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15. Januar 2015

Elisabeth Meyer-Renschhausen: Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City

Abseits der Shoppingmeilen und des Finanzdistrikts finden sich in New York Statteile, wo sich gewöhnlich keine Touristen hin verirren. Vernachlässigte, ihrem Schicksal überlassene Quartiere – von der Stadt aufgegeben, nicht einmal mehr die Müllabfuhr fährt hindurch. Für ihre 2004 in der Form der Reportage veröffentlichte Publikation „Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York“ hat Elisabeth Meyer-Renschhausen im Rahmen eines Stipendiums einen Sommer lang in der Grossstadt recherchiert.

Für meinen samstäglichen Schulweg wähle ich aktuell bevorzugt dünne, leichte Bücher, die zuvor jahrelang auf dem Regal Staub angesammelt haben. So habe ich diesen vor über acht Jahren gekauften Titel endlich gelesen und mich dabei oft gefragt, wie sich die erwähnten Gegenden heutzutage präsentieren. Die Zustände ein Jahrzehnt später sollen ja besser sein. Das Gartenjahr 2003 begann mit einem nasskalten Frühjahr. Zu Fuss, per Rad, mit dem Bus und per U-Bahn suchte die Autorin nach dem Grün zwischen dem Grau und lernte auf ihrer Tour spannende Menschen kennen, die sie der Leserin samt deren oft sehr schwierigen Lebensumständen näher bringt.

Urbane Gemeinschaftsgärten gehen auf die Initiative von Privatpersonen zurück. Die Beweggründe dafür sind vielfältig – die Umgebung verschönern, Gemüse anbauen, einen Rückzugsort schaffen sind einige davon. Das Engagement der Bewohner ist oft nicht kompatibel mit den Interessen der Stadt. Gleichzeitig bieten die grünen Oasen für viele Anwohner die einzige Möglichkeit, sich im Quartier frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Da sie sich nämlich weder ein Velo, Bustickets geschweige denn ein Auto leisten können und in Laufnähe keine entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, ist es für sie praktisch unmöglich, sich gesund zu ernähren.

Vielen dieser notwendigerweise eingezäunten Gärten fehlt eine legale Grundlage und demzufolge hapert es auch an rechtlichen Abmachungen, die eine längerfristige Nutzung erlauben oder sogar garantieren. Ist aber in einer ehemals verslumten Umgebung dank dem Zusammenkommen und dem gemeinsamen Tun von Menschen mit unterschiedlichen Ethnien, Sprachen, Alter, Einkommen und Geschlecht eine zweckmässige und funktionierende Gemeinschaftsgartenanlage entstanden, verbessern sich die Lebensbedingungen. Die Gärten fördern den Kontakt unter Nachbarn, helfen gegen soziale Isolation und sowohl die Kriminalität und der Drogenhandel gehen nachweislich zurück. Leider führt der an sich positive Erfolg aber auch dazu, dass das ehemals völlig uninteressante und vernachlässigte Stadtgebiet in den Fokus von Bodenspekulanten gerät. Immer wieder werden solche Grünflächen praktisch über Nacht von Baggern der Erde gleichgemacht, um mit neuen Siedlungen überbaut zu werden.

Die Autorin berichtet von Gesprächen mit engagierten Personen, bei denen es sich selten um gelernte Gärtner handelt. Einige besuchten Kurse und geben ihr Wissen nun weiter. Wichtig ist zu wissen, wie die ausgelaugten Böden ohne Dünger fruchtbar gemacht werden können. Häufig ist die entmüllte Erde allerdings dermassen vergiftet, dass nur in Kastenbeeten gegärtnert werden kann. Die Rede ist auch von den New Yorker Garden Guerillas, den „Garden Angels“ und der „Königin des Komposts“ sowie von urbanen Bauernmärkten, wo einzelne der städtischen Gärtner ihr Frischgemüse zum Verkauf anbieten und sich somit ein kleines Einkommen verdienen. Steht eine Legalisierung zur Debatte, sind längst nicht immer alle Besetzer des entsprechenden Community Gardens damit einverstanden. Sei es aus prinzipiellen Gründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie und dem Mitspracherecht der entsprechenden Behörden.

Eine sehr interessante Lektüre. Vielleicht gibt es gelegentlich eine Fortsetzung zu diesem Thema? Oder vielleicht gibt es ja schon eine, von der ich nichts weiss. Mehr über das Buchthema zu lesen gibt es beim Googeln mit den Stichworten „New York und Community Gardens“ und hier gibt es ein Interview mit der Sängerin, Schauspielering und Komikerin Bette Middler, die in dieser urbanen Gartenszene – auch finanziell – stark involviert ist. Falls Sie demnächst einen New York-Trip geplant haben und sich den einen oder anderen Garten anschauen wollen, gibt es hier verschiedene entsprechende Stadtpläne.



Elisabeth Meyer-Renschhausen: 
Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City 
Ulrike Helmer Verlag, 2004

5. November 2013

Heidi Howcroft: Tee, Rosen & Radieschen – Neue Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England

Mit „Tee, Rosen und Radieschen“ gibt Heidi Howcroft interessierten Leserinnen und Lesern ein weiteres Mal einen hortikulturell unterlegten Einblick in Sitten und Bräuche im sogenannten Garten-Paradies England. Die deutsche Autorin wohnt selber mit ihrer Familie dort, und zwar in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert und der rund 500 Quadratmeter grosse Garten um den ehemaligen Bauernhof ist in einen Hang gebettet, der für ein gutes Kleinklima (und ein Funkloch) sorgt.

