20. April 2011

Das Orchideenhaus - Hothouse Flower

„The moment ist all we have“ – Bis Julia Forrester diese Lehre aus ihren Erfahrungen und Schicksalsschlägen gezogen hat und der Roman „Hothouse Flower“ (auf Deutsch „Das Orchideenhaus) mit dieser Erkenntnis endet, liegen über 570 gelesene Seiten hinter der Leserin. Diese sind vollgepackt mit der eng miteinander verknüpften Familiengeschichte der Crawfords von Wharton Park Estate und der Gärtnersfamilie Stafford und sie erzählen von tragischen Liebesgeschichten.

Nach dem Unfalltod ihres Ehemannes und ihres dreijährigen Sohnes zieht sich die berühmte Pianistin Julia Forrester in ihr abgelegenes Cottage zurück und vergräbt sich in ihrem Schmerz. Ihre Schwester nimmt sie mit auf eine Auktion auf Wharton Park, das wegen fehlender finanzieller Mittel des Erben Kit Crawford verkauft werden soll. Die beiden Frauen wollen ein Geschenk für ihren Vater kaufen. Dieser Ausflug weckt in Julia Erinnerungen an ihre Kindheit, an Besuche bei ihren Grosseltern und an die Gewächshäuser voller exotischer Blumen, insbesondere Orchideen. Sie erinnert sich auch an ihren 11. Geburtstag – an diesem Tag hatte ihr Grossvater ihr ihre ganz eigene Orchidee präsentiert, eine Aerides odoratum.

Neben Bildern für ihren Vater kauft Julia auf Wharton Park zwei alte Kinderbücher. Eben diese Bücher waren gar nicht für den Verkauf bestimmt. Kit Crawford bietet Julia zum Tausch ein altes Tagebuch aus den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts zum Tausch an, das bei Restaurationsarbeiten unter Bodenplatten entdeckt worden ist und das von ihrem Grossvater zu sein scheint. Das Tagebuch weckt Julias Interesse für die Vergangenheit ihrer Familie und sie besucht erstmals nach vielen Jahren ihre Grossmutter Elsie.

Die Autorin versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und zu halten, in dem die Geschichte aus zwei Blickwinkeln erzählt wird und gleichzeitig in England und Thailand spielt.



Lucinda Riley:
Hothouse Flower
Penguin Books, 2011

Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011 (erscheint im Mai 2011)

17. April 2011

Der Gartenkünstler

Manchmal dauert es länger, bis ich eine begonnene Lektüre abschliesse. Mehr als ein Jahr nach der kurzen Erwähnung des Buches „Der Gartenkünstler“ ist es endlich zu Ende gelesen!

Das Anlegen eines Gartens kann ganz schön ins Geld gehen. Das gilt umso mehr, wenn es um die Gestaltung ganzer Landschaften geht. Diese Erfahrung muss auch der Gartenarchitekt Hermann Fürst Pückler machen, der 1826 genau aus diesen Gründen vor dem Bankrott steht. Im Einvernehmen mit seiner geliebten Frau Lucie beschliesst er, sich scheiden zu lassen und in England eine junge Frau mit grosser Mitgift zu ehelichen. Das scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Pläne Muskau in einen Garten Eden zu verwandeln, doch noch verwirklichen zu können.

Was gehört neben dem Wühlen in der Erde zu den bevorzugten Beschäftigungen der Engländer? Richtig - das Abschliessen von Wetten. Baron Rothschild verspricht Pückler, sobald er wieder geheiratet hat, das englische Vermögen zu verwalten und zu vermehren und er schenkt ihm das für die Finanzierung des Aufenthalts auf der Insel nötige Kapital. So scheinen die Pläne, eine vermögende Engländerin zu finden, die (Zitat aus dem Roman) „sich ins ferne Schlesien verschleppen lässt, um ihr Vermögen als Humus auf Stecklinge und Beete zu werfen“ in greifbare Nähe zu rücken. Doch auf mysteriöse Weise sterben verschiedene junge Bekanntschaften aus dem Umfeld des Fürsten einen gewaltsamen Tod und dieser gerät plötzlich unter Mordverdacht.

Der Roman ist mehrheitlich in Briefform geschrieben und diese Korrespondenz besteht grösstenteils aus Briefen von Pückler an seine geschiedene Frau Lucie. Dazwischen eingefügt sind Kapitel, die den Leser und die Leserin über die Geschehnisse auf Muskau auf dem Laufenden halten, wo ein Junggärtner sich nicht nur um das Blühen der Ländereien kümmert.



