Eine eher achtlos gepflanzte Helleborus erweckte Jahre nach ihrer Pflanzung wegen ihrer schönen Blüten und nicht zuletzt wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit plötzlich die Aufmerksamkeit der Fotografin Christine Becker und entfachte damit eine bis heute andauernde Leidenschaft und gleichzeitig die Möglichkeit, die kalte Jahreszeit durch erste Blühhöhepunkte zu überbrücken. Längst gibt sich die Autorin nicht mehr mit dem Pflanzenmaterial zufrieden, das sie auf Märkten und im Internet findet, sondern sie betätigt sich selber als Züchterin.
Deutschsprachige Literatur über Christ- oder Lenzrosen ist eher Mangelware. Diese Lücke füllt Christine Becker nun gleich mit zwei Büchern, die 2010 und 2011 erschienen sind: „Helleborus in unseren Gärten“ und „Helleborus – Eine Monografie“. In diesen Publikationen gibt sie ihr Wissen, ihre Erfahrung und nicht zuletzt ihren Enthusiasmus an interessierte Leserinnen und Leser weiter.
Im schmalen Büchlein „Helleborus in unseren Gärten“ gibt die Autorin auf knapp 80 Seiten einen kurzen Überblick in Legenden, Geschichte und Zucht rund um die Vorfrühlingsblüher. Themen wie Pflege und Krankheiten sowie Bezugsquellen runden die Publikation ab, die mit eigenen Fotos der studierten Fotografin illustriert ist. Dieses Büchlein ist übrigens ein schönes Beispiel, das auch unter dem Label „Books on Demand“ optisch ansprechende Bücher produziert werden können.
Für den anspruchsvolleren lesenden Gärtner, der vielleicht schon längst weiss, dass Christrosen kein Dasein im Schatten fristen möchten und müssen, sondern auch an einem sonnigen Plätzchen gut gedeihen, und der sein Wissen über Helleborus vertiefen möchte, ist die deutlich aufwendigere Produktion „Helleborus – Eine Monografie“ zu empfehlen. Diese ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Spurensuche
- Synonyme
- Heilkunde und Experimente
- Legenden, Fabeln, Dichtung und Mythen
- Beschreibung der Arten
- Pflege
- Gartenhybriden
- Blüten à la Trompe-l’oeil – Schönheit der Vergänglichkeit
- Das Buch, Literatur und Anmerkungen, Bild- und Bezugsquellen
Im Kapitel „Spurensuche“ gibt die Autorin einen ausführlichen Überblick über Philosophen, Theologen, Mediziner, Dichter, Künstler, Botaniker und Enthusiasten, die sich in den vergangenen Jahrhunderten mit Helleborus beschäftigt haben. Über die Herkunft des Namens Helleborus gibt es verschiedene Auslegungen, doch kann keine schlüssig belegt werden. Ebenso vielfältig und nicht über jeden Zweifel erhaben war die Verwendung der giftigen Pflanze als Heilmittel. So wurden zu Zeiten des berühmten römischen Dichters Horaz Helleborusrezepturen zusammengemischt, die den Geist erweitern und erfrischen sollten. Vor Nachahmungen wird deutlich abgeraten! Daneben spielte die Pflanze in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in Komödien und Dramen eine Rolle. Und erst viel später nahm die kostbare Pflanze auch ihrer Schönheit wegen Einzug in die europäischen Gärten - ein Trend, der bis heute ungebrochen ist.
Im geschichtlichen Überblick dürfen natürlich auch Züchternamen wie Helen Ballard, Elizabeth Strangman, Graham Rice und Eric Smith nicht fehlen. Daneben erwähnt die Autorin auch Briefmarkenserien, auf welchen Helleborus abgebildet sind, führt fast unzählige volkstümliche Namen für die beliebte Giftpflanze auf (z.B. Hemmer, Schneekannerl, Lauskraut, Gärbala) und erklärt, dass der Niesen, ein Berg bei Spiez am Thunersee, nach der Nieswurz benannt worden sein soll.
Das Kapitel „Beschreibung der Arten“ enthält eine kurze botanische Systematisierung, die schematische Darstellung einer Blüte, Beschreibungen der stammlosen und stammbildenden Arten sowie Abbildungen von Blattformen von Wildpflanzen, Gartenformen, Züchtungen und Hybriden, die einen Eindruck über deren Vielfältigkeit vermitteln. Rund sechzig Seiten der informativen und inspirierenden Publikation sind mit ganzseitigen Fotos der Autorin und Fotografin bedruckt, die das Liebhaberherz höher schlagen lassen und Begehrlichkeiten wecken. Gemeinsam mit den abgebildeten Drucken und Stichen ist das Buch eine wahre Augenweide und auch für Kunstfreunde interessant. Abgeschlossen wird die teilweise zweisprachige Publikation (deutsch und englisch) durch ausführliche Hinweise zu weiterführender Literatur und Anmerkungen zur Spurensuche sowie Bild- und Bezugsquellen. Als etwas störend, weil den Lesefluss hemmend, empfand ich einzig die spezielle Schrift, welche die Konsonantenkombinationen „st“ und „sb“ miteinander verbindet.
