Seit einigen Monaten verwitwet, droht Molly der anstehende Verkauf des zusammen mit ihrem verstorbenen Mann liebevoll restaurierten irischen Landhauses nochmals das Herz zu brechen. Doch sie sieht keine Möglichkeit, Mossbawm House zu finanzieren und alleine die anfallende Arbeit zu bewältigen. Ausserdem ist das Haus für sie alleine auch viel zu gross. Ihre erwachsenen Töchter sind nicht begeistert von den Absichten ihrer Mutter, sehen aber auch keine funktionierende Alternative.
Nichtsdestotrotz packt die leidenschaftliche Gärtnerin Molly endlich wieder einmal zu Spaten, Forke, Unkrautstecher und Schere und macht sich an die Arbeit, die Vernachlässigung der letzten Zeit zu beseitigen. In den Staudenbeeten, im Küchengarten und im Gemüsebeet haben viele Pflanzen die Gelegenheit genutzt, sich ungehindert auszubreiten.
Bei ihren rigorosen Aufräumarbeiten dringt sie schliesslich in einen Teil des Gartens vor, den ihr Mann sowie die Vorbesitzer des grossen Grundstücks als Lagerplatz für alles Mögliche verwendet haben. Der versteckte Gartenteil entpuppt sich als Überrest eines ehemaligen Rosengartens. Verschiedene Rosen, haben der Zeit getrotzt und strecken ihre Ranken und vereinzelte Blüten der Sonne entgegen.
Molly wundert sich, wie der Garten wohl vor hundert Jahren ausgesehen haben mag und versucht diese Frage mit Hilfe der Original-Pläne von Haus und Garten sowie alten Fotos zu beantworten. Hat sie hiermit vielleicht eine neue Aufgabe gefunden?
Noch zwei andere ihr mehr oder weniger nahestehende Personen machen eine schwierige Zeit durch. Mollys 29jährige Nichte Kim ist seit Monaten arbeitslos und nun auch noch von ihrem Freund verlassen und aus der Wohnung hinauskomplementiert worden. Dankbar nimmt die in finanziellen Nöten steckende junge Bankangestellte deshalb Mollys Einladung nach Mossbawm an. Die zweifache Mutter 36jährige Gina wiederum träumt davon, das von ihr temporär geführte Dorfcafé übernehmen und modernisieren zu können, aber die Pläne des Organisationstalents zerschlagen sich.
Schnell ist ein interessierter Käufer für das gepflegte irische Haus zur Stelle. Doch Mollys Verkaufsabsichten werden nicht nur durch die tiefen Immobilienpreise torpediert. Als sie zufällig von den geplanten Abriss- und Landüberbauungsplänen des potentiellen Interessenten erfährt, stoppt sie die Verkaufsverhandlungen. Gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit, die Unkosten und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ohne sich von ihrem geliebten Haus und Garten zu trennen?
Spontan entscheidet Molly, dass das frühere Gärtner-Cottage, das am Rand des Grundstücks liegt, nicht veräussert werden soll. Sie lässt es renovieren und beabsichtigt, dort einzuziehen. In der Zwischenzeit restauriert sie mit tatkräftiger Unterstützung von Kim den Rosengarten. Gleichzeitig recherchiert ihre Nichte in alten Unterlagen über Mossbawm und findet Fotos des früheren Rosengartens in der Bibliothek. Dank ihren in Kursen kürzlich erworbenen Kenntnissen über Webdesign und Fotografie beginnt die junge Frau eine Webseite über das Anwesen zu erstellen. Und plötzlich tun sich für alle drei Frauen neue vielversprechende Zukunftsmöglichkeiten auf.
Marita Conlon_McKenna:
The Rose Garden
Transworld Publishers, 2013
20. August 2015
15. August 2015
Sarah Jio: Der Kameliengarten
Um die Jahrtausendwende zieht die Amerikanerin Addison mit ihrem Mann Rex in das englische Herrenhaus Livingston Manor, das ihre Schwiegereltern kürzlich erworben haben. Die junge Frau führt ein eigenes Landschaftsgestaltungsbüro und wird gleich vom riesigen Garten, der die Liegenschaft umgibt, magisch angezogen. Während ihr Mann vom Landsitz inspiriert ein neues Buch schreibt, vertieft sich Addison in das Buch „The Years“ von Virginia Woolf, das einst einer Frau namens Flora gehört hat. Neben dem eigentlichen Text fasziniert sie besonders die Widmung einer Georgia auf der ersten Seite: „The true oft he matter is that we always know the right thing to do. The hard part is doing it“. Wer waren Flora und Georgia?
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Diese Buchbesprechung habe ich bereits am 11. März 2014 erstmals online gestellt, um die englische Originalausgabe "The Last Camellia" vorzustellen. Anlässlich des Erscheinens der Deutschen Übersetzung "Der Kameliengarten" vor ein paar Tagen poste ich sie nochmals.
Sarah Jio:
Der Kameliengarten
Diana Verlag, 2015
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Diese Buchbesprechung habe ich bereits am 11. März 2014 erstmals online gestellt, um die englische Originalausgabe "The Last Camellia" vorzustellen. Anlässlich des Erscheinens der Deutschen Übersetzung "Der Kameliengarten" vor ein paar Tagen poste ich sie nochmals.
Sarah Jio:
Der Kameliengarten
Diana Verlag, 2015
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
10. August 2015
Zuletzt angefangen zu lesen: Jens F. Meyer - Beetgeflüster
Statt viele Worte über den Inhalt dieses Buches zu machen, lasse ich doch vielsagend eine Auswahl von Kapitelüberschriften sprechen:
Jens F. Meyer berichtet von der Hassliebe zu seinem Geldbaum, von besonderen Frost-Spannern und freut sich, dass das Stehlen (mit den Augen) von Pflanzenkompositionen aus fremden Gärten nicht strafbar ist. Er sinniert über Paradoxa (sich über Sonne freuen und Regen vermissen und sich über Regen freuen und Sonne vermissen) und über irreführende Pflanzennamen wie etwa „Kuhschelle“. Dann verrät er, keine zu perfekt gestaltete Langeweile zu mögen und dass er die Blumen in seinem Garten sich versamen und wachsen lässt. Das Herausrupfen wird vorläufig vertagt und oft auch ganz unterlassen.
„Beetgeflüster“ ist eine Kolumnensammlung von Artikeln, die in der Deister- und Weserzeitung Hameln erschienen sind. Im World Wide Web bin ich auf verschiedene Lesungstermine gestossen – leider auf keinen, der hier in der Nähe stattfinden würde.
Die Umschlaggestaltung trifft nicht gerade meinen Geschmack, aber am Inhalt habe nichts zu mäkeln und besonders die teilweise ungewohnten, unbekannten Wortkreationen geschätzt und ich lauere immer noch auf weitere, während ich das Buch fertiglese. Zum Verständnis ein paar Beispiele: „Mohnarch“ statt „Monarch“, „Im Grünen und Ganzen“ statt im „Grossen und Ganzen“ , "spatenhieb- und stichfest" statt "hieb- und stichfest" sowie die Worte „Pflanzlyrik“ und „Blütenvöllerei“.
Jens F. Meyer:
Beetgeflüster
CW Niemeyer Buchverlage, 2015
- … wenn ich es recht bedenke, leben Gartenträume vom Tun – und vom Nichtstun…
- Von der hohen Kunst, die wahre Schönheit zu entdecken
- Von himmlischen Wassern und teuflischen Giessern
- …mein Handy ist alt, mein Auto aus der Mode, aber ich habe Goldmohn-Samen von Ahmed aus La Chatonnière; viel mehr kann ich vom Leben nicht verlangen…
- …aber nach einiger Zeit des Sinnierens muss eine definitive Entscheidung stehen, spatenhieb- und stichfest vor dem Hintergrund, der statischen Gefahr erfolgreich zu begegnen…
- und im Altweibersommer ist aus dem Schwert ein Degen geworden, aber immerhin …
Jens F. Meyer berichtet von der Hassliebe zu seinem Geldbaum, von besonderen Frost-Spannern und freut sich, dass das Stehlen (mit den Augen) von Pflanzenkompositionen aus fremden Gärten nicht strafbar ist. Er sinniert über Paradoxa (sich über Sonne freuen und Regen vermissen und sich über Regen freuen und Sonne vermissen) und über irreführende Pflanzennamen wie etwa „Kuhschelle“. Dann verrät er, keine zu perfekt gestaltete Langeweile zu mögen und dass er die Blumen in seinem Garten sich versamen und wachsen lässt. Das Herausrupfen wird vorläufig vertagt und oft auch ganz unterlassen.
