August 2009 – In Norderstedt ist die Landesgartenschau 2011 im Entstehen begriffen. Noch 616 Tage bis zur Eröffnung. Der Schrottkünstler Orlando Graf beschäftigt sich derweilen mit seinem eigenen Themengarten aus silbernen Skulpturen, die zwischen Lavendel und Mohn arrangiert werden und die Blicke auf sich ziehen sollen. Denn Kunstobjekte sind seiner Meinung nach deutlich wichtiger als die Blümchen-Gartenschau und er fühlt sich deshalb legitimiert, immer wieder mal die Vorbereitungen zur Landesgartenschau zu stören.
Gleichzeitig erhält die Privatdetektivin Sabrina Sax den Auftrag, einen schon eine Weile zurückliegenden tödlichen Unfall genauer zu untersuchen. Vera Engel, die Mutter des Unfallopfers und Besitzerin des Autohauses am Flughafen, auf das gerade ein Anschlag verübt worden ist, zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass ihr Sohn zum Zeitpunkt des Unfalls nicht am Steuer des Unfallwagens gesessen ist.
Eher widerwillig beginnt Sabrina Sax mit ihren Nachforschungen. Doch schon bald zeigen sich interessante Verbindungen zwischen Autoschiebereien, Menschenhandel, Hehlerei und vermissten Personen. Möchte jemand die Landesgartenschau in Verruf bringen? Wegen der anhaltenden negativen Stimmungsmache gegen die Ausstellung erhält Inga König, die Redakteurin des kulturellen Leseblatts für Norderstedt, von ihrem Vorgesetzten den Auftrag, diese ins rechte Licht zu rücken.
Autos spielen überhaupt wichtige Rollen in diesem Krimi mit Lokalkolorit. Denn auf dem Gelände, auf dem die Landesgartenschau entsteht, werden Fahrzeuge entsorgt und es verschwinden wiederholt Nobelkarossen im gar nicht so beschaulichen Norderstedt. Eine Frau entdeckt in einem Abschleppwagen eine Leiche und eine bekannte Journalistin fotografiert just zu diesem Zeitpunkt den betreffenden Ford und die Umgebung – doch kurze Zeit später ist die Leiche spurlos verschwunden.
Ingrid Weissmann:
Ein Mord voraus – Norderstedt-Krimi
Schardt Verlag, 2011
30. Oktober 2012
26. Oktober 2012
Will North: Im Licht des Tages
Ist ein nicht mehr ganz junger Architekt, der noch kein einziges Haus gebaut hat, sondern sein Wissen an einer Universität an Studenten weitergibt, kein richtiger Vertreter seines Berufsstandes? Dieser Vorwurf ist nämlich einer von etlichen, die an Andrew Stratton aus Philadelphia nagen, seit seine Frau ihn derentwegen und wegen eines erfolgreicheren Mannes verlassen hat. Um sein Selbstwertgefühl zu stärken und einmal auf andere Gedanken zu kommen, reist er deshalb nach Cornwall, wo er mit eigenen Händen Steinmauern, die hier Steinhecken genannt werden, zu bauen.
Im kleinen englischen Dorf Bocastle lernt der Amerikaner die vierzigjährige Nicola kennen, die sich hier als Malerin ihren Lebensunterhalt verdient und sich gleichzeitig vor ihrer Vergangenheit versteckt. Auch sie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Die beiden Landsleute liefern sich bei jeder Begegnung heftige Wortgefechte, können aber eine starke gegenseitige Anziehungskraft nicht verleugnen.
Mit jedem Stein, den Andrew für die Hecke bewegt und an seinen richtigen Platz legt und mit dem die kornische Mauer wächst, bekommt er immer mehr Abstand zu seinen Problemen und gleichzeitig fängt sein Herzpanzer an zu bröckeln. Doch Nicola hält ihn auf Distanz und er kommt nicht wirklich an sie heran.Wer hat hier die grösseren Probleme, eine Beziehung einzugehen?
Zwischen die Romankapitel sind meteorologische Berichte eingefügt, die den Leser vorbereiten auf die Naturkatastrophe am Ende der Lektüre. Ein Leitmotiv des Romans ist die lebenslange physische Auswirkung von sexuellem Missbrauch im Kindesalter. In Sachen Hortikultur gibt es nichts Bemerkenswertes zu erwähnen, ausser man zählt die ausführlichen Baubeschreibungen von kornischen Steinhecken zu diesem Thema.
Will North:
Im Licht des Tages
Wilhelm Heyne Verlag, 2010
Im kleinen englischen Dorf Bocastle lernt der Amerikaner die vierzigjährige Nicola kennen, die sich hier als Malerin ihren Lebensunterhalt verdient und sich gleichzeitig vor ihrer Vergangenheit versteckt. Auch sie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Die beiden Landsleute liefern sich bei jeder Begegnung heftige Wortgefechte, können aber eine starke gegenseitige Anziehungskraft nicht verleugnen.
Mit jedem Stein, den Andrew für die Hecke bewegt und an seinen richtigen Platz legt und mit dem die kornische Mauer wächst, bekommt er immer mehr Abstand zu seinen Problemen und gleichzeitig fängt sein Herzpanzer an zu bröckeln. Doch Nicola hält ihn auf Distanz und er kommt nicht wirklich an sie heran.Wer hat hier die grösseren Probleme, eine Beziehung einzugehen?
Zwischen die Romankapitel sind meteorologische Berichte eingefügt, die den Leser vorbereiten auf die Naturkatastrophe am Ende der Lektüre. Ein Leitmotiv des Romans ist die lebenslange physische Auswirkung von sexuellem Missbrauch im Kindesalter. In Sachen Hortikultur gibt es nichts Bemerkenswertes zu erwähnen, ausser man zählt die ausführlichen Baubeschreibungen von kornischen Steinhecken zu diesem Thema.
Will North:
Im Licht des Tages
Wilhelm Heyne Verlag, 2010
22. Oktober 2012
Brigitte Bücker: Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt
Seit einiger Zeit kämpft der Vater der 13jährigen Karo mit grossen finanziellen Problemen, konkret sogar ums Überleben seiner Firma. Mangels Aufträgen sieht die Zukunft gar nicht rosig aus. Deshalb traut sich Karo auch gar nicht zu erzählen, dass die bevorstehende Klassenreise samt Segelkurs an die Ostsee satte 200 Euro kostet.
