Beim Googeln mit den Stichworten „Buch“ und „Botanischer Garten“ bin ich auf diese überaus interessante Publikation gestossen, die im Jahr 2009 anlässlich des 150. Geburtstages des Botanischen Gartens (BOGA) Bern erschienen ist. Der grossformatige Band ist mit wunderschönen Fotos illustriert und im Textteil wechseln Artikel zu den Rubriken „Geschichten“, „Gartenträume“ und „Die Menschen und ihr Garten“ ab.
Die ersten Seiten des Buches decken ein Vorwort, eine Einleitung und ein ausführlicher Einblick in die wechselvolle Geschichte des BOGA Berns ab. In letzterem ist wie in verschiedenen anderen Texten auch immer wieder die jüngste Vergangenheit zentrales Thema. Schon wiederholt drohte der Institution nämlich das Aus. Bleibt mir als Nicht-Bernerin nur zu hoffen, dass die Finanzen im Lot sind und die Möglichkeit einer Schliessung definitiv vom Tisch ist. Und dass die Vorhersagen aus dem Jahr 2008, welche von einer gesicherten Finanzierung des BOGA für die nächsten 10 Jahre sprechen, sich bewahrheitet haben und nach wie vor gelten.
In den der Rubrik „Die Menschen und ihr Garten“ zugeordneten Seiten erzählen aktuelle oder pensionierte Mitarbeiter, Besucher oder Nachbarn von Ihrem Bezug zum BOGA Bern. Das Portrait über deren persönliche Beziehung wird mit dem Offenbaren der Lieblingspflanze komplettiert, die dann gleich in Wort und Bild kurz vorgestellt wird.
Während die eine den BOGA als Hort der Ruhe schätzt, wo sie gerne die Mittagspause verbringt, jagt eine andere mit der Linse nach Pflanzen und Käfern und wähnt sich als Zeugin von Mord und Liebe im grünen Krimi. Ein anderer Fast-Krimi wird beim Nacherzählen der Suche nach der verschwundenen Didiers-Tulpe publik. Und an einer weiteren Stelle liest man von einer (wahren) tragischen Liebesgeschichte, die sich zu einem Politkrimi entwickelte.
Von stolzen Alten, zum Beispiel der Schwarzkiefer aus dem Jahr 1861, und fünf weiteren Senioren, die bereits im 19. Jahrhundert gekeimt sind, kann man in der Rubrik „Gartenträume“ lesen. Nicht von Träumen, aber von Fakten handelt die Beschreibung von der Pflege von Herbarien. Haben Sie gewusst, dass die Lebenserwartung von Betreuern von Herbarien vor der Verfügung von Tiefkühlanlagen massgeblich tiefer war? Die Herbarbelege mussten nämlich mit verschiedenen giftigen Substanzen, etwa auch mit Arsen, haltbar gemacht bzw. vor Schädlingen geschützt werden.
Weiter liest man von Kannibalentomaten, Gartenpädagogik mit spannenden Kindernachmittagen, Museumsnächten (siehe auch CD "Verbarium") sowie von Jazz-Matinés und erfährt, dass die Bundesverwaltung im BOGA ein Büro für den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im Bereich Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse in der Schweiz unterhält oder erhält Antwort auf die Frage an Studenten, weshalb exotische Pflanzen bei uns so gut gedeihen.
Mein kurz zusammengefasstes Fazit zu diesem Buch: eine wunderschöne und gleichzeitig informative Liebeserklärung an den BOGA. Diese Publikation ist übrigens beim BOGA direkt zu einem günstigen Sonderpreis erhältlich.
Fred Zaugg und Adrian Moser:
Botanischer Garten Bern
Haupt Verlag, 2009
PS: Die Antwort auf obige Frage an Studenten - in der neuen Umgebung fehlen die natürlichen Frassfeinde dieser Pflanzen. Zuweilen finden diese jedoch nachträglich auch noch den Weg zu uns (beispielsweise der Buchsbaumzünsler).
1. September 2012
30. August 2012
Uschi Niemann: Vergissmeinnicht
Die
Puzzleteile auf der Umschlagsgestaltung dieses schmalen hundertseitigen
Büchleins stehen als Symbol für die Teilchen, die Kommissar Lüders und sein
Assistent Marcel im Laufe ihrer Ermittlungen zusammentragen und richtig
zusammensetzen müssen.
Am
Anfang steht der brutale Mord an Frau Gärtner. Der Tat dringend verdächtigt
wird ihr allseits beliebter Ehemann, der aber unter Schock steht und nicht
vernehmungsfähig ist. Was bedeuten die zartblauen Vergissmeinnicht-Blüten, die
auf dem Fussboden neben der Toten lagen? Die Untersuchungen führen endlich zu einer
vielversprechende Spur, als Marcel, der Assistent des Kommissars, der sich inkognito mit der Nachbarin der
Gärtners bekanntgemacht hat, in deren Computer eine Datei mit einem
interessanten Manuskript entdeckt.
In
diesem Kurzkrimi werden immer wieder botanische Häppchen eingestreut, wie etwa
Hinweise über die Pflege von Zimmerpflanzen und man liest, dass Ende April nicht
die richtige Jahreszeit zum Schneiden von Bäumen ist. Und schliesslich träumt der
ermittelnde Kommissar von seiner Pensionierung mit viel freier Zeit zum Züchten von Rosen, einem
Gewächshaus und selbst gezogenem biologischem Gemüse. Ausserdem gibt er während einem
Gespräch einer Zeugin Tipps für die richtige Ausrichtung eines Blumenfensters.
Doch eigentlich sollte Lüders ja den Mordfall Gärtner lösen und sich nicht nur
um sein eigenes neu gestaltetes Blumenfenster im Büro kümmern …
Uschi Niemann:
Vergissmeinnicht
Books on Demand, 2004
26. August 2012
Christa Pöppelmann: Hier wächst die Hoffnung!
Dieser gartenkulturgeschichtliche Rück- und Ausblick ist in die folgenden vier Kapitel gegliedert:
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
- Nicht allein das Privileg der Semiramis – Die Entwicklung des Nutzgartens von der Antike bis zur Neuzeit
- Neues Glück im Grünen! Die moderne Kleingartenkultur entsteht
- Die Gärten und ihre Bewohner – Gesellschaft im Miniaturformat?
- Die grüne Wende – Zwischen kommunaler Selbstversorgung, globaler Völkerverständigung und Umgestaltung der Städte
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
22. August 2012
Maryrose Wood: Die Poison Diaries 2 – Liebe ist stärker als der Tod
Jessamine Luxton hat sich inzwischen von ihrer plötzlichen schweren Erkrankung körperlich weitgehend erholt, doch die tugendhafte und gottesfürchtige junge Frau verspürt nach dem Verschwinden von Weed keine Lebensfreude mehr. Die Beziehung zu ihrem ständig schlecht gelaunten und pausenlos beschäftigten Vater ist nach ihrer Genesung schlechter als jemals zuvor. Immerhin wird Jessamine dank ihrem Wissen über die Anwendung von Kräutern als Heilerin von vielen Hilfesuchenden aus der Umgebung geschätzt und gleichzeitig auch etwas gefürchtet. Sie selber plagt sich ständig mit Gedanken an Weed. Wo ist er? Weshalb ist er so plötzlich verschwunden? Hängt sein Verschwinden mit dem Tod eines Predigers zusammen?
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
18. August 2012
Silke Schütze: Erdbeerkönigin
Die 42jährige gelernte Krankenschwester Eva Brandt sorgt in ihrer Nachbarschaft für Entsetzen und Kopfschütteln als sie in der perfekten Vorgartenrasenfläche ein rundes Erdbeerbeet anlegt. Einzig ihr pubertierender und fast ständig schlechtgelaunte Sohn Benny scheint von dieser Veränderung nichts mitbekommen zu haben.
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
14. August 2012
Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)
Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen
Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit
zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen
in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel
stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.
Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der
Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht
Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür
entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der
Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten
ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die
Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad
bis vor den obersten Gerichtshof.
Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage
eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese
beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht
das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen
Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und
insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben
doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und
kämpft wie David gegen Goliath.
Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen
Nachbarin, der jüdischen Frau des
israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der
Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische
Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger
Anwalt näher.
Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach
Liebe.