„Beetgeflüster“ ist eine Kolumnensammlung von Artikeln, die in der Deister- und Weserzeitung Hameln erschienen sind. Im World Wide Web bin ich auf verschiedene Lesungstermine gestossen – leider auf keinen, der hier in der Nähe stattfinden würde.
Die Umschlaggestaltung trifft nicht gerade meinen Geschmack, aber am Inhalt habe nichts zu mäkeln und besonders die teilweise ungewohnten, unbekannten Wortkreationen geschätzt und ich lauere immer noch auf weitere, während ich das Buch fertiglese. Zum Verständnis ein paar Beispiele: „Mohnarch“ statt „Monarch“, „Im Grünen und Ganzen“ statt im „Grossen und Ganzen“ , "spatenhieb- und stichfest" statt "hieb- und stichfest" sowie die Worte „Pflanzlyrik“ und „Blütenvöllerei“.
Jens F. Meyer:
Beetgeflüster
CW Niemeyer Buchverlage, 2015
1. August 2015
Elinor Bicks: Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
„Mehr Frucht als Blüte und auch die schon ziemlich welk“ - diese blumige Beschreibung der Hauptprotagnonistin Lore Kukuk und der Untertitel „Ein Gartenkrimi“ liessen die Sofagärtnerin auf eine Lektüre mit massgeblichem hortikulturellem Hintergrund hoffen. Eine Erwartung, die nicht enttäuscht wurde, hat sich doch die Autorin Elinor Bicks für die Buchrecherche intensiv mit Heilpflanzen beschäftigt und ihr Wissen fantasievoll ergänzt und ausgeschmückt.
Nach über dreissig Jahren hat sich Lore Kukuk zum ersten Mal wieder mit einem Mann verabredet und muss am nächsten Tag erfahren, dass dieser ermordet worden ist. Die zurückgezogen lebende Frau wird bereits mit Rauschmitteln und anderen mysteriösen Todesfällen, den sogenannten Kukuksmorden, aus ihrem engen Umfeld in Verbindung gebracht. In ihrer Umgebung ist sie deshalb schon lange als Serienmörderin abgestempelt, mit der keiner Kontakt haben will. Obwohl ihr nie eine Tat nachgewiesen werden konnte, fällt der Verdacht sofort auf sie, da das Opfer Laszlo Kalinn stark nach Lavendel riecht.
Lore Kukuk wohnt in einem kleinen Häuschen auf dem Otzberg, einem erkalteten Vulkan und arbeitet im Burgmuseum. Sie stammt aus der Burgverwalterfamilie. Als zehnjähriges Mädchen – der Vater war kurz zuvor getorben – ist sie von der Mutter nach ihren Ferien bei der Oma nicht mehr abgeholt worden. Haus und Garten hat sie von ihrer verstorbenen Oma geerbt, nicht aber deren Talent für die Beherrschung der Naturkräfte. Ein Rezeptbuch allein mit Hinweisen zur Verwendung von Weissdorn, Birken, Spitzwegerich und Johanniskraut reicht dafür halt nicht aus. Ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit trägt die Tatsache bei, dass sie sich kompromisslos dagegen wehrt, ein Teil ihres Landes an die Gemeinde zu verkaufen. Die einzige Person, die in all den Jahren treu zu ihr gehalten hat, ist Edel, ihre beste Freundin aus Kindertagen.
Wo sich einst Omas Gemüsebeet befand, breiten sich heutzutage Brombeergestrüpp, Flughafer, Gänsefuss, Hundspetersilie und Fuchsschwanzgewächse aus. Das sogenannte „böse Beet“ mit Tollkirsche, Alraune, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel, und Osterluzei hat Lore längst gerodet. Doch das grösste Geheimnis ihrer Oma vermutet Lore tief unter dem titelgebenden Lavendel vergraben. Ihre Grossmutter hat Lore auf dem Totenbett gebeten, sich um die beiden Lippenblütler Lavendula augustifolia und Lavendula stoechas zu kümmern, die ihr erster Mann vom Frankreichfeldzug mit nach Hause gebracht hat. Und noch heute beherbergt Lores Garten ein lilablaues Duftmeer aus echtem Lavendel und Schopflavendel, welche die Oma als Universalreiniger des Lebens bezeichnet hat.
Den Tod des umtriebigen Kioskbesitzers Laszlo Kallin aufzuklären haben der sensible Hauptkommissar Roland Otto mit einem grossen Herz für Hunde und sein Assistent Brenneisen, ein Sport- und Ernährungsfanatiker aus einer Bäckerdynastie, der den Kohlehydraten abgeschworen hat, was grosse Eheprobleme nach sich zieht. Die ersten Ermittlungen führen zu Russen, die ständig ungefragt die Legalität ihrer Anwesenheit beteuern und einer dubiosen Partnervermittlungsagentur.
Ein lesenwerter Krimi rund um Lavendel, in dem schliesslich nichts so ist, wie es zu sein scheint und in dem weder Verlauf noch Ende vorhersehbar sind, womit die Spannung für die Leserin bis zum Schluss bestehen bleibt.
Elinor Bicks:
Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
Gmeiner-Verlag, 2015
Nach über dreissig Jahren hat sich Lore Kukuk zum ersten Mal wieder mit einem Mann verabredet und muss am nächsten Tag erfahren, dass dieser ermordet worden ist. Die zurückgezogen lebende Frau wird bereits mit Rauschmitteln und anderen mysteriösen Todesfällen, den sogenannten Kukuksmorden, aus ihrem engen Umfeld in Verbindung gebracht. In ihrer Umgebung ist sie deshalb schon lange als Serienmörderin abgestempelt, mit der keiner Kontakt haben will. Obwohl ihr nie eine Tat nachgewiesen werden konnte, fällt der Verdacht sofort auf sie, da das Opfer Laszlo Kalinn stark nach Lavendel riecht.
Lore Kukuk wohnt in einem kleinen Häuschen auf dem Otzberg, einem erkalteten Vulkan und arbeitet im Burgmuseum. Sie stammt aus der Burgverwalterfamilie. Als zehnjähriges Mädchen – der Vater war kurz zuvor getorben – ist sie von der Mutter nach ihren Ferien bei der Oma nicht mehr abgeholt worden. Haus und Garten hat sie von ihrer verstorbenen Oma geerbt, nicht aber deren Talent für die Beherrschung der Naturkräfte. Ein Rezeptbuch allein mit Hinweisen zur Verwendung von Weissdorn, Birken, Spitzwegerich und Johanniskraut reicht dafür halt nicht aus. Ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit trägt die Tatsache bei, dass sie sich kompromisslos dagegen wehrt, ein Teil ihres Landes an die Gemeinde zu verkaufen. Die einzige Person, die in all den Jahren treu zu ihr gehalten hat, ist Edel, ihre beste Freundin aus Kindertagen.
Wo sich einst Omas Gemüsebeet befand, breiten sich heutzutage Brombeergestrüpp, Flughafer, Gänsefuss, Hundspetersilie und Fuchsschwanzgewächse aus. Das sogenannte „böse Beet“ mit Tollkirsche, Alraune, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel, und Osterluzei hat Lore längst gerodet. Doch das grösste Geheimnis ihrer Oma vermutet Lore tief unter dem titelgebenden Lavendel vergraben. Ihre Grossmutter hat Lore auf dem Totenbett gebeten, sich um die beiden Lippenblütler Lavendula augustifolia und Lavendula stoechas zu kümmern, die ihr erster Mann vom Frankreichfeldzug mit nach Hause gebracht hat. Und noch heute beherbergt Lores Garten ein lilablaues Duftmeer aus echtem Lavendel und Schopflavendel, welche die Oma als Universalreiniger des Lebens bezeichnet hat.
Den Tod des umtriebigen Kioskbesitzers Laszlo Kallin aufzuklären haben der sensible Hauptkommissar Roland Otto mit einem grossen Herz für Hunde und sein Assistent Brenneisen, ein Sport- und Ernährungsfanatiker aus einer Bäckerdynastie, der den Kohlehydraten abgeschworen hat, was grosse Eheprobleme nach sich zieht. Die ersten Ermittlungen führen zu Russen, die ständig ungefragt die Legalität ihrer Anwesenheit beteuern und einer dubiosen Partnervermittlungsagentur.
Ein lesenwerter Krimi rund um Lavendel, in dem schliesslich nichts so ist, wie es zu sein scheint und in dem weder Verlauf noch Ende vorhersehbar sind, womit die Spannung für die Leserin bis zum Schluss bestehen bleibt.
