25. Juni 2013

Beth Hoffman: Die Frauen von Savannah

Cecilia, genannt CeeCee, Honeycutt flüchtet sich so oft als möglich in ihre Lesewelten, um den Alltag mit ihrer psychisch kranken Mutter und die Tatsache, dass sie eine Aussenseiterin ist, zu verdrängen. Ihr Vater ist ihr keine Hilfe. Er ist beruflich oft unterwegs und mit der heimischen Situation völlig überfordert. CeeCee kann sich kaum mehr an glückliche Zeiten mit ihrer Mutter erinnern und im Lauf der Jahre wird die Lage immer unerträglicher. Neben ihren geliebten Büchern sind die Sonntagsfrühstücke bei ihrer älteren Nachbarin Gertrude Odell der einzige Lichtblick im Leben der Schülerin. Die Nachbarin ist wie eine Oma zu CeCee und die beiden unterstützen sich gegenseitig so gut es geht. CeeCee jätet im Garten der Nachbarin und diese hält jeden Morgen ein Schulbrot für das Mädchen bereit.

Als CeeCee zwölf Jahre alt ist, kommt ihre Mutter bei einem tragischen Unfall ums Leben. Daraufhin wird das Mädchen von der ihr bis anhin unbekannten Grosstante Tootie aufgenommen und zieht in deren prächtiges Südstaatenhaus in Savannah, Georgia. Tootie und ihre Köchin Oletta sind zwei überaus warmherzige Frauen, die das Mädchen herzlich umsorgen. Bald gewinnt CeeCee Abstand zu ihrem bisherigen Leben und zu ihren schweren ersten Lebensjahren. Sie entdeckt die Natur und eine reale Welt ausserhalb ihrer immer noch hochgeschätzten Bücher. Da wirft ein rassistischer Überfall einen schwarzen Schatten auf ihr neues Glück inmitten einer Welt, die ausschliesslich aus Frauen zu bestehen scheint.

Und was gibt es in Sachen Hortikultur zu berichten? Nun, Tootie hat als junge Frau den „Ladies of Savannah Garden Club“ mitbegründet und früher den grossen, zu ihrem Anwesen gehörenden Garten alleine angelegt und gepflegt. Eine Nachbarin spielt ihren Pflanzen jeweils klassische Musik vor und weiss, dass ihre Kamelie Mozarts Symphonie Nr. 12 liebt, während die Rosen Chopin bevorzugen und ein altes Auto ist als Orchideentreibhaus zweckentfremdet worden. Dann ist die Rede von einer ermordeten Magnolie und von Farnkraut, das intelligenter sein soll als eine weitere (schreckliche) Nachbarin und von Tausend Traubenhyazinthenzwiebeln und hundert Tulpenzwiebeln, die zu pflanzen sind.

Der in Ich-Form erzählte Roman handelt von offenen und verdrängten Schuldgefühlen, Rassismus, Freundschaft und Lebensbüchern, in denen geschrieben steht, wo sich die Wege zweier Menschen kreuzen. Ein traurig-schönes, warmherziges Buch!  



Beth Hoffman: 
Die Frauen von Savannah 
Kiepenheuer und Witsch, 2011/2012