Film von Eran
Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009
6. August 2012
Ende Blog-Sommerpause
Auf Facebook
hatte ich ja vor der Blogpause mal kurz erwähnt, dass wir in unmittelbarer Nähe eines „Krisengebietes“
wohnen, wo gerade der gefährliche und bei Fund im Garten meldepflichtige Asiatische Laubholzbockkäfer
(Anoplophora glabripennis) wütet oder - wie man hoffentlich (!) inzwischen feststellen
darf - gewütet hat, der wahrscheinlich mit Verpackungsmaterial von aus China
importieren Steinen eingeschleppt worden ist. Ich glaube allerdings kaum, dass
mit den Aktionen (Rohdungen usw.) der letzten Wochen die Gefahr, die von diesen
gefrässigen Tieren ausgeht, definitiv gebannt ist. Man darf sich allerdings
kaum ausmahlen, wie unsere Gartenstadt ohne Laubbäume aussehen würde, sieht
doch schon das abgeholzte Gebiet mehr als trostlos aus. Vielleicht hat jener Leserbriefschreiber in unserer Lokalzeitung ja recht, der die Schäden dieser importieren Schädlinge ohne natürliche Feinde mit den Untaten der Pflanzenjäger aus früheren Jahrhunderten in Zusammenhang bringt.
Inzwischen ist auch der Buchsbaumzünsler, der seit diesem
Frühling in der Umgebung sein Unwesen treibt, in unserem Garten angekommen. Die Gärtnerin würde
sich nach den Ferien ein netteres und vor allem ein erfreulicheres
Empfangskomitee im Garten wünschen! Eigentlich hatte ich diese Tierchen schon
viel eher erwartet und habe mir schon längere Zeit alternative Gestaltungsideen
überlegt. Noch gebe ich aber meine doch schon etliche Jahre gehegt und
gepflegten Buchseinfassungen und die Kugeln nicht kampflos auf, obwohl das
Absammeln und Vernichten derselben wahrlich keine erspriessliche Beschäftigung
ist.
Mein letzter Buchsbaumkauf liegt schon ungefähr 10 Jahre
zurück und irgendwie hängt frau doch stärker an diesen Gartenelementen als
gedacht…Und obschon ich letzten Woche irgendwo gelesen habe, dass der
Buchsbaumzünsler sich in Asien auch an Ilex gütlich tut, habe ich nun
buchsblättrige Ilex (Ilex crenata) als Ersatzpflanzen bestellt, die ich als
Einfassung im kürzlich umgestalteten Gartenteil einsetzen will. Die Hoffnung
stirbt schliesslich zuletzt! Ausserdem warten noch etliche andere Pflanzen, die
ich auf Pflanzenmärkten oder in Staudengärtnereien erstanden habe, auf ihren
definitiven Platz im Beet. Leider waren die Aufenthalte in letzteren auf der
Rückreise von Urlaubsorten jeweils recht kurz zu fassen, da die Familie (leicht
genervt) im Auto wartete …
Angenehmeres gibt es von der Sofagarten-Front zu berichten, denn auch beim Sofagärtnern war ich nicht untätig. Welche
Bücher ich zuletzt gelesen habe oder mir aktuell zu Gemüte führe, steht wie
üblich rechts im Blog. Noch vor mir habe ich die Lektüre von „In the Footsteps
of Augustine Henry and his Chinese plant collectors“ von Seamus O’Brien mit
einem Vorwort von Roy Lancaster und „Fern Fever – The story of Pteridomania, A
Victorian Obsession“ von Sarah Whittingham. Beide grossformatigen Publikationen
machen schon beim Durchblättern aufs Lesen „gluschtig“. Als Reiselektüre sind
die beiden Wälzer aber leider nicht oder nur bedingt geeignet.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich die neuen Blogleserinnen und -leser begrüssen und mich pauschal für die Kommentare bedanken. Mit meinen Gartenbuchvorstellungen geht es nächste Woche
an dieser Stelle weiter.
19. Juli 2012
Max Scharnigg: Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt
Allenthalben werden
gegen Sommerende die verschiedensten Kürbisse am Strassenrand zum Verkauf
angeboten. Eine solche Kürbispyramide weckt in Max Scharnigg und seiner
Freundin, dem lieben Fräulein, den Wunsch, einen eigenen Kürbishaufen zu
produzieren. Und natürlich noch vieles anderes, vorzugsweise essbares Grünzeug
mehr.
Auf einem
schmalen gepachteten Streifen Acker ausserhalb München wollen die beiden Städter
ihre Ernteträume schliesslich Realität werden lassen. Für 40 Euro steht ihnen
das Land von April bis November zur Verfügung – hernach wird vom Bauer das
ganze Feld wieder umgepflügt. Das Experiment „Feldversuch“ startet damit, dass
endlich der Inhalt der in einer Art Rauschzustand schon vorsorglich gekauften
Samentütchen nun guten Gewissens zum Keimen gebracht werden kann. Und im
letzten Urlaub vor der Übernahme des Ackers wird eifrig Gartenlektüre gewälzt.
Auf etwas mehr
als 200 Seiten berichtet der Autor nun in seinem Buch „Feldversuch“ detailliert über die
ersten Gehversuche als Gemüsegärtner und der Leser erfährt, wie sich die Wochenendbeziehung zwischen dem
Münchner Paar und den Pflänzchen und natürlich auch letztere sich selber im rund
zwanzig Autominuten von daheim entfernten Garten entwickeln. So erzählt Max Scharnigg von
der jeweils stürmischen Wiedersehensfreude (auf Seite der Zweibeiner), wegen
der schlechten Ökobilanz durch den Anfahrtsweg per Auto allerdings mit leicht
schlechtem Gewissen im Hinterkopf. Weiter geht es um Minderwertigkeitskomplexe angesichts von geometrisch perfekten und
aufgeräumten Nachbarschaftsstreifen, werden kleine Unkrautdepressionen nicht
verschwiegen oder die gelegentliche Unlust auf Bückarbeit und ganz nebenbei
gibt’s auch einiges über den Gemüseanbau zu lesen und vielleicht sogar zu
lernen.
Es gibt ja
inzwischen fast unzählige Erfahrungsberichte von Städtern, Gärtnern und
Hobby-Landwirten, die ihr Glück im Wühlen in der Erde suchen und die Leser
teilhaben lassen an ihren Erfolgserlebnissen, Ernteschwemmen und Wetterplagen.
Dank dem humorigen, selbstironischen Schreibstil des Autors ist dieser Titel ein
besonderes Lesevergnügen, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Sie
lernen hier beispielsweise Ausdrücke wie ackerfrei oder Ackereltern und lesen von Überlegungen,
wie Tomaten wohl vor der Erfindung von Abdeckhüllen in pflanzlicher Urzeit reifen
konnten und von Überraschungserfolgen, die beinahe die Idee aufkommen lassen,
dem Nachwuchs den Namen Dill zu geben (in Anlehnung an Till Schweiger). Ein weiterer
Seitenhieb in Richtung Schauspieler geht an Christine Neubauer, zu welcher der
Autor eine Verbindung herstellt im Zusammenhang mit dem geplanten Erntedankfest
mit (fast) ausschliesslich auf eigenem Acker produzierten Esswaren, der
Wichtigkeit von Kartoffeln und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.
Obwohl die
ausgeklügelte und durchdachte Pflanzung (Stichworte "gute Nachbarn, schlechte
Nachbarn") bei der praktischen Umsetzung völlig untergegangen ist, können im
Laufe des Sommers verschiedene Ernteerfolge vorgewiesen werden und das Bild des
Ackerstreifens und die Stadtwohnung werden positiv aufgewertet durch die
blumigen Ergebnisse des lieben Fräuleins. Und bestimmt sind nicht sämtliche
Ernteerfolge auf Anfängerglück zurückzuführen.
Mit dieser
Buchvorstellung stelle ich das (Vor-)bloggen bis ungefähr Mitte August ein und
wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Hochsommer!
Max Scharnigg:
Feldversuch – Unser Stück Land vor den
Toren der Stadt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2012
15. Juli 2012
Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes
Auch Callie
Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful
Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt.
Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen
und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.
Nach seinen
schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser
Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den
Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter
Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen
Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern
auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am
Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.
Das
Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese
Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt
diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu
Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial
und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der
unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch
die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine
eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden
also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch
noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist
eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Nachdem Callie
zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend
geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten
schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer
grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.
Auch dieses
dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige
Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es
wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen
detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer
wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin
Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band
hoffen darf?
