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8. April 2015

Herbert Frei-Schindler: Der Hanggarten eines passionierten Pflanzensammlers

Von (beinahe) Null auf fünfzig Arten und Sorten von Rosen in fünfzehn Jahren ist nur eine von verschiedenen beeindruckenden Erwähnungen, die sich in diesem Buch über einen Stadtzürcher Hanggarten nachlesen lassen. Neugierig auf den Inhalt machen nämlich schon Kapitelüberschriften wie „England in Hirslanden“, „Von Königinnen und Fussvolk“ und eben „Gärtnern in Steillage“. Die Innenseiten des Buchumschlags zeigen die skizzierten Höhenprofile Nord-Süd der West- und  der Ostseite, auf denen die wichtigsten strukturgebenden Gehölze eingezeichnet sind und vermitteln der ortsunkundigen Leserin einen ersten Eindruck von der Hanglage dieses Gartens.

Vor knapp zwanzig Jahren hat das Ehepaar Schindler damit begonnen, sich mit dem Garten, dessen Anlage auf das Jahr 1927 zurückdatiert, auseinanderzusetzen. Die Initiative lag zunächst bei der Frau. Der Autor zeigte dannzumal wenig Interesse an gärtnerischen Aktivitäten und schätzte die ihm als Hilfsgärtner zugedachten Tätigkeiten gar nicht. Schon bald gab es einen Wechsel in den Zuständigkeiten und damit einher ging der Beginn der intensiven Grundstückbepflanzung.

Die oben angedeutete Passion für Rosen schlich sich erst auf Umwegen ein, und zwar nicht durch ein wohlriechendes, blühendes Exemplar in situ, sondern durch das Betrachten des Fotos eines solchen in einem im Kew Garden Bookshop aufgelegten Buch. Überhaupt stammen etliche der unzähligen Pflanzenschätze aus Grossbritannien. Die Reisen dorthin werden ausgiebig zu Pflanzeneinkäufen genutzt und auf der Rückfahrt überquillt nicht nur der Kofferraum mit Grünzeug, jeder andere verfügbare Quadratzentimeter des Transportmittels (kein Kleinwagen) wird ausgenutzt. Das Ehepaar findet aber tatsächlich trotzdem noch Platz fürs Gepäck – davon kann man sich auf seiner Internet-Seite selber überzeugen.

Neben Kletterrosen, Persischen Rosen, Strauchrosen und historischen Rosen liegt das Augenmerk der Pflanzensammler auf interessanten Gehölzen und Stauden. Nicht immer lässt sich genau definieren, warum man eine bestimmte Pflanze nun unbedingt haben muss, aber neben „speziell“ ist „Klimasurfen“ ein wichtiges Stichwort. Der Begriff umschreibt hortikulturelle Versuche mit Pflanzen, die eigentlich nicht in hiesigen Breitengraden gedeihen, wegen der Klimaerwärmung die Winter zwar nicht verlässlich, aber doch immer öfter ohne grosse Verluste überstehen Und neben den Aspekten „rar“ oder zumindest „ungewöhnlich“ müssen Neuerwerbungen natürlich auch den hohen ästhetischen Ansprüchen genügen. Den Kaufentscheid des Historikers können aber auch geschichtliche Faktoren beeinflussen.

Dieses Buch aus der DVA-Gartenportrait-Reihe ist grosszügig mit Fotos illustriert, von denen die meisten vom Autor selber stammen, der seit Jahrzehnten fotografiert. Besonders schön ist die Gegenlicht-Aufnahme auf dem Titelbild, auf der die Rinde des Zimtahorns rot zu brennen scheint. Obwohl die wiederholten Erwähnungen von Pflanzeneinkaufstouren und Internetbestellungen einen fast unbeschränkten Platz vermuten lassen, ist dem nicht so. Die Wünsche sind nicht immer kompatibel mit den vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten und Neuanschaffungen verlangen oft gleichzeitig nach Opfern. Entweder müssen Funkien öfter ihre äussersten Blätter lassen, damit sie ihre Nachbarn nicht völlig be- und verdrängen, oder es muss erst eine Pflanze ausgegraben werden, damit eine andere die frische Lücke füllen kann. Asiatische Gehölze wie Ahorne und der japanische Schneeball werden mit einer besonderen Rückschnitt-Technik à la Prinzessin Greta Sturdza geformt, welche Durchblicke erlaubt.

Als eher ungewöhnlich zu bezeichnen ist die Tatsache, dass die Schindlers weitgehend auf Terrassierung und Mauern verzichten und auf die Stabilisierung des Hangs durch Pflanzen vertrauen. Warme Farbtöne werden nur zurückhaltend eingesetzt, der Schwerpunkt liegt auf kühlen und zarten Farben. Ein Hanggarten hat seine Vor- und Nachteile. Letztere sind hier gekonnt zu Gunsten von ersteren ausgenutzt worden und so haben, wie der Autor vermerkt, inzwischen Pflanzen aus vier Kontinenten in Zürich ein Zuhause gefunden.

Noch vor Abschluss meiner Lektüre hatte ich Gelegenheit, an der Buchvernissage mit kommentiertem Bildervortrag teilzunehmen. Der Autor plauderte kenntnisreich und launig über seinen beeindruckenden Garten, von Gartenreisen und seinen persönlichen Erfahrungen. Die Sofagärtnerin und ihre Kollegin hätten gerne noch länger zugehört. Ganz minim getrübt wurde mein Vergnügen allein dadurch, dass mir während der Veranstaltung zwei-, dreimal die anfängliche Bemerkung von wegen altem Haus, grossem Besucheraufmarsch und Statik in den Sinn gekommen ist.

Nach wie vor nicht definitiv in den Sinn gekommen ist mir hingegen, ob ich vor ein paar Jahren bei strömendem Regen anlässlich eines Tages der offenen Gartentür in diesem Garten war (kann bzw. könnte man den Besuch in einem solchen Garten vergessen?) Als Entschuldigung für diese Erinnerungslücke mag oder muss neben dem schlechten Wetter meine damalige junge Begleitung herhalten, die sich mehr auf die geplante Shoppingtour nach den erpressten beiden Gartenbesuchen (der zweite Besuch war in einem Blindengarten und das Wetter schon deutlich freundlicher) freute, als sie sich für Gärten interessierte...

Den Link zur Internetseite finden Sie hier.



Herbert Frei-Schindler: 
Der Hanggarten eines passionierten Pflanzensammlers 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015

1. April 2014

Sarah Fasolin: Gartenreiseführer Schweiz

Haben Sie sich schon mal geärgert, weil Sie hierzulande vergeblich etwas kaufen wollten, das Ihnen im Ausland gute Dienste geleistet hat? Sarah Fasolin wollte nach einem Gartenurlaub in England, in welchem ihr ein Gartenreiseführer nützlich war, ein Schweizerisches Pendant erwerben und musste feststellen, dass ein solcher noch nicht geschrieben worden ist. Kurz entschlossen hat die Gartentexterin diese Aufgabe selber übernommen und während acht Monaten die Schweiz kreuz und quer durchreist.

380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.

Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.

Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.

Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.

Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.

Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.

Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.

Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.



Sarah Fasolin: 
Gartenreiseführer Schweiz 
Callwey Verlag, 2014

6. März 2014

Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos): Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland

Das Schlaraffenland ist laut Definition im Duden ein märchenhaftes Land für Schlemmer und Faulenzer. Der erste Teil der Bedeutung lässt sich sinnverwandt auf die portraitierten Küchengärtnerinnen und -gärtner in Christa Hasselhorsts neuester Publikation übertragen. Nicht faulenzen, sondern Wissen und zielstrebiges Gärtnern gepaart mit Wetterglück führt zum im Buch vorgeführten Erntesegen. Da passt die Bemerkung aus dem vorgestellten Garten der Familie Paasen: „Welch schöne Arbeit!“. Im gleichen Portrait ist auch der Unterschied in der Wahrnehmung des Begriffs Arbeit zwischen niederländischen und deutschen Gartenbesuchern zu lesen. Während der Deutsche sagt „schön, aber viel Arbeit“, findet der Niederländer „viel schöne Arbeit“.

