7. Mai 2012

Jonas Reif (Hrsg.): Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis

Im Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“. Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene Publikation „The Garden“.

Bereits ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“- Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert: 
  •  Karlheinz Rücker und die „Gartenpraxis“
  •  Erfahrungen sammeln und austauschen
  •  Die Pflanze von morgen

Marion Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.

In einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen. Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten oberste Priorität haben.

An anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“ (Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz), „Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in Wädenswil gehalten hat.Dieter Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von „Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch Saisonalisierung.

Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete, motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung. Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.

Gelernt habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben jedem selber überlassen …


Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012

4. Mai 2012

Elisabeth Jacob: Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen

In diesem neuen Beobachter-Ratgeber präsentiert die Journalistin und Obergärtnerin Elisabeth Jacob auf rund 230 Seiten eine Fülle an Ideen, Tipps und Anleitungen, von der sowohl erfahrene Gärtnerinnen als auch solche, die es werden wollen, profitieren können. Beobachter-Publikationen bürgen für Qualität - „Lust auf Garten“ reiht sich nahtlos in diese sachlich fundierte Bücherreihe ein. Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:

1. Gartentraum und Wirklichkeit
2. Planung und Gestaltung
3. Der Boden und seine Bearbeitung
4. Der schönste Gartenschmuck: Pflanzen
5. Gartenarbeiten durchs Jahr
6. Pflanzen hegen und pflegen
7. Gesunder Garten: Pflanzenschutz
8. Pflanzen, die wenig Freude bereiten

Grundsätzlich ist gärtnern doch eigentlich ganz einfach. Jeder kann eine Pflanze im Garten oder in einem Topf einbuddeln und nach Gutdünken pflegen. Damit die „Resultate“, sprich die Gemüseernte, den Erwartungen von Hülle und Fülle und Geschmack entspricht und sich im Blumenbeet ein Blütenmeer entfaltet, sind aber zumindest grundlegende Kenntnisse sinnvoll. So will zunächst die richtige Standortauswahl gut überlegt sein, denn diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf Erfolg und Misserfolg und Gartenlust und Gartenfrust. Ein gutes Ergebnis kann auch erwartet werden, wenn schon beim Pflanzeneinkauf die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.

Mit einer klugen Anpflanzung lässt sich unnötiger Pflegeaufwand vermeiden, weil sich gute Nachbarn im Gartenbeet gegenseitig unterstützen, während schlechte Nachbarn sich auch im grünen Bereich das Leben gegenseitig schwer machen können. Eine erspriessliche Nachbarschaft ist aber nicht nur im Garten zwischen dem Grünzeug wichtig, auch die Kontakte zu zweibeinigen Anstössern jenseits des Zauns sind nicht unbedeutend. So weist die Autorin in ihrem Ratgeber darauf hin, dass es nicht sehr viel nützt, wenn Sie sich sorgfältig um das Wohlergehen Ihrer Tomaten bemühen, wenn der Nachbar seine kränkelnden Pflanzen stehen lässt und diese ungehindert ihre Sporen verbreiten können.

Für helvetische Grünfinger sind besonders die auf hiesigen Grundlagen basierenden rechtlichen Hinweise zu Baubewilligungen oder Grenzabständen von Interesse, wenn auch für detaillierte Informationen natürlich die genauen kantonalen und kommunalen Vorschriften eingeholt und beachtet werden müssen. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass ein in Grenznähe gepflanztes Gehölz mit dem Einverständnis des Nachbarn ins Grundbuch eingetragen werden kann? In der Folge bleibt die Vereinbarung auch bei einem Besitzerwechsel gültig und der neue Eigentümer kann nicht die Beseitigung des betreffenden Baums verlangen. Verjährungsfristen, Kapprecht und Grenzpflanzungen zu Nachbarn und an Strassen oder Trottoirs und die (möglichen) daraus resultierenden Probleme sind weitere Themen im Ratgeber.

