann auch Diabetikern unbeschränkt empfohlen werden? Bei welchem Gemüse muss beim Ernten und Rüsten an Nitrat und Oxalsäure gedacht werden? Diesbezügliche Tipps finden sich ebenfalls im Buch.
Im Anhang finden sich ein Anbaukalender, mit Angaben zu Aussaat, Pflanzung und Ernte sowie eine Auflistung der Gemüsesorten und ihrer Pflanzenfamilien und deren jeweiliger Nährstoffbedarf. Lieferanten für Saatgut und Jungpflanzen und Zubehör für den Gemüsebau, weitere nützliche Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis runden die gelungene Publikation ab. Eine „Gemüsebibel“, die in jedes (Gemüse-)Gärtnerbücherregal gehört und ihn der man immer wieder wieder gerne etwas nachlesen wird.
Wer noch mehr über Gemüse lesen will, dem sei der Gemüseblog der Autorin empfohlen: http://www.gemuese-info.de/blog.html.
Karen Meyer-Rebentisch:
Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps
BLV Bucherlag, 2012
Im Kapitel „Einführung“ berichtet die Autorin von ihrem ersten überaus erfreulichen Gemüse-Sommer, dem prompt ein weniger erfolgreiches Erntejahr folgte. Immerhin trösteten Tomaten und Spitzkohl über die von Nacktschnecken, Mehltau, Wühlmäusen und Möhrenfliegen mit verursachten Ernteausfällen hin. Rat suchte sie daraufhin auch in einschlägigen Internetforen und stiess dabei auf eine ihr bis anhin unbekannte Auswahl an farbigen Gemüsesorten und solchen in ungewohnten Formen – roter Mais, gelbe Radieschen, blaue Bohnen, weisse Möhren und braune Tomaten in Form von Eiern. Diese Vielfalt musste ausprobiert und erlebt werden! Ihren inzwischen reichen Erfahrungsschatz teilt sie nun in diesem für Anfänger wie für Fortgeschrittene Gemüsegärtner geeigneten Buch mit dem interessierten Leser.
Neben den mundwässernden Fotos der Autorin sind die einzelnen Portraits wie folgt aufgebaut:
- Kulturgeschichte
- Anbau im Garten
- Sorten
- Schädlinge und Krankheiten
- Ernte, Lagerung, Konservierung
- Auf einen Blick
- Gemüse… in der Küche
- Gesundes Gemüse …
So erfährt man in „Gesunder Chili“ davon, dass dieser in Form von Wärmepflastern bei Rheumaerkrankungen eingesetzt wird und Kopfschmerzen und Migräne durch den Verzehr von Chili verschwinden sollen. Im Absatz „Kulturgeschichte“ findet sich die Information, dass der Neuseeländer Spinat von Joseph Banks nach Europa gebracht worden ist. Und haben Sie gewusst, dass die Blätter von Pastinaken im Zusammenspiel mit der Sonne bei empfindlichen Personen schmerzliche Ausschläge auslösen können? Welches Gemüse hat eine positive Wirkung auf den Blutfettspiegel? Welches Gemüse kann auch Diabetikern unbeschränkt empfohlen werden? Bei welchem Gemüse muss beim Ernten und Rüsten an Nitrat und Oxalsäure gedacht werden? Diesbezügliche Tipps finden sich ebenfalls im Buch.
Im Anhang finden sich ein Anbaukalender, mit Angaben zu Aussaat, Pflanzung und Ernte sowie eine Auflistung der Gemüsesorten und ihrer Pflanzenfamilien und deren jeweiliger Nährstoffbedarf. Lieferanten für Saatgut und Jungpflanzen und Zubehör für den Gemüsebau, weitere nützliche Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis runden die gelungene Publikation ab. Eine „Gemüsebibel“, die in jedes (Gemüse-)Gärtnerbücherregal gehört und ihn der man immer wieder wieder gerne etwas nachlesen wird.
Wer noch mehr über Gemüse lesen will, dem sei der Gemüseblog der Autorin empfohlen: http://www.gemuese-info.de/blog.html.
Karen Meyer-Rebentisch:
Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps
BLV Bucherlag, 2012
31. März 2012
Waltraud Hopf: Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Dieses Büchlein ist die zweite Publikation, in der die am Rande des Schwarzwalds gärtnernde Waltraud Hopf in umgangssprachlicher Form von ihren Erlebnissen in und um ihr grünes Reich berichtet. Der Inhalt ist in acht Kapitel geliedert: „Was gibt es neues im Garten?“, „Mulchmaterial“, „Schnecken“, „Gemüse“, „Obst und Beeren“, „Blumen, Rosen, Kräuter …“, „Teiche“ und „Tiere im Garten“.
Waltraud Hopf schreibt in ihrem Vorwort, dass sie den interessierten Leser gerne an ihren Gartenlektionen teilnehmen lassen will und betont, dass sie über keinen beruflichen gärtnerischen Hintergrund verfügt, sondern aus dem Bauch heraus gärtnert und die Natur und speziell ihre Pflanzen genau beobachtet, um herauszufinden was ihnen gut tut.
Zunächst berichtet sie von den Veränderungen im Garten nach der Veröffentlichung ihres ersten Büchleins, von denen einige eine direkte Konsequenz des Sturmtiefs Kyrill sind. In die Texte herein gestreut sind immer wieder Gartentipps und Anekdoten. Haben Sie gewusst, dass die unscheinbaren Blüten der Schwarzwurzel nach Vollmilchschokolade duften sollen? Weiter erzählt die schreibende Gärtnerin von ihrem Versuch, Salate in Hängeampeln auszusäen und in die Äste von Obstbäumen zu hängen. Das Ergebnis war positiv und soll mit weiteren Sämereien ausgedehnt werden. An anderer Stelle werden ausführliche Überlegungen zu den Themen Kräutern und tierischen Gartenbewohnern angestellt.
Das Büchlein ist zwar illustriert, die Qualität der Bilder aber sehr mangelhaft. Der Text ist nicht sehr ausgefeilt, aber es lässt sich unschwer erkennen, dass Waltraud Hopf mit Herz und Seele gärtnert und darüber berichtet. Vielleicht lassen auch Sie sich von ihrer Freude anstecken und von ihren Erkenntnissen, wie jener, dass sich Erfolg im Gartenbau nur einstellt, wenn man mit und nicht gegen die Natur arbeitet und sich den örtlichen Begebenheiten anpasst und eine entsprechende Pflanzenauswahl trifft? Die Gärtnerin beispielsweise muss akzeptieren, dass es in ihrem Garten keinen Wasseranschluss gibt, da er inmitten von Feldern und Wiesen liegt, und es gilt damit zurechtkommen, dass bei heftigen Niederschlägen auf der Parzelle das Motto „Land unter“ gilt.
Waltraud Hopf:
Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Zwiebelzwerg Verlag, 2009
Waltraud Hopf schreibt in ihrem Vorwort, dass sie den interessierten Leser gerne an ihren Gartenlektionen teilnehmen lassen will und betont, dass sie über keinen beruflichen gärtnerischen Hintergrund verfügt, sondern aus dem Bauch heraus gärtnert und die Natur und speziell ihre Pflanzen genau beobachtet, um herauszufinden was ihnen gut tut.
Zunächst berichtet sie von den Veränderungen im Garten nach der Veröffentlichung ihres ersten Büchleins, von denen einige eine direkte Konsequenz des Sturmtiefs Kyrill sind. In die Texte herein gestreut sind immer wieder Gartentipps und Anekdoten. Haben Sie gewusst, dass die unscheinbaren Blüten der Schwarzwurzel nach Vollmilchschokolade duften sollen? Weiter erzählt die schreibende Gärtnerin von ihrem Versuch, Salate in Hängeampeln auszusäen und in die Äste von Obstbäumen zu hängen. Das Ergebnis war positiv und soll mit weiteren Sämereien ausgedehnt werden. An anderer Stelle werden ausführliche Überlegungen zu den Themen Kräutern und tierischen Gartenbewohnern angestellt.
Das Büchlein ist zwar illustriert, die Qualität der Bilder aber sehr mangelhaft. Der Text ist nicht sehr ausgefeilt, aber es lässt sich unschwer erkennen, dass Waltraud Hopf mit Herz und Seele gärtnert und darüber berichtet. Vielleicht lassen auch Sie sich von ihrer Freude anstecken und von ihren Erkenntnissen, wie jener, dass sich Erfolg im Gartenbau nur einstellt, wenn man mit und nicht gegen die Natur arbeitet und sich den örtlichen Begebenheiten anpasst und eine entsprechende Pflanzenauswahl trifft? Die Gärtnerin beispielsweise muss akzeptieren, dass es in ihrem Garten keinen Wasseranschluss gibt, da er inmitten von Feldern und Wiesen liegt, und es gilt damit zurechtkommen, dass bei heftigen Niederschlägen auf der Parzelle das Motto „Land unter“ gilt.
Waltraud Hopf:
Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Zwiebelzwerg Verlag, 2009
28. März 2012
Konstanze Neubauer: Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Das Wort „Gartenschätze“ im Buchtitel weckt schon einmal hohe Erwartungen in der Leserin. Und, dies sei gleich vorab verraten, diese werden auch erfüllt. Aus ursprünglich 180 Vorschlägen wurden schliesslich die hier nun vorgestellten 70 Gärten ausgewählt und in die Publikation aufgenommen. Die Bild- und Lesereise führt durch die sieben Bezirke Bayerns, von welchen jeweils zwischen sechs und zwölf Gartenschätze im Buch portraitiert werden – von Unter-, Mittel- und Oberfranken, Oberpfalz über Schwaben bis Ober- und Niederbayern.
Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.
Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.
Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.
Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.
Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.
Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.
Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012
Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.
Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.
Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.
Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.
Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.
Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.
Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012
25. März 2012
Paula Almqvist: Was mir blüht
Unter dem verheissungsvollen Titel „Was mir blüht“ ist nun bereits eine zweite Kolumnensammlung von Paula Almqvist zu den unterschiedlichsten Themen rund um Gartenfreude und Gartenleid erschienen. Um letzteres zu vermeiden, empfiehlt die Autorin im Kapitel „Besser machen“ der Gärtnerin beispielsweise, nie mehr nach einem Ausflug ins Schwimmbad direkt den Garten anzusteuern und in offenen Sandaletten das Beet umzugraben oder aber mit einer Papierschere, die gerade zufällig zur Hand liegt, einen Rosenzweig zu kürzen.
An einer anderen Stelle vergleicht die Kolumnistin selbstgerührte Ringelblumensalbe und selber gemischte Blütenpotpourris mit Derivaten, welchen ja wie seit der Finanzkrise jeder weiss, ein negativer Touch anhaftet oder sie wägt die Vor- und Nachteile ab zwischen Garten und Haustieren. Wenn man dabei die Duftnote und die monatelange Winterpause berücksichtigt, hat das grüne Hobby ihrer Meinung nach eindeutig die Nase vorn.
Eingeflochten werden auch immer wieder Pflege- oder Pflanztipps wie der, einen blühenden Gartenteppich aus Vergissmeinnicht und blauschwarzen und weissen Tulpen anzulegen oder Kombinationen von Türkenmohn mit Zierlauch auszuprobieren. Und wissen Sie, was es mit Monets Garten für Arme auf sich hat oder warum die lange verpönte Schwiegermutterzunge nun plötzlich von Innendekorateuren empfohlen wird? Alles möchte ich hier ja nicht verraten, aber auch über die Sonnenblume weiss Paula Almqvist interessantes zu berichten. Wir erfahren von der spiralenförmigen Anordnung der Sonnenblumenkerne und welchem Zweck diese dient und dass sich mit Hilfe dieser Blumen Böden ausgezeichnet entgiften lassen.
Was hat es mit dem Sorgerecht für Rosen auf sich? Paula Almqvist beschäftigt sich auch mit dem Unterschied zwischen gärtnernden Frauen und Männern. Eindeutig Männersache ist die sogenannte (selbstgewählte) Schuppen-Quarantäne, nicht zu verwechseln mit dem Schuppen-Arrest aus den wohlbekannten Michel von Lönneberga-Büchern von Astrid Lindgren.
