9. September 2010

Elizabeth Lawrence

Die Gartenbücher der Amerikanerin Elizabeth Lawrence (1904 – 1985) gehören in den USA zu Klassikern in diesem Genre und ihre Popularität auf der anderen Seite des Atlantiks kann vielleicht mit jener der Publikationen von Gertrude Jekyll und Vita Sackville-West in England verglichen werden.

Im kürzlich erschienen Buch „Becoming Elizabeth Lawrence“ hat Emily Herring Wilson eine Auswahl aus mehreren hundert Briefen der Südstaatengärtnerin veröffentlicht. Das Buch beginnt mit der Vorstellung der wichtigsten Personen, die in der Korrespondenz vorkommen. Das sind sehr viele, weshalb die Zusammenstellung während der Lektüre eine willkommene Hilfe ist.

Anschliessend folgen über 250 Seiten mit Briefverkehr, gelegentlich sind Fotos eingeschoben. Leider sind mehrheitlich nur noch von Elizabeth Lawrence verfasste Schreiben vorhanden und die veröffentlichte Korrespondenz dementsprechend einseitig. Die emsige Briefschreiberin notiert jedoch an einer Stelle selber, dass sie zumeist gar keine Antwort auf ihre Zeilen erwartet. Nichtsdestotrotz erhält der Leser doch einen Eindruck über die Persönlichkeit der leidenschaftlichen Gärtnerin und Autorin Lawrence und erfährt etwa, dass sie mit Veränderungen in jeglicher Form ihre liebe Mühe hatte. Oder sie schreibt im Alter von 38 Jahren, "das einzige, was sie gelernt habe sei, dass die Tage mit jedem Lebensjahr kürzer werden. Wenn man also lang genug lebt, sollte das Sterben einfach sein, weil vom Tag praktisch nichts mehr übrig bleibt". Elizabeth Lawrence selber hat mit Mitte 40 so richtig durchgestartet, als sie begann, vermehrt Bücher zu schreiben und einen neuen Garten anzulegen. Vor allem regional bekannt wurde sie durch ihre wöchentliche Gartenkolumne im „Charlotte Observer“.

Ich habe bereits früher verschiedene Bücher von und über Elizabeth Lawrence gelesen, die mir ausnahmslos alle besser gefallen haben als diese Neuerscheinung. Einen auch für Aussenstehende sehr interessanten Briefwechsel führte Elizabeth Lawrence mit Kathrine S. White, der Autorin des Buches „Unward and Upward in the Garden“. Dieser Briefaustausch ist unter dem Titel „Two Gardeners – A Friendship in Letters“ erschienen. Einen noch detaillierteren Einblick in die Biografie von Elizabeth Lawrence gibt das Buch „No one gardens alone“. Diese beiden Titel sind ebenfalls von Emily Herring Wilson herausgegeben worden. Und dann wären da natürlich noch die von der Lawrence selber verfassten Bücher wie „A Southern Gardener“, „Gardening for Love – The Market Bulletins“ , „The little Bulbs – A Tale of two Gardens“ und andere mehr.



Emily Hering Wilson (Hrsg.):
Becoming Elizabeth Lawrence – Discovered Letters of a Southern Gardener
John F. Blair Publisher, 2010

6. September 2010

Ein unmoralisches Sonderangebot

Fritz Gaertner ist ein eher unangenehmer Zeitgenosse. Der verwitwete Pensionär ist ausserordentlich geizig und tyrannisch. Und er ärgert sich über seine beiden Söhne, die mit über dreissig Jahren im Leben noch nichts erreicht haben, zudem seiner Ansicht nach die falschen Frauen geheiratet haben und nicht einmal fähig sind, ihm seinen Wunsch nach Enkelkindern zu erfüllen – ignorierend, dass seine Tochter gerade das vierte Kind erwartet und er nicht gerade als besonders kinderliebender Grossvater bezeichnet werden kann. Mit seinen Freunden heckt Fritz eine Wette aus. Und zwar sollen seine Söhne für ein halbes Jahr die Partnerinnen tauschen. Die Gärtnerin Olivia zieht zu ihrem Schwager Oliver in die Designerwohnung, während die attraktive und tüchtige Evelyn zu Stephan in die alte Gärtnerei zieht, die nur als mehrbessere Ruine bezeichnet werden kann. Als Preis winken den Ehepaaren je 1 Million Euro.

