9. Januar 2012

Josefa Amerstorfer: Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi

Im Garten der Blumenfreundin Grete ist eine hübsche Pflanzengesellschaft mit verschiedenen Charakteren versammelt. Dazu gehören eine stolze, eingebildete Zaubernuss, ein naiver Krokus, ein sturer, reisefreudiger Löwenzahn, eine liebenswerte, kratzbürstige Brennnessel und viele andere mehr.

Als nach dem Winter die ersten Frühblüher erwachen, bemerken diese sofort, dass die Gärtnerin Grete sich währende der kalten Jahreszeit verändert hat. Sie trägt nicht nur eine neue Frisur, auch ihr neuer Kleidungsstil hat nichts mehr mit den gewohnten einfachen und praktischen Klamotten gemeinsam, die sie bis anhin bevorzugt hat. Da sämtliche Pflanzen in diesem Zaubergarten mit der Schöpferin dieses blühenden Paradieses sprechen können, bleibt der Grund für die äusserliche Verwandlung nicht lange im Verborgenen. Nach einer gescheiterten Ehe und einem längeren Single-Dasein hat Grete endlich ihren Traummann gefunden und ist frisch verliebt.

Die verschiedenen Blumen, die oft den lieben langen Tag mit streiten verbringen, sind sich für einmal aussergewöhnlich einig, nachdem sie den Grund für Gretes Veränderung persönlich erlebt haben. Sie können Gretes Begeisterung für ihren Walter nicht teilen, er ist ihnen äusserst unsympathisch.

Kurze Zeit später wird nachts bei Grete eingebrochen. Die Gartenbewohner haben den Täter erkannt und wehren sich auf ihre Weise gegen den Eindringling. Die Igelfamilie quickt und der Rosenstrauch umgarnt ihn mit seinen stacheligen Ästen, so dass er sich darin verheddert. Damit stecken Salbei, Melisse, Pfefferminze und Co. mitten im Blumenkrimi. Und als sich tags darauf Walter von Grete trennt, sind nicht nur detektivische Fähigkeiten gefragt sondern auch Mitgefühl und Trost.

In dieser Lektüre kommt das umfangreiche Blumen- und Gartenwissen der Autorin auf jeder Seite stark ausgeprägt zum Ausdruck. Allerdings empfand ich die Dialoge zwischen den Blumen oft als langatmig und wiederholend.



Josefa Amerstorfer:
Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Agenda Verlag, 2009

5. Januar 2012

Antonia Michaelis: Wolfsgarten

Achim und Karl haben vor Jahresfrist das Kinderheim, das ihr bisheriges Zuhause war, verlassen können und in separaten Familien ein neues Leben angefangen. Der Kontakt zwischen den beiden ehemals eng befreundeten Jungs ist etwas eingeschlafen. Doch nun werden sie ans Krankenbett ihrer früheren Bezugsperson Maria gerufen, die plötzlich an einer seltsamen Krankheit leidet. Die Mittdreissigerin, die an den Heimzöglingen die Mutterstelle vertreten hat und selber kein eigenes Daheim hat, hat zuletzt von Achim und Karl gesprochen, bevor sie einen merkwürdigen Schlaf gefallen ist.

In einem von Maria verfassten, aber nicht abgeschickten Brief erfahren Achim und Karl von dunkelroten Hagenbutten mit weissen Tupfen und einem Märchen. Wenn man die Fliegenpilz-Hagenbutte in die Erde legt, soll man einen Wunsch frei haben und sobald daraus eine blühende Rose gewachsen ist und man deren Duft einatmet, soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Weiter ist die Rede von einem grünen Tor, das in einen wilden Garten führt, in dem ein altes Herrenhaus steht und von Wölfen, die dort herumstreunen.

In der verschlossenen Faust der tief schlafenden Maria entdecken die beiden Knaben eben eine solche weiss getupfte Hagenbutte und sie beschliessen, diese im Garten hinter der Mauer des Kinderheims einzupflanzen und für Maria einen Wunsch zu äussern. Mit einem Teelöffel graben sie abwechselnd ein Loch in den Kiesvorplatz, legen die Hagenbutte hinein und giessen diese mit etwas Apfelsaft an. Und wie im Märchen beschrieben, beginnt sofort ein Pflänzlein zu wachsen, das sich in kürzester Zeit in einen grossen Busch in Form eines Tores verwandelt und mit Rosenblüten übersät ist. Als die beiden Jungen den Rosenduft einatmen und durch das Tor gehen, scheint die Erde zu beben und sie finden sich in einem grossen ummauerten Garten wieder. Recht rasch bemerken sie bei Tagesanbruch, dass zwar das Kinderheim an seinem gewohnten Platz steht, aber sowohl Zugangsstrassen, Bushaltestelle und andere Gebäude fehlen. Wo sind sie da nur hingeraten? Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Warum kommen täglich Kinder in den Garten um zu rennen? Gibt es auf dem Gelände tatsächlich Wölfe, die nachts umherstreifen? Und was hat es mit der weissen und der schwarzen Gestalt und den verschiedenen im Garten gefundenen Spielsachen auf sich?

Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Zeitgeschichte, Abenteuer und Fantasie und wird in zwei Strängen erzählt. In die fiktive Geschichte werden das Ende der DDR, der Mauerfall sowie Hoffnung und Furcht eingewoben. Ein spannendes Jugendbuch, in dem die Fliegenpilz-Hagenbutte und der Rosenstrauch eine wichtige Rolle spielen. Auf dem Basler Jugendbücherschiff lassen sich doch immer wieder lohnenswerte Bücher entdecken!



Antonia Michaelis:
Wolfsgarten
KeRLE in der Herder Verlag GmbH, 2011

2. Januar 2012

Coleen Plimpton: Mentors in the Garden of Life

“Mentors in the Garden” ist wieder einmal ein Buch, bei dessen Lektüre ich bedauert habe, dass diese nach knapp dreihundet Seiten zu Ende war. Liebend gerne hätte ich noch mehr Gartengeschichten aus der Feder von Colleen Plimpton gelesen, die in ihrer Publikation Menschen vorstellt, die für ihr persönliches (Gärtner-)Leben wichtig sind oder waren. Die 31 Kapitel bestehen jeweils aus einem erzählenden Teil, einem s/w-Foto der zum Mentor passenden Pflanze und einer Beschreibung derselben samt Pflegehinweisen.

Ein starkes Interesse für Botanik zeigte Colleen Plimpton schon in ihrer Kindheit. Ihr kleines Gärtnerinnenherz schlug besonders heftig, als sie als zehnjähriges Mädchen auf dem Dachboden ein altes Gartenbuch aus dem Jahr 1924 entdeckte. Zur gleichen Zeit erhielt sie von ihrer Mutter für jeweils 100 gepflückte Löwenzahnblüten einen kleinen Batzen. Während für die gärtnerisch unbedarfte Mutter mit dem Verschwinden der Blüten der Rasen wieder perfekt zu sein schien, wusste ihre Tochter bereits genau, dass Löwenzahn nur dauerhaft entfernt werden kann, wenn man das Übel vor dem Versamen an der Wurzel packt, sprich samt Wurzel entfernt. Ein Wissen, das Coleen aber wohlweisslich für sich behalten hat.

Anfang der 1970er-Jahre wollte Coleen Plimpton als junge Frau ihr Buchwissen über das Anlegen von Kompost praktisch umsetzen. Dabei ging irgendwie vergessen, dass grüne und braune Grundstoffe nötig sind. Als sie für ein paar Tage abwesend war, entdeckte ihre Mitbewohnerin nach Reklamtionen von Nachbarn über Geruchsimmssionen, dass der ganze Haufen in Bewegung, sprich voller Maden war, worauf sie das gesamte sich im Zersetzungsprozess befindende Material im Wald entsorgte, um keinen Rauswurf aus der Wohnung zu riskieren. Spätere Kompostierungsversuche waren einiges erfolgreicher und einmal wurde im Umzugswagen sogar reifer Naturdünger von New Jersey nach Connecticut gekarrt (einschliesslich unzähliger Samen von Johny jump-up-Veilchen).

Die Autorin hat sich ihre gärtnerische Erfahrung zunächst hauptsächlich durch Ausprobieren und Lesen angeeignet. Verschiedene durch Beförderungen ihres Mannes bedingte Umzüge mit ihrer Familie stellten sie immer wieder vor neue hortikulturelle, teilweise auch klimatisch bedingte Herausforderungen. Inzwischen hat sie sogar ihrem angestammten sozialen Beruf den Rücken gekehrt und betätigt sich hauptberuflich als Autorin, Gärtnerin und sie hält Lesungen und gibt Kurse zum Thema Garten.