Was also blüht Ihnen, wenn Sie dieses unbedingt empfehlenswerte Büchlein lesen? Unterhaltsame Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund und fundierten Informationen. Die nach Monaten geordneten Kapitel beginnen jeweils mit einem Artikel zu einer aktuell blühenden Pflanze. In diesen Kolumnen erfährt man häppchenweise immer mal was über die Autorin. Liebend gerne hätte ich im Buchumschlag oder in der Lektüre noch etwas mehr über diese erfahren…
Paula Almqvist:
Was mir blüht
Schöffling & Co., 2012
An einer anderen Stelle vergleicht die Kolumnistin selbstgerührte Ringelblumensalbe und selber gemischte Blütenpotpourris mit Derivaten, welchen ja wie seit der Finanzkrise jeder weiss, ein negativer Touch anhaftet oder sie wägt die Vor- und Nachteile ab zwischen Garten und Haustieren. Wenn man dabei die Duftnote und die monatelange Winterpause berücksichtigt, hat das grüne Hobby ihrer Meinung nach eindeutig die Nase vorn.
Eingeflochten werden auch immer wieder Pflege- oder Pflanztipps wie der, einen blühenden Gartenteppich aus Vergissmeinnicht und blauschwarzen und weissen Tulpen anzulegen oder Kombinationen von Türkenmohn mit Zierlauch auszuprobieren. Und wissen Sie, was es mit Monets Garten für Arme auf sich hat oder warum die lange verpönte Schwiegermutterzunge nun plötzlich von Innendekorateuren empfohlen wird? Alles möchte ich hier ja nicht verraten, aber auch über die Sonnenblume weiss Paula Almqvist interessantes zu berichten. Wir erfahren von der spiralenförmigen Anordnung der Sonnenblumenkerne und welchem Zweck diese dient und dass sich mit Hilfe dieser Blumen Böden ausgezeichnet entgiften lassen.
Was hat es mit dem Sorgerecht für Rosen auf sich? Paula Almqvist beschäftigt sich auch mit dem Unterschied zwischen gärtnernden Frauen und Männern. Eindeutig Männersache ist die sogenannte (selbstgewählte) Schuppen-Quarantäne, nicht zu verwechseln mit dem Schuppen-Arrest aus den wohlbekannten Michel von Lönneberga-Büchern von Astrid Lindgren.
Was also blüht Ihnen, wenn Sie dieses unbedingt empfehlenswerte Büchlein lesen? Unterhaltsame Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund und fundierten Informationen. Die nach Monaten geordneten Kapitel beginnen jeweils mit einem Artikel zu einer aktuell blühenden Pflanze. In diesen Kolumnen erfährt man häppchenweise immer mal was über die Autorin. Liebend gerne hätte ich im Buchumschlag oder in der Lektüre noch etwas mehr über diese erfahren…
Paula Almqvist:
Was mir blüht
Schöffling & Co., 2012
22. März 2012
Margit Schönberger: Eine Blattlaus kommt selten allein
Was hat jemand wohl auf dem gartenrelevanten Kerbholz, der jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er bzw. sie das Lied „Mein Freund, der Baum ist tot“ von Alexandra hört? Margit Schönberger erzählt in den ersten fünf Kapiteln genau darüber und von ihrem zwar kräfteraubenden, aber doch erfreulich blühfreudigen Start ins Gärtnerinnenleben. Dann entdecken plötzlich kriechende Schleimer den bereits reichlich gedeckten Tisch und bedienen sich gütlich an Basilikum und anderem Grünzeug. In der Folge mutiert die Autorin durch diese Gartenplage zur Schneckenforscherin.
In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.
Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.
Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!
Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.
Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012
In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.
Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.
Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!
Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.
Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012
19. März 2012
Sabine Scholl: Tödliche Tulpen
Der Historiker Selim Ersoy findet bei seiner Rückkehr von einer Gastprofessur in Ankara eine tote junge Frau in seiner Wiener Wohnung, in deren Schulter eine tropfenförmige Tulpe eingeritzt ist. Die Tote arbeitete zu Lebzeiten als Model und Performancekünstlerin und nannte sich „Lale“, was auf Türkisch Tulpe bedeutet. Als Tatwaffe wurde ein Kopftuch aus der Kollektion des Berliner Modedesigners Aslan benutzt, dem Bruder von Selim Ersoy.
Auf den Fall wird die 38jährige Ermittlerin Gina Sonnenfels angesetzt, die früher selber als Designerin tätig war. Im Roman spielen botanische Details immer wieder ein Rolle, etwa in Form des Logos des Modedesigners und von Blumenerde unter den Zehennägeln des Mordopfers oder der Leser erfährt, dass die Tulpe selber als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und wahre Liebe gilt und das Wort Lale als Anagramm für den Namen des Schöpfers. Haben Sie gewusst, dass die gehäkelten Borten von Kopftüchern eine Bedeutung haben? Violette Hyazinthen stehen für ein verliebtes Mädchen, während eine Frau, deren Mann im Ausland tätig ist, wilde Rosen trägt. Weiter kommen im Buch ein Blumenfest und eine Auszeichnung mit dem Namen „Berliner Tulpe“ vor und nicht zuletzt züchtet eine tulpenverrückte Operettensängerin selber ihre Lieblingsblumen und gibt ihnen Namen wie „Die Knospe des Schahs“, „Herzenssucherin“ oder „Lichtspenderin“.
Diese botanischen Hinweise sollen aber keine falsche Fährte legen. Im Buch sind sie doch eher nebensächlich, während beispielsweise Neureligion ein grösseres Thema ist. Und in erster Linie gilt es ja auch herauszufinden, welche Rolle der Bruder des Opfers und ihr Liebhaber, der Teppichhändler Hans Meier, in diesm Fall spielen.
Mit der zwischen Berlin und Wien pendelnden souverän ermittelnden Gina Sonnenfels wurde ich nicht richtig „warm“. Bedenklich und ärgerlich fand ich vor allem die wiederholt erwähnte Kombination von vermuteter Schwangerschaft und gleichzeitigem Einwerfen von grösseren Mengen an Schmerzmitteln. Aber glücklicherweise handelt es ich ja nur um ein Buch …
Sabine Scholl:
Tödliche Tulpen
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, 2011
Auf den Fall wird die 38jährige Ermittlerin Gina Sonnenfels angesetzt, die früher selber als Designerin tätig war. Im Roman spielen botanische Details immer wieder ein Rolle, etwa in Form des Logos des Modedesigners und von Blumenerde unter den Zehennägeln des Mordopfers oder der Leser erfährt, dass die Tulpe selber als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und wahre Liebe gilt und das Wort Lale als Anagramm für den Namen des Schöpfers. Haben Sie gewusst, dass die gehäkelten Borten von Kopftüchern eine Bedeutung haben? Violette Hyazinthen stehen für ein verliebtes Mädchen, während eine Frau, deren Mann im Ausland tätig ist, wilde Rosen trägt. Weiter kommen im Buch ein Blumenfest und eine Auszeichnung mit dem Namen „Berliner Tulpe“ vor und nicht zuletzt züchtet eine tulpenverrückte Operettensängerin selber ihre Lieblingsblumen und gibt ihnen Namen wie „Die Knospe des Schahs“, „Herzenssucherin“ oder „Lichtspenderin“.
Diese botanischen Hinweise sollen aber keine falsche Fährte legen. Im Buch sind sie doch eher nebensächlich, während beispielsweise Neureligion ein grösseres Thema ist. Und in erster Linie gilt es ja auch herauszufinden, welche Rolle der Bruder des Opfers und ihr Liebhaber, der Teppichhändler Hans Meier, in diesm Fall spielen.
Mit der zwischen Berlin und Wien pendelnden souverän ermittelnden Gina Sonnenfels wurde ich nicht richtig „warm“. Bedenklich und ärgerlich fand ich vor allem die wiederholt erwähnte Kombination von vermuteter Schwangerschaft und gleichzeitigem Einwerfen von grösseren Mengen an Schmerzmitteln. Aber glücklicherweise handelt es ich ja nur um ein Buch …
Sabine Scholl:
Tödliche Tulpen
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, 2011
16. März 2012
Peter Würth: Alles auf Grün
Zur Freude der lesenden Gärtnerin erweitert der Schöffling Verlag die Reihe der kleinformatigen Büchlein mit farbig bedrucktem Feinleinen auch in diesem Frühjahr um zwei Publikationen. Bei Peter Würth dreht sich in dreizehn Kapiteln wie es der Titel schon verrät alles rund ums Grün.
Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.
Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.
Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.
Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.
Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.
Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012
Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.
Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.
Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.
Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.
Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.
Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012
13. März 2012
Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …
Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
10. März 2012
Stefan Leppert: Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Es lässt sich wohl endlos darüber diskutieren, ob geschlechtergetrennte Gartenbücher nun sinnvoll sind oder nicht. Nach verschiedenen Publikationen ausschliesslich über Gärtnerinnen erscheint nun mit „Sein Garten“ innert weniger Monaten ein zweites Buch, in dem ausnahmslos gärtnernde Männer vorgestellt werden. Stefan Leppert schreibt im Vorwort gleich selber über sein Befremden als er eine Verlagsanfrage für das Verfassen eines diesbezüglichen Themenbuches erhalten hat. Nun, er hat seine anfänglichen Vorbehalte glücklicherweise überdacht und lesende Gärtner und Gärtnerinnen dürfen sich auf eine informative und gleichzeitig unterhaltende Lektüre freuen und so nebenbei auch Ideen für den eigenen Garten entdecken. Und wer weiss, vielleicht lohnt es sich schon bald, dass in der kürzlich besuchten Berner Buchhandlung mit einem umfangreichen Gartenbuchsortiment neben der schon vorhandenen Regalbeschriftung „Frauen und ihren Gärten“ bald einmal auch ein Schildchen „Männer und ihre Gärten“ angebracht wird?
Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.
Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.
Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.
Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.
Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.
Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.
Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.
Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.
Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.
Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.
Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.
Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.
Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.
Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.
Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
7. März 2012
Barbara Constantine: Kleiner Tom, was nun?
Der elfjährige Tom und seine alleinerziehende fünfundzwanzigjährige Mutter Jocelyne, genannt Joss, wohnen vorübergehend in einem Wohnwagen. Das Geld ist knapp, weil Joss die Schule vorzeitig abgebrochen und keinen Beruf erlernt hat und deswegen von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs abhängig ist. Sie möchte aber unbedingt das Abitur nachholen und eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. Alle ihre Verpflichtungen wachsen ihr zuweilen über den Kopf und sie ist oft etwas gereizt. Ausserdem hat sie den Eindruck, nur über ihre imposante Oberweite wahrgenommen zu werden, weshalb sie zusätzlich für eine Brustverkleinerungs-OP jeden Cent auf die Seite legt. Tom ist für sein Alter bereits sehr selbständig und oft vernünftiger als seine Mutter und die Leserin bekommt zuweilen den Eindruck, Mutter und Sohn steckten in den falschen Rollen.
Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.
Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.
In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.
Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.
Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.
Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012
Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.
Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.
In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.
Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.
Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.
Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012
4. März 2012
Rosemary Harris: Das grüne Versteck (Dead Head) - Ein Gartenkrimi
Paula Holliday hat sich für ihr Geschäft den passenden Namen ausgesucht. „Dirty Business“ ist nicht nur ein Synonym für ihre berufliche gärtnerische Tätigkeit, sondern ein passendes Wortspiel für ihre zweite Leidenschaft, als Hobbydetektivin im Dreck zu wühlen. Paulas Gartenbetrieb läuft wegen der angespannten Wirtschaftslage mehr schlecht als recht. Doch nun hat sich gerade wegen den vielen geplatzten Immobilienträumen für die junge Frau ein neues Geschäftsfeld aufgetan: Frontseiten-Facelifting. Will heissen, sie arbeitet mit einer Immobilienmaklerin zusammen und ist in deren Auftrag bei den lokalen Liegenschaften, die mit „zu verkaufen“-Schildern geschmückt sind, für das Garten-Make-up zuständig. Mit Pflanzbehältern, Dekos und kleinen Bäumchen wird eine heimelige Atmosphäre vorgegaukelt, die potentielle Käufer beeindrucken soll. Zwar relativ lukrativ, aber alles in allem eine eher unbefriedigende gärtnerische Tätigkeit, weshalb Paula schliesslich doch ernsthaft über das Angebot ihrer Freundin und besten Kundin Caroline Sturgis nachdenkt, mit ihr zusammen ein neues Geschäft aufzuziehen, für welches die künftige Partnerin die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen will. Während Paula das Für und Wider der Offerte abwägt, schlägt in Springfiel die Nachricht von der Verhaftung von Caroline Sturgis wie eine Bombe ein.
Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.
Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?
Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.
Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …
Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012
Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014
Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.
Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?
Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.
Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …
Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012
Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014
1. März 2012
Barbara Krasemann: Geschenke aus meinem Garten
Vielleicht kennen Sie bereits Barbara Krasemanns reich bebildertes Buch „Wo Träume wachsen“, in welchem sie die Leser durch ihr vielfältiges Gartenreich führt, in dem es auf 8500 m2 beispielsweise einen Obst- und Gemüsegarten, ein Alpinum, einen Schattengarten sowie eine Freiluftküche mit Essplatz zu entdecken gibt. Seit 1985 gärtnert die Autorin auf ihrem Grundstück und hat in dieser Zeit elf Gartenzimmer gestaltet. Bereits in diesem ersten Buch aus dem Jahr 2009 finden sich interessante Rezepte. In der aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Garten“ präsentiert Barbara Krasemann nun ein Füllhorn an Ideen für die Verwendung von Pflanzenschätzen aus ihrem Garten im Lauf der Jahreszeiten.
Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.
Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?
Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.
Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.
Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012
Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.
Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?
Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.
Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.
Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012
28. Februar 2012
Gabriele Wolff: Im Dickicht
“Im Dickicht” ist ein Krimi von nur 64 Seiten Umfang. Doch diese - von einer Oberstaatsanwältin verfasst - haben es in sich und sind nichts für schwache Nerven!
Kerstin und Bernd leben zusammen mit ihrem Sohn in einem perfekt umgebauten Haus auf dem brandenburgischen Land. Sein grüner Daumen beschränkt sich auf den Einkauf von Pflanzen. Um den Garten kümmert sie sich und schaut, dass die Zaunwinde ihre Lieblinge wie Phlox und Fingerhut nicht überwuchert und unter sich begräbt.
Die Idylle weist Risse auf und Kerstins „Kampfgebiet“ beschränkt sich nicht mehr nur auf den Garten. Ihr Mann Bernd kehrt von einer angeblichen Geschäftsreise nach China nicht zurück und bleibt für seine Frau unerreichbar. Ausserdem wird Kerstin in einem in ihrer eigenen Handschrift verfassten Brief ultimativ aufgefordert, ihren Ehegatten freizugeben. Möchte sie jemand für verrückt erklären?
Während die Zaunwinde recht einfach gezähmt werden kann, bricht Kerstins organisiertes Leben auseinander. Nicht zuletzt fühlt sie sich von ihren Nachbarn beobachtet. Und wer hat ihre Katze auf dem Gewissen, die anscheinend zu Tode gequält worden ist?
Gabriele Wolff:
Im Dickicht
Edition Nautilus, 2006
Kerstin und Bernd leben zusammen mit ihrem Sohn in einem perfekt umgebauten Haus auf dem brandenburgischen Land. Sein grüner Daumen beschränkt sich auf den Einkauf von Pflanzen. Um den Garten kümmert sie sich und schaut, dass die Zaunwinde ihre Lieblinge wie Phlox und Fingerhut nicht überwuchert und unter sich begräbt.
Die Idylle weist Risse auf und Kerstins „Kampfgebiet“ beschränkt sich nicht mehr nur auf den Garten. Ihr Mann Bernd kehrt von einer angeblichen Geschäftsreise nach China nicht zurück und bleibt für seine Frau unerreichbar. Ausserdem wird Kerstin in einem in ihrer eigenen Handschrift verfassten Brief ultimativ aufgefordert, ihren Ehegatten freizugeben. Möchte sie jemand für verrückt erklären?
Während die Zaunwinde recht einfach gezähmt werden kann, bricht Kerstins organisiertes Leben auseinander. Nicht zuletzt fühlt sie sich von ihren Nachbarn beobachtet. Und wer hat ihre Katze auf dem Gewissen, die anscheinend zu Tode gequält worden ist?
Gabriele Wolff:
Im Dickicht
Edition Nautilus, 2006
24. Februar 2012
Berndt Schulz: Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Zum Tagesablauf des pensionierten Kriminalhauptkommissars Max Horner gehören regelmässige Besuche mit seinem Hund Wallander im Bethmannpark in Frankfurt. Diese Grünfläche ist für ihn mit vielen Erinnerungen verbunden. So hat er hier seine finnische Frau Terttu kennengelernt und vor vier Jahren von ihr Abschied genommen. Als leidenschaftlicher Kleingärtner schätzt er ausserdem die vielen unterschiedlichen Pflanzen. Auf seiner Lieblingsbank liest er gerne in Büchern über Pflanzenjäger und erlebt in Tagträumen, oft aber auch in nächtlichen Alpträumen, öfters deren abenteuerlichen Reisen und Erlebnisse am eigenen Leib mit.
Im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms wird der Bethmannpark von Hilfsgärtnern gepflegt, bei denen es sich allesamt um entlassene Strafgefangene handelt. Deren Leiter Gerd Halland ist darum besorgt, dass diese ihre Einsatzpläne einhalten und beispielsweise die Blumenrabatten von Unkraut befreien.
Wieder einmal möchte Max Horner auf seiner Parkbank in einem spannenden Buch lesen. Doch bevor er sich in seine Lieblingslektüre vertiefen kann, entdeckt er just zum Zeitpunkt, wo sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Baumkronen der Anlage ausbreiten und bereits für Aufregung sorgen, im Teich die Leiche des Hilfgärtnerleiters Gerd Halland, der eine Pergamentrolle in der Hand hält. Liebend gerne würde Max Horner wissen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat. Und da sich dieser Todesfall in seinem Park ereignet hat, kann es der Kriminalhauptkommissar a.D. natürlich nicht unterlassen, eigene Recherchen anzustellen und in der nicht ganz lupenreinen Vergangenheit des Opfers herumzustochern, der Zeit seines Lebens ein Aussenseiter war und unermüdlich bestrebt, nicht aufzufallen und zu sein wie alle anderen. Ist tatsächlich immer ein Gärtner der Mörder? Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls im Hilfsgärtnerteam?
Neben eingestreuten Berichten über die Abenteuer von Pflanzenjägern werden auch immer wieder Gartentipps in die Lektüre eingeflochten und Horner philosophiert beispielsweise über inneren Wildwuchs bei Menschen und äusseren Wildwuchs in der Parkanlage. Es ist wohl nicht übertrieben anzumerken, dass der Kriminalfall ab und an im Vergleich zu den hortikulturellen Erwähnungen eher in den Hintergrund rückt, denn schliesslich passieren die Tat sowie die darauf folgenden Ermittlungen erst nach etlichen gelesenen Seiten. Genau diese Tatsache macht das Buch mit viel Lokalkolorit aber eben für Gartenfreunde speziell empfehlenswert.
„Moderholz“ ist übrigens das erste Buch aus einer neuen Krimi-Reihe um den ermittelnden Gartenliebhaber Max Horner. Neben der Vorfreude auf die Fortsetzung verbleibt mir nun nur noch, genauer nachzuforschen, ob es tatsächlich einen Pflanzenjäger namens Gordon Douglas gegeben hat. Oder ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass einfach der Vorname von David in Gordon umgeändert worden ist (wieso?). Einzelne geschilderte Episoden müssen nämlich laut früher gelesenen Pflanzenjägerbüchern jedoch eindeutig David Douglas zugeordnet werden.
Berndt Schulz:
Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Sutton Verlag, 2012
Im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms wird der Bethmannpark von Hilfsgärtnern gepflegt, bei denen es sich allesamt um entlassene Strafgefangene handelt. Deren Leiter Gerd Halland ist darum besorgt, dass diese ihre Einsatzpläne einhalten und beispielsweise die Blumenrabatten von Unkraut befreien.
Wieder einmal möchte Max Horner auf seiner Parkbank in einem spannenden Buch lesen. Doch bevor er sich in seine Lieblingslektüre vertiefen kann, entdeckt er just zum Zeitpunkt, wo sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Baumkronen der Anlage ausbreiten und bereits für Aufregung sorgen, im Teich die Leiche des Hilfgärtnerleiters Gerd Halland, der eine Pergamentrolle in der Hand hält. Liebend gerne würde Max Horner wissen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat. Und da sich dieser Todesfall in seinem Park ereignet hat, kann es der Kriminalhauptkommissar a.D. natürlich nicht unterlassen, eigene Recherchen anzustellen und in der nicht ganz lupenreinen Vergangenheit des Opfers herumzustochern, der Zeit seines Lebens ein Aussenseiter war und unermüdlich bestrebt, nicht aufzufallen und zu sein wie alle anderen. Ist tatsächlich immer ein Gärtner der Mörder? Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls im Hilfsgärtnerteam?
Neben eingestreuten Berichten über die Abenteuer von Pflanzenjägern werden auch immer wieder Gartentipps in die Lektüre eingeflochten und Horner philosophiert beispielsweise über inneren Wildwuchs bei Menschen und äusseren Wildwuchs in der Parkanlage. Es ist wohl nicht übertrieben anzumerken, dass der Kriminalfall ab und an im Vergleich zu den hortikulturellen Erwähnungen eher in den Hintergrund rückt, denn schliesslich passieren die Tat sowie die darauf folgenden Ermittlungen erst nach etlichen gelesenen Seiten. Genau diese Tatsache macht das Buch mit viel Lokalkolorit aber eben für Gartenfreunde speziell empfehlenswert.
„Moderholz“ ist übrigens das erste Buch aus einer neuen Krimi-Reihe um den ermittelnden Gartenliebhaber Max Horner. Neben der Vorfreude auf die Fortsetzung verbleibt mir nun nur noch, genauer nachzuforschen, ob es tatsächlich einen Pflanzenjäger namens Gordon Douglas gegeben hat. Oder ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass einfach der Vorname von David in Gordon umgeändert worden ist (wieso?). Einzelne geschilderte Episoden müssen nämlich laut früher gelesenen Pflanzenjägerbüchern jedoch eindeutig David Douglas zugeordnet werden.
Berndt Schulz:
Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Sutton Verlag, 2012
20. Februar 2012
Helen Babbs: My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Mit Mitte zwanzig hat Helen Babbs beschlossen, ein bisschen London City-grau in City-grün zu verwandeln. Die junge Frau verfügte bis dato über keine gärtnerische Erfahrung und ihr Miniexperimentierfeld von drei Quadratmetern Grösse befand sich in luftiger Höhe zwischen Wolkenkratzern, Schornsteinen und Dachzinnen. In ihrem Büchlein beschreibt sie, wie sie an einem Tag im Februar ziemlich unbedarft loszog, um an einem Anlass namens „Seedy Sunday“ Sämereien zu besorgen, die den Grundstock für die Ausführung ihrer Pläne bilden sollen, diese Beute aussäte, hegte und pflegte und schliesslich ihre erste Ernte einbringen konnte.
Zwischen ihren Berichten über die gärtnerischen Tätigkeiten streut Babbs immer wieder ökologische Überlegungen ein, gibt Tipps für „grüne“ Ausflüge in London und erzählt vom Tierleben in der Höhe. Sie mag zwar gerne ihre Tomatenernte mit einem Eichhörnchen teilen, ärgert sich aber heftig über die Unbelehrbarkeit des Vierbeiners. Warum muss er auch jeden Abend eine der abgezählten und kaum reifen Tomaten probieren, nur um erneut festzustellen, dass er Tomaten nicht mag und die zerquetschten Reste achtlos liegen lassen? Überhaupt öffnet das Exeperiment Helen Babbs Augen für die vielen, oft etwas versteckten grünen Flecken in der britischen Hauptstadt und sie lernt, dass die grössten Tomaten nicht unbedingt die schmackhaftesten sein müssen.