Umso mehr freut sich das Mädchen über ihre Freundschaft mit Jo, Wolle und Bruno. Mit diesen dreien verbringt Karo einen Grossteil ihrer Freizeit. Zurzeit kümmert sie sich allerdings in erster Linie um Bodo, den Hund ihrer kranken Nachbarin Frau Erichsen. Da Karos Mutter an einer Tierhaarallergie leidet, ist Bodo im Schrebergartenhäuschen seines Frauchens untergebracht, so dass Karo täglich zwei- oder dreimal in und um die Schrebergartenkolonie „Grüne Pumpe“ anzutreffen ist.
Mit dem Einverständnis der im Spital liegenden Frau Erichsen dürfen sich auch Karos Freunde in der Parzelle 4 aufhalten. Und passenderweise geben sich die vier als eingespieltes Team auch gleich den Namen „Parzelle 4“ und tragen stolz eigens von Wolle mit einem Logo bemalte T-Shirts. Neben dem Füttern und Ausführen von Bodo gilt das Augenmerk der Jugendlichen hauptsächlich dem Verhindern der geplanten Maulwurfvergiftungsaktion durch den Schrebergärtner in der Nachbarparzelle.
Und als es sich schliesslich sogar ergibt, dass Karo mit ihren drei Freunden gemeinsam die grossen Ferien im Schrebergarten verbringen darf, ist die schulfreie Zeit ohne Urlaubsreise definitiv gerettet - sechs Wochen Parzelle 4!
Gleich die erste Nacht im Schrebergarten wird ausserordentlich spannend und aus einem vermeintlichen Einbrecher in der Nachbarlaube wird unvermittelt Mitglied Nr. 5 der eingeschworenen Truppe, die während der Ferien noch verschiedene Aufgaben - wie etwa das Vereiteln des Verkaufs von Frau Erichsens Parzelle durch ihren Sohn – zu erledigen hat.
Ein spannender Jugendroman um Freundschaft, erste Liebe, Eifersucht, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen.
Brigitte Bücker:
Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt
Baumhaus Taschenbuch, 2012
Umso mehr freut sich das Mädchen über ihre Freundschaft mit Jo, Wolle und Bruno. Mit diesen dreien verbringt Karo einen Grossteil ihrer Freizeit. Zurzeit kümmert sie sich allerdings in erster Linie um Bodo, den Hund ihrer kranken Nachbarin Frau Erichsen. Da Karos Mutter an einer Tierhaarallergie leidet, ist Bodo im Schrebergartenhäuschen seines Frauchens untergebracht, so dass Karo täglich zwei- oder dreimal in und um die Schrebergartenkolonie „Grüne Pumpe“ anzutreffen ist.
Mit dem Einverständnis der im Spital liegenden Frau Erichsen dürfen sich auch Karos Freunde in der Parzelle 4 aufhalten. Und passenderweise geben sich die vier als eingespieltes Team auch gleich den Namen „Parzelle 4“ und tragen stolz eigens von Wolle mit einem Logo bemalte T-Shirts. Neben dem Füttern und Ausführen von Bodo gilt das Augenmerk der Jugendlichen hauptsächlich dem Verhindern der geplanten Maulwurfvergiftungsaktion durch den Schrebergärtner in der Nachbarparzelle.
Und als es sich schliesslich sogar ergibt, dass Karo mit ihren drei Freunden gemeinsam die grossen Ferien im Schrebergarten verbringen darf, ist die schulfreie Zeit ohne Urlaubsreise definitiv gerettet - sechs Wochen Parzelle 4!
Gleich die erste Nacht im Schrebergarten wird ausserordentlich spannend und aus einem vermeintlichen Einbrecher in der Nachbarlaube wird unvermittelt Mitglied Nr. 5 der eingeschworenen Truppe, die während der Ferien noch verschiedene Aufgaben - wie etwa das Vereiteln des Verkaufs von Frau Erichsens Parzelle durch ihren Sohn – zu erledigen hat.
Ein spannender Jugendroman um Freundschaft, erste Liebe, Eifersucht, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen.
Brigitte Bücker:
Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt
Baumhaus Taschenbuch, 2012
18. Oktober 2012
Barbara O’Neal: The Garden of Happy Endings
Die 38jährige Elsa arbeitet seit neun Jahren als Seelsorgerin. Sie liebt ihre Arbeit über alles, träumt von Kindern und hört deswegen ihre biologische Uhr immer lauter ticken. Ihr starker Glaube an Gott und Gerechtigkeit wird nach einem Mord an einem jungen Mädchen aus ihrer Gemeinde zum dritten Mal in ihrem Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Die Tragödie trifft sie bis ins Mark und verfolgt sie nachts in ihren Träumen.
Schliesslich ist sie körperlich und seelisch dermassen krank, dass sie von ihren Vorgesetzten zu einem mehrmonatigen Sabbatical verdonnert wird.
Elsa kehrt in ihre Heimatgemeinde Pueblo in Colorado zurück, wo inzwischen ihre erste grosse Liebe und früherer Verlobter Joaquin als Father Jack der örtlichen katholischen Kirche vorsteht. Joaquin ist Elsas bester Freund und Vertrauter und gleichzeitig der Grund für die zweite grosse Glaubenskrise, die sie mit Anfang zwanzig durchgemacht hat. Die beiden Verlobten waren damals wochenlang auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gewandet und es schien sonnenklar, dass sie nach diesem eindrücklichen Erlebnis heiraten würden. Doch Joaquin hat sich gegen Elsa und für die Kirche entschieden.
Fast gleichzeitig mit Elsas Rückkehr nach Pueblo bricht das geordnete und durchorganisierte Leben ihrer acht Jahre älteren Schwester Tomasine, genannt Tamsin, auseinander. Ihr Mann taucht ohne Vorankündigung und ohne Spuren zu hinterlassen unter und wird von der Polizei gesucht, weil er mittels dubiosen Finanzgeschäften im Schneeballsystem Millionen von Dollars veruntreut haben soll. Tamsin ist am Boden zerstört. Ihr bleibt nur, was sie am Leib trägt. Ihr geliebtes Haus wird beschlagnahmt ebenso wie der von ihr restaurierte über 100jährige Garten mit alten Pfingstrosen, Kletterrosen, Mohn, Iris und vielen anderen Blumen, die sie liebevoll und stolz gepflegt hat. Verwehrt wird ihr auch der Zugriff auf die Bankkonten und ihre geliebten selbstgemachten Quilts. Die verzweifelte Frau findet Unterschlupf bei Elsa. Doch wie soll Tamsin die Geschehnisse ihrer 22jährigen Tochter Alexa beibringen, die in einem Monat von einem einjährigen Aufenthalt in Spanien nach Pueblo zurückkehrt?
