Die dreiunddreissigjährige Gaby Flores wartet immer noch auf den richtigen Lebenspartner. Doch im Moment hat sie ganz andere Sorgen, denn ihr Leben bricht gerade an allen Ecken und Enden auseinander. Ihre Wohnung ist samt Hab und Gut ausgebrannt und ihr engster Mitarbeiter hat ihr Blumengeschäft „Florally Yours“ ausgeraubt. Und als hätte sie noch nicht genügend Sorgen, fürchtet sie um die Gesundheit ihrer Mutter und sie muss sich mit einer Anklage auseinandersetzen. Angeblich hat sie einer Braut mit falsch ausgewählten Blumen den schönsten Tag verdorben. Von der Klägerin ausgesuchte Blumen, welche Gaby entgegen ihren Empfehlungen unbedingt verwenden musste und die wie von ihr befürchtet und vorhergesehen ein farbliches und duftiges Desaster ausgelöst haben.
Eine Freundin eröffnet im Internet einen Blog für Gaby. In diesem Webtagebuch soll sie regelmässig rund um Blumen und florale Kunstwerke schreiben, um potentielle Kundinnen und Kunden in den Laden zu locken. Mit welchen einfachen Hilfsmitteln können Schnittblumen länger haltbar gemacht werden? Wie gestalte ich ein spektakuläres Blumenarrangement? Die Floristin steht dieser Idee skeptisch gegenüber und die wenigen Kunden, die noch den Weg in ihr Geschäft finden, scheinen ihr Recht zu geben.
Gabys Mutter bestreitet ihren Lebensunterhalt ohne männliche Unterstützung seit jeher erfolgreich durch den Verkauf von frischen Schnittblumen an einem Stand am Highway. Und schon als kleines Mädchen war für Gaby klar, dass auch sie mit Blumen arbeiten will und sie hat dieses Ziel konsequent verfolgt. Doch machen ihr Blumenladen und die Floristik wirklich ihren Traumjob aus oder kann sie ihre Kreativität auch anders ausleben?
Ausgerechnet jetzt, wo das Geld sowieso schon knapp ist, steht eine grössere Autoreparatur ins Haus. Dafür löst sich ihr Wohnproblem wie von selbst. Sie kommt als Untermieterin in einem Loft unter, dessen Vermieter selten anwesend ist. Als dieser auftaucht, entpuppt er sich als überaus attraktiver Mann. Gleichzeitig wird Gaby von einer Nachbarin mit bösartigem Klatsch und Tratsch bedacht und vor dem angeblichen Frauenheld gewarnt. Doch das Herz der Blumenkünstlerin schlägt im Augenblick für den Automechaniker und dieser scheint ihre Sympathie zu erwidern.
Gute Freunde unterstützen die junge Frau – ganz offen und auch im Geheimen. Zum Trostprogramm gehören auch regelmässig Schokoladetrüffel. Und trotz verschiedenen Rückschlägen verliert Gaby nie (ganz) die Hoffnung und glaubt an einen von Gott vorgezeichneten Weg. Das ziemlich abrupte Romanende ist wenig überraschend, auch wenn die Autorin für die Leserin etliche Umwege eingebaut hat.
Julie Carobini:
Truffles by the Sea
Bethany House, 2008
1. Oktober 2016
20. September 2016
Madeleine Hunter: Lady Daphnes Verehrer
Die (angeblich) verwitwete Daphne Joyes führt mit Unterstützung von anderen Frauen die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Als mittellose Tochter eines Edelmannes ist sie auf sich selber gestellt und auf die Einkünfte angewiesen, die sie aus dem Verkauf ihrer Blumen und Grünpflanzen für Gartenpartys, Hochzeiten und Wintergärten erzielt, welche mit dem Fuhrwerk in die Stadt geliefert werden.
Als der Besitzer ihres für einen bescheidenen Preis gepachteten Grundstückes und Hauses stirbt, wird sie entgegen ihrer Hoffnungen und Erwartungen nicht begünstigt, sondern muss im Gegenteil befürchten, ihre geschäftlichen Grundlagen zu verlieren. Als Erbe eingesetzt worden ist Tristan von Castleford, ein Herzog mit zweifelhaftem Ruf. Der Frauenheld ist meist betrunken und pflegt nur am Dienstag solange auf Alkohol zu verzichten, bis er seine dringendsten Geschäfte erledigt hat.
Geheimnisse ziehen den Herzog mindestens so fest an wie schöne Frauen. Deshalb will er auch rasch möglichst herausfinden, warum ausgerechnet er diesen Landstrich sowie einige andere geerbt hat. Ohne seinen Besuch anzukündigen, taucht er deshalb in der Gärtnerei auf. Während Daphne um ihre Lebensgrundlagen fürchtet, fühlt sich der Herzog von der kühlen, beherrschten Frau angezogen und gibt ihr dies auch unmissverständlich zu verstehen.
Die junge Frau weist ihn aber ebenso klar wiederholt zurück. Ihr Verhalten spornt den Herzog jedoch nur umso mehr an, sein angepeiltes Ziel zu erreichen. Tristen beordert Daphne in die Stadt, wo er sie weiter umwirbt und unter Druck setzt. Gleichzeitig verändert er sich zusehends zu seinen Gunsten und Daphne kommt nicht umhin, diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen und ebenso die Tatsache, dass ihr Verstand und ihr Herz völlig unterschiedlich auf die geballte herzogliche Männlichkeit reagieren. Eine weitere Verbindung zwischen den beiden ergibt sich in der Tatsache, dass beide einen gemeinsamen Feind haben, ohne die jeweiligen Gründe des anderen zu kennen. Denn nicht nur des Herzogs Vergangenheit wirft Schatten in die Gegenwart, auch Daphnes Lebenslauf verbirgt etliche Geheimnisse.
Dieses Buch (übrigens das letzte aus einer vierteiligen Serie) habe ich in der Schulmittagspause auf einem Ramsch-Tisch entdeckt. Der Titel und die Beschreibung hätten mich üblicherweise nicht zum Kauf verleitet. Die in einen historischen Hintergrund eingebundene Handlung ist wie erwartet weitgehend vorhersehbar und die wiederholt in wortreichen Details beschriebenen Bettszenen sind einiges umfangreicher als der hortikulturelle Hintergrund rund um die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Nichtsdestotrotz als eher anspruchslose Ablenkung zwischen Formel-Pauken eine durchaus nette Lektüre zum Abschalten.
Madeleine Hunter:
Lady Daphnes Verehrer
Lyx/Egmont, 2013
Als der Besitzer ihres für einen bescheidenen Preis gepachteten Grundstückes und Hauses stirbt, wird sie entgegen ihrer Hoffnungen und Erwartungen nicht begünstigt, sondern muss im Gegenteil befürchten, ihre geschäftlichen Grundlagen zu verlieren. Als Erbe eingesetzt worden ist Tristan von Castleford, ein Herzog mit zweifelhaftem Ruf. Der Frauenheld ist meist betrunken und pflegt nur am Dienstag solange auf Alkohol zu verzichten, bis er seine dringendsten Geschäfte erledigt hat.
Geheimnisse ziehen den Herzog mindestens so fest an wie schöne Frauen. Deshalb will er auch rasch möglichst herausfinden, warum ausgerechnet er diesen Landstrich sowie einige andere geerbt hat. Ohne seinen Besuch anzukündigen, taucht er deshalb in der Gärtnerei auf. Während Daphne um ihre Lebensgrundlagen fürchtet, fühlt sich der Herzog von der kühlen, beherrschten Frau angezogen und gibt ihr dies auch unmissverständlich zu verstehen.
Die junge Frau weist ihn aber ebenso klar wiederholt zurück. Ihr Verhalten spornt den Herzog jedoch nur umso mehr an, sein angepeiltes Ziel zu erreichen. Tristen beordert Daphne in die Stadt, wo er sie weiter umwirbt und unter Druck setzt. Gleichzeitig verändert er sich zusehends zu seinen Gunsten und Daphne kommt nicht umhin, diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen und ebenso die Tatsache, dass ihr Verstand und ihr Herz völlig unterschiedlich auf die geballte herzogliche Männlichkeit reagieren. Eine weitere Verbindung zwischen den beiden ergibt sich in der Tatsache, dass beide einen gemeinsamen Feind haben, ohne die jeweiligen Gründe des anderen zu kennen. Denn nicht nur des Herzogs Vergangenheit wirft Schatten in die Gegenwart, auch Daphnes Lebenslauf verbirgt etliche Geheimnisse.
Dieses Buch (übrigens das letzte aus einer vierteiligen Serie) habe ich in der Schulmittagspause auf einem Ramsch-Tisch entdeckt. Der Titel und die Beschreibung hätten mich üblicherweise nicht zum Kauf verleitet. Die in einen historischen Hintergrund eingebundene Handlung ist wie erwartet weitgehend vorhersehbar und die wiederholt in wortreichen Details beschriebenen Bettszenen sind einiges umfangreicher als der hortikulturelle Hintergrund rund um die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Nichtsdestotrotz als eher anspruchslose Ablenkung zwischen Formel-Pauken eine durchaus nette Lektüre zum Abschalten.
Madeleine Hunter:
Lady Daphnes Verehrer
Lyx/Egmont, 2013
10. September 2016
Joyce and Jim Lavene: Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery
Peggy Lee ist nach wie vor ein aktives Mitglied mehrerer botanischer Gruppen und forscht über Tomaten, Farne, Mini-Lilien und Sojabohnen. Ein weiteres aktuelles Projekt ist ein besonders nahrhafter Spinat mit dicken grünen Blättern, die exzellent schmecken, reich an Vitaminen und Eisen sind, derweilen die Pflanze sehr genügsam ist und keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt. Doch neben dieser Forschungstätigkeit warten natürlich andere neue und giftige Herausforderungen auf die umtriebige Blumenladenbesitzerin und forensische Botanikerin. Inzwischen ist sie Grossmutter einer Enkelin geworden, doch dies ist kein grosses Thema. Denn neben dem grossen ungelösten Rätsel rund um den gewaltsamen Tod ihres ersten Ehemannes, dessen (Nicht-)Auflösung sich wie ein roter Faden durch sämtliche Gartenkrimis dieser Buchreihe zieht, stehen Peggy, ihr Sohn Paul und ihr Angestellter Sam direkt im Fokus eines oder einen unzimperlichen Täters oder Täterin.
Zunächst wird in Peggys Blumenshop „Potting Shed“ randaliert und die gesamte Einrichtung samt Möbeln und Inventar kurz und klein geschlagen. Hernach stellt sich heraus, dass eine angebliche Kundin für eine Gartenumgestaltung Pflanzen im Wert von mehreren Tausend Dollars geordert hat, ohne dass die tatsächlichen Garten- und Landbesitzer etwas davon gewusst, geschweige denn einen entsprechenden Auftrag erteilt haben. Und schliesslich gerät auch noch Peggys Sohn Paul im Rahmen seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Privatdetektiv unter Mordverdacht.
Eine junge Frau wird nämlich tot aufgefunden, vergiftet durch einen präparierten Mantel. Während Peggy im Auftrag der lokalen Polizeibehörden die verwendeten Gifte analysiert, ermittelt die Polizei, dass Paul das todbringende Kleidungsstück ausgeliefert hat. Er wird daraufhin verhaftet und Peggy von den polizeilichen Ermittlungen ausgeschlossen. Die Botanikerin hat aber bereits herausgefunden, welches tödliche Unkraut, das titelgebende „Killing Weed“ ist, und durch Hautkontakt die heftigen zum Tod führenden Reaktionen verursacht hat. Doch stehend die verschiedenen Vorfälle überhaupt in einem Zusammenhang oder handelt es sich um eine zufällige Anhäufung? Falls es sich um eine strategisch durchorganisierte Kampagne handelt, wer hat ein Interesse, Peggy, ihre Familie und ihr Geschäft zu ruinieren? Die einzige Person, die in Frage zu kommen scheint, ist tot.