Elinor Bicks:
Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
Gmeiner-Verlag, 2015
20. Juli 2015
Jane Northumberland mit Hugh Sington: Weed – Poison Diaries
Inzwischen ist es ja längst kein Geheimnis mehr, dass die als Trilogie geplanten „Poison Diaries“-Bücher "Liebe ist unheilbar" und "Liebe ist stärker als der Tod" nach dem zweiten Band ein abruptes Ende gefunden und die Leserinnen und Leser unbefriedigt zurückgelassen haben. Statt einem dritten abschliessenden Buch, welches das Schicksal von Jessamine weiterspinnt, ist vor einiger Zeit ein Buch mit dem Titel „Weed“ erschienen. Alle drei Bücher sind nach einer Idee von Jane Northumberland entstanden. Während aber die ersten beiden Bücher von Maryrose Wood geschrieben worden sind, heisst der Verfasser vom bis anhin nicht auf Deutsch übersetzten Buch „Weed“ Hugh Sington.
Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.
Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln. Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.
Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.
Jane Northumerland with Hugh Sington:
Weed – Poison Diaries
Bloomsbury Reader, 2013
Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.
Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln. Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.
Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.
Jane Northumerland with Hugh Sington:
Weed – Poison Diaries
Bloomsbury Reader, 2013
10. Juli 2015
Janet Fitch – Weisser Oleander
Immer wieder streut die Autorin Janet Fitch gärtnerische und botanische Details und Beobachtungen in diesen Roman ein. So ist die Rede von wildem Senf auf einem Betonwall, von Baumfarnen, Böschungen mit Springkraut, Gärtnern mit Laubgebläsen und von Marienkäfern, die in Plastikkugeln verkauft werden, um auf mit Blattläusen befallenem Grünzeug ausgesetzt zu werden. Titelgebend sind aber die Oleanderbüsche mit ihren zähen, giftigen Blüten und dolchähnlichen Blättern, die den heissen Winden aus der Wüste trotzen.
Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.
Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.
Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.
Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.
Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.
Janet Fitch:
Weisser Oleander
Bastei Lübbe, 2003
Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.
Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.
Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.
Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.
Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.
Janet Fitch:
Weisser Oleander
Bastei Lübbe, 2003
1. Juli 2015
J.L. Wilson: Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
Cassie Whittington hat in den letzten Monaten ihr Leben völlig umgekrempelt. Sie hat fast siebzig Pfund abgenommen und steckt gerade in den Schlussprüfungen ihrer Weiterbildung für den Einstieg ins Gartengestaltungs-Metier. Daneben arbeitet sie seit wenigen Wochen in der Gärtnerei Barlow und amtet als Präsidentin der „Student Horticulture Society“. In eben dieser Funktion findet sie während einem Anlass eine Leiche im alten Gewächshaus und erkennt anhand der Symptome sofort, dass es sich um einen Todesfall infolge von Zyanose (Blausucht) handeln muss.
Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.
Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.
Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?
J.L. Wilson:
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011
Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.
Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.
Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?
J.L. Wilson:
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011
23. Juni 2015
Wladimir Kaminer: Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Nach „Mein Leben im Schrebergarten“ hat Wladimier Kaminer vor einiger Zeit ein weiteres Buch geschrieben, das sich mehr oder weniger intensiv mit Gärtnern beschäftigt und das nun auch in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist.
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
15. Juni 2015
Tan Twan Eng: Der Garten der Abendnebel
Kakezuchi, Lata, Kibasami, Shachi, Tebasami - Holzhammer, Hausmesser, Heckenschere, Winde, Baumschere: Während ihrer Lehrzeit in einem japanischen Garten neben der Majuba-Teeplantage in Malaya versucht sich die 1923 geborene Straits-Chinesin Yun Ling Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Namen der alten Werkzeuge einzuprägen, die alle einem bestimmten Zweck dienen.
Mit ihren beiden Geschwistern ist Yun Ling in einer kolonial geprägten Gesellschaft aufgewachsen. Die Kindheit wurde durch einen Kriegsausbruch abrupt beendet. Gemeinsam mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Yun Hong war sie in einem japanischen Internierungslager gefangen und hat als einzige überlebt. Die vielen Monate in Gefangenschaft haben die beiden jungen Frauen nur ertragen, weil sie sich in die in ihren Köpfen geschaffenen und für andere unsichtbaren und unzugänglichen Gärten geflüchtet haben. Die chinesische Familie Teoh war einst auf Einladung der dortigen Regierung in Japan, weil diese dem Vater Gummiprodukte abkaufen wollte. Bei dieser Gelegenheit hatten die Schwestern die japanischen Gärten für sich entdeckt und ganz besonders Yun Hong hat eine immense Faszination für diese entwickelt.
Im Gedenken an ihre tote Schwester will Yun Ling unbedingt einen japanischen Garten anlegen lassen. Doch der angefragte Aritomo, ein (ehemaliger) Gärtner des (japanischen) Kaisers hat ihre Anfrage abgelehnt und ihr stattdessen angeboten, sie persönlich in die japanische Gartenkunst einzuführen, damit sie den Erinnerungsgarten selber gestalten kann. So findet sie sich also schwere Arbeiten verrichtend in einem japanischen Garten wieder und wird dabei immer wieder unvermittelt an ihre Gefangenschaft erinnert. Yun Ling wird nicht nur durch praktische Tätigkeit in die Gartenkunst eingeführt, sie erhält auch Zugang zur ältesten Sammlung von Schriften über japanische Gärten. Sie selber darf aber keine Notizen machen. Der Garten behält laut Aritomo alles für sie in Erinnerung.
In einem weiteren Erzählstrang erfährt die angesehene Richterin Teoh Yun Ling von einer schweren Krankheit und dass als Folge derselben ihre Erinnerungsfähigkeit schwinden wird. Sie verlässt vorzeitig ihren Richterstuhl am obersten Gerichtshof in Kuala Lumpur und fährt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in den Garten der Abendnebel, der nur rund vier Fahrstunden entfernt liegt. Für ihre restliche Lebenszeit nimmt sie sich vor, den Garten wieder herstellen zu lassen und sie beginnt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Hat der vernachlässigte Garten die Erinnerungen für sie behalten? Unauslöschbar sind die eigenen Narben – sichtbare und unsichtbare und die Wut brodelt latent weiter.
Im Lauf der Erzählung entschlüsseln sich der Leserin durch neue Fakten immer mehr Geheimnisse. Doch längst nicht alle, darunter auch das um den rätselhaften Gärtner, werden gelöst. Gartenkunst ist nicht nur Zähmung und Vervollkommnung der Natur, sondern auch eine Form der Täuschung. Letzteres kann auch als Synonym für den Inhalt gesehen werden. So ganz nebenbei erfährt man von der Begründung der Gartenkunst in chinesischen Tempeln, liest über die Persönlichkeit von Steinen und die Prinzipien der geborgten Landschaft (Borgen aus der Ferne, vom Boden, von Wolken, Wind und Regen), die Kunst des Steine Setzens und das dazugehörige Platzieren und Pflegen derselben. Aritomo lehrt die Frau, dass ein Garten den Betrachter im Innersten berühren muss und Teichbesitzer können vielleicht ausprobieren, ob es stimmt, dass zu Bällen geformter Kupferdraht das Algenwachstum hemmt oder verhindert.
Eine sehr eindrückliche traurig-schöne Geschichte, mit welcher der Autor im Kopf der Leserin gewaltige Bilder schafft und gleichzeitig eine Lektüre, deren Genuss ich mir viel zu lange vorenthalten habe, „Der Garten der Abendnebel“ ist nämlich wieder mal ein Buch, das nach dem Kauf in den Tiefen der Regale verschwunden ist, und das erst wieder meine Aufmerksamkeit erregt hat, als es nun in einer deutschen Übersetzung erschienen ist.
Der einfühlsame Roman jongliert mit Widersprüchen und ist kein Buch, das man schnell liest. Im Gegenteil - er verlangt ein langsames, genaues Lesen, damit einem kein Detail entgeht, und zwar allein schon deswegen, weil regelmässig die Zeiten wechseln, ohne dass dies aus Kapitelüberschriften ersichtlich wäre. Neben dem allgegenwärtigen hortikulturellen Hintergrund gibt das Buch Einblick in einen Teil des zweiten Weltkriegs, der mir weniger bekannt ist, und hat mich veranlasst, mich etwas vertiefter mit diesem Thema zu beschäftigen. Wahrlich ein Buchstabenteich, in dem sich das Fischen lohnt! Will heissen, ein Buch, das zu lesen sich unbedingt lohnt. Dieser Ausdruck stammt (leider) nicht von mir. Ich habe ihn letzthin irgendwo gelesen und finde, hier passt er auch hin, obwohl ich mich gerade nicht erinnern kann, ob Kois erwähnt worden sind...
