15. Juli 2012

Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes

Auch Callie Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt. Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.

Nach seinen schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.

Das Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden  Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.

Nachdem Callie zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.

Auch dieses dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band hoffen darf?



Carolee Snyder:
Herbal Passions: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012



11. Juli 2012

Caroly Keene: Nancy Drew – Spurlos verschwunden

Häufig fällt die Zucchetti-Ernte im heimischen Gemüsegarten dermassen verschwenderisch aus, dass Familie und Bekannte (zwangs)versorgt werden können oder vielleicht sogar müssen. In River Heights kommt es im Sommer dieser Geschichte zu keiner Ernteschwemme. Im Gegenteil, bevor Gärtnerin und Gärtner überhaupt dazu kommen, sich Gedanken über die verschiedenen Zubereitungsarten des grünen Gemüses zu machen – Zucchettibrot, Zucchettiquiche, Zucchetti gebraten oder gegrillt? – dringt ein Unbekannter in verschiedene Gärten ein und zertrampelt sämtliche Zucchetti. Und sorgt damit für Arbeit für die junge Detektivin Nancy Drew, die mit ihren Freundinnen Bess und George schon manchen Täter überführt hat.

In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…



Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007


7. Juli 2012

Elizabeth Lemarchand: Suddenly while Gardening

Aus dem geplanten Erholungsurlaub von Detective Chief Superintendent Tom Pollard von New Scotland Yard wird nichts. Wanderer entdecken in einer alten keltischen Grabstätte entlang des Jakobsweges sterbliche Überreste, die ganz offensichtlich erst kürzlich dort abgelegt worden sind. Der Todeszeitpunkt liegt ebenso eindeutig schon länger zurück. Doch wo hat das Skelett vor dieser Entdeckung gelegen? Und weshalb wurde es genau jetzt an einer gut frequentierten Stelle so platziert, dass es unmöglich übersehen werden konnte? Und wer überhaupt ist der oder die Tote?

Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.

Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.



Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008

3. Juli 2012

Gert Loschütz: Die Bedrohung

Loose, ein ehemaliger Kulturredaktor, bekommt seit seinem Ausscheiden aus dem einigermassen geregelten Redaktionsalltag keinen Artikel mehr auf die Reihe. Seine Pläne schaffen es allesamt nicht über die Planungsphase hinaus und es bleibt bei diffusen Ideensammlungen. Als er eine Einladung zu einer internationalen Tagung einer Botanischen Gesellschaft erhält, möchte er diese trotz dem höchst willkommenen und ziemlich verlockenden Honorar zunächst ablehnen. Eine zufällig gelesene kleine Notiz in der Rubrik „Aus aller Welt“ veranlasst ihn, den Entscheid umzukrempeln und doch hinzufahren. Sein Interesse wurde von einer Meldung geweckt, die über eine unerklärliche Serie von Selbstmorden berichtet, die sich in einem Wald in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes ereignet hat und die Bevölkerung stark beunruhigt, aber gemeinhin als Zufall abgetan wird.

Während der Tagung der Botaniker erhält Loose das Angebot, die Leitung einer neu gegründeten Zeitschrift zu übernehmen, deren Aufgabe darin besteht, die Interessen der Botanischen Gesellschaft publikumswirksam aufzubereiten und zu vertreten. Looses persönliches Interesse gilt aber weniger dem durchaus attraktiven und schmeichelhaften Angebot als den Vorkommnissen im und um den Wald, der ihn wie magisch anzieht.

Er verlängert den Aufenthalt im Tagungshotel auf eigene Rechnung und als er auch das bescheidenere Hotelzimmer nicht mehr zu bezahlen vermag, bekommt er Logis in einer kleinen Kammer gegen Arbeitseinsatz als Hausdiener. Zwischen Hilfsarbeiten in Küche und Hof treibt er seine Nachforschungen weiter und es zieht ihn immer wieder Richtung Wald. Je länger je mehr entwickelt er einen Hang zum Wahnsinn und verliert den Bezug zur Realität. Er meldet sich nicht mehr bei seiner Freundin und er vermutet überall Verschwörungstheorien.

Für den Gartenfreund interessant sind die Hinweise auf Vorträge der Botaniker, in denen es mal um Photosynthese oder die Gründung der Botanischen Gesellschaft sowie verschiedene Expeditionen geht und die Entdeckung eines seltenen Grases durch einen (fiktiven?) Forscher namens Walter Backhaus. An einer anderen Stelle liest man über die Trauerformen von Bäumen und von insektenfressenden Pflanzenarten, die wie Jäger Fallen stellen. Eine bemerkenswerte Entdeckung vom Remittendentisch!



Gert Loschütz:
Die Bedrohung
Piper Verlag, 2008


30. Juni 2012

Rita Bertolini: Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten

Wenn man diese rund dreihundertseitige Publikation im Schnelldurchlauf durchblättert, fallen einem als erstes die vielen unterschiedlichen Nuancen der Farbe Grün auf. Bei dem vielen Weiss, das diesen Winter während meiner Lektüre dieses Buches draussen in Form von Schnee vorherrschte, empfand ich diese Grüntöne wie ein Fest für die Augen. 

Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:

-       Villen und historische Gärten 
-       Architektur und Gärten 
-       Klostergärten
-       Bauern- und Nutzgärten 
-       Wiesenmeister 
-       Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten 
-       Industrie- und Migrantengärten 
-       Therapiegarten Carina 
-       Private Gärten 
-       Gastgärten

Das Buch zeigt viele verschiedene Gärten, aber immer nur einen kleinen Ausschnitt, nie die gesamte Parzelle oder Anlage. Die Texte sind sehr kurz gehalten, der Fokus wird eindeutig auf die (in Bezug auf die Druckqualität nicht immer optimalen) Fotos gelegt. Es werden wie aus den Kapitelüberschriften ersichtlich ist, die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Sympathisch fand ich, dass die Gärten nicht übermässig herausgeputzt sind, so sind zum Beispiel Buchspflanzen abgebildet, die für andere Publikationen wohl erst zurechtgestutzt worden wären.

Gleich im ersten Kapitel erfährt der Leser, dass in Vorarlberg die meisten als historisch zu bezeichnenden Gartenanlagen noch recht jung sind. Diese sind nämlich zumeist während dem Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert entstanden. Und welcher Gartenfreund wird nicht ein wenig neidisch auf den Platz an einem Schreibtisch in Feldkirch, der bei offenen Fensterflügeln direkt im Waldgarten zu stehen scheint? In Hörbranz wiederum findet sich ein Garten, in dem als nicht wegzudenkende Elemente eine Steinbibliothek, Arbeitsmaschinen und Bambus fungieren. An einer anderen Stelle liest man von Wiesenmeisterschaften, die aufzeigen sollen, dass Lebensräume für Pflanzen und Tiere nur bewahrt werden können, wenn diese standortgerecht genutzt werden. Es handelt sich denn auch nicht um einen Mähwettbewerb, sondern um eine Bewertung und Auszeichnung von naturgemäss gepflegten Mager- und Fettwiesen.

Vor etlichen Jahren haben wir jeweils die Skiferien im Montafon verbracht. Die Region Vorarlberg in meinem Kopf ist also hauptsächlich Weiss. Nach der Lektüre von „Bodengut“ ist nun auf eine eindrückliche Weise eine weitere Farbe dazugekommen – Grün. Und die Erkenntnis, dass die Gegend auch zwischen Frühling und Herbst einen Besuch und Blicke hinter die Zäune Wert wäre. Einladend sind ja nicht zuletzt auch die verschiedenen abgebildeten Gastgärten (Gartenwirtschaften).



Rita Bertolini:
Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Bertolini Verlag, 2009

26. Juni 2012

Eva Almstädt: Ostseefluch

Die Bemühungen der achtzehnjährigen Gärtnerstochter Milena, im Garten Gemüse anzuziehen, entpuppen sich als Energie-, Zeit- und Wasserverschwendung. Die schon fast endlos andauernde Hitzeperiode in Schleswig-Holstein tut das ihre dazu, dass auch die zähesten Pflänzlein vertrocknen. Und dann wird die junge Frau tot im Garten des heruntergekommenen Anwesens auf Fehmarn gefunden, wo sie die letzten Monate in einer Wohngemeinschaft gelebt hat. Wieso ist Milena umgebracht worden? Wer hat ein Motiv? Liegt tatsächlich eine Fluch auf dem „Mordkuhlen“ genannten Gelände seit sich hier vor rund einem Vierteljahrhundert eine schreckliche Familientragödie ereignet hat?