„Geliebte Küchengärten“ ist das fünfte gemeinschaftliche Buchprojekt von Christa Hasselhorst und Ursel Borstell. Basis für die nun vorliegende Sofareise bildeten Fahrten, die quer durch Deutschland bis in die Schweiz und nach Österreich geführt haben. Die Portraits der fünfundzwanzig Gärten, die den Weg ins Buch gefunden haben, beinhalten neben mundwässernden Fotos und dem Textteil einen Steckbrief mit Daten zu Lage, Besitzer, Grösse, Planung und der Art des Gartens. Vereinzelt sind die Portraits mit Rezepten wie "Sylter Strandsalat" oder "Kartoffel-Eigelb-Raviolo" ergänzt und einige Gärtner verraten Tipps, wie etwa die Zusammensetzung von „Schwester Christas Pflanzenjauche“ oder den Nutzen von zerriebenen, scharfkantigen Eierschalen zur Schneckenbekämpfung.

Die einzelnen Kapitel locken mit Überschriften wie „Hier landet alles auf dem Teller“, „Kabinett für die Kulinarik“ oder „Leckerbissen im Barock-Rahmen“. Dahinter verbergen sich Schreber- Bauern-, Kloster-, Gourmet- oder Landhausgärten in unterschiedlichen Grössen, deren Besitzer sich samt und sonders auch als passionierte Köche entpuppen. Die Autorin bezeichnet einen Gourmetgärtner gleich als Botaniker, Kräuterhexer, Aromen-Exeperten und Würz-Magier in Personalunion.

Ob die vorgestellten Küchengärtner der familiären Tradition verpflichtet sind oder nicht vom Einheitsangebot im Supermarkt abhängig sein wollen - geschätzt wird nicht nur der ausgeprägte Geschmack des selber gezogenen Gemüses, sondern auch die Wirkung aufs Auge. Die Gärten sollen nützlich, gleichzeitig aber auch schön sein. Beliebt sind einerseits "gewöhnliche" Gemüse und traditionelle Klassiker, anderseits aber auch immer öfter Gemüsesorten, die früher saisonal regelmässig aufgetischt wurden, in den letzten Jahrzehnten jedoch aus den Gärten verschwunden sind. In den Gemüserabatten gedeihen Bohnen, Feder- und Palmkohl, Pastinaken und Malabarspinat, aber auch alte Getreidesorten wie Proveisergerste, Zwergweizen und Kolbhirse. Und ganz sicher kommt hier keiner auf die Idee, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wie es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja leider gang und gäbe ist.

Im Garten Kirsch-Brohmann in Niedersachsen sind wegen ungeeignetem sandigen Boden Blumenkohl und Lauch durch ein prächtiges Mohnmeer ersetzt worden, das Verwendung in Backwaren findet. Trotzdem spendet der Garten dermassen viel Gemüse, so dass das Fleisch eines Tages weggelassen wurde. Nicht in allen präsentierten Gärten kommt das Gemüse nach der Ernte in die Küche und schliesslich auf den Tisch. Sowohl im Schau-Küchengarten Schloss Wildegg wie auch im Allgäuer Saatgut-Garten werden in erster Linie (seltene) Schätze angepflanzt, um Saatgut zu ernten, damit vom Aussterben bedrohte Sorten weitervermehrt werden können.

Im Anhang des Buches finden sich Adressen und Hinweise zu Besuchsmöglichkeiten sowie nützliche Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen und ein Register.

Der Leser erhält in dieser Publikation zahlreiche Anregungen für den eigenen Garten und die heimische Küche. Die stimmigen Fotos wecken schon beim ersten Durchblättern Lust aufs Entdecken der einzelnen Gärten. Die Texte fand ich zuweilen gar knapp bemessen und hätte es geschätzt, etwas mehr über portraitierten Gärtner und ihre Gärten zu erfahren.  



Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos): 
Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland 
Eugen Ulmer Verlag, 2014

5. September 2013

Karin Standler (Hrsg.): best private plots – Die besten Gärten 2012

Eine wechselnde Jury präsentiert und wählt nach einer Idee und auf Initiative des Büros Karin Standler Landschaftsarchitektur seit 2006 regelmässig im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs die besten privaten Gärten aus. Ziel ist es, innovative Landschaftsarchitekten und –architektinnen zu finden und die Qualität in der Gestaltung von privaten Gärten zu steigern. Mitglieder der Jury 2012 waren Franziska Bark Hagen, Tom Stuart-Smith, Teresa Möller, Stig L. Andersson und Vladimir (Tom) Sitta. Parallel zum anlässlich der Preisverleihung jeweils stattfindenden Symposium erscheint ein Katalog mit den nominierten Projekten.

In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:

- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable

Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.

Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.

Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.

Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.

Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.

Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.

Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.

Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.  



Karin Standler (Hrsg.): 
best private plots – Die besten Gärten 2012 
Team private plots, 2012

25. August 2013

Karin Standler: Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa

In dieser Publikation lädt Karin Standler den Leser ein auf eine Entdeckungsreise kreuz und quer durch eine Auswahl botanischer Gärten in Europa. Kriterien für die Aufnahme der vorgestellten Institutionen in die Publikation waren spezielle Konzepte, die historische Bedeutung oder besonders beachtliche Sammlungen.

Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.

Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.

In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.

Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.

Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.  



Karin Standler: 
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013


(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad

1. Juli 2013

Cordula Hamann: Gärten in Ostfriesland

Eine Gruppe von Frauen, die sich bei Seminaren und Fortbildungskursen der Landwirtschaftskammer kennengelernt hatte, begann vor einiger Zeit, ihre Gärten fürs Publikum zu öffnen. Jahre später entstand dank der Initiative eines engagierten Gartenarchitekten daraus die „Gartenroute Krummhörn“. Cordula Hamann ihrerseits stellt in dieser Publikation "Gärten in Ostfriesland" eine Auswahl dieser Gärten aus dem Nordwesten von Deutschland vor. Portraitiert werden beispielsweise ein Garten mit Deichanstoss, ein Landschaftspark und ein Hausgarten.

Das Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln wie „Auf verschlungenen Wegen“, „Kostbarkeiten im Hochmoor“ oder „Zwischen Wall und Gefängnishof“ macht neugierig auf die folgenden Seiten, auf denen passionierte Gärtner Einblick in ihre vielfältigen Gärten geben. Da ist etwa das überaus beeindruckende gärtnerische Ergebnis samt Orchideen, Sonnentau, Moorlilie und einem Boot zur Teichreinigung. Erzielt wurde dieses innert weniger Jahre von einem Paar, das sich auf einer Gartenreise kennengelernt hat. Inspirationen holen sich die beiden aus der Lektüre von Gartenbüchern und häufigen Besuchen von Gärtnereien und anderen Gärten.

Eine andere Gärtnerin wirkt in einem Garten mit beneidenswerten Mauern „à la Walled Garden“ und erinnert sich an einen Bepflanzungstipp ihres verstorbenen Schwagers, dem bekannten Gärtner und Autor Jürgen Dahl. Obwohl die Qualität einzelner Fotos leider etwas enttäuschend ist, mag ein kleiner verwunschener Teich zu faszinieren, der unweigerlich Erinnerungen an das Märchen vom Froschkönig aufkommen lässt. Sogar die Kugeln liegen schon im Wasser bereit. Noch mehr Klinkermauern, bei deren Anblick die Sofagärtnerin wieder leicht neidisch wurde, gibt es im Garten mit Hochmooranstoss in der Nähe der Ostfriesischen Blumenstadt Wiesmoor zu bewundern. Die integrierten Lücken erlauben einen Blick aufs Moor, aber auch innerhalb der Mauern gibt es einiges zu entdecken, wie ein vollständig bemoostes Fahrrad sowie duftende Blumen allenthalben.

