13. Mai 2012

Frank M. von Berger: Gartenblumen in Harmonie

Wieso ziehen die einen Staudenbeete unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, während andere einem im besten Fall ein müdes Gähnen entlocken? Was ist unter Prachtstauden zu verstehen? Wie kombiniert man verschiedene Pflanzenformen wirkungsvoll? Welche Stauden haben Fernwirkung, welche eignen sich als Lückenfüller und welche setzen auch im Winter interessante Akzente? Für eine harmonische Beetgestaltung sind unterschiedliche Faktoren von Wichtigkeit. Damit das Ergebnis kreativen Staudengärtnerns auch den Erwartungen entspricht, lohnt es sich unbedingt, sich vor dem Pflanzenkauf und Einpflanzen zumindest ein Basiswissen anzulesen.

In der Einleitung seines Buches „Gartenblumen in Harmonie“ erklärt Frank M. Berger zunächst, dass die Stauden aufgrund ihrer Wuchsformen grob in fünf Wuchskategorien eingeteilt werden: teppichartiger, ausgebreiteter Wuchs; vertikal nach oben strebender Wuchs; hügelartiger Wuchs; duftiger, lockerer Wuchs und fontänenartiger Wuchs. Die Grenzen zwischen den einzelnen Habituskategorien sind dabei zuweilen fliessend und natürlich kann nicht jede Pflanze eindeutig zugeordnet werden. Das Buch selber ist analog eben dieser Wuchskategorien in fünf Kapitel eingeteilt: „Teppiche weben“, „Vertikale Akzente setzen“, „Schwungvoll und explosiv“, „Geballte Staudenpracht“ und „Duftiges und Transparentes“.

In jedem Kapitel werden nach einem erläuternden Einführungstext in alphabetischer Reihenfolge Vertreter der entsprechenden Staudengruppe vorgestellt. Neben einem Foto gehören zum Portrait Informationen über Aussehen der Pflanze, Standortansprüche, Pflege, Vermehrung und Kombinationsvorschläge. In farbig hinterlegten Kästchen gibt der Autor zusätzliche Tipps oder erklärt beispielsweise was Rhizome sind oder was unter halbimmergrünen Stauden zu verstehen ist. Dazwischen sind Doppelseiten eingefügt, in welchen beispielsweise Stauden mit panaschierten Blättern oder silbergrauem und purpurfarbigem Laub aus den verschiedenen Wuchskategorien gezeigt werden. Im abschliessenden Serviceteil findet der Leser Bezugsquellen, Literaturhinweise und ein Register.

Etwas aussergewöhnlich, um nicht zu schreiben irritierend, fand ich beim ersten Öffnen des Buches, dass gleich beide Innenseiten des Umschlages mit Gartentipps bedruckt sind, also die üblichen „Leerseiten“ fehlen. In der Tat ungewohnt, aber bei näherer Überlegung durchaus sinnvoll. Wieviele Bäume könnten wohl jährlich eingespart werden, wenn sämtliche Bücher auf diese Weise gestaltet werden?

Die Publikation "Gartenblumen in Harmonie" ist sehr schön und informativ aufgemacht. Die Fotos der einzelnen Pflanzen beschränken sich mehrheitlich auf Ausschnitte von blühenden Stauden, gewissermassen „Staudenpassfotos“. Ich hätte mir etwas mehr inspirierende Bilder wie die Pflanzenduos „Bergenien und Kalmus“, „Bergenien mit roten Trieben von Hartriegel“ oder die vom Frost verzauberten Blütenstände gewünscht und ganz allgemein (viel) mehr Fotos von schön gestalteten Mixed Borders mit Kombinationen, wie sie in den Pflanzenportraits vorgeschlagen werden. Das Buch ist übrigens Anfang Jahr mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden.



Frank M. von Berger:
Gartenblumen in Harmonie
Eugen Ulmer KG, 2012


Link zum Ulmer Buchshop

10. Mai 2012

Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos): Park Sanssouci

Verschiedene Gartenstile aus unterschiedlichen Epochen bilden das Ensemble des Gesamtkunstwerks Park Sanssouci, der 1990 von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen worden ist. Da gibt es barocke Blumenrabatten, Palmen, Kübel mit exotischen Pflanzen, schier endlose ordentlich getrimmte Hecken und nicht zuletzt einen klassischen Landschaftspark.

Mehrere Regenten und noch mehr ihre Gärtner haben der Anlage ihren Stempel aufgedrückt. Zu letzteren zählte auch Peter Joseph Lenné aus einer berühmten Gärtner-Dynastie. Christa Hasselhorst und Hans Bach stellen in der wunderschön ausgestatteten Publikation „Park Sanssouci“ das preussische Versailles in Wort und Bild vor und zeigen, was sich aus dem ehemals „wüsten Berg“ an der Peripherie von Potsdam entwickelt hat, wo König Friedrich II. seinerzeit in Lustwägelchen (zweispännigen Gartenkaleschen) durch sein grünes Reich kutschierte.

Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung  von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.

Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.


Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos):
Park Sanssouci
Edition Braus, 2012

7. Mai 2012

Jonas Reif (Hrsg.): Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis

Im Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“. Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene Publikation „The Garden“.

Bereits ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“- Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert: 
  •  Karlheinz Rücker und die „Gartenpraxis“
  •  Erfahrungen sammeln und austauschen
  •  Die Pflanze von morgen

Marion Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.

In einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen. Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten oberste Priorität haben.

An anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“ (Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz), „Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in Wädenswil gehalten hat.Dieter Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von „Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch Saisonalisierung.

Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete, motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung. Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.

Gelernt habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben jedem selber überlassen …


Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012

4. Mai 2012

Elisabeth Jacob: Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen

In diesem neuen Beobachter-Ratgeber präsentiert die Journalistin und Obergärtnerin Elisabeth Jacob auf rund 230 Seiten eine Fülle an Ideen, Tipps und Anleitungen, von der sowohl erfahrene Gärtnerinnen als auch solche, die es werden wollen, profitieren können. Beobachter-Publikationen bürgen für Qualität - „Lust auf Garten“ reiht sich nahtlos in diese sachlich fundierte Bücherreihe ein. Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:

1. Gartentraum und Wirklichkeit
2. Planung und Gestaltung
3. Der Boden und seine Bearbeitung
4. Der schönste Gartenschmuck: Pflanzen
5. Gartenarbeiten durchs Jahr
6. Pflanzen hegen und pflegen
7. Gesunder Garten: Pflanzenschutz
8. Pflanzen, die wenig Freude bereiten

Grundsätzlich ist gärtnern doch eigentlich ganz einfach. Jeder kann eine Pflanze im Garten oder in einem Topf einbuddeln und nach Gutdünken pflegen. Damit die „Resultate“, sprich die Gemüseernte, den Erwartungen von Hülle und Fülle und Geschmack entspricht und sich im Blumenbeet ein Blütenmeer entfaltet, sind aber zumindest grundlegende Kenntnisse sinnvoll. So will zunächst die richtige Standortauswahl gut überlegt sein, denn diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf Erfolg und Misserfolg und Gartenlust und Gartenfrust. Ein gutes Ergebnis kann auch erwartet werden, wenn schon beim Pflanzeneinkauf die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.

Mit einer klugen Anpflanzung lässt sich unnötiger Pflegeaufwand vermeiden, weil sich gute Nachbarn im Gartenbeet gegenseitig unterstützen, während schlechte Nachbarn sich auch im grünen Bereich das Leben gegenseitig schwer machen können. Eine erspriessliche Nachbarschaft ist aber nicht nur im Garten zwischen dem Grünzeug wichtig, auch die Kontakte zu zweibeinigen Anstössern jenseits des Zauns sind nicht unbedeutend. So weist die Autorin in ihrem Ratgeber darauf hin, dass es nicht sehr viel nützt, wenn Sie sich sorgfältig um das Wohlergehen Ihrer Tomaten bemühen, wenn der Nachbar seine kränkelnden Pflanzen stehen lässt und diese ungehindert ihre Sporen verbreiten können.

Für helvetische Grünfinger sind besonders die auf hiesigen Grundlagen basierenden rechtlichen Hinweise zu Baubewilligungen oder Grenzabständen von Interesse, wenn auch für detaillierte Informationen natürlich die genauen kantonalen und kommunalen Vorschriften eingeholt und beachtet werden müssen. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass ein in Grenznähe gepflanztes Gehölz mit dem Einverständnis des Nachbarn ins Grundbuch eingetragen werden kann? In der Folge bleibt die Vereinbarung auch bei einem Besitzerwechsel gültig und der neue Eigentümer kann nicht die Beseitigung des betreffenden Baums verlangen. Verjährungsfristen, Kapprecht und Grenzpflanzungen zu Nachbarn und an Strassen oder Trottoirs und die (möglichen) daraus resultierenden Probleme sind weitere Themen im Ratgeber.

Die interessierte Leserin erfährt ausserdem vom Zusammenhang zwischen entspanntem Gärtnern und Toleranz, liest von Wildkräutern, die als Zeigerpflanzen fingieren und von den unterschiedlichen Aussaaten von Gründüngung. An anderer Stelle wird von invasiven Pflanzen und Ersatzpflanzen für niedrige und höhere Buchspflanzungen berichtet und die Anfänger-Gärtnerin wird darauf hingewiesen, dass Hochglanzbroschüren mit bunten Fotos und übertriebenen Anpreisungen von Vorteilen keine Garantie für grossartige Produkte sind. Vier verschiedene Piktogramme lenken das Interesse auf spezielle Hinweise. Im Anhang finden sich ein Glossar, eine Mischkultur-Tabelle, ein Stichwortverzeichnis sowie nützliche Adressen, Links und Buchtipps.

Dieser Ratgeber bietet eine umfangreiche Palette an (Grund-)Wissensvermittlung für Gärtnerinnen und zählt zu den Büchern, die man immer wieder zur Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen. Er ist übrigens auch für Gärtner empfehlenswert.  