Im Anschluss an die Zusammenfassung dieses Gartenjahres Richtung Wolken erläutert die Autorin in Kurzform ihre Erfolge und Misserfolge. Dazu gehört auch, dass Dachgärten oft starken Winden ausgesetzt sind, man/frau sich dafür aber problemlos ungekämmt und im Pyjama um die Topfpflanzenschätze kümmern kann...
Helen Babbs:
My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Timber Press, 2011
Zwischen ihren Berichten über die gärtnerischen Tätigkeiten streut Babbs immer wieder ökologische Überlegungen ein, gibt Tipps für „grüne“ Ausflüge in London und erzählt vom Tierleben in der Höhe. Sie mag zwar gerne ihre Tomatenernte mit einem Eichhörnchen teilen, ärgert sich aber heftig über die Unbelehrbarkeit des Vierbeiners. Warum muss er auch jeden Abend eine der abgezählten und kaum reifen Tomaten probieren, nur um erneut festzustellen, dass er Tomaten nicht mag und die zerquetschten Reste achtlos liegen lassen? Überhaupt öffnet das Exeperiment Helen Babbs Augen für die vielen, oft etwas versteckten grünen Flecken in der britischen Hauptstadt und sie lernt, dass die grössten Tomaten nicht unbedingt die schmackhaftesten sein müssen.
Im Anschluss an die Zusammenfassung dieses Gartenjahres Richtung Wolken erläutert die Autorin in Kurzform ihre Erfolge und Misserfolge. Dazu gehört auch, dass Dachgärten oft starken Winden ausgesetzt sind, man/frau sich dafür aber problemlos ungekämmt und im Pyjama um die Topfpflanzenschätze kümmern kann...
Helen Babbs:
My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Timber Press, 2011
17. Februar 2012
Franziska Bark Hagen (Hrsg.): Versuche das Glück im Garten zu finden
Neben Vorwort und Einleitung hat diese Publikation acht bebilderte Essays zum Inhalt:
- Das Paradies verorten: Eine Rückblende
- Gebetsteppich: Eine Mauer, die einen Garten umschliesst
- Kriegsgarten: Humus Human
- Kredit: Schuld und Schulden
- Eruv: Die Stadt als Haus
- Gemeinschaftsgarten: Vom Kultivieren der Nachbarschaft
- Whole Earth Catalog: Die Katalogisierung der Welt
- Apfelhain: Der Himmel des Erschaffens
Kenneth Helphand geht der Frage nach, wie es kommt, dass sich mitten in Kriegsgebieten Gärten finden lassen. Solche unter extremen Bedingungen angelegten Pflanzflecke entstanden beispielsweise hinter den Schützengräben im 1. Weltkrieg oder im Warschauer Ghetto. Die Pflege derselben lenkt ab und lässt – für kurze Zeit wenigstens – den Krieg vergessen. Der Textverfasser hat zu diesem Thema bereits ein Buch mit dem Titel „Defiant Gardener: Marking Gardens in Wartime“ geschrieben, in welchem er sich detailliert mit Kriegsgärten auseinandersetzt.
Was hat der Sündenfall im Paradies mit Schulden zu tun? Brett Williams vergleicht das heutige (sicher nicht nur amerikanische!) Konsumverhalten mit den paradiesischen Verfehlungen, wo seinerzeit ebenfalls die Konsequenzen ausgeblendet worden sind.
Weitere Themen sind die Victoriy-Gärten (siehe Buchvorstellung "The Victory Garden" von Lee Kochenderfer), das in Industriekörben und Reissäcken angebaute mobile „Nomadische Grün“ des Prinzessinnengartens auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg (passend dazu die aktuelle Neuerscheinung „Prinzessinengärten – Anders gärtnern in der Stadt“ herausgegeben von Nomadisch Grün im Dumont Buchverlag) und der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger, der einen umfangreichen Obstgarten anlegte aus alten Sorten, die er selber aus gesammelten und gezogenen Apfelkernen zog. In anderen Beiträgen geht es um Garten und Religion, etwa um Gebetsteppiche von Muslimen und Eruv-Zäune, die es orthodoxen Juden erlauben, die strengen Sabbatregeln einzuhalten.
Franziska Bark Hagen (Hrsg.):
Versuche das Glück im Garten zu finden
Lars Müller Publishers, 2011
- Das Paradies verorten: Eine Rückblende
- Gebetsteppich: Eine Mauer, die einen Garten umschliesst
- Kriegsgarten: Humus Human
- Kredit: Schuld und Schulden
- Eruv: Die Stadt als Haus
- Gemeinschaftsgarten: Vom Kultivieren der Nachbarschaft
- Whole Earth Catalog: Die Katalogisierung der Welt
- Apfelhain: Der Himmel des Erschaffens
Kenneth Helphand geht der Frage nach, wie es kommt, dass sich mitten in Kriegsgebieten Gärten finden lassen. Solche unter extremen Bedingungen angelegten Pflanzflecke entstanden beispielsweise hinter den Schützengräben im 1. Weltkrieg oder im Warschauer Ghetto. Die Pflege derselben lenkt ab und lässt – für kurze Zeit wenigstens – den Krieg vergessen. Der Textverfasser hat zu diesem Thema bereits ein Buch mit dem Titel „Defiant Gardener: Marking Gardens in Wartime“ geschrieben, in welchem er sich detailliert mit Kriegsgärten auseinandersetzt.
Was hat der Sündenfall im Paradies mit Schulden zu tun? Brett Williams vergleicht das heutige (sicher nicht nur amerikanische!) Konsumverhalten mit den paradiesischen Verfehlungen, wo seinerzeit ebenfalls die Konsequenzen ausgeblendet worden sind.
Weitere Themen sind die Victoriy-Gärten (siehe Buchvorstellung "The Victory Garden" von Lee Kochenderfer), das in Industriekörben und Reissäcken angebaute mobile „Nomadische Grün“ des Prinzessinnengartens auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg (passend dazu die aktuelle Neuerscheinung „Prinzessinengärten – Anders gärtnern in der Stadt“ herausgegeben von Nomadisch Grün im Dumont Buchverlag) und der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger, der einen umfangreichen Obstgarten anlegte aus alten Sorten, die er selber aus gesammelten und gezogenen Apfelkernen zog. In anderen Beiträgen geht es um Garten und Religion, etwa um Gebetsteppiche von Muslimen und Eruv-Zäune, die es orthodoxen Juden erlauben, die strengen Sabbatregeln einzuhalten.
Franziska Bark Hagen (Hrsg.):
Versuche das Glück im Garten zu finden
Lars Müller Publishers, 2011
13. Februar 2012
Cristina Lopez Barrio: Der Garten des ewigen Frühlings
In einem entlegenen Winkel von Kastilien zwischen Bergen und harten Böden, wo die Hirsche vor Liebe röhen und der Geruch von Schwarzpulver aus Jagdgewehren die Luft erfüllt, leben die Laguna-Frauen, auf denen schon seit langer Zeit ein Fluch lastet. Alle werden sie von ihrer grossen Liebe verlassen, bleiben unverheiratet zurück und müssen ihre ausnahmslos weiblichen Nachkommen alleine grossziehen, die dann wieder das gleiche Schicksal erleiden. Sie sind zur Schande verurteilt und werden von den übrigen Dorfbewohnern verspottet und weitgehend gemieden.
Auch Clara kann diesem Verhängnis nicht entgehen, als sie sich in einen reichen Andalusier verliebt, der in einem Herbst in ihrem Dorf auftaucht, um zu jagen. Auch sie bleibt schwanger zurück. Immerhin hat ihr der Mann aus dem Süden ein Grundstück samt Haus, der roten Villa, überschrieben. Sie soll sich ihren Lebensunterhalt als Bäuerin verdienen. Und er hat versprochen, zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes zurückzukehren.
Als Clara schliesslich realisiert, dass auch sie vom Fluch der Laguna-Frauen nicht verschont wird, beschliesst sie, ihr Leben der Rache zu widmen und richtet in ihrer Villa ein Bordell ein. Während rundherum der Herbst Einzug hält, geschieht in der Stille des Villengartens ein Frühlingswunder: in Claras Garten blühen Margariten, die sich zwischen den Steinplatten ausbreiten und mitten im vertrockneten Herbstlaub an den Ästen der Bäume spriessen Knospen.
Als Claras Tochter Manuela geboren wird, überlässt sie die Betreuung derselben ihrer Köchin Bernarda, die ihre Herrin vergöttert, mit himmlischen Kochkünsten gesegnet ist, aber nicht richtig sprechen kann. Claras Garten blüht weiterhin unermüdlich und ohne Rücksicht auf den Wechsel der Jahreszeiten. Er weist eine unglaubliche Fruchtbarkeit auf und Claras Etablissement ist gut besucht. Aber der Andalusier kehrt nicht zurück und ihre Rache bleibt unerfüllt. Als sie schliesslich stirbt, hinterlässt sie eine Tochter, die über den Tod hinaus ihren Geist fürchtet, der das Grab verlassen und den Garten durchstreifen könnte.
Neben Frauen spielen auch zwei Priester wichtige Rollen im Roman. Einer hält lebendige, fiebrige Predigten, der andere hat ein sanftmütiges Wesen, aber sein elefantenartiges Gepolter erschüttert die ganze Umgebung und lässt an Erdbeben denken. „Der Garten des ewigen Frühlings“ ist eine phantasievolle Familiensaga über mehrere Generationen von Laguna-Frauen – gespickt mit tragischen Todesfällen, leidenschaftlichen und unerfüllten Lieben, voller geheimnisvoller Düfte sowie inspirierenden und ekligen Kochkünsten, mal mitreissend, aber zuweilen auch abstossend.
Cristina Lopez Barrio:
Der Garten des ewigen Frühling
Droemer Verlag, 2011
Das Geheimnis der roten Villa (TB-Ausgabe)
Knaur Taschenbuch Verlag, 2014
Auch Clara kann diesem Verhängnis nicht entgehen, als sie sich in einen reichen Andalusier verliebt, der in einem Herbst in ihrem Dorf auftaucht, um zu jagen. Auch sie bleibt schwanger zurück. Immerhin hat ihr der Mann aus dem Süden ein Grundstück samt Haus, der roten Villa, überschrieben. Sie soll sich ihren Lebensunterhalt als Bäuerin verdienen. Und er hat versprochen, zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes zurückzukehren.
Als Clara schliesslich realisiert, dass auch sie vom Fluch der Laguna-Frauen nicht verschont wird, beschliesst sie, ihr Leben der Rache zu widmen und richtet in ihrer Villa ein Bordell ein. Während rundherum der Herbst Einzug hält, geschieht in der Stille des Villengartens ein Frühlingswunder: in Claras Garten blühen Margariten, die sich zwischen den Steinplatten ausbreiten und mitten im vertrockneten Herbstlaub an den Ästen der Bäume spriessen Knospen.
Als Claras Tochter Manuela geboren wird, überlässt sie die Betreuung derselben ihrer Köchin Bernarda, die ihre Herrin vergöttert, mit himmlischen Kochkünsten gesegnet ist, aber nicht richtig sprechen kann. Claras Garten blüht weiterhin unermüdlich und ohne Rücksicht auf den Wechsel der Jahreszeiten. Er weist eine unglaubliche Fruchtbarkeit auf und Claras Etablissement ist gut besucht. Aber der Andalusier kehrt nicht zurück und ihre Rache bleibt unerfüllt. Als sie schliesslich stirbt, hinterlässt sie eine Tochter, die über den Tod hinaus ihren Geist fürchtet, der das Grab verlassen und den Garten durchstreifen könnte.