In diesem sehr persönlichen Buch lernen wir nicht nur die wichtigsten Personen aus Colleens Umfeld kennen, wir erfahren von ihrem persönlichen Hirsch-Krieg, der dazu geführt, dass sie ein äusserst probates Mittel entwickelt hat, das diese Tiere vom Garten fernhält. Und heutzutage teilt sie ihr Wissen auch gerne mit anderen und wir lesen wie sie sich jeweils nach ihren Umzügen ein neues grünes Umfeld aufbaut, Freunden und Bekannten in gärtnerischen Belangen hilft, Gartenkolumnen verfasst, eine Ausbildung im Botanischen Garten von New York absolviert und schliesslich ihr Unternehmen „Morning Glory Gardens“ auf die Beine stellt. Und zwischen all diesen Tätigkeiten hunderte von Seiten Tagebücher schreibt.

Hier der Link zu einer Lesung der Autorin.



Colleen Plimpton:
Mentors in the Garden of Life
Park East Press, 2010

30. Dezember 2011

Christine Becker: Helleborus in unseren Gärten und Helleborus – Eine Monografie

Eine eher achtlos gepflanzte Helleborus erweckte Jahre nach ihrer Pflanzung wegen ihrer schönen Blüten und nicht zuletzt wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit plötzlich die Aufmerksamkeit der Fotografin Christine Becker und entfachte damit eine bis heute andauernde Leidenschaft und gleichzeitig die Möglichkeit, die kalte Jahreszeit durch erste Blühhöhepunkte zu überbrücken. Längst gibt sich die Autorin nicht mehr mit dem Pflanzenmaterial zufrieden, das sie auf Märkten und im Internet findet, sondern sie betätigt sich selber als Züchterin.

Deutschsprachige Literatur über Christ- oder Lenzrosen ist eher Mangelware. Diese Lücke füllt Christine Becker nun gleich mit zwei Büchern, die 2010 und 2011 erschienen sind: „Helleborus in unseren Gärten“ und „Helleborus – Eine Monografie“. In diesen Publikationen gibt sie ihr Wissen, ihre Erfahrung und nicht zuletzt ihren Enthusiasmus an interessierte Leserinnen und Leser weiter.

Im schmalen Büchlein „Helleborus in unseren Gärten“ gibt die Autorin auf knapp 80 Seiten einen kurzen Überblick in Legenden, Geschichte und Zucht rund um die Vorfrühlingsblüher. Themen wie Pflege und Krankheiten sowie Bezugsquellen runden die Publikation ab, die mit eigenen Fotos der studierten Fotografin illustriert ist. Dieses Büchlein ist übrigens ein schönes Beispiel, das auch unter dem Label „Books on Demand“ optisch ansprechende Bücher produziert werden können.

Für den anspruchsvolleren lesenden Gärtner, der vielleicht schon längst weiss, dass Christrosen kein Dasein im Schatten fristen möchten und müssen, sondern auch an einem sonnigen Plätzchen gut gedeihen, und der sein Wissen über Helleborus vertiefen möchte, ist die deutlich aufwendigere Produktion „Helleborus – Eine Monografie“ zu empfehlen. Diese ist in folgende Kapitel gegliedert:

- Spurensuche
- Synonyme
- Heilkunde und Experimente
- Legenden, Fabeln, Dichtung und Mythen
- Beschreibung der Arten
- Pflege
- Gartenhybriden
- Blüten à la Trompe-l’oeil – Schönheit der Vergänglichkeit
- Das Buch, Literatur und Anmerkungen, Bild- und Bezugsquellen

Im Kapitel „Spurensuche“ gibt die Autorin einen ausführlichen Überblick über Philosophen, Theologen, Mediziner, Dichter, Künstler, Botaniker und Enthusiasten, die sich in den vergangenen Jahrhunderten mit Helleborus beschäftigt haben. Über die Herkunft des Namens Helleborus gibt es verschiedene Auslegungen, doch kann keine schlüssig belegt werden. Ebenso vielfältig und nicht über jeden Zweifel erhaben war die Verwendung der giftigen Pflanze als Heilmittel. So wurden zu Zeiten des berühmten römischen Dichters Horaz Helleborusrezepturen zusammengemischt, die den Geist erweitern und erfrischen sollten. Vor Nachahmungen wird deutlich abgeraten! Daneben spielte die Pflanze in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in Komödien und Dramen eine Rolle. Und erst viel später nahm die kostbare Pflanze auch ihrer Schönheit wegen Einzug in die europäischen Gärten - ein Trend, der bis heute ungebrochen ist.

