27. Mai 2009

Schottische Erbschaft

Die Hamburgerin Marie Moorburg erbt überraschend ein Cottage in Schottland. Die leidenschaftliche Gärtnerin hat ihre Eltern nie kennen gelernt und ist von ihren Grosseltern aufgezogen worden. Zuletzt arbeitete sie im Park des Grossindustriellen Cornelius Marienthal. Als dieser stirbt, verliert sie ihren Job und erbt von ihrem ehemaligen Arbeitgeber “Hardinghouse”, ein Anwesen in den Highlands. Der Reeder und Mäzen Marienthal hatte sich jeden Sommer alleine für einen Monat dorthin zurückgezogen, um zu jagen. 

Marie lässt alles stehen und liegen und fliegt umgehend nach Schottland, um sich über ihre Erbschaft ein genaueres Bild zu machen. Es stellt sich rasch heraus, dass es sich bei dieser nicht nur um das stark verfallene Cottage handelt, sondern dass ein gut unterhaltenes Schloss, eine Farm mit einer Pferdezucht und viel Land dazugehören. Marie wird von den Bewohnern der Farm von Hardinghouse nicht sehr freundlich empfangen und das Schloss wird von einer anscheinend verrückten Frau mit lebenslangem Wohnrecht bewohnt, die mit einem Gewehr auf alles schiesst, was sicht bewegt. Ausserdem sind die nächsten Verwandten von Cornelius Marienthal natürlich auch gar nicht begeistert von der Tatsache, dass eine Gärtnerin im Testament so grosszügig bedacht worden ist.

Die Geschichte ist ganz nett, aber mehr nicht. Die Leserin ahnt schon bald, warum Marie diese Erbschaft zugefallen ist und wer hinter der verrückten Frau steckt. Die Handlung des Romans ist zu einfach gestrickt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch die Handlungen von Marie sind nur bedingt verständlich. Entscheidungen und Umbauten/Renovationen werden in diesem Roman in einem völlig unrealistischen Tempo vorgenommen. Unverständlich und ziemlich abrupt ist auch der Schluss. Wie sich aus einer fast als Hass bezeichenbaren Antipathie so plötzlich eine grosse Liebe entwickelt hat, ist nicht nachvollziehbar. 

Die Idee hinter der Geschichte ist eigentlich gut, aber die Umsetzung leider nicht sehr gelungen. Gärtnerisches kommt immer wieder vor, spielt aber sicher keine Hauptrolle. Nachdem es Marie als reicher Erbin bald ziemlich langweilig ist, ist es doch ungemein passend, dass ihr durch ihre neue Liebe die Restauration von Klostergärten vermittelt wird. 



Christa Canetta: 
Ein Haus in Schottland 
Edition Tosca, 2009

24. Mai 2009

Gartenverführung

Die gebürtige Hamburgerin Gabrielle Pape gehört in Deutschland und England zu den führenden Gartenarchitektinnen. Anfang der 90er Jahre gründete sie zusammen mit Isabelle van Groeningen eines der bekanntesten englischen Gartendesignstudios und seit 2008 leitet sie die von ihr gegründete Königliche Gartenakademie (KGA) auf dem Gelände der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem. Dort bietet sie ihren Kunden nicht nur Pflanzen, sondern auch Gestaltungskurse an. Ihr Ziel ist es, die Gartenkunst (wieder) nach Deutschland zu bringen. Und sie möchte dazu beitragen, dass man hierzulande auch “gärtnern” geht und nicht im “Garten arbeiten” - Zitat: “Sie gehen ja auch kochen und nicht in der Küche arbeiten, oder?”. 

Einen Einblick in das gärtnerische Schaffen von Gabriella Pape ermöglicht nun der mit wunderschönen Fotos illustrierte Band “Gartenverführung”. Zwanzig Gartenprojekte werden vorgestellt, ein kleiner Hinterhofgarten ist ebenso vertreten wie grosse Landsitze oder der eigene Garten in der englischen Grafschaft Yorkshire. Letzterer wird hauptsächlich als Versuchsfeld benutzt, benötigte jedoch weil ein Teil rund 50 Meter lang, aber nur 14 Meter breit ist, trotzdem - oder gerade deshalb - eine durchdachte Struktur. Aus einem unkrautfreien Garten der DDT-Generation ist ein blühendes Paradies entstanden. So wurde der ehemalige Vorgartenrasen umgegraben und durch Rosen und Stauden ersetzt und der alte Vorgarten bekam eine Bepflanzung mit Allium cristophii, Silene orientalis und Knautia macedonica. Laut Kurzsteckbrief sind rund 95 % der gesamten Gartenfläche von 1250 m2 mit Stauden überwachsen. 

