20. November 2015

Mrs. Miniver (DVD)

Eben noch gehörten schicke Hüte und andere Exklusivitäten zum normalen Leben von Mrs. Miniver und sie zeigt sich äusserst verständnisvoll gegenüber der Anschaffung eines neuen, nicht wirklich notwendigen Autos durch ihren Mann, einem gutverdienenden Architekten. Zur Familie Miniver gehören neben den Eltern drei Kinder und die fünf nennen ein hübsches Haus mit gepflegtem Garten samt Bootsanlegesteg sowie ein eigenes Boot ihr Eigen. Die nahezu perfekte bürgerliche Idylle wird durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und den Einzug des älteren Sohnes Vin ins Militär zerstört.

Zum hortikulturellen Nebenschauplatz des patriotisch geprägten Films gehört eine vom allseits beliebten Bahnhofsvorsteher Mr. Ballard gezüchtete rote Rose, die betörend duftet und welche er nach Mrs. Miniver benennt. Er hat die erfolgversprechende Züchtung sogar bei der jährlichen Blumenausstellung angemeldet. Diese nicht zu unterschätzende Konkurrenz löst bei Lady Beldon keine Freude aus. Sie richtet nicht nur die Veranstaltung aus, sie hat in den letzten vierzig Jahren auch jedes Mal den ersten Preis für ihre Rosen eingeheimst. Wegen dem Krieg soll die Ausstellung nicht stattfinden, wird dann aber doch durchgeführt. Und nach der Krönung der prächtigsten Chrysanthemen und anderer Blumenschönheiten steht dem zahlreich erschienenen Publikum eine Überraschung bevor.

Der Film zeigt den veränderten Alltag der Familie Miniver mit unruhigen Nächten im Keller, einem zivilen Bootseinsatz des Hausherrn am Rande der Schlacht von Dünkirchen im Juni 1940 und einem abgestürzten deutschen Piloten, der Mrs. Miniver bedroht. Ein Lichtblick in diesen Tagen ist die nach kurzer Bekanntschaft geschlossene Ehe von Vin und Lady Belden's Enkelin. Muss ich erwähnen, dass letztere zunächst nicht „very amused“ über diese Pläne ist?

Dieser s/w-Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Struther. Er spielt in England, wurde aber wegen dem Krieg in Europa in Kalifornien gedreht. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung über diese mit mehreren Oscars ausgezeichnete Produktion findet sich hier.  



Mrs. Miniver (DVD) 
William Wyler 
Warner Home Video, 2005 (s/w-Film aus dem Jahr 1942)

10. November 2015

Julie Leuze: Der Duft von Hibiskus

Soweit das Auge reicht, wird die Umgebung von der Farbe Grün dominiert - goldgrün, meergrün, blaugrün, olivgrün und viele andere Grüntöne mehr. Die zweiundzwanzigjährige Apothekertochter Emma Röslin aus Stuttgart kann sich kaum sattsehen und hätte sich noch vor wenigen Monaten in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können, sich einmal im australischen Busch wiederzufinden, um Pflanzen und Tiere zu zeichnen.

Der Roman „Der Duft von Hibiskus“ spielt Ende der fünfziger Jahre im 19. Jahrhundert. Emma Röslin stammt aus einer gutbürgerlichen Familie, hat eine sorgenlose Kindheit erlebt und ist immer gut gekleidet. Doch dann hat ein schreckliches Ereignis ihr Leben für immer verändert. Ein traumatisches Erlebnis, das ihre Seele im hintersten Winkel verbirgt und an das sich Emma nicht erinnern kann. Undeutlich erinnert sie sich an zwei Todesfälle und muss erleben, dass ihr bis anhin ausgezeichnetes Verhältnis zum Vater zerstört ist. Zuletzt hat er überhaupt nicht mehr mit ihr gesprochen und auch den Dienstboten wurde verboten, mit ihr zu reden.