Noch vor ihrer privaten Katastrophe hat Tamsin Father Jack vorgeschlagen, ein als Abfallhalde missbrauchtes Stück Land in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Rund um die Umsetzung dieses Projektes, den Aufbau dieses Community Gardens, der Auswahl von Radieschen, Kürbis und anderen Pflanzen, versuchen die beiden Schwestern, wieder Tritt zu fassen. Tamsin findet eine Anstellung in der Stoffabteilung eines Warenhauses und blüht bei dieser Tätigkeit und den Stunden im Garten richtig auf. Genau wie letzterer selber, ehe er mutwillig zerstört wird.
Elsa ihrererseits freundet sich mit dem Landschaftsgärtner Deacon an, worauf Father Jack eine gewisse Eifersucht nicht verhehlen kann und der Meinung ist, Elsa hätte einen „besseren“ Mann verdient oder zumindest einen mit einer anderen Vergangenheit. Gleichzeitig bekundet der 47jährige Deacon Loyalitätsprobleme gegenüber Father Jack, da dieser ihm vor Jahren während einer schweren Krise den Sinn des Lebens nahe gebracht hat.
Barbara O‘Neal:
The Garden of Happy Endings
Bantam Books, 2012
Elsa kehrt in ihre Heimatgemeinde Pueblo in Colorado zurück, wo inzwischen ihre erste grosse Liebe und früherer Verlobter Joaquin als Father Jack der örtlichen katholischen Kirche vorsteht. Joaquin ist Elsas bester Freund und Vertrauter und gleichzeitig der Grund für die zweite grosse Glaubenskrise, die sie mit Anfang zwanzig durchgemacht hat. Die beiden Verlobten waren damals wochenlang auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gewandet und es schien sonnenklar, dass sie nach diesem eindrücklichen Erlebnis heiraten würden. Doch Joaquin hat sich gegen Elsa und für die Kirche entschieden.
Fast gleichzeitig mit Elsas Rückkehr nach Pueblo bricht das geordnete und durchorganisierte Leben ihrer acht Jahre älteren Schwester Tomasine, genannt Tamsin, auseinander. Ihr Mann taucht ohne Vorankündigung und ohne Spuren zu hinterlassen unter und wird von der Polizei gesucht, weil er mittels dubiosen Finanzgeschäften im Schneeballsystem Millionen von Dollars veruntreut haben soll. Tamsin ist am Boden zerstört. Ihr bleibt nur, was sie am Leib trägt. Ihr geliebtes Haus wird beschlagnahmt ebenso wie der von ihr restaurierte über 100jährige Garten mit alten Pfingstrosen, Kletterrosen, Mohn, Iris und vielen anderen Blumen, die sie liebevoll und stolz gepflegt hat. Verwehrt wird ihr auch der Zugriff auf die Bankkonten und ihre geliebten selbstgemachten Quilts. Die verzweifelte Frau findet Unterschlupf bei Elsa. Doch wie soll Tamsin die Geschehnisse ihrer 22jährigen Tochter Alexa beibringen, die in einem Monat von einem einjährigen Aufenthalt in Spanien nach Pueblo zurückkehrt?
Noch vor ihrer privaten Katastrophe hat Tamsin Father Jack vorgeschlagen, ein als Abfallhalde missbrauchtes Stück Land in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Rund um die Umsetzung dieses Projektes, den Aufbau dieses Community Gardens, der Auswahl von Radieschen, Kürbis und anderen Pflanzen, versuchen die beiden Schwestern, wieder Tritt zu fassen. Tamsin findet eine Anstellung in der Stoffabteilung eines Warenhauses und blüht bei dieser Tätigkeit und den Stunden im Garten richtig auf. Genau wie letzterer selber, ehe er mutwillig zerstört wird.
Elsa ihrererseits freundet sich mit dem Landschaftsgärtner Deacon an, worauf Father Jack eine gewisse Eifersucht nicht verhehlen kann und der Meinung ist, Elsa hätte einen „besseren“ Mann verdient oder zumindest einen mit einer anderen Vergangenheit. Gleichzeitig bekundet der 47jährige Deacon Loyalitätsprobleme gegenüber Father Jack, da dieser ihm vor Jahren während einer schweren Krise den Sinn des Lebens nahe gebracht hat.
Barbara O‘Neal:
The Garden of Happy Endings
Bantam Books, 2012
14. Oktober 2012
Jana Kotte (Hrsg.): Berlin gärtnert – Kübel, Beet und Samenbombe
Nach einem Erklärungsversuch, warum der Berliner so gerne gärtnert und einem geschichtlichen Rückblick folgt in diesem Büchlein passend zu den Abschnittstiteln „Gärtnern ohne Garten“, „Gärtnern auf eigener Scholle“, „Gärtnern in öffentlichem Raum“, „Gärtnern in Gemeinschaft“ und „Gärtnern in grossem Stil“ ein Sammelsurium an interessanten Beiträgen. Verfasst wurden dieselben von Umweltaktivisten, Soziologen, Journalisten, Hobbygärtnern und Gartenexperten. Dabei tragen die unterschiedlichen Ansichten und Schreibstile massgeblich Anteil am Charme dieser gleichermassen lehrreichen, informativen wie unterhaltsamen Publikation.
Der Publizist Michael Hinze verrät gleich eine ganze Reihe von Tipps, wie man möglichst günstig gärtnert. So lassen sich Schnittblumenkübel aus dem Supermarkt zu Pflanzkübeln umfunktionieren, aus alten Schränken werden Hochbeete und die Stämme von ausgedienten Weihnachtsbäumen lassen sich als Holzpflöcke verwenden. Fast jedes Wohnhaus verfügt über Balkone und auch deren Bepflanzung untersteht einem Wandel. Denn diese werden heutzutage auch in Berlin immer öfter genau wie früher in Zeiten von Kriegen oder wirtschaftlicher Not mit einjährigem Gemüse bestückt statt mit Pelargonien und & Co. geschmückt.
Ein anderer Artikel ist ein flammendes Plädoyer für die Begrünung von Dachgärten. Bereits die alten Ägypter wussten von der klimaausgleichenden Wirkung von bepflanzten Dächern. Der Autor erläutert detailliert deren Vorzüge und gibt Einblick in die Anlage derselben. Und er möchte am Schluss gleich wissen, wann der Leser seinen eigenen Dachgarten plant. Auch Kunst wird thematisiert. Mal geht’s um Recyclingkunst oder man liest von Kleinkunst wie Putten und Gartenzwergen, die teilweise sogar zu hässlich sein sollen, um geklaut zu werden. Mit Diebstählen hat der Gärtner besonders zur Erntezeit immer wieder Probleme. Auch im Gemeinschaftsgarten ist die Differenzierung von „mein, dein, unser“ nicht immer einfach, wenn ein anderer pflückt, was man den ganzen Sommer über gehegt und gepflegt hat. Denn auch in den vielgepriesenen Gemeinschaftsgärten sind zwischenmenschliche Konflikte an der Tagesordnung und das (Garten-)Paradies Eden auch hier (fast) genau so unerreichbar wie in anderen Gärten auch.
