1. November 2013

Ina Coelen (Hrsg.): Mord zwischen Kraut und Rüben – Gartenkrimis vom Tatort Niederrhein

Ina Coelen hat letzthin eine weitere Sammlung von Garten-Krimis herausgegeben, die von zwanzig verschiedenen bekannten Krimiautorinnen und –autoren verfasst worden sind. Nicht alle pflegen die gleiche enge Beziehungen zum Grün, denn während eine Autorin gerne bei der Gartenarbeit abschaltet, vermeidet ein anderer tunlichst jeden Aufenthalt im Garten, da er in einem Schrebergarten aufgezogen worden ist, und ein Dritter schustert seine Texte im Schatten eines viereinhalb Meter hohen Gummibaums, einem Erbstück von der Grossmutter, zusammen.

Die Kurzkrimis sind unter anderem betitelt mit „Der beste Dünger“, „Strebergarten“, „Schneckenpest“, „Kredithai im Garten“, „Brigitte Bardot in Bönninghardt“ und „5422 Pflastersteine“ und sie handeln von Mordphantasien in der Sauna oder wie man sich die Bezeichnung Gartengott verdient oder eben auch nicht. Man liest von sonntäglichen Gartenkursen, in denen einem beigebracht wird, dass Blumen analog den Menschen über völlig unterschiedliche Charaktere verfügen. Hier wie dort gibt es Festhalter, Spätblüher, Verführer und Sklaven – ein Wissen, das auf menschlicher Seite auch mit schlechten Hintergedanken ausgenutzt werden kann.

Weiter lehrt die Lektüre, niemals von jemanden zu verlangen, 5422 oder eine ähnlich hohe Menge an Pflastersteinen wiederholt im Garten von einer Ecke in eine andere zu transportieren und wieder neu aufzuschichten. Diese langweilige und überaus anstrengende Tätigkeit ist nämlich gezwungenermassen gleichzeitig ein perfektes Training der Treffsicherheit, was für den Auftraggeber unter Umständen negative Folgen haben könnte.

Dann kommt die Frage auf, ob es Schlimmeres gibt als Gartentipps von Nachbarn. Insbesondere dann, wenn der Ratgeber überprüft, ob man seine Ratschläge auch tatsächlich befolgt. In anderen Geschichten geht es um gefährliche glitschige Schneckenansammlungen, auf denen man ausrutschen und sich schwer verletzten kann, oder die nicht absehbaren Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn man im eigenen Orchideengewächshaus Webcams installiert, um bei Abwesenheit via Smart Phone immer mal wieder einen Blick auf die überwältigende Blütenpracht zu werfen und auf diese Weise kurz abzuschalten.

Im Anschluss an jeden Kurzkrimi folgen Garten- oder Pflanzentipps und der Leser erfährt beispielsweise, was es für Möglichkeiten zur Bekämpfung von Blattläusen und Mehltau gibt. Und haben Sie bereits gewusst, dass Hefereste vom Backen sich perfekt als Dünger für Topfpflanzen eignen? Da muss ich doch gleich mal die Reste im Tiefkühlfach auftauen und den Tipp auf seine Nützlichkeit testen! Der Gartentipp zum Thema rückenschonendes Gärtnern endet mit dem Fazit: „Nur wer einer Mordlust nachgehen möchte, gräbt seinen Garten mit dem Spaten um. Alle anderen greifen zur Gabel."



Ina Coelen (Hrsg.): 
Mord zwischen Kraut und Rüben – Gartenkrimis vom Tatort Niederrhein 
Leporello Verlag, 2013

29. Oktober 2013

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Diese romantische Komödie braucht fürwahr keine weitere Werbung. Das Buch war aber derart vergnüglich zu lesen, dass ich dem Bestseller aus dem Jahr 2006 doch einen Platz als Monatsend-Beitrag einräumen will. Denn da ein Gärtner wieder Ordnung in das plötzlich ausgebrochene Chaos in Samanthas Leben bringt, passt diese Empfehlung der Nachwuchs-Sofagärtnerin doch ganz gut in den Sofagarten.

Die begabte 29jährige Anwältin Samantha steht unmittelbar vor einem wichtigen Karrieresprung, der die Erfüllung ihres allergrössten Traumes bedeutet, als ein scheinbar folgenschwerer Anfängerfehler sie Hals über Kopf aus der Kanzlei Carter Spink fliehen lässt. Sie steigt ziellos in einen Zug und verlässt London. Erst in den Cotswolds verlässt sie die Bahn wieder, nichtwissend wo sie überhaupt gelandet ist.

Als sie in einem Haus nach dem Weg fragen will, wird sie für die Bewerberin der freien Stelle als Haushaltshilfe gehalten. Todmüde wie sie ist, schafft es Samantha nicht, die Verwechslung aufzuklären und kommt so zu einer Anstellung als Haushälterin. Sie, die kein Privatleben kennt und Tag und Nacht nur auf ihre Beförderung als Seniorpartnerin in der bekannten Anwaltskanzlei hingearbeitet hat, die keine freien Wochenenden, geschweige denn Ferien kennt, weder kochen, waschen, bügeln und putzen noch Knöpfe annähen kann und die Take-Away-Essen vom Chinesen und Pizza vom Italiener („mediterran“) zur gesunden Ernährung zählt.

Am nächsten Morgen möchte sie sich für die Freundlichkeiten ihrer Gastgeber revanchieren und ihre Arbeitskraft für einen halben Tag zur Verfügung stellen, dann das Missverständnis aufklären und wieder verschwinden. Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Samantha weiss nicht einmal, wie der Toaster bedient werden muss und sie hat ganz allgemein überhaupt keine Ahnung, was für Tätigkeiten zum Jobprofil einer Haushälterin gehören. Und sie schafft es auch nicht, das Haus wieder zu verlassen, sondern unterschreibt tatsächlich einen Arbeitsvertrag, obwohl die Erledigung ihrer ersten haushälterischen Aufgaben in einem Fiasko enden.

Glücklicherweise hat die junge Frau einige finanzielle Rücklagen aus ihrer vorherigen Tätigkeit mit einem Stundenlohn von 500 Pfund. In der zweiten Arbeitswoche gibt’s sie bereits nur noch 200 Pfund für das Vertuschen ihrer Fehler - wie etwa verfärbte und zu heiss gebügelte Wäsche und Catering zur Rettung von missratenen Gerichten - aus und ist zuversichtlich, schon bald den wirtschaftlichen Turnaround zu schaffen.

Samantha, die immer geglaubt hat, der Job als Anwältin sei stressig, stellt sich allen ungewohnten Anforderungen und kommt immer besser mit ihren neuen Aufgaben zurecht. Gleichzeitig gewöhnt sie sich an ihre Freizeit, obwohl sie zuerst gar nicht abschalten kann, und daran, zwischendurch ganz einfach zu tun und lassen, was sie will. Und sie beginnt die zwischenmenschlichen Kontakte im Dorf zu schätzen. Denn Unterstützung in der Bewältigung ihrer Aufgaben – wer möchte schon Kichererbsen aus dem Ofen, Eier aus der Mikrowelle und Bratensauce mit Backpulver? – erhält sie im Gärtner Nathaniel und seiner überaus hilfsbereiten Mutter Iris.

Ihre Aufaben als Haushälterin erfüllt sie rasch dermassen zufriedenstellend, dass ihre Arbeitgeber ihr nahelegen, sich beruflich unbedingt weiterzubilden. Auch botanisch lernt sie dank Nathaniels Hilfe einiges. Während sie zuerst ein Geissblatt nur anhand des Dufts ihres Jo-Malone-Badeöls erkennt und zum ersten Mal Birnen am Baum hängen sieht, sieht sie sich plötzlich auch mit der Idee von der Eröffnung einer eigenen Gärtnerei (mit-)konfrontiert.

Schliesslich findet Samantha heraus, dass mit ihrem katastrophalen Fehler in der Kanzlei etwas nicht stimmen kann. Ist ihre Zukunft auf dem Land oder kann sie ihre Unschuld beweisen und sich rehabilitieren? Diese überaus witzige Lektüre mit leicht überzogenen Charakteren ist ein toller Seitenumdreher, der einen immer wieder laut lachen und die Zeit völlig vergessen lässt.  



Sophie Kinsella: 
Göttin in Gummistiefeln
Wilhelm Goldmann Verlag, 2006

25. Oktober 2013

Gloria Alden: The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery

Eine blaue Rose ist der Traum vieler Rosenzüchter. August Chatterton kann sich nicht mehr an der angeblich von ihm gezüchteten blauen Rose „The August Chatterton“ erfreuen. Er liegt tot in seinem Garten und ist ganz offensichtlich während einem Anlass auf seinem Grundstück stattgefunden hat, ermordet worden. Da er sich selber die Hände beim Gärtnern nie schmutzig gemacht hätte, glaubt allerdings niemand, dass er der Züchter der beeindruckenden Blütenpflanze ist.Der Polizeichef von Portage Falls, John MacGougal, hat in seiner nunmehr zehnjährigen Dienstzeit noch nie einen Mord aufklären müssen, doch auch ihm wird bei den Ermittlungen rasch klar, dass etliche Personen aus dem Umfeld des Mordopfers ein starkes Motiv haben.

Entdeckt hat den Toten Catherine Jewell, die teilzeitlich als Botanikerin in Elmwood Gardens arbeitet, da sie mit ihrem kleinen Gartencenter „Roses in Thyme“ ihren Lebensunterhalt (noch) nicht bestreiten kann. In nur vierzehn Monaten hat sie ihre kleine Gärtnerei in eine ganz besondere Oase verwandelt und hat noch viele Pläne. Verwirklicht hat sie bereits einen „Terra Cotta Geschenkshop“, ein Besucher-Center, einen Topiary-Garten, einen Rosengarten sowie einen weissen und einen blauen Garten. Die Frau mit polnischen, slowakischen und englischen Wurzeln und Vorfahren aus noch mehr europäischen Ländern ist seit zehn Jahren verwitwet. Damals sind ihr Mann und ihre Tochter tödlich verunglückt. Inzwischen vermag sie langsam wieder zuversichtlicher vorwärts schauen.

Noch bevor John MacGougal herausfindet, welches Motiv zum Mord geführt hat, ereignet sich ein zweiter aussergewöhnlicher Todesfall. Neben dem Polizeichef  und seinem Team spitzt auch Catherine bei jeder Gelegenheit ihre Ohren und versucht, die verschiedenen sich im Umlauf befindenden Anschuldigungen als Gerüchte zu entlarven. Kann es sein, dass der ehemalige Chefgärtner, der vom nicht sehr beliebten Chatterton nach über zwanzig Dienstjahren vor die Gartentore gestellt worden ist, sich gerächt hat? Und was hat es mit dem mysteriösen Todesfall auf sich, aufgrund dessen der aktuelle Chefgärtner, ein ehemaliger Mönch, das Kloster wieder verlassen hat? Auch verschiedenen Familienangehörigen scheint Chattertons Tod nicht ungelegen zu kommen und die Ehefrau wird auch nicht gerade von ihrer Trauer erdrückt.

Es ist kein Geheimnis, dass Chatteron sich nicht für Blumen an sich interessierte, sondern nur für den Eindruck und das Ansehen, das er mit diesen erzielen konnte. Doch wie kam er in den Besitz einer blauen Rose? Catherine scheint mit ihren Nachforschungen jemandem auf die Füsse zu treten. Denn plötzlich steht sie selber im Fokus und ihr Haus wird gründlich durchwühlt, worauf sie sich enschliesst, ihre Informationen mit dem Polizeichef zu teilen.

Kürzlich ist bereits ist ein zweites Buch aus dieser neuen Gartenkrimi-Reihe erschienen: Daylilies for Emily’s Garden. Und die Leserin darf gespannt weiterverfolgen, was aus Catherines beruflichen Gartencenter-Plänen wird und ob sie und John sich auch privat näher kommen




Gloria Alden: 
The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery 
Eigenverlag, 2012

21. Oktober 2013

Henriette Krahnstöver: Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum

Die Gartenarchitektin Henriette Krahnstöver erfuhr in den 1980er Jahren von handschriftlichen Aufzeichnungen eines Gärtners. Trotz umfangreicher Bemühungen waren diese nicht zu lokalisieren und die Herausgeberin dieser Publikation hatte sich schon damit aufgefunden, nie in diesen Notizen blättern zu können, als ihr das Schicksal Anfang des 21. Jahrhunderts doch noch eine Kopie der Unterlagen in die Hände spielte.

Ausgewählte Abschnitte aus diesen Texten, der sogenannten „Reinholdeana“, hat sie inzwischen mit weiterführenden Ergänzungen samt Angaben zur historischen Entwicklung von Rüben und Güldengossa erweitert und als Zeitdokument einer Gärtnerdynastie von ca. 1850 – 1950 veröffentlicht. Der Verfasser der mit roter Tinte geschriebenen Handschrift, Reinhold Hofmann, wurde 1875 als letzter Sohn eines Gärtners und Enkel eines ehemaligen Schlossgärtners in Rüben geboren. Seine niedergeschriebenen Lebenserinnerungen hat er einer seiner Töchter zur Silberhochzeit geschenkt.