An einem anderen Ort baut die Gärtnerin nebenbei mit Grundschulschülern Gemüse an und hält im Winter ihre Gartenlektionen in der Schule ab, während im wildromantischen Familiengarten Zweige von Hartriegel und Weiden zum Weben verwendet werden. In Funnix wiederum ziehen verschiedene Skulpturen aus Cor-Ten Stahl die Aufmerksamkeit auf sich. Natürlich gehören auch Pflanzen wie Gräser, Stauden und Gehölze zum Inventar. Diese Gärtnerin praktiziert das Verfahren „Tarnen und Täuschen“ – will heissen,  Lücken in Beeten werden mit Pflanzen wie Alpenveilchen oder Astern in gut versteckten Töpfen kaschiert.  



Cordula Hamann: 
Gärten in Ostfriesland 
Edition Temmen, 2011

21. September 2012

Andreas Honegger und Gaston Wicky: Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich

Der Garten von Mina und Andreas Honegger wird bereits in einem Kapitel im Buch „Die geheimen Gärten von Zürich“ kurz vorgestellt. Nun bietet sich Gelegenheit, noch etwas genauer hinter die weissen Zäune mit Efeugirlanden zu schauen. Denn im Rahmen der Reihe „Das Gartenportrait“ aus der Deutschen Verlags-Anstalt ist einer der diesjährigen Herbsttitel diesem Stadtgarten mit besonderem Mittelmeer-Flair gewidmet. Dabei laden insbesondere auch die Fotos von Gaston Wicky zum Schwelgen ein.

Das erste Kapitel ist ein Rück- und Ausblick. Der Autor berichtet hier vom vorgefundenen Chaos beim Hauskauf, während in den folgenden Abschnitten die verschiedenen Pflanzensammlungen und die Gestaltung der einzelnen Gartenteile wie das Alpinum, die Allee der Zitrusbäume oder das Wasser rund ums Haus Thema sind. Der Leser erfährt aber auch von gewissen Konflikten, die gelöst werden müssen in Hinsicht auf die verschiedenen Prioritäten der Eheleute. Während er ein leidenschaftlicher Pflanzensammler ist, legt sie grösseren Wert auf die Gestaltung des Gartens. Dieser beherbergt ganz unterschiedliche Pflanzensammlungen. Um den Teich herum wachsen verschiedene kleine Ahornbäume, die im Herbst mit in verschiedenen Farben leuchtenden Blättern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hinter dem Haus breitet sich ein kleines Arboretum aus und in der sogenannten Zitronenalle stehen rund zwei Dutzend Zitrus-Bäumchen von der Zitrone, Orange, Clementine und Chinotto bis zur Grapefruit in grossen toskanischen Töpfen.

Nichts in dem Stadtgarten in einer Vorortgemeinde von Zürich erinnert inzwischen mehr an den ursprünglichen desolaten Zustand. Freilich war der Beginn der Gartenkarriere mitunter geprägt von Fehlschlägen. Die Hanglage des Gartens in einem ehemaligen Weibaugebiet am Zürichsee erwies sich jedoch als besonders geeignet für die von den Besitzern geschätzten und geliebten mediterranen und subtropischen Pflanzen. Der Garten wird nach wie vor immer wieder verändert. Vom Rasen ist nunmehr eine kleine Fläche übrig geblieben, dafür schmückt ein grosszügiger Schwimmteich die Parzelle und Pläne wie ein grosszügiger Wintergarten und ein abgedeckter Weg für die vielen verschiedenen kälteempfindlichen Zitruspflanzen sind umgesetzt worden.

Wer den gepflegten grünen Rasen im Sommer sieht, glaubt kaum, das sich darunter die Zwiebeln von Schachbrettblumen, Krokus und Zwergiris verbergen, welche die Grünfläche von Februar bis Mai in eine farbenfrohe Augenweide verwandeln. Im Frühling ziehen an der einen Grundstückgrenze Rhododendron in verschiedenen Farben die Aufmerksamkeit auf sich. Sobald deren Blütezeit vorbei ist, profitiert der Garten von den dunkelgrünen Sträuchern als ruhigem Hintergrund.

Der ungewöhnlich kalte Februar 2012 forderte auch in diesem Garten etliche Opfer. Doch glücklicherweise konnte die Zitruspflanzensammlung mit Hilfe von Grillkohle über die Kälteperiode gerettet werden. Da sämtliche Heizkörper ausverkauft waren, kamen die Gartenbesitzer auf die Idee, mittels in grossen Becken angefeuerter Grillkohle der eisigen Kälte zu trotzen. Dank dieser Bemühungen haben die Zitrusbäume die temporäre Eiszeit gut überstanden und der Rauch hatte den willkommenen Nebeneffekt, Schädlinge auszuräuchern bzw. in Zaum zu halten. Wenn nicht gerade ungewohnt kalte Winter den subtropischen Bewohnern zusetzen, gedeihen diese ausgesprochen prächtig. So prächtig, dass einige Exemplare in Töpfen bald die Decke erreichen. Da ist es ganz praktisch, wenn die beiden Wellensittiche dabei behilflich sind, die Grösse der Palmfarne in Schach zu halten, indem sie liebend gerne an deren Wedeln knabbern.

Auch ausserhalb der Zitronenalle hatten die grünen Gartenbewohner mit der Kälte zu kämpfen und verschiedene Gewächse haben sich definitiv verabschiedet, sind also auch im Laufe des Sommers nicht mehr aus dem Wurzelstock ausgetrieben. Daneben gibt es auch immer mal wieder Pflanzen, die einer Umgestaltung – gewollt oder auch ungewollt – zum Opfer fallen. So verdient sich ein Apfelbaum, der eine gelbe Magnolie ungebührlich bedrängt, seine Daseinsberichtigung nur damit, dass er Gastgeber einer Mistel ist, die aus einem an dessen Stamm geklebten Samen gewachsen ist.

Zum Garteninventar zählen auch zwei jahrhundertealte Olivenbäume. Sie sind als ausgewachsene Exemplare mit entsprechendem Aufwand in den Garten gezogen. Einiges Aufsehen erregte die letztjährige Aktion, eine hoch gewachsene Araukarie, die in der Nachbarschaft gefällt werden sollte, mit einem Kran in den Honegger-Garten zu hieven. Auf dem Foto, das dieses Unternehmen dokumentiert, erscheint der riesige Baum wie ein Spielzeug. Eine weitere Liebhaberei (der Autor selber schreibt von einer Spinnerei) sind die verschiedenen Bahnstrecken, die durch den Garten führen und auf denen Züge verkehren können, die sogar mit Sound- und Rauchanlagen ausgerüstet sind.

Meine persönliche mediterrane oder exotische Phase, in welcher ich (fast) jeden Kern oder Samen von dannzumal noch nicht alltäglichen Früchten wie Avocado, Litchies oder Karambole aber auch Zitrusfrüchten in die Erde steckte und ungeduldig darauf wartete, was sich daraus entwickeln würde und bei jedem Besuch in Norditalien mit dem Kauf einer kleinen Araucarie liebäugelte, liegt schon länger zurück. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich eher als unscheinbar zu bezeichnende Blüten, die ich vor wenigen Jahren nicht als besonders anziehend bezeichnet hätte. Und ich bevorzuge Pflanzen, welche die kalten Monate ohne besonders aufwendigen Winterschutz überstehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, finde ich den Garten Honegger mit seinen zahlreichen Exoten beeindruckend und habe die kürzliche Gartenführung ungeachtet des Dauerregens genossen. Ein Zückerchen war dabei natürlich die eine oder andere Anekdote aus dem Buch direkt von Gärtnerin, Gärtner und dem Fotografen erzählt zu bekommen!