Im geschichtlichen Überblick dürfen natürlich auch Züchternamen wie Helen Ballard, Elizabeth Strangman, Graham Rice und Eric Smith nicht fehlen. Daneben erwähnt die Autorin auch Briefmarkenserien, auf welchen Helleborus abgebildet sind, führt fast unzählige volkstümliche Namen für die beliebte Giftpflanze auf (z.B. Hemmer, Schneekannerl, Lauskraut, Gärbala) und erklärt, dass der Niesen, ein Berg bei Spiez am Thunersee, nach der Nieswurz benannt worden sein soll.

Das Kapitel „Beschreibung der Arten“ enthält eine kurze botanische Systematisierung, die schematische Darstellung einer Blüte, Beschreibungen der stammlosen und stammbildenden Arten sowie Abbildungen von Blattformen von Wildpflanzen, Gartenformen, Züchtungen und Hybriden, die einen Eindruck über deren Vielfältigkeit vermitteln. Rund sechzig Seiten der informativen und inspirierenden Publikation sind mit ganzseitigen Fotos der Autorin und Fotografin bedruckt, die das Liebhaberherz höher schlagen lassen und Begehrlichkeiten wecken. Gemeinsam mit den abgebildeten Drucken und Stichen ist das Buch eine wahre Augenweide und auch für Kunstfreunde interessant. Abgeschlossen wird die teilweise zweisprachige Publikation (deutsch und englisch) durch ausführliche Hinweise zu weiterführender Literatur und Anmerkungen zur Spurensuche sowie Bild- und Bezugsquellen. Als etwas störend, weil den Lesefluss hemmend, empfand ich einzig die spezielle Schrift, welche die Konsonantenkombinationen „st“ und „sb“ miteinander verbindet.

Auch in meinem Garten wachsen ein paar Orientalis-Hybriden, deren Blüten ich nicht missen möchte. Zwar ärgere ich mich beinahe jährlich über mich selber und meine Unfähigkeit, die welken Blütenstände rechtzeitig zu entfernen, welche mir regelmässig beinahe unzählige Sämlinge beschert, deren Entfernen mit Sicherheit mehr Zeit beansprucht, als das Abknipsen der Samenanlagen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die bereits in den „Startlöchern“ stehende nächste Blütenpracht und verbringe die Zeit im warmen Sofagarten unter anderem mit Schmökern im gerade wiederentdeckten Buch „Zeitlos flattern Blütenträume …“, ebenfalls von Christine Becker. Darin plaudert sie (vor ihrer Helleborus-Infizierung) über ihren Garten und zeigt eigene Aufnahmen aus demselben.


Christine Becker:
Helleborus – Eine Monografie
Edition Viridit Art, 2011

Helleborus in unseren Gärten
Books on Demand, 2010


Webseite von Christine Becker: www.helleborus-hellebores.com (das Buch ist nur direkt bei der Autorin oder via Amazon erhältlich)

27. Dezember 2011

Ulla Lachauer: Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin

In ihrem aktuellen Buch „Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin“ gibt Ulla Lachauer der 1933 mit „schlechten Äugle“ geborenen Enkelin eines Freiburger Malermeisters eine Stimme. Der kleine Wildfang Magdalena konnte trotz schwerer Sehbehinderung bereits im Alter von vier Jahren viele verschiedenen Farben Blau unterscheiden. Die starke Trübung der Augenlinsen liess bei Magdalena andere Sinne viel ausgeprägter entwickeln. Ihr guter Hörsinn war ihr beispielsweise in den Kriegsjahren eine Hilfe, da sie die anfliegenden Bomber jeweils als erste vernahm und auch mit der Verdunkelung hatte das ans Dunkle gewohnte Mädchen weniger Mühe als Sehende. Trotz ihrer starken Sehbehinderung konnte Magdalena mit dem linken Auge zunächst lesen, wenn sie das Gedruckte direkt ans Auge hielt. Später erblindete sie vollständig.