Neben Frauen spielen auch zwei Priester wichtige Rollen im Roman. Einer hält lebendige, fiebrige Predigten, der andere hat ein sanftmütiges Wesen, aber sein elefantenartiges Gepolter erschüttert die ganze Umgebung und lässt an Erdbeben denken. „Der Garten des ewigen Frühlings“ ist eine phantasievolle Familiensaga über mehrere Generationen von Laguna-Frauen – gespickt mit tragischen Todesfällen, leidenschaftlichen und unerfüllten Lieben, voller geheimnisvoller Düfte sowie inspirierenden und ekligen Kochkünsten, mal mitreissend, aber zuweilen auch abstossend.
Cristina Lopez Barrio:
Der Garten des ewigen Frühling
Droemer Verlag, 2011
Das Geheimnis der roten Villa (TB-Ausgabe)
Knaur Taschenbuch Verlag, 2014
9. Februar 2012
Georg Thiem und Edgar Sommer: Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Beim Umräumen der Bücherregale auf der Suche nach einem Plätzchen für die neuesten Zugänge habe ich das Buch „Private Gartenparadiese in Niedersachsen“ wiederentdeckt, das ich nach dem Erwerb vor ziemlich genau vier Jahren auf einem Gestell eingeordnet und dann vergessen habe. Ein „Bücherschicksal“, das es mit etlichen anderen Titeln zu tragen hat, da meine verfügbare Lesezeit leider nicht ganz kompatibel ist mit der Gier oder Sucht nach potentiellem interessantem Lesefutter. Mein Interesse auf die Lektüre dieses Buches wurde definitiv geweckt, als ich beim Durchblättern entdeckt habe, dass Marita Eichler, deren Buch „Über Zäune schauen“ ich hier einmal kurz erwähnt habe, zu den portraitierten Gärtnerinnen und Gärtnern gehört.
Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.
Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.
Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).
Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007
Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.
Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.
Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).
Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007
5. Februar 2012
K.L. Going: The Garden of Eve / Evies Garten
Die zehnjährige Eve zieht mit ihrem Vater knapp ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter nach Beaumont. Ihr Vater hat dort ein grosses Stück Land vollbepflanzt mit Obstbäumen günstig erwerben können. Deshalb günstig, weil die Bäume schon seit langer Zeit keine Früchte mehr tragen. Die Dorfbewohner glauben, dass auf der Plantage ein Fluch liegt, was Evies Vater aber als Aberglauben abtut. Er ist überzeugt, dass die Obstbäume mangels Pflege krank sind und durch richtige Behandlung und viel Arbeit bald wieder Früchte tragen und ihm und seiner Tochter ein Auskommen bieten werden.
Evie vermisste ihre Mutter schmerzlich. Diese hat ihr täglich aus Büchern vorgelesen und Geschichten von schönen Gärten und magischen Ländern mit Einhörnern und Schlössern erzählt. Warum nur schaut die Wirklichkeit so ganz anders aus? Als Evie dann auch noch feststellen muss, dass ihr neues Zuhause direkt an einen Friedhof grenzt, beschliesst sie, keinen Schritt mehr nach draussen zu unternehmen.
Dieser Vorsatz kommt heftig ins Wanken, als das Mädchen vom Fenster aus immer wieder einen seltsam bleichen Jungen sieht, der sich trotz grosser Kälte den ganzen Tag zwischen den Grabsteinen aufhält. Als sie den Jungen namens Alex schliesslich kennenlernt, entdeckt sie, dass er ganz genau so aussieht wie der Junge auf der Prayer-Card, die sie am Tage ihrer Ankunft in Beaumont erhalten hat, als eben dieser Junge zu Grabe getragen worden ist. So zweifelt Evie nicht gross an den Erklärungen des sich zwischen den Gräbern bewegenden Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein.
Kurz darauf erhält Evie an ihrem elften Geburtstag von Maggie, der Schwester des verstorbenen Vorbesitzers der Obstplantage, eine Schachtel, die einen einzelnen Samen enthält. Dieser soll aus dem Garten Eden stammen und vor vielen Jahren von Maggies Vater, einem Botaniker und Schatzsucher, nach Beaumont gebracht worden sein.
Als Evie zusammen mit Alex den Samen im Obstgarten einpflanzt, kann sie nicht ahnen, was sie damit auslöst. Die beiden Kinder finden sich unvermittelt in einer magischen Welt wieder. Aber gibt es auch einen Weg zurück? Und was für eine Verbindung besteht zwischen Evie und der gleichnamigen vor Jahren spurlos verschwundenen Schwester von Maggie und ihrem Bruder Rodney?
K.L. Going:
The Garden of Eve
Houghton Mifflin Harcourt, 2007
Evies Garten
Bastei Lübbe, 2012 (erscheint im Mai)
Evie vermisste ihre Mutter schmerzlich. Diese hat ihr täglich aus Büchern vorgelesen und Geschichten von schönen Gärten und magischen Ländern mit Einhörnern und Schlössern erzählt. Warum nur schaut die Wirklichkeit so ganz anders aus? Als Evie dann auch noch feststellen muss, dass ihr neues Zuhause direkt an einen Friedhof grenzt, beschliesst sie, keinen Schritt mehr nach draussen zu unternehmen.
Dieser Vorsatz kommt heftig ins Wanken, als das Mädchen vom Fenster aus immer wieder einen seltsam bleichen Jungen sieht, der sich trotz grosser Kälte den ganzen Tag zwischen den Grabsteinen aufhält. Als sie den Jungen namens Alex schliesslich kennenlernt, entdeckt sie, dass er ganz genau so aussieht wie der Junge auf der Prayer-Card, die sie am Tage ihrer Ankunft in Beaumont erhalten hat, als eben dieser Junge zu Grabe getragen worden ist. So zweifelt Evie nicht gross an den Erklärungen des sich zwischen den Gräbern bewegenden Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein.
Kurz darauf erhält Evie an ihrem elften Geburtstag von Maggie, der Schwester des verstorbenen Vorbesitzers der Obstplantage, eine Schachtel, die einen einzelnen Samen enthält. Dieser soll aus dem Garten Eden stammen und vor vielen Jahren von Maggies Vater, einem Botaniker und Schatzsucher, nach Beaumont gebracht worden sein.
Als Evie zusammen mit Alex den Samen im Obstgarten einpflanzt, kann sie nicht ahnen, was sie damit auslöst. Die beiden Kinder finden sich unvermittelt in einer magischen Welt wieder. Aber gibt es auch einen Weg zurück? Und was für eine Verbindung besteht zwischen Evie und der gleichnamigen vor Jahren spurlos verschwundenen Schwester von Maggie und ihrem Bruder Rodney?
K.L. Going:
The Garden of Eve
Houghton Mifflin Harcourt, 2007
Evies Garten
Bastei Lübbe, 2012 (erscheint im Mai)
1. Februar 2012
Carol Olwell: Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Beim Zusammenfassen meiner Gedanken nach der Lektüre von gelesenen Büchern, die ich hier im Blog vorstelle, merke ich immer häufiger, dass mich die Gärtner und ihre Beweggründe zu gärtnern oft beinahe mehr interessieren als das Resultat – sprich der Garten – selber. Genau in dieses Bücher-Beuteschema passt auch die aus dem Jahr 1990 stammende Publikation „Gardening from the Heart“ von Carol Olwell. Unter den Begriffen „The Garden as Paradise“, „The Garden as Provider“, „ The Garden as Teacher“ und „The Garden as Healer“ stellt sie die unterschiedlichsten Persönlichkeiten vor.
Mary Kenady ist auf der Suche nach der absoluten Schönheit und unermüdlich bestrebt, diese Vision zu erreichen. Loie Benedict begann zwar erst im Alter von 68 Jahren, ihre gesamte Zeit dem Garten zu widmen, verbringt nun aber regelmässig sechs bis zehn Stunden pro Tag in und mit ihm und denkt selber gelegentlich, sie sei wohl etwas verrückt, sich in ihrem Alter und trotz heftiger Rückenschmerzen noch dermassen abzuplagen. Da dem Garten und Gärtnern jedoch ihr Hauptinteresse gilt, schiebt sie solche Überlegungen gleich wieder von sich. Schliesslich ist sie schlicht und einfach süchtig.
Bob Shepard gärtnert in der Wüste. Mit Ideenreichtum und viel Mühe hat er der unwirtlichen Landschaft ein Stück abgetrotzt und in eine Oase verwandelt. Und wenn ein Strauch angesichts der schwierigen Bedingungen kapituliert und abstirbt, ist das nicht weiter tragisch, sondern schafft im Gegenteil willkommenen Platz für neues.
Sarah Nichols fand die minimale Grösse ihres Gartens problematisch. Das brachte sie auf die Idee, mit ihrer 110jährigen (!) Nachbarin einen Deal abzuschliessen. Nachdem die trennenden Zäune entfernt worden sind, pflegt Sarah nun ohne Entgelt deren Garten nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Und schon bald nach der Vergrösserung ihres Arbeitsfeldes konnte sie das gleiche Abkommen mit der Nachbarin auf der anderen Seite des Gartens abschliessen und verfügt nun über ausreichend Fläche, um sich im grünen Bereich nach Herzenslust auszutoben.
Weitere interessante Stichworte aus dem Buch sind „Plantaholics“, „Meine Verbindung zum Garten ist eine Liebesbeziehung“, „meine Nachbarn bezeichnen mich als hortikulturellen Imperialisten“, „Ich habe meine Nachbarin erschreckt, weil ich sie mich dabei erwischt hat, wie ich mich bei einer Rose für den nötigen Rückschnitt entschuldigt habe“, „… meine Bäume gehören für mich zur Familie und sind eine Art Ersatz für die weit entfernt wohnenden Familienmitglieder“. Die portraitierten Menschen gärtnern unter den unterschiedlichsten klimatischen und sozialen Bedingungen und wir erfahren von Problemen, die sich in der Wüste stellen oder in Alaska, welche Hindernisse in einer Gefängnisgärtnerei zu überwinden sind und von teilweise recht eigenwilligen und ungewöhnlichen Lösungsansätzen.
Das Buch „Gardening from the Heart“ ist vor über zwanzig Jahren erschienen, hat aber nichts an Aktualität eingebüsst. Wie die vorgestellten Gärtner wohl heute gärtnern und ihre Gärten aussehen? Bei der Lektüre dieser Publikation kommt man nicht darum herum, sich zu überlegen, ob und was in Sachen damals erträumter Ökologie realisiert worden ist. Im Anhang des Buches wird auf rund dreissig Seiten ausführlich über Pestizide und ihre Auswirkungen informiert. Eine ursprünglich aus Schweden stammende Frau erzählt an einer anderen Stelle im Buch von aufrüttelnden Telefonaten mit ihrer Familie in Nordeuropa, wo Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobil noch immer mit gemischten Gefühlen Gemüse angepflanzt und gegessen wird. Und wie sieht es heute aus, nicht einmal ein Jahr nach Fukushima? Die Katastrophe ist in den meisten Köpfen wieder in den Hintergrund gerückt und längst dominieren andere Nachrichten die Schlagzeilen…
Carol Olwell:
Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Antelope Island Press, 1990
Mary Kenady ist auf der Suche nach der absoluten Schönheit und unermüdlich bestrebt, diese Vision zu erreichen. Loie Benedict begann zwar erst im Alter von 68 Jahren, ihre gesamte Zeit dem Garten zu widmen, verbringt nun aber regelmässig sechs bis zehn Stunden pro Tag in und mit ihm und denkt selber gelegentlich, sie sei wohl etwas verrückt, sich in ihrem Alter und trotz heftiger Rückenschmerzen noch dermassen abzuplagen. Da dem Garten und Gärtnern jedoch ihr Hauptinteresse gilt, schiebt sie solche Überlegungen gleich wieder von sich. Schliesslich ist sie schlicht und einfach süchtig.