Neben der Suche nach Antworten auf diese beunruhigenden Fragen ist Peggy mit der Wiedereröffnung ihres Ladens beschäftigt. Das Chaos wird dank tatkräftiger Mithilfe lieber Kunden und Nachbarn schnell beseitigt, doch es gibt Probleme mit der Versicherung und der Alarmanlage, die ganz offenbar manipuliert worden ist. Neue Möbel und Ware müssen beschafft werden und ausserdem müssen die teuren Pflanzen, die ja gar nicht für eine Gartenumgestaltung benötigt werden, möglichst rasch anderweitig verkauft werden können.
Vor allen Kapiteln wird eine Pflanze kurz vorgestellt; etwa mit Informationen über nützliche Eigenschaften, den Namenspatron oder die erste Erwähnung und Entdeckung. Den Abschluss bilden wie üblich ein Einblick in Peggys Gartenjournal und ein paar Rezepte. Die letzten Romanzeilen lassen eine Fortsetzung erwarten, in der die häusliche Situation zum Thema wird. Denn auch mehrere Jahre nach dem Tod ihres ersten Ehemannes wohnt Peggy immer noch – zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Steve - in einem riesigen Haus mit Dutzenden von Räumen, das der Familie Lee gehört und wegen einer besonderen Erbschaftsregelung nie auf ihren Sohn Paul Lee übergehen kann und wird.
Joyce and Jim Lavene:
Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2015
Zunächst wird in Peggys Blumenshop „Potting Shed“ randaliert und die gesamte Einrichtung samt Möbeln und Inventar kurz und klein geschlagen. Hernach stellt sich heraus, dass eine angebliche Kundin für eine Gartenumgestaltung Pflanzen im Wert von mehreren Tausend Dollars geordert hat, ohne dass die tatsächlichen Garten- und Landbesitzer etwas davon gewusst, geschweige denn einen entsprechenden Auftrag erteilt haben. Und schliesslich gerät auch noch Peggys Sohn Paul im Rahmen seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Privatdetektiv unter Mordverdacht.
Eine junge Frau wird nämlich tot aufgefunden, vergiftet durch einen präparierten Mantel. Während Peggy im Auftrag der lokalen Polizeibehörden die verwendeten Gifte analysiert, ermittelt die Polizei, dass Paul das todbringende Kleidungsstück ausgeliefert hat. Er wird daraufhin verhaftet und Peggy von den polizeilichen Ermittlungen ausgeschlossen. Die Botanikerin hat aber bereits herausgefunden, welches tödliche Unkraut, das titelgebende „Killing Weed“ ist, und durch Hautkontakt die heftigen zum Tod führenden Reaktionen verursacht hat. Doch stehend die verschiedenen Vorfälle überhaupt in einem Zusammenhang oder handelt es sich um eine zufällige Anhäufung? Falls es sich um eine strategisch durchorganisierte Kampagne handelt, wer hat ein Interesse, Peggy, ihre Familie und ihr Geschäft zu ruinieren? Die einzige Person, die in Frage zu kommen scheint, ist tot.
Neben der Suche nach Antworten auf diese beunruhigenden Fragen ist Peggy mit der Wiedereröffnung ihres Ladens beschäftigt. Das Chaos wird dank tatkräftiger Mithilfe lieber Kunden und Nachbarn schnell beseitigt, doch es gibt Probleme mit der Versicherung und der Alarmanlage, die ganz offenbar manipuliert worden ist. Neue Möbel und Ware müssen beschafft werden und ausserdem müssen die teuren Pflanzen, die ja gar nicht für eine Gartenumgestaltung benötigt werden, möglichst rasch anderweitig verkauft werden können.
Vor allen Kapiteln wird eine Pflanze kurz vorgestellt; etwa mit Informationen über nützliche Eigenschaften, den Namenspatron oder die erste Erwähnung und Entdeckung. Den Abschluss bilden wie üblich ein Einblick in Peggys Gartenjournal und ein paar Rezepte. Die letzten Romanzeilen lassen eine Fortsetzung erwarten, in der die häusliche Situation zum Thema wird. Denn auch mehrere Jahre nach dem Tod ihres ersten Ehemannes wohnt Peggy immer noch – zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Steve - in einem riesigen Haus mit Dutzenden von Räumen, das der Familie Lee gehört und wegen einer besonderen Erbschaftsregelung nie auf ihren Sohn Paul Lee übergehen kann und wird.
Joyce and Jim Lavene:
Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2015
1. September 2016
Nicole C. Vosseler: Zeit der wilden Orchideen
Singapur in der Mitte des 19. Jahrhunderts – eine exotische Umgebung bietet die Kulisse für diesen Roman. Rund um den Umschlagplatz für asiatische Schätze lässt sich viel Geld verdienen. Georginas Vater hat ein gutes Händchen dafür. Mit Arbeit versucht er, den Tod seiner Frau zu verdrängen, und die Bedürfnisse seiner kleinen Tochter ignoriert er und überlässt sie den Dienstboten und sich selber.
Während der chinesische Gärtner seiner Arbeit nachgeht und verblühte Blumen zusammenharkt, widmet sie sich das knapp zehnjährige Mädchen mit Vorliebe seinen Tagträumen und streift durch den weitläufigen, betörend duftenden Garten, zu dem auch ein verwildertes Wäldchen mit einem Pavillon gehört. Hier findet Georgina eines Tages einen schwer verletzten Jungen. Ohne dass jemand aus dem Haushalt etwas ahnt, pflegt sie Raharjo, der von einem Volk abstammt, das als eigentliche Urbevölkerung der malaiischen Welt gilt, und das seit Tausenden von Jahren im Meer fischt und nach Schätzen taucht. Doch genau so plötzlich wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Junge, der mehr Fisch als Mensch ist, wieder aus ihrem Leben.
In „Zeit der wilden Orchideen“ begleitet die Leserin Georgina und Raharjo und ihre Familien über mehrere Jahrzehnte. Immer wieder kreuzen und trennen sich ihre Wege. Derweilen sich die Welt im Umbruch befindet und uralte Traditionen, Werte sowie Rituale an Bedeutung verlieren, spielen sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen Dramen ab – Liebe, Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, Hass, Rache. Und jede Generation hat ihre eigenen Geheimnisse.
Die Autorin erzählt sehr detailreich, und die Charaktere wirken äusserst authentisch. Der Garten spielt zwar nur eine Nebenrolle, aber eine nicht unbedeutende. Und durch die wortreichen Beschreibungen der Botanik hat die Leserin die farbenprächtige Blumenwelt in rot, gelb, weiss und rosa während der Lektüre immer wieder vor den Augen. Die ganze Handlung erscheint wohl durchdacht und die verschiedenen Enden passen, auch wenn ich nicht alle gutheissen mag.
Nicole C. Vosseler:
Zeit der wilden Orchideen
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
Während der chinesische Gärtner seiner Arbeit nachgeht und verblühte Blumen zusammenharkt, widmet sie sich das knapp zehnjährige Mädchen mit Vorliebe seinen Tagträumen und streift durch den weitläufigen, betörend duftenden Garten, zu dem auch ein verwildertes Wäldchen mit einem Pavillon gehört. Hier findet Georgina eines Tages einen schwer verletzten Jungen. Ohne dass jemand aus dem Haushalt etwas ahnt, pflegt sie Raharjo, der von einem Volk abstammt, das als eigentliche Urbevölkerung der malaiischen Welt gilt, und das seit Tausenden von Jahren im Meer fischt und nach Schätzen taucht. Doch genau so plötzlich wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Junge, der mehr Fisch als Mensch ist, wieder aus ihrem Leben.
In „Zeit der wilden Orchideen“ begleitet die Leserin Georgina und Raharjo und ihre Familien über mehrere Jahrzehnte. Immer wieder kreuzen und trennen sich ihre Wege. Derweilen sich die Welt im Umbruch befindet und uralte Traditionen, Werte sowie Rituale an Bedeutung verlieren, spielen sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen Dramen ab – Liebe, Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, Hass, Rache. Und jede Generation hat ihre eigenen Geheimnisse.
Die Autorin erzählt sehr detailreich, und die Charaktere wirken äusserst authentisch. Der Garten spielt zwar nur eine Nebenrolle, aber eine nicht unbedeutende. Und durch die wortreichen Beschreibungen der Botanik hat die Leserin die farbenprächtige Blumenwelt in rot, gelb, weiss und rosa während der Lektüre immer wieder vor den Augen. Die ganze Handlung erscheint wohl durchdacht und die verschiedenen Enden passen, auch wenn ich nicht alle gutheissen mag.
Nicole C. Vosseler:
Zeit der wilden Orchideen
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
20. August 2016
Ava Miles: The Chocolate Garden
Nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Mann versucht Tammy Hollins, für sich und ihre beiden Kinder Rory und Annabelle den Weg in eine unbeschwerte Zukunft zu ebnen. Oberstes Ziel ist dabei, ihr Leben allein und unabhängig von der Männerwelt zu meistern. Die drei leben derzeit bei Tammys berühmten Bruder und seiner Frau, die alles tun, damit sich erstere wohl fühlen. Nichtsdestotrotz möchte die frisch Geschiedene möglichst rasch auf eigenen Füssen stehen und allein für sich und ihre Kinder sorgen.
Schritt um Schritt geht es vorwärts. Eine neue Frisur und neue Kleider unterstreichen den Wandel und die Wiedererlangung ihres Selbstwertgefühls erhält Aufschub, als die eben erfolgte Gründung eines eigenen kleinen Gartengestaltungsunternehmens überraschend erfolgreich anläuft. Auf dem riesigen Gelände, welches das Anwesen ihres Bruders umgibt, hat Tammy in den letzten Monaten verschiedene Beete angelegt, die anlässlich der Hochzeit ihres Bruders bei den Gästen auf grossen Gefallen stossen. Die junge Unternehmerin ergattert für „Visionary Gardening“ gleich ein paar viel versprechende Aufträge, einen davon von John Parker, einem der besten Freunde ihres Bruders.
Da wird eines Nachts ins Haus ihres Bruders eingebrochen, während dieser zusammen mit seiner Frau auf Tournee unterwegs und Tammy mit ihren Kindern alleine im Haus ist. Der siebenjährige Rory und seine jüngere Schwester Annabelle werden durch dieses nächtlichen Erlebnis schwer traumatisiert und können auch nicht begreifen, weshalb Rorys Hund schwer misshandelt worden ist. Annabelle beginnt wieder ins Bett zu nässen und beide Kinder leiden unter einem grossen Vertrauensverlust.
John Parker bietet den Dreien an, in sein Haus zu ziehen und hat schliesslich die Idee, die Anlage des im Rahmen der aktuellen von Tammy durchgeführten Gartenumgestaltung geplanten „Schokoladenblumen-Beets“ mit Pflanzen, die besonders nachts betörend stark nach Schokolade duften, mit einem magischen Märchen rund um Schokolade-Elfen zu verbinden. Die angestrebte Magie wirkt im Roman nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen.
Leider ist der Zauber aber nicht richtig auf die Sofagärtnerin übergesprungen. Rund um Bäume, Farne, Magnolien und farbenfrohen Beete waren mir die Charaktere ein bisschen zu vorbildlich. Die von ihnen zu meisternden Herausforderungen bewältigen sie mehrheitlich überaus beispiellos und die Autorin berichtet sehr detailgetreu. Trotzdem wurde ich mit Tammy und ihren Lieben nicht richtig warm. Sie erscheinen mir zu überzeichnet, oft einfach zu perfekt. Vielleicht auch ganz einfach zu Amerikanisch? Sogar die eigentlich Mitleid verdienenden Kinder haben bei mir mit ihren altklugen Reaktionen immer wieder für Stirnrunzeln gesorgt. Die letzten Seiten, die schliesslich im erwarteten Ende einen Abschluss finden, haben mich dann noch ein wenig mit den vorherigen rund 350 Seiten versöhnt.