Auch in meinem Garten wachsen ein paar Orientalis-Hybriden, deren Blüten ich nicht missen möchte. Zwar ärgere ich mich beinahe jährlich über mich selber und meine Unfähigkeit, die welken Blütenstände rechtzeitig zu entfernen, welche mir regelmässig beinahe unzählige Sämlinge beschert, deren Entfernen mit Sicherheit mehr Zeit beansprucht, als das Abknipsen der Samenanlagen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die bereits in den „Startlöchern“ stehende nächste Blütenpracht und verbringe die Zeit im warmen Sofagarten unter anderem mit Schmökern im gerade wiederentdeckten Buch „Zeitlos flattern Blütenträume …“, ebenfalls von Christine Becker. Darin plaudert sie (vor ihrer Helleborus-Infizierung) über ihren Garten und zeigt eigene Aufnahmen aus demselben.
Christine Becker:
Helleborus – Eine Monografie
Edition Viridit Art, 2011
Helleborus in unseren Gärten
Books on Demand, 2010
Webseite von Christine Becker: www.helleborus-hellebores.com (das Buch ist nur direkt bei der Autorin oder via Amazon erhältlich)
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30. Dezember 2011
5. September 2012
Carole Ottesen: Dying for the Christmas Rose
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet. Alle wichtigen Persönlichkeiten aus der Helleborus-Welt werden dort anwesend sein. Alle ausser Tate Adkins, ihrem Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Von ihm geblieben sind der Frau, die sich als Gartendesignerin ein Zubrot verdient, neben ihren Erinnerungen ein mit kleinen Helleborus-Pflanzen gesäumter Weg in ihrem Garten.
Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist Mim‘s Umfeld der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärts schauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abzuschliessen und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass diese Tage inmitten von Leuten, die Tate gut gekannt haben, auch sehr schmerzliche Momente beinhalten werden. Glücklicherweise nimmt auch ihre Freundin Sally an der Tagung teil. Und die beiden wollen die Gelegenheit nutzen, zwischen den Vorträgen an ihrer geplanten gemeinschaftlichen Buchproduktion über Gestaltung mit Kräutern zu arbeiten.
Auf der Hinreise zur Tagung trifft Mim im Zug für sie überraschend ihren alten Bekannten Kevin, der als Reisejournalist ständig unterwegs ist, und ebenfalls an der Helleborus-Konferenz teilnehmen will. Er möchte aus erster Hand mehr über verschiedene mysteriöse Todesfälle unter Christrosen-Züchtern erfahren und darüber ein Buch schreiben. Und Mim vernimmt während der gemeinsamen Zugreise, dass Kevin zur gleichen Zeit wie Tate im Balkan unterwegs war, und diesem sogar begegnet ist.
Die eher unscheinbare 35jährige Margaret Stemple hat keinen Aufwand gescheut, ein hochwertiges Programm für die Helleborus-Konferenz zusammenzustellen. Für sich persönlich hofft sie, dass sich ihre jahrelange aufopfernde Arbeit im Hintergrund für die hortikulturellen Vereine endlich auszahlen und ihr der ihr gebührende Respekt entgegengebracht wird. Und vielleicht liegt auch ein privates Glück drin?
Auch Amy hat sich einer schwierigen Aufgabe zu stellen. Ihr Verlobter, der bekannte und erfolgreiche Helleborus-Züchter JP, ist vor zwei Wochen bei einem Einbruch in ihr gemeinsames Heim ermordet worden. Bei der Tat wurden sämtliche Computer und CDs gestohlen. Dank einer zufällig in einer Jacke steckenden Datensicherung auf einem Stick kann und will Amy unbedingt persönlich den Konferenzteilnehmern JP's für diese Tagung vorbereitetes Programm vorstellen. Doch warum nutzt die Organisatorin Margaret Stemple jede Gelegenheit, diesen Wunsch zu sabotieren?
Spannender Krimi rund um Züchter und Sammler von Helleboren, der Einblick gibt in die heutige Pflanzenjagd und den (nicht immer fesselnden) Ablauf einer mehrtägigen Helleborus-Konferenz für Gartenjournalisten. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen, die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan und es ist auch die Rede von blauen Helleboren. Die ideale Lektüre, um die Zeit bis zur nächsten Helleborus-Blüte zu überbrücken!
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist Mim‘s Umfeld der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärts schauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abzuschliessen und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass diese Tage inmitten von Leuten, die Tate gut gekannt haben, auch sehr schmerzliche Momente beinhalten werden. Glücklicherweise nimmt auch ihre Freundin Sally an der Tagung teil. Und die beiden wollen die Gelegenheit nutzen, zwischen den Vorträgen an ihrer geplanten gemeinschaftlichen Buchproduktion über Gestaltung mit Kräutern zu arbeiten.