Ein angeblich herumirrender Geist, eine bigotte Mutter und ein Vater, der als Gärtnerei-Tycoon von Ostholstein gilt, sowie eine Organisation, die Fälle von illegalem Pflanzenschutzmittelverbrauch aufdeckt und es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung über den massiven Einsatz von gesundheitsgefährdenden Pestiziden zu informieren sind Puzzleteile in der Lösung dieses Verbrechens.

Während den Ermittlungen befallen die ermittelnde Kommissarin und alleinerziehende Mutter Pia Korritki immer wieder persönliche Zweifel. Sie kann nichts mit Geistergeschichten anfangen, aber sie kommt nicht umhin, Parallelen zwischen dem angeblichen erzieherischen Versagen von Milenas Mutter und ihren eigenen diesbezüglichen Bemühungen bei ihrem Söhnchen Felix anzustellen. Leider lassen sich nicht alle Probleme so einfach aus der Welt schaffen, wie die schlechten Gerüche in einem Secondhandgeschäft, die ein gewisser Aleister mit einer Reinigung aus Salbei oder Asafoetida vertreiben will...



Eva Almstädt:
Ostseefluch
Bastei Lübbe, 2012

22. Juni 2012

Janice Marriott und Virginia Pawsey: Common Table – An uncommon tale of friendship and food

In dieser zweiten gemeinsamen Publikation von Janice Marriott und Virginia Pawsey in Form von Briefwechseln stehen Küche und Kochen im Vordergrund. Doch was wäre gesundes Essen ohne frisches Gemüse aus dem Garten? So geht es auch zwischen Rezepten und Alltagsgeschichten aus Farmleben und Bürobetrieb immer mal wieder ums Gärtnern. Beide Frauen betonen denn auch immer wieder, wie wichtig ihnen gärtnern und kochen ist.

Küche und Garten können auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden. Gemäss einem Tipp im Buch sollen stark verbrannte Kochtöpfe für eine Weile im Garten vergraben werden. Anschliessend soll die Reinigung mühelos möglich sein. Vielleicht ist dieser Ratschlag ja einen Versuch wert? Als wahres Wundermittel wird an einer anderen Stelle Natron (baking soda) angepriesen. Es erfüllt nicht nur vielfältige Aufgaben im Reinigungsbereich, sondern soll sich angeblich sogar in der Krebsbehandlung bewähren. Da aber damit kein Geld zu verdienen ist, wird laut der Korrespondenz dieses Wissen nicht allgemein verbreitet.

Der briefliche Rezeptaustausch wird von einer Erkrankung in Virginias familiärem Umfeld überschattet, die eine komplette Ernährungsumstellung notwendig macht. Ab sofort darf aus gesundheitlichen Gründen nur noch völlig ungesalzenes Essen konsumiert werden. Janice aufmunternde Worte und vor allem das Schreiben von Briefen sind Virginia eine willkommene Abwechslung und Unterstützung in dieser schwierigen Zeit ohne Parmesan, Speck, Oliven und mit fadem Risotto. Die Leserin freut sich schliesslich mit der Farmerin mit, als die Ärzte Entwarnung geben und sie die Familienspeisen wieder zurückhaltend mit Salz würzen darf.

Als Europäerin schätze ich an diesem Briefwechsel besonders den Einblick in den neuseeländischen Alltag. In der Korrespondenz liest man von einem Wettbewerb um das sinnvollste Erdbeben-Set. Da gibt es beispielsweise einen „Nachbarschaftspreis“ für das einzige Set, das einen Deodorant enthält und einen „Mission Impossible Award“ für ein Set voller Büchsennahrung - aber ohne Büchsenöffner. Beim Lesen dieser Erdebebenvorbereitungs-Massnahmen erinnert man sich unwillkürlich an die verschiedenen Naturkatastrophen, die sich in jüngster Zeit in Neuseeland ereignet haben und fragt sich, wie weit wohl die beiden Frauen und ihre Familien davon betroffen sind.

Die lesende Gärtnerin mag die Briefe interessieren, die vom verzwickten Aufbau eines Kleingewächshauses handeln, der (beinahe) eine Ehekrise auslöst. Stichworte sind da beispielsweise das Nichtlesen von Anleitungen, Instabilität, Teile, die nach dem Aufbau noch herumliegen …



Janice Marriott und Virginia Pawsey:
Common Table – An uncommon tale of friendship and food
Harper Collins Publishers, 2010


18. Juni 2012

Audur Ava Olafsdottir: The Greenhouse oder Weiss ich, wann es Liebe ist?

Der 22jährige Ich-Erzähler Arnljótur macht sich mit drei in Zeitungspapier gewickelten Rosenstecklingen einer seltenen Achtblattrose mit Stielen ohne Dornen auf den Weg von Island nach Europa. Die Stecklinge stammen aus dem Treibhaus seiner vor einiger Zeit bei einem Autounfall verstorbenen Mutter. Arnljóturs Ziel ist ein Kloster mit dem „grossartigsten Garten himmlischer Rosen“ mit einer jahrhundertealter Geschichte.  Diesen aus dem Mittelalter stammenden Garten hat er als kleiner Junge in einem Gartenbuch seiner Mutter entdeckt und ist immer wieder auf diesen gestossen, denn er wird in sämtlichen Publikationen über Rosengärten erwähnt. Und zwar immer mit den genau gleichen Worten, weil die Autoren mangels neuer Informationen und Fakten einander nur abschreiben. Arnljótur möchte die lange vernachlässigten Rosen dieses Gartens wieder zum Blühen bringen.

Zurück in Island bleiben sein autistischer Zwillingsbruder, der in einem Heim lebt, und Flora Sol, seine kleine Tochter – ungeplante Frucht eines One-Night-Stands mit Anna, der Freundin seines Freundes. Ebenfalls zurück in Island lässt der junge Mann seinen trauernden und fürsorglichen Vater, der es lieber sähe, wenn sein Sohn ein Studium in Angriff nähme, statt in der Erde herumzuwühlen und an Rosenstöcken herumzuschneiden und der fest an eine spezielle Bedeutung glaubt, weil seine verstorbene Frau und Flora Sol am gleichen Tag Geburtstag haben und dieser Tag auch gleichzeitig der Todestag  von ersterer ist. Doch der quasi im Treibhaus aufgewachsene Arnljótur  möchte weder die Schulbank drücken noch in einem Labor arbeiten, sondern er sucht und braucht den Kontakt mit der Erde.

Der Start in Europa beginnt wenig verheissungsvoll. Heftige Bauchschmerzen entpuppen sich als Blinddarmentzündung, die eine Operation und einen Spitalaufenthalt nötig machen. Doch dann steht der Weiterreise zum Rosengarten nichts mehr im Weg. Das Kloster befindet sich auf einem Felsen. Arnljótur bekommt von den Mönchen freie Hand, den Garten neu zu organisieren und nutzt die einsamen Stunden beim Unkrautjäten und beim Zurückschneiden der Rosenstöcke, um über seine Wünsche und unerfüllten Sehnsüchte nachzudenken. Er lernt eine für ihn neue Sprache und verbringt die Abende häufig mit dem 49jährigen Pater Thomas und die beiden schauen sich gemeinsam Filme an. Als Arnljótur sich eben in sein neues europäisches Leben eingewöhnt hat, tauchen seine Tochter und deren Mutter auf.