Andreas Honegger und Gaston Wicky: 
Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

30. Juni 2012

Rita Bertolini: Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten

Wenn man diese rund dreihundertseitige Publikation im Schnelldurchlauf durchblättert, fallen einem als erstes die vielen unterschiedlichen Nuancen der Farbe Grün auf. Bei dem vielen Weiss, das diesen Winter während meiner Lektüre dieses Buches draussen in Form von Schnee vorherrschte, empfand ich diese Grüntöne wie ein Fest für die Augen. 

Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert:

-       Villen und historische Gärten 
-       Architektur und Gärten 
-       Klostergärten
-       Bauern- und Nutzgärten 
-       Wiesenmeister 
-       Bäuerlich anmutende Gärten und Nutzgärten 
-       Industrie- und Migrantengärten 
-       Therapiegarten Carina 
-       Private Gärten 
-       Gastgärten

Das Buch zeigt viele verschiedene Gärten, aber immer nur einen kleinen Ausschnitt, nie die gesamte Parzelle oder Anlage. Die Texte sind sehr kurz gehalten, der Fokus wird eindeutig auf die (in Bezug auf die Druckqualität nicht immer optimalen) Fotos gelegt. Es werden wie aus den Kapitelüberschriften ersichtlich ist, die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Sympathisch fand ich, dass die Gärten nicht übermässig herausgeputzt sind, so sind zum Beispiel Buchspflanzen abgebildet, die für andere Publikationen wohl erst zurechtgestutzt worden wären.

Gleich im ersten Kapitel erfährt der Leser, dass in Vorarlberg die meisten als historisch zu bezeichnenden Gartenanlagen noch recht jung sind. Diese sind nämlich zumeist während dem Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert entstanden. Und welcher Gartenfreund wird nicht ein wenig neidisch auf den Platz an einem Schreibtisch in Feldkirch, der bei offenen Fensterflügeln direkt im Waldgarten zu stehen scheint? In Hörbranz wiederum findet sich ein Garten, in dem als nicht wegzudenkende Elemente eine Steinbibliothek, Arbeitsmaschinen und Bambus fungieren. An einer anderen Stelle liest man von Wiesenmeisterschaften, die aufzeigen sollen, dass Lebensräume für Pflanzen und Tiere nur bewahrt werden können, wenn diese standortgerecht genutzt werden. Es handelt sich denn auch nicht um einen Mähwettbewerb, sondern um eine Bewertung und Auszeichnung von naturgemäss gepflegten Mager- und Fettwiesen.

Vor etlichen Jahren haben wir jeweils die Skiferien im Montafon verbracht. Die Region Vorarlberg in meinem Kopf ist also hauptsächlich Weiss. Nach der Lektüre von „Bodengut“ ist nun auf eine eindrückliche Weise eine weitere Farbe dazugekommen – Grün. Und die Erkenntnis, dass die Gegend auch zwischen Frühling und Herbst einen Besuch und Blicke hinter die Zäune Wert wäre. Einladend sind ja nicht zuletzt auch die verschiedenen abgebildeten Gastgärten (Gartenwirtschaften).



Rita Bertolini:
Bodengut – Vom Zauber Vorarlberger Gärten
Bertolini Verlag, 2009

10. Juni 2012

Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken

Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.

Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.

In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.

Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.

Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.



Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010

10. Mai 2012

Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos): Park Sanssouci

Verschiedene Gartenstile aus unterschiedlichen Epochen bilden das Ensemble des Gesamtkunstwerks Park Sanssouci, der 1990 von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen worden ist. Da gibt es barocke Blumenrabatten, Palmen, Kübel mit exotischen Pflanzen, schier endlose ordentlich getrimmte Hecken und nicht zuletzt einen klassischen Landschaftspark.

Mehrere Regenten und noch mehr ihre Gärtner haben der Anlage ihren Stempel aufgedrückt. Zu letzteren zählte auch Peter Joseph Lenné aus einer berühmten Gärtner-Dynastie. Christa Hasselhorst und Hans Bach stellen in der wunderschön ausgestatteten Publikation „Park Sanssouci“ das preussische Versailles in Wort und Bild vor und zeigen, was sich aus dem ehemals „wüsten Berg“ an der Peripherie von Potsdam entwickelt hat, wo König Friedrich II. seinerzeit in Lustwägelchen (zweispännigen Gartenkaleschen) durch sein grünes Reich kutschierte.

Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung  von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.

Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.


Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos):
Park Sanssouci
Edition Braus, 2012

23. April 2012

Eva Kohlrusch und Gary Rogers (Fotos): Besondere Paare und ihre Gärten

Nach den überaus erfolgreichen Vorgängertiteln "Faszinierende Frauen und ihre Gärten" und "Besondere Frauen und ihre Gärten" erscheint mit „Besondere Paare und ihre Gärten“ nun ein drittes Buch von Eva Kohlrusch und Gary Rogers in erprobter Aufmachung.

Was ist besonders an Paaren die zusammen gärtnern? Fördert der Garten die Harmonie unter denselben oder ist diese Form der Zweisamkeit eher eine Quelle für Zwist und Auseinandersetzungen? In Kapiteln wie „Wo Rosen mit Kunst wetteifern“, „Die Frau des Biogärtners“, „Ein Garten wie mit wilder Hand hingestreut“ und „… und zum Dessert „Rosenmousse Chambord“" geht Eva Kohlrusch diesen Fragen auf den Grund.

Ob jemand alleine gärtnert oder der Partner in seiner Freizeit ebenfalls gerne in der Erde herumwühlt und die Hände schmutzig macht – auf die Launen der Natur hat diese Arbeits- und Interessenteilung keinen Einfluss. Rückschläge sind so oder so als gegeben hinzunehmen, wenn beispielsweise der Garten wochenlang unter Wasser steht und dadurch eine zwangsläufige Selektion durch höhere Gewalten von Statten geht und es immer wieder heisst, Abschied zu nehmen von Lieblingspflanzen, die einem lange begleitet haben. Da mag auch das Bonmot „Geteiltes Leid, ist halbes Leid“ nur ein schwacher Trost sein.

Was wächst wohl im Garten – Apfelgut genannt – eines Journalistenpaares, das im Fernsehen vor laufenden Kameras seine Kochkünste zelebriert? Die beiden müssen der Sonne etwas nachlaufen, denn das Haus stammt aus einer Zeit, als ungebräunte Haut en vogue war. Dafür stehen hier viele mobile Kübelpflanzen und im Folientunnel findet sich eine stattliche Sammlung von 125 verschiedenen Kräutern. Sage und schreibe 28 verschiedene Basilikumsorten werden hier gezogen.

Eine Tante, die sämtliche im Garten wachsenden Pflanzen botanisch benennen konnte, Pflanzen, von denen er selber nicht mal den deutschen Namen kannte, haben seinerzeit den Ehrgeiz eines Jungen dermassen angestachelt, dass er sich dieses Wissen auch aneignete. Das dannzumal Gelernte kann mittlerweile tagtäglich angewendet werden. Denn im Besitz des Barons befinden sich unzählige praktische Anwendungsbeispiele wie etwa 500 Sorten Rhododendron, 300 Seerosen und 50‘000 Narzissen. Dimensionen zum Träumen oder eher der Stoff aus dem Alpträume sind (Stichwort "Rücken")?

