18. August 2012

Silke Schütze: Erdbeerkönigin

Die 42jährige gelernte Krankenschwester Eva Brandt sorgt in ihrer Nachbarschaft für Entsetzen und Kopfschütteln als sie in der perfekten Vorgartenrasenfläche ein rundes Erdbeerbeet anlegt. Einzig ihr pubertierender und fast ständig schlechtgelaunte Sohn Benny scheint von dieser Veränderung nichts mitbekommen zu haben.

Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.

Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.

Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.

Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?



Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012

14. August 2012

Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)

Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.

Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain  zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad bis vor den obersten Gerichtshof.

Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und kämpft wie David gegen Goliath.

Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen Nachbarin, der jüdischen Frau des israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger Anwalt näher.

Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach Liebe.



Film von Eran Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009

6. August 2012

Ende Blog-Sommerpause

Auf Facebook hatte ich ja vor der Blogpause mal kurz erwähnt, dass wir in unmittelbarer Nähe eines „Krisengebietes“ wohnen, wo gerade der gefährliche und bei Fund im Garten meldepflichtige Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) wütet oder - wie man hoffentlich (!) inzwischen feststellen darf - gewütet hat, der wahrscheinlich mit Verpackungsmaterial von aus China importieren Steinen eingeschleppt worden ist. Ich glaube allerdings kaum, dass mit den Aktionen (Rohdungen usw.) der letzten Wochen die Gefahr, die von diesen gefrässigen Tieren ausgeht, definitiv gebannt ist. Man darf sich allerdings kaum ausmahlen, wie unsere Gartenstadt ohne Laubbäume aussehen würde, sieht doch schon das abgeholzte Gebiet mehr als trostlos aus. Vielleicht hat jener Leserbriefschreiber in unserer Lokalzeitung ja recht, der die Schäden dieser importieren Schädlinge ohne natürliche Feinde mit den Untaten der Pflanzenjäger aus früheren Jahrhunderten in Zusammenhang bringt.

Inzwischen ist auch der Buchsbaumzünsler, der seit diesem Frühling in der Umgebung sein Unwesen treibt,  in unserem Garten angekommen. Die Gärtnerin würde sich nach den Ferien ein netteres und vor allem ein erfreulicheres Empfangskomitee im Garten wünschen! Eigentlich hatte ich diese Tierchen schon viel eher erwartet und habe mir schon längere Zeit alternative Gestaltungsideen überlegt. Noch gebe ich aber meine doch schon etliche Jahre gehegt und gepflegten Buchseinfassungen und die Kugeln nicht kampflos auf, obwohl das Absammeln und Vernichten derselben wahrlich keine erspriessliche Beschäftigung ist.

Mein letzter Buchsbaumkauf liegt schon ungefähr 10 Jahre zurück und irgendwie hängt frau doch stärker an diesen Gartenelementen als gedacht…Und obschon ich letzten Woche irgendwo gelesen habe, dass der Buchsbaumzünsler sich in Asien auch an Ilex gütlich tut, habe ich nun buchsblättrige Ilex (Ilex crenata) als Ersatzpflanzen bestellt, die ich als Einfassung im kürzlich umgestalteten Gartenteil einsetzen will. Die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt! Ausserdem warten noch etliche andere Pflanzen, die ich auf Pflanzenmärkten oder in Staudengärtnereien erstanden habe, auf ihren definitiven Platz im Beet. Leider waren die Aufenthalte in letzteren auf der Rückreise von Urlaubsorten jeweils recht kurz zu fassen, da die Familie (leicht genervt) im Auto wartete …

Angenehmeres gibt es von der Sofagarten-Front zu berichten, denn auch beim Sofagärtnern war ich nicht untätig. Welche Bücher ich zuletzt gelesen habe oder mir aktuell zu Gemüte führe, steht wie üblich rechts im Blog. Noch vor mir habe ich die Lektüre von „In the Footsteps of Augustine Henry and his Chinese plant collectors“ von Seamus O’Brien mit einem Vorwort von Roy Lancaster und „Fern Fever – The story of Pteridomania, A Victorian Obsession“ von Sarah Whittingham. Beide grossformatigen Publikationen machen schon beim Durchblättern aufs Lesen „gluschtig“. Als Reiselektüre sind die beiden Wälzer aber leider nicht oder nur bedingt geeignet.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich die neuen Blogleserinnen und -leser begrüssen und mich pauschal für die Kommentare bedanken. Mit meinen Gartenbuchvorstellungen geht es nächste Woche an dieser Stelle weiter.

19. Juli 2012

Max Scharnigg: Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt

Allenthalben werden gegen Sommerende die verschiedensten Kürbisse am Strassenrand zum Verkauf angeboten. Eine solche Kürbispyramide weckt in Max Scharnigg und seiner Freundin, dem lieben Fräulein, den Wunsch, einen eigenen Kürbishaufen zu produzieren. Und natürlich noch vieles anderes, vorzugsweise essbares Grünzeug mehr.