Die illustrierte Publikation vermittelt einen Einblick in den damaligen Alltag, Arbeitsverhältnisse, Umgangsformen sowie Bräuche und natürlich in die Lebensgeschichte des Reinhold Hofmann vom kleinen Spielgefährten einer Rittersguttochter, seinen Lehrjahren bis zur Pacht eines eigenen Gartenbetriebes mit Weinberg. Die Rede ist von schweren Krankheiten, Unfällen, Jagderlebnissen und gefährlichen Ausflügen auf brüchigem Eis. Rattenbekämpfung und Krähenplagen sind ein Thema, aber auch eher Skuriles wie etwa ein merkwürdiger Skelettfund in einer alten Eiche. Reinhold Hofmann verurteilt das „Scheinleben“ besserer Kreise und berichtet von der Quantität und Qualität des Essens – es gab viel, aber wenig Gutes.

Zusammen mit zwei Knaben hat der Verfasser schon als kleiner Junge ein eigenes Gärtchen bestellt. Nach Abschluss der Schule besuchte er einen Gehilfenkurs in einer Gärtnerlehranstalt, auf den zwei praktische Lehrjahre im Gärtnereibetrieb des Vaters folgten. Hier kam er aber nicht in den Genuss einer Spezialbehandlung. Ganz im Gegenteil, denn der Chef wollte sich nicht nachsagen lassen, er bevorzuge seinen Sohn. Schliesslich muss wer selber Vorgesetzter werden will genau wissen, wie alle Arbeiten erledigt werden müssen, damit er diese auch vorzeigen und delegieren kann.

Am Anfang seines Berufslebens gehörte die Auslieferung von Primeln an Leipziger Blumengeschäfte zu seinen Aufgaben. Beide Händen vollgepackt mit je fünf mit einem Ledergurt zusammengebundenen Kisten machte er sich jeweils zu Fuss und mit dem Zug auf den recht langen Weg. Später arbeitete er an verschiedenen Stellen, so auch in Lörrach, Basel, Zürich, Lausanne und Hamburg bis er schliesslich in Güldengossa den Posten des Obergärtners übernahm. Das Leben des Verfassers war geprägt von Höhen und Tiefen. Seine erste Frau stirbt früh und liess ihn mit vier Kindern als Witwer zurück und sein beruflicher Erfolg weckte auch viel Neid.

Berufe mit Pflanzen und Blumen wurden in dieser Familie scheinbar bevorzugt ausgeübt. Reinholds eigener Urgrossvater war seinerzeit mit seinem Vorgesetzten nach Paris gereist, um die Gartenanlagen von Versailles zu studieren und zu skizzieren und daheim in Sahlis nachzupflanzen. Diese schöne Geschichte wird aber von der Herausgeberin Henriette Krahnstöver anhand anderer Quellen angezweifelt. Nachweisbar richtig ist aber, dass Reinhold Hofmanns Sohn ebenfalls den Gärtnerberuf erlernte und alle drei Töchter Blumenbinderinnen wurden.  



Henriette Krahnstöver: 
Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum 
Pro Leipzig, 2012

17. Oktober 2013

Helen Hendricks Friess: The Red Geranium

Was verbindet eine junge Anwältin in Pittsburgh, einen Obdachlosen, ein um seinen im Irakkrieg getöteten Sohn trauerndes Paar, eine alte Frau, die sich für ihre finanziellen Probleme schämt und sich deshalb fast völlig von der Umwelt zurückgezogen hat, eine junges kinderloses Paar, einen trauernden Witwer und ein Tanzlehrerehepaar in Geldnöten? Sie alle sind nacheinander Empfänger eines Geschenks in Form einer Geranie, der magische Kräfte nachgesagt werden.

Die erste Empfängerin im Buch ist Katie, eine angehende junge Anwältin. Über Pflanzen und Blumen weiss sie nicht sehr viel, aber sie hat selber herausgefunden, dass ihr die rote Geranie in ihrem Büro wie vorhergesagt Glück gebracht hat. Erhalten hat sie die Pflanze vom Vorbenutzer des Raumes und er hat ihr bei der Übergabe versprochen, die Blume werde ihr Glück bringen. Und tatsächlich hat Katie die Geranie ein Jahr gut gepflegt und in diesem Jahr einen erstaunlichen beruflichen Erfolg – gar nicht selbstverständlich in Anbetracht ihres jugendlichen Alters - erzielt und ihre anfängliche Skepsis abgelegt. Da ihr ein längerer Auslandaufenthalt bevorsteht, ist es an der Zeit, die Pflanze weiterzugeben.

Ihr Büronachfolger möchte die Pflanze entsorgen und so überlegt Katie, wer etwas Glück vertragen könnte.
Spontan entscheidet sie sich, die blühende Pflanze mit einem Hinweis auf ihre geheimen Kräfte, einigen Sandwiches und einer Thermosflasche voll heissem Kaffee zu dem Platz zu bringen, wo Obdachlose leben. Sie setzt ihr Vorhaben umgehend um und verschwindet wieder in der kalten und dunklen Nacht, ohne dass sie beobachtet worden ist.

Ihre Box, die Flasche und die Pflanze werden vom ehemaligen Irakkrieg-Soldaten Bryan, den seine traumatischen Erlebnisse völlig aus der Bahn geworfen haben, gefunden. Das Essen teilt er mit anderen Obdachlosen, während die rote Geranie Erinnerungen an bessere Zeiten in ihm weckt und ihn an seine geliebte verstorbene Grossmutter denken lässt, bei der er aufgewachsen ist. Schon als fünfjähriger Junge hat er sämtliche botanischen Namen gekannt, weil er ihr oft im Garten geholfen hat. Plötzlich schämt er sich für seine jetzige Lebenssituation und packt ohne weitere Überlegungen die Thermosflasche und die rote Geranie ein und verlässt das Hoffnungslosigkeit ausstrahlende Areal. Ohne genaues Ziel und ohne dem strömenden Regen Beachtung zu schenken läuft er Richtung Berge.

Nach vielen Kilometern Fussmarsch fast ohne Nahrung ist Bryan einem Zusammenbruch nahe. Ein Fahrer, der ihn freundlicherweise über eine längere Strecke mitgenommen hat, rät ihm, seine rote Geranie bei einem gewissen Pete gegen ein Sandwich zu tauschen. Doch dieser Pete bietet dem jungen Mann gleich viel mehr als etwas Essen an. Er nimmt ihn mit nach Hause und auch seine Frau stört sich nicht an Bryans ungepflegtem Äussern („nichts was sich nicht mit Wasser und Seife in Ordnung bringen lässt…“). Pete offeriert ihm ausserdem einen Job und sogar die Möglichkeit, mit seinen geliebten Blumen zu arbeiten. Und Bryan nutzt diese Chance, fasst beruflich Fuss und ist obendrein ausserordentlich erfolgreich in seiner neuen Tätigkeit. Pete und seine Frau sind ihm eine grosse Stütze und gleichzeitig hilft Bryan den beiden, einen Weg aus ihrer riesigen Trauer zu finden, die sie zu erdrücken droht, seit ihr eigener Sohn Joe im Irakkrieg gestorben ist.

In der Folge wird die Glück bringende rote Geranie immer wieder weitergegeben und verbreitet ihre scheinbar magischen Kräfte, indem sie den Anstoss für private und berufliche Veränderungen übernimmt und Bewegung in festgefahrene Leben bringt. Und plötzlich hält Bryan, der sich mittlerweile als Blumenspezialist und Pflanzendoktor einen Namen gemacht hat, eine beschädigte rote Geranie in den Händen, die sich als sein ehemaliger Glücksbringer entpuppt. Daraufhin versucht er, den von der Pflanze in der Zwischenzeit zurückgelegten Weg zurückzuverfolgen und wird damit gleichzeitig in sein eigenes früheres Leben zurückkatapultiert.

Aber zuvor liest der Leser von Jeannie und ihrer unermesslichen Trauer um ihren verstorbenen Sohn, von Alma, Ende 80, die allein und ohne Stromversorgung auf einem Berg lebt, von Judy und ihrem unerfüllten Kinderwunsch, der allein erziehenden Mutter Maureen ohne Job, den beiden Tänzern Linda und Dan, die nach einem Autounfall nicht mehr selber tanzen können und dem einsamen Witwer Tom.

"The Red Geranium" ist ein fast märchenhafter Roma für Erwachsene, die an das Gute in Menschen und etwas Magie glauben . Dieses Buch hat übrigens die gleiche rote Geranie (eigentlich Pelargonie) als Motiv auf dem Umschlag wie "Common Ground" von Janice Marriott und Virginia Pawsey – der Inhalt der beiden Publikationen ist ist aber völlig verschieden. Empfehlenswert sind hingegen wieder beide.



Helen Hendricks Friess: 
The Red Geranium 
iUniverse LLC, 2013

13. Oktober 2013

Anette Gräfe: Der Gärtner war’s (Anthologie)

Woran soll der Gärtner wieder schuld sein? Für diese Anthologie wurden Geschichten von Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Altersstufen zusammengetragen. Falls Ihnen beim Titel gleich die etwas abgedroschene Redewendung „Der Gärtner ist immer der Mörder“ in den Sinn gekommen ist, so sind Sie (wenigstens grösstenteils) auf der falschen Fährte. Denn auf diesen rund 250 Seiten ist der Gärtner der Held, der Liebhaber, der Retter in Not oder er übernimmt auch mal detektivische Aufgaben und stellt psychologische Überlegungen an. Und ja, ab und zu hat er auch die Rolle des Mörders inne. Dazwischen widmet er sich aber natürlich auch seinem Beruf und kümmert sich um Rosen, Tulpen, Bonsais und anderes Grünzeug.

Die meisten Geschichten spielen in der Gegenwart, doch auch die Zeit der Tulpenmanie bildet die Kulisse für einen Kurzkrimi. An anderer Stelle sorgt der Gärtner mit etwas Magie und Zauber nicht nur für das Wohlergehen der Pflanzen, sondern auch für notwendige Veränderungen im Leben der Gartenbesitzerin. Und wenn der Gärtner für einen geringen Lohn wertvolle Blumen züchtet, welche die Kasse seines eher undankbaren Arbeitgebers klingeln lassen, könnte man ihn in der betreffenden Geschichte beinahe als Werkzeug und Handlanger desselben bezeichnen.

Einer meiner Lieblingsbeiträge ist „Lateinischer Sommer“. Hier geht es um die subtile Rache einer Gärtnerin an einer gartenschändenden Nachbarin mittels eines Diavortrages im lokalen Gartenbauverein. Der Anlass trägt den sinnigen Titel „Vicina flava maligna – ein singulärer Gartenschädling“. Nicht allen Teilnehmern ist schon vor dem Besuch der Veranstaltung bewusst, dass es sich dabei um die Bewältigung von gemeinen Attacken handelt. Und zwar nach dem Motto: „Herausforderung annehmen, alles ist irgendwie umnutzbar!“

Die Geschichten mit Titeln wie „Des Rätsels Lösung“, „Lange Schatten“, „Rote Rosen“, „Die Hymne ans Gras“, „Das Mörderspiel“ und „Minigeschichte“ sind inhaltlich komplett verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Leitparole „Der Gärtner war’s“. Und so verschieden wie die Altersgruppen der Verfasser sind, so unterschiedlich ist auch das Niveau der einzelnen Beiträge. Will heissen, Spannung und Leselust schwanken etwas je nach Schreibstil des jeweiligen Verfassers.

Doch diese nicht immer ausschliesslich positive Vielfalt sollte Sie nicht davon abhalten lassen, selber über den Gärtner zu lesen, der (angeblich) zerstört statt zu pflegen, giessen und zu düngen, damit sich die erwünschte Blütenpracht einstellt. Und vielleicht lassen Sie sich trotzdem zum Nachdenken anregen durch die "Minigeschichte" über Nacktschnecken und erschrecken über die Folgen von Rasendünger-Missbrauch.


Anette Gräfe (Hrsg.): 
Der Gärtner war’s 
net-Verlag, 2013

9. Oktober 2013

Lucinda Riley: Der Lavendelgarten

Die 30jährige Emilie de la Martinières hat sich erfolgreich eine Existenz als Veterinärin aufgebaut. Doch als ihre unnahbare Mutter stirbt, liegt es an ihr, der letzten Erbin eines alten adeligen Geschlechts, sich um den Nachlass, zu dem auch ein Château in der Provence gehört, zu kümmern. Die Erbschaftsangelegenheiten bringen Emilie trotz grosser Unterstützung ihres Anwaltes an ihre Grenze. Denn die junge Frau verfügt wegen ihrer dominanten Mutter über ein sehr mangelndes Selbstbewusstsein und starke Minderwertigkeitskomplexe. Jahrelang hat ihre verstorbene Mutter, die sich nie für ihre einzige Tochter interessiert hat, über die Verhältnisse gelebt und sich nicht um den notwendigen Unterhalt geschweige denn um Erneuerungen und Investitionen gekümmert. So muss die junge Erbin etliche wichtige und grundsätzliche Entscheidungen betreffend der Immobilien, des Weinguts, der umfangreichen wertvollen Bibliothek und anderer Wertgegenstände fällen.

