10. November 2010

Exerzierplatz

Auf dem Gelände eines ehemaligen Exerzierplatzes baut sich Konrad Zeller nach dem 2. Weltkrieg gegen viele Widerstände mit seinem Wissen, seiner Weitsichtigkeit und viel harter Arbeit eine neue Existenz auf - eine Baum- und Pflanzenschule. Schon seit über dreissig Jahren ist der durch eine Kopfverletzung etwas einfältige Ich-Erzähler Bruno Zellers fleissiger und loyaler Helfer, bleibt aber dennoch über alle Jahrzehnte hinweg ein Aussenseiter.

Die Erzählung wechselt jeweils unvermittelt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Der Leser bleibt zunächst im Unklaren, was es mit der drohenden Entmündigung Zellers und einem Schenkungsvertrag auf sich hat. Bruchstückweise erfährt man von den schweren Aufbaujahren, vom zunehmenden Erfolg, erlebt mit, wie die Familie wächst und zu Wohlstand und Ansehen kommt und schliesslich fügen sich alle Informationsteilchen zu einem Puzzle.

So ganz nebenbei vermittelt die Lektüre einen aufschlussreichen Einblick in die Tätigkeiten in einer Baumschule, man liest von Okulier- und Kopuliermessern, Hippen, Amboss- und Papageienschnabelscheren und über die unterschiedlichen Auswirkungen vom Genuss von Samen aus Nadelholzzapfen oder von Spirea und Magnolien. Es wäre bestimmt interessant zu erfahren, woher Siegfried Lenz sein detailliertes diesbezügliches Wissen hat – beim Googeln habe ich leider keine entsprechenden Informationen finden können.



Siegfried Lenz:
Exerzierplatz
Deutscher Taschenbuch Verlag, 1989 / 7. Auflage 2009

8. November 2010

Die Tochter des Webers

Holland – Ende des 16. Jahrhunderts: Während sich im Garten der Familie Fromenteel der junge Gärtner Jan an einem schönen Vorfrühlingstag um die Kräuter- und Buchsbaumornamente kümmert, verhandelt drinnen im Haus Cornelis Fromenteel über die Zukunft seiner Tochter Anna. Der flämische Tuchhändler lebt über seine Verhältnisse; sein Vermögen und seine Ausgaben übersteigen seine Möglichkeiten und er sucht verzweifelt einen Weg, um sein standesgemässes Haus nicht aufgeben zu müssen. Als letzten Ausweg aus seiner Misere sieht Fromenteel die Verheiratung von Anna mit seinem künftigen Geschäftspartner Otto de Hane, einem reichen, alten Witwer.

Anna hingegen möchte ihre heimliche Liebe Jan heiraten sobald dieser genügend Geld gespart hat, um ihr eine angemessene Zukunft bieten zu können. Die väterlichen Verhandlungen über die Eheschliessung mit de Hane veranlassen die beiden jungen Leute, Holland überstürzt zu verlassen und in England ihr Glück zu suchen.

Der Neuanfang im neuen Land erweist sich als schwierig. Während Jan eine gut bezahlte Stelle als Gärtner antreten kann, findet Anna Aufnahme im Haushalt des flämischen Pfarrers, der ihr von Beginn an nachstellt. Als die Situation für Anna unerträglich wird, flüchtet sie aus dem Haus. Danach ergibt sich für die gemeinsame Zukunft von Anna und Jan unerwartet eine Wendung zum Guten: die beiden jungen Leute können endlich heiraten und Jans Arbeitgeber stellt ihnen ein kleines Häuschen als Heim zu Verfügung. Schon bald erwarten die beiden freudig ihr erstes Kind. Wenige Wochen vor der Geburt wird Jan von seinem Arbeitgeber nach Holland geschickt, um Tulpenzwiebeln für den prächtigen Garten zu kaufen. Auf der Rückreise erkrankt der Gärtner schwer und stirbt noch auf dem Schiff.

Der beeindruckende von Jan für seinen Meister angelegten Garten wird häufig detailliert beschrieben und spielt auch nach Jans Tod gelegentlich eine wichtige Rolle.



