1. Juni 2009

Of Flowers and a Village

Der britische Kunsthistoriker Wilfred Blunt (1901 – 1987) war seinerzeit bekannt für seine Biografie über Carl Linnaeus und durch sein Buch “The Art of Botanical Illustration”, das er zusammen mit William Thomas Stearn verfasst hatte. Letzteres handelt von der Geschichte der botanischen Zeichnungen. Die Novelle “Of Flowers and a Village” ist eine einfachere Lektüre, in Form von Briefen verfasst und erstmals 1963 erschienen.

Flora, eine leidenschaftliche aber unerfahrene Gärtnerin, erholt sich von einer Krankheit, die sie zeitweise ans Bett gefesselt hat. Ihr Patenonkel schreibt ihr zur Aufmunterung fast täglich Briefe. Diese handeln von Nachbarn, vom neuesten Dorfklatsch, aber früher oder später endet jede Korrespondenz in botanischen Themen. Die Erzählung ist überaus witzig, oft sehr sarkastisch und da der Autor sehr belesen ist, wird auch einiges an allgemeinem Literaturwissen vermittelt. So bemerkt er in einem Schreiben selbstkritisch, dass so ziemlich alle seine Briefe die Bemerkung “ich habe gerade gelesen ...” enthalten.

An einer anderen Stelle überlegt er, ob es nun positiv ist, dass ein Nachbar seine Zwergensammlung an einer versteckteren Stelle im Garten aufgestellt hat und den vorherigen Platz durch eine Araucaria aufgewertet hat. Oder wäre es nun angebracht und freundlich, den Herrn zu informieren, dass dessen Haus in ferner Zeit wegen dieser Pflanze in arge Bedrängnis kommen wird? Das Dilemma des Erzählers liegt nämlich darin, dass er gleichzeitig befürchtet, dass dann die Gartenzwerge wieder an ihrem ursprünglichen Ort präsentiert werden.

Am Ende des Buches kennt der Leser nicht nur die Eigenarten der Nachbarn und Bekannten des Erzählers, sondern hat sich nebenbei auch noch botanisch etwas weitergebildet.



Wilfrid Blunt:
Of Flowers and a Village – An Entertainment for Flower Lovers
Timber Press, 2006