Schon als Kleinkind half Magdalena gerne im Garten und spielte auch häufig dort. Sie roch an Blüten, streichelte über Blätter und entwickelte eine Vorliebe für den Genuss von sauren Begonienblüten. Zu ihren ersten gärtnerischen Tätigkeiten gehörte das Einpflanzen ihrer Lieblingspuppe in einen Hortensientopf. Diese sollte nämlich durch ordentliches Giessen auch so gross werden wie die Puppe ihrer Cousine. Das Vorhaben war leider nicht von Erfolg gekrönt. Pflanzenkunde wurde ihr vom Grossvater beigebracht und mit einer Klassenkameradin streifte sie auf dem Schulweg durch eine stillgelegte Baustelle, um dort Blumen zu sammeln und zu essen. Viele Jahre später hat sie einen eigenen Garten – häufig eine Quelle der Freude, aber oft auch von Enttäuschung und Wut, etwa wenn sie beim Jäten den Salat nicht vom Unkraut unterscheiden kann.

Die Biografie gibt einen detaillierten Einblick ins Leben der blinden Gärtnerin. Der Leser erfährt von Magdalenas vom Krieg überschatteter Kindheit, ihren Jahren in einem Marburger Internat, ihrer beruflichen Tätigkeit im Büro bei der Post und von der Heirat und Ehe mit ihrem Mann, einem Dorfschullehrer. Neben Anekdoten aus Schulzimmern lesen wir vom schwierigen, zeitintensiven Führen eines Haushalts mit Sehbehinderung, von Magdalenas ausgeprägtem Kinderwunsch und der Angst davor, die Krankheit zu vererben, vom Hadern mit der katholischen Kirche, von Fernweh und nicht zuletzt von einer russischen Adligen namens Galina, die Magdalena eine unschätzbar wertvolle Lehrerin in Sachen Garten war.

In die Erzählung eingebettet sind zumeist doppelseitige Beiträge aus dem aktuellen Leben der blinden Gärtnerin; einem ausgesprochen schwierigen Gartenjahr. Denn die Frau muss sich wegen einer bevorstehenden Herzoperation schonen und die bewährte Arbeitsteilung zwischen ihr und ihrem Mann – sie fürs Feine, er fürs Grobe – muss entfallen. Kein Pikieren von Tomatenpflänzlein. Was bleibt sind das Zurückschneiden der Clematis und nächtliche Aufenthalte im Garten. Auf dem Liegestuhl die Ohren gross machen und lauschen was nachts im Garten abgeht: Kämpfe zwischen rivalisierenden Katzen, knistern, rascheln, krabbeln…

Noch mehr interessanten Lesestoff mit hortikulturellem Hintergrund gibt’s in Ulla Lachauers Buch „Der Akazienkavalier – Von Menschen und Gärten (2008).



Ulla Lachauer:
Magdalenas Blau – Das Leben einer blinden Gärtnerin
Rowohlt Verlag, 2011



Die blinde Gärtnerin - Das Leben der Magdalena Eglin (TB-Ausgabe)
rororo, 2013

13. Dezember 2011

Dies und das

Falls Sie noch ein Last-Minute-Geschenk für lesende Gartenfreunde suchen, lohnt sich vielleicht ein Besuch auf der Homepage des Restsellers Jokers. Seit das Angebot um nicht preisreduzierte Artikel erweitert worden ist, macht mir persönlich das Stöbern auf diesen Seiten zwar nicht mehr halb so viel Spass. Das Navigieren, sprich Finden von Schnäppchen ist nämlich viel mühsamer geworden - oder vielleicht hab ich einfach noch nicht herausgefunden, wie ich die Normalpreisigen-Bücher bei der Suche komplett ausschalten kann. Trotzdem habe ich mir gerade zwei schöne Bücher gegönnt: „Der chinesische Garten“ von Maggie Keswick und „Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse. Beide Titel kosten nur noch einen Bruchteil vom ursprünglichen Verkaufspreis.

Gleichzeitig bin ich wieder einmal am Überlegen, ob ich mir doch gelegentlich einen E-Book-Reader anschaffen soll. Denn gerade bin ich über einen Download von Noel Kingsbury gestolpert mit dem Titel „Meetings with Remarkable Gardeners – Beth Chatto“. Dieses Buch würde mich zwar sehr interessieren, aber leider gehört es zu den immer häufigeren Publikationen, die nicht mehr in Papierform gekauft, sondern nur noch heruntergeladen werden können. Vielleicht wäre die Anschaffung eines E-Book-Readers ja eine elegante Möglichkeit, der drohenden Platzknappheit auf dem Büchergestell entgegenzuwirken?

Aus aktuellem Anlass lese ich gerade wieder einmal in „Nuancen aus Grün“ der kürzlich verstorbenen Christa Wolf. Unter diesem Titel sind Geschichten und Szenen aus ihren Erzählungen herausgelöst und mit grossartigen Fotos zusammengestellt worden. Inspierend sind auch die vielen Fotos in der Monografie „Helleborus“ von Christine Becker, die ich gerade lese und demnächst hier vorstellen werde.