Zu Papes Kunden zählt auch einer, der kurzerhand den lokalen Steinbruch wieder öffnen liess. Dieser war nach dem zweiten Weltkrieg geschlossen worden und der zum Haus des Kunden passende Stein war nur dort erhältlich... Am schönsten sind aber die Gärten, in welchen die Besitzer selber leidenschaftliche Gärtner sind, und die Bepflanzung entsprechend anspruchsvoller angelegt worden ist. 

Im Kapitel “Ein deutscher Garten für die Queen” sind interessante Hintergrundinformationen zur Chelsea Flower Show allgemein und zur Gestaltung eines grossen Schaugartens speziell zu erfahren. Jeder Garten wird mit einem Kurzsteckbrief vorgestellt, aus welchem unter anderem Baujahr und -zeit ebenso ersichtlich sind wie Grösse, Ausgangssituation, spezielle Wünsche sowie bevorzugte Materialien. Eine Skizze erlaubt dem Leser, sich ein genaueres Bild über die Begebenheiten zu machen. 

Teilweise dokumentieren Vorher-Nachher-Aufnahmen die Veränderungen in der vorgenommenen Umgestaltung der Gärten. Ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nehmen wird, um die konkreten Anleitungen nachzulesen oder sich eben verführen zu lassen. Leider fehlt ein Register, welches das Nachschlagen erleichtern würde. 

Wer näheres über die Königliche Gartenakademie wissen möchte, erfährt dies im letzten Kapitel des Büchleins “Schritt für Schritt zum Traumgarten” von Gabriella Pape oder auf der Webseite der KGA. 



Gabriella Pape: 
Gartenverführung – Traumhaft schöne Gärten und ihre Umsetzung
Callwey Verlag, 2009 

Schritt für Schritt zum Traumgarten – Eine Anleitung für die Zusammenarbeit mit dem Gartengestalter 
Callwey Verlag, 2008

22. Mai 2009

Die Rose des Schachspielers

Eine junge Frau wird brutal ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Auf dem Bauch der Toten liegen drei rote Rosen. Dem Mord voran gingen zwei anonyme Rosengeschenke. Durch den Briefschlitz in der Türe hineingeworfen lag zunächst eine Rose in der Wohnung, später dann nochmals zwei rote Rosen. 

Kommissar Kroll beginnt die Leipziger Blumenläden abzuklappern. Und schon im zweiten Geschäft wird der Ex-Freund der Toten anhand eines Fotos als Rosenkäufer erkannt. Von diesem Ingo Melzer werden am Tatort DNA-Spuren sichergestellt. Ein Interims-Staatsanwalt veranlasst trotz Widerstand von Kroll die Einstellung weiterer Ermittlungen. 

Ohne ein Geständnis abgelegt zu haben, wird Ingo Melzer anhand von belastenden Indizien zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Monate später findet eine weitere Leipzigerin eine rote Rose in ihrem Briefkasten. Obwohl sie die Polizei informiert, gelingt es dem Täter, auch diese Frau zu ermorden und er hinterlässt diesmal zwei rote Rosen. 

Vom Mörder falsch gelegten Spuren führen zunächst zu einem Schauspieler. Schliesslich kommt Kroll dem Psychopathen immer näher und wird auch noch privat in den Fall hineingezogen. Ein spannender Krimi mit Leipziger Lokalkolorit, der sich auch durch Fachkenntnisse des Autors, einem Juristen, auszeichnet. 



Andreas Stammkötter: 
Die Rose des Schachspielers 
Neuer Europa Verlag, 2008

20. Mai 2009

Im, um, auf, über und neben dem Baum

Eine uralte, riesige Eiche ist das Daheim von Tobie Lolness und seinem Volk. Der 13jährige gehört zu einer angesehene Familie und lebt mit seinen Eltern in den oberen Ästen. Die kaum mehr als einen Millimeter grossen Bewohner des Baumes wissen nichts von einer Welt ausserhalb der Eiche. 

Auf dem Plant Baum ist wie auf dem Planet Erde einiges im Argen. Tobies Vater Sim macht eine wichtige Erfindung, welche der Grosse Rat zweckentfremdet verwenden will. Um den Lebensraum Baum nicht zu zerstören, weigert sich Sim, sein Geheimnis um das Wissen vom Baumsaft preiszugeben. Daraufhin wird Sim mit samt seiner Familie in die unteren Äste ins Exil verbannt. Dort lernt Tobie Elisha kennen und gewöhnt sich rasch an sein neues Leben. 