Tan Twan Eng:
Der Garten der Abendnebel
Droemer Verlag, 2015
Mit ihren beiden Geschwistern ist Yun Ling in einer kolonial geprägten Gesellschaft aufgewachsen. Die Kindheit wurde durch einen Kriegsausbruch abrupt beendet. Gemeinsam mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Yun Hong war sie in einem japanischen Internierungslager gefangen und hat als einzige überlebt. Die vielen Monate in Gefangenschaft haben die beiden jungen Frauen nur ertragen, weil sie sich in die in ihren Köpfen geschaffenen und für andere unsichtbaren und unzugänglichen Gärten geflüchtet haben. Die chinesische Familie Teoh war einst auf Einladung der dortigen Regierung in Japan, weil diese dem Vater Gummiprodukte abkaufen wollte. Bei dieser Gelegenheit hatten die Schwestern die japanischen Gärten für sich entdeckt und ganz besonders Yun Hong hat eine immense Faszination für diese entwickelt.
Im Gedenken an ihre tote Schwester will Yun Ling unbedingt einen japanischen Garten anlegen lassen. Doch der angefragte Aritomo, ein (ehemaliger) Gärtner des (japanischen) Kaisers hat ihre Anfrage abgelehnt und ihr stattdessen angeboten, sie persönlich in die japanische Gartenkunst einzuführen, damit sie den Erinnerungsgarten selber gestalten kann. So findet sie sich also schwere Arbeiten verrichtend in einem japanischen Garten wieder und wird dabei immer wieder unvermittelt an ihre Gefangenschaft erinnert. Yun Ling wird nicht nur durch praktische Tätigkeit in die Gartenkunst eingeführt, sie erhält auch Zugang zur ältesten Sammlung von Schriften über japanische Gärten. Sie selber darf aber keine Notizen machen. Der Garten behält laut Aritomo alles für sie in Erinnerung.
In einem weiteren Erzählstrang erfährt die angesehene Richterin Teoh Yun Ling von einer schweren Krankheit und dass als Folge derselben ihre Erinnerungsfähigkeit schwinden wird. Sie verlässt vorzeitig ihren Richterstuhl am obersten Gerichtshof in Kuala Lumpur und fährt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in den Garten der Abendnebel, der nur rund vier Fahrstunden entfernt liegt. Für ihre restliche Lebenszeit nimmt sie sich vor, den Garten wieder herstellen zu lassen und sie beginnt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Hat der vernachlässigte Garten die Erinnerungen für sie behalten? Unauslöschbar sind die eigenen Narben – sichtbare und unsichtbare und die Wut brodelt latent weiter.
Im Lauf der Erzählung entschlüsseln sich der Leserin durch neue Fakten immer mehr Geheimnisse. Doch längst nicht alle, darunter auch das um den rätselhaften Gärtner, werden gelöst. Gartenkunst ist nicht nur Zähmung und Vervollkommnung der Natur, sondern auch eine Form der Täuschung. Letzteres kann auch als Synonym für den Inhalt gesehen werden. So ganz nebenbei erfährt man von der Begründung der Gartenkunst in chinesischen Tempeln, liest über die Persönlichkeit von Steinen und die Prinzipien der geborgten Landschaft (Borgen aus der Ferne, vom Boden, von Wolken, Wind und Regen), die Kunst des Steine Setzens und das dazugehörige Platzieren und Pflegen derselben. Aritomo lehrt die Frau, dass ein Garten den Betrachter im Innersten berühren muss und Teichbesitzer können vielleicht ausprobieren, ob es stimmt, dass zu Bällen geformter Kupferdraht das Algenwachstum hemmt oder verhindert.
Eine sehr eindrückliche traurig-schöne Geschichte, mit welcher der Autor im Kopf der Leserin gewaltige Bilder schafft und gleichzeitig eine Lektüre, deren Genuss ich mir viel zu lange vorenthalten habe, „Der Garten der Abendnebel“ ist nämlich wieder mal ein Buch, das nach dem Kauf in den Tiefen der Regale verschwunden ist, und das erst wieder meine Aufmerksamkeit erregt hat, als es nun in einer deutschen Übersetzung erschienen ist.
Der einfühlsame Roman jongliert mit Widersprüchen und ist kein Buch, das man schnell liest. Im Gegenteil - er verlangt ein langsames, genaues Lesen, damit einem kein Detail entgeht, und zwar allein schon deswegen, weil regelmässig die Zeiten wechseln, ohne dass dies aus Kapitelüberschriften ersichtlich wäre. Neben dem allgegenwärtigen hortikulturellen Hintergrund gibt das Buch Einblick in einen Teil des zweiten Weltkriegs, der mir weniger bekannt ist, und hat mich veranlasst, mich etwas vertiefter mit diesem Thema zu beschäftigen. Wahrlich ein Buchstabenteich, in dem sich das Fischen lohnt! Will heissen, ein Buch, das zu lesen sich unbedingt lohnt. Dieser Ausdruck stammt (leider) nicht von mir. Ich habe ihn letzthin irgendwo gelesen und finde, hier passt er auch hin, obwohl ich mich gerade nicht erinnern kann, ob Kois erwähnt worden sind...
Tan Twan Eng:
Der Garten der Abendnebel
Droemer Verlag, 2015
8. Juni 2015
Rosie Sanders: Überwältigende Blüten
Die englische Blumenkünstlerin Rosie Sanders ist über ihr Heimatland hinaus bekannt durch ihr Buch über alte und neue Apfelsorten, in welchem sie 144 Sorten detailgetreu vorstellt. Nicht um knackige Motive, sondern hauptsächlich um Blumen und Blätter geht es es in ihrem neuen Werk „Überwältigende Blüten“ und schon beim ersten Durchblättern stellt man fest, dass der Titel nicht zu viel verspricht.
Im Vorwort „Von der Blume zum Bild“ verrät die Malerin, dass sie andauernd Objekte und Motive sammelt und wie sie beim Malen vorgeht. Ihre grossformatigen Werke entstehen Schritt für Schritt und stellen sie laufend vor die Entscheidung zwischen „was kann weggelassen werden?“ und „was ist unentbehrlich?“ Sie beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Pinsel in der Hand mit der Botanik, vielmehr liebt sie auch den direkten Kontakt mit Pflanzen und der Erde. Ihr eigener Garten dient denn auch als wichtige Inspirationsquelle.
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis gibt weitere Vorlieben preis: mit „Vielfalt im Garten“, „Die Magie der strahlenden oder düsteren Exoten“, „Die Faszination der Orchideen“ und „Die Suche nach der schwarzen Iris“ sind einige der Kapitel überschrieben. Auch Rosie Sanders Faible für dunkle Pflanzen ist nicht zu übersehen und im Buch finden sich dazu wunderschöne Bilder von Gladiolen, Tulpen und Iris. “Überwältigende Blüten“ ist aber kein reines Bilderbuch. Denn neben der Einleitung hat Andreas Honegger passend zu den abgebildeten Pflanzen Texte mit wissenswerten botanischen Hintergrundinformationen verfasst.
Durch das genaue Beobachten beim Malen lernt die Künstlerin selber die Pflanzen sehr genau kennen. Genau so hat sie erst festgestellt, dass etwa Amaryllis gar keine steifen, roten Blumen sind, sondern eine faszinierende Statur aufweisen und inzwischen schätzt sie die verschiedenen Blütenformen der vielen unterschiedlichen Sorten.
Das Buch enthält grossformatige Bilder in Aquarelltechnik, die im Laufe des letzten Jahrzehnts entstanden sind und die eine Präzision im Pinselstrich aufweisen, welche die Betrachterin nur neidlos und respektvoll zur Kenntnis nehmen kann. Die Künstlerin spielt mit Formen, Struktur und Mustern und dabei entstehen üppige, farbenfrohe Werke von oft grossblumigen Blüten wie Cannas, Schwertlilien und Fledermausblumen. Dazwischen sind aber auch zarte Motive zu finden wie die Schachbrettblumen und die Wiesenbewohner am Anfang und am Ende des Buches. Eines haben sie alle gemeinsam: die Bilder sind perfekt – samt der Flecken und vertrocknenden Stellen, die von der Vergänglichkeit der Motive zeugen, vor denen die wunderschönen Werke glücklicherweise verschont sind.
Worte können diesen Bildern kaum gerecht werden. Doch im Internet lassen sich mühelos etliche von Rosie Sanders Werken anschauen. In einem YouTube-Kurzfilm erhält man Einblick in den Garten und das Atelier der Künstlerin und man kann ihr sogar beim Ziehen von Pinselstrichen über die Schulter schauen. Das Malen eines Kamelienblatts sieht eigentlich gar nicht so schwierig aus…
Rosie Sanders:
Überwältigende Blüten
Elisabeth Sandmann Verlag, 2015
Im Vorwort „Von der Blume zum Bild“ verrät die Malerin, dass sie andauernd Objekte und Motive sammelt und wie sie beim Malen vorgeht. Ihre grossformatigen Werke entstehen Schritt für Schritt und stellen sie laufend vor die Entscheidung zwischen „was kann weggelassen werden?“ und „was ist unentbehrlich?“ Sie beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Pinsel in der Hand mit der Botanik, vielmehr liebt sie auch den direkten Kontakt mit Pflanzen und der Erde. Ihr eigener Garten dient denn auch als wichtige Inspirationsquelle.