Unerwartet bietet sich ihr die Gelegenheit, dem nunmehr freudlosen Daheim und ihren Erinnerungslücken zu entfliehen. Der Botaniker Oskar Crusius bietet ihr an, sich mit ihm einer Forschergruppe unter der Leitung des Münchners Carl Scherrer anzuschliessen. Als Apothekerstochter, die von ihrem Vater ausgebildet worden ist, kennt sie von Streifzügen durch die heimische Natur die Namen der Heilpflanzen im Schwabenland, das Linnésche Sexualsystem und den Aufbau von Gewächsen. Zu ihren Aufgaben gehörte nämlich das systematische Sammeln von Pflanzen und das Pressen, Trocknen und Befestigen auf Papierbögen derselben. Ihr Vater hat ihr jedoch nicht nur das Erstellen von Herbarbögen beigebracht, sondern auch das detailgetreue Zeichnen und Kolorieren.

Nach einer mehrmonatigen Schiffreise trifft sie endlich in Australien ein, wo sie die anderen Expeditionsteilnehmer kennenlernt. Da Carl Scherrer, Leiter im Auftrag der Kolonialregierung New South Wales, keine Frau in seiner Gruppe duldet, geben sich Oskar und Emma als Verlobte aus, was Emma schon bald bereuen wird. Die junge Frau ist unglaublich fasziniert von der australischen Natur und kommt scheinbar problemlos mit dem einfachen und völlig ungewohnten Leben zurecht. Während die Pflanzenkundler mit der Botanisiertrommel unterwegs sind, ist sie mit dem Festhalten von Flora und Fauna auf Papier beschäftigt. Überschattet wird ihr spannendes neues Leben aber nach wie vor von ihren Erinnerungslücken und der Traurigkeit darüber, dass sie sich daheim nicht von ihrer Mutter hat verabschieden können.

Emma und Carl finden sich sehr sympathisch, was den Widerwillen von Oskar hervorruft. Der angebliche Verlobte gebärdet sich immer dreister und überschüttet Emma mit anzüglichen Bemerkungen. Bevor Emma aber überhaupt an eine Beziehung mit Carl denken kann, will und muss sie erst genau wissen, was in Stuttgart passiert ist und ihre Gedächtnislücken füllen. Ausserdem weiss sie nicht, wie Carl auf ihre Eröffnung, gar nie mit Oskar verlobt gewesen zu sein, reagieren wird. Gleichzeitig wächst in Emma der dringende Wunsch, Kontakt mit Eingeborenen aufzunehmen. Sie möchte direkt von ihnen erfahren, wie sie leben und lernen, welche Pflanzen sie verwenden und in welcher Form.

Die junge Stuttgarterin strotzt vor Interesse, Neugier und Forschergeist – leider teilen nicht alle Gruppenteilnehmer ihre Offenheit in Bezug auf die Aborigines. Die patente Romanfigur Emma basiert übrigens auf dem historischen Vorbild von Amalie Dietrich (1821 – 1891), einer wichtigen deutschen Australienforscherin, die im vorletzten Jahrhundet Pflanzen, Tiere und auch menschliche Schädel und Skelette gesammelt hat. Die mitleid- und skrupellosen Eigenschaften der mutigen Pionierin hat die Autorin allerdings dem Charakter von Oskar zugeteilt. 

Und gerade kürzlich ist ein weiterer Roman erschienen, in welchem Amalie Dietrich eine Rolle spielt: "Das Geheimnis jenes Tages" von Annette Dutton. Dessen längst vorgebloggte Vorstellung habe ich momentan auf Mitte nächstes Jahr terminiert.



Julie Leuze: 
Der Duft von Hibiskus 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

1. November 2015

Wieder einmal: Beschränkt empfehlenswert

An meinen unregelmässigen Besuchen an der Frankfurter Buchmesse drängt sich mir jeweils unweigerlich die Frage auf, wer all dieses Geschreibsel wohl lesen mag. Für mich selber habe ich unter den unzähligen Publikationen einige wenige neue Titel entdeckt, die ich unbedingt lesen will, und etliche bereits hier vorgestellte Bücher wieder angetroffen.

