Die eigensinnige junge Arztwitwe Celestina wird 1601 von ihrer Mutter zu Verwandten, der Familie Bertolucci, nach Padua geschickt. Begleitet wird sie von ihrer Stiefschwester Arcangela. Die an diversen Krankheiten leidende Tante Marta Bertolucci hofft, mit Hilfe ihrer Nichte Celestina endlich gesund zu werden. Gleich bei Ankunft der Schwestern in der mittelalterlichen Universitätsstadt werden die beiden Frauen Zeuginnen einer Prügelei und erfahren bei dieser Begegnung vom tiefen Hass zwischen den Familien Bertolucci und Caliari.
Celestina möchte zwar die Hintergründe dieser Feindschaft erfahren, ihr Hauptinteresse gilt aber ihrem Ziel, an der Universität Medizin zu studieren. Anfang des 17. Jahrhunderts ist Frauen der Zugang zu akademischer Bildung verwehrt. Aus diesen Gründen befinden sich unter den Gepäckstücken von Celestina nicht nur dicke medizinische Folianten ihres verstorbenen Mannes, sondern auch Männerkleider. Die junge Frau erfindet einen Bruder und benützt dessen Identität, um zum Studium zugelassen zu werden.
Doch dieses Versteckspiel bleibt nicht lange unentdeckt und Celestina sieht sich gezwungen, gewisse Bedingungen zu erfüllen, damit sie ihr Geheimnis vorerst wahren kann. So soll sie ausspionieren, wie es dazu kommt, dass die Anatomie der Universität Padua plötzlich fast ständig über genügend Leichen verfügen kann. Gleichzeitig passieren im Hause von Celestinas Verwandten merkwürdige Dinge. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen diesen Vorkommnissen? Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz in diesem historischen Roman und die Erzählung erlaubt einen detaillierten Einblick in die medizinische Ausbildung vor rund fünfhundert Jahren.
Heilkräuter und Giftpflanzen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Vor allem Onkel Ludovico Bertolucci widmet sich täglich mit grosser Leidenschaft dem Gärtnern. Er versorgt das Spital mit Heilpflanzen und träumt davon, exotische Gewächse an ihrem Naturstandort betrachten zu können. Gelegentlich finden Vorlesungen direkt im ältesten botanischen Garten der Welt statt.
Charlotte Thomas:
Das Mädchen aus Mantua
Lübbe Ehrenwirth, 2011
19. September 2011
16. September 2011
Mirabel Osler: The Rain Tree – A Memoir
Ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Gatten hat Mirabel Osler 1989 ihr erstes Buch „A Gentle Plea for Chaos“ über ihre Erfahrungen aus dem gemeinsam mit ihrem Mann angelegten und gehegten Garten veröffentlicht. In der Folge schrieb sie weitere Titel wie „A Breath from Elsewhere“, „A Spoon for every Course“ und andere mehr. In „The Rain Tree“ bietet die mittlerweile über Achtzigjährige Einblick in verschiedene Abschnitte ihres erfüllten Lebens, in Erlebnisse mit Familie und Freunden, berichtet über ihre Jugendjahre und erzählt vom Älterwerden und den damit verbundenen Beschwerden und endgültigen Abschiede.
Die gemeinsame Liebe zum Gärtnern entwickelte sich zu einem wichtigen Bindeglied in der Beziehung zwischen Mirabel und Michael Osler, als die beiden nach langen Jahren im Ausland nach England zurückkehrten. Je prächtiger und üppiger ihr Garten wurde, desto leichter fiel ihnen das Verreisen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es bei der Rückkehr viele Veränderungen zu entdecken gab. Häufiges Wegfahren ist also ein guter Grund, dieses Vergnügen möglichst oft auskosten zu können. Übrigens sollte Michael Osler als junger Mann in die Familienfirma F. + C. Osler eintreten. Diese Firma hat 1851 den „Crystal Fountain“ für die „Great Expedition“ im Crystal Palace gebaut.