Erzählt wird die auf den ersten Blick ziemlich absurde Geschichte von Olivia in der Ich-Form. Sie hat zusammen mit ihrem Mann Stephan vor eineinhalb Jahren ein ziemlich heruntergekommenes Wohnhaus samt Gärtnerei gekauft und dafür einen immens hohen Kredit aufgenommen. Damit die Schuldzinsen pünktlich bezahlt werden können, muss die gelernte Staudengärtnerin widerwillig akzeptieren, dass palettenweise Begonien ins Sortiment aufgenommen werden. Diese finden dann beinahe reissenden Absatz und bescheren der Gärtnerei erstmals einen Ertragsüberschuss (im Cent-Bereich). Für die Abzahlung der Schulden reichen aber ein paar verkaufte Topfpflanzen nicht aus, und so ist ziemlich schnell klar, dass die lukrative Wette mit all ihren unangenehmen Bedingungen angenommen werden muss.

Besonders witzig ausformuliert sind die gelegentlich eingeschobenen Kurzzusammenfassungen zur Familien-Seifen-Oper über die Gaertners. Neben dem Einblick in die Gärtnerei-Arbeit erfährt die Leserin auch einiges über die Produktion einer TV-Gartensendung. Und vielleicht hat Fritz ja gar nicht so unrecht mit seiner Meinung, dass seine Söhne die falschen Frauen geheiratet haben…

„Ein unmoralisches Sonderangebot“ gibt es übrigens auch als Hörbuch. Die blitzblanken roten Gartenstiefel und das ungebrauchte Gartenwerkzeug, die auf dem Umschlag abgebildet sind, liessen mich vermuten, dass Gärtnern vielleicht ein Thema im Buch sein könnte. Ich habe während der Lektüre immer wieder laut lachen müssen – dieser Roman ist eine köstliche Entdeckung mit mehr als nur einer Prise Buchsbäume, Stauden und Begonien.



Kerstin Gier:
Ein unmoralisches Sonderangebot
Bastei Lübbe, 2004 (10. Auflage 2010)

4. September 2010

In eigener Sache: Über Lust und Frust einer Bloggerin

Wer regelmässig hier reinschaut weiss ja, dass meine bevorzugten Hobbys lesen und gärtnern sind. Und wenn Sie aufgrund der Menge der hier vorgestellten Bücher davon ausgehen, dass ich mehr lese als im Garten jäte oder lang gehegte Pläne umsetze, liegen Sie nicht ganz falsch. Seit Anfang 2009 berichte ich im Sofagarten über meine Lieblingslektüre. Daraus haben sich verschiedene interessante E-Mail-Kontakte ergeben und besonders freue ich mich jeweils über direkte Rückmeldungen von Autoren und Autorinnen.

Wie alles andere hat auch das Bloggen nicht nur positive Seiten. Belästigungen können durch das Sperren von Direkt-Kommentaren nicht ganz verhindert, aber doch eingeschränkt werden. Aber gegen das abkupfern von Rezensionen, ist man weitestgehend machtlos, da im Internet das Durchsetzen von Recht trotz Haftungshinweisen ja sehr schwierig ist. Wenn ich dann zum wiederholten Male auf fast wortwörtlich übernommene Buchvorstellungen stosse oder sogar aus dem Leserkreis darauf aufmerksam gemacht werde, frage ich mich schon mal, wozu oder für wen ich eigentlich blogge. Es versteht sich von selbst, dass in Buchbesprechungen über das gleiche Buch der Inhalt nun einmal derselbe ist. Ich bemühe ich mich aber, aus Schweizer oder privater Sicht, Formulierungen in eine Rezension einzubringen. Und wenn dann diese Redewendungen, die wohlverstanden so nicht im Buch vorkommen, eins zu eins übernommen werden (natürlich ohne Hinweis „Die Sofagärtnerin meint“ oder ähnlich), ist das mehr als nur ärgerlich. Das Bloggen soll ja Spass machen und Gleichgesinnten den einen oder anderen Büchertipp vermitteln. Ich verdiene nichts dabei, da ich auf die paar Cents, die ich durch Verlinkung mit Online-Händlern einheimsen könnte, gerne verzichte. Vielleicht sollte ich auf Newsletter umstellen, was meinen Sie?