Die interessierte Leserin erfährt ausserdem vom Zusammenhang zwischen entspanntem Gärtnern und Toleranz, liest von Wildkräutern, die als Zeigerpflanzen fingieren und von den unterschiedlichen Aussaaten von Gründüngung. An anderer Stelle wird von invasiven Pflanzen und Ersatzpflanzen für niedrige und höhere Buchspflanzungen berichtet und die Anfänger-Gärtnerin wird darauf hingewiesen, dass Hochglanzbroschüren mit bunten Fotos und übertriebenen Anpreisungen von Vorteilen keine Garantie für grossartige Produkte sind. Vier verschiedene Piktogramme lenken das Interesse auf spezielle Hinweise. Im Anhang finden sich ein Glossar, eine Mischkultur-Tabelle, ein Stichwortverzeichnis sowie nützliche Adressen, Links und Buchtipps.

Dieser Ratgeber bietet eine umfangreiche Palette an (Grund-)Wissensvermittlung für Gärtnerinnen und zählt zu den Büchern, die man immer wieder zur Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen. Er ist übrigens auch für Gärtner empfehlenswert.  


Elisabeth Jacob: 
Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen 
Beobachter-Buchverlag, 2012

1. Mai 2012

Friederike Schmöe: Rosenfolter

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Landesgartenschau 2012 in Bamberg werden auf dem Gelände der Gartenausstellung zunächst verschiedene Körperglieder und schliesslich eine Leiche aufgefunden. Soll die Eröffnung boykottiert werden oder handelt es sich um einen Rachefeldzug? Die polizeilichen Ermittlungen müssen rasche Ergebnisse bringen, denn das Ausbleiben von Besuchern wegen Panik möchten nicht zuletzt Veranstalter und Geschäftemacher verhindern. Diese Kriminalfälle passen denn so gar nicht in die finalen Vorbereitungen der floralen Grossveranstaltung und die Verkaufszahlen der Abos zum Vorzugspreis sind bereits rückläufig.

Friederike Schmöe zeigt in ihrem Kriminalroman in Tagebuchform auf, was in der Zeit vom 3. April bis 25. April 2012 in Bamberg unternommen wird, um Täter und Opfer ausfindig zu machen. Unterwegs auf der Suche nach Spuren und Lösungen sind die Privatdetektivin Katinka Palfy, Hauptkommissar Harduin Uttenreuther, der Leiter der Mordkommission Bamberg, und sein Team sowie Dante Wischnewski, ein Reporter der lokalen Zeitung.

Für die sympathische Katinka Palfy ist dieser Fall eine Abwechslung zu ihren sonst eher langweiligen Papierermittlungen in Wirtschaftsfällen. Sie liebäugelt gerade heftig mit dem Kauf eines stark heruntergekommenen Mehrfamilienhauses an der Concordiastrasse und ist mit Harduin Uttenreuther liiert, der sich seinerseits mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden kann.

Wichtiger als diese Überlegungen über die Anschaffung einer Immobilie sind aber die Ermittlungen rund um die Verbrechen vor der malerischer Gartenschau-Kulisse, die rasch in die Welt der Bamberger Rosenfreunde führen. Von diesen Insidern, die gerne Rosenmessen besuchen und Fachliteratur studieren, stammt die Information, dass die an den Tatorten aufgefundenen Rosenkissen aus einer Rose namens „Princess of the Dark“ angefertigt worden sind. Diese Rose ist zwar bereits prämiert worden, aber nicht im Handel erhältlich, da sie die hoch gesteckten Zuchtziele (noch) nicht erfüllt.