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis gibt weitere Vorlieben preis: mit „Vielfalt im Garten“, „Die Magie der strahlenden oder düsteren Exoten“, „Die Faszination der Orchideen“ und „Die Suche nach der schwarzen Iris“ sind einige der Kapitel überschrieben. Auch Rosie Sanders Faible für dunkle Pflanzen ist nicht zu übersehen und im Buch finden sich dazu wunderschöne Bilder von Gladiolen, Tulpen und Iris. “Überwältigende Blüten“ ist aber kein reines Bilderbuch. Denn neben der Einleitung hat Andreas Honegger passend zu den abgebildeten Pflanzen Texte mit wissenswerten botanischen Hintergrundinformationen verfasst.
Durch das genaue Beobachten beim Malen lernt die Künstlerin selber die Pflanzen sehr genau kennen. Genau so hat sie erst festgestellt, dass etwa Amaryllis gar keine steifen, roten Blumen sind, sondern eine faszinierende Statur aufweisen und inzwischen schätzt sie die verschiedenen Blütenformen der vielen unterschiedlichen Sorten.
Das Buch enthält grossformatige Bilder in Aquarelltechnik, die im Laufe des letzten Jahrzehnts entstanden sind und die eine Präzision im Pinselstrich aufweisen, welche die Betrachterin nur neidlos und respektvoll zur Kenntnis nehmen kann. Die Künstlerin spielt mit Formen, Struktur und Mustern und dabei entstehen üppige, farbenfrohe Werke von oft grossblumigen Blüten wie Cannas, Schwertlilien und Fledermausblumen. Dazwischen sind aber auch zarte Motive zu finden wie die Schachbrettblumen und die Wiesenbewohner am Anfang und am Ende des Buches. Eines haben sie alle gemeinsam: die Bilder sind perfekt – samt der Flecken und vertrocknenden Stellen, die von der Vergänglichkeit der Motive zeugen, vor denen die wunderschönen Werke glücklicherweise verschont sind.
Worte können diesen Bildern kaum gerecht werden. Doch im Internet lassen sich mühelos etliche von Rosie Sanders Werken anschauen. In einem YouTube-Kurzfilm erhält man Einblick in den Garten und das Atelier der Künstlerin und man kann ihr sogar beim Ziehen von Pinselstrichen über die Schulter schauen. Das Malen eines Kamelienblatts sieht eigentlich gar nicht so schwierig aus…
Rosie Sanders:
Überwältigende Blüten
Elisabeth Sandmann Verlag, 2015
1. Juni 2015
John Wyndham: Die Triffids (Buch und DVD)
Fleischfressende Pflanzen haben immer wieder die Fantasie von Schriftstellern beflügelt und verschiedene dieser literarischen Vorlagen sind auch auf die Leinwand gebracht worden. Während ich von „Die Saat des Bösen“ (Film von Paul Ziller) und „The Little Shop of Horrors“ nur die Film- bzw. Theaterversionen kenne, habe ich die „Triffids“ von John Wyndham im Jahr 2006 mit der Buchausgabe aus dem ehemaligen Verlag Heinrich und Hahn kennengelernt.
Die englische Originalausgabe "The Day of the Triffids" erschien 1951. Das Buch zählt inzwischen zu den Klassikern und ist auch mehrfach verfilmt worden. Anlässlich des 50. Jahrestags hat Simon Clark eine autorisierte Fortsetzung mit dem Titel „The Night of the Triffids“ geschrieben.
Wer sind denn die „Triffids“? Das sind wandelnde Pflanzen, ursprünglich gezüchtet, um Öl aus ihnen zu gewinnen. Plump und in Fussgängergeschwindigkeit bewegen sich die seltsamen Gewächse fort. Sie können nicht nur miteinander kommunizieren, sondern ihren Opfern auch tödliche Stiche verabreichen.
Als ein Kometenschauer rund um den Erdball zieht, blickt ein Grossteil der Menschheit in den Himmel und schaut dem faszinierenden Schauspiel zu - nicht ahnend, welche Folgen dieses Vergnügen haben wird. Über Nacht erblinden die meisten Menschen, worauf das gewöhnliche Alltagsleben völlig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig schlägt die Stunde der „Triffids“, die überall auf ihre hilflosen Opfer lauern.
Die wenigen Menschen, die noch sehen können, stehen vor der Entscheidung, ihre eigenen moralischen Verpflichtungen über Bord zu werfen oder sich den vielen unüberwindbaren Aufgaben, die sich über Nacht aufgetan haben, zu stellen. Denn selbst wenn in einer Grossstadt wie London nur wenige „normal“ handlungsfähige Menschen übrig bleiben, heisst das noch lange nicht, dass sich diese darüber einig sind, wie die Zukunft gestaltet werden soll.
Und hier gleich noch ein weiterer thematisch passender Buchtipp: Die Kurzgeschichte „Die seltsame Orchidee“ von Herbert G. Wells bedient sich Elementen aus Science-Fiction und dem Horror-Genre. Der Autor berichtet vom einsamen Orchideensammler Wedderburn, der ein langweiliges Leben führt, bis plötzlich aus einer verschrumpelten Knolle eine besondere Pflanze wächst und ihm mehr Aufregung als lieb verschafft.
Übrigens sind alle in diesem Post erwähnten Filme nichts für schwache Nervern...
John Wyndham:
Die Triffids
Verschiedene Ausgaben auf Deutsch und Englisch erhältlich
Simon Clark:
The Night of the Triffids
Verschiedene Englische Ausgaben erhältlich
Die Triffids – Pflanzen des Schreckens von Nick Copus
DVD / Produktion aus dem Jahr 2009
The Day oft he Triffids – BBC-Serie
DVD / Produktion aus dem Jahr 1981
The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens von Steve Sekely
DVD / Produktion aus dem Jahr 1962
Die englische Originalausgabe "The Day of the Triffids" erschien 1951. Das Buch zählt inzwischen zu den Klassikern und ist auch mehrfach verfilmt worden. Anlässlich des 50. Jahrestags hat Simon Clark eine autorisierte Fortsetzung mit dem Titel „The Night of the Triffids“ geschrieben.
Wer sind denn die „Triffids“? Das sind wandelnde Pflanzen, ursprünglich gezüchtet, um Öl aus ihnen zu gewinnen. Plump und in Fussgängergeschwindigkeit bewegen sich die seltsamen Gewächse fort. Sie können nicht nur miteinander kommunizieren, sondern ihren Opfern auch tödliche Stiche verabreichen.
Als ein Kometenschauer rund um den Erdball zieht, blickt ein Grossteil der Menschheit in den Himmel und schaut dem faszinierenden Schauspiel zu - nicht ahnend, welche Folgen dieses Vergnügen haben wird. Über Nacht erblinden die meisten Menschen, worauf das gewöhnliche Alltagsleben völlig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig schlägt die Stunde der „Triffids“, die überall auf ihre hilflosen Opfer lauern.
Die wenigen Menschen, die noch sehen können, stehen vor der Entscheidung, ihre eigenen moralischen Verpflichtungen über Bord zu werfen oder sich den vielen unüberwindbaren Aufgaben, die sich über Nacht aufgetan haben, zu stellen. Denn selbst wenn in einer Grossstadt wie London nur wenige „normal“ handlungsfähige Menschen übrig bleiben, heisst das noch lange nicht, dass sich diese darüber einig sind, wie die Zukunft gestaltet werden soll.
Und hier gleich noch ein weiterer thematisch passender Buchtipp: Die Kurzgeschichte „Die seltsame Orchidee“ von Herbert G. Wells bedient sich Elementen aus Science-Fiction und dem Horror-Genre. Der Autor berichtet vom einsamen Orchideensammler Wedderburn, der ein langweiliges Leben führt, bis plötzlich aus einer verschrumpelten Knolle eine besondere Pflanze wächst und ihm mehr Aufregung als lieb verschafft.
Übrigens sind alle in diesem Post erwähnten Filme nichts für schwache Nervern...