(Vermeintlich) zufällig lernt Emilie den englischen Kunsthändler Engländer Sebastian Carruthers kennen, der ihr schon bald viele Aufgaben abnimmt. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Emilie richtig verliebt und sie heiratet recht überstürzt. Unkontrolliert lässt sie Sebastian schalten und walten und unterstützt ihn finanziell äusserst grosszügig. Sie folgt ihm sogar nach England, wo sie zusammen mit seinem gelähmten Zwillingsbruder Alex unter einem Dach auf Blackmoor Hall, aber in getrennten Wohnungen, leben.

Mangels anderer Aufgaben bringt Emilie den Garten auf Vordermann und bepflanzt Töpfe mit Winterstiefmütterchen. Und während sie an langen Tagen ungeduldig auf die Rückkehr ihres abwesenden Gatten wartet, der zudem per Handy meist nicht erreichbar ist, beginnt sie bereits an der Richtigkeit ihrer Eheschliessung zu zweifeln. Wäre sie nicht doch besser allein geblieben? Hatte sie nicht schon als Kind herausgefunden, dass man sich nur durch Vermeiden von zu viel Nähe zu anderen Menschen vor Enttäuschungen und Verletzungen bewahren kann?

Sebastian und sein Zwillingsbruder Alex haben ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander und beschränken den Kontakt auf das absolut Notwendige. Wider Erwarten freundet sich aber Emilie mit ihrem Schwager an und beginnt gleichzeitig sich mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen, als sie per Zufall Gedichte ihrer längst verstorbenen Tante Sophia in die Hände bekommt.

Der zweite Erzählstrang spielt in den letzten zwei, drei Jahren des 2. Weltkrieges. Das Vorkommen eines weiteren verfeindeten Zwillingsbruderpaars lässt den Leser falsche Schlüsse aus diesen Parallelen ziehen und die verhängnisvolle Liebe zwischen der jungen blinden Sophia mit einem Deutschen hat Folgen bis in die Gegenwart fünfundfünfzig Jahre später. Emilie entdeckt eine Verbindung zwischen ihrer französischen und Familie und den englischen Vorfahren ihres Mannes aus den Kriegsjahren und erfährt von schrecklichen Vorkommnissen aus der Vergangenheit. Wer ist Sebastian wirklich und welche Ziele verfolgt er? Durch die Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit ihrer Familie wird Emilie erwachsen. Sie lernt endlich Entscheide zu treffen, diese durchzusetzen und selber Verantwortung zu übernehmen.

Die berührenden Erzählstränge sind meisterhaft miteinander verwoben und die Leserin erfährt nebenbei einiges über Spionagetätigkeit im Krieg. Wenn sich auch eine der Schlüsselszenen im Garten abspielt, hat dieser keine grosse Bedeutung im Roman und das Buch kann nicht wirklich als Gartenroman bezeichnet werden. Eine wichtige Rolle in der Erzählung nehmen hingegen die beiden Bände „Die Herkunft der französischen Obstsorten“ von Christopher Pierre Beaumont aus dem Jahr 1756 ein, die zusammen einen geschätzten Wert von etwa fünf Millionen Pfund haben.  



Lucinda Riley: 
Der Lavendelgarten 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

5. Oktober 2013

Stefanie Hauschild: Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten

Die dem Impressionismus zugeordneten Maler haben häufig gleichzeitig eine enge Verbindung zum Garten. Während die einen ihn „nur“ als Motiv und Aussenatelier benutzten, haben andere selber zu Spaten und Hacke gegriffen und für Ordnung und eine farbenfrohe Blütenpracht in den Beeten gesorgt. In dieser üppig illustrierten Publikation führt Stefanie Hauschild die Leser in die Welt der Malerei und Gartenkunst und gibt in neun Kapiteln und der Einleitung Einblick in das Verhältnis zwischen Garten und Malerei der folgenden Künstler:

Auguste Renoir, Berthe Morisot, Edouard Manet, Max Liebermann, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Childe Hassam, Vincent van Gogh, Henri Le Sidaner und Lucian Freud.

Gärten sind einem steten Wandel unterworfen. Sie verändern sich und auch die hier vorgestellten Künstlergärten existieren nicht mehr im Original. Geblieben sind die Kunstwerke, die dauernde Zeugen der einstigen Pracht sind, und mit ihren Farbkontrasten und dem Licht- und Schattenspiel noch heute zahlreiche Bewunderer finden. Mit dem Impressionismus prägten nicht mehr zeichnerische Elemente die Bilder, sondern die Farben. Und wurde bis anhin im Freien höchstens skizziert und dann das Gemälde im Atelier fertiggestellt, trug man nun die Staffeleien in die Natur hinaus und das Werk wurde so gut wie möglich - den Wetterlaunen ausgesetzt - draussen gemalt.

Gleich zu Beginn macht die Autorin klar, dass es jedoch oft nicht leicht festzustellen ist, wo die impressionistischen Gartenbilder überhaupt entstanden sind, da wenig über die Arbeitsweise dieser Künstler bekannt ist. Denn nicht von allen Malern liegen dermassen ausführliche biografische Informationen vor wie etwa von Claude Monet und Max Liebermann. Andere Maler wie Edouard Manet wollten gar nicht zu den Impressionisten gezählt werden, pflegten aber enge Kontakte zu diesen. In ihren Texten gibt Stefanie Hauschild nebenbei auch Informationen über moderne Pflanzen zu Lebzeiten der Impressionisten und man erfährt, dass der monochrome Garten keine Erfindung von Vita Sackville-West ist.

Einer der bekanntesten Künstlergärten wurde von Claude Monet angelegt, der sich stark für die Botanik interessierte. Als es ihm finanziell möglich war, hat er zwar Gärtner eingestellt, aber trotzdem immer auch selber gegärtnert. Nach seinem Tod wurde der Garten in Giverny lange vernachlässigt und erst später mit Hilfe alter Dokumente und angepassten Pflanzplänen wieder rekonstruiert.

Mit dem Maler Gustave Caillebotte, dem Geldsorgen fremd waren und der deshalb nicht auf den Verkauf seiner Bilder angewiesen war, pflegte Claude Monet freundschaftliche Kontakte. Caillebotte stammte aus gutem Haus und widmete seine Zeit hälftig der Malerei und dem Gärtnern. Zu seinem grünen Reich gehörten ein ummauerter Küchengarten, Obstbäume, ein Rosengarten, Blumenbeete und ein Gewächshaus. Der passionierte Künstlergärtner tauschte mit Monet Pflanzen und die beiden besuchten gemeinsam Gartenausstellungen.

Berthe Morisot, die einzige Frau unter den hier vorgestellten Malern, wiederum nutze Gärten in ihren Bildern als idyllische Szenerie hinter Menschen und sie arbeitete bevorzugt im Atelier. Auch Vincent Van Gogh besass keinen eigenen Garten. Seine Motive aus der Gartenwelt hat er in künstlerischer Freiheit „verbessert“, indem er beispielsweise die Wurzelstöcke der Schwertlilien auf den Bildern einfach weggelassen hat. Ganz allgemein sind die Blumen auf den Gemälden oft nur schwer oder gar nicht identifizierbar.

In Europa eher unbekannt ist Celia Thaxter. In den USA hingegen ist ihr Buch „An Island Garden“ mit Gemälden ihres Blumengartens von Childe Hassam wiederholt neu aufgelegt worden. Die besondere Liebe der Hotelierin galt dem Mohn, den sie jährlich in verschiedenen Sorten aufzog: Klatschmohn, kalifornischen Mohn, Islandmohn, türkischen Mohn sowie Schlafmohn. Ihr Garten hatte nur eine Grösse von 15 mal 4.5 Meter und in ihren Beeten hatte sie die Blumen aus praktischen Gründen nach Grösse sortiert. Denn Celia Thaxter malte nicht, ihre kreative Beschäftigung mit Blumen war das Arrangieren.

Im Anschluss an die Lektüre verführen zwei Seiten mit Literaturtipps zum Weiterlesen über Künstler und/oder ihre Gärten. Ich habe mein Monet-Buch, das ich Anfang 2005 anlässlich des Besuchs der Ausstellung „Monet’s Garten“ im Kunsthaus Zürich gekauft habe, wieder einmal durchgeblättert. Sind es tatsächlich schon wieder fast neun Jahre her, seit ich mich dort durchs Publikum gekämpft habe, um einen Blick auf die Seerosenbilder und verschiedene Dokumente rund um den Garten und die Gartengestaltung zu werfen? Und ich lese aktuell endlich Celia Thaxters „An Island Garden“ und bewundere die Bilder des amerikanischen Impressionisten Childe Hassam – ein schönes Buch, das schon viel zu lange ungelesen auf dem Regal gestanden hat.

Das Buch „Gärten im Licht“ ist ein ideales Geschenk für Garten- und Kunstliebhaber und es eignet sich als informativen Einstieg ins Thema Künstler und ihre Gärten. Statt der unbestritten reizvollen (sich aber wiederholenden) Blumenillustrationen hätte ich mir mehr Gartenbilder von den vorgestellten Malern gewünscht.



Stefanie Hauschild: 
Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Oktober 2013

Wolf-Dieter Storl: Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer

Immer wieder liest man über Bemühungen, die Flussufer vom Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) zu befreien und von Rodungen grossflächiger Ausbreitungen von Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis), da diese Neophyten die einheimischen Gewächse bedrohen, sprich deren Lebensräume beanspruchen und diese verdrängen. In seinem Buch „Wandernde Pflanzen“ vertritt Wolf-Dieter Storl die Meinung, dass diese Pflanzen mit Migrationshintergrund als unwiderrufliche Bestandteile unseres Ökosystems akzeptiert werden müssen und begründet seine Ansichten ausführlich. Zwei Punkte sind dabei besonders wesentlich: Diese stillen Eroberer müssen genau kennengelernt werden und man darf nicht vergessen, dass die Natur einem beständigen Wandel unterliegt. Viele dieser Neophyten gehören ausserdem Gattungen an, die in den Eiszeiten aus Mitteleuropa verschwunden sind und sind somit als Spätheimkehrer zu betrachten.

Unterteilt ist das Buch „Wandernde Pflanzen“ in die folgenden Kapitel:

- Pflanzen mit Migrationshintergrund
- Gute Pflanzen, böse Pflanzen
- Die grünen Begleiter der ersten Kolonialisten
- Psychologische Aspekte des Neophyten-Problems
- Die ganz Bösen
- Unerwünschte Gehölze
- Neophyten entlang der Autobahn und im Garten

Neben vielen spannenden Geschichten und beeindruckendem Hintergrundwissen sind in dieser illustrierten Publikation viele ausführliche Pflanzenportraits eingefügt und im Serviceteil finden sich ein Literaturverzeichnis, Internetadressen, Angaben zum Autor und ein Stichwortverzeichnis.

Wie kommt es, dass Pflanzen erst als Bienenweiden begrüsst wurden und nach Jahrzehnten oder sogar nach Jahrhunderten schliesslich als unerwünschte Neophyten auf schwarzen Listen landen und mit aller Macht ausgerottet werden sollen? Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) beispielsweise kam 1814 als Geschenk des russischen Zaren an Fürst Metternich nach Europa und wurde dannzumal von Botanikern bewundert und seine Samen wurden rege getauscht. Johann Wolfgang von Goethe liess eigens ein Podest bauen, damit er die Blüte und den Samenstand genau aus der Nähe betrachten konnte. Heute zählt der Riesenbärenklau zu den meistgehassten Neophyten. Doch ist es tatsächlich sinnvoll, mit dem Festlegen eines willkürlichen Zeitpunktes als Grenze (nämlich das Jahr 1492) zu versuchen, einen Idealzustand festzuhalten oder einen solchen zu erreichen? Die Herausforderungen im Umgang mit Nyophyten sind übrigens kein isoliertes europäisches Problem – andere Kontinente kämpfen mit den gleichen Sorgen, (teilweise) verursacht durch andere Pflanzen. Im Buch wird speziell Südafrika thematisiert.

Die Pflanzenkarrieren solcher Migranten verlaufen nach folgendem Schema: 1. Einfuhr, 2. Etablierung und Anpassung, 3. Invasion sowie 4. Sättigung und biologische Einbindung. Parallel dazu verlauft häufig die Einführung von Parasiten; unbeabsichtigt oder auch gezielt zwecks Einsatz als biologische Waffen. Letzteres hat häufig weitere Probleme zur Folge. Neophyten sind wie die gesamte Umwelt ein Spiegel der Bedingungen auf unserem Planet, geprägt von Klimawandel, intensiver Bewirtschaftung und Verstädterung. Werfen Sie doch beim nächsten Zwangsstopp in einem Stau auf der Autobahn einen Blick auf den Mittelstreifen und beachten Sie die zähe Pflanzenvielfalt, die trotz Hitze, Trockenheit und Salzrückständen gedeiht.

Viele in unzähligen Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden gewachsene natürliche Verbindungen, wie etwa das vom Autor angeführte Beispiel von Prärie und Bisons, sind endgültig zerstört. Bestehen wie Wolf-Dieter Storl vermutet, Verbindungen zwischen Krankheiten und Neophyten? Er hat beobachtet, dass sich als Heilpflanzen eignende Neophyten gerade dort extrem verbreiten, wo sich gleichzeitig Krankheiten ausbreiten, die durch solche bekämpft werden könnten. Und er findet es erstaunlich, dass niemand solche Zusammenhänge, wie den von ihm beobachteten zwischen Borreliose und der Karde (Dipsacus sylvestris) genauer untersucht und fordert ein prinzipielles Umdenken im Umgang mit Neopyhten – diese sollen nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung betrachtet werden.