Bob Shepard gärtnert in der Wüste. Mit Ideenreichtum und viel Mühe hat er der unwirtlichen Landschaft ein Stück abgetrotzt und in eine Oase verwandelt. Und wenn ein Strauch angesichts der schwierigen Bedingungen kapituliert und abstirbt, ist das nicht weiter tragisch, sondern schafft im Gegenteil willkommenen Platz für neues.
Sarah Nichols fand die minimale Grösse ihres Gartens problematisch. Das brachte sie auf die Idee, mit ihrer 110jährigen (!) Nachbarin einen Deal abzuschliessen. Nachdem die trennenden Zäune entfernt worden sind, pflegt Sarah nun ohne Entgelt deren Garten nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Und schon bald nach der Vergrösserung ihres Arbeitsfeldes konnte sie das gleiche Abkommen mit der Nachbarin auf der anderen Seite des Gartens abschliessen und verfügt nun über ausreichend Fläche, um sich im grünen Bereich nach Herzenslust auszutoben.
Weitere interessante Stichworte aus dem Buch sind „Plantaholics“, „Meine Verbindung zum Garten ist eine Liebesbeziehung“, „meine Nachbarn bezeichnen mich als hortikulturellen Imperialisten“, „Ich habe meine Nachbarin erschreckt, weil ich sie mich dabei erwischt hat, wie ich mich bei einer Rose für den nötigen Rückschnitt entschuldigt habe“, „… meine Bäume gehören für mich zur Familie und sind eine Art Ersatz für die weit entfernt wohnenden Familienmitglieder“. Die portraitierten Menschen gärtnern unter den unterschiedlichsten klimatischen und sozialen Bedingungen und wir erfahren von Problemen, die sich in der Wüste stellen oder in Alaska, welche Hindernisse in einer Gefängnisgärtnerei zu überwinden sind und von teilweise recht eigenwilligen und ungewöhnlichen Lösungsansätzen.
Das Buch „Gardening from the Heart“ ist vor über zwanzig Jahren erschienen, hat aber nichts an Aktualität eingebüsst. Wie die vorgestellten Gärtner wohl heute gärtnern und ihre Gärten aussehen? Bei der Lektüre dieser Publikation kommt man nicht darum herum, sich zu überlegen, ob und was in Sachen damals erträumter Ökologie realisiert worden ist. Im Anhang des Buches wird auf rund dreissig Seiten ausführlich über Pestizide und ihre Auswirkungen informiert. Eine ursprünglich aus Schweden stammende Frau erzählt an einer anderen Stelle im Buch von aufrüttelnden Telefonaten mit ihrer Familie in Nordeuropa, wo Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobil noch immer mit gemischten Gefühlen Gemüse angepflanzt und gegessen wird. Und wie sieht es heute aus, nicht einmal ein Jahr nach Fukushima? Die Katastrophe ist in den meisten Köpfen wieder in den Hintergrund gerückt und längst dominieren andere Nachrichten die Schlagzeilen…
Carol Olwell:
Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Antelope Island Press, 1990
29. Januar 2012
Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Zu den Büchern, deren Lektüre letztes Jahr einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht haben, zählt ganz bestimmt der Titel „The Sound of a Wild Snail Eating“, den ich am 13. Juli 2011 vorgestellt habe. Die ans Bett gefesselte Journalistin Elisabeth Tova Bailey erzählt darin ihre Geschichte über die Freundschaft zu einer Schnecke. Das Buch erscheint nun Anfang Februar unter dem Titel „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ auch auf Deutsch. Unbedingt lesenswert!
Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012
Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012
25. Januar 2012
Sarah Harvey: Das Rosenhaus
Nach vierzehn gemeinsam in London verbrachten Jahren ziehen Lily und Liam nach Cornwall. Der 38jährige Liam tritt dort eine Traumstelle an, während Lily diesem Umzug nur widerwillig zugestimmt hat und mit Ausnahme ihres Mannes und ihrer Habseligkeiten alles war ihr lieb und teuer war in der Grossstadt zurücklassen musste. Das abgeschieden gelegene Traumhaus „Rose Cottage“ an der Küste ist ihr kein Trost. Während Liam von seiner neuen Tätigkeit völlig vereinnahmt wird, fühlt Lily sich im winterlichen und verlassenen Cornwall wie lebendig begraben. Die Kälte und der Nebel widerspiegeln deutlich ihr Stimmungslage und noch Wochen nach dem Domizilwechsel stehen die meisten Umzugkartons noch vollgegepackt herum.
Lily und Liam werden sich immer fremder. Doch gerade als die junge Frau nach einem heftigen Streit ernsthaft in Erwägung zieht, ihren Mann zu verlassen, verunfallt dieser auf einer Baustelle schwer. Die lange, schwere Rekonvaleszenz führt entgegen Lilys Erwartungen nicht zu einer Annäherung zwischen den Eheleuten, sondern entwickelt sich im Gegenteil zu einer zermürbenden Zerreisprobe. Wann waren die beiden letztmals selbstvergessen und sorglos beisammen? Werden sie nochmals zueinander finden?
Der Garten ist im Roman praktisch unbedeutend und wird nur ab und an kurz erwähnt, wenn etwa von steinernen Hochbeeten und vertrockneten Überresten ehemals üppiger Pflanzen die Rede ist. Eine Ausnahme bildet die Stelle, an welcher Lily im Garten radikal „aufräumt“ und sämtliche Rosen auf eine Höhe von ungefähr dreissig Zentimeter herunterschneidet oder eher massakriert. Zwar in hortikultureller Hinsicht kein Highlight, aber ein sehr einfühlsam und authentisch geschriebener Roman.
Sarah Harvey:
Das Rosenhaus
Piper Verlag, 2011
Lily und Liam werden sich immer fremder. Doch gerade als die junge Frau nach einem heftigen Streit ernsthaft in Erwägung zieht, ihren Mann zu verlassen, verunfallt dieser auf einer Baustelle schwer. Die lange, schwere Rekonvaleszenz führt entgegen Lilys Erwartungen nicht zu einer Annäherung zwischen den Eheleuten, sondern entwickelt sich im Gegenteil zu einer zermürbenden Zerreisprobe. Wann waren die beiden letztmals selbstvergessen und sorglos beisammen? Werden sie nochmals zueinander finden?
Der Garten ist im Roman praktisch unbedeutend und wird nur ab und an kurz erwähnt, wenn etwa von steinernen Hochbeeten und vertrockneten Überresten ehemals üppiger Pflanzen die Rede ist. Eine Ausnahme bildet die Stelle, an welcher Lily im Garten radikal „aufräumt“ und sämtliche Rosen auf eine Höhe von ungefähr dreissig Zentimeter herunterschneidet oder eher massakriert. Zwar in hortikultureller Hinsicht kein Highlight, aber ein sehr einfühlsam und authentisch geschriebener Roman.
Sarah Harvey:
Das Rosenhaus
Piper Verlag, 2011
21. Januar 2012
Silvio Waser: Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann
In einer hiesigen wöchentlich erscheinenden Gratis-Zeitung findet sich regelmässig eine Kolumne mit dem Titel „kurz und püntig“. „Püntig“ ist eine Wortspielerei aus den Begriffen "bündig" und "Pünt", dem lokalen Dialektausdruck für Schrebergarten. In der Gartenspalte wird Lesern die Gelegenheit gegeben, ihren grünen Fleck vorzustellen und hortikulturelle Tipps zu veröffentlichen. Letzthin lautete der Titel „Gute Gartengeister“ und zu diesem Thema berichtete ein spiritueller Gärtner über seine diesbezüglichen Erfahrungen, die er zusätzlich im Eigenverlag in einer eigenen Publikation veröffentlicht hat.
Nun bin ich nicht unbedingt für Esoterik empfänglich und das Gebiet interessiert mich nicht gerade brennend. Da aber der Autor in derselben Stadt gärtnert wie ich, war ich doch neugierig auf das Buch. Dieses gibt einen detaillierten Einblick in die sogenannte feinstoffliche Welt der Natur, sprich das Reich der Elfen und Gnome. Man erfährt, mit welchen energetischen Hilfsmitteln die Erdheilung angekurbelt werden kann und liest über die Anreicherung von Giesswasser mit Informationen und über die Wirkung von Heilsteinen im Garten. Der Autor gibt des weiteren Anregungen, wie das Herz eines Gartens und ein passender Namen für denselben gefunden werden kann und er zeigt das Anlegen von Gartenmandalas und Hügelbeeten. Weitere Stichworte sind Meditation, Heilsymbole, Naturaltar, das Vermitteln von hautnahen Informationen an den Garten und Silvio Waser rät dem Gärtner, mit Hilfe eines Pendels mit dem Garten zu kommunizieren und diesen direkt nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu fragen.
Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet und die Publikation ist farbig illustriert, wobei die Fotos teilweise recht unscharf sind. Wie oft in Eigenpublikationen finden sich leider recht viele orthographische Fehler im Text. Während der durchaus interessanten Lektüre habe ich festgestellt, dass ich zu fest geerdet bin (oder vielleicht zu wenig?), um mit Spiritualität im Garten etwas anfangen zu können. Und gleicher Wohnort und gleiches grünes Hobby bedeutet ja noch lange nicht, dass man die gleichen Ansichten vertreten muss und die Vorlieben identisch sind.
Silvio Waser:
Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann
One Spirit Verlag, 2011
Nun bin ich nicht unbedingt für Esoterik empfänglich und das Gebiet interessiert mich nicht gerade brennend. Da aber der Autor in derselben Stadt gärtnert wie ich, war ich doch neugierig auf das Buch. Dieses gibt einen detaillierten Einblick in die sogenannte feinstoffliche Welt der Natur, sprich das Reich der Elfen und Gnome. Man erfährt, mit welchen energetischen Hilfsmitteln die Erdheilung angekurbelt werden kann und liest über die Anreicherung von Giesswasser mit Informationen und über die Wirkung von Heilsteinen im Garten. Der Autor gibt des weiteren Anregungen, wie das Herz eines Gartens und ein passender Namen für denselben gefunden werden kann und er zeigt das Anlegen von Gartenmandalas und Hügelbeeten. Weitere Stichworte sind Meditation, Heilsymbole, Naturaltar, das Vermitteln von hautnahen Informationen an den Garten und Silvio Waser rät dem Gärtner, mit Hilfe eines Pendels mit dem Garten zu kommunizieren und diesen direkt nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu fragen.
Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet und die Publikation ist farbig illustriert, wobei die Fotos teilweise recht unscharf sind. Wie oft in Eigenpublikationen finden sich leider recht viele orthographische Fehler im Text. Während der durchaus interessanten Lektüre habe ich festgestellt, dass ich zu fest geerdet bin (oder vielleicht zu wenig?), um mit Spiritualität im Garten etwas anfangen zu können. Und gleicher Wohnort und gleiches grünes Hobby bedeutet ja noch lange nicht, dass man die gleichen Ansichten vertreten muss und die Vorlieben identisch sind.
Silvio Waser:
Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann
One Spirit Verlag, 2011
17. Januar 2012
Mary A. Agria: Garden of Eve – Life in the Garden Series 2
Die Fortsetzung des letzthin hier vorgestellten Buches “Time in a Garden” beginnt ungefähr fünfzehn Monate nach dem plötzlichen Tod von Adam Groft kurz vor der geplanten Hochzeit mit Eve Brennermann. Der trauernden Eve erscheint seither alles farblos und dunkel und ihr Herz ist eingeschlossen in einer gefrorenen Welt. Erinnerungen und die Bürde der Verantwortung für das von Adam geerbte Gartencenter sind alles war ihr von der grossen Liebe ihres Lebens geblieben sind, die so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden ist, wie sie aufgetaucht ist. Auch ihre Gartenkolumne für die lokale Wochenzeitung mag Eve nur mit grosser Mühe verfassen.
