13. Mai 2012

Frank M. von Berger: Gartenblumen in Harmonie

Wieso ziehen die einen Staudenbeete unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, während andere einem im besten Fall ein müdes Gähnen entlocken? Was ist unter Prachtstauden zu verstehen? Wie kombiniert man verschiedene Pflanzenformen wirkungsvoll? Welche Stauden haben Fernwirkung, welche eignen sich als Lückenfüller und welche setzen auch im Winter interessante Akzente? Für eine harmonische Beetgestaltung sind unterschiedliche Faktoren von Wichtigkeit. Damit das Ergebnis kreativen Staudengärtnerns auch den Erwartungen entspricht, lohnt es sich unbedingt, sich vor dem Pflanzenkauf und Einpflanzen zumindest ein Basiswissen anzulesen.

In der Einleitung seines Buches „Gartenblumen in Harmonie“ erklärt Frank M. Berger zunächst, dass die Stauden aufgrund ihrer Wuchsformen grob in fünf Wuchskategorien eingeteilt werden: teppichartiger, ausgebreiteter Wuchs; vertikal nach oben strebender Wuchs; hügelartiger Wuchs; duftiger, lockerer Wuchs und fontänenartiger Wuchs. Die Grenzen zwischen den einzelnen Habituskategorien sind dabei zuweilen fliessend und natürlich kann nicht jede Pflanze eindeutig zugeordnet werden. Das Buch selber ist analog eben dieser Wuchskategorien in fünf Kapitel eingeteilt: „Teppiche weben“, „Vertikale Akzente setzen“, „Schwungvoll und explosiv“, „Geballte Staudenpracht“ und „Duftiges und Transparentes“.

In jedem Kapitel werden nach einem erläuternden Einführungstext in alphabetischer Reihenfolge Vertreter der entsprechenden Staudengruppe vorgestellt. Neben einem Foto gehören zum Portrait Informationen über Aussehen der Pflanze, Standortansprüche, Pflege, Vermehrung und Kombinationsvorschläge. In farbig hinterlegten Kästchen gibt der Autor zusätzliche Tipps oder erklärt beispielsweise was Rhizome sind oder was unter halbimmergrünen Stauden zu verstehen ist. Dazwischen sind Doppelseiten eingefügt, in welchen beispielsweise Stauden mit panaschierten Blättern oder silbergrauem und purpurfarbigem Laub aus den verschiedenen Wuchskategorien gezeigt werden. Im abschliessenden Serviceteil findet der Leser Bezugsquellen, Literaturhinweise und ein Register.

Etwas aussergewöhnlich, um nicht zu schreiben irritierend, fand ich beim ersten Öffnen des Buches, dass gleich beide Innenseiten des Umschlages mit Gartentipps bedruckt sind, also die üblichen „Leerseiten“ fehlen. In der Tat ungewohnt, aber bei näherer Überlegung durchaus sinnvoll. Wieviele Bäume könnten wohl jährlich eingespart werden, wenn sämtliche Bücher auf diese Weise gestaltet werden?

Die Publikation "Gartenblumen in Harmonie" ist sehr schön und informativ aufgemacht. Die Fotos der einzelnen Pflanzen beschränken sich mehrheitlich auf Ausschnitte von blühenden Stauden, gewissermassen „Staudenpassfotos“. Ich hätte mir etwas mehr inspirierende Bilder wie die Pflanzenduos „Bergenien und Kalmus“, „Bergenien mit roten Trieben von Hartriegel“ oder die vom Frost verzauberten Blütenstände gewünscht und ganz allgemein (viel) mehr Fotos von schön gestalteten Mixed Borders mit Kombinationen, wie sie in den Pflanzenportraits vorgeschlagen werden. Das Buch ist übrigens Anfang Jahr mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden.



Frank M. von Berger:
Gartenblumen in Harmonie
Eugen Ulmer KG, 2012


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10. Mai 2012

Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos): Park Sanssouci

Verschiedene Gartenstile aus unterschiedlichen Epochen bilden das Ensemble des Gesamtkunstwerks Park Sanssouci, der 1990 von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen worden ist. Da gibt es barocke Blumenrabatten, Palmen, Kübel mit exotischen Pflanzen, schier endlose ordentlich getrimmte Hecken und nicht zuletzt einen klassischen Landschaftspark.