Auf der Hinreise zur Tagung trifft Mim im Zug für sie überraschend ihren alten Bekannten Kevin, der als Reisejournalist ständig unterwegs ist, und ebenfalls an der Helleborus-Konferenz teilnehmen will. Er möchte aus erster Hand mehr über verschiedene mysteriöse Todesfälle unter Christrosen-Züchtern erfahren und darüber ein Buch schreiben. Und Mim vernimmt während der gemeinsamen Zugreise, dass Kevin zur gleichen Zeit wie Tate im Balkan unterwegs war, und diesem sogar begegnet ist.
Die eher unscheinbare 35jährige Margaret Stemple hat keinen Aufwand gescheut, ein hochwertiges Programm für die Helleborus-Konferenz zusammenzustellen. Für sich persönlich hofft sie, dass sich ihre jahrelange aufopfernde Arbeit im Hintergrund für die hortikulturellen Vereine endlich auszahlen und ihr der ihr gebührende Respekt entgegengebracht wird. Und vielleicht liegt auch ein privates Glück drin?
Auch Amy hat sich einer schwierigen Aufgabe zu stellen. Ihr Verlobter, der bekannte und erfolgreiche Helleborus-Züchter JP, ist vor zwei Wochen bei einem Einbruch in ihr gemeinsames Heim ermordet worden. Bei der Tat wurden sämtliche Computer und CDs gestohlen. Dank einer zufällig in einer Jacke steckenden Datensicherung auf einem Stick kann und will Amy unbedingt persönlich den Konferenzteilnehmern JP's für diese Tagung vorbereitetes Programm vorstellen. Doch warum nutzt die Organisatorin Margaret Stemple jede Gelegenheit, diesen Wunsch zu sabotieren?
Spannender Krimi rund um Züchter und Sammler von Helleboren, der Einblick gibt in die heutige Pflanzenjagd und den (nicht immer fesselnden) Ablauf einer mehrtägigen Helleborus-Konferenz für Gartenjournalisten. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen, die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan und es ist auch die Rede von blauen Helleboren. Die ideale Lektüre, um die Zeit bis zur nächsten Helleborus-Blüte zu überbrücken!
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
11. Dezember 2009
Winterblüten
Im weitläufige Gelände meiner angeheirateten Verwandtschaft in Norditalien habe ich vor ungefähr zwei Jahrzehnten nicht nur die inzwischen zu meinen Lieblingen zählenden kleinblütigen, wild wachsenden Cyclamen (C. hederifolium) für mich entdeckt. Vor mindestens fünfzehn Jahren, in der Adventszeit, stiess ich auf einen weiteren Gartenschatz. In einem kleinen von Bäumen gesäumten Tälchen bildeten unzählige Christrosen (H. niger) einen fast undurchlässigen Teppich. Leider habe ich damals keine Fotos gemacht, aber das Bild hat sich fest in mein Gedächtnis eingegraben – inzwischen wohl etwas verklärt. Der erwähnte Garten hat inzwischen einen neuen Gärtner gefunden und ich kann nur hoffen, dass die Winterblüher den Umbau und die Umgestaltung der Parzelle überlebt haben…
Meine persönliche Bezugsquelle für Helleborus, eine nicht sehr weit entfernt gelegene Gärtnerei, hat leider den hiesigen Betrieb aufgegeben und jenseits der Grenze neue Zelte bzw. Gewächshäuser aufgeschlagen. Die vor einigen Jahren erstandenen Christ- und Lenzrosen in unserem Vorgärtchen haben bereits Blütenknospen gebildet und ich freue mich auf die lange Blütenzeit in verschiedenen Farben.
Die Vorfreude wird unterstützt durch einen ausführlichen Artikel über eine englische Helleborus-Gärtnerei mit umwerfenden Fotos in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Gardens Illustrated“ und dem Blättern in Helleborus-Büchern.
Das deutsche Buch „Helleborus“ (ursprünglich in Belgien erschienen) lockt ebenfalls mit schönen Blütenfotos. Neben den Portraits von drei bedeutenden holländischen Züchtern gibt der Titel dem Leser eine Einführung in Geschichte und Botanik dieser robusten Pflanzen sowie detaillierte Angaben zur Kultur im Garten. Weitere Kapital behandeln Themen wie Vermehren und Züchten, Farbe und Form und vermitteln einen Überblick über das umfangreiche Sortiment an Arten und Sorten.
Ähnlich aufgebaut ist der englische Titel „Hellebores“, dabei aber noch detaillierter und umfangreicher. Die Autoren und der Fotograf dieses Buches sind auf Reisen durch die USA und Europa immer wieder auf der Suche nach neuen Pflanzen. Ihr Erfahrungsschatz ist enorm und ihre Begeisterung für Christ- und Lenzrosen zieht sich wie ein roter Faden durch dieses umfangreiche Werk und springt auf den Leser und die Leserin über.
Die beiden Bücher sind nicht gerade billig, aber vielleicht hat jemand noch einen Weihnachtswunsch offen?