Nicht zu übersehen war natürlich der brandneue Gartenkrimi „Der Radieschenmörder“ von Bernd Flessner, dessen Beschaffung zwar nicht gerade kriminell, aber doch ein wenig spektakulär war, wie meine an der Buchmesse persönlich kennen gelernte Bloggerkollegin Dani und ich feststellen mussten. Zierten wohl mehr als zwei Dutzend Exemplare dieser Neuerscheinung eine Wand des BLV-Messestandes, las ich wieder daheim im Internet, dass das Buch nur im stationären Buchhandel und dies anscheinend auch nur während vierzehn Tagen zu erwerben war. Da erscheint mal ein perfekt in den Sofagarten passender Gartenkrimi und der lässt sich nicht beschaffen? Hätte ich mir vielleicht doch besser ein Exemplar mopsen sollen?

Das tut frau natürlich nicht. Und recht schnell habe ich herausbekommen, dass der Verlag den Buchhandlungen mit dieser Marketing-Idee einen Zeitvorsprung, also die Gelegenheit, möglichst viele Bücher direkt zu verkaufen, verschaffen wollte. Inzwischen ist das Buch auch im Online-Handel erhältlich. Die Sofagärtnerin, die sich angesichts ihres beruflichen Hintergrundes mit Erfahrung im Rechnungswesen von Verlagen schon überlegt hatte, wie sich das rechnet und finanziell lohnen kann, ist nun also gleich doppelt beruhigt. Nun bleibt nur doch die Hoffnung, dass das Buch mindestens so spannend ist, wie das Drumherum um die Beschaffung.

Aktuell lese ich gerade einen anderen Krimi, und zwar „Baumkiller“ von Werner Färber aus dem Gmeiner Verlag. Aber eigentlich wollte ich ja – siehe Titel – über Bücher schreiben, die ich nicht lesen mag und die ich (grösstenteils) ungelesen weggelegt habe. Regelmässige Blogleserinnen und -leser wissen von meiner nebenberuflichen Weiterbildung, wegen der ich nunmehr wenig Zeit für unterhaltsame Lektüre habe. Manuals, Gesetze und Verordnungen decken meinen Bedarf an anspruchsvoller Lektüre. Dementsprechend bevorzuge ich in der Freizeit Romane und verschiebe schwerere Kost auf später. Die Buchvorstellungen im Sofagarten sind also auch weiterhin mehrheitlich Romane, Krimis und gelegentlich Anthologien.

Vorläufig keine Buchvorstellung gibt es von Dieter Bachmanns „Die Gärten der Medusa“ (Limmat Verlag), von dem es in der Umschlagbeschreibung heisst (Zitat): „ Ein Schiff legt ab. Es hat Gärten an Bord – Hausgärten, Parks, Landschaften und tiefgrüne Wälder. Und ein paar Passagiere, die diese durchwandern…“. Ebenfalls aus der Liste der zuletzt gelesenen Bücher gelöscht habe ich „Der Garten über dem Meer“ von Mercè Rodoreda (Mare Verlag) - ein erstmals ins Deutsche übersetzter Roman aus dem Katalanischen über die Beobachtungen eines Gärtners in einem Herrenhaus in den Jahren vor dem Spanischen Bürgerkrieg.

Auch mit „Orchid Territory“ von Mary Motes (Wordrunner Publishing) wurde ich nicht richtig warm. Bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, wo sich der Humor in dieser „Comic Novel“ („… full of humor and wicked comedy“ gemäss The Orchid Review) versteckt… Falls ihn jemand gefunden haben sollte, bitte mitteilen! Dann lese ich in einem Jahr weiter, wenn ich hoffentlich wieder mehr Zeit für Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner habe.