25. September 2011

Museen der Stadt Linz (Hrsg.): Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment

Parallel zur aktuellen Oberösterreichischen Landesgartenschau in Ansfelden beschäftigen sich die unterschiedlichsten Institutionen mit dem Thema Garten. Noch bis am 16. Oktober 2011 ist die Ausstellung „Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment“ im Nordico Stadtmuseum Linz offen. Begleitend zur Veranstaltung ist im Anton Pustet Verlag das gleichnamige Buch erschienen, auf das mich eine Journalistin aufmerksam gemacht hat.

Auf rund 150 Seiten wird darüber reflektiert, wem Garten was bedeutet. Es werden Antworten auf die Fragen gesucht, wo Garten anfängt und wo Garten aufhört. Was ist überhaupt ein Garten? Woher kommt die scheinbar und offensichtlich steigende Sehnsucht nach Garten?

Speziell interessiert haben mich die Gartengespräche mit dem Präsidenten des Landesverbandes der Kleingärtner, einem Mitbetreiber einer Demeter-Gärtnerei, einem Medienkünstler, einem Koch und anderen mehr sowie die Interviews mit dem Leiter des Botanischen Gartens von Linz. Kampolerta ist ein Netzwerk von fünfzehn Landschaftsarchitektinnen, die sich auf eher ungewöhnliche Art und Weise mit urbanen Freiräumen auseinandersetzen. Als beispielsweise nach der Einführung des Rauchverbots die Aschenbecher in U-Bahnstationen überflüssig geworden waren, wurden diese umgenutzt. Leuchtend gelbe Blumen traten anstelle von Zigarettenstummel – Phönix gleich aus der Asche steigend. Ken Dunn schliesslich erzählt, wie sich aus dem Sammeln von leeren Dosen und Flaschen in Chicago ein erfolgreiches City Farm Projekt entwickelt hat.

Das Buch ist grosszügig illustriert. Die Bilder – darunter sind Gemälde und Fotos von Installationen ebenso vertreten wie botanische Zeichnungen - berühren auf vielfältige Weise. Sie lassen den Betrachter mal staunen, zuweilen schmunzeln oder lassen ihn nachdenklich zurück.

Schade finde ich nur, dass die Ausstellung nicht ein Jahr vorher fürs Publikum zugänglich war. Im Sommer 2010 waren wir nämlich an einem extrem heissen Sommertag in Linz – gerne hätte ich etwas Abkühlung bei einem interessanten Museumsbesuch genossen!



Museen der Stadt Linz (Hrsg.):
Im Garten – Lebensräume zwischen Sehnsucht und Experiment
Verlag Anton Pustet, 2011

22. September 2011

Susan Wittig Albert: The Darling Dahlias and the Cucumber Tree

Susan Wittig Albert hat mit schöner Regelmässigkeit jahrelang ihre China Bayles Mysteries veröffentlicht. Nach knapp zwanzig erfolgreichen Titeln rund um diese ermittelnde Kräutergärtnerin, von denen übrigens vier davon in den 1990er Jahren auch auf Deutsch erschienen sind, beginnt die Autorin mit „The Darling Dahlias“ eine neue Serie. Angesiedelt ist diese Reihe im für meine Ohren etwas seltsam klingenden fiktiven Ort "Darling" in den amerikanischen Südstaaten und dreht sich um den ansässigen Gartenclub mit dem Namen „The Darling Dahlias“. Der Roman spielt in den 1930er Jahren nach dem grossen Börsencrash, inmitten einer schweren Rezession, in welcher die meisten Leute jeden Cent zweimal umdrehen müssen.

Zum Inhalt: Der Darling Gartenclub wurde 1925 durch Mrs. Blackstone gegründet, welche die beiden letzten Jahre auch als dessen Präsidentin amtete. Vor ein paar Monaten starb Mrs. Blackstone 82jährig und vermachte ihr Haus samt grossem Garten und zwei prächtigen Cucumber Bäumen (Magnolia Acuminata) dem Gartenclub, der durch diese Erbschaft völlig unerwartet zu einem Clubhaus kommt. Und gleichzeitig auch zu verschiedenen Problemen, wie jenes, eine kostspielige Dachsanierung zu finanzieren.