Man liest von einem Automaten an der Papelallee, aus dem man sich statt Bonbons für einen Euro Seeedbombs gönnen kann, von der urbanen Landwirtschaft, der Bücherei des deutschen Gartenbaus, die Anfänge der Gartenstädte und über die Gärten von Karl Foerster, Hannah Höch und Max Liebermann. Eine Guerilla Gärtnerin verrät ihre Erfolgsstrategien. Der Fokus soll nämlich keinesfalls auf Blütenpflanzen gesetzt werden, da diese oft und gerne gepflückt werden. Veränderungen rund um Baumscheiben oder in ungepflegtem Abstandsgrün müssen mit Bedacht vorgenommen werden. Und zwar so langsam, dass sie kaum bemerkt werden und insbesondere sollen robuste und unscheinbare Pflanzen bevorzugen werden.
Thematisiert werden auch Berlins Bäume, die IGA Berlin 2017 sowie die Nichts-Tun-Landschaft des Japaners Fukuoka und dessen Demofelder. Und falls Sie gerne in Berlin gärtnern würden, aber keinen Garten haben, melden Sie sich doch beim im Buch erwähnten mit Nachwuchsproblemen kämpfenden Verein. Der interessierte Leser mit Lust und Zeit wird eingeladen, sich am Mittwoch oder Samstag in einer grünen Initiative zu melden.
Und wo bezieht der Berliner Gärtner sein grünes Material? Am Ende des Buches gibt es eine Liste mit interessanten Adressen und Terminen. Zusätzlich wird in verschiedenen Artikeln darauf hingewiesen, bei Gelegenheit auf Friedhöfen einen Blick in die Kompostbehälter zu werfen. Denn in diesen lässt sich häufig noch verwertbares Pflanzenmaterial finden, wobei aber vorher unbedingt mit der Friedhofsverwaltung abgeklärt werden soll, ob die Entnahme auch geduldet wird.
Jana Kotte (Hrsg.):
Berlin gärtnert – Kübel, Beet und Samenbombe
Edition Terra, 2012
Der Publizist Michael Hinze verrät gleich eine ganze Reihe von Tipps, wie man möglichst günstig gärtnert. So lassen sich Schnittblumenkübel aus dem Supermarkt zu Pflanzkübeln umfunktionieren, aus alten Schränken werden Hochbeete und die Stämme von ausgedienten Weihnachtsbäumen lassen sich als Holzpflöcke verwenden. Fast jedes Wohnhaus verfügt über Balkone und auch deren Bepflanzung untersteht einem Wandel. Denn diese werden heutzutage auch in Berlin immer öfter genau wie früher in Zeiten von Kriegen oder wirtschaftlicher Not mit einjährigem Gemüse bestückt statt mit Pelargonien und & Co. geschmückt.
Ein anderer Artikel ist ein flammendes Plädoyer für die Begrünung von Dachgärten. Bereits die alten Ägypter wussten von der klimaausgleichenden Wirkung von bepflanzten Dächern. Der Autor erläutert detailliert deren Vorzüge und gibt Einblick in die Anlage derselben. Und er möchte am Schluss gleich wissen, wann der Leser seinen eigenen Dachgarten plant. Auch Kunst wird thematisiert. Mal geht’s um Recyclingkunst oder man liest von Kleinkunst wie Putten und Gartenzwergen, die teilweise sogar zu hässlich sein sollen, um geklaut zu werden. Mit Diebstählen hat der Gärtner besonders zur Erntezeit immer wieder Probleme. Auch im Gemeinschaftsgarten ist die Differenzierung von „mein, dein, unser“ nicht immer einfach, wenn ein anderer pflückt, was man den ganzen Sommer über gehegt und gepflegt hat. Denn auch in den vielgepriesenen Gemeinschaftsgärten sind zwischenmenschliche Konflikte an der Tagesordnung und das (Garten-)Paradies Eden auch hier (fast) genau so unerreichbar wie in anderen Gärten auch.
Man liest von einem Automaten an der Papelallee, aus dem man sich statt Bonbons für einen Euro Seeedbombs gönnen kann, von der urbanen Landwirtschaft, der Bücherei des deutschen Gartenbaus, die Anfänge der Gartenstädte und über die Gärten von Karl Foerster, Hannah Höch und Max Liebermann. Eine Guerilla Gärtnerin verrät ihre Erfolgsstrategien. Der Fokus soll nämlich keinesfalls auf Blütenpflanzen gesetzt werden, da diese oft und gerne gepflückt werden. Veränderungen rund um Baumscheiben oder in ungepflegtem Abstandsgrün müssen mit Bedacht vorgenommen werden. Und zwar so langsam, dass sie kaum bemerkt werden und insbesondere sollen robuste und unscheinbare Pflanzen bevorzugen werden.
Thematisiert werden auch Berlins Bäume, die IGA Berlin 2017 sowie die Nichts-Tun-Landschaft des Japaners Fukuoka und dessen Demofelder. Und falls Sie gerne in Berlin gärtnern würden, aber keinen Garten haben, melden Sie sich doch beim im Buch erwähnten mit Nachwuchsproblemen kämpfenden Verein. Der interessierte Leser mit Lust und Zeit wird eingeladen, sich am Mittwoch oder Samstag in einer grünen Initiative zu melden.
Und wo bezieht der Berliner Gärtner sein grünes Material? Am Ende des Buches gibt es eine Liste mit interessanten Adressen und Terminen. Zusätzlich wird in verschiedenen Artikeln darauf hingewiesen, bei Gelegenheit auf Friedhöfen einen Blick in die Kompostbehälter zu werfen. Denn in diesen lässt sich häufig noch verwertbares Pflanzenmaterial finden, wobei aber vorher unbedingt mit der Friedhofsverwaltung abgeklärt werden soll, ob die Entnahme auch geduldet wird.