Sogenannte „Walled Gardens“ faszinieren Heidi Howcroft seit sie als Kind das Buch „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett gelesen hat und sie hat eine Vorliebe für verwunschene Gärten. Selber ist sie kein ausgemachter Pflanzenfreak, der jede grüne Rarität im eigenen Garten haben muss, und auch keine Spezialistin im Gemüseanbau. Gleichwohl wälzt sie im Winter gerne Pflanzenkataloge und zieht in ihrem zweiten Garten, einem Feldgarten, ausschliesslich Gemüse, wie etwa Bohnen in verschiedenen Varietäten. Diese zweite Parzelle ist durch Kreuzwege in vier Rechtecke unterteilt und der auf dem Kontinent gärntnernde mitteleuropäische Leser wird vielleicht etwas neidisch ob der Bemerkung von wegen sich selber aussäenden Tomaten.

Die Autorin beschreibt anschaulich die Nachteile von Gärten auf dem Land, wenn diese genau auf der täglichen Runde von Dachsen liegen, die keine Mühe scheuen, an die mit ihrem verlockenden Duft die tierischen Nasen kitzelnden Erdbeeren zu gelangen. Dafür scheint dank dem Feldgarten auch der angetraute Ehemann plötzlich seinen grünen Daumen entdeckt zu haben. Merkwürdig nur, dass es in Anbetracht der (scheinbar) beträchtlichen Menge an investierter Zeit im Garten nicht richtig vorwärts geht. Des Rätsels Lösung liegt denn auch nicht in einer Gartenvirusinfektion, sondern am guten Netzempfang.

Des Weiteren berichtet Heidi Howcroft vom Überlebenskampf des lokalen Dorfpubs, dem Faible der Engländer für Schweine, der Entdeckung eines interessanten alten Gartenplanes von Thomas Mawson und von verschiedenen Gartenbesuchen, wo sie unter anderem auf den Spuren von Harald Peto in Iford Manor wandelt. Der Leser erfährt auch, warum man mit Vorteil in einem Auto mit Vierrad-Antrieb an die Cornwall Springshow anreist, und in einem Buch über England dürfen natürlich auch Bemerkungen zum Thema Wetter nicht fehlen - hier ergänzt um Tipps und geschichtliche Informationen rund um Gummistiefel und Regenbekleidung.

Der Leser begleitet die Autorin (in Grossstadtbekleidung) zu einem Besuch von Clarence House, dem ehemaligen Heim der Queen Mum, und liest über ganz spezielle Gemüse-Schlagzeilen. Weil nämlich ein regelmässiger Teilnehmer einer Leistungsschau mit seinem perfekten Gemüse unschlagbar war und anderen Teilnehmern mit einer tiefer angesetzten Messlatte zu einer Gewinnchance verholfen werden sollte, wurde der „Gemüsekönig“ aufgefordert, sich nicht mehr am Wettbewerb zu beteiligen. Das fragwürdige Ansinnen wurde grossflächig im nationalen Blätterwald weiterverbreitet und hatte zur Folge, dass heute wieder fast immer diejenigen gewinnen, die bereits vor der Ära des erfolgreichen Gemüsezüchters die ersten Ränge belegt haben.

Die deutsche Landschaftsarchitektin Heidi Howcroft ist mit einem Briten verheiratet und deshalb geradezu prädestiniert, über das englische Leben und die Unterschiede zum deutschen Alltag zu berichten. Allerdings darf der englische Nachname der Autorin nicht zur Annahme verleiten, das Buch sei mit typisch englischem Humor untermalt. Die Lektüre ist in eher trockenem Stil verfasst und die Ausdrucksweise lässt einem oft vielmehr bei der Lektüre eines Sachbuches wähnen. Die Autorin verliert sich manchmal recht stark in der Beschreibung von Details, während die Sofagärtnerin vergeblich auf eine witzige Pointe oder einen sonstigen Höhepunkt in den Geschichten gehofft hat.

Jetzt, wo ich diese Buchvorstellung schreibe, habe ich gerade die aktuellen Bilder aus England im Kopf, nachdem vor Wochenfrist der Sturm „Christian“ über die britische Insel - und mit besonderer Härte über Südwestengland - gefegt ist. Verbleibt nur zu hoffen, dass in den vielzitierten Gartenparadiesen keine allzu grossen Schäden angerichtet worden sind. 




Heidi Howcroft: 
Tee, Rosen und Radieschen – Neue Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

25. September 2013

Hermann Gröne: Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht

Die Aktivitäten des Gartengestalters Hermann Gröne verfolge ich gelegentlich in den neuen Medien und habe auch schon (zugegebenermassen leicht neidisch) in den Berichten, der von ihm begleiteten Gartenreisen gelesen. Mit dem in der Buchreihe „Das Gartenportrait“ der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Titel „Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten“ haben Sofagärtner nun die Möglichkeit, den als Schaugarten genutzten Privatgarten des Autors in Papierform kennenzulernen.

