21. März 2011

Mitteilungen aus meinem Garten

Diese Gartenkolumnen-Sammlung aus der Zeitschrift „Brigitte Woman“ ist genau nach meinem Geschmack: mit spitzer Feder geschrieben, fachkundig und treffend formuliert und doch humorvoll. Da ist die Rede von wurzelechten Freundschaften, täglichen Krankenbesuchen bei grünen Patienten mit Schere, Läusespray und Düngerbeutelchen, von Buchs mit Parodontose (Umschreibung für nacktes Holz, ähnlich freiliegenden Zahnhälsen).

„Garten-Kitsch“, „Gärtnern, schwarz auf weiss“, „SG’s und NG’s“, „Heikle Nachbarschaft“ oder „Sauwetter“ – welches ist Ihre Lieblingskolumne? Mehr als einmal habe ich mich nicht nur zwischen den Zeilen wiedererkannt. Und dies nicht nur im Kapitel „Oralgärtner“, wo sich die Autorin ziemlich despektierlich über Gartengestalter auslässt, die lieber in Bildbänden blättern als sich den Rücken krumm zu machen.

Eine Wohnung samt kleinem Garten weckte in Paula Almqvist bis anhin ungeahnte Gelüste nach einem eigenen Flecken Land, um in der Erde zu wühlen - Gelüste ähnlich denen, die bisher dem Anblick prächtiger Prada-Pumps vorbehalten gewesen waren. In ihrer Familie waren zwar etliche Mitglieder mit dem Gartenbazillus angesteckt, doch nach Almqvist’s herkömmlicher Meinung widmeten sich nur arme Irre dieser Freizeitbeschäftigung. Nun war aber plötzlich der Funke (oder ein Bazillus?) übergesprungen und sie liess sich auf Partys statt wie früher die Adresse eines angesagten Modefriseurs den Link eines Regenwurm-Versandhändlers geben. So leicht lässt sich die Vererbungslehre dann eben doch nicht austricksen!

Unbedingt lesen!



Paula Almqvist:
Mitteilungen aus meinem Garten
Schöffling & Co., 2011





PS: Auch wenn ich eindeutig mehr Zeit mit Lesen als mit Jäten & Co. verbringe, kenne ich Rückenschmerzen nicht nur vom Hörensagen (ich fühle mich auch gar nicht betroffen…)

18. März 2011

Bin im Garten!

Wenn ich ab und an meine Kinder in die Stadtbibliothek begleite, nehme ich mir immer ein paar Minuten Zeit, um in den aufliegenden Gartenzeitschriften zu blättern und speziell in „Kraut und Rüben“ die Kolumne von Susanne Wiborg zu lesen. Nun sind erneut vierundzwanzig dieser Glossen in Buchform erschienen, bebildert mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner.

Wie lange hält das Erfolgserlebnis über die erste mühsam erarbeitete gierschfreie Fläche an? Ist ein Blick über wunderbar einladende mit frischem Kompost versorgte Beete Entschädigung genug für die dafür eingehandelten ernsthaften Befürchtungen, das Bett nie mehr ohne ärztliche Hilfe verlassen zu können? Kann man ein Cyclamen-Trauma, zurückzuführen auf viele Jahre zurück erhaltene Geschenke mit lappigen Blättern und überdimensionalen dichten Blüten in knalligen Farben heilen? Die Antworten auf diese Fragen finden sich im Garten oder eben in Susanne Wiborgs Büchlein „Bin im Garten“.

„Bevölkerungskontrolle“, „wüchsig = Drohung“ und „botanisches Jenseits“ sind nur wenige von unzähligen Stichworten, um die herum die Autorin launige Geschichten verfasst hat, die Titel tragen wie „Remake im Hinterhof: Die Vögel“, „Allein mit dem Killer“, „Invasion der Riesenmaden“ oder „Besser spät als nie: Cyclamen“. Eine köstliche Leküre! Susanne Wiborg ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Gartenjournalistinnen. Ihre ausgefeilten Texte über Flora und Fauna sind lehrreich und gleichzeitig unterhaltend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Kolumnensammlung in Buchform.