Gärtnerisches spielt in diesen Erinnerungen eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Platz in den nicht chronologisch geordneten Erzählungen nehmen beispielsweise Berichte über die mehrjährigen Aufenthalte in Thailand und Griechenland sowie Reisen und Erlebnisse aus der frühesten Kindheit der Autorin ein. Eine Zeit, die Mirabel Osler nur aus Erzählungen von anderen kennt – sie war nämlich erst zwei Jahre alt, als ihre Mutter sie, ihre etwas ältere Schwester und den todkranken Vater wegen einem anderen Mann verliess. Im Schlusskapital berichtet sie von ihrem Bedauern, nie mehr auf einem Pferd reiten zu können und sinniert darüber, dass ihre Hände wohl demnächst dermassen viele Altersflecken aufweisen werden, dass man glauben könnte, sie käme direkt aus dem Garten, obwohl sie diese Tätigkeit schon lange aufgegeben hat.
Die offene und kontaktfreudige Frau freut sich auch im hohen Alter darüber, neue Menschen kennenzulernen und es entwickeln sich immer noch neue Freundschaften. So verbindet sie zum Beispiel seit einiger Zeit eine schöne Kameradschaft mit Katherine Swift. Letztere ist Autorin der Bücher „The Moreville Hours“ und „The Moreville Year“ und schreibt regelmässig für das englische Journal Hortus. An anderer Stelle gesteht Mirabel Osler, es nicht wie Prinz Charles zu halten. Der spricht ja wie allgemein gemunkelt wird mit seinen Blumen, während sie mit ihren Organen spricht. Wenn ein Körperteil Probleme macht, fordert sie diesen unmissverständlich auf, sich zusammenzureissen.
Mirabel Osler:
The Rain Tree – A Memoir
Bloomsbury Publishing, 2011
Die gemeinsame Liebe zum Gärtnern entwickelte sich zu einem wichtigen Bindeglied in der Beziehung zwischen Mirabel und Michael Osler, als die beiden nach langen Jahren im Ausland nach England zurückkehrten. Je prächtiger und üppiger ihr Garten wurde, desto leichter fiel ihnen das Verreisen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es bei der Rückkehr viele Veränderungen zu entdecken gab. Häufiges Wegfahren ist also ein guter Grund, dieses Vergnügen möglichst oft auskosten zu können. Übrigens sollte Michael Osler als junger Mann in die Familienfirma F. + C. Osler eintreten. Diese Firma hat 1851 den „Crystal Fountain“ für die „Great Expedition“ im Crystal Palace gebaut.
Gärtnerisches spielt in diesen Erinnerungen eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Platz in den nicht chronologisch geordneten Erzählungen nehmen beispielsweise Berichte über die mehrjährigen Aufenthalte in Thailand und Griechenland sowie Reisen und Erlebnisse aus der frühesten Kindheit der Autorin ein. Eine Zeit, die Mirabel Osler nur aus Erzählungen von anderen kennt – sie war nämlich erst zwei Jahre alt, als ihre Mutter sie, ihre etwas ältere Schwester und den todkranken Vater wegen einem anderen Mann verliess. Im Schlusskapital berichtet sie von ihrem Bedauern, nie mehr auf einem Pferd reiten zu können und sinniert darüber, dass ihre Hände wohl demnächst dermassen viele Altersflecken aufweisen werden, dass man glauben könnte, sie käme direkt aus dem Garten, obwohl sie diese Tätigkeit schon lange aufgegeben hat.
Die offene und kontaktfreudige Frau freut sich auch im hohen Alter darüber, neue Menschen kennenzulernen und es entwickeln sich immer noch neue Freundschaften. So verbindet sie zum Beispiel seit einiger Zeit eine schöne Kameradschaft mit Katherine Swift. Letztere ist Autorin der Bücher „The Moreville Hours“ und „The Moreville Year“ und schreibt regelmässig für das englische Journal Hortus. An anderer Stelle gesteht Mirabel Osler, es nicht wie Prinz Charles zu halten. Der spricht ja wie allgemein gemunkelt wird mit seinen Blumen, während sie mit ihren Organen spricht. Wenn ein Körperteil Probleme macht, fordert sie diesen unmissverständlich auf, sich zusammenzureissen.
Mirabel Osler:
The Rain Tree – A Memoir
Bloomsbury Publishing, 2011
13. September 2011
Karl Piepenbrock: Die Frau des Friedhofgärtners
Der Ich-Erzähler hat sehr lange gebraucht, um über den plötzlichen Tod seiner Frau Gisela, seiner Schwester und seines Schwagers beim Zugunglück in Eschede hinwegzukommen und den Alltag neu zu ordnen. Inzwischen frühpensioniert hat er zu einer gewissen Normalität zurückgefunden. Regelmässig besucht er das Grab von Gisela, schmückt es mit frischen Blumen und hält Zwiesprache mit ihr oder plaudert gerne mit den Nachbarn.