Jana Kotte (Hrsg.):
Berlin gärtnert – Kübel, Beet und Samenbombe
Edition Terra, 2012
10. Oktober 2012
Wieder mal ein Fehlkauf
Dieses Buch war ein unüberlegter Spontankauf. Und noch etwas genauer formuliert: ein Fehlkauf. Aber warum kaufe ich auch ein Buch ohne genaue Inhaltsinformationen, aber mit Gedanken im Hinterkopf, von der Autorin schon mal etwas gelesen zu haben („Wilde Orangen“), das mir überhaupt nicht gefallen hat?
Auslöser für den Kaufentscheid war der Hinweis im Klappentext, wo davon die Rede ist von „sich in die Gartenarbeit zu stürzen“ und ein bisschen wohl auch das schöne grüne Umschlagbild. Botanisches kommt denn auch tatsächlich einiges in der Lektüre vor, doch irgendwie wurde ich mit der Geschichte einfach nicht richtig warm. Ich fand das Buch grösstenteils einfach nur langweilig. Auch wenn sich die Rezensenten mit Lob für dieses Buch überschlagen und es sogar kurz und bündig heisst „Zum Niederknien“. Statt mir noch allzuviele Gedanken über einen Artikel zu diesem Roman zu machen, knie ich mich lieber im Garten nieder, um endlich die letzthin grosszügig eingekauften Blumenzwiebeln einzubuddeln… Aber nun zum Inhalt:
Die Ich-Erzählerin, deren Theologiestudium ihr weder einen Beruf noch einen Mann eingebracht hat, schaut Heiratsannoncen durch, doch kein Inserent kann sich mit den Protagonisten aus der von ihr geliebten Weltliteratur auch nur annähernd messen und es verirrt sich auch kein Prinz auf das abgeschiedene Gut in Südfrankreich, wo sie mit ihrer Tante lebt. Die beiden Frauen widmen sich neben der Lektüre von guten Büchern hauptsächlich der Gartenarbeit. Eifrig wird gesät, gefegt, gerecht, gehackt, geschnitten, gestreut, gemäht, gepflanzt, gesät, gewässert und geerntet. Da wird zur Desinfektion Asche auf die Beete gestreut und im Rucksack, der als Botanisiertrommel dient, werden von überall her Wuzeln, Knollen und Samen nach Hause gebracht und die Nichte wird tagtäglich in Botanik unterrichtet.
So ist jede Pflanze im Garten mit einer Geschichte aus dem Leben der Tante verbunden. Und man erfährt, dass die Tante ihr ganzes Talent an den Garten und dessen Bepflanzung verschwendet, aber bei weitem nicht in der gleichen Liga gärtnert wie etwa Vita Sackville-West oder Elisabeth von Arnim. In erster Linie dient der Garten denn auch als Schutz von der Aussenwelt, als Zufluchtsort und als Nahrungsquelle. Da flattert zur Abwechslung der Frauen eine Einladung nach Indien ins Haus. Der älteste Sohn von Freunden aus einem reichen Sikh-Clan heiratet.
Ab und an habe ich auch Interessantes im Buch entdeckt. Amüsant dünkte mich beispielsweise die Stelle, wo es heisst, dass geschwollene Füsse (Zitat) „ wie knusprige von Sonnenlicht angebratene Masthühner auf einem Hocker liegen ….“. Passen Sie unbedingt auf, falls sie unterhalb der Kieferngegend Pickel haben sollten, diese könnten verraten, dass sie nicht ganz glücklich sind. Und als Gärtner sollten sie nie unterschätzen, welche Macht sie mit ihren Anpflanzungen auf andere ausüben - egal ob sie Kohlköpfe setzen oder Vergissmeinnicht und Trompetenbäume bevorzugen.
Gegen Ende des Buches schreibt die Ich-Erzählerin, der Versuch zu begreifen, warum man Indien liebt, sei ebenso sinnlos wie der Versuch zu erklären, weshalb man das Leben liebt. Ich würde das Wort „Indien“ mit dem Titel dieses Buches ersetzen und weitere Worte meinerseits erübrigen sich.
Anna Katharina Fröhlich:
Kream Korner
Bloomsbury Verlag, 2010/2012
Auslöser für den Kaufentscheid war der Hinweis im Klappentext, wo davon die Rede ist von „sich in die Gartenarbeit zu stürzen“ und ein bisschen wohl auch das schöne grüne Umschlagbild. Botanisches kommt denn auch tatsächlich einiges in der Lektüre vor, doch irgendwie wurde ich mit der Geschichte einfach nicht richtig warm. Ich fand das Buch grösstenteils einfach nur langweilig. Auch wenn sich die Rezensenten mit Lob für dieses Buch überschlagen und es sogar kurz und bündig heisst „Zum Niederknien“. Statt mir noch allzuviele Gedanken über einen Artikel zu diesem Roman zu machen, knie ich mich lieber im Garten nieder, um endlich die letzthin grosszügig eingekauften Blumenzwiebeln einzubuddeln… Aber nun zum Inhalt:
Die Ich-Erzählerin, deren Theologiestudium ihr weder einen Beruf noch einen Mann eingebracht hat, schaut Heiratsannoncen durch, doch kein Inserent kann sich mit den Protagonisten aus der von ihr geliebten Weltliteratur auch nur annähernd messen und es verirrt sich auch kein Prinz auf das abgeschiedene Gut in Südfrankreich, wo sie mit ihrer Tante lebt. Die beiden Frauen widmen sich neben der Lektüre von guten Büchern hauptsächlich der Gartenarbeit. Eifrig wird gesät, gefegt, gerecht, gehackt, geschnitten, gestreut, gemäht, gepflanzt, gesät, gewässert und geerntet. Da wird zur Desinfektion Asche auf die Beete gestreut und im Rucksack, der als Botanisiertrommel dient, werden von überall her Wuzeln, Knollen und Samen nach Hause gebracht und die Nichte wird tagtäglich in Botanik unterrichtet.
So ist jede Pflanze im Garten mit einer Geschichte aus dem Leben der Tante verbunden. Und man erfährt, dass die Tante ihr ganzes Talent an den Garten und dessen Bepflanzung verschwendet, aber bei weitem nicht in der gleichen Liga gärtnert wie etwa Vita Sackville-West oder Elisabeth von Arnim. In erster Linie dient der Garten denn auch als Schutz von der Aussenwelt, als Zufluchtsort und als Nahrungsquelle. Da flattert zur Abwechslung der Frauen eine Einladung nach Indien ins Haus. Der älteste Sohn von Freunden aus einem reichen Sikh-Clan heiratet.