Ava Miles:
The Chocolate Garden
Eigenverlag, 2014
Schritt um Schritt geht es vorwärts. Eine neue Frisur und neue Kleider unterstreichen den Wandel und die Wiedererlangung ihres Selbstwertgefühls erhält Aufschub, als die eben erfolgte Gründung eines eigenen kleinen Gartengestaltungsunternehmens überraschend erfolgreich anläuft. Auf dem riesigen Gelände, welches das Anwesen ihres Bruders umgibt, hat Tammy in den letzten Monaten verschiedene Beete angelegt, die anlässlich der Hochzeit ihres Bruders bei den Gästen auf grossen Gefallen stossen. Die junge Unternehmerin ergattert für „Visionary Gardening“ gleich ein paar viel versprechende Aufträge, einen davon von John Parker, einem der besten Freunde ihres Bruders.
Da wird eines Nachts ins Haus ihres Bruders eingebrochen, während dieser zusammen mit seiner Frau auf Tournee unterwegs und Tammy mit ihren Kindern alleine im Haus ist. Der siebenjährige Rory und seine jüngere Schwester Annabelle werden durch dieses nächtlichen Erlebnis schwer traumatisiert und können auch nicht begreifen, weshalb Rorys Hund schwer misshandelt worden ist. Annabelle beginnt wieder ins Bett zu nässen und beide Kinder leiden unter einem grossen Vertrauensverlust.
John Parker bietet den Dreien an, in sein Haus zu ziehen und hat schliesslich die Idee, die Anlage des im Rahmen der aktuellen von Tammy durchgeführten Gartenumgestaltung geplanten „Schokoladenblumen-Beets“ mit Pflanzen, die besonders nachts betörend stark nach Schokolade duften, mit einem magischen Märchen rund um Schokolade-Elfen zu verbinden. Die angestrebte Magie wirkt im Roman nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen.
Leider ist der Zauber aber nicht richtig auf die Sofagärtnerin übergesprungen. Rund um Bäume, Farne, Magnolien und farbenfrohen Beete waren mir die Charaktere ein bisschen zu vorbildlich. Die von ihnen zu meisternden Herausforderungen bewältigen sie mehrheitlich überaus beispiellos und die Autorin berichtet sehr detailgetreu. Trotzdem wurde ich mit Tammy und ihren Lieben nicht richtig warm. Sie erscheinen mir zu überzeichnet, oft einfach zu perfekt. Vielleicht auch ganz einfach zu Amerikanisch? Sogar die eigentlich Mitleid verdienenden Kinder haben bei mir mit ihren altklugen Reaktionen immer wieder für Stirnrunzeln gesorgt. Die letzten Seiten, die schliesslich im erwarteten Ende einen Abschluss finden, haben mich dann noch ein wenig mit den vorherigen rund 350 Seiten versöhnt.
Ava Miles:
The Chocolate Garden
Eigenverlag, 2014
10. August 2016
Jim Crace: In Arkadien
Victors ganzes Leben hat sich rund um den Seifenmarkt abgespielt. Hat er als kleiner Junge die gekochten Eier seiner Tante auf dem Markt verkauft, kann er heute an seinem 80. Geburtstag auf ein ungewöhnliches und erfolgreiches Leben zurück- und vom 27. Stock seines Büros herab auf den städtischen Marktplatz blicken, der Teil seines Imperiums ist.
Zu den Eiern kamen schon bald einmal Früchte, Brot und Käse dazu. So hat sich Victor von ganz unten nach oben gearbeitet und verdient inzwischen in einer Viertelstunde den Wert eines Mittelklassewagens. Zu seinem Imperium gehören landwirtschaftliche Güter, Märkte, Firmenbeteiligungen und Büros. Trotz seinem immensen Reichtum ist er relativ bescheiden geblieben und seine Finanzberater versuchen schon lange vergeblich, seine Mittel gewinnbringender anzulegen. An seinem runden Geburtstag beschliesst er spontan, sein neues Lebensjahrzehnt mit einer neuen Aufgabe zu starten. Der alte offene Markt soll weichen und eine riesige Markthalle an seine Stelle treten. Damit erhält die Stadt ein modernes Zentrum und Victor kann dem "langen Victor" (so wird sein Hochhaus genannt) einen "kurzen Victor" zur Seite stellen.
Der hortikulturelle Anteil im Roman ist relativ bescheiden, wenn man von den Szenen absieht, die rund um das Gewächshaus auf dem Dach des 28stöckigen Gebäudes spielen, wo der alte Herr Blattläuse beobachtet und nicht ganz sicher ist, ob er die Pflanzen lieber mag oder die Insekten. Sogar einen Teich gibt es in luftiger Höhe, dessen Uferbepflanzung mit Sumpfdotterblumen und Schwertlilien gestaltet ist. Einen hölzernen Laubengang umschlingen Kletterhortensien, Geissblatt und wilder Wein. Victor will und braucht keine Familie und Freunde. Alle seine Probleme lassen sich - zumindest vermeintlich - mit Geld lösen und die zurückgezogene Lebensweise verhindert zwischenmenschliche Konflikte.
Der Roman ist in die vier Teile „Der Seifenmarkt“, „Milch und Honig“, „Victors Stadt“ und „Arkadien“ gegliedert und spielt in einer nicht genannten Stadt (oder ich habe den Namen überlesen). Die Geschichte erzählt die Entwicklung zur Grossstadt und wie Joseph mit dem Entscheid, sein Arkadien bauen zu lassen, in das Schicksal zweier Männer eingreift und deren Leben grundlegend verändert. Nämlich das seines Assistenten Rabe, der neben seinem eigentlichen Job den Händlern auf dem Markt regelmässig Honorare abknöpft, die in seinen eigenen Taschen fliessen, und das von Joseph, einem jungen Mann der sein Glück in der Stadt zu hoffen findet.
Jim Crace:
In Arkadien
Btb, 2000
Zu den Eiern kamen schon bald einmal Früchte, Brot und Käse dazu. So hat sich Victor von ganz unten nach oben gearbeitet und verdient inzwischen in einer Viertelstunde den Wert eines Mittelklassewagens. Zu seinem Imperium gehören landwirtschaftliche Güter, Märkte, Firmenbeteiligungen und Büros. Trotz seinem immensen Reichtum ist er relativ bescheiden geblieben und seine Finanzberater versuchen schon lange vergeblich, seine Mittel gewinnbringender anzulegen. An seinem runden Geburtstag beschliesst er spontan, sein neues Lebensjahrzehnt mit einer neuen Aufgabe zu starten. Der alte offene Markt soll weichen und eine riesige Markthalle an seine Stelle treten. Damit erhält die Stadt ein modernes Zentrum und Victor kann dem "langen Victor" (so wird sein Hochhaus genannt) einen "kurzen Victor" zur Seite stellen.
Der hortikulturelle Anteil im Roman ist relativ bescheiden, wenn man von den Szenen absieht, die rund um das Gewächshaus auf dem Dach des 28stöckigen Gebäudes spielen, wo der alte Herr Blattläuse beobachtet und nicht ganz sicher ist, ob er die Pflanzen lieber mag oder die Insekten. Sogar einen Teich gibt es in luftiger Höhe, dessen Uferbepflanzung mit Sumpfdotterblumen und Schwertlilien gestaltet ist. Einen hölzernen Laubengang umschlingen Kletterhortensien, Geissblatt und wilder Wein. Victor will und braucht keine Familie und Freunde. Alle seine Probleme lassen sich - zumindest vermeintlich - mit Geld lösen und die zurückgezogene Lebensweise verhindert zwischenmenschliche Konflikte.
Der Roman ist in die vier Teile „Der Seifenmarkt“, „Milch und Honig“, „Victors Stadt“ und „Arkadien“ gegliedert und spielt in einer nicht genannten Stadt (oder ich habe den Namen überlesen). Die Geschichte erzählt die Entwicklung zur Grossstadt und wie Joseph mit dem Entscheid, sein Arkadien bauen zu lassen, in das Schicksal zweier Männer eingreift und deren Leben grundlegend verändert. Nämlich das seines Assistenten Rabe, der neben seinem eigentlichen Job den Händlern auf dem Markt regelmässig Honorare abknöpft, die in seinen eigenen Taschen fliessen, und das von Joseph, einem jungen Mann der sein Glück in der Stadt zu hoffen findet.
Jim Crace:
In Arkadien
Btb, 2000
1. August 2016
Zuletzt ausgelesen: Gisela Walitzek und Stephan Poost – Morderstedt
Die beiden Autoren Gisela Walitzek und Stephan Poost haben 2008 den Auftrag erhalten, die Bürger mit Newslettern auf die bevorstehende (inzwischen längst wieder geschlossene) Landesgartenschau nördlich von Hamburg einzustimmen. Daraus entwickelte sich ein Krimi-Blog und schliesslich das Buch "Morderstedt" mit dem Untertitel „Eine gartenschaurige Krimi-Groteske“.
Eigentlich dreht sich in diesem Buch alles rund um die seit Monaten verschwundene Ida Kasch und einen Campingstuhl. Ist die nicht besonders beliebte Frau tot oder ist sie einfach auf Reisen? Immerhin trudeln in unregelmässigen Abständen wiederholt Ansichtskarten mit ihrem Absender ein, auf welchen sie Grüsse als Landesgartenschaubotschafterin in die Heimat schickt.
Was passierte am 3. September 2010 am Ufer des Stadtparksees? Bekannt ist ein Streit um einen Campingstuhl - besetzt von der angeblich simulierenden Ida Kasch, die offensichtlich unter keinen Umständen bereit war, ihren Platz einem erkennbar gesundheitlich stark angeschlagenen älteren Herrn abzutreten. Monate später steht der gleiche Campingstuhl oder zumindest das gleiche Modell der Marke „Malträtö“ wieder am Stadtparksee und weckt in gewissen Personen Erinnerungen. Ein lokaler Journalist wittert die Chance, sich beruflich zu profilieren. Doch gibt es in Norderstedt überhaupt etwas aufzudecken und zu enthüllen?
Der Text ist geprägt von ständigem direktem Dialog mit dem Leser. Allerdings fand ich die vielen, sich oft wiederholenden Belehrungen mit der Zeit immer mühsamer. Hier ein paar Beispiele bzw. Zitate aus der Lektüre:
Ebenfalls erwähnenswert ist der Wortwitz. Auch dafür zwei Zitate aus dem Buch:
Gisela Walitzek und Stephan Poost:
Morderstedt – Das Beste vom Morden Kadera Verlag,
2012/13
Eigentlich dreht sich in diesem Buch alles rund um die seit Monaten verschwundene Ida Kasch und einen Campingstuhl. Ist die nicht besonders beliebte Frau tot oder ist sie einfach auf Reisen? Immerhin trudeln in unregelmässigen Abständen wiederholt Ansichtskarten mit ihrem Absender ein, auf welchen sie Grüsse als Landesgartenschaubotschafterin in die Heimat schickt.
Was passierte am 3. September 2010 am Ufer des Stadtparksees? Bekannt ist ein Streit um einen Campingstuhl - besetzt von der angeblich simulierenden Ida Kasch, die offensichtlich unter keinen Umständen bereit war, ihren Platz einem erkennbar gesundheitlich stark angeschlagenen älteren Herrn abzutreten. Monate später steht der gleiche Campingstuhl oder zumindest das gleiche Modell der Marke „Malträtö“ wieder am Stadtparksee und weckt in gewissen Personen Erinnerungen. Ein lokaler Journalist wittert die Chance, sich beruflich zu profilieren. Doch gibt es in Norderstedt überhaupt etwas aufzudecken und zu enthüllen?
