11. Juni 2011

Farbe im Garten – Von Pflanzenfarben und Färberpflanzen (Topiaria Helvetica 2011)

Unter dem Titel „Topiaria Helvetica“ erscheinen die Jahrbücher der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur SGGK und seit der Ausgabe 2010 werden diese auch über den Buchhandel vertrieben. Im Internet bin ich zwar schon gelegentlich über diese Publikationen gestolpert, richtig neugierig darauf bin ich aber erst geworden, als ich aufgrund des Sofagärtnerin-Portraits in der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" vom Verlag kontaktiert worden bin. So stelle ich nun hier das aktuelle Jahrbuch vor und in Kürze folgt ein Bericht über den Vorgängerband „Kulturtechniken – Gartenkunst und Gartenhandwerk“.

Die einen lieben ihre Gärten in allen grünen Schattierungen, andere komponieren mit verschiedenen Blütenfarben und versuchen vielleicht sogar, Vorbildern wie der Malerin und Gärtnerin Gertrude Jekyll oder Christopher Lloyd nachzueifern. Doch welche Rolle spielen Farben und ihre Wirkungen in der Gartengestaltung? Im Artikel „Farbe im Garten zwischen Colour and Paint“ wird näher auf das Phänomen Farbe eingegangen. Thematisiert werden die Farbenlehren der Moderne, aber auch die Farbtheorie von Isaac Newton aus dem Jahr 1672. Weitere Artikel handeln von Farbe und Nichtfarbe in der Gartenkunst, dem experimentellen Farbengarten an der ZÜGA 1933 und last but not least von Pflanzen für die Schön- und Schlechtfärberei.

Speziell interessant dünkte mich der Artikel über die Verwandlung vom farbigen Staudengarten zum grünen Altersgarten von Nicole Newmark. Dieser Garten ist ja aus dritter Sicht eben im neuen Buch "Die geheimen Gärten von Zürich" portraitiert worden. In „Farbe im Garten“ erfährt der interessierte Leser nun ausführlich wie dieser Garten in einer Grösse von 4000 m2 ab 1978 angelegt worden ist und im Laufe von verschiedenen durchgemachten Phasen die Anpflanzung fast unzählige Male verändert worden ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Lesen fast den Eindruck bekommen, dass Umgestalten beinahe so einfach ist wie des Zusammensetzen und Auseinanderklauben von Lego-Steinen. Spannend zu verfolgen ist auch die persönliche Entwicklung der Artikelverfasserin, die sich zunächst als einzige Amateurin ohne umfangreiches theoretisches Wissen zusammen mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Kunsthistorikern im Vorstand der SGGK (Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur) wiederfand. Dieser Umstand spornte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin an, diese Lücken zu schliessen und nach dem frühen Tod ihres Mannes machte sie ihre Lieblingsbeschäftigung gar zum Beruf. Sie bildete sich in Rapperswil zur Landschaftsarchitektin aus, und zwar unter der Ägide von Dieter Kienast, den sie bereits aus ihrer Vorstandstätigkeit bei der SGGK kannte.

Nicht minder spannend ist der Beitrag über ein Künstler-Garten-Buch des Zürcher Malers Robert Honegger mit dem Titel „Im Beet mit Robert, Flower Shower“. Das Bühnenbilderbuch besteht aus zwölf poetischen Bildern. Die Herstellung und ein paar Bilder des Pop-Up-Buches findet man hier. Leider habe ich beim Googeln nicht herausfinden können, ob das Buch gegebenenfalls noch käuflich ist und was es überhaupt kostet.

Ein sehr informatives Jahrbuch. Die Texte sind teilweise eher theoretisch, aber für den interessierten Laien unbedingt lesenswert.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2011 – Farbe im Garten: von Pflanzenfarben und Färberpflanzen
Vdf Hochschulverlag, 2011

8. Juni 2011

Maryrose Wood: Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar

Jessamine führt Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrem Vater Thomas Luxton nach dem frühen Tod ihrer Mutter ein sehr zurückgezogenes Leben in einem kleinen Steinhäuschen, Hulne Abbey genannt. Dieses war ursprünglich die Kapelle eines längst zerstörten und verfallenen Klosters. Rund um diese Überreste kümmern sich Vater und Tochter um verschiedene Gärten. Thomas Luxton ist Botaniker, sein spezielles Interesse gilt Heil- und Giftpflanzen, die er in einem verschlossenen Garten hegt und pflegt und in welchen nur er selber Zutritt hat.

