Im ersten Kapitel verrät der Autor, dass er zu den Menschen gehört,
in deren Venen Chlorophyll zirkuliert. Das äussert sich etwa darin, dass
die Knie jeweils weich werden, wenn eine neu erworbene Orchidee zum
ersten Mal blüht. Er erzählt aber auch von Begegnungen und Erlebnissen
mit teilweise ganz speziellen Orchideen-Besessenen, zu denen Millionäre
und Hobbyzüchter ebenso zählen wie "richtige" Orchideenjäger, Jurymitglieder von Orchideenwettbewerben und professionelle Orchideenzüchter.
Leider
ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener
Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden,
auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die
Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb
zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr
Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und
dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der
schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten.
Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem
Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu
kombinieren.
Wenige Überlegungen waren von Nöten und
die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der
Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein
neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als
Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des
sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage
gestellt.
Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel
viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der
Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein
Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im
geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste
Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen
Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen
deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine
Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den
Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an
Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial
gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.
Des
Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen
auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast
unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und
Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur
Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.
Tom Powell:
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012