Mehrere Regenten und noch mehr ihre Gärtner haben der Anlage ihren Stempel aufgedrückt. Zu letzteren zählte auch Peter Joseph Lenné aus einer berühmten Gärtner-Dynastie. Christa Hasselhorst und Hans Bach stellen in der wunderschön ausgestatteten Publikation „Park Sanssouci“ das preussische Versailles in Wort und Bild vor und zeigen, was sich aus dem ehemals „wüsten Berg“ an der Peripherie von Potsdam entwickelt hat, wo König Friedrich II. seinerzeit in Lustwägelchen (zweispännigen Gartenkaleschen) durch sein grünes Reich kutschierte.

Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung  von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.

Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.


Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos):
Park Sanssouci
Edition Braus, 2012

7. Mai 2012

Jonas Reif (Hrsg.): Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis

Im Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“. Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene Publikation „The Garden“.

Bereits ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“- Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert: 
  •  Karlheinz Rücker und die „Gartenpraxis“
  •  Erfahrungen sammeln und austauschen
  •  Die Pflanze von morgen

Marion Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.

In einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen. Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten oberste Priorität haben.

An anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“ (Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz), „Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in Wädenswil gehalten hat.Dieter Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von „Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch Saisonalisierung.

Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete, motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung. Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.

Gelernt habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben jedem selber überlassen …


Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012

4. Mai 2012

Elisabeth Jacob: Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen

In diesem neuen Beobachter-Ratgeber präsentiert die Journalistin und Obergärtnerin Elisabeth Jacob auf rund 230 Seiten eine Fülle an Ideen, Tipps und Anleitungen, von der sowohl erfahrene Gärtnerinnen als auch solche, die es werden wollen, profitieren können. Beobachter-Publikationen bürgen für Qualität - „Lust auf Garten“ reiht sich nahtlos in diese sachlich fundierte Bücherreihe ein. Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:

1. Gartentraum und Wirklichkeit
2. Planung und Gestaltung
3. Der Boden und seine Bearbeitung
4. Der schönste Gartenschmuck: Pflanzen
5. Gartenarbeiten durchs Jahr
6. Pflanzen hegen und pflegen
7. Gesunder Garten: Pflanzenschutz
8. Pflanzen, die wenig Freude bereiten

Grundsätzlich ist gärtnern doch eigentlich ganz einfach. Jeder kann eine Pflanze im Garten oder in einem Topf einbuddeln und nach Gutdünken pflegen. Damit die „Resultate“, sprich die Gemüseernte, den Erwartungen von Hülle und Fülle und Geschmack entspricht und sich im Blumenbeet ein Blütenmeer entfaltet, sind aber zumindest grundlegende Kenntnisse sinnvoll. So will zunächst die richtige Standortauswahl gut überlegt sein, denn diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf Erfolg und Misserfolg und Gartenlust und Gartenfrust. Ein gutes Ergebnis kann auch erwartet werden, wenn schon beim Pflanzeneinkauf die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.

Mit einer klugen Anpflanzung lässt sich unnötiger Pflegeaufwand vermeiden, weil sich gute Nachbarn im Gartenbeet gegenseitig unterstützen, während schlechte Nachbarn sich auch im grünen Bereich das Leben gegenseitig schwer machen können. Eine erspriessliche Nachbarschaft ist aber nicht nur im Garten zwischen dem Grünzeug wichtig, auch die Kontakte zu zweibeinigen Anstössern jenseits des Zauns sind nicht unbedeutend. So weist die Autorin in ihrem Ratgeber darauf hin, dass es nicht sehr viel nützt, wenn Sie sich sorgfältig um das Wohlergehen Ihrer Tomaten bemühen, wenn der Nachbar seine kränkelnden Pflanzen stehen lässt und diese ungehindert ihre Sporen verbreiten können.