Für das Auslösen des Gartenfiebers kommen verschiedene Infektionsquellen in Betracht. Was die Feststellung „für dieses Geld kann ich selber ganz schön viele Fehler machen“ als Reaktion auf den Kostenvoranschlag für eine Gartenumgestaltung für Folgen haben kann, zeigt sich eindrücklich im Kapitel „Träume, die über den Zaun hinaus wachsen“. Er liebt den Garten mittlerweile längst so fest wie sie, aber sie ist es, die auch das Gärtnern liebt. Und sie fügt auch gleich an, dass es wohl recht schwierig wäre, wenn er plötzlich ein ausgeprägtes Interesse an der praktischen Gartenarbeit entwickeln würde. Wie in verschiedenen Beispielen von gärtnernden Paaren in diesem Buch bewährt sich auch hier die Arbeitsteilung – er ist eher fürs Grobe zuständig, sie fürs Feine und (meistens) sind danach alle zufrieden.

Andere finden die Lösung in Kompromissen. Da ist einer dann für den Rasen zuständig, während der andere sich um die Rosen kümmert. Wobei für die Rosen auch Kübelpflanzen oder die Staudenrabatte stehen können. Und dann gibt es auch noch den sogenannt antiautoritär erzogenen Garten. Hier wird etwas gepflanzt und dann darf es wachsen wie es will.

Untern den vorgestellten gärtnernden Paaren sind auch verschiedene Prominente wie beispielsweise Ulrich Pleitgen, Katerina Jacob oder Gabriela Fürstin und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Prominent bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Garten den ambitionierten Vorstellungen von passionierten Hobbygärtnern oder Gartenbuchgärtnern entspricht. Aus anderen Portraits lassen sich eher mehr Inspirationen für das heimische Experimentierfeld herauspicken. Doch ist es unbestrittenermassen interessant auch einmal hinter solche Hecken blicken zu können und sich an der von Gary Rogers mit der Kamera perfekt eingefangenen Gartenatmosphäre zu erfreuen und durch die Texte von Eva Kohlrusch etwas Persönliches mit oder ohne hortikulturellen Hintergrund zu erfahren.



Eva Kohlrusch (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Besondere Paare und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2012

11. April 2012

Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos): Die schönsten Gärten Österreichs entdecken

Für diese Publikation haben sechsundzwanzig österreichische Gärtnerinnen und Gärtner die Fotografin Ursel Borstell ihr blühendes Refugium durch die Linse entdecken lassen. Zusammen mit den Texten von Elke Papouschek und Veronika Schubert ist ein prächtiger Bildband entstanden. Dieser gibt dem Leser Einblick in verschiedene kreative Umsetzungen von Wunschvorstellungen in den eigenen Traumgarten.

Wörtlich zu verstehen ist der Portrait-Titel „Gartenzimmer im Grünen“. Verschiedene Gartenzimmer, abgetrennt durch Hecken oder Mauern sind nichts Ungewöhnliches. Spezieller hingegen ist die Ausstattung dieser hier präsentierten Grünräume. Die Gärtnerin hat unter Obstbäumen ein komplettes Schlafzimmer mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Bett wird dann aber doch als Beet für Hornveilchen zweckentfremdet. Auch ein Bügelzimmer gibt es. Und für die Authentizität wird Urgrossmutters Kleidung an der Wäscheleine aufgehängt. Auf Details zu Pflege und Probleme wegen Umwelteinflüssen und Verwitterung wird hingegen nicht eingegangen.

Nichts Museales gibt es auf den Bildern von Brigitte Hiti zu entdecken. Die ehemalige Lehrerin bezeichnet ihre grüne Passion als „Extremgärtnern“. Ein Rundgang durch die 4000 Quadratmeter kann schon mal gut und gerne ein paar Stunden dauern. Kein Wunder bei all den hier versammelten botanischen Schätzen, die es hier zu entdecken gibt. Zu diesen zählen auch ein Hängejudasblattbaum, eine Scheinkamelie und ein Taschentuchbaum. Dank einer Zwangspause kann bzw. konnte dieser Garten übrigens auch in Buchform durchwandert werden („Gartenrunden“ erschienen 2008).

Im österreichischen Vulkanland hat Susanne Pammer ein facettenreiches Gartenreich geschaffen. Das Gärtnern zieht sich wie ein Leitfaden durch ihr Leben und ist inzwischen auch zum beruflichen Standbein geworden. Die Gartenplanerin hat sogar ein Netzwerk für Gartenmenschen initiiert. Auf den Fotos dieses Gartens macht man beispielsweise eine beeindruckende Mauer aus Dachpfannen aus und einen kreativen Weidensitzplatz, der grosszügig um einen Kirschbaumstamm geflochten worden ist.

Englisches Flair versprüht der Schaugarten Köhler, in welchem eine Autodidaktin ihre Gartenträume aus Büchern und Magazinen hat wahr werden lassen. Durch die Tore in Ziegelmauer und Hecke möchte man liebend gerne gleich selber durchschreiten und persönlich feststellen, was es dahinter zu erkunden gibt.

Eine Gärtnerin führt über ihre Rosen sogar Buch. 200 verschiedene Exemplare sind darin verzeichnet. Die Grundlage für diese Leidenschaft zur Königin der Blumen bildeten ursprünglich Stecklinge, welche die Krankenschwester aus weggeworfenen Sträussen ihrer Patienten geschnitten hat.

Der eine plant alles bis ins Detail und überlässt nichts dem Zufall, der andere pflanzt mehr aus dem Bauch heraus. Eine dritte hat durch das Gärtnern Grosszügigkeit gelernt und den Hang zur Perfektion abgelegt und eine weitere hat Leinwand und Pinsel durch den Garten ausgetauscht und empfindet diesen als dreidimensionales Bild, wo mit Pflanzen gemalt werden kann. Allen Gärtnern und Gärtnerinnen gemeinsam ist, dass der Garten sie erdet und so passt die Aussage einer Portraitierten „Der Boden zieht die Sorgen, der Wind trägt sie davon“ zu fast allen.

Komplettiert werden die Portraits durch Angaben von Adresse und Besuchsmöglichkeiten. Eine Landkarte Österreichs auf der sämtliche Ortschaften eingezeichnet sind, in der sich die im Buch vorgestellten Gärten befinden, erlaubt es auch dem ortsunkundigen Leser, sich ein Bild über die Lage derselben zu machen und den Besuch des einen oder anderen Gartens vielleicht mit einer Urlaubsreise zu kombinieren.

Ein schönes Buch, das Einblick in die österreichische Gartenvielfalt gibt und sich ausgezeichnet eignet, um eigenen Gartenträumen nachzuhängen und Anregungen für den eigenen Garten zu finden.



Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos):
Die schönsten Gärten Öesterreichs entdecken
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

8. April 2012

Ruth Wegerer: Verborgene Gärten in Wien

Sind Sie auch schon durch Grossstädte spaziert und hätten gerne etwas genauer erkundet, was es in dem so vielversprechend blühenden Hinterhof in der noblen Seitenstrasse wohl gärtnerisch sonst Interessantes zu sehen gäbe oder hätten gerne aus der Vogelperspektive einmal einen Blick in die Dachgärten erhascht? Schon seit vielen Jahren spürt die Gartenjournalistin Ruth Wegerer (siehe auch meine Buchvorstellung zu ihrem Buch „Gärtnerin aus Liebe“) solchen verborgenen Oasen in der österreichischen Hauptstadt nach und teilt ihre Fundstücke nun mit der Leserschaft. Sie beweist auf charmante Weise, dass sich das Thema Kultur und Wien nicht mit Musik, Theater, Kunst und Architektur erschöpft und die Gartenkultur sich keineswegs auf die meist ewiggleichen prächtigen öffentlichen Anlagen beschränkt, die in einschlägigen Reiseführern erwähnt werden. Gemäss Angaben der Autorin findet man sogar drei Viertel der österreichischen Flora und Fauna in Wien.