Die Mitgliederinnen des Clubs sind zwischen dreissig und knapp achtzig Jahre alt und gehen, wie man im Laufe der Lektüre erfährt, zusammen durch dick und dünn. Das Gartenclub-Jahr besteht aus regelmässigen Anlässen wie Pflanzenverkauf, Blumenshow, Tomatenfest, Gartentour und Erntedankfest. Die Clubpräsidentin Elizabeth Lazy schreibt ausserdem jede Woche eine Gartenkolumne für die Freitagsausgabe der lokalen Zeitung "Darling Dispatch" und jeden Montag ist Gesellschaftspielabend.

Während die umtriebigen Mitgliederinnen an ihrer aktuellen Sitzung über die richtige Höhe des Jahresbeitrages beratschlagen, können sie nicht ahnen, in welchen Strudel von Ereignissen sie in Kürze hineingezogen werden. Stichworte wären da ein vergrabener Familienschatz, ein entflohener Sträfling, Unterschlagung von Geldern in der örtlichen Bank, ein grabender Geist und ein mysteriöser Autounfall mit einem Todesopfer. Bis sich das Fadenknäuel gegen Ende der Lektüre entwirrt, ergibt sich immer wieder Gelegenheit, die Frauen beim Gärtnern zu beobachten.

Susan Wittig Alberts gibt mit diesem ersten Buch ihrer neuen Serie einen detailgetreuen Einblick in den Alltag einer amerikanischen Kleinstadt zur beschriebenen Zeit. Ergänzt wird die Erzählung durch Rezepte und Haushalttipps nach dem Motto „Ways to stretch whatever we have“. Ich freue mich jedenfalls schon heute auf die Fortsetzung mit dem Titel „The Darling Dahlias and the Naked Ladies“, die bereits als Hardcover-Titel erhältlich ist, werde mich aber bis zur Taschenbuchausgabe gedulden.

Webseite der Darling Dahlias: The Darling Dahlias



Susan Wittig Albert:
The Darling Dahlias and the Cucumber Tree
Berkley Prime Crime, 2010/2011

19. September 2011

Charlotte Thomas: Das Mädchen aus Mantua

Die eigensinnige junge Arztwitwe Celestina wird 1601 von ihrer Mutter zu Verwandten, der Familie Bertolucci, nach Padua geschickt. Begleitet wird sie von ihrer Stiefschwester Arcangela. Die an diversen Krankheiten leidende Tante Marta Bertolucci hofft, mit Hilfe ihrer Nichte Celestina endlich gesund zu werden. Gleich bei Ankunft der Schwestern in der mittelalterlichen Universitätsstadt werden die beiden Frauen Zeuginnen einer Prügelei und erfahren bei dieser Begegnung vom tiefen Hass zwischen den Familien Bertolucci und Caliari.

Celestina möchte zwar die Hintergründe dieser Feindschaft erfahren, ihr Hauptinteresse gilt aber ihrem Ziel, an der Universität Medizin zu studieren. Anfang des 17. Jahrhunderts ist Frauen der Zugang zu akademischer Bildung verwehrt. Aus diesen Gründen befinden sich unter den Gepäckstücken von Celestina nicht nur dicke medizinische Folianten ihres verstorbenen Mannes, sondern auch Männerkleider. Die junge Frau erfindet einen Bruder und benützt dessen Identität, um zum Studium zugelassen zu werden.

Doch dieses Versteckspiel bleibt nicht lange unentdeckt und Celestina sieht sich gezwungen, gewisse Bedingungen zu erfüllen, damit sie ihr Geheimnis vorerst wahren kann. So soll sie ausspionieren, wie es dazu kommt, dass die Anatomie der Universität Padua plötzlich fast ständig über genügend Leichen verfügen kann. Gleichzeitig passieren im Hause von Celestinas Verwandten merkwürdige Dinge. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen diesen Vorkommnissen? Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz in diesem historischen Roman und die Erzählung erlaubt einen detaillierten Einblick in die medizinische Ausbildung vor rund fünfhundert Jahren.