Als zwölfjähriger Junge ist Hermann Gröne regelmässig am Grundstück vorbeigeradelt, das heute in seinem beruflichen und privaten Leben einen wichtigen Platz einnimmt. Über die damalige Gartenbepflanzung erfährt der Leser nichts Genaueres, doch ist davon auszugehen, dass die hohen alten Bäume, die den Garten heute gliedern, schon damals gestanden haben. Rund zweitausend Quadratmeter stehen dem Autor als Experimentierfeld zur Verfügung; inklusive einem annähernd idealen Boden und einem milden Klima. Einen ersten Überblick über die verschiedenen Gartenbereiche gibt der Gartenplan auf der Innenseite des Bucheinbands. In der eigentlichen Publikation bestätigen rund einhundertzwanzig Farbabbildungen die erfolgreiche Umsetzung von Karl Foersters Motto „Es wird durchgeblüht“.

Der Buchspaziergang führt durch die folgenden Bereiche und Kapitel:

- Auf freier Fläche – Sonnig und trocken
- Auf freier Fläche – Sonnig und frisch
- Klassische Staudenbeete – Farben Ton in Ton abgestimmt
- Im Halbschatten - Von Akelei bis Wiesenraute
- Im Schatten - Von Frühlingswundern und Blattschmuckhelden
- Bäume und Sträucher im Staudengarten - Von kleinen und grossen  
  Gehölzschönheiten

Die Kapitel beginnen mit einer Skizze des betreffenden Lebensbereiches und einer kurzen textlichen Einführung, in der auf die Bedürfnisse der entsprechenden Bewohner eingegangen wird. Die Texte sind recht knapp gefasst, aber aus fast jeder Zeile schimmern die Erfahrung und Leidenschaft des Autors durch und es lassen sich verschiedene Kombinationen von Pflanzengemeinschaften entdecken, die auch für Gärten in kleineren Formaten übernommen werden können. Fortgeschrittene Gärtner werden bestimmt die eine oder andere Muss-Haben-Pflanze unter den vielen vom Autor selber aufgenommenen Fotos finden. Allerdings muss man die dazugehörigen Informationen bzw. Bildlegenden manchmal etwas suchen.

In diesem Garten werden Akzente durch Blattschmuck, besondere Blüten, Samenstände und Früchte gesetzt und keine (unnötigen) Deko-Objekte lenken von den harmonisch komponierten Bildern aus Gräsern und Stauden ab. Der Autor baut Gartentipps in die Texte ein („jäten, nicht hacken“) und gibt Hinweise auf trockenheitresistente Pflanzen, besondere Solitäre oder nicht ausläuferbildende Bodendecker - vom kleinen Schattensteinbrech bis zur imposanten Staudenaralie mit kugeligen Samenständen und einer Höhe und Breite bis zweieinhalb Meter.

Ein schöner Lesespaziergang durch verschiedene Jahreszeiten, von dem bleibende Eindrücke und verschiedene Ideen zurückbleiben, wie im Garten das Motto „es wird durchgeblüht“ erfolgversprechend umgesetzt werden kann. Indem man nämlich bei der Pflanzenauswahl die Bedürfnisse der grünen Bewohner gebührend berücksichtigt und die eigenen Vorlieben anpasst oder unterordnet. Interessant wäre es gewesen, in dieser Publikation, in welcher der Gärtner für Text und Fotos aus dem eigenen Garten verantwortlich zeichnet, ein wenig mehr Persönliches zu erfahren – so wie ganz am Anfang des Buches über den zwölfjährigen Jungen.  



Hermann Gröne: 
Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

1. September 2012

Fred Zaugg und Adrian Moser: Botanischer Garten Bern

Beim Googeln mit den Stichworten „Buch“ und „Botanischer Garten“ bin ich auf diese überaus interessante Publikation gestossen, die im Jahr 2009 anlässlich des 150. Geburtstages des Botanischen Gartens (BOGA) Bern erschienen ist. Der grossformatige Band ist mit wunderschönen Fotos illustriert und im Textteil wechseln Artikel zu den Rubriken „Geschichten“, „Gartenträume“ und „Die Menschen und ihr Garten“ ab.

Die ersten Seiten des Buches decken ein Vorwort, eine Einleitung und ein ausführlicher Einblick in die wechselvolle Geschichte des BOGA Berns ab. In letzterem ist wie in verschiedenen anderen Texten auch immer wieder die jüngste Vergangenheit zentrales Thema. Schon wiederholt drohte der Institution nämlich das Aus. Bleibt mir als Nicht-Bernerin nur zu hoffen, dass die Finanzen im Lot sind und die Möglichkeit einer Schliessung definitiv vom Tisch ist. Und dass die Vorhersagen aus dem Jahr 2008, welche von einer gesicherten Finanzierung des BOGA für die nächsten 10 Jahre sprechen, sich bewahrheitet haben und nach wie vor gelten.

In den der Rubrik „Die Menschen und ihr Garten“ zugeordneten Seiten erzählen aktuelle oder pensionierte Mitarbeiter, Besucher oder Nachbarn von Ihrem Bezug zum BOGA Bern. Das Portrait über deren persönliche Beziehung wird mit dem Offenbaren der Lieblingspflanze komplettiert, die dann gleich in Wort und Bild kurz vorgestellt wird. Während die eine den BOGA als Hort der Ruhe schätzt, wo sie gerne die Mittagspause verbringt, jagt eine andere mit der Linse nach Pflanzen und Käfern und wähnt sich als Zeugin von Mord und Liebe im grünen Krimi. Ein anderer Fast-Krimi wird beim Nacherzählen der Suche nach der verschwundenen Didiers-Tulpe publik. Und an einer weiteren Stelle liest man von einer (wahren) tragischen Liebesgeschichte, die sich zu einem Politkrimi entwickelte.

