8. Juni 2011

Maryrose Wood: Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar

Jessamine führt Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrem Vater Thomas Luxton nach dem frühen Tod ihrer Mutter ein sehr zurückgezogenes Leben in einem kleinen Steinhäuschen, Hulne Abbey genannt. Dieses war ursprünglich die Kapelle eines längst zerstörten und verfallenen Klosters. Rund um diese Überreste kümmern sich Vater und Tochter um verschiedene Gärten. Thomas Luxton ist Botaniker, sein spezielles Interesse gilt Heil- und Giftpflanzen, die er in einem verschlossenen Garten hegt und pflegt und in welchen nur er selber Zutritt hat.

Neben seiner botanischen Arbeit ist Thomas Luxton viel unterwegs. Er ist unermüdlich auf der Suche nach verschollenen geheimnisvollen Büchern aus dem ehemaligen Kloster, in welchen die über Jahrhunderte erworbene Heilkunst der Mönche für die Nachwelt niedergeschrieben worden ist. Das Allgemeinwissen und die speziellen Rezepturen in den alten Folianten sind von unschätzbarem Wert.

Eines Tages wird die Zweisamkeit von Vater und Tochter gestört. Wie die Jungfrau zum Kind kommen die beiden zu einem Mitbewohner, einem Waisenjungen namens Weed. Jessamine fühlt sich vom ersten Augenblick an von dem ungefähr Gleichaltrigen mit smaragdgrünen Augen wie Zwillingsjuwelen angezogen. Für das einsame Mädchen beginnt eine neue Zeitrechnung, endlich kann sie sich mit jemandem unterhalten.

Und zunächst ist denn auch gar nicht besonders wichtig, dass die Kommunikation recht einseitig ist. Weeds Interesse weckt sie schliesslich, als sie ihn durch den Gemüsegarten, den Obstgarten, den Bienengarten und den Färbergarten führt. Jessamine und Weed kommen sich näher, doch als das Mädchen einen gelbköpfigen Löwenzahn pflückt, provoziert sie den Zorn des Jungen, ohne zu ahnen warum und wieso. Woher stammt Weeds immenses Wissen über die Wirkung von Heilpflanzen? Woher kennt er die Formel für den Dämmerschlaf aus Belladonna, Schierling und schwarzem Bilsenkraut?

Weed scheint mit den Pflanzen zu sprechen und sein Wissen direkt aus der Natur zu erhalten. Ist der Junge verrückt? Kaum erfährt Jessamine von der besonderen Gabe ihres neuen Freundes wird sie schwer krank. Ist dieser geheimnisvolle Junge die Ursache? Bringt er ihr Unglück oder gar den Tod? Der offene Schluss des Buches lässt viel Raum für eigene Schlussfolgerungen. Ob diese zutreffen, lässt sich erst nach der Lektüre von Band zwei und drei der Trilogie beurteilen. Die Zeit bis zum Erscheinen der Folgebände kann mit Besuchen im virtuellen Giftgarten auf der Homepage der Autorin überbrückt werden: maryrosewood.com (unter "fun extras").

Das Buch entstand übrigens nach einer Idee der Herzogin Jane von Northumberland von Alnwick Castle, wo ein Giftgarten und andere Themengärten jährlich über 800‘000 Touristen anziehen.



Maryrose Wood:
Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar
S. Fischer Verlag, 2011

5. Juni 2011

Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten

Diese Neuerscheinung ist ja nun beileibe nicht das erste und ziemlich sicher auch nicht das letzte Buch, das sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Garten seit der Vertreibung aus dem Paradies auseinandersetzt. Während andere Publikationen zu diesem Thema oft recht trocken formuliert und nur in kleinen Dosen geniessbar sprich lesbar sind (mir geht es jedenfalls zuweilen so), ist „Eden auf Erden“ nicht nur fundiert verfasst, sondern gleichzeitig auch in einem überaus klugen und anregenden Stil geschrieben.

