14. September 2014

Caroline Vermalle und Ryan van Ruben: Eine Blume für die Königin

Im November 1805 wird in Kanada ein alter Mann von einer Kutsche angefahren und verletzt. Die Insassen nehmen den Verletzten mit seinen wenigen Habseligkeiten nach Hause, wo er medizinisch versorgt wird. Gewissermassen als Lohn für die Behandlung erzählt der Patient seine Lebensgeschichte, die immer mehr Familienmitglieder fesselt. Es sind nämlich die spannenden Abenteuer eines Pflanzenjägers, die schliesslich zur (doch etwas gesuchten) Wiedervereinigung zweier Menschen führt, die sich jahrzehntelang immer wieder verpasst haben.

Ganz am Anfang der Erinnerungen steht im Jahr 1772 eine freie Stelle, für die sich kein Bewerber findet. Ausgeschrieben ist eine Tätigkeit als Pflanzenforscher auf botanischen Expeditionen, und zwar als Begleiter von Sir Joseph Banks. Als Francis Masson, seines Zeichens Gärtner in Kew, Samen und eine Paeonia albiflora am Sitz der Royal Society abliefern will, wird er von den beiden für die Vergabe der Stelle verantwortlichen Assistenten widerwillig zu Joseph Banks gezogen.

Masson bekommt in der Folge eine Stelle, für die er sich gar nie beworben, geschweige denn interessiert hat und damit steuert sein schon weitgehend vorgegeben scheinender Lebensweg in eine völlig neue Richtung. Eine Richtung, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Seine Aufgabe im Auftrag der britischen Krone ist das Auffinden einer besonderen Blume für die Königin und deren erfolgreicher Transport nach England.

Massons Vater ist vor vielen Jahren auf hoher See ums Leben gekommen und Francis hatte selber niemals den Wunsch, ebenfalls über die Meere zu fahren. Und beugt er sich dem Druck und verpflichtet sich für zwei Jahre. Als Lohn winken bei der Rückkehr dreihundert Pfund und fünf Morgen Land.

Vor seiner Abfahrt organisiert die Mutter noch seine Verlobung. Mit dem Lohn möchte Francis Masson eine Baumschule gründen und weiss schon genau, wo das Treibhaus hinkommt, welche Beete mit Buchsbaumhecken abgegrenzt werden und wo die Setzlinge von Kalmien, Rhododendron und Magnolien stehen werden. Da er nicht nur ein guter Gärtner, sondern auch ein hervorragender Zeichner ist, hat er schon genaue Pläne von seinem künftigen Betrieb aufs Papier gebracht. Doch noch ist der Aufbau seiner eigenen Gärtnerei in weiter Ferne und zunächst sind neben der Überfahrt etliche Abenteuer im gefährlichen Südafrika und die Rückreise zu überstehen. Gelingt es Masson, anhand der von Banks erhaltenen Skizze die gewünschte Paradiesvogelblume (Strelizia reginae) zu finden und in die Heimat zu bringen?

Dieser spannende historische Roman vermischt Fiktion mit wahren Begebenheiten aus dem Leben des Schotten Francis Masson, der jahrelang in Afrika Pflanzen gesammelt hat. Gemeinsam mit dem Botaniker Dr. Carl Thunberg meistert er viele schwierige Aufgaben. So wird Masson der Spionage verdächtigt und die beiden unterschiedlichen Charaktere überleben sogar den Angriff von Löwen.



Caroline Vermalle und Ryan van Ruben: 
Eine Blume für die Königin 
Bastei Lübbe, 2014

7. September 2014

Daniel J. Hinkley – The Explorer’s Garden

Da ich ja nun keine oder zumindest deutlich weniger Zeit zum Sofagärtnern habe, picke ich mir aktuell vermehrt Bücher aus dem Gestell, die ich schon lange lesen wollte, deren Lektüre ich aber aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe. Und solche gibt es viele – sowohl Bücher als auch Gründe…