Heilkräuter und Giftpflanzen spielen im Buch eine wichtige Rolle. Vor allem Onkel Ludovico Bertolucci widmet sich täglich mit grosser Leidenschaft dem Gärtnern. Er versorgt das Spital mit Heilpflanzen und träumt davon, exotische Gewächse an ihrem Naturstandort betrachten zu können. Gelegentlich finden Vorlesungen direkt im ältesten botanischen Garten der Welt statt.



Charlotte Thomas:
Das Mädchen aus Mantua
Lübbe Ehrenwirth, 2011

16. September 2011

Mirabel Osler: The Rain Tree – A Memoir

Ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Gatten hat Mirabel Osler 1989 ihr erstes Buch „A Gentle Plea for Chaos“ über ihre Erfahrungen aus dem gemeinsam mit ihrem Mann angelegten und gehegten Garten veröffentlicht. In der Folge schrieb sie weitere Titel wie „A Breath from Elsewhere“, „A Spoon for every Course“ und andere mehr. In „The Rain Tree“ bietet die mittlerweile über Achtzigjährige Einblick in verschiedene Abschnitte ihres erfüllten Lebens, in Erlebnisse mit Familie und Freunden, berichtet über ihre Jugendjahre und erzählt vom Älterwerden und den damit verbundenen Beschwerden und endgültigen Abschiede.

Die gemeinsame Liebe zum Gärtnern entwickelte sich zu einem wichtigen Bindeglied in der Beziehung zwischen Mirabel und Michael Osler, als die beiden nach langen Jahren im Ausland nach England zurückkehrten. Je prächtiger und üppiger ihr Garten wurde, desto leichter fiel ihnen das Verreisen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es bei der Rückkehr viele Veränderungen zu entdecken gab. Häufiges Wegfahren ist also ein guter Grund, dieses Vergnügen möglichst oft auskosten zu können. Übrigens sollte Michael Osler als junger Mann in die Familienfirma F. + C. Osler eintreten. Diese Firma hat 1851 den „Crystal Fountain“ für die „Great Expedition“ im Crystal Palace gebaut.

Gärtnerisches spielt in diesen Erinnerungen eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Platz in den nicht chronologisch geordneten Erzählungen nehmen beispielsweise Berichte über die mehrjährigen Aufenthalte in Thailand und Griechenland sowie Reisen und Erlebnisse aus der frühesten Kindheit der Autorin ein. Eine Zeit, die Mirabel Osler nur aus Erzählungen von anderen kennt – sie war nämlich erst zwei Jahre alt, als ihre Mutter sie, ihre etwas ältere Schwester und den todkranken Vater wegen einem anderen Mann verliess. Im Schlusskapital berichtet sie von ihrem Bedauern, nie mehr auf einem Pferd reiten zu können und sinniert darüber, dass ihre Hände wohl demnächst dermassen viele Altersflecken aufweisen werden, dass man glauben könnte, sie käme direkt aus dem Garten, obwohl sie diese Tätigkeit schon lange aufgegeben hat.

Die offene und kontaktfreudige Frau freut sich auch im hohen Alter darüber, neue Menschen kennenzulernen und es entwickeln sich immer noch neue Freundschaften. So verbindet sie zum Beispiel seit einiger Zeit eine schöne Kameradschaft mit Katherine Swift. Letztere ist Autorin der Bücher „The Moreville Hours“ und „The Moreville Year“ und schreibt regelmässig für das englische Journal Hortus. An anderer Stelle gesteht Mirabel Osler, es nicht wie Prinz Charles zu halten. Der spricht ja wie allgemein gemunkelt wird mit seinen Blumen, während sie mit ihren Organen spricht. Wenn ein Körperteil Probleme macht, fordert sie diesen unmissverständlich auf, sich zusammenzureissen.