Arnljótur wird damit unvermittelt in eine neue Rolle, nämlich die des Vaters, kataputliert und lernt auch Anna (endlich) näher kennen. Der Leser begleitet den jungen Mann durch diese Entwicklung, während der aus der stets als „Mutter meiner Tochter“ bezeichneten Anna fast unmerklich die Freundin wird und schon einmal Eifersucht aufkommen kann. Gleichzeitig werden die fast omnipräsenten Gedanken über Sex, Liebe und Tod durch die neue Verantwortung für seine Tochter etwas in den Hintergrund gedrängt. Schliesslich gilt es kochen zu lernen, sich mit der Kinderbetreuung auseinanderzusetzen und eine Frau zu verstehen und zu begreifen. Die Problemlösung erfolgt zumeist etwas unorthodox durch Filmtipps  und das Ausleihen von DVDs von Pater Thomas.

Es ist berührend zu lesen, wie sich Arnljótur um seine Tochter und deren Mutter kümmert, beiden immer näher kommt und sein Herz immer mehr öffnet, bis es auf einmal auch für den Leser beinahe gar nicht mehr so verkehrt scheint, zunächst ungeplant ein (perfektes) Kind zu zeugen und sich erst hernach als Paar kennenzulernen. Das Romanende ist dann aber eher unerwartet, wenn auch überaus passend. Bis zuletzt unklar blieb mir, wo das beschriebene Land und der Rosengarten liegen sollen, hunderte Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt. Konkrete Hinweise für den Leser beschränken sich auf die Augen- und Haarfarbe der Einwohner. Sehr lesenswert!



Audur Ava Olafsdottir:
The Greenhouse
Amazon Crossing, 2011

Weiss ich, wann es Liebe ist?
Suhrkamp Verlag, 2011

14. Juni 2012

Mona de Silva: Roman Greve – Tulpen aus Amsterdam

Der 70jährige Botaniker Wilhelm Anholt wird tot in seiner Villa aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Die Spurenlage ist alles andere als eindeutig. Der Tote war Diabetiker und starb an Insulinmangel. Im ganzen Haus lassen sich aber seltsamerweise weder Spritzen noch Insulin finden. An seinem Wohnort hat Anholt praktisch keine freundschaftlichen Beziehungen gepflegt und er war überaus unbeliebt. Sein ganzes Interesse fokussierte er auf die Pflanzenwelt.

Warum ist Hannes Hochscheid, der Besitzer einer Gärtnerei in Mittenwald, bei der Befragung durch die ermittelnden Beamten dermassen nervös? Und auch Eleonore Moosleitner, die Hausangestellte des Opfers, die dieses auch entdeckt hat, scheint etwas zu verbergen. Rätsel gibt auch die Tulpenzwiebel auf, die unter dem toten Anholt gefunden worden ist.

Bald steht zweifelsfrei fest, dass Wilhelm Anholt ermordet worden und der Fundort der Leiche nicht identisch ist mit dem Tatort und im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr Personen ins Visier der Beamten um Roman Greve. Was hat es mit der Zucht von Arzneipflanzen für Medizin auf sich? Und wie war die Beziehung zwischen Anholt und seinem Sohn wirklich? Wer steckt hinter der unbekannten Person, die jeweils mit Anholt im Schuppen neben dem Wohnhaus hantiert hat?

Die Ermittlungen erschienen mir immer wieder unglaubwürdig oder fast stümperhaft. So wirkt besonders das manchmal eher kumpelhafte Diskutieren zwischen Beamten und Personen, die gerade einvernommen werden, fragwürdig und plump. Als ermüdend empfand ich aber ganz speziell die vor allem in der ersten Hälfte des Buches sich ständig wiederholenden Erwähnungen und Hinweise auf den früher von Roman Greve und seinem Team gelösten Fall mitsamt den privaten Beziehungsproblemen und der Umgang mit einer unbeliebten Kollegin. Die Tulpensaison ist für dieses Jahr definitiv vorbei und dieses Buch kann ich definitiv in der hinteren Reihe des Bücherregals einordnen.



Mona de Silva:
Tulpen aus  Amsterdam
Novum Publishing, 2011

10. Juni 2012

Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken

Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.

Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.

In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.

Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.

Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.



Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010

6. Juni 2012

Cümcad Galaxis: Aufruhr auf Hecktorria

Am Anfang stehen Scherben. Jens lässt beim Abtrocknen versehentlich einen mit vielen lieben Erinnerungen behafteten Porzellanteller seiner Grossmutter, genannt Oma Hoppe, fallen. Drei Tage lang herrscht daraufhin zwischen den beiden dicke Luft. Am vierten Tag kann Jens seiner Oma einen perfekten Teller präsentieren. Wie das? Weder sind Leimspuren zu entdecken, noch kann das Teil nachgekauft worden sein, denn die Herstellung dieses Porzellangeschirrs ist schon vor Jahren eingestellt worden.

Zur gleichen Zeit steht plötzlich eine Hecke, die tags zuvor vom Landschaftsgärtner abgesägt worden ist, wieder in alter Schönheit an ihrem alten Platz. Ganz so, als wäre sie nie vernichtet worden. Und als auch noch ein völlig verbrannter Schmorbraten auf mysteriöse Weise trotzdem ganz einwandfrei schmeckt, begreift Oma Hoppe die Welt nicht mehr so richtig. Des Rätsels Lösung präsentiert sich ihr einen Tag später, als sie im Küchenschrank ein grünes Wesen entdeckt, das sich als Hecktorria 415 vorstellt. 

Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.

Auch auf dem Planet Erde geschieht seltsames. Das Auftauchen eines grünes Lebewesens, das unbedingt geheim bleiben soll, lässt Oma Hoppe in den Augen ihrer Kinder immer merkwürdiger erscheinen. Diese planen deshalb die Übersiedlung ihrer Mutter in ein Heim namens „Waldesruh“. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was es mit dem illegalen Brunnen auf sich hat, den Nachbar Bareis, übrigens der Verantwortliche für die oben erwähnte Heckenvernichtung, auf seinem Land gegraben hat.

Der Kampf gegen die Klimakatstrophe hat auf Hecktorria oberste Priorität. Es wird eine Verbindung zwischen dieser und der Erwärmung auf der Erde angenommen. Doch exisitert diese tatsächlich? Oder sind die Schwierigkeiten auf Hecktorria vielleicht doch eher hausgemacht? Tatsächlich sind die Probleme auf den beiden Planeten aber vergleichbarer, als es zunächst den Anschein macht …



Cümcad Galaxis:
Aufruhr auf Hecktorria
Books on Demand, 2009

2. Juni 2012

Mary Jane Clark: Die Zeichen deiner Schuld

Das gärtnerische Element beschränkt sich in diesem Thriller weitgehend auf das Titelbild mit einem Gewächshaus inmitten blühender Blumen. Es steht im Zentrum eines nach europäischem Vorbild angelegten Gartens im idyllischen Tuxedo Park. Diese grosszügige Anlage ist eine geheime, abgeschiedene Welt, verborgen hinter einem streng bewachten Tor. Doch die vermeintliche Idylle mit herrschaftlichen Häusern und grosszügigen Gärten verbirgt ein dunkles Geheimnis. In eben diesem erwähnten Gewächshaus hat der Besitzer Innis Wheelock seine heissgeliebten Orchideen gepflegt und er hat nun diesen Ort ausgewählt, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.

Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.



Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011


31. Mai 2012

Gerlinde Herz: Omas kleines Gartenbuch

Für dieses kleine liebevoll illustrierte Büchlein hat Gerlinde Herz Grossmutters Gartenerfahrungen kurz und knapp zusammengefasst. Nach einem kurzen Exkurs durch die Gartengeschichte erzählt sie in gartenalphabetischer Form von Ameisen, Gänseblümchen über Muskatellersalbei bis Zucchini Wissenswertes und Lehrreiches aus der Gartenwelt.

Sie gibt dem interessierten Leser Antwort auf die Frage, ob Asche aus dem Kaminofen bedenkenlos im Garten verteilt werden darf, geht auf Bauernregeln ein und berichtet über die verschiedenen positiven und negativen Wirkungen von Brennnesseln. Ausserdem verrät sie, dass ungeniessbare Kartoffeln mit grünen Stellen als Insektenspray Verwendung finden können. Grossmutter wusste auch, dass das Verpflanzen von fest eingewurzelten grünen Schätzen mit Unterstützung von zerquetschten Knoblauchzehen oder gekeimten Gerstenkörnern im Wurzelbereich besser gelingt und eine Gabe gute Komposterde den Start am neuen Ort zusätzlich erleichtert.