Diese Zeilen habe ich auf meinen Walkingrunden schon oft in Gedanken formuliert, aber dann auf die Veröffentlichung verzichtet. Jetzt musste es aber einfach mal gesagt (oder geschrieben) werden. So, nun habe ich aber genug lamentiert. Freuen Sie sich auf die nächste Buchbesprechungen: ein Roman aus dem Gärtnermilieu und eine Biografie über eine Südstaatengärtnerin!

2. September 2010

Ein Garten am Meer

Die beiden ungleichen Schwestern Rio und Dervla Kinsella haben sich vor Jahren zerstritten und gehen sich seither so gut es geht aus dem Weg. Während Rio immer noch in ihrem Heimatdorf Lissamore an der Westküste von Irland lebt, hat sich Dervla mit harter Arbeit eine florierende Immobilienagentur aufgebaut. Rio ist eine Lebenskünstlerin und hat als alleinerziehende Mutter einen Sohn grossgezogen. Dessen Vater, ein Schauspieler mit geringem Einkommen, war ihre erste grosse Liebe und hat sie nur gelegentlich finanziell ein wenig unterstützt. Ihren Lebensunterhalt verdient sich Rio unter anderem mit Dekorationsaufträgen, Taxifahren und dank ihrem guten Ruf als „Pflanzenflüsterin“ hat sie verschiedene Aufträge für Gartenunterhaltsarbeiten. Ihr grosser Traum schon seit Kindheitstagen ist, einmal einen Garten am Meer zu besitzen und diesen nach eigenen Ideen gestalten zu können.

Erst der Tod ihres Vaters führt die beiden ungleichen Schwestern wieder näher zusammen, da sie gemeinsam den Nachlass ordnen müssen. Beim Durchsehen der Papiere kommt ein Familiengeheimnis ans Licht, welches die neu entdeckte Schwesterliebe bereits wieder auf eine Probe zu stellen scheint. Muss Rio ihren Traum von einem eigenen Garten am Meer definitiv begraben?

Kate Thompson scheint eine Vorliebe für „blumige“ Themen zu haben. Neben diesem Buch und dem Titel „Blütenträume“ (dessen Inhalt stelle ich demnächst hier vor) handelt auch die Kurzgeschichte „Star gazing“ von einer Floristin.


Kate Thompson:
Ein Garten am Meer
Weltbild, 2010

30. August 2010

Biografische Dokumentation einer Liebesreise mit einem Schuss Botanik

Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in Schottland: Hat die aufkeimende Liebe zwischen der jungen deutschen Studentin Lieselotte und dem angehenden indischen Botaniker Deboo eine Chance? Bevor es überhaupt dazu kommt, das „Kasten-Problem“ zu lösen, trennt der vor der Türe stehende 2. Weltkrieg die beiden jungen Leute. Zurück in Deutschland heiratet Lieselotte ihren Verehrer Hans Hachmann und wird Mutter von vier Töchtern.

Bereits vor der Eheschliessung hat Lieselotte ihrem Mann von ihrer ersten grossen Liebe zu einem Inder berichtet. Nach Kriegsende nimmt sie über den Botanischen Garten in Kalkutta wieder Kontakt mit Deboo auf und es beginnt ein reger Briefwechsel. Neben dieser Korrespondenz und der schwierigen Aufgabe im Nachkriegsdeutschland den Haushalt und Garten zu organisieren, gründet sie die Deutsch-Indische-Gesellschaft und setzt sich als deren Präsidentin unermüdlich für Inder und die Indische Kultur ein.