Hanneke van Dijk und Harry van Trier:
Helleborus
Eugen Ulmer, 2006
C. Colston Burrell und Judith Knott Tyler:
Hellebores
Timber Press, 2006
Meine persönliche Bezugsquelle für Helleborus, eine nicht sehr weit entfernt gelegene Gärtnerei, hat leider den hiesigen Betrieb aufgegeben und jenseits der Grenze neue Zelte bzw. Gewächshäuser aufgeschlagen. Die vor einigen Jahren erstandenen Christ- und Lenzrosen in unserem Vorgärtchen haben bereits Blütenknospen gebildet und ich freue mich auf die lange Blütenzeit in verschiedenen Farben.
Die Vorfreude wird unterstützt durch einen ausführlichen Artikel über eine englische Helleborus-Gärtnerei mit umwerfenden Fotos in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Gardens Illustrated“ und dem Blättern in Helleborus-Büchern.
Das deutsche Buch „Helleborus“ (ursprünglich in Belgien erschienen) lockt ebenfalls mit schönen Blütenfotos. Neben den Portraits von drei bedeutenden holländischen Züchtern gibt der Titel dem Leser eine Einführung in Geschichte und Botanik dieser robusten Pflanzen sowie detaillierte Angaben zur Kultur im Garten. Weitere Kapital behandeln Themen wie Vermehren und Züchten, Farbe und Form und vermitteln einen Überblick über das umfangreiche Sortiment an Arten und Sorten.
Ähnlich aufgebaut ist der englische Titel „Hellebores“, dabei aber noch detaillierter und umfangreicher. Die Autoren und der Fotograf dieses Buches sind auf Reisen durch die USA und Europa immer wieder auf der Suche nach neuen Pflanzen. Ihr Erfahrungsschatz ist enorm und ihre Begeisterung für Christ- und Lenzrosen zieht sich wie ein roter Faden durch dieses umfangreiche Werk und springt auf den Leser und die Leserin über.
Die beiden Bücher sind nicht gerade billig, aber vielleicht hat jemand noch einen Weihnachtswunsch offen?
Hanneke van Dijk und Harry van Trier:
Helleborus
Eugen Ulmer, 2006
C. Colston Burrell und Judith Knott Tyler:
Hellebores
Timber Press, 2006
13. März 2012
Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …
Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
9. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 2/5)
Ein bekannter Vertreter der weltweit verbreiteten Hahnenfussgewächse ist die Christrose Helleborus niger. Die krautige immergrüne Pflanze mit schwarzem Rhizom spielt im englischen Gartenkrimi «Dying for the Christmas Rose» von Carole Ottesen eine omnipräsente Rolle:
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.
Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.
Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.
Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.
Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.
Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.
Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.
Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.
Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.
Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.
Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.
Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.
22. August 2009
Pflanzensammler und ihre Leidenschaft
Stehen in Ihrem Garten schon fast unzählige Hostas, aber Ihre Sammeltrieb ist ungebrochen? Jeder Phlox zieht Sie wie magisch an? Oder jedes freie Plätzchen ist mit Fuchsien voll gestellt und noch mehr Ampeln finden beim besten Willen keinen Platz mehr? In Helga Pantens neuem Buch „Pflanzensammler und ihre Leidenschaft“ werden Sie auf Gleichgesinnte stossen. Es werden darin nämlich 34 Sammler portraitiert, deren Sucht ab und an doch recht seltsame Blüten treibt. Diese erzählen, wie sie sich mit dem Sammlervirus infiziert haben und über Lust und Frust mit Wettertücken, Schädlingen, Ausstellungen und Anekdoten darüber, wie die Schätze ihren Weg in ihre Kollektion gefunden haben. Ergänzt werden die Portraits mit Tipps und Adressen von Pflanzengesellschaften und den vorgestellten Gärten und Gärtnereien.
Vor bald zwanzig Jahren war ich selber (leicht) dem „Fuchsienfieber“ verfallen. Auf unserem kleinem Ostbalkon habe ich immerhin ungefähr 35 verschiedene Sorten zusammengetragen und gehegt und gepflegt. Nach einem Umzug fanden sich keine idealen Bedingungen mehr für die Reifröckchen in den Töpfen und der Fokus richtete sich auf andere Pflanzen. Etwas beschämend, aber heute besitze ich keine einzige Fuchsie mehr, obwohl sie mir immer noch gut gefallen. Das einzige Überbleibsel aus jener Zeit ist eine kleine Sammlung von Fuchsienbüchern.
Ganz anders hat es Rosie Friedl mit ihren 1500 Fuchsien. Aus ihrer Liebhaberei für diese Blumen ist inzwischen ein Beruf geworden und die Fachfrau führt eine eigene Spezialgärtnerei. Und sie ist nicht die einzige unter den Portraitierten, der es so ergangen ist. Da gibt es auch einen Kräuter- und Duftpflanzengärtner, der seine ersten Töpfe auf einem Flohmarkt verkaufte und dessen Sammlung mittlerweile 1400 Arten und Sorten umfasst und der in seiner Gärtnerei in den Sommermonaten rund 55 Mitarbeiter beschäftigt.
Neben in der Gartenszene einschlägig bekannten Namen wie Gisela Schmiemann mit ihren Helleborus und Schneeglöckchen oder der Efeu-Sammlung des verstorbenen Inbogert Heieck, gibt es u.a. auch Beiträge über Sammlungen von Stapelien, Orchideen, Clematis, Kleinkoniferen, Tomaten und Kiwis.