John Wyndham:
Die Triffids
Verschiedene Ausgaben auf Deutsch und Englisch erhältlich
Simon Clark:
The Night of the Triffids
Verschiedene Englische Ausgaben erhältlich
Die Triffids – Pflanzen des Schreckens von Nick Copus
DVD / Produktion aus dem Jahr 2009
The Day oft he Triffids – BBC-Serie
DVD / Produktion aus dem Jahr 1981
The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens von Steve Sekely
DVD / Produktion aus dem Jahr 1962
23. Mai 2015
Gabriele Tergit: Der glückliche Gärtner
Vor Jahresfrist habe ich die Buchvorstellung "Der alte Garten" von Gabriele Tergit abgeschlossen mit der Hoffnung, dass der zweite Teil auch bald neu erscheinen möge. Das Warten war diesmal von kurzer Dauer, denn „Der glückliche Gärtner“ enthält nun die Fortsetzung des 1958 unter dem Titel „Kaiserkron und Päonien rot. Kleine Kulturgeschichte der Blumen“ erstmals erschienen Buches.
So geht es nun also weiter mit Blumengeschichten und Geschichtlichem über die Blume. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät, über welche hortikulturellen Schönheiten dieses Mal berichtet wird:
- Ein Leben für Veilchen und ein Tod wegen einer Kamelie
- Die Arbeiterblume
- Herkunft und Verbreitung der Rose
- Blumen aus Asien: Päonien, Hortensie
- Dahlienwut
- Die geheimnisvolle Reseda
- Eine brillante Karriere durch die Victoria regia
- Die Erfindung des Staudengartens
Arbeiterblumen wurden seinerzeit nur von Arbeitern gezogen und weitergezüchtet. Hier ist von Textilarbeitern und ihrer Blumenzüchterleidenschaft die Rede, die zur Gründung von Blumenzüchterclubs und Blumengesellschaften führte. Zu den züchterischen Höhepunkten zählten die Blumenausstellungen mit Preisverteilung. Was sind denn aber Arbeiterblumen? Aurikeln, Anemonen, Hyazinthen, Tulpen, Ranunkeln, Nelken, und Primeln zählten zu dieser Spezies. Die intensive Beschäftigung der Arbeiter mit ihren Pflanzen und ihre Erfahrung führten zu ausgezeichneten Resultaten, sprich Züchtungen. Züchtungen, die sogar jene von gelernten Gärtnern übertraf.
An anderer Stelle wundert sich Gabriele Tergit darüber, dass in öffentlichen Anlagen immer wieder die gleichen Blumen verwendet werden. Während in England Geranien, Lobelien und weisser Duftsteinrich häufig Verwendung finden, werden in Frankreich Sedum und Begonien bevorzugt und in Deutschland Stiefmütterchen, Petunien sowie Geranien. Diese Zeilen hat die Autorin vor Jahrzehnten geschrieben und seither hat sich auch in den europäischen Blumenrabatten einiges verändert. In grossen französischen Städten wie Lyon, Nancy, Metz, Calais und Paris habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder an wunderschönen, farblich harmonisch abgestimmten Staudenbeeten in öffentlichen Parkanlagen erfreut. Auch entlang des hiesigen ehemaligen Versicherungshauptsitzes, der nun in eine französischen Firma integriert ist und den Namen der Stadt nicht mehr in die Welt herausträgt, sind die farbenfrohen Stiefmütterchen längst einer abwechslungsreicheren Staudenbepflanzung gewichen, indessen die Stadtgärtnerei in ihren Pflanzschemen immer noch häufig auf riesige Mengen der gleichen Blumen setzt.
Haben Sie übrigens gewusst, dass Goethe gerne durchgesetzt hätte, dass das Stiefmütterchen als “Gedenke mein“ bezeichnet wird, sich aber damit nicht durchsetzen konnte? Ich schliesse das Thema Stiefmütterchen damit ab, während Gabriele Tergit dazu noch mehr zu erzählen hat. Sie wusste aber auch zu berichten, dass Napoleon ständig eine goldene Kapsel mit zwei getrockneten Veilchen auf sich trug und dass Josephines Rosen auch zu Kriegszeiten sämtliche feindlichen Linien überwunden haben, um in Malmaison zu blühen.
In einer Blumengeschichten-Sammlung darf natürlich auf die Geschichte von Commerçon und Baret bzw. Hortense nicht fehlen und auch weitere Pflanzenjägerschicksale werden erwähnt. Dann geht es um die Chrysanthemenzüchtung, Spekulationen rund um die Kamelienwut, die erste wilde Blume - eine blaue Orchidee -, die per Gesetz vor der Ausrottung geschützt wurde und darüber, woher die Nerinen stammen. Ein aus Japan kommender holländischer Kahn erlitt im Kanal Schiffbruch. Die an Bord mitgeführten Pflanzen und Zwiebeln der Nerinen oder Guernsey-Lilien fühlten sich auf der gleichnamigen Kananlinsel sehr wohl und waren in London äusserst beliebt, aber erst viele Jahrzehnte später wurde herausgefunden, dass die Pflanzen gar nicht wie angenommen aus Japan stammen, sondern vom Tafelberg in Südafrika. Gabriele Terigit weiss auch, wie zufälligerweise das Herstellen von Rosenöl entdeckt wurde und sie berichtet von einem Zwiebelparfum, dank welchem auf Kommando Tränen fliessen und warum zur Lilienblütenzeit in irischen Gärten ausgemacht werden kann, ob ein katholischer oder ein protestantischer Gärtner am Werk ist.
Gabriele Tergit:
Der glückliche Gärtner
Schöffling und Co., 20015
So geht es nun also weiter mit Blumengeschichten und Geschichtlichem über die Blume. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät, über welche hortikulturellen Schönheiten dieses Mal berichtet wird:
- Ein Leben für Veilchen und ein Tod wegen einer Kamelie
- Die Arbeiterblume
- Herkunft und Verbreitung der Rose
- Blumen aus Asien: Päonien, Hortensie
- Dahlienwut
- Die geheimnisvolle Reseda
- Eine brillante Karriere durch die Victoria regia
- Die Erfindung des Staudengartens
Arbeiterblumen wurden seinerzeit nur von Arbeitern gezogen und weitergezüchtet. Hier ist von Textilarbeitern und ihrer Blumenzüchterleidenschaft die Rede, die zur Gründung von Blumenzüchterclubs und Blumengesellschaften führte. Zu den züchterischen Höhepunkten zählten die Blumenausstellungen mit Preisverteilung. Was sind denn aber Arbeiterblumen? Aurikeln, Anemonen, Hyazinthen, Tulpen, Ranunkeln, Nelken, und Primeln zählten zu dieser Spezies. Die intensive Beschäftigung der Arbeiter mit ihren Pflanzen und ihre Erfahrung führten zu ausgezeichneten Resultaten, sprich Züchtungen. Züchtungen, die sogar jene von gelernten Gärtnern übertraf.
An anderer Stelle wundert sich Gabriele Tergit darüber, dass in öffentlichen Anlagen immer wieder die gleichen Blumen verwendet werden. Während in England Geranien, Lobelien und weisser Duftsteinrich häufig Verwendung finden, werden in Frankreich Sedum und Begonien bevorzugt und in Deutschland Stiefmütterchen, Petunien sowie Geranien. Diese Zeilen hat die Autorin vor Jahrzehnten geschrieben und seither hat sich auch in den europäischen Blumenrabatten einiges verändert. In grossen französischen Städten wie Lyon, Nancy, Metz, Calais und Paris habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder an wunderschönen, farblich harmonisch abgestimmten Staudenbeeten in öffentlichen Parkanlagen erfreut. Auch entlang des hiesigen ehemaligen Versicherungshauptsitzes, der nun in eine französischen Firma integriert ist und den Namen der Stadt nicht mehr in die Welt herausträgt, sind die farbenfrohen Stiefmütterchen längst einer abwechslungsreicheren Staudenbepflanzung gewichen, indessen die Stadtgärtnerei in ihren Pflanzschemen immer noch häufig auf riesige Mengen der gleichen Blumen setzt.
Haben Sie übrigens gewusst, dass Goethe gerne durchgesetzt hätte, dass das Stiefmütterchen als “Gedenke mein“ bezeichnet wird, sich aber damit nicht durchsetzen konnte? Ich schliesse das Thema Stiefmütterchen damit ab, während Gabriele Tergit dazu noch mehr zu erzählen hat. Sie wusste aber auch zu berichten, dass Napoleon ständig eine goldene Kapsel mit zwei getrockneten Veilchen auf sich trug und dass Josephines Rosen auch zu Kriegszeiten sämtliche feindlichen Linien überwunden haben, um in Malmaison zu blühen.