Für helvetische Grünfinger sind besonders die auf hiesigen Grundlagen basierenden rechtlichen Hinweise zu Baubewilligungen oder Grenzabständen von Interesse, wenn auch für detaillierte Informationen natürlich die genauen kantonalen und kommunalen Vorschriften eingeholt und beachtet werden müssen. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass ein in Grenznähe gepflanztes Gehölz mit dem Einverständnis des Nachbarn ins Grundbuch eingetragen werden kann? In der Folge bleibt die Vereinbarung auch bei einem Besitzerwechsel gültig und der neue Eigentümer kann nicht die Beseitigung des betreffenden Baums verlangen. Verjährungsfristen, Kapprecht und Grenzpflanzungen zu Nachbarn und an Strassen oder Trottoirs und die (möglichen) daraus resultierenden Probleme sind weitere Themen im Ratgeber.

Die interessierte Leserin erfährt ausserdem vom Zusammenhang zwischen entspanntem Gärtnern und Toleranz, liest von Wildkräutern, die als Zeigerpflanzen fingieren und von den unterschiedlichen Aussaaten von Gründüngung. An anderer Stelle wird von invasiven Pflanzen und Ersatzpflanzen für niedrige und höhere Buchspflanzungen berichtet und die Anfänger-Gärtnerin wird darauf hingewiesen, dass Hochglanzbroschüren mit bunten Fotos und übertriebenen Anpreisungen von Vorteilen keine Garantie für grossartige Produkte sind. Vier verschiedene Piktogramme lenken das Interesse auf spezielle Hinweise. Im Anhang finden sich ein Glossar, eine Mischkultur-Tabelle, ein Stichwortverzeichnis sowie nützliche Adressen, Links und Buchtipps.

Dieser Ratgeber bietet eine umfangreiche Palette an (Grund-)Wissensvermittlung für Gärtnerinnen und zählt zu den Büchern, die man immer wieder zur Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen. Er ist übrigens auch für Gärtner empfehlenswert.  


Elisabeth Jacob: 
Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen 
Beobachter-Buchverlag, 2012

1. Mai 2012

Friederike Schmöe: Rosenfolter

Wenige Wochen vor der Eröffnung der Landesgartenschau 2012 in Bamberg werden auf dem Gelände der Gartenausstellung zunächst verschiedene Körperglieder und schliesslich eine Leiche aufgefunden. Soll die Eröffnung boykottiert werden oder handelt es sich um einen Rachefeldzug? Die polizeilichen Ermittlungen müssen rasche Ergebnisse bringen, denn das Ausbleiben von Besuchern wegen Panik möchten nicht zuletzt Veranstalter und Geschäftemacher verhindern. Diese Kriminalfälle passen denn so gar nicht in die finalen Vorbereitungen der floralen Grossveranstaltung und die Verkaufszahlen der Abos zum Vorzugspreis sind bereits rückläufig.

Friederike Schmöe zeigt in ihrem Kriminalroman in Tagebuchform auf, was in der Zeit vom 3. April bis 25. April 2012 in Bamberg unternommen wird, um Täter und Opfer ausfindig zu machen. Unterwegs auf der Suche nach Spuren und Lösungen sind die Privatdetektivin Katinka Palfy, Hauptkommissar Harduin Uttenreuther, der Leiter der Mordkommission Bamberg, und sein Team sowie Dante Wischnewski, ein Reporter der lokalen Zeitung.

Für die sympathische Katinka Palfy ist dieser Fall eine Abwechslung zu ihren sonst eher langweiligen Papierermittlungen in Wirtschaftsfällen. Sie liebäugelt gerade heftig mit dem Kauf eines stark heruntergekommenen Mehrfamilienhauses an der Concordiastrasse und ist mit Harduin Uttenreuther liiert, der sich seinerseits mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden kann.

Wichtiger als diese Überlegungen über die Anschaffung einer Immobilie sind aber die Ermittlungen rund um die Verbrechen vor der malerischer Gartenschau-Kulisse, die rasch in die Welt der Bamberger Rosenfreunde führen. Von diesen Insidern, die gerne Rosenmessen besuchen und Fachliteratur studieren, stammt die Information, dass die an den Tatorten aufgefundenen Rosenkissen aus einer Rose namens „Princess of the Dark“ angefertigt worden sind. Diese Rose ist zwar bereits prämiert worden, aber nicht im Handel erhältlich, da sie die hoch gesteckten Zuchtziele (noch) nicht erfüllt.