Die Zeitreise durch die verschiedenen Moden und Zwecke in der Gartengeschichte beginnt mit dem Kapitel „Ein Eden für jeden“ und zwar mit einer Beschreibung des schweren Gärtneralltags aus der „Lebenslehre des Cheti“, verfasst um 2000 vor Christus. Als (vorläufiges) Ziel der Gartenreise sind für Anfang des 21. Jahrhunderts die allerorts spriessenden Gartenfestivals zu nennen, unzählige Gartenbuchneuerscheinungen, Guerilla-Gardening sowie die trendige Rückbesinnung darauf, direkt vor der Haustüre das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, will heissen sein eigenes Gemüse aufzuziehen und die Ernte wenn immer möglich entsprechend zu zelebrieren.

Während den Etappen dieser illustrierten Reise auf hochwertigem Papier erfahren wir von grünen Revolutionären, Gartenkünstlern, Exzentrikern, Galantophilen und Samenräubern. Wir treffen aber auch auf gute alte Bekannte wie die (Zitat aus dem Buch:) „Altmeisterin“ Beth Chatto, den (Zitat aus dem Buch:) „Komödianten“ mit Hexenküche Christopher Lloyd oder die aktuelle First-Lady der USA, die auf dem Rasen des Weissen Hauses medienwirksam inszeniert einen Gemüsegarten angelegt hat. Kurzer Querverweis passend zum Thema „Garten und Weisses Haus“: ich lese gerade das Buch „Flowerbed of State“ von Dorothy St. James – ein Gartenkrimi, dessen Kulisse die Anlagen rund ums Weisse Haus bilden.

Den passenden Abschluss des gleichzeitig lehrreichen und amüsanten Lesebuches "Eden auf Erden" bildet eine Beschreibung von grünen Kleptomanen. Welcher vom grünen Virus infizierte möchte es nicht gelegentlich jener vornehmen Dame gleichtun, die ihre Begehrlichkeiten nach Stecklingen mit der Nagelschere gleich selber befriedigt – selbstverständlich ohne vorher zu fragen?



Christa Hasselhorst:
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Corso/Groothuis, Lohfert Verlagsgesellschaft, 2011

2. Juni 2011

Gartenpark am Goetheanum

Nach einem längeren Reifeprozess ist vor zwei Jahren ein bemerkenswertes Buchprojekt über das Gelände rund um das Goetheanum in Dornach abgeschlossen worden und die hier vorgestellte Publikation erschienen. Der Leser erhält mit dem Ablauf der Jahreszeiten einen interessanten Einblick in die verschiedenen Gärten und Begegnungszonen. Und er kann sich mit der konsequente Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes in diesem Park vertraut machen, der diesen Betrieb somit wohl von den meisten anderen öffentlichen Grünanlagen unterscheidet. Als Beispiel sei hier die Verwendung von selber hergestellten Farben aus Färber-Pflanzen der betriebseigenen Gärtnerei für die Verwendung der Deckenmalerei im Grossen Saal erwähnt.

1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.

Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.

Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.



Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009

30. Mai 2011

Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern

Im August 2009 wurde anlässlich der 13. Poesienacht im Botanischen Garten Bern das zweisprachige Gartenprogramm „Verbarium“ aufgezeichnet. In Mundart und teilweise in Französisch wird quer durch die Gartenwelt gereimt. Begleitet werden die teilweise recht schrägen Texte von Akkordeon, Bass und Perkussion. Stücke mit Titeln wie „Der grüen Duume“, „Böim“, „Pflanzennamen“, „Bauernregeln“ (nicht ganz ernst zu nehmen) und „Kultur-Natur“ versprechen und halten rund 60 Minuten Hörgenuss.

Auch ein Text kann ein Garten sein – hier wuchern Wörter und es kann mit ihnen jongliert werden. Schlummert in jedem Schlafmohn eine Revolution? Wer bricht den Aronstab über wen? Wer spricht mit doppelter Hirschzunge? Wer vergibt den Ehrenpreis? Wer jagt wen in den Bockshornklee? Wer ist wem übers Leberblümchen gekrochen? Wer hebt mit der Ballonblume ab?

