14. Juni 2012

Mona de Silva: Roman Greve – Tulpen aus Amsterdam

Der 70jährige Botaniker Wilhelm Anholt wird tot in seiner Villa aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Die Spurenlage ist alles andere als eindeutig. Der Tote war Diabetiker und starb an Insulinmangel. Im ganzen Haus lassen sich aber seltsamerweise weder Spritzen noch Insulin finden. An seinem Wohnort hat Anholt praktisch keine freundschaftlichen Beziehungen gepflegt und er war überaus unbeliebt. Sein ganzes Interesse fokussierte er auf die Pflanzenwelt.

Warum ist Hannes Hochscheid, der Besitzer einer Gärtnerei in Mittenwald, bei der Befragung durch die ermittelnden Beamten dermassen nervös? Und auch Eleonore Moosleitner, die Hausangestellte des Opfers, die dieses auch entdeckt hat, scheint etwas zu verbergen. Rätsel gibt auch die Tulpenzwiebel auf, die unter dem toten Anholt gefunden worden ist.

Bald steht zweifelsfrei fest, dass Wilhelm Anholt ermordet worden und der Fundort der Leiche nicht identisch ist mit dem Tatort und im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr Personen ins Visier der Beamten um Roman Greve. Was hat es mit der Zucht von Arzneipflanzen für Medizin auf sich? Und wie war die Beziehung zwischen Anholt und seinem Sohn wirklich? Wer steckt hinter der unbekannten Person, die jeweils mit Anholt im Schuppen neben dem Wohnhaus hantiert hat?

Die Ermittlungen erschienen mir immer wieder unglaubwürdig oder fast stümperhaft. So wirkt besonders das manchmal eher kumpelhafte Diskutieren zwischen Beamten und Personen, die gerade einvernommen werden, fragwürdig und plump. Als ermüdend empfand ich aber ganz speziell die vor allem in der ersten Hälfte des Buches sich ständig wiederholenden Erwähnungen und Hinweise auf den früher von Roman Greve und seinem Team gelösten Fall mitsamt den privaten Beziehungsproblemen und der Umgang mit einer unbeliebten Kollegin. Die Tulpensaison ist für dieses Jahr definitiv vorbei und dieses Buch kann ich definitiv in der hinteren Reihe des Bücherregals einordnen.



Mona de Silva:
Tulpen aus  Amsterdam
Novum Publishing, 2011

10. Juni 2012

Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken

Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.

Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.

In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.

Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.

Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.



Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010

6. Juni 2012

Cümcad Galaxis: Aufruhr auf Hecktorria

Am Anfang stehen Scherben. Jens lässt beim Abtrocknen versehentlich einen mit vielen lieben Erinnerungen behafteten Porzellanteller seiner Grossmutter, genannt Oma Hoppe, fallen. Drei Tage lang herrscht daraufhin zwischen den beiden dicke Luft. Am vierten Tag kann Jens seiner Oma einen perfekten Teller präsentieren. Wie das? Weder sind Leimspuren zu entdecken, noch kann das Teil nachgekauft worden sein, denn die Herstellung dieses Porzellangeschirrs ist schon vor Jahren eingestellt worden.

Zur gleichen Zeit steht plötzlich eine Hecke, die tags zuvor vom Landschaftsgärtner abgesägt worden ist, wieder in alter Schönheit an ihrem alten Platz. Ganz so, als wäre sie nie vernichtet worden. Und als auch noch ein völlig verbrannter Schmorbraten auf mysteriöse Weise trotzdem ganz einwandfrei schmeckt, begreift Oma Hoppe die Welt nicht mehr so richtig. Des Rätsels Lösung präsentiert sich ihr einen Tag später, als sie im Küchenschrank ein grünes Wesen entdeckt, das sich als Hecktorria 415 vorstellt. 

Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.

Auch auf dem Planet Erde geschieht seltsames. Das Auftauchen eines grünes Lebewesens, das unbedingt geheim bleiben soll, lässt Oma Hoppe in den Augen ihrer Kinder immer merkwürdiger erscheinen. Diese planen deshalb die Übersiedlung ihrer Mutter in ein Heim namens „Waldesruh“. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was es mit dem illegalen Brunnen auf sich hat, den Nachbar Bareis, übrigens der Verantwortliche für die oben erwähnte Heckenvernichtung, auf seinem Land gegraben hat.

Der Kampf gegen die Klimakatstrophe hat auf Hecktorria oberste Priorität. Es wird eine Verbindung zwischen dieser und der Erwärmung auf der Erde angenommen. Doch exisitert diese tatsächlich? Oder sind die Schwierigkeiten auf Hecktorria vielleicht doch eher hausgemacht? Tatsächlich sind die Probleme auf den beiden Planeten aber vergleichbarer, als es zunächst den Anschein macht …



Cümcad Galaxis:
Aufruhr auf Hecktorria
Books on Demand, 2009

2. Juni 2012

Mary Jane Clark: Die Zeichen deiner Schuld

Das gärtnerische Element beschränkt sich in diesem Thriller weitgehend auf das Titelbild mit einem Gewächshaus inmitten blühender Blumen. Es steht im Zentrum eines nach europäischem Vorbild angelegten Gartens im idyllischen Tuxedo Park. Diese grosszügige Anlage ist eine geheime, abgeschiedene Welt, verborgen hinter einem streng bewachten Tor. Doch die vermeintliche Idylle mit herrschaftlichen Häusern und grosszügigen Gärten verbirgt ein dunkles Geheimnis. In eben diesem erwähnten Gewächshaus hat der Besitzer Innis Wheelock seine heissgeliebten Orchideen gepflegt und er hat nun diesen Ort ausgewählt, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.

Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.



Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011


31. Mai 2012

Gerlinde Herz: Omas kleines Gartenbuch

Für dieses kleine liebevoll illustrierte Büchlein hat Gerlinde Herz Grossmutters Gartenerfahrungen kurz und knapp zusammengefasst. Nach einem kurzen Exkurs durch die Gartengeschichte erzählt sie in gartenalphabetischer Form von Ameisen, Gänseblümchen über Muskatellersalbei bis Zucchini Wissenswertes und Lehrreiches aus der Gartenwelt.

Sie gibt dem interessierten Leser Antwort auf die Frage, ob Asche aus dem Kaminofen bedenkenlos im Garten verteilt werden darf, geht auf Bauernregeln ein und berichtet über die verschiedenen positiven und negativen Wirkungen von Brennnesseln. Ausserdem verrät sie, dass ungeniessbare Kartoffeln mit grünen Stellen als Insektenspray Verwendung finden können. Grossmutter wusste auch, dass das Verpflanzen von fest eingewurzelten grünen Schätzen mit Unterstützung von zerquetschten Knoblauchzehen oder gekeimten Gerstenkörnern im Wurzelbereich besser gelingt und eine Gabe gute Komposterde den Start am neuen Ort zusätzlich erleichtert.

Der „Jahresplan meiner Oma“ mit monatlich anfallenden Aufgaben im Garten sowie eine Tabelle mit guten und schlechten Nachbarn im Gemüsegarten komplettieren Omas Gartentipps, die sich in erster Linie als Ratgeber für Einsteiger oder als Mitbringsel für Gartenanfänger eignen.



Gerlinde Herz:
Omas kleines Gartenbuch
Ars Vivendi Verlag, 2011

28. Mai 2012

Anthony Eglin: Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery

Der pensionierte Botanikprofessor Lawrence Kingston wird einmal mehr in seinem geruhsamen Rentnerdasein gestört. Diese Ablenkung und vor allem der daraus resultierende Geldsegen sind allerdings nicht gänzlich unwillkommen und Zeit für das Lösen seiner heissgeliebten Times-Kreuzworträtsel findet Kingston allemal.

In einem anonymen Brief wird Kingston gebeten, bezüglich eines ungelösten Mordfalls Nachforschungen anzustellen. Obwohl er an einem ersten Treffen mit dem potentiellen Auftraggeber versucht ist, das Angebot abzulehnen, nimmt er dieses schliesslich doch an. Vor Monatsfrist ist im Park von Sturminster Hall William Endicott, ein Professor des archäologischen Instituts, tot aufgefunden worden. Die laufenden Ermittlungen der Polizei haben bis anhin keine heisse Spur ergeben.

Auch Kingstons erste Bemühungen verlaufen zunächst sehr zäh und ergeben keine bahnbrechenden Erkenntnisse, bis er ans Krankenbett des Historikers Tristan Veitch gebeten wird, der kurz darauf an einer Vergiftung stirbt. Kingston findet heraus, dass Endicott und Veitch sich gekannt haben. Beide waren Mitglieder in der National Dahlia Society und dem Brookside Garden Club Derby. Die Polizei vermutet, dass Veitch von einer Schwester Amanda umgebracht worden ist, was Kingston stark bezweifelt, da just zur gleichen Zeit bei den Geschwistern eingebrochen worden ist und Computer und Speichergeräte entwendet worden sind.

Doch ist Kingston objektiv? Er hegt unbestrittenermassen gewisse Sympathien für Amanda. Eigentlich ist Kingston ja für die Aufklärung des Mordfalles Endicott engagiert worden, beschäftigt sich aber mehr mit dem unnatürlichen Tod von Veitch. Mit Hilfe von Dateien, die der Hobbyermittler auf einem in ein Hundehalsband eingearbeiten Stick findet, kommt Kingston der Lösung des Falles endlich etwas näher.

Kingstons Vorliebe für Rätsel und Knobeleien sowie seine Kombinierungsgabe sind in diesem fünften Gartenkrimi aus dieser Reihe (Band 4 habe ich hier vorgestellt) sehr nützlich. Denn schon seit Jahrhunderten wurde vergeblich versucht, zu entziffern was die merkwürdigen Inschriften an einem Monument in den Gärten von Sturminster Hall bedeuten.

Die Dechiffrierungsabschnitte und diesbezüglichen Erklärungen dünkten mich etwas langatmig oder haben mich vielleicht ganz einfach zu wenig interessiert. Der erste Mordfall ereignete sich wohl einem berühmten (fiktiven) Garten, ansonsten ist der Hintergrund aber weniger hortikulturell ausgeprägt als in den Vorgängertiteln. Kingston manövriert sich immer wieder in gefährliche Situationen und natürlich ist der für die Aufklärung der Mordfälle zuständige Inspecktor Wheatly nicht begeistert über die Einmischung des Botanikers. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Lektüre rund um die Lösung eines Rätsels, in dem drei berühmte längst verstorbene Engländer eine wichtige Rolle spielen: ein Poet, der erste britische Premierminister und ein Admiral.



Anthony Eglin:
Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Minotaur Books, 2011