Da tritt unvermittelt die schwangere, mittellose Anise in ihr Leben. Eve bietet der jungen Frau ein Zimmer in ihrem Haus an. Und ganz langsam findet Eve wieder Freude am Leben. Sie geniesst die Anwesenheit der hilfsbereiten Anise, wohnen ihre Töchter und deren Familien doch einen halben Kontinent entfernt. Und nicht nur das Formulieren der wöchentlichen Kolumne läuft bald wieder wie von selbst, auch das Schreiben ihrer persönlichen Novelle kommt zügig vorwärts und die Publikation derselben erweist sich als richtiger Verkaufsschlager. Daneben ist Eve mit der Gründung einer Stiftung in Erinnerung an Adam beschäftigt.
Im Laufe der Lektüre erfährt man plötzlich von einer bis anhin unbekannten verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Adam und der als Adoptionskind aufgewachsenen Anise, die mir etwas arg konstruiert erschien. Die „Life in the Garden Serie“ soll aber weitergehen und ich freue mich trotzdem bereits auf Band 3 mit dem Titel „From the Tender Stem“. Wann diese erscheint, habe ich allerdings nicht herausfinden können.
Mary A. Agria:
Garden of Eve – Life in the Garden Series 2
Eigenverlag, 2011
Da tritt unvermittelt die schwangere, mittellose Anise in ihr Leben. Eve bietet der jungen Frau ein Zimmer in ihrem Haus an. Und ganz langsam findet Eve wieder Freude am Leben. Sie geniesst die Anwesenheit der hilfsbereiten Anise, wohnen ihre Töchter und deren Familien doch einen halben Kontinent entfernt. Und nicht nur das Formulieren der wöchentlichen Kolumne läuft bald wieder wie von selbst, auch das Schreiben ihrer persönlichen Novelle kommt zügig vorwärts und die Publikation derselben erweist sich als richtiger Verkaufsschlager. Daneben ist Eve mit der Gründung einer Stiftung in Erinnerung an Adam beschäftigt.
Im Laufe der Lektüre erfährt man plötzlich von einer bis anhin unbekannten verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Adam und der als Adoptionskind aufgewachsenen Anise, die mir etwas arg konstruiert erschien. Die „Life in the Garden Serie“ soll aber weitergehen und ich freue mich trotzdem bereits auf Band 3 mit dem Titel „From the Tender Stem“. Wann diese erscheint, habe ich allerdings nicht herausfinden können.
Mary A. Agria:
Garden of Eve – Life in the Garden Series 2
Eigenverlag, 2011
13. Januar 2012
Hans-Jürgen Hennecke: Lindentod
Lindemann, ein gewissenhafter nicht mehr ganz junger Beamter und ausgeprägter Knoblauchliebhaber mit einer sozialen Ader, ist unter die Schrebergärtner gegangen. Seit kurzem hat er einen Kleingarten am Lindener Berg in Hannover gepachtet und träumt bereits von seiner Ernte. Insbesondere freut er sich auf schmackhafte Kirschen und Erdbeeren. Noch grösser ist im Moment nur die Vorfreude auf seinen wohlverdienten Urlaub, den er geruhsam in seinem 380 m2 grossen Garten zwischen Blumen und Sträuchern zu verbringen gedenkt.
So gemütlich wie Lindemann sich seine Ferien erträumt, werden sie dann aber nicht. Auf dem Parkplatz der Kleingartenanlage liegt eine Leiche. Mysteriöserweise verschwindet diese aber und ist nicht mehr aufzufinden. Dann taucht der angebliche Tote auf dem Laubenfest auf, löst sich aber auch hier wieder in Luft auf.
Auch sonst ist allerhand los in Hannover. Der Chefredaktor des „Lindenkuriers“ wird vermisst und im Teich der Schrebergartenanlage sollen illegal Giftmüllabfälle deponiert worden sein. Ausserdem kommt die Tante von Lindemanns Partnerin auf tragische Weise ums Leben, als sich an einem Lastwagen die ungenügend gesicherte Ladung löst und auf sie fällt. Einen weiteren Schrecken löst die Meldung aus, dass auf Satellitenfotos Bomben aus dem letzten Krieg entdeckt worden sind, die sich irgendwo unter den Parzellen der Kleingartenanlage am Lindener Berg befinden soll. Da wundert es den Leser kaum noch, dass sich in einem Hochbeet nicht nur Erde und Kompost finden lassen.
Aufgrund der Sondermüllabfall-Meldung wird allen Gärtnern der betroffenen Anlage davon abgeraten, Gemüse und Blumen aus ihrem Garten zu verwenden. Und wenn einem während des Urlaubes sogar das Ernten im eigenen Garten untersagt wird, muss man halt seine Zeit wohl oder übel mit anderen Tätigkeiten ausfüllen. Was liegt da für Lindemann näher, als selber etwas herumzuschnüffeln? In dieser Tätigkeit wird er von Pastor Sauerbier unterstützt und die beiden müssen sich bald die Frage stellen, ob die verschiedenen Vorkommnisse in jüngster Zeit einen Zusammenhang haben könnten.
Hans-Jürgen Hennecke:
Lindentod
Zu Klampen Verlag, 2010
So gemütlich wie Lindemann sich seine Ferien erträumt, werden sie dann aber nicht. Auf dem Parkplatz der Kleingartenanlage liegt eine Leiche. Mysteriöserweise verschwindet diese aber und ist nicht mehr aufzufinden. Dann taucht der angebliche Tote auf dem Laubenfest auf, löst sich aber auch hier wieder in Luft auf.
Auch sonst ist allerhand los in Hannover. Der Chefredaktor des „Lindenkuriers“ wird vermisst und im Teich der Schrebergartenanlage sollen illegal Giftmüllabfälle deponiert worden sein. Ausserdem kommt die Tante von Lindemanns Partnerin auf tragische Weise ums Leben, als sich an einem Lastwagen die ungenügend gesicherte Ladung löst und auf sie fällt. Einen weiteren Schrecken löst die Meldung aus, dass auf Satellitenfotos Bomben aus dem letzten Krieg entdeckt worden sind, die sich irgendwo unter den Parzellen der Kleingartenanlage am Lindener Berg befinden soll. Da wundert es den Leser kaum noch, dass sich in einem Hochbeet nicht nur Erde und Kompost finden lassen.
Aufgrund der Sondermüllabfall-Meldung wird allen Gärtnern der betroffenen Anlage davon abgeraten, Gemüse und Blumen aus ihrem Garten zu verwenden. Und wenn einem während des Urlaubes sogar das Ernten im eigenen Garten untersagt wird, muss man halt seine Zeit wohl oder übel mit anderen Tätigkeiten ausfüllen. Was liegt da für Lindemann näher, als selber etwas herumzuschnüffeln? In dieser Tätigkeit wird er von Pastor Sauerbier unterstützt und die beiden müssen sich bald die Frage stellen, ob die verschiedenen Vorkommnisse in jüngster Zeit einen Zusammenhang haben könnten.
Hans-Jürgen Hennecke:
Lindentod
Zu Klampen Verlag, 2010
9. Januar 2012
Josefa Amerstorfer: Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Im Garten der Blumenfreundin Grete ist eine hübsche Pflanzengesellschaft mit verschiedenen Charakteren versammelt. Dazu gehören eine stolze, eingebildete Zaubernuss, ein naiver Krokus, ein sturer, reisefreudiger Löwenzahn, eine liebenswerte, kratzbürstige Brennnessel und viele andere mehr.
Als nach dem Winter die ersten Frühblüher erwachen, bemerken diese sofort, dass die Gärtnerin Grete sich währende der kalten Jahreszeit verändert hat. Sie trägt nicht nur eine neue Frisur, auch ihr neuer Kleidungsstil hat nichts mehr mit den gewohnten einfachen und praktischen Klamotten gemeinsam, die sie bis anhin bevorzugt hat. Da sämtliche Pflanzen in diesem Zaubergarten mit der Schöpferin dieses blühenden Paradieses sprechen können, bleibt der Grund für die äusserliche Verwandlung nicht lange im Verborgenen. Nach einer gescheiterten Ehe und einem längeren Single-Dasein hat Grete endlich ihren Traummann gefunden und ist frisch verliebt.
Die verschiedenen Blumen, die oft den lieben langen Tag mit streiten verbringen, sind sich für einmal aussergewöhnlich einig, nachdem sie den Grund für Gretes Veränderung persönlich erlebt haben. Sie können Gretes Begeisterung für ihren Walter nicht teilen, er ist ihnen äusserst unsympathisch.
Kurze Zeit später wird nachts bei Grete eingebrochen. Die Gartenbewohner haben den Täter erkannt und wehren sich auf ihre Weise gegen den Eindringling. Die Igelfamilie quickt und der Rosenstrauch umgarnt ihn mit seinen stacheligen Ästen, so dass er sich darin verheddert. Damit stecken Salbei, Melisse, Pfefferminze und Co. mitten im Blumenkrimi. Und als sich tags darauf Walter von Grete trennt, sind nicht nur detektivische Fähigkeiten gefragt sondern auch Mitgefühl und Trost.
In dieser Lektüre kommt das umfangreiche Blumen- und Gartenwissen der Autorin auf jeder Seite stark ausgeprägt zum Ausdruck. Allerdings empfand ich die Dialoge zwischen den Blumen oft als langatmig und wiederholend.
Josefa Amerstorfer:
Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Agenda Verlag, 2009
Als nach dem Winter die ersten Frühblüher erwachen, bemerken diese sofort, dass die Gärtnerin Grete sich währende der kalten Jahreszeit verändert hat. Sie trägt nicht nur eine neue Frisur, auch ihr neuer Kleidungsstil hat nichts mehr mit den gewohnten einfachen und praktischen Klamotten gemeinsam, die sie bis anhin bevorzugt hat. Da sämtliche Pflanzen in diesem Zaubergarten mit der Schöpferin dieses blühenden Paradieses sprechen können, bleibt der Grund für die äusserliche Verwandlung nicht lange im Verborgenen. Nach einer gescheiterten Ehe und einem längeren Single-Dasein hat Grete endlich ihren Traummann gefunden und ist frisch verliebt.
Die verschiedenen Blumen, die oft den lieben langen Tag mit streiten verbringen, sind sich für einmal aussergewöhnlich einig, nachdem sie den Grund für Gretes Veränderung persönlich erlebt haben. Sie können Gretes Begeisterung für ihren Walter nicht teilen, er ist ihnen äusserst unsympathisch.
Kurze Zeit später wird nachts bei Grete eingebrochen. Die Gartenbewohner haben den Täter erkannt und wehren sich auf ihre Weise gegen den Eindringling. Die Igelfamilie quickt und der Rosenstrauch umgarnt ihn mit seinen stacheligen Ästen, so dass er sich darin verheddert. Damit stecken Salbei, Melisse, Pfefferminze und Co. mitten im Blumenkrimi. Und als sich tags darauf Walter von Grete trennt, sind nicht nur detektivische Fähigkeiten gefragt sondern auch Mitgefühl und Trost.
In dieser Lektüre kommt das umfangreiche Blumen- und Gartenwissen der Autorin auf jeder Seite stark ausgeprägt zum Ausdruck. Allerdings empfand ich die Dialoge zwischen den Blumen oft als langatmig und wiederholend.
Josefa Amerstorfer:
Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Agenda Verlag, 2009
5. Januar 2012
Antonia Michaelis: Wolfsgarten
Achim und Karl haben vor Jahresfrist das Kinderheim, das ihr bisheriges Zuhause war, verlassen können und in separaten Familien ein neues Leben angefangen. Der Kontakt zwischen den beiden ehemals eng befreundeten Jungs ist etwas eingeschlafen. Doch nun werden sie ans Krankenbett ihrer früheren Bezugsperson Maria gerufen, die plötzlich an einer seltsamen Krankheit leidet. Die Mittdreissigerin, die an den Heimzöglingen die Mutterstelle vertreten hat und selber kein eigenes Daheim hat, hat zuletzt von Achim und Karl gesprochen, bevor sie einen merkwürdigen Schlaf gefallen ist.