Der „Jahresplan meiner Oma“ mit monatlich anfallenden Aufgaben im Garten sowie eine Tabelle mit guten und schlechten Nachbarn im Gemüsegarten komplettieren Omas Gartentipps, die sich in erster Linie als Ratgeber für Einsteiger oder als Mitbringsel für Gartenanfänger eignen.



Gerlinde Herz:
Omas kleines Gartenbuch
Ars Vivendi Verlag, 2011

28. Mai 2012

Anthony Eglin: Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery

Der pensionierte Botanikprofessor Lawrence Kingston wird einmal mehr in seinem geruhsamen Rentnerdasein gestört. Diese Ablenkung und vor allem der daraus resultierende Geldsegen sind allerdings nicht gänzlich unwillkommen und Zeit für das Lösen seiner heissgeliebten Times-Kreuzworträtsel findet Kingston allemal.

In einem anonymen Brief wird Kingston gebeten, bezüglich eines ungelösten Mordfalls Nachforschungen anzustellen. Obwohl er an einem ersten Treffen mit dem potentiellen Auftraggeber versucht ist, das Angebot abzulehnen, nimmt er dieses schliesslich doch an. Vor Monatsfrist ist im Park von Sturminster Hall William Endicott, ein Professor des archäologischen Instituts, tot aufgefunden worden. Die laufenden Ermittlungen der Polizei haben bis anhin keine heisse Spur ergeben.

Auch Kingstons erste Bemühungen verlaufen zunächst sehr zäh und ergeben keine bahnbrechenden Erkenntnisse, bis er ans Krankenbett des Historikers Tristan Veitch gebeten wird, der kurz darauf an einer Vergiftung stirbt. Kingston findet heraus, dass Endicott und Veitch sich gekannt haben. Beide waren Mitglieder in der National Dahlia Society und dem Brookside Garden Club Derby. Die Polizei vermutet, dass Veitch von einer Schwester Amanda umgebracht worden ist, was Kingston stark bezweifelt, da just zur gleichen Zeit bei den Geschwistern eingebrochen worden ist und Computer und Speichergeräte entwendet worden sind.

Doch ist Kingston objektiv? Er hegt unbestrittenermassen gewisse Sympathien für Amanda. Eigentlich ist Kingston ja für die Aufklärung des Mordfalles Endicott engagiert worden, beschäftigt sich aber mehr mit dem unnatürlichen Tod von Veitch. Mit Hilfe von Dateien, die der Hobbyermittler auf einem in ein Hundehalsband eingearbeiten Stick findet, kommt Kingston der Lösung des Falles endlich etwas näher.

Kingstons Vorliebe für Rätsel und Knobeleien sowie seine Kombinierungsgabe sind in diesem fünften Gartenkrimi aus dieser Reihe (Band 4 habe ich hier vorgestellt) sehr nützlich. Denn schon seit Jahrhunderten wurde vergeblich versucht, zu entziffern was die merkwürdigen Inschriften an einem Monument in den Gärten von Sturminster Hall bedeuten.

Die Dechiffrierungsabschnitte und diesbezüglichen Erklärungen dünkten mich etwas langatmig oder haben mich vielleicht ganz einfach zu wenig interessiert. Der erste Mordfall ereignete sich wohl einem berühmten (fiktiven) Garten, ansonsten ist der Hintergrund aber weniger hortikulturell ausgeprägt als in den Vorgängertiteln. Kingston manövriert sich immer wieder in gefährliche Situationen und natürlich ist der für die Aufklärung der Mordfälle zuständige Inspecktor Wheatly nicht begeistert über die Einmischung des Botanikers. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Lektüre rund um die Lösung eines Rätsels, in dem drei berühmte längst verstorbene Engländer eine wichtige Rolle spielen: ein Poet, der erste britische Premierminister und ein Admiral.



Anthony Eglin:
Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Minotaur Books, 2011

25. Mai 2012

Anja Maubach: Garten ist Leidenschaft!

Die Vermutung liegt nahe, dass Anja Maubach wahrscheinlich nicht nur über grüne Daumen verfügt, sondern sogar grünes Blut in ihren Adern fliesst. Sie stammt nämlich aus einer bekannten Gärtnerfamilie und sie selber gärtnert wie schon einst ihr Urgrossvater Georg Arends „Auf der blumigen Höh‘“ in Ronsdorf. Mit ihrer Publikation „Garten ist Leidenschaft“ möchte sie nicht nur ihr hortikulturelles Wissen und ihre Passion teilen, sie lässt den Leser und die Leserin auch an ihren persönlichen Gedanken partizipieren - mit dem Ziel, deren Sinne und die Freude an der Natur zu wecken.

Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:

- Grundsätze vor dem Anfang, Praktisches und Nützliches
- Pflanzenwissen für jeden Gärtner
- Gestalten – die Grundlagen
- Die Kunst der Beetgestaltung
- Leben im Garten – Tag für Tag
- Gartengestaltung – die hohe Schule
- Gärtnern mit allen Sinnen
- Gartenleidenschaft – ganz persönlich

Die meisten Doppelseiten sind so gestaltet, dass auf der linken Doppelseite ein Foto prangt und die rechte Seite mit einem Textbeitrag bedruckt ist. Viele dieser Texte beginnen mit Stichworten oder kurzen, oft unvollständigen Sätzen: „Lebenslang Stauden“, „Early Morning tea mit Morgenmantel“, „Lombardischer Löwe“, „Painting the sky“ oder „Liebe auf den zweiten Blick?“. In der Lektüre finden sich Gartentipps, wie den, die Pflanzen nicht mit Wasser zu verwöhnen, damit diese aus „Angst“ möglichst viele Wurzeln in tiefere Erdschichten schicken. 

Anja Maubach erklärt die Grundbegriffe des Gärtnerlateins und immer wieder werden Pflanzungen ihrer gärtnernden Vorfahren erwähnt und Anekdoten in die Beiträge eingeflochten.  Man liest über die Cyclamensammlung und das Pflanzenarchiv für Astilben oder vom Gärtnerei- und vom Fotoarchiv.Die Autorin erzählt von „Schachbretttagen“, wenn Moos auf Betonplatten aus unterschiedlichen Materialmischungen verschiedene Schattierungen hervorruft oder von ihrer Gartentörchensammlung, in welcher einzelne Stücke oft jahrelang darauf warten, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. An einer anderen Stelle schlägt die Autorin vor, Bilder von Paul Klee in Gartenentwürfe zu übertragen und erzählt von ihrem Experiment einer Echniacea-Wiese.

Mir persönlich gefallen am besten jene Stellen, wo man – oft auch nur zwischen den Zeilen – Tiefgründiges erfährt oder wenn Anja Maubach mit Worten spielt: krauten gehen, Gedanken jäten und Gedankenunkräuter ziehen oder die Worte über fiktive (Buch-)Gärtnerfreundschaften. Die Autorin erläutert ausserdem, welche Wirkung der Satz  "I love gardening“ auf sie hatte. Sie, die ganz selbstverständlich mit den Worten „im Garten draussen arbeiten“ aufgewachsen ist. Heute geht sie gärtnern. Weiter liest man, dass es auch einer überaus erfahrenen Gärtnerin passieren kann, dass ein ehemals als ideal eingeschätzter Pflanzort nach ein paar Jahren plötzlich nicht mehr perfekt ist und einem anderen, vermeintlich interessanteren Projekt im Weg steht. Die Entscheidungsfindung ist ein Ablösungsprozess – sich mit dem Gedanken anfreunden, loslassen, trauern und inneren Frieden finden.

Den Abschluss des Buches bilden Adressen von Lieferanten, Gehölzen, Stauden usw. sowie  Literaturtipps, Erläuterungen zu den Bildern und ein Plan des Gärtnereiareals. Massgeblich zum positiven  Gesamteindruck der gelungenen Publikation tragen die Fotos von Ferdinand Graf von Luckner bei.