Neben seiner botanischen Arbeit ist Thomas Luxton viel unterwegs. Er ist unermüdlich auf der Suche nach verschollenen geheimnisvollen Büchern aus dem ehemaligen Kloster, in welchen die über Jahrhunderte erworbene Heilkunst der Mönche für die Nachwelt niedergeschrieben worden ist. Das Allgemeinwissen und die speziellen Rezepturen in den alten Folianten sind von unschätzbarem Wert.

Eines Tages wird die Zweisamkeit von Vater und Tochter gestört. Wie die Jungfrau zum Kind kommen die beiden zu einem Mitbewohner, einem Waisenjungen namens Weed. Jessamine fühlt sich vom ersten Augenblick an von dem ungefähr Gleichaltrigen mit smaragdgrünen Augen wie Zwillingsjuwelen angezogen. Für das einsame Mädchen beginnt eine neue Zeitrechnung, endlich kann sie sich mit jemandem unterhalten.

Und zunächst ist denn auch gar nicht besonders wichtig, dass die Kommunikation recht einseitig ist. Weeds Interesse weckt sie schliesslich, als sie ihn durch den Gemüsegarten, den Obstgarten, den Bienengarten und den Färbergarten führt. Jessamine und Weed kommen sich näher, doch als das Mädchen einen gelbköpfigen Löwenzahn pflückt, provoziert sie den Zorn des Jungen, ohne zu ahnen warum und wieso. Woher stammt Weeds immenses Wissen über die Wirkung von Heilpflanzen? Woher kennt er die Formel für den Dämmerschlaf aus Belladonna, Schierling und schwarzem Bilsenkraut?

Weed scheint mit den Pflanzen zu sprechen und sein Wissen direkt aus der Natur zu erhalten. Ist der Junge verrückt? Kaum erfährt Jessamine von der besonderen Gabe ihres neuen Freundes wird sie schwer krank. Ist dieser geheimnisvolle Junge die Ursache? Bringt er ihr Unglück oder gar den Tod? Der offene Schluss des Buches lässt viel Raum für eigene Schlussfolgerungen. Ob diese zutreffen, lässt sich erst nach der Lektüre von Band zwei und drei der Trilogie beurteilen. Die Zeit bis zum Erscheinen der Folgebände kann mit Besuchen im virtuellen Giftgarten auf der Homepage der Autorin überbrückt werden: maryrosewood.com (unter "fun extras").

Das Buch entstand übrigens nach einer Idee der Herzogin Jane von Northumberland von Alnwick Castle, wo ein Giftgarten und andere Themengärten jährlich über 800‘000 Touristen anziehen.



Maryrose Wood:
Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar
S. Fischer Verlag, 2011

5. Juni 2011

Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten

Diese Neuerscheinung ist ja nun beileibe nicht das erste und ziemlich sicher auch nicht das letzte Buch, das sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Garten seit der Vertreibung aus dem Paradies auseinandersetzt. Während andere Publikationen zu diesem Thema oft recht trocken formuliert und nur in kleinen Dosen geniessbar sprich lesbar sind (mir geht es jedenfalls zuweilen so), ist „Eden auf Erden“ nicht nur fundiert verfasst, sondern gleichzeitig auch in einem überaus klugen und anregenden Stil geschrieben.

Die Zeitreise durch die verschiedenen Moden und Zwecke in der Gartengeschichte beginnt mit dem Kapitel „Ein Eden für jeden“ und zwar mit einer Beschreibung des schweren Gärtneralltags aus der „Lebenslehre des Cheti“, verfasst um 2000 vor Christus. Als (vorläufiges) Ziel der Gartenreise sind für Anfang des 21. Jahrhunderts die allerorts spriessenden Gartenfestivals zu nennen, unzählige Gartenbuchneuerscheinungen, Guerilla-Gardening sowie die trendige Rückbesinnung darauf, direkt vor der Haustüre das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, will heissen sein eigenes Gemüse aufzuziehen und die Ernte wenn immer möglich entsprechend zu zelebrieren.

Während den Etappen dieser illustrierten Reise auf hochwertigem Papier erfahren wir von grünen Revolutionären, Gartenkünstlern, Exzentrikern, Galantophilen und Samenräubern. Wir treffen aber auch auf gute alte Bekannte wie die (Zitat aus dem Buch:) „Altmeisterin“ Beth Chatto, den (Zitat aus dem Buch:) „Komödianten“ mit Hexenküche Christopher Lloyd oder die aktuelle First-Lady der USA, die auf dem Rasen des Weissen Hauses medienwirksam inszeniert einen Gemüsegarten angelegt hat. Kurzer Querverweis passend zum Thema „Garten und Weisses Haus“: ich lese gerade das Buch „Flowerbed of State“ von Dorothy St. James – ein Gartenkrimi, dessen Kulisse die Anlagen rund ums Weisse Haus bilden.