Doch schon bald beginnt eine beispiellose Hetzjagd, mit welcher der Bösewicht Jo Mitch sein Ziel verfolgt, an Sims Erfindung zu gelangen. Im zweiten Band hat sich der Baum von einem wertvollen Lebensraum in eine Hölle entwickelt. Weil inzwischen der Baumsaft angezapft worden ist, stirbt die Eiche. 

Die beiden Bücher zeichnen deutliche Parallelen zwischen dem Lebensraum Erde und Lebensraum Baum. Auch in der Miniwelt gibt es äusserst rücksichtslose Bewohner, die nur an ihren eigenen Vorteil denken. Die Bücher sind teilweise auch sehr brutal. Doch soviel verrate ich nun doch schon vorweg: alles wendet sich zum Guten. Weiter positiv erwähnenswert sind die wunderschön gestalteten Einbände der beiden Tobie-Bücher. 




Timothée de Fombelle: 
Tobie Lolness 
Gerstenberg Verlag, 2008 

Tobie Lolness – Die Augen von Elisha 
Gerstenberg Verlag, 2008

16. Mai 2009

Magischer Gärtner

“Was liest du denn für ein komisches Buch?” fragte dieser Tage die Jungmannschaft. Nun, nicht nur das Umschlagbild, auch der Inhalt meiner letzten Lektüre ähnelte in keiner Weise den Büchern, die sonst herumliegen. Die Covergestaltung entspricht überhaupt nicht meinem Geschmack, aber vielleicht gehört diese zu einem Fantasy-Roman. 

In Brendens Dorf sind viele Menschen schwer erkrankt. Es gelingt ihm, mit Hilfe von Kräutern viele von ihnen zu heilen. Leider aber sind seine Eltern an dem Fieber gestorben. Nachdem ihn auch noch sein Bruder verlässt, versinkt er in seiner tiefen Trauer und wendet sich immer mehr der Natur, Blumen und Pflanzen zu, deren Sprache er intuitiv versteht. 

Dann kommt Od, eine Riesin, auf den Einzelgänger Brenden zu und bittet ihn, sich um die Gärten der Magierschule in Kelior im Land Numis zu kümmern, und er macht sich auf den Weg dorthin. In Numis werden die Magier unter der strikten Kontrolle des Königshofes ausgebildet und jede private Ausübung unterliegt strengen Regeln. Brenden ist von Od dazu ausersehen worden, durch seine Magie ein uraltes Rätsel zu lösen. 

Das Buch liest sich recht flüssig, aber ich hatte Mühe, mir die Namen der verschiedenen Figuren zu merken. Es werden verschiedene Erzählstränge angefangen, aber nicht alle führen zu einem Ende. 

Habe ich überlesen, ob Brenden das Rätsel um die unbekannte, stachelige Pflanze gelöst hat? Meine nächste Lektüre ist bestimmt kein Fantasy-Roman. Ich freue mich nun darauf zu erfahren, wie es Peggy Lee in ihrem Shop „The Potting Shed“ in Charlotte in letzter Zeit ergangen ist. Nachzulesen im druckfrischen Gartenkrimi „A Corpse for Yew“ von Joyce und Jim Lavene. 



Patricia Mc Killip: 
Der Zaubergärtner 
Blanvalet, 2006

12. Mai 2009

Hobby- und andere Gärtner

Immer wieder und immer öfter erscheinen in Eigen- oder Kleinverlagen Gartenerlebnisse von Hobbygärtnern in Buchform. Einigen diesen Druckerzeugnissen merkt man dann etwas mehr oder weniger das fehlende oder mangelhafte Lektorat an. Mit viel Enthusiasmus und Liebe für den Garten und das Gartenbuch wird das aber wieder wett gemacht. 

Im Umkreis der leidenschaftliche Hobbygärtnerin Waltraud Hopf interessiert sich niemand für den Garten. Um ihre Freuden und Sorgen zu teilen, hat sie diese im Büchlein „Das Gartentor ist offen“ zu Papier gebracht. Sie erzählt begeistert über ihre Pflanzen und Tiere und ihren gelegentlich etwas speziellen Arbeitsstil. Wer sich nicht bereits vom Umschlagtext vom Weiterlesen abhalten lässt (Zitat: „… habe am selben Tag Geburtstag wie die legendäre Marilyn Monroe. Leider habe ich nicht deren Hollywood-Qualitäten, dafür lebe ich noch“), erfährt im Büchlein „Verhängnisvoller Goldfelberich“die Verwandlung eines Garten, der diesen Namen kaum verdiente, in ein blühendes Paradies. Auslöser zur Umgestaltung war ein Geschenk in einer Plastiktüte, eben ein abgestochener Goldfelberich. 