Elizabeth Jeffrey:
Die Tochter des Webers
Mira Taschenbuch (Cora Verlag), 2010

4. November 2010

The locked Garden

Die beiden sechs- und zwölfjährigen Mädchen Carlie und Verna haben vor zwei Jahren ihre Mutter verloren. Nun, im Jahr 1900, ziehen die Halbwaisen mit ihrem Vater, einem bekannten Psychiater, in ein neues Zuhause, das zum Grundstück einer psychiatrischen Anstalt gehört. Während ihr Vater seine Patienten und Patientinnen behandelt, werden die beiden Mädchen von ihrer Tante Maude betreut.

Maude fühlt sich in der neuen Umgebung nicht wohl und wittert ständig überall Gefahren. Gleichzeitig versucht sie vergeblich und mit allen Mitteln, die Liebe ihrer Nichten, speziell aber jene von Carlie, zu erlangen. Was Maude nicht gelingt, schafft die junge Patientin Elanor im Handumdrehen. Die natürliche Art der Farmerstochter verschafft ihr einen direkten Weg in die Herzen der beiden Mädchen. Maude kann und will diese Tatsache nicht akzeptieren und strapaziert das sowieso schon nicht sehr ausgeprägte Selbstbewusstsein der jungen psychisch kranken Frau. Die Beschimpfungen und hinterhältigen Machenschaften scheinen zu fruchten. Aber wird es Maud gelingen, ihren Schwager für sich einzunehmen?

Der Buchtitel bezieht sich auf den umschlossenen Garten des Genesungsheims, der im Wechsel der Jahreszeiten beschrieben wird, ist aber gleichzeitig auch ein Sinnbild für verschlossene Herzen.



Gloria Whelan:
The locked Garden
Harper Collins Publishers, 2009

1. November 2010

Gärtnern für die Seele

Laut Kaufquittung (die ich üblicherweise als Buchzeichen verwende) steht das Taschenbuch „Gärtnern für die Seele“ seit bald fünf Jahren ungelesen zwischen anderen längst gelesenen Titeln aus dem Goldmann Verlag auf meinem Bücherregal. Ob es an dem Titel liegt, der mir etwas zu esoterisch ist? Nachdem ich diesem Buch in den letzten Wochen nicht nur auf Ramschtischen begegnet bin, sondern es auch in dem Roman „Herbal Beginnings“ (siehe Rezension vom 25.10.2010) wiederholt positiv erwähnt worden ist, habe ich es mir nun doch endlich gelesen.

Die Autorin Fran Sorin ist überzeugt, dass Gärtnern eine der effektivsten Möglichkeiten ist, die Kreativität zu wecken, die in jedem Mensch schlummert und dass diese einmal freigesetzten Energien einen positiven Einfluss auf andere Lebensbereiche haben. Fran Sorin entwickelte sich im Verlauf von zehn Jahren von einer Anfängerin in Sachen Garten und Gärtnern mittels Learning by Doing zu einer anerkannten Gartenexpertin und parallel dazu von einer zweifelnden, ihre Fähigkeiten unterschätzenden Frau zu einer zufriedenen und selbstbewussten Persönlichkeit. Sie tritt beispielsweise in Fernsehspots auf, führt Workshops durch und moderiert eine Garten-Ratgeber-Sendung im Radio.

Das Buch „Gärtnern für die Seele“ ist in sieben Phasen gegliedert, beginnend mit Vorstellungskraft, Vision, Planung geht es weiter mit Anpflanzen, Pflege, Freude und endet mit dem Kapitel „Abschluss – Im Zyklus der Jahreszeiten“. Eigene Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin und aus ihrem Umfeld werden immer wieder eingeflochten. Ein inspirierendes Selbshilfebuch mit klaren, nachvollziehbaren Ratschlägen. Das Gärtnern ist als Metapher zu betrachten. Die Empfehlungen würde ich nicht gerade als „besserwisserisch“ bezeichnen, aber für meinen Geschmack sind es allzu viele „gute“ Tipps auf rund 250 Seiten - dennoch handelt es sich durchaus um eine interessante und lehrreiche Lektüre. Jedenfalls hat mich mein Bauchgefühl betreffend Inhalt nicht getrogen und ich weiss nun konkret, warum ich das Buch dermassen lange nicht gelesen habe ...



