17. April 2011

Der Gartenkünstler

Manchmal dauert es länger, bis ich eine begonnene Lektüre abschliesse. Mehr als ein Jahr nach der kurzen Erwähnung des Buches „Der Gartenkünstler“ ist es endlich zu Ende gelesen!

Das Anlegen eines Gartens kann ganz schön ins Geld gehen. Das gilt umso mehr, wenn es um die Gestaltung ganzer Landschaften geht. Diese Erfahrung muss auch der Gartenarchitekt Hermann Fürst Pückler machen, der 1826 genau aus diesen Gründen vor dem Bankrott steht. Im Einvernehmen mit seiner geliebten Frau Lucie beschliesst er, sich scheiden zu lassen und in England eine junge Frau mit grosser Mitgift zu ehelichen. Das scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Pläne Muskau in einen Garten Eden zu verwandeln, doch noch verwirklichen zu können.

Was gehört neben dem Wühlen in der Erde zu den bevorzugten Beschäftigungen der Engländer? Richtig - das Abschliessen von Wetten. Baron Rothschild verspricht Pückler, sobald er wieder geheiratet hat, das englische Vermögen zu verwalten und zu vermehren und er schenkt ihm das für die Finanzierung des Aufenthalts auf der Insel nötige Kapital. So scheinen die Pläne, eine vermögende Engländerin zu finden, die (Zitat aus dem Roman) „sich ins ferne Schlesien verschleppen lässt, um ihr Vermögen als Humus auf Stecklinge und Beete zu werfen“ in greifbare Nähe zu rücken. Doch auf mysteriöse Weise sterben verschiedene junge Bekanntschaften aus dem Umfeld des Fürsten einen gewaltsamen Tod und dieser gerät plötzlich unter Mordverdacht.

Der Roman ist mehrheitlich in Briefform geschrieben und diese Korrespondenz besteht grösstenteils aus Briefen von Pückler an seine geschiedene Frau Lucie. Dazwischen eingefügt sind Kapitel, die den Leser und die Leserin über die Geschehnisse auf Muskau auf dem Laufenden halten, wo ein Junggärtner sich nicht nur um das Blühen der Ländereien kümmert.



Ralf Günther:
Der Gartenkünstler
List Verlag, 2010