Den passenden Abschluss des gleichzeitig lehrreichen und amüsanten Lesebuches "Eden auf Erden" bildet eine Beschreibung von grünen Kleptomanen. Welcher vom grünen Virus infizierte möchte es nicht gelegentlich jener vornehmen Dame gleichtun, die ihre Begehrlichkeiten nach Stecklingen mit der Nagelschere gleich selber befriedigt – selbstverständlich ohne vorher zu fragen?



Christa Hasselhorst:
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Corso/Groothuis, Lohfert Verlagsgesellschaft, 2011

2. Juni 2011

Gartenpark am Goetheanum

Nach einem längeren Reifeprozess ist vor zwei Jahren ein bemerkenswertes Buchprojekt über das Gelände rund um das Goetheanum in Dornach abgeschlossen worden und die hier vorgestellte Publikation erschienen. Der Leser erhält mit dem Ablauf der Jahreszeiten einen interessanten Einblick in die verschiedenen Gärten und Begegnungszonen. Und er kann sich mit der konsequente Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes in diesem Park vertraut machen, der diesen Betrieb somit wohl von den meisten anderen öffentlichen Grünanlagen unterscheidet. Als Beispiel sei hier die Verwendung von selber hergestellten Farben aus Färber-Pflanzen der betriebseigenen Gärtnerei für die Verwendung der Deckenmalerei im Grossen Saal erwähnt.

1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.

Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.

Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.



Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009

30. Mai 2011

Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern

Im August 2009 wurde anlässlich der 13. Poesienacht im Botanischen Garten Bern das zweisprachige Gartenprogramm „Verbarium“ aufgezeichnet. In Mundart und teilweise in Französisch wird quer durch die Gartenwelt gereimt. Begleitet werden die teilweise recht schrägen Texte von Akkordeon, Bass und Perkussion. Stücke mit Titeln wie „Der grüen Duume“, „Böim“, „Pflanzennamen“, „Bauernregeln“ (nicht ganz ernst zu nehmen) und „Kultur-Natur“ versprechen und halten rund 60 Minuten Hörgenuss.

Auch ein Text kann ein Garten sein – hier wuchern Wörter und es kann mit ihnen jongliert werden. Schlummert in jedem Schlafmohn eine Revolution? Wer bricht den Aronstab über wen? Wer spricht mit doppelter Hirschzunge? Wer vergibt den Ehrenpreis? Wer jagt wen in den Bockshornklee? Wer ist wem übers Leberblümchen gekrochen? Wer hebt mit der Ballonblume ab?

An anderer Stelle wird von Leuten berichtet, die den Botanischen Garten als Selbstbedienungsladen, ähnlich einem Erdbeerland, betrachten und beim Ausgang erfreut feststellen, dass Waage und Kasse fehlen. Schlafmohn, indischer Hanf und Viola odorata stehen auf der Besorgungsliste in Sachen Beliebtheit ganz oben. Wer mag es dem Obergärtner verdenken, dass er neben den Veilchen Schilder aufgestellt hat mit dem Hinweis „verursacht bleibende Impotenz“? Die Information ist zwar wissenschaftlich nicht belegt, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck.

Pedro Lenz sinniert über den Zusammenhang zwischen einem schönen Rasen und dem grünen Daumen. Sieht ihr Rasen aus wie ein Kaninchenfell, schmeckt er wie Ruccola und ist er belastbar wie ein Sonderschullehrer oder ist er allenfalls nur eine Lehmgrube mit etwas grün oben drauf? Ihn (den grünen Daumen) haben oder nicht haben, macht hier den Unterschied aus.



Audio-CD: Verbarium – Live im Botanischen Garten Bern
Spoken Word: Antoine Jaccoud, Guy Kmeta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Daniel de Roulet, Michael Stauffer und Beat Sterchi
Musik: Adi Blum (Akkordeon), Michael Pfeuti (Bass), Margrit Rieben (Perkussion)
Verlag Der gesunde Menschenverstand, 2010

27. Mai 2011

Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt

Können Sie sich vorstellen, dass ihre Nachbarn plötzlich Schweine im Garten halten? Da würden Sie vermutlich nicht nur die Nase rümpfen. Novella Carpenter mutet ihren Nachbarn mit ihrer Cityfarm - die zugegebenermassen nicht gerade in einer feinen Gegend liegt - einiges zu, verteilt aber gleichzeitig auch ihre Ernte grosszügig („Hey, mein Garten ist auch dein Garten“) unter Nachbarn und Passanten bzw. diese bedienen sich bei Bedarf auch ungefragt und ungestraft selbst. Und schliesslich ist das Aufziehen von zwei Schweinen der (vorläufige?) Höhepunkt in Sachen Landlust zwischen Beton und Asphalt, begonnen hat das Projekt im Jahr 2005 in kleineren Dimensionen.