Hans unterstützt seine Frau wo er kann und lässt sie sogar für eine monatelange Reise alleine nach Indien fahren. Doch nicht nur zwischen den Zeilen erkennt der Leser, dass diese Quasi-Ehe zu dritt nicht nur einfach gewesen sein kann. Während Lieselotte ab und an in ihrem Tagebuch von der schlechten Laune ihres Gatten berichtet (wer will es ihm verdenken?), beschreibt Hans seine Gefühle sehr detailliert in der im Schluss des Buches abgedruckten Korrespondenz. Er fordert seine Frau auf, ihrem Gewissen zu folgen und ihre Liebe zu Deboo zu leben. Im Gegenzug wünscht er sich uneingeschränkte Offenheit und hofft auf eine Ehefrau, die glücklich von ihrer Indien-Reise zurückkehrt.

Lieselotte Hachmann hat ihrer jüngstenTochter Dietlinde ein Paket mit Briefen, Tagebüchern und Fotoalben vererbt. Als Dietlinde nach 15 Jahren dieses endlich öffnet, erfährt sie etliche Details aus dem Leben ihrer verstorbenen Mutter, die ihr bis anhin unbekannt waren und hat diese hauptsächlich für ihre Schwestern und die Familie in Buchform zusammengefasst.

Die Biografie ist spannender als mancher Roman und für den Gartenfreund speziell von Interesse sind die eingestreuten Berichte von Deboo, der als Leiter des Botanischen Gartens in Kalkutta tätig war. Nun bleibt mir nur noch zu hoffen, dass ich nicht mehr allzu lange ungeduldig auf die Fortsetzung dieser sehr persönlichen Dokumentation warten muss.



Dietlinde Hachmann:
Mein Wunscherbe – Teil 1: Zwischen zwei Welten
Acabus Verlag, 2010




http://www.mein-wunscherbe.de/

26. August 2010

Die Beute der Pflanzenjäger

Die früheren Bücher von Renate Hücking (*) gehören zu meinen Lieblingstiteln. Die Autorin ist für mich gewissermassen ein Garant für gut recherchierte interessante Lektüre über Pflanzenjäger. Nachdem sich meine ersten Befürchtungen zerstreut haben, dass es sich bei „Die Beute der Pflanzenjäger“ um eine überarbeitete Ausgabe des fast gleichnamigen früheren Buches handelt, konnte ich mich umso begeisterter in die Neuerscheinung vertiefen.

Wer gerne als „Armchair Gardener“ in einem der vielen verschiedenen Bücher über die Abenteuer der Pflanzenjäger schmökert, wird unweigerlich feststellen, dass sich die Geschichten immer wieder wiederholen. In diesem Buch sind nun auch Portraits von weniger bekannten Persönlichkeiten wie David Noble und Gerda Nissen vertreten, die Ende des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach grünem Gold unterwegs waren.

Vielleicht sind Ihnen in einem Gartencenter oder einer Gärtnerei schon einmal Pflanzen mit der Bezeichnung „Wollemia nobilis“ aufgefallen. Ein junger Australier namens David Noble hat im September 1994 im Wollemi-Nationalpark einen bis dato nur aus Versteinerungen bekannten Nadelbaum entdeckt. Im Kapitel „Der Traum aller Pflanzenjäger – David Noble entdeckt den Dinobaum“ erfährt der Leser genaueres über diesen sensationellen Fund und die notwendigen Bemühungen, um die kleinen ursprünglichen Bestände zu schützen. Die ersten 292 Exemplare des nachgezüchteten Bestandes haben 2005 bei einer Versteigerung einen Erlös von rund einer Million Australischen Dollars eingebracht.

Ein wunderschöner Rosenstrauss soll die Journalistin und leidenschaftliche Gärtnerin Gerda Nissen (1929 – 1999) dazu verführen, ihre Skepsis gegenüber Rosen abzulegen und für einen Freund Ordnung in 250 Rosenstöcke bringen, die dieser von einer aufgelassenen Gärtnerei gekauft hat. Die Verlockung erfüllt ihren Zweck und als Gerda Nissen im Sommer 1975 zufällig eine Rose mit dicht gefüllten, porzellanrosafarbenen Blütenköpfen entdeckt, ist sie völlig vom Jagdfieber angesteckt und aus der Hobbygärtnerin wird eine Pflanzenjägerin. Auf der Suche nach neuen Schätzen durchstreift sie vorwiegend mit dem Velo die norddeutsche Provinz und wird auf Friedhöfen ebenso fündig wie an Telegrafenmasten und wagt sich sogar an einen dicht bewachsenen Wall, der von sechs Jungbullen bewacht wird.