Der Text ist geprägt von ständigem direktem Dialog mit dem Leser. Allerdings fand ich die vielen, sich oft wiederholenden Belehrungen mit der Zeit immer mühsamer. Hier ein paar Beispiele bzw. Zitate aus der Lektüre:
- „Wir möchten ja nicht unhöflich erscheinen, aber ..“
- „Manche Fragen sind einfach zu gut, um sie mit einer dummen Antwort zu verderben.“
- „Wir wissen ja nicht, wie Sie das sehen, aber wir halten das für eine …“
- „Wir sagen es ja nur ungern, …“
Ebenfalls erwähnenswert ist der Wortwitz. Auch dafür zwei Zitate aus dem Buch:
- "... Putzspur zieht sich durch Ämter und Polizeireviere"
- "... ich habe mich vielleicht etwas zu intensiv inspirieren lassen" (die nette Umschreibung für Plagiat, sprich das Klauen eine Artikels)
Gisela Walitzek und Stephan Poost:
Morderstedt – Das Beste vom Morden Kadera Verlag,
2012/13
20. Juli 2016
Ali Mc Namara: The Little Flower Shop by the Sea
In der kleinen Stadt St. Felix an der Kornischen Küste hat Poppy Carmichael zusammen mit ihrem älteren Bruder als Kind immer wieder glückliche Ferien bei der Grossmutter verbracht, die jahrzehntelang den Blumenladen „The Daisy Chain“ geführt hat. Nach einem traumatischen Ereignis leidet die inzwischen dreissigjährige Poppy seit vielen Jahren an einer Blumenphobie und ist nie mehr nach Cornwall zurückgekehrt. Nun ist ihre geliebte Grossmutter gestorben und ausgerechnet Poppy mit ihrem Hass auf Blumen hat deren Laden geerbt.
Die junge Frau, die immer noch ihren Platz auf der Welt sucht, stammt aus einer Blumendynastie, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht, als ihre Urururgrossmutter auf dem Covent Garden Market Blumen verkauft hat. Verschiedene Carmichaels führen selber ein Blumengeschäft oder arbeiten für einen Floristen und alle Kinder tragen genau wie Poppy blumeninspirierte Namen. Sie selber hat sich nie fürs Familienbusiness interessiert. Doch nun muss ausgerechnet sie die Verantwortung für den ältesten familiären Blumenshop übernehmen. Einem Laden, der mit viel mehr Tradion behaftetet ist, als jene, welche von ihren Verwandten in New York, Amsterdam und Paris betrieben werden.
So findet sich die kratzbürstige und fast ausnahmslos schwarz gekleidete Poppy in St. Felix wieder und beabsichtigt, das Geschäft rasch möglichst zu verkaufen und wieder zu verschwinden. Wider Erwarten fühlt sie sich in St. Felix ganz wohl und wird auch von den meisten Bewohnern sehr wohlwollend aufgenommen. Insbesondere mit dem seit fünf Jahren verwitweten Blumenlieferanten Jack verbindet sie bald eine enge Freundschaft.
Poppies Mutter hat ihr die talentierte Floristin Amber aus New York zur Seite gestellt und mit Hilfe von etlichen Nachbarn renovieren die beiden Frauen den Blumenladen und planen die Wiedereröffnung. Eine Blumenphobie weckt keine Sympathien, wie es etwa eine Spinnenangst tut. Das weiss auch Poppy, und ist deshalb ständig darauf bedacht, die Floristik von sich fernzuhalten und sich um die anderen geschäftlichen Belange zu kümmern.
Poppies Grossmutter war für die magische Wirkung ihrer Blumensträusse weit herum bekannt. Als Poppy und Amber alte Notizbücher finden, experimentiert auch die junge Floristin mit der Magie der viktorianischen Blumensprache und bringt damit den Shop zum Florieren. Denn Amber verfügt über ein grosses florales Talent und kennt sich aus mit Blumen und deren Namen, Düften und Bedürfnissen.
Nach ungefähr hundert gelesenen Seiten erwartete ich eigentlich nicht mehr viel Überraschendes oder gar Tiefschürfendes in diesem Roman. Das Ende schien genau vorhersehbar. Letzteres ist auch wie erwartet eingetroffen, aber dazwischen hat sich dann doch noch allerlei Lesenswertes ereignet, so dass sich die Lektüre dann im Grossen und Ganzen doch noch gelohnt hat. So schleppt nicht nur Poppy eine schwere Last mit sich herum, auch Amber hat eine schmerzliche Vergangenheit. Doch die beiden Frauen - die eine zum Pessimismus neigend, die andere ständig optimistisch - harmonieren gerade wegen ihren Unterschieden erstaunlich gut und auch der zum Erbe der Grossmutter gehörende Hund Basil mit seinen Bedürfnissen ist bald nicht mehr aus Poppies Alltag wegzudenken.
Die Kapitel sind nummeriert und jeweils einer Blume gewidmet:
- Daffodil – New Beginnings
- Camellia – My Destiny in Your Hands
- Columbinde – Desertion
- Heliotrope – Devoted Affection
Ali Mc Namara:
The Little Flower Shop by the Sea
Sphere / Little, Brown Book Group, 2015
Die junge Frau, die immer noch ihren Platz auf der Welt sucht, stammt aus einer Blumendynastie, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht, als ihre Urururgrossmutter auf dem Covent Garden Market Blumen verkauft hat. Verschiedene Carmichaels führen selber ein Blumengeschäft oder arbeiten für einen Floristen und alle Kinder tragen genau wie Poppy blumeninspirierte Namen. Sie selber hat sich nie fürs Familienbusiness interessiert. Doch nun muss ausgerechnet sie die Verantwortung für den ältesten familiären Blumenshop übernehmen. Einem Laden, der mit viel mehr Tradion behaftetet ist, als jene, welche von ihren Verwandten in New York, Amsterdam und Paris betrieben werden.
So findet sich die kratzbürstige und fast ausnahmslos schwarz gekleidete Poppy in St. Felix wieder und beabsichtigt, das Geschäft rasch möglichst zu verkaufen und wieder zu verschwinden. Wider Erwarten fühlt sie sich in St. Felix ganz wohl und wird auch von den meisten Bewohnern sehr wohlwollend aufgenommen. Insbesondere mit dem seit fünf Jahren verwitweten Blumenlieferanten Jack verbindet sie bald eine enge Freundschaft.
Poppies Mutter hat ihr die talentierte Floristin Amber aus New York zur Seite gestellt und mit Hilfe von etlichen Nachbarn renovieren die beiden Frauen den Blumenladen und planen die Wiedereröffnung. Eine Blumenphobie weckt keine Sympathien, wie es etwa eine Spinnenangst tut. Das weiss auch Poppy, und ist deshalb ständig darauf bedacht, die Floristik von sich fernzuhalten und sich um die anderen geschäftlichen Belange zu kümmern.
Poppies Grossmutter war für die magische Wirkung ihrer Blumensträusse weit herum bekannt. Als Poppy und Amber alte Notizbücher finden, experimentiert auch die junge Floristin mit der Magie der viktorianischen Blumensprache und bringt damit den Shop zum Florieren. Denn Amber verfügt über ein grosses florales Talent und kennt sich aus mit Blumen und deren Namen, Düften und Bedürfnissen.
Nach ungefähr hundert gelesenen Seiten erwartete ich eigentlich nicht mehr viel Überraschendes oder gar Tiefschürfendes in diesem Roman. Das Ende schien genau vorhersehbar. Letzteres ist auch wie erwartet eingetroffen, aber dazwischen hat sich dann doch noch allerlei Lesenswertes ereignet, so dass sich die Lektüre dann im Grossen und Ganzen doch noch gelohnt hat. So schleppt nicht nur Poppy eine schwere Last mit sich herum, auch Amber hat eine schmerzliche Vergangenheit. Doch die beiden Frauen - die eine zum Pessimismus neigend, die andere ständig optimistisch - harmonieren gerade wegen ihren Unterschieden erstaunlich gut und auch der zum Erbe der Grossmutter gehörende Hund Basil mit seinen Bedürfnissen ist bald nicht mehr aus Poppies Alltag wegzudenken.
Die Kapitel sind nummeriert und jeweils einer Blume gewidmet:
- Daffodil – New Beginnings
- Camellia – My Destiny in Your Hands
- Columbinde – Desertion
- Heliotrope – Devoted Affection
Ali Mc Namara:
The Little Flower Shop by the Sea
Sphere / Little, Brown Book Group, 2015
10. Juli 2016
Ellen Jacobi: Frau Schick macht blau
Die fast 78jährige Frau Schick hat vieles erlebt im Laufe der Jahre. Aktuell muss sich die vife Witwe gegen ihre Entmündigung in der eigenen Firma wehren, von wo hartnäckig Gerüchte betreffend ihrem Geisteszustand gestreut werden. Klar ist sie zuweilen recht vergesslich, aber mit „Eselsbrücken“ kommt sie sehr gut zurecht, denn dement ist sie ganz sicher nicht.
Die vermögende Ostpreussin entstammt dem alten Adelsgeschlecht der von Toddens und ist mit dem britischen Königshaus verwandt. Ihren exzentrischen Vorfahren, die als Geister ihr Unwesen treiben und nachts im Keller herumtrippeln und seufzen, steht sie punkto leichter Überspanntheit wahrscheinlich in nichts nach. Sie liebt viele Menschen um sich und führt solche zusammen, die keine Ahnung zu haben scheinen, wie gut sie zusammenpassen. Ein wenig vermisst sie die täglichen Abenteuer, die sie kürzlich auf dem Jakobsweg erlebt hat, aber sie ahnt ja auch nicht, welche Aufregungen ihr bevorstehen…
Zunächst beginnt sie aber mal mit der Planung der Hochzeit von Nelly und Herberger, obwohl erstere noch gar nicht ja gesagt hat. Und dann erfährt sie, dass ihr die Kleingartenkolonie „Waldfrieden“ im Stadtwald gehört, in die eine Schneise gefräst werden soll. Seit fünf Jahren ist sie anscheinend die Besitzerin dieses unberührten Waldgeländes, ohne dass sie es realisiert hätte. Den Pächtern droht der Verlust ihrer geliebten Gärten und seltenen Pflanzen, Bienen und andere Tieren der ihres Lebensraumes.
Rasch stellt Frau Schick fest, dass die Welt gut bedient wäre, wenn alle Menschen Gärtner wären. Diese können zwar mürrisch und seltsam sein, aber sie sind nicht schlecht. Zwischen Rosenbögen und Tomatenpflanzen entlarvt die rüstige Dame Herzensdiebstähle, die als Verstösse gegen die Schrebergartenregeln getarnt sind, und es kann schon mal vorkommen, dass für eine gute Sache ein Schwindelanfall vorgetäuscht werden muss.
Kann der Exodus noch aufgehalten werden oder haben die prächtigen Rosen dieses Jahr zum letzten Mal geblüht, werden die Johannisbeeren nie reifen und die Apfelbäume umgesägt, bevor sie abgeerntet werden können? Dem Leser werden beiläufig Düngetipps auf den Weg mitgegeben und er liest vom Kampf für echte Bienen und Nistplätze. Die Autorin entschuldigt sich am Ende des Buches beim eigenen Garten für die Vernachlässigung während der Entstehung des Romans, womit auch geklärt ist, dass der hortikulturelle Hintergrund auf eigenen Erfahrungen beruht.
Weder die Handlung selber noch die Charaktere des Buches haben mir speziell gut gefallen. Beide erscheinen mir arg konstruiert und leider empfand ich die Lektüre auch nicht als besonders vergnüglich. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich den Vorgängertitel, auf den immer wieder hingewiesen wird, nicht gelesen habe („Frau Schick räumt auf“).