In England und Holland kümmern sich private Netzwerke darum, dass solche Sammlungen fortbestehen können, wenn beispielsweise die Pflege der unzähligen Schätze aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu schaffen ist. Spezielle Sammlungen erhalten das Prädikat „Nationale Pflanzensammlungen“. Für Deutschland soll nun etwas ähnliches auf die Beine gestellt werden, damit erhaltenswerte Sammlungen nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie die im Buch erwähnten untergepflügten Päonienbestände.
Helga Panten:
Pflanzensammler und ihre Leidenschaft
Eigenverlag, 2009
Vor bald zwanzig Jahren war ich selber (leicht) dem „Fuchsienfieber“ verfallen. Auf unserem kleinem Ostbalkon habe ich immerhin ungefähr 35 verschiedene Sorten zusammengetragen und gehegt und gepflegt. Nach einem Umzug fanden sich keine idealen Bedingungen mehr für die Reifröckchen in den Töpfen und der Fokus richtete sich auf andere Pflanzen. Etwas beschämend, aber heute besitze ich keine einzige Fuchsie mehr, obwohl sie mir immer noch gut gefallen. Das einzige Überbleibsel aus jener Zeit ist eine kleine Sammlung von Fuchsienbüchern.
Ganz anders hat es Rosie Friedl mit ihren 1500 Fuchsien. Aus ihrer Liebhaberei für diese Blumen ist inzwischen ein Beruf geworden und die Fachfrau führt eine eigene Spezialgärtnerei. Und sie ist nicht die einzige unter den Portraitierten, der es so ergangen ist. Da gibt es auch einen Kräuter- und Duftpflanzengärtner, der seine ersten Töpfe auf einem Flohmarkt verkaufte und dessen Sammlung mittlerweile 1400 Arten und Sorten umfasst und der in seiner Gärtnerei in den Sommermonaten rund 55 Mitarbeiter beschäftigt.
Neben in der Gartenszene einschlägig bekannten Namen wie Gisela Schmiemann mit ihren Helleborus und Schneeglöckchen oder der Efeu-Sammlung des verstorbenen Inbogert Heieck, gibt es u.a. auch Beiträge über Sammlungen von Stapelien, Orchideen, Clematis, Kleinkoniferen, Tomaten und Kiwis.
In England und Holland kümmern sich private Netzwerke darum, dass solche Sammlungen fortbestehen können, wenn beispielsweise die Pflege der unzähligen Schätze aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu schaffen ist. Spezielle Sammlungen erhalten das Prädikat „Nationale Pflanzensammlungen“. Für Deutschland soll nun etwas ähnliches auf die Beine gestellt werden, damit erhaltenswerte Sammlungen nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie die im Buch erwähnten untergepflügten Päonienbestände.
Helga Panten:
Pflanzensammler und ihre Leidenschaft
Eigenverlag, 2009
13. Dezember 2011
Dies und das
Falls Sie noch ein Last-Minute-Geschenk für lesende Gartenfreunde suchen, lohnt sich vielleicht ein Besuch auf der Homepage des Restsellers Jokers. Seit das Angebot um nicht preisreduzierte Artikel erweitert worden ist, macht mir persönlich das Stöbern auf diesen Seiten zwar nicht mehr halb so viel Spass. Das Navigieren, sprich Finden von Schnäppchen ist nämlich viel mühsamer geworden - oder vielleicht hab ich einfach noch nicht herausgefunden, wie ich die Normalpreisigen-Bücher bei der Suche komplett ausschalten kann. Trotzdem habe ich mir gerade zwei schöne Bücher gegönnt: „Der chinesische Garten“ von Maggie Keswick und „Der Garten – Eine Kulturgeschichte“ von Penelope Hobhouse. Beide Titel kosten nur noch einen Bruchteil vom ursprünglichen Verkaufspreis.
Gleichzeitig bin ich wieder einmal am Überlegen, ob ich mir doch gelegentlich einen E-Book-Reader anschaffen soll. Denn gerade bin ich über einen Download von Noel Kingsbury gestolpert mit dem Titel „Meetings with Remarkable Gardeners – Beth Chatto“. Dieses Buch würde mich zwar sehr interessieren, aber leider gehört es zu den immer häufigeren Publikationen, die nicht mehr in Papierform gekauft, sondern nur noch heruntergeladen werden können. Vielleicht wäre die Anschaffung eines E-Book-Readers ja eine elegante Möglichkeit, der drohenden Platzknappheit auf dem Büchergestell entgegenzuwirken?
Aus aktuellem Anlass lese ich gerade wieder einmal in „Nuancen aus Grün“ der kürzlich verstorbenen Christa Wolf. Unter diesem Titel sind Geschichten und Szenen aus ihren Erzählungen herausgelöst und mit grossartigen Fotos zusammengestellt worden. Inspierend sind auch die vielen Fotos in der Monografie „Helleborus“ von Christine Becker, die ich gerade lese und demnächst hier vorstellen werde.
