1. Januar 2010

Das Liebesleben der Farne

Die 26jährige Farngärtnerin Caroline Nadler erhält aus Frankreich eine Postkarte von ihrer Mutter. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn sie nicht ihr ganzes bisheriges Leben geglaubt hätte, ihre Mutter sei tot. Die Nachricht bringt sie aus dem Gleichgewicht und sie verliert das Vertrauen in ihren Vater, in welchem sie nur noch einen Lügner sieht.

Doch eigentlich hat Caroline schon immer gewusst, dass man sich auf Menschen nicht verlassen kann und geht deshalb voll und ganz in ihrer Liebe zu Farnen auf. Mondraute, Engelsüss, Adlerfarn, Hahnenkamm und wie sie alle heissen lassen sie nicht im Stich. Ihre Grossmutter hat ihr vor Jahren ein Farnlehrbuch geschenkt und sicher nicht geahnt, dass sie damit Carolines beruflichen Weg vorgeben wird. Die Junggärtnerin hat sich nämlich selbständig gemacht, die Erbschaft ihrer inzwischen verstorbenen Grossmutter in ein Hightech-Gewächshaus investiert und zusätzlich eine Hypothek aufgenommen. Eine Werbeagentur mietet für eine Präsentation einen Grossteil ihrer Farne. Da der Kunde Gregor Beer ihre Pflegehinweise gänzlich ignoriert, überstehen viele von Carolines Lieblingen diesen Grossauftrag nicht. Als Gregor nun glaubt, den angerichteten Schaden mit einem Check aus der Welt schaffen zu können, bricht ihm die Jungunternehmerin in ihrer grenzenlosen Wut die Nase. Das Pech scheint an Caroline zu kleben, denn in einem starken Gewitter mit Hagelschauern wird auch noch ihr Gewächshaus samt allen Farnen total zerstört. Daraufhin beschliesst sie, ihre Mutter zu suchen und macht sich auf die Reise in die Bretagne.

Auch der Werbetexter Gregor Beer hat kürzlich unerwartete Post erhalten – ein Paket mit der Urne und der Asche seines verstorbenen Patenonkels zusammen mit einem Brief. Gregor soll seinem Paten eine Seebestattung ermöglichen und sich auf eine Reise nach Frankreich begeben und auf einer Insel im Atlantik weitere Instruktionen erhalten.

Die Wege von Caroline und Gregor kreuzen sich erwartungsgemäss wieder. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Caroline und Gregor erzählt und der Leser erhält einen umfangreichen Einblick in das bisherige Leben der beiden und in ihre Gefühlswelt. Aus gärtnerischer Sicht ist hauptsächlich der erste Teil der Erzählung interessant, aber die Geschichte ist auch nachdem die Farne nicht mehr omnipräsent sind – trotz teilweise etwas überspannten Zufällen – bemerkenswert. Gerne hätte ich am Ende noch ein paar Zeilen über Carolines (Nicht-Mehr-)Freundin erfahren.

Ob mich der Roman dazu verleitet, dieses Jahr endlich die schon länger geplante Farn-Ecke zu verwirklichen? Jedenfalls sind wir auf meiner heutigen Walking-Route schon einige Farne ins Auge gestochen, die mir bisher noch nie aufgefallen sind.



Beate Rygiert:
Das Liebesleben der Farne
Droemer Verlag, 2009