Auf einem schmalen gepachteten Streifen Acker ausserhalb München wollen die beiden Städter ihre Ernteträume schliesslich Realität werden lassen. Für 40 Euro steht ihnen das Land von April bis November zur Verfügung – hernach wird vom Bauer das ganze Feld wieder umgepflügt. Das Experiment „Feldversuch“ startet damit, dass endlich der Inhalt der in einer Art Rauschzustand schon vorsorglich gekauften Samentütchen nun guten Gewissens zum Keimen gebracht werden kann. Und im letzten Urlaub vor der Übernahme des Ackers wird eifrig Gartenlektüre gewälzt.

Auf etwas mehr als 200 Seiten berichtet der Autor nun in seinem  Buch „Feldversuch“ detailliert über die ersten Gehversuche als Gemüsegärtner und der Leser erfährt, wie sich die Wochenendbeziehung zwischen dem Münchner Paar und den Pflänzchen und natürlich auch letztere sich selber im rund zwanzig Autominuten von daheim entfernten Garten entwickeln. So erzählt Max Scharnigg von der jeweils stürmischen Wiedersehensfreude (auf Seite der Zweibeiner), wegen der schlechten Ökobilanz durch den Anfahrtsweg per Auto allerdings mit leicht schlechtem Gewissen im Hinterkopf.  Weiter geht es um Minderwertigkeitskomplexe angesichts von geometrisch perfekten und aufgeräumten Nachbarschaftsstreifen, werden kleine Unkrautdepressionen nicht verschwiegen oder die gelegentliche Unlust auf Bückarbeit und ganz nebenbei gibt’s auch einiges über den Gemüseanbau zu lesen und vielleicht sogar zu lernen.

Es gibt ja inzwischen fast unzählige Erfahrungsberichte von Städtern, Gärtnern und Hobby-Landwirten, die ihr Glück im Wühlen in der Erde suchen und die Leser teilhaben lassen an ihren Erfolgserlebnissen, Ernteschwemmen und Wetterplagen. Dank dem humorigen, selbstironischen Schreibstil des Autors ist dieser Titel ein besonderes Lesevergnügen, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Sie lernen hier beispielsweise Ausdrücke wie ackerfrei oder Ackereltern und lesen von Überlegungen, wie Tomaten wohl vor der Erfindung von Abdeckhüllen in pflanzlicher Urzeit reifen konnten und von Überraschungserfolgen, die beinahe die Idee aufkommen lassen, dem Nachwuchs den Namen Dill zu geben (in Anlehnung an Till Schweiger). Ein weiterer Seitenhieb in Richtung Schauspieler geht an Christine Neubauer, zu welcher der Autor eine Verbindung herstellt im Zusammenhang mit dem geplanten Erntedankfest mit (fast) ausschliesslich auf eigenem Acker produzierten Esswaren, der Wichtigkeit von Kartoffeln und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.

Obwohl die ausgeklügelte und durchdachte Pflanzung (Stichworte "gute Nachbarn, schlechte Nachbarn") bei der praktischen Umsetzung völlig untergegangen ist, können im Laufe des Sommers verschiedene Ernteerfolge vorgewiesen werden und das Bild des Ackerstreifens und die Stadtwohnung werden positiv aufgewertet durch die blumigen Ergebnisse des lieben Fräuleins. Und bestimmt sind nicht sämtliche Ernteerfolge auf Anfängerglück zurückzuführen.

Mit dieser Buchvorstellung stelle ich das (Vor-)bloggen bis ungefähr Mitte August ein und wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Hochsommer!



Max Scharnigg:
Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2012



15. Juli 2012

Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes

Auch Callie Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt. Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.

Nach seinen schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.

Das Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden  Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.

Nachdem Callie zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.

Auch dieses dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band hoffen darf?



Carolee Snyder:
Herbal Passions: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012



11. Juli 2012

Caroly Keene: Nancy Drew – Spurlos verschwunden

Häufig fällt die Zucchetti-Ernte im heimischen Gemüsegarten dermassen verschwenderisch aus, dass Familie und Bekannte (zwangs)versorgt werden können oder vielleicht sogar müssen. In River Heights kommt es im Sommer dieser Geschichte zu keiner Ernteschwemme. Im Gegenteil, bevor Gärtnerin und Gärtner überhaupt dazu kommen, sich Gedanken über die verschiedenen Zubereitungsarten des grünen Gemüses zu machen – Zucchettibrot, Zucchettiquiche, Zucchetti gebraten oder gegrillt? – dringt ein Unbekannter in verschiedene Gärten ein und zertrampelt sämtliche Zucchetti. Und sorgt damit für Arbeit für die junge Detektivin Nancy Drew, die mit ihren Freundinnen Bess und George schon manchen Täter überführt hat.

In ersten Gesprächen beschuldigen sich Nachbarn gegenseitig der Zerstörung der Gemüsegärten. Weshalb verwüstet jemand überhaupt Zucchettibeete? Nancy Drew glaubt nicht an einen Nachbarschaftskrieg, sondern vermutet andere Hintergründe. Doch bevor sie in dieser Angelegenheit näheres herausfindet und sich eine Lösung aufzeigt, gibt es gleich noch ein weiteres Rätsel dringend zu klären. Und zwar wurde ein kostbares Fabergé-Ei aus einer mangelhaft gesicherten Vitrinen in einem Privathaushalt gestohlen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorkommnissen? Die Amateurdetektivin ermittelt auf Hochtouren…



Carolyn Keene:
Nancy Drew – Spurlos verschwunden
Panini Books, 2007