Elisabeth Jacob: 
Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen 
Beobachter-Buchverlag, 2012

1. Mai 2012

Friederike Schmöe: Rosenfolter

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Landesgartenschau 2012 in Bamberg werden auf dem Gelände der Gartenausstellung zunächst verschiedene Körperglieder und schliesslich eine Leiche aufgefunden. Soll die Eröffnung boykottiert werden oder handelt es sich um einen Rachefeldzug? Die polizeilichen Ermittlungen müssen rasche Ergebnisse bringen, denn das Ausbleiben von Besuchern wegen Panik möchten nicht zuletzt Veranstalter und Geschäftemacher verhindern. Diese Kriminalfälle passen denn so gar nicht in die finalen Vorbereitungen der floralen Grossveranstaltung und die Verkaufszahlen der Abos zum Vorzugspreis sind bereits rückläufig.

Friederike Schmöe zeigt in ihrem Kriminalroman in Tagebuchform auf, was in der Zeit vom 3. April bis 25. April 2012 in Bamberg unternommen wird, um Täter und Opfer ausfindig zu machen. Unterwegs auf der Suche nach Spuren und Lösungen sind die Privatdetektivin Katinka Palfy, Hauptkommissar Harduin Uttenreuther, der Leiter der Mordkommission Bamberg, und sein Team sowie Dante Wischnewski, ein Reporter der lokalen Zeitung.

Für die sympathische Katinka Palfy ist dieser Fall eine Abwechslung zu ihren sonst eher langweiligen Papierermittlungen in Wirtschaftsfällen. Sie liebäugelt gerade heftig mit dem Kauf eines stark heruntergekommenen Mehrfamilienhauses an der Concordiastrasse und ist mit Harduin Uttenreuther liiert, der sich seinerseits mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden kann.

Wichtiger als diese Überlegungen über die Anschaffung einer Immobilie sind aber die Ermittlungen rund um die Verbrechen vor der malerischer Gartenschau-Kulisse, die rasch in die Welt der Bamberger Rosenfreunde führen. Von diesen Insidern, die gerne Rosenmessen besuchen und Fachliteratur studieren, stammt die Information, dass die an den Tatorten aufgefundenen Rosenkissen aus einer Rose namens „Princess of the Dark“ angefertigt worden sind. Diese Rose ist zwar bereits prämiert worden, aber nicht im Handel erhältlich, da sie die hoch gesteckten Zuchtziele (noch) nicht erfüllt.

Gibt es eine Verbindung zwischen einem Gärtner, der des Nachts überfallen wird, als er gerade über Staudenkombinationen sinniert und einer alten Dame, die in ihrem Haus die Treppe heruntergestossen wird? Und welche Rolle spielt die Hartz IV-Empfängerin Feli Bohnstett, die früher die Staudengärtnerei Felicitas leitete und heute tagtäglich Recyclinghöfe und Mülldeponien durchforstet? Deren Zufallsfund von Hagebutten, Zuchtnotizen und einem Zuchtplan lassen sie in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen. Zeiten, in denen sie selber einen Garten besessen und an eine gute Zukunft geglaubt hat, selber eine Liebhaberin der Rosenzucht war und ihre eigene Rosenzüchtung „Weisses Mariechen“ ihr ganzer Stolz war. Die Frau beginnt selber zu recherchieren und manövriert sich dadurch in eine gefährliche Situation. Und einmal mehr muss sie erfahren, dass Rosen verlässlicher sind als Menschen.

Viele verschiedene Fadenenden müssen entwirrt und Stränge zusammengeführt werden bis sich eine Lösung aufzeigt. Noch rechtzeitig vor Eröffnung der bayerischen Landesgartenschau? Ein unterhaltsamer Krimi im Umfeld der Ausstellung, der mit den Gegensätzen von schönen Rosen und schrecklichen Verbrechen jongliert. Für meinen Geschmack hätten die Stellen über das grausige Auffinden von Körperteilen, auf die ich hier gar nicht näher nicht näher eingehen möchte, nicht so detailliert ausfallen müssen.



Friederike Schmöe:
Rosenfolter
Gmeiner Verlag, 2012

29. April 2012

Freya und das Geheimnis der Grossmutter

Die zwölfjährige Freya kommt nach dem Tod ihrer Eltern zunächst zu Nachbarn. Von ihren Eltern hat das Mädchen verschiedene Fähigkeiten geerbt. Sie kann sich sehr gut in andere Menschen einfühlen und sie kann mit ihrem Wissen über Kräuter Menschen und Tiere heilen und sogar mit Tieren kommunizieren. Da sie bei den sehr netten, aber schon etwas älteren Nachbarn nicht mehr länger bleiben kann, kommt sie zur ihrer Tante Tilly und deren Mann. Die beiden wohnen weit weg von Freyas bisherigem Zuhause und das Mädchen muss schweren Herzens ihre Heimat verlassen. Vor der Abreise holt sie sich noch ein paar Erinnerungsstücke aus dem Elternhaus. Sie packt verschiedene Bücher, einen durchsichtigen Stein und einige Kleidungsstücke ein.

Das Einleben bei ihren strengen und religiösen Verwandten fällt der naturverbundenen und bis anhin in grosser Freiheit aufgewachsenen Freya schwer. In der Schule langweilt sie sich. Ausserdem findet sie zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern kaum Kontakt. Einzig mit dem etwas älteren Caspar freundet sie sich an. Tante und Onkel passt diese Verbindung aber gar nicht, weil der Junge auf der anderen Seite des Baches wohnt, der das Dorf in einen armen und reichen Teil trennt. Tilly ist der Ansicht, die Armen seien faul und selber schuld, dass sie nicht genügend zum Leben hätten.

Als Freya dank ihrem Wissen über Heilkräuter die kranke Kuh von Caspars Familie heilt, sind längst nicht alle froh über ihre wirksamen selbst hergestellten Salben. Die Feindseligkeit, die ihr von Caspars abergläubischer Grossmutter und seinem Vater entgegenschlägt, ist auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückzuführen und haben mit Freyas längst verstorbener Grossmutter zu tun. Als Freya ihre Halbschwester Amalia findet, kommt aber endlich wieder Freude in ihren Alltag.

Die (jugendlichen) Leser begleiten Freya auf der Spurensuche nach ihrer Grossmutter und bekommen gleichzeitig einen authentischen Einblick ins mitteleuropäische Landleben im 18. Jahrhundert.



Andrea Weibel:
Freya und das Geheimnis der Grossmutter
Verlag Jungbrunnen, 2011

26. April 2012

Lynn Crymble: Der Beginn vom Rest meines Lebens

Die Ehe der 40jährigen Kanadierin Penny läuft nicht gut. Sie und ihr Mann Jack haben keine Gemeinsamkeiten und obwohl er sie laufend mit anderen Frauen betrügt, schafft sie es nicht, einen Schlussstrich zu ziehen, sondern sie flüchtet sich in eine leichte Depression. Etwas Abwechslung von ihren trüben Gedanken bringt das Verfassen der wöchentlichen Finanzkolumne für das Lokalblatt „Sentinel". Ausserdem dem geniesst sie zweifellos die gewissen Annehmlichkeiten, die das Leben an der Seite eines erfolgreichen Immobilienmaklers mit sich bringt. Sie liebt das grosse alte Haus, das ihr Daheim ist, und sie geniesst es, sich im Garten zu betätigen.

Schon vor Jahren hat Penny begonnen, sich jeweils an ihrem Hochzeitstag Ende Juli im Gartencenter eine hübsche Gartenpflanze zu gönnen. Heuer ist ihr 18. Hochzeitstag und sie wünscht sich „etwas Blaues“. Ihre Wahl fällt auf eine Hortensie. Einen Tag später wird ihr Leben durch einen Zufall komplett umgekrempelt. Es beginnt damit, dass Penny 220‘000 Dollar findet und dieses Geld unverzüglich bei der Polizei abliefert. Diese gute Tat lenkt das Interesse der „Lebenserneuerungs-Expertin“ Linda auf Penny. Diese ist nämlich der Ansicht, dass Penny die ideale Kandidatin ist, deren Leben und Zuhause umgemodelt und gleichzeitig öffentlich zelebriert werden soll. Nach einem anfänglichen kategorischen „Nein“, entscheidet sich Penny ziemlich spontan, das Experiment doch zu wagen. Ein strenges Programm bestimmt fortan ihren Tagesablauf: Diät, Sport und das Testen von Schönheitsprodukten. Gleichzeitig wird ihr Haus entrümpelt und auch der Garten erhält ein Facelifting.

Gärtnerisches spielt in diesem Roman eine eher untergeordnete Rolle, doch hat der schöne für die Umgestaltung der Grünfläche zuständige Gärtner einen massgebenden Einfluss auf wichtige Veränderungen in Pennys Leben. Die Erzählung ist etwas langatmig, zuweilen ziemlich absurd und die Handlungen fand ich manchmal nicht nachvollziehbar und unangemessen. Man/frau muss nicht unbedingt gelesen haben, was alles in dem Jahr passiert, bis Penny an ihrem 19. Hochzeitstag im Gartencenter einen gelben Rosenstrauch auswählt …



Lynn Crymble:
Der Beginn vom Rest meines Lebens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012

23. April 2012

Eva Kohlrusch und Gary Rogers (Fotos): Besondere Paare und ihre Gärten

Nach den überaus erfolgreichen Vorgängertiteln "Faszinierende Frauen und ihre Gärten" und "Besondere Frauen und ihre Gärten" erscheint mit „Besondere Paare und ihre Gärten“ nun ein drittes Buch von Eva Kohlrusch und Gary Rogers in erprobter Aufmachung.