In rund 25 Kapiteln hat Anke Dreher Erlebnisse über ihren „irgendwie ganz normalen Reihenhausgarten“ zusammengetragen. Hier gibt es Geschichten über Grosswildjagd, einen Strandkorbkauf mit Folgen oder einfach über Glücksmomente. Den Abschluss der Kapitel bilden jeweils zur Episode passende Einsichten wie „Gib auch anderen eine Chance zu leben“ (zur Grosswild- bzw. Maulwurfjagd) oder „Stelle dich den Herausforderungen des Lebens und du wirst sie meistern“. 

Die Sicht eines Berufsgärtners und seine Rückschlüsse auf die Kundschaft aufgrund der Gartenbepflanzung näher bringen einem die Geschichten „Begegnungen im Garten“ von Lukas Lavater. „Duell bei der Hecke“ handelt von kleinlichen Leuten und der gerichtlich festgelegten Maximalhöhe einer Ligusterhecke, während „Mein ganz schwacher Tag“ das Dilemma eines Berufsgärtners aufzeigt, der um Kundenwünsche zu erfüllen, seine Ansichten und Meinungen zurückhalten muss und sich nachher ziemlich mies fühlt, weil er eine von Mietern gezogene Gartenecke auf Kommando eines Vermieters zerstören musste. 

Marita Eichler organisiert seit Jahren die offene Pforte „Über Zäune schauen“ im Raum Soltau-Fallingbostel und Umgebung. Weil sie für ihr schon ziemlich weit gediehenes Buchprojekt keinen Verlag finden konnte, hat sie Text, Fotos und Layout sowie die Finanzierung des gleichnamigen Buches selber in die Hand genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und braucht einen Vergleich mit ähnlichen Büchern aus renommierten Verlagen nicht zu scheuen. 54 unterschiedliche Gärten aus Niedersachsen werden in Text und wunderschönen Fotos präsentiert, darunter vertreten sind Künstlergärten, Sammlergärten, Gärtnereien. 



Anke Dreher: 
Gartenglück 
Eigenverlag, 2007 

Marita Eichler: 
Über Zäune schauen 
Marcus René Dünsing, 2008 
www.ueber-zaeune-schauen.de 

Waltraud Hopf: 
Das Gartentor ist offen 
Zwiebelzwerg Verlag, 2008 

Lukas Lavater: 
Begegnungen im Garten Verlag 
holapress, 2008 

Birgit Strähle: 
Verhängnisvoller Goldfelberich 
Engelsdorfer Verlag, 2008

9. Mai 2009

Ella in Bloom

Ella ist die jüngere von zwei Töchtern einer texanischen Familie. Sie ist nicht so hübsch und vollkommen wie ihre ältere Schwester Terrell. Als junge Frau nutzte sie die erstbeste Gelegenheit, ihr Elternhaus zu verlassen und heiratete völlig überstürzt Buddy. Ihre Ehe llief nicht gut. 

Nach dem Tod ihres Mannes bringt Ella nun sich und ihre 14jährige Tochter Birdie mit Jobs als Pflanzensitterin mehr schlecht als recht durchs Leben. Der Kontakt zu ihren Eltern beschränkt sich im Wesentlichen auf Briefe. Von ihrem beschwerlichen Leben als allein erziehende Mutter erzählt sie nichts, sondern baut eine einer verwitwete Tochter angemessene Welt auf. 

Ella erzählt von ihrem aufgrund von Katalogen „erfundenen“ Rosengarten und von Leinenkleidern, die sie sich nicht leisten kann. Dann kommt Terrell auf dem Weg zu ihrem Liebhaber bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ihr Tod bedeutet neben Leid auch eine grosse Veränderung in Ellas Leben. Sie ist nun die einzige Tochter und muss nach dem Verlust ihrer perfekten Schwester eine neue Rolle in der Familie übernehmen. Und Ella realisiert immer deutlicher, dass sie nicht die einzige in der Familie ist, die Gärten erfindet ... 