Gibt es eine Verbindung zwischen einem Gärtner, der des Nachts überfallen wird, als er gerade über Staudenkombinationen sinniert und einer alten Dame, die in ihrem Haus die Treppe heruntergestossen wird? Und welche Rolle spielt die Hartz IV-Empfängerin Feli Bohnstett, die früher die Staudengärtnerei Felicitas leitete und heute tagtäglich Recyclinghöfe und Mülldeponien durchforstet? Deren Zufallsfund von Hagebutten, Zuchtnotizen und einem Zuchtplan lassen sie in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen. Zeiten, in denen sie selber einen Garten besessen und an eine gute Zukunft geglaubt hat, selber eine Liebhaberin der Rosenzucht war und ihre eigene Rosenzüchtung „Weisses Mariechen“ ihr ganzer Stolz war. Die Frau beginnt selber zu recherchieren und manövriert sich dadurch in eine gefährliche Situation. Und einmal mehr muss sie erfahren, dass Rosen verlässlicher sind als Menschen.

Viele verschiedene Fadenenden müssen entwirrt und Stränge zusammengeführt werden bis sich eine Lösung aufzeigt. Noch rechtzeitig vor Eröffnung der bayerischen Landesgartenschau? Ein unterhaltsamer Krimi im Umfeld der Ausstellung, der mit den Gegensätzen von schönen Rosen und schrecklichen Verbrechen jongliert. Für meinen Geschmack hätten die Stellen über das grausige Auffinden von Körperteilen, auf die ich hier gar nicht näher nicht näher eingehen möchte, nicht so detailliert ausfallen müssen.



Friederike Schmöe:
Rosenfolter
Gmeiner Verlag, 2012

29. April 2012

Freya und das Geheimnis der Grossmutter

Die zwölfjährige Freya kommt nach dem Tod ihrer Eltern zunächst zu Nachbarn. Von ihren Eltern hat das Mädchen verschiedene Fähigkeiten geerbt. Sie kann sich sehr gut in andere Menschen einfühlen und sie kann mit ihrem Wissen über Kräuter Menschen und Tiere heilen und sogar mit Tieren kommunizieren. Da sie bei den sehr netten, aber schon etwas älteren Nachbarn nicht mehr länger bleiben kann, kommt sie zur ihrer Tante Tilly und deren Mann. Die beiden wohnen weit weg von Freyas bisherigem Zuhause und das Mädchen muss schweren Herzens ihre Heimat verlassen. Vor der Abreise holt sie sich noch ein paar Erinnerungsstücke aus dem Elternhaus. Sie packt verschiedene Bücher, einen durchsichtigen Stein und einige Kleidungsstücke ein.

Das Einleben bei ihren strengen und religiösen Verwandten fällt der naturverbundenen und bis anhin in grosser Freiheit aufgewachsenen Freya schwer. In der Schule langweilt sie sich. Ausserdem findet sie zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern kaum Kontakt. Einzig mit dem etwas älteren Caspar freundet sie sich an. Tante und Onkel passt diese Verbindung aber gar nicht, weil der Junge auf der anderen Seite des Baches wohnt, der das Dorf in einen armen und reichen Teil trennt. Tilly ist der Ansicht, die Armen seien faul und selber schuld, dass sie nicht genügend zum Leben hätten.

Als Freya dank ihrem Wissen über Heilkräuter die kranke Kuh von Caspars Familie heilt, sind längst nicht alle froh über ihre wirksamen selbst hergestellten Salben. Die Feindseligkeit, die ihr von Caspars abergläubischer Grossmutter und seinem Vater entgegenschlägt, ist auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückzuführen und haben mit Freyas längst verstorbener Grossmutter zu tun. Als Freya ihre Halbschwester Amalia findet, kommt aber endlich wieder Freude in ihren Alltag.

Die (jugendlichen) Leser begleiten Freya auf der Spurensuche nach ihrer Grossmutter und bekommen gleichzeitig einen authentischen Einblick ins mitteleuropäische Landleben im 18. Jahrhundert.



Andrea Weibel:
Freya und das Geheimnis der Grossmutter
Verlag Jungbrunnen, 2011