Ellen Jacobi:
Frau Schick macht blau
Bastei Lübbe, 2013
Die vermögende Ostpreussin entstammt dem alten Adelsgeschlecht der von Toddens und ist mit dem britischen Königshaus verwandt. Ihren exzentrischen Vorfahren, die als Geister ihr Unwesen treiben und nachts im Keller herumtrippeln und seufzen, steht sie punkto leichter Überspanntheit wahrscheinlich in nichts nach. Sie liebt viele Menschen um sich und führt solche zusammen, die keine Ahnung zu haben scheinen, wie gut sie zusammenpassen. Ein wenig vermisst sie die täglichen Abenteuer, die sie kürzlich auf dem Jakobsweg erlebt hat, aber sie ahnt ja auch nicht, welche Aufregungen ihr bevorstehen…
Zunächst beginnt sie aber mal mit der Planung der Hochzeit von Nelly und Herberger, obwohl erstere noch gar nicht ja gesagt hat. Und dann erfährt sie, dass ihr die Kleingartenkolonie „Waldfrieden“ im Stadtwald gehört, in die eine Schneise gefräst werden soll. Seit fünf Jahren ist sie anscheinend die Besitzerin dieses unberührten Waldgeländes, ohne dass sie es realisiert hätte. Den Pächtern droht der Verlust ihrer geliebten Gärten und seltenen Pflanzen, Bienen und andere Tieren der ihres Lebensraumes.
Rasch stellt Frau Schick fest, dass die Welt gut bedient wäre, wenn alle Menschen Gärtner wären. Diese können zwar mürrisch und seltsam sein, aber sie sind nicht schlecht. Zwischen Rosenbögen und Tomatenpflanzen entlarvt die rüstige Dame Herzensdiebstähle, die als Verstösse gegen die Schrebergartenregeln getarnt sind, und es kann schon mal vorkommen, dass für eine gute Sache ein Schwindelanfall vorgetäuscht werden muss.
Kann der Exodus noch aufgehalten werden oder haben die prächtigen Rosen dieses Jahr zum letzten Mal geblüht, werden die Johannisbeeren nie reifen und die Apfelbäume umgesägt, bevor sie abgeerntet werden können? Dem Leser werden beiläufig Düngetipps auf den Weg mitgegeben und er liest vom Kampf für echte Bienen und Nistplätze. Die Autorin entschuldigt sich am Ende des Buches beim eigenen Garten für die Vernachlässigung während der Entstehung des Romans, womit auch geklärt ist, dass der hortikulturelle Hintergrund auf eigenen Erfahrungen beruht.
Weder die Handlung selber noch die Charaktere des Buches haben mir speziell gut gefallen. Beide erscheinen mir arg konstruiert und leider empfand ich die Lektüre auch nicht als besonders vergnüglich. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich den Vorgängertitel, auf den immer wieder hingewiesen wird, nicht gelesen habe („Frau Schick räumt auf“).
Ellen Jacobi:
Frau Schick macht blau
Bastei Lübbe, 2013
1. Juli 2016
Susan Senator: Dirt – A Story about Gardening, Mothering and Other Messy Business
Die Erzählung „Dirt“ gibt einen mehrmonatigen Einblick in das Leben einer vom Vater getrennt lebenden Familie. Die vierzigjährige Vorstadtmutter Emmy fühlt sich mit der Erziehung ihrer drei Jungs je länger je mehr überfordert und vermisst einen Partner, der sie zuverlässig unterstützt. Insbesondere ihr ältester Sohn Nick und sein Autismus beherrschen ihr Denken und Handeln praktisch ununterbrochen.
Nick mag scharfe Saucen, Chili, Bänder, Seifenblasen und Rasenmähen mit dem Handmäher. Mehr lässt sich über seine Vorlieben nicht sagen. Ein neuer Therapeut hat rasch einen guten Draht zu ihm und entdeckt Nicks grosses Interesse für orange Farben. Gleichzeitig reagiert Dan mit illegalem Drogenkonsum auf den Auszug des Vaters.
Immerhin hat die Familie auch Dank Emmys Teilzeitjob keine grösseren finanziellen Probleme. Anlässlich ihrer Tätigkeit als Maklerin lernt sie dann auch Will kennen. Der potentielle Hauskäufer flirtet mit ihr und Emmy fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren wieder begehrt. Die Reaktion ihres Noch-Ehemannes Eric auf diese (noch) harmlose Bekanntschaft fällt unerwartet heftig aus und zeigt, dass auf seiner Seite immer noch grosse Gefühle im Spiel sind.
Im Garten kann Emmy abschalten und die Dinge aus der Distanz reflektieren. Während sie Gemüse aussät, jätet, Phlox und Rittersporn aufbindet oder pflanzt, träumt sie aber auch immer wieder von ihrem eigenen kleinen Gartenbetrieb, für den sie im übrigen schon längst einen Namen hat: „Garden of Eden“. Zwar hat sie einen Studienabschluss in Botanik, aber nach ihrer Heirat mit Eric und der Geburt ihrer drei mittlerweile fünfzehn, vierzehn und acht Jahre alten Söhne Nick, Henry und Dan, hat sie diese Idee nie weiterverfolgt. Ob der richtige Zeitpunkt nun gekommen oder zumindest in die Nähe gerückt ist?
Eine Baustelle nach der anderen muss angegangen werden, analog des Ablaufs der Jahreszeiten im Garten und der Kapitelüberschriften: „Late February – Frozen Ground“, „April – Preparing the Ground“, „June – Blooming“. Hortikulturell mit Unterstützung von Gartenbüchern mit Titeln wie „How to have an English Garden“ und „A Year of Perennials“; im Alltag helfen intensive Gespräche mit Eric, dessen Unterstützung immer wichtiger wird.
Susan Senator:
Dirt – A Story about Gardening, Mothering and Other Messy Business
Stellated Books, 2011
Nick mag scharfe Saucen, Chili, Bänder, Seifenblasen und Rasenmähen mit dem Handmäher. Mehr lässt sich über seine Vorlieben nicht sagen. Ein neuer Therapeut hat rasch einen guten Draht zu ihm und entdeckt Nicks grosses Interesse für orange Farben. Gleichzeitig reagiert Dan mit illegalem Drogenkonsum auf den Auszug des Vaters.
Immerhin hat die Familie auch Dank Emmys Teilzeitjob keine grösseren finanziellen Probleme. Anlässlich ihrer Tätigkeit als Maklerin lernt sie dann auch Will kennen. Der potentielle Hauskäufer flirtet mit ihr und Emmy fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren wieder begehrt. Die Reaktion ihres Noch-Ehemannes Eric auf diese (noch) harmlose Bekanntschaft fällt unerwartet heftig aus und zeigt, dass auf seiner Seite immer noch grosse Gefühle im Spiel sind.
Im Garten kann Emmy abschalten und die Dinge aus der Distanz reflektieren. Während sie Gemüse aussät, jätet, Phlox und Rittersporn aufbindet oder pflanzt, träumt sie aber auch immer wieder von ihrem eigenen kleinen Gartenbetrieb, für den sie im übrigen schon längst einen Namen hat: „Garden of Eden“. Zwar hat sie einen Studienabschluss in Botanik, aber nach ihrer Heirat mit Eric und der Geburt ihrer drei mittlerweile fünfzehn, vierzehn und acht Jahre alten Söhne Nick, Henry und Dan, hat sie diese Idee nie weiterverfolgt. Ob der richtige Zeitpunkt nun gekommen oder zumindest in die Nähe gerückt ist?
Eine Baustelle nach der anderen muss angegangen werden, analog des Ablaufs der Jahreszeiten im Garten und der Kapitelüberschriften: „Late February – Frozen Ground“, „April – Preparing the Ground“, „June – Blooming“. Hortikulturell mit Unterstützung von Gartenbüchern mit Titeln wie „How to have an English Garden“ und „A Year of Perennials“; im Alltag helfen intensive Gespräche mit Eric, dessen Unterstützung immer wichtiger wird.
Susan Senator:
Dirt – A Story about Gardening, Mothering and Other Messy Business
Stellated Books, 2011
20. Juni 2016
Brigitte Janson: Winterapfelgarten
Nach über dreissig Jahren im gleichen Betrieb darf die einundfünfzigjährige Parfümerieverkäuferin Claudia von einem Tag auf den anderen keine Kundinnen mehr bedienen, obwohl sie die umsatzstärkste Mitarbeiterin ist. Der interne Stellenwechsel ist neben der Altersdiskiminierung mit einer empfindlichen Lohnkürzung verbunden. Claudia beendet spontan ihr Arbeitsverhältnis zwischen edlen Düften und Wunder versprechenden Crèmetiegeln, indem sie selber fristlos kündigt. Als sie sich noch etwas benommen von den Ereignissen mitten in Hamburg auf eine Bank setzt, liegt dort ein gelbgrüner Apfel. Die gepflegte Frau veranschlagt den Kalorienwert und beisst hinein. Schon der erste Biss weckt Erinnerungen an ihre Kindheit, an Omas Obstgarten mit Äpfel-, Birnen – und Pflaumenbäumen und sie möchte unbedingt herausfinden, um welche Sorte es sich handelt. Aber auch als sie nur noch das Gehäuse in der Hand hält, fällt ihr nicht ein, woher sie diese Apfelsorte kennt.
Doch eigentlich hat Claudia genügend andere Probleme als über Apfelsorten nachzugrübeln. Sie ist auf Abruf mit einem italienischen Geschäftsmann liiert – führt also eine nicht ganz einfache Fernbeziehung. Ausserdem plagt sie permanent ein schlechtes Gewissen ihrer vierundzwanzigjährigen Tochter Jule gegenüber, die seit einem schweren Reitunfall ein verkürztes Bein und ständige Schmerzen hat. Claudia, die als alleinerziehende Mutter ihre Leben immer im Griff zu haben glaubte, schafft es einfach nicht, ihrer Tochter neuen Lebensmut zu geben.
Um auf andere Gedanken zu kommen, überredet Claudia ihre Freundin Sara zu einem Ausflug ins Alte Land und entdeckt einen völlig heruntergekommenen Bauernhof mit zugehörigem alten Apfelgarten, der zu verkaufen ist. Ungeschnittene Bäume, Schlaglöcher, ein eingebrochenes Dach, blinde Fenster und Risse im Mauerwerk können sie nicht abschrecken. In einer weiteren spontanen Bauchentscheidung entscheidet sie sich, eine kleine Erbschaft für den Kauf des solide gebauten Hauses samt Apfelgarten einzusetzen.
Sie weiss inzwischen auch, dass es sich beim Kindheitserinnerungen weckenden Apfel um den Winterglockenapfel handelt, eine alte grüngelbe, säuerlich-erfrischend schmeckende Sorte, die nicht mehr angebaut wird, nach dem Pflücken im Oktober erst gelagert werden muss und erst ab Dezember geniessbar ist. Lassen sich hier ihre geheimen Träume von selber produzierter Naturkosmetik mit Äpfeln und Kräutern verwirklichen und wäre hier vielleicht sogar ein Neuanfang für Jule möglich? Der ehemalige angehende Star im deutschen Dressurreiten sieht nämlich keine lohnenswerte Zukunft mehr, hat die Physiotherapie abgebrochen und wird immer verbitterter. Was Jule beschäftigt, ist die Rettung des unfallverursachenden Pferdes Carina vor dem Schlachthof. Aber sie kriegt ja schon ihr verändertes Leben nicht auf die Reihe. Wie soll sie da einem Pferd helfen, das seine Leistung nicht mehr bringt?
Zusammen mit der frisch geschiedenen Sara macht sich Claudia voll Enthusiasmus an die Renovierung des alten Bauernhauses. Nicht alles läuft rund. Da gibt es etwa einen ruppigen Nachbarn, dem Claudia den Apfelgarten vor der Nase weggeschnappt hat und der nicht Müde wird, sie zum Weiterverkauf desselben zu überreden. Sara macht sich im Dorf bei den Frauen unbeliebt, weil sie hemmungslos mit allen einigermassen gut aussehenden Männern flirtet. Sie verdrängt damit ihre Unzufriedenheit, weil sie immer deutlicher merkt, dass sie nicht unschuldig an ihrer gescheiterten Ehe ist.
Mit der seit kurzem nach über vier Jahrzehnten Ehe verwitweten Elisabeth strandet eine gute Seele auf dem Apfelhof. Eigentlich möchte sie die Welt entdecken, doch ihr Auto bleibt schon bald nach dem Start in Hamburg vor Claudias Hof stehen und mit ihren Kochkünsten und ihrem Gespür für zwischenmenschliche Probleme ist sie schon bald unentbehrlich.