Was ist besonders an Paaren die zusammen gärtnern? Fördert der Garten die Harmonie unter denselben oder ist diese Form der Zweisamkeit eher eine Quelle für Zwist und Auseinandersetzungen? In Kapiteln wie „Wo Rosen mit Kunst wetteifern“, „Die Frau des Biogärtners“, „Ein Garten wie mit wilder Hand hingestreut“ und „… und zum Dessert „Rosenmousse Chambord“" geht Eva Kohlrusch diesen Fragen auf den Grund.

Ob jemand alleine gärtnert oder der Partner in seiner Freizeit ebenfalls gerne in der Erde herumwühlt und die Hände schmutzig macht – auf die Launen der Natur hat diese Arbeits- und Interessenteilung keinen Einfluss. Rückschläge sind so oder so als gegeben hinzunehmen, wenn beispielsweise der Garten wochenlang unter Wasser steht und dadurch eine zwangsläufige Selektion durch höhere Gewalten von Statten geht und es immer wieder heisst, Abschied zu nehmen von Lieblingspflanzen, die einem lange begleitet haben. Da mag auch das Bonmot „Geteiltes Leid, ist halbes Leid“ nur ein schwacher Trost sein.

Was wächst wohl im Garten – Apfelgut genannt – eines Journalistenpaares, das im Fernsehen vor laufenden Kameras seine Kochkünste zelebriert? Die beiden müssen der Sonne etwas nachlaufen, denn das Haus stammt aus einer Zeit, als ungebräunte Haut en vogue war. Dafür stehen hier viele mobile Kübelpflanzen und im Folientunnel findet sich eine stattliche Sammlung von 125 verschiedenen Kräutern. Sage und schreibe 28 verschiedene Basilikumsorten werden hier gezogen.

Eine Tante, die sämtliche im Garten wachsenden Pflanzen botanisch benennen konnte, Pflanzen, von denen er selber nicht mal den deutschen Namen kannte, haben seinerzeit den Ehrgeiz eines Jungen dermassen angestachelt, dass er sich dieses Wissen auch aneignete. Das dannzumal Gelernte kann mittlerweile tagtäglich angewendet werden. Denn im Besitz des Barons befinden sich unzählige praktische Anwendungsbeispiele wie etwa 500 Sorten Rhododendron, 300 Seerosen und 50‘000 Narzissen. Dimensionen zum Träumen oder eher der Stoff aus dem Alpträume sind (Stichwort "Rücken")?

Für das Auslösen des Gartenfiebers kommen verschiedene Infektionsquellen in Betracht. Was die Feststellung „für dieses Geld kann ich selber ganz schön viele Fehler machen“ als Reaktion auf den Kostenvoranschlag für eine Gartenumgestaltung für Folgen haben kann, zeigt sich eindrücklich im Kapitel „Träume, die über den Zaun hinaus wachsen“. Er liebt den Garten mittlerweile längst so fest wie sie, aber sie ist es, die auch das Gärtnern liebt. Und sie fügt auch gleich an, dass es wohl recht schwierig wäre, wenn er plötzlich ein ausgeprägtes Interesse an der praktischen Gartenarbeit entwickeln würde. Wie in verschiedenen Beispielen von gärtnernden Paaren in diesem Buch bewährt sich auch hier die Arbeitsteilung – er ist eher fürs Grobe zuständig, sie fürs Feine und (meistens) sind danach alle zufrieden.

Andere finden die Lösung in Kompromissen. Da ist einer dann für den Rasen zuständig, während der andere sich um die Rosen kümmert. Wobei für die Rosen auch Kübelpflanzen oder die Staudenrabatte stehen können. Und dann gibt es auch noch den sogenannt antiautoritär erzogenen Garten. Hier wird etwas gepflanzt und dann darf es wachsen wie es will.

Untern den vorgestellten gärtnernden Paaren sind auch verschiedene Prominente wie beispielsweise Ulrich Pleitgen, Katerina Jacob oder Gabriela Fürstin und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Prominent bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Garten den ambitionierten Vorstellungen von passionierten Hobbygärtnern oder Gartenbuchgärtnern entspricht. Aus anderen Portraits lassen sich eher mehr Inspirationen für das heimische Experimentierfeld herauspicken. Doch ist es unbestrittenermassen interessant auch einmal hinter solche Hecken blicken zu können und sich an der von Gary Rogers mit der Kamera perfekt eingefangenen Gartenatmosphäre zu erfreuen und durch die Texte von Eva Kohlrusch etwas Persönliches mit oder ohne hortikulturellen Hintergrund zu erfahren.



Eva Kohlrusch (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Besondere Paare und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2012

20. April 2012

Erika Mayr: Die Stadtbienen – Eine Grossstadt-Imkerin erzählt

Nach einer Lehre im Landschaftsbau besucht die Bayerin Erika Mayr (Jahrgang 1973) im Sommer 1997 ihre in Berlin lebende Schwester. Ihre Vorurteile von wegen Hektik, Lärm und Anonymität wirft die junge Frau rasch über den Haufen. Die Grossstadt übt eine solch grosse Faszination und Anziehungskraft auf sie aus, dass sie sich entschliesst, ihren Wohnsitz in die Hauptstadt zu verlegen – sofern sie dort eine Arbeitsstelle findet. Bei ihrem nächsten Besuch in Berlin schafft sie dieses Hindernis mir nichts, dir nichts aus der Welt und da sie vorläufig bei ihrer Schwester wohnen kann, steht der Organisation ihres baldigen Umzuges nichts mehr im Weg.

Erika Mayr lebt sich rasch in Berlin ein. Sie absolviert zusätzlich ein Gartenbaustudium und ergattert einen Nebenjob in einer Bar. Nach ihrem Studium beabsichtigt sie, nach Kanada umzusiedeln, wo sie bereits ein paar Monate gelebt und gearbeitet hat. Als sich ihr überraschend die Gelegenheit bietet, Miteigentümerin der Bar zu werden, legt sie die Ausreisepläne ad acta. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich nun als selbständig Erwerbende mit der Pflege von Privatgärten und ihrer Nachtschicht in der Bar. Dieses Leben ist zwar durchstrukturiert, doch irgendetwas fehlt.

Ein Stammgast motiviert sie, mit ihm zusammen am Wettbewerb „Shrinking Cities“ mitzumachen. Ihr gemeinsames Projekt befasst sich mit riesigen Bienenhäusern – mit „Urban Beekeeping“ in Detroit. Das Interesse an Bienen ist geweckt. In der Folge beginnt Erika Mayr, sich intensiv über Bienen zu informieren und besucht regelmässig die Versammlung eines Imkervereins. Sie erhält schliesslich einen Imkerpaten, der sie detailliert in die Geheimnisse rund ums Imkern einweiht, und schon bald ist sie Besitzerin von 20‘000 Tieren. Ihr erstes Bienenvolk stellt sie auf das Dach eines Altbaus am Heckmannufer.

Spontan verbinde ich Bienen mit den immer wieder zu lesenden Schreckensmeldungen über die vielen toten Völker, die auf mysteriöse Weise verenden und im Rückblick auf Kinderjahre natürlich mit der Biene Maja sowie einem imkernden Onkel, bei dem bei einem Besuch mitten im Wohnzimmer eine Transportpalette voll Zucker in Kilosäcken stand. Meine Ordnungsliebe war zu dieser Zeit sicher noch nicht dermassen ausgeprägt wie heutzutage, aber ich fand diesen Aufbewahrungsort schon dannzumal etwas seltsam. Jedenfalls habe ich mir durch die Erzählungen von Erika Mayr ein umfangreicheres Wissen rund um die Bienenhaltung angelesen.

Die Autorin berichtet ausführlich vom Schritt von der Theorie zur Praxis, erläutert die Wichtigkeit von Gegenpolen zur Globalisierung, berichtet über ihre eigene Marke „Stadtbienenhonig“, die sie oft zum Tauschen gegen andere Ware anbietet. Sie geht auch auf den Bienenfeind, die Varroa-Milbe, ein und erklärt die Folgen der von Pflanzenschutzmitteln abhängigen Monokultur in der Landwirtschaft sowie die industrielle Bienenhaltung zur Bestäubung von riesigen Monokultur-Flächen. Weiter schwärmt sie von den unterschiedlichen Geschmacksrichtungen ihres Honig, die von der Blütezeit und den Bienenweiden abhängt. Haben Sie gewusst, dass die Erntemenge in der Stadt deutlich höher ist als auf dem Land? In urbanen Gebieten ist nämlich im Gegensatz zum Land vom Frühling bis zum Herbst, quasi vom Krokus bis zur Goldrute (hat die doch was gutes!), Bienennahrung vorhanden...

Für den lesenden Gärtner interessant ist die Anmerkung, dass der berühmte Staudengärtner Karl Foerster seinerzeit für die Baumauswahl in der Berliner Innenstadt verantwortlich war. Seine Zusammenstellung an Trachtbäumen (Kastanie, Ahorn, Robinie, Linde) bietet noch heute eine solide Grundlage für die Berliner Stadtbienen und deren Halter.

Durch die Bienen ist Erika Mayr stark mit Berlin verwurzelt. Sie engagiert sich nicht nur als Vorsitzende ihres Imkervereins, sondern schickt auch monatlich Bilder von aktuell blühenden Bienenweiden an ihre Freunde, um diese an ihrer Leidenschaft teilhaben zu lassen und vielleicht sogar deren Interesse daran zu wecken. So führt ein Projekt zum nächsten. Und da sie auf keine Erträge angewiesen ist, betrachtet die naturverbundene Imkerin das Beschäftigen mit der Landwirtschaft im urbanen Raum als Luxus.

Ein passioniertes Plädoyer, die direkte Umgebung genauer wahrzunehmen. Nach der Lektüre werden Sie Ihr Umfeld bestimmt auch genauer anschauen und Blumendüfte mit der Nase verfolgen.