Auf diesem strukturierten Tagesablauf liegen seit ein paar Wochen dunkle Schatten – immer wieder wird der Erzähler von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Nach verschiedenen Untersuchungen lautet die unumstössliche Diagnose: inoperabler Hirntumor, verbleibende Restlebenszeit eher weniger als ein Jahr. Fragen über Fragen – Angst mischt sich mit der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Gisela. Was soll er mit diesen letzten geschenkten Monaten anfangen? Vielleicht etwas Besonderes unternehmen? Gibt es tatsächlich keine Chance auf Heilung? Wie werden die letzten Tage sein? Wie soll er seiner Tochter Sylvia von seiner Krankheit erzählen? Was ist wirklich wichtig, was völlig unwichtig?
Während die (Nicht-)Reaktion der Tochter sehr enttäuschend ausfällt, findet der kranke Mann in Ute, der Frau des Friedhofgärtners, unerwartet eine zuverlässige Freundin. Er entdeckt, dass Herzenswärme wichtiger ist als Intellekt. Auf einer mehrtägigen Reise nach Budapest, bei der er von Ute begleitet wird, kann er seine Krankheit fast vergessen. Die Wirklichkeit holt ihn daheim aber umso heftiger ein und es heisst an einer Stelle im Buch treffend (Zitat): „ja, irgendwann ist einfach mal Ende, so ist das“.
Die Text kann nicht verbergen, dass kein Verlag mit professionellem Lektorat daran herumgefeilt hat. Die Geschichte ist aber sehr einfühlsam geschrieben. Die Leserin hat sich bei der Lektüre oft gefragt, woher das Detailwissen stammen und was an dem „Melodram“ (auto)biographisch sein mag.
Karl Piepenbrock:
Die Frau des Friedhofgärtners
Books on Demand, 2011
Auf diesem strukturierten Tagesablauf liegen seit ein paar Wochen dunkle Schatten – immer wieder wird der Erzähler von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Nach verschiedenen Untersuchungen lautet die unumstössliche Diagnose: inoperabler Hirntumor, verbleibende Restlebenszeit eher weniger als ein Jahr. Fragen über Fragen – Angst mischt sich mit der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Gisela. Was soll er mit diesen letzten geschenkten Monaten anfangen? Vielleicht etwas Besonderes unternehmen? Gibt es tatsächlich keine Chance auf Heilung? Wie werden die letzten Tage sein? Wie soll er seiner Tochter Sylvia von seiner Krankheit erzählen? Was ist wirklich wichtig, was völlig unwichtig?
Während die (Nicht-)Reaktion der Tochter sehr enttäuschend ausfällt, findet der kranke Mann in Ute, der Frau des Friedhofgärtners, unerwartet eine zuverlässige Freundin. Er entdeckt, dass Herzenswärme wichtiger ist als Intellekt. Auf einer mehrtägigen Reise nach Budapest, bei der er von Ute begleitet wird, kann er seine Krankheit fast vergessen. Die Wirklichkeit holt ihn daheim aber umso heftiger ein und es heisst an einer Stelle im Buch treffend (Zitat): „ja, irgendwann ist einfach mal Ende, so ist das“.
Die Text kann nicht verbergen, dass kein Verlag mit professionellem Lektorat daran herumgefeilt hat. Die Geschichte ist aber sehr einfühlsam geschrieben. Die Leserin hat sich bei der Lektüre oft gefragt, woher das Detailwissen stammen und was an dem „Melodram“ (auto)biographisch sein mag.