Ralf Günther:
Der Gartenkünstler
List Verlag, 2010

14. April 2011

Der weiße Garten – Ein Gartenkrimi (Pushing up daisies)

Mit dem Buch „Der weisse Garten“ erscheint endlich wieder einmal eine englische Gartenkrimi-Reihe auf Deutsch – jedenfalls hoffe ich mal, dass es nicht bei der Übersetzung des einen Bandes aus dieser Serie bleibt.

Die ehemalige Fernsehprogramm-Verantwortliche Paula Holliday hat ihre Leidenschaft fürs Gärtnern zum Beruf gemacht und sich eine kleine Gartenbaufirma aufgebaut. Ihre Liebe fürs Grünzeug hat sich schon in der Grundschule entwickelt, als sie Avocado-Kerne in aufgeschnittene Milchpackungen pflanzte. Obwohl die Halbitalienerin noch nicht mit Aufträgen überschwemmt wird, hat sie es noch keine Sekunde bereut, ihre High Heels gegen bequeme und zweckmässige Gartenschuhe eingetauscht zu haben. Mit dem eben ergatterten Auftrag die seit Jahren vernachlässigten Gärten von Halcyon der Peacocks-Familie zu restaurieren, hofft die Jungunternehmerin, sich in der Branche etablieren zu können.

Nach einem Hurrican im Jahr 1938, der die Peacock-Gärten zerstörte, war der Garten mit Elementen aus der italienischen Gartenkunst neu gestaltet und ein gut bestückter Kräutergarten angelegt worden. Lange zählte er zu den prächtigsten Anlagen von Connecticut. Verschiedene Gründe hatten aber dazu geführt, dass die letzten beiden Peacocks die Gärten nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt hatten pflegen können und nun, nach dem Tod dieser letzten Familienangehörigen, sind diese in den Besitz der Historischen Gesellschaft in Springfield übergegangen.

Eine seriöse Gartenumgestaltung beginnt mit der Ermittlung des ph-Wertes aufgrund von an verschiedenen Stellen genommenen Bodenproben und so macht sich Paula im weissen Garten daran, mit ihrer Lieblingsschaufel das erste Häufchen Erde auszugraben. Schon der erste Einstich trifft auf etwas Hartes, Metallisches und kurz darauf hat die schockierte Gärtnerin eine Kiste freigelegt, in welcher sich die mumifizierte Leiche eines Kleinkindes befindet.

Der Schaffensdrang der jungen Unternehmerin wird jäh unterbrochen, da die Polizei den Garten für die notwendigen Untersuchungen für mehrere Tage absperrt. Diese unfreiwillige Pause nutzt die Junggärtnerin, um in alten Büchern über die Peacock-Gärten zu recherchieren. Als sie erfährt, dass die Babyleiche schon seit Jahrzehnten in der Kiste gelegen haben soll und die Polizei nicht weiter ermittelt, beginnt sie selber Nachforschungen anzustellen. Kurz darauf wird ein Mordanschlag auf einen Gärtner verübt. Paula vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen und sie sucht nach einer Verbindung zu dem mysteriösen, nie geklärten Verschwinden einer jungen Frau Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. War diese vielleicht die Mutter des aufgefundenen Babys?

„Der weisse Garten“ ist ein humorvoll verfasster, nicht zu brutaler Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin. Sympathisch nicht zuletzt, weil sie ständig Gartenbücher kauft, obwohl sie die Hälfte derer, die sie bereits besitzt noch nicht gelesen hat … Nach der Lektüre dieses Gartenkrimis erscheinen mir Paula Holliday und andere Bewohner von Springfield wieder wie gute alte Bekannte, so dass ich mir fest vorgenommen habe, endlich Band 3 der Reihe zu lesen – schliesslich erscheint in Kürze bereits Band 4 in der englischen Originalausgabe. Meine Buchvorstellung von Band 2 finden Sie hier.