Erika Mayr:
Die Stadtbienen – Eine Grossstadt-Imkerin erzählt
Knaur Taschenbuch-Verlag, 2012

17. April 2012

Gabriella Pape: Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten

Diese Publikation ist eine Sammlung von Kolumnen, die bereits in der „Welt am Sonntag“ und in der „Berliner Morgenpost“ erschienen sind. Passend zum Ablauf der Jahreszeiten verbergen sich in den Texten unzählige Tipps rund ums Gärtnern - vom Kribbeln im Januar hin bis zum Jahresende mit Rosen für den Schnee und fürs Christkind.

Garten-Frühjahrsputz ist für Gabriella Pape ein Synonym für die perfekte Ausrede, ungeliebte Pflanzen herauszureissen, die den Winter (angeblich) nicht überstanden haben. Zu diesen Geschöpfen, die nicht mehr länger geduldet werden sollen, gehören insbesondere solche, die sie nie richtig mochte, aber aus Respekt vor der Person, die sie ihr zudachten, doch gehätschelt und gepflegt hat. Der Frühjahrsputz eignet sich für solche definitiven Trennungen von unliebsamen Geschenken besonders gut, weil das Entsorgen derselben in noch winterlichem Zustand ohne Blätter und Knospen unbestritten leichter fällt.

Zwischen die sachlich fundierten Kolumnen eingefügt sind Fragen von Lesern zu Gartenproblemen und die Antworten von Gabriella Pape. Dabei gibt die Gartenexpertin auch freimütig zu, nicht allwissend zu sein und verspricht, sich bei Gelegenheit bei der Royal Horticultural Society zu erkundigen. Immer wieder lässt sie auch ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen durchschimmern. So empfindet sie beispielsweise knallige Pelargonien-Blüten als Beleidigung für ihre Augen - etwas, das sie schlimmer dünkt als eine Lärmbelästigung.

Die Texte sind sehr direkt formuliert und zuweilen auch mal etwas salopp. Da ist beispielsweise die Rede von enttäuschten englischen Schnecken, weil in Cotswolds Rittersporn nicht gedeiht, eine Pfingstrose erhält das Prädikat „Wahnsinn“ und man liest von Gartengeschenkplagen oder von Spinnenblumen, die sich wie Zicken gebärden. Und wenn Sie nächstes Mal an ihrer Kornelkirsche herumschnipseln, denken Sie einfach an einen Coiffeurbesuch – Stufenschnitt heisst das Zauberwort. Kennen Sie den Ausdruck „Fingerfäule“ (finger blight)? Es handelt sich dabei um das unerlaubte Stibitzen von Samen, Samenständen und Stecklingen. Dies ist kein Kavaliersdelikt. Die Autorin appelliert an die Vernunft der Gartenliebhaber, denn es lässt sich unschwer ausmalen, was für Folgen eintreten, wenn sich jeder Gartenbesucher ein auch nur kleines Souvenir gönnt.

An einer Stelle empfiehlt Gabrielle Pape, die verblühten Sterndolden (Astrantien) im Herbst abzuschneiden. Bei der Lektüre dieses Hinweises wunderte ich mich ein wenig darüber und fand ihn offen gestanden sogar ziemlich überflüssig. Nun - nach einer Runde Jäten – habe ich meine Meinung aufgrund eigener Erfahrung angepasst. Meine Astrantien, bis anhin eher kümmerlich und in keiner Weise auch nur annähernd so beeindruckend in ihrer Erscheinung wie jene Pflanzengruppen am Naturstandort am Klöntalersee auf einer Wanderung im letzten Jahr, haben sich tatsächlich dazu entschlossen, sich auszubreiten. Sie erscheinen nun nicht nur in der Wiese sondern auch in den Plattenfugen des Sitzplatzes. Und da mein Versuch mit Lupinen vorletztes Jahr ein totaler Reinfall war, werde ich es nun wohl mal mit den von Pape empfohlenen Westmoreland-Lupinen versuchen. Sehr gefreut hätte ich mich vor ein paar Jahren, wenn die blaue Glyzinie, die ich eigentlich als weisses Exemplar gekauft hatte, plötzlich weiss geblüht hätte; ein Phänomen das gemäss einer Antwort auf eine Leseranfrage ab und zu vorkommt.

Ein überaus intelligentes und liebevoll illustriertes Lesebuch, das auf dem Fachwissen und den langjährigen persönlichen Erfahrungen der Autorin basiert. Die Liebe zum Gärtnern zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch und überträgt sich auf den Leser.

Hier noch ein letzter Tipp von Gabriella Pape: Kopieren sie ihre Kolumne und verblüffen Sie bei ihrem nächsten Besuch im Gartencenter den Gärtner mit ihrem Wissen und terrorisieren sie ihn damit. Der Schreibstil von Pape erinnert mich übrigens an die legendären Kolumnen von Vita Sackville-West, deren Texte ich mir immer wieder gerne als Pendlerlektüre zu Gemüte führe.



Gabriella Pape:
Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten
Callwey Verlag, 2012

14. April 2012

Erica James: Gardens of Delight

Der Gartenclub von Swanmere bietet seinen Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm. Neben Lesungen zu verschiedenen botanischen Themen wird aktuell eine Gartenreise an den Comersee angeboten, wo die Besichtigung von verschiedenen Gärten geplant ist.

Unter die reiselustigen Mitglieder mischt sich auch der 49jährige Witwer Conrad. Er hat zwar selber nichts mit Gärten am Hut, fühlt sich aber für seinen ebenfalls an der Reise teilnehmenden Onkel Mac verwantwortlich, der nach einem Schlaganfall mit gesundheitlichen Problemen kämpft.

Die Mitvierzigerin Helen ist seit kurzem in erster Ehe mit dem charismatischen Geschäftsmann Hunter verheiratet. Bis anhin hat sich ihr geordnetes Leben zwischen Arbeit und ihrer Sorge und das Kümmern um ihre Grossmutter Emma abgespielt. Nun sitzt sie meistens alleine in ihrem grossen, wunderschönen Haus mit einem Traumgarten, der von der Vorbesitzerin gestaltet worden ist, und fühlt sich vernachlässigt. Denn ihre junge Ehe läuft nicht so, wie sich das erträumt und erhofft hat. Ausserdem hat sie das zweifelhafte Vergnügen, sich mit ihrer verwöhnten Stieftochter Savannah herumzuschlagen, die sich bei ihrem Vater und der Stiefmutter in Swanmere eingenistet hat. Zu den wenigen aktuellen Freuden in ihrem Leben zählen deshalb die Begegnungen mit ihren neuen Bekannten aus dem Gartenclub. Die Reise an den Comersee erscheint Helen daher als willkommene Abwechslung in ihrem langweiligen Alltag.

Der Gärtner Orlando und die Gärtnerin Lucy sind seit Jahren die besten Freunde und verbringen fast ihre gesamte Freizeit zusammen. Bisher haben sie sich ihre Differenzen fast ausnahmslos auf unterschiedliche gärtnerische Ansichten beschränkt. Während Lucy den Kunden geschmacklose Accessoires in ihren Gärten gönnt, macht Orlando, der seine Zukunft im Gartendesign sieht, Alan Titchmarsh persönlich dafür verantwortlich, dass unzählige englische Gärten geschmacklos und kitschig sind. Das grenzenlose Vertrauensverhältnis zwischen Lucy und Orlando hat Risse bekommen, seit Savannah ein Auge auf Orlando geworfen hat, ihn heftig umgarnt und sich sogar für die Reise an den Comersee angemeldet hat.

Fast gezwungenermassen entscheidet sich auch Lucy kurzfristig, die Reise mitzumachen. Sie, die sich geschworen hat, nie an den Comersee zu fahren, seit ihr Vater vor vierzehn Jahren sie und ihre Mutter verlassen hat, und sich mit seiner zweiten Frau dort niedergelassen hat. Ein paar Urlaubstage in Norditalien verändern das Leben von verschiedenen Gartenclubmitgliedern nachhaltig…

„Gardens of Delight“ ist ein unterhaltsamer Roman und für Gartenfreunde speziell interessant, weil er sich im Gärtnermillieu und auf einer Gartenreise abspielt. Die Charaktere sind glaubwürdig gezeichnet, die Handlung ist aber weitgehend absehbar nach dem Motto „die Guten bleiben die Guten und die Bösen bleiben die Bösen“ und so gibt es denn auch für fast alle während der Lektüre liebgewonnenen Personen ein Happyend.



Erica James:
Gardens of Delight
Orion Books, 2005

11. April 2012

Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos): Die schönsten Gärten Österreichs entdecken

Für diese Publikation haben sechsundzwanzig österreichische Gärtnerinnen und Gärtner die Fotografin Ursel Borstell ihr blühendes Refugium durch die Linse entdecken lassen. Zusammen mit den Texten von Elke Papouschek und Veronika Schubert ist ein prächtiger Bildband entstanden. Dieser gibt dem Leser Einblick in verschiedene kreative Umsetzungen von Wunschvorstellungen in den eigenen Traumgarten.

Wörtlich zu verstehen ist der Portrait-Titel „Gartenzimmer im Grünen“. Verschiedene Gartenzimmer, abgetrennt durch Hecken oder Mauern sind nichts Ungewöhnliches. Spezieller hingegen ist die Ausstattung dieser hier präsentierten Grünräume. Die Gärtnerin hat unter Obstbäumen ein komplettes Schlafzimmer mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Bett wird dann aber doch als Beet für Hornveilchen zweckentfremdet. Auch ein Bügelzimmer gibt es. Und für die Authentizität wird Urgrossmutters Kleidung an der Wäscheleine aufgehängt. Auf Details zu Pflege und Probleme wegen Umwelteinflüssen und Verwitterung wird hingegen nicht eingegangen.