Nach diesem Blog-Beitrag mache ich bis zu den Weihnachtstagen Pause und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine friedliche und besinnliche Adventszeit und genügend Zeit und Musse, um zwischen dem Einpacken von Geschenken und dem Guetsli-Backen ein wenig in einem spannenden Buch lesen zu können. Vor dem Jahresende werde ich nach Lust und Laune noch den einen oder anderen Titel aus der Liste mit den gelesenen Bücher rechts im Blog auswählen und meine Vorstellung online stellen. Und in der blogfreien Zeit werde ich es vielleicht einmal schaffen, dem zwar erst in der Entstehung begriffenen Schlossgarten in nächster Umgebung einen Besuch abzustatten. Dieser wird nämlich vom hier schon mehrfach erwähnten Landschaftsarchitekten, der kürzlich mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist, umgestaltet und nächstes Jahr mit Pro Specie Rara-Pflanzen bestückt.

9. Dezember 2011

Mary A. Agria: Time in a Garden

Eve Brennermann ist Anfang sechzig und seit einiger Zeit verwitwet. Nach einer rund dreissigjährigen, mehrheitlich unglücklichen Ehe, hält sich ihre Trauer über den Verlust ihres untreuen Mannes eher in Grenzen. Um ihre Vergangenheit abzustreifen, ist sie in das Haus ihrer Grossmutter im ländlichen Michigan gezogen. Die Töchter der deutschstämmigen Frau wohnen weit weg und ihre einzigen Freundinnen sind die wenigen Frauen, die sich mit ihr zusammen ehrenamtlich in einer Gartengruppe engagieren, die ein vernachlässigtes Stück Land in den „Aurelius Community Garden“ verwandeln will.

Beruflich ist Eve für die ums Überleben kämpfende Lokalzeitung „Xenaphon Weekly Gazette“ tätig. Als ihr Vorgesetzter von ihrem Engagement für die Gartengruppe erfährt, erteilt er ihr den Auftrag, eine wöchentliche Gartenkolumne mit dem Titel „Time in a Garden“ zu schreiben.

Die hauptsächlich aus noch einigermassen rüstigen Seniorinnen und Senioren bestehende Gartengruppe erhält mit Adam Groft ein neues kompetentes Mitglied mit hortikulturellem Hintergrund. Der Mittsechziger hat sein Leben lang vermieden, enge Beziehungen einzugehen und ist erst nach dem noch nicht lange zurückliegenden Tod seines Vaters zurück in die Heimat gekehrt, um die grosse väterliche Gärtnerei zu übernehmen.

Eve und Adam sind sich ähnlicher als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Beide sind „beziehungsgeschädigt“. Diese Tatsache und das gemeinsame gärtnerische Interesse bildet bald das Fundament für ein zartes Band zwischen den beiden. Sie harmonieren dermassen gut, dass schon bald ein Hochzeitsdatum festgelegt wird. Doch was meinen Eve’s Töchter zum neuen Mann in ihrem Leben? Die eine gibt ihr immer noch unterschwellig die Schuld an der Untreue des verstorbenen Mannes, während die andere nicht versteht, warum Eve nicht schon lange vor dem tödlichen Unfall Konsequenzen gezogen und sich getrennt hat. Mitten in Eve’s diesbezüglichen Überlegungen platzt die Nachricht, dass das Gelände des Gemeinschaftsgartens der Verbreitung der örtlichen Autobahnzufahrt weichen soll.

Adam und Eva im Garten Eden? Das Ende des Romans ist leider nicht paradiesisch, weckt aber gerade deshalb noch stärker die Neugier auf die Fortsetzung mit dem Titel „Garden of Eve“. „Time in a Garden“ ist eine sehr einfühlsame, lebensnahe Lektüre mit spannenden Charakteren, deren Schicksal einem auch nach der letzten gelesenen Seite noch beschäftigt. Die tiefgreifenden Veränderungen in Eve’s Privatleben finden auch Ausdruck in ihren wöchentlichen Kolumnen. Diese werden im Laufe des Buches immer persönlicher und sind nicht zuletzt wegen den vielfältigen Gartentipps eine willkommene Auflockerung des Romans für die lesende Gärtnerin.



Mary A. Agria:
Time in a Garden
Naturals Editions, 2006