Carolee Snyder:
Herbal Passions:
A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012
11. Juli 2012
Caroly Keene: Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Häufig fällt die Zucchetti-Ernte
im heimischen Gemüsegarten dermassen verschwenderisch aus, dass Familie und
Bekannte (zwangs)versorgt werden können oder vielleicht sogar müssen. In River
Heights kommt es im Sommer dieser Geschichte zu keiner Ernteschwemme. Im Gegenteil, bevor
Gärtnerin und Gärtner überhaupt dazu kommen, sich Gedanken über die
verschiedenen Zubereitungsarten des grünen Gemüses zu machen – Zucchettibrot,
Zucchettiquiche, Zucchetti gebraten oder gegrillt? – dringt ein Unbekannter in
verschiedene Gärten ein und zertrampelt sämtliche Zucchetti. Und sorgt damit
für Arbeit für die junge Detektivin Nancy Drew, die mit ihren Freundinnen Bess
und George schon manchen Täter überführt hat.
In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…
Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007
In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…
Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007
7. Juli 2012
Elizabeth Lemarchand: Suddenly while Gardening
Aus dem geplanten
Erholungsurlaub von Detective Chief Superintendent Tom Pollard von New Scotland
Yard wird nichts. Wanderer entdecken in einer alten keltischen Grabstätte
entlang des Jakobsweges sterbliche Überreste, die ganz offensichtlich erst
kürzlich dort abgelegt worden sind. Der Todeszeitpunkt liegt ebenso
eindeutig schon länger zurück. Doch wo hat das Skelett vor dieser Entdeckung
gelegen? Und weshalb wurde es genau jetzt an einer gut frequentierten Stelle
so platziert, dass es unmöglich übersehen werden konnte? Und wer überhaupt ist der oder die Tote?
Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.
Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.
Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008
Fragen über Fragen mit denen sich Tom Pollar und sein Team sowie die örtliche Polizei beschäftigen. Die Beamten sind nicht zu beneiden. Denn welcher potentielle Zeuge weiss schon nach über einem Jahr noch genau, was er gehört und allenfalls beobachtet hat? Der pathologische Bericht datiert den Zeitpunkt des Ablebens auf rund dreizehn bis sechszehn Monate zurück und kann schliesslich auf Ostern 1975 festgelegt werden. Und damit erscheint ein anderer Todesfall als Folge eines Sturzes von einer Leiter während dem Abschneiden von verwelkten Rosenblüten und Aufbinden von längeren Trieben plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Im Text werden immer wieder botanische Details eingeflochten. So arbeitet die Tochter eines Verdächtigen an einem „Horticulturel College“ und für die Lösung des Falles ist die Erwähnung von Bedeutung, dass ein Garten auch bei Ferienabwesenheit und Trockenheit regelmässig gewässert werden soll. Gärtnerisch zur Sache geht es aber erst gegen Ende des Buches als die Ermittlungen in die Schlussphase treten.
Ein Krimi ohne blutige Szenen. Zwar nicht gerade in Miss Marple-Manier, aber es ist doch eine schöne Abwechslung wieder einmal zu lesen, wie ein Buchkrimi mit Kombinationsgabe und ohne Hilfe von DNA-Tests, Kameraunterstützung oder anderen modernen Hilfsmitteln gelöst und der Täter überführt wird.
Elizabeth Lemarchand:
Suddenly while Gardening
Dales Large Print Books, 2008
3. Juli 2012
Gert Loschütz: Die Bedrohung
Loose,
ein ehemaliger Kulturredaktor, bekommt seit seinem Ausscheiden aus dem
einigermassen geregelten Redaktionsalltag keinen Artikel mehr auf die Reihe.
Seine Pläne schaffen es allesamt nicht über die Planungsphase hinaus und es
bleibt bei diffusen Ideensammlungen. Als er eine Einladung zu einer
internationalen Tagung einer Botanischen Gesellschaft erhält, möchte er diese
trotz dem höchst willkommenen und ziemlich verlockenden Honorar zunächst ablehnen.
Eine zufällig gelesene kleine Notiz in der Rubrik „Aus aller Welt“ veranlasst ihn,
den Entscheid umzukrempeln und doch hinzufahren. Sein Interesse wurde von einer
Meldung geweckt, die über eine unerklärliche Serie von Selbstmorden berichtet,
die sich in einem Wald in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes ereignet hat und
die Bevölkerung stark beunruhigt, aber gemeinhin als Zufall abgetan wird.
Während
der Tagung der Botaniker erhält Loose das Angebot, die Leitung einer neu
gegründeten Zeitschrift zu übernehmen, deren Aufgabe darin besteht, die Interessen
der Botanischen Gesellschaft publikumswirksam aufzubereiten und zu vertreten. Looses
persönliches Interesse gilt aber weniger dem durchaus attraktiven und
schmeichelhaften Angebot als den Vorkommnissen im und um den Wald, der ihn wie
magisch anzieht.
Er
verlängert den Aufenthalt im Tagungshotel auf eigene Rechnung und als er auch
das bescheidenere Hotelzimmer nicht mehr zu bezahlen vermag, bekommt er Logis
in einer kleinen Kammer gegen Arbeitseinsatz als Hausdiener. Zwischen
Hilfsarbeiten in Küche und Hof treibt er seine Nachforschungen weiter und es
zieht ihn immer wieder Richtung Wald. Je länger je mehr entwickelt er einen
Hang zum Wahnsinn und verliert den Bezug zur Realität. Er meldet sich nicht mehr bei
seiner Freundin und er vermutet überall Verschwörungstheorien.
Für den
Gartenfreund interessant sind die Hinweise auf Vorträge der Botaniker, in denen
es mal um Photosynthese oder die
Gründung der Botanischen Gesellschaft sowie verschiedene Expeditionen geht und die Entdeckung
eines seltenen Grases durch einen (fiktiven?) Forscher namens Walter Backhaus.
An einer anderen Stelle liest man über die Trauerformen von Bäumen
und von insektenfressenden Pflanzenarten, die wie Jäger Fallen stellen. Eine bemerkenswerte Entdeckung vom Remittendentisch!
Gert Loschütz:
Die Bedrohung
Piper Verlag, 2008
30. Juni 2012
Rita Bertolini: Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Wenn man
diese rund dreihundertseitige Publikation im Schnelldurchlauf durchblättert,
fallen einem als erstes die vielen unterschiedlichen Nuancen der Farbe Grün
auf. Bei dem vielen Weiss, das diesen Winter während meiner Lektüre dieses Buches
draussen in Form von Schnee vorherrschte, empfand ich diese Grüntöne wie ein Fest
für die Augen.
Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:
- Villen und historische Gärten
Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:
- Villen und historische Gärten
-
Architektur
und Gärten
- Klostergärten
- Bauern- und Nutzgärten
- Wiesenmeister
- Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten
- Industrie- und Migrantengärten
- Therapiegarten Carina
- Private Gärten
- Gastgärten
- Klostergärten
- Bauern- und Nutzgärten
- Wiesenmeister
- Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten
- Industrie- und Migrantengärten
- Therapiegarten Carina
- Private Gärten
- Gastgärten
Das Buch
zeigt viele verschiedene Gärten, aber immer nur einen kleinen Ausschnitt, nie
die gesamte Parzelle oder Anlage. Die Texte sind sehr kurz gehalten, der Fokus
wird eindeutig auf die (in Bezug auf die Druckqualität nicht immer optimalen) Fotos
gelegt. Es werden wie aus den Kapitelüberschriften ersichtlich ist, die
verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Sympathisch fand ich, dass die Gärten
nicht übermässig herausgeputzt sind, so sind zum Beispiel Buchspflanzen abgebildet,
die für andere Publikationen wohl erst zurechtgestutzt worden wären.
Gleich
im ersten Kapitel erfährt der Leser, dass in Vorarlberg die meisten als
historisch zu bezeichnenden Gartenanlagen noch recht jung sind. Diese sind
nämlich zumeist während dem Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert
entstanden. Und welcher Gartenfreund wird nicht ein wenig neidisch auf den
Platz an einem Schreibtisch in Feldkirch, der bei offenen Fensterflügeln direkt
im Waldgarten zu stehen scheint? In Hörbranz wiederum findet sich ein Garten,
in dem als nicht wegzudenkende Elemente eine Steinbibliothek, Arbeitsmaschinen
und Bambus fungieren. An einer anderen Stelle liest man von
Wiesenmeisterschaften, die aufzeigen sollen, dass Lebensräume für Pflanzen und
Tiere nur bewahrt werden können, wenn diese standortgerecht genutzt werden. Es
handelt sich denn auch nicht um einen Mähwettbewerb, sondern um eine Bewertung
und Auszeichnung von naturgemäss gepflegten Mager- und Fettwiesen.