Vogelgezwitscher statt Grossstadtlärm? Blütenduft statt Abgase? Tatsächlich ahnt man als Aussenstehender kaum, welche Lebensqualität und Gartenvielfalt sich hinter den mehrstöckigen Häuserzeilen verbirgt oder verbergen kann. Die Wände werden da kurzerhand in den Garten integriert und genau diese grüne Vertikale trägt massgeblich zur speziellen Atmosphäre in diesen Hofgärten bei.

Ein alter Eisenzaun an einen Hag gelehnt, abgestellt und vergessen. Er ist inzwischen längst von Rose und Wein als Klettergerüst erobert worden – eine zufällige und doch so harmonische Symbiose. Bis ein grauer Hinterhof in einen fröhlich-bunten Garten verwandelt durfte, hatte die Gärtnerin deutliche Überzeugungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten, da diese Feuchtigkeitsschäden an ihrer Immobilie befürchteten.

Das Ergebnis einer Vision von einem „wilden Garten“ ist ein städtischer Dschungel im 3. Stock. Die Auswahl an Gehölzen lässt angesichts der Lage staunen. Der zweigeschossige Garten beherbergt neben Fliederbüschen und Eibe auch Ahorn-, Aprikosen- und Birnbäume und einen hängenden Maulbeerbaum. Diese teilen sich den flachen Wurzelraum. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, auch Tiere kommen gerne vorbei. Anzutreffen sind Kauz, Specht, Turmfalke und Mäuse.

Auch etwas erhöht, aber mitten in einem steilen Weinberg liegt der als „Zaubergarten“ bezeichnete romantische Landhausgarten. Die idyllische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Reben birgt aber auch ausgeprägte Nachteile, sind doch etliche der Einfriedung entlang wachsende Rosen mit dem Unkrautvertilger von der anderen Zaunseite in Berührung gekommen und haben diese Prozedur nicht überlebt. Möge die grandiose Aussicht auf Wien ein wenig über diesen Verlust hinwegtrösten und wie bemerkt Ruth Wegerer doch diesbezüglich überaus treffend (Zitat): “Geduld bringt Rosen“.

In einem anderen Portrait gibt es ein schönes Synonym für das Wort Gärtnern zu entdecken: Gartenschach. Die Definition: Pflanze kaufen, irgendwo einsetzen, anwachsen lassen und beobachten, wieder ausbuddeln und an einer anderen Stelle einpflanzen – eben Schachspielen.

Die wunderbaren Fotos von Harald Eisenberger ergänzen die eher knappen Texte und recht ausführlichen Bildlegenden ausgezeichnet. Mit etlichen Gärtnerinnen und Gärtnern kann via aufgeführter Email-Adresse ein Besuch ausgemacht werden, so dass man auf eigene Faust Wiener Gartengeheimnisse lüften kann. Eine Doppelseite gibt Anregungen und Tipps zur Wiener Gartenszene (Gärtnereien, Floristik, Kulinarisches, Veranstaltungen usw.). Grünes Grossstadttreiben ohne Grossstadtimmissionen – sofagärtnern vom feinsten!



Ruth Wegerer und Harald Eisenberger (Fotos):
Verborgene Gärten in Wien – Einblicke in die geheime Gartenwelt einer Grossstadt
Christian Brandstätter Verlag, 2012

28. März 2012

Konstanze Neubauer: Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen

Das Wort „Gartenschätze“ im Buchtitel weckt schon einmal hohe Erwartungen in der Leserin. Und, dies sei gleich vorab verraten, diese werden auch erfüllt. Aus ursprünglich 180 Vorschlägen wurden schliesslich die hier nun vorgestellten 70 Gärten ausgewählt und in die Publikation aufgenommen. Die Bild- und Lesereise führt durch die sieben Bezirke Bayerns, von welchen jeweils zwischen sechs und zwölf Gartenschätze im Buch portraitiert werden – von Unter-, Mittel- und Oberfranken, Oberpfalz über Schwaben bis Ober- und Niederbayern.

Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.

Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.

Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.

Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.

Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.

Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.



Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012

9. Februar 2012

Georg Thiem und Edgar Sommer: Private Gartenparadiese in Niedersachsen

Beim Umräumen der Bücherregale auf der Suche nach einem Plätzchen für die neuesten Zugänge habe ich das Buch „Private Gartenparadiese in Niedersachsen“ wiederentdeckt, das ich nach dem Erwerb vor ziemlich genau vier Jahren auf einem Gestell eingeordnet und dann vergessen habe. Ein „Bücherschicksal“, das es mit etlichen anderen Titeln zu tragen hat, da meine verfügbare Lesezeit leider nicht ganz kompatibel ist mit der Gier oder Sucht nach potentiellem interessantem Lesefutter. Mein Interesse auf die Lektüre dieses Buches wurde definitiv geweckt, als ich beim Durchblättern entdeckt habe, dass Marita Eichler, deren Buch „Über Zäune schauen“ ich hier einmal kurz erwähnt habe, zu den portraitierten Gärtnerinnen und Gärtnern gehört.

Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.

Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.

Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).



Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007

1. Dezember 2011

Karine von Rumohr: Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten

Nach "Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten" versucht Karine von Rumohr in ihrem zweiten Bildband innert Jahresfrist nun herauszufinden, ob Männer anders gärtnern als Frauen. Bereits im Vorwort verrät sie ihre Erkenntnis aus intensiven Gesprächen mit den achtzehn im Buch portraitierten Gärtnern. Sie konnte weder bekannte Klischees zementieren noch widerlegen. Bei den portraitierten Männern kommen nämlich weder technische Hilfsmittel besonders häufig zum Einsatz noch wird weniger als bei Gärtnerinnen auf detailgetreue Bepflanzung geachtet und selbstverständlich erschöpft sich ihr Tätigkeitsgebiet nicht auf das Anfeuern des Grills und das Schieben des Rasenmähers.

Philipp Huthmann beispielsweise kann nichts mit Gartendekoration anfangen, aber er mag Symbole, wie den Steinpfeil, den er vor seinem Teich platziert hat. Das Objekt soll den Blick vom Boden weg in die Bäume hinauf locken. Das 13‘000 Quadratmeter grosse Grundstück des passionierten Pflanzensammlers, der auch offen zugibt, Pflanzen zu stibitzen, ist aber nicht nur Richtung Himmel, sondern auch in tieferen Ebenen und in Erdnähe eine genaue Betrachtung wert. In rund vierzig Jahren hat Huthmann im kühlen Allgäuer Klima ein umfangreiches Gehölz- und Staudensortiment zusammengetragen und er hat seine Gartenwelt in Bereiche wie „Alpen“, „Südfrankreich“ oder japanisch und chinesisch inspirierte Räume aufgeteilt. In seinem Garten stehen sogar Spezialitäten wie die Franklinia alatamaha und die Stewartia pseudocamellia sowie verschiedene Orchideen-Raritäten.

Von Berufs wegen gärtnert Klaus Jentsch. Der Staudengärtner hat schon als Kind Pflanzen gesammelt. Ins Buch hat er Aufnahme gefunden, weil er als Schneeglöckchenliebhaber annähernd 200 verschiedene Sorten zusammengetragen hat. Im Portrait erfahren wir, dass er keineswegs zu den Romantikern untern den Galanthophilen gehört. Das wirtschaftliche Interesse steht im Vordergrund, lässt sich aber erfreulicherweise hervorragend mit der enormen Schneeglöckchen-Vielfalt kombinieren.