Mirabel Osler:
The Rain Tree – A Memoir
Bloomsbury Publishing, 2011

13. September 2011

Karl Piepenbrock: Die Frau des Friedhofgärtners

Der Ich-Erzähler hat sehr lange gebraucht, um über den plötzlichen Tod seiner Frau Gisela, seiner Schwester und seines Schwagers beim Zugunglück in Eschede hinwegzukommen und den Alltag neu zu ordnen. Inzwischen frühpensioniert hat er zu einer gewissen Normalität zurückgefunden. Regelmässig besucht er das Grab von Gisela, schmückt es mit frischen Blumen und hält Zwiesprache mit ihr oder plaudert gerne mit den Nachbarn.

Auf diesem strukturierten Tagesablauf liegen seit ein paar Wochen dunkle Schatten – immer wieder wird der Erzähler von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Nach verschiedenen Untersuchungen lautet die unumstössliche Diagnose: inoperabler Hirntumor, verbleibende Restlebenszeit eher weniger als ein Jahr. Fragen über Fragen – Angst mischt sich mit der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Gisela. Was soll er mit diesen letzten geschenkten Monaten anfangen? Vielleicht etwas Besonderes unternehmen? Gibt es tatsächlich keine Chance auf Heilung? Wie werden die letzten Tage sein? Wie soll er seiner Tochter Sylvia von seiner Krankheit erzählen? Was ist wirklich wichtig, was völlig unwichtig?

Während die (Nicht-)Reaktion der Tochter sehr enttäuschend ausfällt, findet der kranke Mann in Ute, der Frau des Friedhofgärtners, unerwartet eine zuverlässige Freundin. Er entdeckt, dass Herzenswärme wichtiger ist als Intellekt. Auf einer mehrtägigen Reise nach Budapest, bei der er von Ute begleitet wird, kann er seine Krankheit fast vergessen. Die Wirklichkeit holt ihn daheim aber umso heftiger ein und es heisst an einer Stelle im Buch treffend (Zitat): „ja, irgendwann ist einfach mal Ende, so ist das“.

Die Text kann nicht verbergen, dass kein Verlag mit professionellem Lektorat daran herumgefeilt hat. Die Geschichte ist aber sehr einfühlsam geschrieben. Die Leserin hat sich bei der Lektüre oft gefragt, woher das Detailwissen stammen und was an dem „Melodram“ (auto)biographisch sein mag.



Karl Piepenbrock:
Die Frau des Friedhofgärtners
Books on Demand, 2011

10. September 2011

Günter Waldorf: Schneeglöckchen – Zauber in Weiss

In diesen Wochen ist bereits wieder die Jahreszeit gekommen, in der es heisst, ans nächste Frühjahr und die Frühlingsboten aus Zwiebeln zu denken und diese rechtzeitig in die Erde zu stecken. Bei den Gartenschätzen, von denen hier die Rede ist, sollten Sie sich beim Kauf von Blumenzwiebeln aber in Zurückhaltung üben. Denn mangels äusserer Zwiebelhäute vertrocknen Schneeglöckchenzwiebeln sehr schnell und so sollte den Pflanzen besser erst direkt nach der Blüte ein Standortwechsel zugemutet werden. Diesen Hinweis und viele weitere Pflegetipps erfährt der interessierte Leser im Buch „Schneeglöckchen – Zauber in Weiss“ von Günter Waldorf, einem langjährigen passionierten Galanthus-Sammler und –kenner. Die druckfrische Publikation ist denn auch keine trockene wissenschaftliche Monografie, sondern insbesondere wegen des umfangreichen Bildmaterials für Laien und Fortgeschrittene gleichermassen geeignet.