Hat der Autor recht mit seiner Behauptung, es würden absichtlich horrende Zahlen an Neophyten und durch diese verursachte Schäden genannt, damit Herbizidhersteller profitieren und gleichzeitig mehr Forschungsgelder und Mittel für Umweltämter und Universitäten gesprochen werden? Storl verfügt jedenfalls über ein immenses Wissen und weiss spannende Geschichten zu erzählen. Obwohl er nicht müde wird, seine von Wissenschaftlern grundsätzlich entgegengesetzten Ansichten über die stillen Eroberer zu betonen, erscheinen seine Plädoyers nicht missionarisch, sondern lassen den Leser nachdenklich zurück. Und zwar mit dem leisen Gefühl von (fast) komplettem Unwissen über die Zusammenhänge in der Natur. Eine Erkenntnis, die auch dem Autor nicht fremd zu sein scheint, wenn man seine weisen und liebevollen Schlussbemerkungen liest.

Storl probiert übrigens vieles an sich selber aus und nicht immer gehen diese Eigenversuche positiv aus. Ein Zuviel an Gartenmelde (Atriplex) etwa ist gar nicht gesund.  



Wolf-Dieter Storl: 
Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer 
AT Verlag, 2012

29. September 2013

Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: Blutblume

In der Kleingartensiedlung „Kleinklee“ wird der ermordete Peter Winkler aufgefunden. Der für die Ermittlungen zuständige Hauptkommissar Frithjof Arndt hat eine Abneigung gegen alles Kleinbürgerliche und Pedantische, wozu er auch Schrebergartensiedlungen zählt. Arndt ist verwitwet, unnahbar, kühl wie ein Eisberg und sich selbst meist genug. Er trauert immer noch stark um seine vor bald fünf Jahren auf offener Strasse ermordete Frau und hadert damit, dass dieses schreckliche Verbrechen nie aufgeklärt worden ist.

Schnell zeigt sich, dass keiner der Parzellennachbarn ein gutes Wort über den Verstorbenen zu berichten hat. Letzterer galt als gewalttätiger Herumtreiber und hat weder seinen Garten gepflegt – der Rasen steht fast kniehoch und auch die Gemüsebeete locken keine Erntediebe herbei – noch hat er sich um freundnachbarschaftliche Beziehungen bemüht. Ganz im Gegenteil, der vorbestrafte Pächter Winkler war fast pausenlos betrunken, hat herumgepöbelt und suchte den Streit.

Winkler interessierte sich weder für die Rosenzüchtungen noch für die Staudenbeete seiner Parzellennachbarn. Dafür ergeben die Ermittlungen, dass der Ermordete ein Talent dafür hatte, bei verschiedenen Gärtnern einen wunden Punkt in der Vergangenheit zu finden, mit dem er Geld erpressen konnte. Ganz offensichtlich war der 33jährige Winkler sehr erfolgreich darin, hinter akkurat geschnittenen Hecken in den einwandfrei gepflegten Gärten Unkraut, sprich dunkle Geheimnisse, zu entdecken, während er dem Gemeinschaftssinn und den dazugehörigen Gemeinschaftsdiensten rein gar nichts abgewinnen konnte. Er schreckte auch nicht davor zurück, Gerüchte in die Welt zu setzen, die jeglicher Grundlage entbehrten, aber natürlich dennoch ihren Zweck erfüllten. Wer kauft schon Fleisch in einer Metzgerei, wenn dort anscheinend unsaubere Ware, also Gammelfleisch, verarbeitet wird?

Auf dem Sommerfest in der Kleingartenanlage wurde das Mordopfer zuletzt lebend gesehen. Was geschah zwischen diesem Zeitpunkt und dem Auffinden der Leiche? Offensichtlich wurde durch die Gewalttat die Gemeinschaft unter den Gärtnern zerstört. Kommissar Arndt bekundet nicht nur Mühe mit dem heissen Sommer in Itzehoe, sondern auch mit den Ermittlungen im Schrebergartenmilieu. Nicht nur einmal tritt er auf einen Gartenzwerg und ärgert sich über die anschliessende Tonfigurensterbediskussion.

Den Buchtitel "Blutblume" finde ich eher abstossend. Und völlig übertrieben dargestellt und auch überflüssig finde ich die Figur der schusseligen Frau Bommel, einer Mitarbeiterin aus dem Kommissariat, die eine Katastrophe nach der anderen auslöst. In die Handlung eingeflochten werden ausserdem Geschichten aus dem Privatleben von Kollegen, die teilweise unfertig bleiben.  



Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: 
Blutblume 
Gmeiner-Verlag, 2007

25. September 2013

Hermann Gröne: Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht

Die Aktivitäten des Gartengestalters Hermann Gröne verfolge ich gelegentlich in den neuen Medien und habe auch schon (zugegebenermassen leicht neidisch) in den Berichten, der von ihm begleiteten Gartenreisen gelesen. Mit dem in der Buchreihe „Das Gartenportrait“ der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Titel „Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten“ haben Sofagärtner nun die Möglichkeit, den als Schaugarten genutzten Privatgarten des Autors in Papierform kennenzulernen.

Als zwölfjähriger Junge ist Hermann Gröne regelmässig am Grundstück vorbeigeradelt, das heute in seinem beruflichen und privaten Leben einen wichtigen Platz einnimmt. Über die damalige Gartenbepflanzung erfährt der Leser nichts Genaueres, doch ist davon auszugehen, dass die hohen alten Bäume, die den Garten heute gliedern, schon damals gestanden haben. Rund zweitausend Quadratmeter stehen dem Autor als Experimentierfeld zur Verfügung; inklusive einem annähernd idealen Boden und einem milden Klima. Einen ersten Überblick über die verschiedenen Gartenbereiche gibt der Gartenplan auf der Innenseite des Bucheinbands. In der eigentlichen Publikation bestätigen rund einhundertzwanzig Farbabbildungen die erfolgreiche Umsetzung von Karl Foersters Motto „Es wird durchgeblüht“.

Der Buchspaziergang führt durch die folgenden Bereiche und Kapitel:

- Auf freier Fläche – Sonnig und trocken
- Auf freier Fläche – Sonnig und frisch
- Klassische Staudenbeete – Farben Ton in Ton abgestimmt
- Im Halbschatten - Von Akelei bis Wiesenraute
- Im Schatten - Von Frühlingswundern und Blattschmuckhelden
- Bäume und Sträucher im Staudengarten - Von kleinen und grossen  
  Gehölzschönheiten

Die Kapitel beginnen mit einer Skizze des betreffenden Lebensbereiches und einer kurzen textlichen Einführung, in der auf die Bedürfnisse der entsprechenden Bewohner eingegangen wird. Die Texte sind recht knapp gefasst, aber aus fast jeder Zeile schimmern die Erfahrung und Leidenschaft des Autors durch und es lassen sich verschiedene Kombinationen von Pflanzengemeinschaften entdecken, die auch für Gärten in kleineren Formaten übernommen werden können. Fortgeschrittene Gärtner werden bestimmt die eine oder andere Muss-Haben-Pflanze unter den vielen vom Autor selber aufgenommenen Fotos finden. Allerdings muss man die dazugehörigen Informationen bzw. Bildlegenden manchmal etwas suchen.

In diesem Garten werden Akzente durch Blattschmuck, besondere Blüten, Samenstände und Früchte gesetzt und keine (unnötigen) Deko-Objekte lenken von den harmonisch komponierten Bildern aus Gräsern und Stauden ab. Der Autor baut Gartentipps in die Texte ein („jäten, nicht hacken“) und gibt Hinweise auf trockenheitresistente Pflanzen, besondere Solitäre oder nicht ausläuferbildende Bodendecker - vom kleinen Schattensteinbrech bis zur imposanten Staudenaralie mit kugeligen Samenständen und einer Höhe und Breite bis zweieinhalb Meter.

Ein schöner Lesespaziergang durch verschiedene Jahreszeiten, von dem bleibende Eindrücke und verschiedene Ideen zurückbleiben, wie im Garten das Motto „es wird durchgeblüht“ erfolgversprechend umgesetzt werden kann. Indem man nämlich bei der Pflanzenauswahl die Bedürfnisse der grünen Bewohner gebührend berücksichtigt und die eigenen Vorlieben anpasst oder unterordnet. Interessant wäre es gewesen, in dieser Publikation, in welcher der Gärtner für Text und Fotos aus dem eigenen Garten verantwortlich zeichnet, ein wenig mehr Persönliches zu erfahren – so wie ganz am Anfang des Buches über den zwölfjährigen Jungen.  



Hermann Gröne: 
Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

21. September 2013

Rückblick und (k)ein Ausblick (?)

Bald sind es fünf Jahre (und 500 Posts), dass ich hier im „Sofagarten“ regelmässig Gartenbücher vorstelle. Und damit ist eigentlich der Zeitraum in etwa abgedeckt, den ich dieser Beschäftigung einräumen wollte. Andere Verpflichtungen und Interessen nehmen vermehrt Zeit und Raum ein und gleichzeitig wächst das „Administrative“ rund um den Blog. Zwar habe ich im Lauf der Zeit eine gewisse Routine im Verfassen der Beiträge entwickelt, aber meine Buchvorstellungen sind natürlich nicht in fünf oder zehn Minuten druckfertig formuliert und tatsächlich könnte frau die Zeit auch sinnvoller investieren, indem sie zum Beispiel das Pensum der Berufstätigkeit erhöht und Ende Monat mehr Geld auf dem Salärkonto ist oder sich der beruflichen Weiterbildung widmet.

Mittlerweile ist es oft recht schwierig, die Motivation sowie die richtigen Worte zu finden mit dem Gefühl im Hinterkopf, dass sich gewisse Publikationen halt vom Inhalt her doch recht ähnlich sind oder sogar wiederholen. Und während der Platz auf den Regalen immer mehr zur Mangelware wird, wachsen parallel die Ansprüche der Sofagärtnerin an die Publikationen, die diesen zugeteilt bekommen sollen. Denn zwar schaffe ich es inzwischen ziemlich gut, Ungeliebtes aus dem richtigen Garten draussen zu entfernen oder mit Vernachlässigung zu strafen, derweilen das im Sofagarten nicht so richtig klappt. Das Nichtbeachten führt ja in letzterem im schlimmsten Fall zu Staubwolken, aber eben nicht zu freien (Pflanz-)Stellen. Zuweilen ist das Aufstöbern (sprich googeln nach botanischen Stichworten) von Romanen oder Krimis mit grünen Inhalten tatsächlich spannender als das Buch selber - obwohl die Backlists solcher Publikationen von meiner Seite her ziemlich abgegrast zu sein scheinen.

So ist es nun an der Zeit zu entscheiden, wie es mit der Sofagärtnerin genau weiter gehen soll. Soll ich ganz aufhören oder vielleicht doch nur die Anzahl und den Umfang der Online-Beiträge reduzieren? Kann ich überhaupt noch ein Buch lesen und geniessen, ohne es mit unzähligen Merkzetteln zu dekorieren? Die nächsten Beiträge sind längst vorgebloggt. Es wird also nicht von heute auf morgen hier Funkstille herrschen. Inzwischen nutze ich die Gelegenheit, in diesen Zeilen ein paar Erlebnisse aus den letzten Jahren festzuhalten.

Dass immer wieder aus meinen Beiträgen abgekupfert wurde, habe ich ja schon wiederholt erwähnt und ich möchte nicht weiter mit diesem Thema langweilen. Als eher unfair empfinde ich auch Tweets als Reaktion auf meine Buchvorstellungen (etwa jenen Artikel über ein mehr als zwanzig  Jahre altes Buch), die quasi als eigene Neuentdeckung herumgezwitschert werden – natürlich ohne einen netten Hinweis darauf, woher der Lektüretipp stammt. Ziemlich dreist war auch jene Autorin, die unter meinem Pseudonym meine eins zu eins übernommene Buchvorstellung auf eine Rezensions-Seite gestellt hat, auf welcher nur Originalrezensionen vom Verfasser selber veröffentlicht werden dürfen. Die richtige Verlinkung meines Blogs mit ihrer eigenen Webseite hat sie dann interessanterweise nicht mehr hinbekommen.

Immer wieder haben sich nette und teilweise recht intensive Kontakte aus Buchbesprechungen ergeben, etwa mit Autorinnen, die beim Ego-Googeln auf meine Seite gestossen sind oder mit anderen Bloggerinnen. Und dann wären da noch die Autoren oder denen in irgendeiner Form nahestehenden Personen (so genau weiss ich das ja nicht - man kann oder sollte schliesslich nicht ständig irgendwelche sowieso oft merkwürdigen Statistiken studieren und interpretieren!), die ein vorgestelltes Buch im Blog tagtäglich x-mal anklicken. Vermutlich gefällt ihnen die Vorstellung, dass es permanent unter der Rubrik „Beliebte Posts“ erscheint. Aufmerksam (oder gemein) wie ich bin, wechsle ich dann gelegentlich den Rhythmus der angezeigten meistgesehenen Beiträge oder entferne gleich die gesamte Rubrik für eine Weile. Vielleicht überschätzen diese "Bewunderer" ganz einfach die Reichweite eines kleinen Gartenbuchblogs? Dazu passt jedenfalls, dass genau diese Schreiberlinge sich nie melden und sich freundlich für die Gratis-Werbung bedanken. Nur so nebenbei bemerkt: bei den weitaus meisten Büchern, die ich hier vorstelle, handelt es sich nicht um vom Verlag zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplare.