Der Garten von Hans-Jörg Gensch gleicht einer Spezialitätengärtnerei. Wo man hinschaut, fällt der Blick auf Semperviven. Versammelt sind diese in 6‘000 Töpfen, alle ordentlich etikettiert und auf Hochtischen stehend oder in Schalen und Trögen, die den Weg säumen. Gensch ist ausserdem Moderator einer eigenen Internet-Plattform, wo er sich virtuell mit rund 250 Gleichgesinnten austauscht, die sich beispielsweise gegenseitig im Identifizieren der häufig nur schwer zu unterscheidenden Hauswurz-Schönheiten unterstützten.

Die vorgestellten Gärten sind ebenso verschieden wie ihre Gärtner. Der eine hat um die 9‘000 Duftrosen des englischen Züchters David Austin in seinem parkähnlichen Garten, während sich ein anderer über das Romantisieren rund um Rosen nervt und von Mörderrosen spricht, die in seinem Garten die Wurfanker nach oben auswerfen. Ein Dritter empfindet die Dynamik der Entwicklung von Stauden und die Selbstaussaat als eine Art von Kunst, ein weiterer Gärtner präsentiert ein aufgeräumtes grünes Reich und wieder andere träumen davon, ihre Visionen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Neben den bereits im Text namentlich erwähnten Männern werden folgende Gärtner portraitiert: Stephan Aeschlimann Yelin, Roland Doschka, Horst Forytta (Der Garten von Marihn), Justus Franz, Landgraf Moritz von Hessen, Godehard Graf von und zu Hoensbroech, Sepp Holzer (Permakultuer im Tauerngebirge), Mathias Hoyer (Aceretum), Thomas Kimmich, Fernando José de Mascarenhas Marquês de Fronteira, Georg Möller und Achim Weitershagen (Link zu meiner Buchvorstellung über den Oehndorf-Garten), Jörg Pfenningschmidt, Jörg Stellmacher, Dr. Tomas Tamberg (Iris- und Hemerocallis-Zürchter) und Hans-Dieter Warda. Natürlich wird man als Leserin und Leser kaum restlos mit der Auswahl der aussergewöhnlichen Gärten und ihrer Schöpfer einverstanden sein und vermisst vielleicht den einen oder anderen Gärtner. Nichtsdestotrotz ein sehr schönes und überaus informatives (Weihnachts-)Geschenk für den Buchgärtner, das verschwenderisch mit Fotos von Alex Killian illustriert ist. Und falls Sie nach der Lektüre von "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" Lust auf mehr Lesefutter über gärtnernde Männer haben: im Februar 2012 erscheint das nächste Buch zum Thema ("Sein Garten" von Stefan Leppert).



Karine von Rumohr:
Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2011

1. November 2011

Anke Kuhbier: Kluge Menschen und ihre schönen Gärten

"Besondere Frauen und ihre Gärten", "Künstler und ihre Gärten", "Modeschöpfer und ihre Gärten", "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" und nun also "Kluge Menschen und ihre schönen Gärten" – in den letzten Jahren sind immer wieder Bücher über besondere Menschen und ihre Gärten erschienen. Anke Kuhbier führt uns nun in ihrem neuen Buch als Gast in die Gärten von Denkern, Künstlern, Dichtern und Staatsmännern und zeigt uns diese Persönlichkeiten mit Schwerpunkt auf deren gärtnerischen Interessen und damit von einer oft unbekannten Seite. Einige dieser klugen Menschen sind samt ihren botanischen Interessen schon oft zwischen zwei Buchdeckeln vorgestellt worden oder haben wie beispielsweise William Robinson und Gertrude Jekyll selber Bücher über die Resultate veröffentlicht, die sie dank ihrer grünen Daumen erziehlt haben. Die hortikulturellen Vorlieben von anderen hingegen sind eher unbekannt.

Die jeweils achtseitigen Portraits sind gegliedert in einen erzählenden Teil, Fotos, eine kurzen Zusammenfassung über die Besonderheiten des jeweiligen Gartens und werden ergänzt durch Gartenpläne und Bilder von Werken der portraitierten Person. Haben Sie gewusst, dass sich auch Staatsoberhäupter wie George Washington, Winston Churchill und Konrad Adenauer in ihrer spärlich bemessenen Freizeit gerne mit Gärtnern beschäftigten und nichts gegen Erde unter den Fingernägeln einzuwenden hatten? Gleich drei gärtnernde Maler sind mit ihrer Inspirationsquelle vertreten: Claude Monet und sein Giverny, Max Liebermann und sein Wannsee-Garten sowie Emil Nolde und sein Garten im norddeutschen Seebüll. Stellvertretend für die schreibende Gilde stehen die Aufzeichnungen über Johann Wolfgang von Goethe, George Sand, Hermann Hesse, Bert Brecht oder Vita Sackville-West. Weiter vertreten sind Johann Gottfried Herder, Rudyard Kipling, Loki Schmidt, Moritz Landgraf von Hessen und Christoph Graf Douglas.

Speziell interessiert hat mich das Portrait über Hugh Johnson, dessen regelmässigen Beiträge im englischen Journal Hortus unter dem Titel „ Tradescant Diary“ ich schon lange genauso schätze wie sein Buch „In the Garden“ mit gesammelten Artikeln aus der Publikation „The Garden“ der Royal Horticultural Society. Letztere sind ebenfalls unter dem Pseudonym "Tradescant" verfasst worden. In der britischen Gartenszene war übrigens jahrelang darüber spekuliert worden, wer sich hinter dem Namen "Tradescant" verbirgt. Hugh Johnson ist nicht nur ein fulminanter Weinkenner und –kritiker sondern auch ein anerkannter Dendrologe, der auf seinem Grundstück über 1000 verschiedene Gehölze stehen hat und er zeichnet ausserdem als Verfasser des Gartenstandardwerkes „The Principles of Gardening“. Im vorliegenden Buch habe ich nun erstmals Bilder aus Johnsons grossem Garten gesehen. Seiner Gartenphilosophie entsprechend führt er einen eher  zurückhaltender Kampf gegen Unkraut, dabei hat er genaue Vorstellung darüber, welche Bilder und Stimmungen er mit seiner Bepflanzung hervorrufen möchte. Anke Kuhbier schreibt in diesem Zusammenhang von einer (Zitat) "gekonnten Mischung aus naturnahem Wildwuchs und gezielten gestalterischen Massnahmen". Das Portait macht neugierig, die gärtnerischen Geheimnisse des Feinschmeckers Hugh Johnson zu erkunden!

Das Buch „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“ ist überaus verschwenderisch bebildert, die Qualität einzelner Fotos fand ich allerdings teilweise etwas enttäuschend. Besonders beeindruckend hingegen sind die mit Blumen bedruckten Pergamentseiten, die jedes Kapitel eröffnen. Abgerundet wird die gelungene Produktion durch Kurzbiografien, die analog zu den Portraits nach Geburtsjahr der vorgestellten Persönlichkeiten geordnet sind. Ein schönes Geschenk für Gartenfreunde und Leser und Leserinnen, die gleichzeitig historisch interessiert sind!



Anke Kuhbier:
Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
Callwey Verlag, 2011

15. August 2011

Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam

Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.

Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
  • Historische Gärten
  • Gärten am Wasser
  • Gesellige Gärten
  • Designer-Gärten
  • Ungewöhnliche Gärten und
  • Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.

Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.

Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.

Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.

Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.



Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010

2. Juni 2011

Gartenpark am Goetheanum

Nach einem längeren Reifeprozess ist vor zwei Jahren ein bemerkenswertes Buchprojekt über das Gelände rund um das Goetheanum in Dornach abgeschlossen worden und die hier vorgestellte Publikation erschienen. Der Leser erhält mit dem Ablauf der Jahreszeiten einen interessanten Einblick in die verschiedenen Gärten und Begegnungszonen. Und er kann sich mit der konsequente Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes in diesem Park vertraut machen, der diesen Betrieb somit wohl von den meisten anderen öffentlichen Grünanlagen unterscheidet. Als Beispiel sei hier die Verwendung von selber hergestellten Farben aus Färber-Pflanzen der betriebseigenen Gärtnerei für die Verwendung der Deckenmalerei im Grossen Saal erwähnt.

1928 wurde das zweite Goetheanum in Gestalt eines imposanten Betonbaus eröffnet, nachdem das erste Gebäude zwei Jahre nach der Einweihung durch einen Brand zerstört worden war. Das von Rudolf Steiner entworfene Bauwerk liegt in einem Parkgelände, das der Gärtner und Landschaftsplaner Max Karl Schwarz aus Worpswede 1954 als Park mit Bäumen aus aller Welt gestaltete. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fielen viele dieser Exoten unter dem erwachenden Bewusstsein für einheimische Pflanzen in Ungnade. Ab Mitte der 70er Jahre wurde schliesslich ein geschlossener Düngerkreislauf anvisiert. Die daraus resultierende Unordnung und Wildnis entsprach nicht dem damaligen Zeitgeist von aufgeräumten Gärten und mancher mochte sich nicht mit dem neumodischen Pflanzstil identifizieren. Doch nicht zuletzt diese Anpassung der Umgebung an einheimische, ursprüngliche Lebensbereiche führte zur Rückkehr von verschiedenen lange verschwundenen Tierarten.

Die Skizze des Gartens am Ende des Buches erleichtert dem Ortsunkundigen das Zurechtfinden im literarischen Gang durch die verschiedenen Gartenräume, der mit einem Vorwort und der Gartenpark-Geschichte beginnt. Weitere Kapitel lauten unter anderen: “Wiesen: Geheimnisvolle Wunderwelt“, „Staudenbeete: Sensible Standorte“, „Duftkräutergarten: Sehen, riechen, schmecken“, „Kompost- und Spritzpräparate: Intime Wirksamkeit“. Die verschiedenen Bereiche werden von den jeweils zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschrieben. Das Team selber wird am Ende der Publikation ebenfalls kurz in Wort und Bild vorgestellt.

Im Sommer gehören vier, fünf Mutterkühe der Rasse „Rätisches Grauvieh“ zum Bild auf den Goetheanumwiesen. Die Wiederkäuer liefern nicht nur Dünger, sondern übernehmen auch Therapiefunktionen, da sie (Zitat aus dem Buch:) „“Inseln der Zeitlosigkeit in die Seeln zaubern". Der Gemüsegarten hat nicht nur den Zweck Nahrung zu liefern, er muss wie der Schnittblumengarten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Bevor das Jahr mit ernten und aufräumen abgeschlossen wird, steht im Oktober noch die wunderbare Arbeit der Mischung der Anzuchterde für die Jungpflanzenanzucht im Folgejahr an, die aus fünf Komponenten zusammengestellt wird. (Un)Ordung ist auch heutzutage immer wieder ein Thema - beispielsweise an den Mitarbeitertreffen, wenn etwa Unkrautstecher vermisst werden.



Benno Otter, Jörg Mensens und Charlotte Fischer:
Gartenpark am Goetheanum
Pforte Verlag (Futurum Verlag), 2009

24. April 2011

Die geheimen Gärten von Zürich

Nach einem Blick in die geheimen Gärten von Berlin, Amsterdam und London erlaubt der neueste Bildband aus dieser Reihe hinter zumeist abgeschirmte grüne und blühende Idyllen in und um Zürich zu spähen. Der Leser spaziert mit Hilfe von Autor und Fotograf vermeintlich hinter die Hecken von durchgestalteten Anlagen, in die Gärten von botanischen Sammlern, durch klassische Villengärten und Parks mit Seeanstoss und in die luftigen Höhen von Dachgärten.

Allen Portraits gemeinsam ist die private Nutzung und die Mehrheit der Besitzer und Bewohner bleibt im Buch namenlos und so geheim wie die Gärten, wenn sie nicht gerade in diesem Buch vorgestellt werden. Genau aus diesem Grund war es ein Vergnügen, an der Präsentation dieses Buches in einer Züricher Buchhandlung zu rätseln, welcher Gast wohl in welchen Garten passen würde. Eine Lösung zu diesen Überlegungen gab es natürlich nicht, dafür erfuhr man an diesem Anlass, wie sich der Autor bei Freunden und Bekannten leicht unbeliebt machte, weil er sich bei passenden und eher unpassenden Gelegenheiten (zu) häufig nach interessanten Gärten erkundigt hat. Ersatzweise erhält er auf seine Texte über Gärten mehr Resonanz als auf seine früheren Artikel über politische Themen oder Gastrokritiken. Aber zurück zu den geheimen Züricher Gärten.

Mehr als dreissig Refugien werden in Wort und exzellenten Bildern vorgestellt. Eines meiner Lieblingsportraits ist ein Sammlergarten um ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1920, der zu jeder Jahreszeit mit Höhepunkten aus dem Pflanzenreich prunken kann. Das Hanggrundstück wurde in rund fünfzehn Jahren in einen abwechslungsreichen Garten verwandelt. Neben interessanten Gehölzen buhlen alte Rosen und bezaubernde Stauden um Aufmerksamkeit. Nicht minder reizvoll erscheint eine andere grüne Oase zwischen Altstadthäusern, wo die Vegetation nur zurückhaltend in Zaum gehalten wird. Der abgebildete Efeubogen macht neugierig, was es ein paar Schritte weiter wohl ausser den Eichblatt- und Bauernhortensien sonst noch für Pflanzenschätze zu entdecken gibt.

Demgegenüber erscheinen die gärtnerischen Möglichkeiten auf Dächern eher eingeschränkt. Der portraitierte Gemeinschaftsdachgarten trumpft dafür mit einem herrlichen Ausblick auf die nahen städtischen Grünanlagen auf. Die Terrassen selber beherbergen ein Sammelsurium an Töpfen und Pflanzen, die bunt zusammengewürfelt sind. Obwohl mir persönlich die klassischen Villengärten und Parkanlagen weniger gefallen, sind die „Narzissen-Wellen“ in einem gepflegten Rasen zur Blütezeit überaus beeindruckend. Was passiert wohl mit den welken Blumen nach der Blüte? Stimmig dünkt mich auch das Buchsbaum-Paradies, welches das Titelbild ziert. Der Boden rund um das ehemalige Haus des Schulmeisters ist mit rund 700 gepflegt geschnittenen Buchskugeln bestückt. Bleibt zu hoffen, dass Buchsbaumzünsler und –pilz einen weiten Bogen um dieses grüne Reich machen.

Ein wunderschönes Buch! Für die Befriedigung meiner privaten hortikulturellen Vorlieben und Interessen hätte ich mir mehr Einblicke in mit Herzblut gestaltete und gepflegte (Schreber-)Gärten von passionierten Gärtnern aus Zürich und Umgebung gewünscht.

Dennoch würde es mich gar nicht wundern, auf einer Schifffahrt über den Zürichsee Personen mit Fernglas und diesem Buch bewaffnet anzutreffen. Ich für meinen Teil werde beim nächsten Ausflug auf Wasser bestimmt versuchen, noch gezielter als üblich in die Gärten zu schielen und auf diese Weise vielleicht einen Blick in die eine oder andere Anlage aus dem hier vorgestellten Buch zu erhaschen.



Andreas Honegger / Gaston Wicky (Fotos):
Die geheimen Gärten von Zürich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011