Fran Sorin:
Gärtnern für die Seele – Beim Säen, Pflanzen und Ernten zu sich selbst finden
Goldmann Verlag, 2006

28. Oktober 2010

Heinz-Peter Baecker: Blütenpracht - BUGA-Krimi

Den zur 2011 in Koblenz stattfindenden Bundesgartenschau erschienenen Krimi „Blütenpracht“ habe ich an der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt entdeckt.

In einer Panoramakabine der Seilbahn, die über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein führt, liegt nach dem BUGA-Eröffnungswochenende ein Toter. Der Mann ist ungefähr Mitte zwanzig und rund 175 cm gross. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich um einen Kosovo-Albaner handelt, der als Hilfsgärtner auf dem BUGA-Gelände angestellt war. Dieser hatte zwar von Botanik keine allzugrosse Ahnung, war aber laut Auskunft seiner Vorgesetzten ein zuverlässiger und kreativer Mitarbeiter. Aber wie konnte sich das Mordopfer von seinem Stundenlohn von weniger als 8 Euro eine vorausbezahlte Dauerunterkunft in einem Hotel leisten?

Der SOKO-Name „Blütenpracht“ erweist sich nach dem Fund von Falschgeld als im zweifachen Sinn passend. Der erste Todesfall ist noch nicht aufgeklärt und die „BUGA-Leiche“ sorgt in den Medien immer noch für Schlagzeilen, als sich ein zweiter Mord ereignet.



Heinz-Peter Baecker:
Blütenpracht
Kontrast Verlag, 2010

27. Oktober 2010

Jürgen Dahl – (wieder)entdeckt

Haben Sie schon einmal die Liste mit meinen Lieblingsblogs durchstöbert? Der neueste Beitrag von „Garden Monkey's Book Flange“ handelt von den englischsprachigen Ausgaben der Bücher von Jürgen Dahl, einem meiner Lieblingsautoren.

Beide sind eine (Wieder-)Entdeckung wert: Jürgen Dahl und seine Bücher wie „Der neugierige Gärtner“ oder „Nachrichten aus dem Garten“ und der englische Gartenbuchblog! An diesem ist übrigens auch Nigel Colborn beteiligt (siehe "Contributors“).

25. Oktober 2010

Herbal Beginnings: A novel with herbal appetizer and cocktail recipes

Die Autorin Carolee Snyder führt in Hartford City “Carolee's Herb Farm”. Ihre Erfahrungen rund um das Führen eines solchen Betriebes hat sie in den Titel “Herbal Beginnings” eingebracht. Das Buch ist also nicht nur ein Roman mit gärtnerischem Hintergrund, gleichzeitig vermittelt es einen detaillierten Einblick in die Erfolge und Rückschläge in einer Kräutergärtnerei und kann bei Bedarf auch als Ergänzung zum letzthin hier vorgestellten Buch „So you want to start a Nursery“ betrachtet werden. Darum geht es:

Wenige Wochen vor der geplanten Hochzeit wird Callie von ihrem langjährigen Freund verlassen. Sie kündigt ihre Stelle und beschliesst einen Versuch zu wagen, um aus ihrer Lieblingsbeschäftigung, der Vermehrung und dem Verkauf von Kräutern, einen Beruf zu machen. In Heartland, Indiana, kauft sie eine alte Farm und startet ihr Projekt berufliche Selbständigkeit.

Callies Ideenreichtum ist schier unerschöpflich und die Leserin kann sich die Gärtnerei und die Dekorationen aufgrund der detaillierten Lektüre bildlich vorstellen. Neben ihrer Tätigkeit als Gärtnerin bietet die Jungunternehmerin Workshops zu unterschiedlichen saisonalen Themen an, schreibt eine Gartenkolumne für die Lokalzeitung, plant ein Buch zu schreiben, tritt im Fernsehen auf und erhält auch bei einem Radiosender Gelegenheit, ihr Wissen weiterzugeben. Doch nicht alles läuft rund - die Umsätze entwickeln sich nicht immer wie erhofft und eine Messe, von der sich Callie viel versprochen hat, erweist sich als Flop. Ausserdem wird auf ihrem Grundstück wiederholt gewildert und die junge Frau wird auf dem Flughafen und daheim ausgeraubt. Dann sind da noch verschiedene Junggesellen, die Callie gerne näher kennen lernen möchten.