Harmlos sind die Anfragen, ob man bei mir auch Bücher kaufen kann oder die Nachfragen nach Bezugsquellen. Und dann gibt es noch die unangenehmeren Zeitgenossen, sprich Stalker, die einem erziehen oder auch das Lesen und Vorstellen von (Soft)-Krimis verbieten möchten – diese unerfreulichen Erfahrungen gehören aber definitiv nicht in die virtuelle Öffentlichkeit. Zweifellos ist es sehr interessant, welche Wege bzw. Suchanfragen Interessierte und Nichtinteressierte in den Blog führen und wohl alle ausser die betreffende Person werden nachvollziehen können, dass man als Bloggerin überhaupt keinen Wert darauf legt, dass die eigene Homepage aufgrund irgendwelcher nennen wir es mal "unsauberer" Stichworte bei Suchanfragen gelistet wird und deshalb solche Kommentare ganz sicher nicht veröffentlicht werden.

Was würde ich anders machen, wenn ich nochmals mit Bloggen anfangen würde? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage. Die (relative) Anonymität im www sagt mir nach wie vor zu. Aber vielleicht hätte ich auf die eine oder andere Medienanfrage (z. B. vom Fernsehen) etwas offener reagieren sollen?

Aktuell nicht betroffen von obigen Überlegungen sind übrigens die ausgewählten und gekürzten Buchvorstellungen der Sofagärtnerin, die seit Juli 2013 in Papierform erscheinen. Und zwar in der monatlichen Zeitschrift "Der Pflanzenfreund"  des Gartencenters Meier in Dürnten.

17. September 2013

Katie Fforde: Sommer der Liebe

Aus hortikultureller Sicht beginnt dieser Roman recht vielversprechend mit der Bepflanzung eines Erdbeerbeetes und dem erklärten Ziel, auch eigenes Gemüse anzuziehen. Mit Schaufel und Spaten am Werk ist die alleinerziehende junge Mutter Sian Bishop, die mit ihrem vierjährigen Sohn Rory eben erst von London weg in ein gemietetes Häuschen aufs Land gezogen ist. Es sind noch längst nicht alle Umzugskisten ausgepackt, da macht die Neuzuzügerin bereits die Bekanntschaft ihrer Nachbarin Fiona.

Die beiden Frauen freunden sich rasch miteinander an und Fiona übernimmt eine Art Grossmutter-Stelle in der kleinen Familie. So gewöhnen sich Sian und Rory rasch ans Landleben. Die junge Frau verdient sich mit Möbelrestaurierungen ihr Geld und Rory wird in dieser Zeit ausser Haus betreut. Doch plötzlich droht die Kündigung des neuen Daheims, weil das Häuschen verkauft werden soll. Werden Sian und Rory überhaupt noch Erdbeeren aus dem eigenen Garten pflücken können? Wird die junge Mutter im Herbst bewundern können, wie Tau dem Unkraut weiche Konturen wie glitzernder Samt verleiht? Zudem steht Sian gänzlich unerwartet dem Vater von Rory gegenüber, der das ungeplante Ergebnis einer kurzen leidenschaftlichen Affäre ist.

Die etwas chaotische Fiona ihrerseits, die ihrem Naturell entsprechend verwilderte Gärten mag und selber gerne gärtnert, versucht mit Internet-Dating einen neuen Lebenspartner zu finden. Dabei wird sie, als sie ihre Bauchgefühle und den gesunden Menschenverstand ignoniert, die bei einem ersten Treffen mit einer Bekanntschaft aus dem World Wide Web unbedingt zu beachten sind, quasi in eine Gärtnerei entführt. Freilich liegt das gesuchte Liebesglück vielleicht gar nicht so weit weg.

Dieser Roman gehört in die Kategorie "eher einfach gestrickte Urlaubslektüre" und handelt in der Hauptsache von zwei Frauen, vielen getrunkenen Tassen Tee, etwas viel Hin und Her und zuweilen übertrieben anmutenden Zufällen rund um die Frage, ob in Sachen Liebe eher auf den Verstand oder aufs Herz gehört werden soll. Für Frauen so ab vierzig findet sich auch die eine oder andere Lebensweisheit, wie etwa der Tipp (Zitat) „ich habe versucht, mich davon zu überzeugen, dass gekaufte Kuchen es nicht wert sind, dick zu werden“.

Katie Ffordes Romane (wenigstens die wenigen, die ich gelesen habe) verfügen über eine Happy-End-Garantie. Wenn Sie den Schreibstil der Autorin mögen, sei Ihnen ihr Buch mit dem eher dümmlichen Titel „Im Garten meiner Liebe“ ans Herz gelegt, in welchem die Titelfigur in einem Wettbewerb den ersten Preis gewinnt und für die Chelsea Flower Show einen Garten entwerfen und anlegen darf.



Katie Fforde: 
Sommer der Liebe 
Bastei Lübbe, 2013

13. September 2013

Judith Marcum: The Katherine Gardens

Diese Familiensaga besteht aus drei Teilen (1942 – 1946, 1946 – 1959 und 1960 - 1973) und gibt über drei Jahrzehnte Einblick in das Leben von drei Frauen und begleitet diese durch Höhen und Tiefen, so dass sich die Leserin schliesslich fast selber als Familienmitglied fühlt.

Mitten im zweiten Weltkrieg heiratet die 22jährige Engländerin Katherine den jungen amerikanischen Arzt John Sinclair, mit dem sie bis 1946 mehrheitlich nur in Briefform in Kontakt bleiben kann. Schon in diesen unendlich lang erscheinenden Monaten und Jahren liebt sie es, auf dem Anwesen Hillside ihrer Eltern dem Gärtner über die Schultern zu schauen. Um sich auf ihre künftige Tätigkeit als Hausfrau und Arztgattin vorzubereiten, lässt sie sich nicht nur von der Köchin ins Zubereiten von verschiedenen Gerichten einführen, sondern auch vom Gärtner in grüne und blühende Geheimnisse. Dadurch ist sie neben ihrem Beruf als Lehrerin auch in der Freizeit beschäftigt und hat nicht viel Zeit für trübe Gedanken.

Im Mai 1946 beginnt endlich das gemeinsame Eheleben mit ihrem Mann. Mit Kleidern, Familienfotos, vielen Samen für den künftigen Garten und einem verlesenen Exemplar „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett macht sich Katherine mit dem Schiff auf nach Amerika. Die Ehe mit ihrem Mann entwickelt sich sehr erfreulich und auch von ihren Schwiegereltern wird sie mit offenen Armen empfangen. Allerdings fühlt sich die junge Frau oft einsam. Ihre Zeit füllt sie mit dem Studium von Gartenbüchern, die sie regelmässig in der lokalen Bibliothek ausleiht. Wegen ihrer beiden kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften kann sie sich zunächst nicht wie geplant der Ausführung ihrer Gartenprojekte widmen, sondern muss diese Aufgaben delegieren. Auf dem Briefweg und mit jährlichen Besuchen bleibt sie in engem Kontakt mit ihrer in Europa verbliebenen Familie und die Leserin erfährt hautnah, wie sich die schwierige Versorgungslage in England nur zögerlich verbessert.

So vergehen die Jahre. Man liest über die Entwicklung der beiden Töchter und deren Fortschritte im Tanz- und Pianounterricht. Je grösser die Kinder werden, umso mehr freie Zeit kann sich Katherine freischaufeln. Sie gründet einen Literaturclub, besitzt den einzigen richtigen englischen Garten in Longview und leitet einen erfolgreichen von ihr aufgebauten Gartenkurs am College, aus dem ein beliebter Gartenclub entsteht. Ausserdem erhält sie den Auftrag einen Memorial Garden auf dem Campus anzulegen und baut schliesslich ihr eigenes Garden Design Büro auf, nachdem sie in ihrer Heimat einen entsprechenden Kurs absolviert hat.

Doch längst nicht alles läuft rund in Katherines Familie. Ihre jüngere Tochter Lizzie weist ausgeprägte egoistische Züge auf und 1959 trifft die Familie ein harter Schicksalsschlag. Während die narzisstisch veranlagte Lizzie ihr Ziel verfolgt, ein erfolgreicher Musical-Star zu werden, verlagern sich die Interessen ihrer älteren Schwester von der Musik in Richtung Garten und sie tritt damit in die Fussstapfen ihrer Mutter. Über alle Jahre eng verbunden ist die Familie mit Louise, einer Vollwaise und ehemaligen Schülerin von Katherine.

Die Autorin hat selber Garden Design studiert. Sie ordnet Hillside einen Gertrude Jekyll-Garten zu und auch Beatrix Farrand wird kurz thematisiert. In den Roman eingestreut ist der Verlauf der Weltgeschichte. Nach dem Aufräumen der Kriegsschäden und dem Wiederaufbau verfolgt man die Entwicklung von Theaterstücken und Musicals (Annie, get your gun / Grease usw.) mit und liest über die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King. Die Familienmitglieder wachsen einem während der Lektüre ans Herz, doch über weite Stellen tendiert der Roman etwas zur Langeweile, weil sich viele Jahre im Ablauf sehr ähneln. Trotzdem bleibt man am Schluss des Buches zurück und überlegt, wie die Familiensaga wohl weiter gegangen ist. Ob es eine Fortsetzung geben wird?  



Judith Marcum: 
The Katherine Gardens 
Eigenverlag, 2012

9. September 2013

Martin Suter: Allmen und die Dahlien

Dahlien werden als blühfreudig und ausdauernd geschätzt. Die fast hundertjährige Hotelbesitzerin Dalia Gutbauer hat im Lauf ihres langen Lebens viele Geschenke erhalten und natürlich auch Dahliensträusse, doch keines der Präsente bedeutete ihr so viel, wie das vor sechzig Jahren erhaltene Dahlienbild von Henri Fantin-Latour, das - nebenbei bemerkt - mittlerweile einen Wert von mehreren Millionen Franken hat. Wichtig war und ist ihr nicht in erster Linie der Wert in Franken, sondern die Erinnerungen, die mit dem Gemälde verknüpft sind.

Doch nun ist aus den Räumlichkeiten von Dalia Gutbauers Wohnung in der 4. Etage des in die Jahre gekommenen Schlosshotels genau dieses Kunstwerk entwendet worden. Pikanterweise ist es vor Jahrzehnten ebenfalls durch einen Diebstahl in den Besitz der alten Dame gekommen, nämlich 1958 als kleine Aufmerksamkeit eines damaligen Verehrers, zuvor aus einem ungenügend gesicherten Provinzmuseum entwendet. Eine Anzeige bei der Polizei ist deswegen ausgeschlossen und so soll Johann Friedrich von Allmen, genannt John von Allmen, das Werk wieder beschaffen.

Allmen selber wird von Geldsorgen geplagt und ist deshalb vom Haupthaus der Villa Schwarzacker ins Gärtnerhaus gezogen, wo er zusammen mit Maria Moreno aus Kolumbien und Carlos aus Guatemala in recht beengten Verhältnissen wohnt, aber gewisse Gewohnheiten eines gehobenen Lebensstils weiter pflegt. Zu diesen gehören auch ein Privatchauffeur und ein Ei zum Frühstück. Aber nicht ein einfaches Drei-Minuten-Ei. Nein, zu jedem Wochentag gehört ein in anderer Form zubereitetes Ei – am Montag etwa ein Rührei und am Dienstag Ei im Glas. Allmens beiden Mitbewohner ohne gültige Papiere unterstützen ihn in seinem Job als Privatdetektiv bei „A.I.I.- Allmen International Inquiries“. Und obwohl der Chef den Lohn nur unregelmässig zahlt und nicht bemerkt, wenn er Überstunden verlangt, kann er auf seine loyalen Mitarbeiter zählen.

Die Nachforschungen im Schlosshotel müssen unter Bewahrung äusserster Diskretion stattfinden und so bezieht Allmen ein Zimmer und gibt vor, für eine Versicherung Abklärungen zu treffen. Gleichzeitig beginnt Maria Moreno dort als Zimmermädchen zu arbeiten und Carlos recherchiert zwischen Rasenmähen und anderen zu seinem Job gehörenden Tätigkeiten im Internet. Bei Reinigungsarbeiten im Zimmer des eben verstorbenen Dauergastes Hardy Frey entdeckt Maria ein gerahmtes Foto des gestohlenen Dahlienbildes und es stellt sich die Frage, in welcher Verbindung Dalia Gutbauer und Hardy Frey standen.

Der teure gemalte Blumenstrauss hat immer wieder als Liebesgeschenk für Frauen mit dem „richtigen“ Vornamen gedient und so liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels um ein vogelfreies Kunstwerk denn auch in den Beziehungen und im Umstand, Grosszügigkeit nicht mit Unversöhnlichkeit zu verwechseln.