Vor
etlichen Jahren haben wir jeweils die Skiferien im Montafon verbracht. Die Region
Vorarlberg in meinem Kopf ist also hauptsächlich Weiss. Nach der Lektüre von
„Bodengut“ ist nun auf eine eindrückliche Weise eine weitere Farbe dazugekommen
– Grün. Und die Erkenntnis, dass die Gegend auch zwischen Frühling und Herbst
einen Besuch und Blicke hinter die Zäune Wert wäre. Einladend sind ja nicht
zuletzt auch die verschiedenen abgebildeten Gastgärten (Gartenwirtschaften).
Rita Bertolini:
Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Bertolini Verlag, 2009
26. Juni 2012
Eva Almstädt: Ostseefluch
Die
Bemühungen der achtzehnjährigen Gärtnerstochter Milena, im Garten
Gemüse anzuziehen, entpuppen sich als Energie-, Zeit- und
Wasserverschwendung. Die schon fast endlos andauernde Hitzeperiode in
Schleswig-Holstein tut das ihre dazu, dass auch die zähesten Pflänzlein
vertrocknen. Und dann wird die junge Frau tot im Garten des
heruntergekommenen Anwesens auf Fehmarn gefunden, wo sie die letzten
Monate in einer Wohngemeinschaft gelebt hat. Wieso ist Milena umgebracht
worden? Wer hat ein Motiv? Liegt tatsächlich eine Fluch auf dem
„Mordkuhlen“ genannten Gelände seit sich hier vor rund einem
Vierteljahrhundert eine schreckliche Familientragödie ereignet hat?
Ein
angeblich herumirrender Geist, eine bigotte Mutter und ein Vater, der
als Gärtnerei-Tycoon von Ostholstein gilt, sowie eine Organisation, die
Fälle von illegalem Pflanzenschutzmittelverbrauch aufdeckt und es sich
zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung über den massiven Einsatz von
gesundheitsgefährdenden Pestiziden zu informieren sind Puzzleteile in
der Lösung dieses Verbrechens.
Während
den Ermittlungen befallen die ermittelnde Kommissarin und
alleinerziehende Mutter Pia Korritki immer wieder persönliche Zweifel.
Sie kann nichts mit Geistergeschichten anfangen, aber sie kommt nicht
umhin, Parallelen zwischen dem angeblichen erzieherischen Versagen von
Milenas Mutter und ihren eigenen diesbezüglichen Bemühungen bei ihrem
Söhnchen Felix anzustellen. Leider lassen sich nicht alle Probleme so
einfach aus der Welt schaffen, wie die schlechten Gerüche in einem
Secondhandgeschäft, die ein gewisser Aleister mit einer Reinigung aus
Salbei oder Asafoetida vertreiben will...
Ostseefluch
Bastei Lübbe, 2012
22. Juni 2012
Janice Marriott und Virginia Pawsey: Common Table – An uncommon tale of friendship and food
In
dieser zweiten gemeinsamen Publikation von Janice Marriott und Virginia Pawsey
in Form von Briefwechseln stehen Küche und Kochen im Vordergrund. Doch was wäre
gesundes Essen ohne frisches Gemüse aus dem Garten? So geht es auch zwischen
Rezepten und Alltagsgeschichten aus Farmleben und Bürobetrieb immer mal wieder
ums Gärtnern. Beide Frauen betonen denn auch immer wieder, wie wichtig ihnen
gärtnern und kochen ist.
Küche
und Garten können auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden. Gemäss
einem Tipp im Buch sollen stark verbrannte Kochtöpfe für eine Weile im Garten
vergraben werden. Anschliessend soll die Reinigung mühelos möglich sein.
Vielleicht ist dieser Ratschlag ja einen Versuch wert? Als wahres Wundermittel
wird an einer anderen Stelle Natron (baking soda) angepriesen. Es erfüllt nicht
nur vielfältige Aufgaben im Reinigungsbereich, sondern soll sich angeblich sogar in der
Krebsbehandlung bewähren. Da aber damit kein Geld zu verdienen ist, wird laut
der Korrespondenz dieses Wissen nicht allgemein verbreitet.
Der
briefliche Rezeptaustausch wird von einer Erkrankung in Virginias familiärem
Umfeld überschattet, die eine komplette Ernährungsumstellung notwendig macht.
Ab sofort darf aus gesundheitlichen Gründen nur noch völlig ungesalzenes Essen
konsumiert werden. Janice aufmunternde Worte und vor allem das Schreiben von
Briefen sind Virginia eine willkommene Abwechslung und Unterstützung in dieser
schwierigen Zeit ohne Parmesan, Speck, Oliven und mit fadem Risotto. Die Leserin freut sich schliesslich mit der
Farmerin mit, als die Ärzte Entwarnung geben und sie die Familienspeisen wieder
zurückhaltend mit Salz würzen darf.
Als Europäerin
schätze ich an diesem Briefwechsel besonders den Einblick in den
neuseeländischen Alltag. In der Korrespondenz liest man von einem Wettbewerb um
das sinnvollste Erdbeben-Set. Da gibt es beispielsweise einen
„Nachbarschaftspreis“ für das einzige Set, das einen Deodorant enthält und
einen „Mission Impossible Award“ für ein Set voller Büchsennahrung - aber ohne
Büchsenöffner. Beim Lesen dieser Erdebebenvorbereitungs-Massnahmen erinnert man sich unwillkürlich an die
verschiedenen Naturkatastrophen, die sich in jüngster Zeit in Neuseeland
ereignet haben und fragt sich, wie weit wohl die beiden Frauen und ihre
Familien davon betroffen sind.
Die
lesende Gärtnerin mag die Briefe interessieren, die vom verzwickten Aufbau eines
Kleingewächshauses handeln, der (beinahe) eine Ehekrise auslöst. Stichworte
sind da beispielsweise das Nichtlesen von Anleitungen, Instabilität, Teile, die nach dem Aufbau
noch herumliegen …
Janice
Marriott und Virginia Pawsey:
Common
Table – An uncommon tale of friendship and food
Harper Collins Publishers, 2010
18. Juni 2012
Audur Ava Olafsdottir: The Greenhouse oder Weiss ich, wann es Liebe ist?
Der 22jährige Ich-Erzähler
Arnljótur macht sich mit drei in Zeitungspapier gewickelten Rosenstecklingen
einer seltenen Achtblattrose mit Stielen ohne Dornen auf den Weg von Island
nach Europa. Die Stecklinge stammen aus dem Treibhaus seiner vor einiger Zeit
bei einem Autounfall verstorbenen Mutter. Arnljóturs Ziel ist ein Kloster mit
dem „grossartigsten Garten himmlischer Rosen“ mit einer jahrhundertealter
Geschichte. Diesen aus dem Mittelalter stammenden Garten hat er als
kleiner Junge in einem Gartenbuch seiner Mutter entdeckt und ist immer wieder
auf diesen gestossen, denn er wird in sämtlichen Publikationen über Rosengärten
erwähnt. Und zwar immer mit den genau gleichen Worten, weil die Autoren mangels
neuer Informationen und Fakten einander nur abschreiben. Arnljótur möchte die
lange vernachlässigten Rosen dieses Gartens wieder zum Blühen bringen.
Zurück in Island bleiben sein autistischer Zwillingsbruder, der in einem Heim lebt, und Flora Sol, seine kleine Tochter – ungeplante Frucht eines One-Night-Stands mit Anna, der Freundin seines Freundes. Ebenfalls zurück in Island lässt der junge Mann seinen trauernden und fürsorglichen Vater, der es lieber sähe, wenn sein Sohn ein Studium in Angriff nähme, statt in der Erde herumzuwühlen und an Rosenstöcken herumzuschneiden und der fest an eine spezielle Bedeutung glaubt, weil seine verstorbene Frau und Flora Sol am gleichen Tag Geburtstag haben und dieser Tag auch gleichzeitig der Todestag von ersterer ist. Doch der quasi im Treibhaus aufgewachsene Arnljótur möchte weder die Schulbank drücken noch in einem Labor arbeiten, sondern er sucht und braucht den Kontakt mit der Erde.