Der unerwartete Schluss gefällt mir weniger - da ich aber eben entdeckt habe, dass es ein Buch mit einer Fortsetzung über Callies zweites Jahr als Kräutergärtnerin gibt ("Herbal Choices"), bin ich nun gespannt, wie es in Heartland beruflich und privat weitergeht. Der Roman ist übrigens in monatliche Kapitel gegliedert und wird jeweils durch ein ausführliches Kräuterportrait abgeschlossen. Wer Lust hat, kann auch eines der vielen Rezepte wie „Mini Pesto Balls“ oder „Herbal Hot Buttered Rum“ ausprobieren.

Im Buch wird wiederholt das auch auf Deutsch erhältliche Buch „Digging Deep“ (Gärtnern für die Seele) von Fran Sorin erwähnt, das derzeit gerade verramscht wird. Zum Inhalt möchte ich noch nichts anmerken, da ich gerade noch mit der Lektüre desselben beschäftigt bin.

Beim Lesen von „Herbal Beginnings“ habe ich immer wieder bedauert, dass es in meiner Nähe keine Callie mit ihrem interessanten Angebot gibt. Immerhin bleibt als Trost das virtuelle Vorbeischauen auf Carolee Snyders Herbfarm, die mit wenigen Clicks unter www.caroleesherbfarm.com jederzeit verfügbar ist …


Carolee Snyder:
Herbal Beginnings: A novel with herbal appetizer and cocktail recipes
AuthorHouse, 2009

21. Oktober 2010

Gelbes Strandgut

Die Romanschriftstellerin Ena Blomberg träumt seit Jahren davon, einen Bestseller zu schreiben. Ihr Alltag sieht aber anders aus, da sich ihre Bücher nur mit mässigem Erfolg verkaufen und verschiedene Manuskripte unveröffentlicht auf ihre Entdeckung und Publikation warten. Lesungen empfindet Ena als nicht viel angenehmer als für Recherchen unwillige Leute zu interviewen. Vom täglichen Allerlei und einer fast stumm gewordenen Ehe flüchtet sie sich in ihre Romanfiguren.

Als die Autorin am Strand von Usedom zum zweiten Mal eine gelbe Rose findet und von einem geheimnisvollen Rosenkavalier namens Jupp Jensen hört, ist ihre Neugierde geweckt. Dessen Frau Alexandra ist vor einiger Zeit auf rätselhafte Weise verschwunden. Je intensiver sich Ena mit ihrem „Fall“ beschäftigt, desto sicherer ist sie, einem Verbrechen auf der Spur zu sein und das Thema für einen Beststeller gefunden zu haben. Jensen verbirgt eindeutig ein Geheimnis und scheint mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben. Stimmt Enas Vermutung, dass mit den gelben Rosen um Vergebung gebeten soll?

Indessen Ena Blomberg immer tiefer in die Geschichte eindringt, tauchen immer mehr Parallelen zwischen ihrem Leben und jenem von Jensen auf und sie muss erkennen, was letztlich unbegründete Verdächtigungen für Zerstörungen anrichten können.

Mit Ausnahme der gelben Rosen - einer Metapher für ein gelbes Kleid - und einem Herbarium spielt die Botanik keine Rolle in diesem Roman. Ich glaube nun nicht, dass es dieser Titel auf die Bestseller-Liste schafft, war aber von Lektüre positiv überrascht, obwohl ich die Rolle der Betrügerin Maria überflüssig fand. Die Romanschreiberin Blomberg mit ihren Selbstzweifeln und ihrer rastlosen Suche nach dem richtigen Stoff für einen Bestseller ist authentisch gezeichnet und ihre Handlungen durchaus nachvollziehbar.



Maxi Hill:
Ein Bestseller fällt nicht vom Himmel
Buchverlag Andrea Schmitz, 2010