Von stolzen Alten, zum Beispiel der Schwarzkiefer aus dem Jahr 1861, und fünf weiteren Senioren, die bereits im 19. Jahrhundert gekeimt sind, kann man in der Rubrik „Gartenträume“ lesen. Nicht von Träumen, aber von Fakten handelt die Beschreibung von der Pflege von Herbarien. Haben Sie gewusst, dass die Lebenserwartung von Betreuern von Herbarien vor der Verfügung von Tiefkühlanlagen massgeblich tiefer war? Die Herbarbelege mussten nämlich mit verschiedenen giftigen Substanzen, etwa auch mit Arsen, haltbar gemacht bzw. vor Schädlingen geschützt werden.

Weiter liest man von Kannibalentomaten, Gartenpädagogik mit spannenden Kindernachmittagen, Museumsnächten (siehe auch CD "Verbarium") sowie von Jazz-Matinés und erfährt, dass die Bundesverwaltung im BOGA ein Büro für den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im Bereich Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse in der Schweiz unterhält oder erhält Antwort auf die Frage an Studenten, weshalb exotische Pflanzen bei uns so gut gedeihen.

Mein kurz zusammengefasstes Fazit zu diesem Buch: eine wunderschöne und gleichzeitig informative Liebeserklärung an den BOGA. Diese Publikation ist übrigens beim BOGA direkt zu einem günstigen Sonderpreis erhältlich.



Fred Zaugg und Adrian Moser: 
Botanischer Garten Bern
Haupt Verlag, 2009

PS: Die Antwort auf obige Frage an Studenten - in der neuen Umgebung fehlen die natürlichen Frassfeinde dieser Pflanzen. Zuweilen finden diese jedoch nachträglich auch noch den Weg zu uns (beispielsweise der Buchsbaumzünsler).

5. Dezember 2010

Lust auf Laube und Liebstöckel

Unter obigem Titel hat die Kulturhistorikerin Karen Meyer-Rebentisch die Geschichte der Lübecker Kleingärten und Kleingärtner in Wort und Bild veröffentlicht. Diese bildet die Entwicklung über eine Zeitspanne von rund hundert Jahren ab und zeigt auf, wie die Nachfrage nach Parzellen parallel zur wirtschaftlichen Situation und Bevölkerungswachstum verläuft.

1903 entstand die erste Kleingartenkolonie mit Pachtflächen von rund 300 m2, drei Jahre später kam eine weitere dazu, in welcher „Pflanzblätze“ von rund 1000 m2 gepachtet werden konnten. Diese beiden Anlagen bildeten den Anfang des Lübecker Kleingartenwesens. Wer Pachtland ergattern konnte, was in Jahren mit grosser Nachfrage vom Auslosungsglück abhängen konnte, musste oft strenge Regeln einhalten. Gemüseanbau war vorgeschrieben und es galt Buch zu führen über die Aussaat, Ausbringung von Dünger und den Ernteertrag. Die übernommene Scholle war oft kein eigentliches Kulturland, sondern es handelte sich um festgelagerten Boden mit viel Unkraut, der in mühseliger Arbeit erst urbar gemacht werden musste.

Mit dem Aufschwung der Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Stadt Lübeck an allen Ecken und Enden und etliche der Kleingartenkolonien und ihre Lauben, welche in schweren Zeiten auch als Wohnräume gute Dienste geleistet hatten, wurden zulasten von Strassen oder anderen Geländeüberbauungen plattgewalzt.

Neben der ausführlich dokumentierten Entwicklungsgeschichte erfährt der interessierte Leser in verschiedenen Geschichten und Portraits Anekdoten aus dem Leben rund um die Laube. Es geht ums (nicht immer harmonische) Zusammenleben Parzelle an Parzelle, um ökologische Betrachtungen oder um die Verwendung von Ertragsüberschüssen. Und last but not least sind die tollen Fotos in beeindruckender Qualität nicht zu vergessen! Vom 16. Januar 2011 bis 31. Juli 2011 findet übrigens im Museum für Natur und Umwelt in Lübeck eine Ausstellung mit dem gleichen Namen wie der Buchtitel statt.

Die verschiedenen Erwähnungen von Kleingärten, die Sportstätten oder Häusern weichen mussten, haben mich an die ehemaligen Pünten (CH-Dialektausdruck für Schrebergärten) auf dem Gelände des heutigen Erlebnisparks Technorama erinnert. Zwischen der Räumung der Gärten und Baubeginn bin ich seinerzeit mit Schwester und Nachbarskindern durch die verlassenen Parzellen gestreift. Dabei konnte das eine oder andere Pflänzlein gerettet werden. In etlichen Gärten war Rhabarber in Hülle und Fülle zurückgelassen worden. Diese Gelegenheit liessen wir uns nicht entgehen und haben diesen teilweise direkt vor Ort in grösseren Mengen gegessen. Dabei haben wir leicht mehr als eine kleine Überdosis erwischt. Jedenfalls habe ich viele Jahre lang keinen Rhabarber mehr angerührt. Inzwischen wird aber auch in der Küche der Sofagärtnerin während der Saison dieses Gemüses regelmässig Rhabarber-Wähe gebacken, während andere, die damals dabei waren, immer noch konsequent auf diesen Genuss verzichten…