Nichts Museales gibt es auf den Bildern von Brigitte Hiti zu entdecken. Die ehemalige Lehrerin bezeichnet ihre grüne Passion als „Extremgärtnern“. Ein Rundgang durch die 4000 Quadratmeter kann schon mal gut und gerne ein paar Stunden dauern. Kein Wunder bei all den hier versammelten botanischen Schätzen, die es hier zu entdecken gibt. Zu diesen zählen auch ein Hängejudasblattbaum, eine Scheinkamelie und ein Taschentuchbaum. Dank einer Zwangspause kann bzw. konnte dieser Garten übrigens auch in Buchform durchwandert werden („Gartenrunden“ erschienen 2008).

Im österreichischen Vulkanland hat Susanne Pammer ein facettenreiches Gartenreich geschaffen. Das Gärtnern zieht sich wie ein Leitfaden durch ihr Leben und ist inzwischen auch zum beruflichen Standbein geworden. Die Gartenplanerin hat sogar ein Netzwerk für Gartenmenschen initiiert. Auf den Fotos dieses Gartens macht man beispielsweise eine beeindruckende Mauer aus Dachpfannen aus und einen kreativen Weidensitzplatz, der grosszügig um einen Kirschbaumstamm geflochten worden ist.

Englisches Flair versprüht der Schaugarten Köhler, in welchem eine Autodidaktin ihre Gartenträume aus Büchern und Magazinen hat wahr werden lassen. Durch die Tore in Ziegelmauer und Hecke möchte man liebend gerne gleich selber durchschreiten und persönlich feststellen, was es dahinter zu erkunden gibt.

Eine Gärtnerin führt über ihre Rosen sogar Buch. 200 verschiedene Exemplare sind darin verzeichnet. Die Grundlage für diese Leidenschaft zur Königin der Blumen bildeten ursprünglich Stecklinge, welche die Krankenschwester aus weggeworfenen Sträussen ihrer Patienten geschnitten hat.

Der eine plant alles bis ins Detail und überlässt nichts dem Zufall, der andere pflanzt mehr aus dem Bauch heraus. Eine dritte hat durch das Gärtnern Grosszügigkeit gelernt und den Hang zur Perfektion abgelegt und eine weitere hat Leinwand und Pinsel durch den Garten ausgetauscht und empfindet diesen als dreidimensionales Bild, wo mit Pflanzen gemalt werden kann. Allen Gärtnern und Gärtnerinnen gemeinsam ist, dass der Garten sie erdet und so passt die Aussage einer Portraitierten „Der Boden zieht die Sorgen, der Wind trägt sie davon“ zu fast allen.

Komplettiert werden die Portraits durch Angaben von Adresse und Besuchsmöglichkeiten. Eine Landkarte Österreichs auf der sämtliche Ortschaften eingezeichnet sind, in der sich die im Buch vorgestellten Gärten befinden, erlaubt es auch dem ortsunkundigen Leser, sich ein Bild über die Lage derselben zu machen und den Besuch des einen oder anderen Gartens vielleicht mit einer Urlaubsreise zu kombinieren.

Ein schönes Buch, das Einblick in die österreichische Gartenvielfalt gibt und sich ausgezeichnet eignet, um eigenen Gartenträumen nachzuhängen und Anregungen für den eigenen Garten zu finden.



Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos):
Die schönsten Gärten Öesterreichs entdecken
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

8. April 2012

Ruth Wegerer: Verborgene Gärten in Wien

Sind Sie auch schon durch Grossstädte spaziert und hätten gerne etwas genauer erkundet, was es in dem so vielversprechend blühenden Hinterhof in der noblen Seitenstrasse wohl gärtnerisch sonst Interessantes zu sehen gäbe oder hätten gerne aus der Vogelperspektive einmal einen Blick in die Dachgärten erhascht? Schon seit vielen Jahren spürt die Gartenjournalistin Ruth Wegerer (siehe auch meine Buchvorstellung zu ihrem Buch „Gärtnerin aus Liebe“) solchen verborgenen Oasen in der österreichischen Hauptstadt nach und teilt ihre Fundstücke nun mit der Leserschaft. Sie beweist auf charmante Weise, dass sich das Thema Kultur und Wien nicht mit Musik, Theater, Kunst und Architektur erschöpft und die Gartenkultur sich keineswegs auf die meist ewiggleichen prächtigen öffentlichen Anlagen beschränkt, die in einschlägigen Reiseführern erwähnt werden. Gemäss Angaben der Autorin findet man sogar drei Viertel der österreichischen Flora und Fauna in Wien.

Vogelgezwitscher statt Grossstadtlärm? Blütenduft statt Abgase? Tatsächlich ahnt man als Aussenstehender kaum, welche Lebensqualität und Gartenvielfalt sich hinter den mehrstöckigen Häuserzeilen verbirgt oder verbergen kann. Die Wände werden da kurzerhand in den Garten integriert und genau diese grüne Vertikale trägt massgeblich zur speziellen Atmosphäre in diesen Hofgärten bei.

Ein alter Eisenzaun an einen Hag gelehnt, abgestellt und vergessen. Er ist inzwischen längst von Rose und Wein als Klettergerüst erobert worden – eine zufällige und doch so harmonische Symbiose. Bis ein grauer Hinterhof in einen fröhlich-bunten Garten verwandelt durfte, hatte die Gärtnerin deutliche Überzeugungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten, da diese Feuchtigkeitsschäden an ihrer Immobilie befürchteten.

Das Ergebnis einer Vision von einem „wilden Garten“ ist ein städtischer Dschungel im 3. Stock. Die Auswahl an Gehölzen lässt angesichts der Lage staunen. Der zweigeschossige Garten beherbergt neben Fliederbüschen und Eibe auch Ahorn-, Aprikosen- und Birnbäume und einen hängenden Maulbeerbaum. Diese teilen sich den flachen Wurzelraum. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, auch Tiere kommen gerne vorbei. Anzutreffen sind Kauz, Specht, Turmfalke und Mäuse.

Auch etwas erhöht, aber mitten in einem steilen Weinberg liegt der als „Zaubergarten“ bezeichnete romantische Landhausgarten. Die idyllische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Reben birgt aber auch ausgeprägte Nachteile, sind doch etliche der Einfriedung entlang wachsende Rosen mit dem Unkrautvertilger von der anderen Zaunseite in Berührung gekommen und haben diese Prozedur nicht überlebt. Möge die grandiose Aussicht auf Wien ein wenig über diesen Verlust hinwegtrösten und wie bemerkt Ruth Wegerer doch diesbezüglich überaus treffend (Zitat): “Geduld bringt Rosen“.

In einem anderen Portrait gibt es ein schönes Synonym für das Wort Gärtnern zu entdecken: Gartenschach. Die Definition: Pflanze kaufen, irgendwo einsetzen, anwachsen lassen und beobachten, wieder ausbuddeln und an einer anderen Stelle einpflanzen – eben Schachspielen.

Die wunderbaren Fotos von Harald Eisenberger ergänzen die eher knappen Texte und recht ausführlichen Bildlegenden ausgezeichnet. Mit etlichen Gärtnerinnen und Gärtnern kann via aufgeführter Email-Adresse ein Besuch ausgemacht werden, so dass man auf eigene Faust Wiener Gartengeheimnisse lüften kann. Eine Doppelseite gibt Anregungen und Tipps zur Wiener Gartenszene (Gärtnereien, Floristik, Kulinarisches, Veranstaltungen usw.). Grünes Grossstadttreiben ohne Grossstadtimmissionen – sofagärtnern vom feinsten!



Ruth Wegerer und Harald Eisenberger (Fotos):
Verborgene Gärten in Wien – Einblicke in die geheime Gartenwelt einer Grossstadt
Christian Brandstätter Verlag, 2012

5. April 2012

Thomas Kastura (Hrsg.): Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten

Hinter Hecken und Gartenzäunen blühen zuweilen nicht nur Blumen, sondern es spielen sich dort Verbrechen ab. „Tatort Garten“ führt den Leser zu vierzehn solcher Schauplätze, wo Spaten und Gartenschere zweckentfremdet verwendet werden oder Pflanzen nicht unbedingt wegen ihrer Schönheit sondern mit böswilligen Hintergedanken und allein aufgrund ihrer Nebenwirkungen gehegt und gepflegt werden.

Zum Nachdenken regt der Kurzkrimi „Unter dem Apfelbaum“ an. Hier geht es nämlich ums Leben oder besser Überleben im Europa nach dem Finanzkollaps. Wie lange kann sich eine Familie von einer Tonne Lebensmittel im Keller ernähren? Und ist man verpflichtet, andere Menschen, die keine entsprechende Vorsorge getroffen haben, zu unterstützen? Menschen, die ihr Vermögen nicht rechtzeitig in Silbermünzen, Gold, Grundbesitz und Lebensmittelvorräte angelegt haben.

Vorsicht ist angebracht, wenn man von drei reizenden Damen bewirtet wird, die Namen tragen wie Brunfelsia, Belladonna und Barbiturata. Behördenvertreter wiederum werden sich nach der Lektüre des Kurzkrimis "Von Rasenbetretern und Gummizwergen - eine Farce in neun Szenen" sicher zweimal überlegen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, den lokalen Volkspark mit „Rasen betreten verboten“-Schildern zu dekorieren, das Einhalten der Vorschriften bedingungslos zu kontrollieren und das Nichtbeachten konsequent zu bestrafen.

Was kommt heraus, wenn sich eine Floristin wegen mangelnder Laufkundschaft und daraus resultierenden schlechten Umsatzzahlen gezwungen sieht, sich auf ruchlose Ranken zu spezialisieren? Können Schrebergartennachbarn in Frieden nebeneinander leben und gärtnern, wenn eine Partie jedes Unkraut als persönlichen Feind und Niederlage betrachtet während die Gärtnerin auf der anderen Seite des Zauns auf Natur pur schwört? Was findet sich im kleinen Paradies, einem alten verwilderten Garten, der von einer Obergärtnerin zu neuer Blüte gebracht worden ist , wenn man das ihr zur Seite stehende Gartenteam und dessen Umfeld genauer unter die Lupe nimmt? Wozu sind bunte Stauden und Büsche und viel Grün dazwischen da, wenn nicht als idealer Ort, um zu beobachten und zu hören, was ausserhalb des eigenen grünen Reichs läuft ohne selber entdeckt zu werden? Muss bei einem Prestigeprojekt wie einer Landesgartenschau tatsächlich jede Wurzelstockgrösse exakt den Vorschriften entsprechen, genau wie die Blütenhöhe von Rosensträuchern?

