12. Mai 2009

Hobby- und andere Gärtner

Immer wieder und immer öfter erscheinen in Eigen- oder Kleinverlagen Gartenerlebnisse von Hobbygärtnern in Buchform. Einigen diesen Druckerzeugnissen merkt man dann etwas mehr oder weniger das fehlende oder mangelhafte Lektorat an. Mit viel Enthusiasmus und Liebe für den Garten und das Gartenbuch wird das aber wieder wett gemacht. 

Im Umkreis der leidenschaftliche Hobbygärtnerin Waltraud Hopf interessiert sich niemand für den Garten. Um ihre Freuden und Sorgen zu teilen, hat sie diese im Büchlein „Das Gartentor ist offen“ zu Papier gebracht. Sie erzählt begeistert über ihre Pflanzen und Tiere und ihren gelegentlich etwas speziellen Arbeitsstil. Wer sich nicht bereits vom Umschlagtext vom Weiterlesen abhalten lässt (Zitat: „… habe am selben Tag Geburtstag wie die legendäre Marilyn Monroe. Leider habe ich nicht deren Hollywood-Qualitäten, dafür lebe ich noch“), erfährt im Büchlein „Verhängnisvoller Goldfelberich“die Verwandlung eines Garten, der diesen Namen kaum verdiente, in ein blühendes Paradies. Auslöser zur Umgestaltung war ein Geschenk in einer Plastiktüte, eben ein abgestochener Goldfelberich. 

In rund 25 Kapiteln hat Anke Dreher Erlebnisse über ihren „irgendwie ganz normalen Reihenhausgarten“ zusammengetragen. Hier gibt es Geschichten über Grosswildjagd, einen Strandkorbkauf mit Folgen oder einfach über Glücksmomente. Den Abschluss der Kapitel bilden jeweils zur Episode passende Einsichten wie „Gib auch anderen eine Chance zu leben“ (zur Grosswild- bzw. Maulwurfjagd) oder „Stelle dich den Herausforderungen des Lebens und du wirst sie meistern“. 

Die Sicht eines Berufsgärtners und seine Rückschlüsse auf die Kundschaft aufgrund der Gartenbepflanzung näher bringen einem die Geschichten „Begegnungen im Garten“ von Lukas Lavater. „Duell bei der Hecke“ handelt von kleinlichen Leuten und der gerichtlich festgelegten Maximalhöhe einer Ligusterhecke, während „Mein ganz schwacher Tag“ das Dilemma eines Berufsgärtners aufzeigt, der um Kundenwünsche zu erfüllen, seine Ansichten und Meinungen zurückhalten muss und sich nachher ziemlich mies fühlt, weil er eine von Mietern gezogene Gartenecke auf Kommando eines Vermieters zerstören musste. 

Marita Eichler organisiert seit Jahren die offene Pforte „Über Zäune schauen“ im Raum Soltau-Fallingbostel und Umgebung. Weil sie für ihr schon ziemlich weit gediehenes Buchprojekt keinen Verlag finden konnte, hat sie Text, Fotos und Layout sowie die Finanzierung des gleichnamigen Buches selber in die Hand genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und braucht einen Vergleich mit ähnlichen Büchern aus renommierten Verlagen nicht zu scheuen. 54 unterschiedliche Gärten aus Niedersachsen werden in Text und wunderschönen Fotos präsentiert, darunter vertreten sind Künstlergärten, Sammlergärten, Gärtnereien. 



Anke Dreher: 
Gartenglück 
Eigenverlag, 2007 

Marita Eichler: 
Über Zäune schauen 
Marcus René Dünsing, 2008 
www.ueber-zaeune-schauen.de 

Waltraud Hopf: 
Das Gartentor ist offen 
Zwiebelzwerg Verlag, 2008 

Lukas Lavater: 
Begegnungen im Garten Verlag 
holapress, 2008 

Birgit Strähle: 
Verhängnisvoller Goldfelberich 
Engelsdorfer Verlag, 2008

9. Mai 2009

Ella in Bloom

Ella ist die jüngere von zwei Töchtern einer texanischen Familie. Sie ist nicht so hübsch und vollkommen wie ihre ältere Schwester Terrell. Als junge Frau nutzte sie die erstbeste Gelegenheit, ihr Elternhaus zu verlassen und heiratete völlig überstürzt Buddy. Ihre Ehe llief nicht gut. 

Nach dem Tod ihres Mannes bringt Ella nun sich und ihre 14jährige Tochter Birdie mit Jobs als Pflanzensitterin mehr schlecht als recht durchs Leben. Der Kontakt zu ihren Eltern beschränkt sich im Wesentlichen auf Briefe. Von ihrem beschwerlichen Leben als allein erziehende Mutter erzählt sie nichts, sondern baut eine einer verwitwete Tochter angemessene Welt auf. 

