12. Mai 2010

Der Fluch des Gartens

Was soll man als Leserin davon halten, wenn auf dem Umschlagrücken eines Büchleins steht „Das wahrscheinlich beste Buch der Welt (Niemand)“ und „Ich habe es noch nicht gelesen, und werde es auch niemals lesen (Mutter)“? Vielleicht auf das Bauchgefühl hören, es wie die Mutter halten und ein anderes Buch zur Hand nehmen?

Wenn Sie gerne mehr über die Ortschaft St. Baumeln erfahren möchten, müssen Sie wohl der Empfehlung des anonymen „Niemand“ folgen. St. Baumeln ist ein etwas spezielles Dorf. So rückt hier die Feuerwehr nicht aus, wenn es brennt, sondern schaut tagtäglich zur selben Zeit kurz vorbei. Blöd, wenn dann gleich kurz nach dem obligaten Besuch der Feuerwehr tatsächlich ein Brand ausbricht… In der recht kurzen Geschichte wird über die Arbeit von Magensäften und übergenaue Details zur Rechnerkapazitäten ebenso berichtet wie über Polizisten, die auf Kühen reitend ihren Dienst versehen und ihre Fälle lösen, indem sie sich mittels genauem Studium von C.S.I.-Videos weiterbilden.

Sie fragen sich, wo denn das Gärtnerische bleibt? Nun ein Gartenzwerg spielt eine nicht unwichtige Rolle. Auch ohne auf den orthographischen Schwächen herumzureiten – ich hätte mich besser dem (Vor-)Urteil der Mutter angeschlossen. Und falls Sie sich wundern, warum ich immer wieder Bücher von Hobbyautoren lese und mich über die Fehler in den Texten ärgere – schon häufig bin ich dadurch auf nette oder gar tolle Lektüre gestossen. Und auch mir ist klar, dass in jedem Buch (und auch in diesem Blog!) Fehler zu finden sind. Das Lesevergnügen wird aber schon geschmälert, wenn einem ständig welche ins Auge springen. Da ich im Moment keine weitere Lesependenz aus der Kategorie „gärtnernde Hobbyschriftsteller“ habe, werden Sie hier in nächster Zeit von Kritik in dieser Richtung verschont.



Christoph Schmied:
Der Fluch des Gartens
Edition Nove , 2008