Karl Piepenbrock:
Die Frau des Friedhofgärtners
Books on Demand, 2011
10. September 2011
Günter Waldorf: Schneeglöckchen – Zauber in Weiss
In diesen Wochen ist bereits wieder die Jahreszeit gekommen, in der es heisst, ans nächste Frühjahr und die Frühlingsboten aus Zwiebeln zu denken und diese rechtzeitig in die Erde zu stecken. Bei den Gartenschätzen, von denen hier die Rede ist, sollten Sie sich beim Kauf von Blumenzwiebeln aber in Zurückhaltung üben. Denn mangels äusserer Zwiebelhäute vertrocknen Schneeglöckchenzwiebeln sehr schnell und so sollte den Pflanzen besser erst direkt nach der Blüte ein Standortwechsel zugemutet werden. Diesen Hinweis und viele weitere Pflegetipps erfährt der interessierte Leser im Buch „Schneeglöckchen – Zauber in Weiss“ von Günter Waldorf, einem langjährigen passionierten Galanthus-Sammler und –kenner. Die druckfrische Publikation ist denn auch keine trockene wissenschaftliche Monografie, sondern insbesondere wegen des umfangreichen Bildmaterials für Laien und Fortgeschrittene gleichermassen geeignet.
Das erste Drittel des Buches ist dem Pflanzenaufbau, den verschiedenen Galanthus-Sorten sowie Hinweisen zu Pflege und Vermehrung gewidmet. Im Kapitel „Das Sammeln“ gibt es neben Tipps zum Aufbau einer interessanten Schneeglöckchensammlung, Erläuterungen zum Tausch von Schneeglöckchen und es geht ums Geld, das einen Neuling nämlich nicht immer ans Ziel bringt. In Insiderkreisen - und fast nur dort kommt man mit etwas Glück an die spezielleren Pflanzen - kann man sich schon mal unbeliebt machen, wenn man glaubt, sich mit genügend Geld sämtliche Begehrlichkeiten erfüllen zu können. Denn gewisse spezielle Sorten sind in dieser Szene eben besonderen Menschen vorbehalten und manch einer muss erst einmal beweisen, dass er deren Besitz auch verdient. Des Weiteren erfährt man in der informativen Lektüre, dass der mittlerweile von England auf den Kontinent übergeschwappte Schneeglöckchen-Virus, auch Galantophilie genannt (befällt nur menschliche Wesen), seinen Ursprung im Krimkrieg von 1853 – 1856 hat. Englische Kriegsheimkehrer brachten seinerzeit auch Schneeglöckchen nach Hause und diese stellten alle bis anhin bekannten Galanthus in den Schatten. Die rund 300 Kurzportraits in Wort und Bild schliesslich geben einen Einblick in die schier unglaubliche Sortenvielfalt. Abgerundet wird das Buch durch ein Register und ebenfalls auf den letzten Seiten sind Informationen zu Bezugsquellen und sehenswerten Schneeglöckchen-Sammlungen zu finden.
Wie soll denn Ihr Lieblingsschneeglöckchen aussehen? Bevorzugen Sie blassgrüne Markierungen oder hellgrüne Spitzen? Oder finden Sie verwaschene Blütenfarben und seltsam gedrehtes Laub schön? Vielleicht gefallen Ihnen Blütenblätter mit gehämmerter Struktur oder birnenförmige Blüten besonders gut? Gewisse Schneeglöckchen sind im Buch mit dem Prädikat „nicht aussergewöhnlich“ bezeichnet, finden aber sicher auch ihre Liebhaber. Zuweilen wäre es auch ganz interessant zu erfahren, wie die Schneeglöckchen zu ihren Namen gekommen sind. Nach welcher „Dicken Tante“ und welchem „Dickerchen“ kamen die so benannten Galanthus wohl zu ihren Namen?
Ein Must-Have-Book für alle Schneeglöckchenliebhaber, das sich auch ausgezeichnet als Mitbringsel eignet - für alle, die bereits verzaubert sind oder es noch werden wollen. Zur nächsten Galanthus-Blüte werde ich jedenfalls mal in die Knie gehen und testen, ob meine 0-8-15-Schneeglöckchen tatsächlich nach Honig duften.