Karen Meyer-Rebentisch / Hrsg.: Grüner Kreis Lübeck e.V.
Lust auf Laube und Liebstöckel – Lübecker Kleingartengeschichte(n)
Lübeck Verlag Karen Meyer-Rebentisch, 2010


Buchbestellungen und Leseprobe auf http://www.luebeck-verlag.de
Webseite der Autorin: http://www.gemuese-info.de/





21. November 2010

Garden Tales

Seit 1994 öffnen Cynthia und John Ramsden regelmässig ihre Gartentore für ein interessiertes Publikum. Fanshaw Gate Hall, wo das Ehepaar seit über fünfzig Jahren wohnt und gärtnert, hat sich mit den Jahren zu einem der meistbesuchten Privatgärten in Derbyshire entwickelt. Im Buch „Garden Tales“ erzählen neben den Eigentümern rund vierzig fleissige Helferinnen und Helfer über ihre vielfältigen Aufgaben an diesen Publikumstagen und ihre Motivation sich zu engagieren. Der bis ins kleinste Detail durchorganisierte Anlass soll nämlich das Geld in der Kasse klingeln lassen, damit möglichst viele karitative Projekte unterstützt werden können.

Gärtner kommen ebenso zu Wort wie Jack’s Ladies, eine Gruppe von Frauen, die für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist. Die einen haben schon als Teenager mit Gartenarbeit auf Fanshaw Gate Hall ein Taschengeld verdient, andere haben selber keinen grünen Daumen, helfen aber gerne mit beim Pflanzen- und Ticketverkauf oder in der Küche. Allen Portraitierten gemeinsam ist die Begeisterung für den Garten. Das letzte Wort gehört übrigens dem Araucan-Hahn „Arry“.

Die vielen Geschichten und Fotos wecken die Lust, auf einen Ausflug in diesen Garten, um die Pracht mit eigenen Augen zu bestaunen und vielleicht mit der einen oder anderen vorgestellten Person ein Schwätzchen zu halten. Ein geeignetes Mittel, um die Zeit bis zur allfälligen Verwirklichung eines solchen Vorhabens zu überbrücken, ist wahrscheinlich das erste Buch von Cynthia Ramsden: A Garden in my Life.



Cynthia Ramsden:
Garden Tales
Grafika Ltd, 2009

31. März 2010

Tee & Rosen – Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England

Die bekannte Gartenjournalistin und Landschaftsarchitektin Heidi Howcroft hat vor rund zehn Jahren Deutschland Richtung England verlassen und ist mit ihrer Familie in ein altes Cottage samt verwildertem Garten in einem kleinen Dorf im südlichen Somerset gezogen. In ihrem neuesten Buch „Tee & Rosen“ nimmt sie ihre Leser in dreissig Kurzgeschichten unter anderem mit auf einen Gartenausflug mit Border Lines (eine Firma, die Gartenreisen organisiert), zum Tee bei der Queen, zu einem Besuch in den „Highgrov’schen“ Bio-Gärten von Prinz Charles sowie zu winterlichen Fortbildungen im Gartenclub und zur jährlichen Leistungsschau um das grösste Gemüse.

Das Buch erlaubt interessante Einblicke ins englische (Garten-)Leben. Haben Sie beispielsweise gewusst, woher die Sandwiches ihren Namen haben? In einem Kapitel wird erklärt, wie es dazu kam, dass in Englands Gärten jährlich beeindruckende Summen für wohltätige Zwecke gespendet und gesammelt werden, während in der Geschichte „Der Garten als Bühne – Fête champêtre bei Stourhead“ von einem imposanten Freiluftanlass die Rede ist. Hilfreich sind auch die Fussnoten mit Angaben von Internet-Seiten oder Buchtipps.

Nach der Lektüre des Buches bin ich doch ein klein wenig neidisch – die Autorin wohnt in einer für Gartenliebhaber nahezu optimalen Gegend und Gartenparadiese in Form von Pflanzenmärkten, Gärtnereien oder Gärten sind in fast unmittelbarer Nähe in Hülle und Fülle vorhanden. Wie aus den Geschichten zu erfahren ist, können aber auch in ländlichen englischen Idyllen Eichhörnchen oder Dachse zur Plage werden.

Und wer weiss, vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal die Gelegenheit, an einer Gartenkreuzfahrt auf der MS Deutschland oder der Sea Cloud II teilzunehmen, auf welcher die Autorin als Reisebegleiterin dabei ist …



Heidi Howcroft:
Tee & Rosen – Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010



PS: Die Schnellmahlzeit Sandwich verdankt ihre Bezeichnung J. Montagu, dem 4. Earl von Sandwich, der 1762 ein Stück Fleisch zwischen zwei Scheiben Brot hat legen lassen.

4. Dezember 2009

Gärten erzählen

Das Buch „Gärten erzählen“ ist seinerzeit als Begleitband zu einer Ausstellung in Lausanne im gleichen Jahr erschienen und gehört zu den älteren Exemplaren meiner Büchersammlung und fand seinen Platz auf meinem Regal, als ich die Inhalte meiner Titel beinahe auswendig konnte.