Dieses Buch habe ich übrigens erstmals rund vier Monate vor Erscheinen mit weissen, unbedruckten Seiten an der Frankfurter Buchmesse gesehen; quasi ein grosszügig bemessenes Notizbuch. Der damalige Titel lautete gemäss einer Werbekarte, die ich bei der aktuellen Lektüre als Lesezeichen verwendet habe: „Die hohe Schule des Gärtnerns“. Der schliesslich in Druck gegangene Titel „Garten ist Leidenschaft!“ ist doch viel passender für dieses Buch einer passionierten Gärtnerin, deren Texte inspirierend, lehrreich und zuweilen auch tiefsinnig und mal poetisch sind.



Anja Maubach:
Garten ist Leidenschaft!
BLV Buchverlag, 2011

22. Mai 2012

Helen Campbell – The Blue Yonder Inn

Bonnie Blue Hogan verlässt im August 1963 endlich ihren gewalttätigen Ehemann Gil. Ihr Baby Blacky hinterlässt die junge Frau mit einer auf dem Rücken notierten Nachricht in einer Schubkarre im gepflegten Garten ihrer Tante Darnelle. Diese hat nach dem Tod von Bonnies Mutter schon ihre Nichte grossgezogen. Nicht zuletzt die schwierige Beziehung zwischen Bonnie und Darnelle hat erstere in eine frühe Ehe getrieben. Bonnie hinterlässt ihren Sohn keineswegs leichten Herzens bei ihrer Tante. Doch scheint ihr dieser Weg die einzig denkbare Möglichkeit, sich in den Westen Amerikas abzusetzen und zu versuchen, von Gil unbehelligt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihre Zukunft neu aufzugleisen.

Gil sucht seine verschwundene Familie natürlich zuerst bei ihrer nächsten Verwandten. Seine grenzenlose Wut lässt er an Darnelle aus. Er begnügt sich nicht mit körperlicher Gewalt, sondern er zerstört in wenigen Minuten Darnelles preisgekrönten Garten, den sie in jahrelanger mühseliger Arbeit auf humusarmen texanischem Boden angelegt hat. Der Anblick ihrer zerstörten Rosen bricht Darnelle, die schon als junges Mädchen ihren ersten Garten angelegt hat, fast das Herz. Doch die Frau ist sich von Kindsbeinen an gewohnt, kämpfen zu müssen, und zwar nicht nur gegen ihr schlechtes Gewissen, weil sie Gil für die Heirat mit Bonnie Geld zugesteckt hat. Und auch ihre Nichte Bonnie scheint diese Gene geerbt zu haben.

Der authentisch verfasste Roman zeichnet eindrücklich die schwierigen Mutter-Tochter-Konflikte zwischen den beiden sturen Frauen Bonnie und Darnelle auf. Die Erzählung blendet immer wieder zurück und bleibt bis zum Schluss spannend, wenn die Leserin die Familiengeschichten und –verwicklungen durchschaut, die letzten Geheimnisse gelüftet sind und endlich klar ist, was es mit dem vermaledeiten „dog tag“ auf sich hat und was die mehrfachen Erwähnungen von Elvis Presley für eine Bedeutung haben.



Helen Campbell:
The Blue Yonder Inn
Michigan State University Press, 2002


19. Mai 2012

Bärbel Schäfer und Achim Winter: Zen im Gurkenbeet

Der Mittvierziger Carlo Rümmel hat es vom als Lümmel gehänselten Jungen zum erfolgreichen Investmentbanker gebracht. Er, der beste Mann von Kilago-Invest, soll es nun auch richten, als es darum geht, renitenten Schrebergärtnern den Verkauf ihrer Parzellen schmackhaft zu machen. Das Land der Gartenbesitzer soll nämlich dem geplanten Einkaufszentrum „Dreamland“ Platz machen, wogegen sich aber ein harter Kern von Gärtnern wehrt. Wie können diese von einem Meinungswechsel überzeugt werden?

Carlo Rümmel kann ein schon länger brach liegendes Stück Land in der Siedlung „Stoltze“ übernehmen und schleust sich inkognito bei den Schrebergärtnern ein. Mit brandneuen Gummistiefeln und Kleidung versucht er, das Wachsen des Grases mitzuhören und beginnt seine Mission bei den in der Chefetage von Kilago despektierlich als Spatenschwinger, Rosenschneider und Gartenzwerge bezeichneten Gärtnern.

Der kaltschnäuzige karrieregeile Banker macht die Bekanntschaft von Oma Veigele, deren attraktiven Punker-Enkelin Nele und anderen Schrebergärtnern und er findet plötzlich Gefallen am Gärtnern und insbesondere an einer in eine Oase des Stillen umfunktionierten Laube. Carlo Rümmel entdeckt die Freuden des Offline-Lebens (wieder) und zieht plötzlich das Meditieren dem Handy-Klingelalarm vor. Lange verborgene Facetten seines Charakters kommen zum Vorschein. Da seine Ehefrau gleichzeitig intensiv an ihrer Karriere arbeitet, gerät sein Familienleben immer mehr aus den Fugen und die beiden Kinder der Rümmels wissen diese Vernachlässigung zu ihren Zwecken auszunützen.

Als der Banker den Reizen der jungen Punkerin nicht mehr widerstehen kann, reitet er sich immer tiefer in den Schlamassel. Währenddessen nutzen nämlich seine Kollegen bei der zu einem amerikanischen Unternehmen gehörenden Kilago-Invest seine häufige Abwesenheit und sägen heftig an seinem Bürostuhl. Was soll denn sein Arbeitgeber auch von der Guerilla-Aktion der Schrebergärtner gegen Kilago halten, an der Rümmel an vorderster Front mit dabei ist?

Was mir anfänglich als fast endlose und eher übertriebene Aneinanderreihung von Gemeinplätzen und Binsenwahrheiten erschien, entwickelte sich zu einem ziemlich schrägen Roman mit einem überraschenden Ende. Man merkt deutlich, dass ein gemischtgeschlechtliches Autorenduo am Werk war - die Gedanken und Gefühle aus männlicher und weiblicher Sicht lesen sich sehr authentisch.

(Noch) mehr über Gurken zu lesen gibt es im Buch „Allein unter Gurken“ des Tatort-Kommissars Andreas Hoppe alias Mario Kopper, in welchem er von seinem Versuch berichtet, sich nur noch von regionalen Produkten zu ernähren.



Bärbel Schäfer und Achim Winter:
Zen im Gurkenbeet
Weissbooks, 2012

16. Mai 2012

Mike Leigh: Another Year (DVD)

„Another Year“ gibt einen Einblick in den unspektakulären, ziemlich gewöhnlichen Alltag von Gerri und Tom. Die beiden führen seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern des dreissigjährigen Joe. Sie arbeitet als Therapeutin, er ist in der Baubranche tätig. Gemeinsam hoffen sie auf Enkel, doch ihr Sohn scheint die richtige Partnerin nicht zu finden. In ihrer Freizeit beschäftigen sich Gerri und Tom mit ihrem Garten und bieten ihren Freunden und Verwandten ein offenes Haus und Unterstützung in allen Lebenslagen.

Zu ihrem Freundeskreis zählt Gerris Arbeitskollegin Mary, die ziemlich verzweifelt die Liebe ihres Lebens sucht und dabei auch Tom im Visier hat. Ihren Frust und ihre Unsicherheit ertränkt sie in Alkohol. Ähnlich geht es dem übergewichtigen Ken. Er versucht mit Mary anzubandeln, die seine Annäherungsversuche aber bereits im Keim erstickt.

Im Ablauf der Jahreszeiten werden Gerri und Tom auch immer wieder beim Gärtnern beobachtet und tatsächlich wird auch ihre fast unerschöpfliche Geduld einmal (über)strapaziert. Komisch, tragisch und humorvoll zugleich zeigt der Film den ganz normalen englischen Alltag.

Übrigens erscheint Mitte Juni eine Publikation mit dem Titel „Gartenkunst im Spielfilm“ von Nina Gerlach. Ich bin doch sehr gespannt, welche mir noch unbekannten sehenswerten Filme mit hortikulturellem Hintergrund sich dort – hoffentlich - entdecken lassen.