Direkt neben der neuen Mietwohnung im Ghetto von Oakland annektiert Carpenter eine Brache und beginnt mit der Urbarmachung von rund 4000m2 Land, das von Gestrüpp zugewuchert ist. Henry David Thoreau schrieb in „Walden“, dass er den Wert des von ihm besetzten Land steigerte, indem er es besetzte. Diese Aussage ist identisch mit Novella Carpenters Motto. Den Startschuss zur Aufwertung markiert die Aussaat von Tomaten, Basilikum, Kopfsalat, Gurken und Mais. Ein Jahr später lernt die junge Frau zufällig den Grundstückeigentümer kennen und erhält von diesem das O.k., auf dem Land einen Garten anzulegen und legt richtig los. Als Angestellte in einer Gärtnerei kann sie Pflanzen mit Rabatt kaufen und so stehen bald ein Apfel-, ein Feigen- und ein Zitronenbaum sowie eine Agave neben den schon uralten Pflaumenbäumen. Damit letztere bestäubt werden, sind Bienen samt Imkerausrüstung die nächste Anschaffung.

Da ein Grossteil des Grundstücks auf einer Betondecke liegt, werden aus Holzabfall Hochbeete konstruiert. Ein paar Hochbeete und Bienen machen aber noch keine Farm und so zieht als nächstes allerlei Gefiedertes in Ghost Town ein. Und da Kaninchenmist Manna für den Garten bedeutet, ist es nur ein kleiner Schritt bis zum Beginn einer entsprechenden Kleintierzucht.

Die nicht mit viel Bargeld gesegnete Hobbyfarmerin berichtet in ihrem interessanten Buch des weiteren von Werkzeugneid, ihren Lektionen in Sachen Salamiproduktion und von einem (langen) Monat, in welchem sie sich nur von Produkten aus eigener Herstellung ernährte. Immer wieder thematisiert werden die nächtlichen Touren zu den Mülltonnen in der Umgebung, um die ständig hungrigen Schweine satt zu kriegen. Letzteres eine Tätigkeit, die vom Aufwand her bald einem Teilzeitjob entsprach. Dazwischen erzählt sie auch von Tragödien und tödlichen Zwischenfällen bei Zusammenstössen zwischen Geflügel und Beutelratten oder Hunden.

Noch in Erinnerungen an einen kürzlichen Ausflug in die Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen schwelgend, lautet mein Fazit: es geht weniger um Kraut, aber mehr um Krempel - es gibt praktisch keinen (von anderen weggeworfenen) Gegenstand, der von der Autorin und ihrem Lebenspartner nicht einer neuen Verwendung zugeführt werden kann. Und natürlich sehr viel über Tiere. Beeindruckend zu verfolgen, welches Wissen sich die Cityfarmerin anhand von einschlägiger Literatur (umfangreiche Bibliographie im Anhang des Buches) aneignet und wie sie soweit immer möglich auch vor dem eigenhändigen Schlachten der von ihr aufgezogenen Tiere nicht zurückschreckt.



Novella Carpenter
Meine kleine Cityfarm – Landlust zwischen Beton und Asphalt
Bastei Lübbe, 2010

24. Mai 2011

Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete

„Willkommen in der Welt der Stauden“ so heisst das erste Kapitel in dieser Frühjahrserscheinung der Landschaftsarchitektin und Gartenjournalistin Bettina Rehm-Wolters und von Markus Zeiler, dem Parkleiter der Insel Mainau. Herausgeberin des prächtig illustrierten Buches ist die „Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.“. Diese Kombination weckt hohe Erwartungen in die Publikation und die vielfältigen vorgestellten Staudenkombinationsmöglichkeiten.