Das erste Drittel des Buches ist dem Pflanzenaufbau, den verschiedenen Galanthus-Sorten sowie Hinweisen zu Pflege und Vermehrung gewidmet. Im Kapitel „Das Sammeln“ gibt es neben Tipps zum Aufbau einer interessanten Schneeglöckchensammlung, Erläuterungen zum Tausch von Schneeglöckchen und es geht ums Geld, das einen Neuling nämlich nicht immer ans Ziel bringt. In Insiderkreisen - und fast nur dort kommt man mit etwas Glück an die spezielleren Pflanzen - kann man sich schon mal unbeliebt machen, wenn man glaubt, sich mit genügend Geld sämtliche Begehrlichkeiten erfüllen zu können. Denn gewisse spezielle Sorten sind in dieser Szene eben besonderen Menschen vorbehalten und manch einer muss erst einmal beweisen, dass er deren Besitz auch verdient. Des Weiteren erfährt man in der informativen Lektüre, dass der mittlerweile von England auf den Kontinent übergeschwappte Schneeglöckchen-Virus, auch Galantophilie genannt (befällt nur menschliche Wesen), seinen Ursprung im Krimkrieg von 1853 – 1856 hat. Englische Kriegsheimkehrer brachten seinerzeit auch Schneeglöckchen nach Hause und diese stellten alle bis anhin bekannten Galanthus in den Schatten. Die rund 300 Kurzportraits in Wort und Bild schliesslich geben einen Einblick in die schier unglaubliche Sortenvielfalt. Abgerundet wird das Buch durch ein Register und ebenfalls auf den letzten Seiten sind Informationen zu Bezugsquellen und sehenswerten Schneeglöckchen-Sammlungen zu finden.

Wie soll denn Ihr Lieblingsschneeglöckchen aussehen? Bevorzugen Sie blassgrüne Markierungen oder hellgrüne Spitzen? Oder finden Sie verwaschene Blütenfarben und seltsam gedrehtes Laub schön? Vielleicht gefallen Ihnen Blütenblätter mit gehämmerter Struktur oder birnenförmige Blüten besonders gut? Gewisse Schneeglöckchen sind im Buch mit dem Prädikat „nicht aussergewöhnlich“ bezeichnet, finden aber sicher auch ihre Liebhaber. Zuweilen wäre es auch ganz interessant zu erfahren, wie die Schneeglöckchen zu ihren Namen gekommen sind. Nach welcher „Dicken Tante“ und welchem „Dickerchen“ kamen die so benannten Galanthus wohl zu ihren Namen?

Ein Must-Have-Book für alle Schneeglöckchenliebhaber, das sich auch ausgezeichnet als Mitbringsel eignet - für alle, die bereits verzaubert sind oder es noch werden wollen. Zur nächsten Galanthus-Blüte werde ich jedenfalls mal in die Knie gehen und testen, ob meine 0-8-15-Schneeglöckchen tatsächlich nach Honig duften.



Günter Waldorf:
Schneeglöckchen – Zauber in Weiss
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011

7. September 2011

Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume

In letzter Zeit bin dermassen häufig auf Berichte über den Bruno-Weber-Skulpturenpark gestossen, dass wir es endlich geschafft haben, während den Schulferien nicht nur an den schon lange geplanten Ausflug zu denken, sondern ihn auch durchzuführen. Vielleicht gerade ein paar Wochen zu früh, da im September 2011 weitere Teile dem Publikum neu zugänglich sein werden…

Oberhalb von Dietikon (in der Nähe von Zürich) lassen sich bei einem Spaziergang einzigartige Fabelwesen und die verschiedensten Sitzgelegenheiten entdecken. Im Laufe von bald fünfzig Jahren hat der mittlerweile 80jährige Künstler seine Werke geschaffen und präsentiert diese auf einem Familiengrundstück mit einer Fläche von rund 20‘000m2. Keine Angst, man kann sich nicht verlaufen. Und falls doch, führen einem einzelne aus der Erde ragende Finger wieder auf den richtigen Weg. Mutige Besucher wagen sich über den Schlangensteg, andere nehmen vielleicht auf dem Monsterstuhl Platz.

Der Skulpturenpark, in dem farbenprächtige Figuren mit Betonskulpturen um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern, ist schon mit dem italienischen Parco dei Mostri di Bomarzo verglichen worden. Der Autodidakt Bruno Weber hat aus Beton, Eisen, Blech und unzähligen farbigen Mosaikstücken mit Unterstützung von Familie, Freunden und Angestellten eine Zauberwelt geschaffen, zu welcher der Ausblick vom Hanggrundstück in einem Weinrebental auf Wohnblöcke, Shoppingcenter und Autobahn einen starken Gegensatz bildet. Der eigenwillige und visionäre Künstler arbeitet nach wie vor an seinem grandiosen Lebenswerk und erfährt nach schwierigen Anfangsjahren inzwischen von verschiedenen Stellen Unterstützung und Anerkennung.