Ella erzählt von ihrem aufgrund von Katalogen „erfundenen“ Rosengarten und von Leinenkleidern, die sie sich nicht leisten kann. Dann kommt Terrell auf dem Weg zu ihrem Liebhaber bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ihr Tod bedeutet neben Leid auch eine grosse Veränderung in Ellas Leben. Sie ist nun die einzige Tochter und muss nach dem Verlust ihrer perfekten Schwester eine neue Rolle in der Familie übernehmen. Und Ella realisiert immer deutlicher, dass sie nicht die einzige in der Familie ist, die Gärten erfindet ... 



Shelby Hearon: 
Ella in Bloom 
Penguin Books, 2000

6. Mai 2009

Tulpen und Genmafia

Tils Eltern sind zu einer Hochzeit nach Wien gefahren. Deshalb wohnt sein Grossvater, genannt Opa Krause, während der Osterferien für ein paar Tage bei dem Elfjährigen in Frankfurt. Während Til gerne das Hallenbad besuchen und spannende Bücher lesen würde, hat sein Opa ein anderes Programm im Kopf, nämlich auf Stadtspaziergängen die Sehenswürdigkeiten erkunden. Doch Opa Krause kommt noch aus einem anderen Grund gerne an den Main. Er korrespondiert und telefoniert seit einiger Zeit mit einer ungefähr gleichaltrigen Dame, die wie er alles liebt, was grünt und blüht, insbesondere aber Tulpen. Und jetzt hat Opa Krause endlich Gelegenheit, Elfriede Zimperlich persönlich kennen zu lernen und ist schon beim Gedanken an ein Treffen ganz nervös. 

Diese Begegnung findet bereits am ersten Abend in einem Restaurant vor dem Römer statt. Während sich sein Grossvater ausgezeichnet mit der Tulpenzüchterin unterhält, ist Til recht bald ziemlich genervt und gelangweilt und verzieht sich Richtung Toilette. Dort verfolgt er ein seltsames Gespräch zwischen zwei Männern und entdeckt einen Zettel, der einem der beiden aus der Hosentasche gefallen ist. Darauf befinden sich Buchstaben und Pfeile sowie eine rote Tulpe mit spitz zusammenlaufenden Blütenblättern. Nun fängt auch Til an, sich für Tulpen zu interessieren, obwohl er in diesem Moment noch nicht ahnen kann, dass er mit diesem Zettelfund auf die Spur einer internationalen Genmafia gekommen ist. 

Das spannende Kinder- und Jugendbuch ist auch für Erwachsene interessant zu lesen und vermittelt nebenbei einiges Wissen über Auslesezüchtung und Gentechnik. Im Anschluss an die Geschichte sind die letzten Seiten mit kurzen Hintergrundinformationen über diese Themen gefüllt und Dr. Lars Baumbusch, der die Autorin auch schon bei der Geschichte in Sachen Gentechnik unterstützt hat, erklärt was Wissenschaftler tun und wie Gene funktionieren. Dieser Kinderkrimi ist leider vergriffen, aber über verschiedene Internet-Anbieter (neu-)antiquarisch noch erhältlich. Die Mühe lohnt sich. 



Andrea Liebers: 
Tulpenrausch Kam 
Gör Verlag, 2005

3. Mai 2009

Liegestuhllektüre

Die 30jährige Blumenladenbesitzerin Hope ist vor kurzer Zeit von einer Brustkrebserkrankung genesen. Sie fühlt sich nun nicht mehr als vollwertige Frau, wird von Ängsten um ihre Gesundheit geplagt und fühlt sich nicht mehr attraktiv und liebenswert. 

Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten lesend, in der Natur oder in ihrem Garten. Milly (76 Jahre alt) ist kürzlich nach Heart Lake zu ihrer geschiedenen Tochter gezogen, um diese im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen. Sie fühlt sich aber bald ausgenutzt und eingeschränkt.

Die leidenschaftliche Gärtnerin pachtet etwas Land in einer Gemeinschaftsgartenanlage, um ihrem Lieblingshobby nachzugehen. Die junge Hausfrau und Mutter Amber bearbeitet die Parzelle neben Milly und Hope. Sie ist ebenfalls neu in die Stadt gezogen, nachdem sie und ihr Mann das eigene Restaurant aufgeben mussten. Ihr Mann ist nun schon seit längerem arbeitslos, und sie beabsichtigt, das Familienbudget durch selbstgezogenes Gemüse zu entlasten. 