Zwischen diesen beiden Portraits erzählen weitere spannende Kapitel von den Beutezügen von Hatschepsut, Engelbert Kaempfer, John und William Bertram, Reinhold und Georg Forster und Josef Franz Rock.



Renate Hücking:
Die Beute der Pflanzenjäger
Piper Verlag, 2010





(*)„Pflanzenjäger“, „Oasen der Sehnsucht“ und „Süchtig nach Grün“ – alle zusammen mit Kej Hielscher verfasst und bei Piper erschienen

23. August 2010

Alte Gärtner – Alte Gärten

Auch Gärtner werden nicht jünger und kommen irgendwann zu einem Punkt, wo sie sich Gedanken darüber machen müssen, was alles im Garten unbedingt nötig ist und wo Erleichterungen angebracht sind. Im Büchlein „Alte Gärten – alte Gärtner“ hat Inge Kober ihre diesbezüglichen Überlegungen aufgezeichnet.

Wie gross darf/soll ein Topfpflanzengarten sein? Ist eine Gärtnerin nur eine gute Gärtnerin, wenn sie (fast) alle Pflanzen selber aufzieht? Ist es vielleicht sinnvoller, die Zeit und Kraft, die für das Aufbinden, von“ stengelschwachen“ Pflanzen benötigt wird, in etwas Sinnvolleres zu investieren? Was wäre allenfalls als sinnvoller zu bezeichnen?

Die Autorin ist nicht nur eine grosse Pflanzenfreundin, auch ihre Liebe zu den verschiedensten Tieren ist wiederholt ein Thema in den unterschiedlichen Kapiteln und es werden schon mal Raupen vor Spinnen in Sicherheit gebracht, weil die Vorfreude auf farbenfrohe Schmetterlinge doch nicht völlig zerstört werden darf. Auch im Zwischenstück „Krimis im Garten“ geht es nicht um die in diesem Blog üblicherweise unter diesem Label abgelegten Untaten, sondern um das Fressen und Gefressen werden direkt vor der Haustüre.

Auch Misserfolge sind ein Thema und zwischen den Gedanken zum Älterwerden sind verschiedene Anekdoten eingestreut wie beispielsweise jene aus Great Dixter. Oder es ist im Portrait eines englischen Gärtners die Rede davon, wie dieser Tausende von Schachbrettblumen (Fritillaria meleagris) pflanzen liess. Davon gingen genau sieben Stück auf. Anschliessend versuchte er sein Glück mit Tausenden von Cyclamen (mit mehr Erfolg). Wie sich zwischen den Zeilen lesen lässt, hat er bei diesen Aktionen wohl nicht seinen eigenen Rücken strapaziert.

Gedanken, die nicht nur für ältere Gärtnerinnen lesenswert sind.



Inge Kober:
Alte Gärten – Alte Gärtner
Aha Fliegeverlag, 2007

19. August 2010

Blumen für Madame Kyrill

Dieses Buch habe ich in Passau entdeckt, als ich vor der Hitze in eine Buchhandlung „geflüchtet“ bin. Die Lektüre dünkte mich passend, weil weitere Stationen unserer Ferienreise München und Paris waren – genau die Orte, in welchen der Roman spielt.

Simone Kyrill führt in München einen gutgehenden Blumenladen. Ihre Blumensträusse sind bei Prominenten genau so begehrt wie bei der Laufkundschaft und sie entschliesst sich zu ihrer Entlastung eine Mitarbeiterin einzustellen. Auf Simones Anzeige meldet sich auch Pierre Mathieu. Der sympathische junge Franzose ist zwar ausgebildeter Florist, hat zuletzt aber als Stuntman gearbeitet. Nach einem schweren Unfall muss er sich neu orientieren. Er überzeugt seine Arbeitgeberin nicht nur durch seine floralen Kunstwerke, die beiden Blumenkünstler kommen sich auch privat näher. Doch plötzlich scheinen sich Simones Wege immer wieder mit jenen ihres Ex-Freundes Fabian zu kreuzen.