In einem von Maria verfassten, aber nicht abgeschickten Brief erfahren Achim und Karl von dunkelroten Hagenbutten mit weissen Tupfen und einem Märchen. Wenn man die Fliegenpilz-Hagenbutte in die Erde legt, soll man einen Wunsch frei haben und sobald daraus eine blühende Rose gewachsen ist und man deren Duft einatmet, soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Weiter ist die Rede von einem grünen Tor, das in einen wilden Garten führt, in dem ein altes Herrenhaus steht und von Wölfen, die dort herumstreunen.
In der verschlossenen Faust der tief schlafenden Maria entdecken die beiden Knaben eben eine solche weiss getupfte Hagenbutte und sie beschliessen, diese im Garten hinter der Mauer des Kinderheims einzupflanzen und für Maria einen Wunsch zu äussern. Mit einem Teelöffel graben sie abwechselnd ein Loch in den Kiesvorplatz, legen die Hagenbutte hinein und giessen diese mit etwas Apfelsaft an. Und wie im Märchen beschrieben, beginnt sofort ein Pflänzlein zu wachsen, das sich in kürzester Zeit in einen grossen Busch in Form eines Tores verwandelt und mit Rosenblüten übersät ist. Als die beiden Jungen den Rosenduft einatmen und durch das Tor gehen, scheint die Erde zu beben und sie finden sich in einem grossen ummauerten Garten wieder. Recht rasch bemerken sie bei Tagesanbruch, dass zwar das Kinderheim an seinem gewohnten Platz steht, aber sowohl Zugangsstrassen, Bushaltestelle und andere Gebäude fehlen. Wo sind sie da nur hingeraten? Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Warum kommen täglich Kinder in den Garten um zu rennen? Gibt es auf dem Gelände tatsächlich Wölfe, die nachts umherstreifen? Und was hat es mit der weissen und der schwarzen Gestalt und den verschiedenen im Garten gefundenen Spielsachen auf sich?
Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Zeitgeschichte, Abenteuer und Fantasie und wird in zwei Strängen erzählt. In die fiktive Geschichte werden das Ende der DDR, der Mauerfall sowie Hoffnung und Furcht eingewoben. Ein spannendes Jugendbuch, in dem die Fliegenpilz-Hagenbutte und der Rosenstrauch eine wichtige Rolle spielen. Auf dem Basler Jugendbücherschiff lassen sich doch immer wieder lohnenswerte Bücher entdecken!
Antonia Michaelis:
Wolfsgarten
KeRLE in der Herder Verlag GmbH, 2011
In einem von Maria verfassten, aber nicht abgeschickten Brief erfahren Achim und Karl von dunkelroten Hagenbutten mit weissen Tupfen und einem Märchen. Wenn man die Fliegenpilz-Hagenbutte in die Erde legt, soll man einen Wunsch frei haben und sobald daraus eine blühende Rose gewachsen ist und man deren Duft einatmet, soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Weiter ist die Rede von einem grünen Tor, das in einen wilden Garten führt, in dem ein altes Herrenhaus steht und von Wölfen, die dort herumstreunen.
In der verschlossenen Faust der tief schlafenden Maria entdecken die beiden Knaben eben eine solche weiss getupfte Hagenbutte und sie beschliessen, diese im Garten hinter der Mauer des Kinderheims einzupflanzen und für Maria einen Wunsch zu äussern. Mit einem Teelöffel graben sie abwechselnd ein Loch in den Kiesvorplatz, legen die Hagenbutte hinein und giessen diese mit etwas Apfelsaft an. Und wie im Märchen beschrieben, beginnt sofort ein Pflänzlein zu wachsen, das sich in kürzester Zeit in einen grossen Busch in Form eines Tores verwandelt und mit Rosenblüten übersät ist. Als die beiden Jungen den Rosenduft einatmen und durch das Tor gehen, scheint die Erde zu beben und sie finden sich in einem grossen ummauerten Garten wieder. Recht rasch bemerken sie bei Tagesanbruch, dass zwar das Kinderheim an seinem gewohnten Platz steht, aber sowohl Zugangsstrassen, Bushaltestelle und andere Gebäude fehlen. Wo sind sie da nur hingeraten? Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Warum kommen täglich Kinder in den Garten um zu rennen? Gibt es auf dem Gelände tatsächlich Wölfe, die nachts umherstreifen? Und was hat es mit der weissen und der schwarzen Gestalt und den verschiedenen im Garten gefundenen Spielsachen auf sich?
Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Zeitgeschichte, Abenteuer und Fantasie und wird in zwei Strängen erzählt. In die fiktive Geschichte werden das Ende der DDR, der Mauerfall sowie Hoffnung und Furcht eingewoben. Ein spannendes Jugendbuch, in dem die Fliegenpilz-Hagenbutte und der Rosenstrauch eine wichtige Rolle spielen. Auf dem Basler Jugendbücherschiff lassen sich doch immer wieder lohnenswerte Bücher entdecken!
Antonia Michaelis:
Wolfsgarten
KeRLE in der Herder Verlag GmbH, 2011
2. Januar 2012
Coleen Plimpton: Mentors in the Garden of Life
“Mentors in the Garden” ist wieder einmal ein Buch, bei dessen Lektüre ich bedauert habe, dass diese nach knapp dreihundet Seiten zu Ende war. Liebend gerne hätte ich noch mehr Gartengeschichten aus der Feder von Colleen Plimpton gelesen, die in ihrer Publikation Menschen vorstellt, die für ihr persönliches (Gärtner-)Leben wichtig sind oder waren. Die 31 Kapitel bestehen jeweils aus einem erzählenden Teil, einem s/w-Foto der zum Mentor passenden Pflanze und einer Beschreibung derselben samt Pflegehinweisen.
Ein starkes Interesse für Botanik zeigte Colleen Plimpton schon in ihrer Kindheit. Ihr kleines Gärtnerinnenherz schlug besonders heftig, als sie als zehnjähriges Mädchen auf dem Dachboden ein altes Gartenbuch aus dem Jahr 1924 entdeckte. Zur gleichen Zeit erhielt sie von ihrer Mutter für jeweils 100 gepflückte Löwenzahnblüten einen kleinen Batzen. Während für die gärtnerisch unbedarfte Mutter mit dem Verschwinden der Blüten der Rasen wieder perfekt zu sein schien, wusste ihre Tochter bereits genau, dass Löwenzahn nur dauerhaft entfernt werden kann, wenn man das Übel vor dem Versamen an der Wurzel packt, sprich samt Wurzel entfernt. Ein Wissen, das Coleen aber wohlweisslich für sich behalten hat.
Anfang der 1970er-Jahre wollte Coleen Plimpton als junge Frau ihr Buchwissen über das Anlegen von Kompost praktisch umsetzen. Dabei ging irgendwie vergessen, dass grüne und braune Grundstoffe nötig sind. Als sie für ein paar Tage abwesend war, entdeckte ihre Mitbewohnerin nach Reklamtionen von Nachbarn über Geruchsimmssionen, dass der ganze Haufen in Bewegung, sprich voller Maden war, worauf sie das gesamte sich im Zersetzungsprozess befindende Material im Wald entsorgte, um keinen Rauswurf aus der Wohnung zu riskieren. Spätere Kompostierungsversuche waren einiges erfolgreicher und einmal wurde im Umzugswagen sogar reifer Naturdünger von New Jersey nach Connecticut gekarrt (einschliesslich unzähliger Samen von Johny jump-up-Veilchen).
Die Autorin hat sich ihre gärtnerische Erfahrung zunächst hauptsächlich durch Ausprobieren und Lesen angeeignet. Verschiedene durch Beförderungen ihres Mannes bedingte Umzüge mit ihrer Familie stellten sie immer wieder vor neue hortikulturelle, teilweise auch klimatisch bedingte Herausforderungen. Inzwischen hat sie sogar ihrem angestammten sozialen Beruf den Rücken gekehrt und betätigt sich hauptberuflich als Autorin, Gärtnerin und sie hält Lesungen und gibt Kurse zum Thema Garten.
In diesem sehr persönlichen Buch lernen wir nicht nur die wichtigsten Personen aus Colleens Umfeld kennen, wir erfahren von ihrem persönlichen Hirsch-Krieg, der dazu geführt, dass sie ein äusserst probates Mittel entwickelt hat, das diese Tiere vom Garten fernhält. Und heutzutage teilt sie ihr Wissen auch gerne mit anderen und wir lesen wie sie sich jeweils nach ihren Umzügen ein neues grünes Umfeld aufbaut, Freunden und Bekannten in gärtnerischen Belangen hilft, Gartenkolumnen verfasst, eine Ausbildung im Botanischen Garten von New York absolviert und schliesslich ihr Unternehmen „Morning Glory Gardens“ auf die Beine stellt. Und zwischen all diesen Tätigkeiten hunderte von Seiten Tagebücher schreibt.
Hier der Link zu einer Lesung der Autorin.
Colleen Plimpton:
Mentors in the Garden of Life
Park East Press, 2010
Ein starkes Interesse für Botanik zeigte Colleen Plimpton schon in ihrer Kindheit. Ihr kleines Gärtnerinnenherz schlug besonders heftig, als sie als zehnjähriges Mädchen auf dem Dachboden ein altes Gartenbuch aus dem Jahr 1924 entdeckte. Zur gleichen Zeit erhielt sie von ihrer Mutter für jeweils 100 gepflückte Löwenzahnblüten einen kleinen Batzen. Während für die gärtnerisch unbedarfte Mutter mit dem Verschwinden der Blüten der Rasen wieder perfekt zu sein schien, wusste ihre Tochter bereits genau, dass Löwenzahn nur dauerhaft entfernt werden kann, wenn man das Übel vor dem Versamen an der Wurzel packt, sprich samt Wurzel entfernt. Ein Wissen, das Coleen aber wohlweisslich für sich behalten hat.
Anfang der 1970er-Jahre wollte Coleen Plimpton als junge Frau ihr Buchwissen über das Anlegen von Kompost praktisch umsetzen. Dabei ging irgendwie vergessen, dass grüne und braune Grundstoffe nötig sind. Als sie für ein paar Tage abwesend war, entdeckte ihre Mitbewohnerin nach Reklamtionen von Nachbarn über Geruchsimmssionen, dass der ganze Haufen in Bewegung, sprich voller Maden war, worauf sie das gesamte sich im Zersetzungsprozess befindende Material im Wald entsorgte, um keinen Rauswurf aus der Wohnung zu riskieren. Spätere Kompostierungsversuche waren einiges erfolgreicher und einmal wurde im Umzugswagen sogar reifer Naturdünger von New Jersey nach Connecticut gekarrt (einschliesslich unzähliger Samen von Johny jump-up-Veilchen).
Die Autorin hat sich ihre gärtnerische Erfahrung zunächst hauptsächlich durch Ausprobieren und Lesen angeeignet. Verschiedene durch Beförderungen ihres Mannes bedingte Umzüge mit ihrer Familie stellten sie immer wieder vor neue hortikulturelle, teilweise auch klimatisch bedingte Herausforderungen. Inzwischen hat sie sogar ihrem angestammten sozialen Beruf den Rücken gekehrt und betätigt sich hauptberuflich als Autorin, Gärtnerin und sie hält Lesungen und gibt Kurse zum Thema Garten.
In diesem sehr persönlichen Buch lernen wir nicht nur die wichtigsten Personen aus Colleens Umfeld kennen, wir erfahren von ihrem persönlichen Hirsch-Krieg, der dazu geführt, dass sie ein äusserst probates Mittel entwickelt hat, das diese Tiere vom Garten fernhält. Und heutzutage teilt sie ihr Wissen auch gerne mit anderen und wir lesen wie sie sich jeweils nach ihren Umzügen ein neues grünes Umfeld aufbaut, Freunden und Bekannten in gärtnerischen Belangen hilft, Gartenkolumnen verfasst, eine Ausbildung im Botanischen Garten von New York absolviert und schliesslich ihr Unternehmen „Morning Glory Gardens“ auf die Beine stellt. Und zwischen all diesen Tätigkeiten hunderte von Seiten Tagebücher schreibt.
Hier der Link zu einer Lesung der Autorin.
Colleen Plimpton:
Mentors in the Garden of Life
Park East Press, 2010
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