5. Juni 2011

Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten

Diese Neuerscheinung ist ja nun beileibe nicht das erste und ziemlich sicher auch nicht das letzte Buch, das sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Garten seit der Vertreibung aus dem Paradies auseinandersetzt. Während andere Publikationen zu diesem Thema oft recht trocken formuliert und nur in kleinen Dosen geniessbar sprich lesbar sind (mir geht es jedenfalls zuweilen so), ist „Eden auf Erden“ nicht nur fundiert verfasst, sondern gleichzeitig auch in einem überaus klugen und anregenden Stil geschrieben.

Die Zeitreise durch die verschiedenen Moden und Zwecke in der Gartengeschichte beginnt mit dem Kapitel „Ein Eden für jeden“ und zwar mit einer Beschreibung des schweren Gärtneralltags aus der „Lebenslehre des Cheti“, verfasst um 2000 vor Christus. Als (vorläufiges) Ziel der Gartenreise sind für Anfang des 21. Jahrhunderts die allerorts spriessenden Gartenfestivals zu nennen, unzählige Gartenbuchneuerscheinungen, Guerilla-Gardening sowie die trendige Rückbesinnung darauf, direkt vor der Haustüre das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, will heissen sein eigenes Gemüse aufzuziehen und die Ernte wenn immer möglich entsprechend zu zelebrieren.

Während den Etappen dieser illustrierten Reise auf hochwertigem Papier erfahren wir von grünen Revolutionären, Gartenkünstlern, Exzentrikern, Galantophilen und Samenräubern. Wir treffen aber auch auf gute alte Bekannte wie die (Zitat aus dem Buch:) „Altmeisterin“ Beth Chatto, den (Zitat aus dem Buch:) „Komödianten“ mit Hexenküche Christopher Lloyd oder die aktuelle First-Lady der USA, die auf dem Rasen des Weissen Hauses medienwirksam inszeniert einen Gemüsegarten angelegt hat. Kurzer Querverweis passend zum Thema „Garten und Weisses Haus“: ich lese gerade das Buch „Flowerbed of State“ von Dorothy St. James – ein Gartenkrimi, dessen Kulisse die Anlagen rund ums Weisse Haus bilden.

Den passenden Abschluss des gleichzeitig lehrreichen und amüsanten Lesebuches "Eden auf Erden" bildet eine Beschreibung von grünen Kleptomanen. Welcher vom grünen Virus infizierte möchte es nicht gelegentlich jener vornehmen Dame gleichtun, die ihre Begehrlichkeiten nach Stecklingen mit der Nagelschere gleich selber befriedigt – selbstverständlich ohne vorher zu fragen?



Christa Hasselhorst:
Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten
Corso/Groothuis, Lohfert Verlagsgesellschaft, 2011