Gibt es eine Verbindung zwischen einem Gärtner, der des Nachts überfallen wird, als er gerade über Staudenkombinationen sinniert und einer alten Dame, die in ihrem Haus die Treppe heruntergestossen wird? Und welche Rolle spielt die Hartz IV-Empfängerin Feli Bohnstett, die früher die Staudengärtnerei Felicitas leitete und heute tagtäglich Recyclinghöfe und Mülldeponien durchforstet? Deren Zufallsfund von Hagebutten, Zuchtnotizen und einem Zuchtplan lassen sie in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen. Zeiten, in denen sie selber einen Garten besessen und an eine gute Zukunft geglaubt hat, selber eine Liebhaberin der Rosenzucht war und ihre eigene Rosenzüchtung „Weisses Mariechen“ ihr ganzer Stolz war. Die Frau beginnt selber zu recherchieren und manövriert sich dadurch in eine gefährliche Situation. Und einmal mehr muss sie erfahren, dass Rosen verlässlicher sind als Menschen.

Viele verschiedene Fadenenden müssen entwirrt und Stränge zusammengeführt werden bis sich eine Lösung aufzeigt. Noch rechtzeitig vor Eröffnung der bayerischen Landesgartenschau? Ein unterhaltsamer Krimi im Umfeld der Ausstellung, der mit den Gegensätzen von schönen Rosen und schrecklichen Verbrechen jongliert. Für meinen Geschmack hätten die Stellen über das grausige Auffinden von Körperteilen, auf die ich hier gar nicht näher nicht näher eingehen möchte, nicht so detailliert ausfallen müssen.



Friederike Schmöe:
Rosenfolter
Gmeiner Verlag, 2012

29. April 2012

Freya und das Geheimnis der Grossmutter

Die zwölfjährige Freya kommt nach dem Tod ihrer Eltern zunächst zu Nachbarn. Von ihren Eltern hat das Mädchen verschiedene Fähigkeiten geerbt. Sie kann sich sehr gut in andere Menschen einfühlen und sie kann mit ihrem Wissen über Kräuter Menschen und Tiere heilen und sogar mit Tieren kommunizieren. Da sie bei den sehr netten, aber schon etwas älteren Nachbarn nicht mehr länger bleiben kann, kommt sie zur ihrer Tante Tilly und deren Mann. Die beiden wohnen weit weg von Freyas bisherigem Zuhause und das Mädchen muss schweren Herzens ihre Heimat verlassen. Vor der Abreise holt sie sich noch ein paar Erinnerungsstücke aus dem Elternhaus. Sie packt verschiedene Bücher, einen durchsichtigen Stein und einige Kleidungsstücke ein.

Das Einleben bei ihren strengen und religiösen Verwandten fällt der naturverbundenen und bis anhin in grosser Freiheit aufgewachsenen Freya schwer. In der Schule langweilt sie sich. Ausserdem findet sie zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern kaum Kontakt. Einzig mit dem etwas älteren Caspar freundet sie sich an. Tante und Onkel passt diese Verbindung aber gar nicht, weil der Junge auf der anderen Seite des Baches wohnt, der das Dorf in einen armen und reichen Teil trennt. Tilly ist der Ansicht, die Armen seien faul und selber schuld, dass sie nicht genügend zum Leben hätten.

Als Freya dank ihrem Wissen über Heilkräuter die kranke Kuh von Caspars Familie heilt, sind längst nicht alle froh über ihre wirksamen selbst hergestellten Salben. Die Feindseligkeit, die ihr von Caspars abergläubischer Grossmutter und seinem Vater entgegenschlägt, ist auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückzuführen und haben mit Freyas längst verstorbener Grossmutter zu tun. Als Freya ihre Halbschwester Amalia findet, kommt aber endlich wieder Freude in ihren Alltag.

Die (jugendlichen) Leser begleiten Freya auf der Spurensuche nach ihrer Grossmutter und bekommen gleichzeitig einen authentischen Einblick ins mitteleuropäische Landleben im 18. Jahrhundert.