Der Start in Europa beginnt wenig verheissungsvoll. Heftige Bauchschmerzen entpuppen sich als Blinddarmentzündung, die eine Operation und einen Spitalaufenthalt nötig machen. Doch dann steht der Weiterreise zum Rosengarten nichts mehr im Weg. Das Kloster befindet sich auf einem Felsen. Arnljótur bekommt von den Mönchen freie Hand, den Garten neu zu organisieren und nutzt die einsamen Stunden beim Unkrautjäten und beim Zurückschneiden der Rosenstöcke, um über seine Wünsche und unerfüllten Sehnsüchte nachzudenken. Er lernt eine für ihn neue Sprache und verbringt die Abende häufig mit dem 49jährigen Pater Thomas und die beiden schauen sich gemeinsam Filme an. Als Arnljótur sich eben in sein neues europäisches Leben eingewöhnt hat, tauchen seine Tochter und deren Mutter auf.
Arnljótur wird damit unvermittelt in eine neue Rolle, nämlich die des Vaters, kataputliert und lernt auch Anna (endlich) näher kennen. Der Leser begleitet den jungen Mann durch diese Entwicklung, während der aus der stets als „Mutter meiner Tochter“ bezeichneten Anna fast unmerklich die Freundin wird und schon einmal Eifersucht aufkommen kann. Gleichzeitig werden die fast omnipräsenten Gedanken über Sex, Liebe und Tod durch die neue Verantwortung für seine Tochter etwas in den Hintergrund gedrängt. Schliesslich gilt es kochen zu lernen, sich mit der Kinderbetreuung auseinanderzusetzen und eine Frau zu verstehen und zu begreifen. Die Problemlösung erfolgt zumeist etwas unorthodox durch Filmtipps und das Ausleihen von DVDs von Pater Thomas.
Es ist berührend zu lesen, wie sich Arnljótur um seine Tochter und deren Mutter kümmert, beiden immer näher kommt und sein Herz immer mehr öffnet, bis es auf einmal auch für den Leser beinahe gar nicht mehr so verkehrt scheint, zunächst ungeplant ein (perfektes) Kind zu zeugen und sich erst hernach als Paar kennenzulernen. Das Romanende ist dann aber eher unerwartet, wenn auch überaus passend. Bis zuletzt unklar blieb mir, wo das beschriebene Land und der Rosengarten liegen sollen, hunderte Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt. Konkrete Hinweise für den Leser beschränken sich auf die Augen- und Haarfarbe der Einwohner. Sehr lesenswert!
Audur Ava Olafsdottir:
The Greenhouse
Amazon Crossing, 2011
Weiss ich, wann es Liebe ist?
Suhrkamp Verlag, 2011
Zurück in Island bleiben sein autistischer Zwillingsbruder, der in einem Heim lebt, und Flora Sol, seine kleine Tochter – ungeplante Frucht eines One-Night-Stands mit Anna, der Freundin seines Freundes. Ebenfalls zurück in Island lässt der junge Mann seinen trauernden und fürsorglichen Vater, der es lieber sähe, wenn sein Sohn ein Studium in Angriff nähme, statt in der Erde herumzuwühlen und an Rosenstöcken herumzuschneiden und der fest an eine spezielle Bedeutung glaubt, weil seine verstorbene Frau und Flora Sol am gleichen Tag Geburtstag haben und dieser Tag auch gleichzeitig der Todestag von ersterer ist. Doch der quasi im Treibhaus aufgewachsene Arnljótur möchte weder die Schulbank drücken noch in einem Labor arbeiten, sondern er sucht und braucht den Kontakt mit der Erde.
Der Start in Europa beginnt wenig verheissungsvoll. Heftige Bauchschmerzen entpuppen sich als Blinddarmentzündung, die eine Operation und einen Spitalaufenthalt nötig machen. Doch dann steht der Weiterreise zum Rosengarten nichts mehr im Weg. Das Kloster befindet sich auf einem Felsen. Arnljótur bekommt von den Mönchen freie Hand, den Garten neu zu organisieren und nutzt die einsamen Stunden beim Unkrautjäten und beim Zurückschneiden der Rosenstöcke, um über seine Wünsche und unerfüllten Sehnsüchte nachzudenken. Er lernt eine für ihn neue Sprache und verbringt die Abende häufig mit dem 49jährigen Pater Thomas und die beiden schauen sich gemeinsam Filme an. Als Arnljótur sich eben in sein neues europäisches Leben eingewöhnt hat, tauchen seine Tochter und deren Mutter auf.
Arnljótur wird damit unvermittelt in eine neue Rolle, nämlich die des Vaters, kataputliert und lernt auch Anna (endlich) näher kennen. Der Leser begleitet den jungen Mann durch diese Entwicklung, während der aus der stets als „Mutter meiner Tochter“ bezeichneten Anna fast unmerklich die Freundin wird und schon einmal Eifersucht aufkommen kann. Gleichzeitig werden die fast omnipräsenten Gedanken über Sex, Liebe und Tod durch die neue Verantwortung für seine Tochter etwas in den Hintergrund gedrängt. Schliesslich gilt es kochen zu lernen, sich mit der Kinderbetreuung auseinanderzusetzen und eine Frau zu verstehen und zu begreifen. Die Problemlösung erfolgt zumeist etwas unorthodox durch Filmtipps und das Ausleihen von DVDs von Pater Thomas.
Es ist berührend zu lesen, wie sich Arnljótur um seine Tochter und deren Mutter kümmert, beiden immer näher kommt und sein Herz immer mehr öffnet, bis es auf einmal auch für den Leser beinahe gar nicht mehr so verkehrt scheint, zunächst ungeplant ein (perfektes) Kind zu zeugen und sich erst hernach als Paar kennenzulernen. Das Romanende ist dann aber eher unerwartet, wenn auch überaus passend. Bis zuletzt unklar blieb mir, wo das beschriebene Land und der Rosengarten liegen sollen, hunderte Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt. Konkrete Hinweise für den Leser beschränken sich auf die Augen- und Haarfarbe der Einwohner. Sehr lesenswert!
Audur Ava Olafsdottir:
The Greenhouse
Amazon Crossing, 2011
Weiss ich, wann es Liebe ist?
Suhrkamp Verlag, 2011
14. Juni 2012
Mona de Silva: Roman Greve – Tulpen aus Amsterdam
Der 70jährige Botaniker Wilhelm Anholt wird tot in
seiner Villa aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Die Spurenlage ist alles andere
als eindeutig. Der Tote war Diabetiker und starb an Insulinmangel. Im ganzen
Haus lassen sich aber seltsamerweise weder Spritzen noch Insulin finden. An
seinem Wohnort hat Anholt praktisch keine freundschaftlichen Beziehungen
gepflegt und er war überaus unbeliebt. Sein ganzes Interesse fokussierte
er auf die Pflanzenwelt.
Warum ist Hannes Hochscheid, der Besitzer einer
Gärtnerei in Mittenwald, bei der Befragung durch die ermittelnden Beamten
dermassen nervös? Und auch Eleonore Moosleitner, die Hausangestellte des
Opfers, die dieses auch entdeckt hat, scheint etwas zu verbergen. Rätsel gibt
auch die Tulpenzwiebel auf, die unter dem toten Anholt gefunden worden ist.
Bald steht zweifelsfrei
fest, dass Wilhelm Anholt ermordet worden und der Fundort der Leiche nicht
identisch ist mit dem Tatort und im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr
Personen ins Visier der Beamten um Roman Greve. Was hat es mit der Zucht von
Arzneipflanzen für Medizin auf sich? Und wie war die Beziehung zwischen Anholt
und seinem Sohn wirklich? Wer steckt hinter der unbekannten Person, die jeweils
mit Anholt im Schuppen neben dem Wohnhaus hantiert hat?
Die Ermittlungen erschienen mir immer wieder
unglaubwürdig oder fast stümperhaft. So wirkt besonders das manchmal eher
kumpelhafte Diskutieren zwischen Beamten und Personen, die gerade einvernommen
werden, fragwürdig und plump. Als ermüdend empfand
ich aber ganz speziell die vor allem in der ersten Hälfte des Buches sich ständig wiederholenden Erwähnungen und Hinweise auf den früher von Roman Greve
und seinem Team gelösten Fall mitsamt den privaten Beziehungsproblemen und der Umgang mit einer
unbeliebten Kollegin. Die Tulpensaison ist für dieses Jahr definitiv vorbei und
dieses Buch kann ich definitiv in der hinteren Reihe des Bücherregals
einordnen.