Nach diesem Blog-Beitrag mache ich bis zu den Weihnachtstagen Pause und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine friedliche und besinnliche Adventszeit und genügend Zeit und Musse, um zwischen dem Einpacken von Geschenken und dem Guetsli-Backen ein wenig in einem spannenden Buch lesen zu können. Vor dem Jahresende werde ich nach Lust und Laune noch den einen oder anderen Titel aus der Liste mit den gelesenen Bücher rechts im Blog auswählen und meine Vorstellung online stellen. Und in der blogfreien Zeit werde ich es vielleicht einmal schaffen, dem zwar erst in der Entstehung begriffenen Schlossgarten in nächster Umgebung einen Besuch abzustatten. Dieser wird nämlich vom hier schon mehrfach erwähnten Landschaftsarchitekten, der kürzlich mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist, umgestaltet und nächstes Jahr mit Pro Specie Rara-Pflanzen bestückt.
Gleichzeitig bin ich wieder einmal am Überlegen, ob ich mir doch gelegentlich einen E-Book-Reader anschaffen soll. Denn gerade bin ich über einen Download von Noel Kingsbury gestolpert mit dem Titel „Meetings with Remarkable Gardeners – Beth Chatto“. Dieses Buch würde mich zwar sehr interessieren, aber leider gehört es zu den immer häufigeren Publikationen, die nicht mehr in Papierform gekauft, sondern nur noch heruntergeladen werden können. Vielleicht wäre die Anschaffung eines E-Book-Readers ja eine elegante Möglichkeit, der drohenden Platzknappheit auf dem Büchergestell entgegenzuwirken?
Aus aktuellem Anlass lese ich gerade wieder einmal in „Nuancen aus Grün“ der kürzlich verstorbenen Christa Wolf. Unter diesem Titel sind Geschichten und Szenen aus ihren Erzählungen herausgelöst und mit grossartigen Fotos zusammengestellt worden. Inspierend sind auch die vielen Fotos in der Monografie „Helleborus“ von Christine Becker, die ich gerade lese und demnächst hier vorstellen werde.
Nach diesem Blog-Beitrag mache ich bis zu den Weihnachtstagen Pause und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine friedliche und besinnliche Adventszeit und genügend Zeit und Musse, um zwischen dem Einpacken von Geschenken und dem Guetsli-Backen ein wenig in einem spannenden Buch lesen zu können. Vor dem Jahresende werde ich nach Lust und Laune noch den einen oder anderen Titel aus der Liste mit den gelesenen Bücher rechts im Blog auswählen und meine Vorstellung online stellen. Und in der blogfreien Zeit werde ich es vielleicht einmal schaffen, dem zwar erst in der Entstehung begriffenen Schlossgarten in nächster Umgebung einen Besuch abzustatten. Dieser wird nämlich vom hier schon mehrfach erwähnten Landschaftsarchitekten, der kürzlich mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist, umgestaltet und nächstes Jahr mit Pro Specie Rara-Pflanzen bestückt.
30. Mai 2020
Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 5/5)
Für den gärtnernden Krimileser besteht kein Zwang, sich literarisch auf eine Pflanzenfamilie zu beschränken. Rund 45 Kurzkrimis hat Andreas M. Sturm in den drei Anthologien «Giftmorde I, II und III» herausgegeben. Von harmlos über hinterhältig bis bösartig sind diese spannenden Kurzkrimis, von denen nur die wenigsten einen Bezug zur Pflanzenfamilie Ranunculaceae haben. So möchte eine sterbenskranke Frau von ihrer Schwester mit dem Gift aus den schwarzen Wurzeln von Helleborus niger von ihrem unerträglichen Leiden erlöst werden («Lebensort» von Romy Fölck), derweil in «Das gelbe Gericht» von Helmuth Scheel Ingwer durch die toxischen Knollen des gemeinen Buschwindröschens ersetzt werden. Liebe, Rache, Wut und Betrug in Kombination mit Wetten und Eisenhut ergeben in «Das Prickeln» von Martina Arnold eine tödliche Mischung.
Neben den von Autoren erdachten Kriminalfällen gibt es auch solche, die das Leben geschrieben hat. Amy Stewart berichtet in «Gemeine Gewächse» von der fatalen Verwechslung anlässlich eines Festmahls, das 1856 in einem schottischen Dorf stattgefunden hat. Ein Diener hat im Garten statt der verlangten Meerrettichwurzeln solche des Eisenhuts ausgegraben und die Köchin hat diese ahnungslos verarbeitet. Die giftige Zutat verursachte zwei Todesfälle und etliche schwere Erkrankungen. Dass giftige und ungiftige Pflanzen miteinander verwechselt werden, kommt auch heutzutage immer wieder vor. Da bei einigen Gewächsen schon allein die Berührung unerwünschte Folgen wie Taubheit oder Herzprobleme nach sich ziehen kann, hantiert man im Zweifelsfall lieber einmal zu viel mit Handschuhen als einmal zu wenig. Der vorstehend erwähnte Diener jedenfalls muss seine Hände geschützt haben, sonst wäre ja er das Opfer jenes Eisenhuts gewesen und die Anreicherung der Speisen mit Eisenhut-Wurzeln hätte nicht stattgefunden.