In einer Blumengeschichten-Sammlung darf natürlich auf die Geschichte von Commerçon und Baret bzw. Hortense nicht fehlen und auch weitere Pflanzenjägerschicksale werden erwähnt. Dann geht es um die Chrysanthemenzüchtung, Spekulationen rund um die Kamelienwut, die erste wilde Blume - eine blaue Orchidee -, die per Gesetz vor der Ausrottung geschützt wurde und darüber, woher die Nerinen stammen. Ein aus Japan kommender holländischer Kahn erlitt im Kanal Schiffbruch. Die an Bord mitgeführten Pflanzen und Zwiebeln der Nerinen oder Guernsey-Lilien fühlten sich auf der gleichnamigen Kananlinsel sehr wohl und waren in London äusserst beliebt, aber erst viele Jahrzehnte später wurde herausgefunden, dass die Pflanzen gar nicht wie angenommen aus Japan stammen, sondern vom Tafelberg in Südafrika. Gabriele Terigit weiss auch, wie zufälligerweise das Herstellen von Rosenöl entdeckt wurde und sie berichtet von einem Zwiebelparfum, dank welchem auf Kommando Tränen fliessen und warum zur Lilienblütenzeit in irischen Gärten ausgemacht werden kann, ob ein katholischer oder ein protestantischer Gärtner am Werk ist.
Gabriele Tergit:
Der glückliche Gärtner
Schöffling und Co., 20015
15. Mai 2015
Kathy Stinson: Die Wahrheit über Ivy
Seit längerer Zeit ist der fünfzehnjährige David Burke für den Familiengarten verantwortlich. Er erledigt seine Arbeiten sehr gewissenhaft und führt sogar ein Gartennotizbuch, in dem er lateinische Pflanzennamen sortiert nach Blütenfarbe und Blütenzeit einträgt. Aktuell blättert er oft in seiner Enzyklopädie der Stauden, um passende Herbstblüher für den Garten auszuwählen. Aber auch im Internet stöbert er häufig auf hortikulturellen Seiten herum.
Mit der Pflege des Gartens entlastet David seine Mutter, deren Leben sich vollumfänglich um die elfjährige Ivy dreht, die mit schweren multiplen Behinderungen geboren worden ist. Überhaupt wird der Familienalltag allein durch Ivys Bedürfnisse gesteuert, die hilflos wie ein kleines Baby und damit rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist. Seit einer Operation vor drei Jahren leidet sie unter zuletzt immer häufiger auftretenden Krampfanfällen und ein weiterer Eingriff ist geplant.
David fühlt sich von seinen Eltern unverstanden. Er kann sich nur an wenige Unternehmungen allein mit Mutter und Vater erinnern und hat häufig das Gefühl, dass ihn seine Eltern nur wahrnehmen, wenn sie ihn für eine Besorgung einspannen wollen. Wenn er mit Ivy unterwegs ist, schämt er sich oft für seine jüngere Schwester oder fühlt sich peinlich berührt. Daneben gibt es aber auch schöne Momente. Ivy liebt Wasser, Regenbogen, durch die Bäume tanzendes Sonnenlicht und sie kichert oft und gern und mag es, ihrem Bruder beim Gärtnern zuzuschauen, etwa wenn er Delphinium von Coreopsis trennt.
Als Ivy in den Ferien beim Schwimmen tödlich verunglückt, verändert sich das Leben der Familie Burke drastisch. Genau zum Zeitpunkt des Unfalls war David mit dem kürzlich ins Nachbarhaus eingezogenen Mädchen Hannah unterwegs und so glücklich wie selten. Davids Gefühle drehen sich im Kreis – Erleichterung vermischt sich mit Schuldgefühlen und der Frage, ob und was Hannah für ihn empfindet. Immer mal wieder hat sich der pubertierende Junge gewünscht, er wäre ein Einzelkind. Nun ist er wieder das einzige (lebende) Kind seiner Eltern und er merkt, dass sich gar nichts geändert hat. Und schon gar nicht zum Besseren. Obwohl David seine Schwester häufig als Belastung empfunden hat, vermisst er sie stark und würde sich gerne für sein ab und zu unrühmliches Verhalten bei ihr entschuldigen.
Dann tauchen von verschiedenen Seiten Gerüchte auf: Davids Vater soll Schuld an Ivys Tod sein. Hat er tatsächlich nicht alles menschenmögliche getan, um seine Tochter während ihrem Krampfanfall im Wasser ans wohl rettende Ufer zu tragen?
Wer entscheidet, wann und welches Leben lebenswert ist? Was, wenn die betreffende Person sich nicht selber ausdrücken kann? Hat Davids Vater tatsächlich Schuld auf sich geladen? Kathy Stinson regt mit diesem Jugendbuch zum Nachdenken an. Sie wirft viele Fragen auf, liefert aber keine Antworten. Eine recht kurze Erzählung, die inhaltlich umso länger bewegt und nachhallt.
Kathy Stinson:
Die Wahrheit über Ivy
cbt, 2014
Mit der Pflege des Gartens entlastet David seine Mutter, deren Leben sich vollumfänglich um die elfjährige Ivy dreht, die mit schweren multiplen Behinderungen geboren worden ist. Überhaupt wird der Familienalltag allein durch Ivys Bedürfnisse gesteuert, die hilflos wie ein kleines Baby und damit rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist. Seit einer Operation vor drei Jahren leidet sie unter zuletzt immer häufiger auftretenden Krampfanfällen und ein weiterer Eingriff ist geplant.
David fühlt sich von seinen Eltern unverstanden. Er kann sich nur an wenige Unternehmungen allein mit Mutter und Vater erinnern und hat häufig das Gefühl, dass ihn seine Eltern nur wahrnehmen, wenn sie ihn für eine Besorgung einspannen wollen. Wenn er mit Ivy unterwegs ist, schämt er sich oft für seine jüngere Schwester oder fühlt sich peinlich berührt. Daneben gibt es aber auch schöne Momente. Ivy liebt Wasser, Regenbogen, durch die Bäume tanzendes Sonnenlicht und sie kichert oft und gern und mag es, ihrem Bruder beim Gärtnern zuzuschauen, etwa wenn er Delphinium von Coreopsis trennt.
Als Ivy in den Ferien beim Schwimmen tödlich verunglückt, verändert sich das Leben der Familie Burke drastisch. Genau zum Zeitpunkt des Unfalls war David mit dem kürzlich ins Nachbarhaus eingezogenen Mädchen Hannah unterwegs und so glücklich wie selten. Davids Gefühle drehen sich im Kreis – Erleichterung vermischt sich mit Schuldgefühlen und der Frage, ob und was Hannah für ihn empfindet. Immer mal wieder hat sich der pubertierende Junge gewünscht, er wäre ein Einzelkind. Nun ist er wieder das einzige (lebende) Kind seiner Eltern und er merkt, dass sich gar nichts geändert hat. Und schon gar nicht zum Besseren. Obwohl David seine Schwester häufig als Belastung empfunden hat, vermisst er sie stark und würde sich gerne für sein ab und zu unrühmliches Verhalten bei ihr entschuldigen.
Dann tauchen von verschiedenen Seiten Gerüchte auf: Davids Vater soll Schuld an Ivys Tod sein. Hat er tatsächlich nicht alles menschenmögliche getan, um seine Tochter während ihrem Krampfanfall im Wasser ans wohl rettende Ufer zu tragen?
Wer entscheidet, wann und welches Leben lebenswert ist? Was, wenn die betreffende Person sich nicht selber ausdrücken kann? Hat Davids Vater tatsächlich Schuld auf sich geladen? Kathy Stinson regt mit diesem Jugendbuch zum Nachdenken an. Sie wirft viele Fragen auf, liefert aber keine Antworten. Eine recht kurze Erzählung, die inhaltlich umso länger bewegt und nachhallt.
Kathy Stinson:
Die Wahrheit über Ivy
cbt, 2014
8. Mai 2015
Andreas Barlage: Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Von Taglilien, Pfingstrosen, Maiglöckchen, Duftveilchen, Winterastern, Islandmohn, Wicken, Königslilien, Dahlien, Wildtulpen, Rosen und viele anderen Blumen mehr schwärmt Andreas Barlage in diesem sehr persönlichen Buch und offenbart ein grosses Herz mit viel Platz für blühende Schönheiten. Ein kurzer hortikultureller Lebenslauf am Anfang der Publikation gibt einen Einblick in die zahlreichen Gärten, die in seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten einen wichtigen Platz eingenommen haben.
Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.
Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.
Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.
Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.
Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.
Andreas Barlage:
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Jan Thorbecke Verlag, 2013
Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.
Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.
Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.
Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.
Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.