Beim Lesen dieser Gartenkrimis ging es mir, der Sofagärtnerin, wie der Erzählerin aus „Der Apfelbaum in Nachbars Garten“: Die Geschichten fesseln und ich konnte mich ihnen kaum mehr entziehen. Zwar hatten nicht alle Erzählungen die gleiche Wirkung , aber genaueres soll hier nicht verraten werden!



Thomas Kastura (Hrsg.):
Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten
Ars Vivendi Verlag, 2012

2. April 2012

Karen Meyer-Rebentisch: Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps

Karen Meyer-Rebentisch betreibt die informative Webseite "Gemüse-Info", die nicht zuletzt durch tolle Farbfotos besticht. Nun hat die leidenschaftliche Gemüsegärtnerin und Gemüse-Esserin ihre Passion und ihr profundes Wissen zu Gemüsesorten, Anbau und Küchentipps in Buchform herausgegeben. Von der Artischocke über Chili, Guter Heinrich, Mangold und Schwarzwurzel bis zur Zwiebel stellt sie 50 schmackhafte Gemüsesorten, die sich für den Anbau im Hausgarten eignen, ausführlich in Wort und Bild vor.

Im Kapitel „Einführung“ berichtet die Autorin von ihrem ersten überaus erfreulichen Gemüse-Sommer, dem prompt ein weniger erfolgreiches Erntejahr folgte. Immerhin trösteten Tomaten und Spitzkohl über die von Nacktschnecken, Mehltau, Wühlmäusen und Möhrenfliegen mit verursachten Ernteausfällen hin. Rat suchte sie daraufhin auch in einschlägigen Internetforen und stiess dabei auf eine ihr bis anhin unbekannte Auswahl an farbigen Gemüsesorten und solchen in ungewohnten Formen – roter Mais, gelbe Radieschen, blaue Bohnen, weisse Möhren und braune Tomaten in Form von Eiern. Diese Vielfalt musste ausprobiert und erlebt werden! Ihren inzwischen reichen Erfahrungsschatz teilt sie nun in diesem für Anfänger wie für Fortgeschrittene Gemüsegärtner geeigneten Buch mit dem interessierten Leser.

Neben den mundwässernden Fotos der Autorin sind die einzelnen Portraits wie folgt aufgebaut:

- Kulturgeschichte
- Anbau im Garten
- Sorten
- Schädlinge und Krankheiten
- Ernte, Lagerung, Konservierung
- Auf einen Blick
- Gemüse… in der Küche
- Gesundes Gemüse …

So erfährt man in „Gesunder Chili“ davon, dass dieser in Form von Wärmepflastern bei Rheumaerkrankungen eingesetzt wird und Kopfschmerzen und Migräne durch den Verzehr von Chili verschwinden sollen. Im Absatz „Kulturgeschichte“ findet sich die Information, dass der Neuseeländer Spinat von Joseph Banks nach Europa gebracht worden ist. Und haben Sie gewusst, dass die Blätter von Pastinaken im Zusammenspiel mit der Sonne bei empfindlichen Personen schmerzliche Ausschläge auslösen können? Welches Gemüse hat eine positive Wirkung auf den Blutfettspiegel? Welches Gemüse kann auch Diabetikern unbeschränkt empfohlen werden? Bei welchem Gemüse muss beim Ernten und Rüsten an Nitrat und Oxalsäure gedacht werden? Diesbezügliche Tipps finden sich ebenfalls im Buch.

Im Anhang finden sich ein Anbaukalender, mit Angaben zu Aussaat, Pflanzung und Ernte sowie eine Auflistung der Gemüsesorten und ihrer Pflanzenfamilien und deren jeweiliger Nährstoffbedarf. Lieferanten für Saatgut und Jungpflanzen und Zubehör für den Gemüsebau, weitere nützliche Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis runden die gelungene Publikation ab. Eine „Gemüsebibel“, die in jedes (Gemüse-)Gärtnerbücherregal gehört und ihn der man immer wieder wieder gerne etwas nachlesen wird.

Wer noch mehr über Gemüse lesen will, dem sei der Gemüseblog der Autorin empfohlen: http://www.gemuese-info.de/blog.html.



Karen Meyer-Rebentisch:
Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps
BLV Bucherlag, 2012

31. März 2012

Waltraud Hopf: Garten Allerlei – Neues aus dem Garten

Dieses Büchlein ist die zweite Publikation, in der die am Rande des Schwarzwalds gärtnernde Waltraud Hopf in umgangssprachlicher Form von ihren Erlebnissen in und um ihr grünes Reich berichtet. Der Inhalt ist in acht Kapitel geliedert: „Was gibt es neues im Garten?“, „Mulchmaterial“, „Schnecken“, „Gemüse“, „Obst und Beeren“, „Blumen, Rosen, Kräuter …“, „Teiche“ und „Tiere im Garten“.

Waltraud Hopf schreibt in ihrem Vorwort, dass sie den interessierten Leser gerne an ihren Gartenlektionen teilnehmen lassen will und betont, dass sie über keinen beruflichen gärtnerischen Hintergrund verfügt, sondern aus dem Bauch heraus gärtnert und die Natur und speziell ihre Pflanzen genau beobachtet, um herauszufinden was ihnen gut tut.

Zunächst berichtet sie von den Veränderungen im Garten nach der Veröffentlichung ihres ersten Büchleins, von denen einige eine direkte Konsequenz des Sturmtiefs Kyrill sind. In die Texte herein gestreut sind immer wieder Gartentipps und Anekdoten. Haben Sie gewusst, dass die unscheinbaren Blüten der Schwarzwurzel nach Vollmilchschokolade duften sollen? Weiter erzählt die schreibende Gärtnerin von ihrem Versuch, Salate in Hängeampeln auszusäen und in die Äste von Obstbäumen zu hängen. Das Ergebnis war positiv und soll mit weiteren Sämereien ausgedehnt werden. An anderer Stelle werden ausführliche Überlegungen zu den Themen Kräutern und tierischen Gartenbewohnern angestellt.

Das Büchlein ist zwar illustriert, die Qualität der Bilder aber sehr mangelhaft. Der Text ist nicht sehr ausgefeilt, aber es lässt sich unschwer erkennen, dass Waltraud Hopf mit Herz und Seele gärtnert und darüber berichtet. Vielleicht lassen auch Sie sich von ihrer Freude anstecken und von ihren Erkenntnissen, wie jener, dass sich Erfolg im Gartenbau nur einstellt, wenn man mit und nicht gegen die Natur arbeitet und sich den örtlichen Begebenheiten anpasst und eine entsprechende Pflanzenauswahl trifft? Die Gärtnerin beispielsweise muss akzeptieren, dass es in ihrem Garten keinen Wasseranschluss gibt, da er inmitten von Feldern und Wiesen liegt, und es gilt damit zurechtkommen, dass bei heftigen Niederschlägen auf der Parzelle das Motto „Land unter“ gilt.



Waltraud Hopf:
Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Zwiebelzwerg Verlag, 2009

28. März 2012

Konstanze Neubauer: Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen

Das Wort „Gartenschätze“ im Buchtitel weckt schon einmal hohe Erwartungen in der Leserin. Und, dies sei gleich vorab verraten, diese werden auch erfüllt. Aus ursprünglich 180 Vorschlägen wurden schliesslich die hier nun vorgestellten 70 Gärten ausgewählt und in die Publikation aufgenommen. Die Bild- und Lesereise führt durch die sieben Bezirke Bayerns, von welchen jeweils zwischen sechs und zwölf Gartenschätze im Buch portraitiert werden – von Unter-, Mittel- und Oberfranken, Oberpfalz über Schwaben bis Ober- und Niederbayern.

Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.

Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.

Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.

Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.

Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.

Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.



Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012

25. März 2012

Paula Almqvist: Was mir blüht

Unter dem verheissungsvollen Titel „Was mir blüht“ ist nun bereits eine zweite Kolumnensammlung von Paula Almqvist zu den unterschiedlichsten Themen rund um Gartenfreude und Gartenleid erschienen. Um letzteres zu vermeiden, empfiehlt die Autorin im Kapitel „Besser machen“ der Gärtnerin beispielsweise, nie mehr nach einem Ausflug ins Schwimmbad direkt den Garten anzusteuern und in offenen Sandaletten das Beet umzugraben oder aber mit einer Papierschere, die gerade zufällig zur Hand liegt, einen Rosenzweig zu kürzen.

An einer anderen Stelle vergleicht die Kolumnistin selbstgerührte Ringelblumensalbe und selber gemischte Blütenpotpourris mit Derivaten, welchen ja wie seit der Finanzkrise jeder weiss, ein negativer Touch anhaftet oder sie wägt die Vor- und Nachteile ab zwischen Garten und Haustieren. Wenn man dabei die Duftnote und die monatelange Winterpause berücksichtigt, hat das grüne Hobby ihrer Meinung nach eindeutig die Nase vorn.

Eingeflochten werden auch immer wieder Pflege- oder Pflanztipps wie der, einen blühenden Gartenteppich aus Vergissmeinnicht und blauschwarzen und weissen Tulpen anzulegen oder Kombinationen von Türkenmohn mit Zierlauch auszuprobieren. Und wissen Sie, was es mit Monets Garten für Arme auf sich hat oder warum die lange verpönte Schwiegermutterzunge nun plötzlich von Innendekorateuren empfohlen wird? Alles möchte ich hier ja nicht verraten, aber auch über die Sonnenblume weiss Paula Almqvist interessantes zu berichten. Wir erfahren von der spiralenförmigen Anordnung der Sonnenblumenkerne und welchem Zweck diese dient und dass sich mit Hilfe dieser Blumen Böden ausgezeichnet entgiften lassen.