Ein einfühlsam geschriebener Frauenroman über vier völlig unterschiedliche Charaktere aus drei Generationen, die auf dem Apfelhof eine unkonventionelle Lebensgemeinschaft bilden, zu der bald auch etliche behinderte Tiere gehören. Natürlich sind Männergeschichten ebenfalls ein Thema, aber man erfährt auch ein wenig über Pomologie und Apfelsorten wie Vierländer Blutapfel, Finkenwerder Herbstprinz und den Altländer Pfannkuchenapfel.
Brigitte Janson:
Winterapfelgarten
List Taschenbuch/Ullstein Buchverlage, 2014
Doch eigentlich hat Claudia genügend andere Probleme als über Apfelsorten nachzugrübeln. Sie ist auf Abruf mit einem italienischen Geschäftsmann liiert – führt also eine nicht ganz einfache Fernbeziehung. Ausserdem plagt sie permanent ein schlechtes Gewissen ihrer vierundzwanzigjährigen Tochter Jule gegenüber, die seit einem schweren Reitunfall ein verkürztes Bein und ständige Schmerzen hat. Claudia, die als alleinerziehende Mutter ihre Leben immer im Griff zu haben glaubte, schafft es einfach nicht, ihrer Tochter neuen Lebensmut zu geben.
Um auf andere Gedanken zu kommen, überredet Claudia ihre Freundin Sara zu einem Ausflug ins Alte Land und entdeckt einen völlig heruntergekommenen Bauernhof mit zugehörigem alten Apfelgarten, der zu verkaufen ist. Ungeschnittene Bäume, Schlaglöcher, ein eingebrochenes Dach, blinde Fenster und Risse im Mauerwerk können sie nicht abschrecken. In einer weiteren spontanen Bauchentscheidung entscheidet sie sich, eine kleine Erbschaft für den Kauf des solide gebauten Hauses samt Apfelgarten einzusetzen.
Sie weiss inzwischen auch, dass es sich beim Kindheitserinnerungen weckenden Apfel um den Winterglockenapfel handelt, eine alte grüngelbe, säuerlich-erfrischend schmeckende Sorte, die nicht mehr angebaut wird, nach dem Pflücken im Oktober erst gelagert werden muss und erst ab Dezember geniessbar ist. Lassen sich hier ihre geheimen Träume von selber produzierter Naturkosmetik mit Äpfeln und Kräutern verwirklichen und wäre hier vielleicht sogar ein Neuanfang für Jule möglich? Der ehemalige angehende Star im deutschen Dressurreiten sieht nämlich keine lohnenswerte Zukunft mehr, hat die Physiotherapie abgebrochen und wird immer verbitterter. Was Jule beschäftigt, ist die Rettung des unfallverursachenden Pferdes Carina vor dem Schlachthof. Aber sie kriegt ja schon ihr verändertes Leben nicht auf die Reihe. Wie soll sie da einem Pferd helfen, das seine Leistung nicht mehr bringt?
Zusammen mit der frisch geschiedenen Sara macht sich Claudia voll Enthusiasmus an die Renovierung des alten Bauernhauses. Nicht alles läuft rund. Da gibt es etwa einen ruppigen Nachbarn, dem Claudia den Apfelgarten vor der Nase weggeschnappt hat und der nicht Müde wird, sie zum Weiterverkauf desselben zu überreden. Sara macht sich im Dorf bei den Frauen unbeliebt, weil sie hemmungslos mit allen einigermassen gut aussehenden Männern flirtet. Sie verdrängt damit ihre Unzufriedenheit, weil sie immer deutlicher merkt, dass sie nicht unschuldig an ihrer gescheiterten Ehe ist.
Mit der seit kurzem nach über vier Jahrzehnten Ehe verwitweten Elisabeth strandet eine gute Seele auf dem Apfelhof. Eigentlich möchte sie die Welt entdecken, doch ihr Auto bleibt schon bald nach dem Start in Hamburg vor Claudias Hof stehen und mit ihren Kochkünsten und ihrem Gespür für zwischenmenschliche Probleme ist sie schon bald unentbehrlich.
Ein einfühlsam geschriebener Frauenroman über vier völlig unterschiedliche Charaktere aus drei Generationen, die auf dem Apfelhof eine unkonventionelle Lebensgemeinschaft bilden, zu der bald auch etliche behinderte Tiere gehören. Natürlich sind Männergeschichten ebenfalls ein Thema, aber man erfährt auch ein wenig über Pomologie und Apfelsorten wie Vierländer Blutapfel, Finkenwerder Herbstprinz und den Altländer Pfannkuchenapfel.
Brigitte Janson:
Winterapfelgarten
List Taschenbuch/Ullstein Buchverlage, 2014
10. Juni 2016
Joyce and Jim Lavene: Lethal Lily - A Peggy Lee Garden Mystery
Privatdetektiv Harry Fletcher möchte den zwanzig Jahre zurückliegenden Tod seiner Frau Ann nochmals untersucht haben. Der Todesfall ist seinerzeit als Unfall ad acta gelegt worden. Zwar hat sich Ann dannzumal intensiv mit Heilpflanzen und Giften beschäftigt und hat auch selber mit Gift manipuliert, doch der Witwer glaubt weder an einen Selbstmord noch an einen Unfall. Da er seinerseits angeblich Informationen über den nie geklärten Tod von Peggy Lees erstem Ehemann John besitzt, wendet er sich an die umtriebige forensische Botanikerin und schlägt ihr ein Gegengeschäft vor. Hilft sie ihm, so hilft er ihr und vielleicht finden sich für die beiden schon lange zurückliegenden Todesfälle plausible und begründete Erklärungen.
Diesem verlockend erscheinenden Angebot kann Peggy nicht widerstehen, denn das ungelüftete Geheimnis um Johns Tod hängt nach wie vor wie ein dunkler Schatten über ihrem grundsätzlich glücklichen Leben. Die Zusammenarbeit von Peggy und Fletcher ist von kurzer Dauer, denn als der Detektiv eine Verabredung versäumt, findet die Botanikerin ihn tot in seiner Wohnung liegen. Die äusseren Umstände lassen die Expertin vermuten, dass er vergiftet worden ist.
Da sie nun von Seiten des Detektivs keine Hilfe mehr für den Zugriff auf die versprochenen Unterlagen, die in einem Lagerhaus aufbewahrt werden, erwarten kann, sucht sie nach einer anderen Möglichkeit Einblick in die Dokumente zu bekommen. Als Fletchers Nachlass aus dem Lager versteigert wird, bietet sie deshalb mit, muss sich aber geschlagen geben, als ein hartnäckiger Gegenbieter sie laufend übertrumpft und den Preis in die Höhe treibt.
Parallel mit der Ermittlung um den Mord an Harry Fletcher wird auch der Tod seiner Frau Ann nochmals neu aufgerollt und die Untersuchung der exhumierten Leiche bringt erstaunliche Ergebnisse an den Tag. Die angebliche Tote ist gar nicht diejenige, die im Sarg liegen sollte, und beide Todesfälle sind auf eine Vergiftung mit Convallatoxin aus Maiglöckchen zurückzuführen.
Obwohl Peggy sich auf die unmittelbar bevorstehende Geburt ihres ersten Enkelkind freut, verzichtet sie nicht darauf, ihre Nase in lebensgefährliche Angelegenheiten zu stecken und wird bereits ganz zu Beginn dieses Buches attackiert, als sie Hausfriedensbruch begeht. Doch die bald sechzig Jahre alte Frau liebt zwar ihre Tätigkeit in ihrem Blumengeschäft und den Kundenkontakt, aber die Pflanzenpflege allein genügt ihr nicht und keinesfalls möchte sie die Abwechslung missen, welche die forensische Botanik mit sich bringt.
Und so wird auch dieser Fall von der Polizei und dank ihrer tatkräftigen Mithilfe gelöst werden. Die vielen nach wie vor offen bleibenden Fragen rund um Johns Ableben lassen auf eine baldige Fortsetzung hoffen, in der bestimmt auch das aufkeimende Misstrauen zwischen Peggy und Steve er- und geklärt wird.
Joyce and Jim Lavene:
Lethal Lily
Eigenverlag , 2014
Diesem verlockend erscheinenden Angebot kann Peggy nicht widerstehen, denn das ungelüftete Geheimnis um Johns Tod hängt nach wie vor wie ein dunkler Schatten über ihrem grundsätzlich glücklichen Leben. Die Zusammenarbeit von Peggy und Fletcher ist von kurzer Dauer, denn als der Detektiv eine Verabredung versäumt, findet die Botanikerin ihn tot in seiner Wohnung liegen. Die äusseren Umstände lassen die Expertin vermuten, dass er vergiftet worden ist.
Da sie nun von Seiten des Detektivs keine Hilfe mehr für den Zugriff auf die versprochenen Unterlagen, die in einem Lagerhaus aufbewahrt werden, erwarten kann, sucht sie nach einer anderen Möglichkeit Einblick in die Dokumente zu bekommen. Als Fletchers Nachlass aus dem Lager versteigert wird, bietet sie deshalb mit, muss sich aber geschlagen geben, als ein hartnäckiger Gegenbieter sie laufend übertrumpft und den Preis in die Höhe treibt.
Parallel mit der Ermittlung um den Mord an Harry Fletcher wird auch der Tod seiner Frau Ann nochmals neu aufgerollt und die Untersuchung der exhumierten Leiche bringt erstaunliche Ergebnisse an den Tag. Die angebliche Tote ist gar nicht diejenige, die im Sarg liegen sollte, und beide Todesfälle sind auf eine Vergiftung mit Convallatoxin aus Maiglöckchen zurückzuführen.
Obwohl Peggy sich auf die unmittelbar bevorstehende Geburt ihres ersten Enkelkind freut, verzichtet sie nicht darauf, ihre Nase in lebensgefährliche Angelegenheiten zu stecken und wird bereits ganz zu Beginn dieses Buches attackiert, als sie Hausfriedensbruch begeht. Doch die bald sechzig Jahre alte Frau liebt zwar ihre Tätigkeit in ihrem Blumengeschäft und den Kundenkontakt, aber die Pflanzenpflege allein genügt ihr nicht und keinesfalls möchte sie die Abwechslung missen, welche die forensische Botanik mit sich bringt.
Und so wird auch dieser Fall von der Polizei und dank ihrer tatkräftigen Mithilfe gelöst werden. Die vielen nach wie vor offen bleibenden Fragen rund um Johns Ableben lassen auf eine baldige Fortsetzung hoffen, in der bestimmt auch das aufkeimende Misstrauen zwischen Peggy und Steve er- und geklärt wird.
Joyce and Jim Lavene:
Lethal Lily
Eigenverlag , 2014
1. Juni 2016
Valérie Gans: Lorraine und die Entdeckung des Glücks
Blumen sind schon seit längst vergangenen Kindertagen die Passion von Lorraine. Ihr Vater züchtet Rosen und hat seiner jüngeren Tochter die „Rousse de Lorraine“ gewidmet. Sie selber kultiviert sogar im Badezimmer Orchideen und Seerosen. Weder ihr Sohn noch ihre Tochter scheint dieses Gen geerbt zu haben. Seit ihrer Scheidung zieht Lorraine ihre beiden Kinder alleine gross und arbeitet im Blumenladen ihrer Freundin Maya. Besonders gefragt sind ihre Sträusse aus Duftpflanzen und Blumen aus dem Gemüsegarten. Dafür reisen nicht wenig Pariser durch die halbe Stadt. Nächstes Ziel der Anfang Vierzigerin ist das Monopol auf Brautsträusse. Und ein neuer Mann an ihrer Seite wäre auch nicht zu verachten, kommt sie doch im hektischen Alltag oft zu kurz.