Helmut Eisendle beschreibt in «Tod und Flora» 33 Giftpflanzen von der Alraune (Mandragora vernalis) bis zur Zaunrübe (Bryonia alba). Die Portraits enthalten Benennung, Beschreibung, Blütezeit und Fundort, Eigenschaften und Wirkungen, Dosis minimalis/letalis sowie einen Kasus. Die Hahnenfussgewächse sind mit der Buschanemone (Anemone nemorosa) und dem Eisenhut (Aconitum napellus) vertreten. Bevor der Leser sich vom Untertitel «Ein Glossar über die Verwendung von Giftpflanzen für den asthenischen Täter» zu sehr verwirren lässt, sollte er die einleitenden Betrachtungen des Autors und Psychologen Eisendle lesen, in denen es um Verantwortung und Notwendigkeit, Macht und Strafe, Sthenie und Asthenie, Möglichkeit und Erfordernis, Betrachtungen über den Konflikt, Destruktion und Sicherheit, Konflikt und Psyche sowie vier strategische Grundsätze geht. Im Fall «Buschanemone» erzwingt die Assistentin eines Urologen mit Hilfe einer Essenz aus eben dieser Pflanze die ihr längst zustehende Gehaltserhöhung, während sich im Fall «Eisenhut» ein übergewichtiges Mädchen mit Aconitinsaft an ihren nächsten Familienangehörigen für die ständigen Hänseleien rächt.
Auch im englischen Northumberland könnte jemand, der sich eines unliebsamen Zeitgenossen entledigen möchte, auf unschickliche Gedanken kommen. Hier befindet sich der zweitgrösste englische Adelssitz: Alnwick Castle. Dieser hat nicht nur schon wiederholt als Kulisse Harry Potter-Verfilmungen und die Weihnachts-Specials von Downton Abbey gedient, 2001 wurden die neuen Gärten eröffnet. Ein Teil befindet sich hinter schwarzen Gittern und einem hohen Zaun: ein Giftgarten mit über 100 gefährlichen Pflanzen. Aus Sicherheitsgründen darf der Besucher nur in Begleitung eines kundigen Führers eintreten, der viel über die Pflanzen und ihre Wirkung zu erzählen weiss. Der Giftgarten fungierte übrigens ebenfalls schon als Grundlage, und zwar für die Buchreihe "Poison Diaries".
Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Liste der in der fünfteiligen Serie aufgeführten Bücher:
Eva Almstädt:
Blaues Gift
Bastei Lübbe, 2007
Agatha Christie:
16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple
Diverse Ausgaben
Kate Collins:
Sleeping with Anemone
Diverse Ausgaben
Alfred Döblin:
Die Ermordung einer Butterblume
Diverse Ausgaben
Maria Dries:
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel
Aufbau Taschenbuch, 2015
Helmut Eisendle:
Tod und Flora
Jung und Jung, 2009
Annette Haaland:
Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen
Ullstein Buchverlag, 2016
Edwin Haberfellner:
Tod im Salzkammergut
Emons Verlag, 2016
Helena Kleiker:
Tatort San Diego – Späte Rache
Pro Business GmbH, 2016
Ernest Nyborg:
Essenz des Todes
Eigenverlag, 2014
Peter Oberdorfer:
Schweres Gift – Ein Wien-Krimi
Aufbau Verlag, 2015
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
Ricarda Schünadel:
Eisenhut
Books on Demand, 2010
Amy Stewart:
Gemeine Gewächse – Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern
Berlin Verlag, 2011
Andreas M. Sturm (Hrsg.):
Giftmorde I, Giftmorde II, Giftmorde III
fhl Verlag, 2015 bzw. 2016
Angela Temming:
Ranunkeln ganz in weiss – Kurzkrimi
E-Book oder Podcast/Audio-Datei
Neben den von Autoren erdachten Kriminalfällen gibt es auch solche, die das Leben geschrieben hat. Amy Stewart berichtet in «Gemeine Gewächse» von der fatalen Verwechslung anlässlich eines Festmahls, das 1856 in einem schottischen Dorf stattgefunden hat. Ein Diener hat im Garten statt der verlangten Meerrettichwurzeln solche des Eisenhuts ausgegraben und die Köchin hat diese ahnungslos verarbeitet. Die giftige Zutat verursachte zwei Todesfälle und etliche schwere Erkrankungen. Dass giftige und ungiftige Pflanzen miteinander verwechselt werden, kommt auch heutzutage immer wieder vor. Da bei einigen Gewächsen schon allein die Berührung unerwünschte Folgen wie Taubheit oder Herzprobleme nach sich ziehen kann, hantiert man im Zweifelsfall lieber einmal zu viel mit Handschuhen als einmal zu wenig. Der vorstehend erwähnte Diener jedenfalls muss seine Hände geschützt haben, sonst wäre ja er das Opfer jenes Eisenhuts gewesen und die Anreicherung der Speisen mit Eisenhut-Wurzeln hätte nicht stattgefunden.