Ab und an habe ich auch Interessantes im Buch entdeckt. Amüsant dünkte mich beispielsweise die Stelle, wo es heisst, dass geschwollene Füsse (Zitat) „ wie knusprige von Sonnenlicht angebratene Masthühner auf einem Hocker liegen ….“. Passen Sie unbedingt auf, falls sie unterhalb der Kieferngegend Pickel haben sollten, diese könnten verraten, dass sie nicht ganz glücklich sind. Und als Gärtner sollten sie nie unterschätzen, welche Macht sie mit ihren Anpflanzungen auf andere ausüben - egal ob sie Kohlköpfe setzen oder Vergissmeinnicht und Trompetenbäume bevorzugen.
Gegen Ende des Buches schreibt die Ich-Erzählerin, der Versuch zu begreifen, warum man Indien liebt, sei ebenso sinnlos wie der Versuch zu erklären, weshalb man das Leben liebt. Ich würde das Wort „Indien“ mit dem Titel dieses Buches ersetzen und weitere Worte meinerseits erübrigen sich.
Anna Katharina Fröhlich:
Kream Korner
Bloomsbury Verlag, 2010/2012
6. Oktober 2012
Sabine Reber: Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
In dieser Liebeserklärung ans Gärtnern erzählt die Schriftstellerin und Gartenpublizistin Sabine Reber wie ihre Leidenschaft fürs Wühlen in der Erde entfacht worden ist. Ein latentes Interesse war zwar schon länger vorhanden, erschöpfte sich aber zunächst in der Beschäftigung mit eher gewöhnlichen Kräutern wie Petersilie und Schnittlauch, einem Orangenbäumchen und einem Gummibaum. Mit dem Gartenvirus richtig infiziert wurde die Autorin an einem verregneten Sonntag in ihrer temporären Wahlheimat Irland, als sie sich mit einem Englisch-Wörterbuch bewaffnet durch englische Zeitungen las und in der Sunday Times die Gartenkolumne entdeckte.
Hatte sie zuvor auf der grünen Insel bereits begonnen in der Küche exotische Gewürze und Kräuter auszuprobieren, tat sich ihr mit dieser Lektüre plötzlich ein enormes Experimentierfeld rund ums Haus auf. Gehemmt wurde die Umsetzung von Ideen einerseits aber zunächst noch durch das kalte Märzwetter und ganz besonders durch mangelndes hortikulturelles Wissen. Doch während das irische Wetter seinem Ruf nachkam und es regnete und stürmte, las sich Sabine Reber durch die englische Gartenliteratur und studierte Pflanzenenzyklopädien. Und als endlich der Frühling einzog, begann sie zwar ohne gärtnerische Praxis, aber mit umso mehr theoretischem Wissen und Enthusiasmus nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ mit dem Projekt Gartengestaltung. Bald wurden die Stunden am Schreibtisch weniger und die Schriftstellerin verbrachte ganze Tage im Garten und las sich abends weiter durch Gartenbücherstapel.
Das Buch ist analog dem (Garten-)jahr in zwölf Kapitel gegliedert. Eingebettet in eine Reise mit dem aktuellen Partner blickt Sabine Reber zurück auf die verschiedenen Gärten, die ihr in den letzten Jahren Zufluchtsort und Refugium waren. Die erste Ehe der Autorin und der Garten in Donegal entwickelten sich nämlich diametral. Während Gemüse und Blumen in den Gartenbeeten zur Hochform aufliefen, war Sabine Reber zerrissen zwischen dem Wunsch, Irland und den Ehemann zu verlassen und dem Begehren, noch mehr Rosen zu pflanzen.
In Kapiteln wie „Mist und Grashalme“, „Rosenduft und Weihrauch“, „Warum die Schweizer so dünn waren“ oder „Baggern für die Frösche“ erzählt die Autorin von Erlebnissen in der Donegal Garden Society, der etwas unüberlegten Anlage eines Teiches am Hang oder von ungeahnten Fähigkeiten, die sie in sich entdeckt, als sie ein Tomatenhaus aus alten aus einem Fluss gefischten Fensterscheiben zusammenbaut. Leider hat es wohl einmal zu heftig gestürmt, denn kurz vor der Tomatenreife stürzte die Konstruktion ein und verwandelte die roten Früchte in eine Art Ketchup. Irlands Klima mit dem vielen Regen hat aber auch unbestritten seine Vorteile und lässt Pflanzen von alleine spriessen, so dass mancher Spaten- und Gestaltungsfehler oder andere gärtnerische Unzulänglichkeiten rasch wieder überwachsen und kaschiert werden. Und natürlich lässt sich die Junggärtnerin auch nicht beirren, als ihr eine Nachbarin weissmachen will, Gemüse aus dem Garten sei unhygienisch. Ständig wird umgepflanzt und "umgebeetet"- zuerst innerhalb des irischen Gartens, später immer wieder von einem Garten zum anderen.
Wer soll dieses Buch lesen? Speziell empfehlenswert ist es für Leserinnen und Leser, die sich – vielleicht nach der Lektüre der früheren Gartenbücher von Sabine Reber - für Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Autorin interessieren und wissen möchten, wie sie zum Gärtnern gefunden hat und warum sie als passionierte Gärtnerin dermassen erstaunlich oft Haus und vor allem den Garten zurücklässt. Welches sind die Hintergründe, die sie veranlassen immer wieder ein Haus und einen Garten weiterzuziehen? Die Leserin bekommt beim Lesen den Eindruck, dass die Umzüge jeweils erfolgen, bevor die Gärtnerin und ihre Lieblingspflanzen richtig haben Wurzeln schlagen können.
Unverständlich fand ich die Hinweise am Anfang des Buches „alle Figuren sind frei erfunden, fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit Personen ist zufällig“. Ein Teil der hier erzählten Geschichten ist mir schon von früherem Herumstöbern auf der Webseite der Autorin bekannt. Ich vermute mal, diese Andeutung hat mit einem anderen von mit nicht gelesenen Buch zu tun, wo die Irland-Jahre bereits aus anderer Sicht erzählt worden sind. Diese Neugier bleibt jedenfalls unbefriedigt.
Die Lektüre ist im übrigen sehr persönlich und privat abgefasst. Tessenberger haben wahrscheinlich wenig Freude am Abschnitt über Rebers Garten auf dieser Hochebene. Manches ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, etwa wenn es heisst, das Fleckchen Land (der Twanner Garten) konnte erst neu gestaltet werden, als sich der dreihundert Kilo schwere Holzbär namens Herbert eingelebt hatte.