Andrea Weibel:
Freya und das Geheimnis der Grossmutter
Verlag Jungbrunnen, 2011

26. April 2012

Lynn Crymble: Der Beginn vom Rest meines Lebens

Die Ehe der 40jährigen Kanadierin Penny läuft nicht gut. Sie und ihr Mann Jack haben keine Gemeinsamkeiten und obwohl er sie laufend mit anderen Frauen betrügt, schafft sie es nicht, einen Schlussstrich zu ziehen, sondern sie flüchtet sich in eine leichte Depression. Etwas Abwechslung von ihren trüben Gedanken bringt das Verfassen der wöchentlichen Finanzkolumne für das Lokalblatt „Sentinel". Ausserdem dem geniesst sie zweifellos die gewissen Annehmlichkeiten, die das Leben an der Seite eines erfolgreichen Immobilienmaklers mit sich bringt. Sie liebt das grosse alte Haus, das ihr Daheim ist, und sie geniesst es, sich im Garten zu betätigen.

Schon vor Jahren hat Penny begonnen, sich jeweils an ihrem Hochzeitstag Ende Juli im Gartencenter eine hübsche Gartenpflanze zu gönnen. Heuer ist ihr 18. Hochzeitstag und sie wünscht sich „etwas Blaues“. Ihre Wahl fällt auf eine Hortensie. Einen Tag später wird ihr Leben durch einen Zufall komplett umgekrempelt. Es beginnt damit, dass Penny 220‘000 Dollar findet und dieses Geld unverzüglich bei der Polizei abliefert. Diese gute Tat lenkt das Interesse der „Lebenserneuerungs-Expertin“ Linda auf Penny. Diese ist nämlich der Ansicht, dass Penny die ideale Kandidatin ist, deren Leben und Zuhause umgemodelt und gleichzeitig öffentlich zelebriert werden soll. Nach einem anfänglichen kategorischen „Nein“, entscheidet sich Penny ziemlich spontan, das Experiment doch zu wagen. Ein strenges Programm bestimmt fortan ihren Tagesablauf: Diät, Sport und das Testen von Schönheitsprodukten. Gleichzeitig wird ihr Haus entrümpelt und auch der Garten erhält ein Facelifting.

Gärtnerisches spielt in diesem Roman eine eher untergeordnete Rolle, doch hat der schöne für die Umgestaltung der Grünfläche zuständige Gärtner einen massgebenden Einfluss auf wichtige Veränderungen in Pennys Leben. Die Erzählung ist etwas langatmig, zuweilen ziemlich absurd und die Handlungen fand ich manchmal nicht nachvollziehbar und unangemessen. Man/frau muss nicht unbedingt gelesen haben, was alles in dem Jahr passiert, bis Penny an ihrem 19. Hochzeitstag im Gartencenter einen gelben Rosenstrauch auswählt …



Lynn Crymble:
Der Beginn vom Rest meines Lebens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012

23. April 2012

Eva Kohlrusch und Gary Rogers (Fotos): Besondere Paare und ihre Gärten

Nach den überaus erfolgreichen Vorgängertiteln "Faszinierende Frauen und ihre Gärten" und "Besondere Frauen und ihre Gärten" erscheint mit „Besondere Paare und ihre Gärten“ nun ein drittes Buch von Eva Kohlrusch und Gary Rogers in erprobter Aufmachung.

Was ist besonders an Paaren die zusammen gärtnern? Fördert der Garten die Harmonie unter denselben oder ist diese Form der Zweisamkeit eher eine Quelle für Zwist und Auseinandersetzungen? In Kapiteln wie „Wo Rosen mit Kunst wetteifern“, „Die Frau des Biogärtners“, „Ein Garten wie mit wilder Hand hingestreut“ und „… und zum Dessert „Rosenmousse Chambord“" geht Eva Kohlrusch diesen Fragen auf den Grund.