Die ersten vierzig Seiten vermitteln eine Einführung in die Staudenklassen und zeigen die unterschiedlichen Lebensbereiche auf: welche Pflanze lebt gerne im Schatten von Gehölzen? Welche Staude zieht humosen Boden vor und welche gibt sich auch mit kargen Verhältnissen zufrieden? Anschliessend geht es ums Komponieren von abwechslungsreichen Staudenbeeten. Die Fülle an unterschiedlichen Blattformen macht die Wahl nicht unbedingt einfacher. Eine konkrete und wichtige Planungshilfe für das effektvolle Spiel mit Farben ist der Farbkreis. Mögliche Wege zu einer harmonischen Gestaltung erfährt der interessierte Leser im Kapitel „Grundlagen der Beetgestaltung“. Zwischen den informellen Absätzen werden regelmässig Stauden detaillierter vorgestellt: Päonien, Lilien, Hemerocallis, Iris, Hostas und andere mehr.

Üppige, gemischte Staudenpflanzen mitsamt passenden Begleitern, die naturnah in ihren Lebensbereichen präsentiert werden, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig den Pflegeaufwand in Grenzen halten, sind Merkmale des „New German Style“. Schön und gut - aber lässt sich dafür tatsächlich kein deutscher Ausdruck finden?

Meine Lieblingsseiten in diesem Buch sind jene, die verschiedene Staudengärtner und –züchter portraitieren und diese auch selber zu Wort kommen lassen. Der Bericht über die gleichzeitige Verwandlung eines Krankenhausgartens in eine (fast) alle Kundenwünsche erfüllende Staudengärtnerei und die eines Drogisten in einen Botschafter in Sachen Gartenkultur war für mich eine schöne Ergänzung zum kürzlichen Besuch in Illertissen und der durch die Staudenfreunde organisierten Gärtnereiführung durch Dieter Gaissmayer persönlich. Daneben erfährt man Interessantes über Anja Maubach, Christian Kress, Cassian Schmidt (dieser wird übrigens in der Juni-Ausgabe der „Gardens Illustrated“ im „horticultural who is who“ portraitiert) und natürlich nicht zuletzt über Karl Foerster und die Insel Mainau. Des weiteren wird kurz auf Krankheiten und Schädlinge eingegangen und im Anhang finden sich nützliche Adressen, Bezugsquellen und ein Register.



Bettina Rehm-Wolters und Markus Zeiler/Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrsg.):
Stauden im Garten – Gestaltungsideen für immerblühende Beete
Callwey Verlag, 2011

21. Mai 2011

Common Ground – Ein Briefwechsel mit hortikulturellem Hintergrund

Zwei Frauen, zwei verschiedene Gärten – an einer Klassenzusammenkunft erneuern die Schriftstellerin Janice Marriott und die Bäuerin Virginia Pawsey ihre seit Jahren brachliegende Freundschaft aus Teenagertagen. Per Email bleiben sie in Kontakt und haben die hortikulturelle Korrespondenz unter dem Titel „Common Ground“ veröffentlicht.

Janice hegt und pflegt einen Stadtgarten in Wellington. Virginia und ihr Mann betreiben eine Schaffarm und der Hauptzweck ihres Gartens ist die Versorgung der Familie, der Schafscherer und anderer Angestellten mit Früchten und Gemüse.

Während Janice sich in der City mit Erntedieben, solchen auf zwei Beinen wie auch schleimigen, kriechenden, herumärgert, plagt sich Virginia mit Opossums, Wildschweinen oder Ratten und fährt des Öfteren mit gröberem Geschütz auf. Die Städterin träumt von einem Garten in der Grösse von Monets Giverny mit ordentlichen Beeten und Gartenwegen, die vor lauter pflanzlicher Fülle kaum mehr auszumachen sind. Der erste Teil dieser Träume entspricht auch den Vorstellungen von Virginias Angetrautem auf dem Land: er ist nämlich der Ansicht, dass sämtliche Teile des Gartens auf dem Traktor sitzend passierbar sein sollten.

Im Lauf der Jahreszeit – die europäische Leserin muss sich an die „verkehrten“ Jahreszeiten gewöhnen – lernt man die beiden unterschiedlichen Frauen und ihre Gärten recht genau kennen und erfährt über die Vorlieben und Abneigungen, staunt vielleicht auch mal über den zuweilen recht offensiven Gebrauch von Gift und darüber, dass auch auf der anderen Seite der Erdkugel der „Butterblumentest“ ein Thema ist. Rosen bereiten nicht nur Freude – das muss auch Janice erfahren, als sie sich durch einen Stachel in der Wade eine schwere Entzündung einfängt. Immer wieder ein Thema im Buch ist auch die Verarbeitung von schweren Schicksalsschlägen der beiden Frauen. Virginias Sohn kam mit einer Gruppe von Studenten Mitte der neunziger Jahre beim Absturz einer Aussichtsplattform ums Leben.