Das Buch „Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume“ gibt einen interessanten Einblick in den Park und dessen Geschichte. Die zahlreichen Fotos sind in verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen worden. Aus Anlass des 80. Geburtstages, den Bruno Weber im April feiern konnte, erscheint in diesen Tagen im Hirmer Verlag die Retrospektive „Bruno Weber – Das künstlerische Lebenswerk“.

Hier der Link zum Skulpturenpark: Bruno-Weber-Skulpturenpark (nicht auf der Startseite stehen bleiben, die Kunstwerke müssen etwas gesucht werden!).



Peter K. Wehrli und Robert Elter:
Bruno Weber – Der Architekt seiner Träume
Benteli Verlag, 2007

4. September 2011

Paul May: Greenfingers

Kates Eltern planen mit ihren drei Kindern von London weg aufs Land zu ziehen. Hauptgrund für diesen Umzug sind die Schulprobleme von Kate. Das Mädchen ist seit Schuleintritt eine schlechte Schülerin, hat grosse Lernschwierigkeiten und reagiert häufig unbeherrscht und aufbrausend. Wie so oft in letzter Zeit streiten sich Kates Eltern auch während der Besichtigung ihres künftigen Daheims fast ununterbrochen. Das baufällige Objekt ist von einem grossen, völlig verwilderten Garten umgeben. Der Hauskauf ist schnell beschlossene Sache und mit Ausnahme von Kate scheinen alle Familienmitglieder Gefallen an der geplanten Luftveränderung zu finden. Ganz speziell freut sich die Mutter auf einen eigenen Garten.

Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.

Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.



Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002

1. September 2011

Franziska Steinhauer: Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman

Die kürzlich im Spreewald erworbenen frisch gepflanzten riesigen Bäume haben erst wenig Zeit gehabt, ihre Wurzeln im Boden des Branitzer Schlossparks von Fürst Pückler-Muskau auszubreiten, als ein schweres Unwetter durch die Gegend fegt. Ob die Halteseile und Metallanker den Flachwurzlern wohl genügend Halt zu geben vermögen? Beunruhigt schickt der Fürst Tags darauf seine Gärtner aus, um allfällige Sturmschäden festzustellen.

Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.

Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.

Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?

Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.



Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011

29. August 2011

Karlheinz Glaser: Gelbe Rosen tauscht man nicht

Diese Liebesgeschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, der kurz zurückblendet auf ein Ereignis, welches das Leben von Kleopatra völlig auf den Kopf gestellt hat.

Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.

Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.

Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.



Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002

27. August 2011

Ein Blog-Award und ein paar Gedanken

                                                    


Während den Schulferien hat mir Chagall einen Blog-Award überreicht und ich habe mich natürlich sehr über diese Anerkennung gefreut. Gleichwohl habe ich hin und her überlegt, ob ich diesen überhaupt annehmen soll, da ich wohl aufgrund der jahrzehntelangen Lektüre des "Beobachters" eine tiefe Abneigung gegen Systeme habe, die nach dem Schneeballprinzip funktionieren und wir bereits als Kinder immer dazu angehalten worden sind, sämtliche Kettenbriefe (egal welches Unglück einem damit angedroht worden ist) im Papierkorb zu entsorgen.

Neben Familie, Job und anderen Verpflichtungen versuche ich tagtäglich möglichst viel Zeit mit Lesen ausfüllen zu können und berichte auch gerne im Sofagarten über die Lektüre. Daneben bin inzwischen recht gewieft, im Internet Bücher zu suchen und zu finden, die in mein Blog passen könnten, verbringe aber bereits damit und mit meiner recht umfangreichen E-Mail-Korrespondenz meistens mein Pensum an Computerzeit, das ich mir mit gutem Gewissen zugestehen mag.

Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, regelmässig in anderen Blogs herumzustöbern, geschweige denn an allen Ecken und Enden Kommentare zu hinterlassen. Ausserdem verzichte ich im Sofagarten bewusst darauf, ellenlange Gartenblog-Listen aufzuführen und beschränke mich auf ein paar wenige Web-Tagebücher. Nicht weil mich andere Blogs nicht interessieren, sondern weil ich mich gerne im Gartenblog-Mischmasch informiere, wo unzählige informative Gartenblogs mit ihren aktuellsten Beiträgen zu finden sind. Mir ist durchaus bewusst, dass mein eher anonymes und zurückgezogenes Bloggen nicht nach jedermanns Gusto und teilweise sogar kontraproduktiv ist (das Schneeball-System lässt grüssen …). Aber es ist ja nicht unbedingt schlecht, als Geheimtipp zu gelten, oder? Die steigenden Besucherzahlen und E-Mail-Rückmeldungen sprechen ausserdem eine deutliche Sprache.

Auch aus oben erwähnten Gründen tat ich mich schwer damit zu entscheiden, welchem dritten eher unbekannten Blog ich den Preis weitergeben soll, weshalb ich hiermit – obwohl ich damit gegen die Regeln verstosse – nur zwei Blogs aufführe. Nun, langer Rede kurzer Sinn – ich gebe den Kreativ-Blog-Award hiermit weiter.

Den ersten Award überreiche ich Clara Bauhinia. In ihrem Blog “Cannas und Jakarandas oder ein Garten in Pretoria” berichtet sie nicht nur über ihren südafrikanischen Garten, sondern auch über ihre Erlebnisse mit Nachbarskindern, Automitfahrern und sie veröffentlicht immer wieder feine Rezepte.

Den zweiten Award übergebe ich Klasse im Garten. Hier geht es mit österreichischem Charme und viel Kompetenz ums Garteln und Wiederverwertung. Es lohnt sich übrigens auch regelmässig auf der Facebook-Seite der Bloggerin hereinzuschauen.


Hier sind noch die Regeln:


Das Ziel dieser Aktion ist, dass wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3'000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger und Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.


Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung hereinkopierst (=dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, dass du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen.


Danach überlegst du dir 3 - 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst und die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, dass sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.


Wir hoffen, ihr nehmt diesen Award an, gebt ihn weiter und freut euch genauso wie ich eben gerade.





24. August 2011

Annette Diekmann-Müller: Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf

In diesem Buch erfährt der Leser, was Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, George Sand, Emily Dickinson, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Frances Hodgson Burnett, Selma Lagerlöf, Edith Wharton und Virginia Woolf miteinander verbindet. Alle diese verstorbenen Frauen sind nämlich nicht nur wichtige Puzzleteile der Literaturgeschichte, sondern alle neun hatten eine mehr oder weniger intensive Beziehung zu ihrem Garten und zum Gärtnern.

Die Kapitel des Buches „Blicke ins Grüne“ sind allesamt nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nach einem Bild oder Foto folgt ein fiktiver Dialog. In diesem Interview wird aus dem literarischen Vermächtnis der entsprechenden Schriftstellerin oder Dichterin die Antwort gegeben auf Fragen zu Lieblingsblumen im Garten und im Haus, Lieblingsplatz im Garten und im Haus und was vollkommenes irdisches Glück bedeutet. Eine Kurzbiografie („Retrospektive“) stellt die Schreiberin und ihr Umfeld vor und im „Herbarium“ werden ausgewählte Texte aus deren Werk passend zum gärtnerischen Hintergrund und zum Blick ins Grüne zitiert. In „Was bleibt?“ wird schliesslich der Frage nachgegangen, was aus dem Garten der schreibenden und gärtnernden Frauen geworden ist.

Von Emily Dickinsons selbstgewählter 35 Jahre andauernder Einsamkeit mögen Sie schon gehört haben. Dass sie für ihre beinahe unzähligen Topfpflanzen sogar ein Bewässerungssystem konstruiert hat, dürfte weniger bekannt sein. Und falls Ihnen bei der Erwähnung von Kaiserin Elisabeth von Österreich unweigerlich Romy Schneider und die Sissi-Filme einfallen, können Sie mit dieser Lektüre ihr Wissen über diese bemerkenswerte Frau vertiefen. Die Liebe zur Natur der Monarchin stammte aus Jugendtagen und kommt in ihren Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Haben Sie gewusst, dass die Figur Colin aus dem Buch „Der geheime Garten“ dem früh verstorbenen Sohn der Autorin Frances Hodgson Burnett gewidmet ist? Diese erfolgreiche Schriftstellerin entwickelte sich in den letzten fünfzehn Jahren ihres Lebens zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit erheblichem Knowhow. Diese und viele weitere Begebenheiten lassen sich in diesem informativen Buch von Annette Diekmann-Müller nachlesen.