Susanne Wiborg:
Bin im Garten!
Verlag Antje Kunstmann, 2011

14. März 2011

Die verborgene Sprache der Blumen

An ihrem (angenommenen) 18. Geburtstag kommt Victoria Jones in ein Übergangsheim. Statt sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, legt sie in einem Park in San Francisco aus in Vorgärten, Spielplätzen und Schrebergärten ausgegrabenen Pflanzen einen Garten an und wird kurz darauf obdachlos, da sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Die Jahre davor ist die junge Frau zwischen Pflegefamilien und Waisenhäusern herum geschubst worden. Die bisher beste Zeit ihres Lebens hat sie als zehnjähriges Mädchen verbracht. Verschiedene Umstände haben aber die geplante Adoption durch Elisabeth verhindert. Die Sprache der Blumen aus dem viktorianischen Zeitalter ist neben einem Blumenbuch alles, was Victoria aus diesen Monaten geblieben ist – Erinnerungen an den einzigen Menschen, der sie bedingungslos geliebt hat.

Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben Victoria in eine zurückhaltende und schweigsame Frau verwandelt. In der Sprache der Blumen hat sie eine Kommunikationsform gefunden, die ihr entspricht. Jedoch eine ziemlich einseitige – wer kennt heutzutage schon noch die genaue Bedeutung von Erika (Einsamkeit), Geissblatt (Hingabe) oder Akazie (heimliche Liebe)? Doch eben diese Einseitigkeit vermittelt Veronica Sicherheit. Wenn nämlich niemand antwortet, sind weder Zurückweisungen noch Vertrautheit möglich.

Victorias florale Kenntnisse verschaffen ihr schliesslich eine Anstellung in einem Blumenladen und sie kann ihre Bleibe im Park unter Büschen durch eine Art Wohnschrank ersetzen, wo auch ihre wenigen Habseligkeiten, hauptsächlich botanische Bücher und viktorianische Gedichtbände, Schutz finden. Die blumigen Kunstwerke der jungen Frau entwickeln sich rasch vom Geheimtipp zum „must-have“. Und auf dem Blumengrossmarkt lernt Victoria einen Händler kennen, der ihre Sprache spricht. Mit Blumen werden Botschaften ausgetauscht. Gibt es für die junge Frau vielleicht doch eine Zukunft ohne Bindungsängste und mit viel Liebe?

Der Roman wird in parallel verlaufenden Erzählsträngen aus der Sicht des Mädchens Viktoria und der erwachsenen Victoria erzählt. Vanessa Diffenbaugh ist eine einfühlsame Geschichte über Mütter-Tochter-Verbindungen gelungen. Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter und Pflegemutter stehen für die Authentizität. Am Schluss des Buches ist „Victorias Wörterbuch der Blumen“ abgedruckt (nicht jede Blume hat in den verschiedenen existierenden Büchern über die Sprache der Blume dieselbe Bedeutung). Sehr lesenswert!



Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen
Droemer Verlag, 2011

10. März 2011

Greenprints per E-Letter

In den nächsten Tagen wird pünktlich zum Frühlingsbeginn die erste Ausgabe 2011 von „Greenprints“ im Briefkasten liegen. Die Seiten der quartalsweise erscheinenden Publikation von jenseits des Atlantiks sind mit gärtnerischen und blumigen Geschichten und dazu passenden Illustrationen bedruckt. Es geht nicht wie in den meisten anderen grünen Blättern um das How-To-Do, sondern um die menschlichen Aspekte beim Gärtnern. Hier habe ich „Greenprints“ schon einmal vorgestellt.

Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.

Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.

6. März 2011

Rosenduft und Liebeszauber

Was regelmässig im Radio angehörte Gartensendungen für Folgen haben können, lässt sich im Roman „Rosenduft und Liebeszauber“ von Julia Williams nachlesen. Wie die Autorin selber hört auch die junge Witwe Amy Nicholson regelmässig die Programme ihres Lieblingssenders.

Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.

Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.



Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011

2. März 2011

Thoughtful Gardening

Bis zur Kündigung des Zeitungs-Abos habe ich an einer früheren Arbeitsstelle jeweils die Samstagsausgabe der Financial Times erhalten, aus welcher ich regelmässig die Gartenkolumne herausgerissen habe. Die meisten der fein säuberlich abgelegten Artikel stammen von Robin Lane Fox und ich blättere auch heutzutage noch gelegentlich im Ordner und lese mich meistens schnell in den interessanten Glossen fest.

Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).

Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.



Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010

26. Februar 2011

Und noch ein BUGA-Krimi: Engelskraut

Anlässlich der diesjährigen BUGA in Koblenz ist nun wie kürzlich erwähnt bereits ein zweiter Krimi erschienen. Schon vor der Eröffnung der „Olympiade der Gärtner“ sind wiederholt Giftanschläge auf Blumenbeete in der Stadt verübt worden. Und nun liegt im mit biblischen Gewächsen wie Frauenmantel, Madonnenlilien und Kaukasusvergissmeinnicht bepflanzten Paradiesgarten ein Toter. Von der üppigen Bepflanzung ist auch hier nichts mehr auszumachen. Durch Unkrautvernichtungsmittel ist der Tatort in eine Kahlstelle verwandelt worden. Das verheiratete Mordopfer Jürgen Klaussner führte eine Apotheke, war Mitte vierzig und Vater eines kleinen Jungen.