Mike Leigh: 
Another Year (DVD)
Pathé Films / Warner Home Video, 2011

13. Mai 2012

Frank M. von Berger: Gartenblumen in Harmonie

Wieso ziehen die einen Staudenbeete unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, während andere einem im besten Fall ein müdes Gähnen entlocken? Was ist unter Prachtstauden zu verstehen? Wie kombiniert man verschiedene Pflanzenformen wirkungsvoll? Welche Stauden haben Fernwirkung, welche eignen sich als Lückenfüller und welche setzen auch im Winter interessante Akzente? Für eine harmonische Beetgestaltung sind unterschiedliche Faktoren von Wichtigkeit. Damit das Ergebnis kreativen Staudengärtnerns auch den Erwartungen entspricht, lohnt es sich unbedingt, sich vor dem Pflanzenkauf und Einpflanzen zumindest ein Basiswissen anzulesen.

In der Einleitung seines Buches „Gartenblumen in Harmonie“ erklärt Frank M. Berger zunächst, dass die Stauden aufgrund ihrer Wuchsformen grob in fünf Wuchskategorien eingeteilt werden: teppichartiger, ausgebreiteter Wuchs; vertikal nach oben strebender Wuchs; hügelartiger Wuchs; duftiger, lockerer Wuchs und fontänenartiger Wuchs. Die Grenzen zwischen den einzelnen Habituskategorien sind dabei zuweilen fliessend und natürlich kann nicht jede Pflanze eindeutig zugeordnet werden. Das Buch selber ist analog eben dieser Wuchskategorien in fünf Kapitel eingeteilt: „Teppiche weben“, „Vertikale Akzente setzen“, „Schwungvoll und explosiv“, „Geballte Staudenpracht“ und „Duftiges und Transparentes“.

In jedem Kapitel werden nach einem erläuternden Einführungstext in alphabetischer Reihenfolge Vertreter der entsprechenden Staudengruppe vorgestellt. Neben einem Foto gehören zum Portrait Informationen über Aussehen der Pflanze, Standortansprüche, Pflege, Vermehrung und Kombinationsvorschläge. In farbig hinterlegten Kästchen gibt der Autor zusätzliche Tipps oder erklärt beispielsweise was Rhizome sind oder was unter halbimmergrünen Stauden zu verstehen ist. Dazwischen sind Doppelseiten eingefügt, in welchen beispielsweise Stauden mit panaschierten Blättern oder silbergrauem und purpurfarbigem Laub aus den verschiedenen Wuchskategorien gezeigt werden. Im abschliessenden Serviceteil findet der Leser Bezugsquellen, Literaturhinweise und ein Register.

Etwas aussergewöhnlich, um nicht zu schreiben irritierend, fand ich beim ersten Öffnen des Buches, dass gleich beide Innenseiten des Umschlages mit Gartentipps bedruckt sind, also die üblichen „Leerseiten“ fehlen. In der Tat ungewohnt, aber bei näherer Überlegung durchaus sinnvoll. Wieviele Bäume könnten wohl jährlich eingespart werden, wenn sämtliche Bücher auf diese Weise gestaltet werden?

Die Publikation "Gartenblumen in Harmonie" ist sehr schön und informativ aufgemacht. Die Fotos der einzelnen Pflanzen beschränken sich mehrheitlich auf Ausschnitte von blühenden Stauden, gewissermassen „Staudenpassfotos“. Ich hätte mir etwas mehr inspirierende Bilder wie die Pflanzenduos „Bergenien und Kalmus“, „Bergenien mit roten Trieben von Hartriegel“ oder die vom Frost verzauberten Blütenstände gewünscht und ganz allgemein (viel) mehr Fotos von schön gestalteten Mixed Borders mit Kombinationen, wie sie in den Pflanzenportraits vorgeschlagen werden. Das Buch ist übrigens Anfang Jahr mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden.



Frank M. von Berger:
Gartenblumen in Harmonie
Eugen Ulmer KG, 2012


Link zum Ulmer Buchshop

10. Mai 2012

Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos): Park Sanssouci

Verschiedene Gartenstile aus unterschiedlichen Epochen bilden das Ensemble des Gesamtkunstwerks Park Sanssouci, der 1990 von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen worden ist. Da gibt es barocke Blumenrabatten, Palmen, Kübel mit exotischen Pflanzen, schier endlose ordentlich getrimmte Hecken und nicht zuletzt einen klassischen Landschaftspark.

Mehrere Regenten und noch mehr ihre Gärtner haben der Anlage ihren Stempel aufgedrückt. Zu letzteren zählte auch Peter Joseph Lenné aus einer berühmten Gärtner-Dynastie. Christa Hasselhorst und Hans Bach stellen in der wunderschön ausgestatteten Publikation „Park Sanssouci“ das preussische Versailles in Wort und Bild vor und zeigen, was sich aus dem ehemals „wüsten Berg“ an der Peripherie von Potsdam entwickelt hat, wo König Friedrich II. seinerzeit in Lustwägelchen (zweispännigen Gartenkaleschen) durch sein grünes Reich kutschierte.

Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung  von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.

Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.


Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos):
Park Sanssouci
Edition Braus, 2012

7. Mai 2012

Jonas Reif (Hrsg.): Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis

Im Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“. Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene Publikation „The Garden“.

Bereits ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“- Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert: 
  •  Karlheinz Rücker und die „Gartenpraxis“
  •  Erfahrungen sammeln und austauschen
  •  Die Pflanze von morgen

Marion Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.

In einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen. Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten oberste Priorität haben.

An anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“ (Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz), „Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in Wädenswil gehalten hat.Dieter Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von „Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch Saisonalisierung.

Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete, motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung. Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.

Gelernt habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben jedem selber überlassen …


Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012

4. Mai 2012

Elisabeth Jacob: Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen

In diesem neuen Beobachter-Ratgeber präsentiert die Journalistin und Obergärtnerin Elisabeth Jacob auf rund 230 Seiten eine Fülle an Ideen, Tipps und Anleitungen, von der sowohl erfahrene Gärtnerinnen als auch solche, die es werden wollen, profitieren können. Beobachter-Publikationen bürgen für Qualität - „Lust auf Garten“ reiht sich nahtlos in diese sachlich fundierte Bücherreihe ein. Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:

1. Gartentraum und Wirklichkeit
2. Planung und Gestaltung
3. Der Boden und seine Bearbeitung
4. Der schönste Gartenschmuck: Pflanzen
5. Gartenarbeiten durchs Jahr
6. Pflanzen hegen und pflegen
7. Gesunder Garten: Pflanzenschutz
8. Pflanzen, die wenig Freude bereiten

Grundsätzlich ist gärtnern doch eigentlich ganz einfach. Jeder kann eine Pflanze im Garten oder in einem Topf einbuddeln und nach Gutdünken pflegen. Damit die „Resultate“, sprich die Gemüseernte, den Erwartungen von Hülle und Fülle und Geschmack entspricht und sich im Blumenbeet ein Blütenmeer entfaltet, sind aber zumindest grundlegende Kenntnisse sinnvoll. So will zunächst die richtige Standortauswahl gut überlegt sein, denn diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf Erfolg und Misserfolg und Gartenlust und Gartenfrust. Ein gutes Ergebnis kann auch erwartet werden, wenn schon beim Pflanzeneinkauf die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.

Mit einer klugen Anpflanzung lässt sich unnötiger Pflegeaufwand vermeiden, weil sich gute Nachbarn im Gartenbeet gegenseitig unterstützen, während schlechte Nachbarn sich auch im grünen Bereich das Leben gegenseitig schwer machen können. Eine erspriessliche Nachbarschaft ist aber nicht nur im Garten zwischen dem Grünzeug wichtig, auch die Kontakte zu zweibeinigen Anstössern jenseits des Zauns sind nicht unbedeutend. So weist die Autorin in ihrem Ratgeber darauf hin, dass es nicht sehr viel nützt, wenn Sie sich sorgfältig um das Wohlergehen Ihrer Tomaten bemühen, wenn der Nachbar seine kränkelnden Pflanzen stehen lässt und diese ungehindert ihre Sporen verbreiten können.