Shelby Hearon: 
Ella in Bloom 
Penguin Books, 2000

6. Mai 2009

Tulpen und Genmafia

Tils Eltern sind zu einer Hochzeit nach Wien gefahren. Deshalb wohnt sein Grossvater, genannt Opa Krause, während der Osterferien für ein paar Tage bei dem Elfjährigen in Frankfurt. Während Til gerne das Hallenbad besuchen und spannende Bücher lesen würde, hat sein Opa ein anderes Programm im Kopf, nämlich auf Stadtspaziergängen die Sehenswürdigkeiten erkunden. Doch Opa Krause kommt noch aus einem anderen Grund gerne an den Main. Er korrespondiert und telefoniert seit einiger Zeit mit einer ungefähr gleichaltrigen Dame, die wie er alles liebt, was grünt und blüht, insbesondere aber Tulpen. Und jetzt hat Opa Krause endlich Gelegenheit, Elfriede Zimperlich persönlich kennen zu lernen und ist schon beim Gedanken an ein Treffen ganz nervös. 

Diese Begegnung findet bereits am ersten Abend in einem Restaurant vor dem Römer statt. Während sich sein Grossvater ausgezeichnet mit der Tulpenzüchterin unterhält, ist Til recht bald ziemlich genervt und gelangweilt und verzieht sich Richtung Toilette. Dort verfolgt er ein seltsames Gespräch zwischen zwei Männern und entdeckt einen Zettel, der einem der beiden aus der Hosentasche gefallen ist. Darauf befinden sich Buchstaben und Pfeile sowie eine rote Tulpe mit spitz zusammenlaufenden Blütenblättern. Nun fängt auch Til an, sich für Tulpen zu interessieren, obwohl er in diesem Moment noch nicht ahnen kann, dass er mit diesem Zettelfund auf die Spur einer internationalen Genmafia gekommen ist. 

Das spannende Kinder- und Jugendbuch ist auch für Erwachsene interessant zu lesen und vermittelt nebenbei einiges Wissen über Auslesezüchtung und Gentechnik. Im Anschluss an die Geschichte sind die letzten Seiten mit kurzen Hintergrundinformationen über diese Themen gefüllt und Dr. Lars Baumbusch, der die Autorin auch schon bei der Geschichte in Sachen Gentechnik unterstützt hat, erklärt was Wissenschaftler tun und wie Gene funktionieren. Dieser Kinderkrimi ist leider vergriffen, aber über verschiedene Internet-Anbieter (neu-)antiquarisch noch erhältlich. Die Mühe lohnt sich. 



Andrea Liebers: 
Tulpenrausch Kam 
Gör Verlag, 2005

3. Mai 2009

Liegestuhllektüre

Die 30jährige Blumenladenbesitzerin Hope ist vor kurzer Zeit von einer Brustkrebserkrankung genesen. Sie fühlt sich nun nicht mehr als vollwertige Frau, wird von Ängsten um ihre Gesundheit geplagt und fühlt sich nicht mehr attraktiv und liebenswert. 

Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten lesend, in der Natur oder in ihrem Garten. Milly (76 Jahre alt) ist kürzlich nach Heart Lake zu ihrer geschiedenen Tochter gezogen, um diese im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen. Sie fühlt sich aber bald ausgenutzt und eingeschränkt.

Die leidenschaftliche Gärtnerin pachtet etwas Land in einer Gemeinschaftsgartenanlage, um ihrem Lieblingshobby nachzugehen. Die junge Hausfrau und Mutter Amber bearbeitet die Parzelle neben Milly und Hope. Sie ist ebenfalls neu in die Stadt gezogen, nachdem sie und ihr Mann das eigene Restaurant aufgeben mussten. Ihr Mann ist nun schon seit längerem arbeitslos, und sie beabsichtigt, das Familienbudget durch selbstgezogenes Gemüse zu entlasten. 

Die beiden Neuzuzüger Milly und Amber freunden sich rasch an. Die erfahrene Gärtnerin Milly hilft Amber mit praktischen Gartentipps, Kochrezepten und gibt ihr auch Ratschläge in Sachen Eheprobleme. Mit einem Lavendel-Cookie-Rezept schafft es Amber, die Käufer auf dem Wochenmarkt zu begeistern und tatsächlich Geld für die Haushaltkasse zu verdienen. Amber steht Milly rasch näher als die eigene Tochter. Eine Panne bei einer Blumenstrauss-Auslieferung ändert Millys Leben unterwartet und radikal. 

Die Charaktere sind sehr lebensecht gezeichnet und man lebt mit ihnen mit. Unbedingt lesenswert! 



Sheila Roberts: 
Love in Bloom 
St. Martin's Press, 2009