Nach einer kurzen Einführung folgen Bilder von Gärten aus England, Italien, Frankreich, Portugal, Japan, der Schweiz und anderen Ländern. Die Bilder sind zwar qualitativ nicht auf dem Höchststand, was wohl auch an der Papierqualität liegt, laden aber dennoch ein, im Lesestuhl in den verschiedenen vorgestellten Gärten spazieren zu gehen. Danach folgen die literarischen Spaziergänge, welche unter anderem durch Vitas Sissinghurst , Toskanische Villengärten, versunkene Gärten in neuem Licht und nach Brasilien zu Roberto Burle Marx führen. Die Texte stehen jeweils im Zeichen einer Farbe – dunkelgrün für die toskanischen Villengärten, Blau für die Isola Bella, Schiefergrau für die Schlösser der Loire. Den Hinweis, wofür die Farbe Weiss steht, kann ich mir ja ersparen.

Wahrscheinlich hatte ich in diesem Band eine meine ersten Begegnungen mit Sissinghurst. Das Foto mit den von grauen Steinplatten umgegebenen Flächen aus mauve-weissem Thymian finde ich auch nach über zwanzig Jahren noch überaus beeindruckend.



Lorette Coen:
Gärten erzählen
Edition M, 1988

12. Mai 2009

Hobby- und andere Gärtner

Immer wieder und immer öfter erscheinen in Eigen- oder Kleinverlagen Gartenerlebnisse von Hobbygärtnern in Buchform. Einigen diesen Druckerzeugnissen merkt man dann etwas mehr oder weniger das fehlende oder mangelhafte Lektorat an. Mit viel Enthusiasmus und Liebe für den Garten und das Gartenbuch wird das aber wieder wett gemacht. 

Im Umkreis der leidenschaftliche Hobbygärtnerin Waltraud Hopf interessiert sich niemand für den Garten. Um ihre Freuden und Sorgen zu teilen, hat sie diese im Büchlein „Das Gartentor ist offen“ zu Papier gebracht. Sie erzählt begeistert über ihre Pflanzen und Tiere und ihren gelegentlich etwas speziellen Arbeitsstil. Wer sich nicht bereits vom Umschlagtext vom Weiterlesen abhalten lässt (Zitat: „… habe am selben Tag Geburtstag wie die legendäre Marilyn Monroe. Leider habe ich nicht deren Hollywood-Qualitäten, dafür lebe ich noch“), erfährt im Büchlein „Verhängnisvoller Goldfelberich“die Verwandlung eines Garten, der diesen Namen kaum verdiente, in ein blühendes Paradies. Auslöser zur Umgestaltung war ein Geschenk in einer Plastiktüte, eben ein abgestochener Goldfelberich. 

In rund 25 Kapiteln hat Anke Dreher Erlebnisse über ihren „irgendwie ganz normalen Reihenhausgarten“ zusammengetragen. Hier gibt es Geschichten über Grosswildjagd, einen Strandkorbkauf mit Folgen oder einfach über Glücksmomente. Den Abschluss der Kapitel bilden jeweils zur Episode passende Einsichten wie „Gib auch anderen eine Chance zu leben“ (zur Grosswild- bzw. Maulwurfjagd) oder „Stelle dich den Herausforderungen des Lebens und du wirst sie meistern“. 

Die Sicht eines Berufsgärtners und seine Rückschlüsse auf die Kundschaft aufgrund der Gartenbepflanzung näher bringen einem die Geschichten „Begegnungen im Garten“ von Lukas Lavater. „Duell bei der Hecke“ handelt von kleinlichen Leuten und der gerichtlich festgelegten Maximalhöhe einer Ligusterhecke, während „Mein ganz schwacher Tag“ das Dilemma eines Berufsgärtners aufzeigt, der um Kundenwünsche zu erfüllen, seine Ansichten und Meinungen zurückhalten muss und sich nachher ziemlich mies fühlt, weil er eine von Mietern gezogene Gartenecke auf Kommando eines Vermieters zerstören musste. 

Marita Eichler organisiert seit Jahren die offene Pforte „Über Zäune schauen“ im Raum Soltau-Fallingbostel und Umgebung. Weil sie für ihr schon ziemlich weit gediehenes Buchprojekt keinen Verlag finden konnte, hat sie Text, Fotos und Layout sowie die Finanzierung des gleichnamigen Buches selber in die Hand genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und braucht einen Vergleich mit ähnlichen Büchern aus renommierten Verlagen nicht zu scheuen. 54 unterschiedliche Gärten aus Niedersachsen werden in Text und wunderschönen Fotos präsentiert, darunter vertreten sind Künstlergärten, Sammlergärten, Gärtnereien. 



Anke Dreher: 
Gartenglück 
Eigenverlag, 2007 

Marita Eichler: 
Über Zäune schauen 
Marcus René Dünsing, 2008 
www.ueber-zaeune-schauen.de 

Waltraud Hopf: 
Das Gartentor ist offen 
Zwiebelzwerg Verlag, 2008 

Lukas Lavater: 
Begegnungen im Garten Verlag 
holapress, 2008 

Birgit Strähle: 
Verhängnisvoller Goldfelberich 
Engelsdorfer Verlag, 2008

29. April 2009

Gartengeflüster

Haben Sie schon einmal vom ehelichen Rosenkrieg gehört, der sich um 1900 in Pommern zwischen dem „Grimmigen“ und Elisabeth von Arnim abgespielt hat? Die Gärtnerin musste sich schon beim Frühstück Vorhaltungen über zu hohe Rechnungen für Rosen und Ziersträucher anhören. Auch auf Sissinghurst verlief bei der Planung und Ausführung der Gärten nicht immer alles reibungslos. So zertrampelte Harold im Dunkeln auf dem Weg zur Wasserpumpe die kurz zuvor von Vita gepflanzten Anemonen und verfeuerte anschliessend mangels trockenem Vorratsholz versehentlich die zur Markierung der Anemonen gedachten Hölzchen. Die Details dazu und vieles andere mehr hat der passionierte Gärtner Otto Krätz im Buch „Gartengeflüster“ zusammengetragen - ein Sammelsurium von Episoden aus der Gartengeschichte der letzten Jahrhunderte. 