Günter Waldorf:
Schneeglöckchen – Zauber in Weiss
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
Das erste Drittel des Buches ist dem Pflanzenaufbau, den verschiedenen Galanthus-Sorten sowie Hinweisen zu Pflege und Vermehrung gewidmet. Im Kapitel „Das Sammeln“ gibt es neben Tipps zum Aufbau einer interessanten Schneeglöckchensammlung, Erläuterungen zum Tausch von Schneeglöckchen und es geht ums Geld, das einen Neuling nämlich nicht immer ans Ziel bringt. In Insiderkreisen - und fast nur dort kommt man mit etwas Glück an die spezielleren Pflanzen - kann man sich schon mal unbeliebt machen, wenn man glaubt, sich mit genügend Geld sämtliche Begehrlichkeiten erfüllen zu können. Denn gewisse spezielle Sorten sind in dieser Szene eben besonderen Menschen vorbehalten und manch einer muss erst einmal beweisen, dass er deren Besitz auch verdient. Des Weiteren erfährt man in der informativen Lektüre, dass der mittlerweile von England auf den Kontinent übergeschwappte Schneeglöckchen-Virus, auch Galantophilie genannt (befällt nur menschliche Wesen), seinen Ursprung im Krimkrieg von 1853 – 1856 hat. Englische Kriegsheimkehrer brachten seinerzeit auch Schneeglöckchen nach Hause und diese stellten alle bis anhin bekannten Galanthus in den Schatten. Die rund 300 Kurzportraits in Wort und Bild schliesslich geben einen Einblick in die schier unglaubliche Sortenvielfalt. Abgerundet wird das Buch durch ein Register und ebenfalls auf den letzten Seiten sind Informationen zu Bezugsquellen und sehenswerten Schneeglöckchen-Sammlungen zu finden.
Wie soll denn Ihr Lieblingsschneeglöckchen aussehen? Bevorzugen Sie blassgrüne Markierungen oder hellgrüne Spitzen? Oder finden Sie verwaschene Blütenfarben und seltsam gedrehtes Laub schön? Vielleicht gefallen Ihnen Blütenblätter mit gehämmerter Struktur oder birnenförmige Blüten besonders gut? Gewisse Schneeglöckchen sind im Buch mit dem Prädikat „nicht aussergewöhnlich“ bezeichnet, finden aber sicher auch ihre Liebhaber. Zuweilen wäre es auch ganz interessant zu erfahren, wie die Schneeglöckchen zu ihren Namen gekommen sind. Nach welcher „Dicken Tante“ und welchem „Dickerchen“ kamen die so benannten Galanthus wohl zu ihren Namen?
Ein Must-Have-Book für alle Schneeglöckchenliebhaber, das sich auch ausgezeichnet als Mitbringsel eignet - für alle, die bereits verzaubert sind oder es noch werden wollen. Zur nächsten Galanthus-Blüte werde ich jedenfalls mal in die Knie gehen und testen, ob meine 0-8-15-Schneeglöckchen tatsächlich nach Honig duften.
Günter Waldorf:
Schneeglöckchen – Zauber in Weiss
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
7. September 2011
Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume
In letzter Zeit bin dermassen häufig auf Berichte über den Bruno-Weber-Skulpturenpark gestossen, dass wir es endlich geschafft haben, während den Schulferien nicht nur an den schon lange geplanten Ausflug zu denken, sondern ihn auch durchzuführen. Vielleicht gerade ein paar Wochen zu früh, da im September 2011 weitere Teile dem Publikum neu zugänglich sein werden…
Oberhalb von Dietikon (in der Nähe von Zürich) lassen sich bei einem Spaziergang einzigartige Fabelwesen und die verschiedensten Sitzgelegenheiten entdecken. Im Laufe von bald fünfzig Jahren hat der mittlerweile 80jährige Künstler seine Werke geschaffen und präsentiert diese auf einem Familiengrundstück mit einer Fläche von rund 20‘000m2. Keine Angst, man kann sich nicht verlaufen. Und falls doch, führen einem einzelne aus der Erde ragende Finger wieder auf den richtigen Weg. Mutige Besucher wagen sich über den Schlangensteg, andere nehmen vielleicht auf dem Monsterstuhl Platz.
Der Skulpturenpark, in dem farbenprächtige Figuren mit Betonskulpturen um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern, ist schon mit dem italienischen Parco dei Mostri di Bomarzo verglichen worden. Der Autodidakt Bruno Weber hat aus Beton, Eisen, Blech und unzähligen farbigen Mosaikstücken mit Unterstützung von Familie, Freunden und Angestellten eine Zauberwelt geschaffen, zu welcher der Ausblick vom Hanggrundstück in einem Weinrebental auf Wohnblöcke, Shoppingcenter und Autobahn einen starken Gegensatz bildet. Der eigenwillige und visionäre Künstler arbeitet nach wie vor an seinem grandiosen Lebenswerk und erfährt nach schwierigen Anfangsjahren inzwischen von verschiedenen Stellen Unterstützung und Anerkennung.