Die beiden Neuzuzüger Milly und Amber freunden sich rasch an. Die erfahrene Gärtnerin Milly hilft Amber mit praktischen Gartentipps, Kochrezepten und gibt ihr auch Ratschläge in Sachen Eheprobleme. Mit einem Lavendel-Cookie-Rezept schafft es Amber, die Käufer auf dem Wochenmarkt zu begeistern und tatsächlich Geld für die Haushaltkasse zu verdienen. Amber steht Milly rasch näher als die eigene Tochter. Eine Panne bei einer Blumenstrauss-Auslieferung ändert Millys Leben unterwartet und radikal. 

Die Charaktere sind sehr lebensecht gezeichnet und man lebt mit ihnen mit. Unbedingt lesenswert! 



Sheila Roberts: 
Love in Bloom 
St. Martin's Press, 2009

29. April 2009

Gartengeflüster

Haben Sie schon einmal vom ehelichen Rosenkrieg gehört, der sich um 1900 in Pommern zwischen dem „Grimmigen“ und Elisabeth von Arnim abgespielt hat? Die Gärtnerin musste sich schon beim Frühstück Vorhaltungen über zu hohe Rechnungen für Rosen und Ziersträucher anhören. Auch auf Sissinghurst verlief bei der Planung und Ausführung der Gärten nicht immer alles reibungslos. So zertrampelte Harold im Dunkeln auf dem Weg zur Wasserpumpe die kurz zuvor von Vita gepflanzten Anemonen und verfeuerte anschliessend mangels trockenem Vorratsholz versehentlich die zur Markierung der Anemonen gedachten Hölzchen. Die Details dazu und vieles andere mehr hat der passionierte Gärtner Otto Krätz im Buch „Gartengeflüster“ zusammengetragen - ein Sammelsurium von Episoden aus der Gartengeschichte der letzten Jahrhunderte. 

Da gibt es Anekdoten über die Anfänge des Rasenmähers, über kandierte und geröstete Tulpenzwiebeln und über den Kampf gegen das Unkraut. Weitere Themen sind „Abgepackte napoleonische Helden“ (über Kunst- und natürliche Dünger), die Wintergärten der Mathilde Bonaparte, in welchen Gustave Flaubert und Marcel Proust bei der Prinzessin zu Gast waren. Überhaupt handeln etliche der Geschichten von Literaten und ihren Gärten im Werk oder in Wirklichkeit. Mein Favorit waren die Seiten zum Thema „Der Mörder ist immer der Gärtner“, die zeigen, dass Gärten schon seit vielen Jahren Autoren zu Kriminalgeschichten inspirieren. 

Die Geschichten laden zum Staunen ein und lassen einem beim Lesen auch immer wieder schmunzeln und sind sehr aufwendig illustriert. 



Otto Krätz: 
Gartengeflüster – Pikantes und Unterhaltsames aus der Geschichte der Gärten 
Callwey Verlag, 2009

26. April 2009

Blumenläden

Im Moment lese ich gerade einen Roman, in welchem eine jüngere Frau eine der Hauptrollen innehat, die gerade eine schwere Krankheit überstanden hat und mit viel Engagement und Kreativität einen beliebten Blumenladen namens „Changing Season Floral“ führt. Dies ist ein passender Anlass, wieder einmal in meinen Blumenladenbüchern zu schmökern. 

Die beiden reich illustrierten Bücher „The Flower Shop“ von Sally Page porträtieren ein ländliches Geschäft im englischen Tisbury. Wie aus den Untertiteln hervorgeht zeichnet ein Band das Leben im Blumenladen im Verlauf der Jahreszeiten auf, während sich der zweite Band der Advents- und Weihnachtszeit widmet (zur Zeit natürlich nicht sehr passend). Viele meist kleinformatige Fotos bringen dem Betrachter zusammen mit kurzen Texten die Angestellten von „Ted Martins Flowers“ und ihre Kunden näher. Dekorations- und Bindetipps runden die sympathischen Bücher ab. Inzwischen ist ein weiteres Flowershop-Buch zum Thema Freunde herausgekommen. 

Die kürzlich verstorbene legendäre Blumenfrau Maria Binder und ihr Laden im Zürcher Oberdorf-Quartier werden im 2005 erschienenen schön eingefassten und illustrierten Buch vorgestellt. Auf den ersten knapp 20 Seiten wird ihr Werdegang erzählt, dann folgen Farbfotos aus dem Blumenladen, von floralen Kunstwerken und vier Betrachtungen von Nahe stehenden über die Blumenkünstlerin.