An anderer Stelle wird von Leuten berichtet, die den Botanischen Garten als Selbstbedienungsladen, ähnlich einem Erdbeerland, betrachten und beim Ausgang erfreut feststellen, dass Waage und Kasse fehlen. Schlafmohn, indischer Hanf und Viola odorata stehen auf der Besorgungsliste in Sachen Beliebtheit ganz oben. Wer mag es dem Obergärtner verdenken, dass er neben den Veilchen Schilder aufgestellt hat mit dem Hinweis „verursacht bleibende Impotenz“? Die Information ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck.

Pedro Lenz sinniert über den Zusammenhang zwischen einem schönen Rasen und dem grünen Daumen. Sieht ihr Rasen aus wie ein Kaninchenfell, schmeckt er wie Ruccola und ist er belastbar wie ein Sonderschullehrer oder ist er allenfalls nur eine Lehmgrube mit etwas grün oben drauf? Ihn (den grünen Daumen) haben oder nicht haben, macht hier den Unterschied aus.



Audio-CD: Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Spoken Word: Antoine Jaccoud, Guy Kmeta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Daniel de Roulet, Michael Stauffer und Beat Sterchi
Musik: Adi Blum (Akkordeon), Michael Pfeuti (Bass), Margrit Rieben (Perkussion)
Verlag Der gesunde Menschenverstand, 2010

27. Mai 2011

Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt

Können Sie sich vorstellen, dass ihre Nachbarn plötzlich Schweine im Garten halten? Da würden Sie vermutlich nicht nur die Nase rümpfen. Novella Carpenter mutet ihren Nachbarn mit ihrer Cityfarm - die zugegebenermassen nicht gerade in einer feinen Gegend liegt - einiges zu, verteilt aber gleichzeitig auch ihre Ernte grosszügig („Hey, mein Garten ist auch dein Garten“) unter Nachbarn und Passanten bzw. diese bedienen sich bei Bedarf auch ungefragt und ungestraft selbst. Und schliesslich ist das Aufziehen von zwei Schweinen der (vorläufige?) Höhepunkt in Sachen Landlust zwischen Beton und Asphalt, begonnen hat das Projekt im Jahr 2005 in kleineren Dimensionen.

Direkt neben der neuen Mietwohnung im Ghetto von Oakland annektiert Carpenter eine Brache und beginnt mit der Urbarmachung von rund 4000m2 Land, das von Gestrüpp zugewuchert ist. Henry David Thoreau schrieb in „Walden“, dass er den Wert des von ihm besetzten Land steigerte, indem er es besetzte. Diese Aussage ist identisch mit Novella Carpenters Motto. Den Startschuss zur Aufwertung markiert die Aussaat von Tomaten, Basilikum, Kopfsalat, Gurken und Mais. Ein Jahr später lernt die junge Frau zufällig den Grundstückeigentümer kennen und erhält von diesem das O.k., auf dem Land einen Garten anzulegen und legt richtig los. Als Angestellte in einer Gärtnerei kann sie Pflanzen mit Rabatt kaufen und so stehen bald ein Apfel-, ein Feigen- und ein Zitronenbaum sowie eine Agave neben den schon uralten Pflaumenbäumen. Damit letztere bestäubt werden, sind Bienen samt Imkerausrüstung die nächste Anschaffung.

Da ein Grossteil des Grundstücks auf einer Betondecke liegt, werden aus Holzabfall Hochbeete konstruiert. Ein paar Hochbeete und Bienen machen aber noch keine Farm und so zieht als nächstes allerlei Gefiedertes in Ghost Town ein. Und da Kaninchenmist Manna für den Garten bedeutet, ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Beginn einer entsprechenden Kleintierzucht.