Ob jemand alleine gärtnert oder der Partner in seiner Freizeit ebenfalls gerne in der Erde herumwühlt und die Hände schmutzig macht – auf die Launen der Natur hat diese Arbeits- und Interessenteilung keinen Einfluss. Rückschläge sind so oder so als gegeben hinzunehmen, wenn beispielsweise der Garten wochenlang unter Wasser steht und dadurch eine zwangsläufige Selektion durch höhere Gewalten von Statten geht und es immer wieder heisst, Abschied zu nehmen von Lieblingspflanzen, die einem lange begleitet haben. Da mag auch das Bonmot „Geteiltes Leid, ist halbes Leid“ nur ein schwacher Trost sein.

Was wächst wohl im Garten – Apfelgut genannt – eines Journalistenpaares, das im Fernsehen vor laufenden Kameras seine Kochkünste zelebriert? Die beiden müssen der Sonne etwas nachlaufen, denn das Haus stammt aus einer Zeit, als ungebräunte Haut en vogue war. Dafür stehen hier viele mobile Kübelpflanzen und im Folientunnel findet sich eine stattliche Sammlung von 125 verschiedenen Kräutern. Sage und schreibe 28 verschiedene Basilikumsorten werden hier gezogen.

Eine Tante, die sämtliche im Garten wachsenden Pflanzen botanisch benennen konnte, Pflanzen, von denen er selber nicht mal den deutschen Namen kannte, haben seinerzeit den Ehrgeiz eines Jungen dermassen angestachelt, dass er sich dieses Wissen auch aneignete. Das dannzumal Gelernte kann mittlerweile tagtäglich angewendet werden. Denn im Besitz des Barons befinden sich unzählige praktische Anwendungsbeispiele wie etwa 500 Sorten Rhododendron, 300 Seerosen und 50‘000 Narzissen. Dimensionen zum Träumen oder eher der Stoff aus dem Alpträume sind (Stichwort "Rücken")?

Für das Auslösen des Gartenfiebers kommen verschiedene Infektionsquellen in Betracht. Was die Feststellung „für dieses Geld kann ich selber ganz schön viele Fehler machen“ als Reaktion auf den Kostenvoranschlag für eine Gartenumgestaltung für Folgen haben kann, zeigt sich eindrücklich im Kapitel „Träume, die über den Zaun hinaus wachsen“. Er liebt den Garten mittlerweile längst so fest wie sie, aber sie ist es, die auch das Gärtnern liebt. Und sie fügt auch gleich an, dass es wohl recht schwierig wäre, wenn er plötzlich ein ausgeprägtes Interesse an der praktischen Gartenarbeit entwickeln würde. Wie in verschiedenen Beispielen von gärtnernden Paaren in diesem Buch bewährt sich auch hier die Arbeitsteilung – er ist eher fürs Grobe zuständig, sie fürs Feine und (meistens) sind danach alle zufrieden.

Andere finden die Lösung in Kompromissen. Da ist einer dann für den Rasen zuständig, während der andere sich um die Rosen kümmert. Wobei für die Rosen auch Kübelpflanzen oder die Staudenrabatte stehen können. Und dann gibt es auch noch den sogenannt antiautoritär erzogenen Garten. Hier wird etwas gepflanzt und dann darf es wachsen wie es will.

Untern den vorgestellten gärtnernden Paaren sind auch verschiedene Prominente wie beispielsweise Ulrich Pleitgen, Katerina Jacob oder Gabriela Fürstin und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Prominent bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Garten den ambitionierten Vorstellungen von passionierten Hobbygärtnern oder Gartenbuchgärtnern entspricht. Aus anderen Portraits lassen sich eher mehr Inspirationen für das heimische Experimentierfeld herauspicken. Doch ist es unbestrittenermassen interessant auch einmal hinter solche Hecken blicken zu können und sich an der von Gary Rogers mit der Kamera perfekt eingefangenen Gartenatmosphäre zu erfreuen und durch die Texte von Eva Kohlrusch etwas Persönliches mit oder ohne hortikulturellen Hintergrund zu erfahren.



Eva Kohlrusch (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Besondere Paare und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2012