Andreas Barlage:
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Jan Thorbecke Verlag, 2013
1. Mai 2015
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt
Wer Globi ist, muss hierzulande wohl keinem Kind erklärt werden. Auch ich habe noch einzelne Globi-Bücher aus meiner Kindheit und als die Nachwuchs-Sofagärtner noch kleiner waren, wurde die Sammlung regelmässig um neue Bücher und Cassetten erweitert. Letztere kommen übrigens auch heute noch ab und zum Einsatz. Vor einigen Jahren haben wir deshalb auch mit grossem Interesse die Globi-Ausstellung über den Werdegang von der Werbe- zur Kultfigur im hiesigen Gewerbemuseum besucht. Mit „Globi und der Planet Erde“ hat nun erstmals ein Globi-Sachbuch den Weg in unseren Haushalt gefunden.
Am Anfang des Buches steht unerwartet Besuch vor Globis Haustüre. Auf der Schwelle wartet ein ganz besonderer Patient darauf, dass ihm geöffnet wird, nämlich der blaue Planet. Diesem geht es gar nicht gut. Das lässt sich unschwer aus den eindrücklichen Illustrationen erkennen und wird im Text auch entsprechend nachdrücklich bestätigt. Die Erde leidet nicht an Masern oder Windpocken, nein, sie „hat“ Menschen, und diese machen seit über hundert Jahren immer häufiger Dinge, die ihr nicht gut tun. Der Blitzbesuch des stöhnenden Patienten endet mit der Bitte an Globi, den Menschen klar zu machen, dass es nur eine Erde gibt und jeder persönlich zu ihr Sorge tragen muss.
Globi nimmt die ernste Aufgabe an und das Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit geschieht mit einem Ausflug, den er am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden unternimmt. Die Wahl des Fortbewegungsmittels fällt umweltbewusst auf Zug und Bus. Die Reisezeit wird mit Spielen für unterwegs überbrückt und auch der Nachteil in Form von gelegentlich längeren Wartezeiten auf Anschlüsse wird nicht verschwiegen.Das Buch liefert neben Ideen für Spiele Gründe, weshalb man weniger Autofahren soll, stellt das sparsamste und das durstigste Auto vor und erklärt, wie solche Fahrzeuge betrieben werden. Immer öfter kommen Mais und Zuckerrohr als Benzinersatz in den Tank und beanspruchen riesige Anbauflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel gebraucht würden. Damit sind Globi und seine Freunde am Start einer Wanderung durch ein Hochmoor angekommen - Gelegenheit, über die vielen tierischen und pflanzlichen Bewohner dieses Landstrichs zu erfahren und über die Problematik des Torfabbaus.
Der Ausflug ist genau wie die Themenvielfalt damit noch lange nicht zu Ende. Kapitel mit Überschriften wie „Welche Pflanze wächst für wen?“, „Schlau einkaufen, wie geht das?“, „Warum ohne Wasser gar nichts läuft“ und „Wie man ein gutes Klima schafft“ vermitteln weiterhin spielerisch Basiswissen über Ökologie und Respekt vor der Natur. In Kurzportraits werden bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die sich für die Natur einsetzen oder eingesetzt haben, wie etwa Sir David Attenborough (geb. 1926), der seit vielen Jahren den Wundern der Natur auf der Spur ist, oder der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und der Insektenzähler Jean-Henri Fabre (1823-1915).
In die grosszügig illustrierte Lektüre rund um das Thema Nachhaltigkeit eingebettet sind auch Rätsel und Bastelvorschläge und die kleinen Leser lernen, dass „Schweizerhose“ nicht der Name für Globis Markenzeichen, die schwarz-rot-karierte Hose ist , sondern der Name einer süssen, saftigen Birne, während der grosse Leser sich bei der „Geschichte vom kurzsichtigen Herrscher“ an eine Sequenz aus dem beeindrucken Film „More than Honey“ von Markus Imhoof erinnert. Auch auf den als irrsinnig zu bezeichnenden Produktionsweg von billigen Massen-T-Shirts samt der langen Reise deren einzelner Bestandteile durch Europa und Asien wird hingewiesen.
Während Jahrhunderten, nein während Jahrtausenden hat das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben von Mensch und Natur funktioniert. Die Waage ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Rohstoffe werden knapper, die Artenvielfalt geht zurück und die Umweltverschmutzung ist eines der grössten zu lösenden Problemen der Erdbewohner.
Alle diese Erlebnisse sind in einen ereignisreichen Tag gepackt, der hoffentlich sowohl den kleinen wie den grossen Leserinnen und Lesern in nachhaltiger Erinnerung bleibt. Im Anhang werden schliesslich noch Begriffe von Bio, Biodivesität über Foodprofil, Graue Energie, Minergie bis Zertifizierung erklärt und den Abschluss bildet Globis Schlusswort: Meine Welt ist deine Welt, ist unsere Welt.
Liz Sutter (Text) und Daniel Müller (Illustrator):
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt
Orell Füssli Verlag/Globi Verlag, 2015
Am Anfang des Buches steht unerwartet Besuch vor Globis Haustüre. Auf der Schwelle wartet ein ganz besonderer Patient darauf, dass ihm geöffnet wird, nämlich der blaue Planet. Diesem geht es gar nicht gut. Das lässt sich unschwer aus den eindrücklichen Illustrationen erkennen und wird im Text auch entsprechend nachdrücklich bestätigt. Die Erde leidet nicht an Masern oder Windpocken, nein, sie „hat“ Menschen, und diese machen seit über hundert Jahren immer häufiger Dinge, die ihr nicht gut tun. Der Blitzbesuch des stöhnenden Patienten endet mit der Bitte an Globi, den Menschen klar zu machen, dass es nur eine Erde gibt und jeder persönlich zu ihr Sorge tragen muss.
Globi nimmt die ernste Aufgabe an und das Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit geschieht mit einem Ausflug, den er am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden unternimmt. Die Wahl des Fortbewegungsmittels fällt umweltbewusst auf Zug und Bus. Die Reisezeit wird mit Spielen für unterwegs überbrückt und auch der Nachteil in Form von gelegentlich längeren Wartezeiten auf Anschlüsse wird nicht verschwiegen.Das Buch liefert neben Ideen für Spiele Gründe, weshalb man weniger Autofahren soll, stellt das sparsamste und das durstigste Auto vor und erklärt, wie solche Fahrzeuge betrieben werden. Immer öfter kommen Mais und Zuckerrohr als Benzinersatz in den Tank und beanspruchen riesige Anbauflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel gebraucht würden. Damit sind Globi und seine Freunde am Start einer Wanderung durch ein Hochmoor angekommen - Gelegenheit, über die vielen tierischen und pflanzlichen Bewohner dieses Landstrichs zu erfahren und über die Problematik des Torfabbaus.
Der Ausflug ist genau wie die Themenvielfalt damit noch lange nicht zu Ende. Kapitel mit Überschriften wie „Welche Pflanze wächst für wen?“, „Schlau einkaufen, wie geht das?“, „Warum ohne Wasser gar nichts läuft“ und „Wie man ein gutes Klima schafft“ vermitteln weiterhin spielerisch Basiswissen über Ökologie und Respekt vor der Natur. In Kurzportraits werden bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die sich für die Natur einsetzen oder eingesetzt haben, wie etwa Sir David Attenborough (geb. 1926), der seit vielen Jahren den Wundern der Natur auf der Spur ist, oder der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und der Insektenzähler Jean-Henri Fabre (1823-1915).
In die grosszügig illustrierte Lektüre rund um das Thema Nachhaltigkeit eingebettet sind auch Rätsel und Bastelvorschläge und die kleinen Leser lernen, dass „Schweizerhose“ nicht der Name für Globis Markenzeichen, die schwarz-rot-karierte Hose ist , sondern der Name einer süssen, saftigen Birne, während der grosse Leser sich bei der „Geschichte vom kurzsichtigen Herrscher“ an eine Sequenz aus dem beeindrucken Film „More than Honey“ von Markus Imhoof erinnert. Auch auf den als irrsinnig zu bezeichnenden Produktionsweg von billigen Massen-T-Shirts samt der langen Reise deren einzelner Bestandteile durch Europa und Asien wird hingewiesen.
Während Jahrhunderten, nein während Jahrtausenden hat das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben von Mensch und Natur funktioniert. Die Waage ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Rohstoffe werden knapper, die Artenvielfalt geht zurück und die Umweltverschmutzung ist eines der grössten zu lösenden Problemen der Erdbewohner.
Alle diese Erlebnisse sind in einen ereignisreichen Tag gepackt, der hoffentlich sowohl den kleinen wie den grossen Leserinnen und Lesern in nachhaltiger Erinnerung bleibt. Im Anhang werden schliesslich noch Begriffe von Bio, Biodivesität über Foodprofil, Graue Energie, Minergie bis Zertifizierung erklärt und den Abschluss bildet Globis Schlusswort: Meine Welt ist deine Welt, ist unsere Welt.
Liz Sutter (Text) und Daniel Müller (Illustrator):
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt
Orell Füssli Verlag/Globi Verlag, 2015
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