Die nicht mit viel Bargeld gesegnete Hobbyfarmerin berichtet in ihrem interessanten Buch des weiteren von Werkzeugneid, ihren Lektionen in Sachen Salamiproduktion und von einem (langen) Monat, in welchem sie sich nur von Produkten aus eigener Herstellung ernährte. Immer wieder thematisiert werden die nächtlichen Touren zu den Mülltonnen in der Umgebung, um die ständig hungrigen Schweine satt zu kriegen. Letzteres eine Tätigkeit, die vom Aufwand her bald einem Teilzeitjob entsprach. Dazwischen erzählt sie auch von Tragödien und tödlichen Zwischenfällen bei Zusammenstössen zwischen Geflügel und Beutelratten oder Hunden.

Noch in Erinnerungen an einen kürzlichen Ausflug in die Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen schwelgend, lautet mein Fazit: es geht weniger um Kraut, aber mehr um Krempel - es gibt praktisch keinen (von anderen weggeworfenen) Gegenstand, der von der Autorin und ihrem Lebenspartner nicht einer neuen Verwendung zugeführt werden kann. Und natürlich sehr viel über Tiere. Beeindruckend zu verfolgen, welches Wissen sich die Cityfarmerin anhand von einschlägiger Literatur (umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches) aneignet und wie sie soweit immer möglich auch vor dem eigenhändigen Schlachten der von ihr aufgezogenen Tiere nicht zurückschreckt.



Novella Carpenter
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Bastei Lübbe, 2010

24. Mai 2011

Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete

„Willkommen in der Welt der Stauden“ so heisst das erste Kapitel in dieser Frühjahrserscheinung der Landschaftsarchitektin und Gartenjournalistin Bettina Rehm-Wolters und von Markus Zeiler, dem Parkleiter der Insel Mainau. Herausgeberin des prächtig illustrierten Buches ist die „Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.“. Diese Kombination weckt hohe Erwartungen in die Publikation und die vielfältigen vorgestellten Staudenkombinationsmöglichkeiten.

Die ersten vierzig Seiten vermitteln eine Einführung in die Staudenklassen und zeigen die unterschiedlichen Lebensbereiche auf: welche Pflanze lebt gerne im Schatten von Gehölzen? Welche Staude zieht humosen Boden vor und welche gibt sich auch mit kargen Verhältnissen zufrieden? Anschliessend geht es ums Komponieren von abwechslungsreichen Staudenbeeten. Die Fülle an unterschiedlichen Blattformen macht die Wahl nicht unbedingt einfacher. Eine konkrete und wichtige Planungshilfe für das effektvolle Spiel mit Farben ist der Farbkreis. Mögliche Wege zu einer harmonischen Gestaltung erfährt der interessierte Leser im Kapitel „Grundlagen der Beetgestaltung“. Zwischen den informellen Absätzen werden regelmässig Stauden detaillierter vorgestellt: Päonien, Lilien, Hemerocallis, Iris, Hostas und andere mehr.

Üppige, gemischte Staudenpflanzen mitsamt passenden Begleitern, die naturnah in ihren Lebensbereichen präsentiert werden, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig den Pflegeaufwand in Grenzen halten, sind Merkmale des „New German Style“. Schön und gut - aber lässt sich dafür tatsächlich kein deutscher Ausdruck finden?

Meine Lieblingsseiten in diesem Buch sind jene, die verschiedene Staudengärtner und –züchter portraitieren und diese auch selber zu Wort kommen lassen. Der Bericht über die gleichzeitige Verwandlung eines Krankenhausgartens in eine (fast) alle Kundenwünsche erfüllende Staudengärtnerei und die eines Drogisten in einen Botschafter in Sachen Gartenkultur war für mich eine schöne Ergänzung zum kürzlichen Besuch in Illertissen und der durch die Staudenfreunde organisierten Gärtnereiführung durch Dieter Gaissmayer persönlich. Daneben erfährt man Interessantes über Anja Maubach, Christian Kress, Cassian Schmidt (dieser wird übrigens in der Juni-Ausgabe der „Gardens Illustrated“ im „horticultural who is who“ portraitiert) und natürlich nicht zuletzt über Karl Foerster und die Insel Mainau. Des weiteren wird kurz auf Krankheiten und Schädlinge eingegangen und im Anhang finden sich nützliche Adressen, Bezugsquellen und ein Register.



Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler/Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrsg.):
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Callwey Verlag, 2011

21. Mai 2011

Common Ground – Ein Briefwechsel mit hortikulturellem Hintergrund

Zwei Frauen, zwei verschiedene Gärten – an einer Klassenzusammenkunft erneuern die Schriftstellerin Janice Marriott und die Bäuerin Virginia Pawsey ihre seit Jahren brachliegende Freundschaft aus Teenagertagen. Per Email bleiben sie in Kontakt und haben die hortikulturelle Korrespondenz unter dem Titel „Common Ground“ veröffentlicht.

Janice hegt und pflegt einen Stadtgarten in Wellington. Virginia und ihr Mann betreiben eine Schaffarm und der Hauptzweck ihres Gartens ist die Versorgung der Familie, der Schafscherer und anderer Angestellten mit Früchten und Gemüse.

Während Janice sich in der City mit Erntedieben, solchen auf zwei Beinen wie auch schleimigen, kriechenden, herumärgert, plagt sich Virginia mit Opossums, Wildschweinen oder Ratten und fährt des Öfteren mit gröberem Geschütz auf. Die Städterin träumt von einem Garten in der Grösse von Monets Giverny mit ordentlichen Beeten und Gartenwegen, die vor lauter pflanzlicher Fülle kaum mehr auszumachen sind. Der erste Teil dieser Träume entspricht auch den Vorstellungen von Virginias Angetrautem auf dem Land: er ist nämlich der Ansicht, dass sämtliche Teile des Gartens auf dem Traktor sitzend passierbar sein sollten.

Im Lauf der Jahreszeit – die europäische Leserin muss sich an die „verkehrten“ Jahreszeiten gewöhnen – lernt man die beiden unterschiedlichen Frauen und ihre Gärten recht genau kennen und erfährt über die Vorlieben und Abneigungen, staunt vielleicht auch mal über den zuweilen recht offensiven Gebrauch von Gift und darüber, dass auch auf der anderen Seite der Erdkugel der „Butterblumentest“ ein Thema ist. Rosen bereiten nicht nur Freude – das muss auch Janice erfahren, als sie sich durch einen Stachel in der Wade eine schwere Entzündung einfängt. Immer wieder ein Thema im Buch ist auch die Verarbeitung von schweren Schicksalsschlägen der beiden Frauen. Virginias Sohn kam mit einer Gruppe von Studenten Mitte der neunziger Jahre beim Absturz einer Aussichtsplattform ums Leben.

Die Korrespondenz wird immer mal wieder mit Rezepten angereichert. Es gibt denn auch noch ein zweites Buch der beiden Neuseeländerinnen in Briefform. Bei der Fortsetzung geht es um die Verwertung der Produkte aus Hof und Garten, nämlich ums Kochen („Common Table“).



Janice Marriott/Virginia Pawsey:
Common Ground – The true story of two friends and two very different gardens …
Harper Collins Publishers, 2008


19. Mai 2011

Das Wunder kam beim Rasenmähen

Gleich vorweg: der Bezug zum Gärtnern beschränkt sich auf die Ausübung eines Hilfsjobs in einer Gärtnerei mit Schwerpunkt Unterhaltsarbeiten, das Umschlagsbild und eine spontane Gartenlektion einer Obdachlosen beim Gramercy Park in Manhattan. Dies ist absolut kein Grund auf die Lektüre dieser warmherzigen Erzählung voll witziger Dialoge zu verzichten. Schliesslich passiert es auch mir nicht wöchentlich, dass ich abends kurz vor elf Uhr mit der Lektüre eines neuen Buches beginne und dann gleich mal rasch hundert Seiten lese, bevor ich es widerstrebend weglege und endlich schlafen gehe.

Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?

Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?

Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …



Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010