Lorraines fünfzehnjähriger Sohn Bastien übernimmt immer häufiger selbständig Aufgaben im Haushalt. Die vierzehnjährige Schwester Louise und ihre schlechten Launen hält er mit Bestechungsversuchen in bar und in Form von Nutella in Grenzen. Richtig in seinem Element ist er, wenn er kochen kann. Während einer Blumenauslieferung anlässlich einer Beerdigung glaubt Lorraine ihre Jugendliebe gesehen zu haben. Und tatsächlich steht einige Tage später Cyrille im Blumenladen. Hals über Kopf stürzt sich Lorraine in eine Affäre mit dem verheirateten Mann und Vater von drei Kindern, der kurz vor seinem Karrierehöhepunkt im Familienunternehmen seiner Frau steht.
Schon bald träumt Lorraine von einer gemeinsamen Zukunft. Doch wie meist lässt sie sich von der Ereignissen überrollen und ist auch ganz gut darin, Unangenehmes auszublenden. Cyrille denkt gar nicht daran, seine Frau zu verlassen, denn damit würde er kurz vor Erreichen seiner beruflichen Ziele alles, was ihm bisher wichtig war, aufs Spiel setzen. Die beiden frisch Verliebten haben sich zwar nach Jahrzehnten wieder gefunden, aber ihr diametral unterschiedliches Verhältnis zur Wahrheit ist kein Brückenbauer. Lügen sind aber nicht nur zwischen diesen zwei Protagonisten ein Thema. Da gibt es auch noch ein gut gehütetes Familiengeheimnis in Lorraines Elternhaus, das plötzlich aufgedeckt wird, und ihre Schwester lässt sich scheinbar willenlos von ihrem Partner zerstören, was unbedingt verhindert werden muss. Wenigstens kann sich die Blumenkünstlerin jederzeit auf ihre lebenskluge Freundin Maya verlassen, von der sie vorbehaltslos unterstützt wird und die auch Dinge aufs Tapet bringt, die Lorraine nicht hören will.
„Lorraine und die Entdeckung des Glücks“ beginnt wie ein leichter Liebesroman, dessen Ende vorprogrammiert ist. Die Autorin packt aber im Verlauf der Erzählung immer mehr Themen und Klischees herein und überlädt die Geschichte. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lorraine und Cyrille ist durchaus nachvollziehbar und plausibel, aber das (zwar) überraschende Ende des Romans doch etwas übertrieben. Irgendwie passt auch der deutsche Titel nicht zum Buch (Original: Le bruit des silences).
Ein floraler Romanhintergrund ist noch lange kein Garant auf lesenswerte Lektüre. Blumiges kommt nämlich tatsächlich recht häufig vor. Da geht es etwa wiederholt um die in Belgien aufgestöberte alte Rose „Constance Printy“ oder neue Blumenbeete, die im Innenhof des Ladens angelegt werden dürfen, auf denen bald die Zutaten für raffinierte und zarte Sträusse wachsen. Und die Beschreibung der Familienferien in der Dordogne weckte in der Sofagärtnerin Erinnerungen an lange zurückliegende Kanu- und Veloferien in der Gegend.
Valérie Gans:
Lorraine und die Entdeckung des Glücks
Diana Verlag, 2015
Lorraines fünfzehnjähriger Sohn Bastien übernimmt immer häufiger selbständig Aufgaben im Haushalt. Die vierzehnjährige Schwester Louise und ihre schlechten Launen hält er mit Bestechungsversuchen in bar und in Form von Nutella in Grenzen. Richtig in seinem Element ist er, wenn er kochen kann. Während einer Blumenauslieferung anlässlich einer Beerdigung glaubt Lorraine ihre Jugendliebe gesehen zu haben. Und tatsächlich steht einige Tage später Cyrille im Blumenladen. Hals über Kopf stürzt sich Lorraine in eine Affäre mit dem verheirateten Mann und Vater von drei Kindern, der kurz vor seinem Karrierehöhepunkt im Familienunternehmen seiner Frau steht.
Schon bald träumt Lorraine von einer gemeinsamen Zukunft. Doch wie meist lässt sie sich von der Ereignissen überrollen und ist auch ganz gut darin, Unangenehmes auszublenden. Cyrille denkt gar nicht daran, seine Frau zu verlassen, denn damit würde er kurz vor Erreichen seiner beruflichen Ziele alles, was ihm bisher wichtig war, aufs Spiel setzen. Die beiden frisch Verliebten haben sich zwar nach Jahrzehnten wieder gefunden, aber ihr diametral unterschiedliches Verhältnis zur Wahrheit ist kein Brückenbauer. Lügen sind aber nicht nur zwischen diesen zwei Protagonisten ein Thema. Da gibt es auch noch ein gut gehütetes Familiengeheimnis in Lorraines Elternhaus, das plötzlich aufgedeckt wird, und ihre Schwester lässt sich scheinbar willenlos von ihrem Partner zerstören, was unbedingt verhindert werden muss. Wenigstens kann sich die Blumenkünstlerin jederzeit auf ihre lebenskluge Freundin Maya verlassen, von der sie vorbehaltslos unterstützt wird und die auch Dinge aufs Tapet bringt, die Lorraine nicht hören will.
„Lorraine und die Entdeckung des Glücks“ beginnt wie ein leichter Liebesroman, dessen Ende vorprogrammiert ist. Die Autorin packt aber im Verlauf der Erzählung immer mehr Themen und Klischees herein und überlädt die Geschichte. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lorraine und Cyrille ist durchaus nachvollziehbar und plausibel, aber das (zwar) überraschende Ende des Romans doch etwas übertrieben. Irgendwie passt auch der deutsche Titel nicht zum Buch (Original: Le bruit des silences).
Ein floraler Romanhintergrund ist noch lange kein Garant auf lesenswerte Lektüre. Blumiges kommt nämlich tatsächlich recht häufig vor. Da geht es etwa wiederholt um die in Belgien aufgestöberte alte Rose „Constance Printy“ oder neue Blumenbeete, die im Innenhof des Ladens angelegt werden dürfen, auf denen bald die Zutaten für raffinierte und zarte Sträusse wachsen. Und die Beschreibung der Familienferien in der Dordogne weckte in der Sofagärtnerin Erinnerungen an lange zurückliegende Kanu- und Veloferien in der Gegend.
Valérie Gans:
Lorraine und die Entdeckung des Glücks
Diana Verlag, 2015
20. Mai 2016
Carolee Snyder: Herbal Blessings
Den Grundstein für ihre erfolgreiche Kräutergärtnerei hat Callie Gardener Franklin einst mit dem Kauf von verschiedenen Sämereien und der ersten Aufzucht von Kräutern und anderen Pflanzen, die sie auf Märkten verkauft hat, gelegt. Später ergänzte sie ihr Sortiment um aus Kräutern hergestellte Produkte und wagte schliesslich den Sprung in die Selbständigkeit. Mit dem Gartenroman „Herbal Blessing“ begleitet die Leserin Callie durch ihr turbulentes viertes Jahr als Eigentümerin und Geschäftsführerin der „Joyful Heart Herb Farm“.
Auch nach ihrer Heirat und den vielen Einschränkungen, wie etwa permanenten peniblen Sicherheitskontrollen, die das Leben mit einem Multimillionär anscheinend mit sich bringen, betreibt Callie weiterhin mit viel Freude ihre Kräuterfarm. Hunderte Duftkissen muss sie verkaufen, um eine einzige Stromrechnung bezahlen zu können. Nichtsdestotrotz bedeutet der jungen Frau die mit ihrer beruflichen Selbständigkeit hart erarbeitete finanzielle Unabhängigkeit mindestens so viel wie ihrem Mann seine riesigen Industriebetriebe - auch wenn die erzielten Umsätze nicht vergleichbar sind.
Kaum hat sich Callie von dem Anschlag auf ihr Leben und der daraus resultierenden Fehlgeburt etwas erholt, ist sie das Ziel einer gemeinen Verleumdungskampagne und ihr Name und ihre Gärtnerei sorgen wochenlang für negative Schlagzeilen, worauf die Umsätze völlig einbrechen. Als Konsequenz muss die Unternehmerin ihre Kosten drastisch reduzieren und kann weniger Personal beschäftigen. Auch ihre Freundin Lou Ann macht eine schwere Zeit durch. Sie verheimlicht ihre schwere Krebserkrankung und minimiert durch ihren Entscheid gegen eine Operation und für eine experimentelle Chemo ihre Chancen auf Genesung.
Das vierte Jahr bringt aber nicht nur Tiefschläge, sondern auch hortikulturelle und private Höhepunkte, zu denen auch eine Reise nach Paris mit Besuchen von Rosengärten und Monets Giverny gehört. Wie in den Vorgängertiteln wird nach jedem Monat und Kapitel eine Pflanze thematisiert, und die Autorin vermittelt Hintergrundwissen über Herkunft, Geschichte sowie Hinweise zu Pflege. Zu den portraitierten Gewächsen gehören Wacholder, Ingwer und Stevia. Der Zuckerersatz mit gegenwärtig grosser Nachfrage wurde in Kalifornien vor dem zweiten Weltkrieg in grossen Mengen angebaut. Nicht wegen des gleichen Zwecks wie heutzutage. Dannzumal waren die weissen Blüten eine beliebte Zugabe in Sträussen mit langstieligen roten Rosen.
Das Buch „Herbal Blessings“ gibt detaillierte Einblicke in das Führen einer Kräutergärtnerei im Ablauf eines Jahres mit Säen, Pikieren, Wässern, Pflege, Schädlingsbekämpfung und Verkaufen. Neben diesen alltäglichen Tätigkeiten gehören regelmässige Vorträge und Präsentationen zu Callies Aufgaben; sei dies im Rahmen von Messen und Märkten oder anlässlich von speziellen Gärtnerei-Events wie „Name the Puppies Contest“, „Fairy Day“, „Rose Day“, „Garlic Festival“, "Lavender Daze“, „Herbal First Aid-Workshop“ oder der „National Herb Week“. Callie verabschiedet sich auf Initiative und mit Unterstützung einer engagierten Angestellten von ihrer „Zettelwirtschaft“ und verlässt sich vermehrt auf EDV-Programme und sie staunt über die Wirkung von Social Media.
Die Autorin packt für meinen Geschmack übertrieben viel „Action“ in diese Garten-Novellen. Wieso eigentlich? Erscheint ihr der Alltag, der vermutlich ihren eigenen weitgehend widerspiegelt, zu wenig unterhaltsam? Zu der doch recht unglaubwürdigen Ansammlung von Unglücksfällen gehören dieses Mal zwei (oder besser 1 ½ Entführungen), die bereits erwähnten Verleumdungen, Internet-Stalking, Eingriff in die Computer durch Dritte, Diebstähle und ein schwerer Terroranschlag.
Gemäss Angaben im Vowort zur Publikation ist dies die letzte Folge aus der Herbal-Serie, in der im Anhang unter anderem Rezepte für einen "Hummingbird Cake", "Ribbon Cookies", "Calendula Cookies", "Anise Hyssop Cookies" und "Lavender-Lime Blueberry Bars" zu finden sind.
Die Autorin Carolee Snyder verschickt regelmässig ausführliche Newsletters mit Informationen rund um ihre eigene Herb Farm. Thema sind neben Neuigkeiten aus der Gärtnerei auch Gartenreisen und Rezepte. Falls die Gartenromane rund um Callie Gardener Franklin doch eine Fortsetzung erfahren sollten, wird dies auch auf diesem Weg zu erfahren sein.
Links zu den früheren Buchvorstellungen: "Herbal Beginnings", "Herbal Choices" und "Herbal Passions"
Carolee Snyder:
Herbal Blessings – A Gardening Novel with Herbal Recipes
Authorhouse, 2014
Auch nach ihrer Heirat und den vielen Einschränkungen, wie etwa permanenten peniblen Sicherheitskontrollen, die das Leben mit einem Multimillionär anscheinend mit sich bringen, betreibt Callie weiterhin mit viel Freude ihre Kräuterfarm. Hunderte Duftkissen muss sie verkaufen, um eine einzige Stromrechnung bezahlen zu können. Nichtsdestotrotz bedeutet der jungen Frau die mit ihrer beruflichen Selbständigkeit hart erarbeitete finanzielle Unabhängigkeit mindestens so viel wie ihrem Mann seine riesigen Industriebetriebe - auch wenn die erzielten Umsätze nicht vergleichbar sind.