Die zufälligen Begegnungen mit dem zwischenzeitlich straffällig gewordenen Fabian sind teils recht konstruiert und eher unglaubwürdig. Und leider wird der Lesegenuss dadurch getrübt, dass die Erzählstränge zeitlich nicht genau parallel verlaufen.

Wo ich gerade beim Thema Paris bin: Kurz vor unserer Abreise in die französische Hauptstadt habe ich in einem Gartenforum einen Hinweis aufgeschnappt, dass sich in der Nähe des Jardin des Tuileries eine Gartenbuchhandlung befindet. Eine genaue Wegbeschreibung oder Adresse habe ich mir nicht notiert. Wir waren schon beinahe durch den ganzen Park vom Louvre aus Richtung Arc de Triomphe hindurchspaziert und beim Place de la Concorde angekommen, ohne dass mir ein überzeugender Grund eingefallen war, meine Familie in östliche Richtung zu lotsen, wo ich das Geschäft am ehesten vermutete. Ich hatte eigentlich schon nicht mehr damit gerechnet, so rein „zufällig“ dort reinschauen zu können, als wir doch noch an dem kleinen, aber feinen Laden „Librairie des Jardins“ vorbeiliefen (und ich natürlich hinein). Und der Stapel mit den ungelesenen Büchern ist wieder um ein Exemplar höher, nämlich um den Titel „Je plante donc je suis“ von Alain Baraton.



Elisabeth Eckerl:
Blumen für Madame Kyrill
Engelsdorfer Verlag, 2008

16. August 2010

Totenblüte

„Totenblüte“ ist der erste Kriminalroman mit der Ermittlerin Vera Stanhope und ihrem Kollegen Joe Ashworth. Vera Stanhope ist keine einfache Chefin und das Delegieren von Aufgaben zählt nicht zu ihren Stärken. Die ledige, übergewichtige Kommissarin geht in ihrem Beruf völlig auf. Ihr Stolz ist ihr zuweilen wichtiger als beispielsweise ein Entführungsopfer. Privat pflegt sie absolut keine Freundschaften und führt ein sehr zurückgezogenes Leben, sie ist dem Alkohol nicht gerade abgeneigt und bemitleidet ihre eigene Kinderlosigkeit. Trotz all diesen Fehlern und wenn Sie sich erst an Veras Angewohnheit gewöhnt haben, alle Zeugen ob männlich oder weiblich mit „Herzchen“ zu betiteln, werden Sie feststellen, dass sie durchaus auch liebenswerte Seiten hat und vor allem über einen untrüglichen kriminalistischen Spürsinn verfügt. Verdächtigen gegenüber präsentiert sie sich bevorzugt leicht schusselig, um diese dann mit unerwarteten Fragen zu verunsichern.

Innert wenigen Tagen werden ein Junge mit einer ausgeprägten Lernschwäche und eine angehende Lehrerin ermordet aufgefunden. Die Umstände der Tatorte lassen eine Inszenierung vermuten und befürchten, dass der Mörder wieder zuschlagen wird. Eine Gruppe von Vogelkundlern scheint Verbindungen zu beiden Opfern zu haben. Die vier unterschiedlichen Männer pflegen seit Jugendtagen eine Freundschaft, obwohl sie eigentlich gar nicht richtig zusammenzupassen scheinen. Und alle vier haben etwas zu verbergen – doch ist der Mörder wirklich in diesen Kreisen zu finden?

Ein Botaniker und die „Totenblüten“ machen zwar noch keinen Gartenkrimi, aber eine spannende Lektüre mit interessanten Charakteren ist dieses Buch allemal. Laut Webseite der Autorin ist das Buch übrigens für das britische Fernsehen verfilmt worden.



Ann Cleeves:
Totenblüte
Rowohlt Verlag, 2010