Kommissarin Franca Mazzari führt mit ihrem Team die Ermittlungen. In Klaussners Computer finden sich beinahe unzählige Chat-Protokolle und eine rege Email-Korrespondenz, die belegen, dass er sich zu Lebzeiten häufig auf einschlägigen Plattformen herumgetrieben hat und ständig auf der Suche nach Bekanntschaften für Blind-Dates war. Liegt das Mordmotiv in den ausserehelichen Affären des Opfers?

Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen frischt Franca Mazzari die Bekanntschaft zu ihrer früheren Schulkameradin Milla auf, die sich von einem Mauerblümchen in eine attraktive Frau verwandelt hat. Während Milla von lustigen Episoden aus der gemeinsamen Jungmädchenzeit erzählt, erinnert sich Franca mit zwiespältigen Gefühlen daran. Ihr selber ist im Gedächtnis geblieben, wie die Aussenseiterin Milla immer wieder Gemeinheiten anderer Kinder ausgesetzt war, während sie selber sehr beliebt war und sich in einem grossen eingeschworenen Freundeskreis bewegt hat. Auf ihre eigene Rolle bei diesem Mobbing ist die Kommissarin denn auch alles andere als stolz.

In diesem Gartenkrimi ist nicht nur der Tatort hortikulturell. Der Nachbar des Mordopfers ist ein pensionierter Gärtner und auch Milla übt den Beruf einer Gärtnerin aus. Und es kommen an diversen Stellen der Geschichte ein „Buchgärtner“, Engelskraut, Pflanzengifte, ein Schrebergarten und anderes Grünzeug vor. Ausserdem wird auch einmal kurz „gepottert“, als Francas Tochter der Mutter über Harry Potter und die magische Pflanze Alraune, auch Menschenwurzel genannt, berichtet. Die Lektüre habe ich genossen, obwohl ich das Ende recht früh erahnt und damit auch recht behalten habe.



Gabriele Keiser:
Engelskraut – Ein BUGA-Krimi
Gmeiner-Verlag, 2011

22. Februar 2011

Schöner Mist - Über die Verwandlung in ein Teilzeit-Landei

Nicht nur beim Zeitschriftenhändler, wo immer mehr Zeitschriften rund ums Landleben um Käufer buhlen, wird klar, dass Gemüsegarten und Co. im Trend liegen. Zuletzt habe ich gleich zwei Bücher gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. In ihrem Taschenbuch "Schöner Mist" berichtet Irmgard Hochreither, wie es der Mann an ihrer Seite geschafft hat, sie – eine überzeugte Grossstadtpflanze – in ein Wochenend-Landei zu verwandeln.

Die reiselustige Hamburgerin ist zunächst gar nicht Feuer und Flamme, als ihr Mann von einem günstigen Mietangebot berichtet, das im ehemaligen Zonenrandgebiet liegt. Das uralte Bauernhaus mit viel Umschwung soll in Zukunft als Wochenendbehausung dienen. Schliesslich lässt sich die Autorin zu einem Besichtigungstermin breitschlagen und bereits am darauffolgenden Samstag wird die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Wohnung und dem vielleicht künftigen Wochenenddomizil zurückgelegt. Dieser erste Aufenthalt im ländlichen Refugium weckt in der Autorin Kindheitserinnerungen an Ferien im Grünen. Weitere Überredungskünste sind überflüssig - das Ehepaar ist sich einig, den Mietvertrag zu unterschreiben.

Die folgenden Kapitel erzählen von allerhand Getier, Nachbarn, Nachbarschaftshilfe, Klatsch und Tratsch und wieso es plötzlich schwierig ist, sich am Sonntagabend wieder für eine Arbeitswoche vom Teilzeitlandleben zu verabschieden.

Beiläufig erfährt die garteninteressierte Leserin, dass John Seymour’s „Selbstversorgung aus dem Garten“ schon seit Jahrzehnten auf das Bücheregal jedes Stadtflüchtlings gehört Während sich Irmgard Hochreither darüber wundert, dass ihr Gatte ein solches Buch besitzt, ist er schon mit der Planung von Hochbeeten beschäftigt und träumt von Jumbo-Radieschen. An anderer Stelle ist die Rede von einer sanftmütigen Frau (es handelt sich nicht um die Autorin!), die des Nachts im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Massnahmen ergreift, um der Nacktschneckenplage Herr (oder Frau) zu werden. Ansonsten ist wenig Gärtnerisches zu lesen, was aber kein Grund ist, auf die Lektüre zu verzichten!