Rosemary Harris:
Der weisse Garten – Ein Gartenkrimi
Thiele Verlag, 2011


Landliebe und Mordlust (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2013

11. April 2011

Mein Traum vom Landgarten – Gärtnern und Geniessen auf dem Lande

Was in einem langen Menschenleben Jahrzehnte dauert, erlebt man im Gartenjahr in zwölf Monaten: wachsen, blühen und vergehen. Eigene Kartoffeln und Tomaten ernten und feines gesundes Essen daraus zubereiten – immer mehr Menschen wünschen sich einen direkten Bezug zu ihrer Nahrung und leben nach dem Motto „zurück zu den Wurzeln“. Das Buch „Mein Traum vom Landgarten“ von Ilga Eger mit Fotos von Gary Rogers stellt in Wort und Bild Leute vor, die nach diesem Leitgedanken ihr eigenes Gemüse anbauen und ist aufgeteilt in einen Teil Portraits und einen Teil Landhaus-Praxis.

Die Bandbreite der vorgestellten Gärten reicht vom seit Generationen von derselben Familie bewirtschafteten Fläche, über einen schmalen gepachteten Steifen Land, der jeden Frühling umgepflügt, völlig neu bepflanzt und nur übers Wochenende gepflegt wird bis zu einer dschungelähnlichen Pflanzensammlung. In eben diesem Paradiesgarten sollen Rosen an Palmen emporranken (leider ist das auf den Fotos nicht zu erkennen) und Pflanzen in ungewohnter Hülle und Fülle nebeneinander wachsen dürfen. Die Nachbarn können dieser speziellen Idylle nicht viel abgewinnen. Von kritischen Kommentaren, dass das alles doch nichts bringt, lässt sich die Gärtnerin nicht beeindrucken und bemerkt (Zitat): „dann bräuchte man eigentlich überhaupt nichts machen im Leben“. Mehr Mühe bereitet ihr zu akzeptieren, dass ihr aussergewöhnlicher Garten nicht nach jedermanns Geschmack ist.

Über solche Belanglosigkeiten ist die älteste vorgestellte Landgärtnerin längst hinweg. In ihrem 86jährigen Leben hat sie von der Natur gelernt, dass alles seine Ordnung hat und dass dies auch gut so ist. Die ehemalige Bäuerin benötigt zwar seit einiger Zeit einen Gehwagen als Stütze, wird ihren Garten aber nicht aufgeben, solange sie noch auf den Knien rutschen kann. In weiteren Kapiteln stellt sich die Autorin samt persönlichem Garten selber vor oder man liest über 60‘000 Narzissen im nordfriesischen Marschland und über Schloss Marihn in Mecklenburg-Vorpommern mit einen riesigen David-Austin-Rosengarten und Nutzgärten à la Prinz Charles und Highgrove.

Im Praxis-Teil werden verschiedene Gemüse vorgestellt, darunter auch welche, die selten geworden oder längst vergessen sind. Die Informationen sind gegliedert in „Wirkung auf die Gesundheit“, „Anbau“, und „Pflege“. Abgerundet werden die Portraits durch einen kurzen geschichtlichen Überblick, einen besonderen Tipp und es werden bemerkenswerte alte Sorten empfohlen.



Ilga Eger und Gary Rogers:
Mein Traum vom Landgarten – Gärtnern und Geniessen auf dem Lande
Callwey Verlag, 2011

8. April 2011

Adrian, der Tulpendieb

Schon lange stand dieser Roman rund um die Tulpenspekulationen in Holland Mitte des 17. Jahrhunderts auf meinem Wunschzettel. Nun ist das ansonsten nur noch antiquarisch erhältliche Buch im Muschel Verlag in der Reihe „Kleine Weltbibliothek der grossen Erzähler“ neu aufgelegt worden. Die Erstausgabe kam 1936 auf den Markt, angesichts der aktuellen Wirtschaftslage hat die Erzählung aber nichts an Aktualität eingebüsst und es können durchaus Parallelen zwischen dem Platzen der Tulpen-Spekulationsblase in Holland und der Finanzkrise gezogen werden. Vielleicht sollte die Geschichte vom traumhaften Aufstieg des Torfknechts Adrian zum Tulpenkönig für alle Wertpapierhändler zur Pflichtlektüre erklärt werden?

Für den Kaufmann und Schiffsbesitzer Hendrik van der Maasen fährt Adrian einen Torfkahn. Seit Wochen wartet sein Meister auf die Rückkehr der „Zuiderland“, doch das Schiff scheint verloren und mit ihm Vermögen und Wohlstand. Das hat zur Folge, dass Adrian um seinen Arbeitsplatz bangen muss, während rundherum Tulpenspekulanten ihre Säckel und Mägen füllen. Schliesslich reift in dem jungen Mann der Entschluss, wie viele andere auch sein Glück als Tulpist zu versuchen. Doch woher bekommt er ein Grundkapital, um Tulpen zu kaufen oder gar wertvolle Tulpenzwiebeln?