Neugierig zurück bleibt man auch wegen einer Bemerkung am Schluss des Buches und überlegt die allfälligen Konsequenzen derselben. Doch sicher wird bald irgendwo zu lesen sein, ob diese erwähnten Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind oder vielleicht zum erwähnten fiktiven Teil des Buches gehören. Jedenfalls bin ich nach dem Lesen über den vielen Müll auf der grünen Insel gar nicht mehr so sicher, ob Irland immer noch zu meinen Traumdestinationen zählen soll oder doch eher nicht.
Sabine Reber:
Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
Callwey Verlag, 2012
Hatte sie zuvor auf der grünen Insel bereits begonnen in der Küche exotische Gewürze und Kräuter auszuprobieren, tat sich ihr mit dieser Lektüre plötzlich ein enormes Experimentierfeld rund ums Haus auf. Gehemmt wurde die Umsetzung von Ideen einerseits aber zunächst noch durch das kalte Märzwetter und ganz besonders durch mangelndes hortikulturelles Wissen. Doch während das irische Wetter seinem Ruf nachkam und es regnete und stürmte, las sich Sabine Reber durch die englische Gartenliteratur und studierte Pflanzenenzyklopädien. Und als endlich der Frühling einzog, begann sie zwar ohne gärtnerische Praxis, aber mit umso mehr theoretischem Wissen und Enthusiasmus nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ mit dem Projekt Gartengestaltung. Bald wurden die Stunden am Schreibtisch weniger und die Schriftstellerin verbrachte ganze Tage im Garten und las sich abends weiter durch Gartenbücherstapel.
Das Buch ist analog dem (Garten-)jahr in zwölf Kapitel gegliedert. Eingebettet in eine Reise mit dem aktuellen Partner blickt Sabine Reber zurück auf die verschiedenen Gärten, die ihr in den letzten Jahren Zufluchtsort und Refugium waren. Die erste Ehe der Autorin und der Garten in Donegal entwickelten sich nämlich diametral. Während Gemüse und Blumen in den Gartenbeeten zur Hochform aufliefen, war Sabine Reber zerrissen zwischen dem Wunsch, Irland und den Ehemann zu verlassen und dem Begehren, noch mehr Rosen zu pflanzen.
In Kapiteln wie „Mist und Grashalme“, „Rosenduft und Weihrauch“, „Warum die Schweizer so dünn waren“ oder „Baggern für die Frösche“ erzählt die Autorin von Erlebnissen in der Donegal Garden Society, der etwas unüberlegten Anlage eines Teiches am Hang oder von ungeahnten Fähigkeiten, die sie in sich entdeckt, als sie ein Tomatenhaus aus alten aus einem Fluss gefischten Fensterscheiben zusammenbaut. Leider hat es wohl einmal zu heftig gestürmt, denn kurz vor der Tomatenreife stürzte die Konstruktion ein und verwandelte die roten Früchte in eine Art Ketchup. Irlands Klima mit dem vielen Regen hat aber auch unbestritten seine Vorteile und lässt Pflanzen von alleine spriessen, so dass mancher Spaten- und Gestaltungsfehler oder andere gärtnerische Unzulänglichkeiten rasch wieder überwachsen und kaschiert werden. Und natürlich lässt sich die Junggärtnerin auch nicht beirren, als ihr eine Nachbarin weissmachen will, Gemüse aus dem Garten sei unhygienisch. Ständig wird umgepflanzt und "umgebeetet"- zuerst innerhalb des irischen Gartens, später immer wieder von einem Garten zum anderen.
Wer soll dieses Buch lesen? Speziell empfehlenswert ist es für Leserinnen und Leser, die sich – vielleicht nach der Lektüre der früheren Gartenbücher von Sabine Reber - für Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Autorin interessieren und wissen möchten, wie sie zum Gärtnern gefunden hat und warum sie als passionierte Gärtnerin dermassen erstaunlich oft Haus und vor allem den Garten zurücklässt. Welches sind die Hintergründe, die sie veranlassen immer wieder ein Haus und einen Garten weiterzuziehen? Die Leserin bekommt beim Lesen den Eindruck, dass die Umzüge jeweils erfolgen, bevor die Gärtnerin und ihre Lieblingspflanzen richtig haben Wurzeln schlagen können.
Unverständlich fand ich die Hinweise am Anfang des Buches „alle Figuren sind frei erfunden, fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit Personen ist zufällig“. Ein Teil der hier erzählten Geschichten ist mir schon von früherem Herumstöbern auf der Webseite der Autorin bekannt. Ich vermute mal, diese Andeutung hat mit einem anderen von mit nicht gelesenen Buch zu tun, wo die Irland-Jahre bereits aus anderer Sicht erzählt worden sind. Diese Neugier bleibt jedenfalls unbefriedigt.
Die Lektüre ist im übrigen sehr persönlich und privat abgefasst. Tessenberger haben wahrscheinlich wenig Freude am Abschnitt über Rebers Garten auf dieser Hochebene. Manches ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, etwa wenn es heisst, das Fleckchen Land (der Twanner Garten) konnte erst neu gestaltet werden, als sich der dreihundert Kilo schwere Holzbär namens Herbert eingelebt hatte.
Neugierig zurück bleibt man auch wegen einer Bemerkung am Schluss des Buches und überlegt die allfälligen Konsequenzen derselben. Doch sicher wird bald irgendwo zu lesen sein, ob diese erwähnten Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind oder vielleicht zum erwähnten fiktiven Teil des Buches gehören. Jedenfalls bin ich nach dem Lesen über den vielen Müll auf der grünen Insel gar nicht mehr so sicher, ob Irland immer noch zu meinen Traumdestinationen zählen soll oder doch eher nicht.
Sabine Reber:
Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
Callwey Verlag, 2012
2. Oktober 2012
Kay Sexton: Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Die Autorin möchte in diesem Buch die wichtigsten Fragen, die Schrebergartenneulinge beschäftigen, thematisieren und Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Kay Sextons eigenen diesbezüglichen Erfahrungen beruhen auf ihrer langjährigen Betreuung von acht völlig verschiedenen Schrebergärten an diversen Orten mit unterschiedlichen Anforderungen in Sachen Bodenbeschaffenheit, Klima sowie zwei- und vierbeinigen Nachbarn. Identisch war bei allen Parzellen das angestrebte Ziel: aus einem meist vernachlässigten Stück Land ohne (zu) grossen Einsatz von finanziellen Mitteln und Zeit, das Maximum an Ernte zu erreichen. Denn die „Beziehung“ zu den Gärten bestand ja in einem Betreuungsauftrag und es existierte kein eigener Pachtvertrag mit den üblichen Rechten und Pflichten.