Annette Diekmann-Müller:
Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag, 2010

21. August 2011

Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis

Unter dem Titel „Der Mörder ist (n)immer der Gärtner sind kürzlich zehn Gartenkrimis erschienen. Zwei Frauen und acht Männer lassen hinter Gartenmauern und –hecken blicken, wo nicht nur Blumen um die Wetter blühen, sondern auch das Böse lauern kann. Die Geschichten tragen beispielsweise Titel wie „Der Kontrakt des Gärtners“, „Gartenidylle“, „Tatort Zitronenhügel“ und „Der Brennnesselzüchter“.

Echinacea purpurea ist zwar leicht giftig, dennoch ist der Todesfall einer Teilnehmerin einer Reisegruppe, die bekannte englische Gärten besucht, mitten im Heilpflanzenbeet eher ungewöhnlich. In einem anderen Beitrag lernt man durch die Blume, auf der Hut zu sein, falls man beabsichtigt in eine „Rosenstrasse“ zu ziehen. Dies gilt umso mehr, wenn sämtliche Gärten einheitlich gestaltet und bepflanzt sind. Gerät man nämlich in ein Quartier, das jährlich um den ersten Preis der örtlichen Blumenschmuckaktion kämpft, kann dies mitunter gefährliche Dimensionen annehmen. In eine solche durchgestylte Idylle passen natürlich keine störenden Katzen – ein zermürbender Kleinkrieg ist fast zwangsläufig die logische Folge. Etwas kompliziert und zuweilen mühsam wird es, wenn der Gärtner „Reich“ heisst, aber arm ist und sein Arbeitgeber zwar reich ist, aber „Gärtner“ heisst. Und gibt es tatsächlich so etwas wie Löwenzahnanschläge oder Nachbarn, die einem Wühlmäuse in den Garten aussetzen, in der Hoffnung, diese mögen möglichst grossen Schaden anrichten? Lesen Sie selber – es lohnt sich!



Erich Groeschl/Edwin Haberfellner/Joseph Lemark/Beate Maxian/Harald Mini/Karl Ploberger/Volker Raus/Ernst Schmid/Erich Weidinger/Helga Weinzierl:
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Verlag Worxboox, 2011

18. August 2011

Antony Woodward: The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise

Antony Woodward kann eine ziemlich ausgeprägte Sturheit nicht verleugnen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, scheut er keine Mittel, sein Ziel zu erreichen. Absicht und Zweck des Kaufes eines abgelegenen vernachlässigten Stück Landes mit dem Namen Tair-Ffynnon mit ebenso verkommenem Gebäude im Brecon Beacons National Park war die Gestaltung eines Gartens und – ganz unbescheiden – die Aufnahme in das prestigeträchtige „Yellow Book“. Das Gelbe Buch ist bekanntlich die Bibel bzw. der Führer zu den öffentlichen englischen Gärten, die für gemeinnützige Institutionen Gelder sammeln (National Gardens Scheme Guide). Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich die Familie Woodward eine Parzelle in der Höhe von 1200 ft (etwa 370 Meter ü.M.) angelacht hat, was für englische Verhältnisse wohl schon recht nahe am Himmel sein mag. Für den Eintrag im Führer wurde die Höhe übrigens grosszügig (oder schamlos?) auf 1600 ft aufgerundet.

Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.

Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.

Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?



Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010





Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …

15. August 2011

Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam

Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.

Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
  • Historische Gärten
  • Gärten am Wasser
  • Gesellige Gärten
  • Designer-Gärten
  • Ungewöhnliche Gärten und
  • Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.

Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.

Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.

Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.

Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.



Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010