Die Korrespondenz wird immer mal wieder mit Rezepten angereichert. Es gibt denn auch noch ein zweites Buch der beiden Neuseeländerinnen in Briefform. Bei der Fortsetzung geht es um die Verwertung der Produkte aus Hof und Garten, nämlich ums Kochen („Common Table“).



Janice Marriott/Virginia Pawsey:
Common Ground – The true story of two friends and two very different gardens …
Harper Collins Publishers, 2008


19. Mai 2011

Das Wunder kam beim Rasenmähen

Gleich vorweg: der Bezug zum Gärtnern beschränkt sich auf die Ausübung eines Hilfsjobs in einer Gärtnerei mit Schwerpunkt Unterhaltsarbeiten, das Umschlagsbild und eine spontane Gartenlektion einer Obdachlosen beim Gramercy Park in Manhattan. Dies ist absolut kein Grund auf die Lektüre dieser warmherzigen Erzählung voll witziger Dialoge zu verzichten. Schliesslich passiert es auch mir nicht wöchentlich, dass ich abends kurz vor elf Uhr mit der Lektüre eines neuen Buches beginne und dann gleich mal rasch hundert Seiten lese, bevor ich es widerstrebend weglege und endlich schlafen gehe.

Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?

Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?

Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …



Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010

17. Mai 2011

… und gleich nochmals andere zu Wort kommen lassen

Renate Hücking ("Die Beute der Pflanzenjäger") von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur hat mir folgenden Text zukommen lassen, den sie für die Zeitschrift „Blätterrauschen“ verfasst hat. Ich habe mich sehr über diese netten Zeilen gefreut und möchte euch diese nicht vorenthalten:



Die Sofagärtnerin


Durch Zufall habe ich die „Sofagärtnerin“ getroffen und mich sofort am PC fest gelesen. Was ich dort las, hat mir so gut gefallen, dass ich den Blog sofagaertnerin.blgospot.com (oder einfach „Die Sofagärtnerin“ googeln) allen Garten-Buchwürmern empfehlen möchte: Gegliedert nach etwa 20 Stichworten (Romane, Gartengestaltung, Kinder- und Jugendbücher, Pflanzenportraits etc.) entfaltet die Bloggerin ein breites Panorama an deutsch- und englischsprachiger Gartenliteratur. 

Hier werden nicht nur Klappentexte und Pressemitteilungen abgeschrieben; die persönlich gehaltenen, gleichwohl informativen Texte vermitteln den Eindruck, als habe die Sofagärtnerin aus der Schweiz die Bücher tatsächlich gelesen. Nach der Lektüre dieser Buchbesprechungen war ich jeweils in der Lage zu entscheiden, was mich interessieren würde und was nicht. 

Die Mitteilung, dass die Sofagärtnerin auch eine Garten-Gärtnerin ist, hat für mich die Frage aufgeworfen, wie schafft sie das bloss. Wenn ich nur halb so viel lesen würde wie sie, wäre mein Garten eine Wildnis.



(Copyright by Renate Hücking/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Renate Hücking)

15. Mai 2011

Death in the Winter Garden

Dieser von Karen Lowe getextete Gartenkrimi ist bereits der zweite, in welchem die Gartendesignerin Fern Green ihre Nase immer wieder in Angelegenheiten steckt, die sie eigentlich nichts angehen. Das erste Buch habe ich hier vorgestellt.

Die Erzählung spielt im Jahr 2001 - es ist kurz vor Weihnachten. Keine gute Zeit, um mit Gartenentwürfen Geld zu verdienen. So ist Fern erleichtert, als sie von Owen Stanyard den Auftrag erhält, den jahrzehntelang vernachlässigten Garten von Plas Graig aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Eigentlich war geplant, dass Owens Sohn Tristan, ein Botaniker, diese Aufgabe übernimmt. Doch der junge Mann ist vor zwei Monaten auf einer Pflanzenexpedition in Kolumbien ertrunken. Wegen diesem tragischen Todesfall soll in der Gartenrestauration auch ein Projekt „Gedenkstätte“ realisiert werden.

Die erste Gartenbesichtigung vor Ort wird durch den Gärtner Morgan unterbrochen, der in Spatentiefe die sterblichen Überreste eines Neugeborenen entdeckt hat. Noch mehr Unruhe löst die Ankunft einer unbekannten jungen Frau aus, die behauptet, Tristans Witwe zu sein und sein Kind zu erwarten.