Inzwischen habe ich auch die Abstände zwischen den neuen Posts nochmals deutlich vergrössert, so dass ich bei Intervallen von zwei Wochen nun bereits bis Ende März 2015 vorgebloggt habe. Danach werde ich wohl gelegentlich ältere Artikel über lesenswerte Bücher aus meiner Blogger-Anfangs-Zeit nochmals posten, damit es hier nicht ganz still wird. Schliesslich ist der Leserstamm permanent gewachsen und aufgrund der Statistiken kann ich darauf schliessen, dass eher wenige Zugriffe auf  diese Beiträge stattfinden und nur wenige neue Leser die einzelnen Artikel durchklicken. Aber nun zur Buchvorstellung:

Daniel J. Hinkley hat schon in Japan, China, Südkorea, Nepal, Chile und Nordamerika nach grünen Schätzen gesucht. Da diese Publikation aus dem Jahr 1999 stammt, sind inzwischen wohl noch weitere Jagdgebiete dazugekommen. In 28 Kapiteln werden auf rund 350 Seiten Stauden und ihre Lebensräume vorgestellt: Leberblümchen (Hepatica), Wiesenraute (Thalictrum), Lerchensporn (Corydalis), Mammutblatt (Gunnera), Silberkerze (Cicmicifuga) und Elfenblumen (Epimedium) um nur einige zu nennen. … Dabei konzentriert sich der vielseitig interessierte, engagierte und mehrfach ausgezeichnete „Plantsman“ bewusst auf wenige Pflanzen, die er selber bewundert und die nach seinem Empfinden zu wenig verwendet und gewürdigt werden (nicht vergessen: Stand 1999!).

Die Bedürfnisse einer Pflanze können besser verstanden werden, wenn der Gärtner ihren Naturstandort kennt; entweder aus Fachlektüre oder sogar aus eigener Anschauung. Der weitherum gekommene Hinkley kann diesbezüglich aus einem schier unerschöpflichen Fundus schöpfen und teilt sein Wissen und seine Erfahrung grosszügig mit dem interessierten Leser. Nicht nur Erfreuliches, auch Enttäuschungen werden thematisiert. Etwa jene, wenn er glaubt, eine tolle Entdeckung gemacht zu haben, nur um festzustellen, dass im Botanischen Garten bereits prächtige Exemplare derselben Pflanze wachsen.

Überhaupt sind in diesem Buch sind nicht nur die Pflanzen und ihre Bedürfnisse wichtig. Viel Raum wird auch Freunden und anderen wichtigen Begleitern eingeräumt. Verschiedentlich pflanzt der Autor Gewächse nicht nur ihrer selber willen, sondern wegen des Namens, den sie tragen, oder weil diese ihn an bestimmte liebe Menschen erinnern. So stösst man während dem Seitenumblättern immer wieder auf bekannte Namen wie beispielsweise Helen Dillion, Rosemary Verey oder Allan Bloom und das Vorwort hat Roy Lancaster verfasst. Und in den Augen von Ms. Doncaster, der Namensgeberin von Geranium sylvaticum „Amy Doncaster“ stellt Hinkley die gleiche Freude fest, welche die ihr gewidmete Pflanze verbreitet.

Die Texte über die einzelnen Staudenfamilien werden jeweils mit ausführlichen Angaben zu Winterhärte, Kultivierung und Vermehrung ergänzt. Im Serviceteil finden sich zusätzlich eine Karte mit den einzelnen Winterhärtebereichen (leider nur für Nordamerika) sowie Bezugsquellen, ein Glossar, weitergehende Literaturhinweise und ein Pflanzenregister. Die Publikation ist reich bebildert mit Fotos von Lynne Harrison. Der Leser kann aber nicht von jeder vorgestellten Pflanze eine Aufnahme erwarten.

Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass es etliche „Asarümer“ (Asarum, Haselwurz) gibt, die ich gerne im eigenen Garten ansiedeln würde. Wohlwissend, dass der hier vorliegende Lebensraum nicht optimal ist. Aber in meiner Vorstellung würden diese eine visuell harmonische Ergänzung zu den sich immer schöner vermehrenden Cyclamen darstellen. Der Autor teilt meine Begeisterung für Asarum übrigens nicht. Er ist oder war zumindest lange Zeit kein grosser Freund dieser Bodendecker. Aber er hat irgendwann seine Meinung geändert und schreibt im Buch von über 100 Spezies mit einem grossen Potential...



Daniel J. Hinkley: 
The Explorer’s Garden – Rare and unusual Perennials 
Timber Presss, 2009