Da gibt es Anekdoten über die Anfänge des Rasenmähers, über kandierte und geröstete Tulpenzwiebeln und über den Kampf gegen das Unkraut. Weitere Themen sind „Abgepackte napoleonische Helden“ (über Kunst- und natürliche Dünger), die Wintergärten der Mathilde Bonaparte, in welchen Gustave Flaubert und Marcel Proust bei der Prinzessin zu Gast waren. Überhaupt handeln etliche der Geschichten von Literaten und ihren Gärten im Werk oder in Wirklichkeit. Mein Favorit waren die Seiten zum Thema „Der Mörder ist immer der Gärtner“, die zeigen, dass Gärten schon seit vielen Jahren Autoren zu Kriminalgeschichten inspirieren. 

Die Geschichten laden zum Staunen ein und lassen einem beim Lesen auch immer wieder schmunzeln und sind sehr aufwendig illustriert. 



Otto Krätz: 
Gartengeflüster – Pikantes und Unterhaltsames aus der Geschichte der Gärten 
Callwey Verlag, 2009

16. April 2009

Gartengeschichten

Eva Demski geht diesem Buch der Frage nach „hat der Garten uns“ oder „haben wir ihn“? In zwanzig Erzählungen beschreibt sie, wie der Garten tröstet, einem zum Heulen oder zum Lachen bringt und Menschen trennt und verbindet. Da gibt es eine Freundin, die sich während der Päonienblüte durch nichts aus dem Garten locken lässt, weil sie keine Sekunde dieses kurzen Ereignisses verpassen möchte. Da wird sogar ein Regenschirm über die zarten Blütenschüsseln gehalten, um diese vor Unwetter zu schützen. 

Die Autorin scheint diese Begeisterung nicht zu teilen, denn wie sie anmerkt, „machen sich die Pfingstrosen das ganze übrige Jahr mit furchtbar viel Grünzeug wichtig und nehmen eine Menge Platz weg“. 

Im Kapitel „Todsünden“ vergleicht sie den Besuch im Gartencenter mit dem nächtlichen Gang zum Kühlschrank. Man weiss, dass beides böse endet, aber es ist wunderbar ... 

Von Marianne, Uwe Johnson, einem Erbstück und einem Briefwechsel handelt eine weitere Aufzeichnung. Nachdem ich nach einigem Kopfzerbrechen (ohne googeln!) und vor Erwähnung der von besagten Marianne geschriebenen Bücher, herausgefunden habe, wer Marianne ist, war ich doch ein ganz kleines bisschen stolz. 

In der letzten Erzählung geht es um nicht immer willkommene Garten-Mitbringsel. Um ungeliebte Weihnachtskakteen, die trotzdem liebevoll gehegt und durchgefüttert werden (müssen). Oder eine Eibe, welche X für die Autorin gepflanzt hat und die sie nun täglich an X denken lässt. Ohne dieses Gewächs wäre X schon lange vergessen. Dank der Eibe wird jeden Tag an X gedacht, wenn auch eher unfreundlich. Anregende Lektüre! Der Text wird aufgelockert durch Bilder von Michael Sowa. 



Eva Demski: 
Gartengeschichten 
Insel Verlag, 2009

6. April 2009

Gartenfreundinnen

Auf einer Gartenreise durch bekannte südenglische Gärten wie Hidcote Manor und Sissinghurst Castle haben sich Brigitte Nagiller, die in der Nähe von Wien lebt, und die Südtirolerin Martha Canestrini kennen gelernt. Die beiden blieben nach der Reise per E-Mail in Kontakt und aus einer Urlaubsbekanntschaft ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. 

Zu Beginn der elektronischen Korrespondenz überlegt sich Martha Canestrini, alle Reben eines Weinberges auszureissen und einen weiteren Garten anzulegen. Sie liebäugelt mit etwas Japanischem. Darauf protestiert Brigitte Nagiller energisch und fragt die Gartenfreundin, was denn fernöstliche Gartenkultur in Neumarkt verloren hat. 

Neben Berichten aus eigenen und fremden Gärten, Gartentipps und vielen Rezepten gehen im Laufe der Zeit immer mehr persönliche Erlebnisse von einem Computer zum andern. So handeln die launisch verfassten Emails auch immer wieder über Frauenalltag, Falten und das Aelterwerden. Teilweise kommen auch nicht ganz schmeichelhafte Details über die Ehemänner und Söhne ans Tageslicht. Was diese wohl dazu meinen? 

Eine charmante Lektüre. Die beiden Frauen scheinen sich auch immer mal wieder persönlich zu treffen. Gerne hätte ich etwas mehr von dieser Ebene der Freundschaft erfahren. Das Buch erinnert mich an den Titel „Gartengespräche unter Frauen“ von Carol Graham Chudley und Dorothy Field, zwei Nachbarinnen, die sich in den 90er-Jahren regelmässig Gartenbriefe geschrieben haben. 