Kay Sexton beschreibt in oft recht witzigem und lockerem Schreibstil, wie sie von der Liga der „Sonntagsgärtner“ (identisch mit Greenhorn) die Stufen nimmt Richtung oberstes Treppchen, wo die echten Schrebergärtner stehen und zuweilen doch etwas hochnäsig herunterschauen auf jene, die noch keine jahrzehntelange Praxis vorweisen können.
„Grüner wird’s nicht“ ist ein Erfahrungsbericht in Romanform. Zuweilen kommt jedoch sogar so etwas wie Spannung auf, wenn sich etwa die Autorin beinahe in einem Krimi wähnt, weil sie unbedingt hinter die Geheimnisse einer scheinbar ziemlich merkwürdigen Schrebergartennachbarin kommen will oder an jener Stelle, bei der es um die überaus komplizierte Wassermelonenzucht geht.
Etwas erstaunt liest man, dass Fehler beim Einhalten von Fruchtwechseln in den Gemüsebeeten ähnlich drastische Konsequenzen haben sollen, wie die Verweigerung der Bezahlung von Schutzgeldern. Die Autorin empfiehlt denn auch eindringlich die Bezahlung dieser Gelder an die pflanzlichen Mafia-Familien in Form von korrektem Gärtnern. Des weiteren schreibt Kay Sexton über Beziehungen, die wegen dem Erfolgsdruck, den Gartenschauen auslösen, auseinanderbrechen, von ungeliebten Preisrichterjobs und von Parzellen-Aufräum-Aktionen, bei welchen mit dem Bulldozer gleich die gesamte Humusschicht abgetragen und wegtransportiert wird.
Der Gartenanfänger erfährt von den Unterschieden der Winter- und Sommergründung, dass Mist einarbeiten nicht gleichbedeutend ist mit Mist bauen, von Winterzwängen und anderen ungeschriebenen Gesetzen und er liest über den permanten wie ein Damoklesschwert über Gemüse und Blumen hängenden Druck, die Beete einwandfrei in Ordnung zu halten, damit nach der nächsten der regelmässig stattfindenden Inspektionen der "Oberen" ja keine Abmahnung oder gar eine Kündigungsandrohung ins Haus flattert.
Neben vielen Rezeptideen – zum Nachkochen und zum Gärtnern – erhält der Leser auch Einblick ins britische Schrebergartenmilieu, insbesondere in das schwierige Prozedere, überhaupt eine Parzelle zur Pacht zu ergattern. Kay Sexton musste Jahre warten, bis sie endlich ihren eigenen Schrebergarten bekam. Diese Zeit überbrückte sie mit sogenannten „Fast-unser-Garten“-Parzellen. Will heissen, sie pflegte Gärten, deren Pachtinhaber längere Zeit abwesend war. Diese Stellvertretungen scheinen für den Pächter eine richtige win-win-Situation darzustellen. Zum Service von Kay Sexton gehört nämlich auch die Verwertung der Ernte inklusive deren Ablieferung oder zumindest eines Teiles davon. Die Gutmütigkeit der Autorin wird zuweilen doch recht stark ausgenutzt. Wie sie selber meint, insbesondere auch von allerlei Getier. Genauso, als hinge am Gartentor eine einladende Tafel mit den Worten „Freie Kost und Logis“.
Kay Sexton:
Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Bastei Lübbe, 2012
Kay Sexton beschreibt in oft recht witzigem und lockerem Schreibstil, wie sie von der Liga der „Sonntagsgärtner“ (identisch mit Greenhorn) die Stufen nimmt Richtung oberstes Treppchen, wo die echten Schrebergärtner stehen und zuweilen doch etwas hochnäsig herunterschauen auf jene, die noch keine jahrzehntelange Praxis vorweisen können.
„Grüner wird’s nicht“ ist ein Erfahrungsbericht in Romanform. Zuweilen kommt jedoch sogar so etwas wie Spannung auf, wenn sich etwa die Autorin beinahe in einem Krimi wähnt, weil sie unbedingt hinter die Geheimnisse einer scheinbar ziemlich merkwürdigen Schrebergartennachbarin kommen will oder an jener Stelle, bei der es um die überaus komplizierte Wassermelonenzucht geht.
Etwas erstaunt liest man, dass Fehler beim Einhalten von Fruchtwechseln in den Gemüsebeeten ähnlich drastische Konsequenzen haben sollen, wie die Verweigerung der Bezahlung von Schutzgeldern. Die Autorin empfiehlt denn auch eindringlich die Bezahlung dieser Gelder an die pflanzlichen Mafia-Familien in Form von korrektem Gärtnern. Des weiteren schreibt Kay Sexton über Beziehungen, die wegen dem Erfolgsdruck, den Gartenschauen auslösen, auseinanderbrechen, von ungeliebten Preisrichterjobs und von Parzellen-Aufräum-Aktionen, bei welchen mit dem Bulldozer gleich die gesamte Humusschicht abgetragen und wegtransportiert wird.
Der Gartenanfänger erfährt von den Unterschieden der Winter- und Sommergründung, dass Mist einarbeiten nicht gleichbedeutend ist mit Mist bauen, von Winterzwängen und anderen ungeschriebenen Gesetzen und er liest über den permanten wie ein Damoklesschwert über Gemüse und Blumen hängenden Druck, die Beete einwandfrei in Ordnung zu halten, damit nach der nächsten der regelmässig stattfindenden Inspektionen der "Oberen" ja keine Abmahnung oder gar eine Kündigungsandrohung ins Haus flattert.
Neben vielen Rezeptideen – zum Nachkochen und zum Gärtnern – erhält der Leser auch Einblick ins britische Schrebergartenmilieu, insbesondere in das schwierige Prozedere, überhaupt eine Parzelle zur Pacht zu ergattern. Kay Sexton musste Jahre warten, bis sie endlich ihren eigenen Schrebergarten bekam. Diese Zeit überbrückte sie mit sogenannten „Fast-unser-Garten“-Parzellen. Will heissen, sie pflegte Gärten, deren Pachtinhaber längere Zeit abwesend war. Diese Stellvertretungen scheinen für den Pächter eine richtige win-win-Situation darzustellen. Zum Service von Kay Sexton gehört nämlich auch die Verwertung der Ernte inklusive deren Ablieferung oder zumindest eines Teiles davon. Die Gutmütigkeit der Autorin wird zuweilen doch recht stark ausgenutzt. Wie sie selber meint, insbesondere auch von allerlei Getier. Genauso, als hinge am Gartentor eine einladende Tafel mit den Worten „Freie Kost und Logis“.
Kay Sexton:
Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Bastei Lübbe, 2012
Abonnieren
Kommentare (Atom)