Was hat es mit dem Sorgerecht für Rosen auf sich? Paula Almqvist beschäftigt sich auch mit dem Unterschied zwischen gärtnernden Frauen und Männern. Eindeutig Männersache ist die sogenannte (selbstgewählte) Schuppen-Quarantäne, nicht zu verwechseln mit dem Schuppen-Arrest aus den wohlbekannten Michel von Lönneberga-Büchern von Astrid Lindgren.

Was also blüht Ihnen, wenn Sie dieses unbedingt empfehlenswerte Büchlein lesen? Unterhaltsame Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund und fundierten Informationen. Die nach Monaten geordneten Kapitel beginnen jeweils mit einem Artikel zu einer aktuell blühenden Pflanze. In diesen Kolumnen erfährt man häppchenweise immer mal was über die Autorin. Liebend gerne hätte ich im Buchumschlag oder in der Lektüre noch etwas mehr über diese erfahren…



Paula Almqvist:
Was mir blüht
Schöffling & Co., 2012

22. März 2012

Margit Schönberger: Eine Blattlaus kommt selten allein

Was hat jemand wohl auf dem gartenrelevanten Kerbholz, der jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er bzw. sie das Lied „Mein Freund, der Baum ist tot“ von Alexandra hört? Margit Schönberger erzählt in den ersten fünf Kapiteln genau darüber und von ihrem zwar kräfteraubenden, aber doch erfreulich blühfreudigen Start ins Gärtnerinnenleben. Dann entdecken plötzlich kriechende Schleimer den bereits reichlich gedeckten Tisch und bedienen sich gütlich an Basilikum und anderem Grünzeug. In der Folge mutiert die Autorin durch diese Gartenplage zur Schneckenforscherin.

In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.

Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.

Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!

Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.



Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012

19. März 2012

Sabine Scholl: Tödliche Tulpen

Der Historiker Selim Ersoy findet bei seiner Rückkehr von einer Gastprofessur in Ankara eine tote junge Frau in seiner Wiener Wohnung, in deren Schulter eine tropfenförmige Tulpe eingeritzt ist. Die Tote arbeitete zu Lebzeiten als Model und Performancekünstlerin und nannte sich „Lale“, was auf Türkisch Tulpe bedeutet. Als Tatwaffe wurde ein Kopftuch aus der Kollektion des Berliner Modedesigners Aslan benutzt, dem Bruder von Selim Ersoy.

Auf den Fall wird die 38jährige Ermittlerin Gina Sonnenfels angesetzt, die früher selber als Designerin tätig war. Im Roman spielen botanische Details immer wieder ein Rolle, etwa in Form des Logos des Modedesigners und von Blumenerde unter den Zehennägeln des Mordopfers oder der Leser erfährt, dass die Tulpe selber als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und wahre Liebe gilt und das Wort Lale als Anagramm für den Namen des Schöpfers. Haben Sie gewusst, dass die gehäkelten Borten von Kopftüchern eine Bedeutung haben? Violette Hyazinthen stehen für ein verliebtes Mädchen, während eine Frau, deren Mann im Ausland tätig ist, wilde Rosen trägt. Weiter kommen im Buch ein Blumenfest und eine Auszeichnung mit dem Namen „Berliner Tulpe“ vor und nicht zuletzt züchtet eine tulpenverrückte Operettensängerin selber ihre Lieblingsblumen und gibt ihnen Namen wie „Die Knospe des Schahs“, „Herzenssucherin“ oder „Lichtspenderin“.

Diese botanischen Hinweise sollen aber keine falsche Fährte legen. Im Buch sind sie doch eher nebensächlich, während beispielsweise Neureligion ein grösseres Thema ist. Und in erster Linie gilt es ja auch herauszufinden, welche Rolle der Bruder des Opfers und ihr Liebhaber, der Teppichhändler Hans Meier, in diesm Fall spielen.

Mit der zwischen Berlin und Wien pendelnden souverän ermittelnden Gina Sonnenfels wurde ich nicht richtig „warm“. Bedenklich und ärgerlich fand ich vor allem die wiederholt erwähnte Kombination von vermuteter Schwangerschaft und gleichzeitigem Einwerfen von grösseren Mengen an Schmerzmitteln. Aber glücklicherweise handelt es ich ja nur um ein Buch …



Sabine Scholl:
Tödliche Tulpen
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, 2011

16. März 2012

Peter Würth: Alles auf Grün

Zur Freude der lesenden Gärtnerin erweitert der Schöffling Verlag die Reihe der kleinformatigen Büchlein mit farbig bedrucktem Feinleinen auch in diesem Frühjahr um zwei Publikationen. Bei Peter Würth dreht sich in dreizehn Kapiteln wie es der Titel schon verrät alles rund ums Grün.

Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.

Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.

Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.

Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.

Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.



Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012

13. März 2012

Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …

Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.

Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.

An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.

Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.

Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.

Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!


Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998

10. März 2012

Stefan Leppert: Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden

Es lässt sich wohl endlos darüber diskutieren, ob geschlechtergetrennte Gartenbücher nun sinnvoll sind oder nicht. Nach verschiedenen Publikationen ausschliesslich über Gärtnerinnen erscheint nun mit „Sein Garten“ innert weniger Monaten ein zweites Buch, in dem ausnahmslos gärtnernde Männer vorgestellt werden. Stefan Leppert schreibt im Vorwort gleich selber über sein Befremden als er eine Verlagsanfrage für das Verfassen eines diesbezüglichen Themenbuches erhalten hat. Nun, er hat seine anfänglichen Vorbehalte glücklicherweise überdacht und lesende Gärtner und Gärtnerinnen dürfen sich auf eine informative und gleichzeitig unterhaltende Lektüre freuen und so nebenbei auch Ideen für den eigenen Garten entdecken. Und wer weiss, vielleicht lohnt es sich schon bald, dass in der kürzlich besuchten Berner Buchhandlung mit einem umfangreichen Gartenbuchsortiment neben der schon vorhandenen Regalbeschriftung „Frauen und ihren Gärten“ bald einmal auch ein Schildchen „Männer und ihre Gärten“ angebracht wird?

Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.

Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.

Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.

Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.

Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.

Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.

Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.



Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

7. März 2012

Barbara Constantine: Kleiner Tom, was nun?

Der elfjährige Tom und seine alleinerziehende fünfundzwanzigjährige Mutter Jocelyne, genannt Joss, wohnen vorübergehend in einem Wohnwagen. Das Geld ist knapp, weil Joss die Schule vorzeitig abgebrochen und keinen Beruf erlernt hat und deswegen von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs abhängig ist. Sie möchte aber unbedingt das Abitur nachholen und eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. Alle ihre Verpflichtungen wachsen ihr zuweilen über den Kopf und sie ist oft etwas gereizt. Ausserdem hat sie den Eindruck, nur über ihre imposante Oberweite wahrgenommen zu werden, weshalb sie zusätzlich für eine Brustverkleinerungs-OP jeden Cent auf die Seite legt. Tom ist für sein Alter bereits sehr selbständig und oft vernünftiger als seine Mutter und die Leserin bekommt zuweilen den Eindruck, Mutter und Sohn steckten in den falschen Rollen.

Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.

Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.

In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.

Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.

Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.



Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012

4. März 2012

Rosemary Harris: Das grüne Versteck (Dead Head) - Ein Gartenkrimi

Paula Holliday hat sich für ihr Geschäft den passenden Namen ausgesucht. „Dirty Business“ ist nicht nur ein Synonym für ihre berufliche gärtnerische Tätigkeit, sondern ein passendes Wortspiel für ihre zweite Leidenschaft, als Hobbydetektivin im Dreck zu wühlen. Paulas Gartenbetrieb läuft wegen der angespannten Wirtschaftslage mehr schlecht als recht. Doch nun hat sich gerade wegen den vielen geplatzten Immobilienträumen für die junge Frau ein neues Geschäftsfeld aufgetan: Frontseiten-Facelifting. Will heissen, sie arbeitet mit einer Immobilienmaklerin zusammen und ist in deren Auftrag bei den lokalen Liegenschaften, die mit „zu verkaufen“-Schildern geschmückt sind, für das Garten-Make-up zuständig. Mit Pflanzbehältern, Dekos und kleinen Bäumchen wird eine heimelige Atmosphäre vorgegaukelt, die potentielle Käufer beeindrucken soll. Zwar relativ lukrativ, aber alles in allem eine eher unbefriedigende gärtnerische Tätigkeit, weshalb Paula schliesslich doch ernsthaft über das Angebot ihrer Freundin und besten Kundin Caroline Sturgis nachdenkt, mit ihr zusammen ein neues Geschäft aufzuziehen, für welches die künftige Partnerin die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen will. Während Paula das Für und Wider der Offerte abwägt, schlägt in Springfiel die Nachricht von der Verhaftung von Caroline Sturgis wie eine Bombe ein.

Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?

Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.

Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …



Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012



Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014

1. März 2012

Barbara Krasemann: Geschenke aus meinem Garten

Vielleicht kennen Sie bereits Barbara Krasemanns reich bebildertes Buch „Wo Träume wachsen“, in welchem sie die Leser durch ihr vielfältiges Gartenreich führt, in dem es auf 8500 m2 beispielsweise einen Obst- und Gemüsegarten, ein Alpinum, einen Schattengarten sowie eine Freiluftküche mit Essplatz zu entdecken gibt. Seit 1985 gärtnert die Autorin auf ihrem Grundstück und hat in dieser Zeit elf Gartenzimmer gestaltet. Bereits in diesem ersten Buch aus dem Jahr 2009 finden sich interessante Rezepte. In der aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Garten“ präsentiert Barbara Krasemann nun ein Füllhorn an Ideen für die Verwendung von Pflanzenschätzen aus ihrem Garten im Lauf der Jahreszeiten.

Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.

Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?

Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.

Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.



Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012

28. Februar 2012

Gabriele Wolff: Im Dickicht

“Im Dickicht” ist ein Krimi von nur 64 Seiten Umfang. Doch diese - von einer Oberstaatsanwältin verfasst - haben es in sich und sind nichts für schwache Nerven!

Kerstin und Bernd leben zusammen mit ihrem Sohn in einem perfekt umgebauten Haus auf dem brandenburgischen Land. Sein grüner Daumen beschränkt sich auf den Einkauf von Pflanzen. Um den Garten kümmert sie sich und schaut, dass die Zaunwinde ihre Lieblinge wie Phlox und Fingerhut nicht überwuchert und unter sich begräbt.

Die Idylle weist Risse auf und Kerstins „Kampfgebiet“ beschränkt sich nicht mehr nur auf den Garten. Ihr Mann Bernd kehrt von einer angeblichen Geschäftsreise nach China nicht zurück und bleibt für seine Frau unerreichbar. Ausserdem wird Kerstin in einem in ihrer eigenen Handschrift verfassten Brief ultimativ aufgefordert, ihren Ehegatten freizugeben. Möchte sie jemand für verrückt erklären?

Während die Zaunwinde recht einfach gezähmt werden kann, bricht Kerstins organisiertes Leben auseinander. Nicht zuletzt fühlt sie sich von ihren Nachbarn beobachtet. Und wer hat ihre Katze auf dem Gewissen, die anscheinend zu Tode gequält worden ist?



Gabriele Wolff:
Im Dickicht
Edition Nautilus, 2006

24. Februar 2012

Berndt Schulz: Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main

Zum Tagesablauf des pensionierten Kriminalhauptkommissars Max Horner gehören regelmässige Besuche mit seinem Hund Wallander im Bethmannpark in Frankfurt. Diese Grünfläche ist für ihn mit vielen Erinnerungen verbunden. So hat er hier seine finnische Frau Terttu kennengelernt und vor vier Jahren von ihr Abschied genommen. Als leidenschaftlicher Kleingärtner schätzt er ausserdem die vielen unterschiedlichen Pflanzen. Auf seiner Lieblingsbank liest er gerne in Büchern über Pflanzenjäger und erlebt in Tagträumen, oft aber auch in nächtlichen Alpträumen, öfters deren abenteuerlichen Reisen und Erlebnisse am eigenen Leib mit.

Im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms wird der Bethmannpark von Hilfsgärtnern gepflegt, bei denen es sich allesamt um entlassene Strafgefangene handelt. Deren Leiter Gerd Halland ist darum besorgt, dass diese ihre Einsatzpläne einhalten und beispielsweise die Blumenrabatten von Unkraut befreien.

Wieder einmal möchte Max Horner auf seiner Parkbank in einem spannenden Buch lesen. Doch bevor er sich in seine Lieblingslektüre vertiefen kann, entdeckt er just zum Zeitpunkt, wo sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Baumkronen der Anlage ausbreiten und bereits für Aufregung sorgen, im Teich die Leiche des Hilfgärtnerleiters Gerd Halland, der eine Pergamentrolle in der Hand hält. Liebend gerne würde Max Horner wissen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat. Und da sich dieser Todesfall in seinem Park ereignet hat, kann es der Kriminalhauptkommissar a.D. natürlich nicht unterlassen, eigene Recherchen anzustellen und in der nicht ganz lupenreinen Vergangenheit des Opfers herumzustochern, der Zeit seines Lebens ein Aussenseiter war und unermüdlich bestrebt, nicht aufzufallen und zu sein wie alle anderen. Ist tatsächlich immer ein Gärtner der Mörder? Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls im Hilfsgärtnerteam?

Neben eingestreuten Berichten über die Abenteuer von Pflanzenjägern werden auch immer wieder Gartentipps in die Lektüre eingeflochten und Horner philosophiert beispielsweise über inneren Wildwuchs bei Menschen und äusseren Wildwuchs in der Parkanlage. Es ist wohl nicht übertrieben anzumerken, dass der Kriminalfall ab und an im Vergleich zu den hortikulturellen Erwähnungen eher in den Hintergrund rückt, denn schliesslich passieren die Tat sowie die darauf folgenden Ermittlungen erst nach etlichen gelesenen Seiten. Genau diese Tatsache macht das Buch mit viel Lokalkolorit aber eben für Gartenfreunde speziell empfehlenswert.

„Moderholz“ ist übrigens das erste Buch aus einer neuen Krimi-Reihe um den ermittelnden Gartenliebhaber Max Horner. Neben der Vorfreude auf die Fortsetzung verbleibt mir nun nur noch, genauer nachzuforschen, ob es tatsächlich einen Pflanzenjäger namens Gordon Douglas gegeben hat. Oder ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass einfach der Vorname von David in Gordon umgeändert worden ist (wieso?). Einzelne geschilderte Episoden müssen nämlich laut früher gelesenen Pflanzenjägerbüchern jedoch eindeutig David Douglas zugeordnet werden.



Berndt Schulz:
Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Sutton Verlag, 2012

20. Februar 2012

Helen Babbs: My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London

Mit Mitte zwanzig hat Helen Babbs beschlossen, ein bisschen London City-grau in City-grün zu verwandeln. Die junge Frau verfügte bis dato über keine gärtnerische Erfahrung und ihr Miniexperimentierfeld von drei Quadratmetern Grösse befand sich in luftiger Höhe zwischen Wolkenkratzern, Schornsteinen und Dachzinnen. In ihrem Büchlein beschreibt sie, wie sie an einem Tag im Februar ziemlich unbedarft loszog, um an einem Anlass namens „Seedy Sunday“ Sämereien zu besorgen, die den Grundstock für die Ausführung ihrer Pläne bilden sollen, diese Beute aussäte, hegte und pflegte und schliesslich ihre erste Ernte einbringen konnte.

Zwischen ihren Berichten über die gärtnerischen Tätigkeiten streut Babbs immer wieder ökologische Überlegungen ein, gibt Tipps für „grüne“ Ausflüge in London und erzählt vom Tierleben in der Höhe. Sie mag zwar gerne ihre Tomatenernte mit einem Eichhörnchen teilen, ärgert sich aber heftig über die Unbelehrbarkeit des Vierbeiners. Warum muss er auch jeden Abend eine der abgezählten und kaum reifen Tomaten probieren, nur um erneut festzustellen, dass er Tomaten nicht mag und die zerquetschten Reste achtlos liegen lassen? Überhaupt öffnet das Exeperiment Helen Babbs Augen für die vielen, oft etwas versteckten grünen Flecken in der britischen Hauptstadt und sie lernt, dass die grössten Tomaten nicht unbedingt die schmackhaftesten sein müssen.

Im Anschluss an die Zusammenfassung dieses Gartenjahres Richtung Wolken erläutert die Autorin in Kurzform ihre Erfolge und Misserfolge. Dazu gehört auch, dass Dachgärten oft starken Winden ausgesetzt sind, man/frau sich dafür aber problemlos ungekämmt und im Pyjama um die Topfpflanzenschätze kümmern kann...



Helen Babbs:
My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Timber Press, 2011

17. Februar 2012

Franziska Bark Hagen (Hrsg.): Versuche das Glück im Garten zu finden

Neben Vorwort und Einleitung hat diese Publikation acht bebilderte Essays zum Inhalt:

- Das Paradies verorten: Eine Rückblende
- Gebetsteppich: Eine Mauer, die einen Garten umschliesst
- Kriegsgarten: Humus Human
- Kredit: Schuld und Schulden
- Eruv: Die Stadt als Haus
- Gemeinschaftsgarten: Vom Kultivieren der Nachbarschaft
- Whole Earth Catalog: Die Katalogisierung der Welt
- Apfelhain: Der Himmel des Erschaffens

Kenneth Helphand geht der Frage nach, wie es kommt, dass sich mitten in Kriegsgebieten Gärten finden lassen. Solche unter extremen Bedingungen angelegten Pflanzflecke entstanden beispielsweise hinter den Schützengräben im 1. Weltkrieg oder im Warschauer Ghetto. Die Pflege derselben lenkt ab und lässt – für kurze Zeit wenigstens – den Krieg vergessen. Der Textverfasser hat zu diesem Thema bereits ein Buch mit dem Titel „Defiant Gardener: Marking Gardens in Wartime“ geschrieben, in welchem er sich detailliert mit Kriegsgärten auseinandersetzt.

Was hat der Sündenfall im Paradies mit Schulden zu tun? Brett Williams vergleicht das heutige (sicher nicht nur amerikanische!) Konsumverhalten mit den paradiesischen Verfehlungen, wo seinerzeit ebenfalls die Konsequenzen ausgeblendet worden sind.

Weitere Themen sind die Victoriy-Gärten (siehe Buchvorstellung "The Victory Garden" von Lee Kochenderfer), das in Industriekörben und Reissäcken angebaute mobile „Nomadische Grün“ des Prinzessinnengartens auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg (passend dazu die aktuelle Neuerscheinung „Prinzessinengärten – Anders gärtnern in der Stadt“ herausgegeben von Nomadisch Grün im Dumont Buchverlag) und der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger, der einen umfangreichen Obstgarten anlegte aus alten Sorten, die er selber aus gesammelten und gezogenen Apfelkernen zog. In anderen Beiträgen geht es um Garten und Religion, etwa um Gebetsteppiche von Muslimen und Eruv-Zäune, die es orthodoxen Juden erlauben, die strengen Sabbatregeln einzuhalten.



Franziska Bark Hagen (Hrsg.):
Versuche das Glück im Garten zu finden
Lars Müller Publishers, 2011