Kaum hat sich Callie von dem Anschlag auf ihr Leben und der daraus resultierenden Fehlgeburt etwas erholt, ist sie das Ziel einer gemeinen Verleumdungskampagne und ihr Name und ihre Gärtnerei sorgen wochenlang für negative Schlagzeilen, worauf die Umsätze völlig einbrechen. Als Konsequenz muss die Unternehmerin ihre Kosten drastisch reduzieren und kann weniger Personal beschäftigen. Auch ihre Freundin Lou Ann macht eine schwere Zeit durch. Sie verheimlicht ihre schwere Krebserkrankung und minimiert durch ihren Entscheid gegen eine Operation und für eine experimentelle Chemo ihre Chancen auf Genesung.
Das vierte Jahr bringt aber nicht nur Tiefschläge, sondern auch hortikulturelle und private Höhepunkte, zu denen auch eine Reise nach Paris mit Besuchen von Rosengärten und Monets Giverny gehört. Wie in den Vorgängertiteln wird nach jedem Monat und Kapitel eine Pflanze thematisiert, und die Autorin vermittelt Hintergrundwissen über Herkunft, Geschichte sowie Hinweise zu Pflege. Zu den portraitierten Gewächsen gehören Wacholder, Ingwer und Stevia. Der Zuckerersatz mit gegenwärtig grosser Nachfrage wurde in Kalifornien vor dem zweiten Weltkrieg in grossen Mengen angebaut. Nicht wegen des gleichen Zwecks wie heutzutage. Dannzumal waren die weissen Blüten eine beliebte Zugabe in Sträussen mit langstieligen roten Rosen.
Das Buch „Herbal Blessings“ gibt detaillierte Einblicke in das Führen einer Kräutergärtnerei im Ablauf eines Jahres mit Säen, Pikieren, Wässern, Pflege, Schädlingsbekämpfung und Verkaufen. Neben diesen alltäglichen Tätigkeiten gehören regelmässige Vorträge und Präsentationen zu Callies Aufgaben; sei dies im Rahmen von Messen und Märkten oder anlässlich von speziellen Gärtnerei-Events wie „Name the Puppies Contest“, „Fairy Day“, „Rose Day“, „Garlic Festival“, "Lavender Daze“, „Herbal First Aid-Workshop“ oder der „National Herb Week“. Callie verabschiedet sich auf Initiative und mit Unterstützung einer engagierten Angestellten von ihrer „Zettelwirtschaft“ und verlässt sich vermehrt auf EDV-Programme und sie staunt über die Wirkung von Social Media.
Die Autorin packt für meinen Geschmack übertrieben viel „Action“ in diese Garten-Novellen. Wieso eigentlich? Erscheint ihr der Alltag, der vermutlich ihren eigenen weitgehend widerspiegelt, zu wenig unterhaltsam? Zu der doch recht unglaubwürdigen Ansammlung von Unglücksfällen gehören dieses Mal zwei (oder besser 1 ½ Entführungen), die bereits erwähnten Verleumdungen, Internet-Stalking, Eingriff in die Computer durch Dritte, Diebstähle und ein schwerer Terroranschlag.
Gemäss Angaben im Vowort zur Publikation ist dies die letzte Folge aus der Herbal-Serie, in der im Anhang unter anderem Rezepte für einen "Hummingbird Cake", "Ribbon Cookies", "Calendula Cookies", "Anise Hyssop Cookies" und "Lavender-Lime Blueberry Bars" zu finden sind.
Die Autorin Carolee Snyder verschickt regelmässig ausführliche Newsletters mit Informationen rund um ihre eigene Herb Farm. Thema sind neben Neuigkeiten aus der Gärtnerei auch Gartenreisen und Rezepte. Falls die Gartenromane rund um Callie Gardener Franklin doch eine Fortsetzung erfahren sollten, wird dies auch auf diesem Weg zu erfahren sein.
Links zu den früheren Buchvorstellungen: "Herbal Beginnings", "Herbal Choices" und "Herbal Passions"
Carolee Snyder:
Herbal Blessings – A Gardening Novel with Herbal Recipes
Authorhouse, 2014
10. Mai 2016
Gabriele Diechler: Ein englischer Sommer
Die dreissigjährige Annett hat nach ihrem Rechtswissenschaftsstudium nicht auf eine sichere Juristenkarriere gesetzt, sondern eine Ausbildung als Mediatorin abgeschlossen und sich in Berlin selbständig gemacht. Als ihr Freund ihr endlich seine schon länger bekannten und unumstösslichen Pläne für ein Auslandsjahr eröffnet, soll sie sich begeistert anschliessen. Doch warum hat er sie nicht eingeweiht und stellt sie vor vollendete Tatsachen? Das Paar trennt sich noch am selben Abend. Damit ist ein schlechter Tag noch nicht zu Ende, denn Annett erfährt noch in der gleichen Nacht vom unerwarteten Tod ihrer geliebten Grossmutter Jetta.
Annett reist bereits am nächsten Tag nach Stow-on-the-Wold. In diesem englischen Städtchen in den Cotswolds hat Jetta seit Jahrzehnten ein gut gehendes kleines Hotel geführt. Neben der Organisiation der Beerdigung muss festgelegt werden, wie der Hotelbetrieb vorerst aufrecht erhalten werden kann. Die Hinterbliebenen wie auch die Angestellten gehen davon aus, dass Jettas Tochter (also Annetts Mutter) Anne das Hotel erbt und letztere leitet auch unmittelbar nach ihrer Ankunft in England erste Schritte ein, um das Haus samt Umschwung zu verkaufen.
Gemäss Testament erbt jedoch Annett das Hotel. In dieser überraschenden Tatsache widerspiegeln sich die schwierigen Familienverhältnisse. Jetta hatte ein gespanntes Verhältnis zu ihrem Vater und auch die Beziehungen zwischen Jetta und ihrer Tochter Anne sowie jene zwischen Anne und Annett sind und waren schwierig, während sich Annett und Jetta immer sehr nahe gestanden sind. Anne fühlt sich übergangen, während Annett versucht, den Entscheid ihrer Grossmutter nachzuvollziehen. Gibt es allenfalls eine Möglichkeit, ihre Arbeit in Deutschland mit dem Hotelbetrieb in England zu kombinieren?
Jetta hat ihre Enkelin vor einiger Zeit gebeten, rasch möglichst nach England zu kommen, doch der Besuch hat nicht mehr stattgefunden. Beim Aufräumen findet Annett nun ein altes Tagebuch und stellt während der Lektüre fest, dass vieles, was sie über Jetta zu wissen glaubte, in Frage gestellt wird. Hat Jetta diese Zeilen je gelesen und wenn ja, warum hat sie nie darüber gesprochen?
In die Vorbereitungen zur Beerdigung mischt sich der bekannte Landschaftsarchitekt Edward Warrender ein, der unbedingt die Grabgestaltung übernehmen will. Wer ist dieser attraktive Mann, der schon als kleiner Junge den Duft von geschnittenem Gras und aufgeworfener Erde geliebt hat und welche Rolle hat er neben der gelungenen Umgestaltung des Innenhofs des Hotels in Jettas letzten Monaten gespielt?
Ein zweiter Erzählstrang führt immer wieder in die Vergangenheit. Die Autorin hat in diesem Roman die Problematik der gestohlenen Biografie der Kinder der Widerstandskämper im zweiten Weltkrieg und das Tabuthema Suizid eingearbeitet. Für Sofagärtnerinnen interessant ist der hortikulturelle Hintergrund rund um den Landschaftsarchitekten. Da gibt es etwa Probleme mit der Anordnung von Hecken im Rahmen eines Projekts, das Edward mit dem Gewinn einer europaweiten Ausschreibung für den Entwurf eines Labyrinths aus Buchsbaumhecken gewonnen hat, es werden Reportagen in Gartenzeitschriften erwartet, Rosen zurückgeschnitten und ein imposanter und Neid erweckender Dachgarten erwähnt.
Ein lesenswerter Roman mit zumeist sympathischen Charakteren, der Lust macht, das beschriebene Hotel selber zu entdecken, und trotz den ernsten Hintergrundthemen ein schöner Lesegenuss. Das Ende ist zwar wenig überraschend, aber durch die eingeschobenen Zeitsprünge wird die Spannung gehalten.
Gabriele Diechler:
Ein englischer Sommer
Insel Verlag, 2015
Annett reist bereits am nächsten Tag nach Stow-on-the-Wold. In diesem englischen Städtchen in den Cotswolds hat Jetta seit Jahrzehnten ein gut gehendes kleines Hotel geführt. Neben der Organisiation der Beerdigung muss festgelegt werden, wie der Hotelbetrieb vorerst aufrecht erhalten werden kann. Die Hinterbliebenen wie auch die Angestellten gehen davon aus, dass Jettas Tochter (also Annetts Mutter) Anne das Hotel erbt und letztere leitet auch unmittelbar nach ihrer Ankunft in England erste Schritte ein, um das Haus samt Umschwung zu verkaufen.
Gemäss Testament erbt jedoch Annett das Hotel. In dieser überraschenden Tatsache widerspiegeln sich die schwierigen Familienverhältnisse. Jetta hatte ein gespanntes Verhältnis zu ihrem Vater und auch die Beziehungen zwischen Jetta und ihrer Tochter Anne sowie jene zwischen Anne und Annett sind und waren schwierig, während sich Annett und Jetta immer sehr nahe gestanden sind. Anne fühlt sich übergangen, während Annett versucht, den Entscheid ihrer Grossmutter nachzuvollziehen. Gibt es allenfalls eine Möglichkeit, ihre Arbeit in Deutschland mit dem Hotelbetrieb in England zu kombinieren?
Jetta hat ihre Enkelin vor einiger Zeit gebeten, rasch möglichst nach England zu kommen, doch der Besuch hat nicht mehr stattgefunden. Beim Aufräumen findet Annett nun ein altes Tagebuch und stellt während der Lektüre fest, dass vieles, was sie über Jetta zu wissen glaubte, in Frage gestellt wird. Hat Jetta diese Zeilen je gelesen und wenn ja, warum hat sie nie darüber gesprochen?
In die Vorbereitungen zur Beerdigung mischt sich der bekannte Landschaftsarchitekt Edward Warrender ein, der unbedingt die Grabgestaltung übernehmen will. Wer ist dieser attraktive Mann, der schon als kleiner Junge den Duft von geschnittenem Gras und aufgeworfener Erde geliebt hat und welche Rolle hat er neben der gelungenen Umgestaltung des Innenhofs des Hotels in Jettas letzten Monaten gespielt?
Ein zweiter Erzählstrang führt immer wieder in die Vergangenheit. Die Autorin hat in diesem Roman die Problematik der gestohlenen Biografie der Kinder der Widerstandskämper im zweiten Weltkrieg und das Tabuthema Suizid eingearbeitet. Für Sofagärtnerinnen interessant ist der hortikulturelle Hintergrund rund um den Landschaftsarchitekten. Da gibt es etwa Probleme mit der Anordnung von Hecken im Rahmen eines Projekts, das Edward mit dem Gewinn einer europaweiten Ausschreibung für den Entwurf eines Labyrinths aus Buchsbaumhecken gewonnen hat, es werden Reportagen in Gartenzeitschriften erwartet, Rosen zurückgeschnitten und ein imposanter und Neid erweckender Dachgarten erwähnt.
Ein lesenswerter Roman mit zumeist sympathischen Charakteren, der Lust macht, das beschriebene Hotel selber zu entdecken, und trotz den ernsten Hintergrundthemen ein schöner Lesegenuss. Das Ende ist zwar wenig überraschend, aber durch die eingeschobenen Zeitsprünge wird die Spannung gehalten.
Gabriele Diechler:
Ein englischer Sommer
Insel Verlag, 2015
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