Für die Planung der Gartenrestauration vertieft sich Fern in alte Tagebücher. 1939 hatte Vita Sackville-West in Kent ihre vielkopierte Idee vom Weissen Garten entwickelt. Der Garten von Plas Graig ist genau seit diesem Jahr vernachlässigt worden. Das bringt Fern auf die Idee, den Gedenkgarten ausschliesslich mit weissen und silbernen Pflanzen zu bestücken. Als in nächster Nähe ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird, fokussiert sich ihr Interesse wieder mehr auf ihre detektivischen Fähigkeiten…



Karen Lowe:
Death in the Winter Garden
Beanpole Books, 2011

13. Mai 2011

... für einmal andere zu Wort kommen lassen

Nach fast 250 von mir verfassten und im Sofagarten veröffentlichten Posts zur Abwechslung mal ein Beitrag aus fremder Feder: Hier der Link zu einem Portrait über die Sofagärtnerin, das in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes SBVV erschienen ist.


(Copyright by Martin Walker/Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Martin Walker, SBVV)

9. Mai 2011

Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters verhindert, dass Louisa ihrem Freund Andi von ihrer ungeplanten Schwangerschaft berichten kann. Sie verlässt überstürzt Freund und Schwangerschaftstest, den sie in eine auf dem Teller übrig gebliebene Bulette gesteckt hat.

Eigentlich hatte Louisa bald nach der Beerdigung wieder in ihre WG in Berlin zurückkehren wollen. Doch durch den völlig unerwarteten Verlust ihres geliebten Ehemannes hat sich ihre Mutter Amélie von einer selbständigen, resoluten Frau in eine ziemlich hilflose Witwe verwandelt, deren Aufmerksamkeit es entgeht, dass auch die Tochter trauert und wegen ihrer Schwangerschaft auf mütterliche Unterstützung angewiesen wäre. Während sich Amélie also an den neuen unverschämt gutaussehenden Pfarrer klammert, vertieft Louisa ihre Bekanntschaft mit dem Gärtner Gilbert Kalinke, der sich ungefragt in Opas altem Schuppen am Rand des Gartens wohnlich eingerichtet hat.

Die etwas skurrile Geschichte rund um einen Pfarrer mit besonderem Hang zu hilflosen weiblichen Schäfchen in seiner Gemeinde wird abwechslungsweise aus der Sicht von vier Frauen erzählt. Neben Louisa und Amélie kommen die beiden Nachbarinnen Irmi und Carola zu Wort. Witzige Dialoge sorgen für unterhaltsame Lektüre, vor allem Louisa behält meistens das letzte Wort. Erschüttert wird die junge schwangere Frau zuweilen durch Gilberts freizügigen Ansichten betreffend „mein“ und „dein“ und möchte diesbezüglich gar keine genauen Details erfahren, wenn er "stehlen" schönfärberisch als "organisieren" bezeichnet.

Ganz nebenbei wird während der Handlung der jahrelang vernachlässigte Garten in ein asiatisch angehauchtes Paradies verwandelt, vor welchem Fotografen von angesehenen Gartenzeitschriften Schlange stehen, um einen Termin fürs Ablichten der Idylle zu erhalten.

Nach "Ein unmoralisches Sonderangebot" ist „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ mein zweites Buch von Kerstin Gier, das ich gelesen habe. Hinweise darüber, ob sich auch die anderen Bücher der Autorin einen gewissen gärtnerischen Hintergrund haben, sind herzlich willkommen!



Kerstin Gier:
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Bastei Lübbe, 2000 (8. Auflage 2010)

5. Mai 2011

Frauen im Garten

Die Beziehung zwischen Frauen und ihren Gärten war in jüngster Zeit wiederholt Thema von verschiedenen interessanten Publikationen. Das hier vorgestellte Buch widmet sich für einmal Gemälden und stellt Gartenbilder von berühmten und auch weniger bekannten Malern vor.

Nach einem Vorwort von Eva Demski (siehe auch meine Vorstellung ihres Buches "Gartengeschichten") und einer Einleitung von Tania Schlie werden die Gemälde und Künstler in Kapitel gegliedert. Die Überschriften lauten beispielsweise „Der Garten der Frauen“, „Der Garten der Kindheit“, „Der Garten den Freundinnen“, „Der Garten der Gärtnerin“ oder „Der Garten der Lüste“. Im Kapitel „Ein Ort schwer von Rosenduft“ ist übrigens das Bild „The Soul of the Rose“ von John William Waterhouse abgebildet, welches das Umschlagbild des Romans „Lilys Rosengarten“ ziert, den ich letzthin hier im Sofagarten vorgestellt habe.