Brigitte Nagiller und Martha Canestrini: 
Gartenfreundinnen – Männer, Schnecken, Frühlingsblumen 
Orac/Verlag Kremayr und Scheriau KG, 2009

18. März 2009

GartenEmotionen

Wenn man sehr viele Bücher liest, kommt es (leider) auch immer wieder vor, dass einem das eine oder andere Buch nicht gefällt. Umso erfreulicher, wenn man dann einen Titel in den Händen hält, der genau das hält, was man sich von ihm versprochen hat. Die Geschichten des Gartenfanatikers Stephan Kirchner sind unterhaltend, wissenswert ohne belehrend zu wirken und vor allem ein Lesevergnügen. 

Vielleicht sind seine Betrachtungen gerade darum so vergnüglich, weil er gemäss eigenen Angaben nicht einmal richtig gerne auf der Scholle arbeitet (entweder ist diese zu hart oder zu matschig oder dann ist das Wetter zu windig oder zu heiss). Jedenfalls gibt’s da eine Erzählung über einen Rasenmäher, der sich selbständig macht und das noch original eingeschweisste Handbuch dazu oder eine Betrachtung über Mode und Geschmacksfestigkeit von Gärtnern und Gärtnerinnen. 

Das Buch wird durch farbige Collagen aufgelockert. Aber unter uns: ich hätte es bevorzugt, auf die Bilder zu verzichten und zwei, drei mehr Geschichten zu lesen. Nicht zuletzt, um zu erfahren, ob es funktioniert hat mit der blauen Rasiercreme und den blauen Rosen. Kurz zusammengefasst ist das Buch eine Lektüre genau nach meinem Geschmack (egal ob die Geschmacksfestigkeit nun beeinflusst wurde oder nicht)! 



Stephan Kirchner: 
GartenEmotionen 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2009

6. März 2009

Frech?

Ich verfolge regelmässig die Kolumne von Ute Woltron unter www.derstandard.at. Nun ist nach „Gartenfieber“ wieder einmal eine Sammlung von Geschichten in Buchform erschienen. 

„Menschen sind auch nur Gärtner – Freche Gartengeschichten“ heisst dieser neue Titel. Sie berichtet von Rosenstecklingsjägern und Blattschneidern, plädiert für selber gezogene Tomaten und schwärmt für Stockmalven. Die Geschichten werden jeweils mit einem Tipp abgeschlossen, zum Beispiel mit jenem, wie geplagte Gärtnerhände gereinigt und verwöhnt werden können. Ein Löffel Kristallzucker mit etwas Öl vermischen und die Hände ein paar Minuten mit dieser Mischung reiben. Falls der Frühling dieses Jahr hoffentlich bald einmal endlich eintrifft, wird dieses Rezept sicher mal ausprobiert! 

Witzige und vergnügliche Lektüre über Gartenlust und Gartenfrust. Wieso die Geschichten frech sein sollen, ist mir allerdings nicht ganz klar geworden. 



Ute Woltron: 
Menschen sind auch nur Gärtner – Freche Gartengeschichten
Christian Brandstätter Verlag, 2009

13. Februar 2009

Dichtergarten

Schon vor einiger Zeit gekauft, aber immer noch ungelesen stand der Band über Haus und Garten Kapf im Aargauer Freiamt des Dichterpaares Erika Burkart und Ernst Halter in meinem Bücherregal. Nicht vergessen - aber nachdem ich eben dieses Buch vor ein paar Tagen in einer Buchhandlung schon in einer Ramschkiste entdeckt habe, endlich zur Hand genommen und gelesen … 

Der Fotograf Alois Lang, selber ein Gärtner, hat den Garten in verschiedenen Jahreszeiten fotografiert. Die Fotos, teils farbig, teils schwarz/weiss, sind sehr stimmungsvoll. Besonders gut gefällt mir das Bild von der Cyclamenwiese . Und zugegeben, es macht mich auch leicht neidisch – aber vielleicht breiten sich meine Alpenveilchen ja irgendwann auch noch so schön aus. Ernst Halter bezeichnet die Cyclamen ja auch als sein Gartenerfolg. Angeregt durch ein Blütenmeer in einem Schlosspark anno 1970 setzte er während Jahren im Frühjahr und Herbst ein, zwei Packungen dieser Herbst- und Frühlingsblüher, und heute blühen in diesen Jahreszeiten tausende dieser Blumen (C. hederifolium und coum). Ergänzt werden die Bilder mit Texten und Gedichten, die teilweise bereits in früheren Werken erschienen sind sowie von handgezeichneten Plänen des Gartens sowie einer Einführung von Egon Ammann. 



Erika Burkart + Ernst Halter (Texte), Alois Lang (Fotografien): 
Das verborgene Haus – Zeit und Augenblick
Ammann Verlag, 2008

2. Februar 2009

Hortus Revisited - Hrsg. David Wheeler

Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen. 

Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. 

Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker, vertreten sind u.a. Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury. Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind vor längerer Zeit ebenfalls in Buchform erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich (By Pen and By Spade und The Generous Garden, beide Titel herausgegeben von David Wheeler). 



David Wheeler (Ed.) 
Hortus Revisited – A Twenty-first Birthday Anthology 
Frances Lincoln Ltd, 2008







Diese Rezension ist bereits früher in der Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde erschienen