Das Buch „Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume“ gibt einen interessanten Einblick in den Park und dessen Geschichte. Die zahlreichen Fotos sind in verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen worden. Aus Anlass des 80. Geburtstages, den Bruno Weber im April feiern konnte, erscheint in diesen Tagen im Hirmer Verlag die Retrospektive „Bruno Weber – Das künstlerische Lebenswerk“.
Hier der Link zum Skulpturenpark: Bruno-Weber-Skulpturenpark (nicht auf der Startseite stehen bleiben, die Kunstwerke müssen etwas gesucht werden!).
Peter K. Wehrli und Robert Elter:
Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume
Benteli Verlag, 2007
Oberhalb von Dietikon (in der Nähe von Zürich) lassen sich bei einem Spaziergang einzigartige Fabelwesen und die verschiedensten Sitzgelegenheiten entdecken. Im Laufe von bald fünfzig Jahren hat der mittlerweile 80jährige Künstler seine Werke geschaffen und präsentiert diese auf einem Familiengrundstück mit einer Fläche von rund 20‘000m2. Keine Angst, man kann sich nicht verlaufen. Und falls doch, führen einem einzelne aus der Erde ragende Finger wieder auf den richtigen Weg. Mutige Besucher wagen sich über den Schlangensteg, andere nehmen vielleicht auf dem Monsterstuhl Platz.
Der Skulpturenpark, in dem farbenprächtige Figuren mit Betonskulpturen um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern, ist schon mit dem italienischen Parco dei Mostri di Bomarzo verglichen worden. Der Autodidakt Bruno Weber hat aus Beton, Eisen, Blech und unzähligen farbigen Mosaikstücken mit Unterstützung von Familie, Freunden und Angestellten eine Zauberwelt geschaffen, zu welcher der Ausblick vom Hanggrundstück in einem Weinrebental auf Wohnblöcke, Shoppingcenter und Autobahn einen starken Gegensatz bildet. Der eigenwillige und visionäre Künstler arbeitet nach wie vor an seinem grandiosen Lebenswerk und erfährt nach schwierigen Anfangsjahren inzwischen von verschiedenen Stellen Unterstützung und Anerkennung.
Das Buch „Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume“ gibt einen interessanten Einblick in den Park und dessen Geschichte. Die zahlreichen Fotos sind in verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen worden. Aus Anlass des 80. Geburtstages, den Bruno Weber im April feiern konnte, erscheint in diesen Tagen im Hirmer Verlag die Retrospektive „Bruno Weber – Das künstlerische Lebenswerk“.
Hier der Link zum Skulpturenpark: Bruno-Weber-Skulpturenpark (nicht auf der Startseite stehen bleiben, die Kunstwerke müssen etwas gesucht werden!).
Peter K. Wehrli und Robert Elter:
Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume
Benteli Verlag, 2007
4. September 2011
Paul May: Greenfingers
Kates Eltern planen mit ihren drei Kindern von London weg aufs Land zu ziehen. Hauptgrund für diesen Umzug sind die Schulprobleme von Kate. Das Mädchen ist seit Schuleintritt eine schlechte Schülerin, hat grosse Lernschwierigkeiten und reagiert häufig unbeherrscht und aufbrausend. Wie so oft in letzter Zeit streiten sich Kates Eltern auch während der Besichtigung ihres künftigen Daheims fast ununterbrochen. Das baufällige Objekt ist von einem grossen, völlig verwilderten Garten umgeben. Der Hauskauf ist schnell beschlossene Sache und mit Ausnahme von Kate scheinen alle Familienmitglieder Gefallen an der geplanten Luftveränderung zu finden. Ganz speziell freut sich die Mutter auf einen eigenen Garten.
Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.
Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.
Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002
Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.
Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.
Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002
1. September 2011
Franziska Steinhauer: Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Die kürzlich im Spreewald erworbenen frisch gepflanzten riesigen Bäume haben erst wenig Zeit gehabt, ihre Wurzeln im Boden des Branitzer Schlossparks von Fürst Pückler-Muskau auszubreiten, als ein schweres Unwetter durch die Gegend fegt. Ob die Halteseile und Metallanker den Flachwurzlern wohl genügend Halt zu geben vermögen? Beunruhigt schickt der Fürst Tags darauf seine Gärtner aus, um allfällige Sturmschäden festzustellen.
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
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