Für helvetische Grünfinger sind besonders die auf hiesigen Grundlagen basierenden rechtlichen Hinweise zu Baubewilligungen oder Grenzabständen von Interesse, wenn auch für detaillierte Informationen natürlich die genauen kantonalen und kommunalen Vorschriften eingeholt und beachtet werden müssen. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass ein in Grenznähe gepflanztes Gehölz mit dem Einverständnis des Nachbarn ins Grundbuch eingetragen werden kann? In der Folge bleibt die Vereinbarung auch bei einem Besitzerwechsel gültig und der neue Eigentümer kann nicht die Beseitigung des betreffenden Baums verlangen. Verjährungsfristen, Kapprecht und Grenzpflanzungen zu Nachbarn und an Strassen oder Trottoirs und die (möglichen) daraus resultierenden Probleme sind weitere Themen im Ratgeber.

Die interessierte Leserin erfährt ausserdem vom Zusammenhang zwischen entspanntem Gärtnern und Toleranz, liest von Wildkräutern, die als Zeigerpflanzen fingieren und von den unterschiedlichen Aussaaten von Gründüngung. An anderer Stelle wird von invasiven Pflanzen und Ersatzpflanzen für niedrige und höhere Buchspflanzungen berichtet und die Anfänger-Gärtnerin wird darauf hingewiesen, dass Hochglanzbroschüren mit bunten Fotos und übertriebenen Anpreisungen von Vorteilen keine Garantie für grossartige Produkte sind. Vier verschiedene Piktogramme lenken das Interesse auf spezielle Hinweise. Im Anhang finden sich ein Glossar, eine Mischkultur-Tabelle, ein Stichwortverzeichnis sowie nützliche Adressen, Links und Buchtipps.

Dieser Ratgeber bietet eine umfangreiche Palette an (Grund-)Wissensvermittlung für Gärtnerinnen und zählt zu den Büchern, die man immer wieder zur Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen. Er ist übrigens auch für Gärtner empfehlenswert.  


Elisabeth Jacob: 
Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen 
Beobachter-Buchverlag, 2012

1. Mai 2012

Friederike Schmöe: Rosenfolter

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Landesgartenschau 2012 in Bamberg werden auf dem Gelände der Gartenausstellung zunächst verschiedene Körperglieder und schliesslich eine Leiche aufgefunden. Soll die Eröffnung boykottiert werden oder handelt es sich um einen Rachefeldzug? Die polizeilichen Ermittlungen müssen rasche Ergebnisse bringen, denn das Ausbleiben von Besuchern wegen Panik möchten nicht zuletzt Veranstalter und Geschäftemacher verhindern. Diese Kriminalfälle passen denn so gar nicht in die finalen Vorbereitungen der floralen Grossveranstaltung und die Verkaufszahlen der Abos zum Vorzugspreis sind bereits rückläufig.

Friederike Schmöe zeigt in ihrem Kriminalroman in Tagebuchform auf, was in der Zeit vom 3. April bis 25. April 2012 in Bamberg unternommen wird, um Täter und Opfer ausfindig zu machen. Unterwegs auf der Suche nach Spuren und Lösungen sind die Privatdetektivin Katinka Palfy, Hauptkommissar Harduin Uttenreuther, der Leiter der Mordkommission Bamberg, und sein Team sowie Dante Wischnewski, ein Reporter der lokalen Zeitung.

Für die sympathische Katinka Palfy ist dieser Fall eine Abwechslung zu ihren sonst eher langweiligen Papierermittlungen in Wirtschaftsfällen. Sie liebäugelt gerade heftig mit dem Kauf eines stark heruntergekommenen Mehrfamilienhauses an der Concordiastrasse und ist mit Harduin Uttenreuther liiert, der sich seinerseits mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden kann.

Wichtiger als diese Überlegungen über die Anschaffung einer Immobilie sind aber die Ermittlungen rund um die Verbrechen vor der malerischer Gartenschau-Kulisse, die rasch in die Welt der Bamberger Rosenfreunde führen. Von diesen Insidern, die gerne Rosenmessen besuchen und Fachliteratur studieren, stammt die Information, dass die an den Tatorten aufgefundenen Rosenkissen aus einer Rose namens „Princess of the Dark“ angefertigt worden sind. Diese Rose ist zwar bereits prämiert worden, aber nicht im Handel erhältlich, da sie die hoch gesteckten Zuchtziele (noch) nicht erfüllt.

Gibt es eine Verbindung zwischen einem Gärtner, der des Nachts überfallen wird, als er gerade über Staudenkombinationen sinniert und einer alten Dame, die in ihrem Haus die Treppe heruntergestossen wird? Und welche Rolle spielt die Hartz IV-Empfängerin Feli Bohnstett, die früher die Staudengärtnerei Felicitas leitete und heute tagtäglich Recyclinghöfe und Mülldeponien durchforstet? Deren Zufallsfund von Hagebutten, Zuchtnotizen und einem Zuchtplan lassen sie in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen. Zeiten, in denen sie selber einen Garten besessen und an eine gute Zukunft geglaubt hat, selber eine Liebhaberin der Rosenzucht war und ihre eigene Rosenzüchtung „Weisses Mariechen“ ihr ganzer Stolz war. Die Frau beginnt selber zu recherchieren und manövriert sich dadurch in eine gefährliche Situation. Und einmal mehr muss sie erfahren, dass Rosen verlässlicher sind als Menschen.

Viele verschiedene Fadenenden müssen entwirrt und Stränge zusammengeführt werden bis sich eine Lösung aufzeigt. Noch rechtzeitig vor Eröffnung der bayerischen Landesgartenschau? Ein unterhaltsamer Krimi im Umfeld der Ausstellung, der mit den Gegensätzen von schönen Rosen und schrecklichen Verbrechen jongliert. Für meinen Geschmack hätten die Stellen über das grausige Auffinden von Körperteilen, auf die ich hier gar nicht näher nicht näher eingehen möchte, nicht so detailliert ausfallen müssen.



Friederike Schmöe:
Rosenfolter
Gmeiner Verlag, 2012

29. April 2012

Freya und das Geheimnis der Grossmutter

Die zwölfjährige Freya kommt nach dem Tod ihrer Eltern zunächst zu Nachbarn. Von ihren Eltern hat das Mädchen verschiedene Fähigkeiten geerbt. Sie kann sich sehr gut in andere Menschen einfühlen und sie kann mit ihrem Wissen über Kräuter Menschen und Tiere heilen und sogar mit Tieren kommunizieren. Da sie bei den sehr netten, aber schon etwas älteren Nachbarn nicht mehr länger bleiben kann, kommt sie zur ihrer Tante Tilly und deren Mann. Die beiden wohnen weit weg von Freyas bisherigem Zuhause und das Mädchen muss schweren Herzens ihre Heimat verlassen. Vor der Abreise holt sie sich noch ein paar Erinnerungsstücke aus dem Elternhaus. Sie packt verschiedene Bücher, einen durchsichtigen Stein und einige Kleidungsstücke ein.

Das Einleben bei ihren strengen und religiösen Verwandten fällt der naturverbundenen und bis anhin in grosser Freiheit aufgewachsenen Freya schwer. In der Schule langweilt sie sich. Ausserdem findet sie zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern kaum Kontakt. Einzig mit dem etwas älteren Caspar freundet sie sich an. Tante und Onkel passt diese Verbindung aber gar nicht, weil der Junge auf der anderen Seite des Baches wohnt, der das Dorf in einen armen und reichen Teil trennt. Tilly ist der Ansicht, die Armen seien faul und selber schuld, dass sie nicht genügend zum Leben hätten.

Als Freya dank ihrem Wissen über Heilkräuter die kranke Kuh von Caspars Familie heilt, sind längst nicht alle froh über ihre wirksamen selbst hergestellten Salben. Die Feindseligkeit, die ihr von Caspars abergläubischer Grossmutter und seinem Vater entgegenschlägt, ist auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückzuführen und haben mit Freyas längst verstorbener Grossmutter zu tun. Als Freya ihre Halbschwester Amalia findet, kommt aber endlich wieder Freude in ihren Alltag.