Mona de Silva:
Tulpen aus Amsterdam
Novum Publishing, 2011
10. Juni 2012
Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken
Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.
Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.
In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.
Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.
Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.
Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.
Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010
6. Juni 2012
Cümcad Galaxis: Aufruhr auf Hecktorria
Am
Anfang stehen Scherben. Jens lässt beim Abtrocknen versehentlich einen mit
vielen lieben Erinnerungen behafteten Porzellanteller seiner Grossmutter,
genannt Oma Hoppe, fallen. Drei Tage lang herrscht daraufhin zwischen den beiden dicke Luft.
Am vierten Tag kann Jens seiner Oma einen perfekten Teller präsentieren. Wie
das? Weder sind Leimspuren zu entdecken, noch kann das Teil nachgekauft worden
sein, denn die Herstellung dieses Porzellangeschirrs ist schon vor Jahren
eingestellt worden.
Zur
gleichen Zeit steht plötzlich eine Hecke, die tags zuvor vom Landschaftsgärtner
abgesägt worden ist, wieder in alter Schönheit an ihrem alten Platz. Ganz so,
als wäre sie nie vernichtet worden. Und als auch noch ein völlig verbrannter
Schmorbraten auf mysteriöse Weise trotzdem ganz einwandfrei schmeckt, begreift
Oma Hoppe die Welt nicht mehr so richtig. Des Rätsels Lösung präsentiert sich
ihr einen Tag später, als sie im Küchenschrank ein grünes Wesen entdeckt, das
sich als Hecktorria 415 vorstellt.
Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.
Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.
Auch
auf dem Planet Erde geschieht seltsames. Das Auftauchen eines grünes Lebewesens,
das unbedingt geheim bleiben soll, lässt Oma Hoppe in den Augen ihrer Kinder immer
merkwürdiger erscheinen. Diese planen deshalb die Übersiedlung ihrer Mutter
in ein Heim namens „Waldesruh“. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was es mit dem illegalen Brunnen auf
sich hat, den Nachbar Bareis, übrigens der Verantwortliche für die oben erwähnte
Heckenvernichtung, auf seinem Land gegraben hat.
Der
Kampf gegen die Klimakatstrophe hat auf Hecktorria oberste Priorität. Es wird
eine Verbindung zwischen dieser und der Erwärmung auf der Erde angenommen. Doch exisitert
diese tatsächlich? Oder sind die Schwierigkeiten auf Hecktorria vielleicht doch
eher hausgemacht? Tatsächlich sind die Probleme auf den beiden Planeten aber vergleichbarer,
als es zunächst den Anschein macht …
Cümcad Galaxis:
Aufruhr auf Hecktorria
Books on Demand, 2009
2. Juni 2012
Mary Jane Clark: Die Zeichen deiner Schuld
Das gärtnerische Element
beschränkt sich in diesem Thriller weitgehend auf das Titelbild mit einem
Gewächshaus inmitten blühender Blumen. Es steht im Zentrum eines nach
europäischem Vorbild angelegten Gartens im idyllischen Tuxedo Park. Diese
grosszügige Anlage ist eine geheime, abgeschiedene Welt, verborgen hinter einem
streng bewachten Tor. Doch die vermeintliche Idylle mit herrschaftlichen
Häusern und grosszügigen Gärten verbirgt ein dunkles Geheimnis. In eben diesem
erwähnten Gewächshaus hat der Besitzer Innis Wheelock seine heissgeliebten
Orchideen gepflegt und er hat nun diesen Ort ausgewählt, um seinem Leben ein
Ende zu setzen.
Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.
Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.
Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.
Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.
Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
31. Mai 2012
Gerlinde Herz: Omas kleines Gartenbuch
Für dieses kleine liebevoll illustrierte Büchlein hat Gerlinde Herz Grossmutters Gartenerfahrungen kurz und knapp zusammengefasst. Nach einem kurzen Exkurs durch die Gartengeschichte erzählt sie in gartenalphabetischer Form von Ameisen, Gänseblümchen über Muskatellersalbei bis Zucchini Wissenswertes und Lehrreiches aus der Gartenwelt.
Sie gibt dem interessierten Leser Antwort auf die Frage, ob Asche aus dem Kaminofen bedenkenlos im Garten verteilt werden darf, geht auf Bauernregeln ein und berichtet über die verschiedenen positiven und negativen Wirkungen von Brennnesseln. Ausserdem verrät sie, dass ungeniessbare Kartoffeln mit grünen Stellen als Insektenspray Verwendung finden können. Grossmutter wusste auch, dass das Verpflanzen von fest eingewurzelten grünen Schätzen mit Unterstützung von zerquetschten Knoblauchzehen oder gekeimten Gerstenkörnern im Wurzelbereich besser gelingt und eine Gabe gute Komposterde den Start am neuen Ort zusätzlich erleichtert.
Der „Jahresplan meiner Oma“ mit monatlich anfallenden Aufgaben im Garten sowie eine Tabelle mit guten und schlechten Nachbarn im Gemüsegarten komplettieren Omas Gartentipps, die sich in erster Linie als Ratgeber für Einsteiger oder als Mitbringsel für Gartenanfänger eignen.
Omas kleines Gartenbuch
Ars Vivendi Verlag, 2011
28. Mai 2012
Anthony Eglin: Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Der pensionierte Botanikprofessor Lawrence Kingston wird einmal mehr in seinem geruhsamen Rentnerdasein gestört. Diese Ablenkung und vor allem der daraus resultierende Geldsegen sind allerdings nicht gänzlich unwillkommen und Zeit für das Lösen seiner heissgeliebten Times-Kreuzworträtsel findet Kingston allemal.
In einem anonymen Brief wird Kingston gebeten, bezüglich eines ungelösten Mordfalls Nachforschungen anzustellen. Obwohl er an einem ersten Treffen mit dem potentiellen Auftraggeber versucht ist, das Angebot abzulehnen, nimmt er dieses schliesslich doch an. Vor Monatsfrist ist im Park von Sturminster Hall William Endicott, ein Professor des archäologischen Instituts, tot aufgefunden worden. Die laufenden Ermittlungen der Polizei haben bis anhin keine heisse Spur ergeben.
Auch Kingstons erste Bemühungen verlaufen zunächst sehr zäh und ergeben keine bahnbrechenden Erkenntnisse, bis er ans Krankenbett des Historikers Tristan Veitch gebeten wird, der kurz darauf an einer Vergiftung stirbt. Kingston findet heraus, dass Endicott und Veitch sich gekannt haben. Beide waren Mitglieder in der National Dahlia Society und dem Brookside Garden Club Derby. Die Polizei vermutet, dass Veitch von einer Schwester Amanda umgebracht worden ist, was Kingston stark bezweifelt, da just zur gleichen Zeit bei den Geschwistern eingebrochen worden ist und Computer und Speichergeräte entwendet worden sind.
Doch ist Kingston objektiv? Er hegt unbestrittenermassen gewisse Sympathien für Amanda. Eigentlich ist Kingston ja für die Aufklärung des Mordfalles Endicott engagiert worden, beschäftigt sich aber mehr mit dem unnatürlichen Tod von Veitch. Mit Hilfe von Dateien, die der Hobbyermittler auf einem in ein Hundehalsband eingearbeiten Stick findet, kommt Kingston der Lösung des Falles endlich etwas näher.
Kingstons Vorliebe für Rätsel und Knobeleien sowie seine Kombinierungsgabe sind in diesem fünften Gartenkrimi aus dieser Reihe (Band 4 habe ich hier vorgestellt) sehr nützlich. Denn schon seit Jahrhunderten wurde vergeblich versucht, zu entziffern was die merkwürdigen Inschriften an einem Monument in den Gärten von Sturminster Hall bedeuten.
Die Dechiffrierungsabschnitte und diesbezüglichen Erklärungen dünkten mich etwas langatmig oder haben mich vielleicht ganz einfach zu wenig interessiert. Der erste Mordfall ereignete sich wohl einem berühmten (fiktiven) Garten, ansonsten ist der Hintergrund aber weniger hortikulturell ausgeprägt als in den Vorgängertiteln. Kingston manövriert sich immer wieder in gefährliche Situationen und natürlich ist der für die Aufklärung der Mordfälle zuständige Inspecktor Wheatly nicht begeistert über die Einmischung des Botanikers. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Lektüre rund um die Lösung eines Rätsels, in dem drei berühmte längst verstorbene Engländer eine wichtige Rolle spielen: ein Poet, der erste britische Premierminister und ein Admiral.
Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Minotaur Books, 2011
25. Mai 2012
Anja Maubach: Garten ist Leidenschaft!
Die Vermutung liegt nahe, dass
Anja Maubach wahrscheinlich nicht nur über grüne Daumen verfügt, sondern sogar
grünes Blut in ihren Adern fliesst. Sie stammt nämlich aus einer bekannten
Gärtnerfamilie und sie selber gärtnert wie schon einst ihr Urgrossvater Georg
Arends „Auf der blumigen Höh‘“ in Ronsdorf. Mit ihrer Publikation „Garten ist
Leidenschaft“ möchte sie nicht nur ihr hortikulturelles Wissen und ihre Passion
teilen, sie lässt den Leser und die Leserin auch an ihren persönlichen Gedanken
partizipieren - mit dem Ziel, deren Sinne und die Freude an der Natur zu
wecken.
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Grundsätze vor dem Anfang, Praktisches und Nützliches
- Pflanzenwissen für jeden Gärtner
- Gestalten – die Grundlagen
- Die Kunst der Beetgestaltung
- Leben im Garten – Tag für Tag
- Gartengestaltung – die hohe Schule
- Gärtnern mit allen Sinnen
- Gartenleidenschaft – ganz persönlich
Die meisten Doppelseiten sind so gestaltet, dass auf der linken Doppelseite ein Foto prangt und die rechte Seite mit einem Textbeitrag bedruckt ist. Viele dieser Texte beginnen mit Stichworten oder kurzen, oft unvollständigen Sätzen: „Lebenslang Stauden“, „Early Morning tea mit Morgenmantel“, „Lombardischer Löwe“, „Painting the sky“ oder „Liebe auf den zweiten Blick?“. In der Lektüre finden sich Gartentipps, wie den, die Pflanzen nicht mit Wasser zu verwöhnen, damit diese aus „Angst“ möglichst viele Wurzeln in tiefere Erdschichten schicken.
Anja Maubach erklärt die Grundbegriffe des Gärtnerlateins und immer wieder werden Pflanzungen ihrer gärtnernden Vorfahren erwähnt und Anekdoten in die Beiträge eingeflochten. Man liest über die Cyclamensammlung und das Pflanzenarchiv für Astilben oder vom Gärtnerei- und vom Fotoarchiv.Die Autorin erzählt von „Schachbretttagen“, wenn Moos auf Betonplatten aus unterschiedlichen Materialmischungen verschiedene Schattierungen hervorruft oder von ihrer Gartentörchensammlung, in welcher einzelne Stücke oft jahrelang darauf warten, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. An einer anderen Stelle schlägt die Autorin vor, Bilder von Paul Klee in Gartenentwürfe zu übertragen und erzählt von ihrem Experiment einer Echniacea-Wiese.
Mir persönlich gefallen am besten jene Stellen, wo man – oft auch nur zwischen den Zeilen – Tiefgründiges erfährt oder wenn Anja Maubach mit Worten spielt: krauten gehen, Gedanken jäten und Gedankenunkräuter ziehen oder die Worte über fiktive (Buch-)Gärtnerfreundschaften. Die Autorin erläutert ausserdem, welche Wirkung der Satz "I love gardening“ auf sie hatte. Sie, die ganz selbstverständlich mit den Worten „im Garten draussen arbeiten“ aufgewachsen ist. Heute geht sie gärtnern. Weiter liest man, dass es auch einer überaus erfahrenen Gärtnerin passieren kann, dass ein ehemals als ideal eingeschätzter Pflanzort nach ein paar Jahren plötzlich nicht mehr perfekt ist und einem anderen, vermeintlich interessanteren Projekt im Weg steht. Die Entscheidungsfindung ist ein Ablösungsprozess – sich mit dem Gedanken anfreunden, loslassen, trauern und inneren Frieden finden.
Den Abschluss des Buches bilden Adressen von Lieferanten, Gehölzen, Stauden usw. sowie Literaturtipps, Erläuterungen zu den Bildern und ein Plan des Gärtnereiareals. Massgeblich zum positiven Gesamteindruck der gelungenen Publikation tragen die Fotos von Ferdinand Graf von Luckner bei.
Dieses Buch habe ich übrigens erstmals rund vier Monate vor Erscheinen mit weissen, unbedruckten Seiten an der Frankfurter Buchmesse gesehen; quasi ein grosszügig bemessenes Notizbuch. Der damalige Titel lautete gemäss einer Werbekarte, die ich bei der aktuellen Lektüre als Lesezeichen verwendet habe: „Die hohe Schule des Gärtnerns“. Der schliesslich in Druck gegangene Titel „Garten ist Leidenschaft!“ ist doch viel passender für dieses Buch einer passionierten Gärtnerin, deren Texte inspirierend, lehrreich und zuweilen auch tiefsinnig und mal poetisch sind.
Anja Maubach:
Garten ist Leidenschaft!
BLV Buchverlag, 2011
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Grundsätze vor dem Anfang, Praktisches und Nützliches
- Pflanzenwissen für jeden Gärtner
- Gestalten – die Grundlagen
- Die Kunst der Beetgestaltung
- Leben im Garten – Tag für Tag
- Gartengestaltung – die hohe Schule
- Gärtnern mit allen Sinnen
- Gartenleidenschaft – ganz persönlich
Die meisten Doppelseiten sind so gestaltet, dass auf der linken Doppelseite ein Foto prangt und die rechte Seite mit einem Textbeitrag bedruckt ist. Viele dieser Texte beginnen mit Stichworten oder kurzen, oft unvollständigen Sätzen: „Lebenslang Stauden“, „Early Morning tea mit Morgenmantel“, „Lombardischer Löwe“, „Painting the sky“ oder „Liebe auf den zweiten Blick?“. In der Lektüre finden sich Gartentipps, wie den, die Pflanzen nicht mit Wasser zu verwöhnen, damit diese aus „Angst“ möglichst viele Wurzeln in tiefere Erdschichten schicken.
Anja Maubach erklärt die Grundbegriffe des Gärtnerlateins und immer wieder werden Pflanzungen ihrer gärtnernden Vorfahren erwähnt und Anekdoten in die Beiträge eingeflochten. Man liest über die Cyclamensammlung und das Pflanzenarchiv für Astilben oder vom Gärtnerei- und vom Fotoarchiv.Die Autorin erzählt von „Schachbretttagen“, wenn Moos auf Betonplatten aus unterschiedlichen Materialmischungen verschiedene Schattierungen hervorruft oder von ihrer Gartentörchensammlung, in welcher einzelne Stücke oft jahrelang darauf warten, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. An einer anderen Stelle schlägt die Autorin vor, Bilder von Paul Klee in Gartenentwürfe zu übertragen und erzählt von ihrem Experiment einer Echniacea-Wiese.
Mir persönlich gefallen am besten jene Stellen, wo man – oft auch nur zwischen den Zeilen – Tiefgründiges erfährt oder wenn Anja Maubach mit Worten spielt: krauten gehen, Gedanken jäten und Gedankenunkräuter ziehen oder die Worte über fiktive (Buch-)Gärtnerfreundschaften. Die Autorin erläutert ausserdem, welche Wirkung der Satz "I love gardening“ auf sie hatte. Sie, die ganz selbstverständlich mit den Worten „im Garten draussen arbeiten“ aufgewachsen ist. Heute geht sie gärtnern. Weiter liest man, dass es auch einer überaus erfahrenen Gärtnerin passieren kann, dass ein ehemals als ideal eingeschätzter Pflanzort nach ein paar Jahren plötzlich nicht mehr perfekt ist und einem anderen, vermeintlich interessanteren Projekt im Weg steht. Die Entscheidungsfindung ist ein Ablösungsprozess – sich mit dem Gedanken anfreunden, loslassen, trauern und inneren Frieden finden.
Den Abschluss des Buches bilden Adressen von Lieferanten, Gehölzen, Stauden usw. sowie Literaturtipps, Erläuterungen zu den Bildern und ein Plan des Gärtnereiareals. Massgeblich zum positiven Gesamteindruck der gelungenen Publikation tragen die Fotos von Ferdinand Graf von Luckner bei.