Ein Suter-Roman rund um ein gestohlenes Dahlienbild passend als Abrundung zur aktuellen Dahlienblüte in den Gärten. Ich bin keine regelmässige Leserin von Martin Suters Büchern, aber an die wenigen, die ich gelesen habe, erinnere ich mich gerne, und sie gehören zu den eher wenigen Titeln auf den Bestsellerlisten, die mit meinem Geschmack übereinstimmen. Ein unaufgeregter Roman in einer unaufdringlichen Spannung, die einem dennoch anzieht. Etwas störend fand ich die vor allem zu Beginn häufigen in den Text eingestreuten fremdsprachigen Worte und kurzen Sätze (deren Bedeutung aber auch ohne Beherrschen der Sprache erraten werden konnte).  



Martin Suter: 
Allmen und die Dahlien 
Diogenes Verlag, 2013

5. September 2013

Karin Standler (Hrsg.): best private plots – Die besten Gärten 2012

Eine wechselnde Jury präsentiert und wählt nach einer Idee und auf Initiative des Büros Karin Standler Landschaftsarchitektur seit 2006 regelmässig im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs die besten privaten Gärten aus. Ziel ist es, innovative Landschaftsarchitekten und –architektinnen zu finden und die Qualität in der Gestaltung von privaten Gärten zu steigern. Mitglieder der Jury 2012 waren Franziska Bark Hagen, Tom Stuart-Smith, Teresa Möller, Stig L. Andersson und Vladimir (Tom) Sitta. Parallel zum anlässlich der Preisverleihung jeweils stattfindenden Symposium erscheint ein Katalog mit den nominierten Projekten.

In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:

- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable

Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.

Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.

Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.

Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.

Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.

Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.

Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.

Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.  



Karin Standler (Hrsg.): 
best private plots – Die besten Gärten 2012 
Team private plots, 2012

1. September 2013

Katrin Tempel: Holunderliebe

In ihrer Freizeit pflanzt, gräbt, hackt und jätet die Geschichtsstudentin Lena Opitz gerne im Garten, der zum Hexenhäuschen ihrer WG ausserhalb von Münster gehört. Sie findet den Duft von Kräutern schöner als jedes Parfum. Doch nicht einmal ihr kleines Paradies vermag heute ihre trüben Gedanken zu vertreiben, denn ihr Professor hat ihren wichtigen Vortrag als ungenügend klassiert und damit die Fortsetzung ihres Studiums an der Uni in Frage gestellt. Auch ihre on-off-Beziehung mit Erik steckt gerade in einer schwierigen Phase. Aber schliesslich rafft sie sich doch noch auf und vertieft sich in der Bibliothek wieder einmal in dicke Wälzer - in der Hoffnung, ihre Semesterarbeit vielleicht doch noch retten zu können.

Als Lena am Feierabend zur Rückgabe der ausgeliehen Bücher aufgefordert wird, entscheidet sie sich ganz spontan und eigenmächtig für die natürlich strikt verbotene Wochenendausleihe einen alten Schinkens, der ihr nützlich erscheint. Unglücklicherweise stürzt sie auf dem Heimweg bei Nieselregen mit dem Fahrrad und das wertvolle Exemplar landet genau wie die Fahrerin auf dem feuchten und dreckigen Boden. Wie soll sie ihr unüberlegtes Handeln nun begründen? Ohne Kommentar zurückgeben kann sie das Buch jedenfalls nicht mehr, denn über die Rückseite geht ein Riss, in dem sogar noch Erde und Gras kleben. Bedrückt zieht Lena ihre Mutter ins Vertrauen. Diese schlägt vor, das Buch einer befreundeten Buchbinderin zur Einschätzung vorzulegen.

Diese Fachfrau entdeckt bei der Entfernung des alten defekten Einbandes ein verborgenes noch älteres Buch. Lena fährt darauf mit dem nächsten Zug in ihren Heimatort, um mit der Restauratorin das weitere Vorgehen zu besprechen. Die alte Schrift entpuppt sich als Gedicht rund um den Anbau von Früchten und Pflanzen von Walahfrid Strabo aus dem 9. Jahrhundert. Steckt in dem Buch tatsächlich eine Sensation? Ziemlich aufgeregt beschliesst Lena, sich vor Ort auf der Insel Reichenau ein Bild zu machen. Vielleicht gibt es dort ja mehr über das Manuskript zu erfahren.

Die Insel befindet sich noch im Winterschlaf. Im restaurierten Kräutergarten des Mönchs und Dichters Strabo entdeckt Lena zwar Eberraute, Poleiminze, Rettich und Marrubium, aber nicht mehr. Doch worum handelt es sich bei dem fehlenden 24. Kraut im Hortulus? Die junge Frau beginnt sich bereits über ihre Spontanität zu ärgern und befürchtet, ihre Zeit besser in die Semesterarbeit investiert zu haben. Da lernt sie den früh verwaisten Simon Linde kennen, der einen Kräuterladen auf der Insel führt, einen grossen Kräutergarten pflegt und über ein immenses Wissen über Heilpflanzen verfügt. Und die Studentin ahnt nicht, wie stark ihr Schicksal bereits in der Vergangenheit mit dem des jungen Mannes verbunden war.

In der Parallelerzählung des zweiten Lesestrangs wird der Leser ins Mittelalter geführt, als der im Krieg schwer verletzte Krieger Thegan sich im Kloster auf der Bodenseeinsel, die damals noch Sintlasau geheissen hat, erholt. Er freundet sich mit dem noch jungen Mönch Walahfrid Strabo an und beginnt diesem im Garten zur Hand zu gehen, um von seinen traumatischen Erlebnissen Ablenkung zu finden. Gemeinsam pflanzen sie die geheimnisvollen Samen, die Thegan von einem maurischen Medicus erhalten hat, und rätseln darüber, welcher Teil des „Ambrosia“ genannten Gewächses als Heilmittel verwendet werden kann und führen auch Selbstversuche durch.

Gegen Ende der Lektüre kommt noch ein kurzer dritter Erzählstrang dazu, der Lena zu ihren bis anhin gänzlich unbekannten Wurzeln führt und in der Folge schliesslich die Weichen für ihre Zukunft in eine andere Richtung stellt. So ganz nebenbei erfährt der Leser in diesem Roman – einer Vermischung von Dichtung und Wahrheit - einiges über Kräuter und ihre Wirkung. Etwas Mühe hatte ich mit der Verknüpfung der beiden Parallelerzählungen aus der Gegenwart und dem 9. Jahrhundert. Lena fällt nämlich immer wieder in einen seltsamen Tiefschlaf und in ihren Träumen und Visionen kann sie eben jene Dinge sehen, die vor rund 1'200 Jahren geschehen sind. Im Nachwort hat die Autorin Erklärungsversuche zusammengetragen, um welche Pflanze es sich bei der Ambrosia handeln könnte, aber vorher erfährt man noch, was es mit dem Buchtitel "Holunderliebe" für eine Bewandtnis hat.

Die Insel Reichenau ist von hier aus in weniger als einer Stunde erreichbar und ich war schon wiederholt dort. Der Roman erinnerte mich an vielen Stellen an unseren noch gar nicht lange zurückliegenden Ausflug dorthin, als wir an einem heissen Samstag mit Mietvelos kreuz und quer an Gewächshäusern vorbeigeradelt sind und in einem zweckentfremdeten zu Mittag gegessen haben. Wir waren auch auf der Hochwacht und haben bestimmt auch die Bucht passiert, an der sich Thegan immer wieder mit seiner Hemma getroffen hat.  Und selbstverständlich haben wir auch einen Blick in den sagenumworbenen Kräutergarten von Strabo geworfen.



Katrin Tempel: 
Holunderliebe 
Piper Verlag, 2013

29. August 2013

Dorothy Cannell: Auf dem Holzweg

Die adoptierte Pastorentochter Tessa wurde als Baby in einem Weidenkörbchen vor dem Pfarrhaus aufgefunden. Schon seit längerer Zeit möchte die junge Frau unbedingt das Rätsel ihrer biologischen Herkunft lösen. Durch ihre Opferrolle in einem gemeinsam mit Harry geplanten fingierten Überfall findet sie Aufnahme auf dem alten Familiensitz aus Cotswoldstein der Familie Tramwell. Zwei alte Damen kümmern sich hinter efeubewachsenen Mauern hingebungsvoll um Tessa, während diese hofft, inkognito näheres über ihre Mutter herauszufinden. Da ihr Adoptivvater noch lebt, interessiert sie sich mehr für die Mutter als für den Vater.

Während Tessa also ihren erfundenen Gedächtnisverlust auskuriert, spitzt sie ihre Ohren und schnüffelt herum. Sie findet schnell heraus, dass mehr als nur ein Dorfbewohner ein kleines Geheimnis zu verbergen versucht. Doch sie muss während ihrem Aufenthalt bei den Tramwells auch immer wieder an ihren detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Und als in unmittelbarer Nähe ein Mord passiert, sucht sie zusätzlich auch gleich noch einen Mörder. Doch wer führt hier eigentlich wen hinters Licht und wer betrügt wen? Kompliziert ist auch das Verhältnis zu Harry, Tessas geheimen Liebe.

Auf den Holzweg geführt wurde ich, als ich mir dieses Buch aufgrund verschiedener Empfehlungen in englischen „Garden-Mysteries-Listen“ vor längerer Zeit zugelegt habe. Wie und warum es „Down the Garden Path“ in solche Empfehlungen geschafft hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, ausser diese beruhen ausschliesslich auf dem englischen Originaltitel. Zwar tragen die beiden Tramwell-Damen die blumigen Namen Hyacinth und Primerose und kümmern sich aus Geldnot selber um den Garten. Dann wird einmal ein ausgedehnter Garten erwähnt, der über bemooste Stufen erreichbar ist, es gibt Rosen in allen möglichen Farben, Schattierungen und Formen, zartbunte Blumenbeete und der Rasen ist zu weichem Plüsch geschoren. Viel mehr aus dem hortikulturellen Bereich gibt es aber nicht festzustellen. Ob beim Übersetzen wohl einige botanische Stellen weggelassen worden sind?

Das Buch lebt vom komisch-englischem Humor und dem skurilen Verhalten der beiden alten Damen, die ihren ganz eigenen Regeln folgen. So besitzen etwa beide keinen Führerschein und verwenden aus Pietätsgründen denjenigen der längst verstorbenen Mutter. Zuweilen etwas verworren sind auch die Gedankengänge der Ich-Erzählerin Tessa.




Dorothy Cannell: 
Auf dem Holzweg 
Argument Verlag, 1994

25. August 2013

Karin Standler: Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa

In dieser Publikation lädt Karin Standler den Leser ein auf eine Entdeckungsreise kreuz und quer durch eine Auswahl botanischer Gärten in Europa. Kriterien für die Aufnahme der vorgestellten Institutionen in die Publikation waren spezielle Konzepte, die historische Bedeutung oder besonders beachtliche Sammlungen.

Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.

Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.

In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.

Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.

Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.  



Karin Standler: 
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013


(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad

21. August 2013

Evelyn Düll: Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps

Als Tom nach einem Weinfest mit seiner Schwester Sabine mit dem Velo nach Hause fährt, ahnt er nicht, dass eine seltsame Beobachtung auf einem vorbeifahrenden Laster voller Gräserschnitt und anderen Gartenabfällen, die er bei diffusem Licht in der Abenddämmerung macht, sein Leben in den nächsten vierzehn Tagen in ein spannendes, aber auch überaus gefährliches Abenteuer verwandeln wird.

Seit seinem Studiumabschluss vor einigen Monaten sucht der sechsundzwanzigjährige Tom Sauer erfolglos einen Job. Die Region um die Grossstädte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg lässt ihn nicht los und diese Inflexibilität in Sachen Mobilität wirkt sich negativ auf seine Stellensuche aus. Immerhin verdient er als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung mit Texten ein wenig Geld. Nichtsdestotrotz ist er inzwischen recht frustriert und sein Selbstbewusstsein schwindet. Und nun führt die nächtliche Beobachtung, die er zunächst als Einbildung abgetan hat, auch noch zu wiederholten schrecklichen Alpträumen.

Mit Hilfe seiner Schwester findet Tom heraus, dass der Laster aus jener Nacht aufgrund des Logos einer Gärtnerei vor den Toren der Domstadt Speyer gehört und er erinnert sich, kürzlich in der Zeitung ein Stelleninserat derselben gelesen zu haben. Spontan beschliesst er, sich dort zu bewerben. Seine Trägheit der letzten Wochen ist mit einem Mal wie weggewischt und er möchte den ausgeschriebenen Job unbedingt erhalten, um dort persönlich Nachforschungen anstellen zu können. Sein Vorstellungsgespräch bei der etwas überfordert wirkenden Junior-Chefin Elfi Landgraf beginnt nicht gerade vielversprechend, doch er schafft es, eine Praktikumsstelle zu ergattern und er erfährt gleichzeitig, dass der Inhaber der Baumschule Landgraf seit vier Tagen spurlos verschwunden ist.

Toms eher dilettantischen Schnüffelaktionen bleiben nicht lange unbemerkt und er sieht sich gezwungen, Elfi seine wahren Motive für sein Interesse am Betrieb zu offenbaren. Er hat aber bereits herausgefunden dass der verschwundene Besitzer, der hobbymässig Rosen züchtet, nicht besonders beliebt ist und das Schnittgut einer Drachsensicheltanne ist eine Spur, der Tom nachgeht. Ausserdem hat er inzwischen sein Interesse fürs Grünzeug entdeckt. Plötzlich hat nicht mehr seine Schwester Sabine, die Biogärtnerin auf Öko-Trip, den grünsten Daumen in der Familie Sauer, sondern Tom eifert ihr nach.