Ist der Garten, das Gärtnern Ausdruck der unermüdlichen Suche des Menschen nach dem verlorenen Paradies? Maler aus allen Epochen und Stilrichtungen haben ihn als Motiv gewählt, etliche wie Claude Monet oder Max Liebermann haben sich ihre grünen und/oder bunten Kulissen gleich selber erschaffen. Wie schon der Titel verrät, erlaubt das Buch einen Streifzug mit Frauen durch die Gärten der Kunstgeschichte und erzählt von den Stimmungen, die das Beschäftigen mit Pflanzen in denselben auslöst.

Lesen, träumen, nachdenken, irgendwelchen Gedanken nachhängen oder sich über etwas freuen – diese Beschäftigungen verbinden die meisten der portraitierten Frauen. Gelegentlich scheint etwas Melancholie oder Trauer auf den Gesichtszügen auszumachen zu sein. Auf einem Gemälde schneidet eine Frau die Rosen zurück, die meisten anderen Werke zeigen nichts von der Mühsal, die hinter der dargestellten Blütenpracht steckt. Die anstrengendste Tätigkeit vor der Haustüre scheint im Schneiden von frischen Blumen zu bestehen. Idyllische Szenen von Blumenpflückerinnen, Teestunden und Picknicks im Garten laden den Leser und die Leserin ein, es den gemalten Frauen gleichzutun – sich in einem Stuhl zurückzulehnen und die Seele baumeln lassen.

Ein Buch für Geniesser und ein Erlebnis für verschiedene Sinne – nicht nur die Bilder fürs Auge, auch die Texte auf hochwertigem Papier machen das Buch zu einem Werk, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt und darin schmökert. Ob gelegentlich wohl auch einmal ein Buch mit dem ausschliesslichen Thema „Männer und ihre Gärten“ erscheint?



Tania Schlie:
Frauen im Garten
Thiele Verlag, 2011

1. Mai 2011

And I shall have some Peace there

Nachdem sie schon längere Zeit Zweifel über ihren Lebensstil gehegt hat, trifft Margaret Roach im Jahr 2008 eine Entscheidung, die ihre Zukunft in eine völlig neue Richtung lenkt. Wie für viele andere auch waren die Ereignisse vom 11. September 2001 der Auslöser für diese Entwicklung. Die Führungskraft kündigt ihre Stelle im Imperium von Martha Stewart, weil sie nicht mehr länger beruflichen Erfolgen nachjagen und ihr Glück von jährlich höheren Bonuszahlungen abhängig machen will. Ihr neues Ziel ist ein Leben im Einklang mit der Natur und ihrer allerersten Leidenschaft – dem Garten. Margaret Roach zieht sich in ihr Haus auf dem Land zurück. Es liegt tief in den Wäldern und sie hat im Laufe von zwei Jahrzehnten viele Wochenenden dort verbracht hat, kennt aber trotzdem keinen Nachbarn.

Freunde und Kollegen warnen die Frau vor einer Depression in der selbstgewählten Isolation. Die kinderlose Singlefrau mit einem Hang zur Einzelgängerin lässt sich aber nicht beirren. Doch womit identifiziert sich frau, wenn sie nicht mehr unter der Email-Adresse „margaretroach@marthastewart dot com“ erreichbar ist? Das Nichtstun, das Umgehen mit dem fehlenden Termindruck und der Mangel an einer konkreten Zukunftsperspektive sorgen für einen harzigen Start ins Abenteuer. Frustrationen können nicht mehr mit dem Ausgeben von mehreren tausend Dollars innert einer Viertelstunde kompensiert werden. Designerklamotten haben ihre Anziehungskraft verloren und die Autorin verbringt oft Tag und Nacht in den gleichen Kleidern.

In ihrem sehr persönlichen Buch „and I shall have some peace there“ erzählt Margaret Roach von der Überwindung dieser Anfangsschwierigkeiten und wie sie schliesslich neue Projekte anpackt, darunter die Gestaltung ihres Gartens, ihr Gartenblog (awaytogarden.com) oder ihr soziales Engagement. Sie schildert auch, wie sie schliesslich Zufriedenheit findet im „genügend“ und nicht ständig nach „noch mehr“ strebt. Und wie sie endlich definitiv im Landleben angekommen ist – nämlich zu dem Zeitpunkt, als sie erstmals die Haare nicht mehr beim Coiffeur in der Grosstadt schneiden lässt…



Margaret Roach:
And I shall have some Peace there
Grand Central Publishing, 2011