Das zweite erwähnte Landlust-Buch ist übrigens von Novella Carpenter und heisst „Meine kleine Cityfarm“ – näheres dazu demnächst hier in diesem Blog.



Irmgard Hochreither:
Schöner Mist
Ullstein Buchverlage, 2011

18. Februar 2011

Pflanzenschätze

Aus vielen unterschiedlichen Quellen wie Originaltagebüchern, Reiseaufzeichnungen und auch aus bisher unveröffentlichtem Material aus den Royal Botanic Gardens in Kew hat die bekannte Gartenjournalistin Carolyn Fry eine bibliophile Kostbarkeit zusammengestellt, deren Charme einem liebevoll selbst gestalteten Album gleicht. Das Bilderbuch für Erwachsene ist verschwenderisch illustriert mit Fotografien und botanischen Zeichnungen und enthält Faksimiles von Originaldokumenten wie beispielsweise der ältesten bekannten Landkarte von Kew Gardens. In meiner doch recht umfangreichen Gartenbüchersammlung ist es zweifelsfrei eines der schönsten Bücher und wenn ich eine Stimme bei der Vergabe des Gartenbuch-Preises hätte, müsste ich nicht lange überlegen, welcher Neuerscheinung ich diese geben würde.

Auf etwas mehr als sechzig Seiten bietet das Buch einen umfangreichen Einstieg in die Themen Pflanzenschätze und Pflanzensammler und beginnt nach einem Vorwort mit der ersten verbürgten Pflanzenexpedition ins Goldland Punt und dem Gewürzimport aus Fernost. Weitere der jeweils doppelseitigen Kapitel behandeln die Einführung der Tulpen in die europäischen Gärten und stellen Pflanzensammler wie die Tradescants, Francis Masson, David Douglas und E.H. Wilson vor. In einer geschichtlichen Zusammenfassung über grünes Gold dürfen natürlich auch Namen wie Carl von Linné, Sir Joseph Banks und Joseph Hooker nicht fehlen. Doch nicht nur über die Vergangenheit wird berichtet. Die heutigen Aufgaben der botanischen Gärten und der Millenium-Samenbank sowie die Folgen des Klimawandels werden ebenfalls erläutert und ein Kapitel handelt von den negativen Begleiterscheinungen durch die Verbreitung von invasiven Arten.

Entlang des fliessenden Gewässers in unserer unmittelbaren Umgebung breitet sich das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) jedes Jahr stärker aus. Obwohl die Problematik von Neophyten auch der hiesigen Lokalzeitung immer wieder mal einen Artikel wert ist, gibt es Hobbygärtner, die rund um eben dieses Unkraut an der an ihr Grundstück grenzenden Bachböschung den Boden jäten und die Pflanzen wahrscheinlich sogar noch regelmässig mit Wasser versorgen. Als Entschuldigung mag vielleicht angefügt werden, dass es aber auch ziemlich vergnüglich zu betrachten ist, wie die reifen Samenkapseln bei der kleinsten Berührung in alle Richtungen fliegen!



Carolyn Fry:
Pflanzenschätze
Callwey Verlag, 2010

16. Februar 2011

Martin Edwards: The Cipher Garden oder Die ohne Schuld sind

Zufällig habe ich entdeckt, dass die deutsche Übersetzung des Buches „The Cipher Garden“, das schon länger auf meiner Wunschliste steht, an mir vorbeigegangen ist. Der deutsche Titel lässt im Gegensatz zum Original auch keinen gärtnerischen Inhalt vermuten.

Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.

Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.

Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.



Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008

12. Februar 2011

Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente

Auf einen Aufruf auf der Webseite des Blumenbüros Holland haben sich verschiedene Menschen entschlossen, ihre schönsten Blumenmomente auf Papier festzuhalten. Fünfzig dieser Einsendungen haben es schliesslich in die Publikation „Glück blüht“ geschafft, die mit einem Vorwort der Schauspielerin Christine Neubauer anfängt. Die einzelnen Erlebnisse sind ebenso verschieden wie das Niveau der Beiträge. So wird schon mal aus einer Paeonia rockii-Hybride kurzerhand eine Rose.

Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.



Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011

9. Februar 2011

Blogparade – Mein Lieblingsgartenbuch

Garten2null ruft Blogger dazu auf, ihre Lieblingsgartenbücher in einer Gartenblogparade vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach – wie soll frau sich entscheiden, wenn Gartenliteratur gemeinhin oder im weitesten Sinn sämtliche Regale füllt?

Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.



Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011

8. Februar 2011

Noch eine Fortsetzung: Herbal Choices

Den Zugriffen von jenseits des Atlantiks auf mein Blog ist es zu verdanken, dass die Buchvorstellung über den Aufbau von Callie Gardeners Kräutergärtnerei unter den beliebtesten Posts figuriert (siehe Rubrik „Beliebte Post“ und hier).

Nach dem erfolgreichen Start in die Selbständigkeit muss die junge umtriebige Unternehmerin im zweiten Jahr Rückschläge in Kunden- und Umsatzfrequenz verbuchen. Doch mit immer neuen Ideen für Workshops und Events versucht Callie unermüdlich, das Geschäft anzukurbeln.

Inzwischen hat sie ihrem früheren Partner Daniel, der sie kurz vor der Hochzeit wegen einer anderen Frau hat sitzenlassen, verziehen und die beiden sind wieder ein Paar und bereits mit Vermählungsplänen beschäftigt. Doch wie soll Callie reagieren, wenn Daniel von ihr erwartet, zurück in ihre Heimat zu ziehen? Könnte sie ihre „Joyful Heart Herb Farm“ schliessen, wo sie doch dermassen viel Herzblut hineingesteckt hat?

Trotz der prekären finanziellen Lage ist Callie auf Mitarbeiterinnen angewiesen. Nachdem ihre Angestellte Lucy inzwischen aufs College geht, hat die Chefgärtnerin zwei junge Frauen aus einer Amish-Gemeinde eingestellt. Neben dem detaillierten Einblick in eine Kräutergärtnerei erfährt die interessierte Leserin nebenbei auch einiges über Amish-Gärten und wie bereits in „Herbal Beginnings“ runden Kräuterportraits und Rezepte die Lektüre ab.

Ebenfalls analog zum ersten Band passieren in Callies Umfeld immer wieder schreckliche Dinge. Da wären eine bewaffnete Geiselnahme zu erwähnen, Unfälle oder auch ein Anschlag mit Unkrautvernichtungsmittel auf die Gärtnerei, der grossen Schaden anrichtet. Für meinen Geschmack sind etwas gar viele Widrigkeiten in die Geschichte verpackt, aber zumindest finde ich die Entwicklung von Callies Liebesleben nachvollziehbar. Und zum Schluss noch folgender Tipp: es ist empfehlenswert, das Buch nicht mit leerem Magen zu lesen!



Carolee Snyder:
Herbal Choices: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2010

4. Februar 2011

Hot House Flower und Hothouse Flower

Im Gartenbücherfrühling 2011 erscheinen unter der Kategorie „Belletristik“ gleich zwei verschiedene Romane auf Deutsch, die in der englischen Originalausgabe den gleichen Titel tragen, nämlich „Hothouse Flower“.

Margot Berwins „Hot House Flower“, das ich im Sofagarten bereits im August 2009 vorgestellt habe, erhält in der deutschen Übersetzung keinen neuen Titel. Ich bin schon jetzt gespannt, ob mich die Magie und die Schamanen auch in der deutschen Ausgabe fesseln werden und werde das Buch spätestens als Urlaubslektüre nochmals geniessen!

Der Goldmann Verlag hat für Lucinda Rileys Roman „Hothouse Flower“ den deutschen Titel „Das Orchideenhaus“ gewählt. Ein Gewächshaus, ein Orchideenzüchter, Orchideen und ein bei Renovierungsarbeiten entdecktes altes Tagebuch sind zentrales Thema in der Erzählung. Mehr zum Inhalt berichte ich gelegentlich, sobald ich das Buch fertiggelesen habe. Die Lektüre ist jedenfalls sehr spannend und ich wünschte mir beim Lesen der englischen Ausgabe im Moment Tage mit mehr als 24 Stunden, um schneller zu erfahren wie der Roman endet!



Margot Berwin:
Hot House Flower
Fischer Verlag, 2011

Lucinda Riley:
Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011

31. Januar 2011

Herr Adamson

Der Ich-Erzähler sitzt am Freitag, 22. Mai 2032, einen Tag nach seinem 94. Geburtstag, in einem in Hochblüte stehenden Garten. Er spricht seine schon länger zurückliegenden Erlebnisse mit Herrn Adamson für die Nachwelt auf Band. Freitage haben eine besondere Bedeutung für den Erzähler. Ist heute der richtige Freitag, um zu sterben?

Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.

Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.

Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.



Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010