Dieses Buch habe ich übrigens erstmals rund vier Monate vor Erscheinen mit weissen, unbedruckten Seiten an der Frankfurter Buchmesse gesehen; quasi ein grosszügig bemessenes Notizbuch. Der damalige Titel lautete gemäss einer Werbekarte, die ich bei der aktuellen Lektüre als Lesezeichen verwendet habe: „Die hohe Schule des Gärtnerns“. Der schliesslich in Druck gegangene Titel „Garten ist Leidenschaft!“ ist doch viel passender für dieses Buch einer passionierten Gärtnerin, deren Texte inspirierend, lehrreich und zuweilen auch tiefsinnig und mal poetisch sind.
Anja Maubach:
Garten ist Leidenschaft!
BLV Buchverlag, 2011
22. Mai 2012
Helen Campbell – The Blue Yonder Inn
Bonnie Blue Hogan verlässt im August 1963 endlich ihren gewalttätigen Ehemann Gil. Ihr Baby Blacky hinterlässt die junge Frau mit einer auf dem Rücken notierten Nachricht in einer Schubkarre im gepflegten Garten ihrer Tante Darnelle. Diese hat nach dem Tod von Bonnies Mutter schon ihre Nichte grossgezogen. Nicht zuletzt die schwierige Beziehung zwischen Bonnie und Darnelle hat erstere in eine frühe Ehe getrieben. Bonnie hinterlässt ihren Sohn keineswegs leichten Herzens bei ihrer Tante. Doch scheint ihr dieser Weg die einzig denkbare Möglichkeit, sich in den Westen Amerikas abzusetzen und zu versuchen, von Gil unbehelligt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihre Zukunft neu aufzugleisen.
Gil sucht seine verschwundene Familie natürlich zuerst bei ihrer nächsten Verwandten. Seine grenzenlose Wut lässt er an Darnelle aus. Er begnügt sich nicht mit körperlicher Gewalt, sondern er zerstört in wenigen Minuten Darnelles preisgekrönten Garten, den sie in jahrelanger mühseliger Arbeit auf humusarmen texanischem Boden angelegt hat. Der Anblick ihrer zerstörten Rosen bricht Darnelle, die schon als junges Mädchen ihren ersten Garten angelegt hat, fast das Herz. Doch die Frau ist sich von Kindsbeinen an gewohnt, kämpfen zu müssen, und zwar nicht nur gegen ihr schlechtes Gewissen, weil sie Gil für die Heirat mit Bonnie Geld zugesteckt hat. Und auch ihre Nichte Bonnie scheint diese Gene geerbt zu haben.
Der authentisch verfasste Roman zeichnet eindrücklich die schwierigen Mutter-Tochter-Konflikte zwischen den beiden sturen Frauen Bonnie und Darnelle auf. Die Erzählung blendet immer wieder zurück und bleibt bis zum Schluss spannend, wenn die Leserin die Familiengeschichten und –verwicklungen durchschaut, die letzten Geheimnisse gelüftet sind und endlich klar ist, was es mit dem vermaledeiten „dog tag“ auf sich hat und was die mehrfachen Erwähnungen von Elvis Presley für eine Bedeutung haben.
The Blue Yonder Inn
Michigan State University Press, 2002
19. Mai 2012
Bärbel Schäfer und Achim Winter: Zen im Gurkenbeet
Der
Mittvierziger Carlo Rümmel hat es vom als Lümmel gehänselten Jungen zum
erfolgreichen Investmentbanker gebracht. Er, der beste Mann von Kilago-Invest,
soll es nun auch richten, als es darum geht, renitenten Schrebergärtnern den
Verkauf ihrer Parzellen schmackhaft zu machen. Das Land der Gartenbesitzer soll
nämlich dem geplanten Einkaufszentrum „Dreamland“ Platz machen, wogegen sich
aber ein harter Kern von Gärtnern wehrt. Wie können diese von einem
Meinungswechsel überzeugt werden?
Carlo
Rümmel kann ein schon länger brach liegendes Stück Land in der Siedlung
„Stoltze“ übernehmen und schleust sich inkognito bei den Schrebergärtnern ein.
Mit brandneuen Gummistiefeln und Kleidung versucht er, das Wachsen des Grases
mitzuhören und beginnt seine Mission bei den in der Chefetage von Kilago despektierlich
als Spatenschwinger, Rosenschneider und Gartenzwerge bezeichneten Gärtnern.
Der
kaltschnäuzige karrieregeile Banker macht die Bekanntschaft von Oma Veigele, deren
attraktiven Punker-Enkelin Nele und anderen Schrebergärtnern und er findet
plötzlich Gefallen am Gärtnern und insbesondere an einer in eine Oase des Stillen
umfunktionierten Laube. Carlo Rümmel entdeckt die Freuden des Offline-Lebens
(wieder) und zieht plötzlich das Meditieren dem Handy-Klingelalarm vor. Lange
verborgene Facetten seines Charakters kommen zum Vorschein. Da seine Ehefrau
gleichzeitig intensiv an ihrer Karriere arbeitet, gerät sein Familienleben
immer mehr aus den Fugen und die beiden Kinder der Rümmels wissen diese
Vernachlässigung zu ihren Zwecken auszunützen.
Als
der Banker den Reizen der jungen Punkerin nicht mehr widerstehen kann, reitet
er sich immer tiefer in den Schlamassel. Währenddessen nutzen nämlich seine Kollegen bei
der zu einem amerikanischen Unternehmen gehörenden Kilago-Invest seine häufige
Abwesenheit und sägen heftig an seinem Bürostuhl. Was soll denn sein
Arbeitgeber auch von der Guerilla-Aktion der Schrebergärtner gegen Kilago halten,
an der Rümmel an vorderster Front mit dabei ist?
Was
mir anfänglich als fast endlose und eher übertriebene Aneinanderreihung von Gemeinplätzen
und Binsenwahrheiten erschien, entwickelte sich zu einem ziemlich schrägen
Roman mit einem überraschenden Ende. Man merkt deutlich, dass ein gemischtgeschlechtliches
Autorenduo am Werk war - die Gedanken und Gefühle aus männlicher und weiblicher
Sicht lesen sich sehr authentisch.
(Noch)
mehr über Gurken zu lesen gibt es im Buch „Allein unter Gurken“ des
Tatort-Kommissars Andreas Hoppe alias Mario Kopper, in welchem er von seinem Versuch
berichtet, sich nur noch von regionalen Produkten zu ernähren.
Bärbel Schäfer und
Achim Winter:
Zen im Gurkenbeet
Weissbooks, 2012
16. Mai 2012
Mike Leigh: Another Year (DVD)
„Another Year“ gibt einen Einblick in den unspektakulären, ziemlich gewöhnlichen Alltag von Gerri und Tom. Die beiden führen seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern des dreissigjährigen Joe. Sie arbeitet als Therapeutin, er ist in der Baubranche tätig. Gemeinsam hoffen sie auf Enkel, doch ihr Sohn scheint die richtige Partnerin nicht zu finden. In ihrer Freizeit beschäftigen sich Gerri und Tom mit ihrem Garten und bieten ihren Freunden und Verwandten ein offenes Haus und Unterstützung in allen Lebenslagen.
Zu ihrem Freundeskreis zählt Gerris Arbeitskollegin Mary, die ziemlich verzweifelt die Liebe ihres Lebens sucht und dabei auch Tom im Visier hat. Ihren Frust und ihre Unsicherheit ertränkt sie in Alkohol. Ähnlich geht es dem übergewichtigen Ken. Er versucht mit Mary anzubandeln, die seine Annäherungsversuche aber bereits im Keim erstickt.
Im Ablauf der Jahreszeiten werden Gerri und Tom auch immer wieder beim Gärtnern beobachtet und tatsächlich wird auch ihre fast unerschöpfliche Geduld einmal (über)strapaziert. Komisch, tragisch und humorvoll zugleich zeigt der Film den ganz normalen englischen Alltag.
Übrigens erscheint Mitte Juni eine Publikation mit dem Titel „Gartenkunst im Spielfilm“ von Nina Gerlach. Ich bin doch sehr gespannt, welche mir noch unbekannten sehenswerten Filme mit hortikulturellem Hintergrund sich dort – hoffentlich - entdecken lassen.
Mike Leigh:
Another Year (DVD)
Pathé Films / Warner Home Video, 2011
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