Adrians Aufstieg beginnt mit einem simplen Diebstahl und einem schlechten Gewissen, denn er tauscht im Garten seines Arbeitgebers drei Tulpenzwiebeln gegen Speisezwiebeln aus. Mit erstunken und erlogenen Geschichten über Herzogstulpen und Tulpenwürmer häuft der Knecht geschickt ein Vermögen an. Doch der erschlichene Reichtum macht den jungen Mann nicht glücklich und nicht zuletzt plagt ihn sein schlechtes Gewissen. Mit einem Auftritt als Scharlatan und Komödiant schafft er es aber schliesslich sogar, ein Exemplar der heissbegehrten „Semper Augustus“ in seinen Besitz zu bringen. Doch auch die Gegner der Tulpenspekulanten sind nicht untätig. Kann dieses Abenteuer zu einem glücklichen Ende führen oder heisst es schliesslich „wie gewonnen, so zerronnen“?

Dieser nicht nur zur Tulpenblüte lesenswerte historische Roman ist übrigens auch als Serie für das deutsche Fernsehen (ARD) verfilmt worden. 1966 war Premiere und es war seinerzeit die erste Fernsehserie, die komplett in Farbe ausgestrahlt wurde.



Otto Rombach:
Adrian, der Tulpendieb
Muschel Verlag, 2010

5. April 2011

Auf Pflanzenjagd

Das verbindende Interesse durch Hybridisation neue farbenfrohe Bromelien zu züchten, führt zwei ungleiche Männer auf eine gemeinsame Pflanzenjagd nach Panama und Costa Rica. Namen erfahren Leserin und Leser keine, der Ich-Erzähler des Romans, der auf wahren Geschehnissen basiert, spricht während der ganzen Lektüre von seinem Reisepartner immer nur als „The Man from Florida“.

Probleme sind vorprogrammiert, weil der Ich-Erzähler sich und den Mann aus Florida als gleichberechtigte Partner betrachtet, während jener keinen Zweifel aufkommen lässt, wer auf dem Trip das Kommando führt. Doch nachdem er an einer Auktion für eine kleine Pflanze Tausende von Dollars ausgegeben hat und diesen grünen Schatz mit bunten Blüten unbedingt in der Natur aufspüren will, ist er auf die Zweckgemeinschaft mit dem Ich-Erzähler angewiesen. Dass sich Pflanzenjäger und –züchter grundsätzlich misstrauen, macht die gemeinsame Pflanzensuche in der Wildnis auch nicht einfacher.

Ein fliegendes Toupet und ein tropischer Ski-Stuhl sind noch fast die „normalsten“ Vorkommnisse in dieser ziemlich skurilen Erzählung über eine nicht vom Erfolg gekrönte Suche nach Miss Fortuna. Das „Misfortune“ zieht sich durch die ganze Geschichte. Schliesslich stellt sich heraus, dass der Ich-Erzähler recht hatte mit seiner Vermutung, dass die gesuchte Pflanze wahrscheinlich eine Art Unkraut ist. Als er sie nämlich später doch noch entdeckt, blühen am Fundort Abertausende dieser Bromelien.

Nach dem Formulieren dieser Sätze habe ich entdeckt, dass für dieses Buch etliche Rezensionen veröffentlicht worden sind, die fast einhellig von begeistertem Lesevergnügen handeln. Dem kann ich mich gar nicht anschliessen. Ich empfand die knapp 400 Seiten als sehr zäh und kaute wochenlang daran herum – immer in der Hoffnung, dass mir ein Roman über Pflanzenjäger doch einfach gefallen muss…



Chester Skotak:
Searching for Miss Fortuna – The Hunt for a Bromeliad
Reliance Media, 2007

2. April 2011

Audiobuch “Gartenglück”

Für einmal geht es nicht um Gartengeschichten, die zwischen zwei Buchdeckeln darauf warten, gelesen zu werden, sondern um Gesprochenes rund ums Gärtnern - um ein Hörbuch.