Der Baumschulbetrieb scheint das Unglück anzuziehen. Neben dem Verschwinden des Chefs ereignen sich ein schwerer Unfall beim Schreddern und ein tödlicher Verkehrsunfall und damit ist die Serie an mysteriösen Todes- und Unglücksfällen noch nicht abgeschlossen.

Die Autorin und Diplom-Ingenieurin Gartenbau Evelyn Düll bettet in diesen Krimi mit etwas gar vielen Unglücken auf rund 180 Seiten fast unzählige Gartentipps ein - beispielsweise zu den Themen Erde aus Klärschlamm, Düngung, Bonsais, Rosenzucht, Teichbau, Gift, Schnecken und Kompostieren. Besonders gefallen hat mir, an einzelnen Buchstellen an unseren letztjährigen Aufenthalt in der Gegend dieser Erzählung erinnert zu werden.



Evelyn Düll: 
Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps 
Eigenverlag, 2012

17. August 2013

Elsemarie Maletzke: Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks

Haben Sie Lust auf einen angenehmen Lesespaziergang durch Gärten und Parks? Vielleicht auf einer bequemen Bank im kühlen Schatten eines Baums sitzend? Der Garten und die Sehnsucht nach dem verlorenen Eden waren schon immer ein beliebtes Thema für Dichter und Schriftsteller. Und so führt die Herausgeberin Elsemarie Maletzke in diesem Buch in sechs Kapiteln durch verschiedene Gärten und Parks in unterschiedlichen Jahrhunderten und steuert jeweils am Kapitalanfang eigene Gedanken bei.

Gegliedert ist die grosszügig mit Gemälden und Fotos illustrierte Publikation mit Texten von Bettina von Arnim über Christian Morgenstern und Walahfrid Strabo bis Caroline Wolzogen in die folgenden Abschnitte:

- Formale Gärten
- Englische Landschaftsgärten
- Kraut und Rosen
- Geliebte Bäume
- Willkommen und unerwünscht
- Jenseits der Gartenmauer

Wer hat wohl als Erster Rosen neben Lauch gepflanzt? Mit dieser Frage beginnen die einleitenden Sätze zum Kapitel „Formale Gärten“, in dessen Beiträgen hernach Eduard Möricke in ein Labyrinth, Karl-Philipp Moritz auf einen Ausflug nach Vauxhall und Heinrich Heine in die Tuilerien einladen. An anderer Stelle plaudert Karel Câpek über das Gefühl von Freiheit beim Laufen über Wiesen und welchen Einfluss auf den Charakter und die Weltanschauung diese Möglichkeit eröffnet, während er im „Gebet eines Gärtners“ seine Anweisungen für die perfekten Niederschlagsmengen in höhere Sphären weitergibt.

Johann Peter Hebel wiederum macht sich in einem engagierten Plädoyer für Maulwürfe stark. Er räumt mit Hilfe von detaillierten und eher unappetitlichen Details zum Mageninhalt derselben mit Vorwürfen auf, die den Insektenfresser als Wurzelfrevler verdammen. Der Nicht-Gärtner Gerald Durech seinerseits verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Schnecken und glaubt, diese auch lieben zu können, wenn sie seine Pflanzen fressen würden. Er ist sogar der Meinung, es sei eine Ehre, wenn sich welche im Garten tummeln. Na ja, es gibt erfreulichere Ehrbezeugungen. Mehr Verständnis bringt die Sofagärtnerin für die 76jährige Sidonie Colette auf, die eine eine Einladung ihres Schwiegersohnes ausschlägt, weil sie das unmittelbar bevorstehende Ereignis einer nur alle vier Jahre aufgehenden rosa Blüte an ihrem Kaktus nicht verpassen will.

Johann Christoph Heppe stellt verschiedene Gehölze von der Aalkirsche bis zur Quitschbeere und von der Hagebuche bis zum Machandel (Wacholder) vor, während Jane Austen auf die lästigen Seiten von Gemüsegärten hinweist, zu denen sie das Verfaulen der Vegetation, speziell von Kohlgewächsen im Oktober, zählt. Weiter liest man über Heilige Hallen (den ältesten deutschen Buchenwald), die architektonischen Narreteien namens „Follies“, von mit Ölfarbe angestrichenen Gebirgen aus Brettern und erfährt, dass die Anlagen von Wörlitz als Hintergrund für Goethes Wahlverwandtschaften dienten. Und derweilen in einem 1897 in der „Gartenwelt“ publizierten Artikel die Rede ist von der Vollkommenheit der Natur und von gelb blühenden Wiesen geschwärmt wird, weist die Herausgeberin auf die ausgeklügelten Strategien von Ranunculus und Co. hin, die schon manchen Gärtner an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

In „Willkommen und unerwünscht“ erfährt der Leser ein wenig über die persönlichen Vorlieben und Abneigungen von Elsemarie Maletzke selber. So missfallen ihr beispielsweise Eisbegonien und Heidekraut. Sie rät jedoch gleichzeitig, nie die Pflanzen anderer Gärtner zu beleidigen. Schliesslich lässt sich über Geschmack nicht streiten und sie vermerkt zugleich, dass der Natur aber tatsächlich nicht alle Blumen gleich gut gelungen sind.  



Elsemarie Maletzke: 
Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks 
Gerstenberg Verlag, 2013

21. Juli 2013

Andreas Séché: Namiko und das Flüstern

Der für den Leser namenlose Ich-Erzähler sitzt traurig, wehmütig und gleichzeitig glücklich als 48jähriger auf seinem Sofa mit dem Namen „Herr Matthau“ und schreibt seine Erinnerungen an die intensive, aber zeitlich begrenzte Zeit mit Namiko nieder. Gleichzeitig denkt er nach über den Sinn von Koans, kleinen tückischen Texten, die einem das Leben schwer machen und zu deren Verstehen, das Bauchgefühl wichtiger ist, als das, was der Verstand meint.

Eine Japan-Reise – er, der deutsche Reporter, soll einen Artikel über die Gärten von Kyoto schreiben - hat vor knapp zwei Jahrzehnten sein Leben grundlegend verändert. Der Journalist und Buchliebhaber verliebte sich damals in die Studentin Namiko, die ihn schon bei der ersten Begegnung in einem Garten fasziniert und unweigerlich in ihren Bann gezogen hat. Das Kennenlernen beginnt mit der Übersetzung des Gartens und dem Erklären der Geheimnisse hinter den japanischen Schriftzeichen. Geheimnisse spielen überhaupt eine wichtige Rolle im Leben des Journalisten. Doch während solche in seiner früheren Beziehung mit Eva einen negativen Beigeschmack hatten und ein Synonym für Heimlichkeiten waren, bedeuteten Geheimnisse für Namiko, den anderen in etwas einzubeziehen, in dem man dem Gegenüber die Augen für Unbekanntes öffnet. Der Reporter lernte auf diese Weise Dinge und die Umwelt aus einer anderen Sichtweise zu betrachten und dass es bei Speisen nicht nur auf den Geschmack ankommt, sondern auch darauf, wie sich diese im Mund anfühlen.

Dem Erzähler bietet sich also unvermittelt die Möglichkeit, einen anderen als den scheinbar geplanten und vorgegebenen Lebensweg in Deutschland weiterzuverfolgen und damit steckt er gleichzeitig in einem Dilemma. Zukunftsängste kommen auf, Zweifel und Respekt vor dem Kulturwechsel, doch auch Gedanken an die als verschwendet empfundene Lebenszeit in der früheren Partnerschaft spielen eine Rolle. Was hält ihn eigentlich in Hamburg? Ist sein Job mit einem Chef, der Berichte über Prominente mehr schätzt als Texte mit Tiefgang nicht austauschbar? Wie soll er sich entscheiden?

Derweilen bekommt der Leser Einblick in die Unterschiede der japanischen und europäischen Kultur und lernt ebenfalls andere Denk- und Sichtweisen kennen. Wozu im Dunkeln Feuerzeug benützen, wenn man auch mit den Ohren sehen kann? Nur was man nicht kann, kann man lernen und ist Neues nicht immer Altes mit anders zusammengesetzten Zutaten? Ist es vielleicht tatsächlich so, dass ein Paar, das eine rege Kommunikation pflegt, Probleme hat? Und schliesslich kann ein Weg, der sich als Irrweg erweist, ja auch wieder verlassen werden.

In die berührende, melancholisch angehauchte Lektüre eingestreut sind immer wieder Andeutungen auf den folgenden Schicksalsschlag, der den Leser aber wie den Journalisten schliesslich doch völlig unvorbereitet trifft, letzteren aber den Wert des Gewesenen schätzen lernt.

Ausgezeichnet in den Sofagarten passt das traurig-schöne Buch wegen seinem ausgeprägten hortikulturellen Hintergrund, der dem Leser nebenbei auch noch die japanische Gartenkultur näher bringt. Namiko selber verbringt mehr Zeit in Gärten als mancher Gärtner und arbeitet als Touristenführerin in solchen. Der Ich-Erzähler wiederum wird vom Schwiegervater in die japanische Gartenkunst eingeführt und lernt das Setzen von Pflanzen, Schneiden von Bäumen, das wirkungsvolle Arrangieren von nicht-pflanzlichen Materialien wie Steinen und Laternen, das Verwenden von Sand als Symbol für Wasser und dass ein sprudelnder Bach, eine Metapher für den Lauf des Lebens ist – wohin fliesst er oder es?

Mit dieser inspirativen Buchempfehlung – einem Tipp aus der Leserschaft - verabschiede ich mich in die Sommerpause und wünsche allen Leserinnen und Lesern einen erspriesslichen (Lese-)Sommer!  



Andreas Séché: 
Namiko und das Flüstern 
Ars Vivendi Verlag, 2011

17. Juli 2013

Elizabeth Loupas: Die Blumenleserin

Edinburgh im Jahr 1560: Die siebzehnjährige Rinette von Granmuir lebt seit drei Jahren gegen ihren Willen am königlichen Hof. Sie vermisst das Landleben, das Meer und ganz besonders die Blumen aus ihrer Heimat. Nun liegt ihre Ziehmutter, die Königin Marie de Guise, im Sterben und vertraut ausgerechnet ihr eine Silberschatulle mit Briefen und Prophezeiungen an. Rinette soll diese deren Tochter Maria Stuart übergeben, und zwar genau an dem Tag, an dem diese wieder schottischen Boden betritt. In der Zwischenzeit soll die junge Frau die Schatulle samt Inhalt an einem geheimen von der Königin bestimmten Ort verstecken. Doch bevor Rinette ihr widerwillig gegebenes Versprechen einlösen kann, muss sie Hals über Kopf vom Hof fliehen, da nach dem Tod der Königin ein Streit zwischen verfeindeten Adeligen um Rinette und Granmuir entbrennt.

Erst ein Jahr später kehrt Rinette hochschwanger zusammen mit ihrem Mann Alexander Gordon an den Hof zurück, um die Dose endlich am von der Königin gewünschten Ort zu verstecken und schliesslich der achtzehnjährigen Regentin Marian Stuart zu übergeben. Doch noch am gleichen Tag, gerade als das Ehepaar eben die Schatulle versteckt hat, wird Rinettes Mann und Jugendliebe Alexander ermordet und sie selber stirbt beinahe bei der Geburt ihrer Tochter.

Jedermann scheint hinter der silbernen Dose her zu sein – die Protestanten, die Katholiken und die Hugenotten. Während sich Rinette nur ganz langsam erholt, versuchen verschiedene verfeindete Lager an die Schatulle heranzukommen und die junge Frau muss erfahren, dass ihr eigener Mann die Dose hinter ihrem Rücken zum Verkauf angeboten hat. Schliesslich schliesst Rinette mit der neuen Königin einen Pakt: sobald Maria Stuart ihr Alexanders Mörder präsentiert, übergibt sie im Gegenzug die silberne Schatulle. Ausserdem wird Rinette zu keiner von ihr ungewünschten Hochzeit gezwungen.

Mördersuche ist keine leichte Aufgabe für eine Hofdame, die ständig unter Beobachtung steht. Und wenn als einziger Anhaltspunkt ein Rubin aus der Mordwaffe dient, vereinfacht dies die Sache auch nicht. Wem gehört der Dolch mit dem fehlenden Rubin? Wer hatte einen Nutzen an Alexanders Tod? Und welche Rolle spielt Nicolas de Clerac, der ihr fast wie ein Schatten folgt?

In diesem fiktiven in Ich-Form erzählten Roman um die junge Maria Stuart sucht Rinette immer wieder Rat bei den Blumen und hält grosse Stücke auf ihre geliebten Anemonen. Während von Pflaumenbäumen Zuneigung, Treue und Loyalität ausgeht, erfährt sie von den Menschen Zurückweisung und gerät immer wieder in die Mühlen von geheimnisvollen und heimtückischen Intrigen. Und ausgerechnet in ihrer schwersten und bittersten Zeit versagt ihre Gabe der Blumenkommunikation.  