Helmut Eisendle beschreibt in «Tod und Flora» 33 Giftpflanzen von der Alraune (Mandragora vernalis) bis zur Zaunrübe (Bryonia alba). Die Portraits enthalten Benennung, Beschreibung, Blütezeit und Fundort, Eigenschaften und Wirkungen, Dosis minimalis/letalis sowie einen Kasus. Die Hahnenfussgewächse sind mit der Buschanemone (Anemone nemorosa) und dem Eisenhut (Aconitum napellus) vertreten. Bevor der Leser sich vom Untertitel «Ein Glossar über die Verwendung von Giftpflanzen für den asthenischen Täter» zu sehr verwirren lässt, sollte er die einleitenden Betrachtungen des Autors und Psychologen Eisendle lesen, in denen es um Verantwortung und Notwendigkeit, Macht und Strafe, Sthenie und Asthenie, Möglichkeit und Erfordernis, Betrachtungen über den Konflikt, Destruktion und Sicherheit, Konflikt und Psyche sowie vier strategische Grundsätze geht. Im Fall «Buschanemone» erzwingt die Assistentin eines Urologen mit Hilfe einer Essenz aus eben dieser Pflanze die ihr längst zustehende Gehaltserhöhung, während sich im Fall «Eisenhut» ein übergewichtiges Mädchen mit Aconitinsaft an ihren nächsten Familienangehörigen für die ständigen Hänseleien rächt.
Auch im englischen Northumberland könnte jemand, der sich eines unliebsamen Zeitgenossen entledigen möchte, auf unschickliche Gedanken kommen. Hier befindet sich der zweitgrösste englische Adelssitz: Alnwick Castle. Dieser hat nicht nur schon wiederholt als Kulisse Harry Potter-Verfilmungen und die Weihnachts-Specials von Downton Abbey gedient, 2001 wurden die neuen Gärten eröffnet. Ein Teil befindet sich hinter schwarzen Gittern und einem hohen Zaun: ein Giftgarten mit über 100 gefährlichen Pflanzen. Aus Sicherheitsgründen darf der Besucher nur in Begleitung eines kundigen Führers eintreten, der viel über die Pflanzen und ihre Wirkung zu erzählen weiss. Der Giftgarten fungierte übrigens ebenfalls schon als Grundlage, und zwar für die Buchreihe "Poison Diaries".
Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.
Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.
Liste der in der fünfteiligen Serie aufgeführten Bücher:
Eva Almstädt:
Blaues Gift
Bastei Lübbe, 2007
Agatha Christie:
16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple
Diverse Ausgaben
Kate Collins:
Sleeping with Anemone
Diverse Ausgaben
Alfred Döblin:
Die Ermordung einer Butterblume
Diverse Ausgaben
Maria Dries:
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel
Aufbau Taschenbuch, 2015
Helmut Eisendle:
Tod und Flora
Jung und Jung, 2009
Annette Haaland:
Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen
Ullstein Buchverlag, 2016
Edwin Haberfellner:
Tod im Salzkammergut
Emons Verlag, 2016
Helena Kleiker:
Tatort San Diego – Späte Rache
Pro Business GmbH, 2016
Ernest Nyborg:
Essenz des Todes
Eigenverlag, 2014
Peter Oberdorfer:
Schweres Gift – Ein Wien-Krimi
Aufbau Verlag, 2015
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
Ricarda Schünadel:
Eisenhut
Books on Demand, 2010
Amy Stewart:
Gemeine Gewächse – Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern
Berlin Verlag, 2011
Andreas M. Sturm (Hrsg.):
Giftmorde I, Giftmorde II, Giftmorde III
fhl Verlag, 2015 bzw. 2016
Angela Temming:
Ranunkeln ganz in weiss – Kurzkrimi
E-Book oder Podcast/Audio-Datei
15. Dezember 2014
Julia Williams: The Summer Season / Der vergessene Garten
Zwei Erzählstränge führen durch diesen Roman. Einer spielt in der heutigen Zeit, der andere Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus Tagebucheinträgen erfährt die Leserin, dass der angehende Botaniker Edward Handford vor rund hundert Jahren das Ziel verfolgte, nach Studienabschluss, Gärten zu gestalten und einen Teil seiner Ideen auf Gertrude Jeykyll zurückging. Zusammen mit seiner Frau Lily, die gleichermassen botanisch interessiert war und perfekt mit Stift und Pinsel umgehen konnte, wollte er ausserdem ein Buch über die Pflanzen von Sussex herausgeben und sich einen Ruf als seriösen Botaniker erarbeiten.
Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.
Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.
In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.
Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.
In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.
Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.
Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?
Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.
Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.
Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.
Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).
Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.
Julia Williams:
The Summer Season
Avon/Harper Collins Publishers, 2011
Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016
Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de
Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.
Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.
In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.
Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.
In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.
Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.
Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?
Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.
Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.
Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.
Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).
Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.
Julia Williams:
The Summer Season
Avon/Harper Collins Publishers, 2011
Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016
Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de
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