Eröffnet und abgeschlossen wird der bunte Reigen von Karel Capeks amüsanten Geschichten „Wie ein Garten angelegt wird“ und „Vom Gartenleben“ aus dem immer wieder neu aufgelegten Büchlein „Das Jahr des Gärtners“, das in keiner grünen Bibliothek fehlen darf. Dazwischen hören wir von Schneeglöckchen, Schnecken, vom Kohl, von der blauen Blume und vom selbstsüchtigen Riesen. Was die Autoren wie Elizabeth von Arnim, Oscar Wilde und Johann Wolfgang Goethe über ihren grünen Daumen zu erzählen haben wird gelesen von Andrea Sawatzki und Stefan Kaminski. Mit dem Kopfhörer im Ohr Gartengeschichten lauschend jätet es sich doch gleich viel leichter! 69 Minuten Hörvergnügen rund um den Garten in sehr schön illustrierter Hülle.



Audiobuch „Gartenglück“ gelesen von:
Andrea Sawatzki und Stefan Kaminski
Audiobuch Verlag, 2011

30. März 2011

Beth Chatto: Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen

Beth Chattos Gärten und die Gärtnerei werden von Gartenenthusiasten aus aller Welt besucht und ihre Bücher haben längst den Status von Standardwerken erreicht, auf die jeder echt vom grünen Virus Infizierte früher oder später stösst. Nach „Der Kiesgarten“ ist mit „Schattengarten“ nun endlich ein zweites Buch der Pflanzenkennerin auf Deutsch erschienen. Beth Chatto berichtet darin über die Entstehung ihres Waldgartens und lässt die Leser im Buchgarten die Veränderungen im Lauf der Jahreszeiten miterleben.

Die Kapitel sind wie folgt gegliedert
(die Aufzählung der Untertitel ist nur eine Auswahl):

- Die Anlage eines Waldgartens
- Zeit des Erwachens (von frühen Düften, Februarsonne, Narzissen)
- Zauber des Frühlings (The Long Shady Walk, robuste Bodendecker)
- Frühsommerliche Fülle (The Little Grassy Wood, elegante Farne)
- Bildteppiche des Hochsommers (aufregendes Blattwerk)
- Besonnte Flecken im Herbst (wandernde Anemonen)
- Im tiefen Winter (Schönheit der Blätter)
- Schattenverträgliche Pflanzen (riesige Auswahl geeigneter Pflanzen mit
  Angabe von Härtezonen)

Ein gewaltiger Orkan fällt im Oktober 1987 unzählige Bäume auf dem Land der Chattos und hinterlässt ein Bild der Zerstörung, bietet aber gleichzeitig auch die Chance auf einen Neuanfang. Erhaltenswerte Eichen sollen die Kulisse für einen von Frühling bis in den Winter hinein durchgehend attraktiven Waldgarten abgeben, wo Pflanzen getreu dem Motto von Beth Chatto an einem dem Naturstandort entsprechenden Ort eingesetzt werden und wachsen können.

Die Autorin berichtet von der notwendigen Ausdauer, um Pflanzenschätzen wie Trillium ein geeignetes Mikroklima bieten zu können. Dabei hat sie im Hinterkopf ein Bild eines Gartens in Melbourne, wo die Waldlilien bei ihrem Besuch in einer Menge blühten wie in England die Blaukissen. Aber auch beim Leser kann beim Betrachten mancher Fotos leicht etwas Neid aufkommen. Oder vielleicht wird ja auch der gärtnerische Ehrgeiz etwas angestachelt? Jedenfalls lässt sich leicht nachfühlen, was die berühmte Gärtnerin empfindet, wenn sie nach jahrelanger Pflege an einem Pflanzenschatz die erste Blüte entdeckt – sie vergleicht das Erlebnis mit dem ersten Schultag eines eigenen Kindes.

Neben den vielen praktischen Tipps sind auch die Geschichten rund um die Herkunft von verschiedenen von Chattos Lieblingspflanzen sehr anregend. Solche stammen etwa aus dem Garten von Graham Thomas Stuart, von Christopher Lloyd oder auch von Isbert Preussler, ehemals Lehrling bei Karl Foerster und Chef der Züchtungsabteilung in der Staudengärtnerei Zeppelin. Immer wieder gibt die Autorin neben ihrem Fachwissen auch persönliche Einblicke. Sie erzählt beispielsweise, wie ihr das Altern zu schaffen macht – nicht nur am eigenen Körper, sondern auch am Reifeprozess des Gartens, der ihr immer wieder schwierige und schmerzhafte Entscheidungen abverlangt. Es gilt den Garten mit behutsamen oder auch drastischen Interventionen zu erhalten und zu stärken, während in den natürlichen Vorgang des Alterns beim Menschen nur beschränkt eingegriffen werden kann.



Beth Chatto und Steven Wooster (Fotografien):
Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011