Die (jugendlichen) Leser begleiten Freya auf der Spurensuche nach ihrer Grossmutter und bekommen gleichzeitig einen authentischen Einblick ins mitteleuropäische Landleben im 18. Jahrhundert.



Andrea Weibel:
Freya und das Geheimnis der Grossmutter
Verlag Jungbrunnen, 2011

26. April 2012

Lynn Crymble: Der Beginn vom Rest meines Lebens

Die Ehe der 40jährigen Kanadierin Penny läuft nicht gut. Sie und ihr Mann Jack haben keine Gemeinsamkeiten und obwohl er sie laufend mit anderen Frauen betrügt, schafft sie es nicht, einen Schlussstrich zu ziehen, sondern sie flüchtet sich in eine leichte Depression. Etwas Abwechslung von ihren trüben Gedanken bringt das Verfassen der wöchentlichen Finanzkolumne für das Lokalblatt „Sentinel". Ausserdem dem geniesst sie zweifellos die gewissen Annehmlichkeiten, die das Leben an der Seite eines erfolgreichen Immobilienmaklers mit sich bringt. Sie liebt das grosse alte Haus, das ihr Daheim ist, und sie geniesst es, sich im Garten zu betätigen.

Schon vor Jahren hat Penny begonnen, sich jeweils an ihrem Hochzeitstag Ende Juli im Gartencenter eine hübsche Gartenpflanze zu gönnen. Heuer ist ihr 18. Hochzeitstag und sie wünscht sich „etwas Blaues“. Ihre Wahl fällt auf eine Hortensie. Einen Tag später wird ihr Leben durch einen Zufall komplett umgekrempelt. Es beginnt damit, dass Penny 220‘000 Dollar findet und dieses Geld unverzüglich bei der Polizei abliefert. Diese gute Tat lenkt das Interesse der „Lebenserneuerungs-Expertin“ Linda auf Penny. Diese ist nämlich der Ansicht, dass Penny die ideale Kandidatin ist, deren Leben und Zuhause umgemodelt und gleichzeitig öffentlich zelebriert werden soll. Nach einem anfänglichen kategorischen „Nein“, entscheidet sich Penny ziemlich spontan, das Experiment doch zu wagen. Ein strenges Programm bestimmt fortan ihren Tagesablauf: Diät, Sport und das Testen von Schönheitsprodukten. Gleichzeitig wird ihr Haus entrümpelt und auch der Garten erhält ein Facelifting.

Gärtnerisches spielt in diesem Roman eine eher untergeordnete Rolle, doch hat der schöne für die Umgestaltung der Grünfläche zuständige Gärtner einen massgebenden Einfluss auf wichtige Veränderungen in Pennys Leben. Die Erzählung ist etwas langatmig, zuweilen ziemlich absurd und die Handlungen fand ich manchmal nicht nachvollziehbar und unangemessen. Man/frau muss nicht unbedingt gelesen haben, was alles in dem Jahr passiert, bis Penny an ihrem 19. Hochzeitstag im Gartencenter einen gelben Rosenstrauch auswählt …



Lynn Crymble:
Der Beginn vom Rest meines Lebens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012

23. April 2012

Eva Kohlrusch und Gary Rogers (Fotos): Besondere Paare und ihre Gärten

Nach den überaus erfolgreichen Vorgängertiteln "Faszinierende Frauen und ihre Gärten" und "Besondere Frauen und ihre Gärten" erscheint mit „Besondere Paare und ihre Gärten“ nun ein drittes Buch von Eva Kohlrusch und Gary Rogers in erprobter Aufmachung.

Was ist besonders an Paaren die zusammen gärtnern? Fördert der Garten die Harmonie unter denselben oder ist diese Form der Zweisamkeit eher eine Quelle für Zwist und Auseinandersetzungen? In Kapiteln wie „Wo Rosen mit Kunst wetteifern“, „Die Frau des Biogärtners“, „Ein Garten wie mit wilder Hand hingestreut“ und „… und zum Dessert „Rosenmousse Chambord“" geht Eva Kohlrusch diesen Fragen auf den Grund.

Ob jemand alleine gärtnert oder der Partner in seiner Freizeit ebenfalls gerne in der Erde herumwühlt und die Hände schmutzig macht – auf die Launen der Natur hat diese Arbeits- und Interessenteilung keinen Einfluss. Rückschläge sind so oder so als gegeben hinzunehmen, wenn beispielsweise der Garten wochenlang unter Wasser steht und dadurch eine zwangsläufige Selektion durch höhere Gewalten von Statten geht und es immer wieder heisst, Abschied zu nehmen von Lieblingspflanzen, die einem lange begleitet haben. Da mag auch das Bonmot „Geteiltes Leid, ist halbes Leid“ nur ein schwacher Trost sein.

Was wächst wohl im Garten – Apfelgut genannt – eines Journalistenpaares, das im Fernsehen vor laufenden Kameras seine Kochkünste zelebriert? Die beiden müssen der Sonne etwas nachlaufen, denn das Haus stammt aus einer Zeit, als ungebräunte Haut en vogue war. Dafür stehen hier viele mobile Kübelpflanzen und im Folientunnel findet sich eine stattliche Sammlung von 125 verschiedenen Kräutern. Sage und schreibe 28 verschiedene Basilikumsorten werden hier gezogen.

Eine Tante, die sämtliche im Garten wachsenden Pflanzen botanisch benennen konnte, Pflanzen, von denen er selber nicht mal den deutschen Namen kannte, haben seinerzeit den Ehrgeiz eines Jungen dermassen angestachelt, dass er sich dieses Wissen auch aneignete. Das dannzumal Gelernte kann mittlerweile tagtäglich angewendet werden. Denn im Besitz des Barons befinden sich unzählige praktische Anwendungsbeispiele wie etwa 500 Sorten Rhododendron, 300 Seerosen und 50‘000 Narzissen. Dimensionen zum Träumen oder eher der Stoff aus dem Alpträume sind (Stichwort "Rücken")?

Für das Auslösen des Gartenfiebers kommen verschiedene Infektionsquellen in Betracht. Was die Feststellung „für dieses Geld kann ich selber ganz schön viele Fehler machen“ als Reaktion auf den Kostenvoranschlag für eine Gartenumgestaltung für Folgen haben kann, zeigt sich eindrücklich im Kapitel „Träume, die über den Zaun hinaus wachsen“. Er liebt den Garten mittlerweile längst so fest wie sie, aber sie ist es, die auch das Gärtnern liebt. Und sie fügt auch gleich an, dass es wohl recht schwierig wäre, wenn er plötzlich ein ausgeprägtes Interesse an der praktischen Gartenarbeit entwickeln würde. Wie in verschiedenen Beispielen von gärtnernden Paaren in diesem Buch bewährt sich auch hier die Arbeitsteilung – er ist eher fürs Grobe zuständig, sie fürs Feine und (meistens) sind danach alle zufrieden.

Andere finden die Lösung in Kompromissen. Da ist einer dann für den Rasen zuständig, während der andere sich um die Rosen kümmert. Wobei für die Rosen auch Kübelpflanzen oder die Staudenrabatte stehen können. Und dann gibt es auch noch den sogenannt antiautoritär erzogenen Garten. Hier wird etwas gepflanzt und dann darf es wachsen wie es will.

Untern den vorgestellten gärtnernden Paaren sind auch verschiedene Prominente wie beispielsweise Ulrich Pleitgen, Katerina Jacob oder Gabriela Fürstin und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Prominent bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Garten den ambitionierten Vorstellungen von passionierten Hobbygärtnern oder Gartenbuchgärtnern entspricht. Aus anderen Portraits lassen sich eher mehr Inspirationen für das heimische Experimentierfeld herauspicken. Doch ist es unbestrittenermassen interessant auch einmal hinter solche Hecken blicken zu können und sich an der von Gary Rogers mit der Kamera perfekt eingefangenen Gartenatmosphäre zu erfreuen und durch die Texte von Eva Kohlrusch etwas Persönliches mit oder ohne hortikulturellen Hintergrund zu erfahren.



Eva Kohlrusch (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Besondere Paare und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2012