„Begegnungen im Blumenladen“ ist kein Buch, das einlädt in schönen Farbfotos von Blumenkreationen zu schwelgen. Nein, es gibt kein einziges davon. Wolf Klein schreibt Geschichten auf. Er sitzt in seinem Laden, betrachtet die Kunden und Vorübereilende und notiert, was passiert. Diese Episoden, welche früher in einem Blog veröffentlicht worden sind, protokollieren die Begegnungen im Blumenladen. Übrigens, bei diesem „Blumenladen“ handelt es sich nicht um einen Ort, wo Floristik in Form von normalen, natürlichen Schnittblumen verkauft wird, sondern alle Blumen sind fotografiert. Die Ware sieht zwar aus wie Blumen und funktioniert visuell wie Blumen, aber es sind eben keine echten Blumen. 



Wolf Klein: 
Begegnungen im Blumenladen 
Balkon und Garten Buch, 2008 

Sally Page: 
The Flower Shop – A year in the Life of an English Country Flower Shop 
Fanahan Books, 2006 

The Flower Shop – Christmas 
Fanahan Books, 2007 

Esther Scheidegger Zbinden (Text) und Nadja Athanasiou: 
Blumenfrau Maria Binder 
Th. Gut Verlag

23. April 2009

Endlich gärtnern!

An Sabine Reber und ihren Gartenbüchern scheiden sich die Geister. Diesen Frühling ist bereits ihr drittes Buch zu diesem Thema erschienen, und ich war auch etwas skeptisch nachdem ich die Vorschau gelesen hatte. Ein erstes Durchblättern hat nicht dazu beigetragen mich vom Buch zu überzeugen, im Gegenteil, ich befürchtete aufgrund der Fotos eine Art Selbstdarstellung. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich auch meine Meinung geändert. Mir – auch einer Autodidaktin in Sachen gärtnern - gefällt Sabine Rebers Schreibstil, und ob nun alle Tipps etwas taugen oder nicht, kann ich nicht vollumfänglich beurteilen. 

„Endlich gärtnern!“ beginnt mit dem Garten-Manifest, welches auch auf Sabine Rebers Internetseite nachzulesen ist. Zwischen der Vermittlung von Grundlagen zu Mist, Kompost, Dünger oder etwas Botanik und Werkzeugen, die ein Gärtner tatsächlich braucht, sind immer wieder persönliche Erfahrungen wie beispielsweise über ihre Lehrjahre als Gartenanfängerin oder den Beginn ihrer Gärtner-Karriere während einem längeren Irland-Aufenthalt, eingestreut. Oder sie beneidet Gartenlaien, die sich in ihrer Unbekümmertheit noch für alles Blühende begeistern, während ein „Fortgeschrittener“ weiss, dass sich ein Kauf nicht lohnt, weil die richtigen Wachstumsbedingungen sowieso nicht mit vernünftigem Aufwand erfüllt werden können. 

Im Kapitel „Pflanzen, die Freude machen“ handelt eine Episode von einer Schnupperstunde (im wahrsten Sinne des Wortes) über die Königslilie, einer Lieblingspflanze der Autorin. Wer ab und zu ihre Webseite besucht, wird einzelne Geschichten schon kennen, aber es ist doch immer schöner, in einem Buch zu lesen! Etwas speziell mutet der Tipp an, im Sommer das Gästebett in den Garten zu tragen... 

Wer nun noch mehr von Sabine Reber lesen möchte: Von Pflanzenkombinationen handelt „Traumpaare im Beet“. Nicht von richtig oder falsch, sondern von Harmonie. Teilweise werden altbekannte Verbindungen empfohlen werden, andere sind eher speziell und originell. Wer kann mit wem verkuppelt oder wer mag gemeinsam alt werden? Aufgelockert werden die Pflanzen-Beziehungsgeschichten durch Paargeschichten aus der Gartenszene im weitesten Sinne. Diese handeln von Claude Monet und Alice Hoschéde, Kaiserin Josephine und Napoleon oder Cäsar und Kleopatra und anderen. Traumhaft sind die Fotos von Marianne Majerus. 

Sabine Reber schreibt auch Romane und Gedichte. Im Roman „Blau“ geht es um die Züchtung einer blauen Rose. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. 



Sabine Reber: 
Endlich Gärtnern! 
Callwey Verlag, 2009 

Traumpaare im Beet (mit Fotos von Marianne Majerus) 
Callwey Verlag, 2007 

Ein Gartenzimmer für mich allein (mit Fotos von Ursel Borstell) 
Callwey Verlag, 2006 

Blau Reclam Verlag, 2001