1. Juli 2011

Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk (Topiaria Helvetica 2010)

Das Jahrbuch 2010 der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) ist in die Schwerpunkte „Gärtnerische Kulturtechniken“, „SGGK-Vitrine“ und „Bücher“ gegliedert. Nach einer Einführung zum Thema folgen die nachstehend aufgeführten Artikel:
  • Kulturgut Kulturpflanze von Sandra Hilgert
  • Topiaria - Architektur und Skulptur aus Pflanzen in italienischen Gärten zwischen Trecento und Settecento von Margherita Azzi-Visentini 
  • Wegbautechnik und Bauforschung in historischen Gartenanlagen anhand ausgewählter Beispiele von Anita Drexel
  • Im Verborgenen - Technik in der Wasserkunst von Dunja Richter
  • Zur Geschichte der Hippe von Clemens Alexander Wimmer
  • Stütze für rankende Pflanzen von Eeva Ruoff
  • Guerilla-Gärtnerei - Zwischen Protestkunst und Stadtlandschaft von Annemarie Bucher
Speziell interessiert hat mich der Artikel zum Guerilla-Gardening, das von New York kommend auf andere Grossstädte wie Toronto, London oder Berlin übergeschwappt ist und auch hierzulande immer öfter ein Thema in den Medien ist. Leider ist gerade dieser Beitrag etwas kurz ausgefallen. Eine gewisse überregionale Bekanntheit hat Maurice Maggi erlangt, der seit über 20 Jahren Blumen-Samen im öffentlichen Raum der Stadt Zürich aussät und diese Aktion als Blumen-Graffiti bezeichnet. Falls Sie selber Lust haben, ihrer Meinung nach suboptimal bepflanzte öffentliche (Frei-)Flächen zu verschönern, findet sich auf diesen Seiten ein Rezept für Samenbomben.

In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.

Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010