29. Juni 2013

Doris Claudia Mandel: Unter den Maulbeerbäumen

Seit einem Jahrzehnt wird nach einer Verbrecherin gesucht, deren DNA-Spuren unterschiedlichen Delikten zugeordnet werden können. Sage und schreibe achtunddreissig Fälle mit identischer Spurenlage warten auf eine Aufklärung. Zuletzt wurden Spuren der Täterin beim Mord an Amtsrichter Taubenheim in Egiswalde gesichert. Doch nach wie vor lässt lassen sich weder ein Muster noch ein Motiv erkennen und die Ermittlungen stecken in einer Sackgasse. Staatsanwalt Wintersinger beauftragt deshalb seinen früheren Studienkollegen, den Privatdetektiv Alois Benkesser, genannt Ali, inkognito zu recherchieren. Der kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag stehende Eigenbrötler erzählt die Ereignisse in Tagebuch-Form.

Die finanziell äusserst willkommene Dienstreise entbindet Benkesser gleichzeitig von der lästigen Verpflichtung, sich endlich ein paar Gedanken über das Wie und Wo und das Überhaupt einer Geburtstagsfeier zu machen. Und der Auftrag lenkt ihn auch ab von der Tatsache, dass er in diesen Tagen zum ersten Mal Grossvater wird und die Beziehung zu seiner Tochter nach wie vor sehr angespannt ist. Damit der Führerschein- und Autolose Benkesser in der Kreisstadt und Umgebung nicht auf den öffentlichen Verkehr angewiesen ist, steht ihm der Chauffeur Franz samt Limousine Tag und Nacht zur Verfügung.

In Egiswalde ist zur gleichen Zeit die aus dem Osten stammende Kellnerin Vera, die eine besondere Affinität zu Maulbeerbäumen hat und in dem Hotel arbeitet, wo der Privatdetektiv untergebracht ist, hinter einer Fälscherorganisation her. Diese bringt alte handschriftliche Partituren auf ausgeklügelten Vertriebswegen in Umlauf und lässt sich diese teuer bezahlen. Zur Steigerung der Glaubwürdigkeit wurde sogar eine Musikerbiografie erfunden – zusammengeschustert aus unzähligen ebenfalls erfundenen Puzzleteilen inklusive eines extra komponierten Musikstückes.

Die Wege von Benkesser und Vera kreuzen sich immer wieder und es ergeben sich Parallelen zwischen den Vorfällen, denen die beiden auf den Grund gehen wollen und die beiden sind sich auch privat nicht unsympathisch. Was für eine Rolle spielt eine ziemlich undurchsichtige Musikwissenschaftlerin? Plötzlich rückt auch das streng unter Verschluss gehaltene private Umfeld des ermordeten Richters Taubenheim ins Visier von Benkesser, da die Biografien von dessen Nachkommen überhaupt nicht nachvollziehbar sind.

Auf einem Nebenschauplatz ist Hildegard von Bingen als Komponistin Thema und recht detailliert behandelt wird das Thema Transsexualität. Aus botanischer Sicht gibt es Informationen zur Geschichte der Maulbeerbäume und der Seidenraupen sowie zum unterschiedlichen Geschmack von weissen, roten und schwarzen Beeren dieser Gehölze. Die immer wieder erwähnten Maulbeerbäume sind nicht nur mit vielen Erinnerungen behaftet, sondern schliesslich auch Schauplatz eines weiteren Verbrechens.

Meine Vermutungen etwa zur Mitte des Buches, wie sich die Geschichte aufklären wird, haben sich schliesslich als richtig erwiesen, was der Spannung etwas abträglich war.  



Doris Claudia Mandel: 
Unter den Maulbeerbäumen 
SWB-Verlag, 2012