Elizabeth Loupas: 
Die Blumenleserin 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012

13. Juli 2013

Arthur Escroyne: Der Killer im Lorbeer

Rosemary ist die stolzeste Blume im Garten des 36. Earl von Sutherly, einem leidenschaftlichen Gärtner und guten Koch mit finanziellen Problemen, der seine Verlobte als Schwertlilie mit scharf gezähnten Blütenblättern sieht. Rose ist nämlich Detective und das Paar bewohnt die letzten drei (noch) nicht einsturzgefährdeten Zimmer einer Burg, eher Ruine, deren Eingangstor sich nach dem Erklimmen von ebenfalls nicht ganz ungefährlichen 106 Treppenstufen vor einem auftut.

In seinem Garten ist der Earl in seinem Element und er weiss, dass das Zusammenspiel von Pflanzen, Insekten, Klima und Menschen ein hochkomplexer Thriller ist. Also mindestens so kompliziert wie die Fälle, die seine Rosy zu lösen hat. Auf seinem Falkenhorst befinden sich ein kleines Topiary und Formentheater, eine Buckelwelt aus stufenförmig und rund geschnittenen Sträuchern, immergrüner Königslorbeer in Spiralform und ein Buchentor. Auch weniger Formelles gibt es zu bewundern, wie etwa ein Rosarium, Adonisröschen, kriechender Günsel, Tausendschön und gefleckter Aronstab.

Die Grundlage – Erde – musste vor Jahrhunderten mühsam heraufgeschafft werden, ehe überhaupt an die Anlage eines Gartens gedacht werde konnte, der inzwischen schon so manches Ungemach wie Kartoffelfäule sowie Junikäfer- und Heuschreckenplagen überstanden hat. Aktuell wütet ein noch zu identifizierende Killer im Lorbeer und macht dem passionierten Hobbygärtner das Leben schwer. Fassungslos schaut der gelernte Werbegrafiker auf die Katastrophe, die ein Parasit in seinem heissgeliebten Lorbeet anrichtet und sucht auf Anraten von Rosy Lösung für seine Probleme in „Dr. Merediaths Standardwerk“. In einem ersten verzweifelten Versuch probiert er, dem Feind mit Paraffinöl und Spülmittel sowie Brennnesseljauche beizukommen.

Derweilen ermittelt Rosy im Mord an der Studentin Gwendolyn Perrys, die tot in einem Buchsbaumlabyrinth aufgefunden worden ist. Das Mordopfer war kürzlich in einen tragischen Unfall verwickelt, als dessen Folge ein kleines Mädchen schwer verletzt wurde und für immer behindert bleiben wird. Auch der Earl, der die Leute in seiner Umgebung gerne mit Pflanzen vergleicht, wird als Zeuge befragt. Er beschreibt eine gesuchte von ihm gesehene Person, als „Moos“, nämlich jemanden, der unauffällig und erdnah ist und seine Verlobte ist begeistert angesichts der präzisen Angaben.

Innert vierundzwanzig Stunden ist die Hälfte des Lorbeers befallen. Die Polizistin rät zu schärferem Geschütz, während der verzweifelte Gärtner bereits mit dem Gedanken spielt, die Pflanzen aufzugeben. Da finden die beiden direkt vor ihrer Haustüre eine zweite Leiche. Während Rosie herausbekommt, dass das erste Opfer ein Verhältnis mit seinem Tutor hatte, entschliesst sich der Earl, ansonsten die Sanftheit in Person, sämtliche Skrupel beiseite zu schieben und den Lorbeer keinesfalls kampflos aufzugeben. Beide sind also hochmotiviert auf der Jagd nach ihrem eigenen Killer.

Nach der Lektüre bleiben für die Leserin verschiedene Fragen offen. Ist das Buch (teilweise) autobiografisch? Der Ich-Erzähler dieses Romans, der in zwei Ebenen erzählt wird, heisst gleich wie der Autor, übt den gleichen Beruf aus und ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Gärtner. Das Buch soll aus dem Englischen übersetzt worden sein, es finden sich aber keine Hinweise zum englischen Titel. Na ja, vielleicht ist der gar (noch) nicht erschienen oder ich habe schlicht und einfach etwas verpasst bzw. überlesen. Lesenswert ist das Buch mit zwei überaus sympathischen und etwas schrulligen Hauptcharakteren auf alle Fälle und der hortikulturelle Hintergrund ist auch bemerkenswert.  



Arthur Escroyne: 
Der Killer im Lorbeer 
Pendo Verlag, 2013

9. Juli 2013

Christiane Lind: Das Haus auf der Blumeninsel

Die Engländerin Laura ist ihrem Mann Fabian vor ein paar Jahren nach Deutschland gefolgt. Die junge Gartengestalterin liebte es, Gartenprojekte zu realisieren und hat sich einen anspruchsvollen Kundenstamm aufgebaut. Doch seit Fabian vor einem Jahr tödlich verunfallt ist, gleicht ihr Leben einem Trümmerhaufen und die junge Frau quält sich durch die Tage und lebt mit Schuldgefühlen. Ihre Schwester überzeugt sie schliesslich, ein paar Wochen auf Madeira zu entspannen, wo die Familie ein kleines Haus besitzt. Zunächst eher widerwillig stimmt Laura diesem Vorschlag zu.

Zur Einstimmung auf den geplanten Aufenthalt auf der Mittelmeerinsel blättert sie wieder einmal das alte Buch „Die Blumen Madeiras“ von Amelia Woolf , einer entfernten Verwandten durch. Es beeindruckt durch Blumenbilder in intensiven Farben und zarten Skizzen aus verschiedenen Perspektiven. Laura liebt dieses Buch seit Kindheitstagen und hat sich dank dieser Publikation für Blumen und Pflanzen zu interessieren begonnen, was schliesslich ihre Berufswahl beeinflusst hat. Plötzlich verspürt Laura Lust, mehr über diese verwandte Blumenmalerin herzauszufinden, von der sie fast nichts weiss. Vielleicht ist die Reise nach Madeira doch keine so schlechte Idee?

Kaum hat sich Laura im Häuschen auf Madeira eingerichtet, trifft Grace ein, eine entfernte Verwandte, die ebenfalls in dem Häuschen wohnen will und die Verfügbarkeit der Immobilie nicht über die Vermittlungsagentur abgeklärt hat. Die beiden Frauen kennen sich nur flüchtig von Familientreffen, doch Laura lädt die ältere Frau spontan ein, im zweiten Zimmer zu wohnen. Rasch kommen sich die unterschiedlichen Frauen näher und führen immer vertrautere Gespräche, in denen sie sich gegenseitig öffnen. Laura kann ihre Schuldgefühle offenbaren und spricht zum ersten Mal über den heftigen Streit, der Fabians Unfall vorausgegangen ist und Grace, die als kleines Mädchen von ihrer Mutter verlassen worden und unter der Fuchtel einer gefühllosen Grossmutter aufgewachsen ist, spricht über ihre Verliebtheit zu einem Architekten, die sie spontan nach Madeira hat fliehen lassen. Auch die gemeinsame Herkunft ist Thema der abendlichen Gespräche. Doch während Laura ein grosses Interesse an der gemeinsamen Familiengeschichte entwickelt, die sie vom eigenen Kummer ablenkt, möchte Grace die Vergangenheit ruhen lassen.

Gleichzeitig lernt Laura den Fotografen Matthew kennen, der auf der Insel Blumen fotografiert. In einer Neuausgabe von Amalia Woolfs Blumenmalereien sollen seine Fotografien den gemalten Bildern gegenübergestellt werden. Doch was hat es mit den Gerüchten auf sich, die besagen, dass Matthew seine spurlos verschwundene Frau umgebracht haben soll?

Der Roman "Das Haus auf der Blumeninsel" wird in verschiedenen zeitlichen Strängen erzählt und die Autorin baut geschickt Spannung auf, bis sich am Ende der Lektüre das Rätsel um die familiären Verwicklungen löst. Zum Inhalt gehört das erdrückende Leben hinter den mächtigen Mauern von Trystayns Manor, einem Herrenhaus in Cornwall mit einem einzigartigen Garten an exponierter Lage in der Nähe von Klippen, aber auch um Lügen, Intrigen und herzlosen zu keiner Liebe fähigen Frauen. Dem gegenüber stehen die Blumenmalerin Amalia, die das Blau der Jacaranda-Bäume, Gärten und Gewächshäuser liebte, erwartungs- und gefühlvolle Briefe an ihre ungeborene Tochter schrieb und trotz tragischer Verluste wunderbare Bilder malte und um Emma, die ihrerseits Aquarelle malte und ihrer Tochter Grace anstelle von Gute-Nacht-Geschichten von Orchideen und anderen exotischen Pflanzen vorschwärmte.

Ein Roman, der einen mitleiden, aber auch mitfreuen lässt und in Gedanken in die Ferien auf die Blumeninsel Madeira und nach Cornwall schickt. Allerdings hatte ich zu Beginn der Lektüre etwas Mühe, mir die verschiedenen Frauen und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu merken. Eine Stammbaum oder kurze Erklärung wäre sehr hilfreich gewesen. Doch lesen Sie selber, was für Auswirkungen der Madeira-Aufenthalt auf Lauras Leben hat!



Christiane Lind: 
Das Haus auf der Blumeninsel 
Knaur Taschenbuch, 2013

5. Juli 2013

Elsemarie Maletzke (Hrsg.): Leidenschaftliche Gärtner

Unter dem Titel „Leidenschaftliche Gärtner“ hat Elsemarie Maletzke ein weiteres Potpourri an ausgewählten Gärtnergeschichten der Literatur veröffentlicht. Und zwar solche, die zumeist nicht bereits wiederholt in entsprechenden Anthologien aufgetaucht sind. Die Auszüge aus verschiedenen Büchern und einzelne Gedichte sind nach den folgenden Begriffen geordnet:

- Lieblingsgärten
- Leidenschaftliche Gärtner
- Passionsblumen
- Gärtner auf verlorenem Posten

Die Herausgeberin selber hat einen Beitrag mit dem Titel „Heiliger Rasen“ verfasst, der vom schweren Vergehen des Betretens von perfekt gepflegten und getrimmten universitären Grünflächen handelt. Sie verrät, wie die raffinierten temporären Streifen- und Schachbrettmuster – nichts anderes als ein Lichtspiel – zustande kommen, die man im Fernsehen täglich während irgendwelchen Fussballmatchs auf solchen Feldern bewundern kann. Der richtige Mäher (Spindelmäher) macht’s. Der köpft nämlich nicht nur taufrische Halme, sondern legt diese mit der Walze auch gleich in Fahrtrichtung um.

Weiter liest man über die Verpflanzungsaktionen von riesigen Bäumen des Fürst Pückler-Muskau und dessen Kassenbücher mit fast unzähligen Schadenersatzzahlungen für zerbrochene Fensterscheiben oder kaputte Hausfassaden. Ganz andere Sorgen beschäftigen Bill Bryson, ein mit einer Engländerin verheirateter Amerikaner, der lernen muss, wie ernst das Inselvolk Themen wie echter und falscher Mehltau oder den optimalen pH-Wert nimmt. Er selber bevorzugt eher unorthodoxe Methoden des Gärtnerns und erzählt von neuartigen Mutationseffekten, wie etwa einem früchtetragenden Zaunpfahl.

Eine Stadtgärtnerin mit einem Lebeblümchenpfad von ungefähr dreiviertel Meter Länge wiederum schwärmt davon, wie sie stundenlang in ihrem Garten herumlaufen kann und in diesem trotz minimaler Gesamtfläche ständig etwas Neues entdeckt. Besonders eindrücklich ist auch die Geschichte rund um einen unterirdischen Garten mit dem Namen „The Forestiere Underground Garden“ vor den Toren von Fresno, angelegt von einem armen Einwohner, dessen Land sich kurz nach dem Kauf als praktisch unfruchtbar erwiesen hat. In Tiefen von bis zu sieben Meter unter dem Boden hat Baldassare Forestiere (1879 – 1946) im Laufe von vierzig Jahren ein Labyrinth angelegt und brunnenartige Schächte gezogen, in denen Obstbäume stehen und gut gedeihen. Leider hat er aber Zeit seines Lebens nie Gelegenheit bekommen, sein imposantes Werk seiner Jugendliebe zu zeigen.

Philiippina Migeot ihrerseits schreibt über das Orchideenfieber. In diesem interessanten Text geht es auch um das spannende Buch „The Orchid Thief - A true Story of Beauty and Obsession“ von Susan Orlean, das leider nie auf Deutsch übersetzt worden, aber mit Nicolas Cage unter dem Titel „Adaption“ verfilmt worden ist. Dann geht es um Päonienfamilien, die auf Abstand bedacht sind und Gertrude Jekyll ärgert sich über die oft ungenauen Definitionen von Blütenfarben, während es im Abschnitt „Gartenpflege“ von Ralf Sotschek um Sprachbarrieren geht und die doch recht signifikanten Unterschiede von "No-Maintenance-Gärten" und "Low-Maintenance-Gärten". Ersterer hat zumindest den einen Vorteil, dass nur noch Staub gewischt werden muss…

Im Gerstenberg Verlag hat Elsemarie Maletzke in diesen Tagen übrigens bereits wieder ein weiteres Buch mit hortikulturellem Hintergrund herausgegeben: "Wenn ich in den Garten geh - Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks". Mehr darüber nach der baldigen Sommerpause.



Elsemarie Maletzke (Hrsg.): 
Leidenschaftliche Gärtner 
Insel Verlag, 2012